Exkursionsbuch - Aktuelles

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IstanbulBesichtigte Orte
1 Konstantinsäule, Cemberlitas
2 Sultan Ahmet-Platz | Basar
3 Asiatische Seite
4 Taxim Platz
5 Galata Turm
6 Istanbul Modern | bunte Treppe
7 blaue Moschee
8 Bosporus-Tour
9 Fischmarkt
10 Hagia Sophia
11 Zysterne
12 Santral Istanbul | MSGSÜ
13 Kanyon, Sapphire
14 Santral Istanbul
MSGSÜ
15 Topkapi Palast
Sonsige
Impressum
Seite 4-7
Seite 8-15
Seite 16-31
Seite 32-33
Seite 34-41
Seite 42-47
Seite 48-53
Seite 54-55
Seite 56-59
Seite 60-61
Seite 62-71
Seite 72-77
Seite 78-84
Seite 85-87
Seite 88- 93
Seite 94-98
Seite 99
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Tag 1 – Freitag – Ankunft und
erste Eindrücke
Wir flogen in zwei unterschiedlichen Gruppen von Frankfurt los. Die erste Gruppe
morgens, die Zweite zur Mittagszeit. Nach
einem angenehmen Flug wurden wir am
Flughafen in Istanbul von einem Mitarbeiter unseres Hostels mit einem wackeligen
Kleinbus in Empfangen genommen. Auf
der abenteuerlichen Fahrt zum eigentlich
nahe gelegenen Hostel konnten wir bereits
erste Eindrücke sammeln. Wir waren sehr
gespannt auf Istanbul! Die einzige Metropole der Welt die sich über 2 Kontinente erstreckt und eine Vielfalt an Kultur versprach.
Anfangs fielen die schöne Bepflanzung,
das Meer und das gute Wetter auf, je näher wir dem Cordial House kamen, desto
dichter und pulsierender wurde die Stadt.
Kurz vor unserer Ankunft wurde es in den
engen Gassen zunehmend schwieriger sich
mit den Bussen fortzubewegen. Durch das
Gehupe und Geschrei kam die türkische
Mentalität zum ersten Mal gut zur Geltung.
Nebenbei erlebten wir auch die Stadtgestaltung, die von vielen kleinen Häusern mit
meist einheitlicher Größe und wenig Zwi-
schenräumen geprägt war. Unsere Unterkunft befand sich zentral gelegen in der
Altstadt am Goldenen Horn. Dieser Teil der
Stadt stellte früher Byzantion dar, welches
660 v. Chr. von griechischen Siedlern gegründet wurde. Nach dem Beziehen unserer Zimmer machten wir uns trotz der anstrengenden Reise sofort auf den Weg um
unsere Umgebung zu erkunden.
Die nächste Straßenbahnhaltestelle „Cemberlitas“ war nur ein paar Schritte entfernt,
durch die Konstantinsäule leicht erkennbar
und damit unser Orientierungspunkt, falls
wir uns verlaufen sollten. Die 43,8m hohe
Säule wurde um 330 n. Chr. durch Kaiser
Konstantin zur Gründung Konstantinopels
erbaut und war Zeichen seines Willens,
Griechentum, Judentum und Christentum
zu vereinen. In ihrem Fundament sollen sich
angeblich einige der wichtigsten Reliquien
des Christentums befinden. Bis 1105 befand sich auf ihr außerdem eine Bronzefigur, die den Kaiser als Apollon darstellte.
Sie wurde durch einen Sturm gestürzt und
durch ein Kreuz ersetzt. Dieses christliche
Symbol wurde 1453 bei der osmanischen
Eroberung entfernt. Heute ist die Säule nur
durch Eisenringe geziert, die sie zusätzlich
vor Erdbeben sichern sollen und ihr den
Namen Cemberlitas geben. Auf unserer
weiteren Erkundungstour fielen uns die Moscheen ins Auge, die durch ihre Kuppeln
und Minarette leicht erkennbar waren, meist
leicht erhöht lagen und nachts beleuchtet
wurden.An diesem Tag hörten wir auch zum
ersten Mal den Gebetsaufruf der von den
Moscheen ausging. Der Gesang des Muezzin fordert die Muslime 5-mal am Tag zum
Beten auf.
Der größte Platz den wir an diesem Tag erkundeten nannte sich „Sultan Ahmet Park“,
der nur wenige Gehminuten von Cemberlitas entfernt liegt. Die aufwendige Gestaltung
des Platzes spiegelt seine Wichtigkeit wider.
Er ist der Verknüpfungspunkt zwischen drei
der berühmtesten Bauwerke Istanbuls, der
Hagia Sofia, der blauen Moschee und dem
Topkapi Palast. Im 6. Jahrhundert war Konstantinopel das wirtschaftliche und religiöse
Zentrum der westlichen Welt, nach außen
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dokumentiert durch den Bau der prächtigen Kirche Hagia Sofia. Im Zuge der osmanischen Eroberung durch Mehmet dem
Zweiten 1453, sollte Konstantinopel in eine
muslimische Stadt verwandelt werden.
Deshalb wurde die Kirche zu einer Moschee
umgebaut. Außerdem errichtete Mehmet
der Zweite 1465 den Topkapi Palast, der
seitdem den Hauptsitz des Sultans darstellte, und einem ständigen Um- und Ausbau
unterlag.
Am Ende unserer ersten Erkundungstour
waren wir einigermaßen erschöpft von den
vielen Eindrücken. Vergleicht man Istanbul
mit anderen europäischen Metropolen, wie
London oder Paris, fällt auf, dass die asiatischen Einflüsse deutlich zu erkennen sind
und diese Stadt einzigartig machen. Aufgrund seiner engen Gässchen und den kleinen Läden wirkte das Viertel um unser Hostel herum eher kleinstädtisch und niedlich
aber dennoch sehr belebt. Moderne oder
große Gebäude waren hier kaum zu finden.
In einer riesigen Stadt wie Istanbul gibt es
auch immer Schattenseiten; uns fielen vor
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allem die Frauen auf, die mit Ihren Kindern
am Straßenrand saßen und bettelten. Außerdem sah man gerade in der Nähe der
wichtigen Sehenswürdigkeiten, dass die
Stadt stark touristisch geprägt ist. Die Straßenverkäufer sprechen einen auf allen erdenklichen Sprachen an und die Restaurantbesitzer versuchen rund um die Uhr die
Touristen mit ihren Speisekarten zu locken.
Die Stadt war so hektisch und pulsierend
wie wir erwartet hatten; die Bevölkerung
hingegen war jünger und moderner als
gedacht, beispielsweise sahen wir kaum
verhüllte Frauen. Zusätzlich zu den Menschenmassen fallen einem auch die vielen
Straßenhunde und Katzen sofort ins Auge.
Trotzdem waren wir überrascht, dass die
Stadt dennoch verhältnismäßig sauber war.
Am Abend dieses Tages waren wir auf jeden Fall sehr gespannt auf die aufregenden
Tage, die noch folgen sollten.
Bericht: Annabel Büschken
Sabine Thellmann
Mareike Winkler
Die Haltestelle Cemberlitas mit der berühmten
Konstantinsäule, die zur
Gründung Konstantinopels errichtet wurde
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Kapali Karsi
Der “Gedeckte Basar”, (Türkisch: Kapalı
Çarsı,) ist auch bekannt als der “Große Basar” oder der “Goldene Basar” und befindet
sich im alten Istanbuler Stadtteil Eminönü im
Stadtviertel Beyazıt. Er ist der älteste und
größte Basar der Welt und erstreckt sich
über 31.000 m². Mehmet II. ließ den Eski
Bedesten (alter Basar), heute auch Cevahir bedesteni genannt, nach der Eroberung
Konstantinopels im 15.Jahrhundert, nahe
dem alten Palast errichten. Zu Regierungszeit von Sultan Süleyman (1520-1566) wurde der Basar dann weiter ausgebaut.
Dank dem abschließbaren Marktgebäude mit eisernen Toren und dicken Mauern
vertrauten sogar reisende Kaufleute den
Händlern hier ihr Geld zur Aufbewahrung an:
Damals ,zu osmanischen Zeiten und bis in
unsere jüngste Vergangenheit, war er nicht
nur Handelszentrum, sondern ein komplexes Sozial- und Raumgefüge im Schatten
der Moschee. Auch Herberge für reisende
Händler war er, da oben die Menschen und
unten Kamele und Pferde untergebracht
waren. Um den Bau herum entstanden
Gassen mit Werkstätten der Handwerker,
nach Zünften geordnet , und große Karawansereien für Fernhändler. Bald bald darauf ordnete der Herrscher den Bau einer
zweiten Markthalle an.
Die zwei Bedesten (gedeckte Märkte für
Wertsachen und Juwelen) bildeten den
eigentlichen gedeckten Bazar, der seine
heutige Form erst 1701 unter Soliman dem
Großen annahm. Er dehnt sich von Beyazıt
bis zur Nuruosmaniye aus. Nach und nach
wuchsen um die beiden Gebäude herum
Holzbuden und Läden. Die Gebäude wuchsen mehr und mehr zusammen, Straßen
wurden überdacht und der ganze Komplex
von Mauern umgeben.
Über die Jahrhunderte wurde der Konsumtempel immer wieder von mehreren
schweren Bränden beschädigt und Mustafa III (1717-1774) ließ die Gebäude teilweise aus Stein wiederaufbauen. Den größten
Schaden erhielt der Basar jedoch mit dem
Erdbeben im Jahr 1894. Die Markthalle wurde bis heute mehrmals restauriert, doch
trotzdem verlor sie nie ihren mystischen
Charme.
Erst Ende des 19. Jahrhunderts erlangte
der große Basar seine heutige Architektur:
18 Tore führen als Eingang zu dem Gelände mit mehr als 3000 Läden. Mit mehr als
60 Straßen, 40 Han (Bauten, in denen sich
Läden mit gleichem Angebot versammeln),
ca. 2 200 Säle, 2 Bedesten, einem Revier,
eine Einheit privater Sicherheitskräfte, einem
Postamt und Banken. Lagerhäusern, Kaffeehäusern, 2 Moscheen, 19 Brunnen und
Hamam (türkische Bäder) und Restaurants
ist der Komplex eine Stadt in der Stadt. Hier
arbeiten mehr als 20.000 Menschen.
Durch die Tore des alten Gemäuers strömen
jeden Tag bis zu eine halbe Million Touristen
und Einheimische. Der Basar wächst immer weiter und ständig werden neue illegale Hütten und Verschläge auf den Dächern
und in den Hinterhöfen auggebaut. Die Läden werden nach Lust und Laune umgebaut, die Wände ausgehöhlt, um noch ein
paar Zentimeter zusätzliche Verkaufsfläche
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zu gewinnen. Auch die Istanbuler Stadtverwaltung hat ihren Teil dazu beigetragen,
dass der Basar immer baufälliger geworden
ist: In den 1980er Jahren ordneten die Behörden an, den Bleibelag auf den Dächern
durch Ziegel zu ersetzen. Seitdem leckt es
und das Wasser rinnt an den Wänden herunter. Die elektrischen Leitungen sind somit
überfordert. Eigentlich plant die Stadtverwaltung das Viertel zu sanieren, will die vielen Fahrzeuge verbannen und die versteckten, oftmals illegal errichteten Werkstätten
schließen. Bisher aber ist kaum eine der
offiziellen Ankündigungen realisiert worden,
und so ist das Basarviertel noch weitgehend
unangetastet Das Zentrum ist der Eski Bedesten (übersetzt: alte Tuchhalle), ursprünglich als Schatzkammer geplant, unter dessen Kuppeln sich heute noch die Geschäfte
der Gold- und Silberhändler befinden. Der
Eski Bedesten war früher fest verschlossen
und beherbergte die besonders wertvollen
Waren. Später übernahm die Halle sogar
die Funktion einer Bank – reiche Privatleute
nutzten ihn als Tresor für ihr Privatvermögen
Das gesamte Dachüberdeckungssystem ist
mit Blei beschichtet. Der innere Bedesten
ist ein Viereck in der Größe von 48×36 und
15 Kuppeln. Acht Stützbeine weisen drauf
hin, dass diese aus der Byzantinischen Zeit
stammen. Zudem sind alle Gewölbe bemalt. Die Gassen mit den zweistöckigen
Geschäften bilden eine labyrinthähnliche Architektur mit Hauptstraßen und Alleen und
gedämpftem Licht. Dementsprechend bildet sich ein undurchschaubares Gewirr von
Gassen für die Besucher.
Referat: Sabine Thellmann
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Tag 2 – Samstag – Asiatische
Seite
Am Samstag, dem zweiten Tag der Exkursion, standen auf dem Tagesplan eine Überfahrt zur asiatischen Seite Istanbuls und ein
Essen in einem der vielen typischen Fischrestaurants. Sonst blieb es uns überlassen
die Stadt auf eigene Faust zu erkunden und
erste Eindrücke zu sammeln.
Um zur asiatischen Seite fahren zu können
ging es zunächst zu Fuß zur Fähre. Dabei
kamen wir an der Hagia Sofia und der langen Schlange von vor ihr wartenden Touristen vorbei, sowie an dem ohne die Warteschlange leicht zu übersehenden Eingang
zur Zisterne Basilika, die wir die nächsten
Tage beide besichtigen werden sollten.
Weiter ging es vorbei an den verschiedensten historischen Steingebäuden aber auch
an Häusern aus Holz, die an den Kolonialstil
der USA erinnerten und eine typische Bebauung Istanbuls darstellten. Allerdings sind
nicht allzu viele dieser Häuser erhalten, da
sie durch Brand oder Zerfall zerstört wurden.
Um den ägyptischer Basar herum, an dem
man vor allem Gewürze und Tee erstehen
konnte, wurde es immer dichter und viele
Menschen drängten sich aneinander vorbei.
Am Hafen angekommen standen schon einige Fähren bereit. Um über den Bosporus
auf die asiatische Seite zu gelangen, gibt es
in Istanbul Fähren, die wie die Straßenbahnen und U-Bahnen zum öffentlichen Verkehrsmittelnetz gehören.
Auf der anderen Seite angekommen veränderte sich das Stadtbild schlagartig.
Da das Hostel, in dem unsere Gruppe
übernachtete, im historischen Viertel war,
unterschied sich die andere Seite mit ihrer neueren Bebauung deutlich. In kleinen Gruppen wurde die asiatische Seite erkundet und die Zeit zum Essen genutzt. Vor
Ort konnte man beobachten, wie wichtig die
kleinen Marktstände in der Stadt sind. Es
gibt selten Läden, wie wir sie in Deutschland
gewohnt sind, sondern viele Marktstände
oder stark nach außen tretende kleine Läden (die innen eher als Lager genutzt werden) an denen man Obst, Gemüse, Fisch
aber auch Kleidung kaufen kann. Dabei
werden die Waren laut angepriesen. Diese
direkten Anreden zum Kaufen oder um auf
sich aufmerksam zu machen, nutzen nicht
nur die Marktstände, sondern auch Restaurants, die es den kleinen Läden nachtun
und stark nach außen treten, sodass auf der
Straße fast mehr Bestuhlung zu finden ist als
im Innenraum. So ist man in diesen Bereichen überall von Stimmengewirr, Menschen
und Verkehr umgeben.
Nachdem sich die Gruppe wieder zusammengefunden hatte und viele ihre Einkäufe
(vor allem Früchte, die man aus Deutschland nicht kannte) gezeigt hatten, ging es
weiter, um das beste Eis in Istanbul zu kosten. Vor dem Laden erwartete uns bereits
eine Schlange, die direkt zeigte wie begehrt
das Eis aus diesem Laden ist. Außerdem
gab es eine ganz besondere Kreation, bei
der die Eiskugeln zwischen zwei Waffeln gefüllt wurden, sodass man eine Art Eissandwich bekam.
Zufrieden und jeweils mit Eis ausgestattet
ging es gemeinsam in einen nahgelegenen
Park bzw. einen am Wasser angelegten
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Grünstreifen zum Ausruhen und in der Sonne entspannen. Bald darauf ging es mit der
Fähre zurück auf die europäische Seite, um
dort einzeln durch Istanbul zu streifen oder
sich die Zeit nach eigenen Interessen zu füllen.
Erst abends traf sich die Gruppe wieder zusammen um gemeinsam zu essen. Direkt in
der Brücke befand sich das Fischrestaurant
mit Blick auf das Wasser und Angler, die von
oben ihre Angeln auswarfen und immer wieder Fische aus dem Wasser zogen. Um das
türkische Essen kennenzulernen, gab es als
Vorspeise Auberginenmus, Salat, Tintenfischringe und scharfe Sauce mit Brot. Als
Hauptspeise gab es natürlich fangfrischen
Fisch, wie er oft in Istanbul gegessen wird.
Bericht: Erika Bosch-Ramirez
Claudia Nauschitz
Veronika Krämer
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Der Bahnhof Haydarpaşa
liegt auf der asiatischen
Seite Istanbuls unmittelbar
am Hafengelände und ist
an drei Seiten von Wasser
umgeben. Er wurde von
dem deutschen Architekten Helmut Cuno errichtet
und war der Ausgangspunkt der Anatolischen
Eisenbahn und später der
Bagdadbahn.
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Stadtstrukturen der europäischen
und asiatischen Seite
Kulturelle und soziale Bedeutung
der Märkte
Beim Durchfahren des Bosporuskanals war
ein deutlicher Unterschied der beiden Seiten zu spüren.
Ohne all die Märkte in Istanbul wäre es nicht
so gesellig und belebt auf den Straßen,
denn gerade diese spiegeln den Charme
und die gesellschaftlich traditionellen Aspekte wider.
Auf der europäischen Seiten ist der Arbeitsmarkt größer und ausgeprägter als auf der
asiatischen, daraus lässt sich zunächst
schon mal schließen, dass die europäische
Stadtstruktur durch den Arbeiterandrang
über eine viel ausgeprägter infrastrukturelle
Erschließung verfügen muss.
Die vielen hohen Bauten im Westen bestätigen diese Annahme. Die Dimensionen und
Ausmaße der Bauwerke im Westen sind
dementsprechend um ein vielfaches größer.
Die Bebauung direkt am Ufer zeigte viele
gepflegte Villen, aber auch sanierte Gebäude, die dennoch einen eher gehobenen Eindruck hinterließen. Dagegen war die Bebauung auf der asiatischen Seite kleinteiliger.
Beide Uferseiten sind zwar bebaut, jedoch
machten die vielen Jachten am westlichen
Ufer nochmals die gesellschaftlichen Unterschiede beider Seiten Istanbuls deutlich.
In Istanbul gibt es rund 200 Märkte, auf denen jede Woche gehandelt wird was das
Zeug hält. Der bekannteste Markt in Istanbul
ist wohl der Grand Bazaar. Ab Mitte des 15.
Jahrhunderts befand sich dort der wichtigste Umschlagplatz für lokale und internationale Güter. In den vergangenen Jahrzehnten hat der Markt jedoch ein neues Image
bekommen – er ist immer touristischer geworden. Textilien, Gewürze, Schmuck und
Juwelen, Lampen und vieles mehr werden
dort angeboten – zwar etwas teurer als woanders, die Auswahl lässt dafür kaum zu
wünschen übrig.
Händler, deshalb befinden sich auch außerhalb der beiden Marktbereiche viele Stände,
an denen Händler ihre Ware anbieten.
Referate: Erika Bosch-Ramirez
Claudia Nauschitz
Veronika Krämer
Nicht weit vom Grand Bazaar entfernt befindet sich der Ägyptische Basar, auch bekannt als Gewürzbasar. Die ganze Gegend
rund um den Großen Basar und den Gewürzbasar ist seit jeher ein Gebiet der
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Autoban Designstudio
Das Designstudio Autoban wurde 2003
von der Architektin Seyhan Özdemir und
dem Innenarchitekten Sefer Caglar in Istanbul gegründet. Beide erhielten 1998 an
der MSGSÜ ihren Abschluss. Von Beginn
an arbeiteten sie mehr im innenarchitektonischen Bereich und entwickelten schon bald
ihre eigenen Designprodukte. Im Jahr 2004
brachten sie ihre erste Kollektion auf den
Markt und wurden noch im selben Jahr vom
Wallpaper-Magazine zu den „Best young
Designers of the year“ ernannt, wodurch sie
auch international bekannt wurden.
Heute, zehn Jahre später, haben sie über
35 Mitarbeiter, haben mehr als 15 Auszeichnungen von internationalen Organisationen erhalten und verkaufen ihr Produkte
weltweit. Der Name des Designstudios ist
angelehnt an das deutsche Wort Autobahn
und wird ohne „H“ geschrieben, damit es
dem türkischen „Otoban“ ähnlicher ist. Er
steht für die Verbindung aus europäischen
und asiatischen Einflüssen, die am Bosporus aufeinandertreffen und sich so auch in
Ihren Entwürfen widerspiegeln. In ihrer Arbeit
verbinden Seyhan Özdemir und Sefer Caglar ihre türkischen Wurzeln mit europäischen
Gestaltungselementen. Ihr Design ist klassisch-modern und sie kombinieren dies mit
regionalen Materialien, Symbolen und traditioneller türkischer Handwerkskunst. Die
Produkte sollen ästhetisch aber dennoch
im alltäglichen Leben nützlich sein. In Ihrer
Materialität sind die Möbel sehr natürlich; so
verwenden die Beiden besonders Walnussholz, Eiche, Rattan und Leder. Auch die Ideen für die Entwürfe stammen meist aus der
Natur, wie man beispielsweise an dem Beistelltisch „Pumpkin“ oder der Leuchtenserie
„Tulip“ erkennen kann.So erstellt das Designstudio Raumkonzepte für Cafés, Bars,
Hotels oder Büros. In Istanbul kann man
Autobans Designprodukte in den Filialen der
Café-Kette „ The House Café“ , oder auch
in der Autoban Gallery, welche 2006 eröffnet wurde, erleben.
Referat: Mareike Winkler
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Der Galata Turm liegt am
Nordufer des Goldenen
Horns und überragt Istanbuls Stadtteil Beyoglu.
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Galata Turm
Der Galata-Turm, auf türkisch „Galata Kulesi“, liegt im Istanbuler Stadtteil Beyoglu und
markierte einstmals das Nordende und die
Hauptbastion der genuesischen Siedlung
Galata. Er war ein Turm der Stadtmauer und
zu der Zeit der höchste Punkt in Istanbul.
Er wurde ursprünglich 1348-49 als JesusTurm errichtet. Während der Eroberung Istanbuls durch die Osmanen 1453 n.Chr.
wurde der Turm teilweise zerstört, aber unmittelbar im Anschluss wiederhergestellt.
Weitere Beschädigungen erfolgten durch
ein Erdbeben im Jahr 1509 und durch
Brände 1794 und 1831. Am Fuß des Turms
weist eine neuerlich angebrachte Inschrift
darauf hin, dass die Schlüsselübergabe
durch die Genueser am 29.5.1453 erfolgte
und die Übergabe des gesamten Stadtgebietes am 1.6.1453 abgeschlossen war.
Der Turm liegt ca. 40 m über dem Meeresspiegel und ist bis zu seiner kegelförmigen
Spitze 66,9 m hoch (62.59 m ohne Dachverkleidung). Die Aussichtsplattform ist auf
51,65 m Höhe. Die massiven Wände haben
einen Durchmesser von 3,75 Meter. Somit
beträgt der Außendurchmesser des Turms
16,45m und der Innendurchmesser dagegen nur 9m. Ein Aufstieg wird mit den Stufen entlang der Wände spiralförmig ermöglicht. Heute ist selbstverständlich auch ein
Aufzug mit integriert.
Der Turm dominiert die Stadtsilhouette des
Nordufers des Goldenen Hornes. Ab dem
16. Jh. n.Chr. diente er als Wachturm, gegen Ende der Zeit der Osmanen als Feuerwache, eine Funktion, die er bis in die
1960er Jahre innehatte. Später wurde der
Galata-Turm privatisiert, renoviert und für
den Tourismus geöffnet. Die Stadtverwaltung strebt eine Rückgängigmachung der
Privatisierung an.
Es gibt einen geheimen sehr engen unterirdischen Tunnel zwischen dem Galata-Turm
und der nahe gelegenen Bereketzade Moschee, welcher jedoch unzugänglich ist.
Referat: Veronika Krämer
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Tag 3 – Sonntag – Istanbul Modern & Bunte Treppe
Am dritten Tag zogen wir gemeinsam los,
um das Museum Istanbul Modern mit seinen Kunstausstellungen zu besichtigen.
Das Museum liegt direkt am Pier von Karaköy und somit im Zentrum der Stadt. Es ist
ein Symbol für die fortschreitende Europäisierung in Istanbul, wird hier doch vor allem
zeitgenössische Kunst türkischer Künstler
gezeigt.
Auffallend waren die verschärften Sicherheitsvorkehrungen am Museumseingang,
die vergleichbar sind mit den Sicherheitskontrollen am Flughafen und denen wir uns
alle unterziehen mussten.
Das Innere des Museums zeigt sich weitläufig und hell. Sehr deutlich tritt die Struktur
und der Charme der alten Lagerhallen der
Marine von 1958 zu Tage, die das Gelände einst beherbergte. Die Gründer des Istanbul Moderns setzten sich zum Ziel das
Tragwerk und charakteristische Elemente
der Hallen zu erhalten und gleichzeitig eine
sinnvolle Umnutzung zu einem Museum zu
gewährleisten. Beides ist gelungen und aus
diesem Grund ist das Istanbul Modern ein
schönes Beispiel von Konversion in der Architektur.
Die Vielfalt der Ausstellungen war, sowohl
unter dem Aspekt der Darstellung wie auch
der Themen und der Künstler, überwältigend. Es gab Videoinstallationen, Gemälde,
Collagen, Skulpturen und interaktive Installationen. Vielmals wurde die Rolle des Islams – auch in Bezug auf die westliche Welt
– kritisch betrachtet oder dem Besucher
wurden Einblicke in diese Kultur gegeben.
Natürlich sah man ebenso künstlerische
Darstellungen in Auseinandersetzung mit
gesellschaftlichen Problemen, die sich auf
vielerlei Kulturen übertragen lassen. Da die
Ausstellung so umfassend war, verbrachten wir einige Stunden im Istanbul Modern.
Herr Lengfeld ermutigte uns die Architektur
zusätzlich zeichnerisch zu erfassen und diejenigen, die daran gedacht hatten ihre Zeichenutensilien mitzunehmen, stellten sich
dieser Herausforderung.
Gegen vier Uhr nachmittags fand sich die
Gruppe, gesättigt mit gestalterischem Input
und optischen Eindrücken, wieder zusammen. Gemeinsam brachen wir auf, um das
umliegende Viertel mit der bekannten „bunten Treppe“ zu erkunden. Das erforderte
einiges an Kondition, denn das Viertel mit
den kleinen Straßen und den engen Gässchen liegt direkt am Hang. Hier bekamen
alle noch einmal eine andere Sicht auf die
Architektur Istanbuls fernab von der Altstadt, den Einkaufstraßen und den touristischen Vierteln. Oftmals waren die Gassen
gesäumt von den typischen Holzhäusern,
die jedoch leider lang sam dem Zerfall zum
Opfer fallen. Trotzdem sind viele von ihnen
noch bewohnt.
Die bunten Treppen in Istanbul haben gerade vor dem Hintergrund der Proteste um
die Neugestaltung des Gezi-Parks eine besondere Bedeutung. Noch kurz vor unserer
Exkursion waren die Treppen nämlich steingrau – was einem pensionierten Ingenieur
gar nicht gefiel. So beschloss er kurzer
hand seine Stadt in Eigenregie zu verschönern und strich mit Hilfe seiner Freunde die
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erste Treppe bunt an. In der süddeutschen Zeitung heißt es in einem Artikel vom
03.09.2014: „Es ist eine heikle Angelegenheit, das Stadtbild von Istanbul zu verändern, vor allem derzeit, und selbst im Kleinen. Die Proteste gegen die Neugestaltung
des Gezi-Parks, die sich im Juni zu einer
nationalen Krise ausweiteten, sind noch in
den Köpfen von Bewohnern und Politikern
in Istanbul.
Und so griff die Verwaltung durch. Zwei Tage
nachdem Hüseyin Çetinel und seine Freunde ihre Arbeit beendet hatten, überstrichen
städtische Angestellte die bunten Stufen
mit grauer Farbe. Wie Hürriyet Daily News
berichtet, fürchteten die Kommunalpolitiker
offenbar, die bunten Stufen seien das Werk
von Aktivisten der seit den Gezi-Protesten
erstarkten Schwulen- und Lesbenszene.“
Doch dagegen wehrten sich die Bewohner
Istanbuls. Über Twitter und Facebook entbrannten heftige Proteste, die dazu führten,
dass der Bezirksbürgermeister Misbah Ahmet Demircan, ein Parteifreund Erdogans,
seine Arbeiter erneut losschickte, um die
Treppe wieder bunt anzustreichen. Heute
gibt er sich selbst als ein „Freund der bunten Stufen“ aus. „Auf Twitter kündigte er eine
Abstimmung an mit dem Ziel, alle Treppen
der Umgebung bunt anzustreichen. „Ich
werde mit ‚ja‘ stimmen und hoffe, die Anwohner werden es mir gleichtun“, versprach
Demircan auf Twitter - und fügte hinzu: „Die
Ära der bunten Stufen wird in Beyoglu beginnen.“
Uns begegnete mehr als eine Regenbogentreppe, die als Gegenwehr der autoritär
empfundenen Politik gesehen werden kann.
Welcher Abendbeschäftigung nachgegangen wurde stand jedem frei und so zogen
einige Grüppchen los, um das Nachtleben
Istanbuls zu erkunden. Dazu laden Clubs,
Bars und Shisha-Bars vor allem rund um
den Galataturm ein. So ließen wir den
Abend entspannt ausklingen und tankten
Kraft für den nächsten ereignisreichen Tag.
Bericht: Verena Kirner
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Istanbul Modern
Das Museum der modernen Kunst Istanbul,
Türkeis erstes privates Museum, das moderne und zeitgenössische Kunstausstellungen organisierte, wurde im Jahre 2004
gegründet und erstreckt sich über ein 8000
m² großes Grundstück am Ufer des Bosporus. Es fasst eine weltweite Übersicht zusammen, um Werke zeitgenössischer Kunst
zu sammeln, erhalten, auszustellen und
Kunstliebhabern den Zugang zu ermöglichen. Es beherbergt eine große Auswahl an
interaktiven Programmen, um die künstlerische Kreativität der Türkei mit einem großen
Publikum zu teilen und für seine kulturelle
Identität in der internationalen Kunstwelt zu
werben.
Es gibt, abgesehen von der dauerhaften
Ausstellungshalle, eine weitere temporäre
Ausstellungshalle, eine Fotografiehalle und
einen Platz für Bildungs-und Sozialprogramme. Zudem bietet das Istanbul Modern ein
Kino, ein Restaurant, ein Designer-Laden
und eine große Bibliothek. Das Museum ist
nicht nur auf die Ausstellung von Kunstwerken beschränkt, sondern erfüllt auch eine
Bildungsrolle. So gibt es im Istanbul Modern
eine facettenreiche Kommunikationsplattform, die nicht nur Erstbesucher locken soll,
sondern auch Grundschüler und Studenten. Um dies zu erreichen arbeiteten der
private und der öffentliche Sektor zusammen mit der kommunalen Regierung, um
das Museum zu unterstützen. In den letzten
sieben Jahren stieg die Besucherzahl stetig
und erreichte zuletzt mehr als fünf Millionen
Besucher.
Der Ursprung des Projekts geht zurück in
das Jahr 1987, während der ersten internationalenzeitgenössischen Kunstausstellung,
heute bekannt als die „International Istanbul Biennal“. Durch das gezeigte Interesse
motiviert, begann Dr. Nejat F. Eczacibasi
ein Projekt um Istanbul mit einem dauerhaften Museum der zeitgenössischen Kunst
zu bereichern. Nach langen Bemühungen
wurde „the Feshane“, eine ehemalige Textilherstellungsfabrik aus dem 19. Jahrhundert
zum Museum umgebaut. Doch obwohl das
Gebäude im Jahre 1991 die dritte „International Istanbul Biennal“ beherbergte, erreichte
das Projekt nicht das gesetzte Ziel. Von nun
an wollten verschiedene Institutionen und
Personen das Istanbul Modern in der Stadt
etabliert. Sie scheiterten jedoch aufgrund
des Mangels eines geeigneten Standortes
und wegen der Schwierigkeiten Kunstwerke
für den Kern der dauerhaften Ausstellung zu
beschaffen. 2003 kam dann die Wendung
als das vierte Lagerhaus am Galata-Pier als
Hauptaustragungsort für die achte Biennal
diente. Nachedem Premier Minister Erdogan seine Zustimmung für die dauerhafte
Nutzung erteilte, war das Haupthindernis
beseitigt.
Das Istanbul Modern hat zwei Hauptausstellungshallen. Die dauerhafte Ausstellung wird
im Hauptgeschoss ausgestellt. In der großen Halle werden Werke von prominenten
Künstlern in chronologischer Reihenfolge
präsentiert. Von den Anfängen der modernen Kunst bis zum heutigen Tag. Im kleinen
Raum im Sammlungsstockwerk sind Arbeiten von prominenten Repräsentanten aus
der Türkei und auch anderen Ländern ausgestellt. Dieser Stock zeigt eine große Viel-
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fältigkeit an Werken von Gemälden über
Skulpturen bis hin zu Installationen und Videos. Im Erdgeschoss sind zwei bis drei
Ausstellungen gleichzeitig in der Temporären Halle und der Fotografiehalle, sowie im
Pop-Up-Ausstellungsbereich.
Möglichkeit zu geben sich frei zu entfalten
und ihr Wissen dazu zu nutzenihr Leben
und die Umwelt zu verändern. Der Focus
liegt hierbei auf dem Wert eines jeden Individuums.
Vitra‘s zeitgenössiche ArchitekturSerie: „dreams to realities“
Das Istanbul Modern beherbergt den dritten
Teil der Vitra Architektur-Serie, initiiert von
Vitra und dem türkischen Verband für Architektur. Der Schwerpunkt ist in den letzten
Jahren auf kommerzielle Gebäude und Tourismusbauten gelegt worden, um sich auf
verschiedene Strukturen in der zeitgenössischen Architektur zu konzentrieren. Zudem
soll dieser Bereich eine Plattform für Diskussionen und Austausch bilden. Die aktuelle
Ausstellung lädt die Besucher zum Träumen
und Nachdenken über das Bildungssystem
ein, indem Ihnen die Sichtweise der Schüler und Auszubildenden aufgezeigt wird.
Die interaktive Ausstellung verdeutlicht das
Hauptziel der Bildung: einer Person die
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Tag 4 – Montag – Blaue Mosche
An unserem vierten Tag in Istanbul, ging es
morgens direkt nach dem Frühstück durch
den Regen zur blauen Moschee. Sie ist Istanbuls Wahrzeichen und wichtigste Hauptmoschee. Dort angekommen hörten wir ein
Referat über die Entstehung sowie den Baukörper. Um in die blaue Moschee eintreten
zu dürfen, mussten viele noch Röcke über
kurze oder zu enge Hosen ziehen, sowie ein
Kopftuch aufsetzen. Unser Aussehen wurde dann erstmal ausgiebig fotografisch dokumentier. Das Kopftuch der muslimischen
Frau ist Teil ihrer gesamten Kleidung, die bestimmten Vorschriften unterliegt. Kleidungsvorschriften gibt es im Islam sowohl für den
Mann, als auch für die Frau und dienen
dazu, die Würde und Achtung zu schützen.
Muslime sollten grundsätzlich Kleidung tragen, die den Körper in der Weise bedeckt,
dass die Figur nicht sichtbar wird, um das
Interesse des anderen Geschlechts nicht
auf sich zu lenken. Deshalb sollte die Kleidung weder zu eng anliegen, noch durchscheinend sein. Da die Haare bzw. Frisur
der Frau eine sehr wichtige Rolle für ihr Aussehen spielen
und auch eine gewisse Anziehung ausüben
können, gilt für Frauen zusätzlich, dass sie
ein Kopftuch tragen. Wir haben so ein Gefühl dafür bekommen, wie sich muslimische
Frauen fühlen. Viele fanden es ungewohnt
und beklemmend, obwohl es auch mal interessant war.
Uns ist zusätzlich aufgefallen, dass Männer
und Frauen getrennt beten. Das liegt ähnlich wie auch bei den Kleidungsvorschriften
daran, dass man sich gegenseitig nicht ablenken soll. Die volle Konzentration soll so
dem Gebet/Glaube gewidmet werden.
In dem Referat erfuhren wir einige interessante Dinge über die Blaue Moschee.
Sie ist das Hauptwerk der osmanischen
Architektur und überragt die Hagia Sophia,
welche nur 500 Meter entfernt auf der anderen Seite des Sultan- Ahmet Platzes steht.
Rückblickend hat uns die Hagia Sophia
mehr beeindruckt. Die stärkere historische
Prägnanz und auch die vielfältigen Mosaike blieben uns im Kopf. Es fiel auf, dass
sich beide Bauten ähneln und die blaue Mo
schee die Hagia Sophia als Vorbild nahm.
Die Blaue Moschee wurde im Jahre 1609
von Sultan Ahmet in Auftrag gegeben und
in nur 7 Jahren von Mehmet Aga erbaut.
Mehmet Aga war ein Schüler Sinans, des
bedeutendstem osmanischen Architekten,
welcher auch als „ Michelangelo der Osmanen“ bekannt war. Mehmet Aga galt als
Sinans Assistent und führte dessen Büro in
seiner Abwesenheit. 1606 wurde Aga Architekt des Hofes und arbeitete ab 1609
ausschließlich an der Blauen Moschee. Dabei orientierte er sich an der Hagia Sophia.
Der Name „Blaue Moschee“ rührt vom
Reichtum an blau-weißen Fliesen her, welche den Innenraum der Moschee zieren.
Sie sind allerdings jünger als der Bau selbst.
260 bunte Fenster erhellen den Innenraum.
Der Gebetsraum ist fast quadratisch, und die
Hauptkuppel ist 23,5 Meter hoch. Sie wird
von 4 Spitzbögen und 4 flachen Zwickeln
getragen, die wiederum auf 4 riesigen, 5m
dicken Säulen ruhen. Die Moschee und der
Hof waren von einer Mauer umgeben, die
die Moschee von umliegenden Gebäuden
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trennte, wie zum Beispiel der anliegenden
Schule und den angrenzenden Türmen, in
denen Sultan Ahmet und seine Frau ruhen.
Heute existiert von der Mauer nur noch der
Nordteil.
ging es für manche nochmal kurz ins Hostel, um sich für die kalte Bosporustour vorzubereiten.
Die Blaue Moschee hat sechs Minarette im
klassischen osmanischen Stil. Unten ist je
ein runder Schaft, es gibt mehrere Balkone und oben ist ein Spitzkegeldach mit einer Bekrönung.Ein Minarett ist ein erhöhter
Standpunkt oder ein Turm, von dem aus
der Muezzin die Muslime 5 mal am Tag zum
Gebet aufruft. Zudem dient ein Minarett
als Signalturm und als Wachturm. Die Moschee hat gleich sechs Minarette. Lediglich
die Prophetenmoschee in Medina und die
Hauptmoschee in Mekka haben noch mehr
Minarette. Laut einer Geschichte wollte Sultan Ahmend nicht sechs Minarette, sondern
vergoldetet Minarette. Der Architekt Mehmet Aga wusste, dass das vorgegebene
Budget dies nicht zuließ und „verhörte“ sich.
Er machte aus dem türkischen Wort: Altin
(Gold) die Zahl Alti (sechs).
Nach dem Besuch der Blauen Moschee
Bei der schönen Bootsfahrt ab Kabatas,
genossen wir die Aussicht auf beide Ufer
des Bospours und wunderten uns, wie es
zu solch einer Bebauung kam. Nach einigen Recherchen haben wir heraus gefunden, dass Istanbuls Stadtbild sich komplett
verändert hat und es ist in keiner Weise
mehr ablesbar ist, dass es bis ins 20. Jahrhundert eine „hölzerne Stadt“ gewesen
war. Viele der Holzbauten wurden im ersten
Weltkrieg zerstört, deshalb gibt es nur noch
sehr wenig bestehende Häuser. Gerade am
Ufer sind noch viele vorhanden. Diese sind
altersmarode aber immer mehr vom Verfall
bedroht. Dagegen arbeitet die „Abteilung
Istanbul“ an, indem sie bauhistorische Untersuchungen dokumentieren und Restaurierungsmaßnahmen einleitet. Als wir in dem
Fischerdörfchen Kavagi“ auf der anderen
Seite des Bosporus ankamen, verspürten
Bosporus-Tour
ein kleines Magenknurren. Die freundlichen
und hilfsbereiten Restaurantbesitzer boten
uns direkt einen schönen Platz draußen am
Wasser an. Neben Heizpilzen und Decken
wurde uns ausgiebige Vorspeisen sowie
Fleisch- und Fischgerichte kredenzt.
Müde und satt hatten wir noch lange nicht
genug. Innerhalb 15 Minuten ging es im Eilschritt hoch zum Yoros Kalesi. Von da aus
hatten wir einen phänomenalen Blick. Die
Aussicht konnten wir leider nicht lange genießen, da das letzte Rückschiff kam, dass
wir bekommen mussten. In letzter Sekunde
erreichten wir das Boot und schliefen direkt
alle ein.
Bericht: Miriam Heilig
Elena Hüning
Vannesa Schöttes
Der Namen „Blaue Moschee“ rührt vom Reichtum an blau-weißen
Fliesen her, welche den
Innenraum der Moschee
zieren.
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Sie wird von 4 Spitzbögen und 4 flachen Zwickeln getragen, de wiederum auf 4 riesigen, 5
m dicken Säulen ruhen.
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Bosporos Brücke
Während eines Aufenthalts in Istanbul erhält
man die besondere Gelegenheit, mit einer
Überquerung des Bosporus einen Sprung
auf einen anderen Kontinent zu machen.
Der Bosporus durchquert nicht nur Istanbul,
sondern trennt zugleich Europa und Asien
voneinander. Und Istanbul, welches sowohl
auf europäischem als auch auf asiatischem
Boden errichtet wurde, ist somit die weltweit
einzige Metropole, die gleich zwei Kontinente für sich beansprucht.
Die Bosporus-Brücke ist eine Hängebrücke
und misst knapp anderthalb Kilometer und
ragt 64m in die Höhe. Die 39 m breite Brücke bietet insgesamt 8 Fahrspuren – von
denen zwei als Notweg ausgewiesen sind
– und einem Notfußweg Platz. Fußgängern
ist es aus Sicherheitsgründen unmöglich,
die Brücke zu überqueren. Wer von Europa
nach Asien fahren möchte, muss sich ins
Auto setzen.Die Bauarbeiten der vollständig
aus Stahl bestehenden Brücke begannen
1970 mit der Herstellung der 165 m hohen
Pylone. Beide Pylone konnten an Land gegründet werden, was zu einer wesentlichen
Beschleunigung der Bauzeit beitrug. Das
Tragwerk wurde aus insgesamt 60 Stahlsegmenten zusammengeschweißt, wobei die
einzelnen Elemente des Hohlkastens mit
Lastfähren zur Baustelle transportiert wurden. Die Brücke hat eine Hauptspannweite
von 1.074 m und war nach ihrer Vollendung
damit die größte Brücke Europas und die
viertgrößte der Welt. Eine ihrer Besonderheiten sind die beiden seitlichen Brückenfelder, die nicht am Kabel aufgehängt wurden,
sondern auf Stützen aufgelagert sind.
Die Fahrbahn befindet sich 64 m über dem
normalen Wasserstand des Bosporus. Somit ist auch für große Schiffe und Flugzeugträger ausreichend Platz. Eine weitere Besonderheit der ersten Bosporusbrücke sind
ihre diagonal angeordneten Hänger, die in
der Seitenansicht zickzackförmig erscheinen. Diese Art der Aufhängung soll für eine
größere Steifigkeit des Tragwerks sorgen
und war eine Spezialität des Büros Freeman, Fox & Partners. Diagonale Aufhängungen wurden z.B. auch bei der Severnbridge
(1966) und bei der Humberbridge (1981)
eingesetzt, beides Planungen von Freeman/
Fox. Letztendlich hat sich diese Art der Aufhängung aber nicht durchgesetzt und führte
bei der Bosporusbrücke während der Bauphase zu einigen Schwierigkeiten. An den
zunächst nur provisorisch verschweißten
Verbindungsstellen zwischen den einzelnen
Segmenten kam es durch die horizontale
Kraftkomponente aus den diagonalen Hängern zu leichten Beschädigungen.
Die Bauarbeiten, an denen etwa 400 Arbeiter und 35 Ingenieure beteiligt waren, konnten nach einer erstaunlich kurzen Bauzeit
im Herbst 1973 zum Abschluss gebracht
werden. Die Einweihungsfeier der 200 Millionen US$ teuren Brücke fand am 29. Oktober 1973 statt, genau am 50. Jahrestag
der Ausrufung der türkischen Republik. Es
war ein denkwürdiger Tag für Istanbul und
die ganze Türkei, nicht nur weil die Verkehrssituation in der Metropole dringend auf
eine Entlastung wartete. Erstmals in der Geschichte des Brückenbaus waren zwei Kontinente miteinander verbunden worden und
der europäische Teil Istanbuls war endlich
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mit dem großen Rest des Landes vereint.
Schon kurze Zeit nach ihrer Eröffnung zeigte
sich jedoch, dass die neue Brücke die Verkehrsprobleme Istanbuls alleine nicht würde
bewältigen können.
Um die Brücke, die täglich an die 200.000
Fahrzeuge verkraften muss, zu entlasten,
wurde 1988 nur wenige Kilometer weiter mit
der Fatih-Sultan-Mehmet-Brücke eine weitere Brücke in Betrieb genommen.
Längst ist eine dritte Brücke in Planung
aber auch ein Tunnel soll für eine Verkehrsentlastung sorgen. Der ist auch dringend
notwendig, denn bisher gibt es noch keine
einzige Verbindung für die Eisenbahn über
den Bosporus. Alle europäischen und asiatischen Bahnlinien enden auf den jeweiligen
Seiten Istanbuls.
Seit 2004 wird an dem aufwändigen Projekt
gebaut und eigentlich sollten die Bahnlinien
ab 2009 unter dem Bosporus verkehren. Allerdings stieß man bei den Bauarbeiten auf
die antiken Überreste des Hafens von Byzanz, die nun erst einmal von den Archäo-
50
logen freigelegt werden müssen. Wann die
Bauarbeiten fortgesetzt und zum Abschluss
gebracht werden können ist nun völlig offen.
Referat: Arosha Qasim
Mit dem Schiff über den
Bosporus zum kleinen
Fischerdörfchen Anadolu Kavagi.
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Der Fischmarkt
Wir stiegen in Besiktas aus und gingen Richtung Fischmarkt. Murat fragte sich durch die
Massen und führte uns letztendlich zum Ziel.
Der Fischmarkt in Besiktas ist ein spezifisch
zugewieser Platz und eine Ausnahme für die
sonstigen Marktsituationen dort. Nachdem
der langjährig bestehende Markt in die Jahre gekommen war, beschloss die Bezirksverwaltung das Istanbuler Architekturbüro
GlobalArchitectsDevelopment zu beauftragen, sich diesem Projekt anzunehmen.
Die Architekten wollten die Oberfläche des
dreieckigen Grundstücks anheben/aufstülpen, um so den Markt in die umliegenden
flachen Gebäude zu integrieren. Es gibt nur
drei Stützen, die sich „fließend“ im Boden
verlaufen. Dadurch entstand ein offener und
einladender Charakter, der dennoch durch
das Dach eine geschützte Atmosphäre hat.
Somit entstand ein Raum im Raum. Den
„Innenraum“ gliederte man in sechs abgerundete Bereiche in verschiedenen Größen,
die wiederum die Stadtgliederung aufgreifen
und ein dynamisches, fließendes Raumgefühl geben. Beleuchtet wird der Fischmarkt
mit 150 Watt Glühbirnen, die von der Decke
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hängen. Sie greifen einmal das traditionelle Marktflair auf, aber auch die metallisch
schimmernde Innenausstattung wird in Szene gesetzt und das Motiv des Meers sowie
der Frische suggeriert. Nach dem kurzen
Marsch und dem Referat, waren die meisten wieder wach und wir diskutieren darüber, ob es ein gelungenes und schönes
Projekt ist. Wir kamen zu dem Entschluss,
dass sich der Bau vom Konzept her super
in das Stadtbild einfügt, aber von der Bevölkerung nicht als dieses angenommen wird,
weil der Markt mit seinen glatten und graden
Zügen anders ist, als die Menschen es gewohnt sind.
Nächster Tagespunkt, nach dem Markt, sollte das Kartoffelessen sein. Der Weg dorthin
war von Verlusten geprägt. Nach und nach
verloren wir immer mehr Studenten, die ihren
Klobesuch nicht mehr hinauszögern konnten und auch nicht mehr dazu kamen uns
bescheid zu sagen. Die Stimmung kippte kurzfristig. Als wir wieder vereint waren, fuhren wir endlich zum Kartoffel-Markt. Jeder
bestaunte das Traditions Essen „Kumpir“
mit den vielen verschiedenen Füllungen. Es
blieb bei den meisten bei dem Staunen, da
wir noch so satt vom leckeren Fisch waren.
Die Gruppe löste sich dann nach und nach
auf und wir hatten Zeit zur freien Verfügung.
Am Abend bekam die Gruppe dann noch
Zuwachs: Der Lehrbeauftragte reiste an
Glühbirnen greifen den
traditionellen Marktflair
auf und bieten einen gelungenen Kontrast zum
metallisch schimmernden Innenausbau.
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n Innenausbau.
von außen erhält
Tag 5 – Dienstag – Hagia Sophia
Die Hagia Sophia wurde im 6. Jahrhundert
n. Chr. unter Kaiser Justinians errichtet und
gilt als eines der bedeutendsten Beispiele
für die Kuppelbasilika. Als Vorbild gilt beispielsweise die SS. Serguis und Bachus.
Dabei werden verschiedene Bauelemente, die bis in die römisch-republikanische
Zeit zurückreichen, miteinander vereinigt.
Die Hagia Sophia war die Hauptkirche des
byzantinischen Reiches und ist heute ein
Wahrzeichen Istanbuls. Ihr Bau und ihre
Symbolkraft waren von außerordentlich
hoher Bedeutung für die orthodoxe Christenheit und das Reich. Allerdings ist das
auffallendste Merkmal nicht die schiere
Größe, oder eins der prunkvollen Mosaike,
sondern die monumentale Kuppel, die den
gesamten Innenraum bedeckt. Die Grundfläche des Gebäudes bildet ein Rechteck
von etwa 70x75m. Durch das Kaiserportal
gelangt man schließlich in den Hauptraum,
der in etwa die Ausmaße eines Fußballfeldes hat. Dieser wird durch die Kuppel, mit
einen Durchmesser von 33m und einer
Höhe von ca. 14m gekrönt. Die Kuppel wird
in der West-Ost-Hauptachse durch zwei
Halbkuppeln abgestützt, die wiederum auf
drei kleineren Hauptkuppel aufruhen. Durch
das Fensterband in der Kuppel entsteht
der Eindruck, als würde diese über dem
Hauptraum schweben. Die nördlichen und
südlichen rechteckigen Seitenschiffe sind
zweigeschossig, wobei die Säulenordnungen der unteren Umgangshalle und der
Empore nicht aufeinander bezogen sind,
wie es nach dem üblichen Schema von
Stütze und Last zu erwarten wäre. Auch
die byzantinischen Säulen mit ihrer glatten,
polierten Oberfläche und den von Akanthusblättern überzogenen Kämpferkapitellen machen keinerlei tektonischen Struktur
sichtbar. Oberhalb der Emporen ragen die
von Fenstern unterbrochenen Schildwänden auf. Diese erwecken den Eindruck riesiger Wandschirme. Über die Gurtbögen der
Schildwände und der oberen Halbkuppeln
wird der gewaltige Schub der Hauptkuppel
auf die vier mächtigen Pfeiler in den Ecken
des quadratischen Zentralraums gelenkt.
Diese Pfeiler aus Quadersteinen mit Metallverankerungen reichen durch die Mantelräume der Seitenschiffe hindurch bis zu
den Umfassungsmauern des Gebäudes.
Sie erscheinen durch die Pfeilerdurchgänge
in der unteren Umgangshalle und der Empore aber eher leicht. Ihre wirklichen Ausmaße werden verschleiert, ohne dass dies
ihrer statischen Funktion Abbruch tut. Vom
Zentralraumaus erscheinen die Pfeiler als
einfache Wandflächen, wie überhaupt das
Bemühen vorherrscht, tragende Bauglieder
nach dem Prinzip der Flächigkeit zu behandeln. Begrenzt wird das Bauwerk an der
Ecken durch 4 Minarette.
Referat: Christopher Hilgers
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Es entsteht der
Eindruck, dass die Hagia Sophia von innen
heraus zu leuchten
scheint und nicht ihr
Licht von außen erhält.
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Yerebatan Sarnici
„die versunkene Zisterne“
Die versunkene Zisterne* wurde im 4. Jahrhundert, zur Wasserversorgung des Kaiserpalastes, von Kaiser Konstantin errichtet.
Im 6. Jahrhundert wurde sie auf Anordnung
von Kaiser Justinian, durch 7000 Sklaven,
wieder aufgebaut und erweitert. Aufgrund
des Standes des Kaisers, wurde sie selbstredend die größte Zisterne Istanbuls. Früher
stand oberhalb der Zisterne eine Basilika,
was ihr den Namen Cisterna Basilika einbrachte. Abgesehen davon, gaben ihr die
unzähligen Marmorsäulen im Volksmund
den Namen Yerebatan Sarayi („der versunkene Palast“). Auf einem Grundriss von
140x70m stehen 336, 9m hohe Säulen
mit hauptsächlich korinthischen Kapitellen.
Dies Säulen wurden von anderen (römischen) Bauten recycelt, weshalb sie unterschiedliche Materialien und Kapitelle haben.
Die 4m dicken Wände sind mit Ziegeln gemauert und wasserfestem Mörtel verputzt.
Die Zisterne fasst bis zu 80 000 m³ Wasser, dass über Aquädukte aus dem Belgrader Wald (ca. 20km von der Stadt entfernt)
transportiert wird. Dies war erforderlich, ja,
sogar Lebensnotwendig, da Unterhalb von
Istanbul keine Wasserquellen liegen und die
Stadt mit Wasser versorgt werden musste.
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Weitere Besonderheiten dieses monumentalen Baus sind die „Tränensäule“ und die
zwei Medusenhäupter, innerhalb der Zisterne. Die „Tränensäule“ diente als Tribut für die
vielen Sklaven, die bei dem Bau der Zisterne zu Tode kamen. Viele Touristen zwängen
ihren Daumen in ein Loch in der Säule, was
angeblich Glück bringen soll. Sagenumwoben sind die Medusenhäupter, deren Nutzen bis heute ungeklärt ist. Forscher gehen
davon aus, dass sie während des Baus lediglich als Sockel herbeigeschafft wurden,
was den Legenden jedoch keinen Abbruch
tut. Laut einer dieser Legenden, wurden die
Köpfe der Medusa umgekehrt aufgestellt
um ihren, jeden in Stein verwandelnden
Blick, zu brechen.
durch etliche Filme, wie den James Bond
Film „Liebesgrüße aus Moskau“) sah, eine
große Reinigungs- und Instanthaltungsaktion durchgeführt. Unter anderem wurden die
damals verwendeten Boote durch Stege ersetzt, 50 000 Tonnen Schlamm heraus befördert und viele weitere Säulen restauriert.
Heute kann man nur noch 2/3 der Zisterne besichtigen, da viele Säulen hinter einer
Wand versteckt wurden. Sie dienen immer
noch der Lastenabtragung. Die Wand tut
der geheimnisvollen Atmosphäre keinen
Abbruch. Klassische Musik, Lichtspiele und
viele Konzerte verstärken diese Ambiente
noch. Und wer möchte schon Istanbul verlassen, ohne den „versunkenen Palast“ erkundet zu haben?
Die Yerebatan Sarnici wurde etwa siebenmal restauriert. Nachdem sich das Bewässerungssystem verbessert und weiterentwickelt hatte, geriet die Zisterne in
Vergessenheit und wurde erst etwa 1544
durch einen holländischen Forscher bekannt. Die „Istanbuler“ verwendeten die Zisterne damals als Brunnen und zum fischen.
1985-1987 wurde durch die Regierung,
die das Interesse der Touristen (gefördert
Referat: Miriam Happel
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MSGSÜ
Nachdem wir die Hagia Sophia und die
nahegelegene Zisterne besichtigt hatten,
stand ein Besuch der MSGSÜ mit einem
geführten Rundgang auf dem Programm.
Als Highlight wurden wir für den Donnerstag
Abend von der Universität zu einem Vortrag
des renommierten Architekten Peter Rich
eingeladen. Die MSGSÜ befindet sich mitten im Stadtzentrum auf der europäischen
Seite des Bosporus, direkt am Wasser. Anders als es deutsche Studenten gewohnt
sind, ist die MSGSÜ, wie viele andere
Universitäten in der Türkei, kein offener
Campus mit über ganze Stadtbezirke verteilten Gebäuden, sondern ein umzäuntes
Gelände, das nur den Studenten, Professoren und Angestellten zugänglich ist. Ohne
Passkontrolle oder, wie in unserem Fall, einer speziellen Genehmigung wird man nicht
hinein gelassen. Wir wurden auf dem Außengelände von einem Professor der Universität empfangen und durch das sehr helle und lichtdurchflutete Gebäude geführt. Er
zeigte uns Hörsäle, Arbeitsräume, die Bibliothek und die Mensa. An vielen Stellen waren
die Arbeiten der Studenten ausgestellt. Im
obersten Stockwerk unter dem Dach waren
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die Architekten am Werk. Über die Mensa
konnten man das Gebäude zu einem schönen, am Wasser gelegenen Platz verlassen,
der von den Studenten zum Pausieren und
Verweilen genutzt wird. Nach dem Rundgang wurden wir von Dekanin Prof. Dr. Güzin Konuk empfangen. Als Abschluss des
Tages an der MSGSÜ erhielten wir einen
Vortrag über die Universität und die städtebaulichen und architektonischen Entwicklungen Istanbuls in den letzten Jahrzehnten:
Als „Schule der schönen Künste“ wurde die
MSGSÜ 1882 vom Archäologen und Maler Osman Hamdi Bey gegründet und war
damit die erste ihrer Art in der Türkei. Nachdem sie 1928 den Status einer Akademie
und 1982 den Status einer Universität erhielt, wurde ihr 2003 der heutige Name
„Architekt Sinan Universität der Bildenden
Künste“ gegeben. Der Architekt Sinan war
im 16.
Jahrhundert überall in Istanbul aktiv. Seit einigen Jahren ist die Universität ein Partner
der Hochschule Darmstadt. In den letzten
100 Jahren stieg die Bevölkerung der Stadt
von etwa 500.000 auf rund 13 Millionen im
Jahr 2010 an. Die Probleme, die dieses rasante Wachstum mit sich brachte, prägen
heute zum Teil das Stadtbild von Istanbul.
Beispielsweise wurden Häuser ohne Baugenehmigung und damit ohne städtebauliche Planung errichtet, arme Menschen wurden aus ihren Behausungen vertrieben, um
neue Gebäude bauen zu können und der
Verkehr der Stadt nimmt heute unkontrollierbare Ausmaße
an. Selbst eine im Bau befindliche dritte Bosporus-Brücke scheint keine Abhilfe schaffen
zu können, weil diese nur den Fernverkehr
entlasten wird, der innerhalb der Stadt ein
vergleichsweise kleines Verkehrsproblem
darstellt.
Bericht: Miriam Happel
Christopher Hilgers
Hendrik Diegel
Arosha Quasim
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Tag 6 – Mittwoch – Santral Istanbul
Am Mittwoch besuchten wir das Istanbul Santral, ein Kunst- und Kulturzentrum
am oberen Ende des Goldenen Horns im
Stadtteil Eyüp. Anlässlich der Ernennung Istanbuls zur Kulturhauptstadt Europas 2010,
gestaltete die ortsansässige Bilgi Universität zusammen mit privaten Sponsoren das
ursprünglich erste Elektrizitätswerk des Osmanischen Reiches in einen Museenkomplex um. Das Konzept bezieht sich auf das
des Tate Modern in London, ist jedoch noch
umfassender: Das 180 000 m² große Areal
beherbergt ein Museum für moderne Kunst,
ein Energiemuseum, ein Amphitheater,
mehrere Konzerthallen und ein Kino, den
Campus der Bilgi Universität, eine öffentliche Bibliothek sowie zahlreiche Restaurants
und Cafés. Errichtet wurde der Komplex auf
einem von Istanbuls ältesten Industrieviertel.
Die Silahtara a Power Station versorgte die
Stadt ab 1911 bis zu seiner Stilllegung 70
Jahre lang mit Strom, bis es wirtschaftlich
nicht mehr zu betreiben war und schließlich
heruntergefahren werden musste. Nach
Jahrzehnten der Verwahrlosung wurde
2007 schließlich das Istanbul Santral eröffnet, eines der größten kulturellen
europäischen Projekte der letzten Jahre.
Sein Ziel ist, ein Ort der Begegnung für
junge Talente zu sein. Dabei gelten vor allem drei wichtige Komponente: Austausch,
Raum für Kunst und Interdisziplinarität. Der
Name „Santral“ (türkisch: Kraftwerk) verbindet dabei das Alte mit dem Neuen: Das
ursprüngliche Elektrizitätswerk erhebt heute
den Anspruch, Mittelpunkt der neuen türkischen Kunstszene zu sein, ein Ort des
Schaffens und der Kreativität. Wir hielten
uns lange im Energiemuseum auf und setzten uns dort mit dem Thema der architektonischen Konversion auseinander. Die ersten
zwei Maschinenhallen des alten Kraftwerks
aus den Jahren 1913 und 1921 wurden
mit Auskreuzungen aus Stahl statisch verstärkt und in das heutige Museum umgewandelt, bei dem man versuchte, so viele
Elemente wie möglich zu erhalten. Die riesigen, noch vorhandenen Generatoren in der
Turbinenhalle wurden zum Beispiel als Teil
der Ausstellung erhalten. Der Architekt Han
Tümertekin integrierte sie in seinen Entwurf.
Das Förderband für Kohle wurde durch eine
Rolltreppe ersetzt, welche lediglich mit Glas
verkleidet ist,
sodass ihr Innenleben sichtbar ist. Sie führt
den Besucher auf eine 12 m hohe Ebene
aus rauem Holzboden und einer gläsernen
Brüstung, von der aus man einen guten
Überblick über den gesamten Maschinenraum hat und von der man in den alten Kontrollraum gelangt. Dieser ist weitestgehend
in seiner ursprünglichen Form erhalten
und zeigt die aufwendigen Steuereinrichtungen des Kraftwerks. Auch die gesamte neue Technik des Gebäudes mit ihren
Rohren und Verkabelungen bleibt sichtbar
und fügt sich so in den Industriecharme
des Bauwerks ein. Insgesamt waren wir alle
gebannt von der Schönheit der alten rauen
Konstruktion aus rostigen Stahlträgern und
verwaschenen Betonwänden und der Sensibilität, mit der man bei der Konversion des
Bauwerks umging.
Bericht: Alice Weimar
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Kanyon
Weiter geht’s mit der Zahnradbahn, die wie
eine Art U-Bahn leicht bergauf fährt. Unser
nächster Halt heißt „Levent“. Hier besuchen wir mitten im Finanzviertel Istanbuls
den „Kanyon“. Dadurch, dass dieser an
das öffentliche Verkehrsnetz angebunden
ist, gelangen wir direkt in das Erdgeschoss
des Zentrums hinein. Wer in Istanbul Wert
auf exklusive Kleidung legt und das nötige
Kleingeld besitzt, wird dort sicherlich fündig.
Das Ende Mai 2006 eröffnete Einkaufszentrum ist eines der größten seiner Art in Europa. Über 37 500 m² Fläche erstrecken sich
hier viele verschiedene Boutiquen, Restaurants, Bars und Freizeitmöglichkeiten. Das
Kino ist eines der Highlights mit insgesamt
neun Leinwänden, welches zentral in der
Anlage steht. Abgerundet wird es durch
eine Veranstaltungsbühne, die sich frei im
Erdgeschoss befindet. Das Konzept von
Jerde Partnership und Tabanlio lu Mimarlik,
der Architekten des Gebäudes, war es den
amerikanischen Canyon nachzustellen und
einen Ort zu schaffen, der Arbeit und Vergnügen vereint. So befindet sich am Fuße
des Canyons ein Hochhaus auf 30 000m²
Fläche mit Bürozimmern auf 30 Etagen.
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Anschließend folgen auf zwei Seiten aufgeteilt Essens-und Einkaufsmöglichkeiten mit
jeweils vier Etagen. Integriert am Rande der
Anlage ist auch eine Wohneinheit mit rund
179 Appartements zwischen 80 und 380
m², die sich auf 22 Geschosse erstreckt.
Durch die versetzte Lage der Wohnungen
entstehen Räume für Balkon und Terrasse.
Eine Besonderheit ist sicherlich, dass die
Anlage nur teilweise überdacht ist. Dies hat
für uns den Raum im wahrsten Sinne des
Wortes offen erfahrbar gemacht. Am Brunnen, im Erdgeschoss direkt an der Bühne, durften wir uns ein paar Infos über das
Einkaufzentrum anhören. Im Sommer kann
man hier die Grünanlage bestimmt in vollen
Zügen genießen. In der kalten Jahreszeit jedoch wird ein hoher Energiebedarf notwendig, um dem Besucher ein angenehmes
Klima zu schaffen, erfuhren wir unter anderem. Anschließend machten wir uns auf den
Weg die verschiedenen Etagen und natürlich auch das Kino zu erkunden. Aufregend
war die besondere Wegeführung durch den
Kanyon. Diese ist bedingt durch seine organisch geschwungene Form. Dadurch, dass
die Ebenen leicht verschoben übereinander
stehen, konnten wir von der obersten Etage aus stets auf die darunterliegenden Geschosse blicken und hatten, je nach Standpunkt, unterschiedliche Perspektiven und
Einsichten. Das Gebäude ist rundum verglast, um möglichst viel Licht einzufangen.
Verwendet wurden unter anderem auch verschiedene Steinarten, Beton und Gips. Die
Baukosten werden auf rund 200 Millionen
US Dollar geschätzt. Trotz der hohen Preise,
die uns daran hinderten etwas einzukaufen,
war der Kanyon alleine wegen der einmaligen Architektur seinen Besuch definitiv wert
und hat bleibende Eindrücke hinterlassen.
Bericht: Sabrina Schüssler
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Tag 6 - Mittwoch - Sapphire
Das Istanbul Sapphire ist ein Wolkenkratzer,
der auf der europäischen Seite des Bosporus im Geschäftsviertel Levent liegt. Es ist
mit 261 Metern das höchste Gebäude der
Türkei und eines der höchsten Europas.
Auf 66 Stockwerken und etwa 165.000 m²
Nutzfläche sind überwiegend Luxuswohnungen, Freizeitbereiche und ein Einkaufszentrum untergebracht. Der Wolkenkratzer
wurde 2011 nach 5 Jahren Bauzeit eröffnet. Mit 340 Mio. US-Dollar lagen die Baukosten etwa bei der Hälfte der ursprünglich
veranschlagten Kosten. Der Architekt Murat
Tabanlioglu arbeitete von Anfang an eng mit
dem Auftraggeber Kiler Holding und dem
Bauunternehmen Biskon Yapi zusammen,
um das erste ökologisch gebaute Hochhaus der Türkei zu realisieren.
Vertikales Stadtviertel.
Das 34.000m² große, bis drei Stockwerke
unter der Erde liegende, Einkaufszentrum
stellt den Fuß des Wolkenkratzers dar, unter
dem sich ein entsprechend großes Parkhaus, sowie ein großzügiger Logistik-Be-
reich befinden. Über dem Einkaufszentrum
sind verschiedene Freizeiteinrichtungen,
wie Schwimmbad,Wellnessbereich und Restaurants zu finden. Außerdem stellt jedes
10. Stockwerk einen sogenannten „sozialen
Bereich“ dar. Diese Bereiche sollen sich für
die Bewohner so anfühlen, als würden sie
beim Verlassen ihrer Unterkunft auf die Straße gehen und ihre Nachbarn treffen. Daher
wird das Sapphire von einigen Bewohnern
auch „vertikales Stadtviertel“ Istanbuls genannt. Auf 165m ist dieser soziale Bereich
als Minigolfplatz mit Blick auf den Bosporus
ausgebaut. Unter dem Dach befindet sich
ein zweites Restaurant und darüber eine
öffentlich zugängliche Aussichtsplattform.
An der Süd- und Nordseite gehen durch
das gesamte Gebäude, vom Boden bis
zum Dach, 2 Schächte mit Treppenhaus
und Aufzügen. Zwischen den sozialen Bereichen sind 4 Wohnraumzonen auf insgesamt 177 Wohnungen aufgeteilt. In diesen
Wohnraumzonen wird das Gefühl der simulierten Vorstadt dadurch verstärkt, dass auf
der östlichen Seite des Bauwerks immer 3
Etagen hinter der Fassade zu einem Luft
raum zusammengefasst sind, die mit Rasen
und Bäumen bepflanzt sind. Wie bei einem
gewöhnlichen dreistöckigen Haus wirkt eine
Wohnung der unteren Etage wie das Erdgeschoss mit einem Garten, während die Bewohner der oberen Etagen diesen von ihren
Balkonen aus überblicken.
Ökologische Architektur.
Die Lufträume werden natürlich belüftet, indem Außenluft von unten in den Luftraum
gesogen wird, sich anschließend erwärmt,
dadurch nach oben steigt und dann wieder nach außen dringt. Lufteinlässe öffnen
und schließen sich automatisch dem Wetter
angepasst. Da im Luftraum nur eine geringfügig höhere Temperatur als außen vor der
Fassade herrscht, fühlt es sich dort so an,
als wäre man bereits außerhalb des Gebäudes. Weil das Sapphire an der Ostfassade
nach oben hin immer schmaler wird, ist in
der obersten Wohnraumzone nicht mehr
genug Platz für die Luftraumverbindungen.
Deshalb hat dort jedes einzelne Stockwerk
seinen eigenen Außenbereich hinter der
75
-42,5m
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Fassade, bei dem die Belüftung genauso
funktioniert. Durch die Doppelfassade am
gesamtem Gebäude kann 30-35% Energie
eingespart werden. Natürlich besteht auch
das Sapphire großteils aus Stahlbeton, da
sich ein Hochhaus heutezutage nicht anders realisieren lässt. Trotzdem hat man darauf geachtet, Baustoffe zu wählen, deren
Herstellung die Umwelt möglichst wenig belasten und gut entsorgt oder recycelt werden können. Außerdem wurden schon bei
der Bauplanung detaillierte Pläne für einen
unkomplizierten und kostengünstigen Abriss
erstellt. Es wurde auch darauf geachtet, die
bebaute Fläche verhätnismäßig gering zu
halten und die Lage wurde so gewählt, dass
die Versorgung durch eine gute Verkehrsanbindung schnell und einfach vonstatten
geht. Es wurde ausschließlich moderne und
energieeffiziente Technik verwendet. All diese Aspekte machen das Istanbul Sapphire
zum umweltfreundlichsten Gebäude der
Türkei.
Referat: Hendrik Diegel
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Tag 7 – DonnerstagSantral Istanbul
Nach dem ersten Besuch des „Santral Istanbul“ war die Idee aufgekommen, diesen Ort
noch ein weiteres Ma zu besuchen – diesmal zum Zeichnen. Einen Exkurs zum perspektivischen Zeichen durch Herrn Lengfeld
später, saßen, knieten und standen alle über
ihren Blättern. Das machte hungrig! Und in
der Mensa (eher Restaurant) des Santral
ließ es sich vorzüglich speisen.
Vortrag MSGSÜ
Gestärkt ging es an die MSGSÜ.
Ein renommierter Architekt aus Südafrika
wurde erwartet: Peter Rich – ein Mann,der
vorwiegend in Afrika arbeitet. Teil seines
Schaffens war die Erforschung indigener
Siedlungen in Afrika. Daraus entwickelte sich
sein Bewusstsein für die Kultur der Region
sowie Prinzipien für Rich‘s spätere Projekte.
Eines davon besteht darin, einem Gebäude einen „Dorfcharakter“ zu geben, es beispielsweise in öffentlichen, halb-öffentlichen
und privaten Raum zu unterteilen und es so
zu gestalten, dass ein Zusammenkommen
der Bewohner leicht fällt.
Weiterhin muss Architektur sich integrieren
– kulturell und landschaftlich. An einem Beispiel erklärte Mr. Rich den größeren Kontext
eines Baus in einer solchen Region. So
wurden zum Beispiel nur einheimische Materialien verwendet, Ziegel wurden eigens
vor Ort hergestellt und die als Arbeitskräfte
involvierten Einheimischen wurden im Zuge
ihrer Tätigkeit fortgebildet. Er ermutigte den
Blick auf anderes zu werfen: zu musizieren,
zu schreiben den eigenen Horizont zu erweitern, um letztenendes doch wieder zur
Architektur zurückzukehren; jedoch mit anderen Augen und so das eigene Werken zu
verbessern. Es bedingt sich Zeit zu nehmen
und zu konzentrieren, was erst ein gesamtes Bild des Gesehenen erzeugt.
Ein Beispielprojekt Peter Rich‘s ist das
„Mapungubwe Interpretation Center“, ein
Besucherzentrum und offenesMuseum im
„Mapungubwe National Park“, Limpopo,
Südafrika. Es ist wunderschön zu erkennen
wie dieser Komplex durch Formgebung und
Verwendung regionaler Rohstoffe keinen
Kontrast zur Landschaft bildet, sondern sich
sensibel integriert.
Blickfang sind die Kuppeln aus Mauerstein, für deren Idee die Landschaft
als Inspirationsquelle diente. Insgesamt öffnet sich der Komplex stark
dem Außenraum. Licht wird durch
Strukturen wie Lamellen gefiltert oder
mithilfe farbiger Scheiben gar ganz
verändert. Künstliche Belichtung
besteht minimal. Die regional gegebenen Möglichkeiten einfach und
ökologisch zu Bauen wurden vollständig ausgeschöpft. Das „Mapunhubwe Interpretation Center“ bekam
den Award als „World Building of the
Year“ des „WorldArchitecture Festival 2009“. Der ausschweifende Vorabend forderte an diesem Tag seine
Opfer, sodass der Großteil der Gruppe nach dem Tagesprogramm müde
zum Hostel zurückkehrte und dort einen gemütlichen Abend verbrachte.
Bericht: Eugen Hildmann
Mike Kurka
Nikita Pfeifer
Dennis Schumacher
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Zeichenexkurs mit
Erklärungen von
Herrn Lengfeld im
Istanbul Satral.
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Vortrag von Peter Rich
an der Universität
MSGSÜ in Istanbul
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Tag 8– Freitag – Topkapi Palast
Morgens 9 Uhr, ein Hostel in Istanbul, es
regnet in Strömen. Die Gruppe ist trotzdem
motiviert, denn es gibt kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung. Heute steht als
erstes der Topkapi Palast auf unserem Programmpunkt. Der Palast liegt im Herzen von
Istanbul, sodass wir ihn ohne Probleme zu
Fuß erreichen konnten. Trotz des schlechten Wetters überwältigte uns der Palast mit
seiner Größe und seiner prunkvollen Architektur. Herr Lengfeld war so nett, uns einen
deutschen Guide zu organisieren, damit es
uns leichter fiel, eine Übersicht vom Palast
zu bekommen. Die wesentlichen Örtlichkeiten des osmanischen Prunkpalastes sind
der Harem, die Schatzkammer, die Reliquienkammer und der vierte Hof, der durch
das „Tor der Glückseligkeit“ betreten werden konnte. Hier befand sich der Thronsaal
für Empfänge der höchsten Staatsbediensteten, der Wesire und ausländischer Gäste.
Wir nahmen den Palast als sehr üppig ge
schmückt wahr. Die Räumlichkeiten waren
übersät mit reich verzierten Fliesen, mit goldenen Verzierungen, aber vergleichsweise
klein und zum Teil fensterlos.
Als ein regelrechtes Architekturmuseum
empfanden wir den Topkapi-Komplex,
in dem jeder, zwischen dem 16. Und 19.
Jahrhundert herrschende, osmanische
Sultan einen Pavillon (oder ein übriges
Bauwerk) hinzugefügt hat. Daher ist der
TOPKAPI eher ein organisch gewachsener
Herrschaftskomplex als ein „Palast“ im europäischen Sinn. Bemerkenswert sind auch
die osmanischen Brunnen und Wasserspender, die besonders im 18. Jahrhundert
als eigenständige Kunstwerke, also nicht
mehr als reine Nutzobjekte, an Bedeutung
gewannen.Der Harem war für uns alle sehr
spannend – jeder wollte wissen, was hinter
den Mythen steckt, die darum ranken. Natürlich hat jeder am Anfang das Bild eines
Bordells im Kopf, aber ganz so war es dann
doch nicht. Die Mädchen kamen mit ca.
10 Jahren in den Palast und wurden dort
bis sie 18 Jahre alt waren, besonders in
Sprache und Schrift, unterrichtet. Viele der
Frauen bzw. Kinder konnten kein türkisch,
da sie meistens aus den osteuropäischen
Ländern stammten. Diese wurden als besonders hübsch befunden.
Sultan Süleyman begann Anfang des 16
Jahrhunderts mit dem prächtigen Bau. Bis
zum 18.Jahrhundert wurde dieser von jedem neuen Sultan verändert oder erweitert,
an seine eigenen Bedürfnisse und Vorlieben
angepasst. Der Harem mit 300 Räumen
konnte bis zu 800 Frauen unterbringen. Je
luxuriöser der Raum, desto höher war der
Stellenwert der Frauen. Als erstes kam die
Sultansmutter, die ihr Zimmer direkt neben dem Herrscher hatte. Danach kam die
Frau,die dem Herrscher seinen Nachfolger
gebar. Sie hatte ein Zimmer mit Aussicht
und Fenster. Danach kamen die anderen
Hauptfrauen, die dem Sultan weitere Kinder
schenkten. Die Nebenfrauen, die dem Sultan keine Kinder gebaren, waren die nächsten in der Hierarchie, kurz darauf folgten die
Haremsdienerinnen und die Haremsschülerinnen. Die meisten Frauen bekamen den
Sultan niemals zu Gesicht. Sie langweilten
sich im Harem und gingen untereinander
Liebesbeziehungen ein. Die Sultansmutter half dem Sultan bei der Auswahl seiner
Frauen und bestimmte welche Frauen in
den Harem durften und welche nicht.
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Manche Töchter des Sultans wurden an
hohe Würdeträger verheiratet, die anderen
waren ihr Leben lang im Harem „gefangen“.
Viele Frauen, die Söhne des Sultans zur
Welt brachten, kämpften mit allen Mitteln
darum, dass ihr Sohn der Erstgeborene
wurde. Im höheren Alter scheuten sich die
Söhne auch nicht davor ihre eigenen Brüder zu töten. In der Geschichte des Harems
gibt es viel Mord und viel Machtmissbrauch.
Der Definition zufolge steht Sultan für Herrscher. Im osmanischen Reich waren diese
aber einfach nur die Repräsentanten, die eigentliche Macht und auch das Wissen zum
Regieren hatten meistens die Sultanmutter
oder die Hauptfrauen. Der Sultan hörte in
politischen Fragen und anderen Entscheidungen stets auf seine Mutter.Nach einer
sehr beeindruckenden und interessanten
Führung durften wir noch einmal in kleineren
Gruppen Istanbul entdecken.
Feiern im „Ritim“& Fußballspiel
Der nächste Treffpunkt war um 22 Uhr im
Galataviertel. Der letzte Tag neigte sich dem
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Ende zu und natürlich brauchten wir einen
gebührenden Abschluss für diese gelungen
Exkursion. Die Wahl fiel auf eine Rooftopbar im Galataviertel, die an einem vorangegangen Abend bereits von einem Teil der
Gruppe erkundet und für tauglich befunden
wurde. Einige Studenten hatten sich dazu
entschieden mit Herr Lengfeld und Herr Heinigk ein Fußballspiel der türkischen Mannschaften Fenerbahce und Karabükspor
im Stadion anzusehen. Sie stießen später
dazu. Pünktlich zur Einleitung des Abends
hatte der Regen aufgehört und in der Bar
konnte das Dach zurückgeschoben werden, sodass wir unter freiem Himmel feiern
konnten. Die Musik war vergleichbar zu der
in deutschen Bars, die Stimmung war gut
und so wurde ausgelassen bis in den frühen
Morgen getanzt. Das Istanbuler Nachtleben
im Allgemeinen bietet eine Vielzahl von Bars
und Clubs, das für jeden Geschmack das
Richtige Erlebnis bereithält. Die Straßen
sind zu späten Stunden noch mit vielen feierfreudigen Menschen gefüllt und das unabhängig davon, ob man werktags oder am
Wochenende loszieht. Um Mitternacht etwa
fahren die letzten Straßenbahnen und von
da an kommt man überall nur noch mit dem
Taxi hin, was nicht weiter schlimm ist, da
diese unglaublich günstig sind. Wenn man
allerdings versucht ähnlich günstige Preisverhältnisse für Alkohol vorzufinden, ist man
dort fehl am Platz.
Alles in Allem kann man sagen, dass uns
Istanbul gute Gelegenheiten geboten hat,
um abends nach den langen Tagen einen
schönen Ausklang zu finden.
Bericht: Miraim Happel
Christopher Hilgers
Hendrik Diegel
Arosha Qasin
Reiche
Verzierungen
schmücken den Topkapi Palast und bringen
Atmosphäre in die
häufig dunklen Räume
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Verschiedene Materialien
und Muster wurden verwendet und prägen die
Räume des Harems
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Letzter Abend in Istanbul in der Rooftopbar
„Ritim“
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Fußballspiel der Türkischen Mannschaft
Fenerbahce Istanbul
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Herausgeber
Fachbereich Architektur
Hochschule Darmstadt
University of Applied Sciences
Schöfferstraße 1
64295 Darmstadt
Redaktion
Christine Geiger
Sarah Marker
Verena Kirner
Anna-Lena Möhl
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