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Zusammenfassung der Ergebnisse & Ausblick
Im Zuge der Maßnahmen gegen den Klimawandel und bei der Entwicklung von Anpassungsstrategien steht der Sektor Bauen an prominenter Stelle. Höhere Energieeffizienz
und größere Ressourcenschonung durch Nachhaltiges Bauen lassen sich relativ leicht
und zu verhältnismäßig geringen Kosten erzielen. Volkswirtschaftlich betrachtet ergibt
sich im Allgemeinen neben dem ökologischen Vorteil der verringerten Umweltwirkungen insgesamt auch ein positiver ökonomischer Effekt beispielsweise bei der CO2-Sanierung von Gebäuden.
Auch Traditionelles Bauen als eine grundsätzlich umweltfreundliche und ressourcenschonende Bauweise bietet in diesem Sinne gegenüber dem konventionellen Bauen zahlreiche Vorteile, die in die gleiche Richtung gehen. Darüber hinaus erfüllt das traditionelle
Bauen auch noch eine wichtige sozio-kulturelle Funktion, indem historisch bedeutsame
Techniken des Bauens und die in solcher Weise erstellten Gebäude erhalten bleiben.
Eine Rückbesinnung auf althergebrachte Bauprinzipien bei gleichzeitiger Berücksichtigung moderner architektonischer Erkenntnisse kann bei Neubauten insbesondere aber
bei der Sanierung von Altbauten zu architektonisch anspruchsvollen und oftmals den für
die Bausubstanz schonendsten Lösungen führen, Gebäude energetisch zu optimieren.
Viele in traditioneller Bauweise errichtete Gebäude weisen aus Sicht der Nachhaltigkeit
Vorteile gegenüber modernen Häusern auf, da keine aufwändigen Hilfskonstruktionen
mit hohem Energieinhalt nötig sind, um ein angenehmes Innenraumklima zu erreichen.
Auch in der neuen nachhaltigen Architektur werden entsprechende Konzepte gebraucht,
die aufgrund einer durchdachten konstruktiven Lösung technische Hilfsmittel wie Belüftungsanlagen obsolet machen, um ein Gebäude in einem für die Nutzer angenehmen
Temperaturbereich zu halten.
Bewertungssysteme für nachhaltiges Bauen haben sich neben anderen Systemen, die
ökologische Auswirkungen von Gebäuden analysieren, seit Anfang der 1990er Jahre
zunächst in Großbritannien, dann in den USA und Kanada entwickelt. Ziel war es, ein
einfach handhabbares, transparentes Werkzeug für Bauherren und Architekten zu haben, mit dem Prinzipien des nachhaltigen Bauens überprüft werden können. Oft dienen
die Systeme zusätzlich gewissermaßen als eine Anleitung für nachhaltiges Bauen.
Mit dem deutschen Gütesiegel liegt seit Anfang 2009 ein neues System vor, das sich
bei der vergleichenden Analyse in dieser Arbeit als das derzeit am besten entwickelte herausgestellt hat. Die bestehenden Bewertungssysteme werden beständig weiterentwickelt und für weitere Gebäudetypen spezifiziert. Es ist wünschenswert, dass auch
Prinzipien des traditionellen Bauens in diese Systeme integriert werden. Die Ergebnisse der Arbeit zeigen, dass insbesondere das Deutsche Gütesiegel auf einfache Weise
um einen weiteren Aspekt – die Bestandsqualität – ergänzt werden könnte. Diese neue
Qualität ergänzt die bekannten um Kriterien wie den Einsatz traditioneller Bausmateri-
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Stefan Dirlich
alien oder den Erhalt bestehender Strukturen und kann dem Thema der traditionellen
Sanierung von Bestandsbauten wieder vermehrt Öffentlichkeit verschaffen. Der Bedarf
für nachhaltige Sanierungen von Bestandsbauten erscheint jedenfalls groß genug, um
auf die besonderen Anforderungen von Altbauten gesondert einzugehen, auch wenn
der Bereich des traditionellen Bauens ebenso wie das dafür zu entwickelnde System nur
ein Nischenprodukt sein kann. Bei einer jährlichen Sanierungsrate zwischen 1-2 % liegt
der Anteil der nach traditionellen Prinzipien erfolgenden Maßnahmen in einem verschwindend geringen Bereich. Dass dies aber dennoch für die Besitzer und Nutzer solch
alter Gebäude Vorteile mit sich bringt, da eine solche Bauweise ressourcen- und umweltschonend ist und zudem den langfristigen Erhalt des Gebäudes unterstützt, sollte diese
Arbeit aufzeigen. Dabei haben traditionelle sanierte Bauten neben den ökologischen
Vorteilen in der Regel auch in den anderen Dimensionen der Nachhaltigkeit – Ökonomie
und Soziales – bessere Bewertungen. Die einfache Schönheit und oftmals intelligente
Konstruktion traditioneller Bauten, die jahrhundertelang erprobt und ausgeklügelt wurden, verdient nicht zuletzt aus sozio-kulturellen Gründen einen angemessenen Umgang,
der durch ein entsprechend angepasstes Nachhaltigkeits-Bewertungssystem unterstützt
werden kann.
Um eine weiter steigende Nachfrage nach nachhaltigem Bauen und nach traditionellen
Bauweisen zu erreichen, die vor allem in älteren Bestandsbauten sinnvoll eingesetzt werden können, aber in begrenztem Umfang auch in Neubauten genutzt werden könnten,
ist die Information der für den individuellen Bauprozess entscheidenden Personen wie
Bauherren, Architekten und Planer von entscheidender Bedeutung. Abgesehen davon
ist auch ein weiterer gesellschaftlicher Umdenkprozess wünschenswert, der sich von
einer Mentalität weg bewegt, die vor allem schnelle Ergebnisse zu (kurzfristig) möglichst
günstigen Kosten im Sinn hat. Ziel sollte vielmehr sein, eine ganzheitliche Perspektive
einzunehmen, und den Erfolg – der sich in diesem Bereich in einer Reduzierung der Umweltwirkungen manifestiert – in längeren zeitlichen Maßstäben sucht.
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