Rock ju Göthe in der „Seerose“ - FAUST

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Rock ju Göthe in der „Seerose“
Ich war wirklich skeptisch, als ich von
„Faust – die Rockoper“ hörte, meine Ambition zu einem Besuch tendierte gen Null.
Wie sollte denn ein noch so genialer Komponist diese sperrigen Verse einer nicht
mehr gegenwärtigen deutschen Sprache in
singbare Rocktöne verwandeln?
Und dann stand er dort, des Pudels
Kern, süffisant-amüsiert ins, nein über das
Publikum schauend, abschätzend, wie er
dieser Meute Spaß beibringen könnte, Spaß
zu seinen Gunsten wohlgemerkt. Und dann
kamen die ersten Töne, diabolisch tief direkt
aus der Hölle, dem Brustkorb entsteigend...
Gute zwei Stunden lang machte Mephisto,
dargestellt von Falko Illing, böse Mine zu
hervorragend rockigem Gesang und „RockRap“. Nicht minder einprägend die Stimmen von Dr. Faustus (Christian Venzke),
Gretchen (Denise Vilöhr) und der vielseitig
talentierten Hexe-Witwe Marthe-SchülerDarstellerin Henrike Baumgart, deren Töne
direkt aus der Unterwelt zu kommen schienen. Instrumental heizte die Band in klassischer Rock-Besetzung ein. Alle Achtung,
wie abgefahren die Gitarre bei passend
höllischem Thema gespielt werden kann. So
mancher „böse Bube“ sollte hier ein Ohr riskieren. Sehr nett anzuschauen, auch ohne
das kredenzte teuflische Gebräu, waren
die Tänzerinnen, die vermutlich wegen des
doch recht eingeschränkten Bühnenplatzes nicht alles geben konnten, sowie die
vier Usedomer Nachwuchstalente Marie,
Daniela, Janine und Fiete.
Altmeister Goethe überwachte die Szenerie und hielt ob der diabolischen Handlungen nicht mit Kommentaren und guten
Ratschlägen hinter dem Brocken...Berg.
Neben Johann Wolfgang war Hartmut
Hecht auch in anderen Rollen zu erleben.
Fazit: Es war ein überaus gelungener
Dezemberabend im Strandhotel Seerose
in Kölpinsee, ausdrucksstarke Schauspieler, die ernste Verse ebenso darboten wie
makabre Slapstick-Einlagen, faszinierende
Stimmen, eingängige Texte, ein unglaublicher Rock-Sound und das Gefühl, dass
„Opern“ doch gar nicht so verkehrt sind.
Ein herzlicher Dank an die Mitwirkenden,
den Komponisten Dr. Rudolf Volz, den Veranstalter Manthey Event und nicht zuletzt
an das Technik-Team, das das Schauspiel
mit Sound- und Lichteffekten unterstützte.
Zzzipp…
Übrigens: „Faust – die Rockoper“ können Sie auch an Originalschauplätzen, auf
dem Brocken und in Auerbachs Keller in
Leipzig, sowie an anderen Veranstaltungsorten erleben. Weitere Infos finden Sie auf
■ Karin Höll
www.faust-rockoper.de
Fotos: Manthey Event
F
aust und Rock – wie soll das je zusammenpassen? Mit ersterem habe ich
mich in der 12. Klasse zuletzt befasst,
befassen müssen. Etwa zur gleichen Zeit
wurde mein Interesse für letzteres geweckt
und hat sich in dem rund Vierteljahrhundert stetig erweitert. Seltsamerweise steht
beides im Wohnzimmerregal gar nicht so
weit auseinander – die Rock-CDs und die
beiden gelben Reclam-Hefte, der „Urfaust“
und „Der Tragödie erster Teil“. Und das beides zusammen jetzt auch noch in einer
Oper? Schon wieder ein Begriff der „höheren“ Kultur, um die meine Bögen durchaus
groß sind.
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