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Landesbank Baden-Württemberg
Emerging Markets
Ist die Luft raus?
Uwe Burkert, Chefvolkswirt, Leiter des Bereichs Research
Autor: Matthias Krieger, Senior Economist
abgeschlossen: 07.07.2016
Landesbank Baden-Württemberg | 07.07.2016 | Emerging Markets – ist die Luft raus?
Seite 2
Agenda
Einleitung…….......…………………………………………………………………………………………………………….....
3
Wachstumsperspektiven der Schwellenländer ..............................................................................................
4
China ...........................................................................................................................................................
9
Protektionismus vs. Öffnung der Märkte ...................................................................................................... 17
„Middle Income Trap“ ..................................................................................................................................
22
Rohstoffpreise …............................................................................................……………………….................
28
Ausländische Portfolioinvestitionen (US-Zinserhöhungen, „Brexit“ etc.)......................................................... 31
Internationale Verschuldung von Emerging Market-Unternehmen................................................................. 35
Internationales Zinsumfeld ..........................................................................................................................
36
Zusammenfassung …...................................................................................................………………….......... 37
Anhang: Swapspreads von USD-Sovereigns aus Schwellenländern ................................................................ 39
Anhang: Währungsentwicklung …................................................................................…………………..........
40
Disclaimer …..……………………………………………………………................................................…….....……... 41
Ansprechpartner …............……………………………………………................................................…….....……... 42
Landesbank Baden-Württemberg | 07.07.2016 | Emerging Markets – ist die Luft raus?
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Einleitung
Einleitung
Das Wachstum der Schwellenländer – ist die Luft raus?
 Die Schwellenländer tragen zwar nach wie vor den Löwenanteil zum Wachstum der Weltwirtschaft bei. Sie weisen
aber nun schon seit einigen Jahren im Trend rückläufige BIP-Wachstumsraten auf. Die Ländergruppe leidet u.a.
darunter, dass derzeit Wachstumsimpulse fehlen, die unter dem Stichwort „Globalisierung“ lange Zeit einen
atemberaubenden Aufholprozess genährt hatten. Die bisherigen Triebfedern dieser Aufholjagd (ausländische
Direktinvestitionen, d.h. FDI + „Globalisierung“, Aufstieg Chinas und Rohstoffpreisboom) stottern derzeit, und
leider hat man in vielen Ländern versäumt, in den guten Jahren die Grundlagen für eine Zeit nach dem
Rohstoffboom und nach dem Outsourcing einfacher industrieller Fertigungen in Billiglohnländer zu schaffen. Der
Ausbau einer eigenen Industrie wurde in vielen Rohstoffe exportierenden Ländern nicht energisch genug
vorangetrieben, und Staaten, die sich erfolgreich in die internationalen Wertschöpfungsketten integrieren konnten,
haben zwar einen deutlich höheren Lebensstandard erreicht, unternahmen oftmals aber zu wenig, um bei
steigenden Löhnen die Voraussetzungen zur Fertigung höherwertiger Produkte und zur Entwicklung eigener
weltmarktfähiger Erzeugnisse zu schaffen („Middle Income Trap“).
 Kurz- bis mittelfristig bleiben die Wachstumsperspektiven der Schwellenländer daher gedämpft. Zwar befinden sich
die USA wieder auf einem soliden Wachstumspfad. Die konjunkturelle Dynamik lässt hier aber an Schwung vermissen. Der mit strukturellen Problemen behaftete Euroraum taugt kaum zur Konjunkturlokomotive, die EU insgesamt
wird nun auch noch durch den „Brexit“ belastet, die japanische Wirtschaft wächst aufgrund der unzureichenden
Strukturreformen seit vielen Jahre nur anämisch, und zuletzt haben auch noch die großen Schwellenländer (BRICS)
stark an Strahlkraft verloren, was sich negativ auch auf andere Emerging Markets auswirkt. Das Wachstum in China
als weltgrößtem Rohstoffnachfrager schwächt sich ab, Brasilien steckt in einer zumindest teilweise selbstverschuldeten Rezession, Russland leidet unter niedrigen Ölpreisen und den Folgen seiner aggressiven Außenpolitik (EUSanktionen, sinkende FDI), Indien tut sich noch immer sehr schwer, den Investitionsstau im Lande aufzulösen und
Südafrika leidet unter Engpässen in der Stromversorgung und wird zunehmend populistisch regiert.
Landesbank Baden-Württemberg | 07.07.2016 | Emerging Markets – ist die Luft raus?
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Kurzfristige Wachstumsperspektiven der Schwellenländer
Wachstumsperspektiven der Schwellenländer
EmMa-BIP mit IWF-Prognose und Lead. Indicator für die „BRIICS“ *
in % (* Brasilien, Russland, Indien, Indonesien, China, Südafrika)
DATEN & PROGNOSEN
in %
 Den Schwellenländern fehlt es derzeit an Dynamik. Der IWF geht
hier erst für 2017 von einer leichten Erholung aus.
 Der von der OECD erhobene Leading Indicator für die hier als Proxi
verwendete „BRIICS“-Staatengruppe bestätigt dies. Der Frühindikator befindet sich weiterhin im Abwärtstrend, hat zuletzt aber ein
wenig nach oben gedreht.
 Auch der Welthandel wird laut IWF parallel zur Weltwirtschaft nur
recht moderat zulegen.
Quellen: IWF, Thomson Reuters, LBBW Research
2014
2015 2016 p 2017 p
Anteil 2015
Welt-BIP *
Welt
3,4
3,1
3,2
3,5
Entwickelte Länder
1,8
1,9
1,9
2,0
42,4
- USA
- EU
- Japan
2,4
1,4
0,0
2,4
2,0
0,5
2,4
1,8
0,5
2,5
1,9
-0,1
15,8
16,9
4,3
Schwellenländer
4,6
4,0
4,1
4,6
57,6
- Mittel-/Osteuropa
- Developing Asia
- China
- Indien
- Lateinamerika/Karibik
- Brasilien
- GUS-Staaten
- Russland
- Mittl. Osten/Nordafrika
- Sub-Sahara Afrika
2,8
6,8
7,3
7,2
1,3
0,1
1,1
0,7
2,6
5,1
3,5
6,6
6,9
7,3
-0,1
-3,8
-2,8
-3,7
2,3
3,4
3,5
6,4
6,5
7,5
-0,5
-3,8
-1,1
-1,8
2,9
3,0
3,3
6,3
6,2
7,5
1,5
0,0
1,3
0,8
3,3
4,0
3,3
30,6
17,1
7,0
8,3
2,8
4,6
3,3
6,7
3,1
Welthandel
3,5
2,8
3,1
3,8
p = Prognose; Quelle = IWF
* Basis = Kaufkraftparitäten (PPP)
Landesbank Baden-Württemberg | 07.07.2016 | Emerging Markets – ist die Luft raus?
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Kurzfristige Wachstumsperspektiven der Schwellenländer
Internationale Abhängigkeiten: Auswirkungen eines Wachstumsanstiegs/
-rückgangs in „Schlüsselmärkten“ auf Schwellenländer „ohne BRICS“
 Das Wachstum der Schwellenländer ohne die „BRICS“-Staaten wird
u.a. beeinflusst vom Wachstum in den großen Volkswirtschaften
der Welt. Hier sind zum einen die „klassischen“ Industrieländer zu
nennen die sich z.B. als „G7-Gruppe“ (USA, Japan, Deutschland, UK,
Frankreich, Italien & Kanada) approximieren lassen. Zum anderen
spielen aber auch die großen Schwellenländer – „BRICS“-Staaten –
eine wichtige Rolle für das Wachstum in anderen Schwellenländern.
Insbesondere China als weltgrößter Rohstoffnachfrager und auch
Nachfrager sonstiger Erzeugnisse spielt hier eine wichtige Rolle.
 Das Wachstum der Schwellenländer ohne die BRICS-Staaten reagiert
auf einen Anstieg/Rückgang des BIP-Wachstums in den G7-Staaten
recht deutlich, was der engen Verflechtung der Weltwirtschaft und
der nach wie vor großen Bedeutung der „klassischen“ Industriestaaten z.B. als Absatzmärkte geschuldet ist. In dem Jahr, in dem
sich ein Anstieg/ Rückgang des G7-Wachstums um 1 %-Punkt
ereignet, fällt das Wachstum der Schwellenländer „ex BRICS“ in der
Regel um geschätzte 0,6 %-Punkte höher/niedriger aus als ohne
diesen Anstieg/Rückgang, im Folgejahr dann um rund 1,4 %-Punkte
und im nächsten Jahr immer noch um rund 1,1 %-Punkte.
 Steigt/fällt das BIP-Wachstum der BRICS um 1 %-Punkt, reagiert das
Wachstum der übrigen Schwellenländer analog mit Anstiegen bzw.
Rückgängen um 0,4 %-Punkte, 0,9 %-Punkte und 0,7 %-Punkte.
Quellen: Weltbank – Global Economic Prospects Juni 2016, LBBW Research
Auswirkungen eines zusätzlichen BIP-Anstiegs um 1 %-Punkt im
Jahr T=0 auf das BIP-Wachstum der Emerging Markets „ex BRICS“
%-Punkte
1,6
1,4
1,4
1,2
1,1
1,0
0,9
0,8
0,6
0,4
0,7
0,6
0,4
0,2
0,0
T=0
T+1
G7 (%-Punkte)
BRICS (%-Punkte)
T+2
Landesbank Baden-Württemberg | 07.07.2016 | Emerging Markets – ist die Luft raus?
Seite 6
Kurzfristige Wachstumsperspektiven der Schwellenländer
Internationale Abhängigkeiten: Die Investitionsschwäche der Industrieländer
belastet auch die Emerging Markets.
 Die Investitionstätigkeit in
Relation zum BIP hat in den
„High-Income-Ländern“ seit
2008 deutlich nachgelassen
und beginnt erst allmählich,
sich zu erholen. auch die FDI
aus diesen Staaten fließen
seitdem spärlicher in andere
Länder. Beides belastet die
Schwellenländer. Hintergrund
sind Faktoren wie:
Industrieländer: Investitionen und „Net Outflows“ von Direktinvestitionen (FDI im Ausland)
in % des BIP p.a.
23
23
22
22
21
21
20
20
19
 Verunsicherung durch die
„Eurokrise“
05
06
07
08
09
10
11
12
13
14
15
19
"High-Income Countries": Investitionen (% BIP)
 Bilanzrezession, d.h. Vorrang
des Schuldenabbaus vor Neuinvestitionen
8
8
6
6
 Ängste im Zusammenhang mit
der US-Zinswende („Tapering“)
4
4
 Furcht vor einer weiteren
Abschwächung in China
2
2
 geopolitische Krisenherde
(Ukraine, IS, Syrien etc.)
 „Brexit“
Quelle: Stratfor.com
0
2006
2008
2010
2012
2014
2016
0
"High-Income Countries": Net Outflows FDI (% BIP)
Quelle: Thomson Reuters Datastream
Landesbank Baden-Württemberg | 07.07.2016 | Emerging Markets – ist die Luft raus?
Seite 7
Kurzfristige Wachstumsperspektiven der Schwellenländer
Internationale Abhängigkeiten: Die „BRICS“ insgesamt taugen derzeit kaum zur
Konjunkturlokomotive für Schwellenländer.
 Die BRICS galten lange als
Synonym für aufstrebende, zu
den Industrieländern aufschließende Schwellenländer.
Die jüngere Vergangenheit hat
gezeigt, dass dies ein Zerrbild
ist. Die Länder stellen keine
homogene Gruppe dar und in
Zeiten stark gefallener Rohstoffpreise stehen Brasilien,
Russland und Südafrika unter
wirtschaftlichem Druck. Dieser
wird aber durch hausgemachte
Probleme massiv verschärft.
Brasilien z.B. leidet unter einer
schweren innenpolitischen
Krise („Petrobras-Skadal“),
Russland unter der aggressiven Außenpolitik Putins (EUSanktionen) und Südafrika
unter einer populistischen
ANC-Regierung und Engpässen
in der Stromversorgung.
 China - mit nachlassender
Dynamik - und Indien befinden
sich auf Wachstumskurs.
Quelle: Stratfor.com
BRICS: BIP-Wachstum mit IWF-Prognose
in % ggü. dem Vorjahr
8
8
6
6
4
4
2
2
0
0
-2
-2
-4
-4
2013
2014
2015
2016
2017
Indien: BIP mit IWF-Prognose (%)
China
Südafrika
Russland
Brasilien
Quelle: Thomson Reuters Datastream
Landesbank Baden-Württemberg | 07.07.2016 | Emerging Markets – ist die Luft raus?
Seite 8
Kurzfristige Wachstumsperspektiven der Schwellenländer
Internationale Abhängigkeiten: Auswirkungen eines Wachstumsanstiegs/rückgangs in „Schlüsselmärkten“ auf Schwellenländer „ohne BRICS“
 Auf Basis der von der Weltbank ermittelten Auswirkungen einer
Beschleunigung/Verlangsamung des Wachstums der Schwellenländer „ohne BRICS“ infolge einer Wachstumsveränderung in den
G7- bzw. BRICS-Staaten um einen %-Punkt in einem Jahr auf die
Folgejahre lässt sich z.B. auf Grundlage der IWF-Prognosen für das
Wachstum der G7- und der BRICS-Staaten ableiten, wie stark das
Wachstum der Schwellenländer „ohne BRICS“ mittelfristig von der
Wachstumstendenz der G7- bzw. BRICS-Staaten Impulse erhalten
sollte. Das Ergebnis ist derzeit eher ernüchternd:
 In den kommenden Jahren ist seitens der G7-Staaten kein positiver
Effekt auf das Wachstum der übrigen Schwellenländer zu erwarten.
2019-2021 dürfte der Effekt sogar negativ ausfallen.
 Seitens der BRICS-Staaten dürfte 2016 kein Impuls, 2017-2019
dann immerhin ein moderater, zunehmend positiver Impuls von bis
zu 0,5 %-Punkten p.a. zusätzlichen Wachstums für die übrigen
Schwellenländer abfallen. Darüber hinaus nimmt der Impuls dann
aber wieder ab, was insbesondere auf die vom IWF prognostizierten
längerfristig moderateren BIP-Wachstumsraten in China sowie eine
anhaltende Wachstumsschwäche in Brasilien und Russland, aber
auch in Südafrika zurückzuführen ist. Die BRICS spielen als Wachstumsmotoren für andere Schwellenländer insofern mittelfristig eine
deutlich schwächere Rolle als in früheren Jahren.
Quellen: Weltbank – Global Economic Prospects Juni 2016, Thomson Reuters, IWF, LBBW Research
Impulse für eine Wachstumsbeschleunigung in den Emerging
Markets „ex BRICS“ (Basis: IWF-Prognosen für G7 bzw. BRICS)
%-Punkte
0,5
0,5
0,5
0,4
0,3
0,2
0,2
0,2
0,1
0,1
0,0
0,0
0,0
0,0
0,0
0,0
-0,1
-0,2
-0,2
-0,2
-0,3
2016
2017
2018
kumul. Impuls "G7"
2019
2020
2021
kumul. Impuls "BRICS"
 Die Gründe für die schwache konjunkturelle Dynamik der G7Länder seit Beginn der internationalen Krise waren Gegenstand
zahlloser Untersuchungen.
 Was aber steckt hinter der konjunkturellen Schwäche vieler
Schwellenländer?
Landesbank Baden-Württemberg | 07.07.2016 | Emerging Markets – ist die Luft raus?
Seite 9
China
China: Nachlassende Wachstumsdynamik
China: BIP mit IWF-Prognose und Potenzialwachstum
in % p.a.
China: BIP pro Kopf und Importe
1.000 USD/Kopf und Jahr / in Mrd. USD/Monat (MAV 12M)
 Die Wachstumsraten des BIP in China geben seit einigen Jahren im
Trend nach. Für 2016 und 2017 rechnet der IWF hier mit einer
Abschwächung auf rund 6 % p.a. Da China wichtiger Absatzmarkt
für andere Schwellenländer ist – die Volksrepublik steht z.B. in
manchen Sektoren für über 40 % der weltweiten Nachfrage nach
Rohstoffen -, belastet dies auch andere Emerging Markets.
 Die Einfuhren Chinas nehmen mit steigendem BIP/Kopf zwar i.d.R.
zu, d.h. Exporteure aus anderen (Schwellen-) Ländern profitieren
vom steigenden Einkommen in China. Zuletzt gaben die Importe
trotz anhaltendem – moderaterem - Wachstum aber deutlich nach,
was das Wachstum der nach China exportierenden Staaten dämpft.
Die Gründe dafür sind vielfältig. Neben dem schwächeren CNY und
niedrigeren USD-Preisen für Rohstoffe reflektiert diese Entwicklung
auch die gegenwärtige Konsolidierung der zuvor eher „überschäumenden“ chinesischen Volkswirtschaft.
Quellen: Thomson Reuters, LBBW Research
Landesbank Baden-Württemberg | 07.07.2016 | Emerging Markets – ist die Luft raus?
Seite 10
China
China: Trendwachstumsrate fällt
Trendwachstumsrate Chinas und Beiträge zum BIP
in % ggü. Vorjahr bzw. in %-Punkten
 Die Trendwachstumsrate Chinas („Potenzialwachstumsrate“)
befindet sich im Abwärtstrend und liegt laut Deutscher Bundesbank
gegenwärtig bei rund 7% p.a. Schätzungen der OECD bestätigen
diesen Wert.
 Vor allem das gefallene Wachstum der Arbeitsproduktivität wirkt
sich hier negativ aus.
Die Gründe dafür sind u.a.:
 die Integration wenig produktiver Landarbeiter in den industriellen
Fertigungsprozess stößt an Grenzen
 es fand ein kräftiger Lohnanstieg statt
 es herrscht Fachkräftemangel
 Effekte früherer Reformen laufen aus (z.B. WTO-Beitritt 2001,
Privatisierungen)
 es bestehen Überkapazitäten in einigen Sektoren (z.B. Stahl- und
Zementindustrie)
 die Verschuldung im Unternehmenssektor (vor allem staatseigene
Unternehmen) ist recht hoch (rund 145 % des BIP laut IWF)
 allmählich kippt die Demographie.
Quellen: Deutsche Bundesbank 07/2015 , LBBW Research
Landesbank Baden-Württemberg | 07.07.2016 | Emerging Markets – ist die Luft raus?
Seite 11
China
China: Investitionsboom spiegelt sich auch im Schuldenstand wider – Tragfähigkeit ist fraglich.
 Chinas investitionsgetriebenes
Wachstum auf „Pump“ hat zu
einem deutlichen Anstieg der
Schulden geführt. Den größten
Anteil daran haben die Unternehmen (lt. IWF rd. 145% des
BIP). Mehr als die Hälfte davon
geht auf das Konto staatseigener Betriebe. Deren Schuldentragfähigkeit dürfte angesichts
zahlreicher unrentabler
Projekte, Überkapazitäten und
eines schwächeren Wachstums
abgenommen haben.
 Die offizielle NPL-Quote von
1,7 % dürfte nur zustande
kommen, weil Banken Kredite
ohne abermalige Bonitätskontrolle verlängern.
 Früher oder später wird der
chinesische Staat wohl einen
Großteil der Schulden von
Staatsunternehmen übernehmen müssen.
Quelle: FRB, Haver Analytics, DB, LBBW Research
Schulden nach Sektoren (in % des BIP 2014)
Landesbank Baden-Württemberg | 07.06.2016
07.07.2016 | Emerging Markets – ist die Luft raus?
Seite 12
China
China: Das Problem der hohen Unternehmensverschuldung, mögliche Lösungen
des Problems und der Weg, den die Regierung wohl gehen wird.
Das Problem
Die beste Lösung (laut IMF „Lessons from history“)
Unternehmensverschuldung
145-160% des BIP
55% davon bei
Staatsunternehmen
ausfallbedrohte Kredite
1.300 Mrd. US-Dollar
15,5% der Unternehmenskredite
12% des BIP
schnell und
effizient
Banken
Schuldner
Corporate
Governance
•Leistungsgestörte Kredite können zu
systemischer Krise führen
 deutlich niedrigere BIP-Wachstumsraten
und/oder Bankenkrise
•Bereinigung der Bankbilanzen / Rekapitalisierung nur eine Hälfte der Lösung
•unprofitable Firmen müssen auch restrukturiert oder liquidiert werden
•Regeln und Anreize bei Kreditvergabe und Risikomanagement müssen überarbeitet werden, sonst
droht eine Wiederholung.
•Verflechtung von Partei/Staatsbanken/Staatsunternehmen auflösen
potenzielle Verluste
600 Mrd. US-Dollar
7% der Unternehmenskredite
6% des BIP
Instrument
Folge
Debt-to-Debt Swap
Staat nimmt Schulden auf und rekapitalisiert die Banken
 Schulden wandern zum Staat
Debt-to-Equity Swap
Aus Schulden werden Aktien
 Banken halten Anteile an (teilweise) unprofitablen Unternehmen
Verbriefung
Schulden werden weitergereicht
 wahrscheinlich an Schattenbanken mit geringer Transparenz
Liquidierung von
Staatsunternehmen
Bereinigung
 Banken schreiben Kredite ab, erleiden aber Verluste
Quelle: Debt-Equity Conversions and NPL Securitization in China—Some Initial Considerations (IMF August 2016), IMF „Global Financial Stability Report“, LBBW Research
sinnvoll
/
?
wahrscheinlich
Landesbank Baden-Württemberg | 07.07.2016 | Emerging Markets – ist die Luft raus?
Seite 13
China
China: Was beunruhigt die Märkte noch?
China: Finanzierungen
in % des BIP
China: Devisenreserven und USDCNY
in Mrd. USD bzw. CNY für einen USD
 Fortschritte erzielte China aber hinsichtlich der Eindämmung des
unkontrollierten Bereichs der „Schattenbanken“. Der Anteil der
„alternativen Finanzierungen“ hat sich seit 2013 im Trend deutlich
zugunsten des Anteils regulärer Bankkredite reduziert.
 Auch der starke Abfluss von Devisen ist nicht unbedingt ein
Problem für die chinesische Wirtschaft. Der Rückgang der FXReserven korrespondiert mit dem Schwenk der Notenbank hin zu
einer tendenziellen Abwertung des CNY zum USD. Wegen der damit
einher gehenden Abwertungserwartung lassen z.B. chinesische
Unternehmen im Ausland erwirtschaftete Devisen gleich im Ausland
und tauschen eher CNY bei der Notenbank gegen USD ein, die dann
wiederum im Ausland angelegt werden. Der FX-Abfluss reduziert so
die FX-Reserven, Finanzierungen sind dadurch aber nicht gefährdet,
so dass der FX-Abfluss das BIP-Wachstum in China nicht dämpft.
Quellen: Thomson Reuters, LBBW Research
Landesbank Baden-Württemberg | 07.07.2016 | Emerging Markets – ist die Luft raus?
Seite 14
China
China: Neuausrichtung kommt langsam voran
China: Wachstum nach Sektoren
in % p.a.
China: Wachstumsbeiträge zum BIP
in %-Punkten p.a.
 Als einen der Wachstumsmotoren der Welt abschreiben sollte man
die chinesische Wirtschaft nicht. Der begonnene Umbau braucht
Zeit, kann aber schon auf gewisse Erfolge verweisen. Wurde das
BIP-Wachstum früher weitestgehend von der Industrie getragen, so
nimmt die Bedeutung des Dienstleistungssektor inzwischen zu.
 Zudem ist der Beitrag des Konsums zum BIP-Wachstum auch über
die letzten Jahre recht konstant geblieben und hat inzwischen den
der Investitionen überholt. Auch der Beitrag der Netto-Exporte
verliert an Bedeutung. Chinas Wirtschaft entwickelt sich also
allmählich von einer export- und investitionsgetriebenen Wirtschaft
hin zu einer stärker vom Konsum getragenen.
Quellen: Weltbank – Global Economic Prospects Juni 2016, Thomson Reuters, LBBW Research
 China ist damit nicht nur internationaler „Konkurrent“ und
Fertigungsstandort, sondern entwickelt sich auch zunehmend zum
attraktiven Markt u.a. für Konsumgüter.
Landesbank Baden-Württemberg | 07.07.2016 | Emerging Markets – ist die Luft raus?
Seite 15
China
China: Die VR wird trotz allem Wachstumsmotor für die Weltwirtschaft bleiben
China: BIP-Wachstum in % und in Mrd. USD mit IWF-Prognosen
in % bzw. Mrd. USD und in Mrd. USD bei fiktivem Wachstum 6,5 %
China: Pkw-Verkäufe
in 1.000 Einheiten pro Monat
 Grundsätzlich hat China inzwischen eine Größe erreicht, bei der
auch niedrigere BIP-Wachstumsraten in absoluten Größen (Mrd.
USD) gerechnet ein beträchtliches jährliches Wachstum bedeuten.
 Der längerfristige Trend beim privaten Konsum in China weist klar
nach oben, d.h. mit steigendem Einkommen wird hier auch mehr
konsumiert – u.a. höherwertige Konsumgüter, die zu einem großen
Teil auch aus anderen Staaten (Industrie- und Schwellenländern)
importiert werden.
 Ein reales Wachstum von 6,5 % p.a. ist in USD gerechnet heute
mehr als ein zweistelliges Wachstum vor 10 Jahren.
 China dürfte vor diesem Hintergrund ein Wachstumsmotor für die
Weltwirtschaft bleiben, auch wenn das Wachstum und die Einfuhren
hier derzeit zur Schwäche neigen.
Quellen: IWF, Thomson Reuters, LBBW Research
Landesbank Baden-Württemberg | 07.07.2016 | Emerging Markets – ist die Luft raus?
Seite 16
China
China: Längerfristig wird die demographische Entwicklung aber das Wachstum
Chinas deutlich belasten.
Chinas Bevölkerungsentwicklung
 Die Demographie spricht in
China allerdings gegen eine
Rückkehr zur Wachstumsdynamik früherer Jahre. Zwar
bringt das Ende der Ein-KindPolitik Entlastung. Die Alterung
schreitet aber voran, und die
Anzahl der Chinesen im
arbeits-fähigen Alter zwischen
15 und 64 Jahren wird im
Trend weiter deutlich
abnehmen.
 Ohne starkes Produktivitätswachstum - und daran fehlt es
momentan - wird somit auch
das Potenzialwachstum der
Volksrepublik (derzeit ca. 7 %
p.a.) weiter fallen.
Quelle: Thomson Reuters, Schätzungen von Oxfort Economics
alternde Bevölkerung
Rückgang wird das Potenzialwachstum nachhaltig senken
Ende der Ein-Kind-Politik
Landesbank Baden-Württemberg | 07.07.2016 | Emerging Markets – ist die Luft raus?
Seite 17
Protektionismus versus Öffnung der Märkte
Protektionistische Tendenzen haben seit 2009 wieder zugenommen
Welthandelsvolumen
indexiert
EmMa: Handelsmaßnahmen
von 2009 bis 2015
 In den Jahren 2009 und 2015
überstieg in den Emerging
Markets die Anzahl diskriminierend wirkender handelspolitischer Maßnahmen die Zahl
eher marktöffnend wirkender
um das Dreifache.
Längerfr. Ausw. einer Senkung von
Zöllen & Handelsbarrieren um 50 %
in % des BIP (Schätzung: Weltbank)
 Die Emerging Markets kämpfen derzeit aber noch mit anderen
Belastungsfaktoren. Der Wachstumspfad des Welthandels hat
sich schon vor dem Importrückgang in China abgeflacht, was
u.a. auf eine sich im Zuge der internationalen Krise ab 2008/9
etablierende deutlich stärker protektionistische Tendenz vieler
Schwellenländer zurückzuführen ist.
Quellen: Weltbank – Global Economic Prospects Juni 2016, LBBW Research
(EMDEs = Emerging Markets
and Developing Economies)
 Dabei profitieren gerade
Schwellenländer i.d.R. langfristig von Liberalisierungen
des Handels.
 Die Schaffung neuer großer
Freihandelszonen (ASEAN
Economic Community, Trans
Pacific Partnership, RCEP, TTIP)
könnte hier mittel- bis längerfristig für neuen Schwung
sorgen, allerdings um den
Preis des Verlusts nationaler
Souveränitätsrechte.
Landesbank Baden-Württemberg | 07.07.2016 | Emerging Markets – ist die Luft raus?
Protektionismus versus Öffnung der Märkte
Die „Trans Pacific Partnership“: Eine Freihandelszone größer als die (alte) EU.
Trans Pacific Partnership (TPP) unterzeichnet
 Nach langen Verhandlungen
wurde Anfang 2016 die Trans
Pacific Partnership zwischen
zwölf Mitgliedsstaaten durch
Unterschrift besiegelt, wenngleich noch diverse Ratifizierungen ausstehen. Dies kann
bis zu zwei Jahren dauern.
 Die TPP wäre dann die größte
Freihandelszone der Welt, d.h.
größer als die EU. Die TPPStaaten stehen für rund 800
Mio. Menschen und repräsentieren derzeit 40 % des Welt-BIP
und 25 % des Welthandels.
 Durch die TPP sollen u.a. rund
18.000 Zollvorschriften verschwinden, was im Falle einer
konsequenten Umsetzung den
wirtschaftlichen Austausch
innerhalb der größten Wachstumsregion der Welt erheblich
intensivieren könnte.
Quelle: Spiegel Online, LBBW Research
Seite 18
Landesbank Baden-Württemberg | 07.07.2016 | Emerging Markets – ist die Luft raus?
Seite 19
Protektionismus versus Öffnung der Märkte
Die „Trans Pacific Partnership“: Erwartete Effekte bis 2030.
Positive Effekte für alle TPP-Mitglieder geschätzt
 Die Weltbank erwartet bis 2030 signifikant positive wirtschaftliche
Auswirkungen bei planmäßiger Ratifizierung der TPP: Demzufolge
dürften vor allem Vietnam und Malaysia einen recht beachtlichen
TPP-induzierten Wachstumsschub verzeichnen können. Aber auch
die schon sehr hoch entwickelten Volkswirtschaften Neuseeland,
Singapur und Japan werden deutlich profitieren. Für die USA hält
sich der Effekt in Grenzen, ist aber ebenfalls positiv.
 Bei den Exporten wären vor allem Vietnam, Malaysia und Japan die
Hauptprofiteure. Grundsätzlich sollten aber alle TPP-Mitglieder
einen TPP-induzierten Exportzuwachs verzeichnen können.
 Die Nicht-TPP-Mitglieder in der Region Asien-Pazifik werden laut
Weltbank marginal verringerte BIP-Zuwächse durch TPP erleiden.
Am stärksten negativ dürfte Thailand betroffen sein. Mit einem im
Jahr 2030 um knapp 1 % niedriger liegenden BIP als ohne TPP sind
die Rückwirkungen aber auch hier sehr moderat.
 Die TPP ist eine offene Gruppe, d.h. andere Länder können jederzeit beitreten, sofern sie die Bedingungen des inhaltlich sehr weit
reichenden Freihandelsabkommens akzeptieren. Potenziell haben
bereits u.a. Indonesien, Kolumbien, Korea, Taiwan, Thailand und
die Philippinen Interesse bekundet.
Quelle: Weltbank 11/2015 - Potential Macroeconomic Implications of the TPP, LBBW Research
Landesbank Baden-Württemberg | 07.07.2016 | Emerging Markets – ist die Luft raus?
Seite 20
Protektionismus versus Öffnung der Märkte
Die ASEAN Economic Community:
ASEAN-Staaten schaffen gemeinsamen Binnenmarkt.
ASEAN-Staaten: Gesamter Handel
in Mrd. USD p.a.
ASEAN-Staaten: Handel mit Elektro- und Elektronikbauteilen
in Mrd. USD
 Ende 2015 trat der Binnenmarkt der ASEAN-Staaten in Kraft. Wenngleich längere Übergangsfristen für Zölle und gemeinsame Handelsund Industriestandards gelten, könnte der zuletzt stagnierende
Handel der ASEAN-Staaten dadurch neue Impulse erhalten.
 Insbesondere im wichtigen Segment der Elektro- und Elektronikbauteile stagnierte der intra-ASEAN-Handel zuletzt. Hier erhofft
man sich innerhalb der Staatengruppe frischen Wind und eine
Vertiefung der Wertschöpfungsketten.
Quelle: ASEAN Integration Report 11/2015, LBBW Research
Landesbank Baden-Württemberg | 07.07.2016 | Emerging Markets – ist die Luft raus?
Seite 21
Protektionismus versus Öffnung der Märkte
Die ASEAN Economic Community: Offenheit stärkt FDI.
ASEAN-Staaten: Zuflüsse ausländischer Direktinvestitionen (FDI)
in % des BIP 2001-2007 und 2008-2014
 FDI-Zuflüsse spielten vor und nach der internationalen Krise ab
2007/08 für viele ASEAN-Staaten eine wichtige Rolle für das BIPWachstum, ...
Quelle: ASEAN Integration Report 11/2015, LBBW Research
ASEAN-Staaten: Grad der Offenheit für FDI versus FDI-Zuflüsse
Index von 0 (= „offen“) bis 1 bzw. FDI-Zuflüsse in % d. BIP
 ... und der von der OECD ermittelte „Regulatory Restrictiveness
Index“ für FDI zeigt, dass auch in den ASEAN-Staaten der Zufluss
an FDI (in % des BIP) mit zunehmendem Grad an Offenheit für
FDI signifikant zunimmt.
 Hierzu soll der gemeinsame Binnenmarkt der ASEAN-Staaten
beitragen. Mehr Offenheit im Inneren der Staatengemeinschaft
erhöht auch die Attraktivität jedes einzelnen nach außen.
Landesbank Baden-Württemberg | 07.07.2016 | Emerging Markets – ist die Luft raus?
„Middle Income Trap“
„Middle Income Trap“: Produktivitätswachstum
 Das derzeit weltweit schwache
bzw. nachlassende Wachstum
der Produktivität ist ein Grund
für das global schwache BIPWachstum.
 Während das Wachstum der
Bevölkerung vor allem in den
Emerging Markets, aber auch
in den USA, für ein moderates
BIP-Wachstum sorgt, hat der
Beitrag der Produktivitätssteigerung zum BIP-Wachstum vor
allem in den Schwellenländern
stark nachgelassen.
Quellen: US Conference Board, LBBW Research
Beiträge von Arbeitsproduktivität und Beschäftigungswachstum zum BIP-Wachstum (2000-2016)
in %-Punkten p.a.
Seite 22
Landesbank Baden-Württemberg | 07.07.2016 | Emerging Markets – ist die Luft raus?
Seite 23
„Middle Income Trap“
„Middle Income Trap“: Produktivitätswachstum
Trendwachstum der Arbeitsproduktivität (Output p.P.; 1971-2015)
in % p.a.
Netto-Zufluss ausländischer Direktinvestitionen
in % des BIP; MAV 3Y
 Das US Conference Board hat ermittelt, dass sich das Wachstum der
Arbeitsproduktivität generell, aber vor allem auch in den Emerging
Markets, zyklisch im Abwärtstrend befindet. Eine Bodenbildung ist
derzeit nicht absehbar.
 Offenbar dämpfen die hohe Risikoaversion (z.B. „Brexit“, Eurokrise,
geopolitische Konflikte, Abschwächung in China, stark gefallene
Rohstoffpreise, US-Tapering), gestiegene Kosten (Löhne) und eine
erhöhte Bereitschaft zu protektionistischen Maßnahmen derzeit die
Bereitschaft zu Direktinvestitionen in den entwickelteren Schwellenländern, was hier einen Rückgang der Produktivitätssteigerungen
zur Folge hat.
 Hintergrund ist die Zurückhaltung der Unternehmen in den
Industrie- und Schwellenländern mit Investitionen.
 Eine Ausnahme bilden die „Low Income Countries“.
Quellen: US Conference Board, Thomson Reuters, LBBW Research
Landesbank Baden-Württemberg | 07.07.2016 | Emerging Markets – ist die Luft raus?
Seite 24
„Middle Income Trap“
„Middle Income Trap“: Mangelnde Diversifizierung in wichtigen Rohstoffländern
 Wurden die während des Rohstoffbooms hohen Exporteinnahmen
nur unzureichend oder gar nicht für den Auf- und Ausbau des
Verarbeitenden Gewerbes und der Infrastruktur verwendet, rächt
sich dies nun in Form einer ausgeprägten Wachstumsschwäche.
 Aber auch hausgemachte Faktoren jenseits des Rohstoffsektors
belasten derzeit wichtige Schwellenländer:
 In Brasilien wirken sich vor allem die politische Krise, die Reformen
blockiert und Investoren abschreckt, sowie relativ hohe Kosten für
Unternehmen negativ auf die Industrie des Landes aus.
 In Russland blockieren neben anderen Faktoren nun auch noch
westliche Sanktionen infolge der aggressiven Außenpolitik Putins
eine Modernisierung und Diversifizierung der Wirtschaft.
 In Südafrika verunsichern wilde Streiks und ein zunehmend
populistischer Kurs der Regierung in- und ausländische Investoren.
 In Indonesien fehlt nach wie vor eine industrielle Basis zur Verarbeitung der reichen Rohstoffvorkommen. Die neue Regierung versucht
hier nun immerhin, dies zu ändern und auch die Infrastruktur durch
ein großangelegtes Investitionsprogramm zu verbessern.
Quellen: IIF, LBBW Research
Anteil des Verarbeitenden Gewerbes an der Wirtschaftsleistung
in % des BIP
Landesbank Baden-Württemberg | 07.07.2016
LBBW Länderkompass
Seite 25
„Middle Income Trap“
„Middle Income Trap“: Produktivitätswachstum
BIP pro Kopf und Jahr
auf USD-Basis indexiert
„High-Income“-Länder vs. Emerging Markets: F&E-Ausgaben
in % des BIP
 Ihre Hausaufgaben müssen die Schwellenländer selbst erledigen.
Denn der starke Anstieg des Nationaleinkommens pro Kopf ist zwar
positiv. Der damit einhergehende Anstieg der Löhne muss für die
Unternehmen aber auch tragbar sein. Um sich ein dauerhaft
ansteigendes Lohnniveau leisten zu können, müssen auch die
Schwellenländer innovationsfähig sein. Nur so können hier auch
höherwertige weltmarktfähige Produkte produziert werden.
 Hier hapert es noch bei vielen EmMa. Gelingt der „technologische
Quantensprung“ nicht, bleiben diese in der „Middle-Income-Trap“
stecken. Das Wachstum flaut ab, weil zu hohe Löhne die Fertigung
einfacher Industriegüter unrentabel macht und für eine höherwertige Produktion die Voraussetzungen fehlen (qualifizierte Arbeitskräfte, Infrastruktur etc.).
Quellen: Thomson Reuters, LBBW Research
 Im Ggs. zu vielen anderen EmMa holt China technologisch auf. Die
F&E-Ausgaben in % des BIP liegen hier schon annähernd auf dem
Niveau entwickelter Länder, und China legt viel Wert auf Förderung,
Ansiedlung und „Adaption“ technologisch hochwertiger Produktion.
Landesbank Baden-Württemberg | 07.07.2016 | Emerging Markets – ist die Luft raus?
„Middle Income Trap“
„Middle Income Trap“: Die Emerging Markets sind kein geschlossener Club.
 Die sog. „Middle Income Trap“
belastet vor allem Länder mit
bereits relativ hohem Einkommensniveau und (zu) geringer
Innovationskraft. Dafür entstehen nun Chancen für andere
Länder mit junger Bevölkerung
und günstigen Arbeitskosten.
 Inwiefern und inwieweit sich
hier markierte Staaten in internationale Wertschöpfungsketten werden einbinden können,
muss sich erst noch zeigen.
 Aber immerhin: Mit insgesamt
1,15 Mrd. Menschen haben
diese 16 Länder die Gemeinsamkeit, dass sich einfache
industrielle Produktion bereits
von China dorthin verlagert
hat.
 Die Emerging Markets sind
jedenfalls kein geschlossener
Club. Bisher wenig entwickelte
Staaten können aufschließen.
Quelle: Stratfor.com
Wachstumsmärkte der Zukunft?
Seite 26
Landesbank Baden-Württemberg | 07.07.2016
LBBW Länderkompass
Seite 27
„Middle Income Trap“
„Middle Income Trap“: China als wichtigstes Schwellenland hat gute Chancen,
der „Middle Income Trap“ zu entrinnen
Umfrage zur Wahrnehmung chinesischer Unternehmen als
Konkurrenten auf dem Weltmarkt (%)
auf USD-Basis indexiert
Stärke des Wettbewerbs nach Preissegment
in %
 Ein sich z.B. verschärfender deutsch-chinesischer Wettbewerbs im
Unternehmenssektor wird u.a. von einer Befragung bestätigt, die
von den Deutschen Industrie- und Handelskammern (DIHK) zusammen mit den Außenhandelskammern (AHK) unter 239 auslandsaktiven deutschen Unternehmen durchgeführt wurde. Inzwischen
rechnen schon 27 % der befragten Firmen chinesische Unternehmen
zu den fünf wichtigsten Wettbewerbern auf Drittmärkten, und
insgesamt 62% erwarten für die nächsten fünf Jahre eine zunehmende Intensivität im deutsch-chinesischen Wettbewerb.
 Insgesamt gilt für deutsche Unternehmen zwar derzeit noch: je
höher die Preisschiene, desto schwächer die Konkurrenz aus China,
und demzufolge besteht die Gefahr aus deutscher Sicht vor allem in
einer sich abzeichnenden Situation, in der höhere Preise nicht mehr
durch Qualitätsvorsprünge gerechtfertigt werden können.
Quellen: DIHK + AHK, LBBW Research
 Die Entwicklung bestätigt aber klar, dass chinesische Unternehmen
technologisch aufholen. Die Volksrepublik dürfte daher eines der
Schwellenländer sein, die nicht in der „Middle-Income-Trap“ stecken
bleiben, sondern im Zeitablauf auch den Sprung zu den „HighIncome-Ländern“ schaffen dürften.
Landesbank Baden-Württemberg | 07.07.2016 | Emerging Markets – ist die Luft raus?
Seite 28
Rohstoffpreise
Rohstoffpreise und Abhängigkeit von Rohstoffen
Rohstoffpreise: „ex“ Energy und Ölpreise (Brent)
indexiert
Beitrag der Rohstoffe zum BIP
in % des BIP
 Die Rohstoffpreise sind in den vergangenen Jahren deutlich
gefallen. Dies gilt sowohl für Energierohstoffe (z.B. Öl) als auch für
andere Rohstoffe (Industriemetalle, Agrarrohstoffe).
 Die Region Mittlerer Osten & Nordafrika ist extrem abhängig vom
Rohstoffexport. Rund 25 % des BIP hängen hier am Rohstoffsektor.
 Auch in der Region Osteuropa & Zentralasien und in Lateinamerika
spielen Rohstoffe eine wichtige Rolle. Über 5 % des BIP gehen hier
auf das Konto des Rohstoffsektors.
 Weniger abhängig von Rohstoffexporten ist die Region Asien &
Pazifik. Hier profitiert man eher von niedrigen Rohstoffpreisen.
Quellen: Thomson Reuters, LBBW Research
Landesbank Baden-Württemberg | 07.07.2016 | Emerging Markets – ist die Luft raus?
Seite 29
Rohstoffpreise
Abhängigkeit von Rohstoffen nach Ländern
Anteil der Rohstoffexporte an den gesamten Auslandseinnahmen
in % p.a.
 In Lateinamerika zählen fast
alle der wirtschaftlich bedeutenderen Staaten zu den
Ländern, die stark abhängig
sind von Rohstoffexporten.
Ausnahme ist hier Mexiko.
 In Afrika bzw. im Nahen Osten
sind nicht nur die bekannten
Ölexporteure, sondern auch
die Republik Südafrika stark
exponiert in Sachen Rohstoffexporte.
 In Osteuropa gilt dies für
Russland.
 Im Ostasien sind von den wirtschaftlich bedeutenderen
Staaten nur Indonesien und
Malaysia große Exporteure von
Rohstoffen.
100
92,5
90
80
70
65,0
60
48,5
50
44,3
40
32,2
30
20
10
51,4 53,3
9,9
5,7
10,5
20,1
17,7 18,1 18,7 19,0
14,2 15,8
22,6
5,8
0
Einnahmen aus Rohstoffexporten 2015 (% d. Auslandseinnahmen; Quelle: Fitch)
Quellen: Fitch, LBBW Research
67,4
Landesbank Baden-Württemberg | 07.07.2016 | Emerging Markets – ist die Luft raus?
Seite 30
Rohstoffpreise
Rohstoffexporteure unter Druck
MENA: Fiskalischer Break-Even-Ölpreis
in USD/Fass
Beiträge zum Wachstum der Schwellenländer mit Prognose
in %-Punkten p.a.
 Die Ölpreise liegen bei den meisten der großen Ölexporteure unter
dem sog. „fiskalischen break-even-Punkt“, d.h. die Staaten müssen
ihre Ausgaben einschränken, sich verschulden oder auf ihre
Reservefonds zurückgreifen, weil die Staatseinnahmen unter den
budgetierten Ausgaben liegen.
 Vor allem der Beitrag der Rohstoffexporteure – selbst ohne die sich
in einer Rezession befindenden Schwergewichte Brasilien und
Russland - zum BIP-Wachstum der Schwellenländer ist vor dem
Hintergrund niedriger Rohstoffpreise zuletzt deutlich gefallen.
 Dies dämpft das BIP-Wachstum, sofern Ausgaben gekürzt werden..
 Die Beiträge der Rohstoffimporteure (ohne China) blieben dagegen
recht konstant.
Quellen: Weltbank – Global Economic Prospects Juni 2016, LBBW Research
 Das schwächere Wachstum Chinas wirkte ebenfalls dämpfend auf
das Wachstum der Schwellenländer, war aber keineswegs der
dominierende negative Einflussfaktor.
Landesbank Baden-Württemberg | 07.07.2016 LBBW Länderkompass
Seite 31
Ausländische Portfolioinvestitionen
Ausländische Portfolioinvestitionen: Netto-Kapitalabfluss zuletzt gestoppt
 In den zurückliegenden 12
Monaten haben netto die Zuflüsse von Portfolioinvestitionen in die Emerging Markets im
Trend abgenommen bzw.
waren über einen längeren
Zeitraum sogar negativ.
 Zuletzt flossen hier nun aber
wieder größere Beträge zu.
Insbesondere Asien ist dies
zugutegekommen, während
Osteuropa eher noch unter
einem Kapitalabzug leidet.
Emerging Markets: Netto-Zuflüsse von Portfolioinvestitionen (Aktien/Anleihen)
in Mrd. USD
40
30
20
10
0
-10
-20
-30
Emerging Asia (bn. USD)
Quellen: IIF, LBBW Research
Latin America (bn. USD)
Emerging Europe (bn. USD)
Africa & Middle East (bn. USD)
Landesbank Baden-Württemberg | 07.07.2016 | Emerging Markets – ist die Luft raus?
Seite 32
Ausländische Portfolioinvestitionen
Ausländische Portfolioinvestitionen: „Sudden-Stop-Gefahr“
 Im Falle z.B. einer starken
Zunahme der Risikoaversion
an den Kapitalmärkten wären
zunächst Länder mit hohen
Leistungsbilanzdefiziten
negativ von einem Abzug
ausländischer Portfolioinvestitionen betroffen, die
dieses Defizit nicht durch
„robuste“ FDI finanzieren,
sondern durch „flüchtige“
ausländische Portfolioinvestitionen. Diese Länder
könnten aufgrund von
Kapitalabflüssen einen Teil
ihrer Investitionen nicht mehr
finanzieren. Hier würde dann
zuerst ein wirtschaftlicher
Abschwung drohen.
 Negative Werte in der Grafik
geben eine Indikation, wie
hoch der Anteil durch „flüchtige“ ausländische Portfolioinvestitionen finanzierter Investitionen in einem Land ist.
Quellen: IIF, LBBW Research
Zufluss „robuster“ ausländischer Direktinvestitionen + Leistungsbilanzsaldo (% BIP)
in % des BIP (Mittelwert der letzten 3 Jahre)
6%
5%
4%
3%
2%
1%
Risikobereich
0%
-1%
-2%
-3%
-4%
-5%
-6%
Mittelwert 3 Jahre: FDI (netto) + Leistungsbilanzsaldo (% BIP)
Landesbank Baden-Württemberg | 07.07.2016 LBBW Länderkompass
Ausländische Portfolioinvestitionen
Auswirkungen einer US-Zinserhöhung auf die Schwellenländer
Fall 1:
 Einer Untersuchung des DIW
zufolge wirkt sich eine gut
kommunizierte US-Zinserhöhung nur marginal und in der
Dauer kurzfristig negativ auf
BIP-Wachstum, Investitionen
und Konsum in den Emerging
Markets aus, wenn die Zinserhöhung Folge einer sich verbessernden US-Konjunktur ist.
Ein US-Aufschwung stützt
i.d.R. die Konjunktur in den
Schwellenländern.
 Die derzeitige Lage in den USA
dürfte unter diese Rubik fallen.
Fall 2:
 Anders bei einem „Finanzschock“, der zu einer starken
Zunahme der Risikoaversion
führt und über einen Abzug
von Portfolioinvestitionen das
Wachstum in den Emerging
Markets durchaus schwer in
Mitleidenschaft ziehen kann.
Quellen: DIW Wochenbericht 14/2016, LBBW Research
Emerging Markets: Auswirkungen eine gut kommunizierten Zinswende in den USA
in %-Punkten nach X Quartalen
Emerging Markets: Auswirkungen eines „Finanzschocks“ – z.B. ausgehend von den USA
in %-Punkten nach X Quartalen
Seite 33
Landesbank Baden-Württemberg | 07.07.2016 LBBW Länderkompass
Seite 34
Ausländische Portfolioinvestitionen
Auswirkungen eines „Brexit“ auf die Risikoaversion
 Die Risikoaversion an den
Finanzmärkten kann durch
viele unerwartete Faktoren
stark erhöht werden und so
einen Kapitalabzug aus den
Emerging Markets auslösen.
Eine denkbare Ursache wäre
auch der „Brexit“.
 Gemessen am VIX war der
Anstieg der Risikoaversion
durch das Referendum aber
nur kurzfristig signifikant und
hat sich rasch wieder gelegt.
 Auch z.B. der Südafrikanische
Rand (ZAR) - für Südafrika ist
die EU ein besonders wichtiger
Partner - hat seine jüngste
Erholung zum USD im Trend
fortgesetzt, also nicht
signifikant negativ auf den
„Brexit“ reagiert.
 Es bleibt zwar abzuwarten, ob
es nicht doch noch zu Verwerfungen infolge dessen kommen wird. Politische Börsen
haben i.d.R. aber kurze Beine.
Quellen: DIW Wochenbericht 14/2016, LBBW Research
Risikoaversion an den Finanzmärkten: VIX und USDZAR
in % p.a. bzw. indexiert auf 100 (r.S.)
Referendum
UK
Referendum
UK
Landesbank Baden-Württemberg | 07.07.2016 | Emerging Markets – ist die Luft raus?
Seite 35
Internationale Verschuldung von Emerging Markets-Unternehmen
Internationale Verschuldung von Emerging Market-Unternehmen
EmMa: Emissionen internationaler Corporate Bonds
in Mrd. USD
 Die Neuemission internationaler Corporate Bonds aus den EmMa
erreichte 2013 ihren vorläufigen Hochpunkt. Vor allem Unternehmen aus dem Rohstoffsektor (vor allem Öl & Gas) emittierten gerne
internationale Bonds, d.h. verschuldeten sich in Fremdwährung. Da
aber auch deren Einnahmen aus dem Rohstoffverkauf i.d.R. auf
Fremdwährung lauten, ist die Gefahr eines „currency mismatchs“
aus dieser Verschuldung nicht allzu hoch. Seit Ende des Rohstoffpreisbooms 2014 ist hier ein deutlicher Rückgang der Emissionstätigkeit zu verzeichnen. Bei den „Industrials“ war das Emissionsvolumen ohnehin überschaubar.
Quellen: Weltbank – Global Economic Prospects Juni 2016, LBBW Research
EmMa: Verschuldung privater „Non-Financials
in % des BIP
 Durch Emissionen vor allem im
Rohstoffsektor stieg die Verschuldung der „Non-Financials“
aus Rohstoffländern deutlich
an, liegt aber noch unter der
bei den Rohstoffimporteuren
(ex China). Bei Letzteren flachte sich der Anstieg ab, so dass
hier keine generelle Überschuldung zu konstatieren ist. Bei
Einzeladressen kann dies aber
durchaus der Fall sein.
Rückkauf intern. Corp. & Prognose
in Mrd. USD
 Der Rückgang der InvestitionP
en im Rohstoffsektor reduziert
den Bedarf an Kapital. Vor diesem Hintergrund kaufen die
Emittenten verstärkt Bonds
zurück. Die Weltbank schätzt,
dass in den nächsten Jahren
die Rückkäufe deutlich steigen
werden, was die FX-Verschuldung der EmMa-Unternehmen
tendenziell verringern sollte.
Landesbank Baden-Württemberg | 07.07.2016 | Emerging Markets – ist die Luft raus?
Seite 36
Internationales Zinsumfeld
„G3“-Leitzinsen und Liquiditätszufuhr
Leitzinsen der „G3“: US Fed, EZB, BoJ
in % p.a.
Bilanzsumme der „G3“-Notenbanken: US Fed, EZB, BoJ
in Mrd. USD
 Die großen Notenbanken fahren nach wie vor einen extrem
akkommodierenden geldpolitischen Kurs. Die Leitzinsen im
Euroraum und in Japan liegen auf (vorläufig?) historischen
Tiefstständen. Die US Fed hat dagegen zuletzt die Zinswende
vollzogen und die Fed Funds Target Rate auf 0,50 % angehoben.
 Die Bilanzsumme der Fed tendiert auf hohem Niveau seitwärts.
Liquidität aus fällig werdenden Papieren wird derzeit reinvestiert.
Eine Abschöpfung der in Umlauf gebrachten immensen Liquidität
findet somit nicht statt.
 Vor dem Hintergrund des geringen Preisdrucks und des „Brexit“
dürften EZB und BoJ ihre Leitzinsen b.a.w. kaum erhöhen. Die Fed
könnte ihren Leitzins Anfang 2017 erneut anheben.
Quellen: Thomson Reuters, LBBW Research
 Der Anstieg der Bilanzsumme von EZB und BoJ zeigt dagegen, dass
diese weiterhin Anleihen in großen Volumina ankaufen, d.h.
beträchtliche Mengen zusätzlicher Liquidität in die Märkte pumpen.
 Von einer weltweiten Verknappung an Liquidität, die sich negativ
auf die EmMa auswirken könnte, kann derzeit also keine Rede sein.
Landesbank Baden-Württemberg | 07.07.2016 | Emerging Markets – ist die Luft raus?
Seite 37
Zusammenfassung
Kurzfristige Wachstumsperspektiven der Schwellenländer „zweigeteilt“
 Die Wachstumsperspektiven der Schwellenländer sind derzeit
„zweigeteilt“:
BIP-Wachstumsraten mit Prognosen der Weltbank
in % p.a.
 Die Perspektiven der vor allem Rohstoffe exportierenden Staaten
werden stark belastet durch die niedrigen Rohstoffpreise und die
oft mangelnde Diversifizierung der Wirtschaft.
 Das Wachstum der Rohstoffe importierenden Länder liegt etwas
unter dem Niveau des langfristigen Durchschnitts, weist aber nach
wie vor relativ hohe Werte auf.
 Die „Entwickelten Volkswirtschaften“ wachsen weiterhin unter ihrem
langfristigen Durchschnitt und liefern den Schwellenländern somit
kaum zusätzliche Wachstumsimpulse.
 Während sowohl die Schwellen- als auch die „entwickelten“ Länder
weiterhin unter ihrem längerfristigen Durchschnitt wachsen, bleiben
die Emerging Markets insgesamt aber die Haupttreiber des
Wachstums der Weltwirtschaft insgesamt.
EMDEs = “Emerging Markets and Developing Economies”
Quellen: Weltbank – Global Economic Prospects Juni 2016, LBBW Research
Landesbank Baden-Württemberg | 07.07.2016 | Emerging Markets – ist die Luft raus?
Seite 38
Zusammenfassung
Fazit
 Einige alte „Leuchttürme“ unter den Emerging Markets (Brasilien, Russland, Südafrika) haben im Universum der
Schwellenländer im Hinblick auf ihre wirtschaftliche Dynamik inzwischen eher die „rote Laterne“ übernommen.
Neben gefallenen Rohstoffpreisen wirken sich hier auch viele hausgemachte Faktoren negativ aus. In den „guten“
Zeiten wurde bei einigen z.B. zu wenig unternommen, um die Abhängigkeit von den Rohstoffexporten zu
reduzieren und eine eigene zukunftsfähige Industrie aufzubauen. Eine ausbaufähige industrielle Basis wäre zwar
oftmals vorhanden und könnte mit Hilfe ausländischer Direktinvestitionen vorangetrieben werden. Dazu muss
allerdings auch das sonstige Umfeld stimmen, wozu nicht zuletzt die politischen Rahmenbedingungen zählen.
 China durchlebt derzeit eine Konsolidierungsphase, hat u.E. längerfristig aber gute Chancen, der „Middle Income
Trap“ zu entkommen und weiterhin mit relativ hohen Wachstumsraten (allerdings < 6 % p.a.) aufwarten zu können.
 Viele nicht-Rohstoffexporteure müssen an sich arbeiten, um nach erfolgreicher Integration in die internationalen
Wertschöpfungsketten wettbewerbsfähig zu bleiben und das erreichte relativ hohe Lohnniveau durch qualitativ
höherwertige Produktion halten und in den Bereich der „High Income Länder“ aufsteigen zu können. Hier könnte
die Schaffung asiatisch-pazifischer Freihandelszonen (ASEAN Econ. Community, TPP, RCEP) neue Impulse geben.
 Länder, die ihre Hausaufgaben unzureichend erledigen, d.h. für einfache industrielle Fertigungen zu teuer
geworden sind, die Rahmenbedingungen für höherwertige Produkte aber (noch) nicht geschaffen haben, sehen sich
zunehmend der Konkurrenz anderer Staaten ausgesetzt, die mit einer jungen Bevölkerung und günstigeren Lohnkosten an deren Stelle zu treten versuchen, indem sie ausländische Direktinvestitionen anziehen.
 Auf dem erreichten Entwicklungsstand sind Chancen und Risiken der derzeitigen „Länder an der Schwelle“ länderspezifischer geworden. Neben Belastungsfaktoren gibt es hier derzeit auch durchaus positive Perspektiven. „DIE
Emerging Markets“ ist u.E. ein Begriff, der den damit bezeichneten Staaten nur unzureichend gerecht wird.
 Nicht absehbar ist, wie sich neuere Trends („Industrie 4.0“) auf die globale Fertigung von Industriegütern auswirken
werden. Je höher aber die Qualität der Ausbildung und der Infrastruktur, umso besser sollten auch die Chancen von
Ländern mit bereits höherem Lohnniveau sein, von diesen Entwicklungen nicht überrollt zu werden.
Landesbank Baden-Württemberg | 07.07.2016 | Emerging Markets – ist die Luft raus?
Seite 39
Anhang: Swapspreads von USD-Sovereigns aus Schwellenländern
Anhang: Swapspreads auf USD lautender Emerging Market Sovereigns
Swapspread 10Y JPM EMBIG Div. USD vs. G4-Interbank, LEAD 12M
in BP bzw. in % p.a.
Swapspread 10Y JPM EMBIG Div. USD versus VIX
in BP bzw. in % p.a.
 Sich für Schwellenländer-Anleihen seit Mitte 2014 eher wieder verschlechternde Rahmenbedingungen haben auch die Swapspreads
bei USD-Sovereigns aus Schwellenländern ansteigen lassen.
 Durch den „Brexit“ könnte nun die Volatilität an den internationalen
Finanzmärkten - gemessen am VIX - aber wieder ansteigen, was das
Potenzial für Spreadeinengungen reduzieren und auch hier zu einer
erhöhten Volatilität führen könnte. Ob dies der Fall sein wird, bleibt
aber abzuwarten.
 Vor dem Hintergrund der Bodenbildung bei den Rohstoffpreisen
lassen die wohl noch längere Zeit extrem niedrigen Zinsen (und
Renditen) in den „Hartwährungsländern“ die Swapspreads bei USDStaatsanleihen aus Schwellenländern guter Bonität inzwischen
wieder durchaus attraktiv erscheinen.
Quellen: Thomson Reuters, LBBW Research
Landesbank Baden-Württemberg | 07.07.2016 | Emerging Markets – ist die Luft raus?
Seite 40
Anhang: Währungsentwicklung
Anhang: Emerging Markets-Währungen zum USD
USD ggü. Währungen aus EmMa und Rohstoffpreise (r.S.)
indexiert auf 100
 Die Abschwächung der Weltkonjunktur und damit einher gehend
der Rückgang der Rohstoffpreise haben seit 2014 zu einer deutlichen Abwertung vieler Emerging Market Währungen gegenüber
dem USD geführt.
 Zuletzt scheint der Trend vor dem Hintergrund der Trendwende bei
den Rohstoffpreisen und einer sich abzeichnenden Bodenbildung
bei der konjunkturellen Entwicklung der Emerging Markets aber
gedreht zu haben.
 Wie sich hier nun der „Brexit“ auf mittlere Sicht auswirken wird,
bleibt allerdings abzuwarten.
Quellen: Thomson Reuters, LBBW Research
Landesbank Baden-Württemberg | 07.07.2016 | Emerging Markets – ist die Luft raus?
Seite 41
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Research
Sovereigns/Financial Research
Head of Research
Uwe Burkert
Group Chief Economist
+ 49 / (0) 7 11/ 1 27 – 7 34 62
[email protected]
Head of Sovereigns/Financial Research
Dr. Thomas Meißner
Managing Director
+ 49 / (0) 7 11/ 1 27-73574
[email protected]
Sovereigns/Subsovereigns/Agencies
Jan Hofmeister
Group Head
+ 49 / (0) 7 11/ 1 27 – 7 93 92
[email protected]
Dirk Chlench
USA, UK, Australia, Canada
+ 49 / (0) 7 11/ 1 27 – 7 61 36
[email protected]
Team Economics
Dr. Guido Zimmermann
Senior Economist
+ 49 / (0) 7 11/ 1 27 – 7 16 40
[email protected]
Matthias Krieger
Japan, South Korea, South-East Asia,
South Africa, Argentina, Brazil, Venezuela
+ 49 / (0) 7 11/ 1 27 – 7 30 36
[email protected]
Dr. Jens-Oliver Niklasch
Eurozone, ECB
+ 49 / (0) 7 11/ 1 27 – 7 63 71
[email protected]
Dr. Katja Müller
Switzerland, Nordics
+ 49 / (0) 7 11/ 1 27 – 4 21 06
[email protected]
Julian Trahorsch
Eurozone, China
+ 49 / (0) 7 11/ 1 27 – 7 66 83
[email protected]
Manfred Wolter
Eastern Europe (ex Eurozone), Russia
+ 49 / (0) 7 11/ 1 27 – 4 28 16
[email protected]
Torben Skopnik
Subsovereigns, Supranationals, Agencies
Germany, Netherlands, Austria, Spain
+ 49 / (0) 7 11/ 1 27 – 4 21 13
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Bloomberg: LBBK <go>
Tobias Kelle-Chong, CFA
Subsovereigns, Supranationals, Agencies
France, Belgium, Nordics
+ 49 / (0) 7 11/ 1 27 – 7 19 70
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Sales RP Bank / Sachsen Bank
+49 711 127–27888
Sales Zins-/Währungs-/Rohstoff-management
Sparkassenkunden
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Sales Strukt. Retailprodukte
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Financials/Covered Bonds Research
Alexandra Schadow, CPA
Group Head
Financial Institutions & Covered Bonds
Netherlands, Regulation
+ 49 / (0) 7 11/ 1 27 – 7 89 51
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Eugen Eichwald
Financial Institutions & Covered Bonds Belgium,
Denmark, Finland, Norway, Sweden
+ 49 / (0) 7 11/ 1 27 – 4 92 01
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Debt Capital Markets
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Corporate Capital Markets
+49 711 127–78825
Anna-Joy Kühlwein
Financial Institutions Ireland, Portugal,
Spain, UK
+ 49 / (0) 7 11/ 1 27 – 4 21 14
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Brigitte Martineau-Trauner
Financial Institutions Austria, France,
Covered Bonds France
+ 49 / (0) 7 11/ 1 27 – 7 41 52
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Ingo Frommen
Financial Institutions Germany
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Martin Peter
Financial Institutions & Covered Bonds
Australia, Canada, Switzerland, USA
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Marcel Gaupp
Covered Bonds Austria, Ireland, Italy, Portugal,
Spain
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Karsten Rühlmann
Financial Institutions Germany,
Covered Bonds Germany, UK
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Ralph Herre
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