Wenn der Schmerz zur Krankheit wird: Chronische Schmerzen bei

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Wenn der Schmerz zur Krankheit wird:
Chronische Schmerzen bei Kindern und
Jugendlichen
Prof. Dr. Tanja Hechler
12. Jahreskongress Psychotherapie
Mehr als die Summe der Teile: KÖRPER UND PSYCHOTHERAPIE
22. – 23. Oktober 2016, Bochum
24.10.2016
1
Abt. für Klinische Psychologie und Psychotherapie
des Kindes- und Jugendalters
Wenn der Schmerz bei Kindern und Jugendlichen zur Krankheit
wird,…
1. … reden wir von einer (psychischen) Erkrankung, die alles andere als
selten ist.
2. … leidet das betroffene Kind neben den Schmerzen häufig unter einer
starken emotionalen Belastung.
3. … erschwert die emotionale Belastung der Kinder den Therapieerfolg.
4. … können u.a. Lernprozesse das gleichzeitige Auftreten von chronischen
Schmerzen und emotionaler Belastung erklären.
5. … benötigen wir psychologische Interventionen zur Modifikation des
chronischen Schmerzes und der emotionalen Belastung.
6. ... besteht aktuell eine Unterversorgung für betroffene Kinder und
Jugendliche.
24.10.2016
2
Abt. für Klinische Psychologie und Psychotherapie
des Kindes- und Jugendalters
Topic 1:
Wenn der Schmerz bei Kindern und
Jugendlichen zur Krankheit wird, …
… reden wir von einer (psychischen)
Erkrankung, die alles andere als selten ist.
24.10.2016
3
Abt. für Klinische Psychologie und Psychotherapie
des Kindes- und Jugendalters
Schmerzmodelle früher …
24.10.2016
4
Abt. für Klinische Psychologie und Psychotherapie
des Kindes- und Jugendalters
Schmerzmodelle heute …
24. Oktober 2016
5
Abt. für Klinische Psychologie und Psychotherapie
des Kindes- und Jugendalters
Chronischer Schmerz: Psychische Störung im ICD 10 und DSM 5
F45.40 Anhaltende somatoforme
Schmerzstörung
F 45.41 Chronische
Schmerzstörung mit somatischen
und psychischen Symptomen
24.10.2016
F 45.1 Somatische Belastungsstörung
6
Abt. für Klinische Psychologie und Psychotherapie
des Kindes- und Jugendalters
„Chronischer Schmerz ist ein Problem des Erwachsenenalters.“
24.10.2016
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Abt. für Klinische Psychologie und Psychotherapie
des Kindes- und Jugendalters
„Chronischer Schmerz ist ein Problem des Erwachsenenalters
und des Kindes- und Jugendalters.“
24.10.2016
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Abt. für Klinische Psychologie und Psychotherapie
des Kindes- und Jugendalters
Chronische Schmerzen: Ein häufiges Problem des Kindes- und
Jugendalters
63,2 %
Mindestens eine Schmerzerfahrung in den letzten
drei Monaten
31,7 %
Chronische, wiederkehrende Schmerzen in den
letzten drei Monaten
5,1 %
Chronische, stark beeinträchtigende Schmerzen
Huguet, A., Miro, J. (2008). J Pain, 9(3):226-36.
24.10.2016
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Abt. für Klinische Psychologie und Psychotherapie
des Kindes- und Jugendalters
Zusammenfassung zu Topic 1
Chronische Schmerzen bei Kindern und Jugendlichen
 Chronische Schmerzen sind ein biopsychosoziales Syndrom.
 Sie werden in gängigen Klassifikationssystemen als psychische Störung
klassifiziert.
 Deutschlandweit sind etwa 5% der Kinder und Jugendlichen von
schwer beeinträchtigenden chronischen Schmerzen betroffen.
24.10.2016
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Abt. für Klinische Psychologie und Psychotherapie
des Kindes- und Jugendalters
Topic 2:
Wenn der Schmerz bei Kindern und Jugendlichen
zur Krankheit wird, …
… leidet das betroffene Kind neben den
Schmerzen häufig unter einer starken
emotionalen Belastung.
24.10.2016
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Abt. für Klinische Psychologie und Psychotherapie
des Kindes- und Jugendalters
Komorbidität von chronischen Schmerzen und emotionalen
Störungen in epidemiologischen Studien (1)
 Häufigkeit des gleichzeitigen Auftretens von chronischen Schmerzen
und emotionalen Störungen
24.10.2016
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Abt. für Klinische Psychologie und Psychotherapie
des Kindes- und Jugendalters
Komorbidität in epidemiologischen Studien (1)
 National Comorbidity Survey Replication Adolescent Supplement
 N = 6.483 Jugendliche (13-18 Jahre)
 Chronic pain (self-report)
 Mental disorder (CIDI interview, parents)
 Comorbidity:
−Chronische Schmerzen und psychische Störung:
26%
−Häufigste Co-occurrence: Headache und anxiety disorder: 17%
Tegethoff, M. et al. (2015), Pain.
24.10.2016
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Abt. für Klinische Psychologie und Psychotherapie
des Kindes- und Jugendalters
Komorbidität in epidemiologischen Studien (2)
 Zusammenhang zwischen chronischen Schmerzen in der Adoleszenz
und psychischen Störungen im Erwachsenenalter
Noel, M. et al. (2016), Pain.
24.10.2016
14
Abt. für Klinische Psychologie und Psychotherapie
des Kindes- und Jugendalters
Komorbidität in epidemiologischen Studien (2)
Internalizing disorder in adulthood
Full sample
N = 14.790
Chronic pain
N = 3.174
No chronic pain
N = 11.610
Depressive disorder* (%)
16.38
24.51
14.13
Anxiety disorder* (%)
14.30
21.09
12.42
* Reported in adulthood.
Noel, M. et al. (2016), Pain.
24.10.2016
15
Abt. für Klinische Psychologie und Psychotherapie
des Kindes- und Jugendalters
Komorbidität in epidemiologischen Studien (2)
Internalizing disorder in adulthood
Full sample
N = 14.790
Chronic pain
N = 3.174
No chronic pain
N = 11.610
Depressive disorder* (%)
16.38
24.51
14.13
Anxiety disorder* (%)
14.30
21.09
12.42
* Reported in adulthood.
Noel, M. et al. (2016), Pain.
24.10.2016
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Abt. für Klinische Psychologie und Psychotherapie
des Kindes- und Jugendalters
Zusammenfassung zu Topic 2:
Chronische Schmerzen und emotionale Belastung
 Etwa 20-30% der Kinder und Jugendlichen mit chronischen
Schmerzen sind emotional stark belastet oder komorbid psychisch
erkrankt.
 Chronischer Schmerz im Kindes- und Jugendalter ist ein Risikofaktor
für psychische Erkrankungen im Erwachsenenalter.
24.10.2016
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Abt. für Klinische Psychologie und Psychotherapie
des Kindes- und Jugendalters
Topic 3:
Wenn der Schmerz bei Kindern und
Jugendlichen zur Krankheit wird, …
… erschwert die emotionale Belastung der
Kinder den Therapieerfolg.
24.10.2016
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Abt. für Klinische Psychologie und Psychotherapie
des Kindes- und Jugendalters
Emotionale Belastung und Therapieerfolg (1)
 Einfluss der klinisch ausgeprägte Angstsymptomatik auf den
Therapieerfolg einer schmerzbezogenen kognitiv-behavioralen
Therapie bei Kindern und Jugendlichen
24.10.2016
19
Abt. für Klinische Psychologie und Psychotherapie
des Kindes- und Jugendalters
Umsetzung der Empfehlung
zur kognitiv-behavioralen
Therapie (CBT)
 Children with chronic pain
and clinical anxiety
−27% (N = 21) completed
CBT
 Children with chronic pain
and subclinical anxiety
−20% (N = 19) completed
CBT
Cunningham, N. et al. (2016), J Pediatrics
24.10.2016
20
Abt. für Klinische Psychologie und Psychotherapie
des Kindes- und Jugendalters
Einfluss der klinisch ausgeprägten Angstsymptomatik auf den
Therapieerfolg der schmerzbezogenen kognitiv-behavioralen Therapie
Cunningham, N. et al. (2016), J
Pediatrics.
Emotionale Belastung und Therapieerfolg (2)
 Einfluss der emotionalen Belastung auf den langfristigen
Therapieerfolg einer intensiven, interdisziplinären Schmerztherapie
24.10.2016
22
Abt. für Klinische Psychologie und Psychotherapie
des Kindes- und Jugendalters
Prospektive unkontrollierte Längsschnittstudie
Geheilt
PRÄ
Erstvorstellung
(cured)
Langfristig gebessert
POST3
3-Monats-Follow-up
(long-term improvers)
Kurzfristig gebessert
(short-term improvers)
Erfolglose Behandlung
POST12
12-Monats-Follow-up
(unsuccessful treatment)
24.10.2016
Hirschfeld, G., Hechler, T. et al. (2013), J Ped Psychol.
23
Abt. für Klinische Psychologie und Psychotherapie
des Kindes- und Jugendalters
Prospektive unkontrollierte Längsschnittstudie
Geheilt
53 (46%)
(cured)
Langfristig gebessert
16 (14%)
(long-term improvers)
Kurzfristig gebessert
22 (19%)
(short-term improvers)
Erfolglose Behandlung
POST3
3-Monats-Follow-up
POST12
12-Monats-Follow-up
25 (22%)
(unsuccessful treatment)
24.10.2016
PRÄ
Erstvorstellung
Hirschfeld, G., Hechler, T. et al. (2013), J Ped Psychol.
24
Abt. für Klinische Psychologie und Psychotherapie
des Kindes- und Jugendalters
Prospektive unkontrollierte
Längsschnittstudie
24.10.2016
25
Abt. für Klinische Psychologie und Psychotherapie
des Kindes- und Jugendalters
Prospektive unkontrollierte
Längsschnittstudie
Jugendliche, die sich (nur) kurzfristig
verbesserten, berichteten von mehr
depressiven und ängstlichen
Symptomen zu Therapiebeginn.
24.10.2016
26
Abt. für Klinische Psychologie und Psychotherapie
des Kindes- und Jugendalters
Zusammenfassung zu Topic 3:
Beeinflussung des Therapieerfolgs durch die emotionale Belastung
 Kinder mit chronischen Schmerzen und klinisch relevanter
Angstsymptomatik profitieren weniger von psychologischen
Interventionen (CBT).
 Kinder mit chronischen Schmerzen und emotionaler Belastung zu
Therapiebeginn zeigen einen schlechteren kurz- und langfristigen
Therapieerfolg nach erfolgter intensiver interdisziplinärer
Schmerztherapie.
24.10.2016
27
Abt. für Klinische Psychologie und Psychotherapie
des Kindes- und Jugendalters
Topic 4:
Wenn der Schmerz bei Kindern und Jugendlichen
zur Krankheit wird, …
… können u.a. Lernprozesse das gleichzeitige
Auftreten von chronischen Schmerzen und
emotionaler Belastung erklären.
24.10.2016
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Abt. für Klinische Psychologie und Psychotherapie
des Kindes- und Jugendalters
Ätiologisches Modell zur Angst vor Schmerzen:
Das Fear-Avoidance Modell von Vlaeyen und Linton (2000,2012)
Vlaeyen, J.W.S. & Linton, S.J. (2000), Pain.
Simons L.E. & Kaczynski, K.J. (2012), J Pain.
24.10.2016
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Abt. für Klinische Psychologie und Psychotherapie
des Kindes- und Jugendalters
Acquisition and extinction of pain-related fear
Vlaeyen, J.W.S. & Linton, S.J. (2012), Pain.
24.10.2016
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Abt. für Klinische Psychologie und Psychotherapie
des Kindes- und Jugendalters
Acquisition and extinction of pain-related fear
Vlaeyen, J.W.S. & Linton, S.J. (2012), Pain.
24.10.2016
31
Abt. für Klinische Psychologie und Psychotherapie
des Kindes- und Jugendalters
Erlernen von Angst durch Klassische Konditionierung
Angst
US
24.10.2016
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UR
Abt. für Klinische Psychologie und Psychotherapie
des Kindes- und Jugendalters
Erlernen von Angst durch Klassische Konditionierung
Angst
US
Externer
CS
UR
Angst
CS+
24.10.2016
US
33
CR
Abt. für Klinische Psychologie und Psychotherapie
des Kindes- und Jugendalters
Erlernen von Angst durch Interozeptive Angstkonditionierung
Angst
Zaman et al. (2016), Psychosom Med.
24.10.2016
34
Abt. für Klinische Psychologie und Psychotherapie
des Kindes- und Jugendalters
HE 5942/4-1
SCHN 415/5-1
Das Intero-Projekt
Angstreaktionen
von Jugendlichen mit chronischen Schmerzen und gesunden Jugendlichen
nach Provokation und Imagination von körpereigenen Empfindungen
24.10.2016
35
Abt. für Klinische Psychologie und Psychotherapie
des Kindes- und Jugendalters
Angstreaktionen bei Kindern mit chronischen Schmerzen nach
Konfrontation mit (harmlosen) körpereigenen Sensationen
24.10.2016
36
Abt. für Klinische Psychologie und Psychotherapie
des Kindes- und Jugendalters
HE 5942/4-1
SCHN 415/5-1
Angstreaktionen bei Kindern mit chronischen Schmerzen nach
Konfrontation mit (harmlosen) körpereigenen Sensationen
Angst
24.10.2016
37
Abt. für Klinische Psychologie und Psychotherapie
des Kindes- und Jugendalters
HE 5942/4-1
SCHN 415/5-1
Angstreaktionen bei Kindern mit chronischen Schmerzen nach
Konfrontation mit (harmlosen) körpereigenen Sensationen
Angst
Angst
24.10.2016
38
Abt. für Klinische Psychologie und Psychotherapie
des Kindes- und Jugendalters
?
HE 5942/4-1
SCHN 415/5-1
Angstreaktionen bei Kindern mit chronischen Schmerzen nach
Konfrontation mit körpereigenen Sensationen
Angst
Unsere Forschungsfrage:
Zeigen Kinder und Jugendliche mit chronischen
Schmerzen stärkere Angstreaktionen, wenn sie
mit körpereigenen Empfindungen proximal
versus distal zum Schmerzort konfrontiert
werden?
Angst
?
HE 5942/4-1
SCHN 415/5-1
Pilotprojekt INTERO: Provocation Study
 N = 20 Jugendliche mit chronischen Kopfschmerzen (Headache)
14.2 Jahre (SD = 2.0)
7 Jungen, 13 Mädchen
 N = 20 Jugendliche mit chronischen Bauchschmerzen (CAP)
15.0 Jahre (SD = 1.8)
4 Jungen, 16 Mädchen
24.10.2016
40
Abt. für Klinische Psychologie und Psychotherapie
des Kindes- und Jugendalters
HE 5942/4-1
SCHN 415/5-1
Wir bitten Sie, nach der gelben Folie Ihren Bauch anzuspannen.
Atmen Sie dabei normal weiter.
Es kann sein, dass diese Übung zu vorübergehenden
Empfindungen, wie z.B. Druck und Anspannungen im Bauch
führen. Diese werden vorbeigehen, sobald Sie die Übung beenden.
Halten Sie diese Spannung, solange wie Sie können.
Sind Sie bereit?
24.10.2016
41
Abt. für Klinische Psychologie und Psychotherapie
des Kindes- und Jugendalters
Spannen Sie bitte nach dieser Folie Ihren Bauch an.
24.10.2016
42
Abt. für Klinische Psychologie und Psychotherapie
des Kindes- und Jugendalters
24.10.2016
43
Abt. für Klinische Psychologie und Psychotherapie
des Kindes- und Jugendalters
 Wie stark war Ihre aktuelle Angst, als Sie den Bauch anspannen
sollten?
24.10.2016
44
Abt. für Klinische Psychologie und Psychotherapie
des Kindes- und Jugendalters
 Wie stark war Ihr Wunsch, die Situation zu verlassen, als Sie den
Bauch anspannen sollten?
24.10.2016
45
Abt. für Klinische Psychologie und Psychotherapie
des Kindes- und Jugendalters
Erste Ergebnisse - Provocation
Bauch anspannen: Tighten stomach task
Proximal: Jugendliche mit Bauchschmerzen
Distal:
Jugendliche mit Kopfschmerzen
Stirn runzeln: Frown task
Proximal: Jugendliche mit Kopfschmerzen
Distal:
Jugendliche mit Bauchschmerzen
24.10.2016
46
Abt. für Klinische Psychologie und Psychotherapie
des Kindes- und Jugendalters
HE 5942/4-1
SCHN 415/5-1
Erste Ergebnisse – Aktuelle Angst
24.10.2016
47
HE 5942/4-1
SCHN 415/5-1
Flack, F., Pané-Farré, C., Schaan, L.,
Zernikow, B. & Hechler, T.,
Abt. für Klinische Psychologie und Psychotherapie
J Ped Psychol, in revision.
des Kindes- und Jugendalters
Erste Ergebnisse – Wunsch, die Situation zu verlassen
24.10.2016
48
HE 5942/4-1
SCHN 415/5-1
Flack, F., Pané-Farré, C., Schaan, L.,
Zernikow, B. & Hechler, T.,
Abt. für Klinische Psychologie und Psychotherapie
J Ped Psychol, in revision.
des Kindes- und Jugendalters
Zusammenfassung zu Topic 4:
Lernprozesse und Angst bei Kindern mit chronischen Schmerzen
 Die Angst vor Schmerzen wird vermutlich durch interozeptive
Angstkonditionierung erworben.
 Jugendliche mit chronischen Bauchschmerzen berichten
Angstreaktionen, wenn sie mit zum Hauptschmerzort proximalen,
körpereigenen Empfindungen konfrontiert werden.
 Modifikation der Angstreaktionen…
24.10.2016
49
Abt. für Klinische Psychologie und Psychotherapie
des Kindes- und Jugendalters
Topic 5:
Wenn der Schmerz bei Kindern und Jugendlichen
zur Krankheit wird, …
… benötigen wir psychologische Interventionen
zur Modifikation des chronischen Schmerzes und
der emotionalen Belastung.
24.10.2016
50
Abt. für Klinische Psychologie und Psychotherapie
des Kindes- und Jugendalters
Behandlung der Angst vor Schmerzen:
Expositionstherapie
 Konfrontation mit angstauslösenden Reizen
 Interozeptive Exposition
−Konfrontation mit gefürchteten körpereigenen
Empfindungen
Craske, M.G. et al. (2008), Behav Res Ther.
Vlaeyen, J. W. S. & Linton, S. J. (2012), Pain.
De Peuter, S. et al. (2011), Eur J Pain.
24.10.2016
51
Abt. für Klinische Psychologie und Psychotherapie
des Kindes- und Jugendalters
Interozeptive Expositionsübungen bei Kindern und Erwachsenen mit
chronischen Schmerzen
 Hyperventilation
 Konfrontation mit körpereigenen Empfindungen
 Schmerzfokussierung
Craske, M.G. et al. (2011), Behav Res Ther.
Hechler, T. et al. (2010), Pain Med.
Flink, I.K. et al. (2009), Euro J Pain.
Nicholas, M.K. et al. (2013), Eur J Pain.
Ljotsson, B. et al. (2014), Behav Res Ther.
Wald, J. et al. (2010), Cogn Behav Ther.
Interozeptive Exposition für Kinder und Erwachsene mit chronischen
Schmerzen
 Wirksamkeit:
−6 Studien (3 randomisiert-kontrolliert)
− 1 Studie an Kindern mit chronischen
Schmerzen
−Uneinheitliche Befunde
Craske, M. G. et al. (2011), Behav Res Ther.
Hechler, T. et al. (2010), Pain Med.
Flink, I. K. et al. (2009), Behav Res Ther.
Nicholas, M.K. et al. (2013), Eur J Pain.
Ljotsson, B. et al. (2014), Behav Res Ther.
Wald, J. et al. (2010), Cogn Behav Ther.
24.10.2016
53
Abt. für Klinische Psychologie und Psychotherapie
des Kindes- und Jugendalters
Wissensstand zur Wirksamkeit der interozeptiven Exposition bei
Menschen mit chronischen Schmerzen
• Pubmed (21.10.2016): 9 Treffer
• N = 6 Therapiestudien
− Erwachsene
− n = 5 Studien
− n = 3 randomisiertkontrollierte Studien
− Kinder und Jugendliche
− n = 1 Studie
− Keine randomisiertkontrollierte Studie
24.10.2016
56
Abt. für Klinische Psychologie und Psychotherapie
des Kindes- und Jugendalters
Zusammenfassung zu Topic 5:
Psychologische Interventionen zur Behandlung chronischer
Schmerzen und emotionaler Belastung
 Die Angst vor Schmerzen kann vermutlich mit interozeptiven
Expositionsverfahren behandelt werden.
 Es fehlt bis dato noch an gut designten Therapiestudien.
24.10.2016
57
Abt. für Klinische Psychologie und Psychotherapie
des Kindes- und Jugendalters
Topic 6:
Wenn der Schmerz bei Kindern und
Jugendlichen zur Krankheit wird, …
… besteht aktuell eine Unterversorgung für
betroffene Kinder und Jugendliche.
24.10.2016
56
Abt. für Klinische Psychologie und Psychotherapie
des Kindes- und Jugendalters
Unterversorgung bei Erwachsenen mit chronischen Schmerzen
 Bis zu 60% der Schmerzpatienten erhalten keine adäquate
Schmerzbehandlung, die die gesamte biopsychosoziale Problematik
berücksichtigt.
Kieselbach, K. et al. (2016), Der Schmerz.
24.10.2016
57
Abt. für Klinische Psychologie und Psychotherapie
des Kindes- und Jugendalters
Schmerzpsychotherapeutische Versorgung von Erwachsenen mit
chronischen Schmerzen
 Befragung von N = 128 Psychotherapeut/innen
−N = 58 Studienstichprobe (Rücklauf: 45%)
 Bereitschaft zur Behandlung und Kooperation bezüglich Erwachsenen
mit chronischen Schmerzen?
−N = 40 (69%) kooperationsbereit
−N = 26 (45%) Erfahrung mit spezieller Schmerzpsychotherapie
 Anzahl Psychologischer Psychotherapeut/innen mit
Zusatzqualifikation (Stand: April 2016)
Pfingsten, M. & Nilges, P. (2007), Report Psychologie, S. 118.
−N = 260
Persönliche Kommunikation mit Prof. Dr. M. Hüppe.
24.10.2016
58
Abt. für Klinische Psychologie und Psychotherapie
des Kindes- und Jugendalters
Schmerzpsychotherapeutische Versorgung von Kindern und
Jugendlichen mit chronischen Schmerzen
24.10.2016
59
Abt. für Klinische Psychologie und Psychotherapie
des Kindes- und Jugendalters
Probleme in der psychotherapeutischen Versorgung von Kindern und
Jugendlichen mit chronischen Schmerzen
 Langer Weg bis zur angemessenen Therapie
 Probleme in der Umsetzung von Empfehlungen zur ambulanten
Psychotherapie
 Mangel an Ausbildungs- und Weiterbildungsangeboten
24.10.2016
60
Abt. für Klinische Psychologie und Psychotherapie
des Kindes- und Jugendalters
Langer Weg bis zur angemessenen Therapie am Beispiel der
spezialisierten interdisziplinäre Schmerztherapie
Zernikow, B. et al. (2012), BMC Pediatrics.
Langer Weg bis zur angemessenen Therapie am Beispiel der
spezialisierten interdisziplinäre Schmerztherapie
 Durchschnittliche Dauer
der Schmerzerkrankung
VOR spezialisierter
Schmerztherapie: 31
Monate
 Je älter die Kinder, desto
länger die Schmerzdauer
VOR der Behandlung
Zernikow, B. et al. (2012), BMC Pediatrics.
Probleme in der Umsetzung von Empfehlungen zur ambulanten
Psychotherapie
Barth, F. et al. (2016), Der Schmerz.
Probleme in der Umsetzung von Empfehlungen zur ambulanten
Psychotherapie
Barth, F. et al. (2016), Der Schmerz.
Probleme in der Umsetzung von Empfehlungen zur ambulanten
Psychotherapie
40% der Kinder erhielten die
Empfehlung einer ambulanten
Psychotherapie; lediglich die Hälfte
setzte diese Empfehlung
um.
65
Barth, F. et al. (2016), Der Schmerz.
Umsetzung der Empfehlung
zur kognitiv-behavioralen
Therapie (CBT)
 Children with chronic pain
and clinical anxiety
−27% (N = 21) completed
CBT
 Children with chronic pain
and subclinical anxiety
−20% (N = 19) completed
CBT
Cunningham, N. et al. (2016), J Pediatrics
24.10.2016
67
Abt. für Klinische Psychologie und Psychotherapie
des Kindes- und Jugendalters
2 Fragen an Sie:
1. Wie viele von Ihnen behandeln Kinder und Jugendliche mit
chronischen Schmerzen?
2. Wie viele von Ihnen haben sich auf die Behandlung von Kindern
und Jugendlichen mit chronischen Schmerzen spezialisiert?
24.10.2016
67
Abt. für Klinische Psychologie und Psychotherapie
des Kindes- und Jugendalters
Optimierung der psychotherapeutischen Versorgung:
Erste Schritte
 Universitäre Ausbildung
−Lehrangebote an Universitäten
 Psychologische Forschung
−Ätiologie, Diagnostik und Interventionen für Kinder,
Jugendliche und deren Familien
24.10.2016
68
Abt. für Klinische Psychologie und Psychotherapie
des Kindes- und Jugendalters
Optimierung der psychotherapeutischen Versorgung:
Erste Schritte
 Weiterbildungsangebote
 12. Jahreskongress Psychotherapie in Bochum
− Workshops am Sonntag (23.10.2016)
− Frau R. Künzel und Frau Dr. J. Wager: „Chronische Schmerzen
im Kindes- und Jugendalter“
− Frau Dr. J. Frettlöh: „Psychologische Behandlung von
chronischen Schmerzpatienten“
 Dattelner Kinderschmerztage:
− 16. – 18.03.2017, Recklinghausen
 Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Psychologische
Schmerzforschung (DGPSF):
− 12. – 13.05.2017, Hannover
24.10.2016
69
Abt. für Klinische Psychologie und Psychotherapie
des Kindes- und Jugendalters
Optimierung der psychotherapeutischen Versorgung:
Erste Schritte
 Zusatzqualifikation Psychologische
Schmerzpsychotherapie der Deutschen Gesellschaft für
Psychologische Schmerzforschung (DGPSF)
 www.dgpsf.de
24.10.2016
70
Abt. für Klinische Psychologie und Psychotherapie
des Kindes- und Jugendalters
Drei Take-Home messages
1. Chronische Schmerzen sind eine häufige (psychische) Erkrankung bei
Kindern und Jugendlichen (5%). Bei etwa 20-30% der Betroffenen zeigt
sich eine ausgeprägte emotionale Belastung, die den Therapieerfolg
ungünstig beeinflussen kann.
2. In der Behandlung von diesen Kindern und Jugendlichen spielen
psychologische Interventionen eine zentrale Rolle. Insbesondere
spezifische Interventionen, wie die interozeptive Exposition, erscheinen
vielversprechend, bedürfen aber weiterer Forschung.
3. Eine grundlagen- und anwendungsorientierte Forschung und eine
angemessene Aus- und Weiterbildung sind dringend erforderlich, um die
psychotherapeutische Versorgung betroffener Kinder, Jugendlicher und
deren Familien zu optimieren.
24.10.2016
70
Abt. für Klinische Psychologie und Psychotherapie
des Kindes- und Jugendalters
Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!
Kontakt: Prof. Dr. T. Hechler; Email: [email protected]
24.10.2016
72
Abt. für Klinische Psychologie und Psychotherapie
des Kindes- und Jugendalters
Literaturverzeichnis
 Bailey, K. M. et al. (2010), Cog Behav Ther.
 Barth, F. et al. (2016), Der Schmerz.
 Craske, M. G. et al. (2008), Behav Res Ther.
 Craske, M. et al. (2011), Behav Res Ther.
 Cunningham, N. R., et al. (2016), J Pediatrics.
 Dobe, M. & Zernikow, B. (Eds.). (2012), Therapie von
Schmerzstörungen im Kindes-und Jugendalter: ein Manual für
Psychotherapeuten, Ärzte und Pflegepersonal, (S. 72-176, 199-208).
Springer-Verlag.
 Flor, H. (2016), Chronische Schmerzsyndrome, In: Ehlert, U. (Hrsg.),
Verhaltensmedizin (S. 113-138), Springer-Verlag.
24.10.2016
73
Abt. für Klinische Psychologie und Psychotherapie
des Kindes- und Jugendalters
Literaturverzeichnis
 Flack, F. et al. (in revision), J Ped Psychol.
 Flink, I. et al. (2009), Behav Res Ther.
 Gerlach, A.L. & Neudeck, P. (2012), In: Exposure Therapy, pp. 194,
Springer New York.
 Hechler, T. et al. (2008), Der Schmerz.
 Hechler, T. et al. (2010), Pain Med., 11, 897-910.
 Hirschfeld, G. Hechler, T. et al. (2013), J Ped Psychol.
 Huguet, A. & Miro, J. (2008), J Pain, 9(3):226-36.
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24.10.2016
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Abt. für Klinische Psychologie und Psychotherapie
des Kindes- und Jugendalters
Interozeptive Exposition
 „Interoceptive exposure is an established and
valuable tool in treating fear of bodily symptoms and
should therefore be considered as the treatment of
choice whenever fear of bodily symptoms is a
relevant aspect of a psychological disorder.“
Gerlach & Neudeck (2012). In: Exposure Therapy, S 194.
24.10.2016
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des Kindes- und Jugendalters
Akuter versus chronischer Schmerz
Kröner-Herwig, B. (2011), In Kröner-Herwig, B. et al. (Hrsg.), Schmerzpsychotherapie, S. 3-13.
Definition Schmerz
 Schmerz ist ein unangenehmes Sinnesgefühl oder
Gefühlserlebnis, das mit tatsächlicher oder drohender
Gewebeschädigung einhergeht oder von Betroffenen
so beschrieben wird, als wäre eine solche
Gewebeschädigung die Ursache.
Merskey, H. & Bogduk, N., IASP Press, 1994.
24. Oktober 2016
 „Die psychologischen Interventionen gehen dabei über eine bloße
Verbesserung der Schmerzbewältigung hinaus. Der Begriff
Schmerzbewältigung impliziert die Veränderung kognitiver,
emotionaler und Verhaltensstrategien, damit Patientinnen ihre
Schmerzen besser ertragen können. Dabei schwingt die Annahme mit,
dass die eigentlich körperlichen Ursachen der Schmerzen unverändert
bleiben. Eine solche Sichtweise greift zu kurz. […] Psychische Prozesse
beeinflussen direkt das Zustandekommen des Schmerzerlebens, daher
führt deren Beeinflussung auch direkt zu einer Beeinflussung des
Schmerzes selbst.“
Pfingsten, M. & Nilges, P. (2007), Report Psychologie, S. 118.
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