Vortrag Infektionsrisiko Krankenhaus von Herrn Guggenbichler
Herr Guggenbichler hat uns in einem sehr engagierten und durch
niederbayrisches Lokalkolorit gewürzten Vortrag das Thema
nahegebracht.
Nierenkranke Patienten sind allgemein für Infektionen besonders
anfällig.
Besondere Problembereiche sind Harnwegsinfekte,
generalisierte Infektionen wie Blutvergiftung (Sepsis), und im
Krankenhaus übertragene Infektionen z.B. durch Katheter.
Einerseits können Infektionen wie chronische Harnwegsinfekte und
Nierenbeckenentzündungen zu Schrumpfnieren und damit zum
Nierenversagen
führen
genauso
wie
bei
nervenbedingter
Blasenlähmung und dadurch ausgelösten wiederholten Blaseninfekten
oder Stau in die Nieren.
Prof. Dr. J. Peter Guggenbichler
Andererseits kann im Rahmen der Erkrankung eine zusätzliche Anfälligkeit für Infekte entstehen z.B.
durch Eiweißverlust (u.a. Antikörper) bei nephrotischem Syndrom oder bei der Behandlung mit
Immunsuppressiva (z.B. Sandimmun, Cortison)
Herr Guggenbichler ging im ersten Teil auf die Problematik der Harnwegsinfekte ein.
Ursache für gehäufte Harnwegsinfekte sind Restharn, Rückfluss des Urin in die Nieren, Aufstau des Urin
in den Nieren, fehlende Hygiene. Es gibt aber auch spezielle Krankheitserreger (Bakterien), die sich
besonders gut an der Blasenschleimhaut festklammern können aber auch Menschen, deren
Blasenschleimhaut besonders empfänglich für Bakterien ist. Normalerweise kann sich die
Blasenschleimhaut direkt gegen die Bakterien wehren: Die Schleimhaut produziert verschiedene Eiweißund Zuckerstoffe. Diese verhindern entweder das Andocken der Bakterien an die Schleimhaut, sodass sie
beim nächsten Wasserlassen weggespült werden, oder sie wirken wie Antibiotika und verhindern das
Wachstum der Bakterien, oder sie töten Bakterien ab. Bestimmte häufig vorkommende Erreger der
Blasenentzündung (E.coli) haben so eine Art Arme mit denen sie sich besonders gut in der Blase
festklammern. Mit bestimmten Pflanzenstoffen aus Preisselbeer- oder Cranberrysaft lässt sich dies
teilweise verhindern und damit auch die Häufigkeit von Blasenentzündungen vermindern, wenn man den
Saft trinkt.
Im zweiten Teil wurde auf die Problematik der Infektionen im Krankenhaus eingegangen. Dies ist ein
großes Problem, da Menschen durch im Krankenhaus erworbene Infektionen schwer krank werden oder
sogar daran sterben können. Nach dem was uns dargestellt wurde, gibt es keine verlässlichen Zahlen,
wie groß das Problem wirklich in Europa ist. Die Problematik wird noch dadurch verschärft, dass immer
mehr Krankheitserreger für die gängigen Antibiotika unempfindlich werden und nur noch wenige
Medikamente wirken. (s. auch weitere Vorträge in Dresden) Besonders betroffen sind Patienten auf
Intensivstation. Außerdem steigt das Risiko je mehr Katheter jemand hat und je länger sie liegen. Es gibt
laut Herrn Guggenbichler jede Menge Veröffentlichungen über das Thema aber auch noch genauso viel
Streit darüber, wie man eine Krankenhausinfektion am sichersten erkennt, wieso und woher sich die
Krankheitserreger ausbreiten, wie häufig Krankenhausinfektionen sind (keiner will sich ja blamieren) und
vor allem wie man am besten vorbeugt.
Hauptproblem sind Katheter als Ursache der Infektion. Außerdem steigt das Risiko je mehr Katheter
jemand hat und je länger sie liegen. Die Infektion kann an der Austrittsstelle z.B. eines Dialysekatheters
sein. Das erkennt man an Rötung und Schwellung. Ist der Katheter unter der Haut ein Stück entlang
gezogen also getunnelt (z.B. Demers-Dialysekatheter), dann kann sich der Tunnel auch entzünden. Das
merkt man durch Schwellung und Rötung oder wenn es schlimmer ist kann es auch eitern. Im
schlimmsten Fall geraten die Erreger ins Blut mit Fieber und schweren Krankheitserscheinungen. Wie
hoch das Risiko für eine Infektion durch Katheter ist hängt von der Abwehrlage des Patienten ab. Das
Risiko ist z.B. höher bei Diabetes, Cortison, nach Chemotherapie, nach Nierentransplantation, bei Mangel
an weißen Blutkörperchen (Leukopenie) etc. Je weniger Patienten eine Pflegekraft betreut desto geringer
ist das Risiko. Auch die Zahl der Öffnungen (Lumen) des Katheters erhöht das Risiko. Bei
Sheldonkatheter zur Hämodialyse treten Infektionen bei 4 - 36% auf. Beim Tenckhoffkatheter (für
Bauchfelldialyse) bei 0,2-12%. Wenn der Katheter infiziert ist muss er gewechselt werden. Bei schwerer
Infektion z.B. mit Fieber und wenn die Erreger im Blut gefunden wurden wird zusätzlich mit
Antibiotiakinfusion behandelt.
Wie beuge ich vor?
Am wichtigsten peinlichste Hygiene beim Legen des Katheters und bei Verbandswechsel, anschliessen
an die Dialyse oder bei jedem Öffnen des Katheterverschluss. Dass heisst also Desinfektion und
mindestens sterile Handschuhe und Mundschutz.
Um das Wachstum der Krankheitserreger im Katheter und damit eine Streuung in den Blutkreislauf zu
verhindern, gibt es zur Zeit verschiedene Techniken. Man kann an der Eintrittsstelle desinfizierende oder
antibiotische Salben auftragen. Man kann z.B. nach der Dialyse in den Dialysekatheter eine Mischung
aus Antibiotikum und Heparin spritzen, die bis zur nächsten Dialyse drin bleibt. Man kann Katheter mit
Antibiotika von innen beschichten. Nachteil ist, dass Bakterien, die sich an der Katheterwand festgesetzt
haben, durch Antibiotika im Katheter nicht ausreichend abgetötet werden und unempfindlich auf dies
Antibiotika werden können oder sie sind von vorneherein nicht auf die verwendeten Antibiotika
empfindlich.
Herr Guggenbichler hat uns eine weitere Methode vorgestellt, die er mit entwickelt und untersucht hat.
Dabei werden Katheter von innen mit winzigen Silberteilchen beschichtet. Die aus der Oberfläche
freigesetzten Silberteilchen sollen die Bakterien abtöten. Die von ihm gezeigten Studienergebnisse
zeigten weniger Infektionen und weniger schwere fieberhafte Infektionen bei silberimprägnierten
Kathetern also vielversprechende Ergebnisse. Weitere Studien sind aber noch nötig. Nach der Meinung
von Herrn Guggenbichler sollten diese Art von Kathetern deshalb weiter verbreitet werden.
Im dritten teil wurde dargestellt, was man allgemein tun kann um Infektionen vorzubeugen.
Man kann das Anheften von Bakterien an Schleimhäute der Blase und des Darms durch Zuckerstoffe
verhindern, die die Andockstellen für Bakterien blockieren. Diese sind z.B. im Preiselbeer- oder
Cranberrysaft, in der Muttermilch, in Orangen, Bananen, Äpfeln, Karotten vorhanden.
Man kann die natürliche Darmflora z.B. nach Antibiotikabehandlung wieder aufbauen und damit die
natürlichen Abwehrkräfte der Schleimhaut gegen krankmachende Bakterien stärken. Aber Achtung
Präparate die lebende Darmbakterien, Hefen oder Milchsäurebakterien zum Aufbau der natürlichen
Darmflora enthalten dürfen nicht nach Nierentransplantation oder bei Behandlung mit Immunsuppresiva
z.B. Sandimmun oder Cortison o.ä. genommen werden.
Bei Neigung zu Harnwegsinfekten hilft teilweise Ansäuern des Urin z.B. durch Essen von Zitrusfrüchten.
(Sandimmun soll aber nicht zusammen mit Grapefruit genommen werden)
Abgetötete Bakterien als Kapseln zum Schlucken können eine vermehrte Ausschüttung von
Abwehreiweißen (IgA) durch die Schleimhaut fördern z.B. bei Durchfall und nach Antibiotikabehandlung.
Antje Karau
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