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Medienmitteilung vom 21. November 2012
Stammzellen kranker Patienten können den Herzmuskel noch
nicht reparieren
Eine Stammzelltherapie bei Herzinfarktpatienten bringt nicht den gewünschten
Erfolg. Das könnte daran liegen, dass die Stammzellen kranker Patienten in
ihrer Funktion so gestört sind, dass sie den kranken Herzmuskel nicht
reparieren können. Das ist das Ergebnis von zwei Studien, die Kardiologen des
UniversitätsSpitals Zürich unlängst präsentierten.
Die SWISS AMI-Studie, deren Ergebnisse soeben auf der Jahrestagung der American Heart
Association in Los Angeles von Prof. Roberto Corti, Leiter des Andreas-GrüntzigHerzathterlabors der Klinik für Kardiologie am UniversitätsSpital Zürich, und Dr. Daniel Sürder
von der Fondazione Cardiocentro Ticino in Lugano vorgestellt wurden, sollte klären, ob die
frühe oder späte Gabe von Stammzellen nach einem Infarkt eine bessere Wirkung auf die
Pumpleistung des Herzens hat. Insgesamt wurden 200 Patienten in die Studie
eingeschlossen. Ihnen wurden körpereigene Stammzellen aus dem Knochenmark
entnommen, die im Labor isoliert und konzentriert wurden.
Per Losverfahren wurden die Patienten in drei Gruppen aufgeteilt: Eine Gruppe erhielt keine
Stammzellen, wurde aber sonst nach allen Regeln der ärztlichen Kunst behandelt. Die zwei
anderen Gruppen wurden entweder fünf bis sieben Tage oder drei bis vier Wochen nach
ihrem Herzinfarkt mit Zellen behandelt, welche direkt in das betroffene Herzkranzgefäss
verabreicht wurden. Bei allen Patienten wurden in den ersten Tagen nach dem Infarkt mit
einem Kernspintomogramm (MRI) des Herzens die Herzleistung und Infarktgrösse
gemessen. Die Untersuchung wurde nach vier und zwölf Monaten wiederholt.
Nach vier Monaten hatte sich die Herzleistung der Kontrollgruppe leicht verschlechtert,
während sie sich bei der mit Stammzellen behandelten Patienten-Gruppe leicht verbesserte.
Die Wirkung der Zelltherapie war jedoch mit 2% deutlich geringer als erhofft und statistisch
nicht signifikant. Lediglich eine Subgruppe hatte einen relevanten Therapieerfolg zu
verzeichnen. Sie setzte sich aus Patienten zusammen, bei denen das verschlossene
Herzkranzgefäss sehr schnell wieder eröffnet werden konnte. „Eigentlich hatten wir mit
besseren Resultaten gerechnet“, sagt Roberto Corti. Tierversuche und erste Studien am
Menschen hätten vielversprechende Ergebnisse gezeigt. „Ob die Stammzellen die
Herzerweiterung verhindern können, die nach einem Infarkt auftritt, können wir aber erst
sagen, wenn wir die Daten der ersten zwölf Monate ausgewertet haben“, sagt Prof. Lüscher,
Direktor der Klinik für Kardiologie am UniversitätsSpital Zürich.
UniversitätsSpital Zürich, Unternehmenskommunikation
Rämistrasse 100, 8091 Zürich, Tel. +41 (0)44 255 86 20, [email protected]
Die SWISS AMI-Studie ist die erste schweizerische Stammzell-Studie. Sie wird gemeinsam
durchgeführt vom UniversitätsSpital Zürich, dem Cardiocentro Ticino, dem Inselspital Bern
und dem Luzerner Kantonsspital.
Eine Erklärung für die unerwartet schlechten Resultate der Stammzelltherapie liefert eine
zweite Studie eines interdisziplinären Forschungsteams unter der Leitung von Dr. Philipp
Jakob von der Universität Zürich und Prof. Ulf Landmesser von der Kardiologie des
UniversitätsSpitals Zürich. Die Studie, die soeben im Fachblatt „Circulation“ veröffentlicht
wurde, untersuchte die Reparaturfähigkeit von aus dem Knochenmark mobilisierten
Stammzellen von Herzinfarktpatienten und von gesunden Probanden. Die Zellen injizierten
die Forscher in das Infarktgebiet des Herzmuskels von Mäusen. Wie erwartet, konnten die
gesunden Zellen die Bildung neuer Gefässe anregen, was zu einer verbesserten
Durchblutung des Herzmuskels und in der Folge zu einer verbesserten Herzfunktion führt. Die
Stammzellen kranker Patienten waren dazu nicht in der Lage. „Stammzellen kranker
Patienten haben ihre regenerative Fähigkeit verloren“, sagt Prof. Ulf Landmesser vom
UniversitätsSpital Zürich. Nun müsse man Wege finden, um die Reparaturfähigkeit dieser
Zellen vor einer Therapie zu verbessern. Erste Ideen dazu existierten bereits.
Philipp Jakob et al: Loss of AngiomiR-126 and 130a in Angiogenic Early Outgrowth Cells from
Patients with Chronic Heart Failure: Role for Impaired in vivo Neovascularization and Cardiac
Repair Capacity (Circulation. 2012 Nov7.)
Daniel Sürder et al: Intracoronary injection of bone marrow derived mononuclear cells early or
late after acute myocardial infarction: Effects on global LV-function - Four months results of
the SWISS-AMI trial. Late-Breaking Clinical Trial Session at the American Heart Association,
Los Angeles, USA, November 12, 2012
Ansprechpartner für Fragen:
Prof. Dr. med. Thomas F. Lüscher
Direktor der Klinik für Kardiologie des UniversitätsSpitals Zürich
Tel.: 044 255 21 21; E-Mail: [email protected]
Prof. Dr. med. Ulf Landmesser
Leitender Arzt der Klinik für Kardiologie des UniversitätsSpitals Zürich
Tel.: 044 044 255 95 95; E-Mail: [email protected]
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Rämistrasse 100, 8091 Zürich, Tel. +41 (0)44 255 86 20, [email protected]
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