Fachwissenschaftliches Seminar zur Zahlentheorie Vortragsunterlagen zu: „Primzahlkriterien und Pseudo-Primzahlen“ Sowohl aus innermathematischen Gründen wie auch aufgrund der Bedürfnisse der modernen Kryptographie ist es von großem Interesse entscheiden zu können, ob eine gegebene natürliche Zahl eine Primzahl ist oder nicht. Wir stellen dazu einige Kriterien vor. fII.g Primzahlkriterien und Pseudoprimzahlen daß eine natürliche Zahl n eine Primzahl ist, kann man zeigen, Um zu zeigen,, daß sie durch keine Primzatrl S ,/n teilbar ist. Dies ist ein sehr mühsames Verfatrren und für sehr große Zahlen n auch mit einer Großrechenanlagekaum durchführbar. 169 l l l . 9 P r i m z a h l k r i t e rui ennd P s e u d o p r i m z a h l e n In I.3 haben wir gesehen,daß eine ungerade Zahl 2k + 1 genau dann eine Primzahl ist, wenn sie außer der Darstellung (k + t)'?- fr2keine weitere Darstellung als Differenz zweier Quadrate besitzt. In II.3 (Satz 7) haben wir festgestellt, daß eine Zahl der Restklasse1 mod 4 genau dann eine Primzahl ist, wenn sie genau eine Darstellung o'+b2 mit a > b > 1 und ggT(o,ä) : t besitzt. Für sehr große Zahlen sind dies natürlich auch keine praktikablen Kriterien. Wir wollen uns jetzt mit weiteren Primzahlkriterien beschäftigen,wobei aber die praktische Durchführung eines Primzahltests zunächst keine Rolle spielt. - -l mod p' Satz 16: Genau dann ist p eine Primzahl, wenn (p - t)! B e w e i s :E s s e i p l ( p - 1 ) ! + 1 . I s t 1 ( d < p u n d d l p , d a n n f o l g t d l ( p - 1 ) ! u n d damit auch dl1, also d: 1. Daher ist p eine Primzahl. Ist nun p eine Primzahl ) 2, so existiert eine primitive Restklasse[a] moduio p. Dann gilt ( p - 1 ) ! : ( 1 , ' a 2' . . - ' a P - t= ( a e ) * : o* mod p' ist 12 : I mod p, also pl(x - 1)(r + 1). Da [a] primitiv ist, gilt Für r : o* - -f mod p gelten. D r * l mod p, es muß also r - -l mod p gilt, Die Aussage,daß für eine Primzahl p die Kongruenz (p- t)! heißt Satz aon WrlsoN. (EnwlnD WARING (1734-7798) erwähnte diesen Satz erstmals, schrieb ihn aber dem Jurist Stn JoHN Wtlsot*l (I74I-I793) zu. Ein erster Beweis stammt von L.IGRANGE.)Den Satz von Wtt,soN kann man auch folgendermaSeneinsehen:Aufgrund des Satzesvon FtrRMAT hat das Polynom [ z ] r - t [ t ] i n Ä ] d i e N u l l s t e l l e n[ 1 ] , [ 2 ] , [ 3 ] , . . . , [ p - 1 ] , e s i s t a l s o [' ] o - '- [ 1 ]: ( [ , ]- [ r ] ) ( [ , ]- t 2l ) . ( [ '-] t 3 l) . . . . ' ( [ "] t p - 1 l) . Für [r] : [0] folgt wegen [-l]p-r - [1] - [1 ]: t 1 l . t 2l. [ 3]' . . . . [ p- 1 ] . Satz 16 ist als Primzahlkriterium nur für nicht allzu große Zahlen nützlich, für sehr große Zahlen ist er weniger geeignet' Auf GorrFRrED Wrlnnlu LnteNtz (1646-17i6) geht folgendeFormulierung von satz 16 zurück: Genau dann ist p eine Primzahl, wenn (p - z)l: 1 mod p. - -l mod p erkennt man sofort die Aquivalenz zur Aussage in Wegen p - 7 Satz 16. Aus dem Satz von Fenuar ergibt sich ein notwendiges Kriterium für die Primzahleigenschaft: Ist p eine Primzahl, dann ist ap-| : 1 mod p für jede ganze Zahl a mit p /o. Insbesondere gilt pl2n-r - 1 für jede ungerade Primzahl pbzw. pl2, - 2 für jede Primzahl p. ChinesischeGelehrte vermuteten vor etwa 2500 Jahren, daß auch die Umkehrung gilt, daß nämlich aus nlz - 2 folgt, lll Restklassen 770 daß n eine Primzahiist. DieseVermutungist falsch.Das kleinsteGegenbeispiel i s t n : 3 4 1: 1 1. 3 1 : A u s 2ro: 1 mod 11 und 2ro-- 1 mod 31 ( b ea c h te2 7 o: 1 0 2 4 :3 . 1 1 . 3 1 + t ) f" ,t g t 23 4 -r 2 . 2 3 4 0: 2 m o d 1 1 u n d 2 3 4 -1 2 ' 2 zt o : 2 m o d 3 1 , unterhalb von 2000sind also 23al : 2 mod 341. Die weiterenGegenbeispiele 561 : 1387 : 3 . 1 1. 1 7 , 1 9' 7 3 , 645 : 1729 : 3'5'43, 7 ' 1 3' 1 9 , 1105 : 1905 : 5' 13' 17' 3'5'127. Bine zusammengesetztenatürliche Zahl n mit nlz - 2 nennt man eine Pseud,oprimzahloder auch eine chinesischePrimzahl. Satz 17: Ist n eine ungerade Pseudoprimzahl, dann ist auch 2" - I eine ungerade Pseudoprimzahl. Beweis:EsseineineungeradePseudoprimzah1,aIso2"_1-1 & g IN. Dann ist 22"-2 - 22knund somit 22"-2 - 1 - (2)'o - 1. Daraus folgt 2 " - I l 2 z ^ - z - 1 , a l s oa u c h 2 " - I l 2 z ^ - t - 2 . I s t n u n d l n m i t 1 < d < n , d a n n und I < 2d- 1 < 2 - I. Also ist auch 2' - 1 eine ist auch 2d - Il2 -l Pseudoprimzahl. o Da die Pseudoprimzahl 341 ungerade ist, folgt aus Satz L7 die Existenz von unendlich vielen ungeraden Pseudoprimzahlen.Die kleinste bisher bekannte gerade Pseudoprimzahlist 161038: 2.73.1103.Es ist bewiesenworden, daß auch unendlich viele gerade Pseudoprimzahlen existieren. (Vgl. hierzu z.B. [Sierpinski 1988].) Alle Fnnuar-Zahlen und alle MpRspNNn-Zahlen (vgl. III.10) sind Primzahlen oder Pseudoprimzahlen (Aufgabe 55). li Eine zusammengesetzteZahl n, für welchenla" - a fijr alle a mit ggT(c, n) : oder CaRMICHAEL-Zahl(nach Rosnnr 1 gilt, heißt absolutePseudoprimzah,l D. CenuICHAEL, der im Jahr 1909eine Arbeit über dieseZahlen schrieb).Die k l e i n s t es o l c h eZ a h l i s t 5 6 1 : 3 . 1 1 . 1 7 . Satz 18: Genau dann ist n eine CanMIcH,q,EL-Zahl,wenn n : grqz. . . q; mit ungeradePrimzahlen mit q;-lln- 1 (i : k ) 3, wobei Qrtezt.. . tgr,verschiedene I,2,. .. , k) sind. Beweis: 1) Bs sei n von der angegebenenForm und a zu n teilerfremd. Aus I I aq.'r-1modg; folgt dann an-r :1 mod Q; (i : I,2,,. .. , k) und damit an-r : 1 mod n. 2) Es sei c'-1 : 1 mod n für jedes zu n teilerfremde c. Wir zeigen, daß dann gelten muß: 77r l l l . 9 P r i mza h l k ri t er iuennd P se u d o p r im z a h le n a) b) c) d) n ist ungeradel n ist quadratfrei; n besitzt mindestens drei Primfaktoren; für jeden Primfaktor p von n gilt p - Il" - 7. Zu a): Aus (-1)"-1 : 1 mod n folgt nl2, falls n gerade ist. Zu b): Es sei p ein Primteiler von n und poln. Dann ist a"-1 : 1 mod po und damit, da mod p' primitive Restklassenexistiercn,g(p')ln - l.Aus pln und p"-t(p- 1)1"- 1 folgt a : 1. -l und q-Ilt-1, Z t t c ) : I s t n - p q m i t P r i m z a h l e np , e , s o g i l t p - 1 l t weil modulo p und modulo g primitive Restklassen existieren. Wegen n - 1 : p q - I : p ( q - 1 ) + p - l f o l g t p - 1 l q - 1 u n d q - I l p - 7 , a l s op : q . N a c h b ) mußaber pf qsein. n r i m z a h l e n e t , e z , . . . , Q k ,d a n n g i l t Z u d ) : I s t n : % Q 2 . . . 9 1m i t v e r s c h i e d e n eP g; primitive 1, weil modulo Restklassenexistieren (f : 1, 2,. . . , k). D e; lln Vermutlich gibt es unendlich viele C.q,nMtcueEl-Zahlen, dies konnte aber bis heute noch nicht bewiesen werden. Unterhalb von 10ro hat man 1547 gefunden. Vermutlich gibt es sogar unendlich viele CnnutcneEt-Zahlen genau drei Primfaktoren. Beispiele hierfür sind l'nr,-Zahlen mit Cenutctt 3. 11.17 7. 13'19 5. 13. 17 5 . 1 7. 2 9 5 . 2 9. 7 3 7. 13.31 7 . 1 9 .6 7 7.23.41 7.3r.73 7.73.703 Man kann sogar vermuten, daß frir CnRuIcuaEt-Zahle n ge2g mit 13.37.61 1 3. 3 7 . 9 7 1 3. 3 7. 2 4 7 1 3. 6 1. 3 9 7 13-97-42r jede Primzahl p unendlich viele h=Qz=gs=1modp-I existieren. Fü-r p : 11 findet man (mit einem elektronischen Rechner) sehr schnell die folgenden Beispiele: 31. 61 . 211 41 . 61. 101 6 1 . 1 8 1. 1 3 8 1 4 1 ' 1 0 1' 4 6 1 6 r . 2 4 r . 4 2 7 3 1. 6 1 . 2 7 1 47.24r.521 6r.277.571 3 1. 6 1 . 6 3 1 3 1 . 1 5 1. 1 1 7 1 4 7 ' 2 4 r . 7 6 1 6 1 . 6 6 1. 2 5 2 r 31.181.331 3 1 . 2 7 1. 6 0 1 77'27r.521 7r.421.49r 7 1 . 6 3 1. 7 0 1 Die UmkehrungdesSatzesvon FnRulr gilt alsonicht, man kann auso'-1 : 1 mod n für alle a mit ggT(a,,n) : 1 nicht schließen,daß n eine Primzahl ist. 772 lll Restklassen Gilt aber außerdem ok #Imodn für alle,t mit 1 < ,t 1 n -2 für alle zu n Leilerfremden a, dann ist n eine Primzahl. Es gilt dann nämlich ord"[a] : TL- 1, die Zahlen ara2,a3,...rdn-t sind also paarweiseinkongruent mod n und teilerfremd ^1 n; daher ist g(n) : n - 1, so daß jede der Zah\en Lr2r. . . ,,n - | zu n teilerfremd sein muß, n also eine Primzatrl ist. Im Jahr 1891 wies Luces darauf hin, daß man dabei die Bedingung ok #I modn nur für frln - 1 fordern muß. Eine weitere Abschwächung der Bedingungen geht auf DBnnIcK HENRv LEHMER(1927) zurück (vgl. [Brillhart/Lehmer/Selfridge 1e751): Satz 19: Es sei n ) 1. Wenn für jeden Primteiler p von n - I eire ganze Zahl a : a(p) existiert mit an-r:1 mod n und "+ * l mod n, dann ist n eine Primzahl. Beweis: Wir zeigen, daß p(n) : n - 1 ist. Wegen p(") S n - I genügt dazu der Nachweis, daß n - Llg@). Wti,re dies falsch, dann gäbe es eine Primzahl p und ein r € IN mit p"ln - L und p" lV@). Mit o : a(p) und e : ord,[a] gilt folgt dann p'lv@), es ergibt sich 1) und Ä+,, alsop"le. Aus "l("" " l p ( " ) ü also ein Widerspruih. rl i l . ll i .i ,i .' i:ri t: ! I Der Primzahltest in Satz 19 ist nicht allzu effektiv, weil man die Primfaktorzerlegung der u.U. sehr großen Zahl n - 1 kennen muß. Wir werden aber sehen, daß er in gewissen sehr interessanten Spezialfällen schon recht hilfreich sein kann. Beispiel: Wir wollen zeigen, daß die Zahl n : )16 * 1 : 65537 eine Primzahl ist. Dazu genügt es, ein o mit o"u = L mod (216+ 1) und o"u * l mod (z16+ t) zu finden. Die folgende Tabelle zeigt, daß man a : 3 wählen kann. Gleichzeitig zeigt sich, daß die Restklasse[3] mod 216+ 1 primitiv ist. 0r mod (2 +1) 3981 2 6 56 1 - 1 1 0 8 8 - 3 6 6 8 19 1 3 9 1 5 0 2 8 13 L4 15 16 8 9 10 1112 282 13e87 8224 -8 64 40e6 -256 -1(!) 1(!) Bemerkung: Primzahltests sind oft von stochastischerNatur, d.h. sie belegen nur mit einer gewissen (sehr kleinen) Fehlerwahrscheinlichkeit, daß eine vorgelegte Zahl eine Primzahl ist. Eines dieser Verfahren ist der RnelN-?est [Rabin (1) e rimzahlen f l l . 1 0 M e r s e n n e s c huen d F e r m a t s c h P I73 1980]: Ist p eine (ungerade) Primzatrl und g(p) - p - I : 2tu (z ungerade), darrn gilt zunächst op-l : 1 mod p für jedes a € {2,3,,..,p - 1}. Es folgt ('+)'=lmodP' also o* :1modp od.er o* : -1 modp. oder a+ - -1 modp. Ist t > 1, so folgt im ersten Fall o* :1modp So fortfahrend findet man, daß au : Imod p oder a2"u= L mod P für ein s mit 0 ( s < I gilt. Nun nennt man eine Zahl n eine starlce Pseudoprimzahl zur Basis a, wenn mit n :2tu (u ungerade) au : L mod n oder a2"u: -1 mod n füreins mit 0 ( s < t gilt. Wählt marrnun kZahIen daus {2,3,'..,t -1} beliebig aus und erweist sich dabei n stets als starke Pseudoprimzahl zur Basis o, dann ist n ,,sehr wahrscheinlich" eine Primzatrl; die Wahrscheinlichkeit, daß p (ä)^. RastN hat dieses Verfahren lceine Primzahl ist, ist nämlich kleiner "tr laoo 593 angewendet und gefunden, daß n mit eiuer mit k : 100 auf n < 10-60 eine Primzahl ist. Es konnte mit Fehlerwahrscheinlichkeit < (i)t* ,,exakten" Tests gezeigt werdäri, daß dies tatsächlich eine Primzahl ist. Primzahltests werden ausführlich in [Kranakis 1986], [Ribenboim 1988], [Riesel 1987], [Wolfart 1981] diskutiert. Eine Übersicht über Primzahltests und Pseudoprimzahlen gibt [Guthmann 1986].