Biologische Therapien von Fuß und Sprunggelenk

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Diagnose & Therapie
Biologische Therapien von Fuß
und Sprunggelenk
von Dr. Christian Kinast
Schmerzen am Morgen nach dem Aufstehen finden sich häufig unter der Ferse, hinten an der
Ferse am Achillessehnenansatz oder im Sehnenverlauf. Immer wieder beobachten wir auch
Sehnenansatzprobleme am Fußinnenrand in der Mitte des Fußlängsgewölbes. Hier setzt die
Sehne des vorderen Schienbeinmuskels an, der den Fuß nach oben zieht. Es sind Verschleiß­
erscheinungen des Sehnenansatzes, die man sich vorstellen muss wie bei einem alten Seil:
T
eile der Fasern zerreißen und
das Seil erscheint verdickt, da
es aufgefasert ist. Im Bereich der
Ferse findet sich eine ständige Überlastung durch zu hohen Zug an der
Achillessehne und ihren Ausläufern
in die Sehnenplatte der Plantarfaszie,
die von der Ferse zu den Mittelfußknochen zieht. Die Wadenmuskulatur steht
unter
einem zu hohen Spannungszu-
stand, die ganze Muskelkette vom
Sitzbein bis zur Ferse ist verkürzt. Die
kleinen Mikrorisse in der Achillessehne und in der Plantarfaszie scheinen
aber bei diesen Miniverletzungen
nicht richtig zu heilen.
Regeneration des
Sehnengewebes mit PRP
Es gibt nun seit einiger Zeit verschiedene Methoden, diese Heilung anzustoßen, sodass es bei Anwendung
dieser Methoden zur biologischen
Ausheilung kommt. Hierzu gehört die
Stoßwellentherapie, die durch mechanische Druckwellen die Heilung der
Sehnenstrukturen begünstigt. In den
letzten Jahren haben nun auch andere
biologische Verfahren ihre Wirksamkeit bei diesen Sehnenansatzverschleißerscheinungen gezeigt. Es wird
das eigene Blut des Patienten abgenommen und zentrifugiert, d. h. unter
hoher Drehzahl in einem Gefäß so behandelt, dass die roten Blutkörperchen
Erkrankungen an Fuß und Sprunggelenk behandelt der Münchener Orthopäde Dr. Christian Kinast
mit verschiedensten modernen Therapiemethoden: So setzt er z. B. die biologische Therapie mit
körpereigenem autologen PRP, die Radiofrequenztherapie oder auch verschiedenste innovative
Operationsverfahren ein. Zu seinem Praxisalltag gehört inzwischen auch der Einsatz von Schrauben
oder Stiften aus resorbierbaren Materialien zur Fixierung.
8 ORTHOpress 3 /2009
Diagnose & Therapie
Das Sprunggelenk
sich von den Blutplättchen, die für die
Gerinnung zuständig sind, und dem
Blutplasma abtrennen. Die Schicht
mit den Blutplättchen wird nun entnommen und in die geschädigte Sehne eingespritzt. Die in den Blutplättchen enthaltenen Wachstumsfaktoren
stoßen die „eingeschlafene“ Sehnenheilung wieder an und es kommt zur
Regeneration des geschädigten Sehnengewebes über einen Zeitraum von
etwa 8 Wochen. In dieser Zeit ist die
Schonung und begrenzte Belastung
des Gewebes notwendig. Diese biologische Therapie mit körpereigenem
autologen PRP (platelet-rich plasma)
wurde auch schon erfolgreich bei der
Behandlung des Tennisellbogens, des
jumpers knee (d. h. an der Kniescheibensehne) und auch zur Beschleunigung der Einheilung bei Ersatzoperationen des vorderen Kreuzbandes
eingesetzt. Auch Muskelrisse heilen
mit dieser Therapie schneller aus. Das
zeigt eine Studie an portugiesischen
Fußballspielern.
Knochenmarksstammzellen
aus dem Beckenkamm
stimulieren die Heilung
Eine weitere Alternative zu dieser Eigenbluttherapie ist die Behandlung
der degenerierten Sehnenansätze mit
der Radiofrequenztherapie. Hierbei
wird unter Narkose oder Leitungsanästhesie eine dünne Sonde in die
Sehne eingebracht, so, wie diese auch
in ähnlicher Weise an der Wirbelsäule
angewendet wird, und es wird eine
lokale Überwärmung der Sehnenfa-
Sehnenansatzschmerzen unter dem Fußgewölbe gehören in der Praxis zu
den häufigsten Fußproblemen.
sern erzeugt. Feingewebliche Untersuchungen haben gezeigt, dass es nach
solch einer Radiofrequenzbehandlung
zur Ausheilung der geschädigten Sehne kommt. Diesen orthobiologischen
Verfahren wird eine große Zukunft
bescheinigt und es gibt viele wissenschaftliche Bemühungen, diese voranzutreiben. Knochenmarksstammzellen, gewonnen aus dem Beckenkamm,
werden immer mehr zur Stimulation
der Knochenheilung bei schlecht heilenden Brüchen und abgestorbenem
Knochengewebe eingesetzt.
Neuartige Verfahren in
der Fußchirurgie ohne
Schrauben und Platten
Neben diesen zellstimulierenden Verfahren nimmt auch im Bereich der Fußchirurgie die Tendenz zu minimalinvasiveren Techniken zu.
Die letzten Jahre in der Weiterentwicklung der Fußchirurgie waren geprägt
von immer stabileren Implantaten, die
eine frühe Belastung des operierten
Knochens erlaubten. Diese winkelstabilen Platten und Schrauben werden
auch weiterhin in vielen Bereichen
ihre Bedeutung haben. Immer öfter
verzichten wir auf versteifende Verfahren bei Arthrose und versuchen durch
achskorrigierende Verfahren im Bereich des Unterschenkels und Fußes
bessere biomechanische Voraussetzungen für die langfristige Erhaltung
der Gelenke zu schaffen.
Gerade im Bereich des Vorfußes gibt
es minimalinvasive Verfahren, die die
Korrektur von Spreizfußbeschwerden
und Hammerzehen erlauben, ohne
dass Schrauben und Platten eingesetzt
werden. Sollten jedoch Schrauben und
Stifte notwendig sein, so haben sich
Materialien aus Milchzucker vielfach
bewährt. Sie sind für viele Anwendungen ausreichend fest, haben aber den
Vorteil, dass sie nicht entfernt werden
müssen, da sie sich auflösen. Neue
stabile Implantate sind in der Entwicklung, die die minimalinvasive Technik
in Kombination mit stabilen Titanschrauben ermöglichen.
Wichtig bleibt, die Selbstheilungs­
kräfte des Körpers optimal zu nutzen
und so wenig wie möglich in die biologische Struktur des Bewegungsapparates einzugreifen.
Weitere Informationen
Tel.: 089 - 99 90 97 80
www.oza-m.de
ORTHOpress 3 /2009 9
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