Warum wir was essen - Wiener Gesundheitsförderung

Werbung
Ernährungstrends im Fokus – Clean Eating bis Superfood
Miteinander schmeckt’s besser: Kochen verbindet
HERBST 2016
Qualitätsgesicherte Angebote für Schulen
Verlagsort: 1110 Wien › P. b. b. › 10Z038444M
Gesunde Stadt
DAS MAGAZIN DER WIENER GESUNDHEITSFÖRDERUNG
Gesunde Ernährung:
Warum wir
was essen
GS_24_01_cover_kk.indd 1
24.08.16 11:11
Inserat Spektakel:Layout 1
16.11.2010
17:17 Uhr
Seite 3
……
GE GE GE GE
SU SU SU SU
ND ND ND ND
ER ES ER ES
KI GR BE AL
N
T
T
Ä
GE DE TZ RI ER
SU RG EL EB N
ND AR
GE G
T
E
SU ES S K EN
SE ND UN RA
LB E DE NK
ST FR
SC EN
HI EI
H
H
…… LFE ZEI ULE AUS
T
DIE WIENER GESUNDHEITSFÖRDERUNG:
FÜR EIN GESUNDES LEBEN IN EINER GESUNDEN STADT.
_U2_Gesundheitsfoerderung.indd
GS_02_03_edi_ihv_v1_kk.indd
2 1
GS_02_03_k.indd 2
06.12.11
11:22
12.12.11
24.08.16 13:56
11:01
LIEBE LESERIN,
LIEBER LESER!
Seite 12: Ernährungstrends unter der
Lupe: von Clean Eating bis Vegan
G
E
T
E
S
emeinsam kochen, mit der Familie am Tisch sitzen und das Essen
genießen. Zeit mit unseren Lieben
verbringen, reden, zuhören und lachen.
Der Alltag sieht oft anders aus. Wenn
der Fernseher läuft oder das Handy
bimmelt, wird Essen zur Nebensache.
Dabei sollte es nicht einfach nur Nahrungsaufnahme sein, sondern auch den
Zusammenhalt stärken. Die Wochen­
enden lassen sich gut nutzen, um die
Familie am Frühstückstisch zu vereinen und mit frischen Nahrungsmitteln
zu verwöhnen. In Wien haben wir das
Glück, aus hochwertigen Lebensmitteln wählen zu können. Trotzdem steigt
der Anteil der KonsumentInnen, die
Fertigprodukte bevorzugen. Andere
können sich nicht alle Lebensmittel
leisten, die sie brauchen. Denn auch in
Österreich gibt es Ernährungsarmut.
INHALT
04Shortcuts
„Gesunde Plätze“,
25 Jahre Suchthilfe und
Monat der SeniorInnen
07Umfrage
Was verstehen Sie
Manche Menschen verzichten auch
bewusst auf bestimmte Lebensmittel –
zum Beispiel, um ihrer Gesundheit
­etwas Gutes zu tun, um abzunehmen
oder aus ethischen Gründen. Immer
wieder entwickeln sich neue Ernährungstrends: von Clean Eating über Superfood bis hin zu veganer Ernährung.
Rund um die Ernährung gibt es auch
viele Mythen. Welche stimmen? Wir
haben einige unter die Lupe genommen.
Seite 16: Gemeinsam
kochen stärkt Körper und Seele.
unter Esskultur?
08
Essen zwischen Extremen
Vielfalt ist der Trend
der Zukunft.
11Service
Buchtipps, Websites und
16Esskultur
Was wir essen – und mit wem –,
hängt mit unserer Herkunft
zusammen.
18
Angebote rund ums Essen
…
Außerdem stellen wir Ihnen das Projekt
„Papa macht mit“ vor. Hier stehen Aktivitäten von Vätern und Kindern im Mittelpunkt, um deren Verbindung und Gesundheitsbewusstsein zu stärken. Mit
den „Gesunden Angeboten für Schulen!“
können Schulen aus qualitätsgesicherten Angeboten wählen, um den Schulalltag noch gesünder zu machen.
12
13
Viel Freude und Abwechslung
beim Lesen! Für ein gesundes Leben
in einer gesunden Stadt.
Dennis Beck
Geschäftsführer
Wiener Gesundheitsförderung – WiG
Fotos: Getty Images, Ulrich Sperl
T.
14
15
Clean Eating
Natürlichkeit und der Verzicht
auf Zusatzstoffe machen
Ernährung „clean“.
20
Aus den Bezirken
Nähworkshops, Bewegte Pause
und Jugendgesundheitskonferenz in Floridsdorf
Papa macht mit
Väter mixen mit ihren
Kindern Smoothies und
bauen Lego-Häuser.
Heimisches Superfood
Heidelbeeren und Leinsamen
haben „Superkräfte“.
21
Vegane Ernährung
Was ist bei einer Ernährung
ganz ohne tierische
Lebensmittel zu beachten?
22Termine
Freiwilligenmesse, 7. Wiener
Stimmt das denn?
Wir glauben den Food News –
auch wenn sie nicht immer
stimmen.
Gesund in der Schule
Unterricht für ein
gesundes Leben
Augentag und fem vital
23
Dieter Chmelar
Mann, Mensch und Feminist!
3
11:22
13:56
GS_02_03_k.indd 3
25.08.16 11:07
Workshops
psychische
Erkrankungen
SELBSTHILFE & EMPOWERMENT
D
ie pro mente Akademie bietet
noch bis Jänner 2017 eine kos­
tenfreie Vortragsreihe, die sich
­speziell an Menschen mit psychischen
­Erkrankungen richtet. Insgesamt um­
fasst die Vortragsreihe vier Informati­
onsblöcke mit jeweils vier WorkshopAngeboten, die unabhängig voneinan­
der besucht werden können. Für jeden
Workshop stehen zwei unterschiedli­
che Termine zur Verfügung.
Stadträtin Sonja Wehsely hebt bei der
Festveranstaltung die Bedeutung der Suchthilfe hervor.
25 Jahre Suchthilfe
GESUNDE STADT
V
or 25 Jahren wurde mit der Grün­
dung des Vereins Wiener Sozial­
projekte (heute Suchthilfe Wien)
ein Grundstein für die Unterstützung
suchtkranker Menschen gesetzt. Ein
Schwerpunkt war, für die Betroffenen
die negativen Folgen des Drogenkon­
sums auf sozialer, psychischer und phy­
sischer Ebene so weit wie möglich zu
verhindern. „Seit Jahrzehnten geht die
Stadt Wien den Weg der sozialen Integ­
ration suchtkranker Menschen“, betont
Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely.
„Von größter Bedeutung sind bei der Ver­
sorgung suchtkranker Menschen die
niedrigschwelligen und schadensmini­
mierenden Angebote der Suchthilfe.“
Betreuung und Beratung. Das Ange­
bot umfasst u. a. Vorsorgemaßnahmen
Selbsthilfe. Behandelt werden dabei
Themen wie „Selbstbewusster Um­
gang mit der eigenen Erkrankung“,
„Selbstmedikation versus ärztliche
Verschreibung“, „Welche Gesund­
­
heitsleistungen bekomme ich wo und
wie?“ oder „Wann ist eine PatientIn­
nenverfügung angebracht oder not­
wendig?“ Die ReferentInnen sind Psy­
chologInnen, AtemtherapeutInnen,
Lebens- und SozialberaterInnen sowie
Psychothe­
rapeutInnen und Persön­
lichkeitstrainerInnen. Das Projekt
wird von der WiG gefördert und aus
Mitteln des Landesgesundheitsförde­
rungsfonds finanziert.
sowie die Beratung und Betreuung von
suchtgefährdeten und suchtkranken
Menschen. Die Suchthilfe Wien be­
„Die Stadt Wien geht seit
Jahrzehnten konsequent
den Weg der sozialen
Integration suchtkranker
Menschen.“
Sonja Wehsely, Stadträtin
für Gesundheit, Soziales
und Generationen
treibt die Einrichtungen jedmayer mit
ambulatorium, change, streetwork, fix
und fertig, checkit!, das regionale
Kompetenzzentrum sowie sam und
help U im öffentlichen Raum.
www.suchthilfe.wien
pro mente Akademie: 4., Grüngasse 1A,
www.promente-wien.at
•
•
Fotos: Tanja Messner, Peter Rigaud, Getty Images, Bohmann/Iza Idziak, Andrew Rinkhy
Fit und aktiv älter werden
GESUNDES ALTERN
I
n Wien leben 304.000 Menschen, die cher in Wien“ sowie „Gut gepflegt und
älter als 65 Jahre, aber dennoch sehr betreut“. Die Veranstaltungen laden
aktiv sind. Beim „Monat der Senio­ ein, sich zu informieren, auszuprobie­
rInnen“ erfahren sie von 15. September ren bzw. mitzumachen. Wie zum
bis 15. Oktober bei Hunderten – groß­ Beispiel, wenn AustronautInnen Seni­
teils kostenlosen – Veranstaltungen, orInnen treffen (5. 10.), beim Rad­
was die Bundeshauptstadt und ihre fahrtraining (22. 9.) oder beim Gue­
Partnerorganisationen zu bieten ha­ rilla-Kochen (5. 10.): Jede/-r bringt
ben. Schwerpunkte diesmal: „Fit und Küchenschätze mit, gemeinsam wird
gesund“, „Geistig fit“, „Freiwillig enga­ ein Überraschungsessen gezaubert.
giert“, „Kunst und Kultur“, „Gesellige Infos im SeniorInnenbüro: Tel. 01/4000Grätzel“, „Sorgenfrei wohnen“, „Si­ 8580, www.senior-in-wien.at
•
4
GS_04_05_shortcuts_kk.indd 4
25.08.16 11:07
Neue Website bei
Depressionen
Gesunde Wegweiser
durch sieben Bezirke
GESUNDE STADT
GESUNDER BEZIRK
Z
R
Information für alle. „Wir wollen
dazu beitragen, Ängste und Unsicherheiten zu reduzieren“, sagt Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely. Fit mach mit. Wer sich über die
gesunde Seite seines Bezirkes informieren will, kann das mit den Plänen
„Gesunde Plätze“ der Wiener Gesundheitsförderung tun. Für die Bezirke
2, 5, 10, 16, 20, 21 und 22 gibt es die
Pläne mit allen Angeboten. Gesund-
umindest jede/-r Fünfte erkrankt
im Laufe seines Lebens an Depressionen. Circa 16 Prozent der
ÖsterreicherInnen leiden an Angststörungen. Obwohl psychische Erkrankungen genauso alltäglich sind wie
körperliche, sehen sich Erkrankte häufig mit Vorurteilen und Unverständnis
konfrontiert. Scham hindert Betroffene daran, sich frühzeitig Hilfe zu
­suchen. Nur ein Bruchteil wird angemessen behandelt. Die neue Website
psychische-hilfe.wien.at soll WienerInnen über Symptome, Verlauf und
Behandlung informieren.
Sozialpsychiatrischer Notdienst:
Telefon 01/313 30,
psychische-hilfe.wien.at
•
ein ins kühle Nass im Floridsdorfer Bad. Das Rückenfit-Programm
im ASKÖ Bewegungscenter nutzen oder im Bewegungspark am Anningerweg schwitzen. Die Hindernisbahn
im Indoorspielplatz in Ottakring bewältigen oder im Augarten laufen und
entspannen. „Gesundheit hat viele
Gesichter. Und ebenso vielfältig sind
die Angebote, wie man in Wien mehr
für seine Gesundheit tun kann“, sagt
Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely.
heitspläne für den 6. und 15. Bezirk
erscheinen im Herbst. WiG: Telefon 01/4000-76924,
[email protected], www.wig.or.at
•
Theater um die gesunden Zähne
GESUNDE SCHULE
Fotos: Tanja Messner, Peter Rigaud, Getty Images, Bohmann/Iza Idziak, Andrew Rinkhy
W
er wohl diesmal gewinnen wird Zahntheater-Sponsor Colgate-Palmo- Wiener Kindergärten und Schulen. Das
– Kariesbakterie oder Zahn- live. „Deshalb wird es von den Schüle- Programm wird aus den Mitteln des
bürste? Seit Beginn des Schul- rInnen gerne angenommen.“ Das Landesgesundheitsförderungsfonds fijahres 2015/16 führt das Zahntheater Zahntheater ist Teil von „Tipptopp. nanziert. Interessierte Schulen können
sein bereits zweites Stück „Im Mund ­Gesund im Mund und rundherum“, das Zahntheater kostenlos ­einladen.
geht’s rund – Supergesund!“ auch in dem Mundgesundheitsprogramm der www.tipptopp.wien/zahntheater
Wiener Mittelschulen auf. „Das Theaterstück ist auf SchülerInnen von zehn
bis zwölf Jahren zugeschnitten“, sagt
Doris Formann vom Verein für Prophylaktische Gesundheitsarbeit. „Wenn
wir junge Menschen für Mundgesundheit sensibilisieren wollen, müssen wir
es schaffen, dass sie uns gerne zuhören“, bringt es Dennis Beck, Geschäftsführer der WiG, auf den Punkt. „Deshalb gibt es jede Menge zu lachen und
eine spannende Geschichte.“
•
Lachen und lernen. „Beim ­Zahntheater
ersetzen Humor und jugendgerechte
Sprache den erhobenen Zeigefinger“,
so Ulrich Gröger, Geschäftsführer von
gesunde stadt – herbst 2016
GS_04_05_shortcuts_kk.indd 5
Jetzt auch in Wiener Mittelschulen
– das Zahntheater mit neuem Stück
25.08.16 11:08
Jubiläum für die
Menschlichkeit
SELBSTHILFE & EMPOWERMENT
Z
um zehnten Mal findet heuer die
Messe „JedeR für JedeN“ im Rat­
haus statt. Zu dieser Veranstal­
tung speziell für Menschen mit Behin­
derungen sind am 20. November 2016
auch Angehörige und Interessierte
­eingeladen, um das Miteinander von
Menschen mit und ohne Behinderung
weiter zu verbessern.
Preisverleihung. Auf die BesucherIn­
nen wartet ein abwechslungsreiches
Programm mit Vorträgen und Diskussi­
onen. Selbsthilfegruppen und Behin­
dertenorganisationen stellen ihre Ange­
bote vor. Höhepunkt ist die Verleihung
des Preises der Menschlichkeit, der alle
zwei Jahre für besonderen ehrenamtli­
chen Einsatz vergeben wird.
Rathaus: 20. November, 10–17 Uhr
•
Die Treffen starten meist mit
einem entspannten Spaziergang.
Gemeinsam neue Wege gehen
GESUNDES ALTERN
E
in Leben lang stand für die meis­
ten Menschen die tägliche Arbeit
im Mittelpunkt. Die Aussicht auf
die Pension war in weiter Ferne. Wenn
es dann so weit ist, stellen sich viele die
Frage: Was tue ich mit der neu gewon­
nenen Freizeit? Und weiter: Wie ruhig
soll mein Ruhestand denn tatsächlich
werden? Was habe ich noch vor?
ausgetauscht sowie Gemeinsamkeiten
und Eigenschaften, die einander er­
gänzen, gefunden. Zusammen gehen
dann ehemalige Angestellte, Arbeite­
rInnen oder FreelancerInnen der Frage
nach, was sie vorhaben und wie sie
ihre ­Pension sinnvoll nutzen wollen.
Unterstützung erhalten sie dabei von
erfahrenen TrainerInnen.
Pension sinnvoll nutzen. Seit 2015 Die nächsten Termine. „LebensEr­
werden die WienerInnen mit einem fahren“ findet im Herbst 2016 in
Projekt der Wiener Gesundheitsförde­ ­Meidling und Floridsdorf statt. Inte­
rung dabei unterstützt. Bei „Lebens­ ressierte können sich noch bis 20. Sep­
Erfahren: Abenteuer Pension – Ge­ tember 2016 beim Nachbarschafts­
meinsam neue Wege gehen“ treffen zentrum Meidling (1. Treffen am
einander Menschen in genau dieser 27. September, von 9–12 Uhr) und bis
­Situation und starten gemeinsam in 29. September 2016 bei der VHS Flo­
den neuen Lebensabschnitt. Bei Spa­ ridsdorf (1. Treffen am 6. Oktober, von
ziergängen werden Erfahrungen, 9–12 Uhr) anmelden.
Kenntnisse, Talente und Interessen www.wig.or.at
•
Stadträtin Sonja Wehsely und WiG-Geschäfts­
führer Dennis Beck gratulierten den Preisträge­
rInnen des Preises der Menschlichkeit 2014.
„Leb’ dein Leben. Ohne Rauch.“
D
ie Tabakspräventionsinitiative
für Kinder und Jugendliche „Leb’
dein Leben. Ohne Rauch. YOLO!“
geht bereits in die zweite Runde und
passt sich den Interessen der zehn- bis
14-Jährigen an: Gemeinsam mit der
ARGE Suchtvorbeugung entwickelte
der Fonds Gesundes Österreich eine
neue YOLO-Quizz-App mit Fragen
rund ums Thema Nichtrauchen. „Ta­
bakprävention für Kinder und Jugend­
liche findet heute auch in den sozialen
Medien und am Handy statt“, ist Ge­
sundheitsministerin Sabine Oberhau­
ser überzeugt. Die App zeigt, dass The­
men wie Nichtrauchen und Gesundheit
spannend verpackt sein können: Wer
weiß mehr darüber? Wer sammelt
mehr Punkte und steigt im Ranking
auf ? Wer fordert auf Facebook & Co
mehr FreundInnen zum Yolo-QuizzDuell heraus?
Klassenwettbewerb. Zusätzlich kön­
nen die Kids beim Klassenwettbewerb
500 Euro pro Bundesland für die Klas­
senkasse gewinnen (Foto links). www.yolo.at
•
Fotos: Andrew Rinkhy (2), Hannes Winkler, Katrin Bruder (5)
GESUNDE FREIZEIT
6
GS_06_07_umfrage_kk.indd 6
24.08.16 11:04
„Als Mutter von vier Kindern bin ich sehr streng. Esskultur war mir von
Anfang an sehr wichtig. Ein bis zwei Mal am Tag wird gemeinsam am
gedeckten Tisch gegessen. Alles wird frisch zubereitet, es gibt keine
Packerl, Gläser oder Fertiggerichte. Am Tisch gibt es kein Handy und
es wird auch nicht ferngeschaut. Es soll eine Kultur herrschen, wo
miteinander geredet wird. Eine Zeit für die Familie.“
Susanne Winterleitner, 44 Jahre
SCHWERPUNKTTHEMA GESUNDE ERNÄHRUNG
Was verstehen Sie
unter Esskultur?
UMFRAGE IN DER MEIDLINGER HAUPTSTRASSE
Marion Pruckner
„Beim Frühstücken les’ ich immer Zeitung und nehm’ mir eine
halbe Stunde Zeit. Am Abend soll man ja zeitig und so wenig
wie möglich essen, daran versuche ich mich zu halten.“
Juancko Sales, 42 Jahre
Fotos: Andrew Rinkhy (2), Hannes Winkler, Katrin Bruder (5)
„Ich bin ein Genussmensch. Mir ist wichtig, am Tisch zu sitzen,
das Essen als Hauptaktion zu betrachten und mir Zeit zum
Genießen zu nehmen, egal ob zu Hause oder in einem Restaurant.“
Lea Sophie Stams, 19 Jahre
„Fürs Kochen und Tischdecken nehm’ ich mir genauso
Zeit wie fürs Essen selbst.
Am Morgen frühstücke ich
mit laufendem Fernseher,
damit ich Geräusche habe.“
Theresia Schlemmer, 81 Jahre
„Esskultur bedeutet für unsere Familie, abends
gemeinsam zu kochen, zu essen und zu reden.“
Oktay Günes, 37 Jahre, Rabiye Günes, 80 Jahre
7
GS_06_07_umfrage_kk.indd 7
24.08.16 11:04
Fotos: Stefan Fürtbauer, TU-München
Lieblingsessen?
Für die meisten
Österreicher­In­
nen sind das
Spaghetti.
8
GS_08_11_thema_service_kk.indd 8
24.08.16 11:05
SCHWERPUNKTTHEMA GESUNDE ERNÄHRUNG
Essen: Zwischen
Religion & Ignoranz
KOHLENHYDRATE, EIWEISS, FETT – ERNÄHRUNG IST EINFACH. IMMER NEUE
THEORIEN ZEIGEN ABER UNZÄHLIGE ALTERNATIVEN. IM TREND: VEGANE EIER,
PERSONALISIERTE DIÄTEN UND MEHR BIO. Christine Oberdorfer
Fotos: Stefan Fürtbauer, TU-München
G
enuss dauert 66 Minuten. nis, mit jedem Artikel und jeder StuDiese Zeit wenden die Ös- die zum Thema Ernährung tragen wir
terreicherInnen im Schnitt zur Verunsicherung bei. Wir produzietäglich für ihre drei Haupt- ren IgnorantInnen, die nach einer
mahlzeiten auf. „Gut essen“ möglichst einfachen Lösung für das
gehört laut einer Studie des ,Ernährungsproblem‘ suchen.“ StichLebensministeriums für mehr als wort „Personalisierte Ernährung“: In
drei Viertel der Menschen zu ihrem
­Lebensstil dazu. Und auch wenn die
„Mit immer mehr neuen
meisten ÖsterreicherInnen grundsätzErkenntnissen zur Ernährung
lich Hausmannskost ­bevorzugen – unproduzieren wir IgnorantInangefochtenes Lieblingsessen sind
nen, die nach unkomplizierSpaghetti. Für 31 Prozent der Befragten Lösungen suchen.“
ten steht beim Essen der Genuss im
Hannelore Daniel,
Vordergrund, 30 Prozent geht es eher
Ernährungsphysiologin
ums Sattwerden. 16 Prozent achten auf
TU München
die gesundheitliche Komponente und
sind auch bereit, auf gewisse Lebens- ihrem aktuellen Forschungsprojekt
mittel zu verzichten. Der „Fertigpa- mit 1.600 TeilnehmerInnen aus ganz
ckerl-Typ“ – 23 Prozent – liebt es be- Europa erforscht Daniel den Zusamquem und möchte möglichst wenig menhang zwischen DNA und der Ernährung. Erste Erkenntnisse zeigen:
Arbeit mit dem Essen haben.
Abhängig von ihren genetischen
Vielfalt ist die Zukunft. Einen Trend Merkmalen reagieren Menschen unin Sachen Ernährung quer durch alle terschiedlich auf Lebensmittel. Und:
Bevölkerungsschichten kann Hanne- Der Erfolg einer Ernährungsumstellore Daniel, Leiterin des Instituts für lung ist größer, wenn der Diätplan inErnährungsphysiologie an der Techni- dividuell zusammengestellt und inschen Universität München, nicht tensiv begleitet wird.
feststellen. „Wir erleben Pluralismus
pur. Für manche Menschen ersetzt Er- Spezialisierung. Dienstleistungen
nährung eine Religion, für andere ist rund ums Thema Ernährung sind bees nur ein Mittel zum Zweck.“ Die Viel- liebt. Kochkisten, die an die Haustür
falt an unterschiedlichen Ernährungs- geliefert werden, personalisierte Diätformen ist so groß wie nie. Daniel: pläne, Ernährungsberatungen und
„Selbst ich tu mir schwer, bei den vie- Lieferservices für alle Bedürfnisse
len Trends und Studien den Überblick boomen. „Die Leute möchten einen
zu behalten. Mit jeder neuen Erkennt- exakten Menüplan, um alles richtig zu
gesunde stadt – herbst 2016
GS_08_11_thema_service_kk.indd 9
machen. Sie wollen für sich wissen,
was am besten ist – und den Rest der
Ernährungskakofonie ausblenden“,
sagt Daniel. Eine Geschäftsidee, um
der verwirrenden Supermarkt-Vielfalt
zu entgehen: Eine Billig-Fluglinie hat
den EasyFoodstore entwickelt. In den
Regalen stehen exakt 76 Konservenund Trockenprodukte. So wird das
Einkaufen günstig und „easy“. Was
nämlich die meisten der aktuellen Ernährungstrends – von raw-vegan über
Clean Eating bis zu Superfood – gemeinsam haben: Sie sind kostspielig.
Für Menschen mit wenig Einkommen
ist eine derartige Spezialisierung
kaum möglich. Und – wie für alle anderen übrigens auch – gar nicht nötig.
Die Ernährungspyramide gibt vor, was
der Körper braucht, jeden Tag viel
Wasser, Obst und Gemüse. Vier Portionen Getreide und Kartoffeln füllen die
Kohlenhydrat­speicher auf. Milch, Käse
und Joghurt kommen drei Mal am Tag
auf den Tisch. Fisch, Fleisch, Wurst
und Eier sind wichtig für die Eiweißversorgung – aber in ­Maßen. Sparsam
umgehen sollte man mit Butter und Öl.
Eis und Pommes stehen selten auf dem
Speiseplan.
Nachhaltig einkaufen. Ein Leitmotiv
von Ernährung kann sein, dem Körper
Gutes zu tun, ihn gesund zu halten.
Dazu kommt ein ethischer Aspekt.
Was mute ich der Umwelt zu, wenn ich
im Jänner Erdbeeren esse und meine
Milch und mein Schnitzel zu einem
9
24.08.16 11:05
möglichst günstigen Preis kaufen will?
Sich regional und saisonal zu ernähren,
ist ein Ansatz. Bioprodukte, auch wenn
sie fast immer teurer sind als her­
kömmlich produzierte Lebensmittel,
sind eine weitere Möglichkeit. Die
Marktanalyse RollAMA zeigt, dass Bio­
lebensmittel in Österreich beliebt sind.
2015 stiegen die Ausgaben dafür weiter
– in den letzten fünf Jahren um ins­
gesamt 29 Prozent. 120 Euro gibt ein
durchschnittlicher Haushalt pro Jahr
für Lebensmittel aus biologischer
Landwirtschaft aus, am meisten für
Eier. 234 Eier verzehrt jede/-r von uns
im Jahr. Weltweit kommen im Jahr 66
Millionen Tonnen Eier auf den Markt.
Vegane Alternativen sind gefragt. Und
auch wenn vielen Menschen der Ge­
danke an künstlich hergestellte Le­
bensmittel nicht zusagt: Schon heute
ist es möglich, Fleisch oder Käse syn­
thetisch herzustellen. „Warum nicht?“,
fragt Hannelore Daniel. Als Beispiel
nennt sie „Beyond Egg“ – das „bessere“
Ei mit Zusatzfunktionen. Das amerika­
nische Unternehmen mit Sitz in San
400 ehrenamtliche HelferInnen
sind für die Wiener Tafel aktiv.
Francisco produziert vegane Eier aus
Erbsen und Bohnen. In den USA ist
das Produkt bereits erhältlich. Der Ge­
schmack soll überzeugen, die Produk­
tion soll günstiger und ökologisch
sinnvoller sein als bei echten Eiern.
„Ernährungssouveränität ist wichtig.
Wir bevormunden niemanden, was sie
oder er essen soll.“
Alexandra Gruber,
Geschäftsführerin Wiener Tafel
Umverteilen. Die Kehrseite: Während
sich die einen in Sachen Ernährung
Schritt für Schritt spezialisieren,
haben die anderen nicht genug zum
Leben. Und das gilt auch in Ländern
wie Österreich. AlleinerzieherInnen,
Langzeitarbeitslose, kinderreiche Fa­
milien oder Menschen mit ausländi­
scher Staatsbürgerschaft sind beson­
ders oft armutsgefährdet. Die Wiener
Tafel hilft mit, diese Menschen mit Le­
bensmitteln zu versorgen. Die „Sozial­
spedition“ holt bei Supermärkten oder
direkt bei HerstellerInnen Produkte ab,
die zum Beispiel falsch etikettiert wur­
den oder bald ablaufen. „Damit retten
wir einerseits die wertvollen Lebens­
mittel vor dem Müll und unterstützen
andererseits Menschen in finanzieller
Notlage“, erklärt Alexandra Gruber
von der Wiener Tafel. Qualität und
­Gesundheit sind aber auch hier wich­
tig. „In Kochworkshops zeigen wir, wie
man aus günstigen Lebensmitteln tolle
Mahlzeiten kochen kann. Aber wir
zwingen den Menschen keine gesunde
Ernährung auf. Ernährungssouveräni­
tät ist das Recht jedes Menschen. Und
wenn er oder sie Fertigprodukte essen
will, ist das zu akzeptieren.“ •
www.wienertafel.at
INTERVIEW
Alexandra Gruber,
Geschäftsführung
Wiener Tafel
Ist Hunger bei uns ein Thema?
Rund 18 Prozent der ÖsterreicherIn­
nen gelten als armutsgefährdet,
­da­runter mehr als 400.000 Kinder
und Jugendliche. Das bedeutet auch
eine Einschränkung in zentralen
Lebens­lagen – wie zum Beispiel beim
Heizen oder Essen. Einrichtungen
wie die Wiener Tafel unterstützen
mit dem Nötigsten.
Vor diesem Hintergrund: Wie
denken Sie über Ernährungstrends
von Vegan bis Superfood?
Wer sich über die eigene Ernährung
Gedanken macht, der landet
irgendwann auch bei Themen wie
Nachhaltigkeit und Überfluss. Das
kann für Initiativen wie die Wiener
Tafel positiv sein. Natürlich versu­
chen wir, auch bei unseren KundIn­
nen das Bewusstsein für gesunde und
nachhaltige Ernährung zu stärken.
Fotos: Wiener Tafel, Artfotograf Peter Leskovar
Wie hilft die Wiener Tafel?
Wir versorgen pro Woche rund 18.000
Armutsbetroffene in 109 Sozialeinrich­
tungen mit noch genusstauglichen
­Lebensmitteln. 400 Ehrenamtliche
sind für die Wiener Tafel aktiv.
10
GS_08_11_thema_service_kk.indd 10
24.08.16 11:06
SERVICE
TIPPS FÜR GENUSS
& ERNÄHRUNG
Vorsorge: Ernährungsberatung
Die Wiener Gebietskrankenkasse
(WGKK) bietet in vier Gesundheits­
zentren und dem Hanusch-Kranken­
haus kostenlose Ernährungsberatung
und Diabetes-Schulungen an. Für
­einen Termin notwendig sind: eine
Überweisung, die e-card und ein
­amtlicher Lichtbildausweis.
Telefon 0800 600 511,
www.gesundheitsverbund.at
Fotos: Wiener Tafel, Artfotograf Peter Leskovar
Selbst kochen lernen
Die Wiener Volkshochschulen (VHS
Wien) bieten Kochkurse an – von
österreichischer über internationale
Küche bis hin zur vegetarischen und
veganen Ernährung. Es gibt auch
Veranstaltungen, die Wissen über
Nahrung, Lebensmittel und die
Ernährung selbst vermitteln. Für
AnfängerInnen wird speziell die
Gruppe „Erste Schritte in der Küche“
angeboten.
Telefon 01/893 00 83, www.vhs.at
foodwatch – Essen mit Qualität
foodwatch entlarvt die verbrauche­
rInnenfeindlichen Praktiken der
­Lebensmittelindustrie und setzt sich
für das Recht der VerbraucherInnen
auf qualitativ gute, gesundheitlich
unbedenkliche und ehrliche Lebens­
mittel ein. foodwatch ist ein gemein­
nütziger, unabhängiger Verein und
­finanziert sich aus Förderbeiträgen
und Spenden.
E-Mail: [email protected],
www.foodwatch.de
gesunde stadt – herbst 2016
GS_08_11_thema_service_kk.indd 11
Es gibt sie – die Diät-Lügen!
Wunderdiäten und Trend­
diäten gibt es genug.
Zeit, die Fakten zu über­
prüfen. Die Ernährungs­
wissenschafterin Angela
­Mörixbauer und der Journalist Martin
Groll fragen nach und klären auf.
Die 50 größten Diät-Lügen! Die gängigsten Irrtümer rund um Kilos, Kalorien und
Schlankheitskuren; Mörixbauer A., Groll
M., Krenn Hubert Verlag, Wien 2012,
ISBN: 978-3-39900-5164-1, 18,90 Euro,
swww.hubertkrenn.at
Was sind Ernährungstrends?
Wieso lassen wir uns so
beeinflussen und folgen
Ernährungstrends, nur
weil sie angeblich gesund
und effektiv sind? Ganz
ohne diese zu hinterfragen? Was steht
hinter Low-Carb-Diäten, Paleo und
Raw Food? Der Ernährungswissen­
schafter David L. Katz geht diesen
Themen nach und räumt mit falschen
Trends auf.
Schluss mit Ernährungstrends: Sie dürfen
mehr, als Sie denken. Außer Fertiggerichte; Katz D. L., Mosaik Verlag, München 2016, ISBN: 978-3-44239-298-8,
15,50 Euro, www.mosaik-verlag.de
Die Kunst zu genießen
Eva Derndorfer geht
der Frage des Genusses
nach. Was ist Genuss
und was ist ein Genuss­
mittel? Welche Lebens­
mittel und Speisekom­
binationen harmonieren miteinander
und warum? In diesem Buch werden
neue Zusammenhänge rund um den
kulinarischen Genuss hergestellt.
Inklusive Tipps, wie Genuss trainiert
werden kann.
Genuss. Über Epikur, Erdmandeln und
­Experimente beim Essen; Derndorfer E.,
Facultas/Maudrich Verlag, Wien 2011,
ISBN: 978-3-85175-939-6, 19,90 Euro,
www.facultas.at
www.oeko-gastlichkeit.wien.at
Mehr als 130 Betriebe – Campingplätze,
Heurige, Restaurants, Hotels – sind mit
dem Umweltzeichen Tourismus in Wien
ausgezeichnet. So umweltfreundlich kann
Genuss ein!
www.marktsicherheit.wien.at
In Wien wird MarktliebhaberInnen einiges
geboten: angefangen von Lebensmittelmärkten wie dem Naschmarkt über Gelegenheitsmärkte bis zu Flohmärkten. Damit auch
die Qualität stimmt, gibt es regelmäßige
Kontrollen.Tolles Angebot für den Sommer
und Herbst: die kostenlose Pilzinformation.
lmäßig Kontrollen!
www.vegan.at
Seit 1999 gibt es die Vegane Gesellschaft
in Österreich. Sie ist für viele Interessierte
die erste Anlaufstelle, um sich hinsichtlich
veganer und vegetarischer Ernährung zu
erkundigen. Neben Wissens- und Informa­
tionsvermittlung über die Themenbereiche
Gesundheit, Ethik und Umwelt sowie praktischen Tipps werden hier auch Veranstaltungen angekündigt und mit­organisiert. Ganz
einfach können das kostenlose Magazin und
der Newsletter online b­ estellt werden.
11
24.08.16 11:06
Sauber von innen und außen:
Beim Clean Eating kommen nur
natürliche Lebensmittel ohne
Zusatzstoffe auf den Tisch.
SCHWERPUNKTTHEMA GESUNDE ERNÄHRUNG
„Sauberes Essen“
in aller Munde
CLEAN EATING TRIFFT DEN ZEITGESCHMACK. NATÜRLICHKEIT LIEGT IM TREND.
DOCH WER DEFINIERT, WAS NATÜRLICH IST? EIN BEWUSSTER UMGANG MIT
C
lean Eating – zu Deutsch „Es gibt einen Trend zur Natürlichkeit
sauber essen – ist ein Mode­ und zum Verzicht auf Zusatzstoffe.“
begriff für ein bewährtes
Konzept. Henry Jäger von Echt und pur. Industrie und Handel
der Universität für Boden­ werben mit Clean Labels, Hinweisen
kultur erklärt: „Es bezeich­ dazu, welche Zutaten im Produkt
net eine Ernährungsweise, die sich in NICHT enthalten sind. Jäger: „Diese
Kernpunkten mit den Empfehlungen Marketing-Maßnahmen schärfen ei­
der Österreichischen Gesellschaft für nerseits das Bewusstsein für Inhalts­
Ernährung deckt.“ Dazu gehören etwa stoffe. Auf der anderen Seite dienen
die ausgewogene und vollwertige Er­ sie letztlich der Verkaufsförderung
und lenken den Blick auf das einzelne
Produkt und weg von wichtigen Zu­
„Natürliche Produkte sind
sammenhängen.“ Etwa, dass gesunde
gut, ein bewusster Umgang
mit der Ernährung ist besser.“ Ernährung alleine andere gesund­
heitsgefährdende „Laster“ wie die
Henry Jäger, Leiter der
Wirkung von Alkohol und Zigaretten,
Arbeitsgruppe LebensmittelStress sowie Bewegungsmangel nicht
technologie BOKU Wien
aufwiegen kann.
nährung, die Einschränkung beim
Konsum von Fett, Salz und Zucker, der Realitäts-Check. „Einem Trend starr
Verzehr angemessener Portionsgrößen zu folgen, ist nicht die beste Option“,
über den Tag verteilt und das aus­ ist Jäger überzeugt. Viel wichtiger ist
reichende Trinken. Clean Eating legt das bewusste Überlegen, was, wie viel
gleichzeitig Wert darauf, dass man die und wann gegessen wird, sowie das
Speisen selbst zubereitet. Der Trend Wissen um die Verarbeitungsprozesse.
trifft laut Jäger den Zeitgeschmack: Die Natürlichkeit und damit die ge­
sundheitsfördernde Wirkung wird oft
am geringen Verarbeitungsgrad fest­
gemacht. Das ist laut Jäger tückisch:
„Brot wird etwa bei 200 Grad gebacken,
was einer starken Verarbeitung ent­
spricht. Tee und Käse sind verarbei­
tete Produkte, die trotzdem Teil einer
ausgewogenen und vielseitigen Er­
nährung sind. Erdäpfel oder Bohnen
wären ungekocht nicht genießbar.“
Ohne Wissen um die Verarbeitung
kann auch ein selbst gemachtes Ge­
richt u
­ ngesund sein, wenn es etwa zu
viel Salz, Fett und Zucker enthält. Es
ist auch nicht sinnvoll, aus Zeitman­
gel auf Bewegung zu verzichten, nur
um täglich mehrere Mahlzeiten frisch
zu kochen. Auch die ökologische Wir­
kung sollte abgewogen werden. Eine
Bio-Kiwi muss eingeflogen werden,
durch den kürzeren Transportweg
sind regionale Erdbeeren nachhalti­
ger. Jägers Rat: „Lassen Sie sich nicht
von Trends blenden. Bauen Sie Ihr Er­
nährungswissen aus und w
­ ägen Sie
Vorteile und Nachteile ab.“ www.dlwt.boku.ac.at
•
Fotos: Masterfile, BOKU/K. Dürrschmid, Getty Images, Weinfranz
DEM THEMA ERNÄHRUNG IST GEFRAGT. Milena Hofstetter
12
GS_12_13_thema_kk.indd 12
24.08.16 12:14
SCHWERPUNKTTHEMA GESUNDE ERNÄHRUNG
Superfood:
Besser als gut?
WIRKEN GOJI-BEEREN UND CHIA-SAMEN WIRKLICH BESSER AUF DAS
­W OHLBEFINDEN ALS HEIMISCHE HEIDELBEEREN UND LEINSAMEN? KÖNNEN
SUPERFOODS MEHR ALS KLASSISCHE GESUNDE LEBENSMITTEL? Milena Hofstetter
L
ebensmittel mit Superkräften: Das legt die Bezeichnung
Superfoods nahe. Doch was
zeichnet diese besonderen
Lebensmittel aus? „Es gibt
weder eine klare rechtliche
noch eine wissenschaftliche Definition
des Begriffs. Superfood ist vor allem
ein gut gewählter Marketing-Begriff“,
kritisiert Ernährungswissenschafterin
Angela Mörixbauer.
freien Radikalen – schützen. Auch
I­nhaltsstoffe wie Omega-3-Fettsäuren,
die für den Stoffwechsel wichtig sind,
können Lebensmittel zu Superfoods
aufwerten. „Klassische gesunde Obstoder Gemüsesorten, vom Apfel bis
zur Zucchini, können als Superfoods
bezeichnet werden, ebenso Beeren und
Hülsenfrüchte“, so Mörixbauer. Eine
Karotte etwa enthält so viel Betacarotin
wie kaum ein anderes Lebensmittel.
Apfel bis Zucchini. Ein hoher Anteil
an Antioxidantien wie Vitamin A, C, E
und Betacarotin wird häufig als Superfood-Argument gehandelt. Antioxidan­
tien sind Moleküle, die Körperzellen
vor schädlichen und aggressiven Sauerstoffmolekülen – den sogenannten
Regional statt exotisch. Die Lebensmittel der Superlative sind also zum
Greifen nahe und doch unternehmen
viele eine kulinarische Weltreise, um
die gesundheitliche Wirkung auf die
Spitze zu treiben. Und das, obwohl
viele heimische Lebensmittel exoti-
„Die Zusammenstellung der gesamten
Ernährung bestimmt die Gesundheit
mit, nicht einzelne Superfoods.“
Angela Mörixbauer,
Ernährungswissenschafterin
schen Superfoods um nichts nach­
stehen. Brombeeren, Holunderbeeren,
Kirschen, Rote Rüben und Rotkraut
sind reich an Antioxidantien. Im Vergleich dazu haben exotische Superfoods wie Moringa und Acai-Beeren
lange, umweltschädliche Transportwege, sind teurer und können auch
­gesundheitlich bedenklich sein. Eine
unzulässige Schadstoffbelastung
wurde etwa bei Goji-Beeren und ChiaSamen nachgewiesen. Beide sind leicht
ersetzbar: durch die regionalen Heidelbeeren und die vergessenen Leinsamen.
Fotos: Masterfile, BOKU/K. Dürrschmid, Getty Images, Weinfranz
Vielfalt erhalten. Alte und biologisch
angebaute Sorten müssen sich selbst
vor Fressfeinden und Wettereinflüssen
schützen. Sie produzieren mehr Pflanzeninhaltsstoffe, wie Betacarotin oder
Gerbstoffe, die gesundheitsförderlich
wirken. Der Verein „Arche Noah“ setzt
sich seit 25 Jahren für den Erhalt der Kulturpflanzenvielfalt ein, indem er zum
Anbau, Verkochen und Essen vergessener Sorten aufruft. UnterstützerInnen
können Wissen austauschen, bei Aktionstagen mithelfen oder spenden. •
Arche Noah: Telefon 02734/86 26,
www.arche-noah.at,
www.eatconsult.at
13
GS_12_13_thema_kk.indd 13
24.08.16 12:14
Hülsenfrüchte wie
Erbsen und Bohnen
sind eine gute
Quelle für Eiweiß,
Calcium und Eisen.
Fisolen statt
Ei und Fleisch
WER SICH VEGAN ERNÄHRT, MUSS GANZ BESONDERS AUF DIE VIELFALT
DER LEBENSMITTEL UND AUF REGELMÄSSIGES ESSEN ACHTEN. Sylvia Simanek
SCHWERPUNKTTHEMA GESUNDE ERNÄHRUNG
E
Konkret: Wichtigste Ersatzquelle für Vitamin B12 ergänzen. Einzig die
Eiweiß, Calcium und Eisen sind Hül- ­Versorgung mit Vitamin B12 ist bei
senfrüchte. Diese abwechslungsreich ­veganer Ernährung selten garantiert.
­ egel muss mit Vitamin-B12-­
mit Getreide, Kar­toffeln und Gemüse „In der R
kombinieren und in ausreichender angereicherten Lebensmitteln und
Nahrungsergänzungsmitteln nachgeMenge über den Tag verteilt essen.
holfen werden. Eventuell auch mit
Clevere Vitamin-Kombis. Die Ver- Omega-3-Fettsäure-Kapseln. Lassen
wertbarkeit von Eisen aus pflanzlichen Sie bei Hausärztin oder Hausarzt mitQuellen (z. B. Vollkorngetreide) kann tels Blutprobe die Werte checken.
man steigern, indem man sie mit Dann wissen Sie, wie viel Sie ­zusätzlich
­V itamin-C-reichen Lebensmitteln brauchen“, so Petra Rust.
„Bei Menschen im
(Orangensaft, Marinade mit ZitronenWachstum ist vegane
saft) kombiniert. Tee, Kaffee, Cola und Im Wachstum nicht ideal. Nicht
Ernährung nicht ratsam.“
Rotwein besser nicht zum Essen genie- empfehlenswert ist vegane Ernährung
Ernährungswissenschafterin
ßen, da sie die Eisenaufnahme hem- bei Menschen im Wachstum und bei
Petra Rust von der Universimen. Die Calciumversorgung können Schwangeren. Rust: „Ihr erhöhter
tät Wien, Department für
Nüsse, Brokkoli, Kohlgemüse, Soja ­Bedarf an essenziellen Aminosäuren
Ernährungswissenschaften
und calciumreiches Mineralwasser ge- wäre nur sehr schwer zu decken.
sorgung mit Vitamin B12 achten, müs- währleisten. Sonnenbäder im Sommer ­Wesentlich leichter gelingt das mit
sen keine Mangelerscheinungen fürch- (30 bis 60 Minuten pro Tag) füllen die ­einer ovo-lacto-vegetarischen Ernähten“, so Ernährungswissenschafterin Vitamin-D-Körperspeicher auf und sor­ rung, bei der alles außer Fleisch gegessen wird.“ Petra Rust von der Universität Wien. gen auch für eine Reserve im Winter.
•
Fotos: Getty Images (2), Keinrath.com
ine vegetarische Lebensweise ist inzwischen gesellschaftlich akzeptiert. Bei veganer Ernährung scheiden
sich die Geister. Tatsache ist:
„Erwachsene, die auf eine
ausreichende Energieversorgung, eine
ausgeklügelte Abwechslung auf dem
Speiseplan und eine zusätzliche Ver-
14
GS_14_15_thema_kk.indd 14
25.08.16 11:43
Gesund: Wahr
oder falsch?
ES GIBT UNZÄHLIGE ERNÄHRUNGSMYTHEN. WIR HABEN EINIGE
DAVON UNTER DIE LUPE GENOMMEN. Gabriele Mühlbauer
SCHWERPUNKTTHEMA GESUNDE ERNÄHRUNG
Fotos: Getty Images (2), Keinrath.com
D
ie Gerüchteküche boomt. ren“, meint Ibrahim Elmadfa. „Nah­ Experte Ibrahim Elmadfa: „In seltenen
Das „forum. ernährung rungskarenz führt zwar zu einer Fällen kann Honig, der nicht erhitzt
heute“ hat abgefragt, wie vermehrten Ausschüttung des Wachs­ wurde, mit Sporen des Bakteriums
die KonsumentInnen mit tumshormons Somatropin, wodurch Clostridium botulinum verunreinigt
widersprüchlichen Infor­ unter anderem auch der Fettabbau im sein. Komponenten wie Blütenpollen
mationen über Ernährung Körper angeregt wird. Grundsätzlich oder Bienengifte können auch Aller­
umgehen. Das Ergebnis: Ernährungs­ wirkt sich auf die Gesundheit und den gien auslösen. Da Honig tatsächlich
mythen werden von den meisten Alterungsprozess allerdings mehr aus, nur geringe Mengen an Mineralstoffen
­Befragten – unabhängig von ihrem was gegessen wird als wann. Und einen und Vitaminen enthält, fällt er als
stärkeren Einfluss auf die Quelle für diese Nährstoffe nicht ins
Wahrheitsgehalt – einfach geglaubt. weitaus ­
„Ernährungsmythen sind oft schlicht­ ­Melatonin-Ausschüttung als Dinner Gewicht.“ Und fest steht: Zucker ist
weg falsch“, sagt Ibrahim Elmadfa, Cancelling hat die Lichtmenge, die auf Zucker, hat viele Kalorien und kann
die Zähne schädigen – egal ob Honig,
ehemaliger Präsident der International den Körper wirkt.“
weißer Zucker oder Rohrzucker.
Union of Nutritional Sciences.
Der bessere Zucker? Honig soll
Dinner Cancelling macht jung. Din­ ­gesünder als Zucker sein und viele Fastenkur: Eine Woche nur Tee trin­
ner Cancelling – also das Streichen von ­Vitamine und Mineralstoffe enthalten. ken – schon sind fünf Kilo weg. Eines
Mahlzeiten, meist am Abend – soll Außerdem sei er ja ein „Naturprodukt“. sollte jedoch klar sein: Die schnelle Ge­
nicht nur beim A
­ bnehmen helfen, son­ Studien haben jedoch ergeben, dass wichtsreduktion beruht in erster Linie
dern auch die Produktion des Anti- das „flüssige Gold“ sogar gefährlich auf dem Verlust von Wasser, das nach
Aging-Hormons Melatonin erhöhen. sein kann. So ist er für Babys im ersten wenigen Tagen normaler Ernährung
„So einfach ist das aber nicht zu erklä­ Lebensjahr grundsätzlich tabu. Dazu wieder im Körper gespeichert wird.
•
gesunde stadt – herbst 2016
GS_14_15_thema_kk.indd 15
15
24.08.16 11:07
SCHWERPUNKTTHEMA GESUNDE ERNÄHRUNG
Gemeinsam
schmeckt’s besser!
ZUSAMMEN KOCHEN UND NEUES AUSPROBIEREN
STÄRKEN DAS GEMEINSCHAFTSGEFÜHL SOWIE DIE
GENUSSBEREITSCHAFT – UND BRINGEN FREMDE
KULTUREN EINANDER NÄHER. Stephanie Tobeitz
„Beim Kochen geht es
auch um das gemeinsame
Verbringen von Zeit.“
Erika Lasser-Ginstl,
Ernährungswissenschafterin und Ethnologin
den respektvollen Umgang mit Ess­
barem. So verwendet Stiegl nicht nur
die Edelteile des Tieres, sondern auch
Knochen oder Innereien. Die Schalen
von Karotte und Zwiebel werden ebenfalls nicht weggeworfen. Sie unterstützen Farbe und Geschmack e­ iner Suppe.
„Dieses Wissen möchte ich freudvoll in
meinen Kochrunden weitergeben“,
sagt er. In der Gruppe macht es zudem
viel Spaß, die Lebensmittel neu zu entdecken. Man kann voneinander lernen
– nicht nur bei der Herstellung der
Speisen, sondern auch beim genuss-
vollen Verkosten danach. Er rät: „Je
aufgeschlossener wir sind, desto offener werden wir gegenüber Neuem und
womöglich auch gegenüber außergewöhnlichen Geschmäckern.“
Fremde Länder, fremde Sitten.
Doch warum schmeckt uns eigentlich
etwas gut und etwas anderes gar nicht?
Natürlich haben geografische Lage,
Klima, Kultur und Religion bedeutenden Einfluss auf Ernährungsgewohnheiten. In Asien wächst viel Reis und
roher Fisch ist selbstverständlich, weil Dabei ist es so wichtig, sich Zeit zum
günstig und frisch zu bekommen. In Kochen und ­Essen zu nehmen – ein
Afrika oder im arabischen Raum ver- grundlegender Faktor zum Erhalt unsammelt sich die gesamte Großfamilie serer Gesundheit und zur Genusssteiüber Stunden hinweg zum Essen. Wer gerung beim Essen.“ Nur bei langsanicht dabei ist, gilt als krank oder mer, bewusster Nahrungsaufnahme
wurde aus irgendeinem Grund ausge- hat der Körper die Möglichkeit, die einschlossen. „Wir in Europa ziehen uns zelnen Geschmackskomponenten –
gerne zurück, um wieder zu uns zu fin- etwa salzig oder scharf – der Speise beden, weil wir diese ständige Menschen- ziehungsweise des Lebensmittels zu
menge nicht gewohnt sind. In Afrika „erkennen“. Bei langem Kauen etwa die
ist man da g
­ elassener, weil der Tumult Süße einer Semmel, die verschiedenen
verinnerlicht wurde“, erzählt Erika Gemüsesorten eines Eintopfs oder die
Lasser-Ginstl, Ernährungswissen- kleinen angerösteten Speckstückchen
schafterin und Ethnologin. Dieser in einem Serviettenknödel. Nicht zu
Blick über den Tellerrand sei nicht un- unterschätzen sei, so Lasser-Ginstl,
bedeutend, davon könne eine westli- die K
­ üche als Ort der Zusammenkunft,
che Gesellschaft gut lernen. „In Afrika an dem verbaler Austausch stattfindet.
hat Essen einen hohen Stellenwert, Unter dem Motto: Wer gemeinsam
weil es nicht so wie bei uns jederzeit werkt und Freude teilt, kann sich auch
greifbar im Supermarkt wartet. im Kummer besser mitteilen. Wie
Schnelles Kaufen, schnelles Verzehren. Stiegl ist Lasser-Ginstl der Überzeu-
16
GS_16_17_thema_kk.indd 16
25.08.16 12:43
Fotos: Ulrich Sperl, Privat, Peter Rigaud
M
ax Stiegl ist Koch mit
Leib und Seele – und
ein leidenschaftlicher
Genießer. Ein Verschwender ist er jedoch
nicht. Bei ihm im burgenländischen Restaurant Gut Purbach kommt kaum ein Lebensmittelrest in die Biotonne. Wie er das anstellt,
erklärt er in seinen „Smart KITCHEN“Workshops zur Vermeidung von Küchenabfällen. Es geht ihm dabei um
Fotos: Ulrich Sperl, Privat, Peter Rigaud
Max Stiegl, Vater zweier Kinder, weiß:
„Mehrfaches Anbieten von ungewohnten
Speisen erhöht die Akzeptanz. Das kann,
wenn genügend Geduld v­ orhanden ist,
auch bei Kindern funktionieren.“
gung, dass es nicht darum geht, beson­ Wächst ein Kind mit sehr salzhaltiger
ders aufwendig zu kochen, sondern oder süßer Kost auf, wird es für später
darum, Zeit miteinander zu verbrin­ geprägt und neigt dazu, sie als
gen. Stiegl: „Das ist auch gut in Büro­ Erwachsene/-r beizubehalten. Diese
gemeinschaften möglich und stärkt Prägung ist aber nicht unüberbrück­
den Zusammenhalt in einem Team bar. „In den letzten rund 20 Jahren hat
sich einiges getan. Wir sind heute viel
ganz ungemein.“
aufgeschlossener. Durch die einfache
Von Mama auf Baby. Ernährungs­ Erreichbarkeit fremder Länder sind
gewohnheiten werden übrigens schon uns andere Esskulturen und damit
über das Fruchtwasser von der Mutter ­generell verschiedene Kulturen näher
auf das Baby übertragen. In Indien gerückt“, erzählt Lasser-Ginstl.
­verinnerlicht bereits das Ungeborene
die starken, landesüblichen Gewürze. Richtiger Genuss. Nach Professor
Iwer Diedrichsen von der Universität
Hohenheim – Institut für Sozial­
„Wien bietet viele
wissenschaften sind es sieben Grund­
Möglichkeiten für
regeln, deren Einhaltung den größten
gemeinsamen Genuss,
der das Miteinander stärkt.“ Genuss verspricht. „Wissen, was einem
gut tut“, ist eine davon. Um das jedoch
Sonja Wehsely, Stadträtin
wirklich beurteilen zu können, heißt
für Gesundheit, Soziales
es, sich Zeit zu nehmen, abzuschme­
und Generationen
gesunde stadt – herbst 2016
GS_16_17_thema_kk.indd 17
cken, zu kosten und damit die Sinne zu
schärfen. Denn der intensiv wohlrie­
chende Duft (riechen), das knusprige
Knacken (hören), das Cremige am
­Gaumen (fühlen), die feinen Zutaten
(schmecken) und die hübsch angerich­
tete Speise (sehen) wirken sich massiv
auf unser Glücksgefühl aus. Ekel ist
übrigens reine Hirnsache. Ein Kind
zu zwingen, etwas zu kosten, macht
wenig Sinn. Es wird ihm nicht schme­
cken. Max Stiegl: „Nur wer wirklich
mit Freude isst, kann genießen.“
Sozialstadt Wien. „Voneinander zu
lernen, aufgeschlossen anderen Kultu­
ren gegenüber zu sein sowie gemeinsa­
mer Genuss stärken die sozialen Fähig­
keiten und das gute Miteinander.
Wien bietet dafür eine Vielzahl von
Möglichkeiten“, sagt Sozialstadträtin
Sonja Wehsely. •
17
25.08.16 12:43
AUS DEN
BEZIRKEN
2. LEOPOLDSTADT
7. NEUBAU
11. SIMMERING
Nähworkshops für Migrantinnen
Von Mitte April bis Ende Juni fand
ein von Frauen organisierter Nähkurs
statt. Unter der Leitung einer erfah­
renen Schneiderin konnten sie
grundlegende Kenntnisse über das
Nähen mit der Maschine erwerben.
Schon nach drei Stunden waren alle
mit M
­ aßen, Modellen, Stoffen und
Schnittzeichnen vertraut. Ein gelun­
gener Kurs, der die Teilnehmer­innen
ein neues, kreatives Hobby
erleben ließ.
www.gesundeleopoldstadt.at
Neuer Park am Spittelberg
Die Grünfläche in der Stiftgasse,
Ecke Schrankgasse, wurde vergrößert
und für alle zugänglich ­gemacht. Jetzt
gibt es einerseits mehr Sitzmöglich­
keiten und andererseits auch mehr
­Bewegungsfreiheit: Weniger Zäune,
neue Bodentrampoline, Balancespiel­
geräte für Kleinkinder, eine Malwand,
ein Trinkbrunnen und eine große
Sandkiste laden zum Verweilen ein.
10. FAVORITEN
5. MARGARETEN
Kreativ entspannen
Der Entspannungsraum ist eine Initi­
ative des Vereins 50+50 und unter­
stützt sowohl das indivi­duelle und
­soziale Wohlbefinden als auch das
ganzheitliche Gesundheitserleben.
Ziel dabei ist, durch innovative Me­
thoden die negativen Frust­energien in
positive, schöpferische umzuwandeln.
Mittels Bewegung, Entspannungsund verschiedener kreativer Metho­
den lernen sich alle TeilnehmerInnen
selbst besser kennen.
www.facebook.com/Krenfavoriten,
www.gesundesfavoriten.at
Bewegte Pause
Seit April gibt es für die Kinder der
Volksschule Pantucekgasse neue
Wege, um sich auszupowern und
zu entspannen. In der 10-Uhr-Pause
können die SchülerInnen bei rund
30 Sportstationen im gesamten
­Schulhaus aktiv sein: Seilspringen,
Rudertraining, Stiegenlauf, Fußball,
kleinere Wettbewerbe bis hin zu
Work-outs, die von den Kindern
15 Minuten frei genutzt werden kön­
nen. Der Erfolg war sofort sichtbar:
Konzentration und Aufnahmefähig­
keit stiegen an, Streit- und Aggres­
sionsniveau nahmen deutlich ab.
Infos: Stadtschulrat für Wien, Michaela
Zlamal, Telefon 01/525 25-77019,
[email protected]
Helmut-Zilk-Park eröffnet
Im Juli wurde die rund sieben Hektar
große Parkanlage im Sonnwendviertel
eröffnet. Der weitläufige Park mit
­großer Rasenfläche, die zum Pick­
nicken einlädt, sowie Blütenhainen,
großzügigem Sonnendeck, Gastrono­
miebetrieb, Kleinkinderspielplatz,
Motorikpark und Hundezone ist
neuer Anziehungspunkt für Anrai­
nerInnen, BesucherInnen sowie
Durchreisende. Ein Highlight ist
der Motorikpark, der zu einem
­aktiven Lebensstil motiviert.
www.wien.at/umwelt/parks/anlagen/
helmut-zilk-park.html
Mädchen- und Burschentag
Der Meidlinger Mädchen- und Bur­
schentag findet heuer bereits zum
neunten Mal statt. Hier haben alle
Meidlinger PflichtschülerInnen –
nach Geschlechtern getrennt – die
Möglichkeit, sich zu altersaktuellen
Themen wie Beruf, Liebe, Gesundheit,
Sexualität und Verhütung, aktive
­Freizeitgestaltung, Essgewohnheiten,
Sucht und Zwangsheirat interaktiv
zu informieren. Die Life Lounge der
WiG bietet Gesundheitsmodule zu
Bewegung, Ernährung und seelischer
Gesundheit.
Mädchentag: Mi, 9. November 2016,
Burschentag: Do, 10. November 2016,
jeweils von 9–13 Uhr, Hans-Mandl-Schule,
12., Längenfeldgasse 13–15
Fotos: GAI/LAIe, Stadtschulrat Wien/Martin Votava, WIG/Rinkhy (2)
Malen als Weg aus der Sucht
Die von der Wiener Gesundheitsför­
derung finanzierte Initiative „Malen
ist Befreiung im Kopf – kreative Wege
aus der Glücksspielsucht“ startete im
März 2016 und ermöglichte Betroffe­
nen in regelmäßigen Workshops ohne
Zwang und Vorschrift mit verschiede­
nen Materialien, z. B. mit Acryl, zu
experimentieren. Kochen, Ausstel­
lungsbesuche, Yoga und Spazier­
gänge rundeten das Angebot ab. Die
Aus­stellung der Werke beginnt mit
einer Vernissage in der Bezirksvorste­
hung am 12. Oktober 2016 um 18 Uhr.
Bezirksvorstehung Margareten,
5., Schönbrunner Straße 54,
www.gesundesmargareten.at
12. MEIDLING
18
GS_18_19_bezirke_kk.indd 18
24.08.16 11:08
Die Grätzeleltern zu B
­ esuch
in der Bezirks­vorstehung
Brigittenau
16. OTTAKRING
Große Vielfalt im kleinen Park
Einige der vielen verschiedenen
Menschen, die den Wiesbergpark
nutzen, haben über ihre Geschichte,
über ihr Tätigkeitsfeld oder über etwas ganz Besonderes in ihrem Leben
einen kurzen Film gestaltet. Die
Erzählungen wurden aufgenommen,
geschnitten und mit ausgewählten
Bildern e­ rgänzt. So entstanden
interessante Kurzfilme mit kräftiger
Aussage.
www.alterskompetenzen.info,
www.gesundesottakring.at
20. BRIGITTENAU
Fotos: GAI/LAIe, Stadtschulrat Wien/Martin Votava, WIG/Rinkhy (2)
Grätzeleltern on Tour
Grätzeleltern sind engagierte Bewohnerinnen und Bewohner, die ehrenamtlich anderen Menschen helfen,
ihre Wohn- und ­Lebenssituation aktiv
mitzugestalten und zu verbessern. Im
Rahmen des Programms „Gesunde Bezirke“ der Wiener Gesundheitsförderung ­wurden sie auf die verschiedenen ­Aufgaben und Situationen durch
Schulungen vorbereitet. Die engaggierten Grätzeleltern sind immer in
Zweierteams im Bezirk unterwegs.
Gemeinsam sprechen sie knapp
40 Sprachen und unterstützen bei
allen Fragen zu Themen wie Gesundheit, Konflikten, Energiesparen bis
hin zur Schimmelbekämpfung.
Infos: Bezirksvorstehung Brigittenau,
Florian Winkler, Telefon 01/4000-20129,
[email protected],
www.gesundebrigittenau.at
21. FLORIDSDORF
Erste Jugendgesundheitskonferenz
Am 1. Juni fand in der Praxismittelschule Mayerweckstraße in Floridsdorf die erste Jugendgesundheitskonferenz des Bezirks statt. Jugendliche
präsentierten ihre Ideen zu den
Themen Bewegung, Ernährung und
seelische Gesundheit, die sie in den
Monaten zuvor vorbereitet hatten.
Die Projekte waren äußerst vielfältig
und reichten vom Theaterstück über
eine Modenschau bis hin zu einer
Fitness- oder Kochbroschüre.
www.gesundesfloridsdorf.at
22. DONAUSTADT
Treffpunkt: jeden Montag um 18 Uhr
beim großen Platz im Donaupark.
Naturfreunde Ortsgruppe Floridsdorf,
Lea Riedl, Telefon 0664/877 99 14,
wien.naturfreunde.at
23. LIESING
Erholungsraum am Gütenbach
Bis März 2016 wurde am Gütenbach
ein naturnaher Gewässer-Lebensraum
geschaffen und gleichzeitig der Hochwasserschutz verbessert. Der sieben
Kilometer lange Bach wurde wieder
einem natürlichen Bachlauf ange­
nähert, die Ufer wurden abgeflacht,
Steine und Wurzelstöcke versetzt
und rund 50 Bäume sowie Weidenstecklinge gepflanzt. Nun kann man
bequem ins Gütenbachtal gelangen,
ohne die Breitenfurter Straße queren
zu müssen.
www.wien.at/umwelt/wasserbau/
gewaesser/die-liesing/rueckbau.html
Walking im Donaupark
Nordic Walking trainiert den ganzen
Körper und bringt dabei Spaß. Für
alle, die es probieren möchten oder
einfach ein bisschen in Gesellschaft
gehen wollen, gibt es den NordicWalking-Treff im Donaupark: Jeden
Montag von 18 bis 19 Uhr (außer bei
Regen oder Sturm) bringen ausgebildete Nordic-Walking-TrainerInnen
AnfängerInnen das richtige Gehen bei
und geben Fortgeschrittenen Tipps.
Bei der Jugendgesundheitskonferenz wurden
gesunde Lebensweisen
spielerisch vermittelt.
19
GS_18_19_bezirke_kk.indd 19
24.08.16 11:08
Papa kann das
und macht mit
BEIM PROJEKT „PAPA MACHT MIT“ GEHT ES UM DIE BEZIEHUNG VON VÄTERN ZU
IHREN KINDERN. GEMEINSAME AKTIVITÄTEN SOLLEN DIE VERBINDUNG VON VATER
UND KIND STÄRKEN UND DEREN GESUNDHEITSBEWUSSTSEIN FÖRDERN. Martina Stehrer
GESUNDHEIT HAT EIN GESCHLECHT
Rollenbilder aufbrechen. Der kos­
tenlose Workshop kam im Rahmen
des Projekts „Papa macht mit“ des
Männergesundheitszentrums MEN
­zustande. In Schulen, Kindergärten,
Horten und Vereinen werden Väter
„Das Projekt leistet einen wichtigen
Beitrag zur Männergesundheit, da
Väter eine schwer zu erreichende
Zielgruppe sind.“
Monika Bader-Wehinger, WiG
bzw. andere männliche Bezugsperso­
nen und ihre Kinder zu gemeinsamen
Aktivitäten eingeladen. Projektleiter
Paul Brugger von MEN: „Das Projekt
wendet sich an sozial benachteiligte
Väter bzw. Familien. Es sind oft Fami­
lien mit traditionellen Rollen­bildern.
Die Väter fühlen sich für die Kinder
wenig zuständig. Sie kommen selten in
Kindergarten und Schule und sind für
„Viele Väter unternehmen erstmals
alleine etwas mit ihrem Kind und sind
überrascht, wie viel Spaß es macht.“
Paul Brugger, Projektleiter MEN
­Männergesundheitszentrum
Väter sind überrascht, wie viel Spaß
die Aktionen machen. Meist fehlt
­ihnen nur die Idee, was sie mit ­ihren
Kindern unternehmen könnten.“
Wissen weitergeben. Für anhaltende
die Einrichtungen wenig greifbar.“ Die Wirkung sorgen Folge-Workshops. Da
Idee, was gemacht wird, kommt von wird abgeklärt, ob sich etwas verän­
den Vätern und Kindern selbst. Es dert hat. Brugger: „Ein Vater hat zum
wird Schmuck entworfen, es werden Beispiel sein Ernährungswissen an die
Smoothies gemixt oder Lego-Häuser Familie weitergegeben.“ „Papa macht
gebaut. Monika Bader-Wehinger von mit“ wird vom Fonds Gesundes Öster­
der Wiener Gesundheitsförderung: reich in der WiG gefördert und läuft
„Das Projekt soll die Bindung zwischen bis Ende 2017. Es schließt mit einer
Papa und Kind und ihr Gesundheits­ ­Tagung zum Thema „Väterarbeit“ ab. bewusstsein stärken.“ Brugger: „Die www.men-center.at/papamachtmit
•
Die Kinder des Horts Doningasse wünschten sich einen Kaufladen.
Bei „Papa macht mit“ haben sie gemeinsam mit ihren Vätern einen gebaut.
Fotos: MEN Männergesundheitszentrum (2), Christine Bauer, www.wildniszone.at, WGKK/Ranzmair
D
rei selbst gebaute Holz­
kisten für den Kaufladen
sind das Ergebnis eines
Kreativnachmittags für Vä­
ter und ihre Kinder im Hort
der Kinderfreunde Donin­
gasse 16. Die Freude über das Ergebnis
steht allen ins Gesicht geschrieben.
20
GS_20_21_projekte_kk.indd 20
25.08.16 11:11
Das Coaching-Unternehmen
wildniszone.at bietet Teambuilding-Seminare im Rahmen des Projekts „Gesunde
Angebote für ­Schulen!“ an.
Bestnote für
die Gesundheit
UNTERRICHT FÜR EIN GESUNDES LEBEN: DAS ANGEBOT VON WGKK UND WiG
RICHTET SICH AN SCHÜLERiNNEN, LEHRERiNNEN UND ELTERN. Silvia Pistotnig
GESUNDE SCHULE
Fotos: MEN Männergesundheitszentrum (2), Christine Bauer, www.wildniszone.at, WGKK/Ranzmair
M
„Das Ziel der schulischen
Gesundheitsförderung ist,
ein gesundes Lern- und
Arbeitsumfeld zu schaffen.“
Anita Steinberger, WGKK
it verbundenen Augen tung des Schulalltags und Schulklimas
suchten Saskia Kosicek ab. Schulen können eine Förderung beund eine Kollegin einen antragen, die aus Mitteln des LandesgeGegenstand im Garten. sundheitsförderungsfonds zur Verfü„Eine Kollegin ohne Au- gung gestellt wird. „Die Schulen
genbinde gab uns An- können aus einem Angebotskatalog
weisungen“, erzählt die Lehrerin der mit unterschiedlichen Themen wählen“, sagt Anita Steinberger, ProjektleiVolksschule Speisinger Straße.
terin der WGKK. Ernährung, BeweTeambuilding. Einander vertrauen, gung, Suchtprävention, Psychosoziale
gemeinsam nach Lösungen suchen Gesundheit, Schulentwicklung sowie
und sich aufeinander verlassen können: materielle Umwelt und Sicherheit steDarum ging es beim Seminar „Team- hen zur Verfügung. Zu den ­Angeboten
building – zu einem neuen Miteinander gehören Deeskalations­trainings, Bewein der Klasse“. Es gehört zum Projekt gungsmotivation, ein Diät-Fakten„Gesunde Angebote für Schulen!“, das check, Elternabende zum Thema Gedie Wiener Gebietskrankenkasse nuss, Sucht, Konsum u. v. m.
(WGKK) gemeinsam mit der WiG ins
Leben gerufen hat. „Unser Ziel war, das Mobbing. Besonders nachgefragt
unübersichtliche Angebot für Schulen wird derzeit „Schulen lösen Mobbing –
zu bündeln, damit sie es leichter in No Blame Approach“ (Ansatz ohne
A­nspruch nehmen können, und dessen Schuldzuweisung). Die Fortbildung
Qualität zu sichern“, sagt Tina Svoboda richtet sich an LehrerInnen und Eltern.
von der WiG. Ein wissenschaftlich Sie zeigt auf, dass Mobbing kein Kon­fundierter Kriterienkatalog garantiert flikt, sondern ein kaum zu durchqualitativ hochwertige Angebote. Diese schauendes Gruppenphänomen ist.
­zielen auf die gesunde Entwicklung der Das Ziel: Mobbing kompetent zu beSchülerInnen, das Wohlbefinden der gegnen und nachhaltig zu stoppen.
LehrerInnen und die gesunde Gestal- www.wgkk.at/schulangebote
•
gesunde stadt – herbst 2016
GS_20_21_projekte_kk.indd 21
21
25.08.16 11:11
TERMINE
September bis November
Vortragsreihe „3 x mehr
Gesundheitskompetenz“
Gesundheit für den Alltag
Termine unter: www.wig.or.at
Ab Freitag, 16. September
Herbsttour der WiG und
Herz-Kreislauf-Event (HKE)
Mitmachprogramm sowie Infos und
Messungen zu Herz-Kreislauf-Risiken
Termine unter: www.wig.or.at
Freitag, 23. September
16er Fest
KünstlerInnentreff, Kinder- und
Bühnenprogramm sowie Gesundheitsspektakel der WiG
16., Richard-Wagner-Platz, 14–20 Uhr
1. und 2. Oktober
Freiwilligenmesse
Infos zu freiwilligen Tätigkeiten. Auch
die Life Lounge ist mit dabei.
1., Rathaus, 10.30–20 Uhr und 10–17 Uhr,
www.freiwilligenmesse.at
Donnerstag, 6. Oktober
7. Wiener Augentag & Life Lounge
Vorträge und Infostände
1., Rathaus, Festsaal, 10–18 Uhr,
www.augentag.info
Donnerstag, 13. Oktober
Sprechen Sie Gesundheit?
Österreichische Plattform Gesundheitskompetenz
22., Hotel NH Danube City,
Wagramer Straße 21, 10–16.30 Uhr,
www.oepgk.at
Dienstag, 14. Oktober
15. Wiener Osteoporosetag
Vorträge und Infostände
1., Rathaus, Festsaal, 10–18 Uhr,
www.osteoporosetag.info
13. bis 15. Oktober
The Power of Programming 2016
Ernährung für Babys und Kinder
München, Deutschland,
munich2016.project-earlynutrition.eu
25. und 26. Oktober
Sicherheitsfest
Programm der Einsatzorganisationen
1., Rathausplatz, 9–17 Uhr,
www.sicherheitsfest.at
20. bis 22. Oktober
Kongress Essstörungen 2016
Beratung und Hilfe bei Essstörungen
Alpbach, Tirol,
www.netzwerk-essstoerungen.at
28. und 29. Oktober
fem vital
Gesundheit für Mädchen und Frauen
1., Rathaus, 10–18 Uhr, www.femvital.at
9. bis 12. November
Public Health Conference
Bessere Gesundheit in Europa
22., Austria Center Vienna,
ephconference.eu
Sonntag, 20. November
JedeR für JedeN
Behindertenorganisationen und
Selbsthilfegruppen stellen sich vor.
1., Rathaus, 10–17 Uhr, www.wig.or.at
Mittwoch, 23. November
16. Wiener Rheumatag
Lust am Leben – bewusst bewegen
1., Rathaus, 11–17 Uhr
ÖSTERREICH/
INTERNATIONAL
4. bis 7. Oktober
Caring for Older People
Infos zur Pflege älterer Menschen
Rotterdam, Niederlande, rotterdam2016.eu
FGÖ-BILDUNGSNETZWERK
3. und 4. Oktober
„Xunder Umgang mit Konflikten“
Wie man Konflikte besser handhabt.
Seminarhotel Schwaighof, 3100 St. Pölten
30. September und 1. Oktober
Das A und O der Projektplanung
Grundlagen Projektfinanzierung
Haus der Begegnung, Kalvarienbergplatz
11, 7000 Eisenstadt
13. und 14. Oktober
Entschleunigung durch
Achtsamkeit am Arbeitsplatz
Durch Achtsamkeit Ruhe finden
Wien, WiG, Treustraße 35–43/Stiege 6/
1. Stock, 1200 Wien
Alle Termine 9–17 Uhr. Gebühr: 75 Euro,
Infos zu den Seminaren in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland unter
www.wig.or.at, Anmeldung unter
http://weiterbildungsdatenbank.fgoe.org
IMPRESSUM & OFFENLEGUNG gemäß § 25 Mediengesetz: Gesunde Stadt; Heft 3/2016; Medieninhaber und Herausgeber: Wiener Gesundheitsförderung gemeinnützige GmbH – WiG,
Treustraße 35–43, Stg. 6, 1200 Wien, Tel. 01/4000-76925. Geschäftsführer: Dennis Beck. Magazinkoordination: Mag.a Martina Roch, MA. Inhaltliche Koordination des Schwerpunktthemas:
Margit Pachschwöll, MA. Layout: Qarante, Wolfgang Krimmel. Verleger: Bohmann Druck und Verlag Gesellschaft m. b. H. & Co. KG, Leberstraße 122, 1110 Wien. Geschäftsführung: Dr.in Gabriele
Ambros, Gerhard Milletich. Redaktion: Leberstraße 122, 1110 Wien, Telefon 01/740 32-0. Verlags-Chefredaktion: Mag. Helmut Widmann, Christoph Berndl (Stv.). Chefin vom Dienst:
Mag.a Christine Oberdorfer. Grafik: Peter Klein. Fotoredaktion: Karin Nussbaumer, MA. Lektorat: Carina G. Divischek, Mag.a Daniela Oberhuber. Coverfoto: Stefan Fürtbauer. Druck: Wograndl.
Verlags- und Herstellungsort: Wien. Erscheinungsweise: vier Mal jährlich. Grundlegende Richtung der Zeitschrift: Das Magazin kommuniziert als Botschafter die Gesundheitsförderungsprojekte
und -aktivitäten der WiG und der Stadt Wien sowie die Kernthemen der Wiener Gesundheitsförderung an relevante ExpertInnen und MultiplikatorInnen.
22
Illustration: Markus Murlasits; Foto: Bohmann/Katrin Bruder
WIEN
Illustration: Markus Murlasits; Foto: Bohmann/Katrin Bruder
Was bin ich? Mann, Mensch & Feminist!
­Verzweifelter Nachsatz: „Es muss doch
antifeministische Sauerei, dass man
Achtung: Dies ist eine kämpferische
für Medien etwas Wichtigeres bei der
Kolumne. Wer auf Begriffe wie „soziale die erfolgreiche Frau über ihren Ehemann definiert! Nicht einmal ihr Name Beurteilung von Frauen geben, als sie
Gerechtigkeit“, „Humanität“ oder
auf ihr Äußeres zu reduzieren.“
tauchte in der Schlagzeile auf. Etwas,
„Frauenrechte“ allergisch reagiert, den
worüber sich – mein zweites, doppeltes
bitte ich höflich, aber ausdrücklich,
Der 10. März: Kein Feiertag!
Beispiel – Filmgrößen wie Jennifer
trotzdem weiterzulesen. Denn genau
Und damit zurück zu Herr und Frau
Aniston oder Renée Zellweger nicht
an SIE sind diese Zeilen gerichtet.
­beschweren können. Oder (leider) doch. Normalverbraucher. Kennen Sie den
­Unschwer zu erraten: Ich bin – siehe
Beide Schauspielerinnen wandten sich „Equal Pay Day“ (wörtlich: Tag der
Titel – Mann, Mensch UND Feminist.
gleichen Bezahlung)? Er macht deutmit offenen Briefen an die ÖffentlichDie Reihenfolge dieser Attribute ist
lich, wie viele Tage Frauen zusätzlich
keit. Aniston hatte die Nase voll von
­zufällig gewählt und entspricht keiner
arbeiten müssen, um jenen Betrag zu
der permanenten publizistischen
Abstufung oder Wertung. Ich bin das
verdienen, den Männer bereits am
„Überprüfung“ ihres Körpers auf eine
alles gleichzeitig, gleichermaßen
Ende des Vorjahres in der Tasche hatmögliche Schwangerschaft. Doch
und zu gleichen Teilen. Und deshalb
ten. Da Frauen hierzulande 17,96 Pro­abgesehen von der lästigen (aber eben
­stechen mir (und zu meiner großen
zent weniger verdienen als Männer,
irgendwie berufsbedingten) Rund-um­Genugtuung: auch einer stetig wachmüssen sie 47 Tage länger arbeiten.
die-Uhr-Paparazzi-Verfolgung geht es
senden Community von Männern und
Daher fiel der „Equal Pay Day“ 2016
ihr um mehr – um den gesellschaftliFrauen in diesem Land) Unfassbarkeiauf den 10. März – alles andere als ein
ten an dieser „Front“ besonders schnell chen Blick auf Frauen im Allgemeinen.
Ihr eigener „Fall“ verdeutliche nämlich, Feiertag. Der Historiker und Publizist
und schmerzhaft ins Auge. Wenn Sie
„mit welcher Brille wir heute auf Mütter, Nils Minkmar resümierte in seinem
meinen heiligen „Zorn“ – auch über
Töchter, Schwestern, Ehefrauen, Freun- viel beachteten „Spiegel“-Essay
vermeintliche Kleinigkeiten – für
­„Feminismus wagen“ mit den Worten:
dinnen und Kolleginnen schauen“, so
­übertrieben befinden, bitte trotzdem
„dranbleiben“. Lassen Sie sich auf diese Aniston. „Schon kleinen Mädchen wird „Man muss vom Feminismus nichts
halten – wenn man Frauen hasst, seine
eingeflößt, dünn wie Supermodels
Denkanstöße ein und stürzen Sie sich
­aussehen zu müssen“, kritisiert sie und Fenster mit Alufolie beklebt hat und
bei der Abwägung und Überprüfung
allabendlich den Himmel nach Chemergänzt sinngemäß: „Ist sie es später
Ihrer Haltung in seelische Unkosten.
trails absucht. Alle anderen sind bitte
Drei aktuelle Beispiele habe ich mir für nicht, wird sie gefragt: Bist du schwanFeministinnen und Feministen.“ Dem
ger?“ Frauen seien „nicht komplett,
unseren Diskurs herausgepickt.
ist nichts hinzuzufügen und, was mir
nicht erfolgreich oder unglücklich,
mindestens ebenso wichtig erscheint,
wenn sie unverheiratet und kinderlos
Was zählt? Mann & Aussehen!
auch nichts entgegenzuhalten.
sind“. Zellweger wiederum stand unter
Fangen wir (scheinbar) völlig harmlos
Dauerfeuer des Boulevards, sie hätte
an: Als jüngst die US-Schützin Corey
sich kosmetischen Operationen unterCogdell Olympia-Dritte in Rio wurde,
zogen. Ihre Antwort (ebenso via Webtitelte die Chicago Tribune: „Ehefrau
portal „Huffington Post“): „Nicht, dass
des Football-Stars gewann Bronze!“
Dieter Chmelar ist
es jemanden etwas angeht, aber ich
Denn: Corey ist mit dem „Chicago
Journalist, Moderator
Bears“-Verteidiger Mitch Unrein verhei- habe weder mein Gesicht noch meine
und Kabarettist.
ratet. Hallo? Es ist, gelinde gesagt, eine Augen durch eine OP verändert.“
@chmelar_dieter
gesunde stadt – herbst 2016
GS_22kk_23k_termine_kolumne.indd 23
23
25.08.16 11:12
Vorstellung Der AngeBote Von
WIener BeHInDertenorgAnIsAtIonen unD selBstHIlFegruPPen
VortrÄge | DIsKussIonsrunDen | PrÄsentAtIonen
ZuM ZeHnten MAl!
VerleIHung
PreIs Der MensCHlICHKeIt
Messe FÜr MensCHen MIt BeHInDerungen
SONNTAG, 20. NOV EMBER 2016 | 10 BIS 17 UHR | W IENER R AT H AUS
DER EINTRITT IST FREI.
GS_24_01_cover_kk.indd 24
www.wig.or.at
24.08.16 11:11
Herunterladen