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Asylsuchende und Gesundheit
Der Zustrom Asylsuchender im Jahr 2015 wird vermutlich auch im neuen Jahr weiter
andauern. Freiberuflich Pflegende benötigen daher Informationen was es laut Robert
Koch-Institut bei der Betreuung, Pflege und Behandlung von asylsuchenden
Menschen zu beachten gilt.
Zwischen der 40.-50. Kalenderwoche 2015 wurden insgesamt 1.896 Fälle
meldepflichtiger Infektionskrankheiten bei Asylsuchenden gemeldet. Im Vordergrund
stehen impfpräventable und gastrointestinale Infektionskrankheiten (z.B. Windpocken
mit 544 Fällen und Rotavirus-Gastroenteritis 218 Fälle). Daneben werden mittels
Screening
Tuberkulose-
und
Hepatitis-Infektionen
ausfindig
gemacht.
Die
Tuberkulose steht zwischen der 40.-50. Kalenderwoche mit 302 gemeldeten Fälle
nach den Windpocken an zweiter Stelle der bei asylsuchenden Menschen
identifizierten meldepflichtigen Infektionskrankheiten. (vgl. Robert Koch-Institut
2015b)
Keine erhöhte Infektionsgefährdung für die Allgemeinbevölkerung
Asylsuchende sind prinzipiell nicht gefährdeter als der Rest der Bevölkerung an einer
Infektionskrankheit zu erkranken. Die temporär erhöhte Vulnerabilität lässt sich
allerdings auf die ungünstigen Bedingungen in den Erstaufnahmeeinrichtungen und
fehlenden bzw. unvollständigen Impfschutz zurückführen. (vgl. Beermann et al. 2015)
Spätestens
mit
Asylsuchende
der
eine
Aufnahme
in
eine
Gemeinschaftsunterkunft
Aufnahmeuntersuchung,
die
sich
an
erhalten
§62
des
Asylverfahrensgesetzes (AsylVfG) und §36 des Infektionsschutzgesetz (IfsG)
ableiten lässt. Laut §62 AsylVfG und §36 IfsG sind Asylsuchende verpflichtet eine
ärztliche
Erstaufnahmeuntersuchung
zu
dulden.
Dies
schließt
eine
Röntgenaufnahme des Lungenbereichs mit ein. Bei schwangeren Frauen ist von
einer solchen abzusehen, allerdings bedarf es einer ärztlichen Bescheinigung, dass
eine Lungentuberkulose nicht vorliegt z.B. mittels Sputum-Diagnostik oder InterferonGamma Test.
Aufgrund
fehlender,
niedrigschwelliger,
weiterführender
Screenings-
und
Behandlungsmöglichkeiten finden sich auch freiberuflich Pflegende in ihrer Funktion
als therapeutisches Personal in der direkten Versorgung asylsuchender Menschen in
den Kliniken wieder. Laut RKI sollten Personen, die in der Betreuung asylsuchender
Menschen tätig sind, auf einige für Deutschland ungewöhnliche Erkrankungen
vorbereitet sind, was sowohl rasche Diagnose und fachgerechte Behandlung
miteinschließt.
Akut, behandlungsbedürftige Infektionskrankheiten
Freiberuflich Pflegende sollten, wenn sie in der Behandlung, Betreuung und Pflege
von asylsuchenden Menschen tätig sind, bei unklarer Symptomatik stets an folgende
akute, behandlungsbedürftige Infektionskrankheiten denken (vgl. Beermann et al.
2015, Robert Koch-Institut 2015b) :

Impfpräventable Infektionskrankheiten
o Hepatitis A. Die Symptome sind in der Regel unspezifisch z.B. leichter
Temperaturanstieg,
Übelkeit,
Appetitverlust,
Druckschmerzen
im
rechten Oberbauch. Die Übertragung erfolgt fäkal-oral. Das Potential
für Ausbrüche ist laut RKI mittel.
o Influenza. Die Symptome kommen plötzlich u.a. mit ausgeprägtem
Krankheitsgefühl, hohem Fieber, Schüttelfrost und Kopfschmerzen. Die
Übertragung erfolgt mit Tröpfcheninfektion. Das Potential für Ausbrüche
ist laut RKI hoch.
o Keuchhusten. Die Symptome sind grippeähnlich. Der Husten ist meist
leicht aber anfallsartig gefolgt von inspiratorischem Ziehen. Fieber ist
nicht immer oder nur mäßig vorhanden. Die Übertragung erfolgt mit
Tröpfcheninfektion. Das Potential für Ausbrüche ist laut RKI hoch.
o Masern. Die Symptome sind Fieber, Bindehautentzündung, Schnupfen
und
Husten,
Übertragung
Koplick-Flecken
erfolgt
mit
und
das
Masernexanthem.
Tröpfcheninfektion
und
Kontakt
Die
mit
Nasensekret. Das Potential für Ausbrüche ist laut RKI hoch.
o Mumps. Leitsymptom ist die schmerzhafte entzündliche Schwellung
der Parotis, ggf. sind auch die Speicheldrüsen betroffen. Die
Übertragung erfolgt mit Tröpfcheninfektion und Kontakt mit Speichel.
Das Potential für Ausbrüche ist laut RKI mittel.
o Windpocken.
Neben
einem
juckenden
Exanthem
lassen
sich
Windpocken auch auf die Symptome Fieber, Hautläsionen aus Papeln,
Bläschen
und
Schorf
in
verschiedenen
Entwicklungsstufen
zurückführen. Die Übertragung erfolgt mit Tröpfcheninfektion und
Kontakt zu virushaltigem Bläscheninhalt. Das Potential für Ausbrüche
ist laut RKI hoch.

Gastrointestinale Erkrankungen z.B. Noro-Virus. Eine Noro-Virus-Infektion
lässt sich anhand des plötzlich auftretenden Krankheitsbeginns mit folgenden
Symptomen identifizieren: schwallartiges, heftiges Erbrechen, Übelkeit,
Diarrhoe, abdominelle Schmerzen, ausgeprägtes Krankheitsgefühl. Die
Infektion erfolgt fäkal-oral oder durch Tröpfchen, die beim Erbrechen
geschehen. Das Potential für Ausbrüche ist laut RKI hoch.

Parasitäre Erkrankung Skabies. Zu Beginn zeigt sich ein leichtes Brennen
der Haut gefolgt von Juckreiz, stecknadelgroßen Vesikeln, Papeln und
Pusteln. Die Infektion erfolgt über den direkten Körperkontakt mit den
Krätzmilben. Das Potential für Ausbrüche ist laut RKI mittel.

Tuberkulose. Symptome sind länger als 2-3 Wochen andauernder Husten mit
oder ohne Auswurf vor allem in Kombination mit Fieber, Nachtschweiß und
Gewichtsverlust. Fokus liegt auf der Prävention, einer raschen Diagnose und
dem unverzüglichen Einleiten von Isolationsmaßnahmen. Die Tuberkulose
wird mittels Tröpfcheninfektion übertragen (respiratorische Erkrankung).

Weitere
Infektionserkrankungen.
Ferner
können
u.a.
folgende
Infektionserkrankungen bei asylsuchenden Menschen in Betracht kommen:
Diphterie,
Meningokokken-
und
Pneumokokken-Erkrankungen,
Röteln,
Kleiderlausbefall, Poliomyelitis, Infektionen mit multiresistenten Erregern.
Freiberuflich Pflegende haben die Vielzahl von Infektionserkrankungen, die bei
asylsuchenden Menschen auftreten können, im Hinterkopf, stützen damit die
Diagnose und stellen so einen raschen Therapiebeginn sicher. Zudem treten sie in
der Öffentlichkeit als Informationsmedium auf, welches die Empfehlungen des RKI
aber auch deren Statement, dass keine Gefahr für die Allgemeinbevölkerung
ausgehe, weiterträgt.
Quellen
Beermann Sandra, Rexroth Ute, Kirchner Markus, Kühne Anna, Vygen Sabine,
Gilsdorf
Andreas
(2015)
Überblick
über
epidemiologisch
relevante
Infektionskrankheiten. Asysuchende Und Gesundheit In Deutschland. Deutsches
Ärzteblatt 112(42): 1717-1720.
Robert Koch-Institut (RKI) (Hrsg.) (2015a) Für medizinisches Personal: Akut
behandlungsbedürftige, für Deutschland ungewöhnliche Infektionskrankheiten, die
bei Asylsuchenden auftreten können (Stand: 14. September 2015). URL:
http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2015/Ausgaben/38_15_Artikel_A
sylsuchende.pdf?__blob=publicationFile (letzter Zugriff: 20.12.2015).
Robert Koch-Institut (RKI) (Hrsg.) (2015b) Dem Robert Koch-Institut übermittelte
meldepflichtige Infektionskrankheiten bei Asylsuchenden in Deutschland. Stand 16.
Dezember
2015.
URL:
www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Gesundheitsberichterstattung/Gesun
dAZ/Content/A/Asylsuchende/Inhalt/meldepflichtige_Infektionskrankheiten_bei_Asyls
uchenden.pdf?__blob=publicationFile (letzter Zugriff: 20.12.2015).
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