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KURZBERICHT
Thema
Drogen und chronische Infektionskrankheiten in Deutschland
(DRUCK-Studie)
Schlüsselbegriffe
Ressort, Institut
Auftragnehmer(in)
Hepatitis B, Hepatitis C, HIV, Drogengebrauchende, Drogeninjektion
Bundesministerium für Gesundheit
Robert Koch Institut, Abteilung für Infektionsepidemiologie, Fachgebiet HIV/AIDS und
andere sexuell und durch Blut übertragene Infektionen
Dr. Ruth Zimmermann
Martyna Gassowski, Stine Nielsen, Joana Haussig, Wei Cai, Viviane Bremer, Ruth
Zimmermann
01.04.2012
31.01.2016
Projektleitung
Autor(en)
Beginn
Ende
Vorhabenbeschreibung, Arbeitsziele: Die DRUCK Studie diente der Feststellung, wie häufig HIV,
Hepatitis B und C bei Menschen vorkommen, die Drogen injizieren, und wie hoch der Anteil
derjenigen ist, die gegen Hepatitis B geimpft sind. Im Rahmen der Studie wurden die
Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu ihrem Wissen, zu Verhaltensweisen mit erhöhtem Risiko sich
mit HIV oder Hepatitis B oder C zu infizieren und zu Vorkehrungen zur Verhinderung einer
Ansteckung befragt. Die Studie wurde in acht deutschen Städten durchgeführt.
Durchführung, Methodik: Von 2011 bis 2014 wurden Personen, die innerhalb der letzten 12
Monate Drogen gespritzt hatten, durch ein abgewandeltes Schneeballverfahren für die Teilnahme
an der Studie gewonnen. In Einrichtungen der Drogenhilfe in Berlin, Essen, Frankfurt am Main,
Hamburg, Hannover, Köln, Leipzig und München wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer
mit Hilfe von Fragebögen befragt. Ihnen wurden Kapillarblutproben (ein Bluttropfen, der durch
einen kleinen Einstich in die Fingerkuppe gewonnen wird) entnommen, die im Labor auf HIV,
Hepatitis B und C untersucht wurden. Zusätzlich wurde den befragten Personen ein anonymer HIVSchnelltest angeboten, deren Ergebnis den Teilnehmern direkt vor Ort mitgeteilt wurde.
Die Studienteilnehmer und -teilnehmerinnen konnten zusätzlich eine Kurzberatung zur
Schließung von Wissenslücken über die genannten Erkrankungen und deren Übertragungswege
und -risiken in Anspruch nehmen. Allen befragten und getesteten Personen wurde ein
Beratungsgespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt in Zusammenhang mit der Mittelung der
Labortestergebnisse angeboten.
Zimmermann, R., et al. (2014). "A multicentre sero-behavioural survey for hepatitis B and C, HIV and HTLV among people
who inject drugs in Germany using respondent driven sampling." BMC Public Health 14(1): 845.
Ross, R. S., et al. (2013). "Detection of infections with hepatitis B virus, hepatitis C virus, and human immunodeficiency
virus by analyses of dried blood spots--performance characteristics of the ARCHITECT system and two commercial assays
for nucleic acid amplification." Virol J 10: 72.
Der Grundsatz der Gleichbehandlung von Männern und Frauen wurde durch die nach Geschlecht
getrennte Analyse und die daraus abgeleiteten Empfehlungen zur Vorbeugung berücksichtigt.
-2-
Ergebnisse: An der Studie haben 2.077 Drogenkonsumenten, darunter 23 % Frauen und 77 %
Männer, teilgenommen. Das Alter der Teilnehmenden bewegte sich in den einzelnen
Studienstädten zwischen 29 und 41 Jahren. 37 % der Teilnehmenden hatte einen
Migrationshintergrund. Die Mehrheit spritzte seit über zehn Jahren. 80 % der Teilenehmenden
hatten in den letzten 30 Tagen Drogen injiziert; 25 % gaben an, sich täglich Drogen intravenös zu
spritzen.
Zu den am Häufigsten genommenen Stoffen gehörten Heroin (74 %), Benzodiazepine (50 %), Kokain
(49%), nicht ärztlich verschriebenes Methadon (38 %), Crack (25 %) (nur Frankfurt, Hamburg und
Hannover), Methamphetamin (67 % in Leipzig) und Pregabalin (57 % in München).
Ein Großteil der Teilnehmenden war schon einmal in suchttherapeutischer Behandlung. Je nach
Stadt waren schon zwischen 57 und 89 % einmal in einer Opioidsubstitutionstherapie (OST)*, 31 bis
66 % waren zur Zeit der Studie in einer solchen Therapie.
Die Häufigkeit von HIV-Infektionen bewegte sich in den einzelnen Studienstädten zwischen 0 und
9 %, wobei insgesamt 80 % der Infizierten ihre Diagnose bereits kannten. 55 % der Infizierten waren
zur Zeit der Studie in einer Behandlung mit Medikamenten, die den Ausbruch der Krankheit
verhindern (antiretrovirale Therapie).
Die Häufigkeit von Hepatitis C-Infektionen bewegte sich zwischen 42 und 75 %. 23 – 54 % der
Infizierten hatte eine aktive Infektion, die infektiös ist und auf andere weitergegeben werden kann.
Von den behandlungsbedürftigen Hepatitis C-Infizierten wussten 85 % von ihrer Infektion, 19 %
waren nach eigener Auskunft erfolgreich behandelt worden. Die Häufigkeit von Hepatitis BInfektionen bewegte sich zwischen 5 und 33 %. In 0,3 – 2,5 % der Fälle war die Infektion chronisch.
Wie sich über den Test auf Antikörper feststellen ließ, waren zwischen 15 und 52 % der
Studienteilnehmer und –teilnehmerinnen gegen Hepatitis B geimpft.
10% der Befragten berichteten, sich in den letzten 30 Tagen Spritzen und Nadeln mit anderen
geteilt zu haben. 20% hatten Filter oder Löffel geteilt. Vor allem wenn sterile Nadeln und Spritzen
nicht ausreichend zur Verfügung stehen, werden Spritzen und/oder Nadeln gemeinsam benutzt.
Zwischen 36 und 69 % der Teilnehmenden waren zur Zeit der Studie nicht ausreichend mit sterilen
Spritzen und/oder Nadeln versorgt.
Auch Löffel, Filter und Wasser werden häufig beim Drogenkonsum geteilt, weil viele intravenös
Drogengebrauchende nicht wissen, dass Hepatitis C dadurch übertragen werden kann. Etwa ein
Fünftel der Teilnehmenden wusste nichts über diesen Übertragungsweg und 47 % der Befragten
wussten nicht, dass Hepatitis C auch durch das Teilen eines Sniefröhrchens übertragen werden
kann.
Wissenslücken zeigten sich auch bei der Hepatitis B-Impfung, noch größere beim Wissen um
Maßnahmen, die noch nach einer möglichen Infektion mit HIV ergriffen werden können
(Postexpositionsprophylaxe – PEP).
83 % der Frauen und 73 % der Männer gaben an, im letzten Jahr sexuell aktiv gewesen zu sein. Etwa
40 % der Teilnehmenden haben beim letzten Sex mit einem nicht-festen Partner kein Kondom
verwendet. 32% der Frauen und 14 % der Männer berichteten, Sex gegen Geld oder Drogen
getauscht zu haben.
81 % der Befragten waren schon einmal in Haft. 30 % der jemals Inhaftierten gaben an, sich auch
während der Haft Drogen intravenös gespritzt zu haben. Haftstrafen stellen ein weiteres Risiko für
eine Hepatitis C-Infektion dar, wie sich durch die Studie belegen lässt. Die Wahrscheinlichkeit
-3Hepatitis C positiv zu sein, steigt mit zunehmender Dauer und Häufigkeit der
Inhaftierungserfahrungen.
Zwischen 1 und 46 % der Teilnehmenden je Studienstadt nahmen das Angebot eines HIVSchnelltests an; 30 bis 80 % erhielten eine Kurzberatung zur Schließung von Wissenslücken.
*Bei einer Opioidsubstituionstherapie (OST) wird die Droge, meist Heroin, von der die behandelte Person abhängig
ist, durch ein Medikament ersetzt, das gemäß den gesetzlichen Grundlagen und Richtlinien durch einen Arzt oder
eine Ärztin verordnet wird.
Schlussfolgerungen:
Um das Wissen über Infektionskrankheiten unter Drogengebrauchenden zu verbessern, sollten
niedrigschwellige Drogenhilfeeinrichtungen Kurzberatungen anbieten. Mitarbeiter und
Mitarbeiterinnen der Drogenhilfe sollten entsprechend geschult werden.
Spritzen, Nadeln, Filter, Löffel und Wasser zur Injektion sollten bei Bedarf in allen Stellen der
Drogenhilfe ausgegeben werden. Besonders Frauen, Drogenkonsumenten unter 25 Jahren und
Personen, die sich erst seit Kurzem Drogen injizieren, sollten vor Ort durch vorbeugende
Maßnahmen erreicht werden.
Die Ärzteschaft, darunter Haftärzte und Ärzte, die Substitutionsbehandlungen durchführen, sollten
für die Hepatitis B-Impfung werben und die Impfung auch vornehmen. Beratungen und
Impfungen sollten auch in Beratungsstellen regelmäßig angeboten werden.
Personen, mit fortlaufendem Risiko sich mit HIV oder Hepatitis B oder C zu infizieren, sollten
regelmäßig HIV und Hepatitis C Tests und Beratungen angeboten werden.
Alle HIV- und Hepatitis C-positiven Personen sollten an Fachärzte und HIVSchwerpunkteinrichtungen überwiesen werden, damit geprüft werden kann, inwieweit eine
Behandlung notwendig ist und diese durchgeführt wird.
Die örtlichen Einrichtungen der Drogen- und Suchthilfe, die Substitutionsärzte und die Fachärzte
für Infektionskrankheiten und Erkrankungen der Leber (Hepatologie) sollten sich gut vernetzen.
Die Ärzteschaft (Allgemeinmedizin, Frauenheilkunde, innere Medizin, Infektiologie, Suchtmedizin)
sollte verstärkt darauf hingewiesen werden, dass Ärzte für intravenös Drogengebrauchende die
wichtigste Informationsquelle zu HIV, Hepatitis B und C darstellen.
In Justizvollzugsanstalten sollten Hepatitis B-Impfung, vertrauliche und freiwillige Tests auf
Hepatitis C und HIV mit Beratung zum Testergebnis, sowie Möglichkeiten der Behandlung
angeboten werden.
Inhaftierte, die sich Drogen spritzen, sollten Zugang zu wissenschaftlich anerkannten Maßnahmen
der Vorbeugung einer Ansteckung mit HIV, Hepatitis B und C haben.
Zimmermann, R., et al. (2014). "A multicentre sero-behavioural survey for hepatitis B and C, HIV and HTLV among people
who inject drugs in Germany using respondent driven sampling." BMC Public Health 14(1): 845.
Ross, R. S., et al. (2013). "Detection of infections with hepatitis B virus, hepatitis C virus, and human immunodeficiency
virus by analyses of dried blood spots--performance characteristics of the ARCHITECT system and two commercial assays
for nucleic acid amplification." Virol J 10: 72.
Robert Koch-Institut (RKI) (2015). "HIV, Hepatitis B und C bei injizierenden Drogengebrauchenden in Deutschland Ergebnisse der DRUCK-Studie des RKI." Epidemiologisches Bulletin 22: 191-197.
http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2015/Ausgaben/22_15.pdf
Wenz B et al., submitted for publication (BMC Public Health). “High variability of HIV and HCV seroprevalence and risk
behaviours among people who inject drugs: Results from a cross-sectional study using respondent-driven sampling in
eight German cities (2011-14)”
Umsetzung der Ergebnisse durch das BMG
Die DRUCK-Studie ist Teil des HIV-Surveillance-Konzepts des BMG. Die Ergebnisse der DRUCKStudie sind in die Strategie zur Eindämmung von HIV, Hepatitis B und C sowie anderer sexuell
übertragbarer Infektionen - BIS 2030 eingeflossen. Die Ergebnisse und Empfehlungen werden
wichtigen Beteiligten zur Verfügung gestellt. Sie fließen in die strategische Ausrichtung der Politik
des BMG zur Eindämmung von Gesundheitsgefahren ein und bieten Ansatzpunkte zur
Verbesserung der Vorbeugung vor HIV und Hepatitis B und C auf lokaler Ebene.
verwendete Literatur
European Centre for Disease Prevention and Control and European Monitoring Centre for Drugs and Drug Addiction,
Prevention and control of infectious diseases among people who inject drugs. ECDC and EMCDDA Guidance. 2011, ECDC:
Stockholm.
European Centre for Disease Prevention and Control and European Monitoring Centre for Drugs and Drug Addiction,
Evidence for the effectiveness of interventions to prevent infections among people who inject drugs; Part 1: Needle and
syringe programmes and other interventions for prevention hepatitis C, HIV and injecting risk behaviour., in Technical
Report:. 2011, ECDC: Stockholm.
Robert Koch-Institut (RKI), Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut. Epid Bull
2013, 2013. 34: p. 314-344.
Deutsche AIDS-Gesellschaft (DAIG), Deutsch-Österreichische Leitlinien zur antiretroviralen Therapie der HIV-Infektion.
2012: p. 41.
Sarrazin, C., et al., Update der S 3-Leitlinie Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Hepatitis-C-Virus(HCV)-infektion. Z
Gastroenterol, 2010. 48: p. 289 - 351.
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