Optische versus taktile Messtechniken

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Reihe: Fakten und Trends zur Fertigungsmesstechnik
Auswertung der Umfrage „Optische versus taktile Messtechniken“
Einleitung
Auf der Control 2007 hat die REORG
GmbH zusammen mit der Quality
Engineering eine Umfragereihe zu Trends
in der Fertigungsmesstechnik gestartet. Die
Umfragereihe wird online durchgeführt und
ist über die Webseiten der REORG GmbH
und
der
Quality
(www.reorg.de)
Engineering
(www.qe-online.de)
zugänglich. Der folgende Artikel ist die
Auswertung der ersten Umfrage zum
Thema
„Optische
versus
taktile
Messtechniken“.
Auswertung
Charakterisierung der Teilnehmer
Die Teilnehmer der Befragung sind zu
100 %
in
der
Zuliefererindustrie
angesiedelt. Die Zulieferer untereilen sich
hierbei in Automobilzulieferer (60 %) und
Zulieferer für sonstige Industrien (40 %),
wie
z.
B.
Großdieselmotoren,
Medizintechnik,
Nutzfahrzeuge
und
Kerntechnik. Die Unternehmensgröße der
Befragten ist in dieser Umfrage relativ
gleichmäßig auf Kleinunternehmen bis hin
zu einer Mitarbeiterzahl von mehr als 1000
Beschäftigten verteilt (siehe Abb. 1).
Abb. 1: Unternehmensgröße der Befragten
Dabei sind über 60 % der Teilnehmer im
Bereich der Fertigung von mittleren (1.000
– 100.000 Teile / Jahr) und Großserien (>
100.000 Teile / Jahr) tätig.
REORG GmbH
Artikel_1_Optisch-vs-taktil_070628-1.doc
Auf die Frage zu den eingesetzten
Messtechniken gaben 80 % der Befragten
an, dass sie sowohl optische als auch
taktile Messtechniken einsetzen (siehe
Abb. 2). Die Messung mittels Staudruck
(z. B. über Düsendorne) setzen lediglich
37 % ein. Im Bereich der optischen
Messtechnik werden am häufigsten CCDKameras
genutzt,
gefolgt
von
Lasermikrometern an zweiter Stelle und
den Triangulationslasern zuletzt. Bei den
taktilen Messprinzipien wurde von fast
90 % der Teilnehmer die Nutzung von
induktiven Sensoren angegeben, gefolgt
von 67 % mit der Nutzung inkrementaler
Sensoren. Induktive Sensoren werden in
Form von Induktivtastern sehr gerne
eingesetzt, da sie zum einen ein gutes
Preis-Leistungs-Verhältnis bieten und zum
anderen als Standard-Elemente sich gut für
eine Ersatzteilbevorratung eignen. Der
Anteil
der
genutzten
inkrementalen
Sensoren in der Automobilindustrie ist mit
73 % erstaunlich hoch. Inkrementale
Messtaster weisen im Vergleich zu den
induktiven
Messtastern
keine
Linearitätsabweichungen
über
den
Messbereich auf. Dadurch ist auch der
Einsatz von Tastern mit größeren
Messbereichen ohne Genauigkeitsverlust
möglich. Diese werden in der Regel in
Messvorrichtungen eingesetzt, mit denen
mehrere Varianten ohne Umrüstung der
Messvorrichtung gemessen werden sollen.
Ausgehend von den Ergebnissen der
Befragung spricht die hohe Anzahl an
Nutzern von inkrementalen Tastern in der
Automobilzuliefererindustrie für folgenden
möglichen Trend: Die Stückzahlen der zu
produzierenden
Werkstücke
nehmen
tendenziell ab, während gleichzeitig die
Variantenvielfalt zunimmt. Allerdings sind
inkrementale Messtaster in der Regel
teurer als Induktivtaster mit vergleichbarem
Messbereich.
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Abb. 2: Einsatz der Messtechnik
Bei der Frage der Einsatzdauer der
einzelnen Messprinzipien ist eindeutig zu
erkennen, dass die optische Messtechnik
im
Vergleich
zu
den
anderen
Messverfahren
zu
den
jüngsten
eingesetzten Technologien gehört. Ca.
20 % der Nutzer optischer Messtechnik
geben an, dass sie diese seit weniger als
einem Jahr einsetzen. Weitere ca. 30 %
geben eine Nutzungsdauer zwischen
einem und drei Jahren an. Die restlichen
50 % setzen optische Messverfahren
bereits länger als drei Jahre ein.
Auf die Frage nach der Häufigkeit der
Messungen
zeigt
sich
eine
fast
ausgewogene Situation von Stichprobenund 100 %-Messungen. Der 43 %ige Anteil
von 100 %-Messungen ist vermutlich höher
als noch vor einigen Jahren. Begründen
lässt sich der hohe Anteil an 100%Messungen mit der Verlagerung der
Produktion von den OEM´s zu den
Zulieferbetrieben.
Bei
dieser
Umstrukturierung wurden die Zulieferer
unter anderem auf die Einhaltung von z. B.
PPM-(parts per million) Vereinbarungen
verpflichtet. Um der erlaubten Fehlerquote
bei gleichzeitig geringer werdenden
Fertigungstoleranzen gerecht zu werden,
können viele Fertigungsbetriebe nicht mehr
auf 100 %-Messungen verzichten.
Während Klein- und Großserien zum
überwiegenden Teil in Form von 100 %Messungen abgesichert werden, werden
mittlere Serien (1.000 – 100.000 Teile /
Jahr) zu einem größeren Teil mit
stichprobenartigen Messungen überprüft
(siehe Abb. 3).
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Abb. 3: Anzahl Messungen
Auf die Frage nach dem Zustand der
Werkstücke vor der Messung gaben 80 %
der Befragten an, dass ihre Werkstücke
sauber sind (siehe Abb. 4).
Abb. 4: Reinigungsgrad vor der Messung
Aus Sicht der Messtechniker ist dies
verständlich. Jede Verschmutzung geht als
Messfehler in die Messung ein. Dies ist bei
optischen Messprinzipien kritischer als bei
den taktilen. Bei der taktilen Messung
werden die Verschmutzungen, wie z. B.
Kühlschmierstoffe oder Öle, durch die
Messkraft beiseite gedrückt, während die
optischen
Messverfahren
die
Verschmutzung voll als Messfehler in der
Messung enthalten. Späne sind sowohl bei
den optischen als auch bei den taktilen
Verfahren als kritisch einzustufen.
Auf der anderen Seite können bei der
Fertigungsmesstechnik Verschmutzungen
durch Kühlschmierstoffe oder Öle nicht
immer verhindert werden. Die Messungen
werden nicht nur am Ende von mehreren
Prozessschritten durchgeführt, sondern
zwischen verschiedenen Prozessen. Diese
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Vorgehensweise macht insbesondere zur
Absicherung kritischer Prozesse Sinn.
Vor diesem Hintergrund eignen sich die
taktilen Messverfahren besser für solche
kritischen
Aufgaben.
Ein
Reinigungsprozess
kann
wie
ein
Totzeitglied in einer Regelstrecke wirken,
z. B. wenn die Werkstücke in einer
automatisierten Fertigungslinie nach einem
Fertigungsprozess gereinigt werden, bevor
diese vermessen werden. Dadurch wird die
automatische Korrektur des Prozesses auf
Basis der verzögerten Messergebnisse
verschlechtert bzw. völlig verhindert.
Abb. 5 zeigt eine Gegenüberstellung von
Einflussfaktoren auf eine Messung, die von
den Teilnehmern vor dem Hintergrund der
optischen und der taktilen Messtechnik
bewertet wurden.
Abb. 5: Kritische Einflussfaktoren
Abschließend sollten die Teilnehmer die
optischen bzw. taktilen Messverfahren
nach „Flexibilität“ und „Preis-LeistungsVerhältnis“ bewerten. Die optischen
Messverfahren werden dabei von ca. 70 %
der
Teilnehmer
als
flexibel
wahrgenommen. Bei den taktilen Verfahren
empfinden dies nur 50 % der Teilnehmer.
Im Preis-Leistungs-Verhältnis schätzten die
Teilnehmer beide Verfahren nahezu
identisch ein.
Am Beispiel der induktiven Messtaster und
der Triangulationslaser lässt sich der PreisLeistungs-Unterschied zwischen optischen
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und
taktilen
Messsensoren
für
Messvorrichtungen
exemplarisch
aufzeigen.
Während
ein
StandardInduktivtaster einen Messbereich von 2 mm
mit einer Auflösung von 0,1 µm aufweist
und für unter 200 € von verschiedenen
Herstellern zu haben ist, schränkt sich die
Lieferantenauswahl
für
einen
vergleichbaren Triangulationslaser deutlich
ein.
Zudem
kostet
bei
gleichem
Messbereich und gleicher Auflösung der
Triangulationslaser ca. 8000 €. Daran lässt
sich ablesen, dass Induktivtaster und auch
Inkrementaltaster im Vergleich zum
Triangulationslaser deutlich günstiger für
Messvorrichtungen sind.
Auch wenn die meisten Befragten
angeben, dass sie mit dem PreisLeistungs-Verhältnis beider Messverfahren
zufrieden sind und somit den Kauf einer
teureren
optischen
Messvorrichtung
rechtfertigen, sollte beim Kauf einer
Messvorrichtung die Beschaffenheit des
Werkstücks hinsichtlich der kritischen
Einflussfaktoren (s. Abb. 5), mit beachtet
werden.
Autor:
Dr.-Ing. Andreas M. Straube, Jahrgang
1974,
studierte von 1995 bis 2000
Maschinenbau mit der Fachrichtung
Fertigungstechnik
(Vertiefung
Fertigungsmesstechnik) an der RWTH
Aachen und dem Massachusetts Institute
of Technology in Boston/USA. Von 2000
bis 2004 arbeitete er als wissenschaftlicher
Mitarbeiter am Fraunhofer Institut für
Produktionstechnologie und promovierte
zeitgleich an der RWTH Aachen. Seit 2004
arbeitet er bei der REORG Gesellschaft für
Rechneranwendung, Organisation und
Messtechnik mbH und wurde 2005 zum
Geschäftsführer bestellt.
Die REORG GmbH hat über 25 Jahre
Erfahrung
auf
dem
Gebiet
der
Fertigungsmesstechnik und hat sich zu
einem Systemanbieter entwickelt, der
Turnkey-Solutions aus Messvorrichtungen,
Messrechner und Messsoftware aus einer
Hand anbietet.
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