Abstract Titel: Familien mit Kindern mit ADHS – Handlungsschwerpunkte für die Sozialpädagogische Familienbegleitung Kurzzusammenfassung: In dieser Bachelorarbeit werden Wechselwirkungen beschrieben, welche in Familien mit Kindern mit ADHS entstehen können und in der Folge werden Handlungsschwerpunkte erarbeitet, welche in der Sozialpädagogischen Familienbegleitung mit diesen Familien von Bedeutung sind. Autorin: Nora Amrein Referentin: Bettina Grubenmann Publikationsformat: BATH MATH Semesterarbeit Forschungsbericht Anderes Veröffentlichung: 2013 Sprache: Deutsch Zitation: Amrein, Nora (2013). Familien mit Kindern mit ADHS – Handlungsschwerpunkte für die Sozialpädagogische Familienbegleitung. Unveröffentlichte Bachelorarbeit, FHS St.Gallen, Fachbereich Soziale Arbeit. Schlagwörter (Tags): ADHS, Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätssyndrom, Hyperaktivität, Systemische Soziale Arbeit, Familie, Sozialpädagogische Familienbegleitung, Sozialpädagogische Familienhilfe Ausgangslage Das Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) ist ein aktuelles Thema. Viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der Psychologie und der Medizin beschäftigen sich mit der Störung oder dem Syndrom. Sie sind sich jedoch nicht einig, was ADHS genau ist. ADHS wird als Krankheit, Syndrom, Störung oder als Anpassungsschwierigkeit bezeichnet. Genauso herrscht Uneinigkeit, was die Ursachen sein könnten. Hier werden neurobiologische, psychologische und psychosoziale Ursachen genannt. Auch die Behandlungsarten werden kontrovers diskutiert. Vor allem die medikamentöse Therapie führt zu vielen Diskussionen (vgl. Hüther & Bonney, 2010, Brandl & Hüther, Drüe, 2007, Brandau, Pretis & Kaschnitz, 2003, Rossi 2012, Mattner, 2006, du Bois, 2010). Viele dieser Autorinnen und Autoren beschäftigen sich intensiv mit der Beschreibung der Ursachen und dem Erklären der geeigneten Behandlungsmassnahmen. Die Auswirkungen auf Familien mit Kindern mit ADHS werden nur zum Teil erwähnt (vgl. Hüther & Bonney, 2010, Rossi, 2012, du Bois, 2010). Da ADHS, unbeachtet der Ursachenzuschreibungen, jedoch für die meisten Familien eine grosse Belastung bedeutet, sind diese oft auf Unterstützung angewiesen (vgl. Hüther & Bonney, 2010). Die Sozialpädagogische Familienbegleitung ist spezialisiert darauf, mit ganzen Familien zusammenzuarbeiten, deshalb wird in diesem Beitrag der Fokus auf diese Art von Sozialpädagogischen aufsuchenden Interventionen gelegt. Ziel Diese Arbeit soll folgende Fragestellung beantworten: Welche Wechselwirkungen können in Familien mit Kindern mit ADHS entstehen und was bedeutet dies für die Sozialpädagogische Familienbegleitung? Der Begriff Wechselwirkungen beinhaltet die Annahme, dass für das Verstehen von Familien mit Kindern mit ADHS nicht einseitige Ursachen-Wirkungen Zusammenhänge gemacht werden können, sondern dass komplexe, wechselseitige Prozesse das Verhalten aller Familienmitglieder beeinflussen. Die Sozialpädagogische Familienbegleitung arbeitet mit den Familien sehr individuell und muss sich in jeder Familie auf deren Situation einlassen. Trotzdem stellt sich die Frage, inwiefern das Wissen über die Wechselwirkungen in Familien mit Kindern mit ADHS die Arbeit der Sozialpädagogischen Familienbegleitung beeinflusst. Gibt es Schwerpunkte, die im Handeln mit diesen Familien besonders zu beachten sind? Das Ziel dieser Bachelorarbeit ist es, die Annahme über die Wechselwirkungen zu überprüfen, die Wechselwirkungen zu beschreiben und deren Bedeutung für die Sozialpädagogische Familienbegleitung herauszuarbeiten. Vorgehen Im Kapitel 1 wird die aktuelle Diskussion um das Thema ADHS aufgezeigt, in dem als Grundlage die Beschreibung von ADHS in den Diagnoseklassifikationen ICD-10 und DSV-IV vorgestellt wird, um diesen in den weiteren Unterkapitel kritische Punkte entgegenzustellen. Die Kritik wird anhand von einer Studie über Fehldiagnosen und anhand von der Thematik der Biologisierung von abweichendem Verhalten deutlich gemacht. Behandlungsmethoden werden beschrieben und deren Stärken und Schwächen diskutiert. Im Kapitel 2 wird die systemische Soziale Arbeit vorgestellt, die mit ihren Grundannahmen über Systeme eine theoretische Grundlage für das Verstehen von innerfamiliären Prozessen darstellt. Im Kapitel 3 wird die Familie als Begriff erklärt, welcher verschiedene Lebensformen bezeichnet, um danach auf die Funktion der Familie als primäre Sozialisationsinstanz einzugehen. Die Familie als besonderes System besitzt Merkmale, welche für andere Systeme nicht gelten. Diese werden im letzten Unterkapitel beschrieben. Im Kapitel 4 werden anhand von Literatur aber auch anhand der Erkenntnisse der ersten drei Kapitel Wechselwirkungen beschrieben, welche in Familien mit Kindern mit ADHS entstehen können. Dies ist der erste Teil der Beantwortung der Fragestellung. Im Kapitel 5 wird die Sozialpädagogische Familienbegleitung vorgestellt. Dabei wird der Fokus auf die Schweiz gelegt. Im ersten Teil werden grundsätzliche spezifische Merkmale der Sozialpädagogischen Familienhilfe beschrieben, um dann im zweiten Teil auf die konkrete Arbeit von vier Fachpersonen der Sozialpädagogischen Familienbegleitung in der Schweiz einzugehen. Dieser Teil basiert auf Telefoninterviews, welche nicht interpretiert wurden, sondern der Erweiterung der Informationen aus der Literatur dienen. Im Kapitel 6 wird der zweite Teil der Fragestellung beantwortet, nämlich die Frage, was die Erkenntnisse über die Wechselwirkungen in Familien für die Arbeit der Sozialpädagogischen Familienbegleitung bedeutet. Es werden Handlungsschwerpunkte beschrieben, welche in Familien mit Kindern mit ADHS besonders wichtig sind. Im Schlusswort werden Fragen genannt, welche sich für die weitere Bearbeitung des Themas stellen. Erkenntnisse ADHS ist ein umstrittenes Thema, weder die Ursachen noch die Diagnostizierung von ADHS sind vollständig geklärt. Für die Sozialpädagogische Familienbegleitung ist es aber nicht wichtig, die Ursachen zu kennen oder zu beurteilen, ob ein Kind ADHS hat oder nicht, sondern es ist wichtig zu sehen, welche Probleme in der Familie bestehen und welche Beziehungs- und Kommunikationsmuster dahinter stecken. Da es aber Beziehungs- und Kommunikationsmuster gibt, die in Familien mit Kindern mit ADHS besonders häufig vorkommen, gibt es doch Schwerpunkte in der Arbeit mit diesen Familien, die berücksichtigt werden sollten. Zu diesen Schwerpunkten gehört, dass die Fachperson der Sozialpädagogischen Familienbegleitung sich über ADHS informiert, um die Situation in der Familie besser zu verstehen. Die Stärkung der Eltern ist ein weiterer Schwerpunkt, welcher durch Zuversicht, Wertschätzung und die Einigung der Eltern erreicht werden kann. Zirkuläre Muster in der Familie können durch zirkuläre Fragestellungen aufgezeigt werden, um von gegenseitigen Schuldzuweisungen weg zu kommen. Rituale helfen, den Alltag zu strukturieren um so dem Kind die nötige Orientierung zu geben und positive Momente in die Beziehung zu bringen. Es ist nicht das Ziel der Sozialpädagogischen Familienbegleitung, das ADHS des Kindes zum Verschwinden zu bringen, sondern Lösungen zu finden, wie die belastete Situation der ganzen Familie verbessert werden kann. Literaturquellen Hüther, Gerald & Bonney, Helmut. (2010). Neues vom Zappelphilipp – ADHS verstehen, vorbeugen und behandeln. Mannheim: Patmos Verlag. Otto, Hans-Uwe & Thiersch Hans (Hrsg). (2005). Handbuch Sozialarbeit, Sozialpädagogik. (3.Aufl.). München: Ernst Reinhardt Verlag. Ritscher, Wolf. (2007). Soziale Arbeit: systemisch – Ein Konzept und seine Anwendung. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht. Simmen, René, Buss, Gabriele, Hasser, Astrid & Immoos, Stephan. (2010). Systemorientierte Sozialpädagogik. (3. korr. Aufl.). Bern: Haupt Verlag. Wolf, Klaus. (2012). Sozialpädagogische Interventionen in Familien. Weinheim: Beltz Juventa.