Wach-Operation am Gehirn Eine Übersicht

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Wachoperation
Safety first
Bei Operationen am Gehirn ist die Erhaltung der Hirnfunktionen ein prioritäres Ziel. Liegt zum
Bespiel ein Tumor besonders nahe an funktionell wichtigen Teilen des Gehirns, wird versucht,
diese Funktionen während der Operation kontinuierlich zu überprüfen. Bei Funktionen wie der
Kraft und der Sensibilität kann dies mithilfe kleiner Elektroden beim schlafenden Patienten
durchgeführt werden. Andere Hirnfunktionen, wie zum Beispiel die Sprache und das Sehen, sind
nur beim wachen Patienten und nicht während der Narkose überprüfbar. Liegt ein Tumor
besonders nahe an diesen Zentren erlaubt eine Wachoperation auch diese Funktion während des
Eingriffs kontinuierlich zu überwachen, womit die Sicherheit für den Patienten erhöht wird.
Erhöhte Sicherheit und radikalere Operation dank Funktionsidentifikation
Bei Tumoren in der Nähe der Sprach- oder Seh-Zentren erfolgt im Vorfeld der Operation eine
Schulung des Patienten. Der Patient macht sich dabei mit der Situation in der Wachoperation
vertraut und lernt die notwendigen intraoperativen Tests. Während der Operation können
funktionell wichtige Areale dank dieser Tests identifiziert und geschont werden. Dadurch erhöht
sich nicht nur die Sicherheit, sondern auch die Radikalität: Da die Grenzen der wichtigen Areale
identifiziert sind, können Tumore bis direkt an diese Grenzen reseziert werden. Ohne die
Funktionsidentifikation im Wachzustand muss ein Sicherheitsabstand eingehalten werden. Diese
intraoperative Funktionsüberprüfung führt erwiesenermassen zu einer radikaleren wie auch
sichereren Tumorentfernung.
Was bedeutet eine Wachoperation für den Patienten?
Möglich wird die Wachoperation durch das Paradoxon, dass das Gehirn zwar die größte
Ansammlung von Nervenzellen im Körper hat und die Informationen von Sinneszellen und
schmerzleitenden Nervenfasern des ganzen Körpers hier zusammenlaufen, aber gleichzeitig das
Gehirn selbst keine eigenen Sinneszellen zur Schmerzempfindung besitzt. Bei einer Operation im
Wachzustand ist daher lediglich eine örtliche Betäubung für die Haut erforderlich. Als Nachteil
einer Wachoperation muss das Risiko eines Krampfanfalles während der Operation genannt
werden. Aus diesem Grund und für den Fall, dass die Prozedur als zu unangenehm empfunden
wird, ist jederzeit ein Anästhesist anwesend, um eine Narkose einzuleiten (sogenanntes
«Standby»).
Patienten, die eine solche Operation erlebt haben, berichten zumeist positiv von dieser Erfahrung,
zumal sie aktiv zum Gelingen der Operation beitragen. Als eher angenehm empfinden sie es, zu
keinem Zeitpunkt vollständig die Kontrolle über das Geschehen zu verlieren. Auch die
Unsicherheit «werde ich wieder aufwachen?» besteht bei Wachoperationen nicht. Als
unangenehm werden das lange Liegen im Operationssaal empfunden, sowie das Unvermögen, den
Kopf zu bewegen.
Eine Wachoperation kann bei vorbestehenden
Herzkreislaufsystems das Operationsrisiko vermindern
Problemen
des
Am häufigsten wenden wir Wachoperation bei kleinen und kurzen Eingriffen bei Patienten in
höherem Lebensalter an, bei denen eine Narkose ein unverhältnismässig hohes Risiko darstellen
würde (zum Beispiel die Entlastung chronisch subduraler Hämatome). Insgesamt ist die
Wachoperationen für das Herz-Kreislauf-System weniger belastend als eine Narkose, weshalb bei
vorbestehender Schwächung oder Erkrankung des Herz-Kreislauf-Systems das allgemeine
Operationsrisiko gesenkt werden kann. Auch bei der Tiefenhirnstimulation erfolgt die Platzierung
der Elektroden ebenfalls im Wachzustand, so dass gleichzeitig Hirnströme abgeleitet und der
Erfolg der Behandlung überprüft werden kann.
Bei den meisten Operationen überwiegen die Vorteile einer Operation in Narkose, in
ausgewählten Spezialfällen hat die Technik der Wachoperation jedoch eindeutige Vorteile.
Welche Methode im individuellen Fall vorteilhafter ist, wird ausführlich mit dem Patienten
besprochen. Die Entscheidung wird vom Operateur und dem Patienten gemeinsam gefällt.
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