Nachweis von bakteriellen Antibiotikaresistenzen in Geflügelfleisch

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Mitteilungsblatt der Fleischforschung Kulmbach (2007) 46, Nr. 176 – Praxis-Informationen
Nachweis von bakteriellen Antibiotikaresistenzen in Geflügelfleisch
Quelle: International Journal of Food Microbiology 113 (2007), 75-83.
Die Praxis, antibiotisch wirksame Substanzen als Wachstumsförderer in Futtermitteln einzusetzen, wurde für die zunehmende Antibiotikaresistenz von humanmedizinisch relevanten
Bakterien verantwortlich gemacht. Daher wurden in Schweden seit 1986 Antibiotika als
Wachstumsförderer verboten. Auch in der dänischen Broilerproduktion werden solche
Substanzen seit 1998 nicht mehr eingesetzt, was zu einer signifikanten Abnahme von
bakteriellen Resistenzen gegenüber Avilamycin, Erythromycin, Vancomycin und
Virginiamycin führte. In der Europäischen Union sind die Substanzen Avoparcin, Tylosin,
Spiramycin, Bacitracin und Virginiamycin wegen ihrer strukturellen Ähnlichkeit gegenüber
antibiotischen Humantherapeutika für die Verwendung in Futtermitteln verboten.
Die Antibiotikaresistenz ist bei Bakterien auf genetischen Elementen wie Plasmiden,
Transposons und Chromosomenabschnitten lokalisiert, welche intra- und interspezifisch und
zum Teil auch zwischen Gattungen ausgetauscht werden können. Als problematisch sind
hierbei Resistenzübertragungen von pathogenen auf opportunistische Keime anzusehen, da
dann Infektionen durch diese Keime nicht mit den üblichen Antibiotika therapierbar sind.
Inzwischen wurden aus Geflügel, Schweinen, Kälbern und Stuhlproben von Menschen auch
apathogene Laktobazillen mit Antibiotikaresistenzen isoliert. Weiterhin können auch
Stämme, die als Starterkulturen bei der Fermentation von Lebensmitteln eingesetzt werden,
über solche Resistenzgene verfügen. GAROFALO et al. sammelten Proben aus Schweineund Hühnerfleisch verarbeitenden Betrieben, die rohe und/oder fermentierte Produkte
herstellten. Diese Proben wurden auf die Anwesenheit von 11 Genen analysiert, die klinisch
relevante Antibiotikaresistenzen kodieren (C. GAROFALO, C. VIGNAROLI, G. ZANDRI,
L. AQUILANTI, D. BORDONI, A. OSIMANI, F. CLEMENTI, F. BIAVASCO: Direct detection of
antibiotic resistance genes in specimens of chicken and pork meat. Direkter Nachweis von
Antibiotikaresistenzgenen in Geflügel- und Schweinefleischproben). Hierfür wurden aus vier
Betrieben während der Produktion insgesamt 88 Proben von Geflügel- und
Schweineschlachtkörpern, rohem Schweinefleisch und fermentierten Wurstprodukten
entnommen. Daneben wurden 20 Fäzesproben aus den Schlachthöfen derselben Betriebe
gezogen. Aliquote der Fleischproben wurden homogenisiert und die bakterielle DNA nach
Lysis mit Lysozym und Proteinase K mittels Phenol-Chloroform extrahiert. Aus den Fäzesproben wurde die DNA mit einem kommerziellen Extraktionskit gewonnen. Die Extrakte
wurden auf das Vorkommen von 11 Genen getestet, die Resistenzen gegen Ampicillin,
Erythromycin, Gentamycin, Methicillin und Vancomycin codieren. Dabei wurde die höchste
Anzahl an Resistenzgenen in Geflügelfleisch und Schweinefäzes festgestellt. Im Fleisch
wurden vor allem Resistenzen gegen Tetracyclin und Erythromycin gefunden und in allen
Fäzesproben Resistenzen gegen Erythromycin festgestellt. Im Vergleich zu den
Fleischproben waren in den Fäzesproben vermehrt Vancomycin-Resistenzen zu finden.
Somit ist mit einem regelmäßigen Vorkommen von Antibiotikaresistenzen in
lebensmittelassoziierten Bakterien zu rechnen. Daneben zeigen die Ergebnisse dieser
Arbeit, dass die Kontamination der Lebensmittel mit solchen resistenten Bakterien eher in
der Urproduktion als in der Lebensmittelverarbeitung stattfindet. Weiterhin scheint auch die
in dieser Arbeit verwendete molekularbiologische Methode für den Nachweis von
Antibiotikaresistenzgenen in Lebensmitteln eine schnelle und geeignete Methode im
Vergleich zu traditionellen Methoden zu sein.
PICHNER
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