Februar/März 2016 - Bethlehemsgemeinde

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Gemeindeblatt
der Evangelischreformierten
Bethlehemsgemeinde
Richardstraße 97 · 12043 Berlin
www.bethlehemsgemeinde.de
Februar – März 2016
Großherzig
Unglaublich wie schnell dieses Jahr 2016 voranschreitet. Da beschäftige ich
mich gerade noch voller Motivation mit meinen guten Vorsätzen zum Jahresanfang und bilde mir ein: diesmal halte ich sie durch – da steht auch schon die
Fastenzeit vor der Tür und fordert mich auf zu Verzicht und einem bewussterem Umgang mit mir, meinen Mitmenschen und der Welt. Bereits am 10. Februar geht es los. Erstaunlich früh dieses Jahr! Ich fühle mich überrumpelt und
mir fehlt noch jegliche Motivation, mich mit meinem Fastenverhalten für 2016
auseinanderzusetzen.
Doch dann werde ich fündig: Die Fastenaktion „Sieben Wochen ohne“
hat dieses Jahr das Motto: „Großes Herz! Sieben Wochen ohne Enge!“
Das ist doch mal ein schönes Motto. Fast schon irritierend schön für die
Fastenzeit. Geht das überhaupt, so ein lebensfrohes Motto in einer Zeit, in
der wir darüber nachdenken, dass Jesus erst leiden und dann am Kreuz sterben wird? In einer Zeit, in der uns das Herz eng wird in Anbetracht des Leidens?
Lebensfroh, lebensbejahend mitten in der Leidenszeit. Ganz schön gewagt.
Andererseits tut mir dieses Motto schon jetzt beim ersten Nachdenken gut.
Großherzig – so hat sich Gott gezeigt, als er uns seinen Sohn geschenkt hat.
Großherzig – so hat sich Jesus gezeigt, als er sich auf den Weg gemacht hat zu
den Kranken, Armen, Ausgestoßenen.
Großherzig – so hat sich Jesus gezeigt, als er mit den Sündern gegessen
und gefeiert hat.
— 1 —
Großherzig so hat sich Jesus gezeigt auch denen gegenüber, die ihn verleugnet und verraten haben
Großherzig – so hat sich Jesus gezeigt, als er für uns das Kreuz getragen
hat und für uns gestorben ist.
Großherzig – so hat sich Gott gezeigt, als er am Ostermorgen den Tod besiegte und das Licht des Lebens alle Dunkelheit durchbrach.
„Großes Herz! Sieben Wochen ohne Enge!“ – Was für ein sonderbares und
gleichzeitig wohltuendes Fastenmotto. Das Herz ist der Ort der Mitmenschlichkeit und so wie es mir gut tut, wenn man mir großherzig begegnet, so wie
es mir gut tut, dass Gott sich mir großherzig zeigt, so will auch ich versuchen,
meinen Mitmenschen mit einem großen Herzen zu begegnen. Ich will meine
Hartherzigkeit fasten, meine Enge, meinen Kleinglauben – und stattdessen
mein Herz weiten. Mein Herz öffnen für mich, für andere, für Neues, für Unbekanntes, für Altes, für das Leben in seinen Höhen und Tiefen. Und das sieben Wochen lang ganz bewusst, weil es im Alltag manchmal untergeht – das
große Herz. Ich bin gespannt und gehe nun voller Vorfreude der Fastenzeit
entgegen.
Herzlichst,
Ihre Carolin Springer
Christentum und Islam
Der Buchstabe tötet,
der Geist aber macht lebendig.
(2 Kor 3,6)
So wie das Christentum aus dem Judentum entstanden ist, verbindet der
Islam neben persischen Einflüssen „die starken Seiten des Judentums und des
Christentums: Loyalität gegenüber den Verhaltensregeln der eigenen Gruppe
und ein uneingeschränkter Enthusiasmus für Ausbreitung und Expansion.“
(Hans Jansen).
Alle drei Religionen berufen sich auf den Stammvater Abraham, er kann
gewissermaßen als die „theologische Klammer“ gesehen werden, welche die
drei verbindet. Alle Juden sind Kinder Abrahams, aufgrund des Bundes, den
Gott mit Abraham geschlossen hat (Gen 17,4–6). Durch den Glauben an
Jesus Christus – dem Angehörigen des jüdischen Volkes – haben alle Menschen Anteil an der Gotteskindschaft, dem Segen der auf Abraham ruht: „…
–2–
und Segen sollen durch dich erlangen alle Sippen der Erde“ (Gen 12,3). Der
Islam beruft sich auf Ismael, Sohn der Magd Hagar und Abrahams. Auch
Ismael wird – wie seinem Vater – eine große Nachkommenschaft verheißen
(Gen 16,10). Gottes Bund mit Abraham gilt aber ausdrücklich nur für seinen
Sohn Isaak, nach ihm sollen Abrahams Nachkommen benannt werden (Gen
21,12). (Aus muslimischer Sicht liegt hier wohl eine der Verfälschungen des Wortes Gottes vor, die durch die Offenbarung des Korans beseitigt werden – siehe unten.) Abraham gilt als erster Prophet nach Adam, da er „Anhänger des
rechten Glaubens“ und „Freund Allahs“ war (Koran [arab. Qur’ân], Sure 4,125).
Jesus (arab. ’Îsâ), „Sohn der Maria [arab. Maryam]“ (Sure 4,157), ist nach islamischer Auffassung der vorletzte Prophet, er kündigt einen Gesandten Gottes an, der
„nach mir kommen und dessen Name Ahmad sein wird“ (Sure 61,6). Ahmad bedeutet wie auch Mohammed (arab. Muhammad ) ‚der Gelobte‘‚ der ‚Gepriesene‘.
Für alle da! Genug! Es ist! – Osterzyklus
im reformierten Pfarrsprengel Berlin
Von Gründonnerstag bis Ostersonntag werden wir uns wieder mit Christen auf der ganzen Welt auf einen besonderen Weg begeben. Es ist ein
Weg der Erinnerung, der hin zum Kreuz – Abendmahl – und vom Kreuz
hin zum Anbruch des Ostermorgens führt.
Unter dem Motto Für alle! lade ich sie herzlich zum Tischabendmahl am
Gründonnerstag, 24. März 2016, 19 Uhr in das Gemeindehaus (Freiheit 14)
nach Köpenick ein. In dem Gottesdienst wird daran erinnert, dass beim
letzten Mahl genug für alle da war – auch für seinen Verräter Judas.
Die Gottesdienste am Karfreitag, den 25. März 2016 in Köpenick (10 Uhr)
und in Neukölln (15 Uhr) folgen dem Thema Genug! Es war genug, es war
vollbracht, es ist genug. Genug Schmerz, genug Leid.
Es ist! ist das Motto des Gottesdienstes am Ostersonntag, 27. März 2016
um 10 Uhr in Neukölln. Mit dem Ostermorgen können wir wieder sagen:
Es ist das Leben, es ist das Licht. Es ist Hoffnung da.
Ich freue mich wenn Sie sich mit auf den Weg machen. – Es ist genug für
alle da!
– 3 –
Für die arabischen Christen ist Ahmad derselbe wie der ‚Paraklet‘ (griech.
parákl1tos, ‚der Herbeigerufene‘), der ‚Tröster‘ (Luther), ‚Fürsprecher‘ (Zürcher
Bibel), ‚Beistand‘ (Einheitsübersetzung)‚ der „Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht“ (Joh 15,26), d. h. der Heilige Geist. Durch ihn wirkt Gott in der Welt.
Zwar wird Jesus im Koran als Messias bezeichnet, mit dem Kreuzestod
kann der Islam jedoch nichts anfangen – ebenso wie mit der Vorstellung dass
Gott Mensch geworden ist und Leiden und Tod als Sühne für die Sünde der
Menschen auf sich nimmt. Der Tod Jesu am Kreuz wird folgerichtig geleugnet, als Sinnestäuschung abgetan: „Und weil sie sprachen: ‚Siehe, wir haben
den Messias Jesus, den Sohn der Maria, den Gesandten Allahs getötet‘ – doch
sie töteten ihn nicht und kreuzigten ihn nicht (zu Tode), sondern es erschien
ihnen nur so – (darum straften Wir sie [die Juden; die Römer kommen im
Koran nicht vor; d. V.]). Und siehe, diejenigen, die darüber uneins sind, sind
wahrlich im Zweifel über ihn. Sie wissen nichts davon, sondern folgen nur
Vermutungen. Und Sie töteten ihn mit Gewissheit nicht“ (Sure 4,157).
Mohammed gilt als der letzte Prophet, das „Siegel der Propheten“ (Sure 33,40).
Seine Mission wird wie folgt beschrieben: „Sprich: ‚O ihr Menschen! Seht, ich bin
für alle von euch ein Gesandter Allahs, Dessen das Reich der Himmel und der
Erde ist. Es gibt keinen Gott außer Ihm. Er macht lebendig und lässt sterben. Darum glaubt an Allah und Seinem Gesandten, dem Propheten, der des Lesens und
Schreibens unkundig ist, und an Seine Worte und folgt ihm, damit ihr rechtgeleitet seid“ (Sure 7,158). Der Hinweis, er sei des Lesens und Schreibens unkundig, soll offensichtlich bekräftigen, dass die von Mohammed empfangene Offenbarung direkt von Gott durch den Engel Gabriel erfolgt ist und er sie nicht aus
vorhandenen schriftlichen Quellen geschöpft haben kann.
Die Offenbarung an Mohammed ist das heilige Buch, der Koran, der von Anfang an bei Gott ist, der spricht: „Bei dem deutlichen Buch! Siehe, Wir machten
ihn zu einem arabischen Koran, damit ihr verstehen möget. Und er ist fürwahr
in der Urschrift bei Uns – eine erhabene und weise“ (Sure 43,2–4).
Tora und Evangelium werden zwar als heilige Schriften anerkannt, jedoch
sind sie angeblich voller Fälschungen der Juden und Christen des ursprünglichen Textes: „Und Wir sandten zu dir in Wahrheit das Buch hinab, (vieles)
bestätigend, was ihm an Schriften vorausging, und (über ihren Wahrheitsgehalt) Gewissheit gebend. Darum richte zwischen ihnen nach dem, was Allah
hinabsandte. Folge nicht ihren Neigungen, um nicht von der Wahrheit, die
zu dir gekommen ist, abzuweichen.“ (Sure 5,48)
–4–
Gemeinsamer Seniorenkreis
Ulm, Delphinbrunnen, Foto: Marcus Creutzmann
Der Seniorenkreis trifft sich am Dienstag, 16. Februar 2016 um 14.30 Uhr in
Köpenick in der Freiheit 14 und am Dienstag, 15. März 2016 um 14.30 Uhr im
Gemeindehaus der Bethlehemsgemeinde.
Wenn Sie zu dem Treffen am 16. Februar 2016 gerne abgeholt werden
möchten, oder sogar selbst eine Mitfahrgelegenheit anbieten können,
dann melden Sie sich doch bitte bis zum 15 Februar telefonisch im Büro
der Schlosskirchen­gemeinde: 030 / 655 70 32.
Auf den 15. März 2016 sei besonders hingewiesen:
Unter dem Titel Brunnen – Lebensquellen nimmt uns Frau Otto mit
auf eine bilderreiche Reise. Wir werden der Bedeutung der Brunnen in der
Menschheitsgeschichte nachgehen, über Brunnen als besondere Orte in
der Bibel hören und eintauchen in die Bedeutung der Brunnen in Dichtung und Märchen. Brunnen waren und sind Quellen des Lebens, es sind
Kommunikations- und Begegnungsorte und bis heute haben sie etwas
Faszinierendes und Anziehendes an sich.
Wir freuen uns, wenn auch Sie sich von dem Motto angezogen fühlen
und zu dem Vortrag kommen. Der Kreis ist offen für Senioren jeden Alters,
aber auch für junge Menschen, die schon immer etwas mehr über die
Geheimnisse der Brunnen erfahren wollten.
– 5 –
Christentum und Islam haben zwei grundlegend verschiedene Auffassungen von Offenbarung. Für Christen offenbart sich Gott in der Person Jesu
Christi, Gottes Sohn, in dem Gott Mensch geworden ist. Im Zentrum der
Ethik steht das Doppelgebot der Liebe: „Du sollst den Herrn, deinen Gott,
lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit all
deiner Kraft und mit deinem ganzen Verstand, und deinen Nächsten wie dich
selbst.“ (Lk 10,27) Das eigene Verhalten soll stets kritisch reflektiert werden,
die innere Haltung, der Glaube, ist entscheidend, nicht die äußere Befolgung
der Gebote (Bergpredigt!). Glauben heißt Vertrauen in das Wirken des Heiligen Geistes. Die heiligen Schriften, gesammelt in der Bibel, sind Zeugnisse der
Erfahrung von Menschen mit Gott, von Menschen geschrieben in ihrer Zeit.
Für Muslime offenbart sich Gott im Koran, dem heiligen Buch, „eindeutig
klare Verse, die Mutter des Buches“ (Sure 3,7). Der Geist Gottes ist zum Buch
geworden. Es bedarf des Wirkens Gottes nicht, denn die Gläubigen haben
den Koran als verbindliche Grundlage für ihren Glauben und ihr Handeln.
Vorbild für das eigene Leben ist das des Propheten, welches in seiner Biographie, der sîra, niedergelegt ist. Nach islamischer Überlieferung soll Mohammed von 570–632 gelebt haben, als wichtigstes Datum gilt die Übersiedlung von
Mohammed und seinen Anhängern die Übersiedlung von Mekka nach Yatrib (Medina) im Jahre 622, dem Beginn der islamischen Zeitrechnung. Freilich gibt es dazu
keine außerislamischen Quellen, die ersten schriftlichen islamischen Zeugnisse
stammen aus dem 8. Jahrhundert. Diese Biographie scheint deshalb in erster
Linie ein Glaubenszeugnis zu sein und dient weitgehend dazu, vom Leben
des Propheten aus den Koran zu erklären.
Als wichtigste Richtschnur für das alltägliche Leben der Muslime gilt die
mündliche Überlieferung zum Leben des Propheten, die sunna, niedergelegt
in verschiedenen Sammlungen der h.adît. Jeder Lebensbereich soll abgedeckt
werden, vom Zähneputzen bis zum Medizinstudium. Entsprechend wird von
den Gläubigen laufend Gehorsam dem göttlichen Gebot gegenüber gefordert: „Und Sein ist, was in den Himmeln und auf Erden ist, und Ihm gebührt
ständiger Gehorsam (Sure 16,52).“ Laufend wird im Koran die Belohnung des Paradies für gehorsames Verhalten versprochen und mit schwerer Bestrafung in der
Hölle für Ungehorsam gedroht – die Hölle wird ca. 150 mal im Koran erwähnt.
Da der Koran nach islamischer Auffassung kein von Menschen in ihrer
Zeit verfasstes Zeugnis ihrer Erfahrung mit Gott sein soll, sondern dessen originales Wort, ist der Fundamentalismus im Islam bereits systembedingt ange–6–
Konzerte in der
Bethlehemsgemeinde
Die Anthologie Carmina Burana,
die größte Liedersammlung des
Mittelalters, stammt aus dem 12.
und 13. Jahrhundert und wurde
1803 im Kloster Benediktbeuern
entdeckt. Kurz vor Valentinstag
hören wir sowohl Lieder und
Texte moralischen und satirischen
Inhalts als auch Liebeslieder in
der originalen Fassung.
Carmina Burana – Liebeslieder
und Satire aus dem Mittelalter
Commedia Nova – Gaby Bultmann und Daniele Ruzzier
Gesang, Tanz, Bronzeglocken, Psalter, Mittelalter- und Einhandflöten,
Saitentambourin, Rahmentrommel
Samstag, 13. Februar+ um 20 Uhr
Eintritt frei | Spenden erbeten
T T T
Im März gibt es ein Programm mit Musik von Francesco Geminiani
(1687–1762), Schüler von Arcangello Corelli; einer der berühmten Geiger seiner Zeit, Verfasser der ersten Violinschule, wirkte vor allem in
England, Irland und Frankreich.
Il Furibondo – der Verrückte
Jia Lim (Cembalo) und Lea Rahel Bader (Barockcello)
Samstag, 5. März um 20 Uhr
Eintritt frei | Spenden erbeten
–7–
legt. Sicher gibt es unterschiedliche Lesarten des Korans, aber der Fundamentalismus der Salafısten bzw. Wahabiten, deren rückwärtsgewandtes Ideal die
Zeit der sog. rechtgeleiteten Kalifen nach Mohammed – von denen drei ermordet wurden – ist eben auch eine der möglichen Lesarten des heiligen, verbindlichen Wortes Gottes. Und damit wird die barbarische mittelalterliche Justiz
in Saudi Arabien (siehe Sure 5,38) oder der erbarmungslose Terror des sog. Islamischen Staates gerechtfertigt, denn Erbarmen gibt es nur für die Gläubigen,
bzw. für diejenigen, die sich dem Terrorregime unterwerfen. Auch Muslime, die
sich dem nicht unterordnen wollen, werden als Ungläubige verfolgt.
Weltweit ist der konservative Islam auf dem Vormarsch, nicht zuletzt von
den Ölmilliarden Saudi Arabiens gesponsert. Die islamischen Verbände hierzulande bilden keine Ausnahme. Die an deutschen Universitäten von aufgeschlossenen islamischen Professoren ausgebildeten Imame haben wenig Chancen angestellt zu werden. Theologen wie der Münsteraner Lehrstuhlinhaber
Mouhanad Khorchide werden angefeindet.
Immer wieder hat es in der islamischen Tradition auch Freidenker gegeben, wie die Schule der Mutaziliten, die den Koran nicht als ewig, sondern
von Gott geschaffen ansahen und deshalb ihn auch mit den Mitteln der Vernunft beurteilen zu können meinten, denn die Vernunft käme auch von Gott.
Mit dem Niedergang der arabischen Philosophie, nachdem sich die orthodoxe
Geistlichkeit im 11. Jahrhundert gegen sie und ihren Anspruch der Vernunft
durchgesetzt hatte, sanken auch die Mutaziliten in die Bedeutungslosigkeit.
Da der Text des Korans als geoffenbartes Wort Gottes gilt, kann er nach
Meinung des vorherrschenden konservativen Islam nicht wissenschaftlich –
philologisch und historisch – untersucht werden. Ein textkritisches Verfahren
ist ausgeschlossen, zu schnell kann der Betreffende in den Verdacht der Gotteslästerung kommen, was schlimme Folgen für Leib und Leben haben kann.
Bei Muslimen ist es halt mit dem Entzug der kirchlichen Lehrerlaubnis nicht
getan, wie bei den christlichen „Häretikern“. Um nicht in den Verdacht der
„Islamophobie“ zu kommen hat sich die westliche Islamwissenschaft zum
größten Teil dem islamischen Textverständnis angepasst. Dabei scheint eine
textkritische Untersuchung geboten, denn es gibt viele sog. dunkle Stellen im
Koran, die sehr schwer zu interpretieren sind, wenn der Rahmen der arabischen Sprache nicht verlassen werden soll. Vieles kann jedoch erklärt werden,
wenn Begriffe vom Aramäischen her untersucht werden. Aramäisch war in
der Antike bis ins frühe Mittelalter die vorherrschende Verkehrssprache im
–8–
groß­syrischen Raum, mit dem Arabischen ist es eng verwandt, ähnlich wie
das Niederländische mit dem Deutschen. Wenn es beispielsweise von den
Paradiesbewohnern heißt: „Wir vermählen sie mit großäugigen Gefährtinnen“ (Sure 52,20) „und [haben] sie zu Jungfrauen gemacht“ (Sure 56,36) steht
dies im Widerspruch zu den vielen Suren, in denen versprochen wird, dass
die Gläubigen mit ihren Ehegatten ins Paradies kommen (Suren 36,56; 40,8;
43,70 u. a.). Wenn die „dunklen Stellen“ im Text dagegen vom Aramäischen
her gelesen werden, dann sind die Paradiesjungfrauen helle Trauben, die den
Gläubigen und ihren Ehegatten im Paradiesgarten in den Mund wachsen.
Ein weiteres Problem ist die Sprache des Koran, die arabische Hochsprache,
die mit den im Alltag gesprochenen Dialekten wenig zu tun hat. Sie ist die „heilige göttliche Sprache“, deren poetische Qualität und Schönheit als Ausdruck der
Wahrhaftigkeit des Textes als göttliche Offenbarung gesehen wird. Aus diesem
Grunde gibt es auch kein etymologisches Wörterbuch (Herkunftswörterbuch)
der arabischen Sprache, denn wie könnte sie zu verwandten semitischen Sprachen wie Hebräisch oder Aramäisch eine wechselseitige Beziehung und Beeinflussung haben? Die Sakralisierung der arabischen Sprache verhindert die Trennung von staatlicher und religiöser Sphäre. Die Vorstellung von zwei Reichen
nach Mt 22,21 – „So gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes
ist!“ – kennt der Totalitätsanspruch des Islams nicht. Im Gegenteil, die Religion
wird häufig zur staatlichen Unterdrückung instrumentalisiert. Die Dualität von
staatlicher und religiöser Rechtsordnung (Scharia) führt oft zur Etablierung von
Parallelgesellschaften, die davon ausgehen, der staatlichen Ordnung und den gesellschaftlichen Umgangsformen von nichtmuslimischen Gesellschaften keinen
Respekt entgegenbringen zu müssen; beispielsweise wenn in Neukölln muslimische Halbwüchsige meinen, Frauen vorschreiben zu können, wie sie sich in der
Öffentlichkeit zu kleiden haben – und darin auch noch von manchen deutschen
„kultursensiblen“ Feministinnen unterstützt werden …
Zu einem echten Dialog zwischen den Religionen gehört nicht nur, sich
der Gemeinsamkeiten aufgrund gemeinsamer Herkunftsüberlieferungen zu
versichern und christliche Selbstkritik wegen den Kreuzzügen und dem Kolonialismus zu üben, sondern auch klar zu sehen, worin unterschiedliche Auffassungen bestehen. Dafür muss man sich der eigenen Glaubensauffassungen
gewiss sein und selbstbewusst seinen eigenen Standpunkt vertreten.
Günther Matthes
–9–
Zur Passionszeit
O Mensch, bewein dein Sünde groß
O Mensch, bewein dein Sünde groß,
darum Christus seins Vaters Schoß
äußert’ und kam auf Erden;
von einer Jungfrau rein und zart
für uns er hier geboren ward,
er wollt der Mittler werden.
Den Toten er das Leben gab
und tat dabei all Krankheit ab,
bis sich die Zeit herdrange,
dass er für uns geopfert würd,
trüg unsrer Sünden schwere Bürd
wohl an dem Kreuze lange.
So lasst uns nun ihm dankbar sein,
dass er für uns litt solche Pein,
nach seinem Willen leben.
Auch lasst uns sein der Sünde feind,
weil uns Gotts Wort so helle scheint,
Tag, Nacht danach tun streben,
die Lieb erzeigen jedermann,
die Christus hat an uns getan
mit seinem Leiden, Sterben.
O Menschenkind, betracht das recht,
wie Gottes Zorn die Sünde schlägt,
tu dich davor bewahren!
Sebald Heyden (um 1530)
geb. 1499 in Bruck bei Erlangen, 1519 Kantor und später Rektor
der Spitalschule in Nürnberg, 1525 erster lutherischer Rektor der Sebaldusschule,
befreundet mit Albrecht Dürer und Hans Sachs, gestorben 1561 in Nürnberg.
(eg 76)
– 10 –
Termine im Februar und März 2016
Sonntag
7. 2. 16 10.00 Gottesdienst in der Schlosskirche Köpenick
mit Herrn Winkler
Samstag
13. 2. 16 20.00 Konzert Carmina Burana von Carl Orff mit
Comedia Nova (Gaby Bultmann u. Daniele Ruzzier)
Sonntag
14. 2. 16 10.00 Gottesdienst mit Pfrn. Springer
Dienstag
16. 2. 16 14.30 Gemeinsamer Seniorenkreis in Köpenick
Sonntag
21. 2. 16 10.00 Gottesdienst in der Schlosskirche Köpenick mit Pfrn. Springer
Sonntag
28. 2. 16 10.00 Gottesdienst und Abendmahl mit Pfrn. Springer
Samstag
5. 3. 16 20.00 Konzert Il Furibondo von Francesco Geminiani
mit Jia Lim und Lea Rahel Bader
Sonntag
6. 3. 16 10.00 Gottesdienst und Abendmahl in der Schlosskirche
Köpenick mit Pfrn. Wächter
Sonntag
13. 3. 16 10.00 Gottesdienst mit Pfr. i. R. v. Bremen
Dienstag
15. 3. 16 14.30 Gemeinsamer Seniorenkreis in Neukölln,
Vortrag Brunnen – Lebensquellen von Ingrid Otto
Mittwoch 16. 3. 16 18.00 Ökumenischer Jugendkreuzweg in der Stadtkirche
Köpenick
Donnerstag 17. 3. 16 18.00 Ökumenische Passionsandacht in der Schlosskirche
Köpenick
Sonntag
20. 3. 16 10.00 Gottesdienst in der Schlosskirche Köpenick
mit Pfrn. Springer
Donnerstag 24. 3. 16 19.00 Tischabendmahl zu Gründonnerstag im Gemeinde haus in Köpenick, Freiheit 14 mit Pfrn. Springer
Freitag
25. 3. 16 15.00 Gottesdienst und Abendmahl zu Karfreitag
mit Pfrn. Springer
Sonntag
27. 3. 16 10.00 Gottesdienst zu Ostern mit Pfrn. Springer,
anschließend gemeinsames Frühstück
– 11 –
Namen und Anschriften
Kirchsaal und Gemeindehaus
Richardstraße 97 | 12043 Berlin
Internet www.bethlehemsgemeinde.de
Pfarrerin Carolin Springer – Sprechzeiten nach Vereinbarung
Telefon: 030 / 88 66 75 06 | E-Mail: [email protected]
Presbyteriumsvorsitzender Godeke von Bremen | Telefon: 030 / 65 91 99 69
Mitglieder des Presbyteriums
Jetta Fritze, Gisela Hage, Peter Laborenz, Günther Matthes,
Dr. Michael Weichenhan, Brigitta Wortmann
Orgel Andreas Hetze, Paul Rossmann
Bankverbindung Ev.-ref. Bethlehemsgemeinde
Ev. Darlehnsgenossenschaft Berlin
I BAN DE 89 5206 0410 7703 9955 50 | B I C GE N ODE F 1E D G
Gastgemeinde
Iranisch-presbyterianische Gemeinde
Pastor Sadegh Sepehri | Telefon: 030 /46 45 69 90
Dipl.-Soz.-Päd. Aziz Sadaghiani | Telefon: 030 /46 45 68 72
Die Evangelisch-reformierte Bethlehemsgemeinde entstammt der Zuwanderung böhmisch-brüderischer Glaubens­f lüchtlinge im 18. Jahrhundert. Sie gehört als Personalgemeinde zur Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz und ist mit den anderen reformierten Gemeinden in einem Kirchenkreis
verbunden. Mitglied der Gemeinde kann jeder werden, der sich dem evangelischreformierten Bekenntnis zugehörig fühlt.
Herausgeber Presbyterium der Ev.-reformierten Bethlehemsgemeinde
Verantwortlich C. Springer, G. Matthes | E-Mail: [email protected]
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