Pressemappe - Münchener Biennale

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Münchener Biennale – Festival für neues Musiktheater
28. Mai bis 9. Juni 2016
OmU
Original mit Untertiteln
Dr. Hans-Georg Küppers
Kulturreferent der Landeshauptstadt München
02
Initial
Daniel Ott und Manos Tsangaris
Künstlerische Leitung der Münchener Biennale
03
Biographien
Daniel Ott und Manos Tsangaris
05
OmU: Original mit Untertiteln
Marion Hirte und Malte Ubenauf
Dramaturgie Münchener Biennale
06
Programmübersicht
09
Programm
13
Diskurse
41
Plattformen
45
Daten & Fakten
46
Münchener Biennale – Festival für neues Musiktheater
Künstlerische Leitung: Daniel Ott und Manos Tsangaris
Ludwigstraße 8, 80539 München
T +49 89-280 56 07, F +49 89-280 56 79
[email protected], www.muenchenerbiennale.de
Veranstalter: Kulturreferat der Landeshauptstadt München
in Zusammenarbeit mit Spielmotor München e.V.
Dr. Hans-Georg Küppers
Kulturreferent der Landeshauptstadt München
Als Hans Werner Henze gemeinsam mit der Landeshauptstadt München die Münchener
Biennale ins Leben rief, stand im Mittelpunkt des Festivals für neues Musiktheater der
Gedanke eines Experimentierlabors, in dem junge Komponistinnen und Komponisten
Neues ausprobieren und Grenzen ausloten können, ohne Angst vor dem Scheitern
haben zu müssen. Sein Nachfolger Peter Ruzicka führte diese Tradition fort und legte
dabei den Schwerpunkt auf Uraufführungen von größeren Werken in theatralen
Räumen.
Daniel Ott und Manos Tsangaris stellen nun die Vernetzung, Experimentierfreude und
Nachwuchsförderung in den Mittelpunkt der Programmgestaltung der ersten von ihnen
verantworteten Münchener Biennale. Die von ihnen initiierte internationale Plattform
ermöglicht Musikschaffenden gemeinsam mit Akteuren anderer Sparten interdisziplinäre
Möglichkeiten auf Augenhöhe auszuloten und miteinander unterschiedlichste Denk- und
Arbeitsansätze auszuprobieren.
»OmU« – »Original mit Untertiteln« lautet ihr erstes Festival-Thema – und wenn man
die Vielgestaltigkeit der Projekte sieht, denkt man unwillkürlich nicht nur an Untertitel,
sondern auch an Übertitel, Kommentare, Anmerkungen, Streitgespräche, Überprüfen
von vertrauten Begriffen, neugieriges Erkunden von ungewohnten Formen … Fließende
Übergänge zu anderen Kunstsparten, wie Bildender Kunst, Film, Literatur oder Tanz,
werden hier sicht- und hörbar, der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Man sieht dem
Programm in seiner inspirierenden Fülle an, das es nicht »im stillen Kämmerlein«
erdacht wurde, sondern im künstlerischen Austausch entstanden ist, im Dialog mit allen
Beteiligten, also kollaborativ.
Als Kulturreferent freue ich mich auch über die neuen Kooperationspartner in der Stadt
– beispielsweise das Volkstheater und die Lothringer 13 –, und dass das
Festivalprogramm durch zahlreiche Vermittlungsangebote ergänzt wird, wie etwa das
große Mitmachprojekt »Gaach – quasi eine Volksoper« in Zusammenarbeit mit der
Münchner Volkshochschule.
Das umfangreiche Programm strahlt Neugier und künstlerische Begeisterung aus,
gleichzeitig aber auch eine fachkundige und sorgfältige Auswahl der Akteure, und ich
freue mich schon sehr auf die Realisierung im kommenden Frühjahr.
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Daniel Ott und Manos Tsangaris
Künstlerische Leitung der Münchener Biennale – Festival für neues Musiktheater
Initial
Die Münchener Biennale ist weltweit das einzige Festival, das ausschließlich
Uraufführungen von Werken des neuen Musiktheaters zeigt. Sie hat jungen
Komponisten und Komponistinnen schon in der Vergangenheit vielfältige
Möglichkeiten eröffnet, sich und ihre künstlerischen Ambitionen auf höchstem Niveau
auszuprobieren.
Als uns der Kulturreferent der Stadt München, Dr. Hans-Georg Küppers, fragte,
ob wir Interesse hätten, ab 2016 die künstlerische Leitung dieses besonderen
Festivals zu übernehmen, waren wir nicht nur überrascht und hoch erfreut ob der
wunderbaren Aussichten, sondern haben das uns entgegengebrachte Vertrauen
sofort als eine Aufforderung verstanden, die außergewöhnlich erfolgreiche Geschichte
der letzten Jahrzehnte hin zu neuen inhaltlichen und formalen Dimensionen weiterzudenken. Es wurden nach Hans-Werner Henze und Peter Ruzicka wieder zwei
Komponisten gefragt. Schon das spricht eine eigene Sprache.
Musiktheater ist für uns mehr als nur ein genrebezogenes, sinnliches Vergnügen. Der
klassische Kompositionsbegriff hat sich erweitert. Und das aus gut nachvollziehbaren
Gründen. Unsere lebensweltlichen Verhältnisse, gerade was ästhetische und formale
Rahmensetzungen angeht, überstürzen sich, von den gravierenden politischen
Veränderungen zunächst einmal abgesehen. Wie reagieren die Künste? Oder besser
noch: wie agieren sie! Denn das, was im Modellversuch, scheinbar nur dem Wahren
und Schönen verpflichtet, erfunden, experimentell verdichtet und ausprobiert wird,
findet sich, oft unter anderen Namen und Masken, bald in ganz anderen gesellschaftlichen Zusammenhängen wieder, nicht zuletzt in Werbung, Film, Kommunikationsund Medienpraxis. Aber auch dort, wo Nachrichten übermittelt und Meinungen geformt
werden. Für uns bedeutet es, den Kunstraum als Forschungsstätte zu öffnen und zu
schützen. Der erweiterte Kompositions-Begriff schließt sehr unterschiedliche Formate
ein. Von neuer Oper bis szenischer Installation, von minimalisierter künstlerischer
Intervention im Stadtraum zu komponierter Performance, um nur einige zu nennen.
Dieses Spektrum bildet einen Raum, der unsere gesellschaftliche »Vielsprachigkeit«,
die alltägliche mediale Polyphonie künstlerisch zuspitzt und reflektiert. Von daher ist
neues Musiktheater ein offenes Feld geworden, das gesellschaftliche und auch
politische Fragestellungen unter besonderen Bedingungen ausleuchten kann.
Gerade zu Beginn unserer Arbeit scheint es uns naheliegend, ein Thema zu wählen,
das die Vielsprachigkeit, die Übersetzungs-Qualitäten, die Konjunktion unter den
Teilsprachen des neuen Musiktheaters befragt und ausführt. »OmU – Original mit
Untertiteln« kommt zunächst aus dem Filmzusammenhang, aber sehr schnell wird
klar, dass es zum Beispiel auch OmÜ heißen könnte, Original mit Übertitelung, wie sie
in den meisten Opernaufführungen geschieht. Und was heißt Originalität, was ist
Übersetzung innerhalb des Musik-Theaters, seiner Vorlagen, Libretti, Partituren,
Aufführungen, Traditionen, Dokumentationen und Rezeptionsgeschichten … um den
Themenkreis hier nur anzudeuten.
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Von Anfang an hatten wir beschlossen, die Münchener Biennale in erster Linie wieder
zu einem Nachwuchsforum zu machen. Das Durchschnittsalter der Künstlerinnen und
Künstler im Jahr 2016 liegt etwa um die 30 Jahre. Um den jungen Kunstschaffenden
neue Wege zu öffnen, haben wir schon ab 2013 zunächst in München, dann aber
auch mit internationalen Partnern weltweit so genannte Internationale BiennalePlattformen durchgeführt, beispielsweise in Bern, Rotterdam, Buenos Aires, Beijing
u.a.. Hierbei treffen ausgewählte junge Kunstschaffende aus unterschiedlichen
Disziplinen, also nicht nur Komponist_innen, sondern auch Bühnenbildner_innen,
Autoren_innen, Regisseur_innen, Video-Künstler_innen, Performer_innen usw. zu
bestimmten Themen- und Fragestellungen aufeinander, lernen sich und ihre Arbeiten
gegenseitig kennen und bilden schließlich Arbeitsteams, die ihre jeweiligen Projekte in
den nächsten Monaten und Jahren gemeinsam verfolgen werden. Teamarbeit ist uns
genauso wichtig wie die individuell-künstlerische Konzentration am Arbeitstisch.
Unsere erste Ausgabe im Jahr 2016 bezieht einen wichtigen Anteil ihrer Projekte aus
diesen Plattformen. Entscheidend hierbei ist, dass die künstlerischen Gewerke
einander auf Augenhöhe begegnen und austauschen und von Anfang an produktive
Auseinandersetzungen eingehen.
Die Münchener Biennale 2016 präsentiert sich in zeitlich und räumlich konzentrierter
Form. Das heißt, es wird in kürzerem Zeitraum mehr Premieren und eine deutlich
höhere Aufführungsdichte geben, und das alles in großer Nähe zum Muffatwerk,
unserem Festivalzentrum. Alle Spielstätten sind von hier aus fußläufig gut zu
erreichen, sei es das Müllerʼsche Volksbad, der Gasteig, die Kunsträume Lothringer
13 oder Einstein Kultur. Einige Aktionen finden im Stadtraum statt, eine Bus-Oper
etwa, ein »homöopathischer Mob« oder eine Stadtteil-Oper. Zudem wird in einer
weitläufig diskursiven Bewegung das gesamte Programm des Festivals in einer
Vielzahl von Veranstaltungen unterdessen auch vorbereitend, vermittelnd und
reflektierend begleitet von verschiedenen Kooperationspartnern. Und auch innerhalb
der Biennale selbst wird über ihr Thema während eines dreitägigen Symposiums
nachgedacht und diskutiert werden.
Wir hoffen und wünschen uns, dass die Münchener Biennale als international
einzigartiges Festival für neues Musiktheater weiterhin und in intensiver Form die
Praxis und den lebendigen Diskurs des zeitgenössischen Musiktheaters befruchten
und beflügeln kann, dass möglichst viele Zuschauerinnen und Zuschauer die Vielfalt
und Qualität des künstlerischen Angebots wahrnehmen und dass nicht zuletzt auch
die beteiligten Künstler_innen in ihrer forschenden Tätigkeit gefördert, angeregt und
unterstützt werden.
Daniel Ott, Manos Tsangaris
November 2015
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Daniel Ott und Manos Tsangaris
Biographien
Daniel Ott
(www.danielott.com)
Geboren 1960 in Grub/Appenzell.
Komponist, Pianist, Theaterschaffender, Autor landschaftsbezogener Werke.
Klavierstudium, Aufbau freier Theatergruppen, Straßentheater mit Wagenbühne und
Pferden, Theaterstudien in Paris und London. Kompositionsstudium bei Nicolaus A.
Huber und Klaus Huber.
Vor allem und das seit 25 Jahren: Arbeit als Komponist, Pianist, Innovator im Bereich
Neues Musiktheater, interdisziplinär und situationsbezogen. Gründung des Festivals
»neue musik rümlingen«. Zehn Jahre Lehrauftrag für Experimentelle Musik in Berlin.
Musiktheater u.a. für die Staatsoper Stuttgart, das Theater Bielefeld, für die
Donaueschinger Musiktage und die Wittener Tage für neue Kammermusik.
Situationsbezogene Arbeiten für die Expo Hannover (Musik zum Schweizer Pavillon von
Peter Zumthor), für das Museum für Moderne Kunst MMK Frankfurt am Main, das
Festival Alpentöne/Altdorf und den Wasserturm Berlin/Prenzlauer Berg.
Landschaftskompositionen für den Hafen Sassnitz/Rügen, den Wallfahrtsort
Heiligkreuz/Entlebuch, die Neisse zwischen Görlitz und Zgorzelec, den Rheinhafen
Basel, die Elbe bei Hitzacker und die Ruhr bei Witten.
Seit 2005 Professor für Komposition und Experimentelles Musiktheater an der Universität der Künste Berlin, seit 2015 Mitglied der Akademie der Künste Berlin.
Ab 2016 gemeinsam mit Manos Tsangaris künstlerische Leitung der Münchener
Biennale – Festival für neues Musiktheater.
Manos Tsangaris
(www.tsangaris.de)
Geboren 1956 in Düsseldorf.
Komponist, Trommler, Installationskünstler, Protagonist des neuen Musiktheaters. Studium bei Mauricio Kagel (Komposition) und Christoph Caskel (Schlagzeug) an der
Hochschule für Musik und Tanz Köln. Studien bei Alfonso Hüppi an der Kunstakademie
Düsseldorf.
Grundsätzlich: Forschungen zu einem erweiterten Kompositionsbegriff, der radikal den
Menschen in den Mittelpunkt nimmt. Untersuchung der Schnittstellen zwischen Bild,
Ton, Wort und Szene – und ihre Synthese in einem universell verstandenen, neuen
Musiktheater. Regelmäßige Aufführungen seiner Werke bei international renommierten Festivals (Donaueschinger Musiktage, Wittener Tage für neue Kammermusik,
Theaterfestival Belgrad, Musik-Biennale Berlin, Biennale Venedig, Ultima Festival Oslo,
Tonlagen Dresden, Warschauer Herbst). Seit 25 Jahren werden auch seine installativen
und bildnerischen Arbeiten in wichtigen Galerien und Museen weltweit gezeigt. Initiator
des Kongresses Praemoderne in Köln. Bernd-Alois-Zimmermann-Stipendium der Stadt
Köln, Stipendium der Akademie Schloss Solitude Stuttgart, Kunstpreis der Akademie
der Künste Berlin, Ehrengast der Villa Massimo. Lehrer für transdisziplinares Komponieren, Leiter des Akademieprojekts Europäisches Zentrum der Künste Dresden.
Dozent bei den Darmstädter Ferienkursen, seit 2009 Professor für Komposition an der
Hochschule für Musik Dresden und Mitglied der Akademie der Künste Berlin (Direktor
der Sektion Musik ab 2013), Mitglied der Sächsischen Akademie der Künste seit 2010.
Ab 2016 gemeinsam mit Daniel Ott künstlerische Leitung der Münchener Biennale –
Festival für neues Musiktheater.
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Marion Hirte und Malte Ubenauf
Dramaturgie
OmU: Original mit Untertiteln
Die Münchener Biennale 2016
Original mit Untertiteln. Für all jene passionierten Kinobesucher und Serienfans, die
synchronisierte Versionen der von ihnen verehrten Filmwerke leidenschaftlich ablehnen, ist bereits an dieser Stelle alles gesagt: »OmU« – das ist der entscheidende
Hinweis (mehr noch: das Symbol!) für unverfälschte Filmvorführung auf allen
öffentlichen und privaten Leinwänden dieser Erde. Doch was bedeutet die
berühmteste Abkürzung der TV- und Kinogeschichte im Zusammenhang mit der
ersten Ausgabe der »Münchener Biennale für neues Musiktheater« unter der
künstlerischen Leitung von Daniel Ott und Manos Tsangaris? Es ist die dem ersten
der drei Buchstaben innewohnende Uneindeutigkeit, die Tsangaris und Ott dazu
bewogen hat, sich selbst und alle am Festival beteiligten Künstler mit der Frage zu
konfrontieren, um was es sich tatsächlich handelt, wenn von einem »Original« die
Rede ist. Bezogen auf Oper und Musiktheater scheint die Antwort rasch gefunden: ein
Original – das ist die auf einem Libretto basierende Partitur des Komponisten. Doch ist
die Sache wirklich so einfach? Sind nicht vielmehr alle musikdramatischen Ausdrucksformen auf Zusammenkunft und Interaktion zahlreicher unterschiedlicher Künstler hin
konzipiert? Darauf, gemeinsam eine in Zeichenform ausgearbeitete musikalische
Erfindung in ein klingendes und szenisches Ereignis zu verwandeln? Was also ist die
Partitur? Tatsächlich das Original? Verhält es sich nicht vielmehr so, dass erst in der
öffentlichen Aufführung, im Zusammenwirken von Klang, Szene, Raum und Publikum
ein Original wahrnehmbar wird? Eines, das sich von Aufführung zu Aufführung, von
Inszenierung zu Inszenierung immer wieder verändert und erneuert? Gibt es einen
Unterschied zwischen »Autoren« und »Interpreten«, wenn die an der Aufführung
beteiligten Künstler das Original überhaupt erst ermöglichen?
Die Frage nach dem Original ist – unter anderem – die Frage nach den Ursprüngen
eines künstlerischen Werkes, den einer Musiktheatererfindung zugrundeliegenden
(wiederum »originalen«) Inspirationen bzw. Stoffen, und damit eine Frage nach dem
Mythos des Werkbegriffs schlechthin. Im Rahmen der von Daniel Ott und Manos
Tsangaris bereits vor zweieinhalb Jahren ins Leben gerufenen ersten internationalen
Biennale-Plattform, zu der fast dreißig junge Künstlerinnen und Künstler aus den
Bereichen Komposition, Regie, Raum, Kostüm, Dramaturgie und Video sowie
zahlreiche Instrumentalinterpretinnen- und Interpreten in München zusammen kamen,
wurden die Dimensionen der OmU-Problematik ausgeleuchtet: Welcher Künstler ist
auf welche Weise an der Erfindung eines Musiktheater-Originals beteiligt? Inwiefern
ist der Anspruch auf originale künstlerische Leistungen überhaupt produktiv? Welche
»Ursprünge« für musikdramatische Werke wären denkbar, wenn nicht eine librettobasierte Partitur die ausschlaggebende Bezugsquelle ist? Szenische? Choreographische? Räumliche?
Die Behauptung »Original mit Untertiteln« beinhaltet eine Vielzahl grundlegender
Differenzen. Diese finden sich im komplizierten Verhältnis von Schriftlichkeit und
Bildlichkeit, von zeichensprachlicher Struktur und abbildender bzw. klingender
Wiedergabe. Zwar hat sich die westlich-europäische Kultur mit der Notenschrift ein
Zeichensystem erfunden, welches nicht auf Übersetzung im klassischen Sinne
angewiesen ist (von einer Landessprache in die andere); und doch erfordert das
musikalische Zeichensystem zahlreiche simultane Lesarten von den zur Aufführung
gehörenden Teilnehmern. Lesarten, die als Formen der Übersetzung verstanden
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werden müssen, als Übertragungen von Schriftzeichen in Klänge, Gesänge, Bilder,
Räume und Bewegungen. Und da bekanntlich alle Übersetzungen auch Erfindungen
sind, weil es keine eindeutigen, geschweige denn originalgetreuen Übersetzungen
gibt, sind die Übertragenden im Bereich des Musiktheaters stets Co-Autoren, die das
vorliegende Schriftsystem durch ihre persönlichen Verständnisfilter leiten und bei der
Übersetzung entsprechend anreichern, kommentieren und verändern. Ähnliches gilt
auch umgekehrt. Und zwar immer dann, wenn Komponisten im Zuge einer so genannten »Vertonung« außermusikalische Inhalte in ihre Notensysteme transformieren.
Mehr noch jedoch in solchen Fällen, in denen szenische oder räumliche Überlegungen
in ein musikalisches Zeichensystem übersetzt werden sollen. Zu all dem gesellt sich
die Frage, wem eigentlich die Copyrights an Übersetzungsvorgängen gehören, in
denen sich der Autor eines »Originals« aus einer Vielzahl von übersetzenden Autoren
zusammensetzt?
Was also genau ist ein Original? Und welche Bedeutung besitzen Untertitel, wenn das
Original selbst bereits ein komplex untertiteltes Gebilde ist, das sich aus einer Vielzahl
originaler künstlerischer Erfindungen und Übertragungen zusammensetzt? Diesen
Fragen nachzuspüren gilt das Interesse der an der Münchener Biennale für neues
Musiktheater 2016 beteiligten Künstler. Auf Initiative von Daniel Ott und Manos
Tsangaris entwickelten seit Herbst 2014 neun Teams, die sich eigenständig bei der
Biennale-Plattform gefunden haben, insgesamt neun konkrete Projekte, die sich mit
der OmU-Thematik befassen und nunmehr im Rahmen des kommenden Festivals ihre
Uraufführung erleben. Neun »Originale«, die auf sehr unterschiedliche Weise die
Vieldeutigkeit künstlerischer Autorenschaft thematisieren. Neun Entwürfe gegenwärtigen Musiktheaters, die – ergänzt durch drei weitere, außerhalb der BiennalePlattform initiierte Projekte – einerseits für traditionelle Konzerträume und Theaterbühnen im Muffatwerk und Gasteig, andererseits aber auch für ungewöhnliche
Aufführungssituationen in der näheren Umgebung des Festivalzentrums sowie für den
öffentlichen Raum konzipiert wurden.
Mit der Erweiterung der Spielorte in die Nachbarschaft der Muffathalle gehen die
Biennale-Künstler der Frage nach, inwiefern die Bedingungen eines OriginalSchauplatzes die OmU-Problematik ihrer jeweiligen Projekte verschärfen bzw.
bereichern. So bespielen die künstlerischen Teams der Biennale während der
Festivalzeit neben Muffathalle und Carl-Orff-Saal (Gasteig) das in der unmittelbaren
Nachbarschaft gelegene Müllerʼsche Volksbad, den Ausstellungsraum Lothringer 13,
Einstein Kultur sowie verschiedene Orte im öffentlichen Stadtraum. Entsprechend
vielfältig gestalten sich die Aufführungsformate: Performances und Installationen mit
mehrstündigen Öffnungszeiten (»Hundun«, »The Navidson Records«) verlaufen
ganztags, und damit im Vorfeld sowie synchron zu Abendvorstellungen mit eher
klassischen Aufführungszeiten von 90 Minuten oder 120 Minuten (»if this then that and
now what«, »Speere, Stein, Klavier«, »Sweat of the Sun«, »Für immer ganz oben«,
»Mnemo/scene: Echos«), unangekündigte Interventionen im Stadtraum (»Staring at
the Bin«) ereignen sich parallel zu den mehrmals täglich angebotenen Touren im
Biennale-Kino-Bus (»ANTICLOCK OmU«). Der sich immer wieder überkreuzende
zeitliche Verlauf der Vorstellungen evoziert dabei eine sich stets wandelnde gegenseitige Untertitelung der jeweils laufenden Ereignisse. Ein eher subversives Phänomen, das sich für jeden Biennale-Zuschauer anders darstellt – je nachdem, welche
Veranstaltungen des Festivalangebots in welcher Reihenfolge ausgewählt werden.
Auf diese Weise wird der Zuschauer selbst zum Co-Autor eines Originals - dem eines
von seiner Wahrnehmung und Interaktion abhängigen Verlauf eines Festivaltages.
Während sich für den einen Besucher die Musiktheaterkomposition über David Foster
Wallaceʼs kurze Erzählung »Für immer ganz oben« mit einem Besuch der durch den
7
800 Seiten starken Roman »House of Leaves« des amerikanischen Autors Mark Z.
Danielewski inspirierten Installation zu einem echten Labyrinth der Untertitelungen
verknüpft, hat der andere Besucher bereits ein Road-Movie der performativen Art
absolviert. Die originalen und live improvisierten Soundtracks dieser Kinotour
beeinflussen zwangsläufig den weiteren Verlauf des Tages und untertiteln zum
Beispiel den Besuch der Produktion »Sweat of the Sun«, deren OmU-Auseinandersetzung im Spiel mit Texten aus Werner Herzogs »Eroberung des Nutzlosen«
entsteht. Wer in der zweiten Woche des Festivals unterwegs ist, erlebt schließlich, wie
ein ganzer Stadtteil zum Original mit Untertiteln wird. Das Education-Projekt
»GAACH« forscht mit ungefähr 100 Bewohnern des Festival-Stadtteils nach OmUPhänomenen der nächsten Umgebung. Das hierbei angestrebte Ergebnis: quasi eine
Volksoper.
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PROGRAMMÜBERSICHT
Legende: (K) Komposition, (R) Regie, (B) Bühne/Raum, (D) Dramaturgie, (T) Text, (V) Video, (S)
Sounddesign
–––
Muffathalle, 28.5., 18.00 | 29.5. – 31.5., 20.00
Jil Bertermann (B), David Fennessy (K,T), Katharina Ortmann (D),
Marco Štorman (R,T)
Sweat of the Sun
nach »Eroberung des Nutzlosen« von Werner Herzog
–––
Gasteig / Carl-Orff-Saal, 28.5., 21.00 | 29.5. – 31.5., 20.00
Simon Steen-Andersen (K,B,R,T)
if this then that and now what
–––
Stadtraum, 28.5. – 9.6., durchgehend
Meriel Price (K,R)
Staring at the Bin
–––
Lothringer 13, 29.5. – 3.6., 18.00 – 24.00, Einlass alle 30 Minuten bis 23.00
Ole Hübner (K), Kristian Hverring (S), Rosalba Quindici (K), Benedikt Schiefer (K),
Tassilo Tesche (B), Till Wyler von Ballmoos (R)
The Navidson Records
Ein Musiktheater als Installation
–––
Muffatwerk, 29.5. – 9.6., Installation jeweils 18.00 – 22.00 | Performances am 29.5.,
30.5., 1.6., 3.6., 4.6., 6.6., 7.6., 8.6., jeweils 18.00 – 18.30
Judith Egger (B), Neele Hülcker (K)
Hundun
–––
Stadtraum, 30.5. – 8.6., 20.00
Mirko Borscht (R), Christian Beck (B), Hannes Hesse (V)
ANTICLOCK (OmU)
__
Gasteig / Black Box, 30.5., 1.6., 3.6.: 22.00 | 31.5., 2.6.: 18.00
Georges Aperghis (K)
Pub – Reklamen
Arno Camenisch (T)
SEZ NER
–––
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Open Air, Treffpunkt: Muffathalle, Foyer, 31.5., 2.6., 4.6., 6. – 8.6., 22.00
Cathy van Eck (K), Isabelle Kranabetter (D), Blanka Radoczy (R), Claudia Irro (Ko):
Phone Call to Hades
–––
Müllerʼsches Volksbad, 1.6. – 5.6., jeweils 20.30
Abdullah Kenan Karaca (R,T), Vincent Mesnaritsch (B), Brigitta Muntendorf (K,T)
Für immer ganz oben
nach einer Erzählung von David Foster Wallace
–––
Einstein-Kultur, 2.6. – 5.6., 20.00 sowie 4.6. und 5.6., 16.00 | 6.6. – 8.6., 18.00 | 9.6., 11.00
Pauline Beaulieu (R), Ariel Farace (T), Stephanie Haensler (K),
Yvonne Leinfelder (B)
Mnemo/scene: Echos
–––
Muffatwerk / Ampere, 3.6., 22.00 und 4.6., 20.00
Charles Sadoul (K,B), Adelin Schweitzer (V)
HolyVj #Digression no°1
–––
Gasteig, Foyers, 5.6., 18.00
GAACH – quasi eine Volksoper
Ein Partizipationsprojekt
Künstlerische Leitung: Catherine Milliken, Robyn Schulkowsky, Dietmar Wiesner
–––
Gasteig / Carl-Orff-Saal, 5.6., 6.6., 8.6., 20.00
Christian Grammel (R), Genoel von Lilienstern (K), Elisabeth Tropper (D), Yassu
Yabara (B)
Speere Stein Klavier
–––
Muffathalle, 6.6. – 9.6., 20.00
Deville Cohen (R,B), Hugo Morales Murguia (K)
UNDERLINE
–––
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DISKURSE
–––
OFFENE AKADEMIE der Münchner Volkshochschule
5.4.2016, 19.30 Uhr
Gasteig / Black Box
OmU: VORLAGE UND FILM - LOST IN TRANSLATION?
Asta Scheib (Drehbuch- und Romanautorin), Jochen Striebeck (Synchronsprecher),
Steven Uhly (Romanautor) und Michael Verhoeven (Filmregisseur) im Gespräch.
Moderation: Christoph Lindenmayer, Münchner Volkshochschule
3.5.2016, 20.00 Uhr
Gasteig / Black Box
ORIGINAL MIT UNTERTITELN
Die Münchner Biennale 2016
Daniel Ott und Manos Tsangaris sowie Marion Hirte und Malte Ubenauf im Gespräch zu
OmU und dem Konzept des Festivalprogramms.
Moderation: Heike Lies, Kulturreferat und Marianne Müller-Brandeck, Münchner
Volkshochschule
–––
KURSPROGRAMM der Münchner Volkshochschule:
18.4. / 2.5. / 9.5.2016
Gasteig
BIENNALEWERKSTATT
»Sweat of the Sun« nach »Eroberung des Nutzlosen« von Werner Herzog
Die intensive Beschäftigung mit Text und Komposition des Stücks im Vorfeld seiner
Uraufführung bieten Raum für Erfahrung und Diskussion und erleichtern den Zugang zu
ungewohnten Höreindrücken und neuen Perspektiven. Leitung: Shoshana Liessmann,
Musik- und Kulturwissenschaftlerin
–––
11.5.2016, 12.00 Uhr – 14.00 Uhr
Ludwig-Maximilians-Universität, München
Institut für Theaterwissenschaft
Ringvorlesung mit Prof. Dr. David Roesner:
Inszenierungsgeschichte im 20./21. Jahrhundert
Die Münchener Biennale
Prof. Dr. David Roesner im Gespräch mit Manos Tsangaris und Daniel Ott
–––
12.5.2016, 20.00 Uhr
Gasteig / Black Box
BR-KLASSIK. THEMA MUSIK LIVE
»Münchener Biennale – eine neue Etappe?«
Sendetermine:
ARD-alpha, 21.5.2016, 22.30 Uhr (»Denkzeit«)
BR-KLASSIK, 26.5.2016, 20.05 Uhr – 21.30 Uhr
–––
U21-VERNETZT von der Münchener Biennale
Sendetermine:
ARD-alpha, 5.6.2016, 11.00 Uhr – 12.00 Uhr
11
BR-KLASSIK Radio und Video-Stream brklassik.de, 6.6.2016, 21.05 Uhr – 22.00 Uhr
einsfestival, voraussichtlich Juni 2016
–––
Gasteig / Black Box, 3.–5.6.2016
Symposium zur Münchener Biennale:
OmU - Echoräume und Suchbewegungen im heutigen Musiktheater
Leitung: Jörn Peter Hiekel (Dresden) und David Roesner (München)
–––
Partner Diskurse
Positionen. Texte zur aktuellen Musik
12
PROGRAMM
13
Uraufführung
Muffathalle
28.5., 18.00 | 29.5. – 31.5., 20.00
Jil Bertermann (B), David Fennessy (K,T), Katharina Ortmann (D),
Marco Štorman (R,T)
Sweat of the Sun
nach »Eroberung des Nutzlosen« von Werner Herzog
Sprache: Deutsch und Englisch mit Übertiteln
Dauer: 75 Minuten
Tickets: € 18, ermäßigt € 10
Weitere Aufführungen: Juni 2017, Theater Osnabrück
Komposition, Text: David Fennessy
Regie, Text: Marco Štorman
Bühne, Kostüm: Jil Bertermann
Dramaturgie: Katharina Ortmann
Klangregie: Zoro Babel
Video: Ole Heinzow
Mitwirkende:
Susann Vent-Wunderlich (Sopran), Leslie Visco (Sopran), Annette Schönmüller (Alt), Marco
Vassalli (Bariton), José Gallisa (Bass)
Stephanie Schadeweg (Schauspielerin), Dennis Pörtner (Schauspieler)
Münchener Kammerorchester
Musikalische Leitung: Alexander Liebreich
Kompositionsauftrag der Landeshauptstadt München zur Münchener Biennale
finanziert durch die Ernst von Siemens Musikstiftung
Koproduktion der Münchener Biennale mit dem Theater Osnabrück
Kooperation mit Operadagen Rotterdam
1982 drehte der deutsche Regisseur Werner Herzog den Film »Fitzcarraldo«. Herzog
kommentiert den Filmdreh in einem Tagebuch, das unter dem Titel »Eroberung des
Nutzlosen« veröffentlicht wurde. Das messianische Pathos von Sprache und Bildern, durch
die im Tagebuch die Vorgänge geschildert werden, steht dem Bewusstsein der Nutzlosigkeit
des Vorhabens gegenüber. Das Musiktheater »Sweat of the Sun« ist ein Zoom in den Kopf
eines Besessenen. Die radikal subjektive Perspektive des Textes »Eroberung des Nutzlosen«
wird im Musiktheater »Sweat of the Sun« intensiviert, gebrochen und erweitert in eine
dreidimensionale Darstellung in Raum, Szene und Klang. Die Aufführung bildet eine
»Landschaft« aus Orchester, Schauspieler*innen, Sänger*innen und Publikum: aus ihr
entfaltet sich die Erzählung des Protagonisten, sie ›ist‹ gleichsam seine Erzählung.
David Fennessy – Komposition
David Fennessy begann seine musikalische Laufbahn als Gitarrist in einer
Schulrockband, bevor er im Alter von 15 Jahren ins klassische Fach wechselte.
Während seines Studiums am Dublin College of Music erwachte sein Interesse für
Komposition. Er studierte an der Royal Scottish Academy of Music and Drama, wo er
nun selbst seit 2005 unterrichtet. 2006/2007 erhielt er ein Stipendium des Ensemble
Modern. Es folgte der Dewar Arts Award (Schottland), der es ihm erlaubte, zwölf
14
Monate in Deutschland zu verbringen. Fennessys Kompositionen werden weltweit von
namhaften Ensembles aufgeführt, darunter das Royal Scottish National Orchestra,
Endymion Ensemble, Irish National Chamber Choir, Concorde, Castagneri Quartet
(Frankreich), Zephyr Quartet (Niederlande) und Synchronia (USA).
Marco Štorman – Regie
Marco Štorman, geboren 1980 in Hamburg, schloss 2005 sein Regiestudium an der
Otto-Falckenberg-Schule in München ab. Er assistierte u.a. bei Christoph Schlingensief, Jossi Wieler, Andreas Kriegenburg, Stephan Kimmig und Schorsch Kamerun,
erhielt diverse Stipendien und gründete 2006 die Gruppe Kulturfiliale. 2011 drehte er
seinen ersten Film »Juliaugust«, der bei den 9. berlin film awards ausgezeichnet
wurde. In Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut realisierte er 2011 und 2013
Stadtrauminstallationen in Melbourne und Adelaide. Er arbeitet als freier Regisseur,
u.a. am Thalia Theater in Hamburg, am Schauspiel Hannover, am Düsseldorfer
Schauspielhaus und an der Jungen Oper Stuttgart.
Katharina Ortmann – Dramaturgie
Katharina Ortmann ist Musikdramaturgin im Bereich Konzert und Musiktheater mit
Schwerpunkt auf zeitgenössischem Repertoire und Projektentwicklung. Seit 2014
arbeitet sie freischaffend, derzeit u.a. als Produktionsleitung und Dramaturgin des
Internationalen Musiktheaterwettbewerbs Darmstadt, den das Staatstheater
Darmstadt in Zusammenarbeit mit den Internationalen Ferienkursen für Neue Musik
Darmstadt 2015/16 für Komponist*innen ausgelobt hat. Von 2011 bis 2014 war
Katharina Ortmann Musiktheaterdramaturgin an der Staatsoper Hannover, wo sie in
der Spielzeit 2012/13 zudem kommissarisch die Junge Oper leitete. Von 2008 bis
2011 war sie Dramaturgin am Oldenburgischen Staatstheater. Katharina Ortmann
studierte von 2000 bis 2006 Musikwissenschaft, Geschichte und Germanistik in
Berlin und Paris. 2007 bis 2009 war sie Stipendiatin der Akademie Musiktheater
Heute und ist jetzt Mitglied des Alumnibeirats.
Jil Bertermann – Bühne und Kostüme
Jil Bertermann studierte Freie Kunst mit dem Schwerpunkt Bühnenraum an der
Hochschule für bildende Künste Hamburg. Nach ihrem Diplom folgten Arbeiten für die
Opera Stabile der Staatsoper Hamburg sowie für das Rokokotheater Schwetzingen.
Der Kinofilm »TEENAGE RESPONSE« von Eleni Ampelakiotou, für den sie Setdesigns entwarf, lief im offiziellen Programm der 59. Berlinale. Von 2009 bis 2012 war
sie an den Münchner Kammerspielen als Bühnenbildassistentin tätig. Dort realisierte
sie eigene Bühnenbilder, u.a. für die Produktionen »Gleis 11« und »München/
Diyarbakir« von Christine Umpfenbach, »They shoot horses, donʼt they?« von
Susanne Kennedy, »Hotel Europa« von Johan Simons, für »Holt mich hier raus« und
das Stadtprojekt »München komplett« von Schorsch Kamerun sowie für »Das war auf
einer Lichtung da sie zum ersten Mal Geld dafür nahm« von Malte Jelden.
–––
Rundfunk-Mitschnitt BR-KLASSIK
Sendetermin: BR-KLASSIK, 2.7.2016, 20.05 Uhr
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Uraufführung
Gasteig / Carl-Orff-Saal
28.5., 21.00 | 29.5. – 31.5., 20.00
Simon Steen-Andersen (K,B,R,T)
if this then that and now what
Dauer: ca. 70 Minuten
Tickets: € 18, ermäßigt € 10
Weitere Aufführungen:
23. und 30. Juni 2016, jeweils 19.30 Uhr, Staatstheater Mainz/ Kleines Haus
Komposition, Regie, Bühne, Text: Simon Steen-Andersen
Dramaturgie: Ina Karr
Schauspieler: Rüdiger Hauffe
Philharmonisches Staatsorchester Mainz
Kompositionsauftrag der Landeshauptstadt München zur Münchener Biennale
finanziert durch die Ernst von Siemens Musikstiftung
Koproduktion der Münchener Biennale mit dem Staatstheater Mainz
»if this then that and now what« ist ein Musiktheater für achtzehn Musiker und vier
Schauspieler, das sich zwischen Theater, Lecture Performance, Konzert, Lichtinszenierung
und Installation bewegt. Oder vielmehr: Statt eines »Zwischendrin« wird dieser Abend
versuchen, alles gleichzeitig zu sein. Denn Simon Steen-Andersen verbindet in seinen Werken
musikalisches und akustisches Material mit visuellen Elementen. Daraus entstehen
Kompositionen, in denen Bilder, Bewegungen und Gesten eine ebenso wichtige Rolle
einnehmen wie die Musik und sich in polyphoner Vielschichtigkeit zueinander verhalten. Das
Musizieren ist dabei selbst Teil des kompositorischen Denkens. So entsteht musikalische
Struktur zum Beispiel aus der choreografisch komponierten Bewegung der Musiker. Darüber
hinaus entwickelt Steen-Andersen für das Werk mehrere Klangobjekte, deren Faszination in
eben dieser Verbindung von Visuellem und Akustischem besteht.
»Ich betrachte das Projekt als Übersetzung meiner Hauptinteressen aus den letzten drei bis
vier Jahren in ein großes szenisches Format, in dem ich die Verbindung zwischen Klang und
Vision erforschen werde.« (Simon Steen-Andersen)
Simon Steen-Andersen – Idee, Komposition, Text, Regie, Bühne
(www.simonsteenandersen.dk)
Geboren 1976 in Odder (Dänemark). Musikalische Ausbildung (Komposition) ab 1998 in
Århus bei Karl Aage Rasmussen, 2001/02 bei Mathias Spahlinger in Freiburg, 2003/04 bei
Gabriel Valverde in Buenos Aires und 200 bis 2006 bei Bent Sørensen und Hans
Abrahamsen in Kopenhagen. Zahlreiche Auszeichnungen und Stipendien, u.a. von der
Dänischen Kunststiftung, der Léonie-Sonning-Musikstiftung und den Darmstädter
Ferienkursen (Kranichsteiner Musikpreis 2008); diverse Gastaufenthalte. Kompositionsaufträge unter anderen von ensemble recherche / Donaueschinger Musiktage 2007,
Ensemble Modern, Radio-Kammerphilharmonie Hilversum, Sinfonieorchester Shanghai,
außerdem Aufführungen seiner Werke durch Ensembles wie ICTUS, das Collegium Novum
Zürich und das Silesian String Quartet. Seit 2008 Lehrtätigkeit (Komposition) an der
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Königlichen Musikakademie in Århus; Veröffentlichungen in Zeitschriften wie kunstMUSIK,
Dansk Musik Tidsskrift, Parergon (Norwegen); Mitherausgeber der dänischen Zeitschrift für
neueste Kunstmusik »AUTOGRAF.org«. Das Schaffen von Simon Steen-Andersen
umfasst neben Kompositionen für Solisten, Ensembles und Orchester, zum Teil mit
ungewöhnlichen Zusatz-Instrumenten, Gerätschaften und verschiedenen elektroakustischen Dispositiven, auch audiovisuelle Installationen. Häufig wird die Musik durch
Aktionen der Ausführenden um eine theatrale Dimension erweitert.
Ina Karr - Dramaturgie
Ina Karr studierte Schulmusik, Musikwissenschaft und Germanistik in Freiburg. Im Anschluss
wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Albert Ludwigs Universität Freiburg, Autorin für Tagesund Fachzeitschriften, Festivalkorrespondentin für BBC London, Dramaturgin des Festivals
„Eclat“ sowie Geschäftsführerin des Ensemble Aventure . Ab 2002 Dramaturgin am
Nationaltheater Mannheim und ab 2006 leitende Musiktheaterdramaturgin am Oldenburgische
Staatstheater, wo sie ab 2009 auch Operndirektorin war. Seit 2014 ist Ina Karr
Chefdramaturgin Musiktheater am Staatstheater Mainz. Lehraufträge an der Carl von
Ossietzky Universität Oldenburg und der Hochschule für Musik und Darstellenden Kunst
Frankfurt. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auch in der Weiterentwicklung des
zeitgenössischen Kindermusiktheaters.
Rüdiger Hauffe - Schauspieler
Rüdiger Hauffe, geboren 1983, von 2007 bis März 2011 Schauspielstudium an der
Hochschule für Musik und Theater in Hamburg. Während des Studiums spielte er am St.PauliTheater, später am Thalia-Theater Hamburg u. a. in den Produktionen Leonce und Lena
(Regie: Dimiter Gotscheff) und am Schauspielhaus Hamburg in Roger Vontobels Das
Käthchen von Heilbronn. Erstengagement 2011 an das Oldenburgische Staatstheater, wo er
u.a. die Titelrolle in Der unaufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui spielte. Seit der Spielzeit
2014/15 Ensemblemitglied am Staatstheater Mainz, hier war er bisher u.a. als Tempelherr in
K.D. Schmidts Inszenierung Nathan der Weise oder Lucie Depauws Deutsche Erstaufführung
von Lilli/Heiner und der Uraufführung Die Sirenen des Titan zu erleben.
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Aktionen im öffentlichen Raum
28.5. – 9.6., durchgehend
Meriel Price (K,R)
Staring at the Bin
Komposition, Konzept, Regie: Meriel Price
mit
Karina Erhard, Philipp Kolb, Johann-Michael Schneider, Christoph Theussl, und Meriel Price
Video: Aron Kitzig
Produktion der Münchener Biennale
»Staring at the Bin«, also ›Einen Mülleimer anstarren‹, ist die unmittelbare Begegnung
von Öffentlichkeit, Musik und Theater, unangekündigt und unerwartet, eine Sammlung
von Miniatur-Performances im öffentlichen Raum, so winzig, dass sie wie zufällige
merkwürdige Begebenheiten erscheinen. Musikalische und theatrale Ereignisse werden
nahtlos ins urbane Leben eingebettet, maximal reduziert, als Pause, als Impuls,
Wiederholung oder Variation. Eingerahmt und fokussiert wird das Alltagsleben zur
Grundlage intimer Interaktion. Der unmittelbare Kontakt des Publikums mit dem Werk,
ganz ohne ›künstlerischen‹ Kontext ermöglicht eine neue Beziehung, eine direkte
Reaktion, weil der Wegfall jeglicher Etikettierung Raum für die ganz persönliche
Bedeutung lässt. Die Störung des Tagesrhythmus zwingt zum Innehalten, zum
Nachdenken und bietet damit die Chance, die Alltagsroutine des städtischen Lebens neu
zu interpretieren. Unerklärt und grundlos verwundern die Ereignisse, schärfen die
Wahrnehmung, geben Impulse für eine direktere Verbindung mit Menschen, Orten und
Geschehnissen der Umgebung.
Im Vorfeld der Biennale und während der gesamten Veranstaltung werden verschiedene
Orte in ganz München vor Zufallspublikum mit Eventminiaturen bespielt, die dokumentiert
werden. Die Aufzeichnungen werden in einem Ausstellungsbereich gezeigt, der sich
während der Biennale weiterentwickelt und so zum lebenden Protokoll der laufenden
Begegnungen wird.
Meriel Price – Idee, Komposition, Regie
(www.merielprice.com)
Die Solistin und Kammermusikerin arbeitet eng mit zeitgenössischen Komponisten
zusammen, die Werke für sie schrieben, wie Luke Bedford, Larry Goves, Pete Meechan
und Jordan Hunt. Sie spielt mit dem Redux Orchestra und nahm die CD Symphony X auf,
die u.a. beim Springdance Festival in Utrecht präsentiert wurde. Regelmäßig tritt sie als
Orchester-Saxophonistin auf, u.a. mit den Berliner Philharmonikern. Meriel Price wurde
als Saxophonistin und bildende Künstlerin vielfach ausgezeichnet. Ihre Spezialisierung
liegt in der Kombination von Musik und bildender Kunst. 2012 entwickelte sie mithilfe des
Elsa-Neumann-Stipendiums ihr Multimedia-Projekt »Stimuli«. Als bildende Künstlerin
realisierte sie u.a. Installationen für das Tempelhof Theater Festival Berlin, für das Filmund Musik-Festival Blind Spot und ein multimediales Konzert für die Martinů Festtage in
Basel. Bei der Münchener Biennale 2012 war sie an »A Game of Fives« beteiligt. Meriel
Price studierte am Royal Northern College of Music in Manchester und absolvierte ein
DAAD-Stipendium an der Universität der Künste in Berlin.
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Uraufführung
Lothringer13
29.5. – 3.6., 18.00 – 24.00, Einlass alle 30 Minuten bis 23.00
Ole Hübner (K), Kristian Hverring (S), Rosalba Quindici (K), Benedikt Schiefer (K),
Tassilo Tesche (B), Till Wyler von Ballmoos (R)
The Navidson Records
Ein Musiktheater als Installation
Sprache: Englisch, Deutsch, Italienisch, Dänisch, Französisch, Kroatisch, Serbisch, Isländisch
Dauer: ca. 60 Minuten
Tickets: € 18, ermäßigt € 10
Weitere Aufführungen: 8., 10., 11. September, KonzertTheaterBern
Performance von
Noémie Brun, Dragana Bulut, der chor, Andries Cloete, Estelle Costanzo, Marie-Clémence
Delprat, Maxine Devaud, Leo Dick, Michael Feyfar, Béatrice Gaudreault-Laplante, Ole Hübner,
Kristian Hverring, Katelyn King, Lana Kostic, Rosalba Quindici, Ruben Mattia Santorsa, Pierre
Sublet, Tassilo Tesche, Sibill Urweider, Till Wyler von Ballmoos
Künstlerische Leitung: Tassilo Tesche und Till Wyler von Ballmoos
Regie: Till Wyler von Ballmoos
Raum- und Videoinstallation: Tassilo Tesche
Komposition: Ole Hübner, Rosalba Qindici, Benedikt Schiefer
Sounddesign: Kristian Hverring
Sänger: Andries Cloete, Michael Feyfar
Tänzerin: Dragana Bulut
Musiker*innen: Noémie Brun, Estelle Costanzo, Marie-Clémence Delprat, Béatrice
Gaudreault-Laplante, Katelyn King, Lana Kostic, Ruben Mattia Santorsa, Sibill Urweider
der chor, Leitung: Audur Jónsdóttir
Musikalische Leitung: Pierre Sublet
Kompositionsauftrag der Landeshauptstadt München zur Münchener Biennale
Koproduktion der Münchener Biennale mit KonzertTheaterBern und der Hochschule der
Künste Bern – Studiengang Théâtre musical
In Zusammenarbeit mit Lothringer13
Mit Unterstützung von Pro Helvetia, Schweizer Kunststiftung
Jemand öffnet eine Tür. Dahinter verbirgt sich etwas. In diesem Moment gerät die
Situation in der Lothringer13 außer Kontrolle.
Für »The Navidson Records« arbeiten 18 Performer/innen und ein Chor gemeinsam
anhand von Text, Musik und Choreografien die Idee eines Labyrinths zeichenhaft aus.
Mittels einer intermedialen und raumgreifenden Installation untersucht die Aufführung
das Kippmoment zwischen dem Gefühl Zuhause zu sein und dem Zusammenbruch
dieser alltäglichen Vertrautheit. Was tun, wenn wir uns plötzlich im Nichts und
Nirgends befinden? Dieser unheimliche Augenblick kann stellvertretend für
Situationen stehen, in denen wir uns verloren wähnen und auf uns zurückgeworfen
werden. Die Gestaltwerdung unsicherer Situationen erproben die Performer/innen mit
dem Publikum als gemeinsame performativ-musikalische Erkundung.
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Für die Produktion und für die Aufführung wird ein offener Arbeitsprozess gewählt,
zeitweiliger Verlust der Orientierung bewusst in Kauf genommen. Fortwährend stellt
sich die Frage, welche Entscheidungen wir treffen müssen, um zum Kern des
Labyrinths vorzudringen.
Till Wyler von Ballmoos – Konzept, Performance, Regie
(www.tillwylervonballmoos.com)
Geboren 1979 in Bern, studierte er an der dortigen Universität Theaterwissenschaft
sowie an der Hochschule der Künste Bern und Luzern Violoncello. 2006 bis 2011
studierte er Regie für Theater und Musiktheater an der Theaterakademie August
Everding in München. Seit mehreren Jahren entwickelt er themenbezogene Musikperformance-Projekte in der freien Szene und inszeniert an diversen Staats- und
Stadttheatern. Er ist unter anderem an den Münchner Kammerspielen, am Stadttheater Bremerhaven, am Badischen Staatstheater Karlsruhe, in Kopenhagen am
Mammutteatret sowie an der Biennale Bern tätig. 2011 erhielt Wyler von Ballmoos den
Debütförderpreis der Landeshauptstadt München für seine Produktion »Was isʼn los?«
und gewann für seine Inszenierung »Der Tod und das Mädchen – ein Wiederhall« bei
den Bayerischen Theatertagen 2011 in Bamberg den Preis für die beste Regie. Er
komponiert und produziert Musik für internationale Film-, Tanz- und Theaterproduktionen und war künstlerischer Leiter der WIM Bern (Werkstatt Improvisierte Musik
Bern) und der Musikfestwochen Bern.
Benedikt Wolfgang Schiefer – Komposition, Performance
(http://benediktschiefer.de)
In Rosenheim geboren, studierte er Komposition in München und Basel. Neben
zahlreichen Stipendien und Einladungen war er 2005 Stipendiat der Akademie
Schloss Solitude, 2012 erhielt er den »Preis der deutschen Filmkritik«. Sein Werk
erstreckt sich von klassischen Kompositionen mit oder ohne Live-Elektronik bis zu
Filmmusik und Klanginstallationen. Seine Werke wurden unter anderem vom
Ensemble Phönix Basel, Ensemble Ascolta, Ensemble Wiener Collage, Ensemble
Gelberklang, Neue Vocalsolisten Stuttgart, bei Festivals wie ADevantgarde-Festival,
Wien Modern, Ludwigsburger Festival für Neue Musik, Festspiele Europäische
Wochen Passau u.a. aufgeführt.
Tassilo Tesche – Bühne, Video, Performance
(www.tassilotesche.de)
In München geboren, studierte er Bühnenbild an der Accademia di Belle Arti in
Venedig und diplomierte an der Universität der Künste Berlin bei dem Architekten
Benedict Tonon und der Künstlerin Katarina Sieverding. Seitdem freischaffend,
bewegt er sich mit seiner Arbeit zwischen bildender Kunst, Theater, Film und
Architektur. Der Fokus seiner Theaterarbeit liegt auf der gemeinsamen Konzeption
und Stückentwicklung mit Autoren, Komponisten und Regisseuren. 2008 gewann er
zusammen mit dem Komponisten Leo Dick für »Kann Heidi brauchen, was es gelernt
hat?« den Förderpreis Fonds experimentelles Musiktheater Nordrhein-Westfalen. Mit
dem gleichen Team gestaltete er für das Musikfestival 2011 am Stadttheater Bern das
experimentelle Musiktheater »Der Wunsch, Indianer zu werden«.
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Krishve aka Kristian Hverring – Sounddesign, Performance
(www.krishve.com)
In Dänemark geboren, begann er bereits in seiner Kindheit mit einem alten
Kassettenrecorder zu experimentieren, und Klänge seiner Umgebung aufzunehmen
und zu bearbeiten. Nach seinem Master in Komposition für elektronische Musik an der
Kgl. Hochschule für Musik Dänemark arbeitete er u.a. zusammen mit Andrew M.
McKenzie (Hafler Trio) und Derek Holzer aka Macumbista. Krishve bewegt sich mit
seinen Arbeiten an der Grenze zwischen Klangkunst und elektronischer Musik. Neben
seiner eigenen Arbeit wie den Independentlabels phloq und clang arbeitet Krishve als
Komponist und Sounddesigner für Performances, Installationen, Theater, Film und seit
2012 als festes Mitglied von Hotel Pro Forma, dem international erfolgreichen
Ensemble für Visual-Music-Performance und Installation.
Rosalba Quindici – Komposition
(www.rosalbaquindici.com)
Die Komponistin und Pianistin Rosalba Quindici wurde 1976 in Neapel geboren.
1998 schloss sie ihr Studium am Konservatorium »Domenico Cimarosa« in
Avellino ab. Parallel studierte sie Philosophie und schrieb 2004 ihre Abschlussarbeit über »Husserl and the phenomenology of musical listening«. Von 2002 bis
2010 studierte sie Komposition in Avellino und belegte Meisterkurse. Als Komponistin wurde sie 2013 zum Music Composerʼs Forum nach Kiew eingeladen und
nahm 2014 an den Internationalen Ferienkursen für Neue Musik in Darmstadt teil.
Ihre Kompositionen wurden vielfach bei Festivals in Deutschland, Italien und der
Schweiz aufgeführt.
Ole Hübner – Komposition
(https://olehuebner.wordpress.com)
Ole Hübner, 1993 geboren, studierte Komposition an der Hochschule für Musik,
Theater und Medien Hannover bei Johannes Schöllhorn und bei Michael Beil an
der Hochschule für Musik und Tanz Köln. Zusätzlichen Unterricht erhielt er unter
anderem bei Sarah Nemtsov, Brigitta Muntendorf und Orm Finnendahl. Er arbeitete
mit dem Theater Aachen, dem Studio für Stimmkunst, der Deutschen Oper Berlin,
dem Xenon Saxophonquartett, dem Ensemble Garage u.a. In seiner oft stark
konzeptuellen Arbeit spielen verschiedene Ebenen von »Realität« und »Virtualität«
eine zentrale Rolle. Stücke von ihm wurden international aufgeführt und von
zahlreichen Rundfunkanstalten gesendet. 2014 gründete er mit dem Pianisten Felix
Knoblauch und weiteren Studierenden der Musikhochschulen in Köln und Essen
das Ensemble Electronic ID für intermediale Musik des 21. Jahrhunderts. Seit 2015
studiert er im Masterstudiengang am Institut für angewandte Theaterwissenschaft
der Justus-Liebig-Universität Gießen.
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Uraufführung
Muffatwerk
29.5. – 9.6., Installation jeweils 18.30 – 22.00
Performances am 29.5., 30.5., 1.6., 3.6., 4.6., 6.6., 7.6., 8.6., jeweils 18.00 – 18.30
Während den Vorstellungen in der Muffathalle ist der Zugang zur Installation geschlossen.
Eintritt frei
Judith Egger (B), Neele Hülcker (K)
Hundun
Komposition, Klangkonzept: Neele Hülcker
Idee und Konzept/visuelle Umsetzung: Judith Egger
Produktion der Münchener Biennale
Hundun* lebte sein makelloses und ewiges Leben im Zentrum der Welt. Er bekam
regelmäßig Besuch von den Herren des Südmeeres, Shu, und des Nordmeeres, Hu.
Da er ihnen immer große Gastfreundschaft gewährte, beschlossen sie, ihm im Gegenzug etwas Gutes zu tun. Sie sagten sich: »Alle Menschen verfügen über sieben
Körperöffnungen - zum Sehen, Hören, Essen und Atmen. Doch der große Hundun
verfügt über keine einzige Öffnung, deshalb wollen wir ihm welche zufügen.«
Hundun nahm den Vorschlag begeistert an. So bohrten sie ihm Tag für Tag eine
Öffnung in den Körper. Am siebten Tag aber, als sie die siebte Körperöffnung zu Ende
gebohrt hatten, verstarb Hundun.
Ist nun der große, unförmige Körper, der im Halbdunkel an dicken Gurten von der
Decke baumelt, der sterbliche Überrest des großen Herrschers Hundun? Spärlich
beleuchtet in einer geheimen Laborsituation wird er von zwei Personen akribisch
abgetastet und erforscht: Neele Hülcker untersucht die Oberfläche und die Körperöffnungen mit hochsensiblen Mikrophonen und tritt so eine akustische Entdeckungsreise an. Ähnlich verfährt Judith Egger, die mit unterschiedlichen Bildgebungsverfahren den Körper äußerlich und innerlich abtastet und durchleuchtet und so in
eine fremde visuelle Welt eintaucht. Es entsteht ein synästhetischer Dialog, in dem
sich ganz neue Assoziationsräume auftun.
* Hundun 混沌 (in klassischen Texten 渾沌, auch 渾敦), steht in der chinesischen
Mythologie für das Konzept der urzeitlichen Formlosigkeit und den Zustand der
paradiesischen Ungetrenntheit vor dem Beginn der Welt.
Aus: »Dschuang Dsi« (Das wahre Buch vom Südlichen Blütenland), Buch VII, 7.
Geschichte, Übersetzung: Richard Wilhelm.
Neele Hülcker– Komposition
(www.neelehuelcker.de)
1987 in Hamburg geboren. Kompositionsstudium bei Dieter Mack und Harald Muenz in
Lübeck, bei Tapio Nevanlinna in Helsinki und bei Franz Martin Olbrisch und Manos
Tsangaris in Dresden. Für ihre Arbeiten in den Bereichen Klangkunst, Musiktheater,
Performance, instrumentaler und elektronischer Musik wurde sie mehrfach ausgezeichnet. Sie wurden u.a. bei den Wittener Tagen für neue Kammermusik, Blurred
Edges Festival Hamburg und bei der Klangwerkstatt Berlin aufgeführt. Zusammenarbeit u.a. mit Ensemble Garage, Ensemble Radar, Ensemble ascolta, Eva Zöllner,
Frauke Aulbert.
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Judith Egger – Video
(www.judithegger.com)
Die Holzbildhauerin und Kommunikationsdesignerin (geb. 1973) beschäftigt sich in
ihren Arbeiten mit Prozessen des Wachsens, des Werdens und der Transformation
von Materie und Energie. Sie bewegt sich dabei in den Grenzbereichen von
bildender Kunst, Installation und Performance. Neben zahlreichen Preisen und
Förderungen erhielt sie im Jahr 2000 ein Jahresstipendium des DAAD für einen
London-Aufenthalt und im Jahr 2011 ein Arbeitsstipendium der Kulturstiftung des
Bundes. 2012 erhielt sie das Musikstipendium der Landeshauptstadt München.
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Uraufführung
30.5. – 8.6., 20.00
Treffpunkt wird noch bekannt gegeben (www.muenchenerbiennale.de)
Mirko Borscht (R) Christian Beck (B), Hannes Hesse (V)
ANTICLOCK (OmU)
Tickets: € 18, ermäßigt € 10, erhältlich nur im Festivalbüro (Ludwigstr. 8) und am Treffpunkt
Regie: Mirko Borscht
Video- und Sounddesign: Hannes Hesse
Szenenbild: Christian Beck
Gäste: Alexander Kluth, Susanne Meyer, Jørgen Callesen, Christian Van Schijndel,
Carla Fra Helles7d
Eine Produktion der Münchener Biennale
Ein Road-Movie ist ja bekanntermaßen ein Film, in dessen Verlauf die
Protagonisten größere Strecken zurücklegen, zumeist in Autos, manchmal auf
Motorrädern, selten in Zügen oder zu Fuß; immer jedoch auf der Suche nach
Verheißungen, die sich (im besten Fall) allein im Unterwegssein einzulösen
vermögen und an solche Orte führen, die den Reisenden in ihrer Fremdartigkeit
und Surrealität oftmals viel näher erscheinen als der Ausgangspunkt ihres Weges.
Für die Münchener Biennale lädt der Regisseur Mirko Borscht die Zuschauer ein,
gemeinsam mit ihm und seinem Ensemble nach diesen Orten zu suchen:
Hundertzwanzig Minuten »on the road« mit einem motorisierten Hybrid, umgeben
von Audio- und Bildspuren, Synchronstimmen, originalen und abweichenden
Soundtracks sowie unerwarteten Programmänderungen, Zwischenstopps,
Fahrrichtungswechseln, und vielleicht gar: einer Ankunft. »ANTICLOCK (OmU)«,
dessen Titel auf einen von Claude Chabrol als »Meisterwerk des futuristischen
Kinos« bezeichneten Fantasy-Spielfilm von 1979 verweist (und damit auf das
diesem Biennale-Projekt zugrundeliegende Original), beginnt ab 30. Mai täglich an
einem Treffpunkt oberhalb des Festivalzentrums.
Mirko Borscht – Regie
Mirko Borscht wurde 1971 in Cottbus geboren. Seine Arbeit als Film- und
Theaterregisseur wurde wesentlich durch die Zusammenarbeit mit jugendlichen
Laiendarstellern bestimmt. Vor diesem Hintergrund entstanden 2005 Borschts
erster Spielfilm »Kombat Sechzehn« sowie 2007 das Theaterstück »Opferpopp«
am Thalia Theater Halle (letzteres ausgezeichnet mit dem Hans-Götzelmann-Preis
und dem BKM-Preis für kulturelle Bildung). Am Centraltheater Leipzig waren in
seiner Regie »Sweet Dreams«, »Der Tag des Opritschniks«, »Unfun« (nach Matias
Faldbakken) sowie »Deutschland tanzt nicht« zu sehen. Für das Junge Schauspiel
Hannover bearbeitete er 2010 das Stück »komA« von Georg Staudacher/Volker
Schmidt und setzte es in der Tellkampfschule Hannover mit 19 Jugendlichen, zwei
Lehrern und zwei professionellen Schauspielern in Szene. Es folgten »Kristus Monster of Münster« für das Junge Schauspiel Hannover sowie 2012 die
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Inszenierung von Simon Stephens »Harper Regan« am Thalia Theater in Halle.
Seit der Spielzeit 2012/2013 ist Mirko Borscht als Regisseur am Theater Bremen
tätig, hat dort Lars von Triers »Europa« inszeniert, ein Projekt über den Rechtsextremen Odfried Hepp unter dem Titel »Larger than life« mit Jugendlichen
entwickelt, sowie Jelineks »Tod-krank.Doc« uraufgeführt. Es folgten »Die Schutzbefohlenen« (Elfriede Jelinek) sowie in der laufenden Spielzeit »Verbrennungen«
von Wajdi Mouawad. Am Berliner Maxim Gorki Theater inszenierte Borscht zuletzt
u.a. »Woyzeck III« nach Georg Büchner.
Christian Beck – Szenenbild
Der Bühnen- und Kostümbildner Christian Beck wurde 1965 in Jena geboren und
studierte Bühnenbild an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Er war Mitbegründer und Ausstattungsleiter am Theaterhaus Jena sowie Ausstattungsleiter am
staatlichen Puppentheater Dresden und Thalia Theater Halle. Als freier Bühnenund Kostümbildner arbeitete er unter anderem mit den Regisseuren Carlos Medina,
Andreas Kriegenburg, Armin Petras und Annegret Hahn an der Volksbühne Berlin,
am Schauspiel Leipzig, dem Theater der jungen Generation Dresden und dem
Theater Mühlheim an der Ruhr. Mit dem Regisseur Enrique Vargas und dem
Teatro de los Sentidos verbindet ihn eine langjährige Zusammenarbeit in Bogotá,
Ljubljana, London, Aarhus, Modena und Barcelona. Für Mirko Borschts
Inszenierungen entwarf er bereits mehrfach die Bühne, darunter für die
Produktionen »Opferpopp«, »Sweet Dreams«, »Kristus – Monsters of Münster«
und »Harper Regan« am Thalia Theater Halle, dem Centraltheater Leipzig und
dem Schauspiel Hannover, sowie für Mirko Borschts Inszenierungen »Europa«
und »Tod-krank.Doc« am Theater Bremen.
Hannes Hesse – Video- und Sounddesign
Hannes Hesse ist Videokünstler aus Halle an der Saale und studiert Medienkunst
an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Seit 2006 ist er an verschiedenen Theatern aktiv gewesen. U.a. für Mirko Borscht entwarf und entwirft er
seit mehreren Jahren Videoinstallationen: z.B. für »Sweet Dreams«, »Der Tag des
Opritschniks«, »Harper Regan« und »Die Welt ohne uns IV« am Centraltheater
Leipzig, dem Thalia Theater Halle und dem Schauspiel Hannover. Als VJ arbeitet
Hannes Hesse mit diversen Acts und Clubs aus der elektronischen Musikszene
zusammen und entwickelt für sie Video- und Lichtkonzepte.
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Gasteig / Black Box
30.5., 1.6., 3.6.: 22.00
31.5., 2.6.: 18.00
Doppelvorstellung
Tickets: € 18 ermäßigt €10
Uraufführung
Georges Aperghis (K)
Pub – Reklamen
Sprache: Französisch mit deutschen Übertiteln | Dauer: 30 Minuten
Komposition: Georges Aperghis
Stimme: Donatienne Michel-Dansac
Produktion der Münchener Biennale in Kooperation mit Gare du Nord, Basel
Mit Unterstützung von Pro Helvetia, Schweizer Kulturstiftung
Kompositionsauftrag mit Unterstützung des Fachausschusses Musik Basel-Stadt/
Basel-Land
In unserem Alltag sind wir von Bildern und Klängen umgeben, von Werbung, die uns
anregt, unsere Wünsche zu erfüllen, um glücklicher zu sein oder mehr Komfort zu
genießen, die zugleich jedoch Wünsche in uns weckt, die uns noch gar nicht bewusst
waren. So wird mit jeder Reklame für ein anderes Produkt geworben (Zahnpasta,
Vitamine, Getränke, Shampoo etc.). In diesen Stücken soll der Inhalt der einzelnen
Anzeigen durch eine spezielle stimmliche Bearbeitung transponiert werden, die eine
Spannung zwischen den Werbetexten und der musikalischen Wiedergabe schafft.
Arno Camenisch (T)
SEZ NER
Text und Lesung: Arno Camenisch
Sprache: rätoromanisch und deutsch
Dauer: 30 Minuten
»Kühn und radikal« nannte die Literaturkritik den Debütroman »Sez Ner« von Arno
Camenisch, der hoch oben auf einer Alp in Graubünden spielt und den Camenisch
zweisprachig Deutsch und Rätoromanisch schrieb, und der inzwischen in zahlreichen
Sprachen übersetzt und mehrfach ausgezeichnet wurde. Auszüge daraus wurden im
»Harper's Magazine« (New York) publiziert und in »Best European Fiction« (USA). Arno
Camenisch, der mit seinen Performances die Welt bereist, liest bei der Münchener
Biennale aus »Sez Ner«, er tut dies auf Rätoromanisch und Deutsch, in seinem
unvergleichlichen »Camenisch-Sound«.
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Georges Aperghis – Komposition
(www.aperghis.com)
Geboren 1945 in Athen, wuchs Aperghis als Sohn des Bildhauers Achille Aperghis
und der Malerin Irène Aperghis auf. Er bildete sich weitgehend autodidaktisch als
Maler und Komponist aus. 1963 zog er nach Paris. Musikalisch wurde er von
Komponisten wie Pierre Schaeffer, Pierre Henry und Iannis Xenakis, John Cage und
Mauricio Kagel beeinflusst. 1971 erschien mit »La Tragique histoire du nécromancien
Hieronimoet et de son miroir« sein erstes Werk für das Musiktheater, dessen
profiliertester Vertreter in Frankreich er wurde. 1976 gründete er die Theatergruppe
Atelier Théâtre et Musique (ATEM) in Bagnolet (seit 1991 am Théâtre des Amandiers
in Nanterre). Hier wurden bis zur Auflösung der Gruppe mehr als zwanzig Stücke
aufgeführt, darunter »La bouteille à la mer« (1976), »Conversations« (1985),
»Énumérations« (1988), »Jojo« (1990), »H« (1992), »Sextuor« (1993) und
»Commentaires« (1996).
Donatienne Michel-Dansac – Stimme
Begann ihr Musikstudium mit sieben Jahren am Conservatoire National de Région in
Nantes (Violine und Klavier). Mit elf Jahren wurde sie Mitglied des Kinderchors der
Oper in Nantes. 1985 wurde sie in die Gesangsklasse des Pariser Konservatoriums
aufgenommen. Dank ihrer engen Zusammenarbeit mit dem IRCAM (seit 1993) hat sie
zahlreiche Werke uraufgeführt, u. a. von Philippe Manoury, Pascal Dusapin, Luca
Francesconi, Georges Aperghis, Fausto Romitelli und Philippe Leroux.
Arno Camenisch – Lesung
(www.arnocamenisch.ch)
1978 in Tavanasa im Kanton Graubünden geboren, lebt in Biel und schreibt auf
Deutsch und Rätoromanisch. 2009 erschien sein Roman »Sez Ner«, 2010 »Hinter
dem Bahnhof«, 2012 »Ustrinkata«, 2013 »Fred und Franz«, 2014 »Nächster Halt
Verlangen« und 2015 ist sein Roman »Die Kur« erschienen. Publikationen im
»Harper's Magazine« (New York) und in »Best European Fiction 2012« (USA). Seine
Texte wurden in über 20 Sprachen übersetzt und seine Lesungen führten ihn quer
durch die Welt, von Hongkong über Moskau und Buenos Aires bis nach New York.
Zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem den Hölderlin-Förderpreis, den Schweizer
Literaturpreis, den ZKB Schillerpreis, und mit seiner »Bündner Trilogie« wurde er in
den Niederlanden für den Europäischen Literaturpreis nominiert. 2015 strahlten das
Schweizer Fernsehen und 3sat den Dokumentarfilm »Arno Camenisch – Schreiben
auf der Kante« aus.
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Uraufführung
Open Air, Treffpunkt: Muffathalle, Foyer
31.5., 2.6., 4.6., 6. – 8.6., 22.00 Uhr
Cathy van Eck (K), Isabelle Kranabetter (D), Blanka Radoczy (R), Claudia Irro (Ko):
Phone Call to Hades
Dauer: 30 Minuten
Eintritt frei
Komposition: Cathy van Eck
Dramaturgie: Isabelle Kranabetter
Regie: Blanka Radoczy
Kostüm: Claudia Irro
Sänger*innen:
Elizabeth Marshall (Sopran), Bavo Orroi (Bassbariton), Andromahi Raptis (Sopran)
Kompositionsauftrag der Landeshauptstadt München zur Münchener Biennale
mit Unterstützung von Pro Helvetia, Schweizer Kulturstiftung
Koproduktion der Münchener Biennale, der Theaterakademie August Everding, der
Hochschule für Musik und Theater München und enoa (european network of opera
academies), mit Unterstützung von Pro Helvetia, Schweizer Kulturstiftung
Die Stimme als ein Phänomen des Übergangs steht im Zentrum nächtlicher Ereignisse.
Stimmen bewegen sich zwischen Körper und Geist, Sinnlichem und Sinn, Affekt und Intellekt.
Was passiert, wenn sich die Stimme vom Körper ablöst - wie es mittels technischer Medien
perfektioniert wurde?
Im 19. Jahrhundert hatten die körperlosen Stimmen aus dem neuartigen Phonographen eine
enorme Anziehungskraft: man konnte nun scheinbar die Stimmen der Toten konservieren und
erneut vergegenwärtigen. Selbst der Forscher Thomas Edison arbeitete an einem Gerät zur
Kommunikation mit dem Jenseits. Doch trotz des enormen wissenschaftlichen Fortschritts
liegt die Schwelle zwischen Leben und Tod nach wie vor außerhalb unserer Imagination und
Möglichkeit. Der Zugang ist allein den Sagengestalten unserer mythologischen Narrative
vorbehalten. Und auch in der Orpheuserzählung ist es die Stimme, welche den Weg zu den
Toten ebnet.
Die Stimmen des allabendlich an der Isar erklingenden Kunstgesangs werden nach und nach
technisch modifiziert - nur Spuren der singenden Körper bleiben zurück. Die stimmlichen
Transformationen sprechen wie aus anderen Welten zu uns.
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Cathy van Eck – Komposition
(www.cathyvaneck.net)
Niederländische Komponistin und Klangkünstlerin. Ihre Werke sind für Instrumente, oft in der
Kombination mit Live-Elektronik sowie für selbstgebaute und -gespielte Klangerzeuger. Sie
studierte am Königlichen Konservatorium in Den Haag und an der Universität der Künste
Berlin. Als Stipendiatin nahm sie an Kursen beim Centre Acanthes, dem Pariser IRCAM und
an der Sommerakademie des Schloss Solitude in Stuttgart teil. Ihre Arbeiten wurden u.a. beim
Gaudeamus Festival, bei TRANSIT, NYCEMF New York, Klangwerkstatt Berlin und den
Klangspuren Schwaz aufgeführt. Zurzeit arbeitet sie an einer Dissertation am Orpheusinstitut
in Gent. Seit 2007 unterrichtet sie Musik und Medien an der Kunstuniversität in Bern.
Isabelle Kranabetter – Libretto, Dramaturgie
(https://de.linkedin.com/in/isabelle-kranabetter)
Jungstudium an der Hochschule für Musik in Dresden, Dramaturgiestudium an der
Bayerischen Theaterakademie August Everding bei Prof. Klaus Zehelein, gefördert von der
Studienstiftung des deutschen Volkes, und als DAAD-Stipendiatin an der Université Paris 8.
Ab der Spielzeit 2012/13 freie Musiktheater-Dramaturgin und 2014 Referentin der Sparte
›Oper‹ bei Bayer Kultur. Musikjournalistische Arbeit für mehrere CD-Labels und seit 2014 freie
Autorin für ›Musiktheater‹ und ›Alte Musik‹ bei WDR3.
Freie Dramaturgin im Bereich Musiktheater mit dem Arbeitsschwerpunkt ›Projektentwicklung‹
u.a. am Prinzregententheater und Gasteig München, Radialsystem Berlin, für das
Europäische Zentrum der Künste Hellerau, das Festival d’Aix-en-Provence/De Nationale
Opera Amsterdam/Aldeburgh Music/Fundação Calouste Gulbenkian/LOD muziektheater
Gent/Polish National Opera Teatr Wielki (Aufführungen u.a. La Monnaie/De Munt,
Philharmonie de Paris), das Staatstheater Darmstadt, die Nederlandse Reisopera, die Kölner
Philharmonie, das International Festival of Contemporary Music of the Biennale di Venezia;
Stipendiatin der Akademie »Musiktheater heute« der Deutsche Bank Stiftung.
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Uraufführung
Müllerʼsches Volksbad / Kleine Schwimmhalle
1.6. – 5.6., jeweils 20.30
Abdullah Kenan Karaca (R,T), Vincent Mesnaritsch (B), Brigitta Muntendorf (K,T)
Für immer ganz oben
nach einer Erzählung von David Foster Wallace
Sprache: Deutsch
Dauer: 50 Minuten
Tickets: € 18, ermäßigt € 10
Komposition, Libretto: Brigitta Muntendorf
Regie, Libretto: Abdullah Kenan Karaca
Bühne: Vincent Mesnaritsch
Dramaturgie: Caroline Schlockwerder
Kostüm: Sita
Münchner Knabenchor, Musikalische Leitung: Ralf Ludewig
Musiker: Sachiko Hara, Keyboard / Johannes Öllinger, E-Gitarre/ Hans-Henning Ginzel,
Violoncello/ Thomas Hastreiter, Schlagwerk
Kompositionsauftrag der Landeshauptstadt München zur Münchener Biennale
Koproduktion der Münchener Biennale mit dem Münchner Volkstheater
Ein Freibad. Es ist Sommer. Pommes und Eis, die SNACKBAR, in der Nacktheit prallen
nicht zu versteckende Krampfadern auf sich brüstende Arschbomben. Der Junge ist 13
Jahre alt. Seine Wahrnehmung bildet für David Foster Wallace die Projektionsfläche für
den Moment, der alles verändert. Es ist der Weg zum Sprungturm, die metaphorische
Grenze zwischen Kindheit und Adoleszenz. Es ist die dringliche Suche nach einem Platz
in der Welt, nach einem Rhythmus, der Sinn, Sinnlichkeit und Empfindung ordnet, nach
einer Kartographie von Menschen und Lauten, nach der Kontrolle im Rausch der
Metamorphose. Der Regisseur Abdullah Kenan Karaca, die Komponistin Brigitta
Muntendorf und der Bühnenbildner Vincent Mesnaritsch projizieren diesen Moment auf
die Körper von 18 Knabensopranen im Müllerʼschen Volksbad. Zusammen mit
Schauspielern des Münchner Volkstheaters und einer bandartigen Musikerformation
lassen sie eine Maschinerie des Unbändigen, Zügellosen und unvermeidbar Verletzlichen
losbrechen.
Brigitta Muntendorf – Komposition
(www.brigitta-muntendorf.de)
1982 in Hamburg geboren, absolvierte sie ihr Kompositionsstudium bei Younghi PaaghPaan und Günther Steinke an der Hochschule für Künste Bremen, sowie bei Krzysztof
Meyer, Rebecca Saunders und Johannes Schöllhorn an der Hochschule für Musik und
Tanz Köln. Während des Studiums gründete sie das mittlerweile zehnköpfige und
sieben Nationen verbindende Ensemble Garage. Es folgen Stipendien an der Cité
Internationale des Arts in Paris und bei der Internationalen Ensemble Modern
Akademie. Seit 2013 unterrichtet sie Komposition an der Universität Siegen und lehrt
derzeit als Gastdozentin im Fach Komposition an der Hochschule für Musik und Tanz
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Köln. Ihre Tätigkeiten als freischaffende Komponistin und künstlerische Leiterin des
Ensemble Garage setzt sie derzeit als Stipendiatin in der Villa Concordia in Bamberg
fort. 2014 erhielt Brigitta Muntendorf den Förderpreis der Ernst von Siemens
Musikstiftung. Aufträge und Aufführungen führten sie u.a. zu Festivals wie Acht Brücken
Köln, Eclat Stuttgart, ensembl[:E:]uropa (WDR), den Wittener Tagen für neue
Kammermusik, Klang Festival Kopenhagen oder Ultraschall Berlin. Neben ihrer engen
Zusammenarbeit mit dem Ensemble Garage komponierte sie u.a. auch für das
Ensemble Modern, Ensemble Mosaik, Asko/Schönberg Ensemble, CALEFAX,
Klangforum Wien und das Ensemble musikFabrik.
Abdullah Kenan Karaca – Regie
Abdulla Kenan Karaca wurde 1989 in Garmisch-Partenkirchen geboren und wuchs in
Oberammergau auf. Nach dem Abitur wurde er 2009 Regieassistent am Münchner
Volkstheater und arbeitete bei den Salzburger Festspielen als Regieassistent bei
»Jedermann« unter Christian Stückl. 2011 assistierte er Christian Stückl bei der Produktion »Joseph und seine Brüder« nach dem Roman von Thomas Mann im Oberammergauer Passionstheater. Ebenfalls 2011 leitete er das erste Mal den Jugendclub
am Münchner Volkstheater. 2012 inszenierte er sein Regiedebut »Arabboy«. »Der
große Gatsby« war seine zweite Arbeit am Münchner Volkstheater. In der Volkstheater-Spielzeit 2014/15 brachte er »Woyzeck« von Georg Büchner auf der großen
Bühne heraus. 2015 wurde Abdullah Kenan Karaca zum stellvertretenden Spielleiter
der Passionsspiele 2020 in Oberammergau gewählt.
Vincent Mesnaritsch – Bühne
(www.vincent-mesnaritsch.com)
Vincent Mesnaritsch, 1982 in Graz geboren, studierte Szenografie an der Akademie der
bildenden Künste Wien und diplomierte 2009. Er assistierte u. a. bei Martin
Zehetgruber, Annette Murschetz und Bernhard Kleber. 2006 realisierte er zusammen
mit Falko Herold »alles mozart!«, eine mobile Karaoke Station, in der von Passanten
gesungene Mozartarien aufgezeichnet und anschließend online gestellt wurden. Das
Preisträgerstück des Wettbewerbs der Stadt Wien wurde anlässlich des 250. Geburtstages Mozarts produziert. Als Bühnenbildner arbeitete Vincent Mesnaritsch u. a. mit
Rudolf Frey, Michael Höppner, Esther Muschol, Michael Schachermaier, Christoph
Batscheider und Thomas Birkmeir an verschiedenen Spielstätten des Burgtheaters,
Stadttheater Klagenfurt, Theater Ulm, am Alten Schauspielhaus Stuttgart, Schauspielhaus Wien sowie am Schauspielhaus Salzburg. Vincent Mesnaritsch lebt als freischaffender Bühnenbildner und Maler in Wien.
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Uraufführung
Einstein-Kultur
2.6. – 5.6., 20.00 sowie 4.6. und 5.6., 16.00
6.6. – 8.6., 18.00
9.6., 11.00
Pauline Beaulieu (R), Ariel Farace (T), Stephanie Haensler (K),
Yvonne Leinfelder (B)
Mnemo/scene: Echos
Sprache: Deutsch (Übersetzung aus dem Spanischen)
Dauer: 85 Minuten
Tickets: € 18, ermäßigt € 10
Komposition, Konzept: Stephanie Haensler
Text: Ariel Farace
Konzept, Regie: Pauline Beaulieu
Choreografie: Katrin Schafitel
Ausstattung, Video: Yvonne Leinfelder
Kostüm: Carolin Schogs
Performer: Ilona Grandke, Sylvana Krappatsch, Katrin Schafitel
Musiker: Odilo Zapf, Posaune/ Fabian Reinhard, Horn/ Stefan Schneider, Klarinette/
Anna Gebhard, Klavier/ Cristobal Gajardo ,Schlagzeug/ Judith Krins, Violine/ Andreas
Schmalhofer, Violoncello/ Dominik Luderschmid, Kontrabass
Musikalische Leitung: Johannes X. Schachtner
Kompositionsauftrag der Landeshauptstadt München zur Münchener Biennale,
finanziert durch die Ernst von Siemens Musikstiftung
Produktion der Münchener Biennale/ production of the Munich Biennale
Mit Unterstützung von Pro Helvetia, Schweizer Kulturstiftung sowie des Auswärtigen Amts,
des Goethe-Instituts und des Instituto Cervantes München
»Mnemo/scene: Echos« ist ein Resonanzraum der Erinnerung. Die Regisseurin
Pauline Beaulieu und die Komponistin Stephanie Haensler formen auf vielschichtige
Weise individuelle Erfahrungen des ›Sich Erinnerns‹: In konkreten und imaginären
Räumen entsteht eine Begegnung und Berührung von Musik, Installation und
Inszenierung. Die Demontage oder Überzeichnung eines musikalischen Materials
beschwört durch dessen Projektionen auf andere Medien in Zusammenarbeit mit der
bildenden Künstlerin Yvonne Leinfelder und dem Autor Ariel Farace
Erinnerungslandschaften: Im Zusammentreffen all dieser Ebenen im Parcours
erfahren Begriffe wie ›Nachklang‹, ›Vorahnung‹ oder ›Déjà-vu‹ eine sinnliche
Dimension. Es ist eine Einladung zu einer metaphorischen wie physischen
Wanderung durch ein klingendes Labyrinth auf der Suche nach dem Original.
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Pauline Beaulieu – Konzept, Regie
(www.paulinebeaulieu.com)
Pauline Beaulieu, geboren 1981 in Frankreich, studierte Politikwissenschaft,
Theaterwissenschaft und Schauspiel und zog 2005 nach Berlin. Von 2007 bis 2011
studierte sie an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch (Diplominszenierung: »Troerinnen« nach Euripides – Mentor: Luk Perceval). Zwischen 2007 und
2012 veröffentlichte sie einen Theateressay, vier Theaterstücke und einen Roman
(Verlag Séguier). Seit 2012 arbeitet sie freischaffend und entwickelt hybride Formen
von Sprechtheater/Performance/Installation/Choreographie und Musik. Ihre Arbeiten
wurden u.a. in den Sophiensaelen in Berlin, beim Théâtre de l´Epée de Bois in Paris,
im Staatstheater Halle, dem Grenzenlos Kulturfestival in Mainz und dem Festival
Primeurs des saarländischen Staatstheaters aufgeführt. 2015 wurden die TheaterPainting-Performance »A/way« und die Musik-Theater-Performance »Draußen die
Welt« in Berlin uraufgeführt.
Stephanie Haensler – Komposition und Konzept
(www.stephaniehaensler.musicaneo.com)
Geboren 1986, studierte sie an der Zürcher Hochschule der Künste Violine bei
Robert Zimansky und Barockvioline bei Monika Baer sowie Komposition bei Isabel
Mundry. Ein Hauptinteresse gilt dem Dialog zwischen Alter und Neuer Musik. Sie
komponierte Auftragswerke u. a. für das Swiss Chamber Music Festival, das
Ensemble Resonanz Hamburg, die Kammersolisten Zug und das Forum Alte Musik
Zürich. Für ihre Kompositionen wurde sie mehrfach ausgezeichnet. Als
Barockviolinistin spielt sie u.a. im Ensemble Picaro. Als Dozentin lehrt sie in den
Fächern Violine, Komposition und Musiktheorie.
Ariel Farace – Text
(http://arielfarace.tumblr.com)
Der Dramaturg, Autor und Regisseur Ariel Farace ist Mitbegründer des Künstlerkollektivs »Compañía Vilma Diamante«. Er wurde 1982 in Lanús (Buenos Aires,
Argentinien) geboren. Seine Werke wurden in Argentinien, Mexiko, Brasilien,
Uruguay, Deutschland und Spanien aufgeführt. 2008 inszenierte er in Buenos Aires
Anja Hillings Stück »Nostalgie 2175«. Farace erhielt für seine Arbeiten zahlreiche
Preise, u.a. den Premio Fondo Nacional de las Artes und den Premio Armando
Discépolo.
Yvonne Leinfelder – Video
(www.yvonneleinfelder.de)
1972 geboren in Las Palmas/Gran Canaria, absolvierte sie eine Ausbildung zur
Steinbildhauerin und studierte an der Akademie der bildenden Künste München bei
James Reineking und Stephan Huber. 2007 erhielt sie ein Projektstipendium für
Neue Medien der Stadt München. 2006 wurde sie mit dem Kulturpreis Bayern der
EON Bayern AG und 2007 mit dem Förderpreis der Stadt Konstanz ausgezeichnet.
Seit 2010 ist sie künstlerische Mitarbeiterin an der Technischen Universität München
(Fakultät Architektur, Lehrstuhl für bildende Kunst).
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Uraufführung
Muffatwerk / Ampere
3.6., 22.00 und 4.6., 20.00
Charles Sadoul (K,B), Adelin Schweitzer (V)
HolyVj #Digression no°1
Dauer: 60 Minuten
Tickets: € 18, ermäßigt € 10
Musik & Programming: Charles Sadoul
Robotic & Visuals: Adelin Schweitzer
Objekt: George – the skateboard
Kurator: Dietmar Lupfer
Produktion: deletere
Koproduktion: ZINC, AADN, Dispositif SCAN Rhône-Alpes, Muffatwerk und Münchener
Biennale
Eine Veranstaltung der Münchener Biennale und des Muffatwerks
Im Mittelpunkt der Performance steht die Geschichte eines Objekts: Das Skateboard
George ist die zentrale Figur der Dramaturgie. George sitzt in einem Labor in der Falle.
Durch die Erinnerung an seine Vergangenheit zum Leben erweckt, sucht er nach einem
Ausweg. Jetzt, wo er ein Bewusstsein besitzt, will er sein früheres Dasein zurück, in dem er
mit seinem Besitzer zu einer Einheit verschmolzen spielerisch die Stadt eroberte.
Diese Darstellung ›aus der Sicht des Objekts‹ und die Schaffung einer intimistischen
Atmosphäre lassen das Bild einer Menschheit entstehen, die mit denkenden Objekten
durchsetzt ist.
Verschiedene Erzählweisen bestimmen den Rhythmus der Geschichte:
Dokumentarbericht, Objekttheater, elektronische Musik mit Tonkomposition in Echtzeit und
immersive Videoprojektion. Der Wechsel zwischen direkten Bildern (Georges Auge,
Laborkameras) und Dokumentarteilen mit Filmen, die Georges Weg nachzeichnen, schafft
eine dramatische Intensität, die unerbittlich zur Tötung von George führt. Die Szenografie
wandelt sich im Laufe der Erzählung, von der Beklemmung des Eingeschlossenseins im
Labor hin zur Freiheit der großen städtischen Räume, die George einst durchstreifte.
Charles Sadoul – Musik & Programming
(http://circuitb.com/wordpress_3/)
Ausgehend von der Entdeckung neuer Technologien in der Musik und in RealtimeGrafikprogrammen entwickelt Charles Sadoul hybride Kreationen, die elektronische Musik,
akustische Signale, interaktive Installationen und digitale Bühnenbilder kombinieren. Er
verwendet neue Technologien (mapping, tracking, augmented reality, sensors), um einen
neuen Kontext herzustellen, in dem wir anders wahrnehmen und fühlen, in den das
Publikum eingebunden wird und aktiv daran mitwirkt, was am Ende zu sehen ist. Charles
Sadoul stellt sich den Heraus-forderungen, die die digitalen Technologien bereithalten und
die Beziehung zwischen Kunst und Technik neu definieren – indem sie bestehende
Konventionen einreißen und etablierte Denkmuster hinter sich lassen.
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Uraufführung
Gasteig, Foyers, 18.00 Uhr
GAACH - quasi eine Volksoper
Ein Partizipationsprojekt
Sprache: Deutsch | Dauer: ca. 60 Minuten | Tickets: € 5
Künstlerische Leitung: Catherine Milliken, Robyn Schulkowsky und Dietmar Wiesner
Mitwirkende: Kursteilnehmer*innen der Münchner Volkshochschule
Dozenten: Andreas Agler (Chor), Sacha Anema (Theater), Emine Capartas (Kreatives Entwerfen und Nähen),
Petra Dahlemann (Deutsch, Schreibkultur), Angela Flesch (Bayerischer Volkstanz), Sabine Klem (Fotografie als
Experiment, GAACH – die Fotodokumentation), Eva Kölln (Tribal Fusion Belly Dance), Veronika von LauerMünchhofen (Stepptanz), Shoshana Liessmann (NeueMusikSalon), Barbara Löffler (Chor), Manuela Malakooti
(Deutsch), Patricia Petapermal (Französisch), Gérard Pleynet (Plattform für Fotografie, GAACH – die
Fotodokumentation), Ulrich Pöppl (Interkultureller Schülertreff der MVHS), Gabi Probst-Eisenreich
(Streicherensemble), Anatol Regnier (Gitarrenensemble), Thomas Rödl (Sambapercussion), Christian Roßmeißl
(Saxophonensemble) , Gisela Rüger (Malen und Zeichnen), Astrid Schleusener (Griechischer Volkstanz),
Anastasia Simopoulos (Literaturkreise), Alexander Strauch (Orchester)
Projektleitung MVHS: Marianne Müller-Brandeck
Blasmusik der Münchner Philharmoniker, Leitung: Albert Osterhammer
Mitglieder des Odeon – Jugendsinfonieorchester München
Refugio – Doris Kohlenberger, Pascal Momboisse, Sam Ritzinger, Dozent: Babou Bojang
Erzbischöfliches Maria-Ward-Gymnasium Nymphenburg - Leiter der Chorklasse: Reinhold-Michael Kutscher
Samba Sole Luna
Koproduktion der Münchener Biennale und der Münchner Volkshochschule
Mit freundlicher Unterstützung des Kulturreferats der Landeshauptstadt München, des Vereins der Freunde und
Förderer der Münchner Volkshochschule und der Münchner Philharmoniker
Fotoausstellung: 28.5. bis 9.6., Gasteig / Foyer Kleiner Konzertsaal
GAACH - Fotoprojekte
Drei Fotokurse der MVHS unter der Leitung von Sabine Klem und Gérard Pleynet haben sich
in den Kursen »Fotografie als Experiment« und »Plattform Fotografie« auf unterschiedliche
Weise an »GAACH - quasi eine Volksoper« beteiligt. Der Kurs »GAACH – die
Fotodokumentation» hält den Entstehungsprozess des Partizipationsprojekts fest.
›Gaach‹ heißt laut Bayerischem Lexikon ›steil‹ und steht ursprünglich für die Namensgebung des
Gasteig im Stadtteil Haidhausen. »GAACH - quasi eine Volksoper« ist ein partizipatorisches Projekt,
bei dem alle Autor*innen, Dramaturg*innen, Schauspieler*innen und Musiker*innen (vom Amateur bis
zum Profi) im ständigen Dialog miteinander und dem GAACH-Team über zehn Monate den
Entstehungs-, Entwicklungs- und Aufführungsprozess bestimmen. Der Fokus liegt dabei auf
Haidhausen: geografisch, literarisch, geschichtlich und ethnologisch sowie auf der persönlichen
Perspektive jedes Teilnehmers. Die Teilnehmer*innen kommen aus verschiedensten kulturellen Hintergründen und Generationen wie
der Münchner Volkshochschule, REFUGIO – dem Beratungs- und Behandlungszentrum für
Flüchtlinge und Folteropfer –, dem Odeon Jugendorchester und Mitgliedern der Münchner
Philharmoniker.
Die Abschlussperformance im Gasteig stellt die Mosaikteile eines Stadtteils in seiner Einzigartigkeit
dar. Das Projekt transponiert Haidhausen in eine musikalische Partitur, die wiederum in einer
installativen Übersetzung räumlich neu aufgebaut wird: als »Original mit Untertiteln« (OmU).
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Künstlerische Leitung
Die Musiker*innen Catherine Milliken, Robyn Schulkowsky und Dietmar Wiesner stehen sich
seit mehr als drei Jahrzehnten durch gemeinsame Auftritte künstlerisch nahe. Seit zehn Jahren
arbeiten sie mit professionellen Künstler_innen und Laien zusammen, entwickeln neue Wege
von Aufführungspräsentationen, teilen ihre Erfahrungen als Solist*innen, Komponist*innen und
Dozent*innen sowie ihre Leidenschaft für neue Musikformen der Gegenwart. Zusammen
konzipieren sie partizipative Formate und führen diese international erfolgreich für Festivals und
Konzerthäuser durch, wobei ihnen das Erforschen künstlerisch hochwertiger Entwicklungsprozesse mit Menschen unterschiedlicher kultureller und sozialer Herkunft ein besonderes
Anliegen war und ist.
Catherine Milliken – Oboe, Komposition, Performance
(www.cathymilliken.com)
Geboren in Australien, Studium in Europa, Gründungsmitglied des Ensemble Modern. Seit 1990
komponiert sie Musiktheater-, Instrumental- und Kammermusikwerke, Hörspiele, Installationen,
Theater- und Filmmusik und gründete 1994 die Komponistengruppe HCD-Productions
zusammen mit Dietmar Wiesner und Hermann Kretzschmar. Ihre Tätigkeiten als Komponistin,
Oboistin und Creative Director führen sie als international gefragte Musikerin in die ganze Welt.
Dem nicht genug: 2005 bis 2012 war sie der führende kreative Kopf des Education-Programms
der Berliner Philharmoniker und setzte dort neue Impulse, indem sie alle Bereiche des
künstlerischen Ausdrucks, Tanz, Malerei, Digitale und Darstellende Kunst mit einbezog.
Robyn Schulkowsky – Perkussion, Komposition
Die US-amerikanische Perkussionistin Robyn Schulkowsky lebt seit 1980 in Deutsch-land.
International gefragt sind ihre Interpretationen und Uraufführungen der bedeutendsten Stücke
für Solo Perkussion des 20. und 21. Jahrhunderts. Die vielseitige Musikerin und Komponistin
konzertiert und unterrichtet Kinder, Jugendliche, Studierende, Berufsmusiker_innen und Laien
kontinuierlich in der ganzen Welt. Mit vielen bedeutenden Komponist_innen verbindet sie
langjährige Formen der Zusammen-arbeit, wie z.B. mit Christian Wolff, der wie manche seiner
Kollegen einige Werke speziell für Robyn Schulkowsky schreibt. Regelmäßig ist sie zusammen
mit den Musikern Joey Baron, Reinhold Friedrich, Kim Kashkashian, dem Komponisten
Christian Wolff, der Choreografin Sasha Waltz und dem Künstler Günther Uecker auf Tournee.
2014 nahm sie mit Joey Baron und Fredy Studer ihre eigene Komposition »Armadillo« für
Percussion-Trio bei New World Records auf. Ihr Perkussionprojekt mit Fabrikarbeitern in
Österreich wurde mit dem »Junge Ohren«-Preis 2006 ausgezeichnet. Seit 2005 ist ihr »Rhythm
Lab« auf Reisen zu neuen Klanghorizonten und Hör-erfahrungen rund um den Globus, ob in
der Grand Central Station New York, in mehreren Städten Rumäniens, in Ingolstadt, Island,
Mexico und Uruguay. Weitere Stationen in China und Argentinien sind noch für 2016 geplant.
Dietmar Wiesner – Flöte, Komposition
Als Mitbegründer und Flötist des Ensemble Modern ist er seit Beginn aktiv in alle künstlerischen
und organisatorischen Prozesse des Ensembles eingebunden und arbeitet mit den wichtigsten
Komponist_innen seiner Zeit zusammen. Regelmäßige Auftritte im In- und Ausland, auch als
Solist u.a. mit Orchestern wie dem SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg. Arbeiten
als Komponist für Installationen und Musiktheaterproduktionen u.a. an der Comédie Française
Paris, am Deutschen Schauspielhaus Hamburg und am Schauspiel Frankfurt. 1994 gründete er
zusammen mit Hermann Kretzschmar und Catherine Milliken die Komponisten-formation HCD
Productions. Seit 2005 ist er Dozent an der Internationalen Ensemble Modern Akademie (IEMA)
und der Frankfurter Musikhochschule. Seit 2007 leitet er u. a. die Education-Projekte »lautstark«
des Musikfestivals Klangspuren Schwaz und ›Zukunft@Bphil‹ der Berliner Philharmoniker.
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Uraufführung
Gasteig / Carl-Orff-Saal
5.6., 6.6., 8.6., 20.00
Christian Grammel (R), Genoël von Lilienstern (K), Elisabeth Tropper (D), Yassu
Yabarra (B)
Speere Stein Klavier
Sprache: Deutsch
Dauer: 110 Minuten
Tickets: € 18, ermäßig € 10
Weitere Aufführungen: 6. und 13. Juli 2016, Theater Augsburg/ Brechtbühne
Komposition: Genoël von Lilienstern
Regie: Christian Grammel
Bühne und Kostüm: Yassu Yabara
Dramaturgie: Elisabeth Tropper
Licht: Kai Luczak
Sänger*innen: Kerstin Descher (Mezzosopran), Georg Festl (Bassbariton), Samantha Gaul
(Sopran)
Schauspieler: Florian Innerebner, Gerd Lohmeyer
Opernchor des Theaters Augsburg, Einstudierung: Katsiaryna Ihnatsyeva-Cadek
Augsburger Philharmoniker
Musikalische Leitung: Domonkos Héja
Kompositionsauftrag der Landeshauptstadt München zur Münchener Biennale
Koproduktion der Münchener Biennale mit dem Theater Augsburg
Gefördert durch die Carl-Orff-Stiftung Dießen am Ammersee
Vor dem Verwaltungsgebäude der GEMA in München thront der Erich-Schulze-Brunnen: eine
riesige, glänzende Tuba aus Messing. Darunter, im Verborgenen unter den Pflastersteinen,
liegen die Trümmer des Bürgerbräukellers: Überreste eines missglückten Attentats auf den
»Führer«.
Die archäologische Spurensuche – eine Expedition durch den Schalltrichter – bringt
verschüttete Artefakte ans Licht; Objekte der Geschichte Münchens seit 1933: Tondokumente,
Grundrisspläne, Modellbauten, Weißbier, Granitplatten. Die Fundstücke werden klassifiziert
und einander zugeordnet. Carl Orffs »Reigen und Einzug der Kinder« für Olympia 1936 findet
eine Entsprechung im »Gruß der Jugend« für Olympia 1972; Werner Egks »Marsch der
deutschen Jugend« von 1941 steht seinen »Variationen über ein karibisches Thema« von
1959 gegenüber.
Doch das analytisch-nüchterne Vorhaben gerät aus dem Ruder: Die Fragmente entwickeln ein
Eigenleben, unerwartete Widersprüche und Kontinuitäten treten zutage – die ausgetriebenen
Geister werden sichtbar. Sie sind der gefilterte, geleugnete Teil eines historischen
Zusammenhangs.
37
Genoël von Lilienstern – Komposition
1979 in Monschau in der Eifel geboren, lebt als freischaffender Komponist in Berlin. Genoël von
Lilienstern studierte Komposition in Bremen, Berlin und Den Haag, u.a. bei Younghi Pagh-Paan,
Clarence Barlow und Hanspeter Kyburz. Er besuchte Meisterkurse von Georges Aperghis, Douglas
Repetto, Brian Eno und Peter Eötvös und war Stipendiat der Ensemble Modern Akademie in
Frankfurt, der Darmstädter Ferienkurse, der Akademie der Künste Berlin und der Cité Internationale
des Arts Paris. Er erhielt den Hanns-Eisler-Preis für Komposition und Interpretation zeitgenössischer Musik, den Ring.Award.off (2008), einen Sonderpreis der Komischen Oper Berlin für
seine Oper Rigolator und den Gargonza Arts Award (2012). 2013 war er Guest Lecturer am Center
for Computer Research in Music and Acoustics (CCRMA) an der Stanford University. Seine Werke
werden u.a. vom Ensemble Intercontemporain, dem Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR
oder dem Ensemble Modern aufgeführt.
Christian Grammel – Regie
(https://dergrammel.wordpress.com)
Freischaffender Regisseur und Dramaturg, studierte Angewandte Theater-wissenschaft an der
Justus-Liebig-Universität in Gießen u.a. bei Heiner Goebbels, Rabih Mroué und Laurent
Chétouane, wo er 2011 mit einer Arbeit über den Körper in der zeitgenössischen Musik sein Diplom
erwarb. 2012 brachte Grammel die Produktion »Josefine« am Theater Mönchengladbach zur
Uraufführung, deren Konzept die Ausschreibung des »Fonds experimentelles Musiktheater NRW«
gewinnen konnte. Zudem war die Performance »the phantom piper of corrieyairrack« von 2009, die
bereits auf Kampnagel Hamburg und im HAU Berlin zu sehen war, zum Tonlagen Festival in
Hellerau 2012 eingeladen. Bereits während des Studiums realisierte er zahlreiche Projekte u.a. mit
dem Ensemble Modern in Frankfurt, dem Ensemble musikFabrik Köln oder der Internationalen
Ensemble Modern Akademie.
Yassu Yabara – Bühne und Kostüme
(www.yassuyabara.com)
Yassu Yabara ist freischaffende Bühnen- und Kostümbildnerin in Berlin und arbeitet mit
verschiedenen Teams an Stückentwicklungen, experimentellen Musiktheater-konzepten und
Opernperformances. Seit ihrem Diplom 2011 an der UdK machte sie viele verschiedene
Erfahrungen mit diversen künstlerischen Teams in freien Pro-duktionen in Berlin, der Schweiz und
an Stadttheatern in Deutschland, unter anderem arbeitete sie gemeinsam mit Nis-Momme
Stockmann am Schauspiel Frankfurt und Stadttheater Heidelberg, mit Georg Schütky an der Oper
Leipzig und Staatstheater Mainz, mit Julia Lwowski an den Sophiensälen, dem Ballhaus Ost,
Galerina Steiner und Neuköllner Oper. Zuletzt realisierte sie mit Beate Baron »Drei Einakter« von
Bohuslav Martinů an der Oper Frankfurt im Bockenheimer Depot und mit Nele Jahnke und dem
Theater Hora »Normalität - ein Musical« in Zürich in der Roten Fabrik.
Elisabeth Tropper – Dramaturgie
(www.prothein.de/mag-phil-elisabeth_tropper)
Elisabeth Tropper, geboren 1984 in Graz, studierte Germanistik und Publizistik an den
Universitäten in Graz und Klagenfurt. Sie arbeitete als freie Mitarbeiterin in der Kulturredaktion
einer regionalen Tageszeitung, absolvierte Praktika im Kulturbereich (u.a. beim steirischen herbst
2003) und war als Regie- und Dramaturgiehospitantin sowie -assistentin in Oper und Schauspiel
tätig. 2007 wurde sie Dramaturgieassistentin und Jungdramaturgin am Schauspielhaus Graz, wo
sie u.a. mit Patrick Schlösser, Georg Schmiedleitner und Bernadette Sonnenbichler zusammenarbeitete. Zudem betreute sie verschiedene Formate auf der Spielstätte Ebene 3. 2007 nahm sie
an der International Exposure of Israeli Theatre in Tel Aviv teil. Seit August 2009 ist sie als freie
Dramaturgin tätig und arbeitete zuletzt am Hebbel am Ufer (»Man braucht keinen Reiseführer für
ein Dorf, das man sieht« von Tim Staffel, Regie: Nurkan Erpulat) sowie am Heimathafen Neukölln
(»Sisters« von Andreea Clucerescu, Regie: Nicole Oder).
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Uraufführung
Muffathalle
6.6. – 9.6., 20.00
Deville Cohen (B,R), Hugo Morales Murguia (K)
UNDERLINE
Dauer: 75 Minuten
Tickets: € 18, ermäßigt € 10
Weitere Aufführungen:
16./ 18./ 19./ 23./ 24. Juni, jeweils 20 Uhr, Deutsche Oper Berlin/ Tischlerei
Komposition, Instrumente: Hugo Morales Murguía
Storyline, Video, Ausstattung, Regie: Deville Cohen
Lightdesign: Steffen Hoppe
Dramaturgie: Dorothea Hartmann
Künstlerische Beratung: Robyn Schulkowsky, Michael Höppner
Choreographie: Elik Niv
Projektionsdesign: Bodo Gottschalk
Produktionsassistenz: Miika Hyytiäinen
Performer: Elik Niv, Herve Guerrisi, Moritz Ostruschnjak, Margaux Marielle-Trehoüart
Musiker: Anja Füsti, Diego Espinosa, Almut Lustig, Emily Yabe
Kompositionsauftrag der Landeshauptstadt München zur Münchener Biennale
Koproduktion der Münchener Biennale mit der Deutschen Oper Berlin in Zusammenarbeit mit
der Universität der Künste Berlin
Über 100 Jahre nach Veröffentlichung des Zukunftsomans »Flatland« verwandelt »UNDERLINE« E.A. Abbotts satirische Utopie in neues Musiktheater: In der
assoziativen, multidimensionalen und polyphonen Komposition von Materialien,
Bildern, Formen, Körpern, Bewegungen, Licht, Videos, Klängen und Musik entwickelt
»UNDERLINE« aus Motiven, Konflikten, Charakteren und narrativen Elementen des
Romans eine kinetische Skulptur als musikalisches Objekttheater.
»Flatland« ist die autobiografische Geschichte von »A Square«, einem Einwohner von
»Flatland«. In seiner Geschichte beschreibt er seine zwei-dimensionale Heimat und
erzählt von seinen Reisen in Regionen mit mehr oder weniger Dimensionen, die die
Grenzen seiner Wahrnehmung hinterfragen. Die fantastische Zukunftsvision, die dem
Roman einst zur Kritik an seiner viktorianische Umwelt diente, liefert noch immer eine
passende Analogie zu unserer Gegenwart: Szene und Musik zeigen Menschen,
Lebenswelten, Stoffe und Requisiten als passgenaue Objekte und angepasste
Instrumente in einer geometrischen Performance. »UNDERLINE« versetzt das
Publikum in die Perspektive des Romanhelden, schickt es in Grenzbereiche der
eigenen Vorstellungskraft und animiert zur Reflexion unserer eigenen
Beschränkungen.
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Hugo Morales Murguia – Komposition
(www.hugomorales.org)
Geboren 1979 in Mexiko City, lebt in den Niederlanden und arbeitet als freischaffender Komponist, Sonologist und Klangkünstler an der Schnittstelle zwischen
traditionellen Instrumenten, gefundenen Objekten, Performance-Technik und
Technologie. Essentiell für seine Arbeit ist die Entwicklung alternativer Formen von
Klang-Erzeugung für die musikalische Komposition. Er studierte erst am Center of
Research and Musical Studies (CIEM) in Mexiko City, dann in Den Haag
Komposition an der Royal Conservatory sowie Sonologie am Institut für Sonologie
und promovierte anschließend am Centre of Contemporary Music Practice der
Brunel University in London. Auftragskompositionen entstanden für das Arditti
Quartet, LʼEnsemble Intercontemporain, das IKTUS Percussion Quartet und viele
andere Formationen.
Deville Cohen – Regie, Video, Raum, Objekte
(www.devillecohen.com)
1977 in Israel geboren, studierte Cohen an der Kunsthochschule Berlin Weißensee
sowie an der Milton Avery Graduate School of the Arts in New York und lebt derzeit in
Brooklyn, New York. In seinen Arbeiten hat er einen ganz eigenen Stil in der
Kombination von Video, Animationen, Grafik sowie installativen und performativen
Aspekten entwickelt, in denen sich zwei- und dreidimensionale Objekte und Bilder
miteinander verschränken.
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DISKURSE
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OFFENE AKADEMIE der Münchner Volkshochschule
5.4.2016, 19.30 Uhr
Gasteig / Black Box
OmU: VORLAGE UND FILM - LOST IN TRANSLATION?
Asta Scheib (Drehbuch- und Romanautorin), Jochen Striebeck (Synchronsprecher),
Steven Uhly (Romanautor)und Michael Verhoeven (Filmregisseur) sprechen über die
Adaption von literarischen Vorlagen für Filme, die Synchronisation von Filmen in einer
anderen Sprache, sowie die Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Original.
Moderation: Christoph Lindenmayer, Münchner Volkshochschule
Tickets: € 10
3.5.2016, 20.00 Uhr, Gasteig / Black Box
ORIGINAL MIT UNTERTITELN
Die Münchener Biennale 2016
Daniel Ott und Manos Tsangaris sowie Marion Hirte und Malte Ubenauf im Gespräch zu
OmU und dem Konzept des Festivalprogramms.
Moderation: Heike Lies, Kulturreferat und Marianne Müller-Brandeck, Münchner
Volkshochschule
Eintritt frei
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KURSPROGRAMM der Münchner Volkshochschule
18.4. / 2.5. / 9.5.2016, Gasteig
BIENNALEWERKSTATT
»Sweat of the Sun« nach »Eroberung des Nutzlosen« von Werner Herzog
Leitung: Shoshana Liessmann, Musik- und Kulturwissenschaftlerin
Anmeldung erforderlich, www.mvhs.de
Die intensive Beschäftigung mit Text und Komposition des Stücks im Vorfeld seiner
Uraufführung bieten Raum für Erfahrung, Erkenntnis und Diskussion und erleichtern
den Zugang zu ungewohnten Höreindrücken und neuen Perspektiven. Darüber hinaus
ermöglichen Probenbesuche und Gespräche mit mitwirkenden Künstlerinnen und
Künstlern einen besonderen Einblick in die Entstehung der Produktion.
Leitung: Shoshana Liessmann, Musik- und Kulturwissenschaftlerin
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Ludwig-Maximilians-Universität, München
Institut für Theaterwissenschaft
Ringvorlesung mit Prof. Dr. David Roesner
Inszenierungsgeschichte im 20./21. Jahrhundert
11.5.2016, 12.00 Uhr – 14.00 Uhr
Die Münchener Biennale
Prof. Dr. David Roesner im Gespräch mit Manos Tsangaris und Daniel Ott
Im Rahmen der Ringvorlesung »Inszenierungsgeschichte im 20./21. Jahrhundert« der
Theaterwissenschaft München werden Manos Tsangaris und Daniel Ott im Gespräch mit
Prof. Dr. David Roesner über neueste Entwicklungen im zeitgenössischen Musiktheater
sprechen. Insbesondere die zunehmende Verzahnung von Komposition, Inszenierung
und musikalischer Performanz lässt sich am Beispiel der Münchener Biennale 2016 als
stil-bildende Entwicklung beschreiben, deren Konsequenzen für den kreativen Prozess
sowie die Erfahrung der Zuschauer in der Vorlesung erörtert werden sollen.
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BR-KLASSIK
THEMA MUSIK LIVE
12.5.2016, 20.00 Uhr
Gasteig / Black Box
Eintritt frei
»Münchener Biennale – eine neue Etappe?!«
Gäste: Catherine Milliken (Oboistin, Komponistin), Brigitta Muntendorf (Komponistin),
Daniel Ott (Komponist, Münchener Biennale) und Manos Tsangaris (Komponist,
Münchener Biennale)
Konzept, Redaktion, Moderation: Meret Forster
Musik von Brigitta Muntendorf u.a.
Sendetermine:
ARD-alpha, 21. Mai, 22.30 Uhr (»Denkzeit«)
BR-KLASSIK, 26. Mai, 20.05 Uhr – 21.30 Uhr
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BR-KLASSIK
U21-VERNETZT von der Münchener Biennale
Konzept, Moderation: Annekatrin Schnur und Patricius Mayer
Sendetermine:
ARD-alpha, 5.6.2016, 11.00 Uhr – 12.00 Uhr
BR-KLASSIK Radio und Video-Stream brklassik.de, 6.6.2016, 21.05 Uhr – 22.00 Uhr
einsfestival, voraussichtlich Juni 2016
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Partner Diskurse
Positionen. Texte zur aktuellen Musik
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SYMPOSIUM
Gasteig / Black Box
Freitag, 3. Juni, 14.00 – 17.30 Uhr
Samstag, 4. Juni, 10.00 – 17.15 Uhr
Sonntag, 5. Juni, 10.00 – 13.30 Uhr
Detaillierter Ablaufplan: www.muenchenerbiennale.de
OmU – Echoräume und Suchbewegungen im heutigen Musiktheater
Leitung: Jörn Peter Hiekel (Dresden) und David Roesner (München)
Im diesjährigen Biennale-Thema »OmU« klingt die Öffnung gegenüber dem Fremden und
Unerwarteten an. Dies meint zunächst das Zulassen von neuen Formaten und Strategien im
heutigen Musiktheater. Aber es kann auch auf jene Differenzen oder Querstände der Künste
untereinander zielen, aus denen sich neue Möglichkeiten ihres Zusammenwirkens ergeben.
Wie aber sehen veränderte Formate, Strategien und Möglichkeiten heute aus? Und in welcher
Relation stehen sie zu den Wandlungen in unterschiedlichen Feldern der Gegenwartskunst?
Das Symposion sucht Überlegungen wie diese mit Blick auf einige Produktionen der Biennale
zu thematisieren, aber greift dabei auch ins Grundsätzliche aus – beginnend mit der durch die
Formel »OmU« nahegelegten Frage, was überhaupt ein »Original« ist und welche
Erwartungen es in uns weckt. Welche Vorstellungen von Werk, Autorschaft, Ereignis und
Authentifizierung verbinden sich mit diesem Begriff? Und welche Bedeutung haben dann
Untertitel? Sind sie bloß Übersetzung und Kommentar, oder fällt auch Umbesetzungen,
Repertoire-Vorstellungen, Re-Enactments, Adaptionen, Bildunterschriften, Fußnoten,
Randnotizen, YouTube und Twitter Kommentaren im erweiterten Sinne die Rolle von
Untertiteln zu? Um dies zu untersuchen und zu diskutieren, bringt das Symposium
Künstler*innen und Wissenschaftler*innen aus sehr unterschiedlichen Disziplinen zusammen.
Vorträge von und Podiumsdiskussionen mit
Freitag, 3. Juni, 14.00-17.30 Uhr
Vorträge von:
Jörn Peter Hiekel, Dresden
Dieter Mersch, Zürich
Nikolaus Rajewsky, Berlin
Manos Tsangaris, Dresden / Daniel Ott, Berlin
Samstag, 4. Juni, 10.00-17.15 Uhr
Vorträge von:
David Roesner (München)
Regine Elzenheimer (Leipzig)
Katja Schneider (München)
Roman Brotbeck (Bern)
Petra Maria Meyer (Kiel)
Podium 1: „(Neue) Medien im Musiktheater“, mit Christopher Balme, Isabel Mundry, Brigitta
Muntendorf, Simon Steen-Andersen, Malte Ubenauf. Moderation: Jörn Peter Hiekel
Sonntag; 5. Juni, 10.00-13.30 Uhr
Vorträge von:
Tobias Schick (Dresden)
Martin Zenck (Würzburg)
Podium 2: “Originale und AutorInnen? Neue Formen der Ko-Kreativität im
Musiktheater”, mit Sophie Becker, Leo Dick, Christian Grammel, Marion Hirte.
Moderation: David Roesner
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PLATTFORMEN
Seit 2013 veranstaltet die Münchener Biennale regelmäßig internationale BiennalePlattformen. Sie stellen Labors für szenisch-musikalische Projekte dar, die
einer beweglichen, ortsspezifischen und gesellschaftsreflektierenden Idee von
Musiktheater verbunden sind. Der mit einer solchen Plattform-Idee verknüpfte
Arbeitsansatz befragt den Zusammenhang und das traditionelle Verhältnis von
Komposition, Inszenierung, Erzählung, Autorenschaft und Aufführungsort. Projekte,
Stücke und Stoffe werden von Anfang an im Team und aus dem gemeinsamen
Interesse an formalen und inhaltlichen Fragen entwickelt und diskutiert. Sie
sind wesentliche Impulsgeber für das Programm der Münchener Biennale und
reflektieren bereits frühzeitig die jeweiligen Festival-Themen, die das Team um
Tsangaris und Ott vorschlägt.
Chronologie der Plattformen
Zeit
Ort
Partner
Okt / Nov 2013
München
Februar 2014
München
Juni 2014
Bern
KonzertTheater Bern &
Hochschule der Künste Bern
September 2014
Bern
KonzertTheater Bern &
Hochschule der Künste Bern
Dezember 2014
Peking
Beijing Youth Technology &
Culture Central Conservatory of Music
Mai 2015
Rotterdam
Operadagen Rotterdam
Juni 2015
Starnberger See
Münchner Volkshochschule
Juli 2015
Lima
Goethe-Institut Lima
Juli 2015
Buenos Aires
Goethe-Institut Buenos Aires &
Panorama Sur.& Maestría en Ópera
Contemporánea Universidad Nacional
de Tres de Febrero
November 2015
Buenos Aires
November 2015
München
Februar 2016
München
Herbst 2016
Hongkong
Zürcher Hochschule der Künste
Kowloon Cultural District
Herbst 2016
Athen
Onassis Cultural Centre
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Daten & Fakten
Veranstalter: Kulturreferat der Landeshauptstadt München in Zusammenarbeit mit
Spielmotor München e.V. – eine Initiative der Stadt München und der BMW Group
Künstlerische Leitung: Daniel Ott und Manos Tsangaris
Dramaturgie: Marion Hirte, Malte Ubenauf
Mentoren: Catherine Milliken, Isabel Mundry, Robyn Schulkowsky, Penelope Wehrli,
Dietmar Wiesner
Produktion und Veranstaltungsleitung: Tilmann Broszat
Künstlerisches Betriebsbüro: Katrin Beck
Festivalbüro: Karl Beckers, Maria Mosca, Franziska Alfons
Projektleitung: Walter Delazer, Annette Geller
Technische Leitung: Werner Kraft
Verwaltungsleitung Spielmotor München e.V.: Viktoria Strohbach-Hanko
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Kathrin Hauser-Schmolck, Basel, Tel. +41 (0)61 422 0539
Christiane Pfau, München, Tel. +49 (0)89 48 920 970
[email protected]
Design
Müller + Hess, Basel
Catherine Hersberger, München
Partner & Förderer
Auswärtiges Amt
Carl Orff-Stiftung Dießen am Ammersee
Deutsche Oper Berlin
enoa (european network of opera academies)
Ernst von Siemens Musikstiftung
Fachausschuss Musik Basel-Stadt/ Basel-Land
Gare du Nord, Basel
Goethe-Institut
Hochschule der Künste Bern
Hochschule für Musik und Theater München
Instituto Cervantes München
KonzertTheater Bern
Lothringer13
Ludwig-Maximilians-Universität München, Institut für Theaterwissenschaft
Münchner Philharmoniker
Münchner Volkstheater
Münchner Volkshochschule
Muffatwerk
Operadagen Rotterdam
Pro Helvetia – Schweizer Kulturstiftung
Staatstheater Mainz
Stadtwerke München/ Müllerʻsches Volksbad
Theater Augsburg
Theater Osnabrück
Theaterakademie August Everding
Universität der Künste Berlin
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Medienpartner
BR-KLASSIK
NZfM – Neue Zeitschrift für Musik
Spielorte
Gasteig, Rosenheimer Straße 5, 81667 München
Muffatwerk, Zellstr. 4, 81667 München
Müllersches Volksbad, Rosenheimer Str. 1, 81667 München
Lothringer13, Lothringer Straße 13, 81667 München
Einstein-Kultur, Einsteinstr. 42, 81675 München
diverse Orte im Stadtraum
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Festivalzentrum: Muffatwerk
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Tickets: www.muenchenticket.de
Vorverkaufsbeginn: 15. April 2015
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