Organische Chemie für Biologie und Ernährungslehre

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Organische Chemie
für Biologie und Ernährungslehre
in der Sekundarstufe II
(Fachoberschule, Fachgymnasium, Gymnasium)
Autor: L. Drews
Bilder-Quellen (z.T. nachbearb.): commons.wikimedia.org (Algarech + Van Flamm); UD-Bildschirmschoner; …, lsp: dre
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Inhaltsverzeichnis:
Seite
0. Vorbemerkungen ......................................................................................... 9
Exkurs: Labor-Arbeiten mit Lebensmitteln ................................................................ 12
Exkurs: Labor-Arbeiten mit lebenden Materialien ..................................................... 13
1. vorlaufende Betrachtungen ...................................................................... 14
1.1. Cohlenstoff .............................................................................................................. 14
1.1.1. Element Cohlenstoff ........................................................................................ 15
natürliche Modifikationen / Allotrope ......................................................................... 17
Graphit ................................................................................................................. 17
Diamant ................................................................................................................ 17
Fullerene .............................................................................................................. 18
Graphen ............................................................................................................... 18
1.1.2. anorganische Verbindungen des Cohlenstoffs.............................................. 19
1.1.2.1. Cohlenmonoxid ........................................................................................... 19
1.1.2.2. Cohlendioxid ................................................................................................ 20
1.1.2.3. Cohlensäure / Carbonat............................................................................... 21
Definition(en): Mesomerie ........................................................................................ 22
1.2. organische Verbindungen des Cohlenstoffs ........................................................ 24
historischer Exkurs: Organische Chemie oder die Chemie der zusammengesetzten
Radikale ................................................................................................................... 24
Definition(en): organische Stoffe .............................................................................. 25
Definition(en): organische Chemie ........................................................................... 25
1.3. Braunkohle, Steinkohle und Antrazit ..................................................................... 30
1.3.x. Entstehung ....................................................................................................... 30
1.3.x. Gewinnung........................................................................................................ 30
1.3.x. Verwendung...................................................................................................... 30
1.4. Erdöl und Erdgas .................................................................................................... 31
1.4.x. Entstehung ....................................................................................................... 31
1.4.x. Gewinnung........................................................................................................ 31
1.4.x. Aufbereitung ..................................................................................................... 31
Fraktionierte Destillation / Rektifikation ................................................................. 31
Cracking ............................................................................................................... 31
Reforming............................................................................................................. 31
1.4.x. Verwendung...................................................................................................... 32
2. Kohlenwasserstoffe (Cohlenstoffhydride) .............................................. 33
Definition(en): Cohlenwasserstoffe (Cohlenstoffhydride) .......................................... 33
2.1. gesättigte Kohlenwasserstoffe .............................................................................. 34
2.1.1. Alkane ............................................................................................................... 34
Definition(en): Alkane ............................................................................................... 34
2.1.1.1. Bau, Struktur und Bennenung der Alkane .................................................... 34
Definition(en): Konformations-Isomerie .................................................................... 40
2.1.1.1.1. Molekül-Rümpfe – die Alkyle ................................................................ 42
2.1.1.1.2. verzweigte Alkane................................................................................. 43
2.1.1.1.3. ringförmige Alkane – Cycloalkane ......................................................... 48
2.1.1.1.4. Alkan-Reste als Ionen ........................................................................... 50
2.1.1.2. Eigenschaften der Alkane ............................................................................ 53
2.1.1.2.1. physikalische Eigenschaften ................................................................. 53
Exkurs: Elektronegativität nach PAULING ................................................................ 56
2.1.1.2.2. chemische Eigenschaften – Reaktionen der Alkane ............................. 57
Definition(en): Substitution ....................................................................................... 61
Definition(en): radikalische Substitution / SR-Reaktion .............................................. 61
Definition(en): Oxidation ........................................................................................... 62
Definition(en): vollständige Oxidation ....................................................................... 62
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Definition(en): unvollständige Oxidation ................................................................... 62
Exkurs: Oktan-Zahl / ROZ-Kennung des Benzins ..................................................... 64
Reaktions-Verhalten innerhalb der homologen Reihe ........................................... 65
Exkurs: Struktur-Aufklärung mittels Elementar-Analyse ............................................ 66
Exkurs: Struktur-Aufklärung Dampfdichte-Bestimmung ............................................ 67
Definition(en): Verhältnis-Formel / Elementar-Formel / (Substanz-Formel) ............... 67
Definition(en): Molekül-Formel / Molekular-Formel ................................................... 67
Definition(en): Summen-Formel / Brutto-Formel ....................................................... 67
2.1.1.2.3. Eigenschaften von Isomeren................................................................. 68
2.1.1.3. Eigenschaften und Verwendung wichtiger Alkane ....................................... 69
2.1.1.3.1. Methan.................................................................................................. 69
2.1.1.3.2. Propan, Butan ....................................................................................... 69
2.1.1.3.3. Pentan, Hexan ...................................................................................... 69
2.1.1.3.4. Heptan, Octan, Nonan, Decan .............................................................. 69
2.1.1.3.5. Alkane mit 11 bis 17 Cohlenstoff-Atomen ............................................. 70
2.1.1.3.6. Alkane mit mehr als 17 Cohlenstoff-Atomen - Paraffine ........................ 70
2.2. ungesättigte Cohlenwasserstoffe .......................................................................... 71
Definition(en): ungesättigte Cohlenwasserstoffe ....................................................... 71
2.2.1. Alkene ............................................................................................................... 72
Definition(en): Alkene ............................................................................................... 72
2.2.1.1. Bau, Struktur und Benennung der Alkene .................................................... 72
2.2.1.2. Eigenschaften der Alkene ............................................................................ 76
2.2.1.2.1. chemische Eigenschaften – Reaktionen der Alkene.............................. 77
Mechanismus der elektrophilen Addition .............................................................. 77
Definition(en): Addition ............................................................................................. 80
Definition(en): Elektrophil ......................................................................................... 80
Definition(en): elektrophile Addition; AE-Reaktion ..................................................... 80
Mechanismus der nucleophilen Addition ............................................................... 84
Definition(en): Nucleophil ......................................................................................... 84
Definition(en): nucleophile Addition, AN-Reaktion ..................................................... 84
Reaktions-Verhalten innerhalb der homologen Reihe ........................................... 85
2.2.1.3. Eigenschaften und Verwendung wichtiger Alkene ....................................... 91
2.2.1.3.1. Ethen .................................................................................................... 91
2.2.1.3.2. Lycopen ................................................................................................ 91
2.2.2. Alkine ................................................................................................................ 92
Definition(en): Alkine ................................................................................................ 92
2.2.2.1. Bau, Struktur und Benennung der Alkine ..................................................... 92
2.2.2.2. Eigenschaften der Alkine ............................................................................. 94
2.2.2.2.1. chemische Eigenschaften – Reaktionen der Alkine ............................... 95
Nachweis von Mehrfachbindungen mittels BAEYERscher Probe / BAEYERschem
Test: ..................................................................................................................... 96
2.2.2.3. Eigenschaften und Verwendung wichtiger Alkine......................................... 97
2.2.2.3.1. Ethin ..................................................................................................... 97
Exkurs: Festlegung von Oxidationszahlen ................................................................ 98
Definition(en): Oxidations-Zahl ................................................................................. 98
Definition(en): Oxidation (im Sinne der Redox-Reaktion).......................................... 98
Definition(en):Reduktion (im Sinne der Redox-Reaktion).......................................... 98
Definition(en): Redox-Reaktion................................................................................. 99
Definition(en): korrespondierendes / konjugiertes Redox-Paar / Redox-System ....... 99
Definition(en): Oxidations-Mittel ................................................................................ 99
Definition(en): Reduktions-Mittel ............................................................................... 99
2.2.3. Aromaten - Arene ........................................................................................... 101
Definition(en): Arene / Aromaten ............................................................................ 101
2.2.3.1. Bau, Struktur und Benennung der Aromaten ............................................. 101
Definition(en): Mesomerie ...................................................................................... 102
Definition(en): Mesomerie-Energie ......................................................................... 103
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Definition(en): Arene / Aromaten ............................................................................ 105
Beispiele für (ein- und mehrkernige) Aromaten:.................................................. 105
2.2.3.2. Eigenschaften der Aromaten / Arene ......................................................... 107
2.2.3.2.1. chemische Eigenschaften – Reaktionen der Aromaten / Arene........... 107
Definition(en): elektrophile Substitution; SE-Reaktion ............................................. 108
Reaktionsmechnismus der elektrophilen Substitution ......................................... 109
weitere Reaktionen am Benzen .......................................................................... 111
Definition(en): radikalische Addition; AR-Reaktion .................................................. 113
Zweit-Substitution an Aromaten .......................................................................... 115
Definition(en): mesomere Effekte, M-Effekt ............................................................ 116
3. Derivate der Kohlenwasserstoffe ........................................................... 121
Definition(en): Cohlenwasserstoff-Derivate ............................................................ 121
3.1. Halogenderivate .................................................................................................... 122
Definition(en): Halogen-Derivate ............................................................................ 122
3.1.1. einfach halogenierte Kohlenwasserstoffe .................................................... 123
3.1.1.1. Eigenschaften und Verwendung einfach halogenierter Kohlenwasserstoffe124
Definition(en): nucleophile Substitution, SN-Reaktion.............................................. 124
3.1.2. mehrfache halogenierte Kohlenwasserstoffe .............................................. 126
Fluor-Chlor-Cohlenwasserstoffe ......................................................................... 127
3.1.2.1. Eigenschaften und Verwendung weiterer mehrfach halogenierter
Kohlenwasserstoffen .............................................................................................. 130
3.1.3. chemische Eigenschaften der Halogen-Kohlenwasserstoffe ..................... 132
3.1.4. biologische und ökologische Probleme mit Halogen-Kohlenwasserstoffen135
3.1.4.x. ökologische Aspekte der Fluor-Chlor-Cohlenwasserstoffe (FCKW) ........... 136
Exkurs: Struktur-Aufklärung mittels Spektroskopie ................................................. 138
3.2. Sauerstoff-Derivate (organische Sauerstoff-Verbindungen).............................. 139
Definition(en): Sauerstoff-Derivate ......................................................................... 139
3.2.1. Alkanole (Alkohole) ........................................................................................ 140
3.2.1.1. Bau und Struktur der Alkanole ................................................................... 140
Definition(en): funktionelle Gruppe ......................................................................... 140
Definition(en): Alkanole (Alkohole) ......................................................................... 140
3.2.1.2. Herstellung der Alkanole............................................................................ 143
3.2.1.3. physikalische und chemische Eigenschaften der Alkanole ........................ 144
Steuerung des Reaktions-Verlaufes bei Parallel-Reaktionen .............................. 154
3.2.1.3.x. Experimente zu und mit Alkoholen ...................................................... 156
3.2.1.3.1. Mechanismus der nucleophilen Substitution ....................................... 157
3.2.1.4. Eigenschaften und Verwendung wichtiger Alkanole................................... 159
3.2.1.4.1. einwertige Alkanole ............................................................................. 159
3.2.1.4.1.1. Ethanol ............................................................................................ 159
3.2.1.4.1.2. Methanol .......................................................................................... 163
3.2.1.4.1.3. Amylalkohole ................................................................................... 163
3.2.1.4.1.4. Propan-2-ol (iso-Propanol, 2-Propanol) ........................................... 163
3.2.1.4.1.5. Phenol ............................................................................................. 164
3.2.1.4.1.6. Vitamin A ......................................................................................... 165
3.2.1.4.1.7. Cholesterol (Cholesterin) ................................................................. 165
3.2.1.4.1.8. weitere bedeutsame einwertige Alkohole (für die Biologie und
Ernährungslehre)................................................................................................ 166
3.2.1.4.2. wichtige mehrwertige Alkanole............................................................ 167
3.2.1.4.2.1. Ethandiol (Glycol) und Diethylenglycol (Diglycol) ............................. 167
3.2.1.4.2.2. 1,2,3-Propantriol (Propan-1,2,3-triol, Glycerol, Glycerin, Glyzerin) ... 168
3.2.1.4.2.3. Pentite und Hexite ........................................................................... 168
3.2.2. Alkanale (Aldehyde) ....................................................................................... 170
3.2.2.1. Bau und Struktur der Alkanale ................................................................... 170
Definition(en): Alkanale (Aldehyde) ........................................................................ 170
3.2.2.2. Herstellung der Alkanale............................................................................ 171
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3.2.2.3. physikalische und chemische Eigenschaften der Alkanale......................... 172
Definition(en): Protonen-Isomerie ........................................................................... 180
3.2.2.4. Eigenschaften und Verwendung wichtiger Alkanale ................................... 180
3.2.2.5. Derivate der Alkanale ................................................................................ 182
3.2.2.5.1. spezielle Alkanal-Derivate ................................................................... 182
3.2.3. Alkansäuren (Carbonsäuren) ........................................................................ 184
3.2.3.1. Bau und Struktur der Alkansäuren ............................................................. 184
Definition(en): Alkansäuren (Carbonsäuren) ........................................................... 185
3.2.3.2. Herstellung der Alkansäuren...................................................................... 186
3.2.3.3. physikalische und chemische Eigenschaften der Alkansäuren .................. 187
3.2.3.4. Eigenschaften und Verwendung wichtiger Alkansäuren............................. 192
3.2.3.4.1. einwertige Alkansäuren ....................................................................... 192
3.2.3.4.2. mehrwertige Alkansäuren ................................................................... 197
3.2.3.4.3. die besondere Gruppe der Fettsäuren ................................................ 198
3.2.3.5. Eigenschaften und Verwendung wichtiger Alkansäure-Derivate ................ 199
3.2.3.5.1. Derivate der Alkansäuren.................................................................... 199
Seifen ................................................................................................................. 207
3.2.3.5.2. Derivate der Fettsäuren ...................................................................... 207
3.2.3.5.2.1. Wachse............................................................................................ 207
3.2.3.5.2.2. Fette - Triglyceride ........................................................................... 207
3.2.3.5.2.3. Phospholipide .................................................................................. 207
3.2.4. Ether ................................................................................................................ 208
Definition(en): Ether ............................................................................................... 208
Definition(en): Funktions-Isomerie .......................................................................... 209
3.2.4.1. Diethylether (Diäthyläther, Ether) ............................................................... 210
3.2.5. Ketone (Alkanone) .......................................................................................... 211
Definition(en): Alkanone (Ketone) ........................................................................... 211
3.2.6. Ester ................................................................................................................ 214
3.2.6.1. Bildung und Benennung der Ester ............................................................. 214
Definition(en): Ester ................................................................................................ 216
Definition(en): Veresterung ..................................................................................... 216
3.2.6.2. intramolekulare Ester (Lactone) ................................................................. 217
3.2.6.2. genauer Mechanismus der Veresterung nach FISCHER ........................... 218
3.2.6.3. Eigenschaften und Verwendung der Ester ................................................. 221
3.2.6.3.1. Triglyceride, Fette ............................................................................... 226
3.2.7. substituierte Aromaten mit Sauerstoff im Substituenten ............................ 230
3.2.8. sauerstoffhaltige Heterocyclen ..................................................................... 233
3.2.9. Kohlenhydrate (Saccharide, Zucker)............................................................. 234
Definition(en): Kohlenhydrate (Saccharide, Zucker) ............................................... 234
3.2.9.1. Einfachzucker (Monosaccharide) ............................................................... 235
3.2.9.1.1. Bau und Struktur der Einfachzucker .................................................... 235
Definition(en): Stereo-Isomerie ............................................................................... 235
Definition(en): Enantiomere .................................................................................... 235
Definition(en): Racemat .......................................................................................... 235
3.2.9.2.2. Eigenschaften der Einfachzucker ........................................................ 235
3.2.9.1.3. Beispiele für Einfachzucker ................................................................. 237
3.2.9.2. Mehrfachzucker (Oligosaccharide) ............................................................ 239
3.2.9.2.1. Zweifachzucker (Disaccharide) ........................................................... 240
3.2.9.2.2. Dreifachzucker (Trisaccharide) ........................................................... 245
3.2.9.2.3. Vielfachzucker (Polysaccharide) ......................................................... 245
3.2.x.
Wiederholung
und
Systematisierung
organische
Chemie
(Kohlenwasserstoffe, Halogen- und Sauerstoff-Derivate) ..................................... 246
3.3. Stickstoff-Derivate................................................................................................. 249
Definition(en): Stickstoff-Derivate ........................................................................... 249
3.3.1. Amine .............................................................................................................. 251
Definition(en): Amine .............................................................................................. 251
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3.3.1.1. aliphatische Amine .................................................................................... 252
3.3.1.2. aromatische Amine .................................................................................... 254
3.3.2. Nitro-Verbindungen........................................................................................ 255
3.3.3. Säureamide ..................................................................................................... 256
Definition(en): Säureamide ..................................................................................... 256
3.3.3.1. Harnstoff .................................................................................................... 256
3.3.3.2. Aminosäuren ............................................................................................. 257
Definition(en): Aminosäuren ................................................................................... 258
3.3.3.2.1. protenogene Aminosäuren .................................................................. 263
3.3.3.2.2. bedeutsame nicht-protenogene Aminosäuren..................................... 269
3.3.3.3. Peptide ...................................................................................................... 270
Definition(en): Peptide ............................................................................................ 270
3.3.3.4. Proteine / Eiweiße (Polypeptide) ................................................................ 271
Definition(en): Polypeptide ..................................................................................... 271
Definition(en): Proteine ........................................................................................... 271
3.3.4. Aminobasen.................................................................................................... 272
Definition(en): Aminbasen ...................................................................................... 272
3.3.5. Stickstoff-haltige Heterocyclen ..................................................................... 273
3.3.6. weitere Stickstoff-Derivate von Kohlenwasserstoffen................................. 275
3.2.x.
Wiederholung
und
Systematisierung
organische
Chemie
(Kohlenwasserstoffe, Halogen- , Sauerstoff- und StickstoffDerivate) .................. 276
3.4. Schwefel-Derivate ................................................................................................. 277
Definition(en): Schwefel-Derivate ........................................................................... 277
3.5. diverse weitere gemischte Derivate der Kohlenwasserstoffe ............................ 278
3.5.x. Alkaloide ......................................................................................................... 278
3.5.x. Neurotransmitter ............................................................................................ 279
3.5.x. psychogene Stoffe ......................................................................................... 280
3.5.x. Medikamente .................................................................................................. 282
3.5.x. Hormone ......................................................................................................... 283
3.5.x. Farbstoffe........................................................................................................ 284
Definition(en): Farbstoffe (i.w.S.) / Farbmittel ......................................................... 284
Definition(en): Farbstoff (i.e.S.)............................................................................... 285
Definition(en): Pigmente ......................................................................................... 285
Definition(en): Chromophore .................................................................................. 288
3.5.x.y. Einteilung, Klassifikation und Systematik derFarbstoffe ............................. 291
3.5.x.y. Küpen-Farbstoffe ....................................................................................... 294
3.5.x.y. Entwicklungs-Farbstoffe ............................................................................. 296
3.5.x.y. Direkt-Farbstoffe ........................................................................................ 296
3.5.x.y. Dispesions-Farbstoffe ................................................................................ 296
3.5.x.y. Reaktiv-Farbstoffe...................................................................................... 297
3.5.x.y. Lebensmittel-Farbstoffe ............................................................................. 297
3.5.x.y. Färben – von der Tradition bis zur modernen Technologie ........................ 301
Definition(en): Färben............................................................................................. 301
3.5.x.y. allgemeine Unterscheidung der Verfahren ................................................. 301
Auszieh-Verfahren (diskontinuierliches Färben) ................................................. 302
Kontinue-Verfahren / Foulardieren / Klotzen ....................................................... 302
Semikontinue-Verfahren ..................................................................................... 302
Direktfärbe-Verfahren (Direkt-Färbung) .............................................................. 302
Entwicklungs-Färbung (i.w.S.) ............................................................................ 303
Reaktiv-Färbung ................................................................................................. 303
Dispersions-Färbung .......................................................................................... 304
3.5.x.y.1. natürliches Färben / handwerkliches Färben ....................................... 304
3.5.x.y.2. Färben als moderne Technologie / chemisch-industrielles Färben ...... 305
3.5.x. verschiedene "andere" Stoffe und Stoffgruppen ......................................... 306
Exkurs: Stoff-Erkennung über Farbstoff-Reaktionen............................................... 307
3.6. ausgewählte technische Stoffgruppen ................................................................ 308
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3.6.1. Tenside............................................................................................................ 308
3.7. Alles Interessante, was noch keinen Platz gefunden hat! .................................. 309
Aroma-Stoffe / Aromen / … ...................................................................................... 309
4. Makromoleküle ........................................................................................ 310
4.1. Bildungsreaktionen ............................................................................................... 310
Polyaddition ............................................................................................................ 310
Polymerisationen .................................................................................................... 310
Polysubstitutionen .................................................................................................. 311
Polykondensation ............................................................................................... 311
4.2. wichtige natürliche Makromoleküle ..................................................................... 312
4.2.1. Kohlenhydrate (Polysaccharide) ................................................................... 312
4.2.2. Polypeptide (Eiweiße) .................................................................................... 312
4.2.3. DNS ................................................................................................................. 314
4.3. künstliche Makromoleküle / Kunststoffe ............................................................. 315
Definition(en): Kunststoffe ...................................................................................... 315
Definition(en): Elaste / Elastomere ......................................................................... 315
Definition(en): Plaste .............................................................................................. 316
Definition(en): Thermoplaste .................................................................................. 316
Definition(en): Duroplaste ....................................................................................... 316
4.3.1. Kunststoffe aus Natur-Rohstoffen ................................................................ 317
4.3.2. voll-synthetische Kunststoffe ....................................................................... 318
Eigenschaften und Verwendungsmöglichkeiten von Plasten / Elasten im
Hauswirtschaftlichen bzw. Ernährungs-Bereich .................................................. 326
5. Tabellen, Zusammenfassungen, Begriffsbestimmungen .................... 328
5.1. Nomenklatur (Namensgebung) ............................................................................ 328
R/S-Stereo-Isomerie ........................................................................................... 328
Substitutive und radikalofunktionelle Nomenklatur der wichtigen funktionellen
Gruppen ................................................................................................................. 329
organische Stoffe und ihre Namen ......................................................................... 332
5.2. Reaktionsarten in der organischen Chemie ........................................................ 333
5.3. Zusammenfassung und Systematisierung .......................................................... 335
5.3.x. Isomerie .......................................................................................................... 336
unterschiedliche Wirkung von Stereo-Isomeren .................................................. 337
5.4. Namen diverser Chemikalien in verschiedenen Sprachen usw. ........................ 343
5.5. Begriffe und Begriffsbestimmungen, Definitionen ............................................. 344
Literatur und Quellen: ................................................................................. 363
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0. Vorbemerkungen
Auswahl der Inhalte nach Bedeutung für Biologie bzw. Ernährungslehre
deshalb systematisch unvollständig (Hinweise auf fehlende Gruppen im Einleitungstext zur
Stoffgruppe)
Gliederung so, wie Inhalte gebraucht werden (wenn keine Bedeutung für …, dann keine Aufnahme in die Gliederung (selten nur Querverweise oder Links)); Gliederungsebenen sind
chemisch orientiert aber doch didaktisch betont gewählt; praktische Verwendbarkeit und
Übersichtlichkeit (für unseren Zweck) geht vor abstrater wissenschaftlicher Strenge, sonst
besteht auch die Gefahr der ellenlangen Gliederungen (1.4.2.1.2.1. Irgendwas). Leider klappt
das aber nicht immer. Kompromiß!!!
Stoffe bzw. Stoffgruppen, die auch Inhalt des Faches sind, werden nicht weiter betrachtet –
es sei denn, es gibt allgemeingültige Basisinhalte
einheitliches Niveau für ein gutes bis sehr gutes Grundwissen, bei alternativer Benutzung
von Schul-Lehrbücher, Internet-Plattformen usw. usf. muss man selbst einschätzen, ob das
dargebotene Niveau dem eigenen Zweck entspricht
Kursleiter der Zielkurse (Biologie bzw. Ernährungslehre) können den Umfang (mit)bestimmen (Themenvorgabe od. Reduktion des Skripts (siehe  Nutzungsbestimmungen /
Lizenz)
für Selbststudium und Nachschlagezwecke
das Lösen der Aufgaben ist bei Selbststudium zu empfehlen; zuerst Abgleich mit Gleichgesinnten und Gleichbetreffenen, günstig für Selbstkontrolle und selbstorganisiertes Lernen;
Kursleiter der Zielkurse (Biologie bzw. Ernährungslehre) werden sicher bereit sein, die Lösungen nachzukontrollieren bzw. im Streitfall zu schlichten
einige Soffgruppen (z.B. Kohlenhydrate) werden auf dem Minimal-Niveau (z.B. für Biologen)
betrachtet. Für die Ernährungslehre erfolgt eine ausführliche Betrachtung in einem speziellen
Skript (z.B. Skript: Ernährungslehre).
Durch spezielle Zeichen an der Kapitel-Überschrift wird die Eignung für die einzelnen Interessenten angezeigt. Der Erdball steht für Allgemeinwissen bzw. Grundwissen für die Biologen, wie auch für die Ernährungswissenschaftler (Trophologen). Das DNS-Molekül dient als
Symbol für die Biologie und der Löffel – na dreimal dürfen Sie raten – natürlich für die Ernährungswissenschaft (Trophologie). Dem einen oder anderen wird dieser Skript vielleicht auch
zum Lernen der organischen Chemie ganz allgemein in die Hände gefallen sein, dann sind
die Chemie-Themen besonders wichtig. Sie sind mit dem ERLENMEYER-Kolben-Symbol deutlich chearakterisiert. Im Kästen neben dem Interessenbereich ist die konkrete Bedeutung für
das jeweilige Fach bzw. den angedeuteten Lern-Bereich angegeben. Ein + steht für sehr
wichtig, ein – für eine geringere Bedeutung. Den Durchschnitt – das Mittelmaß kennzeichnen
wir mit dem –Zeichen.

▬


Manche Themen sind hier in der allgemeinen, organischen Chemie so knapp dargestellt,
dass sie für die Einzelwissenschaft völlig unzureichend sind. In solchen Fällen ist das Gebietssymbol dann durchgestichen und die Bedeutungsmaße fehlen.
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(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Hier muss man sich in der speziellen Literatur der jeweiligen Wissenschaft genauer informieren. In speziellen Skripten zur Biologie und Ernährungslehre werden diese Sachverhalte
dann ausführlich dargestellt. Natürlich darf ein interessierter Leser die Kapitel auch durcharbeiten. Aber man darf nicht dem Irrglauben aufsitzen, der Inhalt würde dann auch für alle
Fachfragen schon ausreichen.
In den ersten Versionen dieses Skriptes und in älteren Abschnitten werden Sie feststellen,
dass ausführliche und tieferschürfende chemische Aufklärungen zu Reaktions-Mechanismen
fehlen. Eigentlich wollte ich dieses auch als Grund-Prinzip beibehalten. Viele UnterrichtGespräche und die manchmal unendlich borenden Fragen zum Funktionieren der einzelnen
Reaktionen hat mich dann doch bewogen die Reaktions-Mechanismen genauer aufzunehmen.
Bedeutsame Reaktionsmechanismen, wenn sie für das Titel-Thema denn interessant sind
bzw. zum erweiterten Verständnis beitragen, folgen dann den allgemeinen Abschnitten auf
extra Seiten (Abschnitten). Sie können einfach überlesen werden oder garnicht mit ausgedruckt werden.
Zum Verständnis gehen wir bei vielen Reaktionen / Reaktions-Typen
auf die wesentlichen Abläufe ein. Zur Unterstützung verwenden wir
hier Formeln mit hinterlegten Farb-Kennungen. Die stehen für die Polaritäten oder besondere "chemische" Verhältnisse.
Gleichzeitig geben wir bei den Reaktionen auch immer noch einige Hinweise oder Erläuterungen zu den Vorgängen in kursiv gesetzten Texten an. Auch sie sollen vorrangig dem Verständnis dienen.
Neutrale Verhältnisse in Bindungen werden grün gekennzeichnet. Polare Bindungen und die
resultierenden Ladungs-Verhältnisse werden durch rötliche (für positiv) und bläuliche Wolkenartige Hinterlegung dargestellt. Echte Ionen, wie hier z.B. das Natrium- und das Chlorid-Ion
erhalten vollgefärbte Hintergründe.
In der organischen Chemie treten häufig auch Radikale auf. Sie zeichnen sich durch ungepaarte
Elektronen (dafür steht der Punkt ()) aus. Da sie besonders reaktiv sind, haben wir uns für eine
orange Hintergrund-Wolke entschieden.
Kommen in Stoffen an bestimmten Stellen gehäuft Elektronen vor, dann zeigen wir diese mit
gelblichen Wolken an. Das entspricht auch der üblichen Kennzeichnen von solchen Bindungen
(sogenannte "Bananen-Bindungen"). Mehr dazu aber später.
Noch einige Hinweise zur Verwendung dieser Kennzeichnung:
Die Wasserstoff-Atome bzw. deren Bindungen zum Cohlenstoff werden in den meisten Fällen
einfach ignoriert. Wie der Leser noch sehen wird, ist Wasserstoff nur schmückendes Beiwerk in
der organischen Chemie. Die Abbildungen würden auch zu bunt werden und damit die Übersichtlichkeit leiden. Die Ladungen usw. werden immer gleichgroß dargestellt. Das wesentlich
kleinere Natrium-Ion bekommt bei uns die gleiche Kennzeichnung wie das wensentlich größere
Chlorid-Ion. Wenn die Größen eine Rolle spielen dann benutzen wir andere Modelle.
Fachbegriffe und vor allem viele chemische Stoff-Namen sind echte Zungenbrecher. Wenn
man bei vielen nicht weiss, wie sie in Silben zerlegt und wo betont werden muss, dann können sie zu echten Kommunikations-Hindernissen werden. Wir wollen hier eine neue Formatierung versuchen, um hier wenigstens ein wenig Abhilfe zu schaffen. Die Silben bzw. Wortstämme einzelner Fachwörter werden mit unterschiedlichen Farbtönen hinterlegt. Die besonders zu betonenden Silben – zumeist die vorletzte – werden nochmals extra eingefärbt.
Colorierung
5,7-Dichlorhexadecansäure
Aus Layout- und Aufwands-Gründen wird aber nicht jedes Fachwort und auch nicht jede
Wiederholung so gestaltet. Vielmehr sollen neu eingeführte Wörter so charakterisiert werden
und solche Begriffe, die lange nicht aufgetaucht sind oder nur selten benutzt werden. An Erfahrungen und Verbesserungs-Vorschlägen hinsichtlich dieser Formatierung bin ich immer
interessiert.
Da ich erst in den neuen Texten ab der Version von 2012 mit dieser Formatierung anfange,
werden ältere Text-Teile diese Formatierung erst nach ihrer Überarbeitung erhalten. Ich verstehe die Formatierung auch als Hilfsmittel und nicht als obligatorisches Mittel!
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Echte "Chemiker" werden sicher auch die systematische Darstellung der verschiedensten
speziellen Stoffe vermissen. Für die Herausbildung von verwertbaren Kenntnissen für die
Ernährungslehre und die Biologie spielen solche Kenntnisse eine untergeordnete Rolle. Der
aufmerksame Leser wird viele Darstellung in Ausgangsstoffklassen finden. Dort sind dann
auch immer Links auf die dargestellte Stoffklasse angezeigt, obwohl dies didaktisch eigentlich nicht immer sinnvoll ist. Aber dieses Skript will ja auch kein gewöhnliches OrganikBüchlein sein.
wo allgemeine Grundkenntnisse aus anderen Wissenschaften gebraucht werden, die von
grundlegender Bedeutung für das Verständnis eines Sachverhaltes sind, dann werden diese
meist als Exkurs näher erläutert. Die Sachverhalte sollen nicht nur einfach aufgezählt und
gepredigt, sondern auch verstanden werden. Die Auswahl erfolgt nach meinen LehrErfahrungen. Besonderer Wert wird auch auf solche Sachverhalte gelegt, die in der populären Literatur zu oberflächlich oder vielleicht auch falsch dargestellt werden.
Sollten wichtige Stoffe oder Stoffgruppen mit allgemeinem Interesse fehlen, dann ist ein
Hinweis an die / den Autor(en) gewünscht.
Spezialwissen gehört in spezielle Literatur. Deren Autoren sind weitaus kompetenter.
Experiment
Dieser Versuch kann mit Haushaltsmitteln und auch zuhause durchgeführt werden!
Trotzdem bitte unbedingt die allgemeinen Regeln und Vorsichtsmaßnahmen beim Experimentieren beachten!
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Exkurs: Labor-Arbeiten mit Lebensmitteln
In der "normalen" Chemie gelten viele Sicherheits-Vorschriften, die prinzipiell auch für unsere Lebensmittel-Experimente gelten.
Das Experimentieren mit Lebensmitteln kommt aber nicht ohne das Schmecken aus. Sollten
solche Versuche durchgeführt werden sollen, dann müssen einige spezielle Regelungen
getroffen werden, die für eine ausreichende Hygiene und Reinheit sorgen. Weiterhin müssen die Gefahren durch Reststoffe (Normal-Chemikalien, …) weitgehend ausgeschlossen
werden.
Für Untersuchungen von Lebensmitteln sollten unbedingt die folgenden Regelungen und
Hinweise eingehalten werden:
 Sollte bei Experimenten probiert werden oder die Lebensmittel später verwendet werden, dann sollte in einer Küche, Lobor-Küche oder zumindestens in einem vorher gereinigten und gelüfteten Labor gearbeitet werden!
 Verwenden Sie extra Schutz-Kleidung (extra oder frisch gewaschener Kittel, Kopfbedeckung (Haube, Kochmütze, …))
 Verwenden Sie extra / neue Chemikalien-Sätze (Gefäße möglichst kennzeichnen z.B.
mit einem "L")! Die angebrauchten Chemikalien können dann später im "Normal"-Labor
aufgebraucht werden! Verwenden Sie – wenn verfügbar – extra saubere Chemikalien
für die Lebensmittel!
 Verwenden Sie extra Geräte (möglichst kennzeichnen z.B. mit einem "L")! Geräte können dann später im "Normal"-Labor weiterverwendet (endgenutzt) werden!
 Geräte, die auch zu anderen Zwecken genutzt werden müssen vor der Nutzung für Lebensmittel nochmals extra reinigen (abwischen, ausspülen, lüften, …)
 Probieren Sie immer nur ihre eigenen Produkte und solche, die von anderen explizit
freigegeben wurden (kleines Schildchen mit Beschriftung, um was es sich handelt!)!
 Probieren Sie nach der optischen Prüfung zuerst immer nur kleine Mengen! Nur was
einwandfrei aussieht und schmeckt, kann dann auch weiter probiert werden!
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Exkurs: Labor-Arbeiten mit lebenden Materialien
Im Biologie-Labor gelten die typischen Regeln für Chemie-Labore. Zum Schutz der Menschen müssen noch einige hygienische Maßnahmen eingehalten werden. Aber auch der
Tierschutz muß beachtet werden. Unnötiges Quälen von Tieren kann nicht geduldet werden.
Für das Arbeiten mit lebenden Organismen oder frischen Teilen sollten unbedingt die folgenden Regelungen und Hinweise eingehalten werden:
 Mikroorganismen unter dem Abzug hantieren, PETRI-Schalen mit Nährmedien nach
dem Beimpfen mit Klebeband sichern und im Beisein von Schülern, Auszubildenden od.
Studenten nicht mehr öffnen
 Tier-Versuche möglichst vermeiden und deren Anzahl auf ein Minimum reduzieren, Tiere zum Sezieren möglichst schnell und Schmerz-los töten
 für medizinische Untersuchungen möglichst kein Chemie- oder mikrobiologisches Labor
benutzen
 Geräte für Untersuchungen an Menschen oder zur Proben-Entnahme vorher desinfizieren, nur einmal (für eine Person) benutzen und nach dem Gebrauch zur Reinigung und
erneuten Desinfektion geben
 Untersuchungen mit menschlichen Materialien, Proben usw. möglichst immer auf eigenes Gewebe / eigene Körper-Flüssigkeiten beschränken, kein Blut od. anderes Material, was prinzipiell infiziert sein kann, von anderen Personen benutzen
 alle biologischen Materialien ordnungsgemäß und sauber entsorgen (ev. Bestimmungen für größere Tierkörper oder Materialmengen beachten!)
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1. vorlaufende Betrachtungen
1.1. Cohlenstoff
Cohlenstoff – das ist doch bestimmt der Stoff aus dem Kohle ist. Ja genau so ist es. Aber
Cohlenstoff ist noch viel mehr. Auch Diamanten sind seltsamerweise Cohlenstoff. Mal
schwarz mal farblos, da ist schon interessant mal hinter die Kullissen zu schauen. In der organischen Chemie wird uns der Cohlenstoff quasi als Rückrat der Verbindungen ständig begleiten.
Cohlenstoff ist auf unserer Erde das 13.häufigste Element. Als solches wurde es aber erst im
18. Jahrhundert charakterisiert. Das lag vor allem an der großen Wandelbarkeit. Ob als
schwarzes, relativ leichtes, weiches und elektrisch leitendes Graphit oder als harter, farbloser, kristalliner und nicht leitender Diamant – immer haben wir es mit Cohlenstoff zu tun.
Man schätzt die Menge des Cohlenstoffs auf und in der Erde auf rund 30 Billiarden Tonnen
(30 * 1015 t). Ungefähr die Hälfte (14 * 1015 t) stecken in Carbonat-Gesteinen. Dies sind z.B.
Marmor, Kreide, Kalksandstein. In elementarer Form kommt rund 1 Billiarde in SchieferGestein vor. In den Bereichen, die wir gewöhnlich mit viel Cohlenstoff assoziieren, wie Steinkohle, Braunkohle, Erdöl, Erdgas und das Cohlendioxid in der Luft stellen einen eher geringen Anteil an der Gesamt-Cohlenstoff-Menge. Das im Meerwasser gelöste Cohlendioxid
stellt mit 30 Billionen Tonnen (30 * 1012 t) noch eine recht große Menge dar. Das sind aber
von der Gesamtmenge aus gesehen nur ein 1.000stel – oder anders ausgedrückt 0,1%. In
der Atmosphäre und in der belebten Natur finden wir gerade mal 600 Milliarden (600 * 10 9 t)
bzw. 300 Milliarden Tonnen (300 * 109 t). Der Cohlenstoff, welcher der Biosphäre zugeordnet
wird, steckt fast ausschließlich in Pflanzen (99%). Nur rund 1% machen die Tiere und Menschen aus.
Die "großen" Cohlenstoff-Speicher, wie Kohle, Erdöl und –gas machen gerade mal 600 Milliarden Tonnen (600 * 109 t) aus. Trotzdem sind diese "wenigen" Tonnen mit ein Grund dafür,
dass wir heute auf der Erde eine Sauerstoff-halte Atmosphäre haben und nicht in einer CO2reichen Ur-Atmosphäre ersticken.
Ökologisch und chemisch gesehen stellen die verschiedenen Cohlenstoff-Quellen (Gesteine,
Cohlendioxid, …) komplizierte dynamische Gleichgewichte dar. So wird es bei einer weiter
steigenden Durchschnitts-Temperatur auf der Erde (z.B. Treibhaus-Effekt) oder mit immer
saureren Regen zur Verstärkung der CO2-Freisetzung aus Meerwasser und Gesteinen
kommen. Die Pflanzen würden davon wahrscheinlich profitieren, für uns Menschen wäre es
eher problematisch, auch wenn die Erhöhung nur vielleicht 0,01% ausmachen würde.
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1.1.1. Element Cohlenstoff
Das Element Cohlenstoff (Kohlenstoff) findet man im Periodensystem der Elemente (PSE)
unter der Ordnungszahl 6 (6C). Dies bedeutet, dass jedes Atom 6 Protonen und 6 Elektronen
beinhaltet. Im Atom-Kern können neben den Protonen noch 6 bis 8 Neutronen sein. Damit
ergibt sich eine Massezahl von 12 bis 14 u (1 u … atomare Masseeinheit = 1,661 * 10-27 kg =
12
-24
1,661 * 10 g). Somit geben sich die Isotope
C, 13C und 14C. Davon ist das 14C-Isotop wegen
seiner Radioaktivität und der dazu gehörenden Halbwertzeit von Jahren für viele Untersuchungen interessant. C14-Messungen (exakt: 14C-Messungen) werden z.B. für die
Alterbestimmung benutzt. Im Bereich von tausend bis einigen hundertausend Jahren lässt
sich damit das Alter von biologischen Resten sehr gut bestimmen.
Als Element der IV. Hauptgruppe
sind die Möglichkeiten zur Ionen-Bildung sehr eingeschränkt. Die dafür notwendige Energie
wäre beachtlich. Beim Cohlenstoff finden wir eine deuliche Tendenz zur Atombindung. , vier
Außen-Elektronen  Vierbindigkeit (sozusagen Grundregel der organischen Chemie)
1. Periode  Möglichkeit von Mehrfachbindungen, keine d-Orbitale  keine weiteren Bindungen über d-Valenzen
Ionen-Bildung sehr aufwändig
Normalerweise sind zwei Außen-Elektronen auf dem 2s-Orbital und zwei Elektronen auf zwei
der drei 2p-Orbitale verteilt. Wenn dies so sein sollte, dann müsste es bei bestimmten Stoffen z.B. bei Methan CH4 jeweils zwei verschiedene Bindungen zu Wasserstoff geben. Zwei
Wasserstoff-Atome müssten an den s-Elektronen hängen und zwei H-Atome an den pElektronen. Die Bindungen müssten auch unterschiedlich stark sein und damit unterschiedliche Energie-Zustände haben. Das Molekül sollte dann unsymetrisch sein.
Das alles konnte nicht beobachtet werden. In der Praxis ist Methan ein symetrisches Molekül
mit vier gleichartigen Bindungen. Man war deshalb gezwungen das "normale" Modell der
Molekül-Orbitale um die Hybridisierung (Gleichmachung) zu ergänzen.
Durch eine kurzzeitige Energie-Zufuhr von Nachbar-Atomen oder durch eine erhöhte Temperatur geht das Cohlenstoff-Atom in einen angeregten Zustand über.
Orbital

p


Energiezufuhr


Hybridisierung

s

Normal-Zustand
Energieabgabe




De-Hybridisierung
angeregter Zustand
hybridisierter Zustand
Im angeregten Zustand verteilen sich die Elektronen gleichmäßig auf alle Orbitale der 2.
Schale. Man nennt diesen Schritt auch Promotion. Durch Hybridisierung (Verschmelzung)
des s- und der drei p-Orbitale entstehen vier gleichartige sp3-Hybrid-Orbitale. Dadurch entstehen vier gleichartige Bindungs-Möglichkeiten.
Das kugelförmige s-Orbital und die drei Hantel-förmigen pOrbitale ergeben im hybridisierten Zustand insgesamt vier Hantelförmige Hybrid-Orbitale. Diese ordnen sich wegen der maximalen
gegenseitigen Abstoßung (der negativ geladene Elektronen) im
Raum so an, dass ein maximaler Abstand zwischen ihnen besteht (GILLESPIE-Modell, Elektronenpaar-Abstoßungs-Modell). Es
ergibt sich ein Tetraeder (Tetraeder-Modell). Im Zentrum befindet
sich der Cohlenstoff-Atomkern. Die Spitzen entsprechen den Bindungsrichtungen. Der Raumwinkel zwischen den Bindungen beträgt 109°28'.
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Unter speziellen Bedingungen sind auch Doppel- oder Dreifachbindungen zwischen
Cohlenstoff-Atomen möglich. Diese beruhen auf spezielle Hybridisierungen und werden bei
den ungesättigten Kohlenwasserstoffen ausführlich behandelt. Die Bindungswinkel weichen
dann vom Tetraeder-Winkel ab.
Grundsätzlich gilt aber, dass sich die Bindungen (gemeinsam genutzte Elektronen-Paare) im Raum
maximal abstoßen.
Cohlenstoff nimmt eine Mittelstellung zwischen Lithium – einem gutem Elektronen-Donator
(Elektronen-Abgeber) – und Fluor – einem starken Elektronen-Akzeptor (ElektronenAufnehmer) – ein. Die Atome des Cohlenstoff neigen kaum zur Aufnahme oder Abgabe ihrer
Außenelektronen. Deshalb finden wir in organischen Verbindungen auch vorrangig
Cohlenstoff-Atome mit anderen Atomen über Atombindungen verbunden. Mit einigen Partnern werden polare Atombindungen eingegangen. Sehr selten sind polare Bindungen (Ionen-Beziehungen).
keine Elektronenlücke (wie z.B. Bor (linker Nachbar im PSE)
kein freies Elektronenpaar (z.B. wie rechter Nachbar im PSE: Stickstoff)
Bindungen sehr stabil, allgemein wenig reaktionsfreudig
Bindung mit anderen Atomen und zu sich selbst im Bereich von 200 – 400 kJ/mol; BindungsLänge 0,154 nm (= 154 pm = 1,54 Å)
ausgeprägte Bindungsfähigkeit zu sich selbst (also C-C-Bindungen, auch aus dem Elementbereich heraus), in verschiedenen Varianten Einfachbindungen (C-C), Doppelbindungen
(C=C) und Dreifachbindungen (CC).
Gute Bindungsmöglichkeiten zu anderen Atomen: H, O, S, N, P, Cl, Br, I, F, …
irdische Bedingungen – sehr gute Bedingungen für C-Chemie
kommt ein Element in mehreren Modifikationen vor, dann sprechen wir von Allotropie. Es
handelt sich zwar um ein und dasselbe Element (Atome mit gleicher Protonen-Anzahl) aber
unterschiedlichen Bau-Strukturen (Struktur-Formen).
Cohlenstoff kommt in den allotropen Formen Graphit, Diamant, Fulleren, Graphen und Nanoröhren vor.
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natürliche Modifikationen / Allotrope
Graphit
Ruß entsteht normalerweise bei Verbrennung von organischen Verbindungen unter Sauerstoff-Mangel, sonst vorrangig Cohlendioxid und bei einsetzendem Sauerstoff-Mangel auch
Cohlenmonoxid)
Schmelzpunkt 3800 °C
Siedepunkt 4200 °C
Q: www.3dchem.com
Diamant
natürlich nur unter extrem hohem Druck und Temperaturen (in Gesteinen), sehr hart, farblos,
brennbar!, in Biologie und Ernährungslehre aber ohne Bedeutung
größte Härte Härtestufe 10 nach MOHS
Handelsmaß ist Karat ( = 1/5 g)
nur 5 % der Weltproduktion wird in der
Schmuckindustrie umgesetzt
Hauptnutzung in der Schleif- und BohrIndustrie
Q: www.3dchem.com
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(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Fullerene
auch im Ruß enthalten, sehr stabil, brennbar, verhält sich chemisch wie Graphit, deshalb
keine besondere Bedeutung für Biologie und Ernährungslehre
Q: www.3dchem.com
Graphen
Graphen
3 Bindungen zu direkten Nachbarn, 4. Bindung als delokalisierte Doppel-Bindung
am Rand ev. andere Atome od. Strukturen,
die aber in der Gesamtheit untergehen
Q: de.wikipedia.org (Antom, Mattman723)
künstliche Modifikationen (Cohle-Fasern, …) keine Bedeutung in der Biologie, in der Ernährungslehre nur sehr geringe Anknüpfungspunkte z.B. Kochgeschirr
Cohlenstoff-Nanofasern
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(c,p) 2009-2015 lsp: dre
1.1.2. anorganische Verbindungen des Cohlenstoffs
Zu den anorganischen Verbindungen des Cohlenstoff zählen seine Oxide, die Kohlensäure
und deren Salze sowie die Carbide.
1.1.2.1. Cohlenmonoxid
Dieses Oxid des Cohlenstoffs hat eher eine untergeordnete
Bedeutung in Biologie und Ernährungslehre. Cohlenmonoxid
(CO) entsteht bei der unvollständigen Verbrennung (unter Sauerstoff-Mangel) von elementaren Cohlenstoff.
2 C + O2
2 CO
bearb. drews;
Orig. "CO2": Q: www.3dchem.com
; RH = - 172 kJ / mol
In der Industrie benutzt man auch die Redoxreaktion:
C + CO2
2 CO
; RH = + 173 kJ / mol
Symproportionierung
zur Herstellung von Cohlenmonoxid (bei der Eisen-Herstellung im Hochofen-Prozeß). Außer als Synthese-Gas wird es besonders als Brenn-Gas (Stadtgas; im Hochofenprozeß) verwendet. Die
Verbrennung liefert sehr viel Energie:
2 CO + O2
2 CO2
; RH = -566 kJ / mol
Es ist ein farbloses, geschmackloses, geruchloses, wasserunlösliches und giftiges Gas. Seine besondere Giftigkeit basiert auf seiner erhöhten Affinität zum Sauerstoff-Transporteur
Hämoglobin in unserem Blut. Diese ist ungefähr 300x größer als die von Sauerstoff zu Hämoglobin. Außerdem ist die Bindung von Cohlenmonoxid irreversibel, d.h. sie bricht nicht
wieder auf. Bei Sauerstoff passiert dies in Abhängigkeit vom Partialdruck (anderes Maß für
die Sauerstoff-Konzentration) in den Sauerstoff-bedürftigen Organen. Schon 0,2 % CO in der
Umgebungsluft bewirken über einen längeren Zeitraum eine Vergiftung. Deshalb ist die regelmäßige Kontrolle von Öfen oder offenen Feuern (Kaminen) während der Benutzung und
auch durch den Schornsteinfeger sehr wichtig und u.U. lebensrettend. Wenn Cohlenmonoxid
als Stadtgas verwendet wird, dann werden Geruchsstoffe beigemischt, um eine versehentliche Vergiftung zu verhindern.
CO hat ein Litergewicht von 1,25 g. Damit ist es leichter als Luft. Die Bindung
im CO-Molekül ist für Cohlenstoff recht ungewöhnlich. Sie ist nur dreibindig.
Üblich sind sonst vier Bindungen. Desweiteren handelt es sich beim CO- |C ≡ O|
Molekül um einen Dipol. Das Molekül besitzt zwei entgegengesetzte Ladungen.
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(c,p) 2009-2015 lsp: dre
1.1.2.2. Cohlendioxid
Wird Cohlenstoff vollständig
Cohlendioxid (CO2):
C + O2
oxidiert,
CO2
dann
entsteht
; RH = -394 kJ / mol
Q: www.3dchem.com
Weiterhin eignet sich Cohlenmonoxid als Ausgangsstoff für die Herstellung von
Cohlendioxid. Da Cohlenmonoxid noch nicht vollständig oxidiert ist, läßt es sich verbrennen:
2 CO + O2
2 CO2
; RH = -566 kJ / mol
Das farblose Gas Cohlendioxid ist wasserlöslich. Der größte Anteil an der Löslichkeit beruht
dabei auf die physikalische Gas-Lösung im Wasser. Weiterhin bildet sich dabei die sehr instabile Cohlensäure (Kohlensäure, H2CO3;  1.2.3. Cohlensäure / Carbonat).
Das Molekül des Cohlendioxids ist linear gebaut. Im Zentrum
liegt das C-Atom. Die beiden Sauerstoff-Atome besitzen eine
_- + -_
partielle negative Ladung, da sie durch ihre relativ hohe ElektO = C = O
ronegativität (3,5 im Vergleich zu 2,5 bei C) die Elektronen recht
¯
¯
stark zu sich ziehen.
Cohlendioxid ist die Cohlenstoff-Quelle der Pflanzen. Als Endprodukt der Zellatmung wird es
beim Menschen hauptsächlich mit der Ausatemluft ausgeschieden. Hier beträgt die
Konzetration den 140-fachen Wert des normalen Wertes in der Erdatmosphäre (rund
0,04%).
Cohlendioxid ist nicht giftig – wirkt aber erstickend. Da es schwerer als Luft ist, ist besonders
bei geschlossenen Räumen und Senken (kleine Täler, Kuhlen, …) mit einem geringen Luftaustausch erhöhte Vorsicht angebracht.
Die normale Ausatemluft von Tieren und auch die des Menschen enthält 4 bis 5 % CO 2. Mehrfaches Ein- und
Ausatmen der gleichen Luft wirkt also auch erstickend. Deshalb dürfen z.B. Schnorchel eine bestimmte Länge
(Innenvolumen) nicht überschreiten, da sonst die Menge der erneuerten Luft zu gering wird. Als "Erste Hilfe"Maßnahme bei einer unwillkürlichen Hyperventilation (Hechelatmung) wird deshalb das Überstreifen einer Plastiktüte genutzt. Durch mehrfaches Ein- und Ausatmen der gleichen Luft steigt der CO2-Gehalt und die natürliche
Atemregulation kann wieder einsetzen.
Bei – 78 °C (und erhöhtem Druck) wird Cohlendioxid fest. Dabei wird nicht erst der flüssige
Aggretgatzustand eingenommen, sondern sofort der feste. Bei steigenden Temperaturen
sublimiert festes Cohlendioxid wieder sofort in die Gas-Form. Festes Cohlendioxid wird wegen seines besonderen Feststoff-Gas-Übergangs als Trockeneis bezeichnet. Früher verwendete man es häufig als Kühlmittel.
Für die Nutzung in der Schweißtechnik (Schutzgas) oder in der Getränke-Industrie (sogenannte Kohlensäure) wird cohlendioxid unter erhöhtem Druck verflüssigt. Heute findet man es u.a.
auch in speziellen Feuerlöschern. Bei deren Benutzung ist unbedingt darauf zu achten, dass
durch die schlagartige Entspannung des komprimierten Cohlendioxids ein stark kühlender
Schnee entsteht. Dieser hat eine Temperatur um die -70 °C und kann extreme Erfrierungen
verursachen! Bei der Nutzung als Feuerlöschmittel nutzt man natürlich genau diese extreme
Herunterkühlung des brennenden Objektes (unter den Flammpunkt) und die erstickende
Wirkung des Gases.
Aufgaben:
1. Erklären Sie die besondere Eignung von Cohlendioxid für die Verwendung
in Feuerlöschern! (Beim Öffnen der unter Druck stehenden Stahl-Flasche
bildet sich fester CO2-Schnee. Warum eigentlich?)
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(c,p) 2009-2015 lsp: dre
1.1.2.3. Cohlensäure / Carbonat
Cohlensäure entsteht bei der Lösung von Cohlendioxid in
Wasser:
CO2 + H2O
H2CO3
Sie ist eine sehr instabile Substanz und ist nur unter Druck
längere Zeit in Wasser haltbar. Bei normalem Druck (1 atm =
1013,25 hPa) zerfällt Cohlensäure wieder in Wasser und
Cohlendioxid:
H2O + CO2 
H2CO3
Q: www.3dchem.com
In Lösung dissoziiert die Cohlensäure schrittweise in zwei Hydronium-Ionen und das Carbonat-Ion. Als Zwischenprodukt bildet sich das Hydrogencarbonat-Ion.
H2CO3 + H2O
H3O+ + HCO3-
HCO3- + H2O
H3O+ + CO32______________________________________
H2CO3 + 2 H2O
2 H3O+ + CO32-
Wir sprechen bei der Cohlensäure von einer zweiwertigen (zweibasigen) Säure.
Von einer gewissen biologischen und trophologischen Bedeutung sind die schwerlöslichen
Carbonate, wie z.B. Calcium- und Magnesiumcarbonat. Gerade das Calciumcarbonat macht
uns als Wasserhärte und Kesselstein zu schaffen. In vielen biologischen Systemen ist es
Schutz- und Verstärkungsmittel aber nicht wegzudenken. Z.B. bestehen Schalen von Muscheln und Schnecken zu einem Großteil aus diesem Material. Aber auch in Knochen oder in
den Chitin-Panzern von Insekten trägt es zur Verfestigung der Strukturen bei.
Die Bildung von Carbonaten erfolgt über die üblichen Salzbildungsreaktionen. Eine Möglichkeit ist die Reaktion von Calcium-Ionen (z.B. aus der Base) mit gelöstem Cohlendioxid (Carbonat-Ion):
CaCO3  + H2O
Ca2+ + 2 OH- + 2 H3O+ + CO32-
Neutralisation
Interessant ist, dass bei weiterer Zuführung von Cohlendioxid die Bildung von Hydrogencarbonat-Ionen aus den Carbonat-Ionen gefördert wird. Die Hydrogencarbonate sind Salze, die
eine wesentlich bessere Löslichkeit in Wasser zeigen, als Carbonate.
CaCO3 + H2O + CO2
Ca2+ + 2 HCO3-
So können Carbonate auch wieder aufgelöst werden. Zu beachten ist dabei aber, dass es
sich um ein empfindliches Gleichgewicht handelt. Schon eine Temperatur-Erhöhung treibt
das Cohlendioxid aus dem Gemisch. Es bildet sich sofort wieder schwerlösliches Carbonat.
Noch besser geht das Auflösen von Carbonaten mit starken Säuren. Diese verdrängen die
schwache Kohlensäure aus ihren Salzen. Das Auflösen von Kesselstein mit Essigsäure
(od.ä.) ist nichts anderes.
CaCO3 + 2 CH3 – COOH
Calciumcarbonat
Essigsäure
(Kesselstein)
2 CH3 – COOCa + H2O + CO2 
Calciumacetat
(z.B.: Kaffeemaschinenreiniger od. pur (Essig))
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Eigentlich müssten die Cohlenstoff-Sauerstoff-Bindungen zu den OH-Gruppen länger sein,
als die Cohlenstoff-Sauerstoff-Doppel-Bindung. Dies wurde aber in der Praxis nicht gefunden. Vielmrh sind alle drei Cohlenstoff-Sauerstoff-Bindungen gleich lang und auch energetisch gleichwertig.
Solche Beobachtungen lassen sich nur erklären, wenn man davon ausgeht, dass die Bindungen, so wie wir sie klassisch als Einfach- oder Doppel-Bindung klassifizieren –
zumindestens hier im Carbonat-Ion nicht wirklich existieren.
Versucht man das Molekül als LEWIS-Formel darzustellen, dann tun sich drei Möglichkeiten
auf.
Alle drei sind gleich wahrscheinlich. Legt man sie gedanklich
übereinander, dann entsteht ein Gebinde mit ZweidrittelLadungen. Diese sind natürlich weder so existent noch zugelassen. Als Möglichkeiten bleiben die nebenstehenden Formeln,
oder man nutzt eben die oben notierterten Grenz-Zustände.
Wir sprechen hier von Mesomerie. Ein Molekül kann bei gleicher Anordnung der Atome mit verschiedenen Elektronen-PaarAnordnungen (in der LEWIS-Schreibweise) notiert werden. Die einzelnen Zustände (Übergangs-Situationen) werden mesomere
Grenz-Zustände genannt. Da es keine chemischen Veränderungen zwischen diesen Grenz-Zuständen gibt, notiert man hier
einen Doppel-Pfeil – den sogenannten Mesomerie-Pfeil. Die eine – theoretisch existente – Doppel-Bindung läßt sich nicht einem Sauerstoff-Atom zuordnen, man nennt eine solche dann
delokalisiert.
Die Mesomerie wird als Struktur-Erklärungs-Modell immer dann genutzt, wenn
die übliche Vereinfachung, dass jede Bindung für sich isoliert in einem
Mokekül existiert, nicht mehr mit der Realität / den Beobachtungen / MolekülEigenschaften übereinstimmt.
Im Carbonat-Ion ist der Cohlenstoff sp2-hybridisiert, was man aus dem Bindungswinkel von
120° und der planaren Raum-Struktur schließen kann.
Mesomeie tritt nur dann auf, wenn Einfach- und benachbarte Doppel-Bindungen in einer
Ebene liegen.
Definition(en): Mesomerie
Unter Mesomerie (selten auch: Resonanz od. Resonanz-Struktur) versteht man das Phänomen,
dass bestimmte molekulare Strukturen sich nicht erschöpfend durch eine (LEWIS-)StrukturFormel darstellen lassen. Um die Praxis / Beobachtungen in Struktur-Formeln umzusetzen
werden mehrere (gleichwahrscheinliche) Grenz-Strukturen gebraucht.
Mesomerie die Möglichkeit einer variablen Struktur-Beschreibung eines molekularen Objektes durch Elektronen-Verschiebung (Verschiebung von Doppel-Bindungen).
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Aufgaben:
1. Vergleichen Sie die Oxide des Cohlenstoff in einer Tabelle!
2. Stellen Sie Gleichungen zur Bildung von Magnesiumcarbonat und der Auflösung des Salzes mit Cohlendioxid (Cohlensäure) auf!
für das gehobene Anspruchsniveau:
3. Wieso kann es zur Bildung von Hydrogencarbonat-Ionen kommen, wenn
man Cohlendioxid in ein Carbonat-Wasser-System einbläst? Stellen Sie passende chemische Gleichungen auf!
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1.2. organische Verbindungen des Cohlenstoffs
Bis ins Mittelalter beschäfftigten sich die Allchimisten und Naturgelehrten hauptsächlich mit
den Stoffen, die wir heute als anorganisch bezeichnen. Dazu gehörten die verschiedenen
Metalle, Nichtmetalle, Oxide, Säuren, Basen usw. Nach und nach kamen dann auch erste
Stoffe aus der belebten Natur dazu. Solche Stoffe waren z.B. Zucker, Essig, Harnstoff,
Milchsäure, Stärke, Weinsäure, Cellulose. Bis ins 19. Jhd. teilte man sie nach der Herkunft in
mineralische, vegetabilische und animalische Stoffe ein und ordnete diese dann der entsprechenden Chemie zu.
Durch Analysen konnte man als Bauelemente schon die Elemente Cohlenstoff, Wasserstoff,
Sauerstoff, Stickstoff, Schwefel, verschiedene Halogene und Phosphor ausmachen. Jeder
Versuch die Natur-Stoffe im Labor wieder zu synthetisieren scheiterte aber. Scheinbar konnten nur Lebewesen (Organismen) solche Stoffe herstellen – so behauptete es zumindestens
die "vis-vitalis"-Hypothese. Besonders die Synthese aus anorganischen – aus der unbelebten Natur stammenden – Stoffen sollte nur mit einer besonderen Lebenskraft (vis-vitalis)
möglich sein.
Lebewesen / Orgnismen
vis-vitalis / Lebenskraft
anorganische Stoffe
▬▬▬▬▬▬▬▬►
organische Stoffe
Der Begriff organische Stoffe wurde 1807 von schwedischen Forscher Jöns Jakob BERZELIUS (1779 – 1848) für solche Substanzen vorgeschlagen, die aus der belebten Natur
stammten (und den aus der unbelebten - anorganischen – entgegenstanden).
1828 belehrte der deutsche Chemiker Friedrich WÖHLER die Naturwissenschaftler – und vor
allem die Vitalisten – eines Besseren. Er stellte aus einer als anorganisch geltenden Substanz den "organischen" Harnstoff her.
trocknes Erhitzen
NH4OCN
Ammoniumcyanat
CO(NH2)2
Harnstoff
historischer Exkurs: Organische Chemie oder die Chemie der zusammengesetzten Radikale
Was verstehen wir im Allgemeinen unter organischer Chemie?
Wir verstehen darunter: entweder die chemische Untersuchung derjenigen Körper oder Theile
deseselben, welche wir durch den Lebensprozeß – das Leben – der Pflanzen und Thiere, als anfänglich kennen, mithin hervorgehen sehen; die Verfahrensweisen, mittelst welcher wir ihre Zusammensetzung und Zusammensetzungsverhältnisse erforschen, ihre bestimmten Verbindungen
durch bestimmte Agentienunterscheiden und sondern und sie zu anderen Verbindungen disponibel
machen; oder wir betrachten ein für sich lebendes Individuum als Gegenstand einer chemischen
Werkstätte, in welchem eine Menge chemischer Prozesse vorgehen, deren Endresultat ist, alle die
Erscheinungen hervorzubringen, deren Gesammtheit wir Leben nennen, in dem wir uns mit den
Kenntnissen der anorganischen Chemie bemühen, die Prozesse dieser Werkstätte nach den Erscheinungen jener unorganischen Natur so zu erforschen, daß sie sich so zu sagen, von den einfachen Atomen allmählig bis zur höchsten Vollkommenheit des Individuums verfolgen lassen. (Physiologie der Chemie.) Endlich bestrebt sich die organische Chemie, die Bildung organischer Materien auf ächt chemisch-künstlichem Wege möglich zu machen
Q: JONAS: Katechismus der Chemie / Lehrbuch der Chemie in katechistischer Form.- Dritte gänzlich bearbeitete, dem gegenwärtigen Standpunkt der Wissenschaft entsprechende, stark vermehrte Auflage.- Leipzig Baumgärtner's Buchhandlung, 1840
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Damit war die erste "in-vitro"-Synthese ("im Glas") eines Naturstoffes gelungen. Dem
Ammoniumcyanat haftete aber noch so ein gewisser "organischer" Hauch an.
H. KOLBE gelang dann später die Synthese von Essigsäure aus eindeutig mineralischen
(anorganischen) Stoffen (Cohlenstoff, Schwefel, Chlor und Wasser).
Nach kurzer wissenschaftlicher Diskussion war der Damm gebrochen und der Vielzahl weiterer organischer Synthesen war keine Grenze mehr zu setzen. Die Zahl der organischen
Substanzen – und zwischen natürlicher und künstlicher Herkunft – wird nur noch selten unterschieden – ist auf mehrere Millionen gestiegen. Im Vergleich dazu liegt die Zahl der anorganischen Stoffe bei nur wenigen Hunderttausenden.
Organische Stoffe werden heute deshalb als die Verbindungen des Cohlenstoffs definiert
(bei Ausschluß der Oxide, Mineralsäuren und ihrer Salze und einige wenige spezielle Verbindungen mineralischen Ursprungs). Die Definition als Chemie der Kohlenwasserstoffe und
ihrer Derivate (Abkömmlinge) ist ebenfalls weit verbreitet.
Definition(en): organische Stoffe
Organische Stoffe sind die Verbindungen des Cohlenstoff außer dessen Oxide und deren
Lösungen sowie die verschiedenen Salze (Carbonate, Carbide).
Organische Stoffe sind die Cohlenwasserstoffe und deren Derivate.
Eine Trennung in anorganische und organische Chemie ist im Wesentlichen historisch bedingt. Die Sonderstellung der (organischen) Cohlenstoff-Chemie läßt sich aber durch die
Vielzahl von Verbindungen (2008: über 29.000.000) gegenüber den gerade mal 800.000
restlichen (anorganischen) Stoffen aufrechterhalten.
Wichtige Teilbereiche der organischen Chemie sind u.a.:
 Petrolchemie
 Kunststoffchemie
 Gartenbau-, Landwirtschafts- und Forstchemie
 Farbstoffchemie
 Arneimittelchemie
 Waschmittelchemie
 Biochemie
 Lebensmittelchemie
Allgemein kann man sagen, dass organische Stoffe beim Erhitzen weit eher sieden, schmelzen oder sich zersetzten, als anorganische Verbindungen. Typisch ist auch ihre Brennbarkeit
(bei anorganischen Stoffen wesentlich seltener).
Definition(en): organische Chemie
Die organische Chemie ist der Teil der Chemie, der sich mit den organischenStoffen, ihren
Eigenschaften und chemischen Reaktionen beschäftigt.
Organische Chemie ist die Chemie der Cohlenwasserstoffe und ihrer Derivate.
Die Vielzahl organischer Verbindungen zwingt quasi zum Klassifizieren und Systematisieren.
Schon seit den frühesten Zeiten benutzt man hauptsächlich die Struktur der Verbindungen,
um Ordnung in die Welt der organischen Stoffe zu bringen. Das führt uns zu einem grundsätzlichen Problem der organischen Chemie: Wie kann man die Struktur eines Stoffes
aufklären?
Ursprünglich geschah das zuerst einmal über das Reaktions-Verhalten der Stoffe. Wiederholende Leser dieses Skriptes oder der organischen Chemie werden es schon wissen und den
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(c,p) 2009-2015 lsp: dre
anderen sei es hier ans Herz gelegt: Bestimmte Strukturen vermitteln bestimmte Reaktions-Typen und bestimmte chemische Eigenschaften (Reaktionen).
Aber das kennen wir schon aus der anorganischen Chemie: Der Bau eines Stoffes bestimmt
über die (physikalischen und chemischen) Eigenschaften.
Leider lässt sich dieser Ursache-Wirkungs-Zusammenhang nicht einfach umdrehen. Nicht
immer lassen sich aus den Eigenschaften auch ein bestimmter Bau ableiten. Aber über die
Vielzahl von Eigenschaften lassen sich die Bau-Modelle immer weiter verbessern und bestätigen (oder natürlich auch ablehnen!).
Haben wir aber ersteinmal Beziehungen zwischen Bau und Eigenschaften sowie ReaktionsVerhalten, dann können diese als Ausgangspunkt für die Untersuchung neuer Stoffe dienen.
Die organische Chemie ist quasi eine sich selbst aktivierende und verstärkende Maschinerie.
Neue Erkenntnisse über Eigenschaften und Reaktionen ermöglichen neue Erkenntnisse über
Strukturen. Neue Erkenntnisse über Strukturen ermöglichen neue Forschungen zu
Eigenschften und Reaktionen sowie der Herstellungen / Konstruktion neuer organischer Stoffe und Stoff-Gruppen.
Struktur / Bau
- Zusammensetzung
Eigenschaften / Merkmale
(physikalische bzw. allgemeine)
- reine Cohlen-Wasserstoff-Verbindungen
- Abkömmlinge / Derivate (mit
weiteren Elementen)
-
- Cohlenstoff-Gerüst
-
gesättigt
ungesättigt
cyclisch
aromatisch
- funktionelle Gruppen
-
Aggregatzustand
Schmelz-Temperatur
Siede-Temperatur
Dichte
Härte
Farbe
(Wasser-)Löslichkeit
elektrische Leitfähigkeit
…
Hydroxyl-Gruppe
Carbonyl-Gruppe
Carboxyl-Gruppe
Keto-Gruppe
Alkoxyl-Gruppe
Amino-Gruppe
Nitro-Gruppe
…
Reaktionen / Verhalten
- Reaktions-Typen
- Reaktion(s-Art)en
- Reaktions-Geschwindigkeit
-…
Die klassischen Methoden der organischen Chemie werden zwar immer noch praktiziert,
sind aber durch modernste physikalische Verfahren (z.B. Spektrometrie und Spektroskopie) so
stark erweitert, dass sie kaum noch von Bedeutung sind. Die moderne technisierte Vorgehensweise nennt man instrumentale Analytik.
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(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Methode
Reindarstellung
des Stoffes
Ermittlung physikalischer
Eigenschaften
Qualitative Elementar-Analyse
Ablauf / Inhalt der Methode
Trennung von Stoffgemischen
z.B. durch Extrahieren, Destillieren, Umkristallisieren, …
Erkenntnisse
makroskopische Eigenschaften;
viele
physikalische
Eigenschaften
Ermittlung der Elemente, die in
der Subtanz erhalten sind
ElementarZusammensetzung
des Stoffes
Quantitative
ElementarAnalyse
Ermittlung
des
AtomzahlVerhältnisses der Elemente
Ermittlung der
Molaren Masse
z.B. durch
Synthese
Substanz
der
Analyse
Substanz
der
Aufstellen der Molekül-Formel
Molekül-Struktur
Zerlegung der Substanz in andere (bekannte / leichter zu analysierende) Substanzen
Beobachtung
des chemischen
Verhaltens
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Bemerkungen
immer im Zusammenhang mit der Ermittlung (neuer) physikalischer
Eigenschaften
ermöglicht
die
Reindarstellung des
Stoffes
benötigt dazu Erkenntnisse der Qualitativen
ElementarAnalyse
benötigt dazu Erkenntnisse der Qualitativen und Quantitativen
ElementarAnalyse
benötigt großen Erfahrungs-Schatz von
vergleichbaren Stoffen
benötigt großen Erfahrungs-Schatz von
vergleichbaren Stoffen
Nachweis funktioneller Gruppen und
Strukturen
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(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Heute wissen wir, dass praktisch alle Elemente in irgendeiner Form mit Cohlenstoff in Bindungs-Beziehungen vorliegen kann. Viele Bindungen sind dabei vom Typ der KomplexBindungen. Die klassischen Bindungs-Beziehungen zu relativ wenigen anderen Elementen
machen aber den Hauptteil der organischen Stoffe aus.
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(c,p) 2009-2015 lsp: dre
durchschn. molare Bindungs-Enthalpie
X
H
C
X–X
H–X
348
413
C–X
413
348
BH [kJ / mol]
C=X
C≡X
614
837
 RH
[kJ / mol]
O
N
S
F
159
567
489
Cl
242
431
339
Br
193
366
285
I
151
298
218
bläulich … typisch anorganisch
grünlich … typisch organisch
X
H
C
X–X
154
- 484
- 115
- 45
48
Bindungs-Länge [nm]
C–X C=X C≡X
109
109
154
134
120
H–X
O
N
S
F
Cl
Br
I
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1.3. Braunkohle, Steinkohle und Antrazit
1.3.x. Entstehung
1.3.x. Gewinnung
1.3.x. Verwendung
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(c,p) 2009-2015 lsp: dre
1.4. Erdöl und Erdgas
Durch die vielen Katastrophen, die mit Erdöl in Beziehung stehen (Verseuchung des nach der
Explosion der Bohrinsel " Horizon"; Grand Spa; Tanker-Unglück der "Exxon-Valdes"), hat man den Eindruck, dass Erdöl etwas unbiologisches / lebens-untypisches sei. Aber der Eindruck täuscht
gewaltig.
Erdöl ist vor vielen Millionen von Jahren aus sehr üppigen Pflanzen-Gesellschaften entstanden. Praktisch ist Erdöl sowas wie flüssige Kohle und das Erdgas sind dabei die gasförmigen
Anteile / Abbau-Produkte.
1.4.x. Entstehung
1.4.x. Gewinnung
1.4.x. Aufbereitung
Fraktionierte Destillation / Rektifikation
Cracking
Reforming
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(c,p) 2009-2015 lsp: dre
1.4.x. Verwendung
Heue werden vermehrt biologische Systeme zur nachhaltigen Produktion von organischen
Stoffen genutzt.
Produktion von Bio-Diesel
Produktion von Bio-Ethanol
Herstellung von Biogas; Methan-Produktion aus Gülle
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(c,p) 2009-2015 lsp: dre
2. Kohlenwasserstoffe (Cohlenstoffhydride)
nur aus Cohlenstoff- und Wasserstoff-Atomen zusammengesetzt (KWS)
modern als Cohlenstoffhydride bezeichnet
werden (oft) als Stammverbindungen angesehen, abgewandelte Stoffe mit anderen Atomen
sind dann Derivate (Abkömmlinge)
Unterscheidung nach Bau:
 Endform des Moleküls (I)
o unverzweigt
o verzweigt
 Endform des Moleküls (II)
o kettenförmig (aliphatisch)
o ringförmig (cyclisch)
 Art der enthaltenden Bindungen (zwischen den C-Atomen)
o nur Einfachbindungen (gesättigt)
o eine oder mehrere Mehrfachbindungen (ungesättigt)
 Sonderform: aromatisch (cyclisch mit alternierenden Mehrfachbindungen (HÜCKEL-Regel!))
Unterscheidung nach Eigenschaften
 …
 Säuren
 Basen
 Farbstoffe
 Tenside
 …
Definition(en): Cohlenwasserstoffe (Cohlenstoffhydride)
Cohlenwasserstoffe sind chemische Verbindungen, die sich nur aus Cohlenstoff und Wasserstoff zusammensetzen.
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(c,p) 2009-2015 lsp: dre
2.1. gesättigte Kohlenwasserstoffe
2.1.1. Alkane
Alkane sind Kohlenwasserstoffe mit ausschließlich Einfachbindungen im Cohlenstoff-Gerüst.
Alle weiteren Bindungen sind mit Wasserstoff belegt. Alkane wurden früher als Paraffine
(parum affinis = lat. wenig verwandt) bezeichnet. Heute benutzt man den Begriff Paraffin meist eher
für längerkettige Alkane.
Definition(en): Alkane
Alkane sind Cohlenwasserstoffe, die zwischen den Cohlenstoff-Atomen nur über EinfachBindungen verfügen.
Alkane sind Cohlenwasserstoffe, die sich durch Hydrierung nicht weiter sättigen lassen.
2.1.1.1. Bau, Struktur und Bennenung der Alkane
Der Name eines Alkans setzt sich aus dem Stamm und einem Suffix (Endung) zusammen.
Der Stamm beschreibt die Anzahl der enthaltenen Cohlenstoff-Atome in einem Molekül. Dazu werden folgende Stämme benutzt:
Anzahl
C-Atome
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
Namensstamm
MethEthPropButPentHexHeptOctNonDec-
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
UndecDodecTridecTetradecPentadecHexadecHeptadecOctadecnonadecEicos- / Icos-
Anzahl
C-Atome
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
40
50
60
70
80
90
Namensstamm
100
Hect-
Heneicos- / HenicosDocosTricosTetracosPentacosHexacosHeptacosOctacosNonacosTriacont TetracontPentacontHexacontHeptacont
OctacontNonacont-
Anzahl
C-Atome
101
200
222
300
400
500
600
700
800
900
1000
2000
3000
Namensstamm
HenhectDictDocosadictTrictTetractPentactHexactHeptactOctactNonactKiliDiliTrili-
einige Extrem-Beispiele:
C403H808
Tritetractan (Tri tetract an) Tritetractan
C4728H9458
Octacosaheptactatetralian (Octa cosa heptacta tetrali an) Octacosaheptactatetralian
C9999H20000
Nonanoncontanonactanonalian (Nona nonconta nonacta nonali an) Nonanoncontanonactanonalian
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(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Als Endung wird –an verwendet. Diese steht für gesättigte Kohlenwasserstoffe. Auch im
Stoffgruppennamen Alkane kennzeichnet es den gesättigten Zustand aller Bindungen des
Cohlenstoffs untereinander.
Die Namensstämme für die Cohlenstoff-Atom-Anzahl und die Endungen für die
Stoffgruppen sind notwendig für das Verständnis vieler Begriffe und den Charakter vieler organischer Stoffe. Ihre Beherrschung (1-10 bzw. fett gedruckte)
ist deshalb als obligatorisch anzusehen!!!
Einfache lineare Alkane haben die allgemeine Formel CnH2n+2 , wobei n die natürlichen Zahlen (1, 2, 3, …) vertritt.
Die organische Chemie kennt folgende wichtige (unverzweigte, lineare) Alkane:
Anzahl
C-Atome
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
…
Name
Methan
Ethan
Propan
Butan
Pentan
Hexan
Heptan
Octan
Nonan
Decan
Undecan
Dodecan
Tridecan
Tetradecan
Pentadecan
Hexadecan
Heptadecan
Octadecan
Nonadecan
Eicosan
Summenformel
CH4
C2H6
C3H8
C4H10
C5H12
C6H14
C7H16
C8H18
C9H20
C10H22
C11H24
C12H26
C13H28
C14H30
C15H32
C16H34
C17H36
C18H38
C19H40
C20H42
Woher od. als Was kennt man es?
(Verwendung)
Stadtgas (Erdgas)
Flaschen- / Camping-Gas
Feuerzeug-Gas, Flaschen- / Camping-Gas
Feuerzeug-Benzin
Leichtbenzin (Kerosin)
Leichtbenzin
Benzin
Benzin
Diesel
Diesel
Diesel
Schweröl, Heizöl
Schweröl, Heizöl
Stearin, Kerzenwachs, Hartparaffin
Hartparaffin
Hartparaffin
Neben den offiziellen Namen, die nach den Vorschriften der IUPAC (International Union of
Pure and Applied Chemistry) gebildet werden, gibt es oft auch ältere, umgangssprachliche
oder populäre Namen. Diese werden Trivialnamen genannt. Die meisten sind neben den
offiziellen Namen zugelassen. Viele Chemiker – aber auch Techniker usw. – verwenden lieber die Trivialnamen. Sie sind kürzer, oft eingängiger und eindeutiger (in der Aussprache).
Für lange und komplizierte Namen werden auch Abkürzungen benutzt. Auf diese kommen
wir an geeigneter Stelle noch genauer zu sprechen. Die Nomenklatur-Vorschriften der
IUPAC wurden 1980 weitgehend geregelt und für verbindlich erklärt. Sie sollten in der SchulChemie vorrangig benutzt werden.
Die Summenformeln sind bei der Vielzahl organischer Verbindungen wenig informativ. Wie
wir später sehen werden, gibt es sehr viele Summenformeln, die zu mehreren Stoffen passen. Zum genauen Aufzeigen der molekularen Struktur haben sich mehrere DarstellungsModelle (Formeln) herauskristallisiert.
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(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Die meist am übersichtlichste Variante ist die vollständigen Strukturformeln. Sie werden
gern benutzt, wenn man die genauen Bau-Details eines Stoffes braucht oder man ReaktionsAbläufe genauer darstellen will.
Anzahl
C-Atome
1
Name
vollständige Strukturformel
Methan
H –
2
Ethan
H –
3
Propan
H –
4
Butan
H –
5
Pentan
H –
6
Hexan
H –
7
Heptan
H –
8
Octan
H –
9
Nonan
H –
10
Decan
H –
H
|
C
|
H
H
|
C
|
H
H
|
C
|
H
H
|
C
|
H
H
|
C
|
H
H
|
C
|
H
H
|
C
|
H
H
|
C
|
H
H
|
C
|
H
H
|
C
|
H
- H
–
–
–
–
–
–
–
–
–
H
|
C
|
H
H
|
C
|
H
H
|
C
|
H
H
|
C
|
H
H
|
C
|
H
H
|
C
|
H
H
|
C
|
H
H
|
C
|
H
H
|
C
|
H
- H
–
–
–
–
–
–
–
–
H
|
C
|
H
H
|
C
|
H
H
|
C
|
H
H
|
C
|
H
H
|
C
|
H
H
|
C
|
H
H
|
C
|
H
H
|
C
|
H
- H
–
–
–
–
–
–
–
H
|
C
|
H
H
|
C
|
H
H
|
C
|
H
H
|
C
|
H
H
|
C
|
H
H
|
C
|
H
H
|
C
|
H
- H
–
–
–
–
–
–
H
|
C
|
H
H
|
C
|
H
H
|
C
|
H
H
|
C
|
H
H
|
C
|
H
H
|
C
|
H
- H
–
–
–
–
–
H
|
C
|
H
H
|
C
|
H
H
|
C
|
H
H
|
C
|
H
H
|
C
|
H
- H
–
–
–
–
H
|
C
|
H
H
|
C
|
H
H
|
C
|
H
H
|
C
|
H
- H
H
|
– C - H
|
H
H
H
|
|
– C – C - H
|
|
H
H
H
H
H
|
|
|
– C – C – C - H
|
|
|
H
H
H
Man sieht schnell ein, dass solche Formeln für den täglichen Gebrauch etwas unpraktisch
sind. Deshalb haben sich verschiedene Vereinfachungen durchgesetzt. In den verkürzten
Struktur-Formeln (Halbstruktur-Formel) werden alle Anhänge an einem C-Atom – außer
benachbarte C-Atome – zusammengefasst. Treten Wiederholungen von Zusammenfassungen auf, dann dürfen diese auch wieder zusammengefasst werden.
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(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Anzahl
C-Atome
1
2
3
4
Name
Methan
Ethan
Propan
Butan
CH4
CH3 – CH3
CH3 – CH2 – CH3
CH3 – CH2 – CH2 – CH3
5
Pentan
CH3 [– CH2 ]2 – CH3
CH3 – CH2 – CH2 – CH2 – CH3
Hexan
CH3 [– CH2 ]3 – CH3
CH3 – CH2 – CH2 – CH2 – CH2 – CH3
7
Heptan
CH3 [– CH2 ]4 – CH3
CH3 – CH2 – CH2 – CH2 – CH2 – CH2 – CH3
8
Octan
CH3 [– CH2 ]5 – CH3
CH3 – CH2 – CH2 – CH2 – CH2 – CH2 – CH2 – CH3
9
Nonan
CH3 [– CH2 ]6 – CH3
CH3 – CH2 – CH2 – CH2 – CH2 – CH2 – CH2 – CH2 – CH3
10
Decan
CH3 [– CH2 ]7 – CH3
CH3 – CH2 – CH2 – CH2 – CH2 – CH2 – CH2 – CH2 – CH2 – CH3
6
verkürzte Strukturformel
(Halbstrukturformel)
CH3 [– CH2 ]8 – CH3
Wie man gut erkennen kann, unterscheiden sich zwei aufeinanderfolgende Alkane immer
durch die Baugruppe – CH2– . Solche Stoffe bilden dann eine homologe Reihe (homo = lat.
gleich, logos = lat. Sinn, Lehre).
Weitere Begriffs-bestimmende Merkmale für eine homologe Reihe sind eine charakteristische allgemeine Formel,
gleiche chemische Eigenschaften (z.B.  2.1.1.2.1. chemische Eigenschaften – Reaktionen der Alkane), deren
jeweilige Reaktionsfreudigkeit i.A. in der Reihe abnimmt sowie physikalische Eigenschaften (z.B.  2.1.1.2.1.
physikalische Eigenschaften der Alkane), die sich kontinuierlich in der Reihe ändern oder auch bleiben.
Aber auch die verkürzten Strukturformeln sind mit einem erheblichen Schreibaufwand verbunden. Und Chemiker sind insgeheim ein "faules" Völkchen. Also haben sie sich auf eine
noch einfachere und z.T. klarere Schreibung geeinigt, die zudem Sparsamkeit und Übersichtlichkeit in sich vereint. In Gitterstrukturformeln schreibt man nur noch das C-AtomGerüst auf. Selbst die C-Atome werden weggelassen. An jedem C-Stoff-Atom wird ein Knick
in der Linie gemacht. Somit entspricht immer eine Ecke bzw. ein Knick einem C-Atom. Alle
Wasserstoff-Atome, die direkt an ein C-Atom gebunden sind, werden ebenfalls einfach weggelassen. Jeder Chemiker weiss um die Vierbindigkeit des Cohlenstoffs und ersetzt die freien Bindungen dann einfach im Geist mit H-Atomen.
Anzahl
C-Atome
Name
1
Methan

2
Ethan
–
3
Propan
4
Butan
5
Pentan
6
Hexan
…
…
10
Decan
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
Gitter-Strukturformel
(Linien-Formel)
Bemerkungen
wird aber nicht genutzt, da eine Verwechslung mit einem freien Elektron denkbar wäre
wird aber selten genutzt, da z.B. eine Verwechslung
mit einem freien Elektronpaar denkbar wäre
/\
/\/
/\/\
/\/\/
…
/\/\/\/\/
- 37 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Zur Darstellung der dreidimensionalen Molekülstruktur mittels Gitter-Strukturen kommen
noch einige Darstellungsvereinbarungen dazu. Die beschreiben wir dann später, wenn sie
wirklich gebraucht werden.
Trotzdem ist die räumliche Anordnung für Chemiker sehr interessant, da erfahrungsgemäß
die äußeren Strukturen besonders gut reagieren können.
Die wichtigsten räumlichen Modelle sollen hier kurz vorgestellt werden:
Kugel-Modell
Kugel-Stab-Modell
Q: lpmfs.lpm.uni-sb.de
Kalotten-Modell
Q: commons.wikimedia.org
(Algarech); bearb.: drews
elektrostatische Molekül-Oberfläche
Q: lpmfs.lpm.uni-sb.de
wasserundurchdringliche Moleküloberfläche - Gitternetz
sigma Elektronenbereich – elektrostatisch
Q: lpmfs.lpm.uni-sb.de
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 38 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Die räumlichen Modelle holen uns schnell aus der abstrakten
zweidiemensionellen Papier-Ebene in die Realität zurück. Da
sieht ein komplexeres Molekül schnell mal anders aus, als
man es vielleicht vermuten würde. Deshalb werden wir ab und
zu auch mal ein räumliches Molekül-Modell mit einstreuen.
Bei den verschiedenen Darstellungen fällt auf, dass die
Cohlenstoff-Atome nicht einfach eine Kette bilden, sondern
eher eine Zick-Zack-Linie.
Schauen wir uns dazu zuerst einmal das Methan-Molekül in
einer anderen Darstellung an. Die Bindungen – es handelt sich
ja um negativ geladene Elektronen-Paare – stoßen sich maximal voneinander ab. Im Raum entsteht ein Tetrader, in dessen
Zentrum der Cohlenstoff-Atomkern steckt. Die Spitzen zeigen
die Bindungs-Richtungen an. Hier sitzen die WasserstoffAtome. Auch deren positiv geladenen Kerne (nur ein Proton)
nehmen zueinander einen möglichst großen Abstand ein. Dieses Phänomen beruht auf der Hybridisierung ( 1.1. Element
Cohlenstoff) der äußeren Orbitale eines Cohlenstoff-Atoms.
Der Raumwinkel zwischen den Bindungen beträgt 109°28'.
Die kugelförmigen s-Orbitale des Wasserstoff-Atoms (in der
Abb. grünlich) verschmelzen mit den hantel- bzw. keulenförmigen sp3-Hybrid-Orbitalen (ocker-gelblich) zu Bindungen (gemeinsam genutzte Elektronen-Paare).
Orbital

p


Energiezufuhr


Hybridisierung

s

Energieabgabe




De-Hybridisierung
3
Normal-Zustand
angeregter Zustand
sp -hybridisierter
Zustand
Modellhaft kann man sich die maximale Abstoßung der Bindungen an vier prallen Luftballons
( vier Bindungen) vorstellen, die alle mit ihren Öffnungen zusammengebunden ( Atomkern)
sind. Sie ordnen sich so an, dass jeder Ballon den gleichen Raum ( geringste Energie) einnehmen kann.
Die Wasserstoff-Atome bzw. andere angelagerte Atome sind immer leicht versetzt (gestaffelt) angeordnet. Bei äußeren Einwirkungen (z.B. durch Erwärmung, Kontakt mit anderen
Teilchen), kann es auch zur Verdrehung an der C-C-Achse kommen. Liegen die Wasserstoff-Atome in Linie hintereinander (ekliptisch), dann liegt eine energetisch sehr ungünstige
Konformation vor. Die Wasserstoff-Atome stoßen sich ab und nehmen wieder die normale
gestaffelte Stellung ein. Der Bindungs-Länge für die C-H-Einfachbindung beträgt 0,109 nm.
Bei längeren Molekülen ordnen sich auch die WasserstoffAtome der Nachbar-Atome
immer so an, dass sie sich
maximal voneinader abstoßen.
Dies gilt auch für die NachbarAtome bzw. deren Anhänge.Die Bindung zwischen den
C-Atomen hat eine BindungsLänge von 0,154 nm und ist
praktisch frei drehbar.
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 39 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Eine Drehung bedeutet aber erhöhte Abstoßung zwischen den H-Atomen. Zum
Verdrehen der Cohlenstoff-Atome gegeneinander ist dann zusätzliche Energie notwendig.
Moleküle nehmen – wie Atomen usw. –
stabile
und
instabile Anordnung
immer die Konstellation ein, die mit einer
von zwei CH3-Gruppen zueinander
möglichst geringen Energie verbunden ist.
Q: www.3dchem.com
So liegen praktisch immer – mehr oder weniger - langgestreckte Moleküle vor. Je länger die Ketten sind und je mehr Energie die
Moleküle besitzen, umso mehr verwirren
sich die Ketten.
Zur Darstellung der Verdrehungsstrukturen
nutzt man in der organischen Chemie gern
die Sägebock- oder NEWMAN-Projektion.
Bei dieser stellen Auge und die betrachtete
C-C-Bindung eine gedacht Linie dar. Das
Molekül wird nun so auf dem Blatt Papier
positioniert, dass die Linie sektrecht auf der
Projektionsebene (Blatt) steht.
Das sichtbare C-Atom wird als Kreis angedeutet und
die Substituenten außerhalb des Kreises angeordnet.
Die Bindungen werden als Strahlen vom Kreismittelpunkt nach außen gezeichnet. Für das unsichtbare,
hintere C-Atom werden nur die noch sichtbaren Bindungsstrahlenenden mit den Substituenten dargestellt.
Verdeckte Bindungen werden leicht verdreht aufgezeichnet.
Für Butan in verschiedenen Konformationen sähe die
NEWMAN-Projektion etwa so aus, wobei die gestaffelte
Form energetisch stabiler ist.
Definition(en): Konformations-Isomerie
Unter Konformations-Isomerie versteht man die Bildungen unterschiedlicher räumlicher
Atom-Anordnungen bei gleicher Struktur-Formel. Die verschiedenen Konformations-Isomere
entstehen durch Drehung von Atom-Gruppen um Einfach-Bindungen.
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 40 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Aufgaben:
1. Bauen Sie mit Hilfe eines Molekül-Baukasten ein Butan-Molekül nach!
2. Bringen Sie die Atome so in Position, dass die syn-periplanare bzw. ekliptische Stellung der endständigen Gruppen erreicht ist!
3. Vollziehen Sie die anderen möglichen Stellungen (s.a. nachfolgendes Diagramm) nach! (Me .. Methyl-Rest = CH3-Gruppe)
4. Interpretieren Sie das nachfolgende Diagramm!
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 41 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
2.1.1.1.1. Molekül-Rümpfe – die Alkyle
Für viele unserer nachfolgenden Betrachtungen brauchen wir Molekül-Teile der Alkane. Besonders bei Reaktionen, aber auch bei Benennungs-Fragen spielen diese eine große Rolle
in der organischen Chemie.
Bei der eigentlich nur theoretischen Stoffgruppe der Alkyle geht man davon aus, dass den
Alkanen ein H-Atom fehlt. Meist ist dies ein endständiges. Das ist aber keine Bedingung.
Statt der Endung –an erhalten Alkyle die Endung –yl. Der aufmerksame Leser wird es schon abgeleitet haben.
Die ersten Alkyle sind also:
Anzahl
C-Atome
1
Name
2
Ethyl
3
Propyl
4
5
Butyl
Pentyl
CH3 – CH2 – CH2 – CH2
6
7
8
9
10
…
Hexyl
Heptyl
Octyl
Nonyl
Decyl
CH3
CH3
CH3
CH3
CH3
Methyl
verschiedene (Struktur-)Formel
H
|
H – C•
|
H
H
|
H – C –
|
H
H
|
C•
|
H
/\.
/\/\.
– CH2 – CH2
[– CH2 ]5 –
[– CH2 ]6 –
[– CH2 ]7 –
[– CH2 ]8 –
– CH2 – CH2 – CH2
CH2
CH2
CH2
CH2
Unter bestimmten Bedingungen (UV-Licht-Bestrahlung bzw. noch höhere Energien) bilden
sich solche Molekül-Rümpfe auch wirklich. Die freien (ungepaarten) Elektronen sind aber so
reaktionsfreudig, dass sie bei nachfolgenden Stoff-Kontakten möglichst schnell wieder zu
Bindungen vereinigen. Moleküle oder Atome mit ungepaarten / freien Elektronen werden
Radikale genannt. Diese entstehen bei einer gleichmäßigen Verteilung der BindungsElektronen auf die Bruchstücke (homolytische Spaltung).
Bei der heterolytischen Spaltung bekommt ein Bruchstück die beiden Bindungs-Elektronen, die sich als negatives
Ion (Anion) stabilisieren. Das zweite Bruchstück bekommt keine Bindungs-Elektronen ab. Es wird ein Kation –
also ein positiv geladenes Ion. Heterolytische Spaltungen sind bei Alkanen eher nicht zu erwarten!
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 42 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
2.1.1.1.2. verzweigte Alkane
Bei unseren bisherigen Betrachtungen sind wir davon ausgegangen, dass die C-Atome immer schön hintereinander aufgereiht sind. Solche unverzweigten Alkane sind nur ein Teil der
Realität. Daneben gibt es verzweigte Alkane, bei denen ein C-Atom auch mal mit bis zu vier
anderen C-Atomen verbunden ist. In der Zusammenfassung ändert sich zwar die Summenformel nicht, aber Namen und Eigenschaften sind jeweils neu und oft deutlich anders.
Ab vier C-Atomen im Molekül tritt das Phänomen der Isomerie (Struktur-Isomerie) auf. Die
Substanzen haben die gleiche Summenformel, aber andere Namen, Eigenschaften usw. usf.
Namen
n-Butan
Summenformel
C4H10
iso-Butan, 2-Methyl-Propan
C4H10
Strukturformeln
H
H
H
H
|
|
|
|
H – C – C – C – C - H
|
|
|
|
H
H
H
H
H
H
H
\
|
/
H – C – C – C - H
/
|
\
H
C
H
/ | \
H H H
Rein lineare Moleküle oder Molekül-Teile bekommen den Vorsatz n- (von: neo; steht für normal) vor dem Namen. Der Vorsatz iso- deutet auf eine symetrische Verzweigung des Moleküls hin.
Komplizierter sind die IUPAC-Namen. Dafür kann man aber aus den Namen später die
Struktur ohne große Verränkungen erstellen.
Die Namengebung folgt dabei den folgenden Regeln, die auch in dieser Reihenfolge verwendet werden müssen:
Regel
Darstellung für das
Beispiel
1. Der Namenstamm ergibt sich aus der
längsten möglichen C-Kette
(Natürlich könnte man hier auch die Kette von
rechts oder links nach unten nehmen. Am Ende
muss man dann noch Regel 5 beachten! Ev.
muss man also probieren!)
2. Bennung der alkylischen Anhänge
H
H
H
\
|
/
H – C – C – C - H
/
|
\
H
C
H
/ | \
H H H
Propan
H
H
H
\
|
/
H – C – C – C - H
/
|
\
H
C
H
/ | \
H H H
Methyl-Propan
3. Zusammenfassung gleicher Anhänge entfällt hier
und Angabe eines Zahlensuffix
(z.B.: 2 .. di; 3 .. tri; …)
4. Sortierung der Anhänge nach dem Al- entfällt hier
phabet
H
H
5. Angabe der Positionen für die Anhänge
(Hier gilt die Regel zur Verwendung der kleinsten
Zahlen! Besonders für die quartiären und tertiären
C-Atome sollte dies so sein!)
H
\
|
/
H – 1C –2C – 3C - H
/
|
\
H
C
H
/ | \
H H H

 fertiger Name
gesprochen:
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
Namensbildung
- 43 -
2-Methyl-Propan
2-Methylpropan
zwei-Methylpropan
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Als Hilfe kann man sich merken, dass die Anzahl der C-Atome im Substituenten immer kleiner als die Positions-Nummer sein muss. Sollte dieses nicht so sein, hat man mit ziemlich
großer Sicherheit nicht die längste Cohlenstoff-Kette herausgefunden.
Am Ende werden die Namen der Stoffe zusammengeschrieben und nur bei Angaben von
Positionen oder anderen Struktur-Informationen durch Bindestriche unterbrochen. Der Stoffname wird nur am Anfang großgeschrieben.
Die Schreibung der Namen ist für Anfänger recht schwer zu lesen. Da hilft primär nur üben.
In diesem Skript benutzen wir an geeigneter Stelle die farbliche Unterlegung von Silben.
Sehr häufig wird die vorletzte Silbe bei wissenschaftlichen Namen besonders betont. Aber
auch hier heißt es: Üben, üben und nochmals üben.
Aufgaben:
1. Bilden Sie die regulären Namen zu den folgenden Struktur-Formeln! (Notieren Sie sich ev. auf einem Kladde-Zettel die einzelnen Zwischenschritte,
um später ev. Fehler(-Quellen) zu ermitteln!)
2. Kennzeichnen Sie bei den folgenden Namen die Silben entweder mit verschiedenen Textmarkern oder durch senkrechte Striche! Lesen Sie die Namen laut und deutlich vor! Achten Sie auch auf die Betonung!
3. Finden Sie die Fehler in den Namen der angegebenen Stoffe (Formeln)!
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 44 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Ähnlich lassen sich die Namen in Strukturformeln umsetzen. Schauen wir uns das bei einem
etwas komplizierteren Beispiel an: 3,5-Diethyl-5-propyloctan (3,5-Diethyl-5-propyloctan)
Regel
1. Der Namenstamm ergibt die
längsten mögliche C-Kette
(Hauptkette)
2. Nummerierung der Kette
Namens-Teil
3,5-Diethyl-5propyloctan
3. (schrittweise) Bildung und
Positionierung der Anhänge
(Seitenketten)
3,5-Diethyl-5propyloctan
Formel
- C – C – C – C – C – C – C – C -
- 1C – 2C – 3C – 4C – 5C – 6C – 7C – 8C –
H
H
|
|
H– C-H
H-C-H
|
|
H– C-H
H-C-H
|
|
- 1C – 2C – 3C – 4C –5C – 6C – 7C – 8C –
 2x Ethyl an
die Positionen 2
und 4
3,5-Diethyl-5propyloctan
H
H
|
|
H–C-H
H-C-H
|
|
H–C-H
H-C-H
|
|
- 1C – 2C – 3C – 4C –5C – 6C – 7C – 8C –
|
H-C-H
|
H-C-H
|
H-C-H
|
H
4. Auffüllen der restlichen
Bindungen mit H ( Vierbindigkeit des Cohlenstoffs)
 fertige Formel
 Summenformel
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
H
H
|
|
H - C – C
|
|
H
H
H
|
H–C-H
|
H–C-H
|
– C –
|
H
H
H
|
|
H - C – C
|
|
H
H
H
|
H–C-H
|
H–C-H
|
– C –
|
H


H
|
C
|
H
H
|
C
|
H
H
|
H-C-H
|
H-C-H
|
- C –
|
H-C-H
|
H-C-H
|
H-C-H
|
H
H
|
H-C-H
|
H-C-H
|
- C –
|
H-C-H
|
H-C-H
|
H-C-H
|
H
H
H
H
|
|
|
C – C – C – H
|
|
|
H
H
H
H
H
H
|
|
|
C – C – C – H
|
|
|
H
H
H
C15H32
- 45 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Kommen wir aber auf die Isomerie zurück. Die Eigenschaften der Isomere unterscheiden
sich voneinander.
Namen
n-Butan
iso-Butan, 2-Methylpropan
Summenformel
C4H10
C4H10
i-Butan
Eigenschaften
Kp = –1°C
Kp = –12°C
Mit steigender Kettenlänge wächst auch die Zahl der (Struktur-)Isomere.
C-Atome
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
Isomere
1
1
1
2
3
5
9
18
35
75
C-A.
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
Isom.
159
355
802
1'858
4'347
10'359
24'894
60'523
148'284
366'319
C-A.
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
Isomere
910'726
2'278'658
5'731'580
14'490'245
36'797'588
93'839'412
240'215'803
617'105'614
1'590'507'121
4'111'846'763
C-A.
31
32
33
34
35
36
37
38
39
40
Isomere
10'660'307'791
27'711'253'769
72'214'088'660
188'626'236'139
493'782'952'902
1'295'297'588'128
3'404'490'780'161
8'964'747'474'595
23'647'478'933'969
62'491'178'805'831
Isomere des Octans
StrukturFormel
Name
StrukturFormel
Name
n-Octan
3,4-Dimethylhexan
2-Methylheptan
3-Ethylpentan
2-Methylheptan
2,2,3-Trimethylpentan
2-Methylheptan
2,3,3-Trimethylpentan
2,2-Dimethylhexan
2,3,4-Trimethylpentan
2,3-Dimethylhexan
3-Ethyl-2-methylpentan
2,4-Dimethylhexan
3-Ethyl-3-methylpentan
3,3-Dimethylhexan
2,2,3,3-Tetramethylbutan
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 46 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Beispiele und Benennung verzweigter Reste
Stamm-Substanz
Alkyl-Reste
H H H
| | |
H-C-C-C-H
| | |
H H H
H H H
| | |
H-C-C-C•
| | |
H H H
H
H
| • |
H-C-C-C-H
| | |
H H H
Propan
(Pr)
n-Propyl(nPr-)
iso-Propyl(iPr-)
H H H H
| | | |
H-C-C-C-C-H
| | | |
H H H H
H H H H
| | | |
H-C-C-C-C•
| | | |
H H H H
H
H H
| • | |
H-C-C-C-C-H
| | | |
H H H H
Butan
(Bu)
n-Butyl(nBu-)
sec-Butyl(sBu-)
H H H
| | |
H-C-C-C-H
| | |
H C H
/|\
H H H
H H H
| | |
H-C-C-C•
| | |
H C H
/|\
H H H
H
H
| • |
H-C-C-C-H
| | |
H C H
/|\
H H H
iso-Butan
(iBu)
iso-Butyl(iBu-)
tert-Butyl(tBu-)
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 47 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
2.1.1.1.3. ringförmige Alkane – Cycloalkane
Neben den Verzweigungen ist auch denkbar, dass sich ringförmige Strukturen bilden. Tatsächlich gibt es auch solche Alkane, die als Cycloalkane (cyclus = lat.: Kreis) geführt werden.
In der organischen Chemie gibt es auch den Namen Naphthene für gesättigte, cyclische
Kohlenwasserstoffe. Die allgemeine Formel lautet CnH2n. In den Namen wird das cyclo- vor
den Stammnamen (normales Alkan, lt. Anzahl der C-Atome) gesetzt. Dabei sind erst ab drei CAtomen cyclische Strukturen denkbar.
Q: www.cem.msu.edu
Die die Bindungswinkel in den C-Ringen unter dem normalen Tetraeder-Winkel liegen sind
die Bindungen gespannt, was sich in einer erhöhten Reaktivität zeigt.
Erst ab sechs C-Atomen im Ring entstehen stabile Strukturen. Auch die Cycloalkane mit fünf
bzw. sieben Cohlenstoff-Atomen weisen noch gewisse Ringspannungen auf, diese können
aber schon vernachlässigt werden.
Für das Cyclohexan C6H12 werden zwei verschiedene (stabile) Raumstrukturen beschrieben.
Q: www.3dchem.com
Wannenform, Bootform
Sesselform
Die jeweils unteren Abbildungen zeigen die Gitterstruktur-Formeln mit 3D-Informationen. Dicke Linien kennzeichnen die vorne liegenden Bindungen. Bindungen, die aus der Ebene
herauslaufen würden, sind durch dünner bzw. dicker werdende Linien angedeutet. Manchmal werden nach hinten laufende – oder hinten liegende – Bindungen noch zusetzlich durch
gestrichelte Linien dargestellt.
Die Sesselform ist energetisch günstiger und somit häufiger anzutreffen. Treten bei einem
Stoff verschiedene Raumstrukturen auf, dann nennen wir dies Konformationen. Je größer
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 48 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Moleküle werden, umso bedeutsamer wird die Konformation-Isomerie. In der Biologie spielen
Konformationsunterschiede eine sehr große Rolle.
Durch die Wärmebewegung der Teilchen kommt es bei entsprechender Anregung zu Umwandlungen der RaumStrukturen ineinander:
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 49 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
2.1.1.1.4. Alkan-Reste als Ionen
Positiv geladenene Cohlenstoff-Ion innerhalb einer CohlenwasserstoffStruktur werden Carbo-Kation genannt. Ihnen feht praktisch ein AußenElektron. Die restlichen drei Außen-Elektronen stecken in Bindungen zu
Wasserstoff- oder Cohlenstoff-Atomen.
Eine Variante des Carbo-Kation ist das Carbenium-Ion. Es besitzt drei Bindungs-Partner, wobei einzelne Atome auch mehrfach gebunden sein kön- Carbenium-Ion
nen. Das Carbenium-Ion ist durch ein Elektronen-Sextett gekennzeichnet.
Die zweite Variante ist das Carbonium-Ion. Hier ist ein vollständiges Elektronen-Oktett vorhanden. Ein positiv geladenes Wasserstoff-Ion (Proton) interagiert mit einer Bindung und die drei Atome bilden eine sogenannte Dreizentren-Bindung (Zwei-Elektronen-Drei-Zentren-Bindung) aus. Im Falle des Methan-Abkömmling – dem Methonium-Ion CH5+ – befinden sich noch drei
Carbonium-Ion
normal gebundene Wasserstoff-Atome am Cohlentoff.
Der Elektronen-Mangel an der Dreizentren-Bindung bewirkt ein Abziehen der BindungsElektronen von einem der Nachbar-Wasserstoff-Atome, so dass eine neue DreizentrenBindung entsteht, während an der alten Position ein Wasserstoff wieder normal gebunden
ist.
Der Effekt betrifft praktisch irgendwann mal alle Wasserstoff-Atome. Zur Veranschaulichung
ist ein Wasserstoff-Atom grün markiert. Die Hin-und-Rück-Pfeile heißen übrigens Mesomerie-Pfeile und stellen immer Molekül-interne Umstrukturierungen dar. Es sind keine Reaktions-Pfeile, da hier eben keine chemischen Veränderungen ablaufen!
Den Begriff Mesomerie erläutern wir später genauer ( 2.2.3.1. Bau und Struktur der Aromaten).
Durch Abspalten des einen Wasserstoff-Ions (Protons) und Übernahme auf eine Base (nach
BROENSTEDT) stabilisiert sich die Cohlenwasserstoff-Struktur als Methan.
Das negativ geladenene Cohlenstoff-Ion innerhalb einer CohlenwasserstoffStruktur heißt Carb-Anion (selten Carbo-Anion). Es ist energetisch stabiler als
das Carbenium-Ion. Trotzdem kommt es praktisch nur als temporäre Zwischen-Produkt in Reaktions-Mechanismen vor. In den Zwischen-Produkten wird
das Carb-Anion jeweils durch Mesomerie stabilisiert.
Interessant ist beim Carb-Anion der Umstand, dass die Tetraeder-Struktur
quasi die Richtung bzw. Orientierung wechseln kann.
Carb-Anion
Das freie Elektronen-Päarchen kann praktisch zwischen oben-unten (s. Abb.) bzw. linksrechts usw. hin und her springen. Einen wesentlichen Anteil auf die Lage haben dabei die
Wärme-Bewegungen der Reste. Werden sie nach oben oder unten gedrückt, weicht das
Elektronen-Päarchen auf die andere Seite aus. Durch diese Bewegungen sind u.U. bei optisch-aktiven Stoffen bestimmte Wechsel (zwischen den Stereo-Isomeren) möglich (StereoIsomerie  ).
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(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Sind statt der Wasserstoff-Atome ein oder mehrere Alkyl-Reste an dem geladenen
Cohlenstoff-Ion gebunden, dann spechen wir von primären, sekundären oder tertiären CarbAnionen. Bei einem Alkyl-Rest spricht man von einem primären, bei zwei von einem sekundären und bei drei eben von tertiären Carb-Anionen.
Im Allgemeinen sind sekundäre Carb-Anionen stabiler als tertiäre. Primäre Carb-Anionen
sind nochmals stabiler als sekundäre.
Stabilität
der
Ladung
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>
>
- 51 -
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(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Aufgaben:
1. Bilden Sie die Namen für folgende Alkane!
H
H
H
H
H
H
a)
b)
|
|
|
|
|
|
CH3 [– CH2 ]3 – CH3
H – C – C – C – C – C – C - H
|
|
|
|
|
|
H
H
H
H
H
H
c)
d)
CH3 [– CH2 ]3 –CH [- CH3]2
e)
f)
CH3 [– CH2 ]3 –CH [– CH2 ]3 – CH3
|
CH3
2. Stellen zu folgenden Namen die Summen- und die vollständige StrukturFormeln auf!
a) n-Nonan
b) 2-Methylhexan
c) 3-Ethylpentan
d) 5-Butyldecan
e) 3,3-Diethylpentan
f) 2,3,4-Triethyloctan
3. Skizzieren Sie die Isomere des Hexans in verkürzten oder GitterStrukturformeln!
4. Finden Sie die Isomere des Heptans! Geben Sie jeweils eine StrukturFormel und den exakten Namen des Isomers an!
5. Geben Sie zu den folgenden Namen jeweils eine passende Struktur-Formel
an!
a) 4-Propylnonan
b) 3,4-Diethylhexan
c) 4,4,6-Trimethyldecan
d) 4-Ethyl-7-methyl-5-propyldecan
e) 5-Ethyl-4-methyl-7-propyldecan
f) 2,3,4-Triethyl-2,4-dimethyloctan
für das gehobene Anspruchsniveau:
6. Geben Sie zu folgenden Gitterstruktur-Formeln die IUPAC-Namen an!
7. Finden Sie eigene Gitterstrukturformel-"Tiere" bzw. –"Pflanzen"! Geben Sie
die exakten Namen an!
8. Jeder Kursteilnehmer Ihrer Gruppe denkt sich eine beliebige Strukturformel
eines Alkans aus! Die längste Kette sollte 10 C-Atome nicht überschreiten.
Als nächstes bilden Sie den Namen Ihres Alkans und veröffentlichen diesen
an der Tafel! Die anderen Kursteilnehmer bilden dann die Strukturformeln
aus den Namen! Am Schluß vergleichen Sie Ihre Struktur mit den Lösungen
der anderen!
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(c,p) 2009-2015 lsp: dre
2.1.1.2. Eigenschaften der Alkane
In den folgenden Abschnitten gehen wir vornehmlich von einfachen kettenförmigen Alkanen
aus. Wo andere Strkturformen eine Rolle spielen, wiesen wirdarauf explizit hin. Im Prinzip
gelten die Aussagen zu den kettenförmigen auch für die verzweigten und ringförmigen Alkane. Meist ändern sich die Zahlenwerte. Die allgemeinen Regeln und Gesetzmäßigkeiten kelten für alle Formen.
2.1.1.2.1. physikalische Eigenschaften
Betrachten wir zuerst einmal die Aggregatzustände der Alkane. Ableiten kann man diese aus
den Schmelzpunkten (Gefrierpunkt, Flusspunkt, Fp) und den Siedepunkten (Kochpunkt,
Kondenspunkt, Kp). Für den Aggregatzustan wird standardmäßig der Zustand angegeben, in
dem sich der Stoff bei 20 °C (293 K) (selten 25 °C (298 K)) befindet.
Anzahl
CAtome
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
Name
Methan
Ethan
Propan
Butan
Pentan
Hexan
Heptan
Octan
Nonan
Decan
Undecan
Dodecan
Tridekan
Tetradecan
Pentadecan
Hexadecan
Heptadekan
Octadecan
Nonadecan
Eicosan
Summenformel
CH4
C2H6
C3H8
C4H10
C5H12
C6H14
C7H16
C8H18
C9H20
C10H22
C11H24
C12H26
C13H28
C14H30
C15H32
C16H34
C17H36
C18H38
C19H40
C20H42
60
Hexacontan
C60H122
0
Wasser
H2O
SchmelzTemp.
Fp [°C]
-183
-172
-187
-135
-130
- 94
- 91
- 57
- 51
- 30
- 26
- 12
- 6
+ 5
+ 10
+ 18
+ 23
+ 28
+ 32
+ 36
+0
SiedeTemp.
Kp [°C]
-162
- 89
- 43
+ 1
+ 36
+ 69
+ 98
+126
+151
+174
+195
+215
+234
+253
+271
+288
+303
+308
+330
+205 *)
Aggregatzustand
gasförmig
gasförmig
gasförmig
gasförmig
flüssig
flüssig
flüssig
flüssig
flüssig
flüssig
flüssig
flüssig
flüssig
flüssig
flüssig
flüssig
fest
fest
fest
fest
Geruch
+331 *)
fest
geruchlos
+100
flüssig
geruchslos
geruchlos
geruchlos
geruchlos
geruchlos
Benzin-artig
Benzin-artig
Benzin-artig
Benzin-artig
Benzin-artig
Benzin-artig
geruchlos
geruchlos
geruchlos
Dichte

3
[g/cm ]
#
0,5547 )
##
0,509
)
0,5005
0,5787
0,5572
0,6603
0,6837
0,7026
0,7177
0,7299
0,7402
0,7487
0,7564
0,7628
0,7685
0,
0,
0,
0,
0,7886
1,0
*) im Vakuum bei 20 mbar;  bei Normaldruck vorher zersetzlich
#
##
) bei 0 °C;
) bei -60 °C
Aufgaben:
1. Erstellen Sie ein Diagramm, in dem die Dichte in Abhängigkeit von der CAtom-Anzahl dargestellt wird!
2. Erstellen Sie ein Diagramm, in dem die Schmelz- und die Siede-Temperatur
in Abhängigkeit von der C-Atom-Anzahl dargestellt wird!
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(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Temperatur [°C]
300
200
Fp.
Kp.
100
0
1
3
5
7
9
11
13
15
17
C-Anzahl
-100
-200
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass mit steigender C-Anzahl im Molekül sowohl
Schmelz- als auch Siedepunkt regelmäßig zunimmt. Die sehr kurzkettigen Alkane (C1 – C4)
sind auch noch gasförmig. Die mittelkettigen bis C17 von leicht- bis schwerflüssig. Ab C18 sind
die Alkane dann fest. Man nennt sie auch Wachse, da sie in der Konsistenz dem Kerzenwachs ähneln. Kerzenwachs ist auch nichts anderes als ein Gemisch langkettiger Alkane.
Aber wie lassen sich die Schmelz- und Siedepunkte erklären? Ein sehr großen Einfluß auf
den Siedepunkt haben zwei Faktoren. Einmal die Größe des Moleküls an sich – dies muss ja
mit soviel Energie versorgt werden, dass es sich frei – im Gas – bewegen kann. Zum Anderen spielt der Zusammenhalt der Moleküle untereinander eine Rolle. Existieren nur schwache Adhäsions-Kräfte (Haftungskräfte, ), dann wird das Heraustrennen einzelner Moleküle
leichter möglichsein. Bei starken Adhäsions-Kräften müssen diese ebenfalls durch die externe Energiezufuhr überwunden werden, damit die Teilchen den flüssigen Zustand verlassen
können.
Die Molekülgrößen haben wir schon betrachtet, da ist uns das Verhalten schon klar. Nur
müssten ja eigentlich die Schmelz- und Siedetemperaturen immer gleichmäßig steigen, da
die Zunahme der Teilchengröße ja auch gleichmäßig erfolgt.
Die Unregelmäßigkeiten zu Beginn der Schmelzpunktkurve lassen sich nur teilweise durch stark voneinander
abweichenden Molekül-Geometrien erklären. Auch Zunahme-Effekte werden hier mit ins Spiel gebracht. Von Methan zu Ethan verdoppelt sich fast das Molekulargewicht (100% Zuwachs), während von Ethan zu Propan nur
noch ein Zuwachs von 50 % zu verzeichnen ist. Mit zunehmender Kettenlänge wird der Zuwachs-Effekt immer
kleiner.
Je größer die Teilchen werden, umso mehr Kontaktflächen bieten sie den Nachbarn für Adhäsions-Effekte. So sind die Unregelmäßigkeiten bei den Schmelz- und Siedepunkten z.T.
zu erklären. Die Adhäsions-Kräfte sind hier sogenannte VAN-DER-W AALS-Kräfte (VAN-DERWAALS-Wechselwirkungen, V-D-W-Bindungen). Diese basieren nicht auf Ladungen, sondern auf
der gemeinsamen Nutzung von Elektronen – ähnlich wie bei Bindungen. Zwischen den Teilchen, Molekülen usw. treten kurzzeitig sehr kleine Dipole auf, die die Haftung verursachen.
Insgesamt sind die Kräfte hier rund 1000x geringer als bei Bindungen. Sie haben einen sehr
kleinen Wirkungsradius und nehmen mit der Entfernenung sehr schnell ab (mit der sechsten
Potenz).
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Deshalb nehmen die VAN-DER-W AALS-Kräfte bei höheren Temperaturen ebenfalls schnell
ab, da die Abstände zwischen den Molekülen – durch die immer größer werden Bewegungen der Moleküle selbst – auch immer größer werden.
Bei sehr langkettigen Alkanen kommt es beim Erhitzen dazu, dass die Moleküle durch die
Bewegungen und die Haftungskräfte zu anderen Molekülen (VAN-DER-WAALS-Kräfte) eher
brechen, als in den gasförmigen Zustand überzugehen. In der Praxis arbeit man dann in einem Vakuum. Die Teilchen haben nicht so einen großen Gegendruck (sonst ja der Luftdruck)
und gehen so eher in die gasförmige Phase über. Es reichen also schon kleinere Temperaturen aus, was wiederum weniger Teilchen-Eigenbewegung bedeutet.
Prinzipiell könnten auch noch polare Kräfte zwischen den Molekülen wirken. Um die abzuschätzen, betrachtet man die Elektronegativitätswerte der einzelnen Atome im Molekül und
vergleicht sie mit den jeweiligen Bindungspartnern. Je größer die Differenz, umso größer ist
die Fähigkeit des Partners mit dem größeren Elektronegativitätswert, die Elektronen aus der
Bindung zu sich zu ziehen. Das Ergebnis wäre eine negative (Voll-)Ladung oder eine PartialLadung, wenn die Elektronen nur teilweise angezogen werden.
Beim Betrachten der Elektronegativitäten in Alkanen finden wir nur zwei Fälle:
Bindung
Elektronegativität (EN)
Differenz der EN-Werte
resultierende Polaritäten
resulierender Bindungs-Charakter
C–C
2,5
2,5
0
keine
Atom-Bindung
kovalente Bindung
C–H
2,5
2,1
0,4
sehr schwach
+ CH
praktisch Atom-Bindung
Da die Differenz gleich Null oder sehr gering ist, liegen keine bzw. sehr geringe Polaritäten
vor. Aus der Praxis wissen wir, dass man Differenzen in dieser Größenordnung vernachlässigen kann. Im Allgemeinen werden deshalb in den Kohlenwasserstoffen keine Polaritäten
betrachtet.
In der Reihe der Alkane verändern sich die Eigenschaften scheinbar relativ gleichmäßig und
systematisch. Auch hierrüber lässt sich der Begriff der homologen Reihe (homo = lat. gleich, logos = lat. Sinn, Lehre) herleiten. Wie wir noch sehen werden, bezieht sich diese Homologizität
nicht nur auf physikalsiche Eigenschaften, sondern ist ein allgemeines Prinzip in der organischen Chemie.
Die Alkane lösen sich nicht in Wasser. Das unpolare Wasser hat im Prinzip keine AngriffsPunkte an den unpolaren Molekülen. Lediglich Methan löst sich in Wasser. Dies liegt daran,
dass die relativ kleinen Methan-Moleküle sehr gut in die Lücken zwischen den WasserMolekülen passen. Die Wasser-Löslichkeit von Methan ist ein sehr typisches Beispiel für einen rein physikalischen Lösungs-Vorgang. Es kommt zu keinen Wechselwirkungen zwischen
Methan- und Wasser-Molekülen.
In organischen Lösungsmitteln, die genau
wie Wasser polar gebaut sind, lösen sich die
Alkane ebenfalls nicht. Solche Lösungsmittel
sind z.B. Aceton ( Ketone) und
Cohlensäure-Ester ( Ester).
Sind dagegen im Lösungsmittel unpolare
Moleküle oder Molekül-Teile dominierend,
dann verbessert sich die Löslichkeit. Zwischen
den
unpolaren
LösungsmittelMolekülen und den Alkan-Molekülen bilden
VAN-DER-WAALS-Kräfte (hellgrün)
sich VAN-DER-W AALS-Kräfte aus.
zwischen unpolaren Molekülen
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(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Exkurs: Elektronegativität nach PAULING
Unter der Elektro-Negativität (Abk.: EN; Formel-Zeichen:  (chi)) versteht man das Maß für
die Fähigkeit eines Atoms die Bindungs-Elektronen zu sich zu ziehen. Diese Eigenschaft ist
von den Ladungen innerhalb des Atoms (Anzahl der Protonen), der Größe des Atoms und
seiner Ionisierungs-Energie abhängig.
Die Elektronegativität nach Linus PAULING legt eine relative Skala an. Dabei erhält das elektronegativste Element Fluor den willkürlichen Wert 4,0 (exakt 3,98 (Referenzwert)). Je weniger die Elemente in Bindungen die Elektronen-Paare zu sich ziehen können, als umso elektropositiver gelten die Elemente.
Die Elemente Cäsium und Franzium sind die elektropositivsten Elemente des PSE und besitzen den Wert 0,7.
Mit der Elektronegativität lässt sich die Art der Bindung zwischen zwei Atomen relativ einfach charakterisieren. Berechnet wird dazu die absolute Differenz zwischen den Elektronegativitäten der beiden Bindungs-Atome.
 EN = 0
 kovalente Bindung (Atom-Bindung) bzw. Metall-Bindung
0 <  EN < 1,7
 EN > 1,7
 kovalente Bindung mit polarem Charakter (Atombindung mit IonenCharakter)
 polare Bindung (Ionen-Bindung, Ionen-Beziehung)
Verzweigte Alkane haben immer tiefere Schmelz- und Siede-Temperaturen. Dieses liegt daran, dass die Moleküle immer eine größere "Unordnung" mitbringen, als die unverzweigten
Alkane gleicher Ketten-Länge. Je verzweigter die Moleküle werden, umso mehr ähnellt die
äußere Molekül-Form einer Kugel. Dadurch wird die Oberfläche immer kleiner und somit
könen sich auch nur kleinere VAN-DER-W AALS-Kräfte zwischen den Molekülen ausprägen.
Bei Erwärmen müssen also nur geringe Widerstände überwunden werden, um die Moleküle
aus dem Kristall (fester Aggregatzustand) oder der Flüssigkeit herauszubrechen.
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(c,p) 2009-2015 lsp: dre
2.1.1.2.2. chemische Eigenschaften – Reaktionen der Alkane
Die geringen Polaritäten und die vollständig abgesättigten Bindungen machen Alkane zu
sehr reaktionsträgen Stoffen. Da sie insgesamt gesättigt sind, können keine zusätzlichen
Atome oder Atom-Gruppen hinzukommen. Der Austausch und das Abspalten ist dagegen
möglich. Austausch-Reaktionen werden in der organischen Chemie Substitutionen (lat.:
substituere = ersetzen) genannt, Abspaltungen sind hier Eliminierungen (lat.: eliminare = entfernen).
Durch Licht-Energie kann an einzelnen Stellen eine Bindungen zerlegt werden. Dabei entstehen zwei Radikale:
CH3 – CH2 – CH3
CH3– CH2 + CH3
homolytische Spaltung
der Bindung
Die Strahlungs-Energie bewirkt eine
Aktivierung der (einer) Bindung. Bei
ausreichender Energie-Absorption wird
die Bindung (homolytisch) aufgespalten.
Es entstehen zwei Radikale, die mit
ihren ungepaarten Elektronen sehr reaktiv sind.
Weil es sich um Alkyl-Reste handelt, nennt man diese Alkyl-Radikale. Meist kombinieren sich
die beiden Radikale sofort wieder (Rekombination). Die Alkyl-Radikale sind viel zu groß, um
schnell genug vom zweiten Radiakal wegzudiffundieren.
CH3 – CH2 + CH3
CH3 – CH2 – CH3
Die ungepaarten Elektronen der Radikale (orange Kennzeichnung) streben
Energie-ärmere Zustände (z.B. eine
Bindung) an. Sehr häufig reagieren
deshalb die gerade gebildeten Radikale gleich wieder zurück.
(Die grüne Kennzeichnung steht für
neutrale Verhältnisse bzw. geringe
Polaritäten.)
Seltener induziert ein Radikal die Radikal-Bildung an einem Nachbar-Molekül.
CH3 – CH2 – CH3 + CH3
CH3 – CH – CH3 + CH4
Ein Propan-Molekül reagiert mit einem Methyl-Radikal. Dabei entzieht dieses dem Propan ein Wasserstoff-Atom (quasi
ein Wasserstoff-Radikal) und hinterläßt am Propan ein ungepaartes Elektron.
Neben mittelständigen Radikalen können auch endständige entstehen. Entscheidend ist dabei das räumliche Zusammentreffen der beiden Moleküle.
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- 57 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Treffen dann zwei solcher Molekül-Radikale aufeinander, können sie sich u.U. unsymetrisch
rekombinieren und es entstehen zwei verschiedene Produkte.
CH3 – CH – CH3 + CH3 – CH – CH3
CH3 – CH2 – CH3 + CH3 – CH = CH2
Alkan
Alken (Propen)
Je nach Zusammentreffen der Radikale kann das eine (/ reaktive) Radikal dem anderen (passiven)
ein Wasserstoff-Atom entziehen. Am zweiten Radikal tritt kurzzeitig ein zweites ungepaartes Elektron
auf (s.a. rechte Abbildung). Die beide ungepaarten Elektronen kombinieren sich sofort zu einer zusätzlichen Bindung. Zwischen den beteiligten Cohlenstoff-Atomen bestehen jetzt zwei Bindungen.
Sie wird auch Doppel-Bindung genannt. Sie ist besonders Elektronen-reichen, aber nicht negativ
geladen (gelbe Kennzeichnung).
Man nennt so einen Vorgang auch Disproportionierung (Dismutation).
Bei der Disproportionierung bzw. bei der unsymetrischen Rekombination entstehen völlig
neue Kohlenwasserstoffe (als die Ausgangsstoffe). Sie enthalten wegen des auftretenden Wasserstoff-Mangels (in den Radikalen) eine Doppelbindung zwischen den Cohlenstoff-Atomen.
Die gleichen Kohlenwasserstoffe kann man aus Alkanen gewinnen, wenn man diese direkt
dem Sonnenlicht aussetzt oder noch besser – einer sogenannten thermischen Pyrolyse. Bei
sehr hohen Temperaturen (rund 800 °C) werden die Alkane dabei dehydriert, d.h. Wasserstoff abgespalten.
CH3 – CH2 – CH3
CH3 – CH = CH2 + H2
Propen
(Damit die Dehydrierung nicht bis zum reinen Cohlenstoff (Ruß) führt, wird Wasserdampf hinzugefügt. Durch spezielle Katalysatoren lässt sich die Reaktion noch weiter gezielt durchführen.)
Bei der Dehydrierung wird also eine Atomgruppe abgespalten, deshalb gehört eine solche
Reaktion zur Gruppe der Eleminierungen (eliminare = lat.: entfernen, über die Schwelle
bringen). Bei der Eliminierung an Alkanen entstehen immer sogenannte Mehrfachbindungen.
Dies können Doppel- oder Dreifachbindungen beim Cohlenstoff sein. Da nicht alle Bindungsmöglichkeiten abgesättigt sind, spricht man auch von ungesättigten Kohlenwasserstoffen ( 2.2. ungesättigte Kohlenwasserstoffe).
Die Pyrolyse bewirkt bei langkettigen Alkanen vielfach auch eine Spaltung in Radikale (s.a.
oben) bzw. in zwei verschiedene kurzkettige Cohlenwasserstoffe (meist ein Alkan und ein
Alken).
z.B.:
CH3 (– CH2)8 – CH3
Alkan (Decan)
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CH3 (– CH2)2 – CH = CH2 + CH3 (– CH2)3 – CH3
Alken (Penten)
Alkan (Pentan)
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(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Da wir in der Praxis mehr kurzkettige Cohlenwasserstoffe (z.B. Benzin, Diesel, Kerosin, …)
brauchen als langkettige, werden die eher längerkettigen Alkane des Erdöls gerne durch die
Pyrolyse passend gemacht.
Aufgaben:
1. Überlegen Sie sich, wieviele verschiedene Radikale des Propans möglich
sind! Begründen Sie Ihre Meinung!
2. Stellen mindestens drei weitere Reaktionen auf, die bei der Pyrolyse des
Decans auftreten könnten!
radikalische Substitution mit Halogenen:
Recht gut reagieren Halogen (F, Cl, Br, I) mit Alkanen. Auch hier müssen aber zuerst Radikale gebildet werden. Gerade Halogen neigen unter Lichteinstrahlung sehr leicht zur Radikalbildung ( Fotochemie, fotoaktive Substanzen auf Filmen). Im Dunklen läßt sich die Spaltung auch thermisch induzierern. Dazu sind dann Temperaturen um 250 °C notwendig.
Cl2
2 Cl
Die eingestrahte Energie regt die Bindungs-Elektronen so
stark an, dass es zum Bruch der Bindung kommt. Die gebildeten Chlor-Atome besitzen einzelne ungepaarte Elektronen, die
nach einer Sättigung ( Achter-Schale) streben. Die ChlorAtome können also auch als Chlor-Radikale gefasst werden.
Diese Radikal-Bildungs-Reaktion ist der Ausgangspunkt einer Kettenreaktion (Startreaktion,
Kettenstart). Es folgen "produktive" Reaktionen, bei denen immer ein Radikal mit einem
neutralen Teilchen reagiert:
CH3 – CH2 – CH3 + Cl
CH3 – CH2 – CH2 + HCl
Ein Chlor-Radikal interagiert mit dem Propan-Molekül. Dabei entreißt es dem Propan ein Wasserstoff-Atom. Aus Wasserstoff und Chlor bildet sich Chlorwasserstoff. Das zurückbleibende Propyl kann als Radikal in weitere Reaktionen
eingehen. Reagiert es z.B. mit Chlor, dann wird dem Chlor-Molekül ein Atom entzogen, welches nun an der Position
des verlorengegangenen Wasserstoff sitzt.
CH3 – CH2 – CH2 + Cl2
CH3 – CH2 – CH2Cl + Cl
Normalerweise findet die Reaktion vorrangig an den Enden des Alkan-Moleküls statt, da diese exponiert – der Chemiker sagt dazu: sterisch bevorteilt – sind. Neben Reaktionen in der
Mitte der Moleküle sind auch mehrfache Austausch-Reaktionen an einem Alkan-Molekül
möglich. Dabei sind Cohlenstoff-Atome ohne ausgetauschte jeweils bevorteilt (im Vergleich zu
solchen, die schon – meist größere – ausgetauschte Atome besitzen).
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(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Die Kettenreaktionen können sich nun ständig wiederholen, da das reaktive Chlor-Radikal
am Ende wieder vorliegt. Reagiert ein Radikal mit einem anderen Molekül, dann bleibt immer
wieder ein Radikal übrig.
Treffen aber zwei Radikale aufeinander, dann kommt die Radikal-Bildung – und damit auch
die Kettenreaktion – zum Stillstand. Dies nennen wir Kettenabbruch. Dazu kommen alle
möglichen Radikal-Kombinationen in Frage:
2 Cl
Cl2
Das Zusammentrffen von zwei Chlor-Radikalen bewirkt in
jedem Fall sofort eine Neuknüpfung der Atom-Bindung zwischen den beiden Atomen.
CH3 – CH2 – CH2 + Cl
CH3 – CH2 – CH2Cl
Trifft ein Propyl-Radikal mit seiner reaktiven Seite auf ein Chlor-Radikal, dann bildet sich das gewünschte Produkt.
2 CH3 – CH2 – CH2
CH3 – CH2 – CH2 – CH2 – CH2 – CH3
Zwei Propyl-Radikale können sich beim Zusammentreffen an ihren reaktiven Seiten zu einem neuen Alkan (hier: Hexan) kombinieren. Die beiden ungepaarten Elektronen bilden eine übliche C-C-Einfachbindung.
CH3 – CH2 – CH2 + CH3 – CH – CH3
CH3 – CH2 – CH3 + CH3 – CH = CH2
Andere Kollisions-Szenarien können auch andere Produkte entstehen lassen. Das gebildete Alken (hier: Propen) kann
ebenfalls mit Chlor reagieren. Allerdings handelt es sich um einen anderen Reaktions-Mechanismus!
Kombinieren sich die Stoffe so, dass die gewünschten Produkte entstehen, dann sprechen
wir von produktiven Reaktionen. Entstehen die Ausgangsstoffe zurück oder gar andere Verbindungen, dann werden sie den unproduktiven Reaktionen zugeordnet. In den meisten Fällen stellen neuartige Verbindungen dann Verunreinigungen oder Neben-Produkte dar.
Praktisch wird bei den besprochenen Reaktionen am Propan (unserem Ausgangsstoff) ein
Wasserstoff-Atom durch ein Chlor-Atom ersetzt.
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- 60 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
H
H
H
|
|
|
H – C – C – C - H
|
|
|
H
H
H
+
H
H
H
|
|
|
H – C – C – C - Cl
|
|
|
H
H
H
Cl - Cl
H - Cl
+
____________________________________________________________________
CH3 – CH2 – CH3
+
CH3 – CH2 – CH2Cl
Cl2
+
HCl
Solche Reaktionen heißen Substitution (substituere = lat.: ersetzen). Wird die Substitution durch
Radikale induziert, dann handelt es sich um eine radikalische Substitution. In der Literatur
findet man häufig die Abkürzung Sr dafür. Vom Wasserstoff abweichende Anhänge an den
Cohlenstoff-Atomen werden allgemein auch Substituent genannt. Oftmals sind sie über
Substitutions-Reaktionen an die C-Kette gelangt.
Die Anzahl der möglichen Reaktionsprodukte ist beachtlich ( 3.1.1. einfach halogenierte
Kohlenwasserstoffe). Natürlich können bei entsprechenden Bedingungen alle Stoffe auch
weiterreagieren ( 3.1.2. mehrfache halogenierte Kohlenwasserstoffe). So entstehen weitere Substitutionsprodukte, die alle natürlich keine Kohlenwasserstoffe mehr sind. Sie sind sogenannte Derivate (Abkömmlinge; derivare = lat.: ableiten) ( 3. Derivate der Kohlenwasserstoffe).
Kommen neben Cohlenstoff und Wasserstoff noch Halogen-Atome (F, Cl, Br od. I) im Molekül vor, dann handelt es sich um Halogen-Derivate ( 3.1. Halogenderivate).
Definition(en): Substitution
Substitutionen sind chemische Reaktionen, bei denen es zum Austausch von Atomen oder
Atom-Gruppen kommt.
Man unterscheidet radikalische, elektrophile und nucleophile Substitutionen.
Definition(en): radikalische Substitution / SR-Reaktion
Bei einer radikalischen Substitution (SR) werden Atome oder Atom-Gruppen über ZwischenProdukte bzw. –Schritte ausgetauscht, bei denen Radikale entstehen.
Radikalische Reaktionen sind selten Orts-selektiv, vielmehr ist der Ort des zufälligen Zusammenstoßes der
Reaktions-Partner entscheidend.
Oxidation (Verbrennung):
Wie die meisten Kohlenwasserstoffe, brennen Alkane auch gut. Zumindestens von Methan
(Erdgas), Propan (Camping-Gas) und Butan (Feuerzeug-Gas) ist dies den Meisten auch bekannt. Wesentlich mehr Alkane werden aber in Benzin und Diesel verbrannt – beides Gemische aus relativ kurzkettigen, flüssigen Alkanen und deren Isomeren. Chemisch sind dies
Oxidationen – hier im Sinne der Reaktion mit Sauerstoff. Natürlich sind es praktisch Redoxreaktionen, d.h. Reaktionen mit Elektronen-Übergang. Dies betrachtet man im Allgemeinen
bei den Verbrennungen aber nicht so vordergründig.
CH3 – CH2 – CH3 + 5 O2
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3 CO2 + 4 H2O
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(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Verbrennungen mit ausreichend Sauerstoff führt immer zu Bildung von Cohlendioxid und
Wasser. Der Alkan verbrennt vollständig.
Bei Mangel an Sauerstoff kommt es zur unvollständigen Verbrennung. Man erkennt dies an
einer rußenden Flamme (reiner Cohlenstoff) bzw. an der Bildung eines mehr oder weniger
großen Anteils an Cohlenmonoxid.
CH3 – CH2 – CH3 + 2½ O2
CO
+ 2 C + 4 H2O
Je nach verfügbarer Sauerstoff-Menge entstehen unterschiedliche Anteile C, CO und CO2.
Die Bildung von Cohlenmonoxid ist bei einer Verbrennung meist nicht gewünscht, da noch
reichlich Energie im Cohlenmonoxid verbleibt (CO ist brennbar) und vor allem, weil CO ein
sehr giftiges Gas ist. Die Giftigkeit beruht auf der nichtreversiblen Blockierung des Hämoglobins (Hämoglobin = roter Blutfarbstoff). Das Bindungsvermögen (Affinität) von CO zum
Hämoglobin ist 300x größer, als die von Sauerstoff. Schon geringe Mengen führen also zu
nachhaltigen Beeinflussungen des Sauerstoff-Transportes in unserem Blut.
Definition(en): Oxidation
Eine Oxidation ist eine Teil-Reaktion der Redox-Reaktion, bei der sich die Oxidationszahl
(OZ) eines Elementes erhöht.
Eine Oxidation (im klassischen Sinne) ist eine Reaktion mit Sauerstoff – mit anderen Worten
eine Verbrennung.
.
Definition(en): vollständige Oxidation
Bei einer vollständigen Oxidation erreicht das betreffende Element seine höchstmögliche
Oxidations-Stufe (Oxidations-Zahl).
Die bei einer vollständigen Oxidation hergestellten Produkte können nicht weiter oxidiert
werden.
In der organischen Chemie entstehen als Verbrennungs-Produkte Cohlendioxid, Wasser (bei Kohlenwasserstoffen) und bei Derivaten zusätzlich ev. Schwefeltrioxid, Distickstoffpentoxid, Diphosphorpentoxid, …
Definition(en): unvollständige Oxidation
Bei einer vollständigen Oxidation erreicht das betreffende Element noch nicht seine
höchstmögliche Oxidations-Stufe (Oxidations-Zahl).
Die bei einer unvollständigen Oxidation hergestellten Produkte können noch weiter oxidiert
werden.
In der organischen Chemie entstehen als unvollständige Verbrennungs-Produkte
Cohlenstoff (Ruß) und Cohlenmonoxid bei reinen Kohlenwasserstoffen.
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
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(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Aufgaben:
1. Zu welchen Reaktionen ist Ethan fähig? Stellen Sie die möglichen Reaktionsgleichungen auf!
2. Stellen sie folgende Reaktionsgleichungen auf!
a) Substitution mit Chlor an Methan
b) vollständige Verbrennung von Butan
c) unvollständige Verbrennung von Pentan im Stoffmengen-Verhältnis Pentan : Sauerstoff = 1 : 6
d) Reaktion von Brom mit Ethan unter Verwendung von Struktur-Formeln
3. Welche Reaktionsprodukte können bei der Photolyse von Butan entstehen?
4. Definieren Sie den Begriff homologe Reihe (umfassend)!
für das gehobene Anspruchsniveau:
5. Informieren Sie sich über den Kennwert Octan(-zahl) beim Benzin! Was
bedeutet er? Wie wird er ermittelt? …?
Anzahl
C-Atome
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
Name
Methan
Ethan
Propan
Butan
Pentan
Hexan
Heptan
Octan
Nonan
Decan
Undecan
Dodecan
Tridekan
Tetradecan
Pentadecan
Hexadecan
Heptadekan
Octadecan
Nonadecan
Eicosan
Summenformel
CH4
C2H6
C3H8
C4H10
C5H12
C6H14
C7H16
C8H18
C9H20
C10H22
C11H24
C12H26
C13H28
C14H30
C15H32
C16H34
C17H36
C18H38
C19H40
C20H42
60
Hexacontan
C60H122
Flammpunkt [°C]
-48
-22
-4
12
31
46
135
148
154
164
176
/Daten-Q: http://www.chemieunterricht.de, /
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
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(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Exkurs: Oktan-Zahl / ROZ-Kennung des Benzins
Die Oktan-Zahl ist das Maß für den Widerstand einer Substanz (/ eines Isomers)
gegen die Selbstentzündung (Klopffestigkeit). Die Vergleich-Skala wir von zwei
n-Heptan
definierten Substanzen charakterisiert. Das n-Heptan hat die ROZ = 0 (ROZ ..
Research-Oktanzahl; erforschte Oktan-Zahl) und das iso-Octan hat
definitiongemäß ROZ = 100.
Hat jetzt ein Stoff / Isomer / Stoff-Gemisch die Klopffestigkeit von 80, dann verhält er sich genauso, wie ein Stoff-Gemisch aus 80 % iso-Octan und 20 % nHeptan, das eben definitionsgemäß auch ROZ = 80 besitzt.
iso-Octan
Früher wurde die Klopffestigkeit mit Blei-haltigen Substanzen (z.B.:
Tetraethylblei) eingestellt.
Blei-haltiges Benzin ist wegen
seiner
Umwelt-Gefährdung
seit vielen Jahren (ab 1988)
verboten.
Heute werden andere Substanzen
(z.B.
Ethyl-tertbutylether (ETBE); exakt: tertButylethylether)
zugegeben
bzw. das Alkan- und Isomeren-Gemisch anders eingestellt.
Die andersartigen Zusätze
werden Additive bzw. Antiklopf-Mittel genannt. Sie werden i.A. nur in sehr geringen
Mengen (unter 1%) zugesetzt.
Bei ETBE liegt der VolumenAnteil allerdings deutlich höher. Zugelassen sind bis zu 15
%.
ETBE kann aus Ethanol (BioAlkohol) gewonnen werden.
Ein anderes Additiv – das
MTBE – wird dagegen nur aus
fossilen Rohstoffen gewonnen. MTBE heißt exakt tertButylmethylether.
Q: de.wikipedia.org (Peter Krimbacher)
Aufgaben:
1. Welche Oktan-Zahl hätte ein Kraftstoff, der nur aus 2,3-Methylpentan besteht?
2. Wie sind überhaupt Kranftstoff mit ROZ über 100, wie z.B. "ultimate 102"
herstellbar? Machen Sie mögliche Vorschläge und diskutieren Sie die zu
erwartenden (z.B. ökologischen) Konsequenzen!
3. Welchen Einfluß auf die Oktan-Zahl hat der Zusatz von Ethanol zu einem
"ROZ 95"-Kraftstoff-Gemisch?
für die gehobene Anspruchebene:
4. Welche Oktan-Zahl ist eigentlich bei einem Additiv bzw. Antiklopf-Mittel zu
erwarten? Begründen Sie Ihre Meinung!
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
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(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Reaktions-Verhalten innerhalb der homologen Reihe
Für
die Herstellung spezieller
halogenierter
Cohlenwasserstoffe ist es wichtig abzuschätzen, wo
die Substitution stattfinden wird. Damit wir hier eine
sinnvolle Analyse machen können vereinfachen wir
die Angriffe auf die direkten und effektiven Kontakte.
Praktisch finden immer auch indirekte Zusammenstöße – z.B. leicht seitlich usw. – statt. Dies können wir
aber für jedes Wasserstoff-Atom annehmen. Ebenso
verhält es sich mit den effektiven und uneffektiven
Zusammenstößen. Die Chancen sind prinzipiell für
alle Kontakte gleich.
Bei Methan wird jeder Angriff (lt. unserem Modell) eines Halogen einen Effekt haben. Es bildet sich immer
ein einfach halogeniertes Molekül.
Bei längeren Ketten kann es neben den terminalen
(End-ständigen Halogenen) Substitutionen auch zu
mittigen (zentralen) Reaktionen kommen. Hier kann es
dann auch zu Isomerien kommen, welche die Vielzahl
von gewünschten und ungewünschten ReaktionsProdukten beeinflusst.
Die terminalen Angriffe sind in der nebenstehenden
Abbildung mit orangen Pfeilen, die zentralen violett.
Während bei einer einfachen Substitution bei den
terminalen Substitutionen nur ein Produkt entsteht,
können bei den zentralen Angriffen z.B. bei Propan
ein zusätzliches Isomer, bei Heptan aber schon drei
weitere Isomere entstehen. In den meisten Fällen
sind aber reine Produkte gewünscht, was wiederum
bei so diffusen Reaktions-Verläufen eine aufwändige
nachträgliche Trennung der Isomere erfordert.
Aufgaben:
1. Skizzieren Sie die (Modell-)Angriffe für Ethan, Butan, Hexan und Octan mit
unterschiedlichen Farben für die Angriffs-Arten!
2. Ermitteln Sie, wieviele verschiedene Isomere bei der einfachen Bromierung
der Alkane in der Reihe bis Octan jeweils entstehen können! Geben Sie für
jedes Isomer die (Modell-)Häufigkeit an!
2. Stellen Sie die Verhältnisse von terminalen zu zentralen Angriffen für die
homologe Reihe bis Decan graphisch dar!
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(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Exkurs: Struktur-Aufklärung mittels Elementar-Analyse
für Ermittlung der Cohlenstoff- und Wasserstoff-Anteile
Erhitzen / Glühen der (eingewogenen) Probe mit der 20 – 30x Masse an Cupferoxid
CaHbOcNd + CuO
x CO2 + y H2O + N
Verbrennungs-/Glühgase werden durch eine Gas-Trocken-Einrichtung mit (frisch geglühtem
und) eingewogenem Calciumchlorid (Chlorcalcium) und Gas-Waschflasche mit conc. und
eingewogener Kalilauge (Calciumhydroxid) geleitet (die Einwaage erfolgt über die GesamtMasse der Gas-Reinigungsflaschen
das Calciumchlorid bindet das Wasser
CaCl2 + H2O
die Kalilauge bindet das Cohlendioxid
CO2 + Ca(OH)2
CaCO3 + H2O
die Rest-Gase der Verbrennung werden durch gereinigte Luft (wie für die VerbrennungsGase beschrieben) durch die Gas-Reinigungs-Flaschen geleitet
auswiegen der Gas-Reinigungsflaschen; Masse-Differenzen ergeben das gebildete Wasser
bzw. Cohlendioxid
aus der Masse des Cohlendioxids lässt sich der Cohlenstoff-Masse-Teil berechnen
aus der Wasser-Masse lässt sich der Wasserstoff-Masse-Teil berechnen
für den Nachweis von Stickstoff und dann die Ermittlung des Stickstoff-Anteils wird mit Ätzkali (vorher frisch mit Natronlauge gelöscht) erhitzt
zur Absorption des gebildeten Ammoniaks wir Salzsäure verwendet
NH3 + HCl
NH4Cl
hier auswiegen der Gas-Waschflasche (mit der Salzsäure), Masse-Differenz entspricht
Ammoniak
Berechnung der Prozent-Anteile für Cohlenstoff, Wasserstoff und Stickstoff;
Rest zu 100% sind Sauerstoff bzw. weitere Bestandteile
Mit den Prozent-Angaben lässt sich unter Benutzung der Atom-Massen das StoffmengenVerhältnis / die Stoffmengen-Anteile berechen; Verhältniszahlen werden so gekürzt, dass
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
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(c,p) 2009-2015 lsp: dre
glatte Zähler herauskommen a : b : c  Verhältnis-Formel (z.B.: CaHbOc); die MolekülFormel (Molekular-Formel) ist dann die gefundene Anteils-Formel oder ein Viefaches (Multiplum) z.B.: (CaHbOc)n; Ausprobieren verschiedener Struktur-Formeln  ermitteln der Summen-Formel (z.B. über die ermittelte molare Masse) (Auswahl einer möglichen MolekülFormel (Entscheidung für ein n) z.B. (CaHbOc)2
Exkurs: Struktur-Aufklärung Dampfdichte-Bestimmung
Bestimmung der molaren Masse der Substanz
damit läßt sich aus der Molekül-Formel eine mögliche Summen-Formel ableiten
Definition(en): Verhältnis-Formel / Elementar-Formel / (Substanz-Formel)
Die Verhältnis-Formel ist eine chemische Formel (Zusammenstellung aus chemischen
Symbolen) in der die Atom-Anzahlen im kleinstmöglichen Zahlen-Verhältnis angegeben
wird.
Definition(en): Molekül-Formel / Molekular-Formel
Die Molekül-Formel ist die Formel eines Moleküls eines (molekularen) Stoffes.
Definition(en): Summen-Formel / Brutto-Formel
Die Summen-Formel ist eine Zusammenstellung von chemischen Symbolen, welche die Art
und Anzahl der Atome einer Verbindung repräsentiert. Ist der Stoff molekular aufgebaut,
dann werden die Anzahlen der in einem Molekül vorhandenen Atome eines Elementes angegeben, sonst wird das kleinstmögliche diskrete Verhältnis der Atome benutzt (Formeleinheit).
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
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(c,p) 2009-2015 lsp: dre
2.1.1.2.3. Eigenschaften von Isomeren
Auf den ersten Verdacht hin geht wohl jeder davon aus, dass sich die Eigenschaften von
Isomeren nicht wirklich unterscheiden. Dem ist aber nicht so. In Wirklichkeit sind es alles
einzelne Stoffe mit individuellen Eigenschaften. Einige werden sich ähneln und vor allem der
Stoff-Gruppe oder der Kettenlänge geschuldet sein. Aber viele Eigenschaften sind z.T. sogar
deutlich verschieden. Allgemeigültige Regeln sind hierfür allerdings kaum zu finden und existieren wohl auch nicht wirklich. Deshalb werden wir hier exemplarisch einzelne Beispiele
herausziehen und zumindestens die Existens der Unterschiede und / oder Gemeinsamkeiten
daran verdeutlich.
Beispiel: Butan
Isomer
Struktur
n-Butan
Schmelzpunkt
F. [°C]
-135
2-Methylpropan
(iso-Butan)
-145
Siedepunkt
Kp. [°C]
- 1
- 0,5
-12
-10
Beispiel: Pentan
Isomer
Struktur
n-Pentan
2-Methylbutan
2,2-Dimethylpropan
Schmelzpunkt
F. [°C]
-130
-159
- 20
Siedepunkt
Kp. [°C]
36
28
9,5
Dichte

3
[g/cm ]
0,63
Flammpunkt
[°C]
-49
Zündpunkt
[°C]
260
Beispiel: Hexan
Isomer
Struktur
n-Hexan
2-Methylpentan
3-Methypentan
2,2-Dimethylbutan
2,3-Dimethylbutan
Schmelzpunkt
F. [°C]
- 94
-154
-118
- 98
-129
Siedepunkt
Kp. [°C]
69
60
63
50
58
Beispiel: Heptan
Isomer
n-Heptan
2-Methylhexan
3-Methyhexan
2,2-Dimethylpentan
2,3-Dimethylpentan
2,3-Dimethylpentan
3,3-Dimethylpentan
3-Ethylpentan
2,2,3-Trimethylbutan
Struktur
Schmelzpunkt
F. [°C]
- 91
-118
-119
-125
-119
-135
-119
- 25
Siedepunkt
Kp. [°C]
98
90
92
79
90
81
93
93
81
allgemein wenig Unterschiede bei Dichte, Brechungs-Index und Dampfdruck
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
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(c,p) 2009-2015 lsp: dre
2.1.1.3. Eigenschaften und Verwendung wichtiger Alkane
Bei der Betrachtung wichtiger Vertreter beschränken wir uns auf solche, die im Bereich der
Biologie oder der Ernährungslehre von herausragender Bedeutung sind. In Ausnahmefällen
besprechen wir auch solche Vertreter, die zum tieferen Verständnis von Zusammenhängen
oder Details beitragen. Sollte der Bedarf an anderen Beispielen bestehen, verweisen wir auf
die typischen Chemie-(Lehr-)Bücher. In diesen wird weit systematischer vorgegegangen.
2.1.1.3.1. Methan
Hauptbestandteil im Erdgas und in den meisten Stadtgasen
Brennwert von über 35.000 kJ / m³
es bilden sich nur Wasser und Cohlendioxid als Abgase
bei Methan-Luft-Gemischen mit einem Methan-Anteil zwischen 6 und 12 % besteht Explosionsgefahr (im Bergbau: schlagende Wetter)
im Dickdarm und Pansen von Wiederkäuern (Rinder, Schafe, …) gebildetes Darmgas ist
ebenfalls sehr Methan-haltig  Treibhausgas
bei Fäulnis-Vorgängen unter Sauerstoff-Abschluß entsteht ebenfalls Methan (Sumpfgas, Biogas); etwas geringer Brennwert (rund 27.000 kJ / m³) wegen diverser anderer Gase im Gemisch (Cohlendioxid, Stickstoff, andere Gase in Spuren); große Bedeutung bei geschlossenen Stoffkreisläufen, ökologischer und vorbildlicher energetischer Produktion
2.1.1.3.2. Propan, Butan
beliebte Gase für dezentralisierte Brennstellen (Camping, entlegene Häuser ohne StadtgasAnschluß, Handwerk (Dachdecker, …), …)
Gase lassen sich schon bei geringen Drücken leicht verflüssigen ( Flüssiggas)
schwerer als Luft, deshalb nicht in unterkellerten Räumen / Gebäuden; bilden mit Luft explosive Gemische
2.1.1.3.3. Pentan, Hexan
sehr leicht flüchtig, niedrige Siedepunkte, lassen sich gut verdampfen oder zerstäuben
bilden sehr leicht entzündliche Brennstoff-Luft-Gemische
gutes Lösungsmittel für unpolare Stoffe
2.1.1.3.4. Heptan, Octan, Nonan, Decan
gut als Treibstoff für Flugzeuge (Leicht-Benzin, Kerosin, leichtes Petroleum) geeignet
typische Kerosin-Bestandteile; Kerosin beinhaltet daneben auch cyclische Alkane und aromatische Cohlenwasserstoffe, insgesamt sind 8 bis 13 Cohlenstoff-Atome in den Molekülen
typisch
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(c,p) 2009-2015 lsp: dre
2.1.1.3.5. Alkane mit 11 bis 17 Cohlenstoff-Atomen
typische Benzin-Bestandteile, für Benzin und Diesel sind 9 bis 22 Cohlenstoff-Atome in den
Molekülen typisch
2.1.1.3.6. Alkane mit mehr als 17 Cohlenstoff-Atomen - Paraffine
Paraffin ist ein (recht variables) Gemisch aus verschiedenen verschiedenen Alkansäuren mit
zumeist 18 bis 32 Cohlenstoff-Atome. allgemein fest, Wachs-artige Eigenschaften, auch in
dünnen Schichten Wasser-abweisend und Luft-dicht, leicht zu entfernen und ungiftig 
Schutzschicht um Lebensmittel (z.B. Käse, …)
brennbar und einfach zu händeln (Kerze, Teelicht, …)
bei Kerzen wird häufig mehr auf Stearin als auf Paraffin gesetzt, Stearin ist ein Gemisch aus
Triglyceriden (Fette od. Fett-ähnliche Stoffe), brennt etwas stabiler und weniger rußend als
Paraffin
Vaseline ist ebenfalls ein Gemisch aus Alkanen und anderen ähnlichen Stoffen mit einem
Schmelzbereich von 38 – 58 °C. Basis für Kosmetika und Salben
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- 70 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
2.2. ungesättigte Cohlenwasserstoffe
Ungesättigte Cohlenwasserstoffe enthalten mindestens eine Mehrfachbindung zwischen
zwei Cohlenstoff-Atomen. Wir kennen die Doppel- und die Dreifach-Bindung. Die Kohlenwasserstoffe, die eine oder mehrere Doppelbindungen enthalten heißen Alkene ( 2.2.1.
Alkene), die mit einer oder mehreren Dreifachbindungen Alkine ( 2.2.2. Alkine).
Bei cyclischen Kohlenwasserstoffen kann dann noch eine besondere Situation auftreten. Bei
manchen Ringen treten die Doppelbindungen scheinbar alternierend – also abwechselnd mit
Einfachbindungen auf. Diese Konstellation bewirkt diverse besondere Eigenschaften. Besonders intensiv sind die Eigenschaften-Sprünge dann zu beobachten, wenn bestimmte Zahlen (3, 5, 7, …) an solchen Doppelbindungen auftreten. Die Stoffe mit so einer Konstellation
stellen eine ganz besondere Stoffgruppe dar – die Aromaten ( 2.2.3. Aromaten).
Ungesättigte Cohlenwasserstoffe begegnen uns in der biologischen Welt sehr häufig. So
sind ungesättigte Cohlenwasserstoffe und deren Derivate z.B. in vielen Fetten, Vitaminen,
Duft-, Farb- und Aroma-Stoffen enthalten. Besonders Pflanzen produzieren diese Verbindungen zu Genüge. In vielen Fällen sind Verbindungen mit ungesättigten Bindungen (meist
aus pflanzlichen Quellen) für uns lebensnotwendig (essentiell).
Definition(en): ungesättigte Cohlenwasserstoffe
Cohlenwasserstoffe, die zwischen den Cohlenstoff-Atomen neben den Einfach-Bindungen
auch mindestens über eine Doppel- oder Dreifach-Bindung verfügen, nennt man ungesättigt.
Ungesättigte Cohlenwasserstoffe sind organische Stoffe, die sich durch Hydrierung zu gesättigten Cohlenwasserstoffen umwandeln lassen.
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(c,p) 2009-2015 lsp: dre
2.2.1. Alkene
Charakteristisches Merkmal der Alkene ist die Doppelbindung (Zwei\
/
fachbindung) zwischen zwei Cohlenstoff-Atomen. In Alkenen kommt
C = C
mindestens eine dieser Doppel-Bindungen im Molekül vor. Der Klassen/
\
suffix ist –en.
Früher wurden die Alkene auch als Olefine bezeichnet. Auch heute findet man diese Benennung noch im Bereich der technischen Chemie.
Doppelbindungen finden wir in biologisch bedeutsamen Molekülen sehr häufig.
Definition(en): Alkene
Alkene sind Cohlenwasserstoffe, die zwischen den Cohlenstoff-Atomen außer den üblichen
Einfach-Bindungen über (mindestens) eine Doppel-Bindung verfügen.
Alkene sind Cohlenwasserstoffe, die sich durch einmalige Hydrierung sättigen lassen.
2.2.1.1. Bau, Struktur und Benennung der Alkene
Auch die Alkene bilden eine homologe Reihe. Aus praktischen Gründen erwähnen wir hier
nur die ersten vier Glieder. Die restlichen können Sie sich jederzeit mit ihren Kenntnissen
ableiten. Außerdem ist die Bedeutung der reinen Alkene in Biologie und Ernährungslehre
begrenzt. Wir wollen Sie hier nur etwas genauer besprechen, um die Doppelbindung kennenzulernen. Sie ist recht bedeutsam.
Anzahl
C-Atome
1
2
Name
Summenformel
Ethen
(Äthylen)
C2H4
3
Propen
(Propylen)
C3H6
4
Buten
C4H8
5
Penten
C5H10
Strukturformel
H
H
\
/
C = C
/
\
H
H
H
H
\
/
C = C
H
/
\ /
H
C
/ \
H
H
H
H
\
/
C = C
H
/
\ /
H
C –
/
H
H
H
\
/
C = C
H
/
\ /
H
C –
/
H
Verwendung
Rohstoff
für
Polyethen (PE, Polyethylen)  z.B. Plastiktüten
Rohstoff
für
Polypropen
(PP,
Polypropylen)
H
|
C - H
|
H
H
H
|
|
C – C - H
|
|
H
H
…
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(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Bei längeren Ketten sind unterschiedliche Positionen für die Doppelbindung möglich. In den
Namen wird die Position als arabische Ziffer vor dem en (für die Doppelbindung) im Namen angegeben.Bei Ethen und Propen ist dies nicht notwendig, da es jeweils nur ein Isomer gibt.
Bei Buten wären die nachfolgenden (kettenförmigen) Möglichkeiten denkbar:
H
?
H
\
H
/
C = C
H
\ /
C –
/
/
H
?
H
?
H
|
C - H
|
H
H
\ /
H - C
H
\
/
C = C
/
\
H
C - H
/ \
H
H
But-1-en
But-2-en
H
H
|
/
H – C – C
H
| / \
/
H H
C = C
/
\
H
H
But-3-en
Beim genauen Hinsehen stellen wir fest, dass die Struktur von But-3-en eigentlich der von
But-1-en entspricht. Somit kann eine von ihnen gestrichen werden. Nun tritt wieder die Regel
der kleinstmöglichen Zahlen in Kraft, so dass wir nur But-1-en und natürlich noch But-2-en
über behalten.
H
!
H
\
H
/
C = C
H
\ /
C –
/
/
H
!
H
!
H
|
C - H
|
H
H
\ /
H - C
H
\
/
C = C
/
\
H
C - H
/ \
H
H
But-1-en
1-Buten
Buten-(1)
But-2-en
2-Buten
Buten-(2)
 alternative Schreibweisen
In Cohlenstoff-Doppelbindungen befinden sich die C-Atome im sp2-hybridiserten Zustand.
Orbital

p


Energiezufuhr



Hybridisierung

s

Energieabgabe



De-Hybridisierung
2
Normal-Zustand
angeregter Zustand
sp -hybridisierter
Zustand
Ein p-Orbital (gelblich) wurde nicht mit in die Hybridisierung einbezogen. Die drei hybridisierten Orbitale (ocker-gelblich) bilden eine planare (ebene) Struktur. Der Bindungswinkel beträgt 120 °. Die freien p-Orbitale bilden zwei Elektronen-Wolken, die eine Drehung um die CC-Bindung nun unmöglich machen. Die Elektronen-Wolken stellen sozusagen die zweite
Bindung in der Doppel-Bindung (-Bindung,  = griech.: p (pi)) dar. Die Bananen-artige Form
und die meist gelbliche Farbgebung haben dieser Bindung den Spitz-Namen "BananenBindung" eingebracht.
Die sp2-C-C-Bindung wird zur Unterscheidung -Bindung ( = griech.: s (sigma)) genannt.
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(c,p) 2009-2015 lsp: dre
sp2-hybridisiertes C-Atom
Ethen mit Bindungs-Orbitalen
"Bananen-Bindung"
Der Wegfall der Drehbarkeit in einer Doppelbindung führt zu neuen Isomeren. Betrachten wir
den einfachsten Fall n-But-2-en:
H
H
H
/
\
C = C
/
H - C
/ \
H
H
?
\
C – H
/ \
H
H
But-2-en
H
\ /
H - C
H
\
/
C = C
H
/
\ /
H
C – H
/
H
But-2-en
Die Methyl-Reste links und rechts von der Doppel-Bindung können ihre Richtungen (oben bzw.
unten) nicht mehr tauschen. Im linken Fall stehen die Reste zur gleichen Seite - zusammen.
Deshalb nennt man solch ein Isomer die cis-Form (Z-Form, Z .. zusammen). Das Gegenstück (rechte Abb.) ist die trans-Form (E-Form, E .. entgegen).
H
H
H
\
/
C = C
/
H - C
/ \
H
H
\
C – H
/ \
H
H
Z-But-2-en
cis-But-2-en
H
\ /
H - C
H
\
/
C = C
H
/
\ /
H
C – H
/
H
E-But-2-en
trans-But-2-en
Als Eselsbrücke kann man sich vielleicht merken, dass bei der cis-Form im gewissen Sinne
der Buchstabe C an der Doppelbindung entsteht. Die trans-Form kann man sich aus dem
Begriff Transit für Durchgang, Durchführung usw. ableiten. Man kann die Doppelbindung sozusagen ohne Richtungsänderung passieren.
Sind mehrere Substituenten an den Doppel-Bindungen zu beachten, dann gelten die Regel der CAHL-INGOLDPRELOG-Konvention (CIP-Konvention, R-S-System, R-S-Isomerie)! Die Substituenten bekommen dabei Prioritäten, die sich nach Größe und Oxidationsgrad unterscheiden, und werden dann entsprechend geordnet.
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
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(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Mehrere Doppelbindungen werden durch Angabe der griechischen
Zahlwörter (di, tri, tetra, …) vor dem en im Namen angezeigt. Somit
ergibt sich dann z.B. –dïen, -trïen. Beachten Sie, dass i und e getrennt gesprochen werden. Manchmal wird dies auch durch zwei iPunkte gekennzeichnet.
Für die Namengebung ist natürlich auch eine homologe Reihe der
Alkylene konstruierbar.
Nach der Stellung der Doppelbindungen zueinander unterscheidet
man isolierte, konjugierte und kumulierte Systeme. Eine einzelne
Doppelbindung wird als isoliert angesehen (oberste / erste Abb.).
Bei kumulierten Doppelbindungen sind zwei Doppelbindungen direkt benachbart (zweite Abb.). Bei konjugierten Systemen liegt
zwischen zwei Doppelbindungen genau eine Einfachbindung (dritte
Abb.).
Sind mehrere Einfachbindungen dazwischen, dann sieht man die
Doppelbindungen wieder als isoliert an (rechte Abb.).
Besonders konjugierte Doppelbindungen sind für den Chemiker
interessant, da diese meist mit dem Licht wechselwirken. Die
Hauptnutzung solcher Stoffe ist deshalb auch bei Farbstoffen usw.
zu finden.
Die Bennennung verzweigter Alkene erfolgt ähnlich wie bei den
Alkanen. Die Stamm-Verbindung ist hier die längste CohlenstoffKette, die eine Doppel-Bindung enthält.
\
/
C = C
/
\
\
/
C = C
/
\\
C –
/
\
/
C = C
/
\
/
C = C
/
\
/
C = C
/
\
\
C \ /
//
Cn – C
/
\
Aufgaben:
1. Bilden Sie die Namen zu den folgenden Struktur-Formeln!
2. Stellen Sie den folgenden Namen die passenden Struktur-Formeln auf!
3. Stellen Sie die Stellung der Wasserstoff-Atome für das Propadien in der
NEWMAN-Darstellung (Sägebock-Darstellung) dar (Energie-ärmster Zustand)!
4. Geben Sie die verschiedenen Struktur-Isomere von Hexen an! Benennen
Sie alle! Geben Sie die Art der Isomerie an!
für die gehobene Anspruchsebene:
5. Gibt es eigentlich gleichviele Struktur-Isomere von Penten und von C5H10?
Verdeutlichen Sie Ihren Standpunkt mit passenden Struktur-Formeln!
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(c,p) 2009-2015 lsp: dre
2.2.1.2. Eigenschaften der Alkene
In der homologen Reihe verändern sich die physikalischen Eigenschaften (z.B. Aggregatzustand) ähnlich schrittweise, wie bei den Alkanen.
Die verschiedenen Isomere und deren Derivate haben z.T. auch sehr unterschiedliche Eigenschaften. Diese aber im Detail auseinanderzupflücken ist für unsere Zwecke nicht sehr
zweckmäßig. Bei Bedarf gehen wir auf Details und Spezialitäten an geeigneter Stelle ein.
Anzahl
C-A.
Name
Summenformel
2
3
4
4
4
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
Ethen
Propen
But-1-en
2- Methylprop-1-en
cis-But-2-en, Z-But-2-en
trans-But-2-en, E-But-2-en
Penten
Hexen
Hepten
Octen
Nonen
Decen
Undecen
Dodecen
Trideken
Tetradecen
Pentadecen
Hexadecen
Heptadeken
Octadecen
C2H4
C3H6
C4H8
C4H8
C4H8
C4H8
C5H10
C6H12
C7H14
C8H16
C9H18
C10H20
C11H22
C12H24
C13H26
C14H28
C15H30
C16H34
C17H34
C18H36
20
Eicosen
C20H40
60
Hexaconten
C60H120
Fp
[°C]
-185
-139
-105
-140
Kp
[°C]
-6
+4
+1
-7
Aggregatzustand
gasförmig
gasförmig
gasförmig
gasförmig
gasförmig
gasförmig
Geruch
geruchlos
geruchlos
geruchlos
geruchlos
geruchlos
geruchlos
+) im Vakuum bei 20 mbar;  bei Normaldruck vorher zersetzlich
Die Schmelz-Temperaturen von trans-Alkenen liegen über denen der cis-Verbindungen. Dieses liegt daran, dass die trans–Alkene i.A. eine höhere Molekül-Symetrie besitzen. Dadurch
lassen si sich besser in Gitter-Strukturen einbauen. Zwischen den Molekülen bestehen damit
auch größere VAN-DER-WAALS-Kräfte.
Die cis-Alkene sind zumeist Dipole. Bei unsymetrischer Molekül-Form sind auch die Ladungs-Schwerpunkte ungleichmäßig verteilt. Die polaren Anziehungs-Kräfte bewirken höhere Siede-Temperaturen als bei vergleichbaren trans-Alkenen.
Aufgabe:
1. Welche Aggregatzustände ergeben sich für die Buten-Isomere, wenn die
Normbedingungen mit 1013 hPa und 0 °C festgelegt werden, was in einigen
Tabellen-Büchern üblich ist!
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(c,p) 2009-2015 lsp: dre
2.2.1.2.1. chemische Eigenschaften – Reaktionen der Alkene
Bei ungesättigten Kohelnwasserstoffen kommt es normalerweise nicht zu Substitution, wenn
man Halogene mit ihnen reagieren lässt. Vielmehr wird die Doppelbindung aufgebrochen
und die Halogen-Atome lagern sich an.
H
H
\
H
H
|
|
Cl - C - C - Cl
|
|
H
H
/
C = C
/
+
\
H
Cl - Cl
H
1,2-Dichlorethan
Bei Alkenen funktioniert auch die Reaktion mit Halogenwasserstoffen.
H
H
\
H
H
|
|
H - C - C - Cl
|
|
H
H
/
C = C
/
+
\
H
H - Cl
H
Das Produkt heißt Monochlorethan und ist ein typisches Halogen-Derivat der Alkane. Die
ehemals ungesättigten Kohlenwasserstoffe enthalten nach der Addition nur noch gesättigte
Bindungen.
Mechanismus der elektrophilen Addition
Am Einfachsten ist die Addition von polaren Stoffen, wie z.B. Chlorwasserstoff oder Bromwasserstoff zu erklären. Prinzipiell läuft die Addition von unpolaren, aber polarisierbaren
Stoffen – wie z.B. Brom – ganz ähnlich.
Die Doppelbindung ist recht Elektronen-reich. Damit haben wir dort eine Konzentration negativer Ladungsträger. Diese ziehen nun widerum positive Ladungen (od. Partial-Ladungen) an
bzw. polarisieren geeignete Bindungen. Im unten stehenden Beispiel wird die polarisierte
Atombindung im Chlorwasserstoff noch weiter polarisiert. Die Doppelbindung wird zum positiv geladenen Wasserstoff gezogen. aufgelöst und geht schließlich eine neue Bindung ein.
H
H
\ /
C
||
+
C
/ \
H
H
H
+ H  Cl

H
\ /
C
| H⊕
C
/ \
H
H
+ Cl⊖

H
|
H – C - H
|
+
C⊕
/ \
H
H
Cl⊖

H
|
H – C - H
|
H – C - Cl
|
H
Am anderen C-Atom der ehemaligen Doppelbindung entsteht eine positive Ladung (CarboKation). Das bei der Spaltung des Chlorwasserstoffes übrig gebliebene Chlorid-Ion bindet
dort.
Insgesamt haben wir es mit einer Additions-Reaktion zu tun. Ein positiv geladenes Teilchen, welches Elektronen-liebend (elektrophil) ist, greift die Doppelbindung zuerst an. Deshalb sprechen wir von einer elektrophilen Addition (Abk.: AE).
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(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Betrachten wir eine abgewandelte Variante dieser Reaktion. Es sollen Propen und Bromwasserstoff miteinander reagieren.
CH3 – CH2 = CH2 + HBr
CH3 – CH2Br – CH3
Der teilweise positiv geladene Wasserstoff aus dem Bromwassertsoff-Molekül interagiert mit der Elektronen-reichen
Doppel-Bindung des Propens. Die polarisierte Bindung des Bromwasserstoffs wird unsymetrisch aufgelöst. Die Doppel-Bindung übernimmt das Proton. In jedem Fall bildet sich ein – im inneren liegendes – Carbenium-Ion. Dieses reagiert dann mit dem – vom Bromwasserstoff – übrig gebliebenen Bromid-Ion unter Bildung einer Atom-Bindung (siehe
Abb. unten).
Bei Additionen bilden sich eher Verbindungen mit innen liegenden Substituenten. Wir sprechen
auch hier von Substituenten, da scheinbar aus einem gesättigten Molekül einzelne Wasserstoff-Atome durch andere Atome ausgetauscht wurden.
Durch die innere Lage wird das tempräre Carbenium-Ion während der Reaktion stabilisiert.
Die nachfolgende Anlagerung des Halogen-Ions ist dann nur noch eine reine Formsache.
Betrachten wir nun die Reaktion von einem Alken mit einem reinen Halogen.
CH3 – CH2 = CH2 + Br2
CH3 – CH2Br – CH2Br
Das Brom-Molekül wird bei Annäherung an die Doppel-Bindung polarisiert. Es kommt letztendlich zur heterolytischen
(unsymetrischen)Spaltung des Brom-Moleküls. Diese Spaltung wird durch Verwendung von polaren Lösungsmitteln
(bei Brom z.B. Wasser) noch gefördert. Das Bromonium-Ion (Br+) lagert sich an der Doppel-Bindung an und läßt ein
temporäres Carbenium-Ion entstehen.
-
Das Carbenium-Ion reagiert dann umgehend mit dem zurückgebliebenen Bromid-Ion (Br ).
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(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Die Addition von Brom wird auch als Nachweis für Doppelbindungen benutzt. Dabei nutzt
man die Entfärbung einer Brom-Lösung (z.B. Brom-Wasser, Br2H2O) aus. Das Bromwasser
hat die typische rotbraune Brom-Farbe – die Additionsprodukte (Brom-Alkane) sind dagegen
farblos. Diese Reaktion lässt sich sogar für semiquantitative Untersuchungen gebrauchen,
indem man z.B. die verbrauchten (entfärbten) Brom-Wasser-Tropfen zählt.
Für genauere quantitative Untersuchungen des Doppelbindungsgehaltes eigent sich die
BAYERsche Probe ( Nachweis von Mehrfachbindungen mittels BAEYERscher Probe /
BAEYERschem Test:). Leider ist diese nicht nur für Mehrfachbindungen spezifisch.
Ethen lässt sich durch elektrophile Addition von Wasser in Ethanol (Alkohol) umwandeln. Als
Katalsator werden Säuren verwendet, um ein Proton als elektrophile Agenz zu haben.
H2C = CH2 + H2O
H3C – CH2 –OH
Ethanol (C2H5OH)
Die partiell positiv geladenen Wasserstoff-Atome des Wasser-Moleküls können sehr gut mit der Doppel-Bindung interagieren. Das Wasser-Molekül wird in ein Wasserstoff-Ion (Proton) und ein Hydroxid-Ion gespalten. Hier helfen Säuren
besonders gut als Katalysator. Das Proton wird in das Ethen-Molekül eingebaut und es entsteht ein Carbenium-Ion.
Das Hydroxid-Ion kann nun im zweiten Schritt am Carbenium-Ion anlagern. Die quasi substituierte OH-Gruppe wird in der organischen Chemie Hydroxyl- oder Hydroxi-Gruppe genannt.
Praktisch ist auch die Bindung zwischen Cohlenstoff und Sauerstoff polarisiert (s.a. rechte
Abb.). Da diese Bindung aber gewissermaßen geschützt im Inneren des Moleküls liegt und
meist erst nach der Abspaltung des Wasserstoffs aus der Hydroxyl-Gruppe an Reaktionen
teilnimmt, wird diese Bindung vorerst als unpolarisiert betrachtet (s.a. obere Abb.).
Dieser sogenannte technische Alkohol darf nicht für Trinkzwecke verwendet werden. Vorm
in den Handelbringen muss dieses Alkohols vergällt (Veränderung des Geschmacks) werden. Dazu wird Benzin oder Campher genutzt. Z.B. als Brennspiritus ist er dann noch gut für Lösungs- und Brennzwecke nutzbar. Trinken lässt er sich aber nicht mehr. Das Vergällen hat
vor allem steuerrechtliche Gründe. Trinkalkohol (aus natürlichen Quellen) wird sehr hoch besteuert.
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(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Definition(en): Addition
Additionen sind chemische Reaktionen, bei denen Atome oder Atom-Gruppen angelagert
werden (, ohne dass dafür andere Atome oder Atom-Gruppen abgespalten werden).
Additionen finden vornehmlich an Mehrfachbindungen statt.
Man unterscheidet radikalische, elektrophile und nucleophile Substitutionen.
Eine Addition ist die Vereinigungs-Reaktion von mindestens zwei Molekülen. Dabei wird eine Mehrfachbindung aufgespalten.
Definition(en): Elektrophil
Ein Elektrophil ist ein Atom oder eine Atom-Gruppe, die sich durch einen Elektronen-Mangel
auszeichnet und deshalb besonders Elektronen-liebend (= elektrophil; Elektronenfreundlich) ist.
Der Reaktions-Partner eines Elektrophils ist immer ein Nucleophil (Kern-liebender Partner).
Elektrophile sind vollständig oder teilweise positiv geladene Atome oder Atom-Gruppen.
Elektrophile sind positiv geladene (Ionen) oder positiv polarisierbare Atome oder AtomGruppen, die mit Elektronen-Lücken negativierte C-Atome angreifen.
Das angreifende Teilchen (Elektrophil) übernimmt ein Elektronen-Päarchen (vom angegriffenen / meist größeren
od. unbeweglicheren Teilchen) für eine neue Bindung.
Definition(en): elektrophile Addition; AE-Reaktion
Elektrophile Additionen (AE) sind Additions-Reaktionen, bei denen der Elektronen-liebende
Reaktions-Partner (er selbst besitzt eine verringerte Elektronen-Dichte) – auch Elektrophil genannt –
an einer Elektronen-reichen Stelle des anderen Reaktions-Partners (dieser ist eher nucleophile /
Kern-liebend / hat vergrößerte Elektronen-Dichte) angreift und reagiert.
Elektrophile Reaktionen sind Orts-selektiv, da sie an Orte mit hoher Elektronen-Dichte – z.B. MehrfachBindungen – gebunden sind.
Aufgaben:
1. Stellen Sie die Gleichungen für den Mechanismus der elektrophilen Addition von Wasser bei Verwendung einer Säure (also Hydronium-Ionen) als
Katalysator jeweils an Ethen und Propen auf!
2. Informieren Sie sich darüber, warum man Benzin oder Campher als Vergällungs-Mittel benutzt! Gibt es eine Chance aus billigem technischen (und
vergällten) Alkohol den guten Trink-Alkohol zu machen (und damit viele
Steuern zu sparen)?
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(c,p) 2009-2015 lsp: dre
In der technischen Chemie spielt aber eine ganz andere Reaktion ein viel größere Rolle. An
speziellen Katalysatoren reagiert Ethen auch mit sich selbst. Der Reaktionsmechanismus
verläuft als Kettenreaktion.
Als Startreaktion werden meist Radikalbildungen verwendet. Gut geeignet sind hierfür organische Peroxide (enthalten – O – O – ).
R' – O – O – R''
R' – O + O – R''
Peroxid sind im Allgemeinen sehr reaktiv, d.h. sie zerfallen symetrisch in zwei Radikale. Die Teilung erfolgt also symmetrisch an der Sauerstoff-Sauerstoff-Brücke. Für die Symmetrie-Betrachtung spielt es keine Rolle. ob die beiden
Reste (R) gleich oder unterschiedlich sind.
Das R steht in der organischen Chemie für Rest. Für unterschiedliche Reste werden R', R'',
R''', … oder R1, R2, R3 usw. verwendet. Die letzte Schreibung ist leicht mit der AnzahlKennung in chemischen Formeln zu verwechseln, so dass man lieber die erste Variante
wählen sollte oder z.B. eine Kennzeichnung mit Buchstaben als Indize (RA, RB, RC, …). Reste können Alkyle oder auch andere unvollständige Kohlenwasserstoffe bzw. deren Derivate
sein.
Beide Radikale können nun mit dem Haupt-Ausgangsstoff Ethen weiterreagieren:
R – O + H2C = CH2
R – O – CH2 – CH2
Ein Starter-Radikal reagiert mit dem ersten Molekül Ethen. Das ungepaarte Elektron interagiert mit der Elektronenreichen Doppel-Bindung und "entzieht" ihr quasi ein Elektron. Damit wird eine Bindung zwischen dem Radikal-Rest
und dem Ethen aufgebaut. Von der Doppel-Bindung bleibt ein ungepaarte Elektron über, welches am anderen C-Atom
ein Radikal ausbildet.
Die Doppelbindung wird aufgebrochen und ein ungepaartes Elektron bleibt am MoleküleEnde erhalten. Dieses Radikal kann nun wieder mit Ethen reagieren, wobei sich die Kette
immer weiter verlängert:
R – O – CH2 – CH2 + n H2C = CH2
R – O – CH2 [– CH2 – CH2 ]n– CH2
Das radikalische Reaktions-Prinzip wiederholt sich jetzt ständig. Das Radikal entzieht der Doppel-Bindung ein Elektron
für eine Atom-Bindung und am zweiten Doppen-Bindungs-Atom manifestiert sich ein ungepaartes Elektron.
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(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Erst wenn zwei Radikale zusammentreffen, dann kommt es zum Abbruch der Kettenreaktion.
Betrachten wir hier hur ein Beispiel. Die anderen Kombinationen der Reaktionspartner sind
leicht abzuleiten.
R – O – CH2 [– CH2 – CH2 ]n– CH2 + O – R
R – O [– CH2 – CH2 ]n+1 – O – R
Bei jedem Reaktions-Schritt verlängert sich die Kette um eine Ethylen-Einheit (-CH2-CH2- bzw. -C2H4-). Um etwas
Schreib-Arbeit zu sparen kann man auch die untere Schreibweise benutzen.
Bei der Polymerisation sind eine Vielzahl von Ketten-Abbrüchen möglich. Wir zeigen hier
zwei der prinzipiellen Möglichkeiten. Zum Einen kann eine Kette mit ihrem radikalischen Ende mit einem übergebliebenen Starter-Radikal reagieren:
R – O – CH2 [– CH2 – CH2 ]n– CH2 + O – R
R – O [– CH2 – CH2 ]n+1 – O – R
Die beiden ungepaarten Elektronen bilden bei Kontakt sofort eine (polarisierte) Atom-Bindung aus.
Die zweite Möglichkeit besteht darin, dass zwei der radikalischen Ketten miteinander reagieren.
R – O – CH2 [– CH2 – CH2 ]n– CH2 + CH2 [– CH2 – CH2 ]m– CH2 – O – R
R – O [– CH2 – CH2 ]n+m+2 – O – R
Eine wesentlich seltenere Variante des Ketten-Abbruchs ist die Interaktion von zwei radikalischen Enden der gebildeten Polyethylen-Ketten. Beide Ketten vereinen sich unter Ausbildung einer C-C-Einfach-Bindung.
Die Reaktionsprodukte unterscheiden sich in der jeweiligen Kettenlänge. Durch eine geeignete Prozessführung (z.B. hoher Druck) und ausgewählte Katalysatoren kann man recht einheitliche Kettenlängen erreichen. Das Mischprodukt heiß übrigens Poly-Ethen (Poly-Ethylen,
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(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Hochdruck-Polyethylen, Poly-Äthylen). Die Start-Radikale können u.U. auch noch chemisch
entfernt werden. In den meisten Fällen machen diese kleinen "Verunreinigungen" im Produkt
nichts aus. Dafür sind die hergestellten Ketten einfach zu groß (zu lang). Poly-Ethen (PE,
HDPE) ist das Material, welches die moderne "westliche Kaufkultur" so ausmacht – die Einkaufstüte aus Plastik. Weiterhin wird Polyethen auch für Lebensmittelgefäße (Plastedosen)
und Verpackungen aller Art verwendet. Die Verwendung von Polyethylen für Wegwerf-Artikel
und Verpackungen ist ökologisch sehr bedenklich. Durch natürliche Prozesse dauert es
Jahrzehnte bis Jahrhunderte, bis das Material auf Halden abgebaut wird.
Der Reaktionstyp für die oben besprochene Reaktion ist hier ebenfalls eine Addition. Da diese vielfach hintereinander abläuft, spricht man auch von Polyaddition oder weil die Doppelbindungen aufgespalten und zu Einfachbindungen gewandelt werden, auch von Polymerisation. Im Allgemeinen entstehen bei Polymerisations-Reaktione sehr große Moleküle, die
auch Makro-Moleküle genannt werden.
Ein weiteres Polymerisations-Produkt ist das Polypropylen (Polypropen). Es wird aus Propen
hergestellt.
In Molekülen mit konjugierten Doppel-Bindungen – z.B. bei Buta-1,3-dien – kommt es bei der
einfachen / ersten Bromierung (elektrophile Addition von Brom) zu einem interessanten IsomerieEffekt. Zum Einen entsteht das erwartete 1,2-Dibrombut-3-en (ganz exakt: 3,4-Dibrombut-1-en):
H2C=CH-CH=CH2 + Br2
BrCH2-CHBr-CH=CH2
; RH = -??? kJ/mol
Desweiteren entsteht ein Produkt mit verlagerter (gewanderter) Doppel-Bindung – das 1,4Dibrom-2-en:
H2C=CH-CH=CH2 + Br2
BrCH2-CH2=CH2-CH2Br
; RH = -??? kJ/mol
Beide Produkte bilden sich ungefähr zu gleichen Anteilen – sind also energetisch gleich
stabil. Eine Erklärung dieses seltsamen Geschehens kann über die LEWIS-Formeln von konjugierten Doppel-Bindungen gegeben werden. Es sind mesomere Strukturen möglich, die
eine "temporäre" Doppel-Bindung zwischen den beiden ursprünglichen Doppel-Bindungen
stabilisiert:
H
H
\
/
⊕C - C
H
/
\\
/
H
C – C|⊖
/
\
H
H
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
H
H
/
\
C = C
/
H
H
\
/
C = C
/
\
H
H
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H
H
\
/
⊖|C - C
H
/
\\
/
H
C – C⊕
/
\
H
H
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Mechanismus der nucleophilen Addition
Definition(en): Nucleophil
Ein Nucleophil ist ein Atom oder eine Atom-Gruppe, die sich durch einen ElektronenÜberschuss auszeichnet und deshalb besonders Kern-liebend (= nucleophil; Kernfreundlich) ist.
Der Reaktions-Partner eines Nucleophil ist immer ein Elektrophils (Elektronen-liebender Partner).
Nucleophile sind vollständig oder teilweise negativ geladene Atome oder Atom-Gruppen.
Nucleophile sind negativ geladene (Ionen) oder negativ polarisierbare Atome oder AtomGruppen, die mit freien Elektronen-Päarchen positivierte C-Atome angreifen.
Das angreifende Teilchen (Nucleophil) stellt ein Elektronen-Päarchen für eine neue Bindung (zum angegriffenen
/ meist größeren od. unbeweglicheren Teilchen) zur Verfügung
Definition(en): nucleophile Addition, AN-Reaktion
Nucleophile Additions-Reaktionen sind die Additionen, bei denen eine Kern-liebende Substanz / Atom-Gruppe / Elektronen-reiche Gruppe (Anion, Elektronenpaar-Donatoren, LEWIS-Säuren)
in eine Verbindung mit einer oder mehrerer Mehrfach-Bindungen aufgenommen wird.
Mindestens eine der Mehrfachbindungen wird dadurch vereinfacht (auch von Dreifach- zu Zweifach-Bindung).
Nucleophile Additionen sind chemische Reaktionen, bei denen Stoffen mit MehrfachBindungen Elektronen-reiche Agenzien (Anionen, Elektronenpaar-Donatoren, LEWIS-Säuren) unter
Auflösung der Mehrfach-Bindung aufnehmen.
z.B. Anlagerung von Wasser an Alkenen im (stark) saurem Milieu
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(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Reaktions-Verhalten innerhalb der homologen Reihe
Auch innerhalb der Alkene hat die CohlenstoffAtom-Anzahl einen Einfluß auf das ReaktionsGeschehen. Mit steigender Kettenlänge wird
quasi die Doppel-Bindung immer seltener im
Molekül. Immer weniger Zusammenstöße können zu einer Addition führen (grüne Pfeile in
der nebenstehenden Abb.). Die nicht-wirksamen
Zusammenstöße (pink) nehmen immer mehr
zu. Unter Additions-Bedingungen kommt es hier
zu keiner Reaktion.
Die Reaktions-spezifischen Zusammenstöße
sind zudem schon dadurch beschränkt, dass
eine
sehr
gerichtete
Annäherung
des
elektrophilen Reaktions-Partners an die – immer
seltener werdende – Doppel-Bindung erfolgen
muß.
Unter geeigneten Bedingungen (z.B. Strahlung)
sind bei kurz- und längerkettigen Alkenen (ab
C3) aber auch Substitutionen möglich. Vom statistischen (kinetischen) Standpunkt steigt die
Chance für Substitutionen mit der Kettengröße
stark an. Im Allgemeinen findet die Reaktion
aber an dem C-Atom statt, dass der Doppelbindung direkt benachbart ist (Allyl-Stellung, AllylPosition). Dies ist aber thermodynamisch bedingt. Hier ist das C-Atom besonders "empfindlich" für einen radikalischen Angriff.
Nachbar-Gruppen-Effekte
Induktions-Effekte (I-Effekt)
+I-Effekt durch Alkyl-Gruppen, drücken Elektronen in benachbarte Molekül-Teile, das
Carbenium-Ion wird dadurch schwächer (ev. nur noch partiell geladen) und stabilisiert sich
so besser; Erhöhung der Elektronen-Dichte am substituierten C-Atom (das angebundene
Atom hat eine geringere Elektronegativität)
Reaktionen werden auch beschleunigt, da dasCarbenium-Ion eindeutiger positioniert ist und
damit mesomere Effekte (Wanderung der Ladung auch von den Doppen-Bindungs-Atomen
weg) geringer ausfallen
mit steigender Alkyl-Rest-Anzahl / steigendem +I-Effekt(en) wird die elektrophile Addition
umso besser möglich, tertiäre Carbenium-Ionen sind stärker als sekundäre und diese ebenfalls stärker als primäre stabilisiert
-I-Effekt
Verringerung der Elektronen-Dichte am substituierten C-Atom (das angebundene Atom hat
eine größere Elektronegativität)
daraus folgt auch eine Verringerung der Reaktivität bzw. Reaktions-Geschwindigkeit
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(c,p) 2009-2015 lsp: dre
+I-Effekt
-I-Effekt
ReaktionsGeschwindigkeit
H3C
CH3
\
/
C = C
/
\
H3C
CH3
H
CH3
\
/
C = C
/
\
H
H
H
H
\
/
C = C
/
\
H
H
H
Cl
\
/
C = C
/
\
H
H
H
Cl
\
/
C = C
/
\
Cl
H
Mesomerer Effekt (M-Effekt)
-M-Effekt wenn der Substituent Elektronen aufnehmen kann
+M-Effekt wenn der Substituent Elektronen abgegeben kann
(+ … bewirkt Erhöhung der Elektronen-Dichte am Zentrum; - … bewirkt Senkung der Elektronen-Dichte am Zentrum)
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(c,p) 2009-2015 lsp: dre
MARKOVNIKOV-Regel
Die elektrophile Addition von unsymmetrischen Reagenzien (Stoffen) an unsymmetrischen
Alkenen bildet vorrangig solche Isomere, bei denen der elektrophile Teil der Reagenz an
dem dem Doppel-Bindungs-Cohlenstoff-Atom bindet, welches den längeren Alkyl-Rest / den
Rest mit mehr Wasserstoff-Atomen enthält.
Alkyl-Reste oder andere Gruppen mit einem +I-Effekt stabilisieren die positive Ladung des
Carbenium-Ions.
Sind die +I-Effekte der Substituenten an beiden Seiten der Doppel-Bindung ausreichend unterschiedlich, dann kommt es zur Bildung nur eines Produktes. Je ähnlicher die +I-Effekte
sind, umso gleichmäßiger ist das Isomeren-Gemisch.
besonders einfach auch die Addition bei konjugierten Doppel-Bindungen
im Vergleich der Hydrierung von 1,3-Butadien und 1,4-Pentadien liegt die Hydrierwärme im
konjugierten Fall (Butadien) um 8 kJ/mol niedriger als im quasi isolierten Fall (Pentadien)
H2C=CH-CH=CH2
+ 2 H2
H3C-CH2-CH2-CH3
; RH = -239 kJ/mol
H3C- CH2-CH2-CH2-CH3 ; RH = -231 kJ/mol
H2C=CH-CH2-CH=CH2 + 2 H2
beim Vergleich der Hydrierung von 1,3.Pentadien und 1,4-Pentadien:
H3C- CH2-CH2-CH2-CH3 ; RH = -??? kJ/mol
H2C=CH-CH=CH-CH3 + 2 H2
H3C- CH2-CH2-CH2-CH3 ; RH = -231 kJ/mol
H2C=CH-CH2-CH=CH2 + 2 H2
??? Reaktionsgeschwindigkeit bei längeren Ketten
besondere Reaktionsfähigkeit allylständiger C-Atome z.B. radikalische Oxidation über Peroxid-Bildung  Europa-Buch S. 64 bzw. EL-Skript (Fette, chem. E.)
nur induktiv
induktiv
und
mesomer
Formel
-[NR3]
-CF3
-CN
-CO-R
-CO-X
-NO2
-SO2R
-I-Effekt
Name
Formel
-CR3
-SiR3
-[CO2]
-I + -M
Cyanid
Keton
Carbonat, Carbonsäure
+I + +M
-O
Nitro-
-I < +M
-NR2
-F
-OR
Ether
-Cl
-NHCOR
-Br
-SR
-I
-Ph
Phosphat
!!! Reihenfolgen / Abstufungen nicht geprüft oder beachtet!
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+I-Effekt
Name
- 87 -
-I > +M
Fluorid
Chlorid
Bromid
Iodid
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Br2
2 Br
CH3 – CH2 – CH2 + Cl
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
CH3 – CH2 – CH2Cl
- 88 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Aufgaben:
1. Die nachfolgenden Reaktions-Gleichungen mit Darstellung der Polaritäten
sind irgendwie durcheinander gekommen. Ordnen Sie diese logisch hintereinander an und erläutern Sie die ablaufenden Vorgänge und Mechanismen!
A)
B)
C)
D)
E)
F)
G)
2. Geben Sie für die folgenden Reaktionen des Ethens die chemischen Gleichungen an! Bestimmen Sie die Reaktions-Typen und begründen Sie Ihre
Wahl!
a) vollständige und unvollständige Verbrennung
b) Hydrierung und Dehydrierung
c) Reaktion mit Chlor
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- 89 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
für die gehobene Anspruchsebene:
x. Stellen Sie mindestens drei Reaktionsgleichungen auf, in denen n-Dec-3-en
pyrolysiert wird!
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- 90 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
2.2.1.3. Eigenschaften und Verwendung wichtiger Alkene
2.2.1.3.1. Ethen
Hormon für viele Pflanzen, spielt große Rolle bei Fruchtreife
Begasung von grünen Bananen (Transportform) kurz vor Umschlag oder Auslieferung
Industrie-Rohstoff für Plaste / Elaste (Polyethen (Polyethylen)
2.2.1.3.2. Lycopen
Lycopen (Tomate)
Q: www.3dchem.com
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 91 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
2.2.2. Alkine
Kohlenwasserstoffe mit einer Dreifach-Bindung (Alkine) spielen in Biologie und Ernährungslehre eher eine untergeordnete Rolle. Da wir aber auch ab und zu auf so eine Bindung treffen, wollen wir die Alkine – auch wegen der Vollständigkeit - hier ganz kurz behandeln.
Definition(en): Alkine
Alkine sind Cohlenwasserstoffe, die zwischen den Cohlenstoff-Atomen außer den üblichen
Einfach-Bindungen über (mindestens) eine Dreifach-Bindung verfügen.
Alkine sind Cohlenwasserstoffe, die sich erst durch eine doppelte Hydrierung an einer C-CBindung sättigen lassen.
2.2.2.1. Bau, Struktur und Benennung der Alkine
Die Dreifachbindung basiert auf sp-hybridisierten C-Atomen, die quasi eine -Bindung
("normale Einfachbindung") und zwei -Bindungen zwischen sich aufrechterhalten.
Orbital

p


Energiezufuhr



Hybridisierung

s

Normal-Zustand
Energieabgabe

angeregter Zustand


De-Hybridisierung
sp-hybridisierter
Zustand
Das Ergebnis ist eine lineare Struktur, die nur jeweils eine Bindungsmöglichkeit zu einem
anderen Atom zuläßt.
Die beiden "Bananen-Bindungen" liegen um 90 ° gedreht – senkrecht aufeinander - um die
-Bindung.
Alkine besitzten die allgemeine Formel CnH2n-2. Die Endung an den Stammnamen ist das –
in.
Der wichtigste Vertreter ist das Ethin (Äthin, Azetylen), dass bei der Reaktion von
Calciumcarbid und Wasser entsteht.
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CaC2 + 2 H2O
HC  CH  + Ca(OH)2
; RH = -146 kJ / mol
Ethin wird vorrangig als Synthese-Gas (80 %) und als Brennstoff verwendet. In kleinen
Schmieden und Schweißereien stehen kleine Gasentwickler, in deren Druckkörper vorsichtig
festes Carbid in Wasser getaucht wird. Das gebildete Gas wird zum Schweißen (AzetylenSchweißen) verwendet. Eine andere Verwendung sind die Karbid-Lampen, die Bergleute
früher mit in die Stollen genommen haben. Bis in die 50er Jahre des letzten Jahrhunderts
wurde Ethin im Gemisch mit 60 % Sauerstoff als Narkosegas (Handelsname: Narcylen) verwendet.
Heute wird das Gas auch in Stahlflaschen angeliefert.
Bindungs-Enthalpie einer C-C-Dreifach-Bindung mit 840 kJ/mol ist geringer als das Dreifache einer C-C-Einfach-Bindung (3x 348 kJ/mol = 1'044 kJ/mol)
Aufgaben:
1. Geben Sie für Pentin alle Struktur-Isomere an! Benennen Sie die einzelnen
Strukturen!
2.
3.
für die gehobene Anspruchsebene:
4. Bestimmen Sie die Hybridisierungen für alle C-Atome in Hexa-3,4-dien-1in!
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2.2.2.2. Eigenschaften der Alkine
Die Alkine unterscheiden sich in ihren Eigenschaften nicht so sehr von den Alkenen.
Anzahl
C-A.
Name
Summenformel
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
Ethin
Propin
But-1-in
Pent-1-in
Hexin
Heptin
Octin
Nonin
Decin
Undecin
Dodecin
Tridecin
Tetradecin
Pentadecin
Hexadecin
Heptadecin
Octadecin
C2H4
C3H6
C4H8
C5H10
C6H12
C7H14
C8H16
C9H18
C10H20
C11H22
C12H24
C13H26
C14H28
C15H30
C16H34
C17H34
C18H36
20
Eicosin
C20H40
60
Hexacontin
C60H120
Fp
[°C]
-81
-103
-126
-106
Kp
[°C]
*
-23
+8
+40
Aggregatzustand
gasförmig
gasförmig
gasförmig
flüssig
Geruch
schw. süßl.
+) im Vakuum bei 20 mbar;  bei Normaldruck vorher zersetzlich
* … sublimiert
Ethin löst sich Wasser, Dreifach-Bindung ist lokal sehr Elektronen-reich und damit ist das
Molekül polar
will man Ethin bei der Darstellung pneumatisch auffangen, dann verwendet man eine gesättigte Kochsalz-Lösung als Sperr-Flüssigkeit, in dieser löst sich deutlich weniger Ethin als im
reinen Wasser
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2.2.2.2.1. chemische Eigenschaften – Reaktionen der Alkine
Im Prinzip kommt es bei Alkinen nur zu elektrophilen Additionen. So führt z.B. die Hydrierung
(Addition von Wasserstoff) zu Alkenen:
HC  CH + H2
H2C = CH2
Mit Halogenen oder Halogenwasserstoff reagieren Alkine direkt durch zu Halogen-Alkanen,
da auch die zwischenzeitlich erhaltene Doppelbindung ebenfalls nucleophil ist und somit einen elektrophilen Angriff offen gegenüber steht:
HC  CH + 2 HCl
H2C = CHCl + HCl
ClH2C – CH2Cl
HC  CH + 2 Cl2
ClHC = CHCl + Cl2
Cl2HC – CHCl2
Bei der Verbrennung von gasförmigen Alkinen treten unter guter Frischluft- oder SauerstoffZufuhr sehr heiße Flammen (bis 3200 °C) auf:
HC  CH + 2½ O2
2 CO2 + H2O
;RH = - kJ / mol
Die Verbrennung entspricht einer vollständigen Oxidation. Dies ist praktisch auch eine Redoxreaktion – also eine Reaktion mit Elektronen-Übergang.
Bei organischen Stoffen kommen neben den üblichen Regeln für die Festlegung einer Oxidationszahl (Abk.: OZ) noch eine spezielle Regel dazu. Zur Berechnung der einzelnen Oxidationszahlen werden immer die C-Atome einzeln betrachtet. Die Summe muss 0 bzw. die
Ladung eines ev. Ion's ergeben. Insgesamt gelten die Regeln in ihrer Reihenfolge.
+1-1
-1+1
0
+4-2
H C  C H + 2½ O2
+1 -2
2 C O2 + H2 O
Für Wasserstoff ändert sich in unserem Beispiel keine OZ. Damit fällt aus weiteren Betrachtungen heraus.
Der Cohlenstoff hatte im Ethin die OZ -1 und im Cohlendioxid die +4. Wären diese C-Atome
nun Ionen – wie es das Oxidationszahlen-Modell annimmt, dann müsste das Cohlenstoff
insgesamt 5 Elektronen abgeben haben. Die Elektronenabgabe entspricht der Oxidation –
einer der Teilreaktionen bei einer Redoxreaktion.
Da für Sauerstoff eine Veränderung von 0 zu -2 zu verzeichnen ist, können wir hier die
Reduktion (Elektronen-Aufnahme) zuordnen:
Nun muss noch die Stöchiometrie mit beachtet werden: für einmal Ethin mit zwei C-Atomen
kommt es also zur Abgabe von insgesamt 10 Elektronen.
|
HC CH
2 CO2 + 10 e-
|
Elektronenabgabe
Oxidation
Genau 10 Elektronen werden auch gebraucht, um insgesamt fünf Sauerstoff-Atome (aus 2½
Sauerstoff-Molekülen) mit jeweils zwei Elektronen zu versorgen. Hierfür lässt sich auch eine
Teilgleichung aufstellen:
2½ O2 + 10 e-
10 O2-
Elektronenaufnahme
Reduktion
Neben der vollständigen gibt es auch die teilweise oder unvollständige Oxidation. Hier reagiert der Stoff selten direkt mit Sauerstoff. Vielmehr wird der Sauerstoff aus irgendwelchen
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Verbindungen genutzt. Sachlich können aber auch nur Redoxreaktionen gemeint sein, wenn
von einer (unvollständigen) Oxidation die Rede ist.
Ein gutes Beispiel für eine Redoxreaktion ist die Reaktion von Mehrfachbindungen mit
BAEYER's Reagenz.
Nachweis von Mehrfachbindungen mittels BAEYERscher Probe / BAEYERschem Test:
In der Test-Lösung (BAEYERs Reagenz; BAEYER-Reagenz) ist neben Kaliumpermanganat
(K2MnO4) noch Natriumcarbonat (Na2CO3) in wässriger Lösung enthalten. Bei Anwesenheit
von Mehrfachbindungen kommt es zur Ausfällung von Braunstein (Mn2O).
|
H3C – COO- + K+ + Mn2O 
Acetat-Ion
(braun)
HC  CH + K2MnO4 + H2O
(violett)
|
(Säurerest-Ion der Essigsäure)
Bei Doppelbindungen führt die Oxidation nur bis zum Diol (zweiwertiger Alkohol):
|
HO– H2C – CH2 –OH + K+ + Mn2O
Ethandiol
H2C = CH2 + K2MnO4 + H2O
|
Mittels einer geeichten Lösungen (Maß-Lösung) und einer eingemessenen (Masse od. Volumen) Probe kann auch eine quantitative Bestimmung erfolgen. Dazu muss der Verbrauch
an BAEYERs Reagenz bis zur ausbleibenden Verfärbung (des Kaliumpermanganates) genau
verfolgt werden.
Natriumcarbonat hat in diesem Test Puffer-Funktion. D.h. es hält den pH-Wert relativ konstant. Führt man die BAEYERsche Probe im sauren Milieu durch, dann kommt es nur zur Entfärbung des Kaliumpermanganates.
|
HC  CH + K2MnO4 + H+ + H2O
H3C – COO- + K+ + Mn2+ |
(farblos)
Zum Untersuchung wasserunlöslicher Proben wird eine alkoholische KaliumpermanganatLösung verwendet.
Wenn man Ethin durch eine ammoniakalische Silbernitrat-Lösung leitet, dann fallen in der
Lösung weiße Kristalle von Silberacid (Silberacetylid) aus:
Ag2C2  + 2 NH4+
2 [Ag(NH3)2]+ + H-CC-H
Die Kristalle bestehen aus Silber-Ionen und Acetylid-Ionen (C22-). Im getrockneten Zustand
reagieren die Kristalle bei Schlag oder Erwärmung explosiv (Spreng-Silber).
Aufgabe für die gehobene Anspruchsebene:
1. Um welche Art von chemische Reaktion (Säure-Base- oder RedoxReaktion) handelt es sich bei der Reaktion von Ethin mit ammoniakischer
Silbernitrat-Lösung? Begründen Sie Ihre Meinung!
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2.2.2.3. Eigenschaften und Verwendung wichtiger Alkine
2.2.2.3.1. Ethin
Azethylen, Acethylen
brennbar
mit Luft explosive Gasgemische
mit reinem Sauerstoff können sehr heiße, wenig rußende Flammen erzeugt werden 
Schweißbrenner; Temperaturen bis zu 3.000 °C möglich
Rohstoff für Plaste (PVC, Polystyren (Polystyrol), Plexiglas, Kunstkautschuk, …)
zur Vermeidung von möglichen Explosionen und der steigenden Selbstzersetzung wird reines Ethin mit max. 15 bar in Stahl-Flaschen abgefüllt
verwendet man in den Flaschen Aceton als Lösungsmittel, dann wird so viel Ethin in den
Flaschen untergebracht, wie in einer theoretisch mit 200 bar gefüllten Druck-Flasche
Ethin ist auch deshalb von herausragender Bedeutung, weil es sich aus Stoffen produzieren
lässt, die nicht organischer Herkunft sind, damit wird und ist eine organische Chemie auch
für Länder ohne Erdöl möglich
z.T. auch schon gut großtechnisch realisiert, z.B. im Dritten Reich, da Deutschland und später nach dem II. Weltkrieg auch die DDR mit wenig Erdöl auskommen mussten
Herstellung von Calciumcarbid: aus Löschkalk und Koks im Lichtbogen-Ofen
CaC2 + CO 
CaO + 3 C
Herstellung von Ethin
C2H2  + Ca(OH)2
CaC2 + H2O
so hergestelltes Ethin riecht wegen diverser Nebenprodukte (versch. Phosphine) Knoblauchartig
in einem sehr neuen Verfahren (2010) geht man von einem Koks-Kunststoffabfall-Gemisch
als C-Quelle aus, damit Recycling von Kunststoff-Abfällen möglich und damit Wiedereinbringung in die organische Chemie und nicht nur Nutzung als Energie-Quelle (Verbrennung)
Bindung
C–C
C=C
C≡C
Hybridisierung
3
sp
2
sp
sp
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BindungsLänge [pm]
154
135
120
Bindungs-Energie
[kJ / mol]
348
614
839
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BindungsWinkel [°]
109,47
120
180
Molekül-Geometrie
tetraedrisch
trigonal-planar
linear
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Exkurs: Festlegung von Oxidationszahlen
Die Oxidationszahl (Abk. OZ) ist ein Modell der Chemie, dass fiktiv davon ausgeht, dass jeder Stoff (außer Elementen) aus Ionen aufgebaut ist. Die Oxidationzahl entspricht der fiktiven Ladung dieser Ionen.
Oxidationszahlen werden als arabische Ziffern mit vorrangestellten Ladungssinn aufgeschrieben. Für Null wird zusätzlich die Kennung plus-mins () angegeben. (In älterer Literatur findet man auch römische Zahlen.)
Die nachfolgenden Regeln zur Bildung / Berechnung von Oxidationszahlen müssen im
Zweifelsfall in der angegebenen Reihenfolge beachtet werden. Die obersten Regeln haben
die höchste Priorität.
Haupt-Regeln:
1. Elemente bzw. Atome im elementaren Zustand (z.B. O2, P4, S8) erhalten die OZ: 0
2. einatomige Ionen erhalten immer die Ionenladung als OZ
3. die Summe der Oxidationszahlen muss bei zusammengesetzten Ionen oder Molekülen
die Ladung des Teilchens ergeben
4. bei Formeln, die wegen des kovalenten Charakters der Bindungen mit Valenzstrichen geschrieben werden, sollen die einzelnen Bindungen den Atomen entprechend der Elektronegativität verteilt werden, so dass formal Ionen entstehen
Hilfs-Regeln:
1. Fluor (in Verbindungen) erhält stets die OZ: -1
2. Wasserstoff erhält (in Verbindungen) normalerweise die OZ: +1
(Ausnahme: in Metallhydriden: -1)
3. Sauerstoff erhält (in Verbindungen) normalerweise die OZ: -2
(Ausnahmen: in Peroxiden: -1; bei Fluor-Sauersoff-Verbindungen: +2; in Hyperoxiden: -½ )
4. alle Metalle, Bor und Silicium erhalten in Verbindungen positive Oxidationszahlen, die
zahlenmäßig dem Wert des Ion's entspricht
5. in organischen verbindungen wird jedes C-Atom mit seinen Substituenten (außer C) separat betrachtet
6. die OZ kann maximal den Zahlenwert der Haupt- od. Nebengruppen-Nummer des Elementes ergeben
Definition(en): Oxidations-Zahl
Die Oxidationszahl beschreibt modellhaft die Ladung eines Atoms in einem Molekül oder einer Bau-Einheit,
wenn man annimmt, das Molekül bzw. die Bau-Einheit wäre aus Ionen aufgebaut.
Die Oxidationszahl ist die formale Ladung, die ein Atom innerhalb einer Verbindung
ordnung entsprechend der Elektronegativität) haben würde.
(unter Beachtung der Ladungszu-
Definition(en): Oxidation (im Sinne der Redox-Reaktion)
Eine Oxidation ist eine chemische Reaktion bei der ein Atom (aus einer Verbindung oder eines Elementes)
Elektronen aufnimmt.
Die Oxidation ist die Teilreaktion einer Redox-Reaktion, bei der sich die Oxidations-Zahl eines Atoms erhöht.
Definition(en):Reduktion (im Sinne der Redox-Reaktion)
Eine Reduktion ist eine chemische Reaktion bei der ein Atom (aus einer Verbindung oder eines Elementes)
Elektronen abgibt.
Die Reduktion ist die Teilreaktion einer Redox-Reaktion, bei der sich die Oxidations-Zahl eines Atoms erniedrigt.
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Definition(en): Redox-Reaktion
Eine Redox-Reaktion ist eine chemische Reaktion bei der Elektronen von einem Element auf ein anderes Element übertragen werden.
Redox-Reaktionen sind (chemische) Reaktionen mit einem Elektronen-Übergang.
Redox-Reaktionen sind chemische Reaktionen, bei denen die Teilreaktionen Oxidation und Reduktion gemeinsam ablaufen.
Redox-Reaktionen sind chemische Reaktionen mit zwei entgegengesetzten Veränderungen der Oxidationszahlen (eines oder mehrerer Atome).
.
Definition(en): korrespondierendes / konjugiertes Redox-Paar / Redox-System
Ein korrespondierendes (auch: konjugiertes) Redox-Paar sind ein Reduktions-Mittel und eine Oxidations-Mittel,
die durch einen Elektronen-Übergang ineinander übergehen.
Das Reduktions-Mittel wird durch Elektronen-Abgabe zum Oxidations-Mittel. Ein Oxidations-Mittel wird durch Elektronen-Aufnahme zum Reduktions-Mittel.
Ein korrespondierendes Redox-Paar sind zwei Stoffe, die sich durch Elektronen-Übergang ineinander umwandeln können.
Definition(en): Oxidations-Mittel
Ein Oxidations-Mittel ist ein Stoff (Atom oder Atom-Gruppe), der bei Elektronen aufnimmt.
Das Oxidations-Mittel ist der Stoff, der in einer Redox-Reaktion (selbst) reduziert wird.
Ein Oxidations-Mittel bewirkt bei einem anderen Stoff die Elektronen-Abgabe.
Das Oxidationsmittel ist der Stoff, dessen Oxidationszahl während der Reaktion kleiner wird.
Definition(en): Reduktions-Mittel
Ein Reduktions-Mittel ist ein Stoff (Atom oder Atom-Gruppe), der bei Elektronen abgibt.
Das Reduktions-Mittel ist der Stoff, der in einer Redox-Reaktion (selbst) oxidiert wird.
Ein Reduktions-Mittel bewirkt bei einem anderen Stoff die Elektronen-Aufnahme.
Das Reduktionsmittel ist der Stoff, dessen Oxidationszahl während der Reaktion größer wird.
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Aufgaben:
1. Bestimmen Sie die Oxidationszahlen in den folgenden Stoffen für jede
Atom-Art!
Al O2 MgO AlCl3
C CH4 H3C-CH2OH
(CH3-CH2-COO)2Mg
-
-
-
-
-
Na+ Br
OH
H3O+ SO32
NO2
HCO3
H2O2
H3C-COOH H3C-CH2-CH=CH-CH2-CHO Cl2CH-CH2Br
2. Stellen Sie die chemische Gleichung für die Verbrennung von Schwefel zu
Schwefeldioxid auf! Prüfen Sie, ob es sich um eine Oxidation im Sinne einer
Redox-Reaktion handelt! Begründen Sie Ihre Meinung!
3. Stellen Sie die Reaktionsgleichung für die Reaktion von mit Wasserstoff auf!
Prüfen Sie, ob es sich um eine Reduktion im Sinne einer Redox-Reaktion
handelt! Begründen Sie Ihre Meinung!
4. Prüfen Sie, ob die vollständige und die teilweise Verbrennung (Oxydation)
von Cohlenstoff (Ruß) Oxidationen im Sinne der Redox-Reaktionen sind!
5. Die nachfolgende Reaktion soll eine Redox-Reaktion sein, stimmt das? Begründen Sie Ihre Meinung!
Reaktion von Ethin mit Brom
6. Prüfen Sie, ob die folgenden (typisch organischen) Reaktionen auch als
Redox-Reaktionen gefasst werden können!
7.
a) Propan mit Chlor zu 1-Chlorpropan und Chlorwasserstoff
b) Ethen mit Wasserstoff
c) katalytische Addition von Wasser an Ethen
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2.2.3. Aromaten - Arene
Ursprünglich wurde der Begriff Aromat für aus Pflanzen gewonnene organische Stoffe mit
"aromatischen" Geruch benutzt. In Mitte des 19. Jahrhunderts meinte man dann immer mehr
die Stoffe aus dem Steinkohle-Teer, die sich ebenfalls durch besondere "aromatische" Gerüche auszeichneten. Jetzt waren es nicht mehr ätherische Gerüche, sondern eher Benzinähnliche, die man hierunter verstand. Im 20. Jahrhundert kamen dann – mit der verstärkten
Erdöl-Destillation – weitere Stoffe dazu, die aus dem Teer und verschiedenen Rückständen
(z.B. Bitumen) extrahiert wurden.
Heute sind mit Aromaten Stoffe gemeint, die sich vom Benzen ableiten. Dazu gehören auch
seine Derivate und viele der sogenannten Heterozyklen ( 3.2.8. sauerstoffhaltige
Heterocyclen + 3.3.3. stickstoffhaltige Heterocyclen).
Definition(en): Arene / Aromaten
Arene / Aromaten sind zyklische Cohlenwasserstoffe, die sich durch abweichendes chemisches Verhalten von üblichen Alkenen unterscheiden.
2.2.3.1. Bau, Struktur und Benennung der Aromaten
Bleiben wir erst aber einmal beim Benzen (veralt.: Benzol). Hieran lassen sich die wesentlichen
Struktur- und Verhaltens-Merkmale am Einfachsten erläutern. Der alte Name Benzol leitete
sich wohl aus dem arabischen "luban dschawi" für "Weihrauch aus Java" ab.
Benzen wurde erstmals von Michael FARADAY (1791 – 1867) im Jahre 1825 isoliert und
"Benzin" genannt. Als Rohstoff verwendete Leuchtgas, welches er durch Erhitzen von WalÖl erhielt. Er ordnete die intensiv riechende Substanz den "aromatischen Verbindungen" zu.
FARADAY beschrieb auch schon das auffällige C-H-Verhältnis von 1:1. Mit seiner Summenformel C6H6 entspricht es einem cyclischen Trien. In den chemischen Eigenschaften müsste
es sich also weitgehend wie ein kettenförmiges Trien verhalten. Praktisch weichen aber die
meisten Eigenschaften deutlich von diesem ab. Z.B. kommt es nicht zur Addition von Bromwasserstoff.
Den lange gültigen Namen "Benzol" erhielt die Verbindung 1834 von Justus VON LIEBIG.
Für die Summenformel C6H6 sind über 200 verschiedene Struktur-Möglichkeiten (Isomere)
denkbar.
Aufgabe:
Wieviele theoretisch mögliche Strukturen für die Summen-Formel C6H6 finden
Sie? Zeichnen Sie diese in einfachen Gitterstruktur-Formeln!
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Zuerst erkannte man dann die Ringstruktur des Moleküls. Als nächstes sagte Friedrich August KEKULÉ V. STRADONITZ (1829 – 1896) (kurz: KEKULÉ) voraus, dass es sich bei Benzen
wohl um ein ebenes Molekül handeln müsse. Dies wurde später auch durch RÖNTGENStrukturanalysen bestätigt.
KEKULÉ beschrieb 1865 zwei mesomere Strukturen (Angeblich sind ihm die Formeln im Traum erschienen.)
KEKULÉ-Formel
für Benzen
Mesomere (Grenz-)Strukturen stellen die Strukturen als Struktur-Formeln so dar, wie sie u.U.
mit allen Einfach- und Mehrfach-Bindungen aussehen könnten. Dies spielt besonders dann
eine Rolle, wenn durch Messungen ermittelt wurde, dass es so ausgeprägte Bindungen in
der Praxis scheinbar garnicht gibt. Die beiden Strukturen von KEKULÉ sind genau so ein Fall.
Beide Strukturen sind so vorstellbar (Theorie), in der Realität (Praxis) liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen. Da zwischen den beiden dargestellten mesomeren Grenz-Zuständen
keine chemische Reaktion abläuft, verwenden die Chemiker den Doppel-Pfeil (MesomeriePfeil) zur Darstellung der fließenden Übergänge.
Definition(en): Mesomerie
Mesomerie ist ein Sonderfall der Isomerie, bei dem die reelen Bindungs-Verhältnisse in
Stoffen nicht durch eine einzelne Struktur-Formel, sondern nur durch mehrere – teilweise
oder zeitweilig zutreffende – dargestellt werden.
(Zur Kennzeichnung der Übergänge zwischen verschiedenen Grenz-Zutänden wird der Mesomerie-Pfeil
benutzt.)
Mesomerie ist die Isomerie, welche die Strukturen von Molekülen durch mehrere denkbare /
theoretische Strukturen beschreibt. Zwischen diesen (Grenz-)Strukturen finden Bindungsbzw. Elektronen-Verschiebungen statt.
Existieren zu einer Struktur-Formel mit einer oder mehrerer Mehrfach-Bindungen verschiedene denkbare Anordnungen der Bindungen / Bindungs-Elektronen, spricht man von
Mesomerie.
Eigentlich müssten auch die Bindungsabstände immer
alternieren. Die Benzen-Struktur müsste also ein ungleichseitiges Sechseck bilden. Bei Messungen wurden
sie aber als gleichgroß (gleichseitiges Sechseck) ermittelt. Der Bindungsabstand (139 pm) liegt zwischen Einfach- (154 pm) und Doppelbindung (134 pm). Bei der
vollständigen Hydrierung stimmen die praktisch gemessenen Energiedifferenzen nicht mit den theoretischen
Vorhersagen (Standardberechnungen) überein (Hydrierwärme nur knapp doppelt so hoch, wie für eine Doppelbindung (hätte
aber rund 3x so groß sein müssen)! ).
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theoretische Bindungs-Abstände
in Benzen
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Die Mesomerie-Energie eines
Aromaten, wie des Benzens
lässt sich aus dem Vergleich
des tatsächlichen (- in der
Praxis gemessenen -) Energie-Zustandes und dessen
Berechnung bestimmen. Bei
der Berechnung geht man einfach von "normalen" DoppelBindungen aus, die im Falle
eines aromaten eben mit Einfach-Bindungen im Ring alternieren.
Definition(en): Mesomerie-Energie
Die Mesomerie-Energie ist die Energie-Differenz, die sich zwischen dem theoretischen und
dem tatsächlichen Energie-Zustand einer Verbindung mit Mehrfachbindungen ergibt.
Zwar konnte diese Formel einige Besonderheiten des
Benzen's erklären, aber einige chemische Eigenschaften
stimmen nicht mit den Erwartungen aus den Formeln
überein:
So fehlen Isomere, wenn man an benachbarten Positionen substituiert. Wird z.B. zwei-mal mit Brom substituiert,
was bei Benzen seltsamerweise besser funktioniert, als
unterschiedliche Produkte
die eigentlich erwartete Addition an den Doppelbei Substitution
Bindungen, dann müsste man mehrere verschiedene Proan benachbarten C-Atomen
dukte erhalten.
Weiterhin reagiert Benzen schwerer mit Brom (theor. sollte es Addition sein). Praktisch handelt es sich um eine Substition. Mit Bromwasserstoff reagiert Benzen überhaupt nicht.
1867 versuchte James DEWAR (1842 – 1923) mit seinem Vorschlag einige ungeklärte Probleme zu lösen. Für einen sechseckigen Ring gab er drei
mesomere Formeln an. Die von ihm vorgeschlagene Substanz konnte erst
1962 wirklich hergestellt werden und ist ein vom Benzen abweichender Stoff.
DEWAR zu Ehre wurde der Stoff DEWAR-Benzen genannt.
THIELE schlug 1899 eine Auflösung der Doppelbindungen vor und verteilte die
freien Bindungen gleichmäßig auf den Sechseck-Körper. Die von THIELE vorgeschlagene Partialvalenz-Formel war der entscheidende weiterführende
Schritt zur Aufklärung der Verhältnisse im Benzen-Molekül.
Die Elektronen sind im regelmäßigen C-Sechseck scheinbar gleichmäßig verteilt. Durch spezielle Untersuchungen und Messungen konnte man die Existenz von Elektronen-Wolken
ober- und unterhalb der Ringebene nachweisen.
1925 erarbeitete der amerikanische Chemiker R. ROBINSON () dann eine völlig
neue Schreibung für den aromatischen Zustand. Die besondere ElektronenAnordnung wurde in einem – zur aufgeklärten Struktur passenden – Ring in
das Cohlenstoff-Sechseck (Cohlenstoff-6er-Ring) eingezeichnet.
Die ROBINSON-Formel ist mitlerweile eines der verbreitesten Sinnbilder für die
Chemie geworden.
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Heute wissen wir, dass die Elektronen-Wolken von den sechs delokalisierten -Elektronen
gebildet werden. Es entsteht ein Elektronen-Sextett, die den besonderen aromatischen Zustand mit allen chemischen Konsequenzen ausmachen. Die theoretisch zwischen den CAtomen alternierenden "Bananen"-Bindungen werden zu Ringen.
Allgemein versteht man unter einem aromatischen Zustand heute solche Systeme, die aus
planaren und cyclisch angeordneten, vollkonjugierten Polyenen bestehen. Sie besitzen ein
Mesomerie-stabilisiertes -Elektronen-System. Nach Erich HÜCKEL (1896 – 1980) sind solche cyclischen Polyene aromatisch, die mit 4n+2 -Elektronen ausgestattet sind
(HÜCKELsche Regel, 1931). Dabei kann n aus der Folge 1, 2, 3, … usw. stammen. Damit
ergeben sich die folgenden -Elektronen-Zahlen als ein mitbestimmendes Charakteristikum
für aromatische Strukturen:
2, 6, 10, 14, 18, 22, …
Die im Bereich der biologischen Strukturen recht häufig vorkommenden Konstellationen sind fett hervorgehoben.
Auch der unwirklich klingende
Sonderfall n=1 in der HÜCKELRegel mit zwei -Elektronen ist
wirklich bekannt (CyclopropenylKation). Dieses spielt aber im biCyclopentadienyl-Anion
ochemischen Zusammenhängen
keine Rolle.
Cyclopropenyl-Kation
Cycloheptatrienyl-Kation
Mit dem Cyclopentadienyl-Anion und dem Cycloheptatrienyl-Kation sind noch zwei weitere aromatische Ionen
bekannt. Für sie gilt "typische" 6--Elektronen-Fall. Diese beiden Ionen sind vorrangig in Reaktions-Abläufen relevant und sind hier nur zum Erläutern des Prinzipes erwähnt.
In der organischen Chemie wird neben dem aromatischen Zustand der anti-aromatische –
quasi als Gegen-Zustand – besprochen. Zu den Antiaromaten zählt man solche Stoffe, die
drei Bedingungen für Aromaten erfüllen (cyclische und planare Struktur, konjugierte Doppel-Bindungen),
aber deren -Elektronenzahl nicht der HÜCKEL-Regel entspricht. Besonders ausgeprägt soll
dies nach der HÜCKEL-Näherung für ungünstige Energie-Niveaus bei 4n -Elektronen sein.
Stoffe, die zu dieser Regel passen, sind im Allgemeinen sehr instabil. Ein Beispiel ist das
Cyclobutadien.
Bei der Vielzahl organischer Stoffe war das Finden von Ausnahmen sowohl für die
Aromatizität als auch für die Nicht-Aromatizität nur eine Frage der Zeit. Z.B. sind für das [10]Annulen keine aromatischen Eigenschaften nachgewiesen worden. Ähnliches gilt für das
[30]-Annulen. Bei ihm passt die HÜCKEL-Regel mit n=8.
In der modernen Chemie benutzt man weitere Mess-Verfahren zur Bestätigung einer
Aromatizität. So kann man im magnetischen Feld bei Aromaten einen diamagnetischen
Ringstrom messen. Auch die zusätzliche Energie-Stabilisierung (deutlich Energie-ärmer als
theoretisches Cyclohexatrien, Energievorteil rund 150 kJ / mol) wird als Kriterium für Aromaten verwendet. Der aromatische Zustand ist stabiler als theoretische konjugierte Doppelbindungen an der gleichen Stelle.
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Eine abschließende Definition ist bei der Vielzahl von Struktur-Möglichkeiten und Derivate
aber nicht möglich. In den meisten Fällen nutzt man heute spektroskopische und
magnetochemische Untersuchungen zur Charakterisierung eines Stoffes als möglichen
Aromaten.
Viele heterocyclische Verbindungen ( 3.2.8. sauerstoffhaltige Heterocyclen +  3.3.3.
stickstoffhaltige Heterocyclen) zeigen aromatische Eigenschaften.
Definition(en): Arene / Aromaten
Arene / Aromaten sind Cohlenwasserstoffe, die sich vom Benzen ableiten. Sie besitzen eine
bestimmte Anzahl -Elektronen (HÜCKEL-Regel) bzw. alternierender Doppel-Bindungen in
zyklischen Cohlenstoff-Gerüsten.
Aromaten sind Kohlenwasserstoffe oder deren Derivate, die mindestens eine Baueinheit
enthalten, die cyclisch und planar gebaut ist sowie ein -Elektronen-System mit 4n+2 Elektronen beinhaltet. (n in der HÜCKEL-Regel: 1, 2, 3, …)
Beispiele für (ein- und mehrkernige) Aromaten:
Benzen
Naphthalen
Anthracen
Phenanthracen
(Naphthalin)
Pyren
3,4-Benzpyren
Dibenzanthracen
[14]-Annulen
Biphenyl
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Neben der KEKULÉ-Schreibweise (Abb. rechts oben)
findet man sehr häufig auch Formeln in ROBINSONSchreibung. Als Beispiel ist der Stoff Anthracen dargestellt. Dabei haben sich zwei Varianten eingebürgert.
Einmal werden die aromatischen Ringe einfach einzeln
eingezeichnet (Abb. rechts mittig). Etwas realistischer ist
die Darstellung (Abb. rechts unten) aller delokalisierten
-Elektronen als ein gemeinsames "Ring"-System.
Die einfachen bzw. reinen Aromaten kann man auch als
Grundelemente für weitere aromatische Verbindungen
verstehen.
Durch Substitution eines oder mehrerer H-Atome sind
Unmengen weiterer aromatischer Subtanzen realisierbar:
Toluen, Methylbenzen
Ethylbenzen
Cumen,
Isopropylbenzen
(Toluol, Methybenzol)
(Cumol, Isopropylbenzol)
Styren
(Styrol, Vinylbenzol)
Phenol
Benzylalkohol
Acetophenon
(Phenylmethanol)
(Methyphenylketon, Hypnon)
Benzaldehyd
Benzoesäure
Anilin
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2.2.3.2. Eigenschaften der Aromaten / Arene
Allgemein sind Aromaten gut in organischen Lösungsmitteln (Alkohole, Ether, Ketone, Ester)
löslich und meist auch in jedem Verhältnis mischbar. Recht typisch ist auch eine geringe
oder fehlende Wasserlöslichkeit. Bei Benzen liegt sie unter 1%.
Sehr häufig sind die aroamtischen Stoffe auch giftig und z.T. auch krebserregend
(cacerogen). Im Umgang sollte man also immer eine besonderer Vorsicht walten lassen.
Benzen schädigt Knochenmark, Leber und Nieren; führt zur Senkung der Anzahl roter Blutkörperchen. Es ist als sehr giftig (toxisch) und gilt ebenfalls als krebserregend. Schon bei
Zimmertemperatur bilden sich leicht entzündliche Dämpfe, die bei einem günstigen Luft- oder
Sauerstoffanteil auch explosionsartig abbrennen können.
2.2.3.2.1. chemische Eigenschaften – Reaktionen der Aromaten / Arene
Betrachten werden wir hier vornehmlich Benzen. Prinzipiell lassen sich die Reaktionen auf
andere Aromaten 1 : 1 übertragen.
Die Verbrennung liefert uns keine neuen Erkenntnisse:
C6H6 + 7½ O2
6 CO2 + 3 H2O
;RH = - kJ / mol
Neben der vollständigen Oxidation ist natürlich auch unvollständige Verbrennungen denkbar.
Beispielhaft seien hier zwei Gleichungen angegeben:
C6H6 + 6 O2
4 CO2 + CO + C + 3 H2O
;RH = - kJ / mol
C6H6 + 4½ O2
6 CO + 3 H2O
;RH = - kJ / mol
Bei der Struktur-Vorstellung sind wir schon darauf eingegangen, dass Benzen keine Additions-Reaktionen zeigt. Dafür sind aber Substitutionen möglich. Der Ablauf ähnelt der
elektrophilen Addition bei den Alkenen. Reaktions-Partner sind hierfür vorrangig die verschiedenen Halogene.
Durch geeignete Katalysatoren (z.B. FeBr3) kommt es zur hetrerolytischen Spaltung z.B. von
Brom.
Br2 + FeBr3
Br+ + FeBr4-
Das elektrophile Br+-Ion (Bromenium-Ion) dockt sofort an einem C-Atom des Benzen's an.
Die positive Ladung stabilisiert sich am benachbarten C-Atom (Arenium-Ion) und führt zeitweise zu einem Verlust der Aromatizität (nur noch 4 freie -Elektronen im Ring).
Das überschüssige Wasserstoff-Atom gibt ein Elektron an das benachbarte positiv geladene
C-Atom und dessen Wasserstoff ab und wandert als Proton ab.
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Dadurch regeneriert sich der aromatische Zustand am Brom-Benzen. Das Proton reagiert mit
dem FeBr4--Ion unter Bildung von Bromwasserstoff und FeBr3. Dies steht nun wieder für weitere katalytische Vorgänge zur Verfügung. Die elektrophile Substitution (Abk.: SE)ist die
bevorzugte Reaktion der Arene am aromatischen Ring.
Definition(en): elektrophile Substitution; SE-Reaktion
Elektrophile Substitutionen (SE) sind Substitutions-Reaktionen, bei denen der Elektronenliebende Reaktions-Partner (er selbst besitzt eine verringerte Elektronen-Dichte) – auch Elektrophil
genannt – an einer Elektronen-reichen Stelle des anderen Reaktions-Partners (dieser ist eher
nucleophile / Kern-liebend / hat vergrößerte Elektronen-Dichte) angreift und reagiert.
Elektrophile Reaktionen sind Orts-selektiv, da sie an Orte mit hoher Elektronen-Dichte – z.B. MehrfachBindungen – gebunden sind.
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Reaktionsmechnismus der elektrophilen Substitution
Induzierung des Dipols und Heterolyse: Die elektrophile Substitution (Abk.: SE) bedarf zuerst einmal eines Elektrophils. Dies ist in den meisten Fällen ein Kation.
Für die Bromierung von Benzen bietet sich die Verwendung eines Bromenium-Ions an.
Molekulares Brom reagiert mit Eisenbromid(. Eventuell wurde beim Brom schon eine leichte Depolarisierung der Bindung durch ein Interagieren mit den -Elektronen des Aromaten induziert.)
Das drei-wertige Eisen-Ion entuieht dem Brom-Molekül ein Bromid-Ion, d.h. ein Brom-Atom einschließlich des Bindungs-Elektronen-Paares. Das verbleibende Bromenium-Ion (positiv geladenes Brom-Ion) sucht sich nun einen anderen potentiellen Elektronen-Leferanten.
Da das Brom-Molekül durch den Katalysator Eisen(III)-bromid in zwei ungleiche Teile gespalten wird, nennen wir diesen Vorgang eine Heterolyse – also das "Auflösen" (lat.: lysis) in "verschiedene" (lat.: hetero) Objekte.
Anlagerung des Elektrophils: Das Kation ist Elektronen-liebend und interagiert mit den Elektronen-Ring des Benzens. Im Übergangs-Zustand dieser Reaktion wird der aromatische
Zustand aufgelöst. Zwischenzeitlich entsteht ein sogenannter -Komplex. Das Brom ordnet
sich nun zufällig einem Cohlenstoff.Atom zu. An einem der beiden benachbarten
Cohlenstoff-Atome entsteht dann ein Arenium-Ion.
Das elektrophile Bromenium-Ion interagiert mit dem p-Elektronen-Ring des Arens. Es entzieht diesem Ring ein Elektron zur Ausbildung einer (leicht polaren) Atom-Bindung. Stellt man sich die Bindungen im Benzen al DoppelBindungen vor, dann wird quasi eine davon für die Anbindung des Bromenium-Ions genutzt. Am einem der benachbarten Cohlenstoff-Atome entsteht dadurch ein Elektronen-Mangel, der sich als Arenium-Ion stabilisisiert. In Folge bilden
sich mehrere mesomere Grenz-Strukturen. Der Cohlenstoff-Ring erscheint dadurch im Zentrum positiv geladen.
Rearomatisierung: Das Arenium-Ion ist Mesomerie-stabilisiert und wird auch als W HELANDKomplex bezeichnet. Im nächsten Schritt kommt es nun zur Rearomtisierung des
Cohlenstoff-Ringes. Dazu wird das Wasserstoff-Atom am Cohlenstoff-Atom mit dem gerade
angelagerten Brom als Wasserstoff-ion (Proton) abgespalten. Es handelt sich hierbei um eine Deprotonisierung.
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Die Mesomerie-stabilisierte positive Ladung zieht die Bindungs-Elektronen der Cohlenstoff-Wasserstoff-Bindung am
bromierten Cohlenstoff zu sich. Der damit übrig bleibende Wasserstoff-Kern – praktisch nur noch ein Proton – wird
abgespalten. Ziel ist der Energie-günstige aromatische Zustand.
Aufgaben:
1. Erläutern Sie die Chlor-Substitution an Benzen mit Hilfe von chemischen
Gleichungen und Struktur-Formeln! (Katalysator Eisen(III)-chlorid)
2.
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weitere Reaktionen am Benzen
Ganz ähnlich, wie die Bromierung von Benzen läuft auch die Nitrierung. Neben Benzen wird
Nitriersäure (c HNO3 + c H2SO4) verwendet. In der Nitriersäure bildet sich das Nitronium-Ion
(NO2+, Nitryl-Kation), das der eigentliche elektrophile Reaktionspartner für das Benzen ist.
HNO3 + H2SO4
-
NO2+ + HSO4
+ H2O
Eine weitere Substitution ist mit rauchender Schwefelsäure möglich. Dies führt zu
Benzensulfonsäure.
Bei der sogenannten Alkylierung mit Alkenen arbeitet man ebenfalls mit Säuren, aber nur als
Katalysator. Die Alkene bilden unter sauren Bedingungen Carbo-Kationen, die dann mit
Benzen eine elektrophile Substitution eingehen.
Ein besonderer Fall der Alkylierung ist die FRIEDEL-CRAFTS-Alkylierung, bei der es darum
geht, Cohlenwasserstoffe als Seitenketten zu etablieren. Die Chemiker Charles FRIEDEL und
James Mason CRAFTS verwendeten dazu z.B. Aluminiumchlorid als Katalysator. Die Struktur,
die angelagert werden soll, muss an der zukünftigen Kontaktstelle z.B. ein Chlor-Atom beinhalten.
Das Aluminiumchlorid (Katalysator) entzieht zuerst dem Substituenten das Chlor-Atom einschließlich der BindungsElektronen (praktisch also ein Chlorid-Ion). Der entstehende tetraedrische (Koordinations-Zahl 4) AluminiumchloridKomplex ist einfach negativ geladen. Am Substuenten bleibt eine positive Ladung am Cohlenstoff zurück. Dieses Kation nennen wir Carbenium-Ion. Es ist stark elektrophil und greift auf dem schon beschrieben Weg den Elektronenreichen aromatischen Ring an. Das Kation stabilisiert sch mesomer nun am Aren und ein Wasserstoff-Ion (Proton) wird
zur Rearomatisierung abgespalten. Das Proton reagiert dann mit dem negativ geladenen Aluminiumchlorid-Komplex
zu Chlorwasserstoff. Übrig bleibt daAluminiumchlorid, was dann wieder als Katalysator tätig werden kann.
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Bei geschickter Wahl von Seitenkette und der Position des Halogenides können auch zusätzliche Ringe an das Aren gebildet werden. Ein solches Beispiel ist die Bildung von
Tetralin aus .
Das substituierte Chlor reagiert mit dem Katalysator Aluminiumchlorid. Dabei wird quasi ein Chlorid-Ion abgespalten
und es bildet sich ein Carbenium-Ion an der ursprünglichen Chlor-Position. Das Carbenium-Ion interagiert nun mit dem
aromatischen Ring und entzieht diesem ein -Elektron für die C-C-Bindung zur ursprünglichen Chlor-Position. Dadurch
entsteht ein mesomer stabilisiertes Carbenium-Ion am Ring. Letztendlich kommt es zur Abspaltung eines Protons
(Wasserstoff-Ions). Das Proton reagiert mit dem negativ geladenen Aluminiumchlorid-Komplex unter Rückbildung des
Katalysators und dem Nebenprodukt Chlorwasserstoff.
böse Frage zwischendurch:
Um welchen Reaktionstyp handelt es sich bei der letzten Reaktionen? Begründen Sie Ihre Wahl!
Eine weitere bedeutsame Reaktion ist mit bestimmten Derivaten der Alkansäuren ( ) möglich.
Aufgabe für das gehobene Anspruchsniveau:
1. Stellen Sie den Reaktions-Mechanismus für die obige Reaktion auf! Verwenden Sie Struktur-Formeln! (Katalysator ist Aluminiumchlorid)
Neben der Substitution sind aber auch radikalische Additionen an Benzen möglich. Von biologischer Bedeutung ist die Herstellung von Lindan® - einem Insektizid. In einem Überschuß
an Chlor wird das Reaktionsgemisch UV-Strahlung ausgesetzt. Nur mit deren Energie ist eine Überwindung des Energie-Vorteils – den der aromatische Zustand hat – möglich. Chlor
wird durch die Strahlungs-Energie in sehr reaktive Radikale gespalten, die dann mit Benzen
interagieren.
UV-Licht
Cl2
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2 Cl
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Da die radikalische Anlagerung immer ein -Elektron bindet, wird das andere (aus der
mesomeren Doppel-Bindung) zu einem Radikal am benachbarten C-Atom. Hier kann dann das
nächste Chlor-Radikal ankoppeln.
Dichlorcyclohexadien
Nach dreifacher Addition entsteht Hexachlorcyclohexan. Als Kürzel hat sich hierfür HCH unter den Chemikern etabliert. Solche Buchstaben-Codes werden für sehr viele organische
Substanzen verwendet (Abk. wie: DDT … Dichlordiphenyltrichlorethan oder DNS …Desoxyribonucleinsäure
kennen Sie ja vielleicht schon). Besonders bei neuen Stoffen mit halsbrecherischen Namen für die
es keine Trivialnamen gibt sind die Buchstaben-Codes sehr beliebt.
In der Praxis treten drei Isomere auf, von denen nur das -HCH insektizid wirkt.
Hexachlorcyclohexan-Isomere (in verschiedenen Formel-Darstellungen):
-HCH

-HCH
-HCH






Dicke Linien bzw. ausgefüllte Pleilspitzen stellen Bindungen dar, die zum Betrachter hin aus der Bildebene verlaufen. Die Bindungen die hinter der Blattebene verschwinden würden, sind gestrichelt oder sehr dünn dargestellt.
So kommt es gewisser 3D-Effekt zustande.
Es muß über spezielle Extraktions-Vorgänge aus dem Reaktionsgemeisch herausgelöst
werden.
Definition(en): radikalische Addition; AR-Reaktion
Radikalische Addittionen (AR) sind Additions-Reaktionen, bei denen Elektronen-liebende
Reaktions-Partner (hier die Radikal) – welche praktisch Elektrophilen entsprechen – an einer
Elektronen-reichen Stelle des anderen Reaktions-Partners (hier die -Elektronen des Aromaten)
angreifen und reagieren. (Hierbei kommt zur Zerstörung des aromatischen Zustandes!)
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(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Mit geeigneten Reaktionspartnern kann es am Benzen auch zu Oxidationen kommen. Wenn
die Oxidation am Ring stattfindet, dann kommt es dabei zu Auflösung der Aromazität. Oxidationen am Substituenten haben dagen kaum Auswirkungen auf die armatischen Eigenschaften des Stoffes.
Betrachten wir die Umsetzung von Benzen in Luftsauerstoff. Die Reaktion benötigt einen
speziellen Katalysatoren und recht hohe Temperaturen (500 °C).
Die Reaktion führt zuerst zu einem Chinon (p-Benzochinon) und in weiteren Schritten zur
Dicarbonsäure (cis-Butendisäure, Maleinsäure) bzw. derem Anhydrid (Maleinsäureanhydrid).
Wann kommt es denn nun genau zu Substitutionen bzw. Additionen? In der Praxis haben
sich dazu zwei Regel etabliert – KKK und SSS.
Die KKK-Regel bedeutet Kälte, Katalysator und Kern. Damit wird ausgesagt, dass bei niedrigen Temperaturen und bei Anwesenheit eines Katalysators am Kern substituiert wird.
Anders bei SSS, was für Sonnenlicht, Siedehitze und Seitenkette steht. Hier kommt üblicherweise bei Strahlung und höheren Temperaturen zur radikalischen Substitution (SR) an
den Seitenketten der Arene.
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(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Zweit-Substitution an Aromaten
Beim Substitutionen am Benzen ordnete sich der
Substituent meist zufällig einem Cohlenstoff-Atom des
Ringes zu. Bei weiteren Substitutionen bzw. andersartigen Reaktionen tritt der Zufall immer mehr in den
Hintergrund. Jetzt übernehmen die schon vorhandenen Substituenten dirigierende Funktionen.
Bezeichnung der Positionen ortho, meta und para
Induktions-Effekte
ist bei allen Substituenten vorhanden
+I-Effekt durch Substituenten, die Elektronen eher in Richtung neuer Bindungsstelle drücken
durch Atome oder Atom-Gruppen mit eher kleinerer Elektronegativität der Gesamtstruktur
-I-Effekt durch Substituenten, die Elektronen
Mesomerie-Effekte
kann zusätzlich zum I-Effekt eintreten
Substituenten, die Elektronen von der neuen Bindungsstelle abziehen
durch Atome oder Atom-Gruppen mit eher größerer Elektronegativität der Gesamtstruktur
+M-Effekt (positiver mesomerer Effekt) durch Substituenten mit freien Elektronen-Paaren
erhöhen die Elektronen-Dichte im Ring, verbessern dadurch den elektrophilen Angriff und
damit auch die Reaktions-Geschwindigkeit
z.B.: -O , -NH2, -NR2, -OH, -OCH3 bzw. -OR, -NH-CO-R, -O-CO-R, -C6H5 od.ä., -Br, -Cl, -I, -F
verringert die Basen-Stärke (KB bzw. Erhöhung pKB) bzw. senkt die Säure-Stärke (pKS)
-M-Effekt (negativer mesomerer Effekt) durch Substituenten mit einer starken Elektronegativität, positiven Ladungen oder fehlenden Elektronen-Paaren,
entziehen dem Kern -Elektronen
dadurch wird elektrophiler Angriff erschwert und die Reaktions-Geschwindigkeit wird verringert
z.B.: -CO-O-R, -COOH, -CHO, -CO-R, -CN, -CH=CH-COOH, -NO2, SO3H
erhöhen die Säure-Stärke (KS bzw. Verringerung pKS)
I- und M-Effekt können gleichgerichtet oder konkurierend sein
Substituenten 1. Ordnung bewirken vorrangig eine Aktivierung und Bindung an der orthooder para-Position (direkte oder übernächste Nachbar-Stellung, Position 2 bzw. 4)
besonders dann, wenn M- und I-Effekt gleichgerichtet sind und ein positives Vorzeichen haben
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(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Substituenten 2. Ordnung bewirken vorrangig eine Aktivierung und Bindung an der metaPosition (Position 3, indirekte Nachbar-Stellung)
besonders dann, wenn M- und I-Effekt negative Vorzeichen haben
ortho-Toluen
meta-Toluen
para-Toluen
(o-Toluol)
(m-Toluol)
(p-Toluol)
ErstSubstituent
-COOH, -CN, -NO2
+
-NR3
-OH, -OR, -NH2, -NR2
-F, -Cl, -Br, -I
-O
-R
IEffekt
-
MEffekt
/
+
dirigierender
Effekt
meta
meta
ortho
para
+
+
+
/
ortho
ortho
para
para
Definition(en): mesomere Effekte, M-Effekt
Der Einfluss von Fremd-Atomen im Ring (heterocyclisch) oder Atomen- bzw. Atom-Gruppen
mit freien Elektronen-Paaren oder Doppel-Bindungen auf die -Elektronen-Konstellation im
aromatischen Ring oder in konjugierten Systemen nennt man mesomere Effekte.
Dadurch kommt es zur Beeinflussung der Positionierung von Substituenten sowie der ReaktionsGeschwindigkeit.
ErstSubstituent
-OH
-OR
-NH2
-R
-Cl
-Br
-NO2
-CHO
-SO3H
-COOH
-COOR
Reaktivität (im Vergleich zu Benzen)
dirigiert Zweit-Substituenten nach …
-I < +M
viel größer
ortho, para
+I
-I > +M
größer
ortho, para
kleiner
ortho, para
-I , -M
viel kleiner
meta
Induktions-Effekt
mesomerer Effekt
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I
M
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(c,p) 2009-2015 lsp: dre
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(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Aufgaben:
1.
2. Von KEKULÉ wurden 216 verschiedene Struktur-Formeln zusammengestellt, die zur Summen-Formel C6H6 passen. Wieviele finden Sie?
3. Skizzieren Sie für Lindan die fehlenden Keilschrift-Formeln mit den enthaltenen Wasserstoff-Atomen!
4. Bauen Sie die Lindan-Moleküle mit einem Mokül-Baukasten nach! Überprüfen Sie, ob sie sich durch Drehungen ineinander überführen lassen!
5. Erläutern Sie das nachfolgende Energie-Niveau-Schema für mögliche Reaktionen am Benzen!
6. Erstellen Sie eine Zusammenfassung in Stichpunkt-Form zum Thema Benzen!
7. Erstellen Sie ein MindMap oder ein ConceptMap zum Thema Arene!
für die gehobene Anspruchsebene:
8.
Hinweise zu den Gitterstrukturformeln (Minigrafiken):
Q: de.wikipedia.org bzw. commons.wikimedia.org verschiedene Autoren: NEUROtiker, Bryan
Derksen, Kamil Filip Ulryk, Dschanz, Cacycle, Leyo, Calvero, Emeldir, …
diverse Graphiken sind vom Autor selbst ((c,p) lsp: dre)
Wegen der im Allg. fehlenden Schöpfungshöhe, der meist als public domain freigebenen Grafiken und der Sperrigkeit der Quellen-Angaben verzichten wir hier auf einen Einzelnachweis für
jede einzelne Abbildung.
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(c,p) 2009-2015 lsp: dre
komplexe Übungs-Aufgaben (z.B. zur Vorbereitung auf Klausuren usw.)
1. Vergleichen Sie Alkane, Alkene und Alkine in einer geeigneten Tabelle!
2. Wie groß sind die charakteristischen Bindungs-Winkel bei den Alkanen, Alkenen und Alkinen? Welche Konsequenzen resultieren aus den BindungsWinkeln für die Molekül-Struktur?
3. Geben Sie alle Struktur-Isomere des Pentens mit einer Strukturformel und
dem exakten Namen an!
4. In einem Versuch will man 2,3-Dimethylbut-2-en mit Chlorwasserstoff reagieren lassen. Welche Produkte kann man erwarten? Wenn es mehrere sein
könnten, dann machen Sie Aussagen zur Rang-mäßigen Abstufung der Anteile! Sollte nur ein Produkt entstehen können, dann begründen Sie dies!
5. Vergleichen Sie die Alkene mit den Aromaten (Arenen)!
6. In einem Reaktions-Gefäß befindet sich ein Gemisch aus Isomeren von Z/EIsomeren von Pent-2-en.
a) Wieviele verschiedene Isomere sind im Gemisch enthalten? Begründen
Sie mit Hilfe von Struktur-Formeln!
b) Wieviele verschiedene Isomere findet man nach der Hydrierung aller
Ausgangsstoff-Moleküle? Begründen Sie Ihre Meinung!
7. Übernehmen Sie die folgende Tabelle und füllen Sie diese vollständig aus!
Beispiel
Hybridisierung
typischer
Bindungs-Winkel
räumliche
Anordnung
Anordnung der
-Elektronen
funktionelle
Gruppe
bzw.
Struktureinheit
typische Reaktion(styp)en
typische Reaktions-Produkte
Alkane
Ethan
Alkene
Ethen
Alkine
Ethin
Arene
Benzen
8. Geben Sie für die nummerierten Fragezeichen jeweils eine passende chemische Gleichung an! Als Ausgangs-Stoff soll der Alkan Propan verwendet
werden!
9. Bestimmen Sie die Reaktions-Typen für die Reaktionen im obigen Schema!
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(c,p) 2009-2015 lsp: dre
10. Erstellen Sie 20 Lern-Karten im Format A6 (Vorderseite: Frage / Aufgabe;
Rückseite: Antwort / Lösung) zum Thema Cohlenwasserstoffe! Tauschen
Sie Ihre Karten mit anderen Kursteilnehmern und kontrollieren Sie Ihr Wissen und Können!
für die gehobene Anspruchsebene:
11.
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(c,p) 2009-2015 lsp: dre
3. Derivate der Kohlenwasserstoffe
Derivate sind Abkömmlinge (lat.: derivare = ableiten, abfließen). In der organischen Chemie
meint man dabei Stoffe, die durch Austausch eines oder mehrerer Wasserstoff-Atome entstanden sind.
In einem weiter gefassten Derivat-Begriff kann man auch den Austausch beliebiger Atome
oder Atomgruppen einbeziehen. Die abgeleiteten Stoffe haben oft noch eine ähnliche Struktur, ev. sogar noch ähnliche Eigenschaften wie die Grundsubstanz.
In der Pharmazie spielt die Derivatisierung von Wirkstoffen eine große Rolle. Auf diese Weise werden neue – ev. noch besser wirlkende oder mit weniger Nebenwirkungen behaftete –
Wirkstoffe hergestellt. Bei Derivaten ist dann u.U. auch ein Patenzschutz möglich.
Wir betrachten hier vornehmlich die:



Halogen-Derivate
Sauerstoff-Derivate
Stickstoff-Derivate
der Kohlenwasserstoffe. Dabei kommt den Sauerstoff-Derivaten eine besonders große Bedeutung zu.
Einzelne weitere Stoffe mit ausgewählten anderen Atomen (P, S, …) erwähnen wir als gesonderte Stoffe oder Stoffgruppen. Bei ihnen ist eine Ableitung aus anderen Stoffgruppen
nur mit großem Aufwand oder nur theoretisch möglich.
Eine analoge Betrachtung der Derivate – vor allem auch als homologe Reihen – erleichtert
das Verständnis für die Stoffeigenschaften bzw. deren Veränderungen bei größer werdenden
Molekülen.
Definition(en): Cohlenwasserstoff-Derivate
Cohlenwasserstoff-Derivate sind organische Stoffe, die von der Grundstruktur
Cohlenwasserstoffen entsprechen, bei denen aber einzelne oder mehrere WasserstoffAtome durch andere ersetzt wurden.
Derivate der Cohlenwasserstoffe sind Abkömmlinge von (reinen) Cohlenwasserstoffen. Sie
enthalten außer Cohlenstoff und Wasserstoff noch weitere Elemente.
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(c,p) 2009-2015 lsp: dre
3.1. Halogenderivate
Element Symbol
Die Elemente der VII. Hauptgruppe des Periodensystems
F
Fluor
(… der Elemente; Abk.: PSE)
farbloses Gas
werden Halogene genannt.
Der Wortstamm halos stammt
Cl
Chlor
aus dem griechischen und begelbgrünliches Gas
deutet so viel, wie Salzbildner.
Br
Brom
In der anorgansichen Chemie
werden Sie die Halogene auch
schon als solche kennen gelernt haben. Am Bekanntesten
ist sicher das Natriumchlorid –
unser Haushaltssalz.
Q: de. wikipedia.org (Tomihahndorf)
Sind nun Halogen-Atome –
I
Iod
anstelle von Wasserstoff – in
die Cohlenwasserstoff-Moleküle eingebaut, dann sprechen
wir von Halogen-Derivaten der
Cohlenwasserstoffe.
In der technischen / praktiQ: commons.wikimedia.org (Ondřej Mangl)
At
schen
Chemie
(ChemieAstat
Produktion) ist wohl am häufigsten Chlor in die Moleküle
eingebaut.
Die Stoffe bzw. deren Derivate bekommen dadurch sehr viele neue Eigenschaften und eignen sich dann für völlig neue Nutzungen.
Das Chlor birgt aber eine Unmenge von Gefahren. Da ist zum Einen das reine Chlor-Gas,
dass sehr aggressiv und giftig ist. Daneben sind auch viele Chlor-haltige Vorstufen, NebenProdukte und die eigentlichen Produkte auch chemisch sehr aktiv und vielfach ebenfalls giftig oder Gesundheits-schädlich oder gar Krebs-erreigend. Und zum Schluß muss auch an
die Entsorgung der Reste, den Müll und der weitere Stoff-Weg in der freien Natur beachtet
werden. Viele chlorierte Stoffe sind nur sehr schwer oder garnicht biologisch abbaubar. Auch
das Verbrennen (Müll-Verbrennung) vernichtet ja nicht das Chlor, sondern läßt es in andere
Verbindungen übergehen.
Definition(en): Halogen-Derivate
Halogen-Derivate (der Cohlenwassrstoffe) sind organische Stoffe, die von der Grundstruktur
Cohlenwasserstoffen entsprechen, bei denen aber einzelne oder mehrere WasserstoffAtome durch Halogen-Atome ersetzt wurden.
Halogen-Derivate der Cohlenwasserstoffe sind Abkömmlinge von (reinen) Cohlenwasserstoffen. Sie enthalten außer Cohlenstoff und Wasserstoff noch Halogene.
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(c,p) 2009-2015 lsp: dre
3.1.1. einfach halogenierte Kohlenwasserstoffe
Bei einfach halogenierten Kohlenwasserstoffen wurde ein Wasserstoff-Atom gegen ein Halogen-Atom ausgestauscht. Als Herstellungsmöglichkeit haben wir bei den Alkanen ( 2.1.1.
Alkane) schon die radikalische Substitution ( 2.1.1.2.1. chemische Eigenschaften – Reaktionen der Alkane) kennen gelernt.
Ausgangspunkt ist die Radikal-Bildung z.B. durch Lichteinstrahlung.
Cl2
2 Cl
Diese Radikalbindungs-Reaktion ist der Ausgangspunkt einer Kettenreaktion (Startreaktion,
Kettenstart). Nun folgen die produktiven Reaktionen:
CH3 – CH2 – CH2 + HCl
CH3 – CH2 – CH3 + Cl
CH3 – CH2 – CH2 + Cl2
CH3 – CH2 – CH2Cl + Cl
Normalerweise findet die Reaktion an den Enden des Alkan-Moleküls zuerst statt, da diese
exponiert – der Chemiker sagt dazu: sterisch bevorteilt – sind.
Die Kettenreaktionen können sich nun ständig wiederholen, da das reaktive Chlor-Radikal
am Ende wieder vorliegt. Reagiert ein Radikal mit einem anderen Molekül, dann bleibt immer
wieder ein Radikal übrig.
Treffen aber zwei Radikale aufeinander, dann kommt die Radikal-Bildung – und damit auch
die Kettenreaktion – zum Stillstand. Dies nennen wir Kettenabbruch. Dazu kommen alle
möglichen Radikal-Kombinationen in Frage:
2 Cl
Cl2
2 CH3 – CH2 – CH2
CH3 – CH2 – CH2 – CH2 – CH2 – CH3
2 CH3 – CH2 – CH2
CH3 – CH2 – CH3 + CH3 – CH = CH2
CH3 – CH2 – CH2 + Cl
CH3 – CH2 – CH2Cl
Praktisch wird bei den besprochenen Reaktionen am Propan (unserem Ausgangsstoff) ein
Wasserstoff-Atom durch ein Chlor-Atom ersetzt.
H
H
H
|
|
|
H – C – C – C - H
|
|
|
H
H
H
+
H
H
H
|
|
|
H – C – C – C - Cl
|
|
|
H
H
H
Cl - Cl
+
H - Cl
____________________________________________________________________
CH3 – CH2 – CH3
+
CH3 – CH2 – CH2Cl
Cl2
+
HCl
Als zweite Möglichkeit haben wir bei den ungesättigten Kohlenwasserstoffen ( 2.2. ungesättigte Kohlenwasserstoffe) die elektrophile Addition kennen gelernt ( 2.2.1.2.1. chemische Eigenschaften – Reaktionen der Alkene).
Der elektrophile Teil eines Moleküls greift die Elektronen-reiche Doppelbindung am Alken an.
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 123 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
H
H
\ /
C
||
+
C
/ \
H
H
+ H  Cl

H
H
\ /
C
| H+
C
/ \
H
H
+
Cl-

H
|
H – C - H
|
+
C+
/ \
H
H
Cl-

H
|
H – C - H
|
H – C - Cl
|
H
Am anderen C-Atom der ehemaligen Doppelbindung entsteht eine positive Ladung (CarboKation). Das bei der Spaltung des Chlorwasserstoff übrig gebliebene Chlorid-Ion bindet dort.
Das Produkt heißt Monochlorethan und ist ein typisches Halogen-Derivat der Alkane. Die
ehemals ungesättigten Kohlenwasserstoffe enthalten nach der Addition nur noch gesättigte
Bindungen.
3.1.1.1. Eigenschaften und Verwendung einfach halogenierter Kohlenwasserstoffe
Einfach halogenierte Kohlenwasserstoffe bilden typische homologe Reihen. Chlor- bzw.
Brom-Alkane sind bis ungefähr C15 flüssig.
Chlorethan wird als Kühlmittel (Vereisungsmittel) und Lokalanästhetikum verwendet. Die
Flüssigkeit verdampft knapp unter der Zimmertemperatur. Dabei entzieht es der Umgebung
(Gewebe) reichlich Energie. Durch das starke Abkühlen entsteht eine gewisse Schmerzunempfindlichkeit.
nucleophile Substitution SN
Halogenalkan + Nucleophil
Substitutions-Produkt + Halogenid-Ion
Definition(en): nucleophile Substitution, SN-Reaktion
Nucleophile Substitutions-Reaktionen sind die Substitutions-Reaktionen, bei denen eine
Kern-liebende Substanz / Atom-Gruppe / Elektronen-reiche Gruppe (Anion, ElektronenpaarDonatoren, LEWIS-Säuren) eine Struktur angreift, die durch einen Elektronen-ziehenden Substituenten partiell oder vollständig positiv geladen ist.
Nucleophile Substitutionen sind chemische Reaktionen, bei denen aus Stoffen mit Elektronen-ziehenden Hetereo-Atomen bzw. solchen Atom-Gruppen genau diese Hetero-Atome /
Atom-Gruppen durch Elektronen-reiche Agenzien (Anionen, Elektronenpaar-Donatoren, LEWISSäuren) ausgetauscht werden.
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 124 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Beispiele für einfach halogenierte Kohlenwasserstoffe (systhematisch):
C1
C2
C3
C4
F
Fluormethan
Cl
Chlormethan
2-Chlorbutan
(Methylchlorid)
(sek. Butylchlorid)
Br
2-Brombutan
I
2-Iodbutan
weitere Beispiele für einfach halogenierte Kohlenwasserstoffe:
Chlorethen
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
Bromcyclohexan
Brombenzen
- 125 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
3.1.2. mehrfache halogenierte Kohlenwasserstoffe
Bei geeigneter Wahl der Ausgangsstoffe kann man Substitutionen auch mehrfach durchführen lassen. Hierfür sind größere Moleküle natürlich eher prädestiniert, da nach der einfachen
Substitution von den recht großen Halogen-Atomen eine sterische Behinderung ausgeht.
Für Additionen lassen sich auch reine Halogene verwenden, wobei dann immer gleich der
Einbau von zwei Halogen-Atomen zu beobachten ist:
H2C = CH2 + Cl2
ClH2C = CH2Cl
Bei Alkinen sind u.U. zwei aufeinanderfolgende Additionen notwendig:
HC  CH + 2 HCl
H2C = CHCl + HCl
ClH2C – CH2Cl
HC  CH + 2 Cl2
ClHC = CHCl + Cl2
Cl2HC – CHCl2
Bei gesättigten Halogen-Kohlenwasserstoffen ist die C-C-Bindung wieder frei drehbar. Die
relativ großen Halogen-Atome behindern sich sterisch. Die Halogen-Atome sind immer so
angeordnet, dass möglichst weit von einander entfernt stehen. Dies stellt dann auch die
energetisch stabilste Molekül-Konformation dar.
In der NEWMAN-Projektion versucht man die Stellung der Substituenten darzustellen. Man
stellt sich dazu das Auge und die beiden betrachteten C-Atome auf einer Gerade vor. Das
vordere C-Atom wird in seinem Umfang angedeutet und die Bindung vom Kern aus gezeichnet. Vom dahinterliegenden C-Atom sieht man nur die strahlenförmig angeordneten Substituenten.
1,2-Dichlorethan
1,1,2-Trichlorethan
Um eine Drehung in der C-C-Achse durchzuführen, bedarf es einer beachtlicher EnergieZufuhr (um 50 kJ / mol). Erst mit dieser kann die sterische Behinderung der Halogen-Atome
untereinander überwunden werden. Bei einem Alkan wäre nur ¼ der Energie notwendig gewesen, um die relativ schwache – aber vorhandene – sterische Behinderung der H-Atome zu
überwinden.
Br
|
H – C –
|
Br
H
H
H
|
|
|
C – C – C - H
|
|
|
H
H
H
geminal
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
Br
|
H – C –
|
H
H
|
C –
|
Br
H
H
|
|
C – C - H
|
|
H
H
vicinal
- 126 -
Br
|
H – C –
|
H
H
H
|
|
C – C –
|
|
H
Br
H
|
C - H
|
H
isoliert
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Beispiel: Dichlorethen
Isomer
Struktur
cis-1,2-Dichlorethen
Z-1,2-Dichlorethen
Cl
Cl
\
/
C = C
/
\
H
H
Cl
H
\
/
C = C
/
\
H
Cl
Cl
H
\
/
C = C
/
\
Cl
H
Schmelzpunkt
DipolMoment
C-CAbstand
[TD]
[nm]
- 81
Siedepunkt
Kp. [°C]
+60
1,89
- 50
+48
0,0
-122
32
F. [°C]
trans-1,2-Dichlorethen
E-1,2-Dichlorethen
1,1-Dichlorethen
0,34
Dichte

3
[g/cm ]
1,28
Dampfdruck
[hPa]
216
0,47
1,26
361
1,25
660
Fluor-Chlor-Cohlenwasserstoffe
Die Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) stellen eine besondere Gruppe der HalogenDerivaten der Cohlenwasserstoffe dar. Sie sind zum Einem mehrfach halogneiert und zum
Anderen sind es zwei genau definierte Halogene die substituiert sein müssen. Wie der Name
es schon sagt sind es die Halogene Fluor und Chlor.
Bei den Alkan-Rümpfen der Fluor-Chlor-Cohlenstoffe sind alle Wasserstoff-Positionen entweder mit Chlor oder mit Fluor belegt. Sie stellen also nochmal eine besondere Gruppe der
FCKW und der hologenierten Cohlenwasserstoffe dar.
technische Herstellung aus den chlorierten Alkanen, katalytische Substitution mit Fluorwasserstoffsäure
Verwendung:
Treibmittel zur Herstellung von Schäumen oder in Spray-Flaschen
Kühl-Mittel (in Kälte-Anlagen / Haushalts-Kühlschränken)
Brandschutz- und Schutz-Atmosphären-Gas
Die Menge der möglichen Derivate ist sehr groß, so dass man sich für technische Zwecke
eine verkürzte Namensgebung entwickelt hat. Damit geht man auch die IUPAC-NamensMonstern aus dem Weg, die zudem auch noch Verwechselungsgefahren beinhalten.
Halon-Bezeichnung besitzt 4 Positionen
Halon ist Marke der US-amerikanischen Firma Du Pont
Position
entspricht
1
C
2
F
3
Cl
4
Br (Atom-Anzahl)
nachlaufende Nullen werden weggelassen
Frigen-Bezeichnung (auch mit vorlaufendem R für Refrigerant (Kühlmittel)
Frigen ist eine Marke der Firma Hoechst (Deutschland)
letzte Ziffer gibt die Anzahl der Fluor-Atome an
vorletzte Ziffer um 1 vermindert ergibt die Anzahl der Wasserstoff-Atome
erste Ziffer um 1 erhöht ergibt die Anzahl Cohlenstoff-Atome
alle anderen Substituenten sind Chlor-Atome
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 127 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Struktur-Formel
IUPAC-Name
CHCl2F
CHClF2
CCl3F
CCl2F2
CClF3
Dichlor(mono)fluormethan
(Mono-)Chlordifluormethan
Trichlor(mono)fluormethan
Dichlordifluormethan
Monochlortrifluormethan
KurzBezeichnung
Frigen 21
Frigen 22
Frigen 11
Frigen 12
Frigen 13
ClF2C – CCl2F
ClF2C – CClF2
1,2,2-Trichlor-1,1,2-trifluorethan
1,2-Dichlor-1,1,2,2-tetrafluorethan
Frigen 113
Frigen 114
Brom-haltige FCKW werden in Feuerlöschern als Löschmittel eingesetzt (Halone).
Struktur-Formel
IUPAC-Name
CF2ClBr
CF3Br
Bromchlordifluormethan
Bromtrifluormethan
KurzBezeichnung
Halon 1211
Halon 1301
Halon
in Handfeuer-Löschern
in Feuerlösch-Anlagen
für Kühl-Mittel und Spray-Flaschen heute diverse andere – meist gar nicht teurere - Alternativen bekannt
für Spray-Flaschen z.B. einfache mechanische Aerosol-Erzeuger (Selbstpumper) oder als
Treibmittel Propan-Butan-Gemische (allerdings jetzt zusätzlich noch mehr Feuer-gefährlich)
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 128 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Beispiele für mehrfach halogenierte Kohlenwasserstoffe:
Dichlormethan
Trichlormethan
(Chloroform)
Tetrachlormethan
(Tetrachlorkohlenstoff,
Trichlorethen
Tetra)
Triiodmethan
Bromchlorfluormethan
Aufgaben:
1.
2. Welches kleinstes Alkan kann alternativ zwei Substituenten in geminaler,
vicinaler und isolierter Stellung zueinander haben?
3. Welches kleinstes Alkan kann Substituenten in geminaler, vicinaler und isolierter Stellung (in einem Molekül) haben?
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 129 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
3.1.2.1. Eigenschaften und Verwendung weiterer mehrfach halogenierter
Kohlenwasserstoffen
Mehrfach hologenierte Kohlenwasserstoffe haben meist eine größere Dichte als Wasser und
sind in diesem nicht löslich. Sie sind aber ausgesprochen gute Lösungsmittel für Fette, Lipoide und eine Vielzahl unpolarer Stoffe.
Dichlormethan (CH2Cl2) ist ein nichtbrennbares, aber
gesundheitschädliches Lösungsmittel für sehr viele Stoffe.
Es bildet auch keine explosiven Gemische mit der Luft,
wie das sonst ähnliche Benzin (als Lösungsmittel).
Chloroform (CHCl3) ist eine süßlich riechende, klare
Flüssigkeit. In der Lebensmittelchemie wird es gerne als
Extraktionsmittel für Fette und Lipoid-artige Stoffe verwendet.
Auch
Tetrachlorkohlenstoff
(CCl4,
Tetra,
Tetrachlormethan)
zeigt
ein
besonders
gutes
Löusngsvermögen für Fette und Fett-ähnliche Substanzen
(z.B. Harze und Teer). Tetra wurde lange Zeit auch als
chemisches Reinigungsmittel verwendet (nicht brennbar).
Heute ist dies wegen der hohen Giftigkeit (Lebergift) ausgeschlossen. Als Bestandteil vieler Feuerlöscher war es sogar namensgebend für die "Tetra"-Löscher.
Tetrachlormethan ist selbst eine flüssige, leicht flüchtige,
stark Licht-brechende, süßlich riechende Substanz. Laut
Q: www.3dchem.com
Gefahrstoffverordnung zählt es auch zu den umweltgefährlichen Stoffen.
Triiodmethan, Iodoform (CHI3) sind gelbe Plättchen mit einem charakteristischen Geruch
(Safran-ähnlich). Es ist neben Tetraiodmethan die einzige bekannte farbige organische Substanz, deren Farbe nicht mit Mehrfachbindungen assoziert ist. Wegen seiner desinfizierenden und trocknenden Wirkung wurde es früher als Antiseptikum verwendet. Heute wird es
durch andere Stoffe ersetzt, weil es relativ teuer ist und bei Überdosierung auch Probleme
bereiten kann.
2-Brom-2-chlor-1,1,1-trifluorethan, Halothan (CF3 – CHClBr) ist chemisch weitgehend
inert (reaktionsträge). Es ist ein farbloser, leicht süßlich riechender, flüssiger und leicht flüchtiger Stoff, der beim Einatmen Bewusstlosigkeit auslöst. Es zählt zu den Giften. Mit Lachgas
(N2O) gemischt, ergibt es ein sehr gut handhabbares Narkosemittel. In der Anästhesie hat es
vor vielen Jahren (ab 1956) den schwerer handhabbaren – und bei Überdosierung zu Tode
führenden – Ether (CH3 – O – CH3) abgelöst. Heute wird Halothan nur noch selten benutzt.
In der Schweinezucht wird es für die Beurteilung der Stressanfälligkeit verwendet (HalothanTest).
Dichlordifluormethan (CF2Cl2) wird wegen seiner hohen Verdampfungswärme und der
niedrigen Siedetemperatur als Kühlmittel in Kühlanlagen und als Treibgas in Sprayflaschen
verwendet. Es ersetzt dort das giftige Ammoniak. Dichlordifluormethan gehört mitlerweile zu
den geächteten FCKW (Fluorchlorkohlenwasserstoffe; auch: CFK (Chlorfluorkohlenwasserstoffe)),
die nachgewiesenermaßen die Ozon-Schicht unserer Erde zerstören.
Dichlorethan (1,2-Dichlorethan; C2H4Cl2)
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 130 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Lindan ()
Q: www.3dchem.com
Teflon ()
Q: www.3dchem.com
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 131 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
3.1.3. chemische Eigenschaften der Halogen-Kohlenwasserstoffe
Die Bindung zwischen Cohlenstoff und den Halogen-Atomen ist meist wesentlich stärker polarisiert, als bei Cohlenstoff-Wasserstoff-Bindungen. Besonders bei Fluor und Chlor treten
sehr starke Polarisierungen auf.
Element
Elektronegativität
H
2,1
C
2,5
F
4,0
Cl
3,5
Br
2,8
I
2,5
An den Halogen-Atomen kommt es deshalb zur Ausbildung von partiellen negativen Ladungen. Die gebundenen Cohlenstoff-Atome tragen entsprechend eine mehr oder weniger große positive Partial-Ladung.
Halogenisierte Kohlenwasserstoffe sind im Allgemeinen sehr reaktionsfreudig. Die außenliegenden negativen Partial-Ladungen sind für alle vollständig oder teilweise positiv geladenen
Teilchen gute Reaktionspartner.
Mit Metallen reagieren Halogen-Kohlenwasserstoffe zu Metall-organischen Verbindungen.
Auch diese sich sehr reaktiv und deshalb in der chemischen Industrie von großem Interesse.
Bevorzugtes Metall als Reaktionspartner ist Magnesium.
R – Br + Mg
R - MgBr
Die entstehende Verbindungsklasse mit Magnesium zwischen den Alkylrest und dem Halogen-Substituenten nennt man GRIGNARD-Verbindungen (Alkylmagnesiumhalogenid). Die Bildungs-Reaktion entsprechend GRIGNARD-Reaktionen, nach ihrem Entdecker Victor GRIGNARD (1871 – 1935). Besonders bedeutend ist diese Reaktionsart bei der Herstellung von
Alkoholen. Durch die gezielte Wahl des Reaktionspartners kann man verschiedene Arten
von Alkoholen herstellen.
H3O+, H2O
|
R – MgBr + H – CHO
R – CH2 – OH + Mg2+ + Br
|
Formaldehyd, Methanal
prim. Alkohol
H3O+, H2O
|
R – HCOH – R1 + Mg2+ + Br
R – MgBr + R1 – CHO
Aldehyd
-
H3O+, H2O
|
|
sek. Alkohol
R – COH – R1 + Mg2+ + Br
|
R2
R – MgBr + R1 – CO – R2
Keton
-
|
tert.. Alkohol
GRIGNARD erhielt für seine Arbeiten mit den Metall-organischen Verbindungen 1912 den NOBEL-Preis für
Chemie.
Gut nachvollziehbar ist die Reaktion von Halogenalkanen mit metallischem Natrium. Bei dieser Reaktion bilden sich längerkettige Alkane:
2 R – Cl + 2 Na
R – R + 2 NaCl
Die Liste möglicher Reaktionen und Reaktionsprodukte läßt sich lange fortsetzen. Wir deuten
hier nur die Reaktionspartner für die Halogenalkane und die resultierende Produkte bzw.
Stoffklassen an. Genauere Informationen zu diesen folgen dann später.
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 132 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Reaktionspartner für die
Halogenkohlenwasserstoffe
Ammoniak (NH3)
Alkoholate (R –OM)
verd. Kalilauge (KOH)
alkohol. Kalilauge
(KSH)
Mercaptid
Natriumcyanid (NaCN)
Reaktionsprodukte
Stoffklassen
Amine
Ether
Alkohole
Alkene
Thiole
Sulfide
Nitrile
Verweise
weitere Informationen bei …
Die GRIGNARD-Verbinden können wiederum zur Bildung weiterer Stoffklassen herangezogen werden. Da wird einem die Bedeutung dieser beider Stoffklassen für die organische
Chemie bewusst. In Organismen spielen sie aber eine untergeordnete Rolle.
Q: de.wikipedia.org (Calvero)
Die einzelnen Stoffklassen (hier meist Sauerstoff-Derivate der Kohlenwasserstoffe) werden
wir erst noch kennen lernen und dann auf diese Stelle (der Bildung) zurückverweisen.
Vergleicht man die Reaktionsfreudigkeit von Alkyl-Chloriden, -Bromide und –Iodide, dann
kann man feststellen dass diese bei den Iodiden am Größten ist. Weiterhin sind kurzkettige
Halogen-Kohlenwasserstoffe immer reaktionsfreudiger, als längerkettige.
Neben dem Halogen-Atom ist aber auch das durch das Halogen positivierte CohlenstoffAtom ein geeigneter Angriffs-Punkt für passende Stoffe. In diesem Fall müssen die Stoffe
natürlich eher Elektronen-reich sein, damit sie am eher "kernigen" Rest des Halogenalkans (partiell positiv geladenen C-Atom -) angreifen können. Einen solchen Angriff nennt man nucleophil.
Im Falle der Halogenalkane kommt es zur nucleophilen Substitution (SN-Mechanismus). Ein
mögliches Angriffs-Teilchen könnte das Hydroxid-Ion sein. Es ist mit seiner negativen Ladung selbst sehr Elektronen-reich:
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 133 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
-
Na+ + OH
NaOH
Für den nucleophilen Angriff werden Kern-liebende Teilchen benötigt. Dies können z.B. die Hydroxid-Ionen sein. Es
wird also häufig unter basischen Bedingungen gearbeit.
Das negativ geladene Hydroxid-Ion nähert sich dem – durch das Elektronen-ziehende Halogen-Atom – partiell positiv
geladenen Cohlenstoff-Atom.
-
CH3 – CH2Br + OH
[CH3 – CH2BrOH]
-
Im Übergangszustand bildet sich im Bereich des angegriffenen C-Atoms ein instabiler Überschuß an einem Elektron.
Das Brom-Atom nimmt im weiteren Verlauf dieses Elektron auf und löst sich als Bromid-Ion ab. Zwischen dem Sauerstoff-Atom und dem angegriffenen C-Atom stabilisiert sich eine polare Atom-Bindung.
[CH3 – CH2BrOH]
-
-
CH3 – CH2OH + Br
interessante Links:
http://www.kkgwhv-schule.kwe.de/kkg_chem/ag_allg/grignard/grignard.htm
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 134 -
ausführliche Darstellung der GRIGNARD-Verbindungen
(Synthese,
Nomenklatur, Reaktionen, …)
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
3.1.4. biologische und ökologische Probleme mit Halogen-Kohlenwasserstoffen
Bei der Verbrennung von Halogen-haltigen Kohlenwasserstoffen können verschiedene gifte
Verbindungen als Nebenprodukt entstehen. Dazu gehört das sehr giftige Dioxin (2,3,7,8Tetrachlordibenzo-p-dioxin). Dieses ist z.B. 500x giftiger als Strychnin.
DDT
Q: www.3dchem.com
Polyvinylchlorid (PVC)
Q: www.3dchem.com
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 135 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
3.1.4.x.
ökologische
(FCKW)
Aspekte
der
Fluor-Chlor-Cohlenwasserstoffe
Alle FCKW sind ungiftig, unbrennbar und geruchlos. Sie galten lange als völlig ungefährlich.
Bei Untersuchungen in den verschiedenen Labors hatte man keine Probleme feststellen
können. Dabei hatte man aber nicht die besonderen Verhältnisse in der höheren Atmosphäre
(Stratosphäre, 15 – 50 km Höhe) beachtet. Hier herrschen völlig andersartige Bedingungen.
So ist die Strahlung (vor allem die UV-Strahlung) wesentlich intensiver (härter). Auch die
Temperaturbedingungen unterscheiden sich enorm. Man beobachtet Temperaturen von – 60
°C bei Drücken um hPa ( atm). Im Bereich der Ozonschicht kommt es zu einem Temperaturanstieg bis fast 0 °C. Die UV-Strahlung wird hier von dem Ozon absorbiert und als WärmeEnergie wieder emitiert. Sauerstoff-Moleküle werden durch die UV-Strahlung in SauerstoffRadikale zerlegt.
O2
2 O
Diese sind sehr reaktionsfähig und reagieren normalerweise mit anderen SauerstoffMolekülen zu Ozon-Molekülen.
O2 + O
O3
Die aufgestiegenen FCKW (wegen einer geringeren Dichte als Luft) werden ebenfalls durch
die UV-Strahlung zerlegt. Die Reaktionen laufen – wie wir es schon bei den Alkanen kenngelernt haben – als radikale Kettenreaktion.
CF2Cl2
CF2Cl + Cl
Die Radikale können nun mit dem Ozon reaagieren:
Cl + O3
ClO + O2
(Ozon-Killer-Reaktion)
Dabei werden – die eigentlich schützenden – Ozon-Moleküle zerstört.
Daneben kommen aber auch diverse Reaktionen mit Chlor ins Spiel, die gefährliche Gase
(z.B. Chlor) freisetzen.
2 ClO
Cl2O2
Cl2 + O2
Im Ergebnis kam es zu einem starken Rückgang der Ozon-Schicht und im Bereich der Antarktis sogar zu Herausbildung eines großen Ozon-Loches.
======
erste Warnungen zur Gefährlichkeit der FCKW gab es schon 1974, erst nach 1985 gab es
ein Umdenken, als in den Jahren bekannt wurde, dass FCKW sehr wahrscheinlich ein gigantisches Ozon-Loch über der Antarktis erzeugt hatten, seit 1987 wird der Einsatz immer mehr
beschränkt
reagieren unter atmosphärischen Bedingungen (hohe Temperaturen und intensive Strahlung) mit Ozon, dabei wir Ozon zu Sauerstoff-Molekülen und Sauerstoff-Radikalen abgebaut
Ozon – und nur diese Sauerstoff-Modifikation – kann in den höheren AtmosphärenSchichten die gefährliche UV-Strahlung der Sonne absorbieren
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 136 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
CCl2F2
Cl2
CClF2• + Cl•
2 Cl•
Ketten-Start
(Herkunft des Chlor siehe Ketten-Reaktionen)
mögliche Ketten-Reaktionen (Auswahl):
Cl• + O3
2 ClO•
ClO• + O2
Cl2O2
Kat. M
ClO• + NO2…
…•ClONO2
•ClONO2
Cl• + CH4
HCl + •OH
ClO• + HO2…
Cl2O2…
Schad-Reaktion
Cl2 + O2
Cl• + NO3
HCl + •CH3
Cl• + H2O
…HOCl• + O2
…2 ClO•
mögliche Ketten-Abbrüche:
2 CClF2•
F2ClC – CClF2
CClF2• + Cl•
CCl2F2
2 Cl•
Cl2
Kat. M
2 ClO
Cl2O2
Wie man gut sieht kommt es praktisch nur zum Abbau von Ozon. Ansonsten bleiben die gefährlichen Stoffe ewig im System, vermehren sich höchstens (zusätzliches Chlor) und nehmen
noch in ihrer Variabilität zu (Ketten-Verlängerung). Die praktische Verweildauer der FCKW beträgt zwischen 40 und 180 Jahren.
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 137 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Exkurs: Struktur-Aufklärung mittels Spektroskopie
optische Spektroskopie (Licht-Spektroskopie)
Infrarot-Spektrospkopie
Ultraviolett-Spektroskopie
Raman-Spektroskopie
Kernresonanz-Spektroskopie
Massen-Spektroskopie
3
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 138 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
3.2. Sauerstoff-Derivate (organische Sauerstoff-Verbindungen)
Sauerstoff-Derivate enthalten im Molekül ein oder mehrere Atome Sauerstoff. Da Sauerstoff
zweibindig ist, kann es neben Substitutionen von Wasserstoff auch Sauerstoff-Brücken zwischen zwei Cohlenstoff-Atomen geben. Dies erweitert die Möglichkeiten enorm. Mit dem
Sauerstoff im Molekül kann auch immer mit polaren Eigenschaften gerechnet werden, da
sich die Elektronegativität doch deutlich von denen der Cohlenstoff- bzw. Wasserstoff-Atome
abweicht. Die resultierenden Ladungen reichen – vor allem bei kleinen Molekülen – zumeist
dazu aus, dass der Stoff in Wasser oder anderen polaren Lösungsmitteln löslich ist.
Definition(en): Sauerstoff-Derivate
Sauerstoff-Derivate (der Cohlenwasserstoffe) sind organische Stoffe, die von der Grundstruktur Cohlenwasserstoffen entsprechen, bei denen aber einzelne oder mehrere Wasserstoff-Atome durch Sauestoff ersetzt wurden.
Derivate der Cohlenwasserstoffe sind Abkömmlinge von (reinen) Cohlenwasserstoffen. Sie
enthalten außer Cohlenstoff und Wasserstoff noch Sauerstoff.
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 139 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
3.2.1. Alkanole (Alkohole)
Der Alkohol ist sicher einer der bekanntesten organischen Stoffe. Eigentlich sind die Alkohole eine ganze Gruppe von Stoffen. Der von uns getrunkene Alkohol ist nur ein Vertreter aus
dieser Stoff-Klasse. Wegen der Verwechslungsgefahr mit vielen giftigen Vertretern sollte der
Begriff Alkohol nur für Ethanol (Trinkalkohol) verwendet werden.
Der Name Alkohol leitet sich aus dem arabischen al kuhül ab, was soviel wie "das Feinste"
bedeutet.
3.2.1.1. Bau und Struktur der Alkanole
Alkanole basieren auf einem Alkan-Grundgerüst. Mindestens einmal
ist ein Sauerstoff-Atom zwischen einem Cohlenstoff- und einem WasR – O – H
serstoff-Atom eingeschoben. Der Substituent an einem CohlenstoffAtom wird als Hydroxyl-Gruppe bezeichnet.
Hydroxyl-Gruppe
Wie wir sehen werden, bestimmt diese Gruppe entscheidet über die
physikalischen und chemischen Eigenschaften.
Die Gruppe hat somit eine (besondere) Funktion für den Stoff bzw. die Stoffgruppe. Die
Chemiker sprechen bei solchen Atom-Gruppen von funktionellen Gruppen.
Praktisch kann man die Alkanole als Hydroxyl-Derivate der Kohlenwasserstoffe (bzw. AlkylDerivat des Wassers) auffassen, je nachdem was man als den zentralen Teil betrachtet und
was als Substituenten.
Die Position der Hydroxyl-Gruppe kann über das gesamte Molekül verteilt sein. In den meisten Fällen ergeben sich unterschiedliche Eigenschaften. Wir müssen deshalb die StellungsIsomere genau unterscheiden und namentlich exakt kennzeichnen. Betrachten wir zuerst
einmal die endständige Anordnung der Hydroxyl-Gruppe. In einem solchen Fall geben wir
die Position nicht extra an, da das endständige Cohlenstoff-Atom mit der Hydroxyl-Gruppe
die Positionsnummer 1 bekommt. Diese kann üblicherweise im Namen wegfallen.
Definition(en): funktionelle Gruppe
Eine funktionelle Gruppe ist ein Atom oder eine Atom-Gruppe, welche die chemischen Eigenschaften eines Stoffes oder einer Stoffgruppe charakteristisch bestimmen.
Definition(en): Alkanole (Alkohole)
Alkanole sind Sauerstoff-Derivate (der Cohlenwasserstoffe), die von der Grundstruktur
Cohlenwasserstoffen entsprechen und (mindestens) eine Hydroxyl- bzw. OH-Gruppe enthalten.
Alkanole sind Abkömmlinge von (reinen) Cohlenwasserstoffen, die eine Hydroxyl- bzw. OHGruppe als funktionelle Gruppe enthalten.
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 140 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Anz
.
C-A.
1
Name
Summenformel
Methanol
CH3OH
Strukturformel
H –
2
3
4
Ethanol
(Äthanol,
Alkohol)
C2H5OH
Trink-
Propanol
(Propylalkohol)
C3H7OH
Butanol
C4H9OH
(Butylalkohol)
5
Pentanol
C5H11OH
(Amylalkohol)
6
Hexanol
C6H13OH
(Hexylalkohol)
…
16
Hexadekanol
(Cetylalkohol)
C16H33OH
H
|
C
|
H
H
|
C
|
H
H
|
C
|
H
H
|
C
|
H
Verwendung
– O - H
H
|
H –
– C - O - H
|
H
H
H
|
|
H –
– C – C - O |
|
H
H
H
H
H
|
|
|
H –
– C – C – C |
|
|
H
H
H
H
H
H
H
H
|
|
|
|
|
H – C – C – C – C – C
|
|
|
|
|
H
H
H
H
H
H
H
H
H
H
|
|
|
|
|
H – C – C – C – C – C
|
|
|
|
|
H
H
H
H
H
H
OH
- OH
H
|
– C - OH
|
H
CH3-(CH2)14-CH2-OH
…
Exakterweise müsste man aber immer n- vor den Namen mit angeben, um zu kennzeichnen,
dass es sich um eine lineare (native, normale, von: neo) Struktur handelt. Aus der Tabelle
können wir sehen, dass die linearen Alkanole zumindestens von der Struktur her eine homologe Reihe bilden.
Alkohol
Verzweigte Alkanole bilden weitere
homologe Reihen, die aber schwerer
H
H
H
H
systematisch zu erfassen sind.
primärer
|
|
|
|
Ist an dem C-Atom (rot), an dem die
H – C – C – C – C - OH
Butan-1-ol
|
|
|
|
Hydroxyl-Gruppe gebunden ist (maxi(n-Butanol,
H
H
H
H
mal) noch ein weiteres C-Atom (blau)
Butanol-1)
gebunden, dann nennen wir solche
Alkanole primäre Alkohole (Alkanole).
H
H
H
H
sekundärer
|
|
|
|
Sind dagegen zwei weitere CohlenstoffButan-2-ol
H – C – C – C – C - H
Atome an diesem C-Atom gebunden,
|
|
|
|
(Butanol-2)
dann handelt es sich um einen sekundäH
H
OH H
ren Alkohol (Alkanol). Dies ist schon immer Fall, wenn die Hydroxyl-Gruppe im
H H H
tertiärer
zentralen Teil der Cohlenstoff-Kette des
\|/
2-MethylAlkan-Körpers gebunden ist.
H
C
H
Von einem tertiären Alkohol (Alkanol)
propan-2-ol
\
|
/
H – C – C – C – H
(2-Methylspricht man, wenn alle (drei) restlichen
/
|
\
propanol-2)
Bindungen zu einem C-Atom gehen.
H
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- 141 -
OH
H
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Die Namensgebung primär, sekundär und tertiär leitet sich aus der Anzahl der Nicht-Wasserstoff-Nachbarn (blau)
des Hydroxyl-Gruppe-tragenden Cohlenstoff-Atoms (rot) ab.
Für die einfachen Alkanole ergibt sich die allgemeine Formel CnH2n+1OH mit n = 1, 2, 3, ….
Die Zahl isomerer Verbindungen steigt – wie üblich – mit der Anzahl der C-Atome. Dabei
sind nicht nur die verschiedenen Stellungen der OH-Gruppe zu beachten, sondern auch
noch die verschiedenen linearen oder verzweigen Cohlenstoff-Gerüste. Auch wenn man es
vielleicht nicht erwartet, beide Abwandlungs-Möglichkeiten beeinflussen sehr stark die StoffEigenschaften. Am Beispiel der Schmelz- und Siede-Punkte wollen wir das hier kurz aufzeigen:
Stoff
Kp.
[°C]
1-Propanol
2-Propanol
Fp.
[°C]
-126
-90
1-Butanol
2-Butanol
2-Methyl-1-propanol
2-Methyl-2-propanol
-80
-114
-108
24 / 26
117
99
108
83 / 82
-79
138
1-Pentanol
Stoff
Fp.
[°C]
Kp.
[°C]
97
82
1-Hexanol
157
1-Heptanol
176
1-Octanol
195
1-Nonanol
215
1-Decanol
228
1,2,3-Propantriol (Glycerol)
Die vom Sauerstoff-Atom ausgehenden polarisierenden Effekte bewirken höhere Schmelzund Siede-Temperaturen als bei gleichgroßen KWS, da nun stärkere (polare) AnziehungsKräfte zwischen den Molekülen vorhanden sind. Weiterhin erhöht sich auch die reaktionsFreudigkeit gegenüber vergleichbaren Alkanen.
Beispiel: Propanol
Isomer
Struktur
Propan-1-ol
n-Propanol
Propan-2-ol
i-Propanol
Schmelzpunkt
F. [°C]
-126
Siedepunkt
Kp. [°C]
97
DipolMoment
[D]
1,65
- 88
- 90
82
1,65
Löslichkeit
in Wasser
[g / 100 ml]
pKS
15,9
17,1
Nach der ERLENMEYER-Regel dürfen an einem C-Atom keine zwei Hydroxyl-Gruppen gleichzeitig (geminal) sitzen. Ausnahmen – wie z.B. Acetale, - sind nur deshalb beständig, weil bei
ihnen sehr stark Elektronen-ziehende Gruppen in -Stellung vorhanden sind.
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- 142 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
3.2.1.2. Herstellung der Alkanole
Die Herstellung von Methanol ist seit dem 17.Jhd. als trockne Destillation von Holz bekannt.
Dabei geht der sogenannte Holzgeist – eben das Methanol – über. In der Synthese-Chemie
nutzt man Synthese-Gas als Ausgangsstoff für eine großvolumige Methonal-Produktion.
Synthese-Gas enthält Cohlenstoffmonoxid und Wasserstoff. Das Gas wird über einen Katalysator geleitet:
Kat.
CO + H2
CH3-OH
Bis auf Methanol lassen sich Alkanole direkt aus Alkenen gewinnen. Durch katalytische Addition von Wasser bilden sich verschiedene Alkohole, die dann u.U. noch getrennt (gereinigt)
werden müssen.
Im einfachsten Fall nutzt man Ethen zur Gewinnung von Ethanol. Hiebei handelt es sich um
eine elektrophile Addition ( AE-Mechanismus) von Wasser am Alken.
Kat.
H3C – CH2-OH
H2C = CH2 + H2O
Dieser technische Alkohol ist sachlich nicht von Trink-Alkohol zu unterscheiden, darf aber
aus rechtlichen Gründen nicht für den menschlichen Verzehr genutzt werdden. Technischer
Alkohol wird deshalb in den allermeisten Fällen vergällt. D.h. im wird ein Stoff (meist Benzin,
Campher, …) zugesetzt, der den Alkohol ungenießbar macht und sich nicht so einfach oder
gar nicht abtrennen lässt. Vergällter Alkohol muß dann auch nicht extra versteuert werden
und ist z.B. als Spiritus billig zu haben.
Den Spezialfall "Ethanol für menschliche (Trink-)Zwecke" betrachten wir direkt bei der Behandlung von Ethanol
als Stoff ( 3.2.1.4.1.1. Ethanol).
Ab drei Cohlenstoff-Atomen ergeben sich verschiedene Möglichkeiten bei der Stellung der
gebildeten OH-Gruppe.
Kat.
H3C – CH = CH2 + H2O
H3C – CH2 – CH2OH
Propen
primäres Alkanol: n-Propanol
Kat.
H3C – CH = CH2 + H2O
(H3C –)2 CHOH
Propen
sekundäres Alkanol: iso-Propanol (Propan-2-ol)
Bei der Reaktion treten also immer isomere Reaktions-Produkte auf, die dann noch getrennt
oder gereinigt werden müssen.
Langkettige Alkohole werden entweder aus Fetten gewonnen oder durch die Oxosynthese
(auch: Hydroformulierung) erzeugt. Bei dieser werden entsprechend große Alkene mit Synthese-Gas in Anwesenheit von Katalysatoren (Cobalt, Rhodium, …) zur Reaktion gebracht.
In einem ersten Schritt reagieren die Alkene mit Cohlenmonoxid:
Kat.
R – CH = CH2 + CO
R – CH – CH2 – CHO
(lineares) Alkanal
Kat.
R – CH = CH2 + CO
R – CH(CHO) – CH3
verzweigtes Alkanal
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- 143 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Im nachfolgenden Schritt werden die Alkanale mit Wasserstoff reduziert:
Kat.
R – CH – CH2 – CHO + H2
R – CH – CH2 – CH2OH
primäres Alkanol
Kat.
R – CH(CHO) – CH3 + H2
R – CH(CH2OH) – CH3
verzweigtes Alkanal
sekundäres Alkanol
Die Reaktion muss zwar bei 120 – 300 °C und einem Druck von rund 150 bar geführt werden. Trotzdem ist sie energetisch recht effektiv, da die Reaktionen exotherm sind und die
Abwärme zur Erwärmung der Ausgangstoffe genutzt wird.
3.2.1.3. physikalische und chemische Eigenschaften der Alkanole
Ähnlich wie bei Wasser-Molekülen bilden sich ausgehend von der Hydroxyl-Gruppe Wasserstoff-Brückenbindungen zwischen den Molekülen aus. Da mit steigender Kettenlänge die
Abstände zwischen möglichen Partnern (Hydroxyl-Gruppen) immer größer werden, verringert sich die Anzahl reel aufgebauter Brücken entsprechend. Schon hiermit haben wir gezeigt, dass es sich bei den kettenförmigen Alkanolen um eine typische homologe Reihe handelt.
Alkohol
Methanol
Ethanol
Propan-1-ol
Butan-1-ol
Pentan-1-ol
Hexan-1-ol
SiedeTemperatur
[°C]
+65
+78,5
Ethan-1,2-diol
+197
Propan-1,2,3-triol
+290
WasserLöslichkeit
[g/100 ml]
unbegrenzt
unbegrenzt
unbegrenzt
8
2
Die homologe Reihe der Alkanole zeigt die üblichen Abstufungen und Tendenzen bei verschiedenen Eigenschaften. Besonders die Siedetemperaturen zeigen ein schönes kontinuierliches Bild. Der
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(c,p) 2009-2015 lsp: dre
T [°C]
Alkane Fp
150
Alkane Kp
homologe Reihen der Alkane und der Alkanole
Alkanole Fp
Alkanole Kp
100
50
0
1
2
3
4
5
C-Atome
6
-50
-100
-150
-200
noch umformulieren:
Die Schmelz- und Siedetemperaturen steigen kontinuierlich an – liegen aber wegen der
Wasserstoff-Brücken deutlich über der, vergleichbarer (gleichschwerer) Moleküle.
T [°C]
Schmelz-Temperaturen der Alkane, Alkanole und Alkandiole
300
250
200
150
100
50
C-Atome
0
1
2
3
4
5
-50
6
7
8
9
10
Alkane Kp
Alkanole Kp
-100
Alkandiole Kp
-150
Alkantriole Kp
-200
Entgegen ersten Erwartungen haben Alkanole eher höhere Siede-Punkte. Auch die
Schmelz-Temperaturen sind leicht über den ersten Voraussagen gelegen. Besonders deutlich wird dies bei den ersten Gliedern der homologen Reihe.
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(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Stoff
SchmelzTemperatur
[°C]
Methan
Methanol
Ethan
Ethanol
Propan
Propan-1-ol
Butan
Butan-1-ol
SiedeTemperatur
[°C]
-162
+65
-89
+78,5
Ursache für dieses Phänomen sind die Sauerstoff-Atome. Sie depolarisieren vorrangig die
Bindung zum Wasserstoff. Der Sauerstoff ist in den Molekülen partiell negativ – das an ihnen
anhängende Wasserstoff-Atom ist dagegen partiell positiv – geladen.
- +
H3C - CH2 - O - H
- +
H3C - CH2 - O ► H
partielle Ladungen aufgrund
der Elektronegativität
teilweise Verschiebung des
Bindungselektronenpaares

H3C - CH2 – O|

H
vollständige Verschiebung des
Bindungselektronenpaares
(Ionen-Bildung)
Die alkylischen Reste sind unpolar. Die unterschiedliche Verteilung der polaren Eigenschaften sorgt nun dafür, dass sich die Moleküle so ausrichten, dass immer zusammengehörende
Molekül-Eigenschaften sich annähern. Die polaren Kräfte sorgen für sich schon für eine rund
10x stärke Anziehungskraft, als es die VAN-DER-WAALSschen Kräfte an den alkylischen Resten können. Nun kommt aber noch ein weiterer Effekt dazu, der die Anziehungskräfte an den
Hydroxyl-Gruppen weiter verstärkt. Die Wasserstoff-Atome der Hydroxyl-Gruppe sind so polar, dass sie auch von den negativ geladenen Sauerstoff-Atomen anderer – nahe liegender –
Moleküle angezogen werden. Die Anziehung kann so stark sein, dass das "fremde" Sauerstoff-Atom dem "eigenen" das Wasserstoff-Atom (als Wasserstoff-Ion) entwendet.
Nun ist das eigene Molekül negativ und das andere Molekül positiv geladen. Beiden ziehen
nun noch stärker an, was wiederum die Rückgabe des "geliehenen" Wasserstoff's ermöglicht. Beide Moleküle nutzen gewissermaßen das Wasserstoff-Atom (Wasserstoff-Ion) gemeinsam. Das Wasserstoff-Ion (Proton) bildet gewissermaßen eine Brücke zwischen den
zwei Molekülen. Wir sprechen von einer Wasserstoff-Brücken-Bindung. Diese ist recht stark
und ist z.B. auch für eine Vielzahl von besonderen Eigenschaften bei Wasser verantwortlich.
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(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Durch die Wasserstoff-Brücken-Bindung wird die Siedetemperatur nochmals erhöht, weil nun
nochmals mehr Energie für das Herausreißen eines Moleküls aus dem flüssigen MolekülVerband notwendig ist.
Die Alkanole bis C5 sind leichtgängige Flüssigkeiten. Mit steigender Kettenlänge werden sie
immer dickflüssiger. Ab C12 sind sie bei Zimmertemperatur fest und ab C16 von einer fettig
kristallinen Konsistenz (vergleichbar mit den Parafinen). Alkanole mit einer Cohlenstoff-Anzahl von 6 bis 22
werden wegen ihrer Zähflüssigkeit (aber auch wegen ihrer Herstellung aus Fettsäuren) als Fettalkohole bezeichnet. Ähnlich ist die Namensgebung der Wachsalkohole auf die vergleichbare Konsistenz der Alkane (Wachse,
Parafine) zurückzuführen. Hier sind Alkanole mit C24 bis C36 gemeint.
Die Löslichkeit in Wasser nimmt mit steigender Moleküllänge. Die polarisierende Wirkung der
Hydroxylgruppe wird bezogen auf das Gesamt-Molekül immer geringer. Bei den niedermolekularen Alkanolen (C1 – C3) werden die Moleküle fast lückenlos in die Wasser-MolekülCluster eingebaut. Damit ergibt sich eine unbegrenzte Mischbarkeit des Alkanols mit Wasser.
Mit steigender Ketten-Länge nimmt sowohl die Löslichkeit in Wasser – als auch die in Benzin
– ab.
Vor allem die kurzkettigen Alkanole sind gute Lösungsmittel für polare und unpolare Stoffe.
In der Praxis werden sie deshalb oft als Reinigungmittel verwendet. Z.B. sind Fester- oder
Glas-Reiniger zu einem großen Anteil aus Alkanolen zusammengesetzt.
Erhitzt man ein Wasser-Ethanol-Gemisch,
dann müssten sich die beiden Bestandteile
eigentlich durch Destillation voneinander
trennen lassen. Die einzelnen Siedetemperaturen liegen rund 20 K auseinander. Seltsamerweise passiert dies nicht. Wasser und
Alkanol bilden ein sogenanntes azeotropes
Gemisch (konstant siedendes Gemisch).
Egal von welchem Ausgangsgemisch man
ausgeht, man erhält am Ende immer ein
Gemisch von Ethanol (96 %) und Wasser (4
%), welches bei 78 °C siedet.
Somit ist auch maximal eine Ethanol-Lösung mit 96 Vol% möglich.
Ursache für die Bildung des azeotropen Gemisches sind die starken Wasserstoff-BrückenBindungen und doch relativ dichte Lage der Siedepunkte der Einzelkomponenten zueinander.
Für die Herstellung (Absolutierung) von reinem Ethanol (100 %ig) ist z.B. die Trocknung
(Wasser-Entzug) mit Calciumoxid oder Calciumcarbid notwendig. Durch chemische Umsetzungen binden die Trocknungstoffe das Wasser. Übrig bleibt fast reiner Ethanol (über 99 %).
Großtechnisch nutzt man einen anderen Trick. Durch Zusatz eines dritten Stoffes (ein sogenanntes Schleppmittel) erhält man ein ternäres Gemisch (drei Bestandteile). Der dritte Stoff wird so ausgewählt, dass sich im Bereich
des azeotropen Siedepunktes eine Mischungslücke auftut. Dort mischt sich einer der beiden – eigentlich zu trennenden – Stoffe nicht mit dem Schleppmittel. Meist geht an dem azeotropen Punkt ein Zweistoff-Gemisch über,
das dann aufgrund der Nichtmischbarkeit bei anderen Bedingungen wieder einfach getrennt werden kann. Dabei
gewinnt man das Schleppmittel zurück. Ein solches Verfahren nennt man in der technischen Chemie
Azeotropretifikation.
Ein weiterer interessanter Effekt tritt ein, wenn man kurzkettige Alkanole und Wasser vermengt. Mischt man z.B. reinen Ethanol mit reinem Wasser im Verhältnis 1 : 1, dann kommt
es zu einem Volumen-Verlust. Dieser liegt in unserem Beispiel bei rund 2 %.
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(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Die Erklärung ist realtiv einfach. Bei
beiden Stoffen unterscheiden sich
die Teilchengrößen. Die kleineren
Teilchen (hier Wasser) können sich
im Gemisch gut in die Lücken zwischen die großen Teilchen verteilen
(verstecken). Dadurch ergibt sich ein
geringeres Gesamt-Volumen (Volumen-Kontraktion). Zusätzlich tritt bei
Ethanol und Wasser noch ein ähnlich
gelagerter Effekt durch die Vermehrung der Wasserstoff-Brücken im
Gemisch auf. Im Vergleich zum reinen Ethanol können sich mehr Brücken (zum Wasser) bilden.
Wenn man die Hydroxyl-Gruppe betrachtet, dann könnte man annehmen, dass die Alkanole
basisch reagieren. Die OH-Gruppe wird aber beim Lösen im Wasser gar nicht frei. Ganz im
Gegenteil – Alkohole sind eher schwache Säuren.
In der einfachen und älteren Betrachtung nach ARRHENIUS gilt folgende Gleichung:

+
C2H5OH
C2H5O
-
+ H+
Aber natürlich gibt die Hydroxyl-Gruppe nicht einfach so sein Wasserstoff ab. Dazu muss die
Gruppe mit Wasser interagieren. Der elektronegative Sauerstoff übernimmt dann den Wasserstoff als Ion (Proton):
C2H5OH +
H2O
C2H5O
-
+ H3O+
Ethanat-Ion
Somit ist der Alkohol (hier das Ethanol) eine BROENSTED-Säure, da es ein Proton abgibt
(Protonen-Donator). Wenn nun das Alkoholat-Ion mit einem weiteren Alkohol-Molekül regiert,
dann kann es auch als BROENSTED-Base (Protonen-Akzeptor) fungieren.
C2H5OH +
Säure1
C2H5O
Base2
-
C2H5O
-
Base1
+ C2H5OH
Säure2
Mit dem Wissen, dass Alkohole eher schwache Säuren sind, lässt sich auch die Reaktion
von Alkoholen mit Natrium erklären. Natrium reagiert unter Gasbildung realtiv langsam ab.
C2H5OH +
Na
-
C2H5O + Na+ + H2 
Das gebildete Salz ist ein Alkoholat – so nennt man die Salze der Alkanole. In unserem Fall
wäre das Reaktionprodukt Natriumethanat.
Alkoholate reagieren mit Halogen-Kohlenwasserstoffen unter Abspaltung eines (anorganischen) Salzes zu Ethern ( 3.2.4. Ether).
Die Alkanole verfügen – wie wir gesehen haben – durch die Hydroxyl-Gruppe über neue Eigenschaften. Der Hydroxyl-Gruppe kommt also gewissermaßen eine Funktion zu. Sie beeinflußt die ursprünglichen Eigenschaften der Alkane (reaktionsträg, nur in unpolaren Lösungsmitteln löslich, …). Man spricht deshalb von einer funktionellen Gruppe. Die Hydroxyl-Gruppe
ist die funktionelle Gruppe der Alkanole.
Andere Eigenschaften scheinen unverändert. So sind auch die Alkanole brennbar. Viele Vertreter – vor allem die kurzkettigen – sind gut brennbar.
C3H7OH + 4 ½ O2
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3 CO2 + 4 H2O
- 148 -
;RH = - kJ / mol
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Neben der vollständigen Oxidation (Verbrennung) ist auch eine teilweise Oxidation (z.B. mit
Metalloxide) möglich:
R – CH2 – OH + CuO
prim. Alkohol Cupfer(II)-oxid
R – CHO + Cu + H2O
Alkanal
Verwendet man primäre Alkohole so erhält man erhält man sogenannte Alkanale ( 3.2.2.
Alkanale (Aldehyde)) – eine weitere Gruppe der Sauerstoffderivate von Alkanen. Bei weiterer
bzw. stärkerer Oxidation können auch Alkansäuren ( 3.2.3. Alkansäuren (Carbonsäuren))
entstehen.
Als Oxidationsmittel lassen sich z.B. auch Kaliumdichromat oder Kaliumpermanganat verwenden:
3 C3H7OH + K2Cr2O7 + 8 H+
C2H5CHO + 2 Cr3+ + 2 K+ + 7 H2O
Kaliumdichromat
|
Propanal
-
C2H5OH + MnO4 + H+
CH3CHO + MnO2 + H2O |
Permanganat
(violett)
Ethanal
(braun)
-
5 C4H9OH + 2 MnO4 + 6 H+
C3H7CHO + Mn2+ + 8 H2O
Permanganat
(violett)
Ethanal
(farblos)
Hierbei entstehen Alkanale (Aldehyde,  3.2.2. Alkanale (Aldehyde)). Gearbeit wird meist
bei schwefelsauren Bedingungen. Es reicht also schon eine relativ schwache Säure aus, um
genügend Protonen für die Oxidation bereitzustellen.
Ist der Ausgangsstoff für die Oxidation ein sekundärer Alkohol, dann bildet sich ein Keton (
3.2.5. Ketone).
CH3-HCOH-CH3 + K2Cr2O7 + 16 H+
CH3-CO-CH3 + 2 Cr3+ + 11 H2O
-
CH3-HCOH-CH3 + 2 MnO4 + 6 H+
CH3-CO-CH3 + MnO3 + 2 H2O
Permanganat
(violett)
-
5 CH3-HCOH-CH3 + 2 MnO4
Mangan(VI)-oxid
(grün)
+ 6 H+
5 CH3-CO-CH3 + Mn2+ + 8 H2O
Permanganat
(violett)
Mangan(II)-Ion
(farblos)
Tertiäre Alkohole reagieren unter den genannten einfachen oxidierenden Bedingungen nicht.
Bei ihnen ist nur die vollständige (zerstörende) Oxidation zu Cohlendioxid und Wasser möglich.
Die teilweise Oxidation von Ethanol an farbigen anorganischen Substanzen nutzt man für die
Anwendung als Atemalkohol-Teströhrchen.
3 C2H5OH + K2Cr2O7 + 4 H2SO4
3 CH3CHO + Cr2(SO4)3 + 7 H2O + K2SO4
(gelb)
(grün)
Je länger die grüne Säule ist, umso mehr Alkohol war in der Ausatem-Luft. Als Maß wird eine
bestimmte Luftmenge verwendet (aufzublasender Luftsack). Heute werden zur AtemAlkehol-Probe immer mehr elektronische Geräte verwendet. Sie sind mit speziellen Sensoren ausgestattet.
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- 149 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Die Oxidation durch das Chromat geht bis zur Carbonsäure weiter. Die Gesamt-Gleichung
für de Ausgangsstoff Ethanol sieht dann so aus:
-
3 C2H5OH + 2 Cr2O72
+ 16 H+
3 CH3COOH + 4 Cr3+ + 11 H2O
Dichromat-Ion
(gelb)
Essigsäure
Chrom(III)-Ion
(grün)
Setzt man erhitzten Alkanolen konzentrierte Schwefelsäure (als wasserentziehenden Stoff
(im gewissen Sinne eine Trocknung)), dann bilden sich verschiedene Stoffe. Betrachten wir
beispielhaft das Ethanol.
Bei Temperaturen bis 140 °C entsteht zuerst einmal ein sogenannter Ester ( 3.2.6. Ester).
< 140 °C
CH3-CH2OH + H2SO4
CH3-CH2-SO3H + H2O
Schwefelsäureethylester
Die Reaktionen, bei denen eine Säure mit einem Alkohol unter Bildung eines Esters reagiert,
heißen auch Veresterung. Praktisch handelt es sich auch um eine Substitution. Im konkreten
Fall wird aus dem Ethanol die Hydroxyl-Gruppe durch den Säure-Rest der Schwefelsäure
ausgetauscht. Später werden wir auch noch ausführlich die Ester-Bildung mit organischen
Säuren (Carbonsäuren) kennenlernen ( 3.2.3. Alkansäuren (Carbonsäuren)).
Mit der veresterung haben wir einen Fall einer nucleophilen Substitution vorliegen. Das angreifende Teilchen (hier
Hydrogensulfat) bringt ein freies Elektronen-Päarchen für eine neue Bindung mit und ist damit Kern-liebend.
Wer will kann die Substitution aber auch der Sicht der OH-Gruppe sehen. Dann wird der Alkyl-Rest gegen ein
Proton von der Schwefelsäure ausgetauscht. Der völlig offene Chemiker sieht hier auch eine Säure-BaseReaktion, bei der die schwache Säure Ethanol – die hier als Base fungiert – mit der starken Säure Schwefelsäure
"neutralisiert" wird. Zumindestens sind Protonen-Abgabe (bei der Schwefelsäure) und Protonen-Aufnahme (beim
Alkohol, mit anschließender Abspaltung von Wasser) gut nachzuvollziehen.
Man könnte die Reaktion aber auch als Kondensations-Reaktionen charakterisieren, da bei
dieser Art der Substitutions-Reaktion ein kleines Molekül – hier Wasser – abgespalten wird.
Bei ungefähr 140 °C kommt es vorrangig zu einer anderen Kondensations-Reaktion. Ethanol
reagiert dabei mit sich selbst unter Bildung eines Ethers ( 3.2.4. Ether).
c H2SO4, 140 °C
CH3–CH2 – O – CH2–CH3 + H2O
2 CH3-CH2OH
Diethylether
Ether sind durch die typische Sauerstoff-Brücke zwischen zwei Cohlenstoff-Atomen gekennzeichnet.
Verwendet man noch höhere Temperaturen (um 170 °C), dann kommt es zur Eliminierung
von Wasser aus dem Alkohol:
c H2SO4, 170 °C
CH3-CH2OH
CH2=CH2 + H2O
Das Gleiche kann man auch bei anderen Alkoholen realisieren:
c H2SO4, 200 – 300 °C
CH3-CHOH-CH3
CH3-CH=CH2 + H2O
Die Reaktion nennt sich allgemein Dehydatisierung, da Wasser (hydrat) entfernt (De-) / abgespalten wird. Dehydratisierungen sind ein Spezialfall der Eliminierungen.
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- 150 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Zur Bestimmung, um welchen Substitutions–
Grad es sich bei einem Alkohol handelt, verwendet man den LUCAS-Test. Hierbei wird die
Probe mit LUCAS-Lösung (Zinkchlorid in konzentrieter
Salzsäure) versetzt. Tertiäre Alkohole reagieren
bei Zimmer-Temperatur umgehend, während
sekundäre Alkohole erst nach rund 5 min umgesetzt werden. Um primäre Alkohole reagieren
zu lassen, ist immer ein Erwärmen notwendig.
ZnCl2; 
R–OH + HCl
R–Cl + H2O
negativ und positiv verlaufener LUCAS-Test
Q: de.wikipedia.org (Talos & Andel)
Der Test lässt sich allerdings nur für Alkohole mit bis maximal 6 C-Atome benutzen, da eine Lösung der Probe in
der LUCAS-Lösung notwendig ist. Außerdem reagieren z.B. Benzyl- und Allyl-Alkohol sofort mit der LUCASReagenz. Beim Allylalkohol kann man desweiteren keine Trübung beobachten.
Reaktion mit elementarem Natrium:
Nachweismittel
Bedingungen
Beobachtungen
… zus. noch dunkel-grün-Färbung
heftige Blasen- bzw.
Schaum-Bildung
Ergebnis
Resorcin
Wasser
(ev. Flamme od. Knistern)
(2 ml)
Probe
(Alkohol)
+
frisch entrindetes
Natrium-Stück
(Kantenlänge max.
0,5 cm !)
(silber)
Schutzbrille /
unter dem
Abzug
sehr schwache Blasenbildung
langkettiger
Alkohol
Blasen-Bildung
kurzkettiger
Alkohol
(Na löst sich auf)
anders
kein Alkohol
Oxidation der Alkohole:
Nachweismittel
(1 ml)
Probe
(Alkohol)
+
0,5 ml 20%ige H2SO4;
0,5 – 1 ml
verd. Kaliumpermanganat-Lösung
(violett)
Bedingungen
warmes
Wasserbad
Beobachtungen
Ergebnis
braun
(Niedeschlag)
(grün)
prim. od. sek.
Alkohol
anders
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 151 -
ev. tert. Alkohol
oder kein Alkohol
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Prüfung der Art des Alkohols:
Nachweismittel
Bedingungen
Beobachtungen
Eintrübung,
langsame
Phasen-Bildung (erst
nach 5 min)
Ergebnis
sek. Alkohol
(ev. auch erst nach
(längerem) Erwärmen)
2 ml
Probe +
12 ml
LUCAS Lösung
(136 g ZnCl2 in 105 g
cHCl)
(farblos)
(Zimmertemperatur; schnell zusammenkippen
und schütteln)
(opt. Temp.:
26 – 27 °C)
schnelle
Eintrübung (untere Phase)
u. Phasen-Bildung
tert. Alkohol
Benzylalkohol
Allylalkohol
anderes:
keine Trübung, keine
Phasen-Bildung
(auch bei längerem
Erwärmen)
prim. Alkohol
od. kein Alkohol
Aufgaben:
1. Stellen Sie für die nachfolgenden Reaktionen die chemischen Gleichungen
auf!
a) Reaktion von n-Propanol mit Natrium
b) vollständige Verbrennung von Ethanol
c) Bildung von Natriumbutanat
2. Vergleichen Sie die Hydroxyl-Gruppe mit dem Hydroxid-Ion!
3. Vermischen Sie 100 ml Seesand oder Senfkörner mit 100 ml Pfefferkörner
oder Wachaolderbeeren! Messen Sie das gebildete Volumen exakt aus! Wie
lässt sich die Beobachtung erklären?
Eine weitere Methode ist der Cer-Test. Bei ihm wird die zu untersuchende Lösung mit konzentrierter Cer(IV)-ammoniumnitrat-Lösung (gelb) versetzt. Mit Alkoholen bzw. Phenolen
kommt es zum Farb-Umschlag nach rot (selten grün). Dahinter steckt eine Komplex-Bildung
des Cer4+-Ions mit den Sauerstoff-Atomen in der Hydroxyl-Gruppe.
Nachweis von Alkoholen / Phenolen:
Nachweismittel
Bedingungen
Beobachtungen
milchig bis gelb
Probe +
wenige Tropfen
(konz.) Cer(IV)ammoniumnitratLösung
(gelb)
orange – rot
(grün, braun)
ev. nur Spuren
enthalten
Alkohol
od. Phenol
schütteln
anders /
unverändert
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
Ergebnis
- 152 -
kein Alkohol
bzw. Phenol
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Unterscheidung von primären, sekundären und tertiären Alkoholen:
1. Unterscheidung tertiärer Alkohole von primären und sekundären
Nachweismittel
Bedingungen
Beobachtungen
ocker
(gelb-orange)
Probe +
grün
()
Ergebnis
tertiärer Alkohol
primärer od. sekundärer Alkohol
(ocker)
anders
kein Alkohol
2. Unterscheidung primäre und sekundäre Alkohole
Lösung
von
Schritt 1
…
Bedingungen
Nachweismittel
im Wasserbad
in einem Gefäß
mit Überleitung
vorsichtig erwärmen
Dämpfe einleiten in
…
(grün)
SCHIFF's Reagenz
Beobachtungen
farblos
(unverändert)
Ergebnis
sekundärer
Alkohol
violett
(pink, fuchsin)
primärer
Alkohol
(farblos)
anders
kein Alkohol
Bei sekundären Alkoholen mit einer Hydroxyl-Gruppe in der 2-Position verläuft die IodoformProbe (sonst charakteristisch für Methylketone ( 3.2.5. Ketone (Alkanone))) auch positiv
ab.
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 153 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Steuerung des Reaktions-Verlaufes bei Parallel-Reaktionen
Lässt man ein Alkohol (z.B. Ethanol) mit (konzentrierter) Schwefelsäure reagieren, dann könnten verschiedene Produkte entstehen. Neben einem Ester und einem Ether ist auch die Bildung eines Alkens
(Ethen) möglich:
C2H5OH + cH2SO4
Ethanol
conc. Schwefelsäure
C2H5OH + cH2SO4
Ethanol
conc. Schwefelsäure
C2H5-O-SO3H + H2O
Schwefelsäureethylester
C2H5-O- C2H5 + H2O + H2SO4
Diethylether
C2H5OH + cH2SO4
C2H4 + H2O + H2SO4
Ethanol
Ethen
conc. Schwefelsäure
Für jedes Produkt ist ein anderer Reaktions-Verlauf charakteristisch. Die einzelnen Reaktionen sind
durch spezielle Aktivierungs-Energien und Reaktions-Energien gekennzeichnet. Für die technische
Umsetzung ist es nun interessant, welche der Reaktionen im Reaktor abläuft. Sollten es mehrere sein,
dann interssiert natürlich der jeweilige Anteil am Gesamt-Reaktions-Geschehen und damit die zu erwartende Ausbeute.
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
Zusammenfassung der oberen Diagramme
(c,p) 2009-2015 lern-soft-projekt: drews
Aufgabe:
1. Überlegen Sie, welche Reaktion(en) in einem Reaktor mit Ethanol und konzentrierter Schwefelsäure wirklich ablaufen! Begründen Sie Ihre Entscheidung!
2. Welche Reaktionen laufen ab, wenn es sich um ein isoliertes System handelt? Erläutern Sie ausführlich!
Wird eine Reaktion z.B. über die Temperatur beeinflusst, dann gibt es die Möglichkeit die
Arbeits-Temperatur so zu wählen, dass die Reaktion am stärksten gefördert wird, die kinetisch bevorteilt ist. Dabei meint man solche Reaktionen, die schon bei möglichst geringer
Temperatur-Erhöhung – od. vielleicht sogar Kühlung – schon mit guter Ausbeute laufen. Mit
anderen Worten die Aktivierungs-Energie dieser Reaktion ist so gering, dass schon bei kleinen Temperaturen genügend Teilchen reagieren können. Eine solche Beeinflussung des
Reaktions-Geschehens nennen wir kinetische Kontrolle.
Anders herum kann man den Reaktions-Verlauf in einem Reaktor auch thermodynamisch
kontrollieren. Dabei werden die unterschiedlichen Energie-Niveaus der Reaktions-Produkte
ausgenutzt. Durch Temperatur-Erhöhung fördert man die Bildung des thermodynamisch
stabilsten Produktes – also dasjenige, welches das geringste Energieniveau hat. Dieses
Produkt liegt in einer so tiefen Energie-Senke, dass nur wenige Teilchen den Rückweg über
den Aktivierungs-Energie-Berg schaffen.
Aufgabe:
2. Welche weiteren Möglichkeiten zur Kontrolle des Reaktions-Geschehens
hat man noch? Geben Sie an, wie genau die Reaktion geführt werden müsste, dass ein von Ihnen gewähltes Endprodukt vorrang gebildet wird!
für die gehobene Anspruchsebene:
3. Ist es möglich, durch Temperatur-Erhöhung oder –Erniedrigung eine
100%ige Ausbeute nur eines Produktes zu erreichen? Begründen Sie Ihre
Meinung!
Reaktion mit Nucleophilen, wie z.B. Halogenid-Ionen, unter Anwesenheit eines Katalysators
(z.B. konzentrierte Schwefelsäure)
R–OH + Br
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
-
cH2 SO4; 
-
R–Br + OH
(c,p) 2009-2015 lern-soft-projekt: drews
3.2.1.3.x. Experimente zu und mit Alkoholen
Prüfen verschiedener Alltag-Produkte auf Alkohole
Materialien / Geräte:
1-Propanol, 2-Propanol,2-Methylprop-2-ol, verschiedene andere Alkohole zum Vergleich,
verschiedene Alltags-Produkte (gut geeignet: Kosmetika (Parfüm, Rasierwasser, …));
20%ige Schwefelsäue, verdünnte Kaliumpermanganat-Lösung, Wasserbad (warm); Reagenzgläser (RG)
Durchführung / Ablauf:
- je 1 ml jedes Alkohols in jeweils ein RG
- jeweils 0,5 Schwefelsäure ansäuern
- jeweils 0,5 – 1 ml Kaliumpermanganat-Lösung dazugeben und im Wasserbad erwärmen
Oxidation und Oxidierbarkeit der Alkohole (I)
Materialien / Geräte:
1-Propanol, 2-Propanol,2-Methylprop-2-ol, 20%ige Schwefelsäue, verdünnte Kaliumpermanganat-Lösung, Wasserbad (warm); Reagenzgläser (RG)
Durchführung / Ablauf:
- je 1 ml jedes Alkohols in jeweils ein RG
- jeweils mit 0,5 ml Schwefelsäure ansäuern
- jeweils 0,5 – 1 ml Kaliumpermanganat-Lösung dazugeben und im Wasserbad erwärmen
Oxidation und Oxidierbarkeit der Alkohole (II) / Cer-Probe
Materialien / Geräte:
1-Propanol, 2-Propanol,2-Methylprop-2-ol, Reagenzgläser (RG); Cer(IV)-ammoniumnitratLösung
Durchführung / Ablauf:
- je 1 ml jedes Alkohols in jeweils ein RG
- jeweils wenige Tropfen Cer(IV)-ammoniumnitrat-Lösung dazugeben und schütteln
Oxidation und Oxidierbarkeit der Alkohole (III)
Materialien / Geräte:
1-Propanol, 2-Propanol,2-Methylprop-2-ol, 20%ige Schwefelsäue, Kaliumdichromat-Lösung,
Wasserbad (warm); Reagenzgläser (RG)
Durchführung / Ablauf:
- je 1 ml jedes Alkohols in jeweils ein RG
- jeweils mit 2 – 3 Tropfen Schwefelsäure ansäuern
- jeweils 0,5 – 1 ml Kaliumdichromat-Lösung dazugeben und im Wasserbad erwärmen; einige Minuten abwarten
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 156 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
3.2.1.3.1. Mechanismus der nucleophilen Substitution
zuerst Protonisierung der Hydroxyl-Gruppe, Bildung des Alkyloxonium-Ions
starker Elektronen-Sog (-I-Effekt) auf C-Atom, Bildung relativ starker positiver Partial-Ladung
am C-Atom
Halogenid-Ion greift bei positiver Partial-Ladung am C-Atom an, Bildung eines Komplexes
mit zentralem C-Atom und den restlichen (Nicht-OH-)Substituenten, planar mit 120° Bindungs-Winkel
auf diesem Dreieck nach unten bzw. oben das Brom-Atom bzw. das Wasser-Molekül
Abspaltung des Wasser und Bindung des Brom
Neben-Effekt der Reaktion ist die sogenannte W ALDEN-Umkehr. Die Nicht-OH-Substituenten
am C-Atom bekommen nach dem Zurückkehren in die tetraedrische Konstellation eine invertierte Konfiguration. z.B. bei sek. Alkoholen
wegen der Beteiligung von zwei Molekülen am Übergangs-Zustand bimolekularer SNMechanismus (SN2) genannt.
bei tert. Alkoholen SN1-Mechanismus
Bildung eines Carbenium-Ions als Übergangs-Zustand
nur ein Molekül, deshalb monomolekularer Mechanismus
Abspaltung des Wasser-Molekül aus dem Alkyloxonium-Ion, Bildung Carbenium-Ion, planar
Weiter-Reaktion des Carbeniums mit dem Halogenid
hier Verteilung der verschiedenen Stereo-Isomere 1 : 1
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 157 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Oxidation von Ethanol mit Cupferoxid (Reinigung von Cupfer)
Hinweise:
Spiritus ist brennbar! Deshalb einen sicheren Abstand zwischen Wärme-Quelle zum Erhitzen
des Cupfer und dem
Materialien / Geräte:
oxidiertes (dunkelbraunes) Stück Cupfer (CuO); Becherglas od.ä., in welches das Stück
Cupfer passt; Ethanol (z.B. Spiritus); Wärme-Quelle (möglichst keine offene Flamme!)
Durchführung / Ablauf:
- Becherglas mit Spiritus füllen
- das Stück Cupfer erhitzen und dann in den Spiritus eintauchen
- ev. Prozedur mehrfach wiederholen
alternativ:
- Cupferstück mindestens ein paar Tage in Spiritus legen (Gefäß abdecken, damit nicht unnötig viel Ethanol verdunstet)
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 158 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
3.2.1.4. Eigenschaften und Verwendung wichtiger Alkanole
3.2.1.4.1. einwertige Alkanole
3.2.1.4.1.1. Ethanol
Ältere Namen für diese Substanz sind Weingeist, Äthylalkohol, Ethylalkohol, Trinkalkohol. Alle sind mehr oder weniger gebräuchlich. Im Bereich der Chemie sollte man
wegen der Eindeutigkeit bei Ethanol bleiben. Gerne wird
die Abkürzung Etol (Et … Ethyl-Rest) genutzt. In der Medizin spricht man auch von C2.
Aus menschlicher und biologischer Sicht ist Ethanol der Q: commons.wikimedia.org (Benjah-bmm27)
bedeutsamste einwertige Alkanol.
Die Herstellung kann auf biologischen oder technischen Weg erfolgen. Die Herstelungsart
entscheidet auch über die mögliche weitere Verwendung.Die technische Darstellung erfolgt
z.B. aus Ethen durch katalytische Wasser-Anlagerung (s.a.  3.2.1.2. Herstellung der
Alkanole):
Kat.
C2H4 + H2O
C2H5OH
Für Trinkzwecke ist nur natürlich entstandener Alkohol zulässig. Der Herstellungsweg ist die
alkoholische Gärung. Neben Hefe-Pilzen können viele andere – vor allem anaerob (ohne
Sauerstoff) lebende Einzeller – die alkoholische Gärung durchführen. Sie benötigen dafür
einige bestimmte Enzyme.
Enzyme
C6H12O6
C2H5OH + 2 CO2
; RH = - 104 kJ / mol
Praktisch steckt der Prozess der Glycolyse (diesen Prozess können alle Zellen) dahinter, der durch
spezielle Reaktionen abgeschlossen wird. Diese sind zur Entsorgung des Endprodukts der
Glycolyse – der Brenztraubensäure (BTS  3.2.3.3.3. Derivate der Alkansäuren) – notwendig.
Hefen geben den produzierten Ethanol in die Umgebung ab (Gärballon). Mit steigendem Alkoholgehalt vergiften sich die Hefen selbt und sterben ab. Normalerweise hört die Gärung
bei 12 – 14 % Ethanol auf ( Wein). Selten können speziele Hefen (z.B. DessertWeinhefen) bis 18 % Ethanol-Gehalt erreichen.
Höhere Alkohol-Konzentrationen werden durch Destillation (Brennen) erreicht ( Weinbrand). Hierbei ist besondere Vorsicht walten zu lassen, da z.B. das giftige Methanol zuerst
übergeht.
Brennspiritus ist meist technischer Alkohol. Wegen der Besteuerung von Trinkalkohol wird
technischem Alkohol Vergällungsmittel zugesetzt, um ihn ungenießbar zu machen. Typische
Vergällungsmittel sind Campher, Benzin, Petrolether oder Pyridin. Diese Stoffe lassen sich
nicht durch Destillation abtrennen, da sie einen ähnlichen Siedpunkt haben, wie der Alkohol.
Ethanol brennt mit heißer, bläulicher Flamme. Die wasserhelle (klarere) Flüssgkeit hat einen
beißenden Geschmack. Ethanol ist ein Nervengift. Die Giftigkeit (LD50 (letale Dosis für 50 % der
Menschen)) liegt bei mg/kg (Körpergewicht). Als Orientierung werden auch die folgenden Werte (alles LD50-Werte) gegeben. Die Aufnahme von 260 ml 100 %igem bzw. 650 ml 40 %igem
Ethanol ist tödlich. Für Kinder liegt der die tödliche Dosis bei 40 %igem Alkohol schon bei
100 – 200 ml. 3 ‰ (Promille, 1/1000, 1 ‰ = 0,1 %) bedeuten i.A. Lebensgefahr. Neben einem Kreislaufzusammenbruch kommt es bei höheren Konzentrationen in Blut zum Aussetzen des Kleinhirns. Zu beachten ist bei diesen Werten, dass bei einer Gewöhnung die Zahlen weit nach oben steigen können. Besonders gefährlich sind Kombinationen mit anderen
Stoffen (z.B. Medikamenten, Drogen, …). Selbst ist Ethanol eigentlich weitgehend ungefährlich. In den Zellen wird es aber weiter abgebaut. Das Zwischenprodukt (Ethanal  3.2.2.3.
wichtige Vertreter der Alkanale) ist dagegen sehr giftig. In einem weiteren Oxidationsschritt
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 159 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
wird aus dem Ethanal dann Essigsäure (Ethansäure;  3.2.3.3.1. einwertige Alkansäuren).
Die Essigsäure wird als coenzymgebundene Substanz (Acetyl-Coenzym A, AcCoA) in den
Citronensäure-Cyclus eingeschleust und dann in Energie (ATP) umgesetzt.
In den Zellen – und das eben auch in menschlichen Zellen – wird der Alkohol schrittweise
oxidiert. Chemisch könnten wir das vereinfacht so darstellen:
CH3-CH2OH + O2
CH3-CHO + H2O
Das gebildete Acetaldehyd ist dabei auch der eigentlich giftig wirkende Stoff in den Zellen.
Die Oxidation geht noch einen Schritt weiter:
CH3-CHO + ½ O2
CH3-COOH
In der Biochemie sieht es etwas komplizierter aus. Da für jeden Reaktions-Schritt ein Enzym
gebraucht wird, um eben unter zellulären Bedingungen (Temperatur, wässrige Lösung, pH, Druck)
wirklich eine Reaktion zu ermöglichen, sind die Reaktionen in andere Schritte aufgeteilt.
Alkoholdehydrogenase
CH3-CH2OH + NAD+
CH3-CHO + NADH2+
Im Magen hat man eine sehr aktive Alkoholdehydrogenase (ADH1) gefunden. Sie reagiert rund 200x effektiver als die
Die Dehydrogenasen sind vorrangig als Dimer
(Quatiär-Struktur) aktiv und beinhalten je Unter-Einheit
(Tertiär-Struktur) jeweils zwei Zink-Ionen. Ein Zink-Ion ist
direkt am aktiven Zentrum des Enzyms beteiligt. Fehlt
dieses Ion, dann kann das Enzym seine Funktion
nicht erfüllen.
Die ADH1 ist auch bei anderen Vergiftungen beteiligt. Sie wandelt
z.B. Methanol in das besonders giftige Methanal (Formaldehyd)
um. Dabei hat das Enzym auch noch eine höhere Vorliebe (Affinität) für das kleinere Methanol. In der Medizin behandelt man eine
Methanol-Vergiftung mit einer dosierten Gabe von Ethanol, damit
am Enzym immer eine Konkurrenz zum Methanol vorhanden ist
(kompetitive Hemmung des Enzyms).
Alkoholdehydrogenase
als Dimer oder Tetramer
Q: www.rcsb.org
Acetaldehyddehydrogenase
CH3-CHO + H2O + NAD+
Acetaldehyddehydrogenase
Dehydrogenase, ALDH2)
CH3-COOH + NADH2+
(Aldehyd-
Im asiatischen Raum besitzen sehr viele Menschen
ein
abgewandeltes
Gen für
die
Acetaldehyddehydrogenase. Durch lediglich eine
veränderte Aminosäure (Glutaminsäure gegen Lysin)
entsteht eine Enzym-Mutation, die zum Einen
langsamer arbeitet und zum Anderen selbst auch
noch leichter abgebaut wird. Dadurch kommt es
leicht zu einem Aldehyd-Stau und das Gift kann
seine Wirkung länger entfalten.
Oktamer der Acetaldehyddehydrogenase
Q: de.wikipedia.org (Ayacop)
Im nächsten Schritt wird die Essigsäure unter ATP-Verbrauch mit Co-Enzym A zu aktivierter
Essigsäure (Acetyl-Coenzym A, AcCoA) umgewandelt. Dieses kann dann in den CitratCyclus (Zitronensäure-Zyklus) eingeschleust werden und dort zu Cohlendioxid und Wasser
oxidiert werden. Dabei wird sehr viel Energie in Form von ATP ( exakt: GTP) und NADH2+ und
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 160 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
FADH2 frei. Letztere werden dann in der sogenannten Atmungskette in Zell-nutzbare Energie – das ATP – umgesetzt.
CH3-COOH + HS-CoA
CH3-CO~S-CoA + H2O
Aus physiologischer Sicht steckt recht viel Energie im Alkohol, was z.T. auch seinen wärmenden Effekt erklärt. Längerfristig ist der Effekt aber durch die Blut-Gefäße erweiternde
Wirkung überlagert. Dadurch wird mehr Blut in die Haut transportiert und wertvolle KörperWärme an die kühle Umgebung abgegeben.
Besonders gefährlich ist Ethanol durch seine Wirkung auf das Lust- und BefriedigungsZentrum in unserem Gehirn. Es kommt zu Veränderungen in den Stoffwechsel-Vorgängen.
Der Stoffwechsel wird auf den Abbau von Ethanol ausgerichtet. Als kleines Molekül wird
Ethanol sehr schnell resorbiert.
Beim langfristigen (erhöhten) Genuß von Alkohol kommt es zu einer Desensibilisierung des
Organismus. Es müssen immer größere Mengen aufgenommen werden, um einen vergleichbaren Effekt zu erreichen. Insgesamt ergibt sich ein großes Suchtpotential für Ethanol.
Im Lebensmittelbereich ist Ethanol ein beliebter Nahrungsbestandteil. Durch seine Lösungseigenschaften ist er ein idealer Geschmacksträger. Dazu kommen mazerierende Effekte
beim Einwirken auf Obst und Fleisch.
Bei anderen Lebensmitteln bzw. in der Produktion werden auch die desinfizierenden und
konservierenden Eigenschaften ausgenutzt.
Alkohol findet man selbst in unscheinbaren und als Baby-freundlich eingestuften Nahrungsmitteln. So enthalten reife Bananen bis zu 1 % Ethanol. Ob Baby's deshalb so gerne Bananen essen? Aber auch in Brot, Kuchen, Sauerkraut, Riegeln und vielen Säften findet man bis
zu 0,5 % Ethanol.
Man sollte aber auch nicht den Alkohol prinzipiell verdammen. Er gehört genauso zu vielen
lebensmitteln, wie andere aromatische oder färbende Stoffe, die häufig ebenfalls giftig sind.
Es macht einfach die Menge. Viele (giftige) Stoffe sind nur in minimalen Mengen enthalten
und haben nur sehr geringe Wirkungen. Auf sie alle zu verzichten würde unser Essen und
Leben sehr trist machen. Die zumeist sehr geringen Nebenwirkungen (ev. leichte Vergiftungs-Erscheinungen) kann man i.A. in Kauf nehmen. Nur spezielle veranlagte oder kranke
Personen müssen u.U. eine größe Obhut walten lassen.
Aufgaben:
1.
2. Wie sehen eigentlich (biologische,) zelluläre Bedingungen für chemische
Reaktionen so aus (durchschnittlich)?
3. Erläutern Sie, warum für einen funktionierenden Alkohol-Abbau auch eine
gute Mineralstoff-Versorgung notwendig ist!
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 161 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Blut-AlkoholGehalt []
Wirkungen
0,3
entpannend
erhöhtes Selbstbewußtsein
erste Geh-Störungen
Veringerung des KonzentrationsVermögen
0,4
0,5
0,6
0,7
0,8
eingeschränktes Sichtfeld
leichte Sprach-Störungen
Einschränkung der Fähigkeit zur
Benutzung von Kraftfahrzeugen
0,9
1,0
1,2
1,4
1,6
1,8
2,0 – 3,0
3,0 – 4,0
4,0 – 5,0
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
mittlerer Rauschzustand
vermehrt auftretende Übelkeit
Grenze für koordinierte Reaktionen
gestörtes Erinnerungs-Vermögen
("Film-Riß")
tödlich
- 162 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
3.2.1.4.1.2. Methanol
Ursprünglich wurde der Stoff Holzgeist genannt (Bildung bei
der trocknen Destillation von Holz). Der ältere Name
Methyalkohol sollte nicht verwendet werden, da er für Unwissende trügerisch ist. Besser und sicherer ist die Verwendung des Namens Methanol. Der Begriff Alkohol sollte
nur für den echten Trink-Alkohol (Ethanol) benutzt werQ: commons.wikimedia.org (Benjahden. Wenig verwendlich ist der alte Name Carbinol.
bmm27)
Methanol ist wasserhell, aromatisch riechend, brennbar
und geschmacklich nicht vom Ethanol zu unterscheiden
Er siedet vor Ethanol (64,5 °C; geht also auch bei Destillation mit über). Methanol ist ein sehr
giftiger Stoff. Seine Wirkung ist weniger berauschend. Schon geringe Mengen (8 – 10 g)
können zu dauernder Blindheit führen. Dazu kommen Gehirn- und diverse Organschäden.
20 ml Methanol sind für einen 75 kg schweren Menschen tödlich (zum Vergleich 60 ml Ethanol würde gerade 1 ‰ Blutalkohol bedeuten  dies ist noch rel. ungefährlich)
eingeatmet führen 10 – 100 g leicht zu Bewusstlosigkeit,
auch Resorption über die Haut möglich
technische Herstellung aus Synthese-Gas (CO + H2O), Jahres-Produktion über
1.000.000.000 Liter, hauptsächlich für die Herstellung von Methanal (Formaldehyd) und anderer Synthese-Produkte verwendet, aber auch als technisches Lösungsmittel
Methanol entsteht auch bei Gärprozessen z.B. aus den enthaltenen Pektinen. Zur Reinigung
werden deshalb die meisten Gärprodukte rektifiziert (destilliert). Zu Anfang und bei Siedetemperaturen unter 78 °C geht vor allem das Methonal ins Destillat über. Diese Vorlage wird
dann unbedingt verworfen!
Erste Hilfe / Gegenmittel: Magenspülung mit Natron (Natriumhydrogencarbonat), Gabe von
Kohle und Karlsbader Salz (GLAUBER-Salz, Natriumsulfat), Anregungsmittel Kaffee, Wärme
und Sauerstoff zur Aktivierung des Stoffwechsels
3.2.1.4.1.3. Amylalkohole
verschiedene Pentanole; entstehen bei der alkoholischen Gärung als Nebenprodukte durch
Vergärung von Aminosäuren, Peptiden und Eiweißstoffen
auch Fuselöle genannt, vor allem in billigem und selbst gebranntem Alkohol, unangenehmer
Geruch, reizen die oberen Verdauungsorgane (Mundhöhle, Rachen), sind giftig, verursachen
Kopfschmerzen und Übelkeit  "Fusel"
im Labor bei der Milchfett-Bestimmung verwendet
3.2.1.4.1.4. Propan-2-ol (iso-Propanol, 2-Propanol)
Lösungsmittel in der Kosmetik-Industrie
Desinfektionsmittel
Zusatz in Scheiben-Reinigungsmittel und als Frostschutzmittel bzw. Scheiben-Enteiser
Herstellung durch Addition von Wasser an Propen
Ausgangsstoff für die Produktion von Aceton ( )
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 163 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
3.2.1.4.1.5. Phenol
eigenartig riechend (wie Krankenhaus)
wenig wasserlöslich, wässrige Lösung schwach sauer 
Carbolsäure
Q: www.3dchem.com
Wasserstoff der Hydroxyl-Gruppe leichter abspaltbar als bei Ethanol  einfachere AlkoholatBildung z.B. mit Natrium
Salze heißen Phenolate
Wasserstoff-Atome am Phenol lassen sich leichter substituieren als beim Benzen  diverse
Derivate (Pentachlorphenol (PCP)  3.2.7. substituierte Aromaten mit Sauerstoff im Substituenten; Pikrinsäure (2,3,6-Trinitrophenol)  )
ebenfalls zwei- und dreiwertige Phenole bekannt, lösen sich gut in Wasser
Derivate des Phenols finden als Ätzmittel, Pflanzenschutzmittel (Lindan, DNOC, …), Fungizide (PCB's), Kühlmittel, Hydrauliköle (PBB's) usw. Verwendung; allgemein alle giftig, vielfach auch cancerogen, bei (einfacher) Verbrennung entstehen hochgiftige Dioxine und Furane
farblose Phenol reagiert mit gelben Eisen(III)-Ionen zu einem violetten Eisen(III)-PhenolKomplex
Nachweis von Phenol:
Nachweismittel
Probe +
Bedingungen
Beobachtungen
violett
(rot  purpur)
1%ige
Eisen(III)-chloridLösung
1:1
(gelb)
anders
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 164 -
Ergebnis
Phenol
kein Phenol
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
3.2.1.4.1.6. Vitamin A
Vitamin A
Q: www.3dchem.com
3.2.1.4.1.7. Cholesterol (Cholesterin)
Cholesterol
Q: www.3dchem.com
Propofol
Q: www.3dchem.com
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 165 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
3.2.1.4.1.8. weitere bedeutsame einwertige Alkohole (für die Biologie und Ernährungslehre)
Cerylalkohol und Myricylalkohol
C26H53OH bzw. C30H61OH
im Bienenwachs enthalten, für den angenehmen bzw. typischen Geruch verantwortlich
3-Methylbutanol
bitter, ranzig
2-Methylbutanol
Schweißgeruch, ranzig
2-Methylpropanol
"Fuselgeruch", (aufdringlich, weinartig)
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 166 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
3.2.1.4.2. wichtige mehrwertige Alkanole
stabiler ist die vicinale Stellung der Hydroxyl-Gruppen (direkt nebeneinander)
theoretisch möglich auch geminale Stellung (zwei Hydroxyl-Gruppen an einem C-Atom) nach
ERLENMEYER-Regel ist diese Stellung nur selten existenzfähig (reagiert weiter
Name
Kp [°C]
Löslichkeit
in Wasser
unbegrenzt
Dichte 
3
[g/cm ]
1,11
-12,9
197,3
M
[g/mol]
62,07
-59
188,2
76,09
unbegrenzt
1,04
1,4-Butandiol
20
230
90,12
unbegrenzt
1,02
1,5-Pentandiol
-16
242
104,15
0,99
1,6-Hexandiol
39 – 42
253 – 260
118,18
1,12
1,7-Heptandiol
17 – 19
259
132,21
0,95
1,8-Octandiol
57 – 61
272
146,23
1,9-Nonandiol
45 – 46
288
160,25
0,92
1,10-Decandiol
72
297
174,29
0,89
1,2,3-Propantriol (Glycerol)
18
290
92,09
1,2-Ethandiol (Ethylenglkol,
Fp [°C]
EG, Glycol, Glysanthin)
1,2-Propandiol
1,3-Propandiol
unbegrenzt
1,26
3.2.1.4.2.1. Ethandiol (Glycol) und Diethylenglycol (Diglycol)
einfachster mehrwertiger Alkohol
dickflüssig, süßlicher Geschmack, giftig
Glycol (Monoglykol, Ethylenglycol, EG, …); Frostschutzmittel im Kühlwasser
Mischung 1 : 1 mit Wasser gefriert erst bei -40 °C
Q: de.wikipedia.org (NEUROtiker)
namentlich bekanntgeworden durch den Glycol-Skandal,
gemeint
war
aber
Diglycol
(Diethylenglycol,
Dihydroxydiethylether, …) vor allem östereichische Weinbauern (Winzer) haben den Wein bzw. Wein-Konzentrate wegen
fehlender
Süße mit
Diglycol
gestreckt,
Gemacksverbessernder Effekt (süsslich und auch andere GeschmackQ: de.wikipedia.org (Yikrazuul)
stoffe betonend), keine Beeinflussung der Zuckermessungen,
so dass ein ungespritzter Wein (ohne den verbotenen Zuckerzusatz) vorgetäuscht wird
eigentlich auch Frostschutzmittel; farblos, geruchlos,
Herstellung über die Oxidation von Ethen zu Ethenoxid und dann weiter über eine Addition
von Wasser
Verwendung für die Herstellung von PET-Kunststoffen (Polyethylenterephthalat)
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 167 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
3.2.1.4.2.2. 1,2,3-Propantriol (Propan-1,2,3-triol, Glycerol, Glycerin, Glyzerin)
früher auch Propit, Ölsüß
Q: commons.wikimedia.org (Benjah-bmm27)
Gewinnung bei der Verseifung von Fetten
technische Herstellung aus Propen
Q: commons.wikimedia.org (Einrotsch)
Frostschutzmittel (Glysantin (60 %ig wässrige Lösung von Glycerol: Frostschutz bis -40 °C))
Verwendung für die Herstellung von Nitroglycerol (Nitroglycerin), einem sehr starken
Sprengstoff
in der Kosmetik-Industrie für die Herstellung von Salben
hygroskopische Eigenschaften werden bei der Verwendung als Feuchthaltemittel (z.B. für
Druckerschwärze, Tabak, Seife, …)
3.2.1.4.2.3. Pentite und Hexite
fünf- bzw. sechswertige Alkohole, Verstufen der Kohlenhydrate (eine Hydroxyl-Gruppe dann
oxidiert zu Aldehyd- bzw. Keto-Gruppe)
Sorbit
Zuckerersatzstoff für Diabetiker (Diabetikersüße)
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 168 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Aufgaben:
1.
2.
?.
?. Geben Sie zu den nummereirten Fragezeichen sowohl den passenden reaktions-Typ als auch eine passende Beispiel-Reaktions-Gleichung an! Als
Ausgangs-Stoff wird das Alken But-2-en verwendet!
für die gehobene Anspruchsebene:
?. Finden Sie zu dem Reaktions-Netz von Alkenen noch weitere Elemente
(neue Stoff-Gruppen od. Einzel-Stoffe und / oder Reaktions-Wege)? Geben
Sie dazu ebenfalls Reaktions-Typen und eine chemische ReaktionsGleichung an!
?. in der nachfolgenden Tabelle sind verschiedene Stoffe mit ihren Molekulargewichten sowie den Schmelz- und Siedepunkten zusammengestellt. Die
Stoffe wurden absichtlich in Gruppen mit relativ ähnlichen Molekulargewichten zusammengefasst.
Wie erklären Sie sich die doch stark abweichenden Schmelz- bzw. Siedetemperaturen in den Molekulargewichts-Gruppen? Stellen Sie eine ausführlich begründete Hypothese auf!
Stoff
Formel / Struktur
Schmelztemperatur
[°C]
CH4
Molekulargewicht
[g/mol]
16
Siedetemperatur
[°C]
-161
Methan
Wasser
H2O
18
0
100
Ethan
Methanol
C2H6
CH3OH
30
32
-89
65
Ethanol
Dimethylether
C2H5OH
CH3-O-CH3
46
46
78
-24
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 169 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
3.2.2. Alkanale (Aldehyde)
Alkanale bzw. Aldehyde sind Oxidationsprodukte der Alkanole. In der Natur finden wir
Alkanale vorrangig als Aroma- und Duftstoffe. Sie kommen dort zwar nur in geringen Mengen vor, sind aber für viele natürliche Aromen charakteristisch. Von der Menge und Wirkung
kennen wir das Ethanal (Acetaldehyd) bestimmt am Besten. Es entsteht beim ( oxidativen) Abbau von Trink-Alkohol (Ethanol) in unserem Körper. Das Ethanal ist auch der eigentlich gefährliche Stoff mit einer recht starken Gift-Wirkung. Auch die typische Alkohol-Fahne ist vorrang vom Ethanal geprägt.
Der Name Aldehyd leitet sich von dem lateinischen Ausdruck alcoholus dehydrogenatus ab.
Dies heißt so viel wie: dehydrierter Alkohol, oder mit anderen Worten, es ist Alkohol, dem
Wasserstoff entzogen worden ist. Bei der Beschreibung der Herstellung werden wir sehen,
dass sowohl der Ansatz des dehydrierten, wie auch des oxidierten Alkohols seine Berechtigung hat.
3.2.2.1. Bau und Struktur der Alkanale
Die charakteristische Baugruppe (funktionelle Gruppe) der
Alkanale ist die Carbonyl-Gruppe. Sie besteht aus einem
Cohlenstoff-Atom mit einem doppelt gebundenen SauerstoffAtom. Im Falle der Alkanale ist die letzte (4.) Bindung mit einem
Wasserstoff-Atom belegt (Aldehyd-Gruppe, Formyl-Gruppe). Bei
den recht ähnlichen Ketonen ( 3.2.5. Ketone) ist an der vierten Bindung ein weiteres C-Atom gebunden. Eine endständige
Carbonyl-Gruppe führt also immer zu den Alkanalen.
Diese funktionelle Gruppe kann natürlich – im Falle eines verzweigten Grundkörpers – auch relativ gesehen in der Mitte liegen. Carbonyl-Gruppen im Inneren der Cohlenstoff-Ketten führen immer zur Stoffgruppe der Ketone.
Die Alkanale bilden als Derivate der Alkane eine homologe Reihe. In dieser ist das Methanal mit zwei Wasserstoff-Atomen an
der Carbonyl-Gruppe mit einer Sonderstellung versehen.
Das Cohlenstoff-Atom ist in der Carbonal-Gruppe sp2hybridisiert. Je ein Orbital wird von den drei angebundenen
Atomen genutzt (-Bindungen). Dadurch ergibt sich eine Ausrichtung der Atome in einer Ebene. Der Bindungs-Winkel liegt
bei °. Das nicht hybridisierte p-Orbital bildet mit dem Sauerstoff
eine -Bindung (zweite Bindung der Doppel-Bindung).
Die Bindungslänge bei einer C-O-Doppelbindung ist mit 122 pm (= 1,22 Å) als
bei einer C-C-Doppelbindung (134 pm) und kleiner (19 pm) als die C-OEinfachbindung mit ihren 141 pm z.B. in Alkanolen.
O
//
R - C
\
H
Carbonyl-Gruppe
in einem Alkanal
O
//
R - C
\
H
Aldehyd-Gruppe
O
//
R1 - C
\
R2
Carbonyl-Gruppe
in einem Keton
Definition(en): Alkanale (Aldehyde)
Alkanale sind Sauerstoff-Derivate (der Cohlenwasserstoffe), die von der Grundstruktur
Cohlenwasserstoffen entsprechen und (mindestens) eine endständige Carbonyl- bzw. Aldehyd-Gruppe enthalten.
Alkanole sind Abkömmlinge von (reinen) Cohlenwasserstoffen, die eine endständige
Carbonyl- bzw. Aldehyd-Gruppe als funktionelle Gruppe enthalten.
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
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(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Anzahl
C-Atome
1
Name
Methanal
Summenformel
HCHO
Strukturformel
O
//
(Formaldehyd)
H – C
\
2
Ethanal
(Acetaldehyd)
C2H5CHO
3
Propanal
C3H7CHO
(Propylaldehyd
,
Propionaldehy
d)
4
Butanal
C4H9CHO
(nButyraldehyd)
5
Pentanal
C5H11CHO
(Amylaldehyd,
n-Pentaldehyd,
n-Valeraldehyd)
6
Hexanal
(n-Hexaldehyd,
Capronaldehy
d)
C6H13CHO
H
H
O
|
//
H – C – C
|
\
H
H
H
H
O
|
|
//
H – C – C – C
|
|
\
H
H
H
H
H
H
O
|
|
|
//
H – C – C – C – C
|
|
|
\
H
H
H
H
H
H
H
H
O
|
|
|
|
//
H – C – C – C – C – C
|
|
|
|
\
H
H
H
H
H
H
H
H
H
H
O
|
|
|
|
|
//
H – C – C – C – C – C – C
|
|
|
|
|
\
H
H
H
H
H
H
Verwendung
chemischer Grundstoff (Amino- und
Pheno-Plaste); Desinfektions-Mittel
…
Bindungs-Art
Bindungs-Länge [pm]
Bindungs-Energie [kJ/mol]
Polarität
:C=O
doppelt
122
745
C–O •
einfach
143
358
3.2.2.2. Herstellung der Alkanale
Die Herstellung eines Alkanals kann durch Dehydrierung – also dem Entzug von Wasserstoff
– erfolgen.
Kat.: Pt
C2H5OH
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
CH3CHO + H2
- 171 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Praktisch ist dies eine Redox-Reaktion. Dies wird auch deutlich, wenn man an den einfachen
Struktur-Formeln die Oxidationszahlen notiert.
+1 -3
-2 +1
-2 +1
+1 -3
H3C – CH2 – OH
+1 +1 -2
0
H3C – C H O + H2
Langkettige Alkohole werden entweder aus Fetten gewonnen oder durch die Oxosynthese
(auch: Hydroformulierung) erzeugt. Bei dieser werden entsprechend große Alkene mit Synthese-Gas in Anwesenheit von Katalysatoren (Cobalt, Rhodium, …) zur Reaktion gebracht.
In einem ersten Schritt reagieren die Alkene mit Cohlenmonoxid:
Kat.
R – CH = CH2 + CO
R – CH – CH2 – CHO
(lineares) Alkanal
Kat.
R – CH = CH2 + CO
R – CH(CHO) – CH3
verzweigtes Alkanal
Die Herstellung von Methanal erfolgt großtechnisch durch die Oxidation von Methanol an
Silber- oder speziellen Metalloxid-Katalysatoren.
Kat.
CH3OH + ½ O2
CH3CHO
Prinzipiell lassen sich natürlich auch alle anderen Alkanale herstellen. Voraussetzung sind
natürlich primäre Alkohole als Ausgangsstoffe.
3.2.2.3. physikalische und chemische Eigenschaften der Alkanale
Im Vergleich zur C-C-Doppelbindung ist die C-O-Doppelbindung polar. Dies macht auch ihre
hohe Reaktivität aus. Die Polarität und die damit verbundenen höheren zwischenmolekularen Kräfte sind die Ursache für höhere Siede-Temperaturen (im Vergleich zu den Alkanen mit
vergleichbarer Kettenlänge und Molekül-Oberfläche). Bezüglich ähnlicher Alkanole haben Alkanale
aber kleinere Siedepunkte. Dieses liegt an den fehlenden Wasserstoff-Brücken-Bindungen.
Alkanale besitzen keine polarisierten Wasserstoff-Atome, die an benachtbare Moleküle ausgeliehen oder von diesen geliehen werden könnten. Die Schmelz-Temperaturen sind ebenfalls niedriger, als die vergleichbarer Alkanole.
Mit anderen Stoffen, welche polarisierbare Wasserstoff-Atome besitzen, kann die CarbonylGruppe dann aber doch Wasserstoff-Brücken-Bindungen aufbauen. Ein solcher Stoff ist z.B.
Wasser. Kurzkettige Alkanale lösen sich deshalb auch besonders gut in Wasser. Je länger
die Ketten werden, umso hydrophober wird das Molekül / der Stoff.
Allgemein werden Alkanale als recht Reaktions-freudig eingestuft. Natürlich nimmt auch hier
innerhalb der homologen Reihe die Reaktions-Freudigkeit stark ab.
Eine sehr ausgeprägte Reaktion ist hier – bedingt durch die C-O-Doppelbindung – die Addition. Dabei kommt es zur Auflösung der Doppelbindung am Sauerstoff und Bildung z.B. von
Alkoholen od.ä. Verbindungen (z.B. Ether ( 3.2.4. Ether)).
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- 172 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
In der Chemie der Nährstoffe finden wir sehr häufig eine spezielle Variante der Addition. Bei
den Kohlenhydraten reagieren die Carbonyl-Gruppe inter- oder intra-molekular mit den reichlich vorhandenen Hydroxyl-Gruppen. Das Ganze läuft als nucleophile Addition ab. Mittels
zusätzlicher Protonen wird die Reaktion gefördert:
H
H
/
R – C
+
/
H+
R – C
\\
\\
O
O – H

Nach der Protenierung bildet sich eine mesomere Struktur mit einer positiven Ladung entweder am Carbonyl-Sauerstoff oder am Carbonyl-Cohlenstoff.
H
/
H
/
R – C
\
O – H
R – C
\\
O – H

Die positive Ladung des Carbonyl-Colenstoffs ermöglicht nun den nucleophilen Angriff eines
Hydroxyl-Sauerstoff-Atoms. Dieses übernimmt die positive Ladung und bildet gleichzeitig eine Sauerstoff-Brücke (Ether-Gruppe) zum Carbonyl-Cohlenstoff.
H
/
R – C
\
OH
H
|
R – C –
|
OH
O – R'
+
/
H

O – R'
|
H
Am Schluß wird das katalytische Proton wieder abgespalten.
H
|
R – C –
|
OH
H
|
R – C – O – R'
|
OH

O – R'
|
H
Übrig bleibt eine Struktur aus Ether- und Hydroxyl-Gruppe, die man
Halbacetal nennt.
Halbacetale sind weiterhin durch einen angenehmen Geruch und
"Geschmack" charakterisiert.
Fasst man die Gleichungen zusammen, dann wird der Reaktionstyp "Addition" auch wirklich deutlich:
H
/
R – C
\\
H+
H
|
R - C – O - R
|
OH
H
|
R – C – O – R'
|
OH
O – R'
+
+
/
H
O
An der Reaktivität habt das Halbacetal wenig gegenüber dem Ausgangs-Alkanal verloren. So
kann es mit einer weiteren Hydroxyl-Gruppe zu einem Acetal (Vollacetal) reagieren:
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- 173 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
H
|
R – C – O – R'
|
OH
+
H
|
R – C – O – R'
||
O – H
/
H
H+
Unter Abspaltung von Wasser bildet sich ein Carbenium-Ion, welches dann wieder von einem Hydroxal-Sauerstoff-Atom (nucleophil) angegriffen werden kann.
H
|
R – C – O – R'
||
O – H
/
H
H
|
R – C – O – R'

H
|
R – C – O – R'

H
|
R – C – O – R'
|
O
/ \
H
R''
+
O – R''
/
H
H
|
R – C – O – R'
|
O
/ \
H
R''
H
|
R – C – O – R'
|
O
|
R''
Das (Voll-)Acetal ist nun durch zwei Ether-Strukturen (zwei Sauerstoff-Brücken) gekennzeichnet.
Auch in diesem Fall können wir über die zusammengefasste chemische Gleichung den Reaktionstyp gut erkennen. Es handelt sich
um eine typische Substitution. Es werden Atome bzw. AtomGruppen ausgetauscht. je nach Sichtweise ist es z.B. die OHGruppe des Halbacetals, die gegen den O-R-Rest eines Alkohols
getauscht wurde.
H
|
R – C – O – R'
|
OH
H
|
R – C – O – R'
|
O
|
R''
+
O – R''
/
H
+
H2 O
+
H+
H
|
R - C – O - R
|
O
|
R
+
H2 O
Acetale sind ebenfalls vielfach sehr charakteristisch und angenehm riechende Stoffe. Sie
bestimmen häufig die Basisnote von Frucht-Aromen.
Acetal- und Halbacetal-Bildungen finden wir später bei den Reaktionen der Monosaccharide
(Einfachzucker) bei deren Ringbildung. Hier findet die Halbacetal-Bildung intramolekuler
statt. Reagieren mehrere Monosaccharide untereinander, dann entstehen Vollacetale, die wir
noch als Oligo- und Poly-Saccharide kennenlernen werden.
Kurzkettige Alkanale neigen zur Autoaddition. Beim Formaldehyd (Methanal) führt dies zu
Polymeren mit bis zu 100 addierten Bausteinen (Monomeren). Das Produkt wird als Para-
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(c,p) 2009-2015 lsp: dre
formaldehyd (Paraform, p-Formaldehyd, Polyformaldehyd) bezeichnet. Der Polymerisationsgrad liegt
zwischen 8 und 100.
+ HCHO
H3C – O – CHO
H3C – O – CHO
+ HCHO
H3C – O – CH2 – O – CHO
H3C – O – CH2 – O – CHO
+ HCHO
H3C – O [– CH2 – O]2 – CHO
H3C – O [– CH2 – O]n – CHO
+ HCHO
H3C – O [– CH2 – O]n+1 – CHO
Polymethanal
HCHO
Das Paraformaldehyd setzt sich z.B. in Formaldehyd-Lösungen ab, wenn diese lange Zeit
stehen gelassen werden. Praktisch handelt es sich um einen Poly-Ether.
Paraformaldehyd kann unter Zusatz von Methanol stabilisiert werden und findet in der
präparativen Cytologie Anwendung. Setzt man dagegen Wasser zu und erhitzt das Ganze,
dann wird das Paraformaldehyd wieder stufenweise (vom Ende her) abgebaut. Der Abbau lässt
sich chemisch durch eine Veresterung oder Veretherung verhindern. Dabei wird die
andständige Aldehyd-Gruppe blockiert bzw. chemisch gewandelt, so dass die "normale"
endständige Eleminierung eines Formaldehyd-Monomeres nicht mehr möglich ist. Das stabilisierte Paraformaldehyd wird dann als Polyoxymethylen – einem Kunststoff – gehandelt.
Acetaldehyd (Ethanal) reagiert in Anwesenheit von Schwefelsäure zur cyclischen Ethern. Je
nach den Temperatur-Bedingungen bilden sich mehr Di-, Tri- oder Tetramere. Das tetramere
Acetaldehyd wird als Trockenbrennstoff (Trockenspiritus) und wegen seiner Giftigkeit auch
als Schnecken-Korn eingesetzt.
Trockenbrennstoffe auf Acetaldehyd-Basis enthalten meist auch noch höhere Oligomere –
allesamt cyclische Ether.
Kondensationsreaktion von Aldehyd mit Alkohol; führt zu Kunststoffe und Kunstharzen (Aldehyd mit Phenol(en))
Polykondensation
nucleophile Addition
von Wasser, Hydrat-Bildung, technologisch von geringer Bedeutung
|
R – C = O
O – H
|
H
|
R – C - O⊖
|
⊕O – H
|
H
Zwitter-Ion
|
R – C – O - H
|
O – H
Hydrat
instabiler Zustand mit zwei Hydroxyl-Gruppen an einem C-Atom (nach ERLENMEYER-Regel
selten bis unmöglich)
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 175 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
AN von Hydrogensulfit bzw. Sulfit (Sulfonierung)
Schwefel-Atom greift mit seinem freien Elektronen-Paar das positiv polarisierte C-Atom der
Aldehyd-Gruppe an
Protolyse
|
R – C = O
⊖
|
R – C - O⊖
|
O = S = O
|
O⊖
O - S – O⊖
||
O
+ H2O
-H2O
|
R – C – O - H
|
O = S = O
+
|
O⊖
⊖
O - H
Möglich sind bei Alkanalen auch Reduktionen (Redoxreaktionen). Dabei werden –
zumindestens in der ersten Stufe – Alkohole gebildet:
R – CHO + 2 <H>
R – CH2-OH
teilweise Oxidation zur Säure
+1 +1 -2
+3 -2 -2 +1
R – C H O + 2 OH
-
R – C O O H + H2O + 2 e
-
Oxidation
Als Reduktions-Mittel nimmt z.B. ein Cupfer-II-Ion die zwei Elektronen auf und wird zuerst
einmal zum gelben Cupferhydroxid oxidiert:
+2
+1
-
2 Cu2+ + 2 OH
-
+2e
2 CuOH
Reduktion
Aus Cupfer-II-Ionen werden somit Cupfer-I-Ionen. Danach folgt eine Abspaltung von Wasser,
so dass rotes Cupfer-I-oxid entsteht.
2 CuOH
Cu2O + H2O
Fasst man nun Oxidation und Reduktion zu einer gemeinsamen Gleichung zusammen, dann
erhält man:
-
R – CHO + 2 Cu2+ + 5 OH
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
R – COO
- 176 -
-
+ Cu2O ↓ + H2O
Redox
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Zur Beschleunigung der Reaktion wird bis zum Sieden
erhitzt.
In der Praxis reicht es Erfahrungs-gemäß aus, die Probe im Wasserbad
auf knapp unter 100 °C zu erwärmen. Dabei verhindert man, dass es
im Reaganzglas zu einem Siede-Verzug kommt und u.U. ProbenLösung aus dem Probengefäß herausspritzt.
Die gerade besprochene Redox-Reaktion lässt sich sehr
gut als Nachweis-Reaktion benutzen. Unter dem Namen
FEHLINGsche Probe wird sie praktisch sehr häufig eingesetzt.
Bei der FEHLINGschen Probe wird mit zwei Reagenzen
gearbeitet, die kurz vor der Verwendung im Verhältnis 1 :
1 gemischt werden. Dabei wird aus der hellblauen
FEHLINGschen Lösung I (FEHLING I) und der farblosen
FEHLINGschen Lösung II (FEHLING II) eine tiefblaue
Test-Reagenz. Chemisch gesehen ist FEHLING I eine
Cupfersulfat-Lösung, die hydratisierte – hellblaue –
Cupfer-II-Ionen enhält. In der FEHLINGschen Lösung II ist
neben einer Base (Natriumhydroxid) noch KaliumVersuchsaufbau für die
Natriumtartrat enthalten. Kalium-Natriumtartrat ist ein
FEHLINGsche und die
Mischsalz der Weinsäure, die positive Kalium- und NatriTOLLENSsche Probe
Q: de.wikibooks.org (Benedikt.Seidl)
um-Ionen enthält. Beide Lösungen sind sehr stabil und gut
haltbar.
Mischt man sie, dann bilden die hydratisierten Cu2+-Ionen und die Tartrat-Ionen (Säure-Rest
der Weinsäure) einen Komplex:
Zwei Tartrat-Ionen gruppieren sich dabei um das Cupfer-II-Ion herum und halten das Cu2+Ion gewissermaßen in der Zange. In dieser speziellen Bindung (Komplex-Bindung) hat das
Cu2+-Ion eine tiefblaue Farbe.
ein weiterer Nachweise für Alkane ist die Silberspiegel-Probe (Reaktion mit ammoniakalischer Silbernitrat-Lösung) oder auch TOLLENSsche Probe genannt
Silberspiegel-Probe / TOLLENSsche Probe:
-
R-CHO + 2 Ag+ + 2 OH
R-COOH + 2 Ag ↓ + H2O
farblos
Oxid.:
Red.:
silber, schwarz
CH3CHO + 2 OH
2 Ag+ + 2 e
-
CH3COOH + H2O + 2 e
2 Ag ↓
-
Nachweis der Carbonyl-Gruppe am Acetaldehyd (Ethanal) mittels frisch angerichteter ammoniakalischer Silbernitrat-Lösung (mit Silberdiamin-Komplex-Ion)
-
CH3CHO + 2 [Ag(NH3)2]+ + 2 OH
CH3COOH + 2 Ag ↓ + 4 NH3 + H2O
Test basiert ebenfalls auf Redoxreaktion
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 177 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
eine Reaktion mit Fuchsin-schwefliger Säure (SCHIFFsche Probe) funktioniert bei Alkanalen
ebenfalls als Nachweis
vor dem Test muss eine Fuchsin-Lösung schwefelsauer gemacht werden, dabei verschwindet die Fuchsin-Farbe
fuchsinfarbend
(Übergangs-Zustand)
farblos
durch die Anwesenheit von Alkanalen kommt es zur Reaktion der "blockierenden" SulfonGruppe eben mit der Aldehyd-Gruppe und der Rückbildung des sp2-hybridisierten ("farbigen") zentralen C-Atoms
schweflige Säure wird an der Amino-Gruppe gegen ein Wasserstoff substituiert
durch Aldehyd wird das zentral angelagerte Hydrogensulfit abgespalten und es bildet sich
die sp2-Hybridisierung an diesem C-Atom zurück, was eben wieder die Fuchsin-Farbe ergibt
hierbei handelt es nicht um eine Redox-Reaktion, es wird der Hybridisierungs-Zustand des
zentralen C-Atoms geändert, was zu einer Veränderung der Farb-Absorption führt (es treten
nun die für Chromatophore typischen mesomeren Zustände auf)
Bei Kohlenhydraten mit Aldehyd-Gruppe (reduzierende Zucker; Aldosen) sind wegen der
Ring-Bildung (intra-molekulare Halbacetal-Bildung) nicht genug freie Aldehyd-Gruppen vorhanden, um die Sulfonierung des zentralen C-Atom so rückgängig zu machen, dass die Färbung eintritt.
Alle Alkanale sind auch vollständig oxidierbar, d.h. brennbar. Besonders gut gelingt die Verbrennung bei festen Alkanalen.
H3C–CH2–CH2–CH2–CHO + 7 O2
5 CO2 + 5 H2O
; RH = - kJ / mol
???
Einige kurzkettige Alkanale führen untereinander – wie wir schon gesehen haben – Mehrfachadditionen durch, so dass größere Moleküle entstehen. Diese sind dann fest. Ein gutes
Beispiel aus der Praxis ist , welches als Brennstoff (Brennpaste) z.B. bei Warmhalteplatten
oder einem Fondue genutzt wird.
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 178 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Aldol-Addition
nucleophile Addition
z.B. Base-katalysiert möglich:
+
Mechanismus läuft über die Bildung eines Carb-Anion in der a-Position (2-Position) des ersten Aldehyd-Moleküls.
Dieses gebildete Carb-Anion ist Mesomerie-stabilisiert mit einer Stukt, die anionischen Sauerstoff und eine Doppelbildung am C1 enthält.
Der partiell geladene Sauerstoff (Nucleophil) des zweiten Aldehyd-Moleküls greift die Doppel-Bindung an. Es
kommt zur Auflösung der Doppel-Bindung und der Ausbildung einer neuen Bindung (in Abb. rot) zwischen beiden Molekülen.
Reaktion gibt es auch Säure-katalysiert.
Aufgabe:
1. Erstellen Sie aus den Textangaben den Reaktions-Mechanismus für die Base-katalysierte Aldol-Addition an!
Aufgabe für die gehobene Anspruchsebene:
2. Stellen Sie den Mechanismus für die Säure-katalysierte Aldol-Addition auf!
Aldol-Kondensation
nucleophile Substitution
ebenfalls Säure- oder Base-katalysiert möglich, Abspaltung von Wasser
+
+
Das Produkt – ein Alkenolal – enthält Doppel-Bindung und eine direkt benachbarte
Hydroxyl-Gruppe. In dieser Konstellation
kann es zur sogenannten Keto-EnolUmlagerung (Keto-Enol-Tautomerie) kommen. Dabei wird das teilweise polarisierte
Wassestoff-Atom vom Elektronen-Reichtum
Keto-Enol-Umlagerung
der Doppel-Bindung angezogen.
Der Sauerstoff übernimmt die Bindungs-Elektronen zum Wasserstoff und bildet damit eine
Doppel-Bindung zum Cohlenstoff. Dieses drückt die p-Elektronen zum zweiten C-Atom der
Doppel-Bindung, o sich der Wasserstoff nun anbinden kann.
Man spricht bei der Keto-Enol-Tautomerie auch von einer Protonen-Isomerie. Der Begriff
Tautomerie beschreibt die schnelle Möglichkeit der Übergänge zwischen den verschiedenen
Isomeren (hier Enol oder Keton). Dies bewirkt, dass beide Formen praktisch zu gleichen
(griech.: tauto) Anteilen (griech. meros) vorliegen und sie meist nicht so einfach voneinander zu
isolieren sind.
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 179 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Der Effekt wurde zuerst 1876 von BUTLEROW (1828 – 1886) entdeckt und von LAAR 1885
begrifflich geprägt.
Aufgaben:
1. Warum wurde eigentlich kein Mesomerie-Pfeil für die Keto-EnolUmlagerung verwendet? Begründen Sie Ihre Meinung! Berichtigen Sie die
Darstellung u.U.!
2. Sind noch weitere Molekül-internen Umlagerungen möglich? Notieren Sie
die Vorgänge mit den richtigen "Chemie"-Pfeilen!
Definition(en): Protonen-Isomerie
Von Protonen-Isomerie spricht man, wenn ein Proton innerhalb eines Moleküls unterschiedliche Positionen einnehmen kann (Prototropie).
Deie Protonen-Isomerie ist eine spezielle Form der Stellungs-Isomerie.
3.2.2.4. Eigenschaften und Verwendung wichtiger Alkanale
Formaldehyd
einfachste organische Verbindung mit doppelt gebundenem Sauerstoff.
Kp = -19 °C
rein also Gas
gut Wasser-löslich
wässrige Lösung heißt Formalin; wird als Desinfektions- und Konservierungsmittel (für Präparate) verwendet; läßt Eiweiße gerinnen  stark giftig und gilt als Krebs-erregend
(cancerogen),
bei Ratten führten 25 mg/m3 in der Atemluft zum frühzeitigen Tod, noch runter bis 7 mg/m3
lassen sich Schädigungen feststellen
Konzentrationen darunter werden von den Ratten schadlos ertragen, hier sind es die Körpereigenen Schleim-Proteine, die eine Bindung des Formaldehyd ermöglichen
für den Menschen sind die zulässigen Höchstwerte bei 0,6 mg/m3 (MAK-Wert) festgelegt
worden
oft in qualitativ minderwertigen Möbeln, Textilien und Auslegware verwendet oder enthalten,
am Ende der Produktion zu wenig gereinigt oder aus minderwertigen (verunreinigten) Rohmaterialien hergestellt
in Textilien und ähnlichen Produkten aus Fernost, die ev. auf dem langen Schiffs-Transport
von Schad-Organismen (Nager, Insekten, Pilze, …) geschützt werden sollen
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(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Ethanal
als Kondensations-Produkt Metaldehyd (praktisch ein zyklischer Mehrfach-Ether  (CH3CHO)4) bekannt. Trockenspriritus (!!! kein Ethanol); strukturell Tetramer (Esbit)
neben der Verwendung als Trockenbrennstoff auch im Schneckenkorn enthalten
Paraldehyd ist Trimer
zur Herstellung wird bei niedrigen Temperaturen mittels konzentrierter Schwefelsäure Wasser entzogen
anderes Verfahren zur Herstellung von Trockenspiritus (hier Urotropin (Hexamin)) durch Einleiten von Ammoniak ind Formalin
Q: de.wikipedia.org (Yikrazuul)
Benzaldehyd
(Benzencarbaldehyd,
Benzolcarbaldehyd, Phenylmethanal)
in Pfirsich- Mandel-, Kirsch-Kernen
als synthetisches Bittermandel-Aroma verwendet
Q: de.wikipedia.org (Benjah-bmm27)
Tetradecanal (C13H27CHO) ist an der Erzeugung von Licht bei den Leuchtbakterien
(a ) Achromobacter fischeri beteiligt.
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- 181 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
3.2.2.5. Derivate der Alkanale
Aldole als Hydroxy-Derivate der Aldehyde
mind. eine Hydroxyl-Gruppe neben einer Carbonyl-Gruppe
Bildung durch Aldol-Reaktion
zwei Formen Aldol-Kondensation und Aldol-Addition
große biochemische Bedeutung
3.2.2.5.1. spezielle Alkanal-Derivate
Testosteron
Q: www.3dchem.com
Nondralon
Q: www.3dchem.com
? Citral
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(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Citronellal (3,7-Dimethyl-6-octen-1-al, Rhodonal) ist ein Monoterpen-Aldehyd. Es gehört zu den Stoffen, die Pflanzen besonders
intensiv unter sehr guten Wachstumsbedingungen bilden (im sogenannten Tertiärstoffwechsel (Luxusstoffwechsel) ). Es ist der Hauptbestandteil des Citronell(a)-Öls, das aus den Blättern verschiedener Citrus–Pflanzen gewonnen wird. Aber auch in den Früchten des (A )
Gemeine Wacholder und der Limette findet man sehr viel
Citronellal.
Viele Ameisen verwenden es als Alarmstoff. Es verscheucht viele
Insekten (z.B. Mücken  Duftkerzen mit Citronella).
Q: de.wikipedia.org
(Yikrazuuk)
Vanillin
Zimtaldehyd
Aufgaben:
1.
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 183 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
3.2.3. Alkansäuren (Carbonsäuren)
Die Alkansäuren gehören neben den Nährstoffen (Kohlenhydrate, Fette, Eiweiße) zu den
organischen Stoffen, die am bekanntesten sind. Schon als Kinder hatten wir mit den
Alkansäuren viele unangenehme Kontakte, die zumeist sehr prägend sind. Denken wir nur
an den ersten Kontakt mit Ameisen oder Brennesseln. Die Ameisensäure an bzw. in unserer
Haut sorgten für intensive Gefühle. Aber auch der starke Geruch und der saure Geschmack
von Essigsäure bleibt einem ewig in Erinnerung.
Überhaupt sind die vielen Säuren in unseren Lebensmitteln zumeist Alkansäuren bzw. deren
Derivate (Milchsäure, Citronensäure, Apfelsäure, Fette, ). In den Zellen spielen Fettsäuren
als Bausteine für Fette und Phospholipide ( Zellmembran) eine herausragende Bedeutung.
3.2.3.1. Bau und Struktur der Alkansäuren
O
//
typisch am –COOH zu erkennen
beschreibt auch die funktionelle Gruppe – die CarbonsäureGruppe. Wobei unter Chemikern einfach nur von der Säure- od.
COOH-Gruppe gesprochen wird.
R - C
\
OH
Carbonyl-Gruppe
in einer Alkansäure
O
Mehrwertige Carbonsäure enthalten mehr als eine SäureGruppe.
Monocarbonsäuren enthalten eine Carbonsäure-Gruppe
Sind zwei Säure-Gruppen in einem Molekül verbaut, dann
spricht man von Dicarbonsäuren usw. usf.
Aus dem Rhabarber, Klee, Sauerampher und den Sternfrüchten
kennen wir die Oxalsäure (früher auch: Kleesäure). Sie ist eine
Dicarbonsäure.
//
R - C
\
OH
Carboxyl-Gruppe
(Carbon-)Säure-Gruppe
O
//
R - C
\
O⊖
Carboxylat-Gruppe
Nun könnte man ja auch eine Hydroxyl-Gruppe als Rest anbinden. Dann enthält man die Kohlensäure. Diese ist aber keine
Carbonsäure. Zum Einen kann der Rest keine beliebige Gruppe
sein, sondern es sind nur Cohlenwasserstoffe und ihre Derivate
zugelassen. Zum anderen wurde die Kohlensäure aus dem
Reich der organischen Stoffe ausgeschlossen. Sie und ihre Salze – die Carbonate – gehören per Definition zu den anorganischen Stoffen und können deshalb nicht bei den organischen
Carbonsäuren eingeordnet werden.
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 184 -
H
O
\
//
O - C
\
O - H
Kohlensäure
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Definition(en): Alkansäuren (Carbonsäuren)
Carbonsäuren / Alkansäuren sind Sauerstoff-Derivate (der Cohlenwasserstoffe), die von der
Grundstruktur Cohlenwasserstoffen entsprechen und (mindestens) eine Carboxyl- bzw.
COOH- bzw. (organische) Säure-Gruppe enthalten.
Alkanole sind Abkömmlinge von (reinen) Cohlenwasserstoffen, die eine Carboxyl- bzw.
COOH- bzw. (organische) Säure-Gruppe als funktionelle Gruppe enthalten.
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(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Anz.
C-A.
Name
1
Methansäure
Summenformel
CH2O2
(Ameisensäure)
HCOOH
2
Ethansäure
(Essigsäure)
C2H4O2
C2H5CHO
3
Propansäure
C3H6O2
(Propionsäure)
C3H7CHO
4
Butansäure
C4H8O2
(Buttersäure)
C4H9CHO
5
Pentansäure
C5H10O2
(Valeriansäure)
C5H11CHO
6
Hexansäure
C6H12O2
()
C6H13CHO
Strukturformel
Verwendung
O
//
H – C
\
OH
H
O
|
//
H – C – C
|
\
H
OH
H
H
O
|
|
//
H – C – C – C
|
|
\
H
H
OH
H
H
H
O
|
|
|
//
H – C – C – C – C
|
|
|
\
H
H
H
OH
H
H
H
H
O
|
|
|
|
//
H – C – C – C – C – C
|
|
|
|
\
H
H
H
H
OH
H
H
H
H
H
O
|
|
|
|
|
//
H – C – C – C – C – C – C
|
|
|
|
|
\
H
H
H
H
H
OH
…
3.2.3.2. Herstellung der Alkansäuren
aus natürlichen Fetten durch Verseifung (Reaktion mit Kalium- od. Natriumhydroxid) Spaltung der Fette in Glycerol und jeweils drei Fettsäuren
Spezialfall Essigsäure
Ethansäure lässt sich biotechnisch aus Ethanol bzw. Kohlenhydrat-reichen Rostoffen und
Abfällen gewinnen. Essigsäure-Bakterien setzen Ethanol zu Ethansäure um. Dazu wird Sauerstoff benötigt. Die damit durchgeführte Oxidation liefert ausreichend Energie für die Aufrechterhaltung der Lebensprozesse.
C2H5OH + O2
H3C-COOH + H2O
Unter sehr Natur-nahen (biogenen) Produktions-Bedingungen wird eine alkoholische RohLösung über einen lockeren Haufen (in einer Holzsäule) von Sägespänen getropft. An der Oberfläche der Späne leben die Essigsäure-Bakterien, die nun Essigsäure produzieren. Das Produktionsgerät nennt man deshalb auch einen Oberflächen-Fermenter. Die durchgelaufene
Lösung, die noch immer Ethanol enthält, wird nun noch mehrfach über die Späne geleitet.
Wenn dann aller Alkohol verbraucht ist und die Essigsäure-Konzentration ungefähr , dann
kann das Produkt nach einer einfachen Reinigung abgefüllt werden.
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(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Technische Essigsäure wird heute durch katalytische Addition von Cohlenmonoxid an Methanol hergestellt (Monsanto-Verfahren):
H3C-OH + CO
H3C-COOH
3.2.3.3. physikalische und chemische Eigenschaften der Alkansäuren
intermolekulare Wasserstoff-Brücken, besonders zwischen jeweils zwei Moleküle sehr stabil
entgegengesetzte Lage genau passend  energetisch sehr stabiler Zustand
ansonsten linear bzw. netzartig mehrere Moleküle miteinander über H-Brücken verbunden
Dimer-Bildung bewirkt
stärkere
Zwischenmolekuleren
Anziehungs-Kräfte.
Dadurch werden höhere
Siede-Temperaturen
(als bei vergleichbaren Alkoholen oder
Alkanen) beobachtet.
Im Vergleich zu den
Alkanen mit entsprechenden
MolekülMasse misst man
rund doppelt so große
Siede-Temperaturen.
Die
WasserLöslichkeit
verhält
sich ähnlich zu den
anderen homologen
Reihen. Die ersten
vier Reihen-Mitglieder
sind unbegrenzt mit
Wasser mischbar.
links oben: einzelnes Ethansäure-Molekül (Struktur-Formel)
rechts oben: Ethansäure-Dimer mit Wasserstoff-Brücken-Bindungen
(z.B. im flüssigen oder festen Aggregatzustand)
mitte unten: mehrere vernetzte Ethansäure-Moleküle
(im flüssigen Aggregatzustand); grau: VAN-DER-W AALS-Kräfte
Säure-Base-Reaktion
Wie es der Name schon aussagt, besitzen die Alkansäure einen sauren Geschmack. Demnach müssten sie auch die typischen Reaktionen von Säuren eingehen. Dem ist auch so.
In wässrigen Lösungen dissoziieren die Alkansäuren. Es kommt zur Abspaltung von Wasserstoff-Ionen.
R-COOH
Säure
R-COO
-
Säurerest-Ion
+ H+
Wasserstoff-Ion
Die Wasserstoff-Ionen (H+) lassen sich ganz klassisch mit den Säure-Base-Indikatoren, wie
z.B. Unitest nachweisen. Obige Gleichung entspricht dem veralteten Säure-Base-Modell von
ARREHNIUS. Heute verwenden wir lieber das Modell von BROENSTEDT. Dies trägt den Sachverhalt Rechnung, dass die Wasserstoff-Ionen oder auch Protonen – nichts anderes sind die
Wasserstoff-Ionen ja – nicht für sich vorkommen. Sie werden immer von einem anderen Stoff
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(c,p) 2009-2015 lsp: dre
(einer Base) aufgenommen. Nur dadurch können sie von einem anderen Stoff (der Säure) abgespalten werden.
R-COOH + H2O
Säure
Wasser
R-COO
-
+ H3O+
Säurerest-Ion
Hydronium-Ion
Betrachtet man diese Reaktion ganz nach BROENSTEDT dann reagiert die eine Säure mit
der einer Base. Die Säure wird dadurch zur Base (sie kann Protonen aufnehmen) und die Base
wird zur Säure (da sie ja nun wieder Protonen abgeben kann).
R-COOH + H2O
Säure1
Base2
R-COO
-
+ H3O+
Base1
Säure2
Die Säure und die Base mit der gleich Nummer, die sich praktisch nur durch das
aufgenommeine oder abgegebene Proton unterscheiden, bilden ein Paar, was in der Chemie
korrospondierendes Säure-Basen-Paar bezeichnet wird.
Im Vergleich zu den klassischen Mineralsäuren – wie z.B. Salzsäure, Schwefelsäure und
Salpetersäure – sind die organischen Säuren durchweg eher schwache Säuren. Dies liegt
daran, dass die Säure-Moleküle gar nich alle dissoziieren. Ein großer Teil bleibt im Gleichgewicht undissoziiert. In einer chemischen Gleichung kennzeichnet man dies durch unterschiedlich starke Pfeile:
C2H5-COOH + H2O
C2H5-COO
-
+ H3O+
Die Gleichung für eine Mineralsäure würde dann so aussehen:
HCl
+ H2O
-
H3O+ + Cl
Methansäure besonders sauer Ursache liegt im
speziellen Molekülbau
einzge Alkansäure ohne Alkyl-Gruppe
andere Alkansäuren fast gleich stark sauer
Alkyl-Gruppen schwächen durch +I-Effekt die Polarität der O-H-Bindung
Halogenalkansäuren sind stärker sauer als die vergleichbaren Alkansäuren
Halogen bewirkt –I-Effekt und somit stärker polarisierte O-H-Bindung
Disäuren haben höhere Säure-Stärke, was aufgrund
der zwei funktionellen Gruppen auch logisch erscheint.
beide Carboxyl-Gruppen bewirken –I-Effekt
kurz-kettige Dicarbonsäuren sind stärker sauer als
länger-kettige
–I-Effekt nimmt mit der größer werdenden Kettenlänge ab
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 188 -
Säure
Methansäure
Ethansäure
Propansäure
Butansäure
Pentansäure
pKS
3,70
4,76
Stärke
Octadecansäure
Halogenalkansäuren
Fluorethansäure
Chlorethansäure
Brommethansäure
Iodethansäure
Dicarbonsäuren
Ethandisäure
Propandisäure
Butandisäure
2,66
2,81
2,87
3,13
1,46
4,19
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Auf die meisten Reaktionen hat dieses besondere Verhalten aber nur wenig Auswirkungen.
Sie laufen etwas langsamer ab – bzw. die Gleichgewichte stellen sich etwas langsamer /
später ein. Das liegt daran, dass jeweils immer erst wieder dissozierte Säure nachgebildet
werden muss.
Alle Alkansäuren reagieren also Säure-typisch mit Metallen, Metalloxiden oder Basen zu
Salzen. Nehmen wir hier Beispiel-haft die Essigsäure (Ethansäure).
CH3-COOH
Essigsäure
+ Na
Natrium
2 CH3-COOH + Na2O
Essigsäure
CH3-COOH
Essigsäure
Natriumoxid
+ NaOH
Natriumhydroxid
CH3-COONa + ½ H2 ↑
Natriumacetat
Wasserstoff
2 CH3-COONa + H2O
Natriumacetat
Wasser
CH3-COONa + H2O
Natriumacetat
Wasser
Für ein mehrfach geladenes Metall – z.B. Magnesium – sehen die Gleichungen ähnlich aus.
Diesmal nehmen wir die Propansäure als Reaktions-Partner:
2 C2H5-COOH
Propansäure
2 C2H5-COOH
Propansäure
2 C2H5-COOH
Propansäure
(CH3-COO)2Mg + H2 ↑
+ Mg
Magnesium
Magnesiumpropiat
+ MgO
Wasserstoff
(CH3-COO)2Mg + H2O
Magnesiumoxid
Magnesiumpropiat
+ Mg(OH)2
Wasser
(CH3-COO)2Mg + 2 H2O
Magnesiumhydroxid
Magnesiumpropiat
Namen der Salze und Säurerest-Ionen von Monocarbonsäuren
Anz. Name der Salze Name des SäuAnz. Name der Salze
C-A.
rerest-Ions
C-A.
1
Formiate
Formiat-Ion
12
2
Acetate
Acetat-Ion
14
3
Propionate
Propiat-Ion
16
Palmitate
4
Butyrate
Butyrat-Ion
18
Stearate
5
Valerate
Valerat-Ion
6
7
8
9
10
Wasser
Name des Säurerest-Ions
Palmitat-Ion
Stearat-Ion
Für sogenannte Puffer ist die verlangsamte / geringere Dissoziation von schwachen Säuren
aber eine wichtige Voraussetzung. Puffer sind Stoff-Gemische, die ihren eingestellten pHWert auch bei Zusätzen (Säuren oder Basen) über einen bestimmen Bereich ( Kapazität des
Puffers) hin konstant halten können.
Die klassischen Puffer-Lösungen bestehen aus einer schwachen Säure und einem Salz dieser Säure mit einer starken Base. Als Beispiel nehmen wir hier mal einen EssigsäureNatriumacetat-Puffer.
In der Puffer-Lösung laufen zuerst einmal zwei Dissoziationen ab, die jeweils in einem bestimmten Gleichgewicht zueinander stehen:
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(c,p) 2009-2015 lsp: dre
-
+ H3O+
-
+ Na+
CH3-COOH + H2O
CH3-COO
CH3-COONa
CH3-COO
Die Säure-Disoziation wird zuerst einmal sehr stark zurückgedrängt, da durch das Dissoziieren des leicht löslichen Natriumacetates viele Acetat-Ionen zur Verfügung stehen. Nach dem
Prinzip von LE CHATELIER wird dadurch die Rückreaktion befördert. Damit nimmt auch der
Anteil freier Hydronium-Ionen ab – der pH-Wert wird größer (weniger sauer; basischer). Irgendwann stellt sich ein Gleichgewicht ein. Dies ist dann der gepufferte pH-Wert dieser Lösung. Er hängt im Wesentlhen vom Mengen-Verhältnis von Säure und Salz ab.
Interssant ist nun das Verhalten dieser (Puffer-)Lösung bei Zusatz von Säure oder Base. Betrachten wir zuerst einmal einen Zusatz von Säure. Welche das ist, ist nicht wirklich wichtig.
Durch die zugesetzte Säure erhöht sich der Anteil der Hydronium-Ionen. Diese können sofort
mit den überschüssigen Acetat-Ionen aus der Salz-Dissoziation reagieren:
CH3-COO
-
+ H3O+
CH3-COOH + H2O
Damit werden die zusätzlichen Hydronium-Ionen quasi gebunden und beeinflussen den pHWert kaum.
Der Zusatz einer Base (mit Hydroxid-Ionen (OH )) bewirkt die Neutralisation der HydroniumIonen, bzw. sie entziehen die Protonen direkt der Säure:
CH3-COOH + OH
-
CH3-COO
-
+ H2O
Die zugesetzten Hydroxid-Ionen werden ebenfalls sofort gebunden. Letztendlich können diese den pH-Wert ebenfalls nicht beeinflussen. Er bleibt konstant. Der Puffer erfüllt also seine
Aufgabe. In den Zellen und z.B. auch im Blut sorgen solche Puffer für relativ konstante pHWerte.
Wie fast alle organischen Stoffe lassen sich Alkansäuren oxidieren. Da wäre zuerst einmal
die Möglichkeit der teilweisen oder vollständigen Verbrennung. Beide sind möglich, aber
nicht wirklich sinnvoll.
Bei den Alkoholen ( 3.2.1. Alkanole (Alkohole)) und den Alkanalen ( 3.2.2. Alkanale (Aldehyde)) konnten wir auch eine teilweise Oxidation an der funktionellen Gruppe feststellen.
Dies geht nun bei den Alkansäuren nicht mehr, da das funktionelle C-Atom schon den
höchstmöglichen Oxidations-Zustand innerhalb von organischen Molekülen innehat:
-3 +1
-2 +1
+3 -2 -2 +1
C H3 – C H2 – C O O H
Was aber nun möglich sein sollte, ist eine Reduktion. Sie stellt quasi die Rück-Reaktion zur
Oxidation eines Alkanals dar ( 3.2.2.3. physikalische und chemische Eigenschaften der
Alkanale). Praktisch wird Wasserstoff benötigt, der in biologischen Systemen als Enzymgebundener Wasserstoff / Reduktions-Äquivalent (z.B. NADH2+, FADH2, NADPH2) bereit stehen muss. Inchemischen Gleichungen schreiben wir diesen Wasserstoff bekantermaßen in
gewinkelten Klammern:
+3
0
+1+1-2
CH3 – CH2 – COOH + 2 <H>
Propansäure
+1 -2
CH3 – CH2 – CHO + H2O
Enzym-gebundener
Wasserstoff
Propanal
Wasser
Der funktionelle Cohlenstoff wird also von +3 nach +1 reduziert. Der Enzym-gebundene
Sauerstoff wird im Gegenzug oxidiert. Diese Teil-Reaktion liefert die Elektronen für die Reduktion.
Eine besondere Reaktions-Art, zu der Alkansäuren fähig sind, ist die Veresterung. Dabei reagieren die Säuren mit einem Alkohol zu einem Ester ( 3.2.6. Ester).
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- 190 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Ester mit aromatischen – an Früchte erinnernde – Gerüche (Frucht-Aromen). Deshalb auch
gerne als Frucht-Ester bezeichnet.
verbreitete Verwendung in Lack- und Klebstoff-Industrie
Name der Verbindung
Frucht
Butansäuremethylester
Ananas
Ethensäurepenthylester
Birne
Name der Verbindung
Frucht
Die Rück-Reaktion der Veresterung ist die Verseifung. Sie führt vom Ester zu Alkohol und
Säure.
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- 191 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
3.2.3.4. Eigenschaften und Verwendung wichtiger Alkansäuren
3.2.3.4.1. einwertige Alkansäuren
Ameisensäure
schwache Säure
in Giftdrüsen der Ameisen (bis %), Nesselzellen der Nesseltiere (Quallen, Blumentiere, …), Brennnessel, aber
auch in den Giftdrüsen der Bienen und Wespen
Konservierungsmittel der Bienen für ihren Honig
Salze Formiate
in der Lebensmittelindustrie als Konservierungsmittel
durch Sorbinsäure ersetzt
heute noch Konservierungsmittel für Silagen
durch abgesenkten pH-Wert und aus Nitriten und Nitraten
freigesetzte Stickstoffoxid keimtötend und regulierend auf
die Zusammensetzung der Mikroorganismen-Kulturen
(Verhinderung von Fehlgärungen)
Ethansäure, Essigsäure
stechender Geruch, schwache Säure
Würz- und Konservierungsmittel
Salze Acetate (Azetate)
Grünspan an Cupfer-Geschirr Cupferacetat, giftig, basisch
Aluminiumacetat (essigsaure Tonerde) im Haushalt als
Kühlmittel oder mildes Desinfektionsmittel
Propansäure, Propionsäure
Konservierungsmittel fürr Feuchtgetreide (vorrangig Körnermais); Silierhilfsmittel
wird auch in Wiederkäuer-Mägen gebildet
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 192 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Butansäure, Buttersäure
typischer, ranziger Geruch, durchdringend; menschliche
Nase schon sehr empfindlich, die von Hunden noch extremer (Geruchsspuren-Verfolgung)
immer Anzeichen für Verderb
Q: www.3dchem.com
Octansäure
Q: www.3dchem.com
Oenanthylsäure
Tetradecansäure
Q: www.3dchem.com
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 193 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Octadecansäure
Q: www.3dchem.com
Ölsäure
Q: www.3dchem.com
Caprylsäure
Omega-3-Fettsäure (Linolensäure)
Q: www.3dchem.com
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 194 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
epa—Eicosapentaenoic ??? säure
Q: www.3dchem.com
Myristolsäure
Q: www.3dchem.com
Oleocanthal Oliven-Öl
Q: www.3dchem.com
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 195 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Benzoesäure (Benzolcarbonsäure)
weiß, fest, aromatischer Geruch, nur in heißem Wasser
löslich
natürlich vorkommend in Harzen, Harn, Obstschalen,
Preiselbeeren
Konservierungsmittel
Konserven)
(vorrangig
Obst-
und
Fisch-
Natriumbenzoat besser löslich in Wasser als die reine
Säure
Q: www.3dchem.com
Q: www.3dchem.com
Dopamin
Q: www.3dchem.com
Q: www.3dchem.com
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 196 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
3.2.3.4.2. mehrwertige Alkansäuren
CAnzahl
Name
Strukturformel
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
Ethandisäure
Propandisäure
-
Trivialname
Name des Säure-Rest-Ions
Oxalsäure
Malonsäure
Bernsteinsäure
Glutarsäure
Adipinsäure
Pimelinsäure
Korksäure
Azelainsäure
Sebacinsäure
Oxalat
Fumerat
Oxalsäure
stärkste natürliche organische Säure
natürlich vorkommend in Rhabarber, Sauerampfer, Tomaten, Johannesbeeren,
Calcium-Salz schwer löslich  Bestandteil von (Nieren)Steinen
zur Fleck-Entfernung (Tinte und Rost), Metall-Putz-Mittel
Q: www.3dchem.com
Malonsäure
für die Herstellung von Barbituraten verwendet
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 197 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
3.2.3.4.3. die besondere Gruppe der Fettsäuren
hierzu gehören Alkan- und Alkensäuren, die üblicherweise natürlich in Fetten vorkommen
alle natürlichen Fettsäuren besitzen immer eine gerade Anzahl an C-Atomen
dies ist durch die Bio-Synthese aus C2-Resten (Acetyl-Rest) bedingt
Alkansäuren werden als gesättigte Fettsäuren geführt
ungesättigte Fettsäuren enthalten eine oder mehrere Mehrfachbindungen (meist DoppelBindungen), meist an charakteristischen Positionen im Molekül
ungesättigte Fettsäuren mit mehreren Doppel-Bindungen sind für den Menschen essentiell,
d.h. sie müssen dem Körper von außen (durch die Nahrung) zugeführt werden
der menschliche Stoffwechsel kann diese Fettsäuren nicht selbst herstellen, sie werden aber
unbedingt gebraucht
als Quelle kommen nur pflanzliche Fette (Öle) in Frage, einzige tierische Quelle für
ungesätigte Fettsäuren sind einige Fisch-Sorten
die Fette der einzelnen Pflanzen oder Tiere sind nicht homogen aufgebaut. sie beinhalten
verschiedene Fettsäuren, zumeist aber in relativ stabilen Verhältnissen
die einzelnen Fett-Moleküle sind ebenfalls nicht einheitlich, sachlich sind die natürlichen Fette also Stoff-Gemische
der Geschmack der Fette wird vorrangig durch eingelagerte (gelöste) Stoffe bestimmt, aber
auch die Kombination der Fettsäuren spielt eine Rolle
Speisefettsäuren werden auch in Salz-Form als Lebensmittel-Zusatzstoffe verwendet.
die Natrium-, Kalium- und Calcium-Salze (E 470a) eignen sich als Emulgatoren, Stabilisatoren, Trennmittel, Überzugsmittel
genau so die Magnesium-Salze (E 470b)
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 198 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
3.2.3.5. Eigenschaften und Verwendung wichtiger Alkansäure-Derivate
3.2.3.5.1. Derivate der Alkansäuren
von großer theoretische Bedeutung Hydroxycarbonsäuren wegen spezieller Form der Isomerie  Spiegelbild-Isomerie
Milchsäure (2-Hydroxypropansäure) ist Muster-Beispiel
praktisch zuerst bei Weinsäure (2,3-Dihydroxybutandisäure) beobachtet und wissenschaftlich bearbeitet
große praktische Bedeutung im Zellstoffwechsel
Bestimmt haben Sie sich auch schon mal gefragt, was das besondere an links- oder rechtsdrehender Milchsäure sein soll. Die Werbung suggeriert uns da so irgendwas wie eine Wunder-Droge. Und wie soll das gehen? Drehen sich die Milchsäure-Bakterien bei der Herstellung der Milchsäure unterschiedlich, oder wie?
Schaut man auf die Etiketten verschiedener Milch-Produkte, dann gibt es scheinbar zwei
verschiedene Milchsäuren, die mal mehr oder weniger mit ihrem vollständigen Namen aufgeführt werden:
D-(-)-Milchsäure oder linksdrehende Milchsäure oder (R)-Milchsäure
L-(+)-Milchsäure oder rechtsdrehende Milchsäure oder (S)-Milchsäure
Das Geheimnis der beiden Milchsäuren – und es sind tatsächlich zwei verschiedene – liegt
mal wieder im Molekül-Bau.
Aufgaben:
(Hinweis: Wenn Sie diese Aufgaben zuhause machen, dann können Sie natürlich auch andere Kugel-förmige Objekte als Atom-Modelle benutzen! Ev.
beschriften Sie diese mit kleinen Zetteln! Als Bindungen kann man z.B.
Zahnstocher benutzen!)
1. Entwickeln Sie die Struktur-Formel von Milchsäure (2-Hydroxypropansäure)! Sind hier Formen von Isomerie zu erkennen?
2. Jeder Kursteilnehmer (oder kleine Gruppen) baut / bauen mit einem Molekül-Baukasten jeweils ein 2-Hydroxypropansäure-Molekül nach! (Einigen
Sie sich auf eine Art von Modellen (kurze oder lange Bindungen)!)
3. Vergleichen Sie die gebauten Moleküle durch direktes aneinanderlegen!
Versuchen Sie die Modelle mittels Drehungen um die Einfach-Bindungen
deckungsgleich zu bekommen!
4. Beschreiben Sie die Modelle, die nicht deckungsgleich sind! Wo liegt das
"Problem"?
5. Notieren Sie die beiden Struktur-Formeln Ihrer Modelle mit Hilfe der FISCHER-Projektion! (siehe ev. Exkurs)
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- 199 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Exkurs: FISCHER-Projektion
Die von dem Chemiker Emil FISCHER vorgeschlagene Methode zur ebenen Darstellung optisch aktiver Moleküle orientiert sich an folgenden Regeln / Schritten:
1. Die Cohlenstoff-Kette wird lang ausgestreckt von oben nach unten gezeichnet. Das
höchstoxidierte C-Atom (in der Abb.: COx; bzw. die Kette mit Selbigen) liegt dabei oben.
(Der Rest der C-Kette (in der Abb.: CHy) zeigt dementsprechend nach unten. Geht man von Tetraeder2.
3.
förmigen Raumstrukturen an den C-Atomen aus, dann bildet die C-Kette das Rückrat. Die restlichen Substituenten liegen waagerecht nach vorne bzw. nach hinten.)
Nun wird die Struktur auf die Projektionsebene abgebildet (quasi von hinten auf das Papier beleuchtet; die Blickrichtung (s.a. untere Abbildung ist von rechts nach links).
Eine D-Form liegt vor, wenn am untersten asymetrischen C-Atom der größte Substituent
(in der Abb.: -OH) auf der rechten Seite (lat.: dexter) liegt (siehe Abb.). Liegt der größte
Substituent auf der linken Seite lat.: laevus), dann handelt es sich um die L-Form (nicht
dargestellt).
Bei weiteren Betrachtungen und Manipulationen dürfen die Substituenten nur in der Ebene
bewegt werden. Ein Spiegeln, Umklappen oder Wechseln der Substituenten ist nicht zulässig.
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- 200 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Aber wieso sind diese Moleküle verschieden? Lassen sich nicht
die einzelnen Anordnungen durch Drehen an den Einfachbindungen ineinander überführen? - Leider nein!
Die Darstellung auf einem Blatt Papier (in der Ebene, wie bei
Aufgabe 1) erzeugt einen Fehler. Der Bindungswinkel ist nicht
90° sondern liegt im Raum bei rund 109°. Die räumliche Struktur
um ein Cohlenstoff-Atom herum entspricht einem Tetraeder, in
dessen Zentrum das C-Atom liegt und die Ecken die Bindungspartner darstellen.
Das mit dem * gekennzeichnete C-Atome besitzt eine weitere
wichtige Eigenschaft. Betrachtet man es als Zentrum, dann hängen an jeder Seite unterschiedliche Reste. Man nennt solche CAtome deshalb auch asymetrische (stereogene, chirale) Atome.
Ein asymetrisches C-Atom muss vier verschiedene Reste besitzen.
In der wissenschaftlichen Literatur findet man auch andere Kennzeichen für die
Asymetrie eines Atoms. Sehr häufig wird dabei die Raute # (od.a. Doppelkreuz)
genutzt. In solchen Büchern steht dann das Sternchen * für die Anregung eines
Atoms (= Energie-reicher bzw. angeregter Zustand).
O
O-H
\\ /
C
|
H – C*- OH
|
H – C - H
|
H
In den nächsten Darstellungen sind die verschiedenen Reste zur
besseren Übersicht als verschieden-farbige Kugeln dargestellt.
Beim genauen Betrachten ergeben sich zwei verschiedene
räumliche Anordnungen der Bindungspartner am asymetrischen
Strukturformel Milchsäure
C-Atom. Beide lassen sich nicht durch Drehung ineinander überführen.
Dafür muss man spiegeln (oberes Päarchen). Wir
gedachte Spiegel-Ebene
sprechen deshalb auch von Spiegel(bild)Isomerie. Die beiden verschiedenen Stoffe (sie
unterscheiden sich in mindestens einer Eigenschaft) werden auch Antipoden oder Enantiomere genannt.
Enantiomerie ist das Fachwort für Spiegel(bild)Isomerie.
Das untere Päarchen stellt den Versuch dar, das rechte Objekt passend zu drehen. Obwohl gelb und violett übereinstimmen, finden wir bei rot und grün keine Übereinstimmung.
Durch Drehungen lässt sich keine UÜbereinstimmung erreichen.
Untersuchung der verschiedenen "Milchsäuren"
mit polarisiertem Licht (Lichtwellen schwingen nur in
einer Ebene) bestätigen diese Aussage. Man stellt
dann fest, dass die Schwingungsebene durch die
jeweilige Milchsäure-Lösung verändert wird. Ursache dafür sind die unsymetrischen Moleküle.
Bei den Enatiomeren ergeben sich nun folgende
Festlegungen für die Stoffunterscheidung und Benennung:
Zuerst wird die gesamte Struktur als Kette von
oben nach unten gezeichnet (das höchstoxidierte CAtom möglichst weit oben gelegen).
Dann benötigt man eine Kennzeichnung aller asymetrischen C-Atome. Diese Aufgabe ist relativ leicht, da man nur die Reste miteinander vergleichen muss.
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- 201 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Ausgehend vom höchstoxidierten C-Atom
HO
O
HO
O
(also, dass mit der Aldehyd- oder Keto-Gruppe)
\ 
\ 
wird dann das am weitesten entfernte
C
C
asymmetrische C-Atom gesucht. Da wir
|
|
H - C*- OH
HO - C*- H
bei der Milchsäure nur eines haben, ist
|
|
das nicht schwer.
H - C - H
H - C - H
Die Lage der Hydroxyl-Gruppe auf der
|
|
rechten Seite dieses C-Atoms besagt,
H
H
dass es sich um die D-Form (dexter; lat.:
rechts) dieser Verbindung handelt. Liegt
D-Milchsäure
L-Milchsäure
die OH-Gruppe auf der linken Seite, dann
[]=-2,6°
[]= +2,6°
ist es die L-Form (laevus; lat.: links).
D(-)-Milchsäure
L(+)-Milchsäure
Die hier vorgestellte Kennzeichnung und
Benennung stammt von FISCHER. Sie wird
auch als FISCHER-Projektion bezeichnet.
Dabei stellt man sich vor, dass das Molekül ausgestreckt auf ein Blatt Papier gedrückt wird.
Die FISCHER-Projektion für D- und L-Milchsäure ist aus den obigen Abbildungen zu entnehmen.
Der optische Drehsinn (Die optische Aktivität) wird in Klammern vor dem Namen angegeben.
Neben der Drehsinn- sowie der D-/L-Charakterisierung von optisch aktiven Substanzen gibt es noch eine weitere
Namenskonvention nach CAHN, INGOLD und PRELOG (kurz: CIP). Diese beschreibt die Lage der Substituenten
nach Größe und Lage zueinander. Zur Benennung der beiden Antipoden werden die Buchstaben R und S benutzt. R (von lat.: rectus) steht dabei für eine Anordnung der Substituenten in Uhrzeigersinn (rechts herum). Dem
entsprechend beschreibt S (von lat.: sinister) die Anordnung der Anhänge entgegen des Uhrzeigersinns (links
herum).
Die Feststellung der optischen Aktivität erfolgt im Polarimeter. Polarimeter bestehen aus einer Lichtquelle und einem Probengefäß. In Strahlungsrichtung liegt vor und hinter dem Probengefäß ein Polarisations-Filter. Dieses sorgt dafür, dass nur noch Licht, welches in einer
Ebene schwingt, durchgelassen wird. (In den folgenden Abbildungen ist an einigen Stellen die Schwingungsrichtung angedeutet.)
Der erste Polarisationsfilter ist fest eingebaut, der zweite
kann gedreht werden
und hat eine WinkelSkala (360° oder +/180°). Bei optisch
nicht aktiven Substanzen – wie dem
gewöhnlichen Wasser – müssen beide
Filter gleich eingestellt sein.
Das heißt, an der drehbaren Skala muss 0° eingestellt werdn. Alternativ können auch 180°
anliegen, da der Filter auch in dieser Position das Licht der vorgegebenen Ebene passieren
lässt.
Trifft das (polarisiertes) Licht auf eine gelöste Substanz mit asymetrischen Molekülbau, dann
wird das Licht (die Schwingungsebene) verändert. Molekül-Lage und Schwingungsebene
müssen zueinander passen. Anders gelegene Moleküle beeinflussen die Schwingungsebene
nicht.
Da aber immer viele Moleküle im Licht-Strahl liegen, sind auch immer mindestens eins oder
mehrere dazwischen, welche die Schwingungsebene drehen können.
Hier wird auch deutlich, dass der gemessene Drehwinkel u.a. von der Schichtdicke unserer
Probe abhängig ist und später für tabellarische Zwecke normiert werden muss.
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(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Wird der bewegliche
Polarisationsfilter
nicht gedreht, verschluckt dieser die
"falsch" schwingenden
Lichtstrahlen.
Praktisch kommt es
zur Verdunklung. Der
Beobachter
kann
nichts feststellen (sehen / messen).
Der Filter wird nun langsam gedreht, bis wieder Licht durch den Filter dringt – dann ist die
neue Schwingungsebene gefunden.
Muss der zweite Filter
nach rechts (in Uhrzeigersinn)
gedreht
werden (siehe auch
nebenstehende
Abb.), dann spricht
man von einer rechtsdrehenden Probe. Bei
Drehung der Skala
entgegen dem Uhrzeigersinn ist die optische Aktivität auf
linksdrehend festgelegt.
Neben der Schicht-Dicke ist der gemessene Drehsinn  noch von der Konzentration der Lösung und von der verwendeten Lichtfrequenz abhängig. Die Abhängigkeit bezüglich der
Lichtfrequenz (Lichtfarbe) ergibt sich aus der notwendigen Passung der Lichtwelle zur räumlichen Molekülstruktur.
In der Praxis misst man selten das sichtbare Maximum für den Durchlass, wie wir es beschrieben haben. Besser zu beobachten ist die vollständige Auslöschung des Lichts durch
den Filter. Der Auslöschungswinkel weicht immer um 90° vom Durchlasswinkel ab und kann
anschließend einfach berechnet werden.
Für die D- und L-Monosaccharide ergeben sich durch ihren vollständig Spiegelbild-lichen
Aufbau immer genau entgegengesetzte Drehwinkel. Den Drehwinkel eines anderen
Monosaccharides oder optisch aktiven Stoffes vorauszusagen, ist nur durch aufwändige
Computer-Simulationen möglich. Jedes asymmetrische C-Atom leistet einen Eigen-Beitrag,
der aber auch noch durch die anhängenden Substituenten bestimmt wird. Diese verdrehen
das Molekül auch um kleine Winkel-Beträge, da sie mit anderen Anhängen interagieren (z.B.
durch sterische Effekte, polare Kräfte usw.).
Exkurs: Drehsinn und Spezifischer Drehwert
 25D 

l c
gemessen bei 589 nm und 25°C
a..gemessener Drehwert; l…Länge der Messzelle [dm], c..Konzentration [g/ml]
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 203 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Milchsäure, 2-Hydroxypropansäure,
Hydroxypropionsäure
2-
Hydroxy-Derivat der Propionsäure (auch Hydroxypropionsäure)
D-Milchsäure
entsteht bei der Vergärung von
Zuckern (durch Hefen), kann vom Menschen
nur geringfügig weiter verwertet werden
bei Schweinen kann es Streß-bedingt (z.B.
beim Treiben oder Schlachten) zu einer
Übersäuerung (mit D-Milchsäure) im Blut und
Muskelfleisch kommen  mindere Qualität
(PSE-Fleisch (pale (blaß), soft (weich), wäßrig (exudative))
L-Milchsäure
entsteht bei der Muskeltätigkeit
durch Tätigkeit von Milchsäure-Bakterien
(Dickmilch, Kefir, Joghurt, Schwedenmilch)
entstehen (außer bei Reinkulturen) Racemate (1:1-Mischung beider Milchsäuren)
Milchsäure-Gärung
C6H12O6
2 C3H6O3
die genaue Erklärung zu den Kennzeichnungen D bzw. L geben wir später ( )
hier belassen wir es bei der Feststellung, dass beide Milchsäure-Moleküle spiegelbildlich gebaut sind
die reinen Substanzen bewirken im Polarimeter eine jeweils entgegengesetzte Drehung des
polarisierten Lichtes (genaue Erklärung:  )
[]D20 (D-Milchsäure, H2O, 20 °C) = -2,6  D-(-)-Milchsäure, links-drehende Milchsäure
[]D20 (L-Milchsäure, H2O, 20 °C) = +2,6  L-(+)-Milchsäure, rechts-drehende Milchsäure
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- 204 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Weinsäure, 2,3-Dihydroxybutandisäure
erste Substanz an deren Salzen die optischen
Eigenschaften
/
SpiegelbildEigenschaften aufgeklärt / erkannt wurden
(genauer:  )
Stereoisomer
Konfiguration
weitere Namen
(+)-Weinsäure
(2R,3R)
L-Weinsäure
mesoWeinsäure
(-)-Weinsäure
WeinsäureRacemat
(2S,3S)
D-Weinsäure
(R,S)
(2R,3R) und (2S,3S)
Traubensäure
168 - 170
- 12
1,7598
146 – 148
0
1,6660
206
0
1,7880
139,0
125,0
20,6
Strukturformel
Schmelzpunkt (°C)
168 - 170
Drehwert [α]D (grad)
+ 12
Dichte (g/ml)
1,7598
Löslichkeit bei 20°C (g/100
139,0
ml H2O)
Q: www.chemgapedia.de (korrig. u. erw. Dre)
Brenztraubensäure
Ketocarbonsäure
Wasser-löslich (Pyrovat-Ion)
größere Säure-Stärke (pKS=2,49) als vergleichbare
unsubstituierte Carbonsäure (hier: Propansäure pKS=4,86)
(Trichloressigsäure, TCA)
Herbizid
auch das Na-Salz von TCA ist als Herbizid aktiv;
Natriumtrichlor (NaTa)
Q: www.3dchem.com
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- 205 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Salicylsäure
Hydroxy-Derivat der Benzoesäure
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 206 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Seifen
2 nm große Moleküle
ursprünglich war der hydrophobe Teil eine Fettsäure – Herstellung aus tierischen Fetten und
Fettresten
Verseifung (Hydrolyse der Fette (Triglyceride)) Spaltungen / chemische Lösung (Lyse) der
Fette durch konzentrierte Natrium-Lauge (Natriumhydroxid)
es bilden sich die Nartrium-Salze der Fettsäuren und Glycerol
Natrium-Salze der Fettsäuren (besser der längerkettigen Alkansäuren) heißen Seifen
bilden z.B. in Wasch-Lösungen oder in Seifen-Blasen (Seifen-Schaum) Doppelschichten
aus, die sehr stabil sind
kleine Gebilde heißen Micellen
wahrscheinlich hydrophober Teil nach außen, hydrophile Teile innen ???
können durch äußere Einflüsse zerteilt werden (Anblasen mit Luft, Zerstäuben, Zerrühren),
verschmelzen unter normealen Bedingen aber wieder gern miteinander, da OberflächenSpannung wirkt (bei großen Blasen kleiner (geringerer Radius))
heute spricht man allgemein eher von Tensiden, haben chemisch nur im Groben noch etwas
mit Fettsäuren usw. zu tun
3.2.3.5.2. Derivate der Fettsäuren
3.2.3.5.2.1. Wachse
3.2.3.5.2.2. Fette - Triglyceride
3.2.3.5.2.3. Phospholipide
rund 3 nm lang (im Vergleich Seifen-Moleküle rund 2 nm groß)
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 207 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
3.2.4. Ether
mit den Alkanolen verwandt
statt dem terminalen Wasserstoff am Sauerstoff finden wir hier jetzt
einen Alkyl-Rest
funktionelle Gruppe ist die Ether-Gruppe bzw. Alkoxy-Gruppe
R1 – O – R2
Ether-Gruppe
Für die (etwas ältere) Benennung wird die Zwischen-Silbe –oxy- zwischen dem Stammnamen der kürzeren Kette (quasi Substituent) und dem Namen des (längeren) Stamm-Alkan geschoben.
Definition(en): Ether
Ether sind Sauerstoff-Derivate (der Cohlenwasserstoffe), die von der Grundstruktur
Cohlenwasserstoffen entsprechen und (mindestens) ein Sauerstoff-Atom (als Brücke) in der
Cohlenwasserstoff enthalten.
Ether sind Abkömmlinge von (reinen) Cohlenwasserstoffen, die eine Sauerstoff-Brücke (innerhalb des C-Gerüstes) enthalten.
Anz
.
C-A.
1
2
Name
Summenformel
Strukturformel
Verwendung
Dimethylether
(Ether)
C2H6O
H
H
|
|
H – C – O - C - H
|
|
H
H
H
H
H
|
|
|
H – C – O - C – C - H
|
|
|
H
H
H
H
H
H
H
|
|
|
|
H – C – O -C – C – C - H
|
|
|
|
H
H
H
H
H
H
H
H
H
|
|
|
|
|
H – C – O - C – C – C – C |
|
|
|
|
H
H
H
H
H
H
H
H
H
H
|
|
|
|
|
H – C – O - C – C – C – C –
|
|
|
|
|
H
H
H
H
H
früher NarkoseMittel
Methoxymethan
3
Ethylmethyleth
er
()
C3H8O
Methoxyethan
4
Methylpropylether
C4H10O
()
Methoxypropan
5
Butylmethylether
C5H12O
()
Methoxybutan
6
Methylpenthylether
()
Methoxypentan
C6H14O
H
H
|
C - H
|
H
…
Ether und Alkohole sind Funktions-Isomere
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 208 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Definition(en): Funktions-Isomerie
Unter Funktions-Isomerie versteht man die Möglichkeit bei gleicher Summen-Formel unterschiedliche Struktur-Formeln mit abweichenden funktionellen Gruppen bilden zu können.
lt. IUPAC auch Alkoxyalkane
Aufgaben:
1. Bilden Sie zu den nebenstehenden
Struktur-Formeln die Ether- und die
Oxyalkan-Namen!
2. Leiten Sie aus den folgenden Namen die
zugehörigen Struktur-Formeln ab! Prüfen Sie, ob es Isomere geben könnte!
a) Propoxybutan
b) Dibutylether
c) Butoxybutan
d) iso-Propoxypentan
e) Propylpentylether
ähnlich Alkanole, aber keine Wasserstoffbrückenbindung, da das eine Wasserstoff-Atom am
Sauerstoff-Atom durch einen Alkylrest substituiert ist  niedrige Siedepunkte  leicht flüchtig; fehlende Wasserstoff-Brücken und innenliegender Sauerstoff  keine Löslichkeit in polaren Lösungsmitteln wie Wasser
mit Sauerstoff bilden sie Etherperoxide  hochexplosiv
niedermolekulare Ether sind gute Lösungsmittel für die unterschiedlichsten organischen Verbindungen. Früher wurde sie häufig zur Herauslösung (Extraktion) von ätherischen Ölen,
Geschmacks-, Farb- und Geruchs-Stoffen verwendet.
Bei Säure-Base-Reaktionen verhalten sich Ether wie schwache Basen. Sie können deshalb
von starken Säuren (z.B. Iodwasserstoff-Säure) angegriffen werden.
In der analytischen Praxis werden solche Reaktionen zur Strukturaufklärung kompliziert gebauter Stoffe verwendet. Aus der Bildung von gut bekannten Halogen-Kohlenwasserstoffen
kann man auch die ursprünglichen Alkylreste an einer Ether-Gruppe schließen.
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 209 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Ether sind schwache LEWIS-Säuren (Elektronen-Donatoren, Reduktionsmittel). Sie bilden mit LEWIS-Basen
(Elektronen-Akzeptoren, Oxidationsmittel) Salze.
C2H5-O-C2H5 + BF3
[C2H5-O -C2H5] + [B F3 ]
Systhematisch gehört auch das Vanillin (Hauptaromastoff
der Vanille) zu den Ethern. In der Abbildung kann man
rechts unten (bei 4:00 Uhr) die Methyl-Ether-Gruppe erkennen. Weiterhin finden wir eine Carbonyl- (bei 7:00 Uhr) und
eine Hydroxyl-Gruppe (bei 1:00 Uhr).
Vanillin ghört zu den am meisten produzierten
Aromastoffen. Technisch hergestelltes Vanillin darf mit
Zucker gemischt nicht als Vanille-Zucker verkauft werden.
Dies ist dem echten Produktgemisch aus Vanille-Samen
und Zucker vorbehalten. Das Mischprodukt mit Vanillin
heißt üblicherweise Vanillin-Zucker.
Q: www.3dchem.com
3.2.4.1. Diethylether (Diäthyläther, Ether)
C2H5-O-C2H5 geringe Reaktionsfähigkeit
Ether + Luft od. Sauerstoff bilden explosive Gemische (enthalten Diethyletherperoxid, welches durch Sauerstoff-Anwesenheit und unter Licht-Einwirkung entsteht; zerstzt sich bei höheren Temperaturen (Zündfunken) Explosions-artig; reichert sich bei der Destillation oder
durch Verdunsten im Rückstand an (höherer Siedpunkt); Rückstände besonders Explosionsgefährdet)
Dämpfe wirken narkotisierend  früher Narkosemittel
 Oligosaccharide
Halbacetal
Vollacetal
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 210 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
3.2.5. Ketone (Alkanone)
erinnern Struktur-mäßig an die Aldehyde
statt dem terminalen Wasserstoff ist am Sauerstoff ein weiterer AlkylRest gebunden
O
//
R - C
\
R'
Keto-Gruppe
systematisch könnte man die Ketone auch bei den Aldehyden (Alkanalen) positionieren
diverse Ähnlichkeiten aber eben auch viele Unterschiede durch fehlenden Wasserstoff an
der funktionellen Gruppe
Definition(en): Alkanone (Ketone)
Ketone / Alkanone sind Sauerstoff-Derivate (der Cohlenwasserstoffe), die von der Grundstruktur Cohlenwasserstoffen entsprechen und (mindestens) eine nicht-endständige
Carbonyl-Gruppe enthalten.
Alkanone / Ketone sind Abkömmlinge von (reinen) Cohlenwasserstoffen, die (mindestens)
eine nicht-endständige Carbonyl-Gruppe als funktionelle Gruppe enthalten.
Anz
.
C-A.
1
2
3
Name
Summenformel
Propanon
C3H6O
Strukturformel
(Aceton)
H
4
Butan-2-on
()
C4H8O
H
5
Pentan-2-on
C5H10O
()
H
6
Hexan-2-on
C6H12O
()
H
O
||
H
C
H
\ / \ /
- C
C /
\
H
H
O
||
H
C
H
\ / \ /
- C
C –
/
|
H
H
O
||
H
C
H
\ / \ /
- C
C –
/
|
H
H
O
||
H
C
H
\ / \ /
- C
C –
/
|
H
H
Verwendung
Lösungsmittel
H
H
/
C - H
\
H
H
H
/
/
C – C - H
|
\
H
H
H
H
H
/
/
/
C – C – C - H
|
|
\
H
H
H
…
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 211 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
hydrophile C=O-Struktur und lipophile (hydrophobe) Alkyl-Reste bewirken sowohl Lösungsvermögen für polare (hydrophile) Stoffe, wie auch für hydrophobe (unpolare) Stoffe
besonders bei Molekülen mit kürzeren Alkyl-Ketten gut ausgeprägt. Aceton wird deshalb
auch als Lösungmittel für Fette, Teer usw. usf. genutzt. Bekannt auch als "Nagel-LackEntferner". Zerstört auch viele Kunststoffe (löst sie an).
Oxidationsprodukte sekundärer Alkanole
Endung –on oder -keton
systhematisch auch nahe bei den Aldehyden anzusiedeln
weniger reaktionsfähig als die Aldehyde; lassen sich nicht so leicht oxidieren  keine positive FEHLINGsche oder TOLLENSsche Probe  Unterscheidungs-Möglichkeit von Alkanonen zu
Alkanalen (Aldehyden)
reagieren allg. im Vergleich zu Alkanalen langsamer, da beide Alkyl-Reste +I-Effekte ausüben (Abschwächung der Positivierung des C-Atoms in der Keto-Gruppe)
bei Methylketon-Konstellation (Keto-Gruppe mit mindestens einem Methyl-Rest) verläuft
Iodoform-Probe (LIEBEN-Reaktion; LIEBEN-Test) positiv
Ihren Namen hat die Probe zum Einen vom entstehenden Produkt Iodoform (Triiodmethan)
bzw. nach ihrem Erfinder Adolf LIEBEN (1836 – 1914). Dieser beschrieb (1870) dabei die Reaktion von Methylketonen mit Iod-Kaliumiodid unter Abspaltung von Iodoform. Die Reaktion
läuft im alkalischen Milieu (Kaliumhydroxid) ab.
Es kommt zu einer Iodierungen (Substitutionen) an der Methyl-Gruppe.
-
CH3 – CO – R + OH
⊖CH
2
– CO – R + I2
⊖CH
2
– CO – R + H2O
ICH2 – CO – R + I
-
Nach dem diesem Schema folgen noch zwei Iodierungen bis letztendlich die instabile
Triiodmethyl- Struktur entsteht, die dann unter Abspaltung von einem Triiodmethyl-Anion zu
einer Carbonsäure weitereagiert:
I3C – CO – R + H2O
CHI3 + HOOC – R + OH
-
gelblich
Iodoform ist eine gelbliche und Wasser-unlösliche Substanz, die ein trübes gelbliches Aussehen bewirkt.
Die Probe klappt sowohl mit primären als auch mit sekundären Methylcarbinolen. Charakteristische Vertreter sind Ethanol und Aceton (Propanon).
 Kohlenhydrate
Propanon (Aceton, Dimethylketon)
farblos, leicht ölige (schwerflüssig), typisch riechende Flüssigkeit
Wasser- und auch Fett-löslich  Lösungsmittel
bei gestörtem Stoffwechsel bei Diabetikern und Rindern riechbar
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 212 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Muscon (3-Methylcyclopentadecanon, Moschus)
Moschus-Duft
herber Duft (männlich)
Wegen Tierschutz-Gründen ist man heute fast ausschließlich auf die synthetische Produktion umgestiegen.
Q: de.wikipedia.org (Edgar181 + Velandur)
Zibeton
(9-Cycloheptadecen-1-on,
Cycloheptadec-9-en-1-on,
Civeton) ist der bestimmende Duftstoff aus den Duftdrüsen der Zibet-Katze. Der gesamte Duftstoff wird als Zibet bezeichnet.
Q: de.wikipedia.org (Ayacop)
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 213 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
3.2.6. Ester
Ester sind Produkte aus der Reaktion von Alkonolen (Akoholen) mit Säuren. Dabei können
die Alkanole sowohl mit organischen Säuren als auch mit anorganischen / Mineral-Säuren
reagieren.
Der Name wurde von Leopold GMELIN (1788 - 1853) im Jahre 1850 zuerst einen Stoff angegeben, der dem Etylether sehr ähnlich war. Wie der Ether war er leicht flüchtig und wirkte
betäubend. Zur Unterscheidung und in Anlehnung an den Namen Ether nannte er den Stoff
Ester.
Biologisch und aus trophologischer Sicht sind besonders die organischen Säure-Ester interessant. Die meisten dieser Ester – vorrangig die kleinen bis mittelgroßen Moleküle – sind
aromatisch riechende Stoffe.
Großere Moleküle sind weitesgehend geruchslos. Besonders bekannt aus dieser Gruppe
sind die Fette. Sie stellen praktisch Dreifach-Ester dar, d.h. bei ihnen wurde der dreiwertige
Alkohol Glycerol (1,2,3-Propantriol) dreimal hintereinander mit einer meist längerkettigen
Carbonsäure (sogenannte Fettsäuren) verestert.
Auch Wachse sind vielfach Ester. Bei ihnen handelt sich aber um klassischen einfach veresterte Produkte.
Anorganische Ester begegnen uns täglich als Waschmittel bzw. Tenside ( 3.6.1. Tenside).
Vielfach wird dabei Phosphorsäure als Reaktionspartner für mittel- bis langkettige Alkanole
verwendet. Im Ergebnis erhält man Moleküle, die zwei völlig unterschiedlich lösliche "Hälften" besitzen. Der Alkyl-Rest des Alkanols ist unpolar und damit hydrophob (Wasserabweisend, Wasser-unlöslich). Der Säure-Teil ist dagegen stark polar und damit hydrophil
(Wasser-anziehend, Wassr-löslich). Vielfach sind auch noch abspaltbare Protonen vorhanden, die die Wasser-Löslichkeit noch weiter verbessern und zudem ein schwach saures Milieu schaffen.
3.2.6.1. Bildung und Benennung der Ester
In einem Beispiel wählen wir die übelriechende Buttersäure und lassen diese mit Ethanol reagieren:
+
H
C3H7-COOH + HO-C2H5
Butansäure
C3H7-COO-C2H5 + H2O
Ethanol
Das Ergebnis ist ein Stoff mit einem angenehmen Geruch nach Ananas.
Die Reaktion wird durch Protonen – also Säuren – katalysiert. In der Praxis nutzt man häufig
die konzentrierte Schwefelsäure, da sie zugleich auch noch hydrophob (Wasser-ziehend)
wirkt. Dem Gleichgewicht wird dadurch Wasser als Ausgangsstoff für die Rück-Reaktion entzogen. Dies befördert bekanntermaßen die Hin-Reaktion und somit die Bildung des Esters.
cH2SO4
C3H7-COOH + HO-C2H5
C3H7-COO-C2H5 + H2O
Die Benennung der Ester ist auf drei verschiedene Arten möglich. Bei der ersten wird dem
Säure-Namen der Alkylrest-Name des Alkanol angehängt und durch die Endung "-ester"
vervollständigt.
Säure-Name + Alkohol-Alkyl-Rest-Name + "ester"
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- 214 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Für obiges Beispiel ergibt sich also:
Butansäure
+
ethyl
+ ester
also: Butansäureethylester
Bei dieser Namensgebung sind auch Trivalnamens-Teile möglich. Man könnte das
Butansäureethylester also auch Buttersäureethylester nennen.
Bei der zweiten Nomenklatur-Variante wird der Alkanol-Alkylrest-Name mit dem SäureGrundkörpername und der Endung "-oat" erweitert.
Alkohol-Alkyl-Rest-Name + Säure-Grundkörper-Name + "oat"
Der Name für unser Beispielester würde sich dann so zusammensetzen:
Ethyl
+
butan
+ oat
In diesem Fall also: Ethylbutanoat. Auch die Aussprache Ethylbutanoat soll möglich sein.
Ählich ist eine dritte – ältere – Benennungs-Variante. Bei ihr folgt dem Alkyl- bzw. Aryl-Rest
der Säurerest-Name der Säure.
Alkohol-Alkyl-Rest-Name + Säurerest-Name
Auf unser Beispiel angewendet heißt das:
Ethyl
+
butyrat
Zusammengefasst also: Ethylbutyrat.
Aus meiner persönlichen Sicht sind die letzten beiden Namens-Varianten nicht nur
schwerer zu lesen und zu interpretieren, sie
sind auch noch schwerer als Ester zu erkennen. In diesem Skript werden wir deshalb vorrangig die erste Nomenklatur verwenden.
Die chemische Reaktion, die ausgehend
von Alkanol und einer Säure ein Ester entstehen läßt, nennen wir Veresterung oder
Ester-Bildung. Es handelt sich praktisch um
eine Substitution. Betrachtet man besonders die Abspaltung von Wasser, dann
kann man die Veresterung auch den Kondensations-Reaktionen zuordnen.
Die funktionenelle Gruppe der Ester ist die Ester-Gruppe –COO–. Auf der
O
linken Seite dürfen sowohl Wasserstoff als auch andere Alkyl- oder Aren||
Strukturen folgen. Die rechte Seite darf dagegen niemals mit Wasserstoff - C – O - R
belegt sein. In dem Fall hätten wir es mit eine organischen Säure zu tun
und nicht mit einem Ester.
Es muss also immer mindestens ein Cohlenstoff-Atom folgen. In der Literatur wird deshalb
auch –COOR als funktionelle Struktur angegeben.
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(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Aufgaben:
1. Sind Ethansäurebutylester und Butansäureethylester eigentlich zwei Namen
für den gleichen Stoff? Begründen Sie Ihre Meinung!
2. Bilden Sie die Namen für die folgenden Stoffe! Geben Sie die Namen in den
ersten beiden Nomenklaturen an!
a) CH3-COO-CH3
d) CH3-CH2-COO-CH3
g) CH3-COO-CH2-CH3
j)
b) C4H9-COO-C5H11
e) CH3-CH2-COO-(CH2)5-CH3
h) CH3-(CH2)8-COO-(CH2)6-CH3
c) HCOO-C4H9
f) HCOO-C10H21
i) C9H17-COO-C2H5
k)
H
H
H
H
H
O
H
H
H
|
|
|
|
|
||
|
|
|
H – C – C – C – C – C – C – O – C – C – C - H
|
|
|
|
|
|
|
|
H
H
H
H
H
H
H
H
3. Geben Sie für die folgenden Stoffe geeignete Struktur-Formeln an!
a) Ethansäureethylester
c) Buttersäuremethylester
e) Octyloctanoat
g) 3-Methylnonylheptanoat
i) Heptylvaleriat
b) Methansäurebutylester
d) Ameisensäurebutylester
f) Methylpropiat
h) Phenylacetat
j) 3,3 Diethylhexyl-2-ethylpentanoat
Definition(en): Ester
Ester sind Sauerstoff-Derivate (der Cohlenwasserstoffe), die von der Grundstruktur
Cohlenwasserstoffen entsprechen und eine Ester-Gruppe enthalten.
Ester sind Abkömmlinge von (reinen) Cohlenwasserstoffen, die eine nicht-endständige
Carboxyl-Gruppe als funktionelle Gruppe enthalten.
Ester sind die Reaktions-Produkte der Reaktion von Carbonsäuren mit Alkoholen.
Definition(en): Veresterung
Eine Veresterung ist eine chemische Reaktion, bei der ein Alkanol mit einer Säure zu einem
Ester (und Wasser) reagiert.
Veresterungen sind Kondensations-Reaktionen (hier Abspaltung von Wasser), bei denen
Alkohole mit Säuren zu Estern umgebildet werden.
Veresterungen sind chemische Reaktionen, bei denen das Wasserstoff-Atom der HydroxylGruppe eines Alkohols durch .
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(c,p) 2009-2015 lsp: dre
3.2.6.2. intramolekulare Ester (Lactone)
diverse Lacton-Strukturen
Q: de.wikipedia.org (Jü)
-Nonalacton
Kokosnuss-Geruch
diverse Frucht-Aromen (z.B. Erbeeren, …)
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- 217 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
3.2.6.2. genauer Mechanismus der Veresterung nach FISCHER
Der nachfoldend beschriebene Mechanismus nach FISCHER (FISCHER-Veresterung) wurde durch radioaktive Markierung des Sauerstoff-Atoms im Alkohol nachgewiesen. Der radioaktive Sauerstoff ist nach der Reaktion nur im Ester zu finden.
Zuerst erfolgt eine Protonisierung der Alkansäure.
Das positiv geladene Wasserstoff-Ion bzw. ein Proton interagiert mit dem teilweise negativ geladenen Sauerstoff-Atom
der Carbonyl-Gruppe. Praktisch wird das Proton von einem Hydronium-Ion abgegeben und es bleibt ein WasserMolekül übrig.
Nach der Anlagerung des Proton bildet sich ein Kation, das mehrere mesomere Strukturen bildet. Die positive Ladung
wandert dabei zwischen den beiden Sauerstoff-Atomen und dem verbindenden Cohlenstoff-Atom hin und her.
Für die weitere Reaktion ist nur die mittlere mesomere Grenzstruktur relevant. An ihr lagert
sich die Hydroxyl-Gruppe des Alkohols an.
Das Carbo-Kation wird vom partiell negativ geladenen Sauerstoff-Atom aus der Hydroxyl-Gruppe nucleophil angegriffen. Ein freies Elektronen-Päarchen des Sauerstoffs wird zur Ausbildung ener Bindung zum Carbo.Kation genutzt. Die
positive Ladung wandert nun zum Sauerstoff-Atom, d.h. praktisch hier herst nun aktuell starker Elektronen-Mangel.
Im nachfolgenden Schritt kommt es zu Molekül-internen Umlagerungen, wobei das neben
dem Sauerstoff-Atom (der oben liegenden Hydroxyl-Gruppe) liegende Wasserstoff-Atom auf
eines der Sauerstoff-Atome übergeht. Dies leigt an der tetraedrischen Struktur der reaktiven
Zone. Beide Sauestoff-Atome liegen praktisch neben dem Sauerstoff-Kation mit seinem
"überschüssigen" Proton.
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(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Der am Sauerstoff-Kation liegende Wasserstoff wird vom benachbarten Sauerstoff-Atom der Hydroxyl-Gruppe übernommen. Zwischenzeitlich bildet sich eine Struktur, die einer Wasserstoff-Brücken-Bindung ähnlich ist. Insgesamt
stabilisiert sich zwischenzeitlich die positive Ladung am übernehmenden (akzeptierenden) Sauerstoff-Atom. Das abgebende Sauerstoff-Atom zwischen dem Säure- und dem Alkanol-Molekülrest bildet nun eine stabile Brücke.
Im nächsten Schritt kommt es zur Abspaltung eines Wasser-Moleküls (Dehydratisierung).
Das Kation übernimmt nun die Bindungs-Elektronen zum Cohlenstoff. Nachfolgend entzieht das temporäre CarboKation nun wieder freie Elektronen vom Sauerstoff-Atom der benachbarten Hydroxyl-Gruppe. Hier stabilisiert sich nun
wieder die positive Ladung, um im nächsten und letzten Schritt ein Proton / Wasserstoff-Ion abzuspalten.
Nach der Deprotonisierung liegt der Ester vor.
Zusammengefasst ergibt sich die – schon oben aufgezeigte – Gesamt-Gleichung:
Die Rück-Reaktion ist eine Hydrolyse. Unter Verwendung von Wasser wird der Ester in seine
Bau-Bestandteile – Alkohol und Säure – zerlegt.
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(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Aufgaben:
1. Erläutern Sie den nachfolgenden Ablauf der Veresterung! Gehen Sie dabei
auf die Bedeutung des radioaktiv markierten Atoms (Sauerstoff-18) für die
Aufklärung dieses Mechanismus ein!
2. Geben Sie für die Bildung von Ethansäurebutylester die Reaktions-Schritte
nach dem FISCHER-Mechanismus an!
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(c,p) 2009-2015 lsp: dre
3.2.6.3. Eigenschaften und Verwendung der Ester
Da die Ester eine sehr heterogene Gruppe von Stoffen sind, lassen sich nur schwerlich gemeinsame physikalische Eigenschaften feststellen.
Sehr kleine Ester sind meist noch recht gut in Wasser löslich. Mit größerer Kettenlänge
nimmt diese aber ab. Schon Moleküle mit mittlerer Kettenlänge sind hydrophob (Wasserabweisend). Sollten polare funktionelle Gruppen in den Resten enthalten sein, dann erhöht
sich die Löslichkeit meist wieder deutlich.
Die kurzkettigen Ester sind leicht flüchtig und sind zumeist Flüssigkeiten. Mit steigender Kettenlänge sind die Ester dann immer mehr viskose Flüssigkeiten oder schließlich auch Feststoffe. Die Siedepunkte sind im Vergleich zu Alkoholen und Alkansäuren mit gleicher Gesamt-Kettenlänge deutlich geringer, da zwischen den Molekülen kaum Wasserstoff-Brücken
aufgebaut werden.
Bei den chemischen Eigenschaften lassen sch zumindestens hinsichtlich der Reaktionen an
der Ester-Gruppe ähnliche Verhaltensweisen beobachten.
Alle Ester unterliegen der Hydrolyse. Dabei handelt es sich praktisch um die Rückreaktion
der Veresterung. Der Begriff Hydrolyse beinhaltet auch die beiden Wesenszüge der Reaktion: Es ist eine Auflösung (griech.: lysis)/ Zerstörung durch Wasser (griech.: hydor, hydro)
-
OH
C3H7-COO-C2H5 + H2O
Butansäureethylester
C3H7-COOH + HO-C2H5
Wasser
Butansäure
Ethanol
Durch Zusatz von Basen lässt sich die Hydrolyse von Estern beschleunigen.
Die Hydrolyse von Estern wird exakt Verseifung genannt.
Ursprünglich wurde der Begriff
vorrangig für die Hydrolyse von
Fetten (Triglyceriden) genutzt. Er
beschreibt die Herstellung von
Seifen. Als Ausgangsstoff wurden
viele Jahrhunderte alte Fette und
Fett-Abfälle mit Kali- oder Natronlauge verwendet.
Die FettMoleküle werden durch zerkochen
(Seife-sieden) in ihre Bestandteile
Glycerol und Fettsäuren zerlegt.
Summen-Gleichung der Verseifung
Bei Anwesenheit von starken BaQ: de.wikipedia.org (Jü)
sen entstehen Seifen – chemisch
sind es die Natrium- bzw. Kaliumsalze der verschiedenen Fettsäuren.
Heute verwendet man den Begriff
Verseifung für alle Hydrolysen von
Estern.
Verseifungen sind somit spezielle
Hydrolysen, die wiederum zu den
Substitutionen gehören.
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(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Aufgaben:
1. Erstellen Sie den Mechanismus für die Hydrolyse Buttersäureethylester!
(Zur Vereinfachung können Sie davon ausgehen, dass die Reaktion über das
Vorhandensein von Protonen / Wasserstoff-Ionen abläuft!)
2. Informieren Sie sich in Büchern oder im Internet über den wirklichen Ablauf der Hydroyse (Additions-Eliminierungs-Mechanismus)
3. Ist eigentlich eine Hydrolyse nach dem Mechanismus von Aufgabe 1 möglich? Begründen Sie Ihre Meinung!
Eine weitere Möglichkeit zu chemischen Veränderung von Estern ist die Umesterung. Dabei
werden die Alkohol-Reste des einen Esters durch einen anderen ausgetauscht. Man pricht
auch von einer Alkoholyse.
Technisch wird dies z.B. zur Herstellung von Bio-Diesel genutzt. Hierbei wir das Glycerol aus
Raps-Öl durch Methanol ersetzt.
Die Reaktion wird im Überschuß d auszutauschenden Alkohols unter Anwesenheit einer
Säure durchgeführt (ZEMPLÉN-Reaktion).
Umesterungen spielen auch bei der Herstellung von Margarinen und Zucker-Tensiden sowie
von Monoglyceriden und Diglyceride aus Triglyceriden (Fetten) eine wichtige Rolle. Monound Diglyceride werden als Zusatzstoffe für Lebensmittel (E 471) verwendet.
 diverse Verwendungen
Ethansäuremethylester (Methylacetat)  Klebstoff (Uhu)
Ethansäureethylester  Lösungsmittel; Tötungsmittel für Insekten (Sammler)
PET  Polyterephthalsäureethylenester (Polyethylenterephthalat)
Milchsäure-Ester  Polylactide (Kunststoff)
 Geschmacksstoffe
im Bier rund 90 verschiedene Ester bekannt
im Wein rund
Q: www.3dchem.com
Bernsteinsäurediethylester
leichte, angenehme Note
Milchsäureethylester
butterartig
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- 222 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Ester
Aroma
Benzoesäureethylester
Capronsäureethylester
allgemein
fruchtiges
Aroma
Marzipan
Nelken-Aroma
leichte,
angenehme
Note
Käse-Aroma
Essigsäure-2-phenylethylester
Eugenolacetat
Rosen-Aroma
Gewürz-Nelke
(Z)-Hex-3-enylbutanoat
Passionsfrucht-Aroma
Methansäureethylester
2-Methylbuttersäureethanoat
Himbeer-Aroma
fruchtiges Aroma des
griechischen OlivenÖls
Butter
Benzoesäuremethylester
Benzylsalicyat
Bernsteinsäurediethylester
Milchsäureethylester
Propansäureethylester
allgemein erfrischendes Aroma (GletscherEis-Bonbon)
Salicylsäuremethylester
Pfefferminz-Aroma
Ester-Gemische
Ameisensäureamylester;
Ameisensäureethylester;
Propionsäureethylester
Buttersäureethylester (Ethylbutyrat, Ethylbutanoat);
Butansäuremethylester;
Ethansäurebutylester
Butansäurebencylester (Benzylbutanoat);
Butansäurepropylester (Propylbutanoat);
Ethansäure-2-butylester;
Ethansäure-2-hexylester
Rum-Aroma
Ananas-Aroma
Erdbeer-Aroma
Essigsäureamylester;
Isoamylbutyrat;
Essigsäurepentylester (Pentylethanoat);
Essigsäurehexylester
Butansäureethylester;
Ethansäurebencyl
Ethyl-2-methylbutanoat;
Ethyl-3-hydroxyhexanoat;
Ethansäureoctylester
Birnen-Aroma
Penthylethanoat;
Ethansäure-2-methyl-1-propylester (Isobutylacetat)
Bananen-Aroma
Salicylsäuremethylester
Salicylsäurebencylester (Benzylsalicylat)
Wintergrün-Öl
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weitere Komponeten
Bemerkungen
Pfirsich-Aroma
Orangen-Aroma
- 223 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Valeriansäureamylester;
Methansäurebutylester (Methylbutyrat, Methylbutanoat);
Octansäureethylester;
Hexansäureethylester;
Pentansäurepentylester
Apfel-Aroma
Bestandteil(e)
Aroma
3-Methylbutanal
Kartoffel-Aroma,
Malz-Aroma
Bemerkungen
Aufgaben:
x. Warum gehört 3-Methylbutanal (Kartoffel- und Malz-Aroma) nicht in die
Reihe der Ester? Begründen Sie Ihre Meinung!
Arzneimittel
Ethylnitrit (C2H5-ONO) wirkt Harn-treibend und Fieber-senkend
Amylnitrit ((H3C)2-C3H7-ONO) wirkt Krampf-lösend bei Asthma und epileptischen Anfällen
Insektizide und Gifte
Parathion (C10H4NO5PS)
auch E 605, deutet fälschlich auf einen Zusatzstoff hin, ist aber keiner
historischer Name
früher häufig als Gift für Mord oder Selbstmord genutzt
Dichlorvos (C4H7Cl2O4P)
Tabun (Dimethylphosphoramidocyansäureethylester) (C5H11N2O2P2)
Sarin (Methylfluorphosphonsäureisopropylester) (CH3-PFO-OCH(CH3)2)
Soman (Methylphosphonofluorsäureester) (C7H16FO2P)
Sprengstoffe
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- 224 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Nitroglycerin (Glycerolnitrat)
Grundstoff zur Herstellung von Dynamit
Mono- und Di-Glyeride (MDG) werden mit Lebensmittel-typischen Alkansäuren verestert
dabei werden diverse – breit-verwendbare – Zusatzstoffe hergestellt
Veresterung von
MDG mit …
Essigsäure
Verwendung
als …
Emulgatoren, Trägerstoffe, Überzugs-Stoffe
Zusatzstoff
E-Nummer
E 472a
Milchsäure
Emulgatoren, Stabilisatoren, Mehl-Behandlungsmittel, Trägerstoff
Emulgatoren, Komplex-Bildner, Trägerstoffe
E 472b
Emulgatoren, Trägerstoffe
Emulgatoren
E 472d
E 472e
Emulgatoren, Mehl-Behandlungsmittel
E 472f
Citronensäure
Weinsäure
Mono- und Diacetylweinsäure
Wein- und Essigsäure
E 472c
Bemerkungen
verstärken
die
Wirkung anderer
Emulgatoren
unterstützen die
Wirkung
von
Antioxidanzien
Makromoleküle und Kunststoffe
Celluloid
auch Zelluloid, Zellhorn, erster Thermoplast, zuerst Parkesine (1856) nach ihrem Erfinder
Alexander PARKES ()
aus Cellulosenitrat (Nitrocellulose) und Campher hergestellt, heute noch für die Produktion
von Tischtennis-Bällen, Trommel-Bezügen und Plekten (Hilfsteile zum Spielen von ZupfInstrumenten) gebraucht
typische Zusammenetzung von gut-haltbaren und Flamm-resistentem Celluloid:
70 – 80 % Cellulosenitrat, 30 % Campher, 1 – 5 % Ethanol, Rest Farbstoffe, Stabilisatoren
und weitere Zusätze
früher Film-Material, Spielzeug (Puppen), Kämme, mechanische Formteile (z.B. Zahnräder),
Brillen-Gestelle, Füllfederhalter, …
auch heute immer noch für edle Produkte verwendet, da die haptischen Eigenschaften von
Celluloid nicht einfach durch andere Kunststoffe nachgebildet werden können
bei steigendem Wasser-Verlust – z.B. bei zu trockener Lagerung von Filmen – neigt Celluloid
zur Selbstentzündung oder gar zur Detonation.
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- 225 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
3.2.6.3.1. Triglyceride, Fette
gehören zu den Lipiden
Triglycerid (Fett)
Molekül aufgebaut aus Glycerol (dreiwertiger Alkohol)
und drei Fettsäuren
Q: www.3dchem.com
+
G
FS
Glycerol
MG
Fettsäure
+
MG
+
Monoglycerid
FS
DG
W
Wasser
+
W
+
W
Diglycerid
+
DG
FS
TG
Triglycerid
G + MG+ DG
+
3 FS
MG + DG + TG
+
3W
G
+
3 FS
TG
+
3W
In biologischen System läuft die Triglycerid-Bildung (Lipogenes) etwas anders, chemisch
aber ebenfalls als Substitutions- oder Veresterungs-Reaktionen, ab.
Vorbereitungs-Reaktionen:
Enzym
G
+
Glycerol
Ph
+
G1Ph
Phosphorsäure
Glycerol-1-phosphat
W
Wasser
Enzym
FS
+
Fettsäure
CoA
+
FSCoA
Co-Enzym A
W
Co-Enzym-gebundene Fettsäure
Die Reaktion mit der Phosphorsäure bzw. mit dem Co-Enzym A sind sogenannte Aktivierungs-Reaktionen. Die Substrate werden so für weitere Reaktionen aktiviert.
Die Bildung der Co-Enzym-gebundenen Fettsäuren muss für zwei Fettsäure erfolgen.
Enzym
2 FS
+
2 CoA
2 FSCoA
+
2W
Die dritte Fettsäure kann später unaktiviert substituiert werden.
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- 226 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
eigentliche Lipogenese:
G1Ph
+
FSCoA
+
CoA
+
CoA
DG
+
Ph
TG
+
W
TG
+
3W
MG3Ph
Monoglycerid-3phosphat
Enzym
MG3Ph
+
FSCoA
DG3Ph
Diglycerid-3phosphat
Enzym
DG3Ph
+
W
DG
+
FS
G
+
3 FS
Enzym
Enzyme, Ph, CoA
Für jede einzelnen Reaktions-Schritt tritt ein Enzym als Katalysator auf. Nur so können die
Reaktion unter üblichen Zell-Bedingungen – wie eine Temperatur von rund 15 – 40°C, normaler Luftdruck, wässriges Niveau, leicht saurer pH-Wert usw. – überhaupt ablaufen.
Als Zwischen-Produkt entstehen die wichtigen Phospholipide. Sie sind wichtige Bausteine
der Bio-Membranen (z.B. Zell-Membran, Endoplasmatisches Retikulum, Thyllakoide, …).
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- 227 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Bestimmung der Doppel-Bindungen innerhalb eines Fettes
 Iod-Zahl (IZ [g [I2] / 100 g [Fett]]) gibt an, wieviel Gramm Iod an 100g Fett addiert werden
können
Lipoide
Begriff bedeutet Fett-ähnliche
praktisch sehr häufig Fett-Begleiter, in Fetten gelöst, wie z.B. Geschmacksstoffe, Farbstoffe,
Cholesterol (früher Cholesterin)
bestehen aus Glycerol-Rest und ein bis zwei Fettsäuren, sowie einem besonderen MolekülRest, dieser bestimmt sehr wesentlich die besonderen igenschaften, häufig besonders polare Molekül-Reste
wesentlicher Baustein der Zell-Membranen, des inneren Membran-System der Zellen (Endoplasmatisches Retikulum) und den Hüllen vieler Zell-Organellen (z.B. Mitochondrien und
Chloroplasten)
Simulation einer Phospho-Lipoid-Doppelschicht (PO4 - grün, N(CH3)3 - violett, H2O - blau, CH3 - gelb, O - rot, Glycerol-Cohlenstoff - braun, Cohlenstoff – grau)
Q: commons.wikimedia.org (Hfastedge (National Institutes of Health (US)))
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 228 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Aufgaben:
1.
2.
3.
4. Bei der Untersuchung eines reinen Triglycerides konnten die folgenden
Werte ermittelt werden:
molare Masse MTG= 877,4 g/mol; Iod-Zahl IZTG=200
a) Wie wird die molare Masse eines Triglycerides aus Tabellen-Werten berechnet?
b) Kann das untersuchte Triglycerid aus den Fettsäuren Ölsäure und
Linolensäure gebildet worden sein? Begründen Sie Ihre Meinung
c) Berechnen Sie die Anzahl der Doppel-Bindungen pro Fett-Molekül aus
der Iod-Zahl! Überprüfen Sie Ihr Ergebnis mit der von Ihnen vermuteten Molekül-Struktur!
5.
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 229 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
3.2.7. substituierte Aromaten mit Sauerstoff im Substituenten
Phenol
 3.2.1.3.1.3. Phenol
Q: www.3dchem.com
Wasserstoff-Atome am Phenol lassen sich leichter substituieren als beim Benzen  diverse
Derivate (Pentachlorphenol (PCP); Pikrinsäure (2,3,6-Trinitrophenol))
Phenol reagiert – wie ein typischer kurz-kettiger – Alkohol als schwache Säure, im Vergleich
zu den Ketten-förmigen Alkoholen (Ethanol  pKS = 17) ist Phenol aber deutlich saurer (pKS =
10)
C6H5-OH + H2O
C6H5 –O
-
+ H3O+
Phenolat-Ion
durch Zweit-Substituenten mit –M-Effekt, die also die Elektronen-Dichte im Kern verringern,
kommt es zur Verstärkung der Säure-Kraft. Die Polarität der O-H-Bindung wird durch sie
verstärkt, weil Elektronen vom Sauerstoff durch den Kern angezogen werden
4-Nitrophenol  pKS = 7,2
2,4-Dinitrophenol  pKS = 4
2,4,6-Trinitrophenol  pKS = 1
zweiwertige Phenole:
Benzkatechin
Resorcin
Hydrochinon
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- 230 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
dreiwertige Phenole:
Pyrogallol
Phoroglucin
Hydroxyhydrochinon
Benzylalkohol
Benzaldehyd
Benzoesäure
Anilin
Zimtsäure
Vanillin
Benzaldehyd (Bittermandelöl)
Phthalsäure
Acetylsalicylsäure
2-Phenylethanol
Duft nach Rosen und Note von grüner Hyazinthe
(2Z)-2-Phenyl-2-Butenal
Kakao-Duft, Nuss-artig
Pentachlorphenol (PCP)
Q: www.3dchem.com
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 231 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Aufgaben:
1. Finden Sie 10 bis 12 Stichpunkte, mit denen sich Alkohole und Phenole
möglich kurz aber umfassend charakterisieren lassen!
2. Vergleichen Sie Ihre Stichpunkte mit denen anderer Kursteilnehmer und
finden Sie gemein eine optimale Lösung!
3. Vergleichen Sie Ethanol, Hexan-1-ol und Phenol in geeigneter Form!
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 232 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
3.2.8. sauerstoffhaltige Heterocyclen
wichtige Grundkörper:
Furan
Pyran
Bsp: a-Pyran
vielfach aromatische Eigenschaften
Furan
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
Benzofuran
Isobenzofuran
Pyrylium-Kation
- 233 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
3.2.9. Kohlenhydrate (Saccharide, Zucker)
Definition(en): Kohlenhydrate (Saccharide, Zucker)
Kohlenhydrate (Saccharide, Zucker) sind Sauerstoff-Derivate (der Cohlenwasserstoffe), die
von der Grundstruktur Cohlenwasserstoffen entsprechen und die neben einer CarbonylGruppe an jedem anderen C-Atom eine Hydroxyl-Gruppen enthalten.
Kohlenhydrate (Saccharide, Zucker) sind mehrwertige Alkohole, die noch eine CarbonylGruppe als funktionelle Gruppe enthalten.
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 234 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
3.2.9.1. Einfachzucker (Monosaccharide)
3.2.9.1.1. Bau und Struktur der Einfachzucker
Definition(en): Stereo-Isomerie
.
.
Definition(en): Enantiomere
.
.
Definition(en): Racemat
.
.
3.2.9.2.2. Eigenschaften der Einfachzucker
Ring-Bildung in wässriger Lösung
Oxidierbarkeit zu Säuren (an der Aldehyd-Gruppe)
Oxidierbarkeit zu Aldehyd bzw. Keton an (einzelnen) OH-Gruppen
Reduzierbarkeit der Aldehyd-Gruppe hin zu Zucker-Alkeholen
Verwendung als Nachweis (im Lebensmittel-Bereich), in der Chemie zu unsicher, da Störung
durch echte Aldeyde
Nachweis nach FEHLING (mit FEHLINGscher Lösung I + II)
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 235 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Nachweis nach TOLLENS (mit ammoniakalischer Silbernitrat-Lösung); Silberspiegel-Probe
gewisse Rücksicherung über nicht-mögliche (!) SCHIFFsche Probe, da im sauren Mileu dieses Nachweises das Gleichgewicht Ring-Kette fast vollständig zu Ringen führt, was praktisch
keine Aldehyd-Gruppe für einen Nachweis verfügbar macht
Nachweis nach SCHIFF (mit Fuchsin-schwefliger Säure)
die Proben nach FEHLING und TOLLENS arbeiten im basischen Medium, es kommt zum
Ring-Aufbruch und damit zur Verfügbarkeit ausreichend vieler Aldehyd-Gruppen
Bildung von Halbacetale bzw. (Voll-)Acetalen
nucleophile Addition
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- 236 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
3.2.9.1.3. Beispiele für Einfachzucker
Galctose
Q: www.3dchem.com
Glucose
Q: www.3dchem.com
Mannose
Q: www.3dchem.com
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 237 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Talose
Q: www.3dchem.com
Q: www.3dchem.com
Q: www.3dchem.com
Q: www.3dchem.com
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 238 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
3.2.9.2. Mehrfachzucker (Oligosaccharide)
rein wissenschaftlich gesehen sind alle Kohlenhydrate, in denen mindestens zwei Monosaccharid-Bausteine enthalten sind, Mehrfachzucker
dazu gehören dann, je nach Definition die Kohlenhydrate mit 2 bis 10 oder 20 Bausteinen
wir nehmen hier alle KH bis 20 Baueinheiten hinein, da sie sich doch leicht anders darstellen,
als die Polysaccharide (Vielfachzucker) mit praktisch 100 bis zu 1'000'000 Bauelementen
in der Praxis wird die sehr umfangreiche Gruppe der Disccharide (Zweifachzucker) gerne
separat betrachtet, ähnlich verfahren viele Autoren noch mit den Dreifachzuckern (Trisacchariden), die aber in Zellen oder im Ernährungs-Bereich eine untergeordnete Rolle spielen
Aufgaben:
1.
2.
3. Zeigen Sie anhand der nebenstehenden Struktur-Formel
die Namensgebung für b-D-2-Desoxyribose – einem Abkömmling von Ribose, der in der DNS vorkommt!
4.
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 239 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
3.2.9.2.1. Zweifachzucker (Disaccharide)
Name
Cellobiose
Vorkommen
Aufbau u. Abbau v. Cellulose
Glykoside (Amygdalin)
Amylopektin
(Verzweigungen); Glykogen (Verzweigungen)
Glucose--(14)-Glucose
Gentiobiose
Isomaltose
Isomalz
Glucose--(16)-Glucose
Glucose--(16)-Glucose
Isomaltulose
Lactose
Milchzucker
Lactulose
Glucose--(16)-Fructose
Galaktose--(14)-Glucose
Laminaribiose
Galaktose--(13)-Glucose
Maltose
Malzzucker
Maltulose
Glucose--(14)-Glucose
Melibiose
Neohesperidose
Galaktose--(16)-Glucose
Rhamnose-(12)-Glucose
Neothrehalose
Nigerose
Rutinose
Glucose-(11)-Glucose
Glucose-(13)-Glucose
Rhamnose-(16)-Glucose
Sambubiose
Sophorose
Xylose--(12)-Glucose
Glucose-(12)-Glucose
Saccharose
(Haushalts)Zucker
Rübenzucker
Rohrzucker
Trehalose
Glucose--(12)-Fructose
Galaktose--(14)-Fructose
Glucose--(14)-Fructose
Glucose-'-(11)-Glucose
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 240 -
Säugetier-Milch, Dissimilations-Produkt (Gärung)
Reversions-Produkt des
Milchzucker
Abbau von Laminarin,
Bier
Zuckerrübe, Bienenhonig
Reversions-Produkt des
Malzzucker
Kakao-Bohne
Glykoside
(Naringin,
Neohesperidin)
Koji-Extrakt
Bienenhonig, Bier
Anthocyane,
Glykoside
(Hesperidin)
Anthocyane
Anthocyane, Leguminosen (Hülsen-Früchte)
Zuckerrübe, Zuckerrohr
Hämolymphe
(niedere
Tiere), Mutterkorn, Pilze
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
VerknüpfungsTyp
Monomere
Struktur
Verknüpfungs-Art
Saccharose-Typ
,-(1,2)glykosidisch
Maltose-Typ
-(1,4)glykosidisch
Reduktions-Vermögen
nein
ja
Namensgebender Zucker
weitere Beispiele
Saccharose
(Rübenzucker,
Rohrzucker)
Maltose
Amylose
Amylopektin (Kette)
Glykogen (Kette)
Cellobiose-Typ
-(1,4)glykosidisch
ja
Cellobiose
Cellulose
Isomaltose-Typ
-(1,6)glykosidisch
Isomaltose
Amylopektin (Verzweigungen)
Glykogen
(Verzweigungen)
Lactose-Typ
-(1,4)glykosidisch
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
ja
Lactose
(c,p) 2009-2015 lern-soft-projekt: drews
VerknüpfungsTyp
Monomere
Struktur
Verknüpfungs-Art
'-(1,1)glykosidisch
Trehalose-Typ
Gentobiose-Typ
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 242 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Reduktions-Vermögen
nein
Namensgebender Zucker
weitere Beispiele
Threhalose
Aufgaben:
1.
2. Kennzeichnen Sie mit Hilfe eines farbigen Markierstiftes, welche MolekülTeile der oben tabellierten Disaccharide für die Reduzierbarkeit (grünlich)
bzw. Nichtreduzierbarkeit (orange, gelb- oder rötlich) verantwortlich sind!
3.
für die gehobene Anspruchsebene:
4.
Die scheinbar willkürliche Kombination von Monosacchariden zu Disacchariden wirft die Frage auf, wie sich die verschiedenen Zellen bilden und warum dann eigentlich nicht auch alle
möglichen Kombinationen gebildet werden?
Das Geheimnis des ausgewählten Vorkommens und damit auch der ausgewählten Produktion liegt in der Notwendigkeit bestimmter Enzyme (Bio-Katalysatoren). Nur wenn diese vorhanden sind, dann können unter zellulären Bedingungen bestimmte Mehrfachzucker gebildet
werden.
Q: www.3dchem.com
Maltose
Q: www.3dchem.com
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
(c,p) 2009-2015 lern-soft-projekt: drews
Lactose
Q: www.3dchem.com
Sucrose
Q: www.3dchem.com
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 244 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
3.2.9.2.2. Dreifachzucker (Trisaccharide)
chemisch, wie auch biologisch von geringer Bedeutung
zumeist nur Übergangs-Zustände beim Aufbau und Abbau längerkettiger Kohlenhydrate
Acarbose
Rafinose
3.2.9.2.3. Vielfachzucker (Polysaccharide)
chemisch ebenfalss von geringer Bedeutung
große Bedeutung als Speicher- und Baustoffe in biologischen Systemen und auch bei der
Ernährung
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 245 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
3.2.x. Wiederholung und Systematisierung organische Chemie
(Kohlenwasserstoffe, Halogen- und Sauerstoff-Derivate)
Aufgaben:
1.
2. Für sechs verschiedene Carbonyl-Verbindungen sind die folgenden Summen-Formeln:
C2H4O, C3H6O, C4H6O
sowie bestimmte untersuchte Eigenschaften bekannt:
Test / Eigenschaft
Siede-Temperatur
[°C]
Wasser-Löslichkeit
Löslichkeit in unpolaren Lösungsmitteln
FEHLING-Probe
SCHIFFsche Probe
Iodoform-Probe
Entfärbung
Bromwasser
von
weitere Charakteristika
3.
Carbonyl-Verbindung
C
D
76
80
A
56
B
49
E
20
Z
102
mischbar
mischbar
mischbar
schlecht
schlecht
gut
gut
gut
mischbar
schlecht
wenig
gut
+
-
+
+
-
+
+
-
+
-
+
+
+
-
+
+
+
süßlicher
Geruch
stechend
aromatischer
Geruch
stechender Geruch
süßlicher
Geruch
stechender
Geruch
gelblich;
stechender
Geruch
(A bis E sind für alle, Z ist für die gehobene Anspruchsebene, gedacht! Zuerst ist kein Nachschlagewerk (Tafelwerk, Lexikon od. Internet zugelassen!)
a) Stellen Sie die möglichen Struktur-Formeln zu den obigen SummenFormeln auf! Benennen Sie die Stoffe!
b) Ermitteln Sie, welche Struktur-Formeln / Stoffe zu welcher untersuchten
Substanz gehören!
c) Gleichen Sie Ihre Ergebnisse mit Nachschlagewerken ab!
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 246 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Carbonyl-Reaktivität
O
O
//
O
//
- C
- C
\
Cl
/
>
>
>
- C
>
//
- C
\
O - R
O
//
- C
\
R
O
//
- C
\
H
O
//
- C
\
O
O
//
- C
\
>>
O
//
- C
\
N – R
|
H
>
\
OH
>>
O⊖
\\
O
Carbonsäurechlorid
Carbonsäureanhydrid
Aldehyd
Keton
Carbonsäureester
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
Carbonsäureamid
Carbonsäure
CarboxylatIon
(c,p) 2009-2015 lern-soft-projekt: drews
komplexe Aufgaben (z.B. zur Vorbereitung auf eine Klausur)
1.
2.
3. Geben Sie für die nummerierten Fragezeichen jeweils eine passende chemische Gleichung an! Als Ausgangs-Stoff soll der Alkohol Ethanol verwendet
werden!
4. Geben Sie zu jedem nummerierten Fragezeichen im obigen Schema den
passenden Reaktions-Typ an! Begründen Sie Ihre Wahl!
5. Erstellen Sie 40 Lern-Karten im Format A6 (Vorderseite: Frage / Aufgabe;
Rückseite: Antwort / Lösung) zum Thema! (Achten Sie darauf, dass sich Ihre eigenen Karten von vorherigen Übungen nicht wiederholen!)
Tauschen Sie Ihre Karten mit anderen Kursteilnehmern und kontrollieren
Sie Ihr Wissen und Können!
6. Mischen Sie alle Karten aller Kursteilnehmer und geben Sie diese entweder
in der Gesamtheit oder in passenden Teil-Gruppen zum Üben aus!
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
(c,p) 2009-2015 lern-soft-projekt: drews
3.3. Stickstoff-Derivate
Mit Sauerstoff-Atomen in organischen ergaben sich eine Vielzahl neuer Strukturen und StoffGruppen. Strukturell bieten Stickstoff-Atome noch weitere Möglichkeiten. Trotzdem sind die
Gruppen der Stickstoff-Derivate lange nicht so systematisch und gleichförmig, wie wir es von
den Sauerstoff-Derivaten in breiten Zügen kennen gelernt haben.
Definition(en): Stickstoff-Derivate
Sauerstoff-Derivate (der Cohlenwasserstoffe) sind organische Stoffe, die von der Grundstruktur Cohlenwasserstoffen entsprechen, bei denen aber einzelne oder mehrere Wasserstoff-Atome durch Stickstoff ersetzt oder ein oder mehrere Cohlenstoff-Atome durch Stickstoff ersetzt wurden.
Stickstoff-Derivate (der Cohlenwasserstoffe) sind Abkömmlinge von (reinen) Cohlenwasserstoffen. Sie enthalten außer Cohlenstoff und Wasserstoff noch Stickstoff.
In biologischen Systemen spielen sie aber eine große Rolle. Hier sei nur mal an die DNS
(Desoxyribonucleinsäure) oder die Proteine (Eiweiße) erinnert. Ohne diese sind biologische
Systeme auf der Erde nicht überlebensfähig. Und selbst in Grenzgängern zum Leben, wie es
die Viren sind, finden wir immer beide Stoff-Gruppen. Sie scheinen wirklich entscheidend für
biologische Systeme zu sein.
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 249 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Stoff-Klasse
Amine
UnterKlassen(n)
aliphatische
aromatische
Beispiel
mind.
scher
am N
mind.
scher
am N
1 aliphatiSubstituent
Bemerkungen
/ Hinweise
Ethylamin
1 aromatiSubstituent
Anilin
primäre
sekundäre
1
aliphatischer
oder aromatischer
Substituent am N
2
aliphatische
oder aromatische
Substituent am N
Methylamin
Dimethylamin
tertiäre
3
aliphatische
oder aromatische
Substituenten am
N
Trimethylamin
NitroVerbindungen
Nitrobenzen
Säureamide
Harnstoff
Aminosäuren
(AS)
2-Aminosäuren
(-Aminosäuren)
Alanin
(2-Aminopropansäure,
A,
Ala)
20 davon sind
Bausteine der
Proteine
(protenogen,
kanonisch)
Tryptophan
(2-Amino-3-(1H-indol-3yl)propansäure, Trp, W )
2-Aminosäuren
(-Aminosäuren)
Citrullin
5-Aminosäuren
(-Aminosäuren)
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
nichtprotenogen,
nicht-kanonisch
(alle anderen 2
AS)
-Aminobuttersäure
(GABA)
- 250 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
3.3.1. Amine
leiten sich von Ammonik (NH3) ab
formal Substitutions-Produkte des Ammoniaks
nach der Anzahl ausgetauschter / substituierter Wasserstoff-Atome unterscheiden wir primäre, sekundäre und tertiäre Amine
betrachtet man den Substituenten, dann wird nach dessen Struktur in aliphatische oder aromatische Amine unterschieden
Definition(en): Amine
Amine sind Stickstoff-Derivate (der Cohlenwasserstoffe), die sich vom Ammoniak ableiten
und bei denen einzelne oder mehrere Wasserstoff-Atome des Ammoniaks durch AlkylReste ersetzt wurden.
Amine sind Abkömmlinge von (reinen) Cohlenwasserstoffen, die (mindestens) ein Stickstoff
in der Oxidations-Stufe -3 enthalten.
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 251 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
3.3.1.1. aliphatische Amine
wir unterscheiden nach der Anzahl der substituierten Wasserstoff-Atome primäre, sekundäre
und tertiäre Amine
reagieren Amine mit Halogenalkanen, dann bilden sich quartäre (quarternäre) AmmoniumVerbindungen
(CH3)3N + CH3Cl
(CH3)4NCl
(CH3)4N⊕ + Cl⊖
Verbindung
Ammoniak
Methylamin
Dimethylamin
Trimethylamin
pKB
NH3
CH3-NH2
(CH3)2-NH
(CH3)3-N
BaseStärke
4,75
3,36
3,29
4,26
wegen der großen Elektronegativität des Stickstoff finden wir immer polare Strukturen
Siede-Temperatur dehalb immer höher, als bei Alkanen mit vergleichbare Molekül-Masse
priäre und sekundäre Amine bilden zusätzlich noch Wasserstoff-Brücken aus, was den Effekt
noch verstärkt
allgemein giftig
Fisch-artiger Geruch (Seefisch-Geruch basiert auf Dimethylamin und Trimethylamin)
Methylamin
farblos, hoch-entzündlich, intensiver Geruch, löslich in Wasser und Methanol
HCHO + NH4Cl
[CH2=NH2]Cl + HCHO + H2O
[CH2-NH2]Cl + NaOH
[CH2=NH2]Cl + H2O
[CH2-NH2]Cl + HCOOH
CH3-NH2 + NaCl + H2O
Struktur von
Methylamin
groß-technisch aus Methanol und Ammoniak, Neben-Produkte Dimethylamin und
Trimethylamin; 370 – 430 °C; 20 – 30 bar; Heterogen-Katalysator aus Silicium-AluminiumOxiden
CH3-OH + NH3
CH3-NH2 + H2O
Trennung und Reinigung erfolgt in fraktionierter Destillation
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 252 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Ausgangsstoff vieler Produkte (Alkylierungs-Mittel, Farbstoffe, Lösungsmittel, Coffein,
Pharmazeutika, Pflanzenschutz-Mittel, …)
Aufgaben:
1. Stellen Sie die chemischen Gleichungen für die Bildung von Dimethylamin
und Trimethylamin aus Methanol und Ammoniak auf!
für das gehobene Anspruchsniveau:
2. Machen Sie Aussagen zur Lage des chemischen Gleichgewichtes (Bildung
des Methylamins)! Warum arbeitet man so extremen ReaktionsBedingungen?
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 253 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
3.3.1.2. aromatische Amine
auch hier werden trimäre, sekundäre und tertiäre Amine betrachtet, es muß aber nicht jeder
Rest aromatisch sein
Anilin (Aminobenzen, Aminobenzol)
primäres Amin
bildet mit starken mineralischen Säuren Salze
es bildet sich eine Ammonium-ähnliches Ion mit einem durch Aninlin substituiertes Wasserstoff-Atom
Ausgangsstoff für Herstellung von Stoffen mit Azo-Gruppe (–N=N–), bedeutsam sind die
Azo-Farbstoffe
mesomere Grenzstrukturen von Anilin
N-Methylalanin
sekundäres Amin
N,N-Dimethylalanin
tertiäres Amin
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 254 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
3.3.2. Nitro-Verbindungen
Nitrobenzen (Nitrobenzol, Benzalin, Mirban-Öl, Mirban-Essenz, (falsches Bittermandel-Öl)
farblos flüssig, unangenehmer geruch
starkes Blut- und Nerven-Gift
steht im dringenden Verdacht Krebs auszulösen (cancerogen)
Nitroglycerin (Trinitroglycerol, Trisalpetersäureglycerolester, Trisalpetersäureglycerinester)
Herz-Medikament, Sprengstoff, Grundlage (mit Kieselgur) für Dynamit
Trinitrotuluol (TNT), 2,4,6-Trinitrophenol (Pikrinsäure), … sind bekannte Sprengstoffe, die
sich aus Phenol bzw. Nitrobenzel ableiten
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 255 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
3.3.3. Säureamide
dazu gehören Harnstoff, die Aminosäuren, die Peptide
Definition(en): Säureamide
Säureamide sind kombinierte Sauerstoff- und Stickstoff-Derivate (der Cohlenwasserstoffe),
die neben einer Amino-Gruppe (primäres, sekundäres oder tertiäres Amin) noch eine Säurebzw. COOH- bzw. Carboxyl-Gruppe enthalten.
Säureamide sind organische Verbindungen, die (neben ev. nach anderen Gruppen) auf
Ammoniak basieren und zumindestens – neben ev. anderen Gruppen / Strukturen – eine
saure Carboxyl-Gruppe (als funktionelle Gruppen) enthalten.
3.3.3.1. Harnstoff
Q: www.3dchem.com
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 256 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
3.3.3.2. Aminosäuren
Bestimmte Aminosäuren sind die Bauelemente der Eiweiße in biologischen Systemen. Auf
den ersten Verdacht hin, würde man vielleicht davon ausgehen, dass die Aber-Millionen Proteine (Eiweiße) von unzähligen verschiedenen Aminosäuren bebildet werden. Auch hier werden wir durch die Tatsache überrascht, dass es gerade mal 20 ganz bestimmte Aminosäuren
sind, die als Bau-Elemente in Frage kommen. Chemisch entstammen sie auch noch einer
speziellen Gruppe von Aminosäuren, den 2-Aminosäuren. Dazu gleich mehr.
Chemisch gesehen sind Aminosäuren, Cohlenwasserstoff mit mindesO
tens zwei definierten funktionellen Gruppen, die auch Namens-gebend
//
- C
waren. Da haben zuerst einmal die Säure-Gruppe. Ihren Bau und die
\
chemischen Wirkungen haben wir schon ausführlich bei den CarbonO - H
säuren besprochen.
Als zweite essentielle Gruppe muss die Amino-Gruppe vorhanden sein.
H
/
Auch sie kennen wir schon von den Aminen. Die Aminosäuren sind
- N
praktisch immer primäre Amine.
\
Die verschiedenen Eigenschaften wurden schon bei den Aminen aufH
gezeigt.
Das gemeinsame Vorhandensein von saurer Carboxyl-Gruppe und basischer Amino-Gruppe
hat natürlich besondere Wirkungen auf die chemischen Eigenschaften.
Manchmal werden die Aminosäuren auch als Säureamide bezeichnet.
Die Säure-Gruppe ist immer die höchst-oxidierte Gruppe im Molekül, so dass dieses C-Atom
immer die Nummer 1 ist.
Die Amino-Gruppe kann nun an verschiedenen C-Atomen der nachfolO
OH
genden Kette angesetzt sein. Ist dies das zweite C-Atom, dann spre\\ /
chen wir von 2-Aminosäuren. Bei einer Positionierung am dritten CC1
|
Atom von 3-Aminosäure usw. usf.
Nun findet man aber auch öfter die Bezeichnung mit einem griechiH –C2 – NH2
|
schen Buchstaben. Dabei handelt es sich um eine ältere KennzeichR
nung. Steht da ein , dann bedeutet dies, die Gruppe ist am ersten
2-Aminosäure
Nachfolge-C-Atom angebaut. Bei Beachtung der Säuregruppe bei der
-Aminosäure
Zählung ist es eben das 2. C-Atom. Somit hängt bei einer Aminosäure die Aminogruppe am zweiten Nachfolge-C-Atom, was
praktisch in der modernen Kettenzählung das dritte ist.
O
OH
Wir werden uns im Folgenden fast ausschließlich auf die 2\\ /
Aminosäuren beschränken und daran die verschiedenen Erklärungen
C1
vornehmen, weil die Eiweiß-bildenden Aminosäuren immer 2|
Aminosäuren sind. Die wenigen nicht-2-Aminosäuren, die sonst irH –C2 – H
|
gendwelche Funktionen in der Zelle übernehmen können, werden wir
H –C3 – NH2
hier vernachlässigen. Chemisch macht eine abweichende Position der
|
Amino-Gruppe wenig aus.
R
Der Rest R kann relativ beliebig sein. Wenn nun der Rest kein Wasser3-Aminosäure
stoff ist, dann schlittern wir geradewegs ins nächste Problem:
-Aminosäure
Das substituierte C-Atom (Position der Amino-Gruppe) von Aminosäuren ist i.A. ein asymetrisches C-Atom. Deshalb sind die meisten Aminosäuren optisch aktive Verbindungen.
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- 257 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Nutzen wir die FISCHER-Projektion, dann kann die
O
OH
O
OH
Amino-Gruppe links oder rechts am C-Atom ste\\ /
\\ /
hen. Für den Fall einer rechts-seitigen Notierung ,
C1
C1
|
|
sprechen wir von einer D-Aminosäure. Das D
steht dabei für dexter (lat.: rechts). Bei den LNH2 –C2 – H
H –C2 – NH2
|
|
Aminosäuren steht die Amino-Gruppe in der FIR
R
SCHER-Projektion links (L  laevus; lat.: links).
Die Natur hat sich bei den Aminosäuren für die LL-2-Aminosäure
R-2-Aminosäure
Form "entschieden". Für Proteine werden also
grundsätzlich nur L-2-Aminosäuren verwendet.
Einzige Ausnahme ist die Aminosäure Glycin. Sie hat als Rest ein Wasserstoff-Atom und
damit kein optisches aktives C-Atom.
Definition(en): Aminosäuren
Aminosäuren sind kombinierte Sauerstoff- und Stickstoff-Derivate (der Cohlenwasserstoffe),
die neben einer primären Amino-Gruppe (primäres Amin) noch eine Säure- bzw. COOHbzw. Carboxyl-Gruppe enthalten.
Aminosäuren sind organische Verbindungen, die (neben ev. nach anderen Gruppen) eine
basische Amino-Gruppe und eine saure Carboxyl-Gruppe (als funktionelle Gruppen) enthalten.
Die Struktur und daraus resultierende Eigenschaften werden zur Einteilung der Aminosäuren
benutzt.
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- 258 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
unpolare (hydrophobe) Aminosäuren (Aminosäuren mit aliphatischem Rest)
Glycin, Gly, G
Alanin, Ala, A
Valin, Val, V
Isoleucin, Iso, I
Prolin, Pro, P
Phenylalanin, Phe, F
Leucin, Leu, L
polare (neutrale) Aminosäuren (Aminosäuren mit polarem Rest)
Cystein, Cys, C
Methionin, Met, M
Serin, Ser, S
Threonin, Thr, T
Tyrosin, Tyr, Y
Asparagin, Asn, N
Glutamin, Gln, Q
Tryptophan, Try, W
saure Aminosäuren (Aminosäuren mit saurem Rest)
Asparaginsäure, Asp, D
Glutaminsäure, Glu, E
basische Aminosäuren (Aminosäuren mit basischem Rest)
Lysin, Lys, L
Arginin, Arg, R
Histidin, His, H
Für spezielle Zwecke und Betrachtungen gibt es weitere klassische EinteilungsMöglichkeiten bzw. charaktisierte Aminosäure-Gruppen. Diese Gruppen werden meist wegen der besonderen Bedeutung in der Biochemie oder für den Menschen aufgestellt.
Einige Aminsäuren kann der Mensch in seinen Zellen bzw. mit seinem Stoffwechsel nicht
selbst bilden. Er ist deshalb auf eine externe Bereitstellung angewiesen. Der Bedarf an diesen Aminosäuren erfolgt über die Ernährung. Wir sprechen hier von essentiellen (= Lebensnotwendigen) Aminosäuren. Wir lassen uns hier nicht auf eine Diskussion ein, ob eine Aminosäure, die nur für Kinder und Schwangere (oder eine andere Lebens-Situation) essentiell ist,
auch generell als solche bezeichnet werden kann oder nur als semi-essentiell. Da eine Reproduktion oder die Entwicklung (Otogenese) des Menschen nicht ohne diese Stadien ablaufen können, sind sie eben insgesamt wohl doch essentiell. Arginin, Cystein und Histidin zählen zu diesen (semi-)essentiellen Aminosäuren.
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- 259 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
essentielle Aminosäuren (für den Menschen)
Arginin, Arg, R
Histidin, His, H
Isoleucin, Iso, I
Leucin, Leu, L
Lysin, Lys, L
Methionin, Met, M
Phenylalanin, Phe, F
Threonin, Thr, T
Tryptophan, Try, W
Valin, Val, V
Einteilungen der Aminsäuren nach den Eigenschaften der Reste. Diese Klassifizierung ist
besonders für das Verständnis der Struktur-Bildung von Proteinen sehr wichtig.
aromatische Aminosäuren (Aminosäuren mit aromatischem Rest)
Histidin, His, H
Phenylalanin, Phe, F
Tyrosin, Tyr, Y
Tryptophan, Try, W
Schwefel-haltige Aminosäuren (Aminosäuren mit Schwefel-Atomen)
Cystein, Cys, C
Methionin, Met, M
amidierte Aminosäuren (Aminosäuren mit weiterer Amino-Gruppe)
Asparagin, Asn, N
Glutamin, Gln, Q
hydroxylierte Aminosäuren (Aminosäuren mit (zusätzlicher) Hydroxyl-Gruppe)
Serin, Ser, S
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Threonin, Thr, T
Tyrosin, Tyr, Y
- 260 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Übrig bleiben einige Aminosäuren, die in unserem Körper zwar wichtig sind und auch gehäuft vorkommen, aber niemals (bzw. nur sehr selten (nichts in der Biologie ist absolut! )) an der
Bildung von Proteinen (Eiweißen) beteiligt sind.
spezielle, nicht-protenogen Aminosäuren
Selencystein, Sec, U
Pyrrolysin, Pyl, O
In der biologischen / zellphysilogischen / genetischen Literatur tauchen u.U. noch einige zusätzliche 3- bzw. 1-Buchstaben-Codes auf. Eine unbekannte Aminosäure wird mit Xaa od.
Unk bzw. X abgekürzt. Da es für einige Aminosäure im genetischen Code recht ähnliche
Tripletts gibt, können sie sich u.U. gegenseitig ersetzten. Um diesen Umstand zu kennzeichen verwendet man für das Päarchen Asparagin – Asparaginsäure die Codes Asx und B.
Die Aminosäuren Glutamin und Glutaminsäure bekommen in dieser Konstellation Glx und Z.
Und das Päarchen Leucin – Isoleucin das Xle und X.
Aufgaben:
1. Setzen Sie sich mit den folgenden Thesen / Aussagen auseinander! Prüfen
Sie ihren Wahrheits-Gehalt! Begründen Sie immer Ihre Position!
2.
a) Jede Aminosäure kann in einem Protein vorkommen.
b) Alle Aminosäuren sind organische Stoffe.
c) Alle Aminsäuren sind protenogen.
d) Alle protenogen Aminsäuren sind 2-Aminosäuren.
e) Alle Aminosäuren sind natürliche Stoffe.
d) Wenn eine Aminosäure eine 2-Aminosäure ist, dann ist sie auch eine -Aminosäue.
e) Jede -Aminosäure ist protenogen.
f) Primäre Amine von Carbonsäuren sind immer 2-Aminosäuren.
g) Aminosäuren sind immer Stickstoff-Derivate von Carbonsäuren
h) 2-Aminosäuren sind Stickstoff-Derivate der Carbonsäuren
i) 2-Aminosäuren sind Derivate der Cohlensäure, bei denen eine OH-Gruppe durch einen
organischen Rest ersetzt ist, der an seiner 1. Position (1. C-Atom) eine Amino-Gruppe
enthält.
k) Jede protenoge Aminosäure ist es eine 2-Aminosäure.
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 261 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
protenogene Aminosäuren und die Eigenschaften ihrer Reste
Name
3-BuchstabenCode
1-BuchstabenCode
Alanin
Arginin
Asparagin
Asparaginsäure
Cystein
Glutamin
Glutaminsäure
Glycin
Histidin
Isoleucin
Leucin
Lysin
Methionin
Phenylalanin
Prolin
Serin
Threonin
Tryptophan
Tyrosin
Valin
Ala
Arg
Asn
Asp
Cys
Gln
Glu
Gly
His
Ile
Leu
Lys
Met
Phe
Pro
Serin
Thr
Trp, Try
Tyr
Val
A
R
N
D
C
Q
E
G
H
I
L
K
M
F
P
S
T
W
Y
V
Haupt-Eigenschaft(en)
Mges
[g/mol]
aliphatisch, unpolar, neutral
aliphatisch, polar, stark basisch
aliphatisch, polar, neutral
aliphatisch, polar, sauer
aliphatisch, polar, neutral
aliphatisch, polar, neutral
aliphatisch, polar, sauer
aliphatisch, unpolar, neutral
aromatisch, polar, schwach basisch
aliphatisch, unpolar, neutral
aliphatisch, unpolar, neutral
aliphatisch, polar, basisch
aliphatisch, unpolar, neutral
aromatisch, unpolar, neutral
heterocyclisch, unpolar, neutral
aliphatisch, polar, neutral
aliphatisch, polar, neutral
aromatisch, unpolar, neutral
aromatisch, polar, neutral
aliphatisch, unpolar, neutral
MRest
[g/mol]
15,03
100,14
58,06
59,04
47,10
72,09
73,07
1,01
81,10
57,11
57,11
72,13
75,15
91,13
42,08
31,03
45,06
130,16
107,13
43,09
durchschn.
Anteil
in
Proteinen
9,0
4,7
4,4
5,5
2,8
3,9
6,2
7,5
2,1
4,6
7,5
7,0
1,7
3,5
4,6
7,1
6,0
1,1
3,5
6,9
VAN-DERWAALSVolumen
67
148
96
91
86
114
109
48
118
124
124
135
124
135
90
73
93
163
141
105
pKS
vom
Rest
12,48
3,90
8,18
4,07
6,04
10,54
10,46
Hydrophobizität
1,8
-4,5
-3,5
-3,5
2,5
-3,5
-3,5
-0,4
-3,2
4,5
3,8
-3,9
1,9
2,8
-1,6
-0,8
-0,7
-0,9
-1,3
4,2
Name
Restes
des
AlanylArginylAsparaginyla-AspartylCysteinylGlutaminyla-GlutamylGlycylHistidylIsoleucylLeucylLysylMethionylPhenylalanylProlylSerylThreonylTryptophylTyrosylValyl-
Daten-Q: de.wikipedia.org
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(c,p) 2009-2015 lern-soft-projekt: drews
3.3.3.2.1. protenogene Aminosäuren
praktisch alle Proteine auf der Erde werden bestehen aus 20 speziellen 2-Aminosäuren
kanonische AS
Standard-Aminosäuren
derzeit 23 bekannt, wobei einige nur in ganz isolierten Organismen-Gruppen zu finden sind.
Man erklärt sich diese Sonderlinge mit späteren Mutationen.
die 3 zusätzlichen Aminosäuren übernehmen in den Organismen-Gruppen dann die Position
einer anderen Aminosäure (auch in diesen Gruppen gilt somit, dass Proteine immer nur aus
20 verschiedenen Aminosäuren gebildet werden)
Alanin
Q: www.3dchem.com
Arginin
Q: www.3dchem.com
Asparagin
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
(c,p) 2009-2015 lern-soft-projekt: drews
Q: www.3dchem.com
Asparaginsäure
Q: www.3dchem.com
Cystein
Q: www.3dchem.com
Glutaminsäure
Q: www.3dchem.com
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- 264 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Glutamin
Q: www.3dchem.com
Glycin
Q: www.3dchem.com
Isoleucin
Q: www.3dchem.com
Leucin
Q: www.3dchem.com
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 265 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Lysin
Q: www.3dchem.com
Methionin
Q: www.3dchem.com
Phenylalanin
Q: www.3dchem.com
Prolin
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- 266 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Q: www.3dchem.com
Serin
Q: www.3dchem.com
Threonin
Q: www.3dchem.com
Tryptophan
Q: www.3dchem.com
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 267 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Thyrosin
Q: www.3dchem.com
Valin
Q: www.3dchem.com
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- 268 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
3.3.3.2.2. bedeutsame nicht-protenogene Aminosäuren
insgesamt rund 400 bekannt, sind niemals am Aufbau von Proteinen beteiligt, da es für sie
auch im genetischen Code kein entsprechendes Triplett gibt
praktisch fehlt eine passende tRNA, diese müsste die neue Aminosäure tragen und diese
würde dann bei passenden Situationen (passendes Anticodon) in die Peptid-Kette (PrimärStruktur) eingebaut weden. Da dies nun aber bei allen Proteinen passieren würden, würden
sich auch wahrscheinlich bei allen Proteinen die Strukturen ändern (Sekundär- bis QuartiärStruktur) und damit deren Funktion(s-Fähigkeit), praktisch kommt es bei allen Proteinen zu
einer Denaturierung  Veränderung des genetischen Codes nur in ganz wenigen Details
denkbar, praktisch aber wohl unmöglich (nur bei extrem primitiven Organismen mit sehr wenigen Proteinen)
Q: www.3dchem.com
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 269 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
3.3.3.3. Peptide
Definition(en): Peptide
Peptide sind Kondensations-Produkte von Aminen und Carbonsäuren.
Peptide sind organische Stoffe, die eine Peptid-Gruppe enthalten.
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- 270 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
3.3.3.4. Proteine / Eiweiße (Polypeptide)
Definition(en): Polypeptide
Polypeptide sind Kondensations-Produkte von Aminosäuren mit einer Länge von mehr als
20 Bauelementen (Aminosäuren).
Polypeptide sind Ketten-förmige organische Stoffe, in denen (mehr als 20) Aminosäuren
durch Peptid-Gruppen verbunden sind.
Definition(en): Proteine
Proteine sind Polypeptide mit einer speziellen (charakteristischen) Struktur und Funktion.
Die Polypeptide sind nur aus protenogenen Aminosäuren und nach einem genetischen Programm zusammengesetzt. Neben den Polypeptiden können sich in den Tertiär- und
Quartiär-Strukturen von Proteinen auch Nicht-Eiweiß-Bestandteile befinden.
Proteine sind biologische Makro-Moleküle, die aus (protenogenen) Aminosäuren aufgebaut
sind. Sie können auch nichtprotenogene Bestandteile enthalten.
früher (bis 1980) waren Proteine reine Polypeptide, waren nichtprotenogene Bestandteile
enthalten, dann sprch man von Proteiden
heute wird hier begrifflich kaum noch getrennt
Aufgaben:
1.
2.
3. Wieviele verschiedene Tripeptide können aus Alanin (Ala), Glutamin (Gln)
und Serin (Ser) entstehen? Geben Sie für die Bildung eines Tripeptides die
chemische(n) Gleichung(en) mit ausführlichen Struktur-Formeln an!
4. Was versteht man unter Denaturierung von Proteinen? Durch welche (externen) Faktoren kann die Denaturierung ausgelöst werden?
5.
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 271 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
3.3.4. Aminobasen
Definition(en): Aminbasen
Aminobasen sind Stickstoff-Derivate (der Cohlenwasserstoffe), die.
Aminobasen sind Abkömmlinge von (reinen) Cohlenwasserstoffen, die.
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 272 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
3.3.5. Stickstoff-haltige Heterocyclen
wichtige Grund-Körper:
Pyridin
Pyrazin
Pyrimidin
Pyridazin
Chinolin
Chinoxalin
Chinazolin
Cinnolin
Isochinolin
Acridin
Pyrrol
Imidazol
Pyrazol
Ozazol
Indol
Benzimidazol
Idazol
Isoxazol
Isoindol
Purin
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Thiazol
- 273 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Nicotin
Q: www.3dchem.com
Urotropin (Hexamethylentetramin, 1,3,5,7-Tetraazaadamantan,
Hexamin, Methenamin)
Trockenspiritus
Herstellung durch Einleitung von Ammoniak in Formalin
Q: de.wikipedia.org (Yikrazuul)
Harnsäure
Q: www.3dchem.com
Q: www.3dchem.com
Q: www.3dchem.com
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- 274 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
3.3.6. weitere Stickstoff-Derivate von Kohlenwasserstoffen
Metformin
Q: www.3dchem.com
Nitromethan
Q: www.3dchem.com
Dopamin
Q: www.3dchem.com
Kreatin
Q: www.3dchem.com
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- 275 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Phenol-Derivate:
Pikrinsäure (pikros: bitter)
Q: www.3dchem.com
Q: www.3dchem.com
3.2.x. Wiederholung und Systematisierung organische Chemie
(Kohlenwasserstoffe, Halogen- , Sauerstoff- und StickstoffDerivate)
Aufgaben:
1.
2.
3.
4. Notieren Sie die Struktur-Formeln der optischen Isomere des Alanins! Geben Sie mindestens zwei Möglichkeiten an, um die Stereo-Isomere aus einem Racemat zu trennen
5.
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 276 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
3.4. Schwefel-Derivate
Definition(en): Schwefel-Derivate
Schwefel-Derivate (der Cohlenwasserstoffe) sind organische Stoffe, die von der Grundstruktur Cohlenwasserstoffen entsprechen, bei denen aber einzelne oder mehrere WasserstoffAtome durch Schwefel ersetzt oder ein oder mehrere Cohlenstoff-Atome durch Schwefel
ersetzt wurden.
Stickstoff-Derivate (der Cohlenwasserstoffe) sind Abkömmlinge von (reinen) Cohlenwasserstoffen. Sie enthalten außer Cohlenstoff und Wasserstoff noch Schwefel.
Saccharin
Q: www.3dchem.com
???
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- 277 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
3.5. diverse weitere gemischte Derivate der Kohlenwasserstoffe
3.5.x. Alkaloide
Nikotin
Q: www.3dchem.com
Solanin
Q: www.3dchem.com
Theobromin
Q: www.3dchem.com
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- 278 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Strychnin
Q: www.3dchem.com
3.5.x. Neurotransmitter
Q: www.3dchem.com
Dopamin
Q: www.3dchem.com
Q: www.3dchem.com
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 279 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
3.5.x. psychogene Stoffe
Ecstasy
Q: www.3dchem.com
Heroin
Q: www.3dchem.com
LSD
Q: www.3dchem.com
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 280 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Morphin
Q: www.3dchem.com
Methamphetamin
Q: www.3dchem.com
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 281 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
3.5.x. Medikamente
Penicellin
Q: www.3dchem.com
Prednisolon
Q: www.3dchem.com
Rosaglitazon
Q: www.3dchem.com
Relenza
Q: www.3dchem.com
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 282 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Tamiflu
Q: www.3dchem.com
Viagra
Q: www.3dchem.com
3.5.x. Hormone
Progesteron
Q: www.3dchem.com
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- 283 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
3.5.x. Farbstoffe
Definition(en): Farbstoffe (i.w.S.) / Farbmittel
Farbstoffe (Farbmittel) sind Stoffe, die elektromagnetische Strahlung im Bereich des sichtbaren Lichtes (Wellenlänge 380 – 780 nm, Frequenz Hz) absorbieren oder emitieren (bzw.
fluoreszieren).
Farbstoffe (Farbmittel) sind Stoffe, die andere Stoffe färben.
Farbmittel (lt. DIN der Oberbegriff)
Farbstoffe sind Farbmittel, die sich im Anwendungs-Medium lösen.
Pigmente sind Farbmittel, die im Anwendungs-Medium unlöslich sind.
in der Biologie usw. werden die Definitionen nicht ganz so eng gefasst. Meist spricht man
allgemein von Farbstoffen und meint damit sowohl die Pigmente als auch die Farbstoffe lt.
der DIN.
Um das Phänomen Farbstoff zu verstehen, muss man sich zuerst einmal mit den physikalischen Hintergründen beschäftigen. Das Ganze wird vielleicht dann deutlich, wenn wir uns
vergegenwärigen, wie ein Gegenstand gelb sein kann. Auf der Straße nachts kennt jeder die
mehr oder weniger beliebten gelben Straßen-Laternen mit Natrium-Dampf-Lampen. Sie
leuchten gelb, weil sie nur den gelben Licht-Anteil aussenden. Das machen sie sehr günstig,
was auch einer der wesentlichen Gründe für ihre weite Verbreitung ist. Die früheren Quecksilber-Dampf-Lampen sendeten schön weißes Licht. Diese Lampen emitieren alle LichtAnteile gleichmäßig, was eben genau weißes Licht ausmacht. Nur ist Quecksilber ein gesundheitlich sehr bedenklicher Stoff, was seiner Verbreitung entgegensteht.
Die zweite Variante, wie ein Gegenstand farbig – z.B. eben gelb – sein kann, können wir
nicht direkt beobachten. Unser gelbes Shirt, oder was auch immer, ist eben nicht deshalb
gelb, weil es den gelben Licht-Anteil aussendet. Nein hier ist es so, dass der Stoff / das Material unseres Shirts den blau-violetten Lichtanteil aus dem weißen Umgebungs-Licht entzieht (absorbiert).
oben: normales Farb-Spektrum (Emmisions-Spektrum)
unten: Komplementär-Farben zu den obigen Licht-Anteilen
Q: de.wikipedia.org (selbst), bearb.: dre
Wir sehen nun das Rest-Licht – ohne den absorbierten blau-violetten Anteil – und dieser erzeugt in unserem Gehirn die Wahrnehmenung eines gelben Gegenstandes.
Das unser Farbsehen so besonders funktioniert, kann man an Farb-blinden Personen beobachten oder auch in der Dämmerung oder in der Nacht. Da sehen sehen wir die Farben
kaum noch, weil andere Licht-Sinneszellen nur noch Hell und Dunkel unterscheiden können.
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 284 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Definition(en): Farbstoff (i.e.S.)
Farbstoffe (i.e.S.) sind Farbmittel (Farbstoffe i.w.S.), die sich im Anwendungs-Medium lösen
können.
Definition(en): Pigmente
Pigmente sind Farbmittel (Farbstoffe i.w.S.), die sich im Anwendungs-Medium nicht lösen
können.
typische (klassische, historische) Einteilung:
natürliche Farbstoffe / Naturfarbstoffe
aus Tieren: Purpur (Purpur-Schnecke),
aus Pflanzen: Indigo (Färberwaid), Chlorophyll, Crocetin (Krokus), Carotin (Karotte)
künstliche / synthetische Farbstoffe
in der Färbe-Technik und in der Farbstoff-Chemie sind noch andere Einteilungen gebräuchlich
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- 285 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
in der Färbetechnik gebräuchlich:
Säure-Farbstoffe
Beizen-Farbstoffe
Dispersions-Farbstoffe
Entwicklungs- od.
Kupplungs-Farbstoffe
Kationische Farbstoffe
(basische Farbstoffe)
Küpen-Farbstoffe
Metallkomplex-Farbstoffe
Pigment(-Farbstoff)e
Reaktiv-Farbstoffe
Substantive Farbstoffe
Direkt-Farbstoffe
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Wasser-lösliche, anionische Farbstoffe
Säure-Farbstoffe,
die
auf vorher gebeiztes
Färbegut aufgetragen
werden
Wasser-unlösliche, fein
verteilte Pigmente
Farbstoffe, die in mind.
2 Schritten aufgebracht
werden und erst im 2.
Schritt die eigentliche
Farbe entwickeln
basische Farbstoffe
Wasser-unlösliche
(meist farblose) Färbemittel, die durch Reduktion in basischer Lösung
in Farb-Form überführt
werden
Säure-Farbstoffe,
die
Komplex-artig
gebundene Metalle, wie z.B.
Cr, Co und Cu als Zentral-Atom enthalten
Pigmente, die durch
spezielle Stoffe auf das
Färbegut
aufgebracht
werden (Verlackung)
Farbstoffe bilden kovalente Bindungen zum
Färbegut auf
Farbstoffe, die direkt
aufgetragen werden
- 286 -
für Wolle, Polyamid
für beizbare (mit
3+
3+
3+
Cr -, Fe - od. Al Salzen)
Oberflächen
für Polyester, Polyamid,
Polyacrylnitril,
Triacetat- od. DiTri-Acetat-Fasern
Cellulose (Viskose)
Naphtholgelb S; Patentblau
Alizarin
div. Azo-Farbstoffe
Naphthol
S
od.
Anilide
mit
Diazonium-Salze;
Anilinschwarz,
Naphtholrot
für PolyacrylnitrilFasern
Azo-Farbstoffe,
Phthalocyanine
für
Textil-(Auf)Drucke
für Cellulose (Viskose)
für Cellulose (Viskose), Polyamid
Remazol-Farbstoffe
Levafix-Farbstoffe
Procionbrilliantorange
GS
Kongorot,
Benzopurpurin
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Farbstoff-Gruppen nach chemischer Struktur
Farbstoff-Gruppe
chemischer Grund-Körper,
Grund-Struktur
AnthrachinonFarbstoffe
Beispiele
Indathren
Alizarin(-rot)
Anthrachinon
Azo-Farbstoffe
Dioxazin-Farbstoffe
Dioxarin
Indigo-Farbstoffe
Indigo
Nitro- u.
Nitroso-Farbstoffe
Pikrinsäure
Amidogelb B
Pigmentgrün B
Naphtholgrün B
PhthalocyaninFarbstoffe
Schwefel-Farbstoffe
(Sulfin-Farbstoffe)
TriphenylmethanFarbstoffe
Phthalocyanin
div. Aromaten, genaue Konstitution unbekannt
für Baumwolle
Fuchsin,
Fluorescein,
Kristallviolett, Eosin,
Phenolphthalein,
Bromphenolblau
Triphenylmethan
funktionelle Farbstoffe sind Farbstoffe, die speziele Funktionen erfüllen
ihre Farbe oder Farb-Veränderung wird selten ästhetischen Ansprüchen genügen
z.B. Indikatoren, Spannung-abhängige Farbstoffe (z.B. für Laser-Drucker), Träger-Schichten
in beschreibaren CD's bzw. DVD's
Absorptions-Maxima von konjugierten Polyenen
Q: de.wikipedia.org (selbst), geänd. u. erw.: dre
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 287 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Absorptions-Maxima von Cyaninen mit konjugierten Strukturen
Q: de.wikipedia.org (selbst), geänd. u. erw.: dre
"farbige" Strukturen in organischen Stoffen:
Struktur
Name
C-C-Doppel-Bindung
\
/
C = C
/
\
Carbonyl-Gruppe
\
C = O
/
Azomethin-Gruppe
\
C = N /
Thiocarbonyl-Gruppe
\
C = S
/
- N = O
- N = N –
Nitroso-Gruppe
Azo-Gruppe
Definition(en): Chromophore
Chromophore sind Atom-Gruppen, die durch vorhandene -Elektronen-Systeme, die Farbigkeit von Stoffen bewirken.
Chromophore sind Atom-Gruppen, die durch die Absorption von Anteilen des sichtbaren
Lichtes (/ elektromagnetischen Spektrums) eine Farbigkeit des Stoffes verursachen.
bathochromer Effekt
Verschiebung des Absorptions-Maximas zum längerwelligen Anteil (in Richtung Rot)
durch +M- oder –M-Effekte bewirkt werden
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 288 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
auxochrome Strukturen
funktionelle
Gruppe / Name
Struktur
+M-Effekt
R
/
- N
\
R
H
/
- N
\
R
H
/
- N
\
H
- O - R
- O - H
anti-auxochrome Strukturen
funktionelle
Gruppe / Name
Struktur
-M-Effekt
O
//
- C
\
H
O
//
- N
\\
O
O
||
- S – O - H
||
O
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 289 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Melatonin
Q: www.3dchem.com
Luminol
Q: www.3dchem.com
b-Carotin
Lutein
Astaxanthin
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 290 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
3.5.x.y. Einteilung, Klassifikation und Systematik derFarbstoffe
Standard-Werk ist der "Clour Index" (Abk.: C.I.)
seit 1925, erfasst alle Farbstoffe, mit Formeln, Trivialnamen, Patente, Herstellungs- und Verarbeitungs-Vorschriften usw.; Angaben sind weitesgehend freiwillig, so dass diese nicht vollständig sind und z.B. häufig Strukturen und Herstellungs-Vorschriften fehlen
Einteilung in C.I.-Klassen
Kurzbezeichnung
Acid
Basic
Direct
Sulfur
Azoic
Reactive
Vat
Solvent
Food
Disperse
Natural
Pigment
Kürzel
Name
A
B
D
Säure-Farbstoffe
basische Farbstoffe
Direkt-Farbstoffe
Schwefel-Farbstoffe
Azo-Farbstoffe
Reaktiv-Farbstoffe
Küpen-Farbstoffe
nicht-wasserlösliche Farbstoffe
Lebensmittel-Farbstoffe
Dispersions-Farbstoffe
natürliche (Pflanzen-)Farbstoffe
Pigmente
R
V
S
F
DS
P
C.I.-Farbbezeichnungen
Gruppe
Farbe
Farben
Yellow
Orange
Red
Violet
Blue
Green
White
Black
Metal
unbunte Farben
Effekte
FarbBezeichnung
gelb
orange
rot
violett
blau
grün
Brown
C.I.-Konstitutions-Nummern
Gruppe
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 291 -
NummernBereich
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
Nitroso
Nitro
Monoazo
Disazo
10000 – 10299
10300 – 10999
11000 – 19999
20000 – 29999
Stilben
40000 - 40799
Diphenylmethan
Triarylmethan
Xanthen
Acridin
Chinolin
Methin
Thiazol
Indamin
Indophenol
Azin
Oxazin
Thiazine
41000 – 41999
42000 – 44999
45000 – 45999
46000 – 46999
47000 – 47999
48000 – 48999
49000 – 49399
49400 – 48699
49700 – 49999
50000 – 50999
51000 – 51999
52000 – 52999
Aminoketone
56000 – 56999
Anthrachinon
Indigold
Phthalocyanin
58000 – 72999
73000 – 73999
74000 – 74999
anorg. Pigmente
77000 – 77999
- 292 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Beispiele
Trivialname
Anilin
Berliner Blau
Chlorophyll
Fluorescein
Indigo
Kalziumsulfat-Dihydrat
Patenblau V, E 131
Patenblau V, Na-Salz
C.I.
Constitution
Number
C.I. 56000
C.I. 77510
C.I.
C.I.
C.I. 45350
C.I. Generic Name
CAS-Nummer
IUPAC-Name
C.I. Oxidation Base 1
C.I. Pigment Blue 27
C.I.
C.I.
C.I. Acid Yellow 73
62-53-3
14038-43-8
Phenylamin
Eisen(III)-hexacyanidoferrat(II/III)
2321-07-5
C.I. 73000
C.I.
C.I. 77231
C.I.
C.I.
C.I. 42051
C.I. Pigment Blue 66
C.I.
C.I. Pigment White 25
C.I.
C.I.
C.I. Food Blue 5
482-89-3
6-Hydroxy-9-(2-carboxyphenyl)-(3H)-xanthen-3on
2-[6-Hydroxy-3-oxo-(3H)-xanthen-9-yl]benzoesäure
2,2’-Bis(2,3-dihydro-3-oxoindolyliden)
C.I. 42051
C.I.
C.I. Acid Blue 3
C.I.
20262-76-4
10101-41-4
20262-76-4
4-[4,4′,-Bis-diethylamino-α-hydroxy-benzhydryl]6-hydroxy-benzol-1,3-disulfonsäure
2,4-Disulfon-5-hydroxy-4′,4″-bis- (diethylamino)triphenylcarbinol
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
(c,p) 2009-2015 lern-soft-projekt: drews
3.5.x.y. Küpen-Farbstoffe
Indigo
blauer Farbstoff
klassischer Jeans-Farbstoff
aus der Färberwaid-Pflanze ((s ) Isatis tinctoria)
Vorstufe (in der Pflanze) ist Indican, das erst durch Kontakt
mit Luft aus dem gelben Indolyl zum blauen Indigo wird
Q: de.wikipedia.org (Yikrazuul)
Arbeitschritte in einer Indigoterie
Q: de.wikipedia.org („Indigoterie-1667“ von Jean-Baptiste du Tertre - Histoire générale des Antilles, 4 vols, Paris, 1667)
Indirubin (Indigorot)
rot-violett
aus der Färberwaid-Pflanze ((s ) Isatis tinctoria), (s )
Indigofera tinctoria oder ausgewählten Schnecken gewonnen
Struktur-Isomer des Indigo
Q: de.wikipedia.org (Jü)
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
(c,p) 2009-2015 lern-soft-projekt: drews
Isoindigo
Q: de.wikipedia.org ()
Purpur
Dibromindigo
aus der Purpur-Schneck ((s ) ) gewonnen
Verfahren schon in der Antike bekannt und durch ARISTOTELES und PLINIUS beschrieben
Q: de.wikipedia.org (Benjah-bmm27)
als billigerer wurde auch Kermes (Karmin) benutzt, dass
aus trächtigen Schildlaus-Weibchen der Kermes-Schildlaus
((s) Coccus ilicis) gewonnen wird
Indanthen-Farbstoffe
chemischer Trivial-Name Indanthron
Indanthren ist Markenname
blaues Pigment / Farbmittel
Indanthron-Grundkörper
Q: de.wikipedia.org ()
anthrachinonide Farbstoffe
Anthrachinon-Grundkörper
Q: de.wikipedia.org (NEUROtiker)
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 295 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Phthalocyanin-Farbstoffe
Phthalocyanin-Grundkörper
Q: de.wikipedia.org (Emeldir)
Naphthalin-Farbstoffe
Naphthalin-Grundkörper
Q: de.wikipedia.org (Emeldir)
Q: de.wikipedia.org ()
3.5.x.y. Entwicklungs-Farbstoffe
3.5.x.y. Direkt-Farbstoffe
sunbstantive Farbstoffe
3.5.x.y. Dispesions-Farbstoffe
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 296 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
3.5.x.y. Reaktiv-Farbstoffe
Reaktiv-Farbstoff enthalten als molekulare Bausteine ein Farb-gebendes Chromophor, ein
löslich-machende Gruppe und ein oder mehrere reaktive Anker, damit die reaktive Anker
keine oder nur geringe Farb-verändernde Wirkung haben, sind zwischen reaktivem Anker
und Chromophor noch Brücken-Glieder eingebaut.
Bsp.: Basilene®, Novacrone®, Procione®, Remazole®
reaktive Anker sind häufig Chlor-haltige ungesättigte heterocyclische Molekül(-Rest)e
reagieren unter Abspaltung von HCl mit den Hydroxyl-Gruppen des zu färbenden Materials
weiterhin 2-Sulfonylethylhydrogensulfate als Anker-Gruppen bekannt, diese spalten SulfatIonen bei der Bildung der kovalenten Bindung ab, es bilden sich stabile Vinylsulfone, über
MICHAEL-Addition werden nucleophile Gruppen gebunden, es entsteht letztendlich eine
stabile Ether-Bindung
mehrere Reaktiv-Anker dienen einer hohen Fixier-Ausbeute (liegt dann meist um 90%)
3.5.x.y. Lebensmittel-Farbstoffe
Forderung einer sehr geringen Giftigkeit oder anderweitigen gesundheitlichen Belastung
wenige sind natürlich
früher auch giftige Stoffe verwendet, meist durch die verwendeten geringen Mengen Gefährlichkeit unterschätzt
Quecksilbersulfid () für Käse
Bleioxid () für Zuckerwaren
Fuchsin () fü Wein
mit dem ersten Lebensmittel-Gesetz (1887) wurden Schwermetall-haltige Zusätze verboten
allerdings waren viele – heute als sehr bedenklich eingestufte – Stoffe noch nicht betrachtet
und es fehlten auch Grenzwerte
Lebensmittel-Farben auch häufig in anderen Bereichen eingesetzt, z.B. Herstellung und Färbung von Spielzeug (Knete, Kinder-Mal-Farben, Kosmetik, Paint-Ball, Stoffpuppen für Baby's)
Farbe
Farbstoff
Untergruppe
Quelle
rot
Betanin
Carotin
Chlorophyll
Beten-Farbstoff
Rote Beete
BlattgrünFarbstoff
Cumarin
Gelb-Wurz
Safran
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 297 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
man unterscheidet die Lebensmittel-Farbstoffe von den färbenden Lebensmittel
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 298 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
(in der EU) zugelassene Lebensmittel-Farbstoffe
LebensmittelFarbstoff
Curcumin
E-Nummer
Lactoflavin
Riboflavin (Vit. B2)
E 101
E 101
Riboflavin-5-phosphat
E 101a
Tartrazin
E 102
Chinolingelb
E 104
Gelborange S
E 110
gelb,
orange,
rot
Koschenille
Kamin
E 120
Azorubin
E 122
Amaranth
E 123
Cochenillerot A
E 124
Erythrosin
E 127
Allurarot AC
E 129
gelb,
orange,
rot
rot; gelb,
orange,
rot
rot; gelb,
orange,
rot
gelb,
orange,
rot
gelb,
orange,
rot
rot; gelb,
orange,
rot
Patentblau V
Indigotin
Brilliantblau FCF
E 131
E 132
E 133
blau
blau
blau
Chrorophyll
Cupfer-haltige Komplexe der Chlorophylle
und Chlorophylline
Grün S
E 140
E 141
grün
grün
E 142
grün
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
Formel
E 100
Farbe
Bemerkungen
gelb,
orange,
rot
gelb,
orange,
rot
gelb,
orange,
rot
Zitronengelb;
gelb,
orange,
rot
gelb,
orange,
rot
- 299 -
"Kann Aktivität und
Aufmerksamkeit
bei
Kindern beeinträchtigen"
"Kann Aktivität und
Aufmerksamkeit
bei
Kindern beeinträchtigen"
"Kann Aktivität und
Aufmerksamkeit
bei
Kindern beeinträchtigen"
"Kann Aktivität und
Aufmerksamkeit
bei
Kindern beeinträchtigen"
"Kann Aktivität und
Aufmerksamkeit
bei
Kindern beeinträchtigen"
"Kann Aktivität und
Aufmerksamkeit
bei
Kindern beeinträchtigen"
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
LebensmittelFarbstoff
Zuckerkulör
E-Nummer
SulfitlaugenZuckerkulör
AmmoniakZuckerkulör
AmmonsulfitZuckerkulör
Brilliantschwarz BN
E 150b
Pflanzenkohle
Aktivkohle
Braun FK
E 153
Braun HT
E 155
Carotin
E 160a
Annatto (Carotin)
E 160b
Capsanthin (Carotin)
E 160c
Lycopin (Carotin)
E 160d
8'-Apo--caroten-8'-al
(Carotin)
E 160e
Ethyl-8'-apo-caroten-8'-oat
(Carotin)
Lutein
E 160f
Canthaxanthin
E 161g
Zeaxanthin
E 161h
Betanin
E 162
Anthocyane
E 163
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
Formel
E 150a
Farbe
Bemerkungen
braun,
schwarz
braun,
schwarz
braun,
schwarz
braun,
schwarz
braun,
schwarz
braun,
schwarz
gelbbraun
rot-braun;
braun,
schwarz
E 150c
E 150d
E 151
E 154
gelb,
orange,
rot
gelb,
orange,
rot
gelb,
orange,
rot
gelb,
orange,
rot
gelb,
orange,
rot
gelb,
orange,
rot
gelb,
orange,
rot
gelb,
orange,
rot
gelb,
orange,
rot
rot; gelb,
orange,
rot
violett,
blau
E 161b
- 300 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
LebensmittelFarbstoff
Calciumcarbonat
Titandioxid
Eisenoxid
Aluminium
E-Nummer
Formel
Farbe
E 170
E 171
E 172
E 173
CaCO3
TiO2
weiß
weiß
rot
Silber
Gold
E 174
E 175
Ag
Au
Litholrubin BK
E 180
Bemerkungen
z.Z. stark in der Diskussion!
silber
gold
gelb,
orange,
rot
kirschrot
bis braungelb
Saflor
Der Zusammenhang zwischen den Farbstoffen und dem Warn-Inhalt ist nicht eindeutig bewiesen woreden, deshalb ist derzeit nur der "Warn-Hinweis" auf den Lebensmittel-.Etiketten
vorgeschrieben. Vielfach wird aber der Verbot der Azo-Farbstoffe für die verwendung in Lebensmitteln gefordert!
allgemein gelten die Lebensmittel-Farbstoffe als gesundheitlich unbedenklich
trotzdem erlaubte Tages-Dosen (ADI, Acceptable Daily Intake) festgelegt, Werte werden an
Tieren ermittelt, diese nehmen einen bestimmten Farbstoff ihr gesamtes Leben in einer bestimmten Konzentration / Menge / Dosis zu sich (meist auf Körper-Masse bezogen)
praktisch sollte der ADI-Wert also eine Belastungs-Dosis sein, bei der – selbst bei Lebenslanger Einnahme / Belastung – (sicher) keine gesundheitliche Schädigung auftritt
für den ADI-Wert wird die höchste Dosis verwendet, bei der keine Beeinträchtigung festgestellt wurde (NOAEL, no observed adverseeffect level) und dieser Wert durch 100 geteilt
(Sicherheits-Faktor)
nächst höherere Dosis – bei der also eine Beienträchtigung festgestellt wurde – ist der
LOAEL (lowest observed adverse effect level)
wie bei allen Studien dieser Art, werden Synergie-Effekt zwischen verschieden Farbstoffen
oder der Farbstoffe mit anderen belastenden Faktoren nicht betrachtet
einwenig zusätzliche Vorsicht ist also zu empfehlen
3.5.x.y. Färben – von der Tradition bis zur modernen Technologie
Definition(en): Färben
Färben ist eine Arbeits-Technik (Technologie), um die Farbe von Materialien oder deren
Oberflächen zu verändern.
.
3.5.x.y. allgemeine Unterscheidung der Verfahren
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 301 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
drei Grund-Technologien; Färbe-Verfahren aus technologischer Sicht
Auszieh-Verfahren (diskontinuierliches Färben)
Farbstoffe in Wasser gelöst oder dispergiert, nach bestimmten Zeit- und / oder TemperaturPlan wird Farbstoff auf das Material aufgezogen
Fixierung erfolgt gleich im Färbe-Bad oder seltener auch in einem zweiten Behandlungs-Bad
durch verschiedenste chemische Zusätze kann Farbstoff-Aufzug und Fixierung beeinflust
werden, besonders wenn das Material nicht optimal zum Farbstoff passt
in nachfolgenden Behandlungs-Bädern werden nicht fixierte Farbstoff ausgewachen
Kontinue-Verfahren / Foulardieren / Klotzen
Farbstoff-Lösung wird durch Foulardieren (Klotzen) auf das Material aufgetragen; praktisch
durch mechanische Behandlung in das Material hineingearbeitet, üblich sind Walzen oder
Pressen
als Nächstes erfolgt die Fixierung, z.B. durch Dampf (100°C, PadSteam-Verfahren) ode
überhitzten Dampf (bis 180°C, ) oder bei Trocken-Hitze (bis 220°C, )
nicht-fixierter Farbstoff wird in folgenden Behandlungs-Bädern ausgewaschen
Semikontinue-Verfahren
das eigentliche Färben erfolgt wie beim Foulardieren in einem kontinuierlichem Ablauf
das Fixieren ist zeitliche abgesetzt und kann diskontinuierlich, aber auch kontinuierlich, erfolgen
z.B. Klotz-Kalt-Verweil-Verfahren zur Färbung von Baumwolle mit Reaktiv-Farbstoffen
Färbe-Verfahren aus chemischer und physikalischer Sicht
Direktfärbe-Verfahren (Direkt-Färbung)
wasser-lösliche Farbstoff haften aufgrund molekularer Kräfte am Material / Färbe-Gut
keine weiteren Chemikalien
für Wolle und Seide, diese Materialien besitzen von Natur aus frei funktionelle Gruppen, die
die Anhaftung des Farbstoff ermöglichen und mit ihm reagieren
nach Art der Bindung unterscheidet man:
substantive Färbung
Anhaftung der Farbstoffe durch VAN-DER-W AALS-Kräfte, Dipol-Kräfte und / oder WasserstoffBrücken-Bindung
z.B. Färbung von Wolle, Baumwolle oder Viskose (Zellulose-Derivat)
z.B. mit Polyazo-Farbstoffe mit einer () oder mehrere Sulfo-Gruppe (Kongo-Rot)
i.A. nicht sehr waschfest
Direkt-Färbung
farbige Anionen saurer Farbstoffe werden durch polare Kräfte am Material gebunden (IonenBeziehung, Ionen-Bindung)
chemisch ist es eine Salz-Bildung
z.B. Amino-Gruppen der Wolle oder Seide reagieren mit Azo-, Azin-, AnthrachinonFarbstoffen
Beispiele: Acidol, Isolan, Nigrosin
basische Gruppe des Leders reagieren ebenfalls gut mit den Säure-Farbstoffen und bilden
recht Licht-echte Salze; sehr brilliante Färbung
auch Bindung von basischen Farbstoffen (kationische Farbstoff-Moleküle) an sauren Gruppen möglich, auch sehr gut geeignet für Polyacrylnitril-Fasern
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 302 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
z.B. Mauvein
Entwicklungs-Färbung (i.w.S.)
aus (Wasser-)löslichen – zumeist farblosen – Vorstufen der Farbstoffe wird durch chemische
Umwandlung der Farbstoff direkt auf dem Material entwickelt, diese sind (Wasser-)unlöslich
Küpen-Färbung
sehr alte Färbe-Technologie, benannt nach dem verwendeten Bottich – der Küpe
heute versteht man unter der Küpe die Farb-Flotte
Küpen-Färberei (auch Küperei) wird hauptsächlich bei Cellolose-Fasern angewendet, aber
auch Protein- bzw. Polypeptid-Fasern (Wolle, Seide, Polyamid) und Polyester
(Polyehylenterephthalat)
Indigo (Färberwaid), Pupur
Wasser-unlösliche Farbstoffe werden mit Hilfe eines Reduktionsmittels (Natriumhydrogensulfit, Natriumthionit, Natriumhydroxymethansulfinat, Borhydride) in eine Wasser-lösliche –
meist anders farbige – Leuko-Form überführt; früher wurde Harnstoff – direkt aus dem Urin verwendet
einfachste Rück-Oxidation durch Aufhängen in der Luft – also mit dem Luft-Sauerstoff
ansonsten nicht-agressive Oxidationsmittel (Wasserstoffperoxid, Kaliumdichromat, Natriumhypochlorit, Natriumchlorit, Essigsäure) genutzt
Beizen-Färbung
vor dem eigentlichen Färben wird Material mit Metall-Salzen (vorrangig Chrom-Salze) vorbereitet (gebeizt), die anhaftenden Metall-Ionen bilden mit den Farbstoffen fest anhaftende
Wasser-unlösliche Farb-Lacke
besonders gut geeignet für Baumwolle, sehr brilliante Färbung
teuer und Zeit-aufwendig; nur noch für spezielle Stoffe verwendet (z.B. Bühnen-Kostüme)
kaum noch in der Industrie verwendet
z.B. Luteolin des Färberwau-Pflanze (Resede, Wau), Alazarin aus der Krapp-Pflanze (Färber-Krapp, Echte Färber-Röte)
eigentliche Entwicklungs-Färbung; Entwicklungs-Färbung (i.e.S.)
auf dem Material entseht durch chemische Reaktion aus zwei unabhängigen Komponenten
das Farbmittel
häufig wird in einem Vor-Bad die lösliche Vorstufe des Farbstoffes auf das / in das Material
übertragen (z.B. Naphtol AS u. Derivate)
im nächsten Bad kommen dann Diazonium-Salze als Kupplungs-Komponente dazu
auf / im Material entsteht durch chemische Reaktion das unlösliche Pigment, haftet durch
Adsorption auf Material
besonders gut geeignet für Wolle, Baumwolle, Seide, Polyamid
restliche Komponenten werden später ausgewaschen; meist sehr Licht-echt
Bsp.: Variaminblau
Reaktiv-Färbung
Farbstoffe werden durch kovalente Bindung am Material gebunden, meist im alkalischen Milieu
Färbe-Bad wird meist erwärmt (20 – 102°C), dient der Erzielung einer optimalen / ausreichend großen Reaktions-Geschwindigkeit (beeinflusst aber dadurch auch Hydrolyse des
Farbstoffes); Fixier-Ausbeute um 90%
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 303 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
meist sehr Licht- und Wasch-echt
restliche Komponenten werden später ausgewaschen; meist sehr Licht-echt
Bsp.: Basilene®, Novacrone®, Procione®, Remazole®
Dispersions-Färbung
(synthetische) Farbstoffe sind in Wasser schwer oder praktisch unlöslich; Farbmittel werden
fein zermahlen und mit speziellen Dispergier-Mitteln vermischt mit Wasser zu einer Dispersion (Aufschlämmungs-, Schlamm- bis Brei-artig) vermischt
gut i, Transfer-Druck-Verfahren zum Bedrucken von Kleidung geeignet
Farbmittel diffundieren in Material und lösen sich dort bzw. stellen dort feste Verbindungen
her
z.B. für Polyester, feinfaserige (Sport-)Bekleidung
Licht- und Wasch-echt
3.5.x.y.1. natürliches Färben / handwerkliches Färben
oft auf Textilien beschränkt betrachtet
gefärbt werden aber auch Lebensmittel, Papier, Oberflächen, …
natürliche mineralische Farbstoffe, wie Ocker, Zinnober, Meninge
pflanzliche Farbstoffe, wie Indigo, Rotholz, Färber-Krapp
tierische Farbstoffe, wie Schildlaus, Purpur-Schnecke
nachweislich gezieltes Färben mit Krapp (Färber-Krapp, Echte Färberröte) schon bei den
Ägyptern (Textilien gefunden)
Krapp ist eine Pflanze ((s ) Rubia tinctorum), deren Wurzel rote Farbstoffe enthält
Alizarin-Glycoside
eines der Ersten/ das Erste roten Farbstoffe, kostenkünstig
auch schon zum Überfärben geblauter Wolle, um purpur zu erreichen
besonmders für Baumwolle geeignet (das lange in Europa gar nicht bekannt war), lichtbeständig und waschfest
mit Metalloxiden enstehen sogenannte Krapp-Lacke, die als Künstler-Farben, TapetenFärbemittel und Druck-Farben Verwendung fanden
bis ins hohe Mittelalter waren die Färber in Zünften organisiert
intern nach Farben geteilt
besonders hoch angesehen waren die Schwarzfärber, weil das Schwärzen als besonders
schwierig betrachtet wurde
weitere Gruppierung nach Material-Art, wie z.B. Seiden-Färber
Färben galt als schmutziges Handwerk, Färber waren selbst gefärbt, galten deshalb auch als
unrein
geheime Machenschaften (geheime Rezepturen und Techniken) verstärkten die gesellschaftliche Isolierung
ab 13. Jhd. stetig steigendes Interesse an gefärbten Materialien (vor allem Stoffe), steigendes gesellschaftliches Image der Färberei
in Florenz etaplierte sich eine erste übergeordnete Qualitäts-Kontrolle – die "Art di Calinala",
die minderwertige Ware verbrannte und die Färber bestrafte
Textil-Druck muss als lokales Färben verstanden werden
im 19. Jhd. Entwicklung der ersten Reaktiv-Farbstoffe
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- 304 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
später dann Dispersions- und Direkt-Farbstoffe
Farbstoff-Lösung () wird als Farb-Flotte / Färbe-Flotte oder Färber-Bad bezeichnet
gefärbt werden kann bei der Textil-Produktion in praktisch jedem Herstellung-Schritt
Roh-Faser, Garn, Stoff (Gewebe bzw. Gestrick), Produkt
3.5.x.y.2. Färben als moderne Technologie / chemisch-industrielles Färben
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 305 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
3.5.x. verschiedene "andere" Stoffe und Stoffgruppen
Oxytocin
Q: www.3dchem.com
Ritalin
Q: www.3dchem.com
Tetracyclin
Q: www.3dchem.com
Q: www.3dchem.com
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 306 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Exkurs: Stoff-Erkennung über Farbstoff-Reaktionen
Fluoreszenz
Nilblau (freie Base) bei Tageslicht (obere Reihe) und UV-Licht (366 nm, untere Reihe) in verschiedenen Lösungsmittels. V.l.n.r.: 1. Methanol, 2. Ethanol, 3. tert-Butylmethylether, 4. Cyclohexan, 5. nHexan, 6. Aceton, 7. Tetrahydrofuran, 8. Ethylacetat, 9. Dimethylformamid, 10. Acetonitril, 11. Toluol,
12. Chloroform
Q: commons.wikimedia.org (Armin Kübelbeck)
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- 307 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
3.6. ausgewählte technische Stoffgruppen
hier solche Stoffgruppen betrachtet, die Vertreter aus den verschiedensten funktionellen
Stoff-Gruppen haben
haben aber ähnliche oder gleiche Verwendungen und Reaktions-Prinzipien
3.6.1. Tenside
strukturell geteiltes Molekül, eine Seite unpolar (meist aliphatisch) und damit lipophil (Fettfreundlich, Wasser-feindlich, hydrophob), andere Seite polar (hydrophil, Wasser-freundlich,
Fett-feindlich, lipophob)
bilden um nicht-wasser-lösliche "Schmutz-Partikel" eine Hülle, Tensid-Moleküle richten sich
so aus, dass unpolarer Teil zum Schmutz zeigt und der polare Teil zum Wasch-Wasser
Tensid ist also Lösungs-Vermittler
auch Schäume und der Lösungs-Vermögung über Flotation spielen beim Waschen eine
wichtige Rolle, allerdings sind Schäume in modernen Waschmaschinen nicht mehr erwünscht
anionische Tenside
kationische Tenside
amphotere Tenside
nicht-ionische Tenside
böse Frage zwischendurch:
Wie geht den der restliche Schmutz aus der Wäsche?
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- 308 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
3.7. Alles Interessante, was noch keinen Platz gefunden hat!
Aroma-Stoffe / Aromen / …
Name
2-Phenyethanol
Benzaldehyd
Struktur
Geruch / Geschmack
Rose
(grüne Hyazinthe)
Bittermandel
Stoffgruppe(n)
weitere Eigenschaften
Aromat, Alkohol
Aromat, Aldehyd
Aromat, Aldehyd
(2Z)-2-Phenyl-2butenal
Bernsteinsäurediethylester
Milchsäureethylester
Kakao
(Nuss)
(leichte, angenehme Note
Butter
Ester
Essigsäureethylester
Klebstoff
Ester
3-Methylbutanol
ranzig, bitter
Alkohol
2-Methylbutanol
Schweiß, ranzig
Alkohol
2-Methylpropanol
Fusel
(aufdringlich, Wein-artig))
Kokosnuss
Alkohol
γ-Nonalacton
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
Ester
- 309 -
Heterocycle, Lacton
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
4. Makromoleküle
Gliederung usw. hier prüfen  Dopplung mit Kunststoffe
4.1. Bildungsreaktionen
Polyaddition
Polymerisationen
Polyaddition auf der Basis von Mehrfach-Bindungen
Q: www.3dchem.com
Lignin-Bildung: Die gebildeten Radikale der Monolignole bilden
nach Quervernetzung Lignin
Q: commons.wikimedia.org (Yikrazuul)
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 310 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Polysubstitutionen
Polykondensation
sehr typisch im Bereich der biochemischen Vorgänge
Monomere (Bausteine) besitzen typischerweise zwei verschiedene funktionelle Gruppen, die
untereinander unter Abspaltung eine kleine Molekül (hier typischerweise: Wasser) miteinander reagieren
da an den Enden immer noch freie funktionelle Gruppen vorliegen, können z.T. sehr lange
Ketten (Polymere) gebildet werden
kommen auch drei oder noch mehr funktionelle Gruppen (von den oben gemeinten Typen)
vor, dann kann es auch zu Verzweigungen im Polymer kommen (häufig bei: Polysacchariden)
+
+
Monomer
Monomer
Dimer
+
Wasser
+
Dimer
Monomer
Trimer
+
Wasser
+
Trimer
Monomer
Tetramer
+
+
Tetramer
Oligomer
+
+
Oligomer
Oligomer
+
n
+
Oligomer
Polymer
bei Stufen-Polymerisation reagieren zwei unterschiedliche Monomere (immer abwechselnd)
miteinander
z.B. Polykondensation von Dicarbonsäure mit Diamid zu Polyamid
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 311 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
4.2. wichtige natürliche Makromoleküle
4.2.1. Kohlenhydrate (Polysaccharide)
4.2.2. Polypeptide (Eiweiße)
Thyrosin-Phosphatase
Q: www.3dchem.com
Botox
Q: www.3dchem.com
Collagen1
Q: www.3dchem.com
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 312 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Collagen2
Q: www.3dchem.com
Hämoglobin (Haemoglobin)
Q: www.3dchem.com
Insulin
Q: www.3dchem.com
Q: www.3dchem.com
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 313 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
4.2.3. DNS
Q: www.3dchem.com
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 314 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
4.3. künstliche Makromoleküle / Kunststoffe
biologisch direkt kaum eine Bedeutung.
die ersten Kunststoffe wurden auf der Basis natürlicher Stoffe produziert, praktisch Derivate
dieser Stoffe
Celluloid (HYATT 1869) aus Nitrocellulose und Campher  für Filme, Kämme, Puppen
erster vollsynthetischer Kunststoff 1909 durch BAEKELAND aus Phenol und Methanal  Bakelit
ökologisch bedenklich wegen fehlender biologischer Abbaubarkeit
Träger von diversen Zusatzstoffen (Weichmacher, Farbstoffe, …), bei denen einige unter
Verdacht stehen cancerogen zu wirken oder Hormon-ähnlich zu wirken
in der Nahrungsmittel-Produktion ( Ernährunglehre) vielfach für Lebensmittelverpackungen
verwendet
weiterhin als Produjtiosn-Gefäße, Abdeckungen (Folien), Transport-Behälter
Trend geht im LM-Bereich zu nachhaltigen Stoff-Kreisläufen z.B. durch kompostierbare / biologisch abbaubare Kunststoffe (z.B. Poly-Mais-Stärke)
Definition(en): Kunststoffe
.
Elaste
Definition(en): Elaste / Elastomere
.
Elastomere
bei Zimmertemperatur Gummi-weich / -ähnlich
beim Erhitzen schrumpfen Elastomere, werden aber nicht weich / flüssig, zersetzen sich
beim weiteren Erhitzen
Plaste
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 315 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Definition(en): Plaste
.
Form-stabil / hart bei Zimmer-Temperatur
Thermoplaste
verformen sich beim Erwärmen (relativ langestreckte Faser-förmige Moleküle mit wenig oder
keinen Querverbindungen zwischen den Molekülen)
Kristall-ähnliche Strukturen möglich
Definition(en): Thermoplaste
.
Duroplaste
bleiben bei Wärme-Einwirkung lange Form-stabil
Moleküle relativ kurzkettig bzw. mit vielen Querverbindungen oder Verzweigungen
Definition(en): Duroplaste
.
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 316 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
4.3.1. Kunststoffe aus Natur-Rohstoffen
4.3.1.1. Celluloid
4.3.1.2. Natur-Kautschuk
4.3.1.3.
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 317 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
4.3.2. voll-synthetische Kunststoffe
Dreiecks-Symbol aus Recycling-Pfeilen mit innenliegender Ziffer
1 .. PET .. Polyethylenphthalat
2 .. HDPE .. (Hochdruck-)Polyethylen
3 .. V, PVC .. Polyvinylchlorid
4 .. LDPE .. (Niederdruck-)Polyethylen
5 .. PP .. Polypropylen
6 .. PS .. Polystyren
7 .. andere
Polyethylen (PE)
Q: www.3dchem.com
Polypropylen (PP)
Q: www.3dchem.com
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 318 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Polyvenylchlorid (PVC, V)
Q: www.3dchem.com
Teflon
Q: www.3dchem.com
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 319 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Polymerisation / Polyaddition
Polymerisation
setzt Monomere mit Mehrfach-Bindungen voraus / ungesättigte Monomere
Monomer(e)
Ethen
(Ethylen)
Propen
(Propylen)
Monochlorethen
Vinylchlorid
Tetrafluorethen
Struktur
Eigenschaften
H
gasförmig
H
\
/
C = C
/
\
H
H
H
H
gasförmig
\
/
C = C
/
\
H
CH3
H
H
gasförmig
\
/
C = C
/
\
H
Cl
F
F
/
C = C
/
\
Teflon ®, Hostalon
F
F
H
H
Acryl, Orlon, Dralon,
Acrilan
\
/
C = C
/
\
Methacrylsäuremethylester
Polyvinylchlorid,
PVC
gasförmig
\
Acrylnitril
PolymerisationsProdukt(e)
Polyethen, PE
Polyethylen,
Lupolen, Hostalen,
Baylon, LDPE
HDPE
Polypropen, PP
Polypropylen
H
C ≡ N
H
H
Plexiglas
\
/
C = C
/
\
H
C – O – CH3
//
O
Styren
(Styrol)
Buta-1,3-dien
()
H
/
C = C
/
\
H
C6H5
H
H
/
C = C
/
\
Synthese-Kautschuk
\
H
/
H
C = C
/
H
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
Polystyren, PS
Polystyrol, Styropor
H
\
\
H
- 320 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
klassische Version: radikalische Polymerisation
Grund-Prinzip der Polymerisation
Polystyrol, Polystyren
anionische Polymerisation / Polyaddition
z.B. bei Buta-1,3-dien
Start mit Natrium-Ionen aus starker / konzentrierter Base
Carb-Anion
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 321 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
kationische Polymerisation / Polyaddition
z.B. Styren
Start mit starker Säure (Schwefelsäure)  Proton als Elektrophil
(echte) Polyaddition
setzt Stoffe mit bi-funktionellen Gruppen voraus
Doppelbindung(en) im einen Molekül(-teil) und z.B. Hydroxyl-Gruppe(n) im anderen Molekül(-teil)
Grund-Prinzip der Polyaddition
Polyurethan (PUR)
aus mehrwertigen Alkoholen und bi- od. tri-funktionelle Isocyanate
Aufschäumung mit CO2 zu PUR-Schäumen (Matrazen, Verpackungs-Materialien, IsolationsMaterialien, Schuh-Sohlen, Bau-Schaum / Montage-Schaum)
Reaktionen von Monomeren mit bi-funktionelle Gruppen führen i.A. zu Thermoplasten
mit tri-funktionellen Gruppen zu Duroplasten
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 322 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Aufgaben:
1.
2.
3. Erläutern Sie anhand des nachfolgenden Schemas die Polymerisation! Zur
Unterlegung der Gleichungen und zur besseren Handhabung kann ein konkretes Beispiel gewählt werden!
4. Stellen Sie ein passendes Schema (nach obigem Vorbild) für die anionische
Polymerisation von Buta-1,3-dien auf!
Polykondensation
Polysubstition
setzt Monomere mit zwei funktionellen Gruppen voraus
Grund-Prinzip der Polykondensation
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 323 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Polyamid
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 324 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Aufgaben:
1. Erläutern Sie anhand des folgenden Schemas die Bildung von Polypropen!
2. Stellen Sie ein Schema (nach dem obigen Prinzip) für die Bildung von
Polysteren (Polystyrol) auf!
3. Ein Chemiker behauptet einen Kunststoff nach dem folgenden Prinzip hergestellt zu haben. Ist dieses möglich? Wenn JA, dann begründen Sie Ihre
Meinung! Legen Sie dann auch den (Poly-)Reaktions-Typ fest! Wenn
NEIN, dann erläutern Sie, warum es solches Reaktions-Schema nicht funktionieren kann!
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 325 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Eigenschaften und Verwendungsmöglichkeiten von Plasten / Elasten im Hauswirtschaftlichen bzw. Ernährungs-Bereich
Name
Kürzel
Hitze- und Flamm-Eigenschaften
ErweichBrennGeruch
barkeit
barkeit
häufige Zusatzstoffe
Verwendung
Hw- bzw. Ern.-Bereich
Aminoplaste
nein
kaum
stechend nach
Ammoniak
Phenoplaste
neine
ja
stechend
früher Elektroschalter
Polyamid
PA
ja
brennbar
stechend, nach
verbrannten
Haaren
Aufbewahrungsgefäße,
übliche "Plastegefäße"
Frischhaltegefäße,
Gefrierdosen
Polyethen
Polyethylen
PE
ja
ja (leicht
entflammbar)
nach gelöschter
Kerze
Einkaufstüten
Aufbewahrungsbeutel
Gefrierbeutel
Frischhalte-Folie
Polystyren
Polystyrol
PS
ja
süßlich
Polyvinylchlorid
PVC
ja
ja (leicht
entflammbar)
ja (schwer
entflammbar)
stechend nach
Chlorwasserstoff
Bemerkungen zur Verwendbarkeit
im Hw- bzw. Ernähr.-Bereich
Weichmacher
wegen auslösbarem Chlor und vielen
Zusatzstoffen wird es als bedenklich
eingestuft (wenig geeingnet für Kinderspielzeug usw.)
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
(c,p) 2009-2015 lern-soft-projekt: drews
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
(c,p) 2009-2015 lern-soft-projekt: drews
5. Tabellen, Zusammenfassungen, Begriffsbestimmungen
5.1. Nomenklatur (Namensgebung)
R/S-Stereo-Isomerie
Bezeichnungs-System für Moleküle mit asymetrischen C-Atomen
1. asymetrisches C-Atom wird so gedreht, dass der leichteste Substituent (üblicherweise H)
hinter dem C-Atom verschwindet
2. die restlichen 3 direkten Substituenten werden hinsichtlich ihrer Masse betrachtet:
WENN die Masse der Substituenten rechts herum abnimmt, DANN erfolgt die Kennzeichnung mit R für rectus (lat.: rechts) SONST mit S für sinister (lat.: links) (Masse der
Substituenten nimmt links herum ab)
3. WENN direkte Substituenten gleich sind DANN werden die direkten Nachbarn dieser Atome betrachtet
4. WENN Atome doppelt gebunden sind DANN zählen sie auch doppel (2x)
R und S werden optimalerweise als Großbuchstaben in verkleinerter Schriftgröße notiert
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 328 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Substitutive und radikalofunktionelle Nomenklatur der wichtigen funktionellen Gruppen
(nach fallender Priorität)
Stoff-Klasse
Funktionelle
Gruppe
Präfix
Suffixe
typische Vertreter /
Stoffgruppen
Carbonsäuren
-COOH
-(C)OOH
Carboxy-
-carbonsäure
-säure
Alkansäuren (Carbonsäuren) (inkl. Fettsäuren)
Aminosäuren
Cyanide
Sulfone
Sulfonsäuren
Cyanate
Thiocyanate
Aldehyde
-CN
R'-SO2- R''
-SO3H
-OCN
-SCN
-CHO
-(C)HO
Ketone
-cyanid
FormylOxo-
-sulfonsäure
-cyanat
-thiocyanat
-carbaldehyd
-al
>CO
>(C)O
KetoOxo-
-on
-keton
Alkohole, Phenole
-OH
Hydroxy-
-ol
-alkohol
Thiole
(primäre) Amine
Ether
-SH
-NH2
R'-O-R''
MercaptoAminoAlkyloxycycl.: Epoxy-
-thiol
-amin
Alkylthio-
-sulfid
-amin
-amin
Nitrile
(org.) Phosphate
R'-S-R''
>NH
>N-NO2
-F
-Cl
-Br
-I
-CN
-PO4H2
Diphosphate
Triphosphate
-PO4H-PO4H2
-(PO4H-)2-PO4H2
Sulfide
(sekundäre) Amine
(tertiäre) Amine
Nitroverbindungen
Halogenverbindungen
Alkylhalogenide
Sulfo-
-ether
NitroFluorChlorBromIod-
-fluorid
-chlorid
-bromid
-iodid
Phospho-
-phosphat
DiphoasphoTriphospho-
-diphosphat
-triphosphat
Akanale (Aldehyde)
Kohlenhydrate (Saccharide)
Alkanone (Ketone)
Kohlenhydrate (Saccharide)
Alkanole (Alkohole)
Kohlenhydrate (Saccharide)
Kohlenhydrate (Saccharide)
[RingStrukturen
+
ab
Disacch.]
AMP
Nucleotide
Nucleïnsäuren
ADP
ATP
(C) bedeutet, dass das C-Atom zum Stamm der Verbindung gezählt wird (und nicht zum Substituenten)
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 329 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
(weitere) Gruppen (alphabetisch nach Präfix)
Stoff-Klasse
Funktionelle Gruppe
Präfix
CH2-COCH2=CH-CH2C5H11-N=NC6H5-CH=
C6H5-CH2C6H5-CH=
C4H9OC=
HOOCC16H33C10H21HON2C12H25C2H5OC2H5C2H5NH-CH2-CH2CH2-CH=
OHCH2N-CH2-COC7H15C16H33
C6H13H2N-NH-NH-NHHOHONHHN=
C12H25(CH3)2-CH-CH2-CH(NH2)-CO-CO-CH2-COHSH3CCH3CH2=
C30H61C10H7O2NONC9H19C8H17HO-OH
CH3-(CH2)14-COC5H11C6H5-C6H4C3H7(C5H4N)HS(HO)O2S-SCH2-C6H4-COCH3-C6H4-
AcetylAllylAmylAzoBenzalBenzylBenzyliden
ButylCarbonylCarboxylCetylDecylDiazoDodecylEthoxyEthylEthylaminoEthylen
EthylidenFormylGlycylHeptylHexadecylHexylHydrazinoHydrazoHydroxyHydroxylaminoIminoLaurylLeucylMalonylMercaptoMethylMethylenMyricylNaphthylNitroNitrosoNonylOctylOxy-  HydroxyPalmitoylPentylPhenylPhenylen
PropylPyridylSulfhydryl-SulfoThioToluoylTolyl-
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 330 -
Suffixe
typische Vertreter / Stoffgruppen
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Ester
CH2=CH-CH=CHCH2=C=
VinylVinylen
Vinyliden
R-CO-O-R'
Carbalkoxy-
HarnstoffDerivate
HydrazinDerivate
Ureido-
-säurealkylester
carbonsäure alkylester
-harnstoff
Hydrazino-
-hydrazin
(C) bedeutet, dass das C-Atom zum Stamm der Verbindung gezählt wird (und nicht zum Substituenten)
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 331 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
organische Stoffe und ihre Namen
Gebrauchsname
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
exakter
Name
IUPAC- Trivialname
- 332 -
weitere
Namen
oder Abkürzungen
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
5.2. Reaktionsarten in der organischen Chemie
nach den übergehenden Elementar-Teilchen (klassische Einteilung aus der anorg. Chemie)
Name / Bezeichnung
Wesen
Bemerkungen
Säure-Base-Reaktionen
Reaktionen mit Protonen- p+ entspricht H+
Übergang
bestehen immer aus Protonen-Abgabe und ProtonenAufnahme
Redox-Reaktionen
Reaktionen mit Elektronen- Redoxreaktionen innerhalb
Übergang
eines Moleküls oder von
bestehen immer aus Oxida- gleichen Molekülen miteition (Elektronen-Abgabe)
nander werden Disproportiound Reduktion (Elektronen- nierung genannt
Aufnahme)
Komplex-Reaktionen
Bildungen, Umwandlungen
und Zerstörung von bzw. an
Komplexen
photochemische Reaktionen Aktivierung einer Umwandlung durch Licht(-Energie) /
Photonen
nach Veränderung am Cohlenstoff-Gerüst
Name / Bezeichnung
Wesen
Aufbau-Reaktionen
Verlängerung
der
Cohlenstoff-Kette
Abbau-Reaktionen
Verkürzung der CohlenstoffKette
Umlagerungen
Umlagerung von KettenAbschnitten
Reaktionen ohne Veränderung des C-Gerüstes
nach Brutto-Umsatz
Name / Bezeichnung
Additions-Reaktionen
Eliminierungs-Reaktionen
Eliminations-Reaktion
Substitutions-Reaktionen
Bemerkungen
z.B. Polymerisationen
z.B. Umsetzungen an den
funktionellen Gruppen
Wesen
Bemerkungen
Anlagerungen an ungesättigten Bindungen
A + B C
Abspaltung von Atomen od.
Atomgruppen (Molekülen)
A  B + C
Austausch von Atomen od.
Atomgruppen
A + B  C + D
Umlagerungen
Einschub-Reaktionen
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
A  B
A-B + C  A-C-B
- 333 -
praktisch Additions-Reaktion
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
nach der Art der reagierenden Teilchen
Name / Bezeichnung
Wesen
ionische Reaktionen
radikalische Reaktionen
nach der Angriffs-Art
Name / Bezeichnung
elektrophile Reaktionen
nukleophile Reaktionen
radikalische Reaktionen
Bemerkungen
Wesen
Bemerkungen
nach Reaktions-Mechanismus
Name / Bezeichnung
Wesen
radikalische Substitution
SR-Mechanismus
elektrophile Addition
AE-Mechanismus
nukleophile Substitution
SN-Mechanismus
besondere Reaktions-Arten
Name / Bezeichnung
pericyclische Reaktionen
photochemische Reaktionen
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
Bemerkungen
Wesen
synchrone Veränderungen /
Umlagerungen
in
armatischen bzw. cyclischen
Verbindungen
Aktivierung einer Umwandlung durch Licht(-Energie) /
Photonen
- 334 -
Bemerkungen
treten häufig an Doppelbindungen auf
es folgen meist radikalische
oder pericyclische Reaktionen
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
5.3. Zusammenfassung und Systematisierung
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 335 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
5.3.x. Isomerie
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
(c,p) 2009-2015 lern-soft-projekt: drews
Kategorie
Gemeinsamkeiten
Variante
Konstitutionsisomere
Summenformel
Diastereomere
Unterschiede
Struktur
räumliche Anordnung
Unterschied- Überführen
liche
nur durch
chem./phys.
Lösen von
Eigenschaften Bindungen
ja
ja
ja
optisch aktiv,
räumliche AnSummenformel
Unterschiede bei
Stereoisoordnung, aber
Enantiomere
+
chiralen Reaktimere
wie Bild und
Struktur
onspartnern
Spiegelbild
(Enzyme)
Konformationsräumliche Stelja
isomere
lung
ja
ja
nein
Q: www.chemie.de/lexikon/Isomer.html
unterschiedliche Wirkung von Stereo-Isomeren
Name des Stof- Stoffgruppe(n)
fes
Asparagin
Aminosäure
Wirkungen / Eigenschaften
linksdrehende rechtsdrehende
Form
Form
schmeckt bitter
schmeckt süß
Arneistoff
löst Krampfan- narkotisch
fälle aus
Babitursäure
Contergan
Thalidomid
Schlafmittel
Ethambutol
Arneistoff
wirkt gegen Tu- führt zu Erblinberkulose
dung
Naturstoff
riecht nach Zit- riecht
rone
Orange
Naturstoff
wird nur lang- besonders gut
sam verdaut
bekömmlich
Limonen
Milchsäure
Penicillamin
Arzneistoff
Propranolol
Arneistoff
Thyroxin
extrem Frucht- nicht
Fruchtschädigend (te- schädigend
ratogen)
Aminosäure
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
nach
wirkt
gegen extrem toxisch
Reuma
wirkt
gegen wirkt EmpfängBluthochdruck
nis-verhütend
SchildrüsenHormon
enkt
CholesterolSpiegel
(c,p) 2009-2015 lern-soft-projekt: drews
komplexe und übergreifende Aufgaben (z.B. zur Vorbereitung auf eine
Klausur oder eine Prüfung)
1. Bei der ersten Analyse einer Verbindung wurde deren Summen-Formel mit
C4H6 ermittelt.
a) Welche Struktur könnte die Verbindung haben? Geben Sie drei Möglichkeiten an!
b) Benennen Sie die einzelnen Strukturen und ordnen Sie die Verbindung
jeweils mindestens einer Stoff-Gruppe zu!
c) Geben Sie für alle C-Atome die Hybridisierung an! Skizzieren Sie für die
verschiedenen möglichen Hybridisierungen jeweils ein Energie-NiveauSchema!
2) Vergleichen Sie jeweils die 3. Glieder der homologen Reihe der Alkane, Alkene und Alkine miteinander! Verwenden Sie eine geignete Tabelle!
3) Setzen Sie sich mit den folgenden Thesen auseinander! Begründen Sie jeweils, warum die einzelne These richtig oder falsch ist!
a) Länger-kettige Alkane haben höhere Siede-Temperaturen, als kurzkettige.
b) Mit steigender Ketten-Länge der Alkane nimmt die Schmelz-Temperatur
ab.
c) Je niedriger die Schmelz-Temperatur umso fester (im Sinne des Aggregat-Zustandes)sind die Alkane.
d) Gleich-lange (Ketten-förmige) Alkene sieden früher (bei geringeren
Temperaturen) als entsprechende Alkane.
e) Jedes Isomer eines Alkans hat die gleiche Siede-Temperatur.
4) Von Cohlenstoff sind in Verbindungen mehrere Hybridisierungs-Zustände
bekannt.
a) Geben Sie an, wie sich Bindungs-Längen und die Bindungs-Energien der
einzelnen Zustände zueinander verhalten! Erläutern Sie diese OrdnungsVerhältnisse! (Es werden keine konkreten Werte erwartet!)
b) Welche Bindungs-Arten können die C-Atome in den verschiedenen Hybridisierungs-Zuständen eingehen?
c) Ordnen Sie zu den Hybridisierungs-Zuständen mindestens eine StoffKlasse organischer Stoffe zu!
5) Bei den Alkanen ist die Substitutions-Reaktion das typische chemische Verhalten.
a) Welches Reaktions-Verhalten ist bei Alkenen typisch?
b) Wählen Sie einen typischen Vertreter der homologen Reihe der Alkene
und zeigen Sie das typische Reaktions-Verhalten bei der Reaktion mit
Brom anhand von Reaktionsschritt-Gleichungen!
c) Benennen Sie den Reaktions-Typ und begründen Sie Ihre Wahl!
6. Geben Sie alle Isomere von Hexen als Struktur-Formel an! Benennen Sie
alle Stoffe! Kennzeichnen Sie die Art der Isomerie, der bei den einzelnen
Isomeren jeweils vorliegt!
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 338 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
7. Aus Benzen soll (Mono-)Brombenzen synthetisiert werden.
a) Stellen Sie die Struktur-Formel von Brombenzen auf!
b) Wieviele Isomere des Brombenzen gibt es? Begründen Sie Ihre Antwort!
c) Stellen Sie die Reaktions-Gleichung für die Synthese auf!
d) Nach welchem Reaktions-Schema läuft die Reaktion ab?
e) Sind auch andere Reaktions-Produkte bei der Reaktion von Brom mit
Benzen möglich? Diskutieren Sie!
8. Ein Chemiker behauptet, er könne aus Cohlenmonoxid und Wasserstoff
Methanol für Brennstoffzellen herstellen. Ist dies überhaupt möglich? Wenn
JA, dann stellen Sie die chemische Gleichung auf! Unter welchen DruckVerhältnissen wird man dann arbeiten müssen? Wenn die Reaktion nicht
möglich ist, dann begründen Sie Ihre Aussage! Wenn die Stoffe überhaupt in
irgendeiner Form reagieren, dann geben Sie dieses als chemische Gleichung
an!
9. Stellen Sie jeweils eine Gleichung für die vollständige und für die unvollständige Verbrennung von Pentan, Pent-1-en und Pentin auf! Wie verändern
sich die Reaktionen, wenn ein Isomer von Penten verbrannt wird!
10. Stellen Sie die Reaktions-Gleichung für die vollständige Verbrennung von
But-2-en auf! Zeigen Sie mit Hilfe von Oxidationszahlen und ev. mit weiteren geeigneten Gleichungen, dass es sich bei der Verbrennung um eine
Redox-Reaktion handelt!
11. Ethanol gehört zu den interessantesten Alkanolen.
a) Geben Sie die Summen-, die verkürzte und die vollständige StrukturFormel von Ethanol an!
b) Gibt es Isomere des Ethanols? Wenn JA, dann zeigen Sie mindestens eines als Struktur-Formel auf! Wenn NEIN, dann begründen Sie Ihre
Meinung!
c) Stellen Sie drei Möglichkeiten zur Herstellung von Ethanol vor! Notieren
Sie die zugehörigen chemischen Gleichungen!
d) Ethanol kann mit Hilfe eines glühenden Cupfer-Drahtes zu Ethanal oxidiert werden. Stellen Sie die Stoff-Gleichung für diese Reaktion auf! Zeigen Sie, dass es sich wirklich um eine Oxidation im Sinne einer RedoxReaktion handelt!
12. Alkanole haben einen deutlich höhreren Siedepunkt als Alkane gleicher
Kettenlänge. Mit größerer Kettenlänge nimmt dieser Unterschied immer
mehr ab.
a) Erklären Sie, warum Alkanole höhere Siede-Temperaturen besitzen!
b) Warum nimmt der Effekt mit steigender Kettenlänge ab? Begründen Sie Ihre
Meinung!
c) Bei Destillieren von Ethanol-Wasser-Gemischen kommt man letztendlich
immer auf ein Misch-Destillat mit 90% Ethanol. Man spricht von azeotroper
Destillation. Wie könnte man z.B. 96%igen Alkohol herstellen? Erläutern
Sie Ihren Lösungsweg!
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 339 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
13. Von einer unbekannten Substanz werden 0,138 g verbrannt. Dabei entstehen 0,328 g Cohlendioxid und 0,168 g Wasser. Verdampft man die gleiche
Menge der Substanz, dann bildet sich ein Volumen von 46,25 ml (unter
Normbedingungen).
a) Ermitteln Sie die Verhältnis- und die Molekül-Formel der Substanz!
b) Geben Sie die wahrscheinliche Summenformel der Substanz an! Erläutern Sie, wie Sie zu dieser kommen!
c) Stellen Sie mögliche Struktur-Formeln auf!
d) Wie nennt man die unter b) gefundenen Verbindungen gemeinsam? Begründen Sie Ihre Aussage!
14. Ethanol kann mit konzentrierter Schwefelsäure bei unterschiedlichen Bedingungen und bei Anwesenheit bestimmter Katalysatoren auf verschiedene
Weise reagieren.
a) Stellen Sie die Reaktions-Gleichung für die Bildung eines Alken, eines
Ethers und eines Esters auf!
b) Der Ether entsteht vorrangig bei 140°C, das Alken bei 170°C und bei
rund 250°C bildet sich hauptsächlich der Ester. In der gleichen Rangfolge nimmt auch der exotherme Charakter der Reaktionen zu. Stellen Sie
Energieniveau-Schemata für die drei Reaktionen auf! Interpretieren / Erläutern Sie die Diagramme!
c) In einem isolierten System (Reaktions-Gefäß ohne Austausch-Möglichkeit
für Stoffe und Energie) werden Ethanol und konzentrierte Schwefelsäure zusammengeführt und sich selbst überlassen. Alle nötigen Katalysatoren sind ebenfalls vorhanden. Welche Reaktionen laufen ab? Welche(s)
Produkt(e) entsteht / entstehen vorrangig? Begründen Sie Ihren Standpunkt! Diskutieren Sie mit anderen Kursteilnehmern!
15. Durch Eintauchen eines glühenden Cupfer-Drahtes kann man Ethanol
oxidieren.
a) Stellen Sie die Reaktions-Gleichungen für die nächsten zwei höheren
Oxidations-Produkte auf! Zeigen Sie mit Hilfe von Oxidations-Zahlen,
dass hier wirklich eine Oxidation (Redox-Reaktion) abläuft!
b) Durch Verbrennen kann Ethanol unvollständig und vollständig oxidiert
werden! Geben Sie hierfür ebenfalls passende Reaktions-Gleichungen
an!
c) Sollten für die unvollständige und die vollständige Verbrennung mehrere
Gleichungen möglich sein, DANN belegen Sie dass durch mindestens
eine Reaktions-Gleichung! Sollte dies nicht möglich sein, DANN begründen Sie, warum dies nicht möglich ist!
16. Stellen Sie die Reaktions-Gleichung für die Veresterung von nPentansäure mit n-Butanol auf! Benennen Sie das Produkt! n-Butanol und
n-Pentansäure sind oft mit ihren Isomeren verunreinigt. Wieviele verschiedene Ester kann man erwarten (Menge ist egal!)? Erläutern Sie Ihren Lösungsweg!
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 340 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
17. Buttersäureethylester ist ein Bestandteil des Grapefruit-Aromas.
a) Stellen Sie die vollständige Struktur-Formel auf!
b) Prüfen Sie die Struktur-Formel auf asymetrische C-Atome! Kennzeichnen
Sie die asymetrischen C-Atome durch ein Sternchen!
c) Stellen Sie eine chemische Gleichung auf, nach der oben genannter Ester
hergestellt werden kann!
18. Verdorbene Fette können durch Hydrolyse in ihre Bestandteile zerlegt
werden. Durch Zusatz von Kalium- oder Natriumhydroxid wird dieser Vorgang beschleunigt. Dabei entstehen die Kalium- bzw. Natrium-Salze der
Säuren (Seifen genannt).
a) Stellen Sie chemische Gleichungen für die schwach exotherme Hydrolyse
von Fetten auf (Sie können mit einem konkreten Beispiel arbeiten oder
allgemeine Reste in den Struktur-Formeln verwenden!)
b) Wie könnte man die Ausbeute an Fettsäuren bzw. ihren Seifen erhöhen?
Erläutern Sie Ihre Vorschläge!
19. Bei der Untersuchung einer unbekannten Substanz hat man folgende Beobachtungen gemacht bzw. Ergebnisse gewonnen:
a) die Elementar-Analyse bestätigt: Cohlenstoff, Wasserstoff und Sauerstoff
b) bei 20°C ist die Substanz flüssig; farblos, mit Wasser mischbar; riecht
stechend (nach Senf(-Öl))
c) die Substanz ist leicht entzündlich
d) 0,2 g der Substanz ergeben bei der Dampfdichte-Bestimmung 77,1 ml
Gas (unter Norm-Bedingungen)
e) entfärbt Brom-Wasser
d) Iodoform-Probe verläuft negativ
f) Aldehyd-Gruppen wurden nicht festgestellt
g) mit (elem.) Natrium reagiert die Substanz unter Bildung von Wasserstoff
Um welche Substanz handelt es sich? Begründen Sie Ihre Meinung und zeigen Sie Ihren Entscheidungsweg auf! Für die positiven (funktionierenden)
Nachweise und Reaktionen stellen Sie die Reaktionsgleichungen auf!
20. Nennen Sie je zwei Amino- und Nitro-Verbindungen! Geben Sie deren
Struktur-Formel an!
21. Erklären Sie, warum sich Nitromethan gut in Natronlauge und
Aminobenzo gut in Salzsäure löst!
22.
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 341 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
für die gehobene Anspruchsebene:
A. Bei der Chlor-Addition an But-2-en sind verschiedene Produkte möglich.
i) Gegen Sie die Struktur-Formeln und die IUPAC-Namen der AdditionsProdukte an!
ii) Unter UV-Licht wird die radikalische Substitution durchgeführt. Mit wievielen verschiedenen Produkten kann man rechnen? Welche von diesen
sind Isomere (irgendeiner Form)?
B) Mit Kaliumpermanganat-Lösung im Milieu und bei Zimmer-Temperatur
kann man Alkene zu Diolen oxidiert werden.
i) Stellen Sie das vollständige Redox-Gleichungs-System (mit den teiReaktionen) auf! Ausgangsstoff: Propen
ii) Verwendet man Ethin als Ausgangsstoff, dann entsteht Ethendiol. Diese
Substanz zeigt Keto-Enol-Tautomerie. Was versteht man darunter und
wie sehen passende Struktur-Formeln dazu aus?
BK_SekII_orgChem_BioEL.docx
- 342 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
5.4. Namen diverser Chemikalien in verschiedenen Sprachen usw.
regulärer Name
IUPAC-Name
engl. Benennung
Trivialname(n),
Bezeichnung im
Bereich
der
Kosmetika, …
Formel
Bemerkungen
Kalium-NatriumTartratTetrahydrat
Tartarated soda,
Salt of seignette
SEIGNETTESalz;
Tartarus
natronatus,
Natrokali
tartaricum, Kalium
tartaricum
natronatum
KNaC4H4O6 * 4
H2O
E 337
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(c,p) 2009-2015 lsp: dre
5.5. Begriffe und Begriffsbestimmungen, Definitionen
Ziffern
chen
und
Zei-
2-Aminosäure
Aminosäure, bei der sich die / eine Amino-Gruppe am 2.
Cohlenstoff-Atom – der von der Säure-Gruppe aus gezählten – Cohlenstoff-Kette befindet
-Aminosäure
 2-Aminosäure;  (alpha) steht für die erste NachfolgePosition in der Cohlenstoff-Kette vom höchstoxidierten CAtom aus gezählt
-Bindung
(pi-Bindung)
Bindung zwischen zwei Atomen, an denen nichthybridisierte Elektronen beteiligt sind (nicht rotationssymmetrisch / drehbar)
-Bindung
(sigma-Bindung)
Bindung zwischen zwei Atomen, an denen hybridisierte
Elektronen beteiligt sind (immer rotationssymmetrisch /
drehbar)
A
abgeschlossenes System
 isoliertes System
Aldehyde
 Alkanale; Stoffgruppe der Stoffe mit endständiger
Carbonyl-Gruppe
Aldose
 Monosaccharid ( Einfachzucker) mit einer (endständigen)  Aldehyd-Gruppe im Molekül
Alkanale
 Aldehyde; Stoffgruppe der Stoffe mit endständiger
Carbonyl-Gruppe
Alkanone
 Ketone; Stoffgruppe der Stoffe mit doppelt-gebundenem
Sauerstoff-Atom an einem sekundärem C-Atom im Moleküle
Alkene
Cohlenwasserstoffe mit mindestens einer Doppel-Bindung
im Molekül (außer  Aromate)
Aktiniden
sind die Elemente mit den Ordnungs-Zahlen ab 90. Ihre
Atome sind durch Außen-Elektronen auf 5f-Orbitalen gekennzeichnet.
Aktivierungs-Energie
ist die Energie, welche die Teilchen (im aktivierten Zustand)
besitzen müssen, um miteinander zu reagieren
Amine
Substitutions-Produkte des Ammoniaks, bei dem mindestens ein Wasserstoff-Atom durch einen CohlenwasserstoffRest (od. dessen Derivat) ausgetauscht wurde
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(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Aminosäure
Stoff, der mindestens eine Säure-Gruppe ( CarboxylGruppe und eine  Amino-Gruppe im Molekül besitzt
Anode
Elektrode, an der die Oxidation stattfindet
häufig: die Elektrode, die negativ geladen ist
asymmetrisches
Cohlenstoff-Atom
 optisch aktives Cohlenstoff-Atom; C-Atom mit vier unterschiedlichen Resten
Atom-Bindung
Modell der Bindung zwischen Nicht-Metall-Atomen durch
gemeinsame Nutzung von Elektronen-Paaren
Außen-Elektronen
Valenz-Elektronen; Elektronen auf der äußersten Schale (/
dem äußersten (Unter-Orbital)
Azo-Farbstoffe
Farbstoffe, die eine Azo-Gruppe (-N=N-) enthalten
B
-
Base (ARRHENIUS)
Stoff, der in wässriger Lösung Hydroxid-Ionen (OH ) abgeben kann
Base (BROENSTED)
Protonen-Akzeptor; Stoff, der in wässriger Lösung Protonen
aufnehmen / akzeptieren kann
Bindigkeit
beschreibt die Anzahl der Elektronen-Paare, die ein Atom
mit Partner-Atomen bildet
Bindungs-Energie
ist die Energie, die benötigt wird, um zwei verbundene Atome zu trennen
Bindungs-Enthalpie
ist die Energie-Menge, die bei der Bildung eines Moleküls /
Atom-Paares aus den Einzel-Atomen (benötigt oder) freigesetzt wird.
Bildungs-Wärme
älterer Ausdruck für die Bildungs-Enthalpie
BORN-HABER-Kreisprozess
Anwendung des  Satz von HESS zur Bestimmung der Gitter-Energie von Ionen-Gittern
Brennstoff-Zelle
Primär-Zelle, bei der die Reaktanten kontinuierlich an die
Elektroden (mit Katalysator-Funktion) geführtwerden
C
Carbanium-Ion
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ist ein sp3-hybridisiertes C-Atom mit einer
negativen Ladung. Es besitzt ein "überzähliges" Elektron.
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H
|
R – C – R

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H
|
R – C – R

Carbenium-Ion
ist ein sp2-hybridisiertes C-Atom mit einer
positiven Ladung. Es fehlt gewissermaßen
das Bindungs-Elektron für die 4. Bindung.
Carbonyl-Gruppe
O
Atom-Gruppe mit einem doppelt gebunde//
nem Sauerstoff-Atom an einem Cohlenstoff- R - C
Atom
\
(R kann Wasserstoff-Atom oder CohenwasserstoffR
Rest bzw. Derivat sein)
Carboxyl-Gruppe
O
Säure-Gruppe;  funktionelle Gruppe der 
//
Alkansäuren; -COOH
R - C
\
O-H
chemische Energie
Teil der Energie eines Objektes, die in Bindungen und zwischenmolekularen Beziehungen steckt / gespeichert ist
chemisches Gleichgewicht
bei einer chemischen Reaktion verlaufen Hin- und RückReaktion (in einem geschlossenem System unter konstanten Bedingungen) gleich stark
chirale Moleküle
zwei Moleküle /  Isomere, die sich wie Bild und Spiegelbild
verhalten
cis-trans-Isomerie
Form der Isomerie an Doppel-Bindungen
Chiralität
 Stero-Isomerie
Fähigkeit, räumlich spiegelbildliche (händische) Isomere zu
bilden
Chromophore
(Atome od.) Atom-Gruppen, die (durch vorhandene -ElektronenSysteme) in einer Verbindung die Farbigkeit verursachen /
den Stoff zur Absorption bestimmter Licht-Anteile befähigen
D
delokalisierte Elektronen
p-Elektronen, die sich nicht eindeutig (nur formal) zwei Atomen zuordnen lassen; es gibt mehrere (theoretisch denkbare)
(mesomere) Zustände der Atom-Gruppe
Denaturierung
Gerinnung; Veränderung od. Zerstörung der natürlichen
Funktion eines Stoffes durch äußere Faktoren (meist Eiweiß
(Protein) gemeint)
Derivat
Abkömmling; durch Austausch von Atomen oder AtomGruppen erhaltene (veränderte) Verbindung
Deuterium
ist ein Isotop des (Elementes) Wasserstoff(s). Es besitzt im
Atom-Kern neben dem Proton noch ein Neutron
Das Symbol lautet: D, was 2H entspricht.
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(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Dipol
Molekül mit räumlich getrennten Ladungs-Zentren;
ist ein Molekül (od. vergleichbares chemisches Objekt), das
zwei entgegengesetzt geladene Laduungs-Schwerpunkte
enthält, die nicht deckungsgleich sind.
Dipol-DipolWechselwirkung
Beziehung (Anziehung bzw. Abstoßung) zwischen (permanenten / dauerhaften) Dipolen;
sind polare Anziehungskräfte, die zwischen Dipolen wirken
Disaccharide
 Zweifachzucker; Kohlenhydrate, die aus zwei  Monosaccharid-Bausteinen zusammengesetzt sind
chemische Reaktion, bei der gleiche Stoff einmal oxidiert
und reduziert wird
Disproportionierung
Dissoziation-Enthalpie
ist die Energie-Menge, die benötigt wird, um Moleküle /
Atom-Paare in einzelne Atome aufzuspalten
Donator
Stoff, der Elementar-Teilchen, Atome oder Atom-Gruppen
abgibt
chemisches Leitlinie, bei der immer eine abgebende TeilReaktion mit einer aufnehmenden Teil-Reaktion (direkt ursächlich) verknüpft sind
Donator-Akzeptor-Konzept
Duroplast
Makromoleküle mit dreidimensionaler Verknüpfung der Moleküle
E
Edelgas-Regel
Atome sind durch Aufnahme oder Abgabe von Elekronen
bestrebt die Elektronen-Konfiguration des am dichtesten
benachbarten Edelgases zu erreichen; gilt für alle Hauptgruppen-Elemente
 Oktett-Regel
Einfachzucker
 Monosaccharid
Elastomere
Stoffe, die nach Zug- oder Druck-Belastung wieder in ihre
Ausgangsform zurückkehren
Elektrolyse
durch Gleichstrom erzwungene Redox-Reaktion (in einer
GALVANI-Zelle)
Elektrolyt
flüssiges, elektrisch leitfähiges Medium (Lösung oder
Schmelze, selten Feststoff)
Elektronegativität
(allgemein)
ist das Maß für die effektive Kern-Ladung eines Atoms.
Elektronegativität
(nach PAULING)
ist ein Modell-Maß für die Fähigkeit eines Atoms Elektronen
zu sich zu ziehen
(willkürliche Grenzen: max.: EN [Fluor] = 4,0; kleinste: EN [Cäsium] = 0,7)
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(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Elektronenaffinität
ist ein Maß für Fähigkeit eines freien Atoms oder eines Moleküls Elektronen an sich zu binden / zu sich zu ziehen
Elektronen-Akzeptor
 Oxidations-Mittel; Stoff, der Elektronen aufnehmen (akzeptieren) kann
Elektronen-Donator
 Reduktions-Mittel; Stoff, der Elektronen abgeben kann
Elektronen-Konfiguration
Anordnung der Elektronen eines Atom auf den Schalen bzw.
Orbitalen und Unterorbitalen
ElektronenpaarAbstoßungs-Theorie
ist die Theorie, die sich mit der räumlichen Anordnung von
bindenden und nicht-bindenden Elektronen-Paaren beschäftigt und damit Aussagen über die Teilchen-Geometrie
macht
elektrophil
ist die Eigenschaft von Teilchen atomarer Größe, die Elektronen im Mangel haben und deshalb Elektronen-liebend
(Wort-Sinn) sind bzw. Elektronen-anziehend wirken
Elektronen-Akzeptor; Gegenteil heißt nucleophil
Elektrophil
Teilchen (/Stoff), das (/der) wegen eines Mangels an Elektronen ein (/einen) Elektronen-reiches(/n) Teilchen (/Stoff)
(dieses(/r) ist nukleophil) angreift
Gegenteil:  Nukleophil
Element
ist ein Stoff, der ausschließlich aus Atomen mit der gleichen
Protonen-Anzahl besteht
Die Protonen-Zahl definiert die Ordnungs-Zahl eines Elementes. Elemente lassen sich chemisch nicht weiter zerlegen.
Enantiomere
sind Spiegelbild-Isomere eines Stoffes, die nicht durch Drehung
ineinander überführt werden können
Energie E
Fähigkeit eines Systems, (physikalische) Arbeit zu verrichten
Energie-Prinzip
Jedes System (z.B. auch ein Elektron) strebt immer den
Energie-ärmsten Zustand an. In diesem Zustand ist das System
am stabilsten.
energonische Reaktion
Reaktion mit positiver freier Enthalpie (~Energie); nicht freiwillig ablaufende Reaktion; kann nur durch äußere Faktoren (z.B.
Temperatur-Erhöhung) erzwungen werden
endotherme Reaktion
Reaktion benötigt zum Ablauf (äußere) Energie
Enthalpie H
Summe, der in Wärme umgerechnete Energie-Veränderung
bei chemischen Vorgängen
Entropie S
Maß für die Unordnung eines (chemischen) Systems; (neben
der Reaktions-Enthalpie) Triebkraft einer chemischen Reaktion
Wahrscheinlichkeit für das Auftreten eines bestimmten Zustandes
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(c,p) 2009-2015 lsp: dre
essentielle Aminosäuren
bestimmte (protenogene)  Aminosäuren, die der Mensch
nicht selbst herstellen kann und deshalb mit der nahrung
augenommen werden müssen
essentielle Fettsäure
Fettsäuren mit mindestens zwei Doppel-Bindungen im Molekül; müssen vom Menschen aufgenommen (gegessen) werden müssen, d diese sie nicht selbst herstellen können
exergonische Reaktion
Reaktion mit negativer freier Enthalpie (~Energie); freiwillig
ablaufende Reaktion
exotherme Reaktion
Reaktion läuft unter Freisetzung von Energie (Wärme) ab
F
Farbmittel
Farb-Mittel
Farbe-gebender Stoff
Farbstoff
im Anwendungs-Medium lösliches oder verarbeites FarbMittel
Formal-Ladung
für ein Atom: AnzahlValenzElektronen – FreieElektronen –
½ BindungsElektronen
freie Elektronen-Paare
nicht an einer Bindung beteiligte Außen-Elektronen
freie Enthalpie
GIBBS'sche Energie; nutzbare oder notwendige Energie einer chemischen Reaktion
freie Energie
Funktions-Isomerie
bei gleicher Summen-Formel sind Stoffe mit unterschiedlichen funktionellen Gruppen möglich
G
GALVANI-Zelle
galvanisches Element
elektrische Energie liefernde Anordnung von zwei verschiedenen Elektroden in einem Elektrolyt oder die elektrisch
verbundene Anordnung von zwei Halb-Zellen
GALVANI-sieren
galvanisieren
Überziehen einer elektrisch leitenden Oberfläche mit einem
Metall mittels Elektrolyse
geschlossenes System
Teilbereich der Realität (/ Welt), der mit seiner Umgebung
keine Materie aber Energie austauschen kann
Gleichgewichts-Konstante
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- 349 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
GeschwindigkeitsKonstante
GIBBS-HELMHOLTZGleichung
Berechnung der Änderung der freien Enthalpie (G) aus der
Gitter-Energie
Energie, die beim Bilden eines Gitters aus den Ionen frei
wird
glycosidische Bindung
Bindung (- O -) zwischen zwei Monosaccharid-Bausteinen
durch Reaktion von einer  glycosidischen OH-Gruppe mit
einer weiteren OH-Gruppe entstandene Bindung
glycosidische
Gruppe
Änderung der Enthalpie (H) und der Entropie (S) sowie
der Temperatur (T)
G=H-TS; G>0 … Reak.  endergonisch; G<0 …
Reak.  exergonisch
Hydroxyl-
glycosidische OH-Gruppe
Glycosid
H
R - O
|
R – C – O – H
|
H
Halbacetal
durch Reaktion einer  AldehydGruppe mit einer  Hydroxyl-Gruppe
entstandene Struktur mit einer (neuen)  glycosidischen OH-Gruppe
Hauptgruppen-Elemente
sind die Elemente, die ihre Außen-Elektronen nur auf soder p-Orbitalen haben.
Haupt-Quanten-Zahl n
gibt die Größe eines Orbitals an
heterogene Katalyse
Ausgangs-Stoffe und Katalysator liegen in unterschiedlichen
Phasen vor
heterolytische
Spaltung
Homolyse
ist der ungleichmäßige Bruch einer Bindung unter Bildung
von Ionen
A–B
A+ + B
Hexose
Monosaccharid mit 6 Cohlenstoff-Atomen
Formel: C6H12O6
homogene Katalyse
Ausgangs-Stoffe und Katalysator liegen in der gleichen
Phase vor
homolytische
Spaltung
Heterolyse
ist der gleichmäßige Bruch einer Bindung unter Bildung von
Radikalen
A–B
A + B
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- 350 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
HUNDsche Regel
Bei der Besetzung Energie-gleicher Orbitale werden diese
zuerst einzeln (und parallel) belegt. Erst wenn alle energetisch gleichen orbitale einfach besetzt sind kommt es zur
Paarung mit Elektronen (, die den entgegengesetzten Spin
haben müssen).
Hybridisierung
verschmelzen von energetisch äquivalenten  Orbitalen
(meist einer  Haupt-Quanten-Zahl) zu gleichartigen (Energie und
Form)  (Hybrid-)Orbitalen
Hybrid-Orbital
Hydrat-Hülle
durch  Hybridisierung entstandenes Misch-Orbital
einfach oder mehrfache Hülle / Schicht von WasserMolekülen um ein Ion
Hydratations-Enthalpie
ist die Energie-Menge, die bei der Bildung einer HydratHülle (benötigt oder) freigesetzt wird.
Hydroxid-Ion
negativ geladenes Ion aus Sauerstoff und
einmal Wasserstoff; entsteht bei der Autoprotolyse des Wassers und bei der Dissoziation von Basen
Hydroxyl-Gruppe
(ungeladene) Atom-Gruppe aus einem Sauerstoff- und einem Wasserstoff-Atom;
funktionelle Gruppe der Alkonole / Alkohole
O – H
OH
-
- O - H
-OH
I
I-Effekt
 Induktions-Effekt
Indikator
Stoff, der eine bestimmte Eigenschaft (meist durch FarbVeränderung) anzeigt (z.B. Wasserstoff-Ionen / Protonen
am häfigsten verwendet:  Universal-Indikator
Induktions-Effekt
induktiver Effekt
Beeinflussung der Reaktivität einer (funktionellen) Gruppe,
durch benachbarte Atome od. Atom-Gruppen
-I-Effekt:
+I-Effekt:
Ionen-Bindung
Ionen-Beziehung
chemische Bindung zwischen verschieden geladenen Ionen;
Ursache sind die polaren / COLOUMBschen Kräfte
Ionisierungs-Energie
ist die Energie, die notwendig ist um ein bestimmtes bzw.
soundsoviele Elektronen aus der Elektronen –Hülle zu entfernen.
1. Ionisierungs-Energie: ist die Energie, die notwendig ist um ein äußerstes Elektron (Außen-Elektron) aus der Atom-Hülle zu entfernen.
isolierte Doppel-Bindung
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eine Doppel-Bindung, die erst nach mindestens 2 EinfachBindungen wieder eine Doppel-Bindung als (entfernten)
Nachbarn hat
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(c,p) 2009-2015 lsp: dre
isoliertes System
abgeschlossenes System
Teilbereich der Realität (/ Welt), der mit seiner Umgebung
weder Materie oder Energie austauschen kann
Isomerie
zu einer Summen-Formel existieren mindestens zwei unterschiedliche Struktur-Formeln
Formen:  Konformations-Isomerie,  Keto-EnolTautomerie
Isoptope
sind (vollständige) Atome eines Elementes, die sich von anderen Atomen des gleichen Elementes durch die Anzahl der
Neutronen im Atom-Kern unterscheiden
J
K
Katalysator
Stoff, der den Verlauf einer chemischen Reaktion verändert
(beschleunigt od. verlagsamt), an ihr zwar teilnimmt, aber nicht
verbraucht wird (und somit nach der Reaktion wieder vorliegt)
Kathode
Elektrode, an der die Reduktion stattfindet
häufig: die Elektrode, die positiv geladen ist
Keto-Enol-Tautomerie
Form der Isomerie, die durch ein im
Molekül wanderndes Wasserstoff- O H
|| |
Atom entsteht; es bilden sich ab- -C-Cwechselnd eine Keton- und eine
|
kombinierte Doppelbindung- (-en)
H
und Alkohol-Struktur
Ketone
 Alkanone; Stoffgruppe der Stoffe mit doppeltgebundenem Sauerstoff-Atom an einem sekundärem CAtom im Moleküle
Ketose
 Monosaccharid mit einer Keto-Gruppe (üblich am 2. C-Atom)
Kohlenhydrate
 Monosaccharid mit der Formel CnH2nOn (= Cn(H2O)n) oder
deren Kondensations-Produkte (Formel dann: Cn(H2O)m,
m<n)
Konformations-Isomerie
Isomerie-Form, die durch Drehung von Molekül-Resten um
eine C-C-Einfach-Bindung entsteht
konjugierte
Bindungen
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Doppel- zwischen zwei Doppel-Bindungen befindet
sich exakt eine Einfach-Bindung; alternierende Anordnung von Einfach- und DoppelBindungen; es sind verschiedene mesomere
Zustände möglich; führt zur Verschiebung der
Licht-Absorption
- 352 -
O-H
|
-C=C|
H
H
H
|
|
-C=C-C=C|
|
H
H
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Konstitutions-Isomerie
Isomerie-Form, die auf den unerschiedlichen möglichen
Atom-Positionen (und Bindungs-Strukturen) entsteht
korrespondierendes Säure- zusammengehörende Stoffe (Säure
Base-Paar
und Base), die sich durch ein Proton S
unterscheiden
S+
B
kumulierte Doppel-Bindung
+ H+
B + H+
korrespondierendes Redox- zusammengehörende Stoffe (RedukPaar
tions- und Oxidations-Mittel), die sich RMe
durch ein Elektron unterscheiden
RM
e
-
OM+ +
-
OM +
zwei Doppel-Bindungen folgen unmittelbar aufeinander
H
|
-C=C=C|
H
L
Lanthaniden
sind die Elemente mit den Ordnungs-Zahlen 58 bis 71. Ihre
Atome sind durch Außen-Elektronen auf 4f-Orbitalen gekennzeichnet.
LEWIS-Formel
 Valenzstrich-Formel; Struktur-Formel, in •
_
der
die
Außen-Elektronen
(Valenz- •C• |Cl•
Elektronen) als Punkte bzw. anliegende • _
|O - H
Striche (für 2 Elektronen = 1 Elektronen|
Paar) und die Bindungen als verbindende
H
Stiche dargestellt werden
Lokal-Element
Anode und Kathode sind praktisch räumlich nicht getrennt
bzw. liegen unmittelbar nebeneinander (und berühren sich);
Zelle ist praktisch kurz-geschlossen
Lösungs-Enthalpie
ist die Energie-Menge, die beim Lösen eines Stoffes in einem bestimmten Lösungsmittel benötigt oder freigesetzt
wird.
M
Magnet-Quanten-Zahl m
Massen-Wirkungs-Gesetz
(MWG)
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bestimmt die Ausrichtung eines (Unter-)Orbitals im Raum
Gleichung / Term, die / der a A + b B
cC +
aussagt, das (in einem homoge- d D
nen, geschlossenen System) der
Quotient aus den Produkten
der
Konzentrationen der
ReaktionsProdukte sowie den Produkten der Konzentrationen der
Ausgangstoffe eine Konstante (k) ist
- 353 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
mesomere Zustände
mögliche idealisierte (grenzwertige) Struktur-Formeln nach
LEWIS für ein Molekül
Mesomerie
Modell zur Umschreibung von Übergangs-Zuständen von
Bindungen und Elektronen-Paaren durch idealisierte Zwischen- bzw. Grenz-Situationen
Mesomerie-Pfeil
besonderes Zeichen in chemischen Gleichungen / Gleichungs-Systemen: einzelner Doppelpfeil
; kennzeichnet keine Stoff-Umwandlung bzw. chemische Reaktion,
sondern nur denkbare Bindungs- und Ladugs-VerteilungsSituationen
Mesomerie-Energie
Energie-Differenz zwischen den idealisierten mesomeren
Grenz-Zuständen und der real beobachteten BindungsEnergie
Mesomerie-stabilisiert(e)
Struktur
durch bewegliche / wandernde Elektronen-Paare / Ladungen ist das Molekül gegenüber äußeren Einflussen unempfindlicher und wandlungsfähiger
Molekül
räumlich begrenztes Objekt aus mehreren (Nicht-Metall)Atomen, die mittels Atom-Bindung verbunden sind;
einzelne, abgeschlossene und stabile Teilchen, die aus
mindestens zwei Atomen bestehen; die Atome werden
durch Atom-Bindung und/oder durch polare Atom-Bindung
zusammengehalten
Molekül-Orbitale
sind die verschmolzenen / sich überlappenden und gemeinsam genutzter Atom-Orbitale von zwei Atomen
Monomere
elementare Bausteine / Grund-Bausteine eines Polymers /
Makromoleküls
Monosaccharid
 Einfachzucker; Kohlenhydrat mit der Formel CnH2nOn,
wobei n üblicherweise zwischen 3 und 7 liegt (am häufigsten: 5,6); Bau-Element von Oligo- und Poly-Sacchariden
Mutarotation
bei optisch aktiven Isomeren auftretender Effekt, der Einstellung eines bestimmten (Gleichgewichts-)Drehwinkels
N
Nebengruppen-Elemente
sind solche Elemente, deren Außen-Elektronen auf dOrbitalen liegen
Neben-Quanten-Zahl n
bestimmt die Form und Anzahl der Unter-Orbitale (eines
Haupt-Orbital / einer Schale)
NERNST-Gleichung
Berechnungs-Formel zur Ermittlung des Elektroden-Potentials
aus der Elektrolyt-Konzentration;
Berechnung des Redox-Potentials
Konzentration
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- 354 -
⊖
aus
der
Stoff-
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Nitro-Verbindungen
organische Stoffe mit einer od. mehrerer
Nitro-Gruppen (als funktionelle Gruppe)
O
//
- N
\\
O
Nuklid
ist eine (Atom-)Kern-Art, die durch eine bestimmte Anzahl
an Protonen und Neutronen charakterisiert ist
Nukleonen-Zahl
ist die Summe der Anzahlen von Protonen und Neutronen in
einem Atom-Kern
nucleophil
nukleophil
ist die Eigenschaft von Teilchen atomarer Größe, die Elektronen im Überschuß besitzen und deshalb Kern-liebend
(Wort-Sinn) sind bzw. Kern-anziehend wirken
Elektronen-Donatoren; Gegenteil heißt elektrophil
Nukleophil
Teilchen (/Stoff), das (/der) wegen eines Überschusses an
Elektronen ein / einen Elektronen-armes/n Teilchen (/Stoff)
(dieses(/r) ist elektrophil) angreift
Gegenteil:  Elektrophil
O
offenes System
Teilbereich der Realität (/ Welt), der mit seiner Umgebung
sowohl Materie als auch Energie austauschen kann
Oktett-Regel
(Acht-Elektronen-Regel)
Zuordnung von 4 Elektronen-Päarchen zu einem Atom (außer H und He; hier nur 1 Päarchen) in einer  LEWIS-Formel, um
die optimale Situation von 8 Außen-Elektronen ( ValenzElektronen) zu erreichen; gilt für alle HauptgruppenElemente
angestrebt: Edelgas-Konfiguration ( Edelgas-Regel) bzw.
voll-besetzte (Unter-)Orbitale
Oligopeptide
Peptide, die aus 2 bis rund 20 Aminosäure bestehen bzw. 1
bis rund 19 Peptid-Gruppen enthalten
Oligosaccharide
Kohelnhydrate ( Saccharide), die aus
Monosaccharid-Bausteinen aufgebaut sind
Orbital
ist der Aufenthalts-Bereich (eines Elektrons) innerhalb der
Elektronen-Hülle (negative Ladungs-Wolke), in dem sich
das Elektron mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit aufhält
Oxidation
Teilreaktion der Redox-Reaktionen, bei der ein od. mehrere
Elektron(en) abgegeben werden bzw. sich die  OxidationZahl für ein Atom erhöht
Oxidations-Mittel
(OM, OxM, OxidM)
Stoff, der in einer Redox-Reaktion einen anderen Stoff oxidiert bzw. selbst reduziert wird
Oxidations-Zahl
Modell, bei dem einem Atom eine formale Ladung zugeordnet wird, so als wäre es ein Ion innerhalb des Moleküls bzw.
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- 355 -
2 bis rund 20
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
des Stoffes
fiktive Ladung eines Atom innerhalb einer Bindung bzw. des
Elementes
Oxydation
Reaktion eines Stoffes mit Sauerstoff (Verbrennung)/ Bildung
eines Oxides
P
Partial-Ladung
(partielle Ladung)
 Teil-Ladung
Passivierung
Bildung einer chemisch kaum angreifbaren Deckschicht
z.B. Oxid-Schicht auf elemtarem Aluminium
PAULING-Schreibweise
Schreibweise der Elektronen-Konfiguration
oder der Orbital-Besetzung mittels / in
Quadraten; Elektronen werden mit ihrem
Spin (als Pfeil) dargestellt (wenn für ein
ungepaartes Elektron der Spin egal ist,
wird häufig nur ein Strich gezeichnet)
PAULI-Prinzip
alle Elektronen eines Atom müssen sich in mindestens einer
Quanten-Zahl (Haupt-, Neben-, Magnet- od. Spin-Quanten-Zahl) unterscheiden
PAULI-Verbot
in der Atom-Hülle eines Atoms dürfen zwei Elektronen niemals in allen vier Quanten-Zahlen übereinstimmen. Sie müs-
,
,
bzw.
sen sich immer in mindestens einer Quanten-Zahl unterscheiden.
Pentose
 Monosaccharid mit 5 C-Atomen im Molekül;
Summen-Formel: C5H10O5
pH-Wert
Kenngröße der Konzentartion der
Wasserstoff-Ionen / Protonen /
Hydronium-Ionen in einer Lösung
negativer dekadischer Logarithmus der Konzentration der
Hydronium-Ionen / Wasserstoff-Ionen / Protonen
Pigmente
Farbstoff, die im Anwendungs-Medium unlöslich sind (häufig
Feststoffe)
Polarisierbarkeit
ist ein Maß für Veränderung der Elektronen-Hülle eines
Atoms durch ein äußeres elektrisches Feld
Polarität
ist die ungleichmäßig Verteilung der Elektronen-Dichte um
ein Objekt (atomarer Größe)
Poly-Addition
Bildungs-Reaktionen von Makromolekülen ohne NebenProdukte;
vielfache Verknüpfung von bifunktionalen Molekülen mittels
Additions-Reaktionen
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- 356 -
(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Poly-Kondensation
Bildungs-Reaktionen von Makromolekülen unter Abspaltung
kleiner Moleküle
vielfache Verknüpfung von bifunktionalen Molekülen mittels
Substitutionen unter Abspaltung kleiner / einfacher Moleküle
Polymerisation
Bildungs-Reaktionen von Makromolekülen durch Aufbrechen von Doppel-Bindungen und Verknüpfen der  Monomere
Polypeptid
Makromolekül mit mehr als 20 Aminosäure-Bausteinen bzw.
19 Peptid-Gruppen im Molekül
Polysaccharid
Kohlenhydrat, der aus sehr vielen (20 – 1'000'000; mehr als
20) Monosaccharid-Grundbausteinen zusammengesetzt ist
primärer Alkohol
Alkohol, dessen Hydroxyl-Gruppe am Ende einer C-Kette
gebunden ist
Alkohol, dessen Hydroxyl-Gruppen-tragendes C-Atom nur 1
Nachbar-C-Atom hat
Primär-Struktur (von Prote- (genetisch bedingte) Aufeinanderfolge von Aminosäuren in
inen)
einer Polypeptid-Kette
Primär-Zelle
GALVANI-Zelle mit gerichteter (nicht-umkehrbarer) Reaktion
(Zelle kann nur entladen werden)
Promotion
Anhebung des Energie-Niveaus eines Elektrons in der
Atom-Hülle
Proteine
= Eiweiße
Polypeptide in einer speziellen Struktur ( Tertiär- od. QuartiärStruktur) ev. mit einem Nicht-Protein-Teil (zur Erfüllung einer
biologischen Funktion)
Puffer
Gemisch aus Säuren bzw. Basen und schwachen Salzen
derselbigen, die trotz Verdünnung od. dem Zusatz von Säure od. Base ihren  pH-Wert lange konstant halten
Q
Quanten-Zahl
Eigenschaft- bzw. Zustand-Größe eines Elektrons
n ..  Haupt-Quanten-Zahl; l ..  Neben-Quanten-Zahl; m ..  MagnetQuanten-Zahl; s ..  Spin-Quanten-Zahl;
Quartiär-Struktur
Proteins)
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(eines räumliche Struktur eines Proteins; meist aus mehreren Tertiär-Strukturen ( Polypeptid-Ketten) zusammengesetzt; natürliche (optimal funktionierende) Eiweiß-Struktur
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R
Reagenz
Reaktions-Energie
 RU
das kleinere oder das bewegliche von zwei an einer Reaktion beteiligten Stoffe (größere oder feste werden  Substrat
genannt)
RE,
Reaktions-Enthalpie RH
Veränderung der Energie im Verlauf einer chemischen Reaktion;
Wärme-Aufnahme oder –Abgabe im Verlauf einer chemischen Reaktion bei konstantem Volumen
Wärme-Aufnahme oder –Abgabe im Verlauf einer chemischen Reaktion bei konstantem Druck
Redox-Paar, korrespondie-  Korrespondierendes Redox-Paar
rendes
Redox-Reaktion
 Reaktion mit Elektronen-Übergang;
Reaktions-System aus einer  Oxidation (ElektronenAbgabe) und einer  Reduktion (Elektronen-Aufnahme)
Reduktion
Teilreaktion der Redox-Reaktionen, bei der ein od. mehrere
Elektron(en) aufgenommen werden bzw. sich die  Oxidation-Zahl für ein Atom verringert
Reduktions-Mittel
(RM, RedM)
Stoff, der in einer Redox-Reaktion einen anderen Stoff reduziert bzw. selbst oxidiert wird
Regel von KOSSEL
KOSSEL-Regel
Die Reaktions-Fähig eines Atoms beruht auf seiner Fähigkeit, Elektronen aufzunehmen od. abzugeben, um eine
Edelgas-Konfiguration zu erreichen.
RGT-Regel
=  VANT HOFFsche Regel
Reaktionsgeschwindigkeits- Erhöht man die Temperatur um 10 grd (= 10 K), dann erhöht
Temperatur-Regel
sich die Reaktions-Geschwindigkeit durchschnittlich um das
zwei- bis dreifache (selten bis zum Zehnfachen)
Ausnahme: Foto-chemische Reaktionen
S
Salz-artige Stoffe
 Ionen-Verbindungen;
Stoffe, die auf Ionen-Beziehung basieren;
Stoffe, die in Form von Ionen-Gittern aufgebaut sind
Salze
sind Feststoff, die aus Ionen aufgebaut sind.
Satz von HESS
die Reaktions-Energie für eine chemische Reaktion ist immer gleich, unabhängig vom Weg der Reaktion
Säure (ARRHENIUS)
Stoff, der in wässriger Lösung Wasserstoff-Ionen (Protonen)
abgeben kann
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Säure (BROENSTED)
Protonen-Donator; Stoff, der in wässriger Lösung Protonen
abgeben / donieren kann
Säureamid
Derivate der  Alkansäuren, bei denen die
Hydroxyl-Gruppe durch eine Amino-Gruppe
ersetzt ist
NH2
/
- C
\\
O
sekundärer Alkohol
Alkohol, dessen Hydroxyl-Gruppen-tragendes C-Atom genau 2 Nachbar-C-Atome hat
Sekundär-Struktur
Proteins)
(eines regelmäßige / geordnete Anordnungen (Faltblatt od. Helix)
der Aminosäuren einer Polypeptid-Kette, die durch die Eigenschaften der Reste und Wasserstoff-Brücken-Bindungen
stabilisiert werden
Sekundär-Zelle
GALVANI-Zelle mit umkehrbarer Reaktion; (Zelle kann
(mehrfach) entladen und geladen werden)
Spannungs-Reihe,
chemische
elektro- Zusammenstellung der Redox-Paare, nach ihren StandardPotentialen (Redox-Verhalten / Redox-Stärke) geordnet
Spin-Quanten-Zahl s
Eigenschaft eines Elektron, die seinen Spin (~ (Eigen)Rotation) beschreibt
Standard-Bildungs-
Enthalpie, die bei der Bildung eines Mol eines Stoffes aus
seinen Elementen aufgenommen od. freigesetzt wird;
Enthalpie-Änderung bei der Bildung einer Verbindung aus
seinen Elementen
 tabellierte Werte
Enthalpie fEm , molare

Standard-Bildungs-Entropie
BSm, Sm, molare
Entropie-Änderung, die bei der Bildung eines Mol eines
Stoffes aus seinen Elementen beobachtet wird
 tabellierte Werte
Standard-Bindungs-
Enthalpie, die bei der Bildung eines Mol Bindungen zwischen zwei Atomen aufgenommen od. freigesetzt wird;
Enthalpie-Änderung bei der Bildung eines Mol AtomBindungen
 tabellierte Werte
Enthalpie BEm , molare

Standard-ElektrodenPotential
Potential einer Halb-Zelle unter Standard-Bedingungen gegenüber einer Standard-Wasserstoff-Elektrode
Standard-ReaktionsEnthalpie REm, molare
Enthalpie pro Formel-Umsatz, die im Verlauf einer Reaktion
bei Standard-Bedingungen aufgenommen oder abgegeben
wird
Wärme pro Formel-Umsatz, die im Verlauf einer Reaktion
bei konstanten Druck und bei 298 K aufgenommen oder abgegeben wird
Standard-Bildungs-Entropie
RSm, molare
Veränderung der Entropie pro Formel-Umsatz einer Reaktion, bezogen auf alle Produkte und Edukte
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Stellungs-Isomerie
Isomerie, die aus der unterschiedlichen Positionierung von
Gruppen entsteht (bei Beibehaltung der GruppenKombination)
Substitution
Typ chemischer Reaktionen, bei denen Atome od. AtomGruppen ausgetauscht werden
Substrat
das größere von zwei oder mehreren an einer Reaktion beteiligten Stoffe (andere (kleinere) werden  Reagenz genannt)
bei Enzym-Reaktionen ist das Substrat der zu bearbeitende
Stoff
Synproportionierung
Komproportionierung
Reaktion von Verbindungen eines Elementes einer höheren
und einer niedrigeren Oxidations-Stufe zu einer gemeinsamen mittleren
System
(real od. künstlich) abgegrenzter Teil der Realität (/ Welt),
der in Beziehung zu seiner Umgebung (dem Nicht-System)
steht
Modell
System, abgeschlossenes
 isoliertes System
System, geschlossenes
 geschlossenes System
System, isoliertes
 isoliertes System
System, offenes
 offenes System
T
Teil-Ladung
( Partial-Ladung)
sind nur Anteile einer vollständigen Ladung. Sie werden mit
dem Zeichen  (griech.: s .. sigma) und der LadungsRichtung (plus oder minus) gekennzeichnet
tertiärer Alkohol
Alkohol, dessen Hydroxyl-Gruppen-tragendes C-Atom genau 3 Nachbar-C-Atome hat
Tertiär-Struktur eines Prote- räumliche Struktur eines fertig gefalteten und ev. intern verins
knüpften monomeren, funktionsfähigen Proteins (
Polypeptid-Kette); verbinden sich häufig zu Oligomeren (selten Polymeren)
bei rein monomeren Proteinen ist die Tertiär-Struktur auch
gleich die Quartiär-Struktur
Thermoplaste
Titration
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Makromoleküle (mit linearen und / oder wenig verzweigten
Strukuren), die sich bei mäßiger Temperatur-Erhöhung
(wiederholt) verformen lassen
Maß-analytisches Verfahren zur Bestimmung der Stoffmenge bzw. der Konzentration einer Lösung mittels des Verbrauches einer definierten Maß-Lösung; vielfach an FarbVeränderungen od. mittels Indikatoren verfolgt
z.B. Säure-Base-Titration, Redox-Titration
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U
Überspannung
Differenz zwischen dem gemessenen und der theoretisch
berechneten / erwarteten Potential einer Halb-Zelle / Elektrode
durch Oberflächen-Effekte bzw. Elektroden-Material-Effekte
verändertes Potential einer Halb-Zelle
Universal-Indikator
häufig verwendete  Farbstoff- bzw.  IndikatorenKombination (auf Papier fixiert od. als Lösung), die den Gehalt an
Protonen / Wasserstoff-Ionen ( pH-Wert) durch bestimmte
Farben anzeigt (sauer .. rot; neutral .. grün; basisch .. blau)
V
Valenz-Elektronen
Außen-Elektronen; Elektronen auf der äußersten Schale (/
dem äußersten (Unter-Orbital)
VAN-DER-WAALS-Kräfte
VDW-Kräfte
als unpolar beschriebene schwache Kräfte / Wechselwirkungen zwischen Teilchen / Molekülen, die auf temporären, induzierten Dipolen beruhen
Veresterung
Reaktion einer Säure mit einem Alkohol unter Bildung eines
Esters und Wasser
spezielle Form der Substitution, bei der eine Säure mit einem Alkohol reagiert
Verseifung
alkalische Hydrolyse von Fetten (Triglyceriden) zu Glycerol
und Fettsäure-Salzen (= Seifen)
Rück-Reaktion der Veresterung von Glycerol und Fettsäuren
Vollacetal
durch Reaktion einer  glycosidischen
OH-Gruppe mit einer weiteren OHGruppe entstandene Gruppierung
R - O
|
R – C – O – R
|
H
vollsynthetische Kunststof- Kunststoffe / Makromoleküle, die aus chemisch (künstlich)
fe
hergestellten oder veränderten  Monomeren hergestellt
wurden
W
Wärme(-Energie)
Energie-Form, die die Bewegungs-Energie von Teilchen innerhalb eines Stoffes darstellt
gemessen als: Temperatur
Wärme-Menge
Energie-Menge, die zwischen System od. dem System und
seiner Umgebung ausgetauscht wird
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(c,p) 2009-2015 lsp: dre
Wasserstoff-BrückenBindung (WBB)
relativ starke Wechselwirkungen zwischen Teilchen / Molekülen durch gemeinsam beanspruchte / benutzte Wasserstoff-Atome (meistens unmittelbar an N, F und O gebunden und diesen
gegenüberliegend);
beruhen auf Dipol-Dipol-Wechselwirkungen zwischen polarisierten Wasserstoff-Atomen und anderen polarisierten
Atomen. Zumeist treten WBB zwischen intermolekular auf
Wärmetönung
ist der historisch / umgangssprachliche Ausdruck für die
Reaktions-Enthalpie
X
Y
Z
Zell-Spannung
Potential einer Halb-Zelle / GALVANIschen Zelle
Zersetzungs-Spannung
Spannung, die benötigt wird um eine Lösung zu elektrolysieren
Elekrolyse-Spannung zur Zersetzung einer Lösung (unter
Abscheidung reduzierter und oxidierter Stoffe)
Zweifachzucker
 Disaccharide; Kohlenhydrate, die aus zwei  Monosaccharid-Bausteinen zusammengesetzt sind
zwischen-molekulare Kräf- elektrostatische Kräfte zwischen Teilchen / Molekülen od.
te,
zwischen-molekulare isolierten Atomen / Ionen
Wechselwirkungen
(unpolare) VAN-DER-WAALS-Kräfte od. polare (Dipol-Dipol) Wechselwirkungen / Kräfte
Ä-Ü
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Abitur clever vorbereitet – Chemie (Schülerhilfe).-Potsdam: tandem Verl.
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(für Schüler sehr zu empfehlen; die Chemie kurz gefasst; Kosten-günstig)
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ISBN
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:
ISBN
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(c,p) 2009-2015 lsp: dre
/A/
Wikipedia
http://de.wikipedia.org
Die originalen sowie detailliertere bibliographische Angaben zu den meisten Literaturquellen
sind im Internet unter http://dnb.ddb.de zu finden.
Abbildungen und Skizzen entstammen den folgende ClipArt-Sammlungen:
/A/
29.000 Mega ClipArts; NBG EDV Handels- und Verlags AG; 1997
/B/
andere Quellen sind direkt angegeben.
Alle anderen Abbildungen sind geistiges Eigentum:
/I/
lern-soft-projekt: drews (c,p) 2006-2015 lsp: dre
verwendete freie Software:
Programm
Inkscape
CmapTools
ChemSketch
Hersteller:
inkscape.org (www.inkscape.org)
Institute for Human and Maschine Cognition (www.ihmc.us)
ACD Labs (Advanced Chemistry Development, Inc.) (www.acdlabs.com)
- (c,p)1998 - 2015 lern-soft-projekt: drews
- 18069 Rostock; Luise-Otto-Peters-Ring 25
- Tel/AB (0381) 760 12 18
FAX 760 12 11
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