8. Sitzung

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Vorlesung "Amerikanisches Drama" (Prof. Zapf)
8. Edward Albee und das postmoderne Psychodrama
Nähe Albees zum Theater des Absurden; Züge des postmodernen Dramas (vgl.
Rodney Simard, Postmodern Drama. Contemporary Playwrights in Britain and
America, Lanham & London, 1984). Ineinandergreifen von Fiktion und Realität,
Auflösung fester Identitätskonzepte, Dominanz von Bildern über die Erfahrungswelt,
stark selbstreflexives Theater. Aber auch Anlehnung an Antonin Artauds 'Theater der
Grausamkeit' - schockierend-verstörende Wirkungen aufs Publikum angestrebt.
Zugleich starke psychologische und sozialkritische Komponente; Reste einer
wiedererkennbaren Welt; Kommunikationsproblem zentral.
Biographie: entstammt wohlhabendem Milieu des Nordostens: Adoptivkind.
Traumatisierende Kindheit (keine emotionalen Beziehungen). Gleichzeitig frühe
Bekanntschaft mit dem Theaterbetrieb (Adoptivgroßvater hatte eines der größten
Theatersyndikate der USA im Varieté-Bereich). Studienabbruch, Bruch mit
Adoptivfamilie, Außenseiterleben in Greenwich Village. Erstes Stück, The Zoo Story,
erst durch die deutsche Uraufführung in Berlin (1959) auch in USA bekannt
geworden. Weitere Einakter: The Death of Bessie Smith (1959) und The American
Dream (1960) - groteske, an Beckett erinnernde Parodie des amerikanischen
Traums. Internationaler Durchbruch mit Who's Afraid of Virginia Woolf? (1962).
Wichtige Stücke sind ferner Tiny Alice (1964) - metaphysisches Traumspiel a la
Strindberg; The Lady from Dubuque (1980) - postmodernes Morality Play; Three Tall
Women (1991).
The Zoo Story: Zwei Fremde, Peter und Jerry, begegnen sich auf einer Parkbank in
New York; das Stück zeigt Jerrys Kommunikationsversuche, die zunächst verbal,
dann nonverbal ablaufen und schließlich im verzweifelten Akt des durch Peter
unfreiwillig ausgeführten Selbstmords Jerrys endet. Isolationsproblem; gefühlskalte
bürgerliche Welt: animal in the cage-Motiv; Jerrys symbolische Hundeerzählung. Die
"Zoo Story", die Jerry ständig erzählen will, aber nie zu Ende bringt, ist die Handlung
des Dramas selbst (sein Tod, Peters Schuld, die Reproduktion des Geschehens in
den Medien).
Who's Afraid of Virginia Woolf? College-Drama: Historiker-Professor (George) und
seine Frau (Martha) laden jungen Biologie-Kollegen (Nick) und seine Frau (Honey)
ein. Es kommt zu einem eskalierenden Dauerstreit, der alle Beteiligten einbezieht
und zu schmerzhaften Verletzungen führt, aber auch verborgene Wahrheiten ans
Licht bringt und schließlich in einem zaghaften Neuanfang der Kommunikation
zwischen den Ehepartnern endet. 3 Teile: (1) Fun and Games (gegenseitiges Rollenund Kommunikationsspiel mit aggressivem Unterton); (2) Walpurgisnacht (mit dem
Höhepunkt des - angedeuteten - Seitensprungs zwischen Martha und Nick); (3) The
Exorcism (als Austreibung des 'bösen Geistes', in diesem Fall des fiktiven Sohns von
G. und M., den G. an einem Autounfall sterben läßt). Deutungsebenen:
Kulturkritische Ebene: Geistes- vs. Naturwissenschaften; Problem des genetic
engineering . Kritik der modernen Machbarkeitsideologie.
Psychodramatische Ebene: Studie zwischenmenschlicher Interaktion; double-bindStrukturen a la Paul Watzlawick (Pragmatics of Human Communication, mit Beavin &
Jackson, 1967).
Ästhetisch-literarische Ebene: Virtuose Sprachgestaltung, Sprechakte als
Handlungsform; literarische Anspielungen ('Intertextualität').
Mythisch-symbolische Ebene: Martha als 'Hexe', die sich in der Walpurgisnacht mit
dem 'Teufel' (Nick) verbindet, der nachher von George 'ausgetrieben' wird.
Three Tall Women: 2-Akt-Stück über eine Frau in drei Lebensphasen (als A
=
90jährig, als B = 52jährig, als C = 26-jährig). Enthüllung der jeweiligen
Selbsttäuschungen in ihrem Wechselgespräch durch Konfrontation der
verschiedenen Altersstufen - autobiographisch sehr stark an seine Adoptivmutter
angelehnte Hauptfigur. 1. Akt endet mit Schlaganfall von A, die im 2. Akt als Maske
("A") im Bett liegt, während sie zugleich als Personifizierung der Bewußtlosen
szenisch real auftritt und mit ihren früheren Ichs weiter spricht und interagiert.
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