Der geheime Gegenstand der wissenschaftslogischen Explikation

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Der geheime Gegenstand
der wissenschaftslogischen
Explikation sozialwissenschaftlicher
Forschungspraxis•
W
enn man den geheimen Gegenstand zu enträtseln sucht, auf den sich
die
wissenschaftslogische
Explikation
sozialwissenschaftlicher
For-
schungspraxis in Wirklichkeit bezieht, dann ist es gewiß ratsam, sich zunächst
den Aufgabenbereich der Wissenschaftslogik ins Gedächtnis zu rufen. Wissenschaftslogik meint die logische Aufklärung der Grundlagen und Voraussetzungen einer Wissenschaft, unter denen sie ihre Erkenntnisse gewinnt (Carnap
1934, S.206). Während die sozialwissenschaftliche Forschung auf die Erkundung
der
wesentlichen
Zusammenhänge
und
Bestimmungsmomente
menschlicher Verhaltensweisen zielt, fokussiert die Theorie dieser Forschungspraxis auf die logische Analyse eben dieses Prozesses, in dem menschliche
Verhaltensweisen erfaßt und über eine psychische Tätigkeit im Bewußtsein der
erkennenden Subjekte ideell reproduziert werden.
Das Selbstbewußtsein, welches diese Forschungspraxis über sich selbst
entwickelt hat, ist nun freilich kein einheitliches; gleichwohl stimmt es in dem
Anspruch überein, die allgemeine Logik des Erkenntnisprozesses auf den Begriff zu bringen. Ich habe freilich Zweifel, ob dieser Anspruch wirklich eingelöst
wird und neige eher zu der Ansicht, daß in den wissenschaftstheoretischen
Überlegungen nicht das allgemeine, sondern vielmehr ein ganz besonderes
Verhältnis von Subjekt und Objekt erkenntnislogisch expliziert und – fälschlicherweise – totalisiert wird, nämlich jene Beziehung, die sich unter der Bedingung einer Neurose zwischen dem Erkenntnissubjekt und dem Erkenntnisgegenstand einrichtet. Neurosen, so lautet eine der Freudschen Einsichten, führen zu einer subjektiven Realitätsverzerrung im Lichte unbewußt gewordener
•
Erschienen in: Zepf S (1993). Der geheime Gegenstand der wissenschaftslogischen
Explikation sozialwissenschaftlicher Forschungspraxis. In: Tress W & Nagel S (eds) Psychoanalyse und Philosophie: Eine Begegnung. Heidelberg: Ansager, 70–78.
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