Albert Zink erklärt, wie Forscher nach mehr als 20 Jahren Arbeit

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Geschichte
«Die ältesten Tattoos Europas»
Mit Albert Zink sprach Barbara Reye. Aktualisiert am 31.01.2015
Albert Zink erklärt, wie Forscher nach mehr als 20 Jahren Arbeit weitere Tattoos auf Ötzis
Brust entdeckt haben.
Sind bei Ötzis jetzt gefundenen Tätowierungen auch Totenköpfe oder sakrale Symbole
zu sehen?
Nein, es sind nach wie vor nur Striche, die bis zu vier Zentimeter lang sind. Meistens sind sie
in Gruppen und parallel angeordnet. An zwei Stellen hat man früher auch Kreuze gefunden.
In Südamerika gibt es eine nochmals um circa 1000 Jahre ältere Mumie als Ötzi, die
Tiersymbole aufweist. Das Besondere an Ötzis 5300 Jahre alten Tätowierungen ist, dass sie
die ältesten in Europa sind. Er hatte insgesamt 61 Striche, in 19 Gruppen über den Körper
verteilt.
Warum hatte Ötzi sich Tattoos am unteren Rücken, an den Beinen und Fuss- und
Kniegelenken überhaupt machen lassen?
An diesen Stellen hatte er gesundheitliche Probleme. Deshalb haben wir die Tätowierungen
dort auch stets mit einer Schmerzbehandlung in Verbindung gebracht. Jetzt kommt aber eine
neue Tattoo-Gruppe auf der Vorderseite des Oberkörpers dazu, auf der Brustseite. Vielle icht
litt er aufgrund von Gefässverkalkungen unter Bruststechen? Oder seine Gallenblasensteine
schmerzten? Doch dies können wir im Gegensatz zu den anderen Beschwerden nicht belegen.
Könnten die Strichcodes auch die Zahl seiner Kinder darstellen?
Man könnte da noch viel hineininterpretieren. Zum Beispiel wie viele Feinde er auf dem
Gewissen hat. Doch für solche Spekulationen gibt es gar keine wissenschaftlichen
Anhaltspunkte.
Wie wurden Ötzis Tattoos gemacht?
Sie wurden in die Haut geritzt, vermutlich mit einer Steinklinge, dann wurde Kohlepulver
reingerieben.
Ötzi wurde im September 1991 im Eis der Ötztaler Alpen entdeckt. Warum hat man
erst jetzt die anderen Tätowierungen bemerkt?
Das Problem ist, dass es sehr schwierig ist, auf der dunklen Mumienhaut irgendetwas zu
erkennen. Experten aus Rom haben für uns jetzt die multispektrale Fotografie mit
Wellenlängen vom ultravioletten bis infraroten Bereich angewende t. Diese Technik setzen
sie unter anderem ein, um bei Gemälden festzustellen, ob sich unter dem Bild noch ein
zweites oder eine Zeichnung verbirgt.
Ötzi hatte Eier des Peitschenwurms im Darm, Flöhe in der Kleidung, Hirschlausfliegen
im Fellmantel, eine Laktoseunverträglichkeit und Arthrose. Weiss man nun über den
«Steinzeit-Patienten» alles?
Grosse Entdeckungen wie etwa seine letzte Mahlzeit, die aus Steinbock- und Hirschfleisch
bestand, lassen sich vermutlich nicht mehr machen. Doch dank neuer Methoden – wie bei den
Tattoos – kann man im Detail noch recht viel entdecken. Derzeit untersuchen wir den Magen
beispielsweise nach Krankheitserregern. Ötzi wird uns sicherlich noch die nächsten Jahre
beschäftigen.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 30.01.2015, 21:16 Uhr
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