immai 2 0 1 6 - Stadt St.Gallen

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Ob wir sie nun als Rhododendren, Azaleen oder als Alpenrosen bezeichnen:
Botanisch sind sie alle dasselbe, eine mit
850 Arten riesige Gattung innerhalb der
Heidegewächse (Ericaceae). Geografisch
ist diese Artenfülle recht ungleich verteilt. Während in Europa gerade einmal
sechs Arten vorkommen, in Australien
nur eine und in ganz Afrika und Südamerika gar keine, verteilen sich die
anderen Arten auf Nordamerika und
Asien. Wie beliebt die Rhodos als Zierpflanzen sind, zeigt sich auch an der
unüberschaubaren Fülle an Züchtungen.
Mit ihren Wuchshöhen zwischen 20
Zentimetern und 20 Metern scheinen die
Arten recht verschieden. In Wirklichkeit
herrscht aber eine erstaunliche Einheitlichkeit: Alle sind sie Gehölze mit wechselständigen Blättern, Zwitterblüten,
verwachsenen Kronblättern, oberständigen Fruchtblättern und Kapselfrüchten.
Kanadische
Azalee
Kanadische Azalee
Rhododendron canadense
Standort: Abteilung Amerika
Gemeinhin werden jene RhododendronArten als Azaleen bezeichnet, die im Herbst
ihre Blätter abwerfen. Der Begriff „Azaleos“
stammt aus dem Griechischen und bedeutet
„dürr“ oder „trocken“, womit das welkende Veilchenblauer
Rhododendron
Herbstlaub gemeint sein dürfte. Bei der Kanadischen Azalee fällt es vor dem Fall durch
eine leuchtend gelborange Färbung auf.
Ebenso prächtig sind momentan die lilafarbenen Blüten, die auch darum so sehr zur
Geltung kommen, weil sie vor der vollständigen Entfaltung des Laubes erscheinen. Mit
der eigenwilligen Gestaltung der fünf Kronblätter unterscheidet sich die Kanadische
Azalee deutlich von allen anderen Rhodos.
Das Areal des hübschen Strauches umfasst
Williams
den Nordosten Nordamerikas bis ins nördRhododendron
lichste Labrador. Dort besiedelt er Flussufer
und andere vernässte Gebiete, wo Bäume
kaum mehr gedeihen können. Die geringe
Wuchshöhe von kaum über einem Meter ist
daher kein Nachteil im Konkurrenzkampf.
Veilchenblauer Rhododendron
Rhododendron impeditum
Standort: Abteilung Asien
Dieser immergrüne Rhododendron wird
Gefleckter
kaum höher als 50 Zentimeter, dafür aber Rhododendron
wesentlich breiter. Damit ist er bestens an
das harte Klima in den Gebirgen der südchinesischen Provinzen Junnan und Sichuan
angepasst, wo er bis in Höhen von 5000
m.ü.M. vordringt. Bemerkenswert ist, dass
jetzt wohl der Hauptflor stattfindet, sich aber
bis Ende Oktober immer wieder einzelne
Williams Rhododendron
Rhododendron williamsianum
Standort: Abteilung Asien
Williams Rhododendron gilt im Gartenbau
als eine der schönsten Arten der Gattung.
Er wird deshalb auch zur Züchtung von
Gartensorten benutzt. Verantwortlich für
diese Wertschätzung sind nicht nur die
grossen glockigen Blüten, sondern auch der
kugelige Wuchs und die eirundlichen
immergrünen Blätter, deren Unterseiten
auffallend hell sind. Damit sorgt der bis ein
Meter hohe Gebirgsstrauch aus Sichuan,
dass den Spaltöffnungen, die hauptsächlich
an der Unterseite angeordnet sind, nicht zu
viel Wasser entweicht. Ein Schutz vor der
Sonne ist auch die attraktive kupferbraune
Färbung der frisch ausgetriebenen Sprosse.
Bei den hängenden rosafarbenen Blütenglocken fällt auf, dass nicht wie üblich fünf
Kronblätter miteinander verwachsen sind,
sondern deren sechs. Im Gegensatz zu den
meisten anderen Arten, die nur auf sauren
Böden leben können, erträgt Williams
Rhododendron leicht kalkhaltige Böden.
Gefleckter Rhododendron
R. maculiferum ssp. anwheiense
Standort: Abteilung Asien
Der Gefleckte Rhododendron tritt in weiten
Teilen Chinas zwischen 1200 und 3000
M.ü.M. an Felsen oder in Wäldern auf. Je
nach Standort bleibt er ein niedriger Strauch
oder er wächst zu bis zehn Meter hohen
Bäumen heran. Seinen Namen verdankt
das hübsche Gehölz den Blüten, die in der
oberen Hälfte auffallend gefleckt sind. Diese Flecken wirken als Staubbeutel-Attrappen, mit denen die Blüten ihren Bestäubern grosse Mengen an essbarem Pollen
vortäuschen. Beim Versuch, diese „Staubbeutel“ zu nutzen, pudern die zehn echten
Staubblätter den Bauch der Insekten mit
Pollen ein, mit dem sie bei der nächsten
Blüte die Narbe belegen. Mit diesem
Schwindel erwirkt der raffinierte Rhodo
seine Bestäubung, ohne dafür einen angemessenen Lohn entrichten zu müssen.
IM MAI 2016
Blüten öffnen. Die auffallend kleinen Laubblätter sind dicht mit Drüsenhaaren bedeckt, die Sonnenschirmen gleichen. Damit
bewahren sie das Feuchtigkeit liebende
Gehölz vor übermässiger Sonneneinstrahlung. Zudem strömen sie bei warmer
Witterung einen für menschliche Nasen
zwar angenehmen Duft aus, den Pflanzen
fressende Tiere jedoch verabscheuen. Dies
bringt der Pflanze zwei Vorteile: Die Pflanzenfresser lassen die Pflanze unbehelligt,
zudem kühlen die ätherischen Öle bei starker Sonneneinstrahlung die empfindlichen
Blattoberflächen ab.
Rhododendren im Botanischen Garten
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