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Medienmitteilung vom 1. März 2016
Auch Glück kann das Herz brechen
Das Syndrom des „gebrochenen Herzens“, auch Takotsubo-Syndrom (TTS)
genannt, ist eine akute, meist durch emotionalen oder physischen Stress
ausgelöste Erkrankung. Auch psychiatrische oder neurologische Leiden spielen
eine bedeutende Rolle. Neue Auswertungen im Rahmen einer weltweiten Studie,
deren erste Ergebnisse im Jahr 2015 veröffentlicht wurden, haben nun erstmals
gezeigt, dass die Erkrankung auch nach einem freudigen Erlebnis auftreten
kann.
Erste Ergebnisse der Studie, die im Rahmen des im Jahr 2011 von den Kardiologen PD Dr. Dr.
Christian Templin und Dr. Jelena-Rima Ghadri am UniversitätsSpital Zürich eingerichteten
Internationalen Takotsubo Registers (InterTAKregistry) durchgeführt wurde, veröffentlichte das
New England Journal of Medicine im September 2015. Dabei zeigten Templin und Ghadri
erstmals, dass neben negativen emotionalen oder physischen Stressereignissen, wie der
Verlust einer geliebten Person oder Mobbing am Arbeitsplatz, auch akute neurologische
Erkrankungen wie Hirnschlag, Epilepsie oder Hirnblutungen zu TTS führen können.
Weitere Auswertungen der Studie, bei der sich unter Zürcher Leitung 26 kardiologische
Zentren aus neun Ländern beteiligten und die 1‘750 Patientinnen und Patienten einbezog,
liessen nun bei 485 Studienteilnehmern definitiv auf emotionale Auslöser der TakotsuboKardiomyopathie schliessen, wie eine neue Publikation im European Heart Journal (siehe
Hinweis am Ende der Mitteilung) aufzeigt. Von diesen hatten 20 Personen, bzw. 4 Prozent,
eine akute TTS-Erkrankung, der ein freudiges Ereignis vorausging, wie eine Geburtstagsparty,
eine Hochzeit, der Sieg des Lieblings-Rugby-Teams oder die Geburt eines Enkelkindes.
Hingegen wiesen 96 Prozent der Patienten ein negatives emotionales Ereignis auf. Im
Gegensatz zu diesen Patienten mit dem „Broken-Heart Syndrom“ nannten die Studienleiter die
Erkrankung derjenigen Studienteilnehmer, die ein freudiges Ereignis erlebten „Happy-Heart
Syndrom“.
Neue Erkenntnisse für die klinische Anwendung
Die bisherigen Erkenntnisse, dass vor allem Frauen nach der Menopause an TTS erkranken,
bestätigten sich auch in dieser Auswertung. Sowohl in der „Happy-Heart“- wie in der „BrokenHeart“-Gruppe machten Frauen 95 Prozent der Erkrankten aus, wobei das Durchschnittsalter
bei 65 Jahren in der „Happy-Heart“- und bei 71 Jahren in der „Broken-Heart“-Gruppe lag.
Die Ergebnisse sind deutlich, wie Dr. Ghadri sagt: „Einer Takotsubo-Kardiomyopathie muss
nicht zwingend ein negatives Stressereignis vorausgehen. Auch positive Emotionen können ein
TTS auslösen. Das wird Auswirkungen auf die Anamnese der Patienten haben. Ärzte in den
Notfallstationen und -praxen sollten wissen, dass Patienten mit Anzeichen eines Herzinfarktes,
wie Brustschmerz und Atemnot, die zuvor ein fröhliches Erlebnis hatten, an einem Takotsubo-
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Rämistrasse 100, 8091 Zürich, Tel. +41 (0)44 255 86 20, [email protected]
Syndrom leiden könnten. Genauso wie Patienten, die nach einer Stresssituation mit diesen
Symptomen vorstellig werden.“
Weitere Forschung nötig
PD Dr. Dr. Templin ergänzt: „Wir denken, dass beim TTS ein enger pathophysiologischer
Zusammenhang in Form einer aktivierten „Hirn-Herz-Achse“ existiert. Diese Wechselwirkung
zwischen Hirn und Herz untersuchen wir derzeit in einer weiteren klinischen Studie näher
mittels funktionellem MRI“. Die Mechanismen der Takotsubo-Kardiomyopathie bergen also
noch Geheimnisse, die durch die Kardiologen in künftigen Forschungsarbeiten der Studie
gelüftet werden sollen.
Die Takotsubo-Kardiomyopathie, auch als „Syndrom des gebrochenen Herzens“ bekannt,
wurde erstmalig 1990 von japanischen Wissenschaftlern beschrieben. Sie nannten die
Erkrankung „Takotsubo“ (übersetzt Tintenfischfalle), da die linke Herzkammer in der
Erkrankungsphase diesen speziellen, zum Tintenfischfang benutzten Tonkrügen ähnelt (enger
Hals und bauchiger Körper). Bei der Takotsubo-Kardiomyopathie handelt es sich um eine akute
Pumpfunktionsstörung des Herzens, welche mehrheitlich Frauen betrifft. Die Erkrankung ähnelt
in der akuten Phase einem Herzinfarkt, so dass eine Unterscheidung nur mittels
Herzkatheteruntersuchung gelingt, wobei sich – im Gegensatz zum Herzinfarkt – offene
Herzkranzgefässe nachweisen lassen. Als Ursache wird unter anderem eine vorübergehende
Studie:
Verkrampfung der kleinsten Gefässe im Herzmuskel vermutet, die zu einer Minderdurchblutung
bisStudie
hin zum
führt.
Die
ist lebensbedrohlichen
online abrufbar unterPumpversagen
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Medienmitteilung vom 2. September 2015 zur Veröffentlichung der Studie im New England
Journal of Medicine: http://www.usz.ch/news/medienmitteilungen/Seiten/gebrochene_herzenneue_erkenntnisse.aspx
Download der Vollversion des Papers vom EHJ
Please find a press release in English on the website of the European Society of Cardiology:
www.escardio.org
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Weitere Auskünfte erteilen die Studienleiter:
PD Dr. Dr. Christian Templin
Leiter Akute Kardiologie, Oberarzt Interventionelle Kardiologie
Universitäres Herzzentrum Zürich
Klinik für Kardiologie
Telefon: 044 255 95 85
[email protected]
www.takotsubo-registry.com
Dr. Jelena-R. Ghadri
Universitäres Herzzentrum Zürich
Klinik für Kardiologie
Rämistrasse 100
8091 Zürich
[email protected]
www.takotsubo-registry.com
Bildmaterial:
Die erkrankte Herzkammer (links) gleicht dem japanischen Tonkrug für den Tintenfischfang
PD Dr. Dr. med. Christian Templin,
Studienleiter, Kardiologe am USZ
Dr. med. Jelena-R. Ghadri, Co-Studienleiterin,
Kardiologin am USZ
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Rämistrasse 100, 8091 Zürich, Tel. +41 (0)44 255 86 20, [email protected]
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