heutiger Stellenwert PDF 1203033 Dr. A. Wäckerlin, Chur

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klinische Zeichen der Sepsis
heutiger Stellenwert
15. St. Galler IPS-Symposium
18.1.2011
Adrian Wäckerlin
Intensivmedizin KSGR
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worüber spreche ich nicht
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was Sie hören werden
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Begriffsklärung: was sind „klinische Zeichen“
Wertigkeit klinischer Zeichen für die Diagnosestellung
die „idealen“ Sepsiszeichen
klinische Manifestationsformen der Sepsis
SIRS Kriterien (1992)
signs of sepsis (2001)
Spezial: klinische Erkennung von Meningokokken
Erkrankungen
• Zusammenfassung
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Begriffsklärung: klinische Zeichen
Beschwerden
Befunde
wir
sprechen
über:
subjektive,
objektivierbare
klinische
individuelle
Krankheitsauf Krankheiten hinweisende
UntersuchungsWahrnehmungen
Beschwerden oderzeichen
Befunde
befunde
Symptome
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Wertigkeit klinischer Zeichen in der
Diagnosestellung
14%
70%
16%
Anamnese entscheidender als klinische Untersuchung
BMJ 1975; 2, 486-489
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Diagnosestellung
Krankheitsbeginn
Prognose
Symptomgetriggert
Therapie
Beschwerden /
Anamnese
Diagnose
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Arztkonsultation
Befunde /
klin. Untersuchung
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„ideale“ klinische Sepsis - Zeichen
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vor oder in früher Krankheitsphase auftretend
bei allen Sepsis- Patienten vorkommend ( Sensitivität)
Fehlen schliesst eine Sepsis aus ( Spezifität)
hohe Wahrscheinlichkeit, dass eine Sepsis vorliegt ( PPV)
auffindbar ohne / mit geringer/m:
– Spezialausbildung
– Zeitverzögerung
– materiellen / finanziellen Aufwand
• erlauben sofortige Therapieeinleitung
• haben prognostische Bedeutung
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auf der Suche nach den „idealen“
Sepsiszeichen….
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www und Sepsissymptome
• 207‘000 Einträge
• am häufigsten aufgeführt:
– Schüttelfrost und Fieber
– schnelle Atmung
– schneller Herzschlag
– Schmerzen
– niedriger Blutdruck
– Bewusstseinsveränderungen
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Manifestationen der Sepsis
36% klinische
Manifestation
Arch Intern Med 1987, 147:1895-1906
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Sepsis- Definition (und SIRS)
• 1991: ACCP und SCCM: 35 Experten
• Definition: Sepsis als Folge einer generalisierten Entzündungsreaktion (SIRS) ausgelöst durch einen Infekt
• SIRS- Kriterien:
– Temp. > 38° oder < 36°
– Herzfrequenz > 90/min
– Atemfrequenz > 20/min oder paCO2 < 32mmHg
– Lc > 12‘000/mm3 oder < 4000/mm3 oder > 10% unreife
neutrophile Granulocyten
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Die gute Nachricht
• 3 von 4 Kriterien zur Diagnose einer Sepsis beruhen auf klinischen Zeichen
• sehr sensitiv: Früherfassung von septischen Patienten
• Je mehr SIRS Kriterien (>2) vorliegen, um so höher wird die
Sepsis- Inzidenz und um so schneller tritt die Sepis auf *
• mehrere SIRS Kriterien mit prognostischer Bedeutung: ≥ 2 SIRS
Kriterien sind ein unabhängiger Prädiktor für eine Infektion, ICULOS und Mort.
SIRS2
*
SIRS4
ICM 2006; 32: 421-427
* JAMA 1995; 273: 117-123
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Die schlechte Nachricht
• nur 22% der befragten Intensivisten nennen diese Sepsisdefinition
• sehr unspezifisch: 87% der Patienten in der SOAP* study zeigten
mindestens 2 SIRS Kriterien bei IPS- Aufnahme; 93% im Verlaufe
des IPS- Aufenthaltes,
– HF / AF (71% / 84%)
– 75% hatten keine dokumentierte Infektion im Verlauf
• nicht jeder Patient der „septisch“ aussieht hat eine Infektion
• sind SIRS Kriterien eine angemessene adaptive Antwort und nicht
Ausdruck einer Krankheit / Infektion ?
* SOAP study - ICM 2006; 32: 421-427
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Was nun ?
• sepsis definition conference
2001: ACCP, ESICM, SCCM,
SIS: 29 Experten
• Def. von Sepsis, schwerer
Sepsis und sept. Schock wird
gem. Def. 1991 beibehalten
• SIRS wird durch „signs of
sepsis“ ersetzt, weil diese die
klinische Antwort auf eine
Infektion besser wiederspiegeln
44.5% klinische
Zeichen
Clin Chest Med 2008; 29: 585-590
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signs of sepsis („SOS“)
• angedacht als „guide to diagnosis“
• nicht alle Sepsis- Patienten werden jedes Zeichen
aufweisen
• manche Patienten ohne Sepsis werden nur einige
Zeichen aufweisen
• das unklare Auffinden von mehreren SOS sollte den
Verdacht auf eine Sepsis fördern und eine entsprechende Infektfokussuche/- Therapie initiieren
• bis anhin in keiner Studie in dieser Form validiert
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klinische signs of sepsis
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Fieber / Hypothermie
Vigilanzänderung
Tachykardie
Tachypnoe
arterielle Hypotonie
Hautveränderungen
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Fieber
Chest 2000; 117: 885-869
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Sepsiszeichen: Fieber
• Fieber = Kerntemperatur > 38.3°
• bis zu 50% der septischen Patienten haben kein Fieber
(Normothermie oder Hypothermie)
• je höher das Fieber, um so eher infektbedingt
• „protektive“ Wirkung von Fieber ?
• Schüttelfrost ohne negativen Einfluss auf Mortalität
• Fieber-Senkung kostet : 10‘000 - 29‘000 $ /Jahr (18 bed ICU)**
*
* CCM 1990; 18: 801- 806
CCM 1998; 26: 392-408
Chest 2000; 117: 855-869
**Arch Intern Med 2001; 161:121-123
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Sepsiszeichen: Hypothermie
• Definition variabel: < 35° bis < 37.3°
• ca. 0 -15% der Pat. sind hypotherm
• Hypothermie verdoppelt die Mortalität
• Pg: höhere Cytokin-Spiegel ?
• NSAR senken Mortalität ? *
*
30d Mortalität:
90% vs 44%
(p< 0.01)
CCM 1992; 20: 1395- 1401
*CCM 1999; 27: 699-707
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Sepsiszeichen: Tachykardie
• meist definiert als HF > 100/min
• häufig sekundäre Folge: Fieber, Hypovolämie, art. Hypotonie,
Hypoxämie
• mehrheitlich auffindbar bei Eintritt; unspezifisch *
• keine predictive Aussagekraft hinsichtlich Mortalität
* SOAP study
ICM 2006; 32: 421-427
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Sepsiszeichen: Tachypnoe
• definiert als Atemfrequenz > 20/min; paCO2 < 32mmHg
• mehrheitlich auffindbar bei Eintritt; unspezifisch
• möglicherweise Cytokin-vermittelte zentrale Atemstimulation; DD
Hypoxämie, metabol. Azidose
• ohne Einfluss auf Mortalität
SOAP study
CCM 1990; 18: 801- 806
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Encephalopathie
• Agitation, Reizbarkeit, Verwirrung, Desorientierung, Somnolenz,
Sopor, Koma
• Ae: Endotoxin- Effekt, Leberinsuffizienz, Medikamente, Aenderungen: cerebrale Perfusion, cerebraler Metabolismus (veränderter AS- Transport/ Verfügbarkeit), Neurotransmitterverfügbarkeit
• Prädisposition: fehlendes Fieber/Schüttelfrost, art. Hypotonie,
Thrombopenie
CCM 1990; 18: 801- 806
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Sepsiszeichen: art. Hypotonie / Schock
• meist definiert als Psyst < 90mmHg oder Δp > 30mmHg
• Ausdruck eines fortgeschrittenen Sepsis- Stadiums: schwere
Sepsis oder septischer Schock
• Pg: prim.: Vasodilatation; „loss of vascular tone“
sek.: preload-failure, pump-failure
• grosse prognostische Bedeutung ! time saves life !
 + 7.6% pro h
Kumar et al, CCM 2006; 34(6):1589-96
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Sepsiszeichen: „warmer“ Schock
patterns of septic shock in men- 1967
• 50% „warmer“ Schock
• 50% „kalter“ Schock
• Schock- Mortalität
– 14% warmer vs 64% kalter Schock
• vor PK- Einführung:
– „kalter“ Schock ~ Hypovolämie
• Sepsis spez. HD pattern heute:
– high output failure falls adäquat
Volumen gefüllt
–  LV/RV- EF,  diast. Funktion
– „abgeflachte“ Frank- Starling Kurve
Ann Surg. 1967:166; 543–562.
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Sepsiszeichen: Hautveränderungen
• meist Ausdruck eines fortgeschrittenen Sepsis- Stadiums
• 3 „Kathegorien“: oft pathognomonisch
Hautinfekt
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Folgen der Sepsis
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Endokarditis
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Spezial: Meningokokken Infekte
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• Inzidenz: 4/100‘000 (Endemie) bis 500/100‘000 (Epidemie)
• Mortalität: 10%- 50% (Sepsis >> Meningitis)
• 65% der Sepsis- Fälle werden nach HA- Konsultation inadäquat behandelt und in 70% ist das initiale Management im Spital „suboptimal“ *
• die bekannten „klassischen“ Symptome sind nicht die frühesten
• „early warning clinical signs“: Beinschmerzen, abnormale Hautfarbe,
kalte Hände/ Füsse, Diarrhoe, Durst und Dyspnoe
• um die prognostisch entscheidende Frühdiagnose der Sepsis im
Allgemeinen und der Meningokokke- Sepsis im Speziellen zu gewährleisten, brauchen wir validierte klinische Zeichen aus dem präklinischen
Umfeld, die sowohl der Grundversorgern wie den Laien in ihrer Bedeutung bekannt sind und zur notwendigen Therapieeinleitung führen
* J Accid Emerg Med 1998; 15: 298-303
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Zusammenfassung
• DAS klinische Sepsiszeichen existiert (leider) nicht
• die Sepsis ist ein klinisches „Chamäleon“
• Für die prognostisch entscheidende Früherkennung der
Sepsis gibt es nur die unspezifischen (prä)klinischen
Zeichen
• deren Bedeutung erfordert präklinische Validierung;
deren Erkennung Erfahrung und ein hohes Mass an
Sensibilisierung aller Involvierten
• die klinischen Zeichen bei Spitaleintritt sind ebenso unspezifisch und meist Ausdruck fortgeschrittener Sepsisstadien – entsprechend ist die höchste klinische Expertise am Krankenbett verfügbar zu machen
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Danke für Ihre
Aufmerksamkeit
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