Lorient - Romanistik - Heinrich-Heine

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Erasmus-Berichte aus Lorient 2013/2014
Name, Vorname: Badde, Jendrik
E-Mail: [email protected]
Studienfächer: Romanistik/Musikwissenschaften
Gasthochschule: Université de Bretagne-Sud
Auslandsaufenthalt von/bis: September 2013 - Januar 2014
Ich erfuhr von der Möglichkeit eines Auslandssemesters durch die diversen Aushänge, die in
der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf gemacht wurden. Als Auswahlmöglichkeit gab es
Lorient, Nantes, Besançon, Brüssel, La Réunion u. v. m. Da ich noch nie zuvor in der
Bretagne war, reizte mich Lorient vom ersten Moment an und ich entschied, mich um eine
ERASMUS-Förderung und den Aufenthalt dort zu bewerben. Für die Bewerbung benötigt
man eine aktuelle Notenübersicht, die man im Studierenden Service Center erhält und ein
Empfehlungsschreiben eines Dozenten. Die ausgefüllten Dokumente müssen vor Abfahrt an
die Gastuniversität abgeschickt werden. Man erhält sie auch noch vor Abfahrt wieder.
Nach Erhalt, Ausfüllen und Zurückschicken der Unterlagen an die Université de
Bretagne Sud (UBS) ging es am 1.9.2013 los. Mit dem Thalys bis Paris und von dort nach
einmaligem Umsteigen vom Gare du Nord zum Gare Montparnasse weiter mit dem TGV:
Man erreicht nach 10 Stunden Lorient. Nach Ankunft in Lorient nahm ich ein Taxi zur
örtlichen Jugendherberge, in der von der UBS ein Bett für eine Woche für mich organisiert
wurde.
In den ersten Tagen fanden von der UBS organisierte Einführungstage für alle
Neustudierenden zu den Themen Versicherung, öffentlicher Personennahverkehr und
Wohngeldbeantragung statt. Es wurde auch ein Ausflug ins Océanopolis von Brest
organisiert, der bis auf die eigene Verpflegung komplett von der UBS bezahlt wurde.
Innerhalb der ersten Tage begab ich mich zusammen mit einer anderen Studentin aus
Düsseldorf zum BIJ de Lorient, dem Bureau Information Jeunesse um mich nach Wohnungen
zu erkundigen. Das BIJ liegt gut erreichbar in der Innenstadt. Dort findet man viele Ordner,
die der Wohnungsgröße nach sortiert sind. Nach dem dritten Anruf hatten wir eine
Wohnungsbesichtigung am Folgetag organisiert, die dann auch endgültig unsere Wohnung für
die folgenden 5 Monate war. Diese lag 15 Minuten Fußweg von der Uni und 5 Minuten von
der Innenstadt entfernt. Bei einer Wohnfläche von 89 m² mit 3 Schlafzimmern, einer Küche,
einer Toilette, einem Bad, einem Wohnzimmer und einem Wäschekeller bezahlten wir 330 €.
Den Großteil der Wege legten wir entweder zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit dem
Bus zurück. Das Fahrrad konnte man sich für 30€ für drei Monate (Studententarif) + 40€
Kaution echt günstig mieten. Eine Busfahrt von einer Stunde Dauer kostet 1,35€ und ist somit
auch eine sehr günstige Alternative. Allerdings sind in Frankreich die Lebenshaltungskosten
generell höher als in Deutschland (z. B die Lebensmittelpreise).
Lorient ist eine kleinere Stadt mit ca. 57.400 Einwohnern im Département
„Morbihan“. Sie hat einen eigenen Fußballverein, den „FC Lorient“, der auch regelmäßig
gegen andere Städte Frankreichs spielt. Die Karten kosten, wenn man sich früh genug darum
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bemüht, nur fünf Euro pro Stück. Lorient hat ein Hallenbad, eine Markthalle, mehrere Pubs
und Kneipen, Restaurants und Läden. Die Busanbindung zu Larmor Plage und den
umliegenden Städtchen ist tagsüber sehr gut, aber spät abends (zumindest im Wintersemester)
recht dürftig. Mit der Fähre kann man günstig z. B. auf die Île de Groix übersetzen. Zudem
bieten Larmor Plage und vor allem Guidel-Plages sehr schöne Stände, die von Lorient
innerhalb einer halben Stunde Busfahrt erreichbar sind.
Unser Ansprechpartner an der UBS war Mr Henrichot, jedoch wurde man von jedem,
den man fragte, gut beraten, wie z. B. auch vom SAI, dem Service des Affaires
internationales. Es gab keinerlei bürokratische Schwierigkeiten, höchstens ein paar
Verzögerung, aber alles im erträglichen Rahmen. Nach Besuch der Einführungsveranstaltung
für die Erstsemesterstudierenden des Fachs Lettres Modernes organisierte Mr Henrichot ein
separates Treffen für die ERASMUS-Studierenden, um uns nochmal gesondert den
Stundenplan zu erklären. Die Universität in Frankreich ist viel verschulter als in Deutschland.
Man hat alle Kurse im Klassenverband, man wählt eine Art Klassensprecher, der als Mediator
zwischen Dozenten und Studierenden fungiert und man wählt seine Kurse nicht, sondern man
bekommt sie vorgesetzt. Zeitgleich zum Semester fand ein Französisch-Fremdsprachenkurs
für die ausländischen Studierenden statt. Zum Beginn des Semesters fand ein Einstufungstest
statt, der die Studierenden in drei Niveaus unterteilte und somit eine optimale Förderung
gewährleistete.
Anfangs fiel es mir wirklich schwer den Dozenten längere Zeit zu folgen. Allerdings
hat sich mein Aufnahmevermögen schon im Laufe der nächsten Wochen erheblich gesteigert
und es wurde auch immer leichter sich durch möglichst fehlerfreie Sätze zu artikulieren. In
der Anfangszeit haben wir viele Austauschstudenten aus allen möglichen Ländern wie z. B.
Spanien, Tschechien, Schottland, Irland usw. kennengelernt, woraus sich bis zum Schluss
richtige Freundschaften entwickelt haben. Das hat auch meinen Horizont sehr erweitert, da
mir klar geworden ist, dass sogenannte „Sprachbarrieren“ kein Hindernis sind.
Der Name des Studiengangs „Lettres modernes“ lässt schon erahnen, dass dieser sehr
literaturlastig ist und so war es auch. Jedoch fiel mir das Lesen mit der Übung immer leichter.
Zu den Kursen „Literatur des 19. Jahrhunderts“ und „Literaturgeschichte“ kamen noch
„Geschichte des 19. Jahrhunderts“ und „Methodik des Schreibens“. Im Letzteren lernten die
Studierenden, eine dissertation, also im Grunde eine Analyse zu schreiben. Für uns war das
nichts Neues, jedoch kennen die französischen SchülerInnen das nicht. Zum Abschluss der
Kurse musste jede/r Studierende ein Referat halten, jedoch ließen uns die Dozenten die Wahl,
ob wir eines machen oder nicht. Zusätzlich zu den Kursen von „Lettres Modernes“ belegte ich
zwei Übersetzungskurse aus der Fakultät „LEA“, bei denen man vom Französischen ins
Deutsche übersetzen musste und umgekehrt. In manchen Kursen schrieben wir im Laufe des
Semesters Tests über Bücher, die wir bis zu einem gewissen Zeitpunkt gelesen haben sollten
und in den zwei Übersetzungskursen wurden uns Vokabellisten ausgeteilt, über die wir
ebenfalls regelmäßig geprüft wurden. In ebendiesen beiden Kursen wurde mir im Übrigen
bewusst, dass die deutsche Sprache durchaus ihre Tücken hat und es für Franzosen nicht
leicht ist von ihrer Muttersprache aus ins Deutsche zu übersetzen. Am Ende des Semesters
wurden in den jeweiligen Fächern Klausuren geschrieben.
Mit den Erstsemestern hatten wir relativ wenig Kontakt, bis auf eine Gruppe von drei
Studentinnen, mit denen wir regelmäßig in der Mensa aßen. Die Mensa bietet eine Auswahl
an verschiedenen Gerichten. Es gab ein Tagesgericht (Fisch oder Fleisch mit Gemüse und
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Beilagen wie Kartoffeln oder Couscous), ein täglich wechselndes Nudelgericht oder Pommes
frites mit Hacksteak. Zu einer dieser Hauptspeisen gab es immer eine Vorspeise (meistens
Salat), eine Nachspeise und ein Brötchen sowie soviel Wasser wie man trinken kann. Man
konnte aber auch statt einer Vorspeise zwei Nachspeisen nehmen und umgekehrt. Ein Menü
kostet 3,15 € und ist somit echt billig und dafür von ziemlich guter Qualität. An die UBS ist
auch eine kleine, aber gut bestückte Universitätsbibliothek angebunden, die von der Uni
fußläufig in 5 Minuten zu erreichen ist. In der UBS selber gibt es mehrere PC-Räume, die für
die Studierenden immer offen stehen und jeder Studierende hat 500 Freikopien bzw.
Freidrucke.
Die UBS bietet auch ein riesiges Sportangebot, so auch z. B. aufgrund der guten Lage
Windsurfen, Surfen und Katamaran fahren auf dem Atlantik. Ich habe mich für Musculation,
also Kraftsport, Windsurfen und Rudern entschieden. Um sich für den Sport anzumelden,
muss man eine Gebühr von 15 € beim SUAPS, also beim Service Universitaire des Activités
Physiques et Sportives hinterlegen und einen Termin bei der der UBS angeschlossenen
Sportärztin machen, die einen auf allgemeine Tauglichkeit untersucht.
Ebenso habe ich versucht Wohngeld bei der CAF, der Caisse d’Allocations Familiales,
zu beantragen, jedoch blieb das Ganze bei mir ergebnislos. Ich rate aber dazu, es trotzdem zu
versuchen. Man benötigt dafür eine Kopie der Geburtsurkunde, ein französisches Konto und
jede Menge Geduld. Bei der Kontowahl entschied ich mich für die Caisse d’Épargne und war
mit der Betreuung vor Ort wirklich zufrieden. Die Mitarbeiter haben einem alles so oft erklärt,
bis man es wirklich verstanden hat. Außerdem besteht die Möglichkeit bei Eröffnung eines
Kontos ebenso eine Art Hausratsversicherung für ca. 30 € pro Wohnung abzuschließen. Für
das Handy besorgte ich mir eine Prepaidkarte von Orange und war auch hiermit voll
zufrieden. Die einmalige Anschaffung von 25 € beinhaltet gleichzeitig entweder 5 oder 10 €
Startgebühr.
Eine der ersten Anschaffungen nach meiner Ankunft in der Bretagne war eine
Regenhose. Die kann ich auch jedem empfehlen, der seinen Auslandsaufenthalt für das, dort
feuchte, Wintersemester plant. Der bretonische Regen ist wirklich sehr dicht und kommt
Dank des Windes von allen Seiten, sodass ein Schirm leider keine Abhilfe schafft. Eine
regendichte Jacke sollte man dementsprechend auch mit im Gepäck haben. Allerdings muss
ich hierbei sagen, dass wir einen heißen, sonnigen September und im Oktober weitgehend
gutes Wetter hatten.
Wir haben auch viele Ausflüge selbst organisiert und realisiert. So haben wir uns z. B.
für 2 Tage ein Auto gemietet und sind nach Saint-Malo gefahren und haben von dort aus
einen Tagesausflug nach Mont Saint-Michel gemacht. Oder wir waren in Carnac bei den
berühmten und zugleich mysteriösen Hinkelsteinreihen. Es gibt viel in der Bretagne zu
entdecken und das ist echt günstig, da es einen speziellen Samstagstarif gibt, mit dem man für
12 € mit dem TER durch die ganze Bretagne fahren kann und überall aussteigen kann.
Das Semester endete offiziell in der Woche vor Weihnachten und die Examen kamen
dann Mitte Januar. Alle Prüfungen wurden schriftlich absolviert (Gedichte analysieren,
Aufsätze über Buchpassagen oder Fragen stichwortartig beantworten). Zum Schluss musste
das Fahrrad abgegeben, das Konto geschlossen und die Wohnung gekündigt werden, was aber
Dank der Hilfsbereitschaft des Gegenübers keine Probleme bereitete.
Abschließend kann ich sagen, dass dieses Auslandssemester in Lorient eine echte
Bereicherung für mich war. Ich habe neue und internationale Freundschaften geknüpft und
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habe somit viel über andere Kulturen gelernt. Ich habe meinen Horizont erweitern können und
bin sehr froh über diese Erfahrung und dass ich meine Selbständigkeit verbessern konnte.
Außerdem habe ich, wie auch nicht anders vermutet, mein Französisch aufbessern können.
Ich würde, wenn ich die Möglichkeit hätte, so ein Auslandssemester jederzeit wieder machen
und kann es jedem empfehlen, diese Erfahrung zu machen.
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