4. Wachstumsbedingungen für strikt anaerobe Bakterien

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Experiment 4 / Student report
Laboratory to Biology III “Diversity of Microorganisms” / Wintersemester 2002/03 / page 1
4. Wachstumsbedingungen für strikt anaerobe Bakterien
VerfasserInnen:
Alexander Nater [email protected]
Cornelia Stacher [email protected]
Anna Lena Dätwyler [email protected]
Betreuerin:
Christine Lehmann [email protected]
Einleitung
In diesem Experiment geht es darum, strikt anaerobe Bakterien in Kultur zu bringen. Diese Bakterien
können in Anwesenheit von Sauerstoff nicht überleben. Aus Torf- und Komposterde reicherten wir diese
Bakterien über Verdünnungsreihen in „Agarshakes“ unter anaeroben Bedingungen an. Da die
Bodensuspension vorgängig pasteurisiert wurde, kultivierten wir speziell sporenbildende Bakterien.
Durchführung
Das vorbereitete komplexe Nährmedium (Fleischextrakt, Pepton (hydrolisierte Peptide), Hefeextrakt,
NaCl) enthielt als Reduktionsmittel Thioglykolat (O2 wird damit reduziert).
Resazurin zeigte als Redoxindikator die reduzierenden Bedingungen im Agar an (entfärbt, reduziert =
anoxische Verhältnisse, rosa, oxidiert = oxische Verhältnisse).
Pasteurisieren der Bodenprobe
1) Zu 2 g Probe (Torf oder Komposterde) 8 ml sterile Kochsalzlösung pipettieren und gut mischen.
2) Probe bei 70°C im Wasserbad 10 Minuten pasteurisieren, danach auf Raumtemperatur abkühlen
lassen.
3) Feststoffe absetzen lassen, Ueberstand als Inokulum (Impfgut) für die Verdünnungsreihe
verwenden.
Herstellen der 10-fachenVerdünnungsreihe(¯ Vereinzelung der Bakterien)
1) Reagenzgläser nummerieren (1-7)
2) In alle Reagenzgläser je 5.4 ml autoklaviertes Nährmedium pipettieren
3) 10 µl Resazurin in jedes Reagenzglas geben.
4) Reagenzglas 1 mit 0.6 ml Inokulum beimpfen und auf dem Vortex gut mischen
5) 0.6 ml aus Reagenzglas 1 in Reagenzglas 2 transferieren. Wieder gut mischen und 0.6 ml aus dem
Reagenzglas 2 in Reagenzglas 3 transferieren etc.
6) Reagenzglas 7 dient als Kontrolle und wird nicht beimpft.
Ansetzen der „Agarshakes“(Agarschüttelkultur)
1) 3 ml 2.4% Agar (bei 45°C flüssig gehalten) zu jedem Reagenzglas zupipettieren.
2) Auf dem Vortex gut mischen.
3) Reagenzgläser mit O2 undurchlässigen Butylgummistopfen verschliessen und bei Raumtemperatur
verfestigen lassen.
4) Reagenzgläser kopfüber bei 30°C im Dunkeln während einer Woche inkubieren.
Ergebnisse/Diskussion
• In den Anreicherungen aus Torf-und Komposterde sind morphologisch unterschiedliche, weiss
pigmentierte Kolonietypen zu unterscheiden, was auf verschiedene Bakterienstämme hindeutet:
Das Spektrum reicht von punktförmigen, kaum sichtbaren, bis zu 4 mm grossen Kolonien (Tab.1).
• Zu erwarten sind v. a. anaerobe Sporenbildner, d.h. Clostridien.
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Für weitere Untersuchungen könnten die Kolonien mit einer ausgezogenen Pasteurpipette gepickt
und unter dem Mikroskop (Gramfärbung, Flagellenfärbung etc.) charakterisiert, sowie auf
selektiveren Medien kultiviert werden.
Anoxische Bedingungen wurden durch das Reduktionsmittel Thioglykolat und durch die
Atmungs-Aktivität aerober Bakterien im Impfgut geschaffen. Der Anteil aerober Bakterien im
Torf ist deutlich geringer als in der Komposterde, wo das Resazurin bis zur Verdünnungsstufe 10-4
vollständig entfärbt wurde.
Die Kontrolle (Probe ohne Bakterien) wies bei der 'Torfprobe' keine Kolonien auf. Es wurde
demnach steril gearbeitet (in Verdünnungsstufe 10-6 waren allerdings auch schon keine Kolonien
mehr sichtbar). Die Kontrolle bei der Probe mit Komposterde war dagegen mit einigen Kolonien
kontaminiert. Dies liegt vermutlich daran, dass hier zur Beigabe des Agars fälschlicherweise
mehrmals dieselbe Pipette benutzt wurde.
Die Reagenzgläser mit den Anreicherungen aus Komposterde mit niedriger Verdünnungsstufe
wiesen Gasblasen auf. Sehr wahrscheinlich handelt es sich um die Produkte saccharolytischer (v.a.
Kohlehydrat abbauender) Clostridien , nämlich um CO2, H2 und flüchtige Fettsäuren.
Tab. 1: Mit pasteurisierter Torferde und Komposterde beimpfte Agarshakes
a) Torferde
Verdünnungsstufe
1:10
1:100
1:1000
1:10000
1:100000
1:1000000
0 (Kontrolle)
Kolonietypen
alle
kleine (1 mm), mittlere (2
mm), grosse (4 mm)
kleine, mittlere, ev Pilze
kleine, mittlere, ev. Pilze
kleine, mittlere
-
Gasbildung
nein
nein
Kolonietypen
alle
grosse (4 mm)
grosse
kleine (1 mm)
kleine
kleine
kleine
Gasbildung
ja
ja
ja
ja
nein
nein
nein
nein
nein
nein
nein
nein
Resazurinfärbung
farblos
zu 3/4 farblos
zu 1/4 farblos
rosa
farblos
zu 1/2 farblos (unterer Bereich)
hellrosa
b) Komposterde
Verdünnungsstufe
1:10
1:100
1:1000
1:10000
1:100000
1:1000000
0 (Kontrolle)
Resazurinfärbung
farblos
farblos
farblos
farblos
nur oberster Bereich rosa
nur oberster Bereich rosa
entfärbt
Bemerkungen
Anaerobe Kulturbedingungen wurden durch die folgenden Massnahmen geschaffen:
9 hohe Inokulumdichte (schneller O2-Verbrauch)
9 Verwenden von Agar (O2 diffundiert schlecht nach)
9 kleiner Gasraum über dem Kulturmedium
9 Verschliessen der Reagenzgläser mit O2-undurchlässigen Butylgummistopfen
Vermutete Mikroorganismen
Zuerst keimen aerobe sporenbildende Bakterien aus (Bacillus sp), später anaerobe sporenbildende
Bakterien (Clostridien). Unter den Clostridien gibt es potente Toxinbildner!!! (Arbeitsweise wie mit
fakultativ pathogenen Bakterien). Unser Komplexmedium bevorzugt eher proteolytische Clostridien,
welche Proteine und Aminosäuren abbauen und CO2 und H2 bilden. Komposterde enthält ev. eher
saccharolytische Clostridien. Mit einem Kartoffelaufgussmedium (Stärke!) können auch in der
Torfprobe Bakterien angereichert werden, welche Gas produzieren.
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