Kosten/Erlöse in DM Erl Ges amtk ös e oste n KDP Kf Prod. Menge Bild 3.2 Grafischer Kostendeckungspunkt In Bild 3.2 wird dieser Zusammenhang grafisch umgesetzt, wobei unterstellt wird, dass die fixen Kosten sich im Rahmen der Kapazitätsgrenze und im Betrachtungszeitraum nicht ändern und die variablen Kosten linear ansteigen. Aus Vereinfachungsgründen liegt der 0-Punkt der variablen Kosten in Höhe der fixen Kosten. Ergänzt man das Bild mit der Erlöskurve, kann man – zumindest grafisch – den so genannten Kostendeckungspunkt (KDP; Break-evenpoint oder BEP im Amerikanischen) ermitteln, also die abgesetzte Menge, bei der die Gesamtkosten als Summe von fixen und variablen Kosten gerade durch die Erlöse abgedeckt sind und somit weder ein Gewinn noch ein Verlust zu verzeichnen ist. Eine Absatzmenge unter dem Kostendeckungspunkt führt zu einem Verlust, eine über dem Kostendeckungspunkt liegende Absatzmenge führt das Unternehmen – oder auch eine Investition – in die Gewinnzone. Da die Kosten in der dargestellten Form beschäftigungsabhängig sind, kann man in einem ersten und nicht unwichtigen Schritt die Produktionsmenge ermitteln, bei der ein Unternehmen oder eine Investition gerade kostendeckend arbeitet. Bei späteren Überlegungen ist festzustellen, dass durch den Aufbau der Kostenrechnung in Form einer Deckungsbeitragsrechnung Aussagen zur Preisgestaltung und zur Sortimentspolitik gemacht werden können. Wichtig ist zudem die Tatsache, dass eben diese Form die Grundstruktur der meisten in der Kfz-Branche verwendeten monatlichen Erfolgsrechnungen und Händlerbetriebsvergleiche ist. Deckungsbeitragsrechnung als Teilkosten- und Vollkostenrechnung Kostendeckungspunkt Aussagen zur Preisgestaltung und zur Sortimentspolitik 43 Schneemann, After Sales Management: Vogel Buchverlag: ISBN 3-8023-1844-7 4.2.6.2 Der gewichtete AW-Preis Der gewichtete AW-Preis berücksichtigt neben den unterschiedlichen Preisen für verschiedene Arbeiten auch deren Umsatzanteile am Gesamtumsatz, es handelt sich also um einen durchschnittlichen AW-Preis. Als Beispiel dient eine Rechnung für den gewichteten AW-Preis in einem Betrieb, der nur Mechanik und Karosseriearbeiten ausführt: Berechnungsbeispiel AW-Preis Mechanik 5,00 € / 70% aller Arbeiten sind mechanische Arbeiten AW-Preis Karosserie 6,00 € / 30% aller Arbeiten sind KarosserieArbeiten Rechnung: 5,– · 0,7 = 3,50 + 6,– · 0,3 = 1,80 = gewichteter AW-Preis 5,30 € 4.2.6.3 Jahres-Arbeitswerte pro Monteur und pro Arbeitsplatz Korrekte Planung der optimalen Werkstattauslastung Für eine korrekte Planung zur optimalen Werkstattauslastung, zur individuellen Terminplanung mit dem Kunden und zur Vorbereitung auf Marketingmaßnahmen ist es unerlässlich, die eigenen Kapazitäten jährlich, monatlich, wöchentlich und täglich zu ermitteln. Ausgehen kann man bei dieser Problemstellung von der Frage, welche Produktivität man im Normalfall von einem Monteur erwarten kann. Die Rechnung ist in Tabelle 4.1 dargestellt. Tabelle 4.1 Normproduktivität in Stunden Rechnung: 66 Tage des Jahres 365 – Samstage und Sonntage 104 = mögliche Produktivtage – Feiertage – Urlaub – Krankheitstage – Schulungstage 261 11 30 8 4 = tatsächliche Produktivtage – brutto – Leerlauf-, Wartezeit, Nacharbeit, sonstige nicht weiterberechenbare Zeit (ca. 6% bis 10%) 208 = produktive Tage – netto · produktive Stunden pro Tag 188 7,4 = Normproduktivität pro ME Std. 1391 20 Praxisorientierte Kennzahlen für den Service Schneemann, After Sales Management: Vogel Buchverlag: ISBN 3-8023-1844-7 deckungspunkt erreicht wird. Die Kosten entsprechen dem vorstehenden Beispiel. Absatzmenge · ( X – variable Kosten) = fixe Kosten 12 000 · (X – 4,70) 12 000 X – 56 400 12 000 X X = 25 500 = 25 500 = 81 900 = 6,83 € Folglich wäre der Kostendeckungspunkt bei einem möglichen Absatz von 12 000 Wäschen mit 6,83 € gegeben. Auch nach dieser Berechnung können nun eine Reihe weiterer unternehmerisch relevanter Fragen gestellt und geklärt werden: Ist ein Gewinn erzielender Preis über 6,83 € marktgerecht? Ist dieser Preis längerfristig zu erzielen? Wie sicher ist die Absatzprognose von 12 000 Wäschen? Zur Differenzierung dieser Fragestellungen könnten Marktuntersuchungen vorgenommen werden, die beispielsweise zu folgenden Ergebnissen führen könnten: Marktuntersuchungen Bei einem Waschpreis von 6,– € sind 14 000 Wäschen zu verkaufen Bei einem Waschpreis von 7,– € sind 10 000 Wäschen zu verkaufen Bei einem Waschpreis von 8,– € sind 9 500 Wäschen zu verkaufen Bei einem Waschpreis von 9,– € sind 9 000 Wäschen zu verkaufen Bei einem Waschpreis von 10,– € sind 6 000 Wäschen zu verkaufen Bei einem Waschpreis von 13,– € sind 2 000 Wäschen zu verkaufen Die Auswertung dieser Marktanalyse soll die in Tabelle 7.1 ersichtlichen Werte zeigen. Tabelle 7.1 Verkaufspreis/€ Kostendeckungspunkt: Optimaler Verkaufspreis Variable Kosten DB pro Wäsche Menge DB gesamt 6,– 4,70 1,30 14 000 18 200,– 7,– 4,70 2,30 10 000 23 000,– 8,– 4,70 3,30 9 500 31 350,– 9,– 4,70 4,30 9 000 38 700,– 10,– 4,70 5,30 6 000 31 800,– 13,– 4,70 8,30 2 000 16 600,– Mindestabsatzmenge und Preisoptimierung 117 Schneemann, After Sales Management: Vogel Buchverlag: ISBN 3-8023-1844-7 10 Der Verkauf: Kunde und Verkäufer Die Würde des Menschen ist unteilbar: Käufer und Verkäufer sind die Menschen dieses Kapitels. 10.1 Grundüberlegungen Die Verkaufspsychologie hat festgestellt, dass praktisch jedes Produkt nicht nur um seiner selbst willen gekauft wird, sondern dass mit dem Erwerb des Produktes auch der damit verbundene Zusatznutzen gekauft wird. Nicht die Ware allein wird gekauft, sondern die Ideen und die Wunscherfüllungen, die damit verbunden sind. Ein guter Verkäufer wird somit auch immer eine hohe Sensibilität für die wahren Kaufgründe haben; er wird versuchen, die echten Kaufmotive zu ergründen, und dann seine Argumentation entsprechend darauf aufbauen. Hat er die individuelle Bedeutung des Produktes für den Kunden gefunden, dann ist ein Verkaufsabschluss in greifbarer Nähe. Ein beliebter Einstellungstest bei neuen Verkäufern für Fahrzeuge oder im After-Sales-Bereich war, dass man dem Aspiranten eine Zahnbürste in die Hand drückte und ihn aufforderte, die wesentlichen Verkaufsargumente darzulegen. Jeder kann sich vorstellen, welche guten Gründe es gibt, um sich eine bestimmte Zahnbürste zu kaufen. Doch am Ende des Tests kam für den Prüfungskandidaten die Überraschung, denn man teilte ihm mit, dass seine Argumentation zwar sehr beeindruckend war, dass man aber die Zahnbürste eigentlich kaufen wollte, um die Leichtmetallräder vom Bremsstaub zu befreien. Dieses kleine Beispiel zeigt deutlich, wie wichtig es für den Verkäufer ist, durch eine genaue Bedarfsanalyse zu Beginn des Verkaufsgespräches die echten Beweggründe für den Kaufwunsch zu erfahren. Denn sonst geht auch die am besten aufgebaute Argumentation ins Leere, denn der potentielle Kunde wird in dem Gespräch mit dem Verkäufer nie das hören, was er hören möchte. Er wird wahrscheinlich ungeduldig werden und das Gespräch abbrechen; die Chance zu einem Verkauf ist somit vertan. Echte Kaufmotive Genaue Bedarfsanalyse 169 Schneemann, After Sales Management: Vogel Buchverlag: ISBN 3-8023-1844-7