OMAN : ein Obduktions

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OMAN: ein Obduktions-Orogen
An konvergenten ozeanisch-kontinentalen Plattengrenzen können sich zwei Hauptsysteme
entwickeln:
(i) Die ozeanische Lithosphäre sinkt in den Mantel, unter die gegenüberliegende kontinentale Platte,
und bildet dabei eine Benioff-Wadati-Fläche und ein Subduktionssystem aus. Dieses System ist so
lange stabil und von Dauer, wie ozeanische Lithosphäre subduziert werden kann.
(ii) Die ozeanische Lithosphäre kann jedoch auch über die kontinentale Lithosphäre geschoben
werden. Dieser Vorgang wird als Obduktion bezeichnet. Obduktion ist ein Akkretionsmechanismus,
der die kontinentale Kruste in einen Verdickungsmechanismus miteinbezieht, weil ozeanische
Lithosphäre einen Kontinentalrand überlagert. Die so transportierten ozeanischen Gesteine werden
Ophiolit-Komplexe genannt. Obduktion ist im Oman besonders gut dokumentiert, da hier die
Konvergenz zwischen Arabia (Arabische Halbinsel) und Eurasia in der Oberkreide zu einer
Überschiebung von ozeanischer Lithosphäre der Tethys auf den arabischen Kontinentalrand führte.
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Das Oman-Gebirge
Ort
Das Oman-Gebirge befindet sich im nordöstlichen Teil der arabischen Halbinsel, in der
Konvergenzzone zwischen der arabischen und eurasischen Platte. Das Oman Gebirge bildet einen
NW-SE verlaufenden Gebirgsbogen von ungefähr 700 km Länge und 40 bis 120 km Breite. Das
Gebirge erstreckt sich von der Strasse von Hormuz im Nordwesten bis zum Arabischen Meer im
Südosten.
Die arabische Kontinentalplatte, deren südöstlicher Rand das Oman-Gebirge bildet, wird:
- im Südwesten und im Süden durch die Spreizungszentren des Roten Meeres und des Golfs von
Aden begrenzt,
- entlang der Südostküste durch die Owen-Transformstörung im Arabischen Meer,
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- im Westen entlang der linkssinnigen Jordan-Transformstörung, und
- entlang des Nord- und Ostrandes durch die Hauptsuturzonen der Tethys (Bitlis, Zagros), die in der
Türkei und im Iran aufgeschlossen sind, begrenzt.
- Der Ozeanboden des Golfs von Oman nördlich des Ophiolits ist kretazisch und wird nordwärts unter
den aktiven Kontinentalrand von Makran und die kontinentale eurasische Lithosphäre subduziert.
Geologischer Rahmen
Das Oman-Gebirge zeigt den am besten aufgeschlossenen deformierten passiven Kontinentalrand,
und ist deshalb am besten geeignet, fundamentale Prozesse wie Rifting, die Entwicklung passiver
Kontinentalränder, spätere Überschiebungen usw. zu studieren und zu erforschen. Das OmanGebirge bildet eine Kontinent-Ozean Kollisionsgrenze überwiegend kretazischen Alters und wurde
durch weitere Kompression und Hebung während des Tertiärs zusätzlich deformiert. Im Gegensatz
zum Rest des Alpen-Himalaja-Kollisionsgürtels, wurde das Obduktionssystem nicht durch eine
Kontinent-Kontinent-Kollision deformiert. Stattdessen verlagerte sich die Konvergenz in das
Makran-Subduktionssystem.
Das Oman-Gebirge beinhaltet drei tektono-stratigraphische Haupteinheiten. Von der strukturellen
Basis aufwärts sind dies:
- Das Grundgebirge; dieses wird von diskordanten Plattformkarbonaten mittel-permischen bis
cenomanischen Alters überlagert.
- Die permischen bis cenomanischen Plattformkarbonatgesteine bilden das relative Autochthon der
Decken und die allochthonen Decken.
- Die obere Einheit ist eine neo-autochthone sedimentäre Abdeckung von spät-Campan bis Tertiär.
Autochthone und parautochthone Einheiten
Die autochthonen und parautochthonen Einheiten beinhalten:
* Relikte des prä-permischen Sockels des arabischen Schildes sind heute in Fenstern (Hatat Schists)
aufgeschlossen und weiter im Süden sind diese noch autochthon.
* Die Sedimente des arabischen Kontinentalrandes (Mittelperm bis Campan) bestehen überwiegend
aus karbonatischen Schelf-Einheiten des früheren arabischen Randes (Hajar Supergroup).
* Der vordere Bereich des Kontinentalrandes, wurde bis in Tiefen subduziert, in denen eklogitfazielle Metamorphose stattgefunden hat (Saih Hatat und As Sifah Fenster).
Allochthone Einheiten
Drei Hauptarten von allochthonen Komplexen wurden auf die arabische Plattform überschoben:
* Relikte eines Kontinentalhanges: die Sumeini Decke, besteht aus karbonatischen
Hangablagerungen permischen bis kretazischen Alters.
* Relikte von Ozeanbecken-Sedimenten: der Hawasina Komplex und der Haybi Komplex stellen
eine komplizierte Ansammlung von Überschiebungsdecken dar, von proximalen bis distalen
Tiefseesedimenten permischen bis spät-kretazischen Alters, vulkanischen und Mélange-Einheiten,
die tektonisch unter den Ophiolit-Decken liegen. Die Mélange-Einheiten des Hawasina (Haybi)
Komplexes sind insbesondere für ihre exotischen Blöcke bekannt.
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* Relikte ozeanischer Lithosphäre: der Sumail Ophiolit ist das grösste und am besten
aufgeschlossene Profil einer ozeanischen Lithosphäre der Welt. Er stellt die strukturell höchste Decke
des Stapels von Resten des ehemaligen Tethysozeans dar.
Postorogene Hülle
Die Sedimente des Maastrichts bis Miozäns sind überwiegend Flachwasserkarbonate, die an der Basis
lokal konglomeratisch entwickelt sind und diskordant in einer Onlap-Situation auf den tektonischen
Decken liegen.
Der Afro-Arabische Schild
Kraton
Die strukturell tiefsten Einheiten stellen den autochthonen Kontinent dar.
Das Präkambrium besteht aus grünschiefer- bis amphibolitfaziellen Metasedimenten, die von
Doleriten und einem grossen Volumen von kalk-alkalischen Granodioriten und Graniten intrudiert
wurden. Geochronologische Daten zeigen für diese Gesteine ein spät-proterozoisches Alter (ca. 850600 Ma) an, welches mit den Panafrikanischen Gesteinen des Afro-Arabischen Schildes vergleichbar
ist. Sie würden die Akkretion von Inselbögen und Mikrokontinenten an das Alte Gondwana
darstellen. Die ältesten nicht metamorphen Gesteine (Huqf-Haushi, im Süd-Oman) haben ein Alter
von Vendium bis frühes Kambrium. Zwei Vergletscherungsperioden wurden erkannt. Die erste fand
zwischen ca. 725 und ca. 715 Ma statt, die zweite zwischen ca. 660 und 635 Ma. Glazigene Sedimente
liegen in Wechsellagerung mit klastischen Flachwasser- und Tiefseesedimenten, die in Graben und
Halbgraben abgelagert wurden und von einer Formation aus „Cap Karbonaten“ abgedeckt werden,
welche das abrupte Ende der glazialen Epoche markiert.
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Diese spät-proterozoische (Huqf) Sequenz wird regional von einer transgressiv-regressiven
evaporitisch-karbonatisch-tonigen (Ara und Fahud) Formation oder ihrer Zeit-äquivalenten (ca. 545
Ma) karbonatisch-vulkaniklastischen (Fara) Formation, in Jebel Akhdar, überlagert. Die Evaporite
sind eine geologische Seltenheit, da sie Teile von Red-Bed-Abfolgen darstellen, die reichhaltige
Kohlenwasserstoff-Muttergesteine und grosse Ölmengen enthalten. Die zyklischen Abfolgen von
Karbonaten und Evaporiten wurden in flachen Beckenteilen mit beschränkter Zirkulation abgelagert,
während die Muttergesteine in relativ tiefen anoxischen Bereichen des Beckens abgelagert wurden.
Die Speichergesteine, meistens Dolomite, wurden im flachen Wasser auf dem benachbarten
Schelfgebiet abgelagert. Diese Gesteine unterlagen keiner tiefen Versenkung und werden nach oben
durch dicke Evaporitlagen versiegelt.
Kontinentalrand
Im Oman-Gebirge sind die tiefsten tektonischen Einheiten in den Domen des Jebel Akhdar und des
Saih Hatat aufgeschlossen.
Die Schichtabfolge vom Proterozoikum bis ins Altpaläozoikum bildet das autochthone Grundgebirge
des Oman-Gebirges. Es gibt eine Hauptsedimentationslücke vom späten Silur bis Karbon. Die
Gesteine des Grundgebirges wurden einer NW-SE verlaufenden Faltung und einer sehr niedrig
gradigen Metamorphose (Grünschieferfazies) unterworfen, bevor die diskordanten
Flachwasserkarbonate des Perms abgelagert wurden. Die permisch-mesozoischen Schichten sind
vorwiegend Karbonatplattform-Ablagerungen (Perm bis Cenoman). Im Turon erfolgte eine
Absenkung der Karbonatplattform (Vortiefe des Orogens, Muti Formation (Turon-Campan))
wodurch tiefer marine Sedimente abgelagert wurden. Wegen fehlender Zeitmarker, wie zum Beispiel
Gangsystemen unterschiedlicher Generationen, die eine relative Datierung zulassen würden, ist es
nur schwer möglich spät-paläozoische (Karbon, d.h. Herzynische) von spät-kretazischen
Deformationsereignissen in den neoproterozoischen Gesteinen zu unterscheiden.
Im Saih Hatat-Dom wurden die prä-permischen Strukturen durch eine intensive Deformation und
durch eine Hockdruck-/Niedrigtemperatur-Metamorphose (Blauschiefer bis Eklogitfazies) überprägt,
welche ebenfalls die permische bis mesozoische Abdeckung beeinflusst.
Von der Riftbildung bis zur Ozeanboden-Spreizung
Die Lithologien der wenigen Zentimeter bis hunderte Meter grossen exotischen Blöcke stammen von
verschiedenen paläogeographischen Einheiten, die als resedimentierte und verkippte Blöcke des
Kontinentalrands Omans, auf dem Nordrand des arabischen Schildes, interpretiert werden. Die
sedimentäre Geschichte des passiven Kontinentalrandes Omans kann mit den heutigen
Kontinentalrändern, wie zum Beispiel denen des Atlantiks, verglichen werden. In einem
asymmetrischen Extensionssystem würde Oman den hängenden Kontinentalrand darstellen. Diese
Geschichte dokumentiert das Auseinanderbrechen des Superkontinents Pangäa.
Die Öffnung des Hawasina (Neo-)Tethys Ozeans begann im späten Perm. Die Riftbildung im
arabischen Kraton setzte im frühen und späten Perm immer wieder neu ein. Ihr folgte eine mittel- bis
spät-triassische Spreizung und Öffnung des Neo-Tethys-Ozeans. An den Gesteinen lässt sich
erkennen, dass die thermische Subsidenz des passiven Kontinentalrandes gleichzeitig mit der
Ozeanentwicklung bis in die mittlere Kreide erfolgte. Im späten Jura erfolgte eine möglicherweise
kurz einsetzende Krustendehnung.
Die geologischen Befunde zeigen, dass
(1)
im frühen Perm eine “nicht-vulkanische” Riftbildung erfolgte, welche hauptsächlich durch
Bruchschollenbildung stattfand.
(2)
im späten Perm die Riftbildung von Vulkanismus begleitet war. Die Entwicklung einer
Karbonatplattform beginnt am Rand der sich bildenden Tethys.
(3)
in der mittleren Trias bis in den frühen Jura ein alkalischer Vulkanismus das endgültige
Auseinanderbrechen des Kontinents kennzeichnet.
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(4)
bis zur späten Kreide thermische Subsidenz des Kontinentalrandes und die Entwicklung einer
Karbonatplattform im proximalen Teil, sowie die Entstehung eines Tiefseebeckens im distalen
Bereich erfolgten.
(5)
sich in der späten Kreide ein Vorlandbecken zu entwickeln beginnt.
Riftbildung
Der nördliche, passive Kontinentalrand von Arabien begann sich im Perm zu bilden. Es lassen sich
zwei Merkmale festhalten: (1) Überflutung des arabischen Schildes als beinahe ungestörten
Gesteinsuntergrund und (2) eine asymmetrische Riftbildung des Kontinentalrandes im Perm, der zu
Abschiebungen und assoziierten Kippschollen führte.
Ablauf:
Spätes Karbon - Perm: Aufwölbung eines Gebietes, welches ungefähr die heutigen Omanberge
umfasste und zur Erosion und zur Bildung von kontinentalen Klastika führte, die gegen Norden
hin ausdünnen. Interne Diskordanzen deuten auf eine zeitweilige Hebung des Gebietes hin.
Frühes Perm: Das untere Perm ist gekennzeichnet durch alluviale und flachmarine Ablagerungen mit
weitverbreiteten, kreuzgeschichteten Sandsteinen, überlagert von bioturbierten Kalken, und
stromatolitischen Tonsteinen. Die Strömung und somit auch der Sedimenttransport erfolgten von
Nord nach Süd. Diese Sedimente können mit glazialen Sedimenten verglichen werden und
entsprechen den glazigenen Dwyka Ablagerungen von Gondwanaland. Es sind Synrift-Sedimente,
welche lokal mit einem bimodalen (Basalte und rhyolitische Tuffe), schwach alkalischen
Magmatismus assoziiert sind. Dies unterstützt die These, dass sich der Rand auf Kosten der
kontinentalen Kruste, die heute in den „autochthonen“ Gebieten Omans zu sehen ist, bildete. Frühe
Störungen, welche gegen das ozeanische Becken hin einfallen, konnten später teilweise als
Überschiebungen reaktiviert werden. Die Asymmetrie ist konsistent mit einem lithosphärischen
simple-shear Modell und einem hangenden, passiven Kontinentalrand (obere Platte). Die grösste
Extensionsstörung der Lithosphäre würde (in der heutigen Orientierung) gegen Norden einfallen.
Spätes Perm: Im oberen Perm begann im Nordoman die Tiefseesedimentation. Die Sedimente
beinhalten aufgearbeitetes Riffmaterial und werden charakterisiert durch ihre Ammonitenfauna.
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Die Sedimentation deutet auf gravitative Fliessprozesse (gravity flows) und auf einen gegen
Norden gerichteten Sedimenttransport hin. Das Substrat besteht aus tholeiitischen Kissenlaven
(tholeiitic pillows), die vermutlich die älteste ozeanische Kruste im Gebiet darstellen (Ozeanboden
des Neo-Tethys Ozeans).
Plattform und Kontinentalhang
Im späten Perm entwickelte sich eine ausgedehnte stabile Karbonatplattform entlang des
nordöstlichen arabischen Plattenrandes, die sich entlang der gesamten Zagros- und OmanGebirgsregion erstreckte. Diese beständige Karbonatplattform existierte über 160 Millionen Jahre bis
ins Cenoman. Die Hawasina, Sumeini, und Haybi Einheiten repräsentieren Kontinentalfuss,
Kontinentalhang und proximales Ozeanbecken.
Spätes Perm: Das späte Perm zeichnet sich in den „autochthonen“ Gebieten und den Riftschultern
durch eine transgressive Ablagerung von Flachwasserkalken (inkl. Riff) aus. Der Klimawechsel
von eiszeitlich zu tropisch und der damit verbundene eustatische Anstieg des Meeresspiegels wird
durch den Kollaps der oberpermischen Riftzone verstärkt. Dies ist der Beginn der thermischen
Subsidenz. Die paläoklimatische Änderung von sub-glazial im späten Karbon zu intertropisch im
späten Perm wird der nördlichen Drift der arabischen Halbinsel von ca. 50°S auf 30°S
zugeschrieben.
Trias-früher Jura: Die Sedimentabfolgen des Kontinentalrandes Omans dokumentieren die
thermische Subsidenz der ausgedünnten kontinentalen und neu gebildeten ozeanischen
Lithosphäre. Während die Sedimentation von Plattformkarbonaten am proximalen
Kontinentalrand (Jebel Akhdar) im Allgemeinen mit der Subsidenz Schritt hielt, wurden im
Hawasina-Becken proximale bis distale Turbidite abgelagert. Die Änderungen in der
Turbiditfazies im Hawasina-Becken (Tethys) reflektieren Schwankungen in der Ozeanographie
(Radiolarite unter der CCD: mittlere Trias) und relative Meeresspiegelschwankungen
(siliziklastische Turbidite bei Meeresspiegeltiefständen: Guwayza-Sandsteine im Rhät und
unteren Lias). Weiter vor der Küste, entwickelte sich in der späten Trias die Misfah-Plattform des
Haybi-Komplexes auf Atollen, die durch einen vulkanischen unterseeischen Berg (seamount)
gebildet wurden. Die Atolle waren während des fast gesamten Mesozoikums die Sedimentquelle
von Megabreckzien, die mit den pelagischen Sedimenten des Hawasina-Beckens wechsellagern
(Al Aridh, Ibra). Der Haybi Seamount wurde im frühen Jura zu einem Guyot: ein Hardground
trennt die versunkene Karbonatplattform von überlagernden pelagischen Sedimenten (mittlerer
Jura bis Cenoman).
Später Jura-Cenoman: Während des Tithon-Berrias (150-130 Ma) werden das Überfluten des
Nordrandes (Radiolarite, Onlap pelagischer Sedimente auf der Plattform bei
Meerespiegelhochstand im späten Jura) und das Wölben der Innenzonen der Plattform mit der
Kippung des arabischen Randes in Verbindung gebracht. Abschiebungen und starke Diskordanz
in flachmarinen Karbonaten der Juraplattform widerspiegeln diese Flexur. Eine Kippung des
Randes trat auch im Alb-Turon auf. Deshalb könnte eine Zunahme der Subsidenzrate im Cenoman
die Biegung des kontinentalen Randes infolge des Einsetzens der Obduktion kennzeichnen.
Das gesamte Gebiet wurde ab dem späten Turon reorganisiert, was die Bildung des Oman-Gebirges
unterstreicht. Am Ende des Cenoman (90 Ma) wurde die Plattformsedimentation unterbrochen, als
der passive Rand nach unten gebogen wurde, um das Aruma Vorlandbecken zu bilden. Aufwölbung
und Erosion, gefolgt von Subsidenz und Abgleiten in die syntektonische Vortiefe endeten im Campan
(70 Ma) mit der Entwicklung der Subduktions-/Obduktions-Gebirgskette.
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Tiefseebecken
Das vormals ozeanische Hawasina Becken kann als 300 km weites Becken des äusseren
Kontinentalrandes rekonstruiert werden. Vom späten Perm bis in die späte Kreide wurden pelagische
Gesteine auf dem distalen, passiven Rand (Sumeini, proximal Hawasina) und im Ozeanbecken
nordöstlich des arabischen Kratons abgelagert.
Der Ophiolit
Die Sumail Ophiolite entstanden während des Cenoman (Alter von Plagiograniten, Trondhjemiten
und Gabbros: 98-95 Ma). Sie sind eine der komplettesten Abfolgen ozeanischer Kruste und des
oberen Mantels auf der Erdoberfläche. Aufgeschlossen sind sie als eine halbmondförmige Decke von
ca. 550 km Länge und 50-100 km Breite und > 10 km Mächtigkeit. Die Ophiolit-Decke wurde durch
tektonische Ereignisse nach der Obduktion in zwölf, relativ intakte Hauptmassive zerrissen.
Petrologische und strukturelle Kriterien und geochemische Signaturen der Sumail Ophiolite lassen
darauf schliessen, dass die meisten Ophiolite an einem Spreizungszentrum mit hoher Spreizungsrate
gebildet wurden. Die tektonische Bedeutung, ob mittelozeanischer Rücken oder Backarc-Becken,
wird immer noch debattiert. Paläo-Rückensegmente wurden durch die strukturellen und
petrologischen Eigenschaften der Gangkomplexe, der Gabbros und der darunterliegenden Peridotite
identifiziert. Die plutonischen und vulkanischen Gesteine kalk-alkalischer Geochemie werden dem
beginnenden Magmatismus eines Inselbogens zugeschrieben, welcher die Sumail Ophiolite intrudiert
hat, nachdem sie zu einer Lithosphäre über dem Subduktionsslab geworden sind.
Kruste
Die krustale Abfolge ist ca. 4 bis 9 km mächtig und ist lokal durch Pyroxenite, Gabbronorite, OlivinGabbros und Wehrlite von jüngerem Bogen-Magmatismus intrudiert.
Sedimente
Die oberste sedimentäre Schicht besteht aus pelagischen Tiefseeablagerungen, z.B. radiolaritischen
Hornsteinen, Karbonat-Lutiten (calcilutite), roten Argilliten und untergeordnet vulkanoklastischem
Material.
Laven
Die darunter liegende Lavaeinheit besteht überwiegend aus Kissenlava und massivem MORB-typ
Basalt mit Palagonit (palagonite) und/oder pelagischem Sediment in den Zwischenräumen; Gänge,
Sills, Lavaschläuche und massive Lavaströme sind anwesend. Die Basalte wurden häufig
durchdringend durch hydrothermale Fluids verändert und unterlagen Grünschiefermetamorphose.
Die obersten Einheiten schliessen Inselbogentyp-Laven (insbesondere Boninite) ein, die auf den
Laven und Sedimenten der oberen ophiolitischen Kruste abgelagert wurden. Ihr sporadisches
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Auftreten offenbart einen beginnenden und kurzlebigen (zwischen ca. 95 und 92 Ma)
Bogenmagmatismus in der Nähe des ehemaligen Rückens auf der hangenden Platte der
intraozeanischen Subduktion.
Gangkomplex
Der Gangkomplex (sheeted dike complex) geht an seiner oberen Grenze in basaltische Kissenlaven
und massive Basalte über. An der Basis intrudieren entweder Gänge in Gabbros und subsidiäre
Plagiogranite oder werden von diesen Einheiten intrudiert. Diese gegenseitige intrusive Beziehung
weist auf eine fortlaufende magmatische Aktivität hin. Die hauptsächlich doleritischen Gänge, und
einige Gabbro-, Albitit- und Rodingit-Gänge, verlaufen regional NW-SE, was als die heutige
Orientierung der Paläo-Rückenachse angenommen wird.
Gabbros
Der obere Teil der gabbroiden Abfolge ist einige hundert Meter mächtig. Die Abfolge besteht
meistens aus massiven Quarz-Gabbros, Gabbros oder Troktolithen mit wenig Diorit, Quarz-Diorit,
Trondhjemit, Plagiogranit und Granophyr. Charakteristisch ist, dass das Gefüge zum Top der Abfolge
steiler wird, was ein primäres Merkmal sein könnte. Die Schieferung in den obersten Bereichen der
Gabbros verläuft parallel zum Streichen der Gänge im Gangkomplex. Die untere Gabbro-Sequenz
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(1-4 km mächtig) ist gekennzeichnet durch eine rhythmische Schichtung im Massstab von 0.5cm bis
2m. Die Schichten sind parallel zum flachen, unteren Kontakt mit ultrabasischen Mantelgesteinen.
Die meisten Schichten sind homogen zwischen den scharfen oberen und unteren Grenzen. Wenige
gradierte Schichten zeigen die normal liegende Position der Sequenz. Die Schichtung entsteht durch
zyklische Anlagerung von Material entlang der invertierten Wände einer zeltförmigen
Magmakammer. Diese steile Orientierung steht im Gegensatz zur flachen, Mohoparallelen
Orientierung des geschichteten Gabbros, welcher die unter-krustalen Schichten bildet. Die
geschichteten Gabbros wurden von Wehrliten mit MORB-ähnlicher und kalk-alkalischer Affinität
intrudiert.
Die Krusten-/Mantel-Übergangszone (Moho) ist wenige Meter bis einige hundert Meter dick.
Gabbro-Linsen sind in Dunite, Plagioklas- und Pyroxen-imprägnierte Dunite, und verarmte
Harzburgite eingebettet. Der Gabbro-Inhalt steigt nach oben auf Kosten der anderen Gesteinsarten.
Bemerkung:
Da der Mantel aufgeschlossen ist, ist die Moho weder eine Subduktions-, noch eine Abscherfläche.
Mantel
Ein Grossteil der Mantel-Sequenz besteht aus grobkörnigen Harzburgiten mit „Schichten“ aus Dunit
und Pyroxenit. Frühe Hochtemperatur-Gefüge, definiert durch die Orientierung von Orthopyroxen,
werden als Fliessmuster, die innerhalb des Mantels entstanden sind, interpretiert. Reste von
Orthopyroxen zeigen, dass die meisten Dunite aus der Auflösung von Harzburgit-Pyroxenen durch
Gesteinsschmelzen stammen, welche in Richtung Kruste während der Bildung des Ophiolites
zirkulierten.
Der dominierende Mantelfluss ist senkrecht zur Spreizungsachse in einer Ebene sub-parallel zur
unteren Grenze des geschichteten Gabbros, d.h. der petrologischen Moho, was auf eine gleichmässige
Akkretion von ozeanischem Material hindeutet. Diese regelmässige Fliessgeometrie wird von 10-15
km breiten Manteldiapiren gestört, um welche der oberste Mantelfluss divergiert. Diese Diapire
waren der Kanal, entlang welchem die Schmelze während des Aufstiegs unter den Rücken gelenkt
wurde. Variationen sowohl im Fliessgefüge als auch im Gangkomplex entlang des Streichens des
Rückens zeigen, dass der Rücken in der Grössenordnung von 50-100 km segmentiert (segmented)
war.
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Die Mantelperidotite zeigen zwei aufeinanderfolgende Phasen plastischer Deformation:
-1) Die erste erzeugte eine durchdringende, grobe, porphyroklastische Foliation. Diese steht im
Zusammenhang mit dem Fliessen des Gesteins unter niedrigen Spannungen und hohen
Temperaturen in der Asthenosphäre (lithosphärische Akkretion).
-2) Die zweite erzeugte eine feinkörnige mylonitische Foliation in den unteren 150-2000 m des
Peridotits. Diese spiegelt niedrige Temperaturen und hohe Spannungen als Folge der intraozeanischen Überschiebungen wider, welche das Anfangsstadium der Obduktion darstellen. In
dieser Phase bildeten sich Hochtemperatur-Scherzonen, welche parallel zum paläomittelozeanischen Rücken verlaufen. Die Scherzonen sind in struktureller Kontinuität mit der
darunter liegenden metamorphen Sohle verbunden.
Metamorphe Sohlfläche
Die Basis des Sumail Ophiolits ist eine metamorphe Hochtemperatur Scherzone, eine sogenannte
metamorphe Sohlfläche (metamorphic sole). Die Sohle ist einige 100 m dick und enthält
Hochtemperatur Mylonite (800-1000°C), die von Amphibolit-faziellem Metabasalt, Marmor,
Schiefern und Kieselschiefer-Linsen unterlagert werden. Diese Gesteine, welche von der
subduzierten Platte abgeschabt und durch Grünschiefer-Fazies-Vergesellschaftungen überprägt
wurden, unterscheiden sich geochemisch von den überliegenden Ophioliten.
Eine Hauptüberschiebung trennt die metamorphe Sohle von den liegenden, weniger metamorphen
sedimentären und vulkanischen Gesteinen. Die Strukturen der metamorphen Sohlfläche stimmen mit
einer Transportrichtung in nordost-südwestlicher Richtung überein.
Obduktion
Die Konvergenz begann im Apt-Alb (110-120 Ma). Dies hängt mit einer Änderung in der
Relativbewegung von Afrika in Bezug auf Eurasien und der gleichzeitigen Öffnung des Südatlantiks
zusammen, welche durch ein Superplume-Ereignis ausgelöst worden sein könnte.
Die geologischen Daten gestatten es, zwei Hauptstadien zu entschlüsseln:
1)
Überschiebung ozeanischer Lithosphäre kurz nach ihrer Bildung auf die benachbarte
ozeanische Kruste ohne Auftauchen. Die mesozoische ozeanische Kruste der Neo-Tethys und ihre
Sedimentbedeckung wurden in einer ozeanwärts einfallenden (Nordost) intraozeanischen
Subduktionszone subduziert.
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2) Überschiebung ozeanischer Lithosphäre auf den Kontinentalrand mit Auftauchen. Die
Subduktion verbrauchte zuerst die ozeanische Lithosphäre der arabischen Platte und zog dann
den südlichen Kontinentalrand der Tethys in den Mantel.
Innerozeanische Subduktion
Es gibt drei unabhängige Argumente für die frühe intraozeanische Subduktion:
- Auf den Ophioliten entsteht Magmatismus, im Übergangsbereich zwischen tholeiitischem und
kalk-alkalischem Vulkanismus, was auf Hydration eines heissen Mantelkeils und einer daraus
resultierenden partiellen Aufschmelzung schliessen lässt.
- Negative ε Nd und U-Pb Alter von Gängen von hydratisiertem Mantel deuten an, dass die intraozeanische Überschiebung innerhalb 0,25-0,5 Ma nach der Bildung der ophiolitischen Kruste
stattfand.
- Ar-Ar Hornblende Alter der metamorphen Sohlfläche geben einen Bereich von 96 bis 91 Ma an,
welcher aufgrund rascher Abkühlung, das Einsetzten der intraozeanischen Überschiebung datiert.
Die relativ kurze Zeitspanne von der Kristallisation der ozeanischen Kruste bis zur Abkühlung der
metamorphen Sohle unterstützt die Interpretation, dass kaltes Material unter ein aktives
Spreizungszentrum subduziert wurde, folglich fand eine rückennahe Subduktion statt.
Die Sumail Ophiolite wurden somit überschoben als diese jung und heiss waren. Diese Interpretation
wirft die Frage auf: wie alt war und kann die jüngste subduzierte ozeanische Lithosphäre sein?
Auftriebsbedingungen
Der Auftrieb der Lithosphäre ist der Faktor, der die Subduktion einer Platte bestimmt. Die Dichte der
ozeanischen Lithosphäre nimmt nach der Bildung der Platte am Rücken im Wesentlichen mit dem
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Abkühlen zu, was in der Tiefseemessung des Ozeanbodens weg vom spreizenden Rücken reflektiert
wird. In anderen Worten stellt sich die Frage, wo die thermische Entwicklung eine kalte Lithosphäre
produziert, die unter Berücksichtigung der Dichte wahrscheinlicher subduziert als obduziert wird.
Abschätzungen, welche annehmen, dass lokal Isostasie herrscht, zeigen an, dass im Durchschnitt 510 Ma alte, 15-20 km dicke ozeanische Lithosphären einen negativen Auftrieb haben. Dieses Alter
ist jedoch schwierig, mit einer Subduktion in der Nähe eines Rückens in Übereinstimmung zu
bringen. Denn, wenn der Rücken schnell war (5 cm/a als halbe Spreizungsrate) ist eine 10 Ma alte
Kruste 500 km entfernt entstanden. Da also eine Gravitationsinstabilität nicht ausreichte, um
Subduktion im Oman zu initiieren, muss ein tektonisches Ereignis (eine Änderung in den
Plattenbewegungen) verantwortlich für das „Verschlucken“ des Rückens und die Ursache der
Verkürzung sein.
Übung:
Berechnen Sie die Dichte in Funktion des Alters der ozeanischen Lithosphäre. Nehmen
Sie eine konstante Dicke von 5 km und eine Dichte von 2,9 g/cm3 für die ozeanische
Kruste, eine Dichte von 3,3 g/cm3 für den lithosphärischen Mantel und 3.25g/cm3 für
die Asthenosphäre an.
Zeichnen Sie die resultierende Kurve und kommentieren Sie die isostatischen
Eigenschaften der ozeanischen Lithosphäre.
Diese Überlegungen führen zu einer allgemeinen Zusammenfassung hinsichtlich der Obduktion:
(1) Die Ophiolite sind nur 0-10 Ma alte ozeanische Lithosphären zur Zeit ihrer Obduktion.
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(2) Mechanische Überlegungen fordern, dass die maximale Temperatur um die entkoppelnde
Zone nicht grösser als 1000°C ist.
Überschiebung der ozeanischen Lithosphäre
Die fortschreitende Überschiebung und letztendlich die Platznahme des Ophiolits auf den
kontinentalen Gesteinen führte zur Ausbildung einer randlichen Aufwölbung und eines
Vorlandbeckens. Deckschicht-Tektonik, mit einem Hauptabscherhorizont im präpermischen Sockel,
dominiert den gesamten Kontinentalrand des Omans.
Hochdruck-/Niedrigtemperatur-Metamorphose
(HP-LT)
in
den
Grundgebirgsund
Schelfablagerungen des Kontinentalrandes (Fenster von Saih Hatat) deuten auf die Subduktion des
letzteren hin. Diese Hochdruckmetamorphose führt zur Bildung von Fe/Mg Karpholit + Lawsonit (610 kbar), chromitischem Glaukophan (12-15 kbar) und Eklogiten (ca. 20 kbar). Ar-Ar
Geochronologie an Hellglimmern zeigen Abkühlalter (130-82 Ma) die älter sind als die Platznahme
der Decken (75-70 Ma).
Informationsgehalt von Sedimenten
Die Abfolge der frühen Obduktion ist folgendermassen:
* Akkumulation siliziklastischer Sedimente und umgelagerter lithoklastischer Karbonate in einem
Foredeep-Becken im Turon.
* Bildung einer Mélange im Nordosten (Batain). Dies ist eine tektonische Formation mit unendlich
vielen, nicht-stratigraphischen Kontaktflächen und nur schwach ausgeprägter Matrix. Sie entstand
mehr oder weniger durch gravitatives Gleiten. Schollen von permischen und triassischen Kalksteinen
treten oftmals zusammen mit Basalten auf.
Diese Beobachtungen führen zu folgender Interpretation:
1.
Zuerst erfolgte die Verschuppung von Tiefseeabfolgen, in grosser Entfernung vom
Kontinentalrand. Es handelt sich dabei um Huckepack-Überschiebungen (piggy-back thrusts) in
Richtung des Vorlandes. Die Überschiebungen setzen sich im Liegenden fort. Die Gesamtstruktur ist
einfach und die ganze stratigraphische Abfolge ist erhalten. Daher ist eine Rekonstruktion möglich.
2.
Mittel- bis spätkretazische Platznahme (Campan). Die Sohlfläche erfasst prä-permische
Einheiten (sofern diese in der Kulmination auftreten) und taucht Richtung Süden auf.
Metamorphosedaten
Die zweiphasige Obduktionsgeschichte bewirkte zwei unterschiedliche Typen kretazischer
Metamorphose:
1.
Hochtemperatur-Metamorphose an der Basis des Sumail Ophiolits.
2.
Blauschiefer- bis Eklogit-fazielle Metamorphose in den Gesteinen, welche dem arabischen
Kontinentalrand zugeordnet werden und welche in tektonischen Fenstern, z.B. Saih Hatat,
aufgeschlossen sind.
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Metamorphe Hoch-Temperatur Sohle
Metamorphe Hochtemperatur Sohle
Hoch-Temperatur metamorphe Sohlen bildeten sich als Folge des nach unten gerichteten
Wärmetransports, als heisse, junge ozeanische Lithosphäre über ältere, kältere Lithosphäre
überschoben wurde, wobei ein inverser metamorpher Gradient entstand. An der Basis der Oman
Ophiolite nimmt der Metamorphosegrad durch die basalen Scherzonen nach unten stark ab: von ca
1000°C mylonitischen Peridotiten zu überlagerten Schuppen von Granulit-, Amphibolit- (T = 750900°C und P 5-14 kbar, d.h. 15-50 km tief), bis zu Grünschiefer-faziellen (T ≈ 500°C) mafischen
Gesteinen auf unmetamorphem Material. Die Hochtemperatur metamorphen Bedingungen der
partiell geschmolzenen unteren Granulit- bis oberen-Amphibolit-Fazies-Sohle (< 500 m mächtig)
deuten auf Rückeninversion und Überschiebung von Peridotiten mit sublithosphärischen
Temperaturen hin.
Die Abkühlung der metamorphen Sohle ist auf ca. 100-95 Ma datiert (Ar-Ar Alter von Hornblende
und konkordante Zirkone von Leukosomen). Dasselbe Alter der Hochtemperatur-Metamorphose in
der Sohle und der ophiolitischen Trondhjemite weist zudem auf intra-ozeanische Überschiebung einer
sehr jungen ozeanischen Lithosphäre in der Nähe des Rückens hin.
Hochdruck-Abfolgen
In den autochthonen und parautochtonen Einheiten steigen sowohl die Verformung als auch der
Metamorphosegrad gegen Nordosten mit dem aufeinanderfolgenden Auftreten von Pumpellyit,
Epidot und blauem Amphibol an.
Die gesamte metamorphe Zonierung des Gebiets stimmt mit einer nach Nordosten tauchenden
Subduktion überein, kann aber tatsächlich in zwei unterschiedliche strukturelle Niveaus unterteilt
werden:
1. Die tiefsten strukturellen Ebenen, in einem Fenster innerhalb des Saih Hatat Fensters, werden
repräsentiert durch mafische Boudins, die Minimumdrücken von 20 kbar unterlagen. Diese Daten
weisen darauf hin, dass ein Teil des nördlichen arabischen Kontinentalrandes in eine Tiefe von
mehr als 60 km subduziert wurde. Glaukophan zeigt an, dass Eklogite bei 10-12 kbar und 500580°C rekristallisierten. U-Pb Alter von Zirkonen, die aus Eklogiten extrahiert wurden, und SmNd Granat-Granat Lauge -- Gesamtgestein Isochronen begrenzen das Alter des
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Metamorphosehöhepunkts zwischen 110 ± 11 und 79.1 ± 0.3 Ma. Eklogite, die älter als der ca. 95
Ma alte Ophiolit sind, wurden während der Subduktion rekristallisiert. Die dazugehörigen
Abkühlalter (Ar-Ar und K-Ar Methode) betragen zwischen 90 und 70 Ma.
2. Höhere strukturelle Ebenen im südlichen Teil des Saih Hatat-Fensters und im nordöstlichen Teil
des Jebel Akhdar Fensters sind die Hochdruck-Grünschiefer, die durch Karpholit, Lawsonit und
Natrium-Amphibol gekennzeichnet sind. Karpholit-Kaolinit-Vergesellschaftungen wurden bei
180-250°C, 8-10 kbar, und Karpholite-Pyrophyllit-Vergesellschaftungen bei 250-350°C, 6-8 kbar
rekristallisiert. Weiter im Süden herrscht Grünschiefer-Fazies vor. Die petrologischen Daten
dieses Gebietes reichen nicht aus, um den P-T-Pfad genau zu rekonstruieren, der daher nur
spekulativ ist. Ar-Ar Alter an Glimmern aus Niederdruckgefügeelementen liegen bei ungefähr 80
Ma.
Die Hochdruckgesteine gelangten frühestens im oberen Maastricht (vor 65 Ma) an die Oberfläche,
wo sie anschliessend praktisch ungestört blieben. Die Exhumationsrate der Blauschiefer und Eklogite
wird auf 3 bis 5 mm/a geschätzt.
Ein Exhumationsproblem ?
Strukturelle Studien zeigten, dass ein Teil der Freilegung der Hochdruckgesteine im Zuge von
Nordost-gerichteter Scherung während der Hochdruckmetamorphose erfolgte. Um diese zur
regionalen Transportrichtung entgegengesetzte Vergenz zu erklären, wird die Exhumierung von
Hochdruckgesteinen begründet mit:
• Extension
• Extensionalem Kollaps
• Auftrieb während regionaler Konvergenz.
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Kinematik und Strukturen
Die Sumail Ophiolite bildeten einen orogenen Deckel, der, wie die Ostalpinen Decken in den Alpen,
als “traîneau écraseur” fungierte. Die Überschiebung der Ophiolite beinhaltete eine huckepackartige
Platznahme der hintereinander liegenden Decken, einschliesslich des permisch-mesozoischen
Ozeanbodens und der Sedimente des Kontinentalsockels (Hawasina Komplex). Diese überlagern eine
nach der anderen die permisch-mesozoischen Karbonate des Kontinentalabhangs (Sumeini Gruppe)
und der Küstenebenen (Haybi Gruppe).
Spätere nordostgerichtete Scherung, die von Schubzonen, extensiven Duplexstrukturen und
isoklinalen Falten charakterisiert wird, entspricht der Exhumation des subduzierten Materials.
Deckschicht-Tektonik
Die Sumail Ophiolite bildeten einen orogenen Deckel, der, wie die Ostalpinen Decken in den Alpen,
als “traîneau écraseur” fungierte. Die Überschiebung der Ophiolite beinhaltete eine huckepackartige
Platznahme der hintereinander liegenden Decken, einschliesslich des permisch-mesozoischen
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Ozeanbodens und der Sedimente des Kontinentalsockels (Hawasina Komplex), mit ein. Diese
überlagern eine nach der anderen die permisch-mesozoischen Karbonate des Kontinentalabhangs
(Sumeini Gruppe) und der Küstenebenen (Haybi Gruppe).
Die Hawasina-, Sumeini und Haybi-Abfolgen bilden Sediment-Decken, die von ihrer Unterlage
abgeschert wurden. Die Hauptsohlfläche erfasst prä-permische Einheiten (sofern diese in der
Kulmination auftreten) und taucht Richtung Süden auf.
Hawasina Decke
Ein Teil der Hawasina-Abfolgen wurden unter dem Sumail-Ophiolit in komplexer Weise deformiert
und metamorphisiert (im Hawasina-Fenster, analog zu den penninischen Sedimentdecken im Wallis
und Graubünden), ein Teil wurde vor dem Sumail an den Aussenrand des Gebirges verfrachtet und
bildet dort einen allochthonen Falten- und Überschiebungsgürtel (in den Hamrat Duru ranges, analog
zu den präalpinen Decken der Alpen). Dabei erfasst die Abscherung zuerst die jüngeren, jurassischkretazischen Sedimente, welche vorwiegend in den unteren Hawasina-Decken akkumuliert werden,
dann die triassischen, welche zu einem grossen Teil die oberen Hawasina-Decken aufbauen. Die
Hawasina Abfolge wiederholt sich mehrere Male durch Überschiebungen und Auffaltung. So stellt
sie einen Standard-Schuppenstapel dar, in dem normalerweise die distaleren Einheiten proximalere
überlagern.
Im Coniac bis Campan (90-72 Ma) fand die Hauptverlagerung des Hawasina-Keils statt, markiert
durch das tektonische Wachstum von Kulminationen. Die sich nach West-Südwest vorschiebende
Überschiebungsbasis taucht im Süden auf, und der Stapel zeigt einen charakteristisch bogenförmigen
zum Gebirgsbogen sub-parallelen Verlauf. Die Sedimente des Hawasina Beckens sind
schätzungsweise insgesamt mehr als 400 km transportiert worden.
Das Ende der Platznahme ist gekennzeichnet durch das erste Auftreten von magmatischen Gesteinen
auf dem arabischen Kraton im Mittel- bis Spät-Campan (78-72 Ma). Profilausgleich und
Wiederherstellung der Decken deuten darauf hin, dass sich der Ophiolit nach der intraozeanischen
Überschiebung vor ca. 95 Ma, und vor Erreichen des Kontinents vor ca. 75 Ma, entlang der
metamorphen Sohlfläche um 250 bis 350 km über die Ablagerungen des Kontinentalhanges und
Schelfes hinweg bewegt hat. Die zusätzliche Bewegung über den Kontinent beträgt 150 km.
Dies ist gleichzusetzen mit einer Unterschiebungsakkretion unter die Sumail Ophiolite durch
Stapelung von distalen und proximalen Einheiten.
Übung
Die Obduktionsgeschichte umfasst ca. 27 Ma. Berechnen Sie die
durchschnittliche Konvergenzrate zwischen dem Sumail Ophiolit und dem
passiven Kontinentalrand. Passt diese Rate in die Daten der Plattentektonik?
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Nordost-gerichtete Scherung
Die nördliche Grenze des Saih Hatat Fensters schliesst einen wichtigen Abscherhorizont auf, der
Hochdruck- und Blauschieferfazies-Gesteine, die Eklogite enthalten, von weniger metamorphen
Gesteinen trennt. Beide Seiten des Abscherhorizontes liegen in permischen Sedimenten. Ein starker
metamorpher Kontrast (bis 6 kbar) tritt entlang dieser nach Norden einfallenden und flachen
Abscherzone auf. Dieser metamorphe Kontrast impliziert einen grossen Versatz des Hangenden, das
ein intensives, Nordost-gerichtetes und nicht-koaxiales Gefüge zeigt. Die relative Exhumationsrate
der Hochdruckgesteine wird auf 3-5 mm/a zwischen 80 und 70 Ma geschätzt. Die nach Nordosten
gerichtete Scherung ist für die regionale Schieferung und die Duplexartigen Schuppenzonen in den
permischen-kretazischen Plattformsedimenten der Jebel Akhdar Region verantwortlich.
Gravitative Falten kommen auf beiden Flanken der Dome vor und dokumentieren sowohl süd-, als
auch nordgerichtete Relativbewegungen. Extensionsstrukturen werden dem gravitativen Abgleiten
an den Flanken der syn-Obduktionskulminationen zugeschrieben. Der Kollaps der Kulmination
variiert nach Alter.
Dom Strukturen
Die känozoische Deformation des Oman-Gebirges ist verantwortlich für grosse Antiformen, die
erodiert wurden und nun eine Serie von kofferförmigen, tektonischen Fenstern (von Ost nach West:
Saih Hatat, Jebel Akhdar und Hawasina) bilden, die die Ophiolitdecke und das darunterliegende
Grundgebirge verfalten. In diesen Fenstern werden zwei Hauptphasen duktiler Deformation von NESW parallel streichenden Streckungslinearen begleitet. Die domförmigen Aufwölbungen werden
üblicherweise als Rampen-Antiklinalen interpretiert, die eine frühere, prä-permische (variszische)
Schieferung falten. Die Rampen-Antiklinalen würden dann gleichzeitig mit der Platznahme der
Ophiolit-Decken sein. Alternativ können sie auch post-obduktionale, känozoische frontale
Knickungen über blinden Aufschiebungen darstellen, die das Grundgebirge stören.
Saih Hatat Fenster
Das Saih Hatat Fenster enthält die tiefsten strukturellen Einheiten des Oman-Gebirges. Es enthält eine
grosse, wiederverfaltete, liegende Antiklinale, die eine NE-Vergenz aufweist.
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234
Im Kern dieser Antiform finden sich prä-ordovizische Sedimente die von mesozoischen
Plattformkarbonaten umschlossen werden. Im Saih Hatat Fenster nehmen die Deformationsintensität
und der Metamorphosegrad in nordöstlicher Richtung zu. Im nordöstlichen Teil des Saih Hatat
Fensters, dem Sifah Teilfenster, treten Eklogite als mafische Boudins auf.
Jebel Akhdar Fenster
Das Jebel Akhdar Fenster stellt eine externe Zone der arabischen Einheiten in Bezug auf das Saih
Hatat Fenster dar. Zwei Hauptphasen duktiler Deformation mit NE-SW parallel streichenden
Streckungslinearen werden in diesen Fenstern gefunden.
Känozoische Tektonik
Im Maastricht erfolgte wieder Flachwasser-Karbonat-Sedimentation über die abgesunkenen
Obduktionsstrukturen. Karbonat-Sedimentation war fast kontinuierlich bis ins Oligozän; lokale
Winkeldiskordanzen deuten auf geringe Bruchschollenbildung hin, die differentieller Hebung entlang
des erodierten Gebirgsgürtels und Meeresspiegelschwankungen auf einem ziemlich stabilen
Kontinentalrand zugeschrieben werden.
Die Hebung und heutige Morphologie des Oman-Gebirges wird durch oligozäne, vorlandgerichtete
Überschiebung und Faltung verursacht. Erneute Kompression reaktivierte die Überschiebungen der
späten Kreide, was frontale Knickungen parallel zum gebogenen Oman-Gebirge hervorbrachte. Die
resultierende Verkürzung scheint nach Norden um den Gebirgsbogen herum zuzunehmen und wird
von Deckschicht-Tektonik begleitet. Diese wird von der zunehmenden Nähe der KontinentKontinent-Kollisionszone im Zagros Gebirge verursacht.
Spaltspurendaten weisen auf eine zweiphasige Abkühlungsgeschichte hin, eine schnelle Abkühlung
vor 45-35 Ma und eine darauf folgende langsame Abkühlung, die vor 25 Ma einsetzte und bis heute
andauert. Die erste Phase kann eine ferne, frühe Phase der Kollision im Zagros, im Nordwesten,
darstellen; gleichzeitige Erosionsexhumierung führte zur Ablagerung einer dicken Sedimentsabfolge
im Vorlandbecken. Das Ereignis nach 20 Ma und die gleichaltrigen Fan Konglomerate werden
vorläufig mit der Hauptfaltungsphase und der anschliessenden Erosion des Zagros-Gebirges
verknüpft.
Im mittleren bis späten Miozän herrscht wieder Gravitations-Tektonik vor.
Verschiedene Stufen von Terrassen und erhöhte Strandlinien entlang der Küste zeigen eine rezente
Hebung an.
jpb-Oman
Tektonik – WS2016
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Plattformablagerung nach der Überschiebung
Eine Hauptdiskordanz befindet sich im Späten-Maastricht (68-65 Ma). Rudistenhaltige
Strandablagerungen liegen über allen allochthonen Einheiten, und insbesondere über den obduzierten
Sumail Ophioliten. Diese Diskordanz zeigt, dass die Hebung des Oman-Gebirges im frühen
Maastricht erfolgte, nachgewiesen durch eine Erosions-Diskordanz, onlaps und fluviatile bis flachmarine Sedimente des Maastricht.
jpb-Oman
Tektonik – WS2016
236
Während des späten Paläozäns bis ins mittlere-späte Eozän (58-42 Ma) setzte die Sedimentation von
flachmarinen fossilführenden Kalken wieder ein. In dieser Zeit blieben die nördlichen Teile des
Oman-Gebirges auf einem strukturellen Hoch.
Die stabile flachmarine Karbonatsedimentation dauerte 20-25 Ma vom mittleren Paleozän bis ins
späte Eozän, bevor es zu einer erneuten Regression kam. Sowohl an den nördlichen als auch an den
südlichen Flanken des Gebirges wurden im Oligozän marine Karbonate abgelagert. Im Miozän
begann die Hebung des Gebirges. Diese Schelf-Abdeckungsfolge wurde im Miozän durch eine
Deformationsphase gefaltet, die mit der Haupthebung des Oman-Gebirges verbunden ist. Leichte,
aufrechte Falten zeigen nur einen kleinen Anteil der Verkürzung an. N-S und E-W Faltenachsen in
tertiären Strukturen weisen auf Dom- und Becken-typische Falteninterferenzstrukturen hin, als
Ergebnis biaxialer Kompression.
jpb-Oman
Tektonik – WS2016
237
Tertiäre (35-45 Ma) alkalische vulkanische Gesteine treten entlang von reaktivierten Störungszonen
auf und zeigen eine intermediäre Extensionsperiode an, die vielleicht älter als das Rift des Roten
Meeres ist.
Paläomagnetische Daten
Paläomagnetische Daten deuten auf ca. 50°-Rotation der ophiolitischen Decken im
Gegenuhrzeigersinn während der intra-ozeanischen Überschiebung und der kontinentalen Obduktion
hin. Metallhaltige Sediment-Zwischenlagen in den Vulkaniten und den Ophioliten dienen als gut
datierbare Paläo-Horizonte (Alb-Cenoman). Geringe Inklination bestätigt, dass die Sumail Ophiolite
in äquatornahen Breiten entstanden und übergeschoben wurden.
jpb-Oman
Tektonik – WS2016
238
Paläomagnetische Deklinationen sind hauptsächlich Nord-Nordost / Süd-Südwest, aber NordwestSüdost Richtungen wurden auch gemessen. Diese Richtungen sind wahrscheinlich nicht gleich alt
und ihre relative Chronologie konnte nicht festgestellt werden. Es ist unwahrscheinlich, dass ein
Massiv individuell rotiert wurde, da die Gänge immer parallel verlaufen und beide paläomagnetischen
Richtungen im selben Massiv auftreten können.
Serpentinisierung und andere hydrothermale Prozesse können eine wichtige Rolle für diese
mehrfachen Magnetisierungsphasen gespielt haben.
Struktur auf Krustenmassstab
Seismische Profile und Bohrungen, die für die Exploration von Kohlenwasserstoffen gemacht
werden, zusammen mit gravimetrischen Daten beschreiben die Struktur der oberen 5 km der
Erdkruste sehr gut. Die Tiefe und Form der Moho ist dagegen weniger genau bekannt. Allerdings
deuten die vorhandenen Informationen auf eine 60 km tiefe Krustenwurzel unter den kuppelförmigen
Fenstern. Die Kruste des arabischen Vorlands ist 40-45 km dick, was übereinstimmt mit der
Krustendicke eines alten Kratons. Umgekehrt nimmt die Tiefe der Moho nach Norden ab, bis auf
weniger als 40 km unter der Küstenebene, was mit der Mohotiefe eines ehemaligen passiven
Kontinentalrandes in Einklang steht. Weiter im Norden unter dem Meeresboden des Golfs von Oman
ist die Moho 25-30 km tief. Die Interpretation von allochthonen Ophioliten wird mit den ca. 1 km
dicken Hauptklippen, die südlich von den tektonischen Fenstern liegen, bestätigt. Die Ophiolite im
Norden sind ca. 5 km dick.
Mantel
Die seismische Tomographie zeigt, dass Arabia, wie unter einem alten Kraton erwartet wird, eine
kalte Lithosphäre hat. In einem grösseren Massstab wird Eurasia von einer heissen Mantellithosphäre
unterlagert. Die Arabia-Eurasia lithosphärische Sutur folgt dabei etwa der Oberflächenspur der
ophiolitischen Sutur entlang der nordöstlichen Seite des Zagros-Gebirges. Die lithosphärische Sutur
scheint an der Zagros-Makran Grenze verschoben zu sein. Ab dieser Grenze erstreckt sich die
arabische Lithosphäre nach Norden unter den Lut-Block Zentralirans.
jpb-Oman
Tektonik – WS2016
239
Nach Al-Lazki et al. 2014 Geological Society, London, Special Publications, 392, 45–60
Die hohe Geschwindigkeit der arabischen Lithosphäre hat einen scharfen Kontakt mit einem
niedrigen Geschwindigkeitsbereich unterhalb des westlichen Makrans, was wiederum eine scharfe
Geschwindigkeitsgrenze mit dem östlichen Makran zeigt. Diese lithosphärische Information
impliziert eine Segmentierung der Oman Subduktionszone, aber das seismische Netz ist nicht
ausreichend dicht, um hochaufgelöste Bilder des aktiven Systems zu liefern.
Schlussfolgerungen – Tektonische Entwicklung des Oman-Gebirges
- Der Oman und der Zentraliran waren zusammen Teil von Gondwana im Präkambrium bis
Paläozoikum.
- Ein Hebungsereignis mit weitverbreitetem Vulkanismus im späten Karbon könnte ein erstes
Anzeichen von Riftbildung und einer Trennung der beiden Kontinentalblöcke sein.
- Mittel- bis Spät-Permische Extension erzeugte ein grosses, intrakontinentales Becken am
nordöstlichen Rand der arabischen Plattform.
- Fortdauerndes Rifting des Beckens und das Aufbrechen der Kruste am nördlichen Rand von Arabien
führte zur Öffnung der Neo-Tethys in mittel- bis spät-triassischer Zeit. Vom späten Perm bis in die
mittlere Kreide stellte der Oman einen Teil einer grossen Karbonatplattform auf dem passiven,
südlichen Kontinentalrand des Tethys Ozeans dar. Im Ozean wurden pelagische Sedimente, wie die
typische Hawasina Tiefseeabfolge, abgelagert.
- Im Jura bis zur frühen Kreide, um 95 Ma, war langsame, pelagische und turbiditische Sedimentation
dominant.
- Eine intra-ozeanische Subduktion begann vor ca. 90 Ma nahe eines "toten" ozeanischen Rückens.
Dieses Alter für den Beginn der intraozeanischen Subduktion ist bemerkenswert gleichbleibend
entlang der Kollisionszone von der Türkei bis in den Oman. Die Kruste der Neo-Tethys wurde in der
spätkretazischen, nach Norden einfallenden, intra-ozeanischen Subduktionszone im Norden des
arabischen Kontinents verschluckt. Die Sedimentbedeckung der Neo-Tethys bildete dabei einen
Akkretionskeil (Hawasina und coloured Mélange) bis ins späte Cenoman.
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240
- Während sich die arabische Platte nach und nach nordwärts bewegte, kam sie unterhalb einer
Schuppe der ozeanischen Lithosphäre der Tethys in die Subduktionszone. Die Obduktion (d.h.
Subduktion des arabischen Kontinentalrandes unter die überfahrende ozeanische Platte) begann vor
etwa 90 Ma. 200 bis 600 km der Übergangs- und kontinentalen Lithosphäre wurden in dieser Zone
subduziert. Die gesamte Obduktion und Platznahme der Sumail Ophiolite dauerte ungefähr 27
Millionen Jahre, von 95 bis 68 Ma, während der späten Kreide. Die Verschiebung der Ophiolite
betrug ca. 400 km mit einer durchschnittlichen Rate von ca. 2cm/a. Während dieses Intervalls wurden
die allochthonen Decken durch die intensive Überschiebung der ozeanischen und
jpb-Oman
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241
Kontinentalhangsedimente zusammengebaut, die sich ursprünglich auf dem arabischen (Oman)
Kontinentalrand und Tethys Ozeanboden entwickelten.
- Die Hochdruckgesteine wurden gleich nach der Obduktion (80-70 Ma) an die Erdoberfläche
gebracht.
- Die fortschreitende Konvergenz schuf eine weitere Subduktionszone (Proto-Makran). Die daraus
resultierende Entlastung der Kruste an der vorhergehenden Subduktionsstelle ermöglichte die
Hebung des halb-begrabenen Kontinentalrandes von Oman. Die darüberliegende Hawasina-Abfolge
und das ehemalige Hangende des Sumail-Ophiolits kollabierten und breiteten sich dann weiter auf
dem arabischen Schelf aus. Die Mechanismen einer schnellen Exhumation während der
Plattenkonvergenz sind ein Diskussionspunkt. Die Frage ist, wie Abschiebungen und damit
verbundene schnelle Exhumation von Hochdruckgesteinen mit gleichzeitigen Überschiebungen und
Plattenkonvergenz kombiniert werden können.
- Im Maastricht (70-65 Ma) wurden alle Decken teilweise erodiert und durch transgressive
Flachwasserkarbonate überlagert.
- Der Akkretionskeil von Makran mit einem Alter von Maastricht bis Eozän liegt im Liegenden eines
Ophiolits infolge der immer noch aktiven Kollision zwischen Eurasien und Arabien nach dem Eozän
und der Hebung vom Oman im Oligozän.
- Die Zagros-Falten entwickelten sich ab dem Pliozän.
- Die Kontinent-Kontinent Kollision zwischen Oman und Makran hat (noch) nicht stattgefunden.
Fragen
Warum wurde die Obduktion abgebrochen und nordwärts versetzt in die
Makran-Subduktion?
Wie wurden Tiefengesteine (Blauschieferassoziationen)
konvergenten System exhumiert?
in
einem
Empfohlene Literatur
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On the Web
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http://www.gm.univ-montp2.fr/spip.php?rubrique105&lang=fr
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http://www.angelfire.com/ms/snasir/page14.html
http://geoinfo.amu.edu.pl/wpk/geos/GEO_2/GEO_PLATE_T-41.HTML
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