WZ-30.04.2017. - Imkerverein Bad Vilbel

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Wetterauer Zeitung | Geheimnisse im Bienenkasten
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BAD VILBEL & KARBEN
Geheimnisse im Bienenkasten
Die Geschichte vom Bienchen und dem Blümchen ist in Gefahr. Mehr
Bienen und Imker werden gebraucht. In Bad Vilbel handelt der
Bienenzuchtverein.
30. April 2017, 12:00 Uhr
Christine Fauerbach
Ausgezeichnete Arbeit mit dem Imkernachwuchs: Sabine von Trotha schaut mit ihren Schülern
in den Bienenkasten. (Foto: cf)
Leises Summen legt sich wie Musik über die Beuten. Diese stehen auf dem
Gelände des Bienenzuchtvereins Bad Vilbel und Umgebung. Mit dem ersten
Sonnenstrahl im Frühjahr fliegen die Bienen bis zu 40-mal am Tag aus ihrem Stock
hinaus, um in der Umgebung rund drei Gramm Nektar pro Arbeitstag zu sammeln.
Die Insekten steuern Blüten von Blumen, Raps oder Heide an, sie sammeln
Honigtau von Wiesenblumen, Hecken, Sträuchern, Obst-, Nadel- und Laubbäumen.
Bei jedem Blütenbesuch übertragen die Bienen Pollen und bestäuben so die
Pflanze. Dadurch steigern sie quasi »nebenbei« die Erträge in der Landwirtschaft.
Vor allem aber sorgen sie aktiv für eine Sorten- und Artenvielfalt in der Natur.
Bienen, Imkerei und damit dem Naturschutz verschrieben haben sich die Mitglieder
des Bienenzuchtvereins Bad Vilbel und Umgebung.
Seit ihrer Gründung 1872 geben die Imker ihr Fachwissen von Generation zu
Generation weiter. Wie gut sie dies auch heute noch tun, zeigt die aktuelle
Auszeichnung des Hessischen Ministeriums für Umwelt, Energie, Landwirtschaft
und Verbraucherschutz. Dessen Bieneninstitut in Kirchhain sprach den Vilbeler
Imkern den mit 700 Euro dotierten »Imker-Nachwuchspreis 2017« aus. Die Freude
darüber ist bei der Vorsitzenden Sabine von Trotha und den 54 Mitgliedern groß.
Auf dem »Bienengrund« am Berkersheimer Weg Ecke Kurt-Moosdorf-Straße
herrscht jeden Mittwochnachmittag reger Betrieb. Dann sind alle Imker,
Nachwuchsimker und Gäste willkommen, um sich »über Themen aus der Natur
auszutauschen, über Bienen und Bienenhaltung zu informieren oder um
gemeinsam die Bienenstöcke zu betreuen«. Mit dabei sind auch bis zu 30
Geflüchtete und Asylbewerber. Von ihnen trifft sich ein harter Kern aus zehn
Personen zusätzlich noch samstags zu Arbeitseinsätzen im Garten. Dabei werden
http://www.wetterauer-zeitung.de/regional/wetteraukreis/badvilbelkarben/art469,2476... 08.05.2017
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nicht nur Beete angelegt, Gemüse, Kräuter und Blumen kultiviert, wie es an diesem
Tag Masood Sediqi tut, sondern auch geschreinert. »Das Holz für das Dach
unseres Unterstandes war ein Geburtstagsgeschenk. Abdalmnam Akraa ist
Schreiner, er hat es uns gemacht«, erzählt von Trotha. Inzwischen stehen die
Nachwuchsimker um sie herum. Informationsweitergabe an die nächste
Generation: »Jedes Volk hat etwa 50 000 Bienen. Zurzeit legt die Königin 1500 Eier
täglich. Das heißt, das Volk explodiert förmlich.«
Da es kalt ist, wirft die Gruppe nur einen kurzen Blick auf die Produktion im
Bienenksten, der Beute. »Ich interessiere mich schon lange fürs Imkern, will etwas
für die Natur, die Nachhaltigkeit tun«, erzählt Cathrin Helmling (51). »Ich möchte,
dass auch noch meine Kinder und Enkel in einer intakten Umwelt leben. Wenn wir
keine Bienen mehr haben, dann stirbt alles nach vier Jahren ab und wir
verhungern.« Seit einem Jahr kümmert sie sich um ihr Volk. Sie kaufte sich zum
Geburtstag eine Beute und bekam von Renate Pröfrock ein Bienenvolk geschenkt.
Auch die Dortelweiler Familie Posenenske gehört zu den Nachwuchsimkern. Mutter
Ute (47) und Tochter Sophie (8) haben zwei Völker. Vater Ralf (51) hat durch seine
beiden Imkerinnen seine Angst vor Bienen überwunden. »Ich bin mit meiner Mama
zum Bienengrund gekommen und bin begeistert von den Bienen«, sagt Sophie.
»Seit Jahren beobachte ich, dass immer weniger Bienen zu unserem
Aprikosenbäumchen kommen, um es zu bestäuben. Jetzt will ich als Imkerin
meinen Beitrag leisten«, sagt Ute Posenenske. Auch Hans-Georg Nikolaus (58)
gehört zu den Neuen: »Ich habe einen Schrebergarten, mein Nachbar hat Bienen.
Wir kamen ins Gespräch. Beim Bienenaktionstag im vergangenen Jahr informierte
er sich, schaffte sich eine Beute an, bekam ein Volk geschenkt. »Inzwischen bin ich
von der Imkerei fasziniert.« Sein Ziel: »Ich will dazu beitragen, dass Landwirte,
Obstbauern und Gärtner wieder mehr Ertrag haben, und ich freue mich auf meine
erste Honigernte.«
Artikel: http://www.giessenerallgemeine.de/regional/wetteraukreis/badvilbelkarben/art469,247600
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