Augenverletzungen - Samariter Kriens

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Einleitung
Die Augen, als eines der sieben Sinnesorgane sind sehr empfindlich und Verletzungen führen oft zu grosser Beeinträchtigung im täglichen Leben. Natürlich existieren
auch in zunehmendem Alter physiologische Veränderungen, die sich auch bei den
Augen bemerkbar machen. Deshalb stellen wir hier die wichtigsten Augenverletzungen/ Probleme und deren Therapie vor. Bei Augenverletzungen wird zwischen oberflächlichen und perforierenden (Intraokularen) Verletzungen unterschieden.
Bildlicher Überblick über den Aufbau des Auges
Stumpfe Augentraumatas
Stumpfe Augenverletzungen entstehen in aller Regel durch eine Aufprall mit dem
Gesicht auf einen Stein, durch einen Tennis- oder Golfball, durch Sektkorken oder
durch einen Faustschlag im Zusammenhang mit einer Rauferei.
Merkmale des stumpfen Augentraumas sind starke Rötung des Augapfels, kleine
Einblutungen in die Augenkammer durch Arterien- oder Venenrisse, Hämatome um
den Augapfel, langanhaltender Tränenfluss, Schwellung der Umgebungsstrukturen
und verschwommenes Sehen.
Spitze oder penetrierende Augentraumatas
Penetrierende Augentraumatas sind Verletzungen der tiefer gelegenen Augenstrukturen, wie der Sehnerven, der Horn- und Netzhaut oder des Glaskörpers. Sie entstehen durch den Aufprall auf vorstehende Strukturen, beispielsweise Armierungseisen,
Holzpfähle nach Stürzen aus der Höhe, durch Splitter oder Fingernägel, Glasscherben, durch Messer oder anderweitige spitze Gegenstände im Kreise von körperlicher
Gewalt.
Penetrierende Augenverletzung sind in aller Regel gekennzeichnet von Schmerzen,
Augenrötungen, tränenden Augen, Seheinschränkungen, vorübergehendem Sehverlust auf dem verletzten Auge und dem Gefühl eines Fremdkörpers beim Lidschluss.
Je nach Schweregrad perforierender oder stumpfer Augenverletzungen gehen diese
einher mit weiteren Symptomen, wie Bewusstseinsstörungen, Bradycardie (verlangsamter Herzschlag) bis zum Herz- Kreislaufstillstand (Asystolie) aufgrund eines Reizes des
Nervus vagus, dem X. Hirnnerv. Dieser Nerv ist für die motorische und sensible Aktivität von Herzen, Lungen, Bronchien und Magen- Darmtrakt verantwortlich.
Stumpfe Augenverletzung
Penetrierende Augenverletzung mit Fremdkörper
Verätzungen/ Verbrennungen/ Einsatz von Pfefferspray
Verätzungen entstehen meist durch den unsorgfältigen Umgang mit Basen oder Säuren, sowie durch unzureichenden Schutz der Augen. Verbrennungen des Auges finden meist durch Wasser-, Fettspritzer oder durch heisse Dämpfe statt und führen
meist zu oberflächlichen Verletzungen. Pfefferspray wird heutzutage vermehrt durch
Sicherheitspersonal vor Diskotheken oder Clubs eingesetzt, ohne deren Konsequenzen zu beachten. Bei all diesen Verletzungen sind starke Schmerzen vordergründig
und können die Sicht massiv einschränken.
Verätzung des Auges mit Trübung
Verbrennung durch heisses Öl
Altersbedingte Augenveränderungen
Durch zunehmendes Alter und durch einige tägliche Risikofaktoren, wie rauchen,
wiederkehrende erhöhte Blutzuckerwerte oder Diabetes, Sonneneinstrahlung auf die
Augen oder Alkohol trübt die Linse des Auges ein. Durch diese Trübung verschwimmt die Sicht zunehmend. Es entsteht die im Volksmund bekannte Erkrankung
„grauer Star“ oder in der Fachsprache Katarakt.
Sichteinschränkungen bei grauem Star
Bestehen über einen langen Zeitraum erhöhte Blutdruckwerte, die auch als arterieller
Bluthochdruck bezeichnet werden, erleiden die Nervenfasern des Auges einen steten
Druck, der ihre Funktion einschränkt. Durch diesen erhöhten Augendruck kommt es
langfristig zum Absterben der genannten Nervenfasern, die eine Erblindung zur Folge haben. Diese Krankheit wird im Alltag als „grüner Star“ oder Glaukom bekannt.
Dabei ist trügerisch, dass die betroffenen Personen lange Zeit keine Beschwerden
haben.
Sichtfeldeinschränkungen bei Glaukom
Makuladegenerationen sind kleine fehlende Anteile der Netzhaut um den gelben
Fleck, der das Zentrum des Scharfsehens und der Farberkennung darstellt. Makuladegenerationen führen zu starken Seheinschränkungen, bis hin zur Erblindung und
betreffen meistens beide Augen. Ursachen für Auslöser ist sicherlich das Alter. Weitere Ursachen sind bisher nicht restlos geklärt, dabei spielen jedoch die erbliche Veranlagung und äussere Einflüsse, wie Rauchen eine Rolle. Diese Erkrankung ist gekennzeichnet durch fehlende Buchstaben beim Lesen. Nach einer gewissen Zeit fehlen ganze Wörter.
Schwarzer Fleck bei Makuladegeneration
Therapieansätze bei Augenerkrankungen
Grundsätzlich gilt bei allen Augenverletzungen und –erkrankungen die Vorstellung
bei einem Augenarzt. Augenerkrankungen sind chronische Zustände, die sich über
längere Zeit hinweg entwickeln und für die Samaritertätigkeit kaum eine Relevanz
haben. Therapien solcher Erkrankungen finden durch Linsenwechsel (ambulante
Operation, meistens in Lokalanästhesie) bei grauem Star, der medikamentösen Blutdrucksenkung des Bluthochdruckes bei grünem Star und der operativen Netzhautverödung in Kurznarkose bei der Makuladegeneration statt. Dennoch können Samariterinnen und Samariter mit Symptomen einer Augenerkrankung auf dem Sanitätsdienst konfrontiert werden. Hier ist insbesondere die hypertensive Krise, ein lebensbedrohlicher Zustand durch akut einsetzende, massiv erhöhte Blutdruckwerte zu
nennen. Patienten sind in aller Regel Personen mit einem bekannten Bluthochdruck,
der durch unterschiedliche Ursachen akut „entgleist“ und zu erhöhten Werten von
systolisch über 220 mmHg führt. Erste Zeichen, einer solchen Verschlechterung sind
zunehmende Seheinschränkungen und Kopfschmerzen. Stellen sich solche Patienten auf einem Sanitätsposten vor, erfolgen wiederkehrende Blutdruckmessungen.
Sind die Blutdruckwerte in einem Zeitraum von ungefähr 20 Minuten bei mehreren
Messungen erhöht, erfolgt umgehend die Alarmierung des Rettungsdienstes.
Therapie bei Verletzungen
Sämtliche beschriebene Augenverletzungen können im Rahmen des Sanitätsdienstes auftreten und erfordern ein fachkundiges Wissen, um Spätfolgen zu reduzieren
oder zu verhindern. Die Therapien von Augenverletzungen sind so unterschiedlich,
wie deren Ursachen selber. Kleine Verletzungen der Hornhaut heilen sehr häufig eigenständig ab. Sie machen sich meist durch ein Jucken oder durch eine unangenehme Reibung beim Lidschluss bemerkbar. Ausserdem können sie verschwommenes Sehen auslösen. Dennoch sollten zum Ausschluss tiefer liegender Verletzungen
auch solche Verletzungen dem Spezialisten präsentiert werden. Grössere Verletzungen müssen unbedingt ärztlich versorgt werden, um auch allenfalls mögliche Entzündungen antibiotisch zu therapieren. Fremdkörper dürfen auf keinen Fall aus dem Auge entfernt werden. Grosse Fremdkörper, wie beispielsweise Armierungseisen müssen durch die Feuerwehr, meist unter Narkose vor Ort gekürzt werden. Ein Transport
erfolgt mit liegendem Fremdkörper. Um den Druck, welcher durch Verletzungen am
Auge entsteht, etwas zu reduzieren, empfiehlt sich eine 30° Oberkörperhochlagerung. Das verletzte Auge sollte mit feuchten (steriles NaCl) und einer grossen Kompresse locker zugedeckt werden. Der Patient wird angehalten das betroffene Auge
zu schliessen Verätzungen werden durch Samariterinnen und Samariter mit den auf
dem Sanitätsposten vorgehaltenen sterilen Spüllösungen gespült. Dabei ist darauf zu
achten, dass von der Nasenseite her nach Aussen gespült wird, um einerseits das
Eindringen ätzender Substanzen in den Tränenkanal und andererseits die Kontaminierung des anderen Auges zu verhindern. Personen, welche mit Pfefferspray in Berührung kamen sind vom Sanitätsposten fern zu halten, bis diese die Kleider abgezogen haben. Sämtliche Pfeffersprays haben die Eigenschaft durch feinste Zerstäubung in die Kleider einzudringen und sich fest zu setzen. Diese geben dann zunehmend den Pfefferextrakt weiter ab und verteilen ihn in der Umgebung. Gelangt ein
Patient nach Kontakt mit Pfefferspray auf den Sanitätsposten ist dieser nicht mehr
nutzbar. Pfefferspray ist grundsätzlich harmlos für die Augen, löst jedoch sehr starke,
brennende Schmerzen aus und kann am gesamten Körper verteilt werden.
Notfallmedizinische Therapie und Überwachung auf dem Sanitätsposten
Patienten mit Augenverletzungen werden auf dem Sanitätsposten nach dem ABCDE
beurteilt, ätzende und Pfefferspray kontaminierte Augen werden gespült. Verletzungen am Auge werden soweit der Patient sich kooperativ zeigt, detailliert beurteilt. Eine Oberkörperhochlagerung von ca. 30° ist anzustreben. Patienten werden nach den
gültigen Richtlinien medizinisch mit Blutdruckmessung, Puls- und Sauerstoffmessung
überwacht und es erfolgt die Alarmierung des Rettungsdienstes, welcher den Patienten in die dafür vorgehaltene Spezialklinik zur weiteren Abklärung und Therapie verbringt.
Verfassungsverantwortung
Pascal Hägi, Präsident Samariter Kriens
Quellen
1. Mensch, Körper, Krankheit
2. Advanced Medical Life Support
3. Lehrbuch für präklinische Notfallmedizin
4. Leitfaden Rettungsdienst- Behandlung
5. Pre Hospital Trauma Life Support
6. Syptomat.de- Augenverletzungen
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