205 RESTAURANTS NEU GETESTET - segmueller

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Schweiz: CHF 24.50 / EU: EUR 18,80
www.gehtaus.ch
2015
2016
ZÜRICH
GEHT AUS!
Die aufregendsten Trendsetter und die bewährten Institutionen
Wo es auch auf die Schnelle etwas richtig Gutes gibt
Gemütliche Beizen für Geniesser im Quartier und auf dem Land
Die verführerischsten Spezialitäten aus ganz Asien
Was in den Spitzenrestaurants wieder Neues aufgetischt wird
Wo so gut gekocht wird wie in Italien und in Spanien
INDEX: Adressen und Telefonnummern aller Zürcher Restaurants
205
RESTAURANTS NEU
GETESTET
ZÜRICH GEHT AUS!
164
Antiquario
da Marco
Zürichberg
Alles und noch mehr
Adlisberg
A
Adlisberg
Auch das ist Zürich
Eine von Zürichs Qualitäten ist, dass man
innert kürzester Zeit ein Naherholungsgebiet erreicht, sogar mit öffentlichem
Verkehr. Der «Adlisberg» ist ein gutes
Beispiel dafür: Kaum eine Viertelstunde
(zu Fuss!) vom mondänen «Dolder Grand»
entfernt und immer noch auf Stadtgebiet,
steht dieses alte Bauernhaus inmitten von
Wiesen und Wald. Unter der Leitung von
Angelika Huber und mit David Flückiger
als Chef am Herd gibt man sich ländlichschweizerisch, ohne zu kitschig oder zu
folkloristisch zu sein. Auf der Weinkarte
finden sich Gewächse aus zehn Schweizer
Kantonen, aber auch solche von Schweizern im Ausland (von Donald Hess bis
zu den Schmidheinys). Fast verschämt
endet das Angebot mit «wenigen Inkonsequenzen», zu denen etwa ein Château
Palmer 2004 gehört (Fr. 380.–). Für uns
gibt’s in der hölzernen Stube mit dem
schönen Kachelofen und freiem Blick auf
den Pferdestall nach einem Glas Weissen
aus der Bündner Herrschaft einen Tessiner, den robusten, fruchtigen Merlot
Il Moro 2012 vom Castello di Morcote
(Fr. 61.–), der bestens hierher aufs Land
h
Hunde
erlaubt
m
Mittagsmenü
r
Raum für
Raucher
passt. Dazu kommt, dass auf der aktuellen Speisekarte auch eine attraktive Auswahl an passenden Gerichten angeboten
wird, von Ossobuco bis Saltimbocca. Wir
versuchen davor die Raviolini mit Brasatofüllung und -sauce, kräftig gewürzt
und mit vielen frischen Kräutern. Molto
bene! Auch ein Spinatsalat mit Ei, Croûtons und feinem Dressing macht Spass,
so wie das Bauernbrot aus den karierten
Stoffsäckchen. Das Zürcher Geschnetzelte
mit Rösti, einem Tupfer Schlagrahm und
etwas gar viel Sauce, wird in der Pfanne
serviert und schmeckt prima. Dies gilt
auch für das Zürcher Oberländer Entrecôte
auf dem heissen Stein, ein sehr gutes
Stück Beef, das von drei hausgemachten
Saucen begleitet wird (150 g, Fr. 41.–).
Trotz wohlgefülltem Magen teilen wir uns
noch ein Dessert. Ein weiser Entscheid:
Das innen praktisch flüssige Schokotörtli
mit einer Kugel sehr feiner Vanilleglace
ist die abschliessende Sünde wert. hjk
Adlisbergstrasse 75, 8044 Zürich
Fon 044 266 91 91
www.adlisberg.ch
mo–sa 10–24, so 10–23 Uhr
(Küche 12–14 & 18–22 Uhr, dazwischen
kleine Karte; sa & so 10–13 Uhr
Puurezmorge und Küche 12–22 Uhr)
HG Fr. 25–55
h m r
s
t
v
Ab ins Grüne: Rang 5
s
Sonntag
offen
t
Terrasse/
Garten
v
Das «Antiquario», bereits in zweiter
Generation geführt, liegt etwas versteckt, hat aber absolut keinen Grund,
sich zu verstecken. Die Einrichtung ist
kultiviert, in dunklen Tönen gehalten,
der etwas müde 1960er-Jahre-Chic wird
dezent kaschiert. Die weiss gedeckten
Tische stehen genügend weit auseinander, sodass eine gepflegte Unterhaltung möglich ist, was sicherlich zu der
Beliebtheit dieses Lokals bei Prominenten verschiedenster Couleur beiträgt. In
dem mit einer Hecke abgeschirmten Garten kann man sein Essen fast unbehelligt vom Verkehrslärm der nahen Strasse
geniessen, was wir an diesem schönen
Frühlingstag auch tun. Das Lokal ist gut
besetzt, da treffen sich Geschäftsleute
zu einem Business-Lunch, Paare zum
gemeinsamen Mittagessen, man sitzt
gut unter der grossen Markise.
Für das Wohl der Gäste ist gesorgt, mit
hausgemachter Pasta und einem überraschend vielfältigen Angebot aus sämtlichen Regionen, von der Lombardei bis
Sizilien. Angefangen bei den Vorspeisen mit Crevetten im Pfännli (Fr. 23.50)
und einer kalten Suppe (Fr. 12.50) über
Vitello tonnato (Fr. 24.50) und Roastbeef
bis zu den saisonalen Spargeln, als Salat
mit grillierten Crevetten (Fr. 26.50) und
Tagliatelle (Fr. 22.50) – die Wahl fällt
also nicht leicht. Es gibt Crostini, frisch
aufgeschnittenen Rohschinken, Carpaccio vom Rind, Polpo und Thunfisch und
danach hausgemachte Taglierini, Agnolotti, Tortelloni, Ravioloni mit Tomaten,
Pesto und Gemüse, mit Kalbfleisch, Bolognese und Spinat (Fr. 17.50 bis 24.50).
Das Kalbfleisch wird auf alle erdenklichen italienischen Arten zubereitet,
es gibt Piccata milanese, Saltimbocca
alla romana und Scaloppine al Marsala
(alle Fr. 45.–). Die Rindfleisch-Involtini
sind alla calabrese (Fr. 42.50), es gibt
ein Filet mit Kräuterbutter und an grüner Pfeffersauce, auch die Tagliata auf
Rucola darf nicht fehlen (Fr. 44.–). Aus
dem Meer kommen Sogliola (Fr. 56.50)
und Riesencrevetten auf den Grill und
in die Pfanne. Ein bisschen aus dem italienischen Rahmen fallen das Wienerschnitzel und das Cordon bleu, unserer
Meinung nach kann man problemlos bei
den italienischen Wurzeln bleiben, alles
andere nimmt der hier gelebten und
gekochten Italianità etwas von ihrem
Charme. Es gibt zwei Mittagsmenüs,
vegetarische
Gerichte
mit Salat und Ravioli (Fr. 19.50) oder
einem Schweinskotelett (Fr. 25.50).
Bei einem Glas Verdicchio dei Castelli
di Jesi aus den Marken (Fr. 6.–) teilen
wir uns die Vorspeise, einen lauwarmen
Meeresfrüchtesalat alla genovese, eine
Mischung aus Tintenfischstücken, kleinen Crevetten und Kartoffeln mit aromatischem Pesto, angerichtet auf einem
Bett aus Rucola (Fr. 22.50). Unserer Meinung nach zeigt sich die Leistung eines
Kochs oft in den einfachsten Gerichten,
weshalb wir danach die hausgemachten
Taglierini pomodoro (kleine Portion Fr.
17.50) bestellen, eine gute Wahl, wie
sich herausstellt. Die Pasta ist frisch,
die Sauce mit Zwiebeln und Datteltomaten würzig und schmackhaft. Auch die
Linguine mit Vongole (Fr. 30.50) sind
appetitlich zubereitet, die Nudeln bissfest gekocht, mit etwas Knoblauch und
Petersilie angereichert und, eher etwas
ungewöhnlich, auf den sehr grossen
Muscheln angerichtet. Dazu trinken wir
ein weiteres Glas des fruchtigen Weissweins, obwohl die Weinkarte eine sehr
schöne Auswahl an Flaschen aus den
verschienen Regionen Italiens anbietet
wie den Bricco dell’Uccellone 2010 aus
dem Piemont (Fr. 110.–), den Barolo
Sperss von Angelo Gaja (Fr. 260.–) oder
den Morellino di Scansano aus der Toskana (Fr. 82.–). Die Karte ist mit grosser
Sorgfalt erstellt, absolut erstklassig, hier
bleiben keine Wünsche offen. Was uns
bei den Speisen fast etwas zu viel des
Guten erscheint, dieses unbändige Streben, alles und noch mehr anzubieten,
verdient bei der Zusammenstellung der
Weinkarte wahrlich ein Kompliment. jr
Freiestrasse 213, 8032 Zürich
Fon 044 381 46 46
www.antiquario.ch
di–fr 11.30–14.30 & 18–24,
sa & so 18–24 Uhr
(Küche 11.30–14 & 18–22 Uhr),
mo, sa-mittag & so-mittag geschlossen
sowie vom 27. Juli bis 10. August
HG Fr. 22.50–79.50
h m s
t
v
Verführung auf Italienisch –
unkompliziert: Rang 14
Aroma
Aromatisch
Auch an einem Montag im Mai sollte
man das «Aroma» nicht unterschätzen.
Die Terrasse füllt sich im Nu, und wir
haben unserer Nichtreservation wegen
durchaus Glück, noch einen Platz zu
ergattern. Unterschätzen sollte man
auch nicht die Erfahrung der beiden
Herren, die zu «Aroma» und Aromen
man für 85 Franken, einen raren 1999er
Auktions-Cabernet-Sauvignon von Thelema zu 115 Franken. Was zeigt, dass
man hier für Reifes nicht zwingend viel
Geld auf den Tisch legen muss, sondern
Schnäppchen machen kann. Man muss
nur nett fragen, dem Patron Interesse
signalisieren und darauf hoffen, dass
er alten Sassicaia oder eine der vielen
Spezialitäten der südlichen Rhône auch
wirklich aus dem Keller klaubt und nicht
für sich behält. Was man noch sollte im
«Bü», hat mit Essen zu tun. Das Cordon
bleu darf man um Gottes Willen nicht
verpassen (wir tun es nicht und rechnen
es zur Zürcher Spitze), das Rindstatar
auch nicht (gelingt super), und dass die
Kalbsleberli, eigentlich auf dem Tagesprogramm, schon weggegessen waren,
akzeptieren wir nur schweren Herzens.
Wer sich zum Dessert nicht zu einer
angenehm fruchtig abgeschmeckten und
wunderbar intensiven Schoko-Passionsfrucht-Tarte verführen lässt, ist selbst
schuld. Wollen wir natürlich nicht sein.
Schön, dass ein Restaurant auch noch
beim Dessert einen tollen Eindruck zu
wf
vermitteln sucht.
Kuttelgasse 15, 8001 Zürich
Fon 044 211 94 11
www.buetique.ch
mo–fr 11–23.30 Uhr
(Küche 11.30–14 & 18.30–22 Uhr),
sa 11.30–18.30 (only Cheese and Pies),
sa-abend & so geschlossen
HG Fr. 36–56
h m t
v
Trouvaillen für Weinnasen: Rang 4
C
tisch an der Bahnhofstrasse, ideal im
Sommer zum Draussensitzen. Und immer
hält die Speisekarte etwas bereit, worauf
man gerade Lust hat. Einen Spargelsalat mit Riesencrevetten (Fr. 22.–/34.–),
Kalbsfilet-Medaillons an Zitronensauce
mit hausgemachten Nudeln (Fr. 56.–),
eine gebratene ganze Seezunge an Butter und Salbei mit Bratkartoffeln (Fr.
53.–). Das deutsche Ehepaar am Nachbartisch ist offensichlich nicht zum ersten Mal hier, wird nach einem Lächeln
zur Begrüssung gefragt, ob es wie immer
ein Franciacorta sein dürfe. Später werden sie geschnetzelte Kalbsleber und
Safranrisotto bekommen (er) und eine
kleine Portion Penne all’arrabbiata (sie).
Bei den Weinen empfehlen sich die
Weissweine von Cervaro della Sala, Antinoris Weingut in Umbrien, die auch offen
ausgeschenkt werden wie praktische
alle Weine in der «Cantinetta». Einzige
Ausnahme sind Raritäten und gereifte
Weine. Aber man könnte sich durchaus
ein Glas Tignanello (Fr. 20.–) oder Solaia
(Fr. 42.–) gönnen. Eine Seite der Speisekarte ist den Sommertrüffeln gewidmet.
Sie werden grosszügig über Crostini,
Risotto oder Tagliolini gehobelt. Wir
geniessen, nicht zum ersten Mal, den
Meerfrüchtesalat mit Tintenfisch, Scampi
und Miesmuscheln (Fr. 19.–/29.–) sowie
eine Tagliata, nicht vom Rind, sondern
vom Kalb (Fr. 48.–).
wm
Augustinergasse 25, 8001 Zürich
Fon 044 211 72 10
www.bindella.ch
mo–sa 11.30–23.30 Uhr (Küche
bis 22.30 Uhr), so 11.30–22.30 Uhr
(Küche bis 21.30 Uhr)
HG Fr. 23–69
h m s
Cantinetta Antinori
Unter der Woche, das Weekend
Am Wochenende ist alles ein bisschen
anders. Die Küche bleibt zwar ebenfalls
durchgehend warm, aber statt BusinessLook ist nun Freizeitbekleidung angesagt. Samt Familie und Kindern. Kurz vor
dem Mittag beginnt die Rushhour und
hält bis in den späten Nachmittag an.
Ein ständiges Kommen und Gehen hält
das stets fröhliche Personal der «Cantinetta Antinori» auf Trab. Es kümmert
sich rührend um die allerjüngsten Gäste,
plaudert in Italienisch-Schweizerdeutsch, bringt Farbstifte, Spaghetti mit
Tomatensauce, streichelt Kinderköpfe.
Unter der Woche kommt man nicht her,
um allervertraulichste Gespräche zu führen. Doch die «Cantinetta Antinori» ist
ein geeigneter Ort für einen gepflegten
Business-Lunch. Zentral gelegen, prak-
t
v
Business an der Bahnhofstrasse:
Rang 8
Carlton
Klassischer und bodenständiger
Rund sechs Jahre ist es her, als sich
das «Carlton», ein Traditionshaus an
der Bahnhofstrasse, neu in einem recht
extravaganten Art-déco-Look präsentierte. Nun sind die fast etwas schwülstigen Wandbilder schon wieder verschwunden und das Restaurant präsentiert sich
in einem gehobenen Wohnzimmer-Stil,
etwas heller, mit Bücherregalen an einer
Wand, bequemen Sesseln mit hohen Lehnen an einzelnen Tischchen etwa.
Auch die Karte ist klassischer und bodenständiger geworden. Lauwarmes Markbein, Siedfleischsalat und Hauspastete
mit Waldorfsalat und Cumberlandsauce
gibt es als Vorspeisen etwa, als Haupt-
h
ZÜRICH GEHT AUS!
City
059
Carlton
betreut, die sich beim Abschied herzig für
ihr «noch mangelhaftes Weinwissen» entschuldigt. Dies, weil uns «Blauburgunder
aus Graubünden» für unsere Entscheidungsfindung nicht genügt hat und sie
nochmals zurückmusste, um mit detaillierteren Angaben dienen zu können. Es
handelte sich übrigens um den Lochert
von Gian-Battista von Tscharner. Bei der
Weinauswahl im «Carlton» die Übersicht
zu behalten, ist selbst für altgediente
Profis eine Herausforderung. Die Auswahl
ist phantastisch, gegen 900 Weine stehen
auf der Karte, grosse Gewächse aus dem
Burgund und dem Bordelais genauso wie
Trouvaillen aus dem Wallis und aus dem
Napa Valley – «Alles von 6.80 bis 380.–
pro Deziliter», wie Wirt und Sommelier
Markus Segmüller schreibt. Unter dem
guten Dutzend Bündner Blauburgundern
gibt es den berühmten Pinot von Martha
und Daniel Gantenbein übrigens in nicht
weniger als drei Jahrgängen.
hpe
gänge Zunft-Kalbsbratwurst, Zürcher
Geschnetzeltes, Wienerschnitzel, Kalbshaxe, Filet Wellington und Kalbskotelett.
Und als Desserts Griessflammeri, gerührten Eiskaffee mit Kirsch und Rahm sowie
Crêpe Suzette.
Unsere Vorspeise ist in diesem Programm fast schon avantgardistisch:
Erbsen-Kartoffel-Püree mit pochiertem
Ei, Weissweinschaum und Brotchip (Fr.
16.–, als Hauptgang Fr. 22.–). Schmeckt
uns sehr. Klassischer lassen wir es beim
Hauptgang angehen: Das Mistkratzerli
im Heu mit Knoblauch und Nussbutter
(Fr. 38.50) wird im Kupferpfännli auf
einem Réchaud aufgetischt, das Hähnchen schon praktisch in vier Teile portioniert. In einem separaten Pfännchen
kommt die Nussbutter, das gemischte
Gemüse in einem Schälchen. Ganz nach
Belieben kann man sich selbst schöpfen oder sich von der sehr freundlichen
Bedienung helfen lassen. Uns fällt auf,
dass auch die Kellnerinnen und Kellner,
die, unterwegs an andere Tische, auch
raus auf die grosse Terrasse, vorbeieilen,
immer einen aufmerksamen Blick auf
die Tische werfen und, sobald ein Gast
den Eindruck erweckt, er habe irgendein
Bedürfnis, sofort abbremsen und nach
allfälligen Wünschen fragen. Wir werden
von einer jungen Frau in der Ausbildung
Hunde
erlaubt
m
Mittagsmenü
r
Raum für
Raucher
Bahnhofstrasse 41, 8001 Zürich
Fon 044 227 19 19
www.carlton.segmueller-collection.ch
mo–sa 11.30–24 Uhr (Küche 11.30–14
& 18–22 Uhr, dazwischen kleine Karte),
so geschlossen
HG Fr. 24–59
h m t
v
Business an der Bahnhofstrasse:
Rang 4
s
Sonntag
offen
t
Terrasse/
Garten
v
vegetarische
Gerichte
ber, der sein umfassendes Wissen gerne
hpe
mit interessierten Gästen teilt.
Pfalzgasse 4, 8001 Zürich
Fon 044 211 70 71
www.lindenhofkeller.ch
mo–fr 11.45–14.30 & 18–23.30,
sa 18–23.30 Uhr (nur Dezember),
sa & so geschlossen sowie 25. Juli bis
16. August und Weihnachten/Neujahr
HG Fr. 29–73
h m t
v
Trouvaillen für Weinnasen: Rang 2
Locanda
(im Carlton)
Ohne Stau ins Tessin
Die «Locanda» – Untertitel: «Ristorante
ticinese» – ist das neuste Lokal im «Carlton» in der Zürcher City, aber es sieht
aus, als ob es schon immer da gewesen
wäre. Also seit rund 100 Jahren. Tatsächlich ist einiges vom Interieur nicht nur so
alt, sondern war auch immer an diesem
Ort. Die alten Wandbilder des Tessiner
Künstlers Pietro Chiesa etwa; sie waren
nur während vieler Jahre hinter Wandverkleidungen versteckt, als der Raum
für Veranstaltungen genutzt wurde. Aber
als Hugo E. Prager 1913 das «Carlton»
eröffnete, war da auch schon ein Tessiner
Restaurant.
Die neue «Locanda» im alten Look bietet
Tessiner Küche wie im Tessin: Filetto di
lucioperca (Zanderfilet; Fr. 35.–), Ossobuco Gremolata (Fr. 36.–), Galetto (Mistkratzerli; Fr. 36.–), Brasato di manzo (Fr.
36.–), Tagliata di filetto di manzo (Fr.
49.–) und Spiedino «Locanda Ticinese»
(Rindfleischspiess; Fr. 44.–) stehen auf
der überschaubaren Karte, dazu wird
nach Wahl Risotto, Polenta, Patate al
forno oder Verdura di stagione serviert.
Als Vorspeisen gibt es unter anderem
Tessiner Trockenfleisch (Piatto ticinese;
Fr. 15.– per 100 g), Carpaccio vom Rindsfilet (Fr. 22.–/29.–), verschiedene Salate
und eine Minestrone nostrana (Fr. 12.–).
Voraus, dazwischen oder als Hauptgang
sind auch Risotto mit Steinpilzen (Fr.
18.–/28.–), Malfatti mit Butter und
Salbei (Fr. 22.–/29.–), Käseravioli (Fr.
19.–/29.–) oder Kalbfleischravioli (Fr.
22.–/32.–) zu haben.
Wir wollen wissen, wie tessinerisch das
Essen hier wirklich ist und ordern den
typischen Brasato mit Polenta. Voraus
die Minestrone, bei der das Gemüse in
der Suppe etwas gar verkocht ist, die
aber gut schmeckt. Nach dem hübschen
blauen Teller mit Blumenmuster (aus
England, nicht aus dem Tessin) kommt
nun dasselbe Muster in Rot mit dem
Hauptgang. Vier rechte Scheiben Bra-
h
City
gras-Spiess mit Spinat, Safranchutney
und mit schwarzem Reis gefüllter Frühlingsrolle (Fr. 65.–) noch die Engadiner
Rindsfiletwürfel an Pommery-Senfsauce
(Fr. 36.–/54.–), sondern einmal mehr …
siehe oben. Aber nächstes Mal nehmen
wir dann wirklich etwas anderes.
Patron René Hofer trägt zwar die weisse
Kochbluse, doch er scheint seine Küche
in guten Händen zu wissen und kümmert sich um die Gäste, gibt da einen
Tipp, erklärt dort ein Gericht und öffnet
für eine Männerrunde in der Ecke schon
am Mittag eine Flasche Château Rayas.
Den berühmten Châteauneuf-du-Pape
hat er in drei Jahrgängen im Angebot,
1999, 2001 und 2004 (Fr. 450.–, 430.–,
390.–). Der Rayas ist nur einer von
vielen grossen Namen – von Gantenbein und Johann Schwarz über Dujac,
Mouton-Rothschild, Pétrus und Cheval
Blanc bis zu Sisseck, Gaja, Sine Qua Non,
Kapscandy und Philip Togni, um nur ein
paar zu nennen – auf René Hofers langer Weinliste. Das Preisspektrum reicht
bei den Roten, normale Flaschengrösse,
vom Tessiner Merlot Irti Colli 2012 von
Settemaggio für 54 Franken bis zu den
Jahrgängen 2009, 2010 und 2011 des
berühmten Burgunder Pinots La Tâche
von der Domaine de la Romanée-Conti
für 2900 Franken. Wobei es da noch den
Romanée-Conti von der namensgebenden Lage gäbe, Jahrgang 2010 – Preis
auf Anfrage. Wir haben nicht gefragt.
Sondern uns an den offen ausgeschenkten Weinen aus weniger bekannten,
norditalienischen Rebsorten erfreut: erst
am Manzoni bianco, dann am Teroldego
(je Fr. 9.50/dl), beide von der Winzerin
Elisabetta Foradori aus dem Trentino,
die ganz wunderbare Tropfen keltert.
Neben all den renommierten und entsprechend teuren Flaschen gibt es auf
der umfangreichen «Lindenhofkeller»Weinkarte auch viele weniger bekannte
Weine, die zu entdecken sich lohnt. Die
umwerfenden Neuenburger Pinots von
Jacques Tatasciore zum Beispiel, die feinen Burgunder von Georges MugneretGibourg, die betörenden Cahors von Château du Cèdre, die sensationellen Cuvées
der Domaine des Enfants des Schweizers
Marcel Bühler im Languedoc (importiert
Hofer selbst und verkauft sie auch über
die Gasse) oder die tollen deutschen Rotweine vom Weingut Knipser in der Pfalz.
Und wer gute Bordeaux und starke Amerikaner liebt, hat sowieso die Qual der
Wahl. Wer nicht weiss, was er bestellen
soll, lässt sich vom Chef beraten – René
Hofer ist ein passionierter Weinliebha-
ZÜRICH GEHT AUS!
069
Metropol (Seite 070)
«Carlton»-Karte mit rund 900 Positionen
jede Flasche ordern. Offen ausgeschenkt
werden von den Tessinern lediglich je ein
Weisser und ein Roter, aber dafür sehr
ordentliche: der Vinattieri bianco (Fr.
8.50/dl) und der Vecchia Masseria von
Vinattieri (Fr. 8.–/dl).
Fazit: Mit dem Besuch in der Zürcher
«Locanda» kann man geniessen wie im
Tessin – aber ohne Gotthard-Stau. hpe
sato, so mürbe geschmort, dass man ihn
ohne Messer essen kann, dazu genügend
von der geschmackvollen Rotweinsauce
– tatsächlich wie in einer guten Beiz im
Tessin. Die in einem separaten Schüsselchen dazu gereichte Polenta übertrifft
die durchschnittliche Tessiner Polenta
weit; sie ist cremig und schmeckt köstlich – einen so guten Maisbrei haben wir
schon länger nicht mehr vor uns gehabt.
Auf der anderen Tischseite kommt das
Tagesmenü auch gut an: erst eine Mangoldcremesuppe mit gebratener Riesencrevette, dann eine würzige Salsiccia auf
einem sämigen Kräuterrisotto (Fr. 32.–).
Dass in den Segmüller-Betrieben das
Weinangebot ausserordentlich gut und
umfangreich ist, weiss man. In der
«Locanda» werden auf der Karte rund drei
Dutzend Tessiner Abfüllungen angeboten,
die Roten sortiert unter «Vini per tutti i
giorni» (z. B. Il Rubino 2010 von Adriano
Kaufmann, Fr. 62.–), «Pretenzioso» (z. B.
Riflessi d’Epoca 2009 von Guido Brivio, Fr.
86.–), «Edizione limitata» (z. B. Conte di
Luna 2010 von Werner Stucky, Fr. 115.–),
«Perche no?» (z. B. Castello Luigi 2011
von Vinattieri, Fr. 220.–) und «Grandi
bottiglie per grande abbuffata» (Grossflaschen; z. B. Montagna Magica 2011
Magnum von Daniel Huber, Fr. 210.–).
Daneben kann man auch von der grossen
Hunde
erlaubt
m
Mittagsmenü
r
Raum für
Raucher
Nüschelerstrasse 6, 8001 Zürich
Fon 044 227 19 22
www.locanda-zuerich.ch
mo–fr 11.30–14 & 18–23, sa 18–24 Uhr
(Küche bis 22 Uhr),
sa-mittag & so geschlossen
sowie 26. Juli bis 16. August
HG Fr. 28–49
h m t
v
Gut und bürgerlich: Rang 4
Lumière
Bistro-Spezialitäten
Zum kurz Ausklinken ist das schmale
«Lumière» genau das richtige Restaurant. Mittags für zwei Stunden Zürich
vergessen und sich in dieser Zeit wie
in Paris fühlen. In einem versteckten
Bistro. Mit weiss gedeckten Tischchen
und karierten Kissen. Wo man Ellbogen
an Ellbogen sitzt, wo getafelt, getrunken und viel geredet wird. Nein, den
Pastis braucht es nicht zwingend, aber
s
Sonntag
offen
t
Terrasse/
Garten
v
vegetarische
Gerichte
ZÜRICH GEHT AUS!
Kreis 4
136
Morgarten (Seite 139)
dest ideell: mehr von solchen witzigen
Kleinigkeiten!
Die Meta-Weinkarte protzt nicht in erster Linie mit grossen Namen, sondern
mit kompetenten Winzern. Und mit
Brauern, denn ziemlich weit vorn in der
Karte steht eine schöne Auswahl von
Chopfab-Bieren. Warum nicht mal ein
Whisky-Ale statt des roten, aus Trauben
gepressten Terra do Zambujeiro aus Portugal? Riesling von Gut Hermannsberg
(Deutschland) oder Masseria Li Veli (Italien) sind ebenso zu empfehlen wie der
Petit Manseng zum Dessert. Der könnte
eventuell auch zur Honig-Entenleber
passen, noch einem von Metas Klassikern. Am besten lässt man sich eh ein
Gaumentanz-Menü mit passenden Weinen empfehlen, am allerbesten von der
Chefin selbst. Macht sie, wie wir Meta
kennen, bei Anwesenheit mit Leidenwf
schaft.
Kanonengasse 29, 8004 Zürich
Fon 044 240 41 00
www.restaurant-lechef.ch
di–fr 11–15 & 17.30–23.30 Uhr (Küche
11.30–14 & 18–22 Uhr), sa 17.30–01 Uhr
(Küche bis 23 Uhr), mo, sa-mittag & so
geschlossen sowie 12. Juli bis 3. August
und 20. bis 30. Dezember
HG Fr. 33.50–68
h m r
v
Genuss pur in den Quartieren: Rang 7
h
Hunde
erlaubt
m
Mittagsmenü
r
Raum für
Raucher
Loft Five
Full House
Nein, wir sind nicht spätabends da, wenn
im «Loft Five» die Küche nochmals in die
Hosen steigt, bis 1 Uhr in der Früh, für
die bei jungen Leuten beliebten «Late
Night Pasta & Burger». Wobei das «Loft
Five» mit seinen fünf Welten – Bakery,
Gallery, Bar, Cocktail-Lounge, Restaurant-Deck – sowieso kaum eine ruhige
Minute zu kennen scheint. Auch tagsüber. Immer ist hier was los, meist Full
House. Erst recht im Sommer, wenn ein
weiteres Element hinzuzukommt: die
Terrasse.
Mittags wird im «Loft Five» an der
Europaallee ein Dreigänger in einer
garantierten Viertelstunde serviert (Wassermelonenkaltschale, kleiner Salat, Spaghetti al salmone; Fr. 29.–). Wir haben
einen Tisch für zwei Personen reserviert,
beruflich, nicht privat. Um uns für ein
ernstes, aber nicht allzu ernstes Gespräch
zu treffen und um uns verwöhnen zu lassen von «Upper Class Casual Dining», wie
das hier genannt wird. Das am Knochen
geschmorte Barbecue-Rindsfederstück
mit Frites (Fr. 42.–) und die während
24 Stunden geschmorte Schweinsschulter fürs Pulled-Pork-Sandwich (Fr. 28.–)
lassen wir für einmal aussen vor. Auch
s
Sonntag
offen
t
Terrasse/
Garten
v
die diversen Burger. Leichte Sommergerichte locken, eine Gazpacho-Trilogie
(Gurke, Mandel, Erdbeere; Fr. 10.–), ein
geräuchertes Forellentatar mit SpargelTomaten-Salat (Fr. 16.50) und ein
lauwarm serviertes Vitello tonnato mit
Kräutersalat und Kapernäpfeln (Fr. 33.–).
Sowie weit weniger leichte Gerichte wie
Büffel-Currywurst oder Cordon bleu vom
Kalb mit Greyerzer und Bauernschinken.
Wir haben uns für die leichte Küche entschieden, bekommen einmal Fisch, das
gebratene Red-Snapper-Filet auf einem
asiatischen Glasnudelsalat (Fr. 33.–).
Sowie vom Grill das Entrecôte (200 g,
Fr. 48.–). Zu dem Kopfsalat, Coleslaw,
Knusper-Frites, Bratkartoffeln, Trofiette,
Blattspinat oder Marktgemüse gehören.
Sowie eine Barbecue-Sauce, hausgemachtes Ketchup, Café de Paris oder eine
Hot Chili Salsa. Wir bestellen vom feinen
Gurkensalat, wie eigentlich immer. Interessante Steigerungsmöglicheiten vom
Grill wären Rindsfilet, T-Bone vom Kalb
und ein Tomahawk-Steak.
Wie hats geschmeckt?, werden wir von
der freundlichen Bedienung gefragt. Wie
gewohnt, sehr gut. Fürs Arbeitsgespräch
war es allerdings eine Spur zu lebendig.
Für ungestörte Meetings zieht man sich
besser in eine der Nischen im Holzkubus
zurück, dort haben bis zu sechs Personen Platz.
Beim «Loft Five» kommt man unweigerlich auf den Wein zu sprechen. Allein
27 Weine werden offen ausgeschenkt
(Enomat). Wer Lust auf mehr und einen
guten Tessiner Wein hat, bestellt den
Balin 2009 von Kopp von der Crone Visini
(Fr. 94.–).
wm
Europaallee 15, 8004 Zürich
Fon 044 755 50 50
www.loftfive.ch
mo–do 7–01, fr 7–02, sa 10–02 Uhr
(Küche 11.30–14 & 17.30–22 Uhr,
dazwischen kleine Karte,
mi–sa 22–01 Uhr late night pasta,
sa Brunch 10–16 Uhr), so geschlossen
HG Fr. 19–69
h m t
v
Zürcher Trendsetter: Rang 7
M
Marisqueira
Atlântico
Mit gehissten Segeln
Der Name Marisqueira bedeutet in der
portugiesischen Sprache ganz einfach
Fischrestaurant, und darum geht es
hier, mitten im Kreis 4. In maritimem
Ambiente geniesst man frischen Fisch
vegetarische
Gerichte
und Meeresfrüchte und darf sich dabei
für einen Abend lang wie in den Ferien
fühlen. Die Küche ist den Abstecher weg
von den stärker frequentierten Quartieren allemal wert.
Die Einrichtung mit dem Plattenboden
und den holzverkleideten Wänden wird
dem südlichen Anspruch völlig gerecht,
die weiss gedeckten Tische wirken einladend und gepflegt. In grossen Aquarien schwimmen zwar nur kleine Fische
– wir vermuten die grossen bereits in
der Küche –, doch der Eindruck eines
authentisch portugiesischen Lokals wird
damit noch verstärkt. Wir werden aufs
Freundlichste begrüsst und zu unserem
Tisch geführt.
Das letzte Mal waren wir nach einer Vernissage mit einer grossen Gesellschaft
hier, es gab ein Menü mit wunderbaren,
hauchdünnen Ravioli, danach Stockfisch
aus dem Ofen. Heute können wir auswählen und studieren die mit schwungvoller
Schrift geschriebene Speisekarte. Da sich
das freundliche Servierpersonal etwas viel
Zeit lässt, was uns heute nicht besonders
stört, da wir gut gelaunt und nicht in Eile
sind, haben wir Zeit, uns ausführlicher als
sonst mit der Karte zu beschäftigen. Das
Brot ist knusprig frisch, dazu trinken wir
ein Glas kühlen portugiesischen Vinho
verde. Es gibt Entradas frias mit verschiedenen Salaten und Lachscarpaccio (Fr.
17.80) und Entradas quentes mit Miesmuscheln, Tintenfisch (Fr. 17.80) und
Riesencrevetten, gefolgt von Knoblauchund Fischsuppe. Etwas fremd wirken die
italienischen Pastagerichte zwischen all
diesen portugiesischen Spezialitäten,
doch wir haben uns von deren Qualität
bereits überzeugen können, also nichts
gegen hausgemachte Ravioli, Panzerotti
und Tagliatelle mit Fleisch, Steinpilzen,
Tomaten oder Butter und Salbei (Fr. 9.80
bis 15.80).
Hausspezialität sind Fische und Meeresfrüchte vom Grill wie Seezunge (Fr.
52.–), Dorade und Tintenfische, für
zwei Personen gibt es einen gemischten Meeresteller oder den Wolfsbarsch
im Salzmantel (Fr. 59.–). Natürlich darf
der Bacalhau (Stockfisch) nicht unerwähnt bleiben: alla «Marisqueira», mit
Rahm, mit Kartoffeln, in der Pfanne oder
im Ofen zubereitet (Fr. 32.– bis 34.–).
Obwohl die «Marisqueira» definitiv
ein Fischrestaurant ist, kommen auch
Fleischliebhaber nicht zu kurz. Die Auswahl ist gross, reicht von Kalbsschnitzel,
in Madeirasauce (Fr. 35.80) bis zu Mistkratzerli nach Grossmutterart (Fr. 29.80).
Die umfangreiche Weinkarte verfügt über
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