B I O F I L M – B I O F I L M –

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19.11.2015
B I O F I L M –
ein nicht immer
sichtbares Problem ?
Dr. Stephan Schrinner
Ambulantes BehandlungsCentrum ABC
im Klinikum Nürnberg Nord
Biofilm
Biofilm
Biofilme entstehen, wenn Mikroorganismen sich an Grenzflächen
zwischen 2 verschiedenen Phasen anlagern und dort wachsen.
Sie bilden sich überwiegend in wässrigen Systemen auf der Wasseroberfläche oder auf einer Grenzfläche zu einer festen Phase.
Biofilme bestehen aus einer dünnen Schleimschicht (d.h. ein Film =
extrazelluläre polymere Substanzen = EPS ), in der Mikroorganismen
(Bakterien, Algen, Pilze, Protozoen) eingebettet sind.
Diese EPS bestehen aus Polysacchariden, Proteinen, Glykolipiden und
Bakterien-DNA.
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Biofilm
Biofilm
Verschiedene sezernierte Proteine und Enzyme unterstützen den Biofilm
dabei, sich im Wundbett zu verankern.
Voll ausgereifte Biofilme stoßen suspendierte Bakterien, Mikrokolonien
und Biofilm-Fragmente ab,
die dann streuen und sich an anderen Stellen des Wundbetts oder an
anderen Wunden festsetzen und so neue Biofilm-Kolonien bilden.
Biofilm
Biofilm
Ein bakterieller Biofilm kann definiert werden
als Akkumulation einzelner Bakterienzellen
und Mikrokolonien an der Grenzfläche
zwischen zwei verschiedenen Phasen.
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Biofilm
Biofilm
Biofilme stellen somit eine komplexe mikrobielle Gemeinschaft dar.
Die Mikroorganismen bilden eine schleimige Matrix aus Zucker und
Proteinen, die die Mikroorganismen vor äußeren Bedrohungen schützt
und ein Anhaften an „vitalen“ und „avitalen“ Oberflächen ermöglicht.
Biofilm
Biofilm
Gewebeischämie, Nekrosen, Malnutrition und andere Komoiditäten,
die das Immunsystem beeinträchtigen, können prädisponierend für die
Entstehung eines Biofilms in der chronischen Wunde sein.
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Biofilm
Biofilm
Biofilme stimulieren eine chronisch-entzündliche
Reaktion als Immunantwort des Körpers, um den
Biofilm aus dem Körper zu entfernen.
freiliegende Knie-TEP
Biofilm
Biofilm
Das führt zu einer übermäßigen Produktion
von Entzündungszellen mit einer vermehrten
Freisetzung von reaktiven Sauerstoffspezies
(ROS, auch Oxidantien genannt),
Matrixmetalloproteinasen (MMP) und
Elastase.
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Biofilm
Biofilm
ROS und MMP schädigen auch gesunde
Strukturen und können so die Wundheilung
behindern.
Biofilm
Biofilm
Die daraus u.a. resultierende vermehrte
Exsudation der Wunde dient dem
Biofilm zur Verbesserung seiner Ernährungssituation.
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Biofilm
Biofilm
Internationale Untersuchungen haben ergeben,
dass bis zu 60% der chronischen
und nur 6% der akuten Wunden mit Biofilm belastet sind.
Biofilm
Biofilm
Stagnation der Wundheilung kann auf einen Biofilm hinweisen.
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Biofilm
Biofilm
Biofilme sind primär mikroskopisch kleine Strukturen.
Erst wenn der Biofilm unbehandelt anwachsen kann, ist er mit bloßem
Auge erkennbar.
Der Wundgrund erscheint gelartig glänzend belegt.
Biofilm
Biofilm
Ein sicherer Nachweis ist klinisch erfahrenen Ärzten rein makroskopisch,
ansonsten derzeit aber nur mikroskopisch möglich.
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Biofilm
Biofilm
Ein Biofilm lässt sich somit auf einfachster Ebene beschreiben als
eine Gemeinschaft von Mikroorganismen verschiedener Spezies,
die in eine dicke schleimige Schutzschicht
aus Zuckern und Proteinen (EPS) eingebettet sind.
Biofilme sind fest an Oberflächen gebunden und lassen sich
N I C H T durch einfaches Spülen entfernen.
Biofilm
Biofilm
Die typischen Vertreter:
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Staphylococcus aureus
Staphylococcus epidermidis
Streptococcus
Pseudomonas aeruginosa
Legionella pneumophila
Atypische Mykobakterien
Coliforme Bakterien
Escherichia coli
Enterokokken
Amöben
Enteroviren
Candida albicans
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Biofilm
Biofilm
Entstehung der Biofilme?
• Induktionsphase = Anlagerung der Bakterien an eine benetzte Oberfläche mit Film
• Akkumulationsphase = Quorum sensing,
d.h. Aktivierung genetischer Prozesse mit Ausbreitung des Biofilms
• Existenzphase = Gleichgewicht zwischen Zuwachs und Abbau des Biofilms
Biofilm
Biofilm
Wie schnell bilden sich Biofilme?
• haften sich innerhalb weniger Minuten an
• stark anhaftende Mikrokolonien bilden sich innerhalb von 2 – 4 Stunden
• bilden initial EPS und sind innerhalb von 6 – 12 Stunden zunehmend
toleranter gegenüber Bioziden (Antibiotika, Antiseptika, Desinfektionsmittel)
• entwickeln sich innerhalb von 2 – 4 Tagen zu ausgereiften BiofilmKolonien, die äußerst resistent gegenüber Bioziden sind
• erholen sich rasch von mechanischer Zerstörung
• bilden innerhalb von 24 Stunden neue reife Biofilme
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Biofilm
Biofilm
Gibt es „physiologische“ Biofilme?
Ja
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in allen Böden und Sedimenten sowie auf Gestein und Eis
in Pflanzen
in Tieren – hier insbesondere an Schleimhäuten
in Wasser-, Öltanks bzw. -rohren
Zahnplaque
Mundflora
Darmflora
Vaginalfora
Biofilm
Biofilm
Kann man Biofilme sehen?
Ja
• die vorgenannten „physiologischen“ Biofilme
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chronische Entzündung bei Mukoviszidosepatienten
bei Infektionen an orthopädischen Implantaten
bei Infektionen an Endotrachealkanülen
bei Infektionen an Blasenkathetern
bei bakterieller Vaginose
bei Infektionen an Brustimplantaten
bei Infektionen mit Pseudomonas
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Biofilm
Biofilm
Kann man Biofilme sehen?
Ja
Infektionen mit Pseudomonas aeruginosa:
diese synthetisieren Pigmente, die den Nachweis erleichtern
sie produzieren das Quorum-Sensing-Molekül Pyocyanin, ist grün
die Grünfärbung ist aber nicht zwangsläufig ein Indikator für Biofilm
Biofilm
Biofilm
Was bedeutet Quorum Sensing (QS)?
QS bedeutet die Fähigkeit von Bakterien, miteinander zu kommunizieren.
• d.h. ihr Verhalten zu koordinieren
• sich zu verändern
• sich der Umgebung anzupassen
Somit können sie sich mit dem QS dem Wundmilieu anpassen und sich
gegenüber „Angriffen“ besser wehren.
Dies erklärt die „Biofilm-Resistenz“
gegenüber Antibiotika und Bioziden.
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Biofilm
Biofilm
BIOFILME SIND IMMER ALS
KRITISCHE KOLONISATION
ZU BETRACHTEN
Kritische Kolonisation = erhöhte Keimbesiedlung einer chronischen Wunde
ohne systemische Wirtsreaktion, also ohne Infektion
Biofilm
Biofilm
Behandlungsgrundsätze?
1. Reduzierung des Biofilms
2. Verhinderung der Rekonstitution
( = der Neubildung eines Biofilms)
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Biofilm
Biofilm
Behandlungsgrundsätze?
Ausduschen mit Leitungswasser mittels Steril- oder Einmalfilter (z.B. Pall
Kleenpak Wasserfilter für 1 Monat) – nur als ergänzende Zusatzmaßnahme, nicht als alleinige
therapeutische Maßnahme
Cleansing (physikalisches Debridement) mit sterilen Kompressen oder
Debrisoft® (Komposition aus Polyester und Rückenbeschichtung aus Polyacryl, kolophoniumfrei)
Chirurgisches Debridement mit dem Skalpell
Chirurgisches Debridement mit dem Ultraschall
Biofilm
Behandlungsgrundsätze?
Wundbehandlung mit polyhexanidgetränkten Superabsorbern
Wirkmechanismus von Polyhexanid:
vergleichbar mit einem Geschirrspülmittel
wirksam sind hierbei die oberflächenaktiven Substanzen, die Tenside
Durch die niedrige Oberflächenspannung von z.B. Prontosan® Wundspüllösung wird die physikalische Entfernung des Biofilms erreicht.
Das wirksame Tensid in
Prontosan ist das Betain.
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