Aufmerksamkeitsdefizit- Hyperaktivitäts

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Familie und Jugend, Bildung und Erziehung
AufmerksamkeitsdefizitHyperaktivitäts-Syndrom (ADHS)
im Vorschulalter
Information und Diskussion für
pädagogische Fachkräfte
Fachtagung am 25.03.2010 in der
Hanns-Seidel-Stiftung München
Unterstützt durch:
Psychotherapeutenkammer Bayern
Landesverband der Betriebskrankenkassen in Bayern
Familie und Jugend, Bildung und Erziehung
AufmerksamkeitsdefizitHyperaktivitäts-Syndrom (ADHS)
im Vorschulalter
Information und Diskussion für
pädagogische Fachkräfte
Fachtagung am 25.03.2010 in der
Hanns-Seidel-Stiftung München
Unterstützt durch:
Psychotherapeutenkammer Bayern
Landesverband der Betriebskrankenkassen in Bayern
Vortrag
Früherkennung von Verhaltensauffälligkeiten, Möglichkeiten und Grenzen der
Diagnostik
Toni Mayr, Dipl.-Psych., Staatsinstitut für Frühpädagogik, München;
Freie Universität Bozen
In Kindertageseinrichtungen befinden sich relativ viele Kinder „mit besonderen
Bedürfnissen“, die einer erhöhten Aufmerksamkeit und Unterstützung bedürfen. Obwohl viele
dieser Kinder frühe, präventive Hilfen brauchen und solche Hilfen selbst bei
Hochrisikogruppen erfolgreich sein können, wird insgesamt gesehen, noch zu selten etwas
unternommen. In Deutschland erhalten selbst bei Entwicklungsstörungen nur etwa zwei
Drittel der Kinder auch Frühförderung. Noch wesentlich größer sind die Versorgungsdefizite
bei „Risikokindern“.
Wenn keine Hilfe erfolgt, hat dies im Wesentlichen drei Gründe: (a) Probleme werden nicht
erkannt; (b) es fehlt die Bereitschaft, Hilfe aufzusuchen; (c) geeignete Hilfen sind nicht bzw.
schwer zugänglich. Um Entwicklungsprobleme früher zu erkennen und frühe Hilfen
einzuleiten, ist es notwendig, pädagogische Fachkräfte systematischer als bisher
einzubeziehen. In Kindertageseinrichtungen bieten sich dafür gute Voraussetzungen.
Aufgabe pädagogischer Fachkräfte bei der Früherkennung von Entwicklungsproblemen ist
es nicht, festzustellen, ob bei einem Kind eine Störung vorliegt oder ob diese oder jene
Therapie angezeigt ist. Sie sollen vielmehr „Screeningaufgaben“ übernehmen. „Screening“
soll die Frage beantworten, ob ein Kind durch einen Arzt oder Fachdienst genauer
untersucht werden sollte. Demgegenüber soll Diagnostik klären, ob ein
behandlungsbedürftiges Problem vorliegt und welcher Art dieses Problem genau ist. Dies ist
der Aufgabenbereich von Ärzten und Fachdiensten.
Früherkennung in Kindertageseinrichtungen ist als Prozess zu sehen. Wichtige Stufen sind:
Die gezielte Beobachtung der Kinder, die Reflexion von Beobachtungsergebnissen, das
Fallgespräch im Team, das Gespräch mit Eltern und die Zusammenarbeit mit Fachdiensten.
Literatur
Mayr, T. (2008). Früherkennung in Kindertageseinrichtungen als Prozess – ein Stufenmodell.
In D. Diskowski und L. Pesch (Hrsg.), Familien stützen - Kinder schützen (199-213). Weimar
Berlin: Verlag das Netz.
Mayr, T. (2010). Entwicklungsauffällige Kinder im Blick - Früherkennung und frühe Hilfen.
kindergarten heute (im Druck).
Vortrag
ADHS im Vorschulalter: Symptomatik, Krankheit oder Normvariante?
Dr. Tanja Wolff-Metternich, Dipl.-Psych., Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und
Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters, Universität Köln
Im Vortrag sollen spezielle Besonderheiten des Vorschulalters bei der Vergabe der
möglichen Diagnose ADHS beschrieben werden: In den gängigen Klassifikationssystemen
psychischer Störungen ist derzeit eine Vergabe der Diagnose erst ab einem Alter von 6
Jahren vorgesehen. Soll die Diagnose aber im Schulalter vergeben werden, verlangen die
Klassifikationssysteme, dass die Symptome bereits vor dem 6. Lebensjahr existiert haben
müssen. Zudem können bereits in der Phase des Vorschulalters deutlich ausgeprägte
Symptome von Aufmerksamkeitsstörung, Impulsivität und motorischer Unruhe zu massiven
Beeinträchtigungen führen und die Beziehungen des Kindes zu seinen Bezugspersonen und
zu Gleichaltrigen können deutlich belastet sein. Neben einem Anteil an Kindern, bei denen
die Symptome tatsächlich bis zum Schulalter nachlassen, verbirgt sich in der Gruppe der
Vorschulkinder mit ADHS-Symptomen auch eine Hochrisikogruppe mit problematischer
Prognose, bei denen besonders zu früher Behandlung geraten wird. In Studien konnte
gezeigt werden, dass Kinder, die mit 3 Jahren ADHS Auffälligkeiten zeigen, ein deutlich
erhöhtes Risiko tragen, dass diese Symptome bis ins Schulalter hinein bestehen bleiben,
wenn sie zusätzlich zu den ADHS Symptomen auch ausgeprägt oppositionell-aggressives
Problemverhalten zeigen, sowie dann, wenn die Eltern der Kinder einen negativkontrollierenden, harschen Erziehungsstil zeigen.
Es werden im Weiteren Daten aus epidemiologischen Studien, geeignete
Diagnostikinstrumente zur Symptomerfassung für diese Altersgruppe sowie sinnvolle
präventive wie therapeutische Herangehensweisen im Überblick dargestellt.
Vortrag
Auswirkungen von Regulationsstörungen und gestörten Beziehungen
Dr. E. Fremmer-Bombik, Dipl.-Psych., Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie,
Regensburg/Amberg
Frühe Beziehungs- und Interaktionsprobleme, wie desorganisierte Bindungsbeziehungen
und im extremen Fall Bindungsstörungen, führen in der weiteren Kindheit vermehrt zu
kontrollierendem Verhalten gegenüber den Bindungsfiguren, einem Versuch des Kindes die
chaotische Umwelt vorhersagbar zu machen. Sie stehen in Zusammenhang mit vielfältigen
Verhaltensproblemen, vor allem im sozialen Bereich. Studien an schwer deprivierten Kindern
zeigen, dass diese häufig, trotz Adoption in eine fürsorgliche Familie,
Aufmerksamkeitsprobleme mit Hyperaktivität und Impulsivität entwickeln. Frühe
Regulationsprobleme stehen nur dann in Zusammenhang mit späteren Auffälligkeiten, wenn
sie gehäuft und über einen längeren Zeitraum auftreten; Kinder mit nur einer frühen
Regulationsstörung haben eine gute Prognose. Psychosoziale Risikofaktoren, wie Armut,
psychisch kranke Eltern, alleinerziehende Eltern usw. wirken sich ebenfalls sehr negativ auf
die Entwicklung von Kindern aus. Zwillingsstudien zeigen, dass genetische Dispositionen
sich besonders deutlich in der Entwicklung von ADHS durchsetzen. Alle diese Risikofaktoren
haben vor allem dann negative Konsequenzen für die Entwicklung, wenn sie zusammen
auftreten. Einfache Ursache-Wirkungszusammenhänge gibt es aber nicht, vor allem keine
eindeutige Vorhersage, dass aus einem bestimmten Risikofaktor eine bestimmte Störung
entstehen würde (Multifinalität). Außerdem ist die Wirkungsrichtung nicht immer klar, so
machen es schwierige Kinder ihren Eltern sehr viel schwerer positiv zu interagieren. Sie
brauchen deutlich mehr Feinfühligkeit, um dennoch eine sichere Bindung aufzubauen. Die
Entwicklung des menschlichen Gehirns, am Beispiel der Spiegelneuronen bereits recht gut
nachgewiesen, ist von der Zeugung an von Risikofaktoren negativ beeinflussbar. Aber mit
seiner enormen Formbarkeit in jedem Lebensalter spielt es wohl eine entscheidende Rolle,
wie verletzlich ein Kind ist und wie sich z.B. ADHS letztlich auf den Lebenslauf auswirkt.
Risiko- und Schutzfaktoren sind identifizierbar und beeinflussbar. Es besteht die begründete
Hoffnung, dass frühe Hilfen, die die psychosozialen Umstände und die Interaktion zwischen
Mutter und Kind verbessern, Regulationsprobleme behandeln und so die strukturelle
Entwicklung des kindlichen Gehirns positiv beeinflussen, eine genetisch angelegte ADHS
einen leichteren Verlauf nehmen lassen können.
Literatur
Süß, G.; Scheuerer-Englisch, H. & Pfeifer, W-K. (Hrsg.) (2003). Wege zur Sicherheit:
Bindungswissen in Diagnostik und Intervention. Psychosozial-Verlag.
Papoušek, M.; Schieche, M. & Wurmser, H. (Hrsg.) (2004).
Regulationsstörungen der frühen Kindheit. Frühe Risiken und Hilfen im Entwicklungskontext
der Eltern-Kind-Beziehungen. Huber.
Perry, B.D.; Szalavitz, M. (2006). Der Junge, der wie ein Hund gehalten wurde. Was
traumatisierte Kinder uns über Leid, Liebe und Heilung lehren können. Kösel Verlag
Kummetat, V. (2007). Bindung und ADHS. Dissertation. Universität Köln
Workshop 1
Umgang mit Hyperaktivität, Impulsivität und Aggressivität in der
Kindertageseinrichtung
Franziska Rützel-Richthammer, Dipl.-Soz.-Päd., Leiterin des Beratungsfachdienstes
für Kindertageseinrichtungen der Stadt München
Edeltraud Schlipf, Heilpädagogin, Mitarbeiterin des Beratungsfachdienstes für
Kindertageseinrichtungen der Stadt München
„Zappel-Philipp, Traumsuse, Wackelpeter, Streithansl, Trotzkopf...“
Welche pädagogische Fachkraft kennt nicht solche Kinder, die nicht stillsitzen können, sich
leicht ablenken lassen, explosiv reagieren, nicht zuhören können, chaotisch oder abwesend
wirken ?
Mit diesen unterschiedlichen Phänomenen kindlichen Verhaltens sehen sich die
Erziehungsfachkräfte in Kindertageseinrichtungen (Kindergarten und Hort) tagtäglich
konfrontiert. In Verbindung mit dem Bildungsauftrag: „...dem Kind zu helfen, sich selbst zu
organisieren, ein Bild über seine Stärken und Schwächen zu gewinnen und dadurch ein
gesundes Selbstwertgefühl zu entwickeln“ (lt. Bay. Bildungs- und Erziehungsplan 2006),
stellt sich für diese Fachkräfte im Umgang mit potentiell „auffälligen“ Kindern die
grundlegende Frage: „wie können wir diese Aufgabe meistern ?“
Im Kindergartenalter stehen die Persönlichkeitsentfaltung, die Bewältigung individueller
Entwicklungsaufgaben und Lernschritte des Kindes im Mittelpunkt des pädagogischen
Angebotes. In diesem Rahmen ist Gestaltungsspielraum für Kinder mit ADHS auch ihre
kreativen, bewegungsfreudigen, kommunikativen und neugierigen Seiten einzubringen und
somit ihre vorhandenen Stärken als solche zu erfahren.
Mit dem Schuleintritt werden durch Leistungsanforderungen, Lernzielvorgaben und
Bewertungskategorien zusätzliche Maßstäbe an das Verhalten und die Anpassungsfähigkeit
des Kindes gelegt. Das hat oft zur Folge, dass Schulkinder mit ADHS eine innere
Anspannung erleben sowie Frustrationsgefühle und Versagensängste entwickeln, die ihr
positives Selbstbild nachhaltig beeinträchtigen können.
Um diesen Belastungsfaktoren effektiv entgegenzuwirken, sollen pädagogische
Interventionen darauf abzielen, diese Kinder in ihrem „So-Sein“ anzunehmen und als
Personen wertzuschätzen. Die individuelle Unterstützung durch pädagogische Fachkräfte
vermittelt hinreichend Struktur und Orientierung, damit das Kind sein Potential entfalten und
konstruktiv umsetzen kann.
Nicht nur Kindertageseinrichtungen sind in besonderer Weise im Umgang mit Kindern mit
ADHS gefordert. Auch die Eltern sind meist sehr belastet, erleben sich inkompetent in der
Erziehung und fühlen sich oftmals mit ihren spezifischen Problemen allein gelassen.
In der Zusammenarbeit mit den Eltern sind Fachkompetenz, Offenheit und Vertrauen eine
wichtige Basis für das Aushandeln gemeinsamer Ziele und, je nach Bedarf, für die
Entscheidung über eine Zuschaltung weiterer Hilfen.
In diesem Workshop werden praxisbezogene Handlungsstrategien im pädagogischen
Umgang mit Kindern mit ADHS aufgezeigt und ausgewählte Themenschwerpunkte
einbezogen, wie z.B.:
• Ressourcenaktivierung und Kompetenzstärkung (Fachkräfte, Eltern, Kinder)
• Gelingende Kommunikation mit dem Kind mit ADHS
• Rollenverständnis und Wertehaltung der Fachkräfte
• Günstige Gestaltung von Rahmenbedingungen
• Kooperation mit Eltern, Lehrkräften, Beratungsstellen und Therapeuten
Literatur
Lauth, G., Schlottke, P., Naumann, K. (2001). Rastlose Kinder, ratlose Eltern. Dtv.
Neuhaus, C. (2002). Das hyperaktive Kind und seine Probleme. Ravensburger Verlag.
Aust-Claus E., Hammer, P.-M. (2005). Das A-D-S-Buch: Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom –
Neue Konzentrationshilfen für Zappelphilippe und Träumer. Oberstebrink Verlag.
Wolf-Wedigo, W. (1999). Hyperaktive und unruhige Kinder im Kindergarten – Hilfen für
Erzieherinnen. Herder Verlag.
Born, A., Oehler, C. (2009). Lernen mit ADS-Kindern. Kohlhammer Verlag.
Döpfner, M., Schürmann, S., Lehmkuhl, G. (2000). Wackelpeter und Trotzkopf – Hilfen bei
hyperkinetischem und oppositionellem Verhalten. Beltz, Psychologie Verlags Union.
Schäfer, U. (2003). Tim Zippelzappel und Philipp Wippelwappel – Eine Geschichte für Kinder
mit ADHS-Syndrom. Verlag Hans Huber.
Döpfner, M., Schürmann, S., Frölich, J. (1997). Therapieprogramm für Kinder mit
hyperkinetischem und oppositionellem Problemverhalten. Beltz, Psychologie Verlags Union.
Krowatschek, D. (2000). Überaktive Kinder im Unterricht – Ein Programm zur Förderung
unruhiger Kinder im Unterricht und in der Gruppe. Borgmann Publishing.
Leitfaden ADS / ADHS - Informationsbroschüre des Hamburger Arbeitskreises –
Lilly Deutschland (2004). Bad Homburg.
Internetadressen
www.adhs.de
www.bv-ah.de (ADHS Deutschland e.V.)
www.ads-ec.de
www.mehr-vom-tag.de
www.bv-auek.de
www.zappelphilipp.de
Workshop 2
Erkennen von ADHS, Kriterien
Dr. Anton Lindermüller, Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie, München
Die Aufmerksamkeitsdefizithyperaktivitätsstörung, kurz ADHS, ist mit einer Prävalenz von ca.
5 % eine der häufigsten kinder- und jugendpsychiatrischen Störungen. Damit kommt
zwangsläufig jede Erzieherin und jeder Erzieher in seinem Arbeitsalltag damit in Berührung.
Aufmerksamkeitsstörung, Hyperaktivität und Impulsivität sind schlagwortartig die Symptome,
die auf eine ADHS hinweisen. Doch wie sehen diese Symptome speziell im Vorschulalter
aus? Wie kann man sie von den in diesem Alter „normalen“ Symptomen unterscheiden.
Im Workshop werden die Aufmerksamkeitsentwicklung aus entwicklungspsychologischer
Sicht dargestellt und die Voraussetzungen dargestellt, die es zur Entwicklung von
Selbstkontrolle braucht. Dabei spielen Exekutivfunktionen eine wichtige Rolle. Sekundäre
Begleitprobleme von ADHS Kindern wie soziale Interaktionsprobleme, oppositionelles
Trotzverhalten, Unfall- und Risikobereitschaft stellen ein weiteres wichtiges Kapitel des
Workshops dar, ebenso wie positive Begleiterscheinungen und positive Kompetenzbereiche
von Kindern mit einer ADHS. Durch den Einsatz von Fragebogenverfahren und Checklisten
werden Kriterien erarbeitet, die den Verdacht auf ADHS erhärten. Schließlich werden
Anregungen für Elterngespräche gegeben. Abschließend wird die Frage behandelt, wie es
nach dem Verdacht weitergehen kann, indem kurz auf die Untersuchungsmöglichkeiten in
einer kinder- und jugendpsychiatrischen Praxis eingegangen wird.
Workshop 3
Aufklärung und Beratung von Eltern
Barbara Mohr-Modes, Dipl. Päd., Fachakademie für Heilpädagogik, Regensburg
Laut BayKiBiG und BayBEP ist eine Bildungs- und Erziehungspartnerschaft als gemeinsame
Entwicklungsaufgabe von Eltern und Kindertageseinrichtungen wichtig für alle Beteiligten
und besonders für die Kinder. Diese Partnerschaft erfordert eine gegenseitige transparente
und respektvolle Kommunikation.
Eine personzentrierte Grundhaltung (gegenseitige Wertschätzung, Empathie und Echtheit) in
der Aufklärung und Beratungssituation unterstützt eine partnerschaftliche Kommunikation.
Eine klar strukturierte Gesprächsführung fördert eine informative Aufklärung von lern- und
verhaltenspädagogischem Fachwissen bzw. Austausch von Expertise zwischen
Pädagogen/innen, Eltern und anwesenden Therapeuten/innen.
In diesem Workshop wird ein personzentriertes Gesprächsmodell vorgestellt, welches sich
aus den Erfahrungen einer langjährigen familientherapeutischen Beratungstätigkeit
entwickelt hat. Nach diesem Gesprächsmodell wird gemeinsam durch Beantwortung
folgender Fragestellungen ein Fallbeispiel mit einer ADS-Konfliktthematik erarbeitet:
Wie kann sich auf das Elterngespräch gründlich und das Thema eingrenzend vorbereitet
werden? (Schema zur kontextuellen Betrachtung)
Was wollen die Eltern von uns und was wollen wir von den Eltern? (Zielsetzung des
Gesprächs)
Wer sagt was, wann und wie? (personzentrierte Gesprächsstruktur und ein paar allgemeine
Formulierungstipps)
Typische bzw. weitere Problemfelder der AD(H)S Symptomatik können von den WorkshopTeilnehmer/innen in der Schlussdiskussion eingebracht und im Austausch besprochen
werden.
Workshop 4 und 8 (Teilbeitrag)
Hilfsangebote im Kontext von Kinder- und Jugendhilfe, Psychologie,
Psychotherapie und Medizin
Peter Lehndorfer, Dipl.-Soz.-Päd., Vizepräsident der Psychotherapeutenkammer
Bayern
Im Kontext ambulanter psychotherapeutischer Behandlung von Kindern mit ADHS gibt es
mehrere Schwerpunkte. Erstens: Individuell angepasste Therapie- bzw.
Trainingsprogramme, die gezielt auf die Problematik (Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität,
oppositionelles Verhalten) fokussieren. Dazu gibt es gut ausgearbeitete und evaluierte
Programme, die für Kinder und deren Familien geeignet sind. Zweitens: Behandlung der
ADHS Symptomatik und damit verbundener komorbider psychischer Beeinträchtigungen wie
Depressionen, Angststörungen oder Schwierigkeiten in der Regulation eigener Gefühle mit
genuin psychotherapeutischen Methoden. Dies erfolgt unter entwicklungspsychologischer
Perspektive, wobei entweder die Lerngeschichte des Kindes im Mittelpunkt steht und nach
einer individuellen Verhaltensanalyse eine verhaltenstherapeutische Intervention geplant
wird, oder unter psychodynamischer Perspektive, in der, unter Einbeziehung der
lebensgeschichtlichen Erfahrungen, die Psychodynamik der Störung entwickelt wird. Dabei
werden unbewusste oder nur teilweise bewusste innere Konflikte aufgedeckt, die bei
konfliktbehafteten Beziehungsmustern mit nahestehenden Personen oder im Moment von
Verlust, Versagungs- oder Enttäuschungserlebnissen zum Entstehen der ADHS
Symptomatik beitragen können oder diese aufrecht erhalten. Längerfristige
tiefenpsychologische und analytische Psychotherapien zielen darauf ab, in der
therapeutischen Beziehung eine Wiederbelebung konfliktbehafteter Interaktionsmuster zu
ermöglichen, um sie dann therapeutisch bearbeiten und verändern zu können. Themen sind
dabei insbesondere die Beziehungs- und Bindungserfahrungen der Kinder, potentielle
pränatale Traumatisierungen der Mutter, früher Stress und Traumatisierungen. Hier ist die
Einbeziehung der primären Bezugspersonen der Kinder ein wesentliches Element. Daraus
ergibt sich Drittens: Im Rahmen familientherapeutischer Ansätze wird mit den
Familienmitgliedern ein Verständnis gefördert, das nicht nur die individuellen Symptome und
Beeinträchtigungen des betroffenen Kindes in den Mittelpunkt rückt, sondern diese
Symptome als Ausdruck der Familiendynamik interpretiert. Im Fokus stehen hier
beispielsweise der Erziehungsstil, der Geschwisterstatus oder familiäre Belastungen.
Workshop 4 und 8 (Teilbeitrag)
Hilfsangebote im Kontext von Kinder- und Jugendhilfe, Psychologie,
Psychotherapie und Medizin
Susanne Röder, Ltd. Dipl.-Psychologin, Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie,
Psychotherapie und Psychosomatik, Bezirkskrankenhaus Landshut
Die Inanspruchnahme kinderpsychiatrischer Diagnostik und Behandlung von Kindergartenoder Krippenkindern verläuft im Vergleich zu älteren Kindern immer noch zögerlich. Häufig
macht erst die anstehende Einschulung oder gar das rasche Versagen bei Schulbeginn
entsprechenden Vorstellungsdruck. Studien zeigen, dass bei mindestens 5 % aller
Kindergartenkinder eine psychische Erkrankung vorliegt. Eine frühe Behandlung ist nicht nur
effektiv, sondern auch ökonomisch.
Kinderpsychiatrische Kliniken bieten ambulante, teilstationäre und vollstationäre
Behandlungen an. Gerade für junge Kinder, deren Integration in eine Regelgruppe aufgrund
bestehender psychischer Erkrankungen und Entwicklungsverzögerungen unbefriedigend
verläuft, stellen teilstationäre Behandlungen ein ideales Setting dar. Neben dem intensiven
und mehrdimensionalen Therapieangebot profitieren die Kinder vom Erhalt der familiären
Integration und dem starken Einbezug der Eltern in die Behandlung.
Vorstellungen in der Kinderpsychiatrie werden meist durch Kinderarzt, Kinderkrippe oder
Kindergarten initiiert. Den Schwerpunkt bilden expansive Störungen wie Unruhe,
Aggressivität, zumeist begleitet von Entwicklungsverzögerungen und deutlich ausgeprägten
psychosozialen Belastungen. An der multifaktoriellen Bedingtheit der Störungsbilder besteht
kein Zweifel. Entsprechend sind Diagnostik und Behandlung breit und langfristig angelegt
und beziehen das wichtigste Bezugssystem des jungen Kindes, die Familie, intensiv mit ein.
Auch Störungen der Aufmerksamkeit und Aktivität unterliegen einer wechselnden
Beeinflussung reifungsbedingter, emotionaler und psychosozialer Faktoren. Die Fähigkeit,
sich bewusst auf eine fremdgesetzte Aufgabe einzustellen, etwas zielstrebig zu bewältigen,
muss auch unter dem Aspekt erhöhter energetischer Anforderung betrachtet werden. Sie
steht also nicht nur in Bezug zum Lebensalter, sondern auch in Bezug zum gesamten
Entwicklungs- und Gesundheitsstand.
Eine umfassende Behandlung beginnt mit dem Aufbau einer tragfähigen Beziehung zum
Kind und der Vorstrukturierung von Spiel- und Beschäftigungssituationen, die geeignet sind,
eine intensive und konzentrierte Atmosphäre herzustellen. Eine hohe Bedeutung kommt der
sprachlichen und strukturellen Steuerung der Situation zu. Spielverlauf, Spielregeln,
Spielziele oder lebenspraktische Anforderungen werden verbalisiert, um impulsives und
ungesteuertes Handeln zu begrenzen und den Aufbau eines Handlungsplanes zu fördern.
Durch die Verbalisation konstruktiver Handlungen des Kindes wird dessen Aufmerksamkeit
auf die gewünschten Aspekte gelenkt. Das Kind wird stimuliert, alternative Denk- und
Handlungsprozesse zu entwickeln. Bei Ablenkung wird das Kind verbal oder aktional zur
Aufgabe bzw. zum Spiel zurückgeführt. Nimmt die Außensteuerung zunächst einen großen
Spielraum ein, verlangt der spätere Behandlungsverlauf die Selbststeuerungsfähigkeit des
Kindes – z.B. durch Verstärkersysteme – zu verbessern und die Anforderungen zu steigern.
Der Transfer der Behandlungserfolge in das Elternhaus oder die Regelgruppe sollte fester
Bestandteil der Behandlung sein.
Workshop 4 und 8 (Teilbeitrag)
Hilfsangebote im Kontext von Kinder- und Jugendhilfe, Psychologie,
Psychotherapie und Medizin
Hans Hillmeier, Dipl. Psych., Bayerisches Landesjugendamt München
ADHS beginnt früh und kann gravierende Folgen für den gesamten Lebensverlauf mit sich
bringen. Nicht selten gehen weitere Symptome wie z.B. Störungen im Sozialverhalten,
Neigung zu Unfällen, Entwicklungsverzögerungen in Sprache und Motorik,
Teilleistungsstörungen einher. Die Ursachen sind nicht abschließend belegt.
Vererbungsfaktoren und eine Störung des Gehirnstoffwechsels werden genannt. ADHS ist
multifaktoriell bedingt, die Behandlung in der Regel multimodal. Psychoedukation,
Verhaltenstherapie, Ergotherapie, Familientherapie, die Beratung schulischer und familialer
Bezugspersonen und schließlich Medikamente kommen zum Einsatz. Medizinische und
psychotherapeutische (SGB V) sowie schulpädagogische (EUG) Interventionen sind
prioritär. Erziehungshilfen und Eingliederungshilfen für seelisch behinderte oder von einer
seelischen Behinderung bedrohte Kinder und Jugendliche kommen als Leistungen der
Kinder- und Jugendhilfe nach dem SGB VIII ( §§ 27 ff., § 35a) oder der Sozialhilfe nach dem
SGB XII (§ 53) nur dann in Betracht, wenn in erster Linie ein Erziehungsdefizit festzustellen
oder die Teilhabe des jungen Menschen am Leben in der Gemeinschaft beeinträchtigt ist.
Als Hilfsangebote im Kontext der Kinder- und Jugendhilfe sind dem Grunde nach
folgende anzuführen: Angebote der Jugend- und Jugendsozialarbeit, Angebote der
Förderung der Erziehung in der Familie, Angebote zur Förderung von Kindern in
Tageseinrichtungen und in Tagespflege sowie insbesondere die Hilfen zur Erziehung und die
Hilfen für seelisch Behinderte. Eine wichtige verfahrensrechtliche Rolle spielt dabei die
Hilfeplanung nach § 36 SGB VIII. Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe für Kinder im
Vorschulalter werden gemäß Artikel 64 des (Bayerischen) Ausführungsgesetzes zum
Sozialgesetzbuch (AGSG) als Maßnahmen der Frühförderung für Kinder, unabhängig von
der Art der Behinderung, zuständigkeitshalber vom Träger der Sozialhilfe gewährt.
Abgesehen davon, dass Kinder und deren Familien auch vor Schuleintritt etwa
Erziehungsberatung im Rahmen gruppenpädagogischer Aktivitäten, Einzelförderung oder
Elternberatung oder auch Sozialpädagogische Familienhilfe in Anspruch nehmen können,
muss als Faustregel festgehalten werden:
Schulrechtliche, krankenversicherungsrechtliche und sozialhilferechtliche
Leistungsansprüche sind vorrangig vor jugendhilferechtlichen.
Sonderpädagogische Förderangebote, Verhaltenstherapie oder der Besuch einer
Heilpädagogischen Tagesstätte werden nicht vom Jugendamt finanziert.
Leistungen der Eingliederungshilfe für Vorschulkinder müssen folgerichtig beim
Sozialhilfeträger beantragt werden.
Workshop 4 und 8 (Teilbeitrag):
Hilfsangebote im Kontext von Kinder- und Jugendhilfe, Medizin, Psychologie
und Schule
Dr. Helga Ulbricht, Leiterin der Staatlichen Schulberatungsstelle München
Mit dem Eintritt in die Schule verschärfen sich häufig die Probleme, die im Zusammenhang
mit einer ADHS-Symptomatik bei Kindern zu beobachten sind. Einerseits unterliegt das
System Schule eigenen Gesetzmäßigkeiten, geprägt durch Rahmenbedingungen wie
Klassengröße, Zeitstruktur, Leistungsbezug, kumulierende Lerninhalte u.ä., andererseits
messen Eltern der Schullaufbahn ihres Kindes größere Bedeutung bei als der vorschulischen
Erziehung. Betrachtet man die Problematik aus verschiedenen Perspektiven, so zeigt sich
die Gesamtsituation des Kindes als Teufelskreis.
Die Lehrkraft erlebt das ADHS-Kind häufig als eingeschränkt im Beziehungsaufbau zu
Erwachsenen oder Kindern, in der Verhaltenssteuerung, in der Konzentration, in der grobbzw. feinmotorischen Koordination sowie in der Planung der eigenen Arbeit.
Auch die Mitschüler sind als Bezugspersonen des Kindes in die Problematik einbezogen.
Sie erleben das betroffene Kind häufig als eingeschränkt in seiner Gefühlsstabilität, d.h., es
ist einerseits sehr freundlich und kontaktfreudig, will aber oft im Mittelpunkt stehen und
wechselt ggf. schnell die Stimmung, wird dann vielleicht aggressiv. Zudem erleben die
Mitschüler ihren Klassenkameraden als problematisch in seiner Autonomie. Einerseits sehr
selbständig und mutig gegenüber Erwachsenen, nimmt er schnell eine Sonderrolle ein, die
auf der anderen Seite mehr Zeit und Aufmerksamkeit von der Lehrkraft fordert. Auch die
Einordnungsfähigkeit des Kindes in die Klassengemeinschaft ist betroffen. Das ADHS-Kind
will oft bestimmen, akzeptiert nicht die vereinbarten Regeln und stört den Ablauf. Die Folgen
sind Ablehnung und Ausgrenzung.
Die Familie des ADHS-Kindes kennt viele Probleme bereits aus dem vorschulischen
Bereich. Das Eltern-Kind-Schule-Verhältnis ist zudem geprägt von Kräfte zehrenden
Interaktionen um das Thema Schule und Leistung innerhalb der Familie, Forderungen der
Schule an die Eltern, dass diese sich „kümmern“ sollen und häufigen Beschwerden der
Schule über das störende Verhalten und die schwachen oder schwankenden Leistungen.
Das betroffene Kind erlebt sich selbst in erster Linie als anders als die Anderen. Es
registriert, dass es häufig abgelehnt wird, kämpft mit seiner inneren Zerrissenheit, weil es
will, aber nicht kann und fühlt sich nicht selten permanent schuldig. Die Selbsteinschätzung
ist zudem geprägt von Misserfolgsorientierung bzw. von selbst definierten, unrealistischen
Zielen, die im Misserfolg enden.
Alle vier genannten Bereiche greifen ineinander und verstärken sich gegenseitig, so dass es
zu einem Teufelskreis kommen kann.
Schule ist keine therapeutische Einrichtung. Ihr Auftrag konzentriert sich auf die
Unterrichtung und Erziehung der Kinder. Doch sie kann unterstützend wirken. Die
Hilfsangebote der Schule setzen auf zwei Ebenen an:
1. Die Lehrkraft als Unterstützer und Kooperationspartner
Angebote im Rahmen der Lehrerfortbildung vermitteln das notwendige Wissen über das
Störungsbild ADHS. Dadurch können die Akzeptanz für die Symptomatik und individuellen
Bedürfnisse des Kindes erhöht werden. So weit es die organisatorischen Bedingungen der
Schule zulassen, können hilfreiche Rahmenbedingungen geschaffen werden, z.B.
Klassengröße, Sitzordnung, Raumgestaltung, Rhythmisierung. Durch die Pflege einer
positiven Beziehung und die Zusammenarbeit mit dem Elternhaus kann das Kind weitere
Unterstützung erhalten.
2. Das schulische Beratungssystem
Im Rahmen der Aus- und Fortbildung von Beratungsfachkräften (Beratungslehrkräfte und
Schulpsychologen) werden Informationen über ADHS vermittelt. Die Beratungsfachkräfte
unterstützen die Lehrkräfte durch Beratung und Informationen. Eltern und Schüler können
sich zur Beratung an sie wenden. Sie erhalten Informationen über diagnostische und
therapeutische Angebote im Einzugsbereich sowie Unterstützung bei der Zusammenarbeit
mit der Schule und der Lehrkraft. Schulberatung ist kostenlos und unterliegt der
Schweigepflicht.
Workshop 5
Umgang mit Hyperaktivität, Impulsivität und Aggressivität in der
Kindertageseinrichtung
Dr. Oliver A. Giessler-Fichtner, Dipl.-Psych., Kinderfachklinik Gaißach der LVA:
Zentrum für chronische Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter
„Zappel-Philipp, Traumsuse, Wackelpeter, Streithansl, Trotzkopf...“
Welche pädagogische Fachkraft kennt nicht solche Kinder, die nicht stillsitzen können, sich
leicht ablenken lassen, explosiv reagieren, nicht zuhören können, chaotisch oder abwesend
wirken ?
Mit diesen unterschiedlichen Phänomenen kindlichen Verhaltens sehen sich die
Erziehungsfachkräfte in Kindertageseinrichtungen (Kindergarten und Hort) tagtäglich
konfrontiert. In Verbindung mit dem Bildungsauftrag: „...dem Kind zu helfen, sich selbst zu
organisieren, ein Bild über seine Stärken und Schwächen zu gewinnen und dadurch ein
gesundes Selbstwertgefühl zu entwickeln“ (lt. Bay. Bildungs- und Erziehungsplan 2006),
stellt sich für diese Fachkräfte im Umgang mit potentiell „auffälligen“ Kindern die
grundlegende Frage: „wie können wir diese Aufgabe meistern ?“
Im Kindergartenalter stehen die Persönlichkeitsentfaltung, die Bewältigung individueller
Entwicklungsaufgaben und Lernschritte des Kindes im Mittelpunkt des pädagogischen
Angebotes. In diesem Rahmen ist Gestaltungsspielraum für Kinder mit ADHS auch ihre
kreativen, bewegungsfreudigen, kommunikativen und neugierigen Seiten einzubringen und
somit ihre vorhandenen Stärken als solche zu erfahren.
Mit dem Schuleintritt werden durch Leistungsanforderungen, Lernzielvorgaben und
Bewertungskategorien zusätzliche Maßstäbe an das Verhalten und die Anpassungsfähigkeit
des Kindes gelegt. Das hat oft zur Folge, dass Schulkinder mit ADHS eine innere
Anspannung erleben sowie Frustrationsgefühle und Versagensängste entwickeln, die ihr
positives Selbstbild nachhaltig beeinträchtigen können.
Um diesen Belastungsfaktoren effektiv entgegenzuwirken, sollen pädagogische
Interventionen darauf abzielen, diese Kinder in ihrem „So-Sein“ anzunehmen und als
Personen wertzuschätzen. Die individuelle Unterstützung durch pädagogische Fachkräfte
vermittelt hinreichend Struktur und Orientierung, damit das Kind sein Potential entfalten und
konstruktiv umsetzen kann.
Nicht nur Kindertageseinrichtungen sind in besonderer Weise im Umgang mit Kindern mit
ADHS gefordert. Auch die Eltern sind meist sehr belastet, erleben sich inkompetent in der
Erziehung und fühlen sich oftmals mit ihren spezifischen Problemen allein gelassen.
In der Zusammenarbeit mit den Eltern sind Fachkompetenz, Offenheit und Vertrauen eine
wichtige Basis für das Aushandeln gemeinsamer Ziele und, je nach Bedarf, für die
Entscheidung über eine Zuschaltung weiterer Hilfen.
In diesem Workshop werden praxisbezogene Handlungsstrategien im pädagogischen
Umgang mit Kindern mit ADHS aufgezeigt und ausgewählte Themenschwerpunkte
einbezogen, wie z.B.:
• Ressourcenaktivierung und Kompetenzstärkung (Fachkräfte, Eltern, Kinder)
• Gelingende Kommunikation mit dem Kind mit ADHS
• Rollenverständnis und Wertehaltung der Fachkräfte
• Günstige Gestaltung von Rahmenbedingungen
• Kooperation mit Eltern, Lehrkräften, Beratungsstellen und Therapeuten
• Strukturierte Therapie- und Trainingsprogramme (THOP, MKT, TmaK, TmagK)
Literatur
Lauth, G., Schlottke, P., Naumann, K. (2001). Rastlose Kinder, ratlose Eltern. Dtv.
Neuhaus, C. (2002). Das hyperaktive Kind und seine Probleme. Ravensburger Verlag.
Aust-Claus E., Hammer, P.-M. (2005). Das A-D-S-Buch: Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom –
Neue Konzentrationshilfen für Zappelphilippe und Träumer. Oberstebrink Verlag.
Wolf-Wedigo, W. (1999). Hyperaktive und unruhige Kinder im Kindergarten – Hilfen für
Erzieherinnen. Herder Verlag.
Born, A., Oehler, C. (2009). Lernen mit ADS-Kindern. Kohlhammer Verlag.
Döpfner, M., Schürmann, S., Lehmkuhl, G. (2000). Wackelpeter und Trotzkopf – Hilfen bei
hyperkinetischem und oppositionellem Verhalten. Beltz, Psychologie Verlags Union.
Schäfer, U. (2003). Tim Zippelzappel und Philipp Wippelwappel – Eine Geschichte für Kinder
mit ADHS-Syndrom. Verlag Hans Huber.
Döpfner, M., Schürmann, S., Frölich, J. (1997). Therapieprogramm für Kinder mit
hyperkinetischem und oppositionellem Problemverhalten. Beltz, Psychologie Verlags Union.
Krowatschek, D. (2000). Überaktive Kinder im Unterricht – Ein Programm zur Förderung
unruhiger Kinder im Unterricht und in der Gruppe. Borgmann Publishing.
Leitfaden ADS / ADHS - Informationsbroschüre des Hamburger Arbeitskreises –
Lilly Deutschland (2004). Bad Homburg.
Internetadressen
www.adhs.de
www.bv-ah.de (ADHS Deutschland e.V.)
www.ads-ec.de
www.mehr-vom-tag.de
www.bv-auek.de
www.zappelphilipp.de
Workshop 6:
Erkennen von ADHS, Kriterien
Curd Michael Hockel, Dipl.-Psych., Psychologischer Psychotherapeut und Kinderund Jugendlichenpsychotherapeut, München
Wenn es gut geht, sind Diagnosen Bündnisverträge: alle an der Sorge um einen durch
„Diagnosen“ benannten Wirklichkeitsausschnitt Beteiligten versichern einander nun zu
wissen, welcher „Beratungsanlass“ welches Leid meint, welche Störung verursacht wurde
und welche Änderungen dem entsprechend im Interesse des Hilfsbedürftigen angestrebt
werden müssen.
Woran ist „wirkliches“ ADHS zu erkennen? Diese Frage ist solange falsch gestellt, solange
sich die Experten nicht einig darüber sind, was wirkliches ADHS ist – und dies ist noch nicht
der Fall. Gerald Hüther, ein Neurobiologe aus Göttingen und „ein führender Gehirnforscher“,
betont in der neuesten Veröffentlichung: „Dieses Störungsbild ist so komplex, dass es sich
nur dann umfassend verstehen und optimal behandeln lässt, wenn das Wissen und die
Erfahrung möglichst vieler und möglichst unterschiedlicher Experten aus Theorie und Praxis
einbezogen und berücksichtigt sind.“ (Hüther, Bonney, 2010, S.142) Noch dichter: „Die
Beschränkung auf Ratingprozeduren der definierten 18 ADHS – Kriterien wird dem Kind und
seiner Familie nicht gerecht und ist ein Kunstfehler“ (aaO. S. 141) Und „Zusammenfassend
ist festzustellen, dass bis heute keine ADHS – beweisende Diagnostik verfügbar ist.“ (aaO.
S.107)
Das Störungsbild „Zappelphilipp“ drängt sich ins Bild – woran kann man erkennen, wo mit
der Hilfe eingesetzt werden muss? Eltern, die meinen mit dem Hilferuf „mein Kind hat
ADS/ADHS“ hätten sie alles Notwendige gesagt und die medizinisch-therapeutische
Helfermaschinerie sei nun zuständig, sind bereits Opfer einer bestimmten Problemsicht, wie
das Büchlein von Hüther/Bonney (2010) eindringlich feststellt. Welche Kriterien sind wirklich
bedeutsam?
Psychosoziale Kompetenzträger einer Fachtagung wollen heute nicht die hundertste Auflage
der Kontroverse „Pills or Skills“ begleiten. Ich möchte fünf schlichte Kriterien für die
Diagnostik von ADHS in einer Arbeitsgruppe vor- und zur Diskussion stellen, die meiner
Auffassung nach dienlich sein können, unsere Arbeit Ziel führend zu fokussieren.
Literatur
Hüther, G. / Bonney, H. (2010). Neues vom Zappelphilipp - ADS verstehen, vorbeugen und
behandeln. Mannheim: Pathmos.
Workshop 7
Aufklärung und Beratung von Eltern
Mathilde Schlayer-König, Heilpädagogin, Leiterin der ADHS Beratungsstelle des
Wichernzentrums, Diakonie Hasenbergl, München
Die ADHS Beratungsstelle ist eine Einrichtung des Wichern Zentrums, dessen
jahrzehntelange Erfahrung im Umgang mit ADHS Kindern 2003 zur Gründung dieser
Beratungsstelle geführt haben.
Zu den vielfältigen Aufgaben der Beratungsstelle gehört u.a. Information und Aufklärung, das
persönliche Beratungsgespräch, Fortbildung und Weiterbildung von Erziehern und Lehrern
und der Arbeitskreis ADHS.
Ebenso zählt zu den Aufgaben auch die Schullaufbahnberatung von ADHS Kindern.
Die Beratungsstelle sieht sich auch als Vermittler und als Vernetzungspunkt der vorgestellten
Problematiken der ADHS Familien.
Im Vortrag sollen Chancen, Möglichkeiten und Grenzen einer übergreifenden
Beratungsstelle gezeigt werden.
Workshop 8
Hilfsangebote im Kontext von Kinder- und Jugendhilfe, Psychologie,
Psychotherapie und Medizin
Der Workshop 8 ist inhaltsgleich mit Workshop 4
Bitte sehen Sie in der Gliederung dort nach.
Raum für eigene Notizen
www.sozialministerium.bayern.de
Dem Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und
Sozialordnung, Familie und Frauen wurde durch die
berufundfamilie gemeinnützige GmbH die erfolgreiche
Durchführung des audits berufundfamilie ® bescheinigt:
www.beruf-und-familie.de.
BAYERN DIREKT
ist Ihr direkter Draht zur Bayerischen Staatsregierung.
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23.02.2009 15:58:01 Uhr
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