Rezension - Jürgen Schick

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"Bilder aus einer anderen Welt" Jürgen Schick
Keine andere Religion hat ein so vielfältiges und vielschichtiges Pantheon wie der
tibetische Buddhismus. Die Bilder sind Illustration und Erklärung der Religion,
Wiedergabe von meditativen Visionen, voll Symbolik und daher von Nichteingeweihten
schwer zu verstehen.
Es ist ein großes Verdienst des Autors, die Leser allgemeinverständlich und in 13
thematisch geordneten Kapiteln mit dem verwirrend vielgestaltigen Pantheon bekannt
zumachen. Je öfter man dieses umfangreiche, mit viel Liebe gestaltete Buch liest, desto
mehr Zusammenhänge werden offenbar, desto tiefer wird das Verständnis. Herbert Tichy
schrieb: "Das Bild gibt die Gegenstände, und die Worte bringen sie vielleicht zum Leben."
Bemerkenswert auch, dass der Autor alle Abbildungen in mehr als 25 Jahren in den
Himalayaländern selbst zusammengetragen hat. Tibet selbst kommt bei den Abbildungen
leider etwas zu kurz. Trotz aller Zerstörungen sind nämlich auch dort einige
phantastische Gemälde erhalten geblieben, wie z.B. im Lukhang/ Lhasa,
Dranang/Tsangpotal, im Kumbum/Gyantse und natürlich in Tsaparang und Tholing in
Westtibet. Man hätte sich gewünscht, auch von diesen Stätten einige Bildbeispiele im
Buch zu finden.
Gleichwohl ist das Buch ein wertvoller Beitrag zum Verständnis der einzigartigen Kultur
Tibets. Möge es dazu beitragen, dass die tibetische Religion und Kunst als ein wichtiger
Bestandteil des Kulturerbes der Menschheit bekannt, anerkannt und geschützt wird.
Prof. Hans Först, Wien
Der in Kathmandu lebende Fotograf und Autor Jürgen Schick hat im Alleingang ein
umfassendes Werk über die sakrale buddhistische Kunst vorgelegt. „Bilder aus einer
anderen Welt“ ist ein so ambitioniertes Projekt, wie es sonst nur von Museen im
Zusammenhang mit Ausstellungen angegangen wird: Eine allgemein verständliche
Darstellung der großartigen Wandmalerei, die immer auch Spiegel der Gesellschaft war.
Schick löst seinen Anspruch überzeugend ein. Statt eines großen Stabs an Mitarbeitern
verfügt er über eine große Reiseerfahrung. Seit 25 Jahren besucht er Klöster, Tempel
und sonstige heilige Stätten in allen Teilen des Himalaya, die zugänglich sind, von Ladakh
bis Bhutan. Fasziniert haben ihn dabei vor allem die Wandmalereien und die Thangkas,
die ein Abbild der buddhistischen Götterwelt und eine Ehrbezeugung gegenüber dem
Erleuchteten sind. Die Darstellungen umfassen einen Zeitraum von über 1000 Jahren,
und damit dokumentiert Schick die Vielfalt der tibetisch – buddhistischen Kultur.
Nach einer ausführlichen Einleitung, die fundiert über die Götterwelt des Himalaya sowie
über die Bedeutung der Kunstwerke innerhalb der buddhistischen Kultur informiert,
werden im Hauptteil über hundert Wandmalereien vorgestellt. Der Autor geht dabei nicht
geographisch oder chronologisch vor, sondern ordnet die Bilder nach den Motiven:
Buddha und sein Leben, der Buddhismus und seine Geschichte, Schutzgottheiten,
Dakinis, das Lebensrad, historischen Persönlichkeiten und andere Bereiche werden dabei
behandelt.
Schick nennt zu allen Darstellungen ihren Ursprungsort und beschreibt sie manchmal
ausführlich, manchmal knapp. Bei vielen liefert er eine religiös-kunstgeschichtliche
Analyse, beschreibt, welche Bedeutung den Symboliken zugrunde liegt, warum welche
Farbe gewählt wurde und mehr. Dabei ist er sich allerdings auch seiner Grenzen bewusst:
„Die Bedeutung der Bildnisse zu erklären, ist nicht immer leicht. Fast alle Bilder sind
symbolische, d.h. verschlüsselte Bildnisse. In ihnen verbirgt sich hinter der äußeren
Erscheinung eine innere eigentliche Bedeutung. Das ist es, was tibetische Kunst eine so
starke Ausstrahlung verleiht, was aber auch den Zugang zu ihr nicht leicht macht.“...
Besonders hervorgehoben werden muss, dass der Autor unverblümt auf die Zerstörung
der buddhistischen Kultur in Tibet eingeht; ein Zusammenhang, der in Kunstbänden nur
selten hergestellt wird – gebietet doch die Kooperation von Museen oder Sammlungen
mit chinesischen Partnern an diesem Punkt äußerste Zurückhaltung. Nicht so Jürgen
Schick. Er nennt die Zerstörungen der Vergangenheit beim Namen und schildert drastisch
auch die heute noch sichtbaren Spuren: „Davon abgesehen aber bietet die
Kulturlandschaft Tibets noch heute ein Bild umfassender Zerstörung. Selbst wer nur auf
der üblichen Touristenroute in vier Tagen über Land von Kathmandu nach Lhasa fährt,
über Zhammu, Nyalam, Tingri, Shigatse und Gyantse, der kann, ohne den Bus zu
verlassen, allein rechts und links der Straße die Ruinen von über 100 gesprengten
Klöstern in den Himmel ragen sehen.“
Man merkt dem Autor immer wieder seine Erschütterung und seine Empörung über die
Barbarei an, die Tibet seit den fünfziger Jahren heimgesucht hat und in subtilerer Form
bis heute anhält, denn allen Lippenbekenntnissen zum Trotz ist die VR China weit davon
entfernt, der tibetisch-buddhistischen Kultur Respekt und Achtung entgegenzubringen.
Ingesamt liegt hier ein Werk vor, in dem die große Bewunderung des Autors für das
tibetisch-buddhistische Erbe einhergeht mit einem klaren Blick für die Wirklichkeit des
Landes in der Gegenwart. Eine sehr gelungene Mischung also und damit ein sehr
empfehlenswertes Buch, bei dem allenfalls der Preis ein wenig abschrecken könnte. Doch
die zahlreichen farbigen Abbildungen stellen auch das in einen angemessenen Rahmen.
Klemens Ludwig in „Brennpunkt Tibet“ Ausgabe 03/07
Jürgen Schick
„Bilder aus einer anderen Welt“
ISBN 978-3-9811117-0-5
Meister-Verlag Reute bei Freiburg
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