Holz atmet Großstadtluft - Mikado

Werbung
3.2013
März
ISSN 0944-5749
12,80 =C
Unternehmermagazin für Holzbau und Ausbau
Mehrgeschosser
Ein Solo für fünf
Nutzfahrzeuge
Franzose in
Hochform
Kirchenbau
Holz ist unsere
Religion
Wohnungsbau
Holz atmet Großstadtluft
Organ von
Europäische
Vereinigung des Holzbaus
mikado-web-award 2012
www.knapp-verbinder.com
Design, Inhalt, Nutzen und Übersichtlichkeit – nach diese Qualitätskriterien begutachteten die mikado-Leser die
teilnehmenden Websites. Am Ende waren sie der Meinung: Die Website des österreichischen VerbinderSpezialisten Knapp ist die beste und verdient den mikado-web-award 2012. Damit steht die Website der Firma
Knapp bereits zum zweiten Mal auf dem Siegertreppchen. Herzlichen Glückwunsch!
Editorial
Christoph Maria Dauner,
Chefredakteur mikado
Wachstumsmotor Wohnbau
Hochkonjunktur am Bau: In Deutschland werden so viele neue Wohnungen errichtet wie
seit 2006 nicht mehr. Dieser Wachstumsmotor soll dem Bauhauptgewerbe 2013 zu einem
Umsatzplus beim Wohnbau von 3,5 Prozent verhelfen. Der hohe Beschäftigungsstand,
steigende verfügbare Einkommen und historisch niedrige Hypothekenzinsen beflügeln
zurzeit die Bauherren.
Doch während die Deutschen noch beherzt in
Service siegt: Nur wer seine Kunden gut
Immobilien investieren, blickt die Deutsche
kennt, entkommt dem Preiskampf. Und das
Bundesbank bereits mit Sorge auf die Entwicklung
zahlt sich aus. Seite 37. Heiße Halle: Die
am Markt für Häuser und Wohnungen. Bundesbank-
marode Ofenhalle in Waldsassen verwan-
Vorstand Andreas Dombret erkannte Ende 2012 in
delten Zimmerer in ein Vorzeigeobjekt. Seite
Deutschland zwar noch keine Immobilienblase,
32. Passivhaus: Chic Wohnen und effektiv
aber die Erfahrungen aus anderen Ländern
Arbeiten unter einem Dach. Seite 44.
zeigten, dass niedrige Zinsen und hohe Liquidität
schnell zu Übertreibungen führen. Und das trifft für einige Regionen in Deutschland wohl
bereits zu.
In Ballungsräumen wie München, Frankfurt, Hamburg oder Berlin jedoch steigt die Nachfrage
nach hochwertigem Wohnraum weiter an – und das soll nach Expertenmeinung auch so
bleiben. Hier lohnt es sich also besonders, dabei zu sein und passende Angebote machen
zu können. Welche Trümpfe der Holzbau aktuell in Berlin ausspielt, lesen Sie ab Seite 10 –
und spielen Sie dann Ihre aus!
Ihr
www.mikado-online.de
3
Stefan Müller
Schaller + Sternagel Architekten
mikado 3.2013 Inhalt
Bauen und Wohnen in der Stadt
Unsere Gesellschaft und das Wohnen verändern sich.
Energieeffizienz wird immer wichtiger. Der Trend geht
zum Wohnen in der Stadt. Dort sind Grundstücke rar und
Einfamilienhäuser Luxus. Wer keine Massenware kaufen
möchte, schließt sich mit Gleichgesinnten zusammen
und baut nach eigenen Wünschen. Seite 10
Wohnung thront auf Werkstatt
Als die Gemeinde Öhningen auf der Bodensee-Halbinsel
Höri ein neues Gewerbegebiet erschloss, ergriffen die
Bauherren die Chance. Eigentlich sind Wohnbauten
in diesem Gewerbegebiet nicht erlaubt, aber da das
Ehepaar im Erdgeschoss eine Klavierwerkstatt mit Büro
einrichtete, kam die Wohnung „nur dazu“. Seite 44
Thema des Monats: Wohnungsbau
Details im Griff
10 | Effizienzhaus Plus
Das Forschungsprojekt „Effizienzhaus Plus“ soll
neue Erkenntnisse über die technischen Möglichkeiten für klimaneutrales Wohnen und Autofahren
bringen, um mit den Ergebnissen die Energiewende voranzutreiben.
35 | Dachkonstruktion
Überraschende und ungewöhnliche Ursache für
eine durchfeuchtete Stelle in einem Dachraum.
20 | Fünfgeschosser
In Berlin entstand ein fünfgeschossiges Wohngebäude, das in vielfacher Hinsicht innovativ ist:
Ein durchdachtes Holzbaumischsystem hielt die
Baukosten niedrig und ermöglichte individuelle
Grundrisslösungen.
37 | Preiskampf
Wenn Qualität und Service stimmen, schaut der
Kunde nicht mehr nur auf den Preis.
Management
40 | Nutzfahrzeuge
Mit Facelift, Topmotorisierung und Automatik rückt
der Citroën jetzt Mercedes und VW auf die Pelle.
Ingenieurholzbau
Architektur
28 | Kompetenzzentrum
Mit dem Holzbau einen Müllberg kultivieren: das
war das Ziel beim Projekt „:metabolon“ in Lindlar.
44 | Einfamilienhaus
Bei einer Klavierwerkstatt mit Büro kam die
Wohnung sozusagen „nur dazu“.
Sanierung und Ausbau
Produkt und Praxis
32 | Ofenhalle
Nach der Sanierung ist aus der Ofenhalle ein
Schmuckstück geworden.
4
mikado 3.2013
56 | Feuchtigkeitssperre
Sanierung einer Bodenplatte.
3d-cad/cam für den holzsystembau
Gute Gründe für hsbCAD:
Eckhart Matthäus
佀 Technologieführung auf AutoCAD®-Basis
Neue Alt-Katholische Kirche
Die Bauherrin wünschte sich
eine kompakte und ökologische
Kirche trotz geringen Budgets. Die
Architektur sollte zeigen, wie die
alt-katholische Gemeinde ihren
Glauben versteht. Seite 66
Titel:
Eternit / Stefan
Müller; Jürgen
Emmenlauer;
Wolfgang
Tschakert;
Eckhart Matthäus
佀 Durchgängige und intelligente 3D-Gesamtlösung
Ein Magazin der
WEKA MEDIA
GmbH & Co. KG
佀 Effizienz durch individuelle Anpassung
Holzhäuser
佀 Intuitives Konstruieren erzeugt zuverlässige Ergebnisse
佀 Produktivitätssteigerung mittels Durchgängigkeit und Parametrik
佀 Fehlervermeidung durch Dynamisches Verhalten der Bauteile
佀 Einsatzbereiche und Lösungen für:
(QWZXUI
$UFKLWHNWXU
=LPPHUHL
+RO]EDX
,QJõ+RO]EDX
2EMHNWEDX
*HZHUEHEDX
)HUWLJKDXV
'DFKGHFNHU
+DOOHQEDX
%ORFNKDXVEDX
%6+
/HLPKRO]
%UHWWVSHUUKRO]
&/7©./+©;õ/$0
60 | Fünfgeschosser
Mehrgeschosser aus Holz sind in Deutschland noch
keine Selbstverständlichkeit. Die Herausforderung
gemeistert hat Gapp Holzbau in Ehingen/Donau.
Holzwelten
66 | Alt-Katholisches Gemeindezentrum
Beim Neubau der Alt-Katholischen Kirche „Apostelin Junia“ in Augsburg vereint sich die Klarheit
moderner Architektur mit der Wärme des Holzes.
Rubriken
3 |
6 |
50 |
50 |
51 |
58 |
63 |
70 |
Editorial
Kurz und bündig
Verband aktuell
Tipps und Termine
Produkte
Branchenführer
Unternehmen
Vorschau/Impressum
www.mikado-online.de
Besuchen Sie uns auf folgenden Messen und Veranstaltungen:
佀䢢Legno & Edilizia 2013, Verona (Italien), 14. bis 17. 3. 2013
佀䢢Ligna 2013, Hannover, 6. bis 10. 5. 2013
5
ITW Befestigungssysteme GmbH hohe buchleuthe 9a d-87600 kaufbeuren [email protected] www.hsbCAD.de
kurz & bündig
mikado-Interview
300 Jahre Nachhaltigkeit in der Forst- und Holzwirtschaft
Die Nachhaltigkeit feiert 2013 ihren 300. Geburtstag. Erfunden hat
sie ein Deutscher: Hans-Carl von Carlowitz. mikado unterhielt sich
darüber mit Philipp Freiherr von und zu Guttenberg, Präsident der
Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände (AGDW).
mikado: Herr von und zu Guttenberg, Nachhaltigkeit ist heute ein
etabliertes Prinzip. Wird der Begriff aber nicht schon zu inflationär gebraucht?
Philipp Freiherr von und zu Guttenberg: Nachhaltigkeit wird sich
wohl bald den Preis des meistmissbrauchten Unwortes einhandeln. Das ist sehr bedauerlich, liegt aber wahrscheinlich
daran, dass die meisten Menschen den Inhalt nicht begreifen.
Nachhaltigkeit ist ein bewährtes
und erfolgreiches Bewirtschaftungsprinzip mit Modellcharakter. Um es auf den Punkt zu bringen: Nicht mehr ausgeben, als
man einnimmt! Von den Zinsen leben und nicht vom Vermögen!
Ist das in der Waldwirtschaft
noch der Fall?
Ja, zumindest in Deutschland.
Hier wächst der Wald bestän-
dig in Qualität wie Quantität. Seit
dem Zweiten Weltkrieg hat unsere Waldfläche stetig zugenommen – seit 1970 um rund 1 Mio.
Hektar. Insgesamt haben wir in
Deutschland heute 11 Mio. Hektar, also ein Drittel der Landes-
den standortlichen Vorgaben
entsprechend austarieren kann.
Dafür gibt es keine Standardrezepte. Wenn es nun durch externe Partikularinteressen zu einer Verschiebung dieses Gleichgewichtes kommt, kann das Dach
sehr leicht einstürzen. Wir merken das in vielen Bereichen: sei
es durch eine übereifrige Naturschutzindustrie oder durch unrealistische Forderungen unaufgeklärter Bevölkerungsgruppen.
von 43 Prozent, bei der Jungbestockung von 71 Prozent. Der
Holzbau wie auch die gesamte
Holzindustrie ist jedoch zu über
90 Prozent auf Nadelholz ausgerichtet. Deshalb brauchen wir
einen ausreichenden Bestand
an Nadelbäumen, sonst herrscht
bald ein gravierender Engpass.
Eine Verlagerung der Produktion ins Ausland wäre alles andere
als verantwortungsvoll – geschweige denn nachhaltig.
„Die Stahl-, Beton- und Ölbranche lachen sich tot,
wenn sie sehen, wie kleinkariert wir agieren.“
fläche. Jährlich wachsen rund
120 Mio. Festmeter Holz zu, wovon aber nur 60 bis 80 Mio. genutzt werden.
Also alles bestens?
Nein! Nachhaltigkeit ist nichts
Statisches, sondern immer ein
dynamischer Kompromiss, damit man die drei tragenden Säulen – Ökonomie, Ökologie, Soziales – nach den berechtigten
Interessen des Eigentümers und
Das Ergebnis wird allerdings allen zum Schaden gereichen!
Wie sieht denn die Baumartenverteilung momentan aus?
Als Reaktion auf die früher teils
staatlich angeordneten Fichtenmonokulturen wurden die letzten
Jahrzehnte – Gott sei Dank – wieder viele Laubbäume gepflanzt.
Allerdings nach deutscher Manie erneut im Übermaß. Heute
haben wir einen Laubholzanteil
Umweltschützer blenden den
Nutzen der Holzverwendung für
den Klimaschutz aus.
Ja, hier herrscht oft eine sehr
eindimensionale Sichtweise.
Man will aus Gründen der Besitzstandswahrung nicht wahrhaben, dass unser Wald eine
Nutz-, Erholungs-, Naturschutzund Klimaschutzfunktion gleichzeitig erfüllen kann – und seit
Jahrhunderten hervorragend erfüllt. Unser Wald ist multifunktio-
Marketingkampagne
Stahl bläst zum Gegenangriff
W
er Anfang des Jahres in München die „BAU 2013“ besuchte, den begleiteten auf dem Fußmarsch zum Messeeingang auffällige Plakate mit Slogans wie „Klimaschutz beginnt mit Stahl“. Die Stahlbranche überlässt dem Holzbau also
nicht kampflos Märkte, sondern bläst zum Gegenangriff und
nimmt mangels ausreichender Großprojekte nun auch kleinere
Bauaufgaben ins Visier. Die Plakate sind Teil einer aufwendigen
Kampagne, die die „Wirtschaftsvereinigung Stahl“ Ende 2011 ins
Leben rief. Auch wenn die vorgebrachten Argumente wohl fast
alle einer kritischen Betrachtung nicht standhalten, wird die
Kampagne Wirkung entfalten. Eine verstärkte Aufklärungsarbeit der Holzbaubranche ist notwendiger denn je.
6
mikado 3.2013
www.zukunft-beginnt-mit-stahl.de
kurz & bündig
nal. Holz ist multifunktional. Neben seinem praktischen Nutzen
dient es gleichzeitig der CO2-Senkung, -Speicherung und -Substitution. Waldwirtschaft und Holznutzung sind die intelligenteste,
effizienteste und preisgünstigste
Teillösung im Kampf gegen den
Klimawandel.
Was wünschen Sie sich von der
Politik?
Ich wünsche mir vor allem, dass
die Politik die Holzproduktion als
gemeinwohldienliches Ziel anerkennt. Mit Kulissenschiebereien
in Nationalparks können wir die
Welt nicht retten. Und ich befürchte, dass sich die Nutzungskonflikte künftig noch zuspitzen.
Der wohl vernünftigste Weg wäre
die ordentliche monetäre Bewertung und Abgeltung der Gemeinwohlleistungen aus der Waldbewirtschaftung, allerdings mit
vorangegangener Berechnung
aller Opportunitätskosten.
Was wünschen Sie sich von der
Forst- und Holzbranche?
Mehr Gemeinschaftssinn! Die
Stahl-, Beton- und Ölbranche
▴▴Übergreifende Strukturen für
die Bewerbung von Holz fordert
Waldbesitzerpräsident Philipp
Freiherr von und zu Guttenberg
lachen sich tot, wenn sie sehen,
wie kleinkariert wir vor allem
untereinander agieren. Auf den
Holzbau hat niemand gewartet. Deshalb müssen wir wieder
übergreifende Strukturen aufbauen, die sowohl in horizontaler als auch in vertikaler Verflechtung über den natürlichen
Baustoff Holz informieren und
für ihn werben.
MAXIBOARD 600 x 5000 mm
Längskanten mit Wechsel/Nut-Feder
SYSTEMBOARD 600 x 2480 mm
mit 4-seitiger Wechsel/Nut-Feder
Farbbeschichtet
2x sichtseitig und 1x rückseitig
(inkl. Zwischenschliff)
Innen- und Außenbereich einsetzbar
Sonderfarbtöne möglich
Sondermaße möglich
Herr von und zu Guttenberg,
herzlichen Dank für das interessante Gespräch!
Frage des Monats
Die Stahlbranche fährt eine Marketingkampagne mit
Botschaften wie „Klimaschutz beginnt mit Stahl“.
Ist so etwas eine ernsthafte Bedrohung für den Erfolg
des Holzbaus?
A)Nein, denn Stahl ist doch nicht schön und total
ungemütlich.
B)Nein, denn jeder weiß doch, dass Stahl nicht
nachhaltig ist.
C)Ja, denn wenn man eine Botschaft oft genug
wiederholt, wird sie eines Tages auch geglaubt.
Gehen Sie zum Abstimmen bitte ins Internet auf:
www.mikado-online.de
www.mikado-online.de
7
kurz & bündig
HolzbauPlus-Wettbewerb
Knauf Award
Ministerium ehrt die Besten
B
Eckhart Matthäus
undeslandwirtschaftsministerin lse Aigner zeichnete im Rahmen der Internationalen Grünen Woche vier
Bauwerke als Gewinner des
Bundeswettbewerbs „HolzbauPlus“ aus. In der Kategorie
„Wohnungsneubau“ gewann
ein Fünfgeschosser in Berlin,
den mikado in diesem Heft
auf den Seiten 20-27 ausführlich vorstellt. In der Kategorie
„Wohnungsbau – Sanierung“
gewann ein Sechsgeschosser in Augsburg, über den mikado schon in
seiner Ausgabe 8.2012 berichtete. Und die Kategorie „Gewerbliches
Bauen“ gewann das neue Logistikzentrum eines Holzgroßhändlers
in Philippsburg, über das mikado in seiner nächsten Ausgabe 4.2013
ausführlich berichtet. Der Bundeswettbewerb „HolzbauPlus“ umfasst
alle Aspekte des Bauens mit nachwachsenden Rohstoffen und wurde
2012 zum ersten Mal ausgelobt.
www.holzbauplus-wettbewerb.info/preistraeger
Mitmachen!
H
ersteller Knauf lobt 2013 erstmalig den
„Knauf Award“ aus. Prämiert werden zukunftsweisende Lösungen und Konzepte. Zur Teilnahme aufgerufen sind
Bauunternehmen, Architekten, Innenarchitekten, Fachplaner und
Bauherren. Der Preis ist
mit insgesamt 35 000
Euro dotiert und wird in
den Kategorien Design,
Energieeffizienz, Bauphysik und Nachhaltigkeit vergeben. Zugelassen sind Neubauten,
Sanierungen, Umnutzungen und temporäre
Bauten, die in Deutschland zwischen dem 1. Juni 2010 und dem Abgabeschluss 30. Mai 2013 fertiggestellt wurden.
www.knauf-award.de
V
NHW
7LF .at
H
W
J
¤ŸL
esse
(UP w.bwsm
ww
Der Treffpunkt für Handwerk und Industrie
10. – 13.04.2013 | Messezentrum Salzburg
33. Internationale Fachmesse für Fertigungsbedarf, Holzbe- und -verarbeitung,
Eisenwaren, Werkzeug, DIY-Bedarf, Schloss & Beschlag
Mit den Sonderthemen:
8
mikado 3.2013
arbeits
schutz
holz
bau
raum
design
Silke Schmidt
kurz & bündig
Hamburg
Synagoge aus Stein, Kulturhaus aus Holz
M
ehr als 100 Jahre lang war die Turnhalle der ehemaligen Israelitischen Töchterschule in Hamburg
in Betrieb – doch für die heutigen Ansprüche einer Sportnutzung genügte sie nicht mehr. Deshalb wurde sie zwar
denkmalgerecht saniert, aber auch so umgebaut, dass sie
nun einer neuen Nutzung dient: als Synagoge und Veranstaltungsraum der Jüdischen Gemeinde. Um diese Funktion gut erfüllen zu können, entstand ein Anbau mit Café,
Seminar-, Verwaltungs- und Sanitärräumen. Um die his-
torische Bedeutung des Altbaus zu betonen, platzierten
die Architekten den Anbau als untergeordnetes Gebäude
in einigem Abstand daneben. Das zweigeschossige Gebäude besitzt auf allen Seiten eine markante Holzfassade
aus Lärche und auch im Inneren ist dieses Holz zu finden. Die Architekten begründeten ihre Materialwahl mit
der Weichheit und Wärme sowie dem klaren Kontrast zur
denkmalgeschützten steinernen Turnhalle.
www.beit-shira.org ı www.knaack-prell.com
MAKING MORE
OUT OF WOOD
Innovations . Solutions . Efficiency
Auf der „Handwerk, Holz und mehr“
finden Sie alle Neuheiten, mit
denen Sie als Handwerker leichter
und effizienter arbeiten.
Informieren Sie sich über innovative
Maschinen, Werkzeuge und Verfahrenstechniken.
Entdecken Sie die Trends aus dem
Themenbereich Fensterbau.
Tauschen Sie sich mit Branchenvertretern des Handwerks aus.
Besuchen Sie die Messe für das Holz
verarbeitende Handwerk auf der
LIGNA 2013. Mehr Infos unter
handwerk-holz-mehr.de
Gleich vormerken:
06.05. – 10.05.2013
www.mikado-online.de
Weitere Informationen erhalten Sie unter Tel. +49 511 89-0, [email protected]
9
Thema des Monats Wohnungsbau
Ulrich Schwarz / BMVBS
P 1
10
mikado 3.2013
Projekt 1
„Effizienzhaus Plus“ in Berlin
Das Bundesbauministerium geht mit gutem Beispiel voran und
ließ in Berlin ein energieeffizientes Einfamilienhaus errichten.
www.mikado-online.de
Gebäudekonzept
12
Konstruktion
14
Steckbrief
15
Energiekonzept
16
Kritischer Kommentar
18
Fazit
19
11
Thema des Monats Wohnungsbau
Ulrich Schwarz / BMVBS
P 1
▴▴Die Rückseite
besitzt eine große
Terrasse in
parkähnlicher
Umgebung
Gebäudekonzept
„Mein Haus! Meine Tankstelle!“
Das Forschungsprojekt „Effizienzhaus Plus“ soll neue Erkenntnisse
über die technischen Möglichkeiten für klimaneutrales Wohnen und Autofahren
bringen, um mit den Ergebnissen die Energiewende voranzutreiben.
M
obilität und Immobilien haben nicht nur ein paar Silben
gemeinsam. Sie ergänzen sich auch
funktional. Und sie sind zusammen
für rund 70 Prozent des Endenergieverbrauchs und für rund 40 Prozent
der CO2-Emissionen verantwortlich.
Das ist der Grund, warum die Bundesregierung will, dass ab dem Jahr
2019 in Deutschland alle Neubauten
klimaneutral betrieben werden.
Diesem Ziel dient auch die Forschungsinitiative „Zukunft Bau“
des „Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung“
(BMVBS). Sie sucht nach Konzepten für klimaneutrale Gebäude und
12
Elektromobilität – und will diese
miteinander kombinieren.
Als Pilotprojekt initiierte die Initiative im Jahre 2010 das Einfamilienhaus „Effizienzhaus Plus mit Elektromobilität“ und ließ es 2011 mitten
im Berliner Stadtteil Charlottenburg
errichten. Das 130 m2 große Einfamilienhaus produziert übers Jahr gerechnet deutlich mehr Energie, als
es selbst benötigt. Mit dem Überschuss versorgt es zwei Elektromobile und ein Elektrofahrrad, sodass
unterm Strich sämtliche für den Gebäude- und für den Verkehrsbereich
benötigte Energie selbst aus erneuerbaren Quellen produziert wird.
mikado 3.2013
Nachhaltige und recycelbare
Baustoffe
Den für die Planung im Jahr 2010
öffentlich ausgelobten Architekturwettbewerb gewann die Universität Stuttgart mit dem Büro Werner
Sobek. Die Fraunhofer Gesellschaft
übernahm die wissenschaftliche Begleitung des Gesamtprojekts. Seit
März 2012 bewohnt eine Testfamilie
das Forschungsobjekt für zunächst
15 Monate und ist während dieser
Zeit einem laufenden Monitoring
unterzogen.
Ein durchdachtes Material- und
Recyclingkonzept ermöglicht es, das
Thema des Monats Wohnungsbau
gesamte Gebäude nach der vorgesehenen Projektlaufzeit von drei Jahren zurückzubauen und in den Stoffkreislauf zurückzuführen. Ein Teil der
Bauelemente wie z. B. die Photovoltaikanlage wird von den Herstellern
zurückgenommen und bei anderen
Projekten weiterverwendet, der Rest
stofflich recycelt.
Um die unterschiedlichen Materialien beim Rückbau möglichst einfach voneinander trennen zu können, spielte die Verbindungstechnik
eine entscheidende Rolle. Größtenteils kamen einfach trennbare
Schraub-, Klick- und Klemmverbindungen zum Einsatz. Darüber hinaus
war die Nachhaltigkeit bei der Materialauswahl wichtig. Deshalb ist das
Gebäude in Holzbauweise errichtet,
was allerdings nicht erkennbar ist,
weil aus ästhetischen Gründen die
Holzkonstruktion komplett mit anderen Materialien verkleidet ist.
wird über Präsenzmelder gesteuert.
Der sog. „Energiekern“ neben dem
Schaufenster beherbergt die Haustechnik und stellt die Schnittstelle
zwischen Immobilie und Mobilität
anschaulich dar. Interessierte Passanten können sich hier auf einem
großen Display über das Projekt informieren.
Aufwendige wissenschaftliche
Untersuchungen
Während seiner Nutzungsphase werden die Energieströme im Gebäude
im Rahmen des Monitorings messtechnisch erfasst und in Form von
monatlichen Energiebilanzen ausgewertet. Zudem wird die Performance
der installierten Anlagentechnik bewertet. Messfühler kontrollieren die
Lufttemperatur und die CO2-Konzentration im Innenraum.
Der Ertrag der Photovoltaikanlage und der Stromverbrauch der
Komplette Südfassade aus
Photovoltaik
www.mikado-online.de
Christine Ryll, München ▪
Gebäudekonzept
1
1 P
hotovoltaik-Module, in die Fassade
integriert und auf dem Dach
2 Energie- und Technikzentrale
3 Batterie
4 Informationsdisplays und
konduktives Ladesystem
5 Feststehende Lamellen
6 Treppe
7 Induktives Ladesystem
2
5
3
4
6
7
privat
Energiekern
Werner Sobek, Stuttgart
Die geschlossene Fassade auf der
Nordseite minimiert die thermischen
Verluste des Gebäudes, während die
mit Photovoltaik belegte Südfassade
den Energiegewinn maximiert. Ostund Westseite des Neubaus sind vollflächig verglast, sodass viel Tageslicht ins Rauminnere gelangt. Die
Ostseite verfügt darüber hinaus über
einen außen liegenden, beweglichen
Sonnenschutz, um Überhitzung zu
verhindern.
Der Zugang zum Haus erfolgt von
der auf seiner Westseite vorbeilaufenden Fasanenstraße über das sog.
„Schaufenster“, in dem die Elektrofahrzeuge parken und das natürlich
auch die Funktion des Sonnenschutzes übernimmt. Auf der Ostseite liegt
eine mit Bäumen durchsetzte Grünfläche, zu der sich die privat genutzte Terrasse orientiert.
Im Erdgeschoss befindet sich der
mit Ausnahme der Kücheneinrichtung barrierefrei konzipierte Wohnund Essbereich. Die Schlafzimmer
befinden sich im barrierearm erstellten Obergeschoss. Die künstliche Beleuchtung erfolgt über energieeffiziente LEDs. Sie ist dimmbar und
technischen Geräte werden fortlaufend aufgezeichnet, ebenso die
Strommengen für das Aufladen der
Elektrofahrzeuge und den Betrieb
der Wärmepumpe sowie die vom
Heizsystem verbrauchte Wärmemenge. Ein Energiemanagementsystem schätzt auf der Basis von Wettervorhersagen die selbst erzeugte
Energiemenge und den Energieverbrauch – und leitet daraus Vorgaben für die Nutzung eines Batteriespeichers ab.
Nicht zuletzt betreuen Sozialwissenschaftler die vierköpfige Familie
während ihres Aufenthalts von März
2012 bis Mai 2013. Die Forschung erhofft sich davon Erkenntnisse hinsichtlich der Schnittstellen zwischen
Mensch und innovativer Technik, der
Akzeptanz und Anwendung neuer
Technologien, der Nutzung intelligenter Netze zur Bedienung des Gebäudes und der Elektromobilität.
öffentlich
13
Thema des Monats Wohnungsbau
P 1
Konstruktion
Innen Holz, außen Kraftwerk
Ulrich Schwarz / BMVBS
Dem Berliner „Effizienzhaus Plus“ sieht man nicht an, was in ihm steckt.
Es ist ein reinrassiger Holzbau, so konzipiert, dass er sich irgendwann
Platte für Platte und Balken für Balken auseinanderbauen und recyceln lässt.
W
enn ein Gebäude vollkommen
recycelbar sein muss, dann
schließt das verschiedene Materialien
von vornherein aus. Und wenn darüber hinaus auch noch ein hoher Vorfertigungsgrad gewünscht wird, dann
schrumpft der Rest noch weiter zusammen. Beim „Effizienzhaus Plus“
blieb am Ende der Suche nach dem
idealen Baumaterial nur noch eines
übrig: Holz. Zwar hat es auch einige Nachteile, erklärt Architekt Werner Sobek, der das Gebäude plante,
so etwa die geringe Trittschalldämmqualität im Deckenbereich, „doch wir
haben den Deckenaufbau einfach anders gelöst, sodass er nun alle Anforderungen an den Schall- und Trittschallschutz erfüllt – und aufgrund
seiner Schichtung zudem zu 100 Prozent recycelbar ist.“
14
Die untere Bekleidung der Decke
besteht aus 12,5 mm Gipskartonplatten, die an einer federabgehängten
Unterkonstruktion montiert sind. Dahinter verbirgt sich eine Schicht Hanfdämmung, gefolgt von einer zweiten
Dämmschicht in Form eines PapierWabenelements mit Schüttung. Nach
oben schließen sich Holzfaserplatten
an, auf denen eine 30 mm dicke Fußbodenheizung verlegt ist. Zweimal
2,5 mm Trockenestrich, 3 mm dicke
Ausgleichsmatten und 15 mm Holzbelag komplettieren den Aufbau.
Holztafelbauweise mit
Stahlstützen
Das Gebäude selbst ruht auf einer
Flachgründung aus vorgefertigten
Streifen- und Einzelfundamenten
mikado 3.2013
▴▴Um dem hohen
Anspruch
an Nachhaltigkeit
zu genügen,
ist das HightechGebäude in
klassischer
Holzrahmenbauweise errichtet
aus Stahlbeton. Auf diesen steht eine
freitragende Bodenkonstruktion in
Holztafelbauweise. Dach- und Deckenkonstruktion sind ebenso wie
die tragenden äußeren und inneren
Wände ebenfalls in Holztafelbauweise erstellt. Einzelne Stahlstützen, die
entlang der vollständig verglasten
Ost- und Westfassade aneinandergereiht sind, dienen als zusätzliche
Auflager für die Decken- und Dachkonstruktion.
Die Dachfläche ist nahezu vollständig mit monokristallinen Photovoltaik-Modulen belegt. Die Glasfassaden
verfügen über Dreifach-Isolierverglasung, wobei der Scheibenzwischenraum mit Argon gefüllt ist. Auf der
Ostseite des Gebäudes ist an der Glasfassade ein außen liegender Sonnenschutz aus Aluminium-Lamellen
montiert, der sich sowohl automatisch als auch manuell steuern lässt.
Die geschlossenen Fassaden sind auf
der Südseite mit hinterlüfteten Dünnschicht-Photovoltaik-Modulen verkleidet, auf der Nordseite mit optisch gleich erscheinenden, farbig
bedruckten Gläsern.
Montage weitgehend ohne
Verklebung
Die Außenwände sind in Holztafelbauweise errichtet. Sie sind innen mit
12,5 mm Gipskartonplatten beplankt.
Dahinter verbirgt sich eine 60 mm dicke Installationsebene mit Hanfdämmung, gefolgt von der Dampfbremse und einer aussteifenden 20 mm
dicken OSB-Plattenlage. Der Raum
zwischen ihr und einer weiteren OSBPlattenlage ist mit 360 mm Zellulosedämmung ausgeblasen. Außen
besteht die Konstruktion aus 30 mm
Steckbrief
Thema des Monats Wohnungsbau
Bauprojekt:
Forschungsprojekt
„Effizienzhaus Plus
mit Elektromobilität“
D-10623 Berlin
Dachaufbau über Wohnbereich
10 mm
Bauschutzmatte aus Recyclingkautschuk
2 mm
Kunststoffabdichtung
20 mm
OSB-Platte
Holztafelbau
Bauzeit:
August bis November 2011
400 – 520 mm Zellulosedämmung
Werner Sobek Stuttgart
Bauweise:
Baukosten:
400 mm
Holzstegträger
25 mm
OSB-Platte
Dampfbremse
nicht veröffentlicht
Wohnfläche:
130 m²
160 mm
Installationsbereich mit
50 mm
Hanfdämmung
12,5 mm
Gipskarton-Beplankung, gestrichen,
auf Metall-Unterkonstruktion
Bruttorauminhalt:
645 m³
Heizwärmebedarf:
21,1 kWh/(m²a)
Prognostizierte Energieerzeugung:
16 625 kWh
Prognostizierter Energieverbrauch
inkl. 30 000 km/a Fahrleistung:
Außenwandaufbau Südseite
starker Vertikal-Lattung, 30 mm Aluminium-Agraffenprofilen und 30 mm
Photovoltaikmodulen als vorgehängte Fassadenelemente.
Die transparente Fassade basiert
auf einem Rahmen aus 100 × 200 mm
Brettschichtholz, grauen, schwarzen
und weißen Aluminiumblenden, Sonnenschutzlamellen, der Dreifachverglasung und einer Absturzsicherung.
Sämtliche Boden- und Wandbeläge
wurden, soweit möglich, ohne Verklebung montiert, damit sie sich beim
Rückbau sortenrein und einfach wieder voneinander trennen lassen. Im
Bereich des „Schaufensters“ ist die
Konstruktion nicht gedämmt und für
die Elektrofahrzeuge befahrbar. Die
der Witterung ausgesetzte Konstruktion besteht aus Lärche, der Bodenbelag aus Eiche.
www.mikado-online.de
12,5 mm
Gipskarton-Beplankung, gestrichen
60 mm
Installationsebene mit Hanfdämmung
Dampfbremse
20 mm
OSB-Platte
360 mm
Zellulosedämmung
20 mm
OSB-Platte
Feuchtigkeitssperre
30 mm
Vertikal-Lattung
30 mm
Agraffenprofil (Aluminium)
30 mm
Dünnschicht-Photovoltaik-Module
als vorgehängtes Fassadenelement
Die Vorfertigung und schlüsselfertige Montage des Gebäudes übernahm die Projekt Holzbau Merkle
GmbH. „Wir haben die Wand- und
Deckenmodule vorgefertigt und als
geschlossene Elemente angeliefert.
Lediglich die unteren 30 cm der Wände wurden erst vor Ort beplankt, um
dort zuvor die statischen Befestigungselemente anbringen zu können“, berichtet Projektleiterin Christine Vogl. Die Dämmung wurde vor
Ort eingeblasen. Die große Herausforderung war, die komplexe Technik in den Hauptstrang des Technikraums zu integrieren. Zudem war das
Projekt zeitlich sehr knapp bemessen:
Lediglich vier Monate standen bis zur
schlüsselfertigen Übergabe zur Verfügung. Doch das reichte aus.
Bundesministerium für Verkehr,
Bau und Stadtentwicklung
D-10115 Berlin
www.bmvbs.de → Bauen und
Wohnen → Effizienzhaus Plus
Architektur:
Werner Sobek, Stuttgart
D-70597 Stuttgart
www.wernersobek.com
Holzbau:
Projekt Holzbau Merkle GmbH
D-73266 Bissingen
www.projekt-holzbau.de
▸▸Da sich
aber auch Stahl
gut recyceln
lässt, wurde die
Treppe zusammen mit
einer Regalwand daraus gefertigt
Ulrich Schwarz / BMVBS
W erner
Sobek Stuttgart
16 210 kWh
Bauherr:
Christine Ryll, München ▪
15
Thema des Monats Wohnungsbau
Ulrich Schwarz / BMVBS
P 1
Energiekonzept
Strom, Speicher und Touchscreens
▴▴Die Südfassade
ist bis auf
einen schmalen
Schlitz geschlossen, denn
sie dient der
Stromerzeugung
Im „Effizienzhaus Plus“ produzieren Photovoltaikanlagen auf der Südfassade
und auf dem Dach so viel elektrische Energie, dass sich damit der gesamte
Energiebedarf sowohl des Gebäudes als auch der beiden Elektroautos abdecken lässt.
D
en Strom, den das Gebäude nicht
sofort verbraucht, speichert es
in einer hausinternen 40-kWh-Lithium-Ionen-Batterie, sodass er zu einem späteren Zeitpunkt genutzt bzw.
für das Laden der zum Haus gehörenden Elektrofahrzeuge verwendet
werden kann. Der Speicher besteht
aus von BMW zur Verfügung gestellten „Secondary Use“-Fahrzeugbatterien, die aufgrund eines bis
zu 20-prozentigen Kapazitäts- und
Leistungsabfalls für Fahrzeuge nicht
mehr brauchbar sind. Nach ersten
Modellversuchen lassen sie sich jedoch problemlos noch jahrelang als
stationäre Speicher verwenden. Ist
die Produktion von Strom einmal so
16
hoch, dass er sich nicht verbrauchen
und speichern lässt, wird der Überschuss ins öffentliche Versorgungsnetz eingespeist.
Photovoltaik auf Dach
und Südfassade
Die auf dem Dach platzierte Photovoltaikanlage besitzt monokristalline Hochleistungsmodule, die sich
besonders gut für die Umwandlung
von direkter Sonneneinstrahlung in
elektrische Energie eignen. In der
Südfassade kommen amorphe Dünnschichtmodule zum Einsatz, deren
Stärke mehr in der Umwandlung von
diffuser Strahlung liegt.
mikado 3.2013
Ein Teil der von der Photovoltaik
gewonnenen elektrischen Energie betreibt die Luft-Wasser-Wärmepumpe. Geothermie kam nicht zur Anwendung, da der Aufwand für die
Bohrung und den Rückbau der Erdsonden bei der recht kurzen Standzeit des Gebäudes unverhältnismäßig
groß gewesen wäre.
Belüftet wird das Gebäude über
eine mechanische Be- und Entlüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung, doch jeder bewohnte Raum
lässt sich auch manuell belüften. Die
Fortluft wird in den Raum zwischen
Erdreich und aufgeständerter Bodenplatte abgeleitet. Im Winter heizen
die Bewohner mit einer im Fußboden
Gebäudetechnik
als Gestaltungsthema
▸▸Über zwei fest
installierte
Touchscreens
lässt sich die
gesamte
Gebäudetechnik
einsehen
und steuern
Die technischen Anlagen sind im
sog. „Energiekern“, einem gläsernen
Technikraum, untergebracht. Der ist
integraler Bestandteil des Informationskonzepts und wird durch ein
Farb- und Beleuchtungskonzept optisch betont. Die Technik wird zelebriert und nachvollziehbar.
Durch die Bündelung der Technik
in der Gebäudemitte konnten die Leitungswege kurz gehalten und Verteilungsverluste auf ein Minimum
BMVBS
verlegten Flächenheizung. Mechanische, leicht lösbare Verbindungen sorgen dafür, dass sie sich beim
Rückbau recyceln lässt. Trockenestrich dient als Speichermasse. Ein
Kühlsystem gibt es nicht, aber außenliegende Verschattungselemente
verhindern Überhitzung.
reduziert werden. Die gesamte Haustechnik und die Ladetechnik lassen
sich über zwei integrierte Touchscreens, aber auch über Smartphones einsehen und steuern.
Der erwartete Energiebedarf liegt
bei rund 10 000 kWh/a. Das lässt sich
durch den konsequenten Einsatz einer
energieeffizienten Anlagentechnik
und einer intelligenten Steuerungstechnik realisieren. Für den Energieertrag sind mehr als 16 000 kWh/a
prognostiziert. Die angenommene Fahrleistung der Fahrzeuge beträgt insgesamt 29 000 km/a, was
einen Strombedarf in Höhe von
6000 kWh/a erwarten lässt.
Christine Ryll, München ▪
Themenwelten
Magazin
Köpfe
Werkstatt
THEMENWELTEN
Gestalten Sie Ihr Traumdach mit dem
ERLUS-Konfigurator.
KÖPFE
Lernen Sie kreative Persönlichkeiten kennen,
die ERLUS inspirieren.
WERKSTATT
Erfahren Sie mehr über das faszinierende Material
Ton und die Menschen, die es in Form bringen.
HT:
GESUC
www.erlus.com
Design hat eine Adresse:
www.erlus.com/Magazin
DESIGN
www.mikado-online.de
17
Thema des Monats Wohnungsbau
P 1
Kritischer Kommentar
Mehr offene Fragen als Antworten
Ulrich Schwarz / BMVBS
Kann etwas schiefgehen, wenn das Bundesbauministerium einen international
renommierten Stararchitekten und Nachhaltigkeitsexperten damit beauftragt,
ein Gebäude zu errichten, das den Weg in die Zukunft weisen soll? Ja, ziemlich viel.
D
ass ein international tätiger und
bekannter Hightecharchitekt
wie Werner Sobek ein solches bundesweit publiziertes Vorzeigeprojekt
mit Signalwirkung in Holzrahmenbauweise realisiert, ist eine kleine
Sensation und beste Werbung für den
modernen Holzbau. Etwas inkonsequent und schade ist allerdings, dass
das Holz nicht zu sehen ist. Seine
natürliche Anmutung widerspricht
offensichtlich zu sehr der kühl-technoiden Perfektion, die Sobek in all
seinen Bauwerken anstrebt, und wurde deshalb komplett versteckt. Das ist
aber nicht das Einzige, was an diesem
Projekt fragwürdig scheint.
18
Photovoltaik macht
Energiekonzept ineffizient
Die totale Fokussierung auf die
Stromerzeugung und der Verzicht auf
Sonnenkollektoren machen das Energiekonzept des „Effizienzhauses“ ineffizient. Effizienter wäre es, Wärme
für Wärmeanwendungen und Strom
für Stromanwendungen zu nutzen.
Hier wird Wärme jedoch mit Strom
erzeugt, was zwangsläufig dazu
führt, dass der Strombedarf relativ
hoch ist: Er liegt zwischen 9000 und
10 000 kWh/a und ist damit vier- bis
fünfmal so hoch wie der vergleichbarer Projekte, die die Sonnenenergie
mikado 3.2013
▴▴„Hier ist
die Zukunft des
Bauens!“
signalisiert die
Schauseite.
Bei nüchterner
Betrachtung
ist das eine fragwürdige
Behauptung
direkt für das Warmwasser nutzen –
ohne den Umweg Strom.
Da der Strombedarf so ungewöhnlich hoch ist, reicht die in den Batterien gespeicherte Strommenge nur
für zwei Tage. Das ist recht kurz –
vor allem angesichts der Stromabhängigkeit des Gebäudes. Zwar ist
die Speicherkapazität ein einfaches
technisches Problem, das sich durch
eine Vervielfachung der eingesetzten
Batterien lösen ließe, doch das wäre
zum einen teuer und zum anderen ist
der prognostizierte Stromüberschuss
des Gebäudes eher gering.
Dass der Stromüberschuss relativ
klein ist, liegt zum einen am hohen
Verbrauch durch die ausschließlich
auf Strom setzende Haustechnik und
zwei Elektroautos, zum anderen an
der für die Solarenergienutzung eher
ungünstigen Gebäudeform. Um die
Sonne optimal nutzen zu können,
sollten Photovoltaikanlagen nach
Süden orientiert und geneigt sein –
wobei die ideale Neigung in Berlin
bei 35 Grad liegt. Das ist bei einem
Steildach kein Problem, beim „Effizienzhaus Plus“ aber schon, denn es
besitzt ein Flachdach.
Futuristisch auszusehen und tatsächlich zukunftsfähig zu sein sind
eben zwei völlig verschiedene Dinge –
und in diesem Konflikt hat sich der
Ästhet Sobek gegenüber dem Bauingenieur Sobek durchgesetzt. So ist
das Gebäude paradox: Es setzt beim
Ziel „Energieeffizienz“ voll auf moderne Technik, da es die Technik aber
auch zum ästhetischen Leitmotiv erhebt – auf Neudeutsch: „spacig aussehen möchte“ –, verliert die Technik
selbst an Effizienz.
Es bleibt weitgehend unklar, was
das Bundesbauministerium mit dem
Thema des Monats Wohnungsbau
Bauprojekt eigentlich bezweckt: Was
soll damit genau erforscht werden?
Welchen praktischen Nutzwert haben
die Ergebnisse und Erkenntnisse für
den Baualltag? Oder handelt es sich
hier lediglich um eine teure Marketingaktion, um das Thema „Energieeffizientes Bauen“ in die Öffentlichkeit zu tragen?
Gebäudetyp ist nicht nachhaltig
Nicht nachvollziehbar ist auch, warum gerade der Gebäudetyp „Neubau eines Einfamilienhauses“ untersucht wird. Es stellt sich die Frage:
Welche Signale will das Bauministerium damit an die Öffentlichkeit
aussenden?
Schon die hohen Baukosten von
2,2 Mio. Euro zeigen, dass der anspruchsvolle technische und ästhetische Ansatz wohl nicht für die breite Bevölkerung gedacht ist. Für wen
aber dann? Zwar rührt der hohe Betrag sicher auch daher, dass es sich
um einen Prototypen handelt, aber
trotzdem: Selbst wenn es gelänge,
die Kosten deutlich zu senken und
die Bedienung der aufwendigen und
komplexen Technik so weit zu vereinfachen, dass ein Durchschnittsbürger nicht heillos überfordert ist:
Will das Bauministerium tatsächlich
für die Lösung unserer Wohnprobleme den Neubau frei stehender Einfamilienhäuser propagieren?
Der bedeutet ja auch immer die
Ausweisung und Erschließung neuer Einfamilienhaussiedlungen und
damit eine zunehmende Zersiedlung
der Landschaft, einen vielfach höheren Erschließungsaufwand und deutlich mehr Autoverkehr, denn die Entfernungen vervielfachen sich und die
gießkannenartige Verteilung macht
ein attraktives öffentliches Nahverkehrssystem fast unmöglich. Insofern ist es natürlich konsequent,
dass in diesem Projekt zwei Elektroautos integriert sind. Nachhaltig ist
das jedoch nicht. Nachhaltig wäre es,
Siedlungsstrukturen zu schaffen, bei
denen möglichst viele Wege zu Fuß
und der Rest mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegbar sind.
Einfamilienhäuser widersprechen
aber nicht nur den Erfordernissen einer nachhaltigen Stadt- und Regionalentwicklung, sondern auch einem
seit einigen Jahren zu beobachtenden
Trend, der glücklicherweise in gleiche Richtung geht: weg vom Land,
rein in die Stadt. Hohe Bebauungsdichten bedeuten einen geringeren
Verbrauch an Bodenfläche und Ressourcen. Je dichter die Menschen zusammenrücken, desto mehr unbebaute Landschaft bleibt übrig, desto
weniger Straßen braucht es, desto
weniger Autoverkehr entsteht.
Vor diesem Hintergrund erweist
sich der gewählte Ansatz „Neubau
eines hochtechnischen Einfamilienhauses“ als nicht zielführend.
Die Steuergelder hätte das Bundesbauministerium besser in die beiden Themenfelder investieren sollen,
die tatsächlich einen Beitrag zur sog.
„Energiewende“ leisten können: in
die energetische Modernisierung des
Gebäudebestands und in Strategien
für urbane Nachverdichtung.
Günther Hartmann, Kissing ▪
Projekt 1
Fazit
Ulrich Schwarz / BMVBS
Für den Holzbau ein Prestigegewinn, für die Zukunft
des Bauens eher irrelevant
www.mikado-online.de
Das Bauprojekt wollte unterschiedliche Lösungsansätze für nachhaltiges
Bauen und Leben vereinen und die
Gebäudetechnik so integrieren, dass
ein schlüssiges „Gesamtkunstwerk“
entsteht. Das Ergebnis ist zwiespältig.
Lobenswert ist die Rücksicht auf eine
einfache Demontierbarkeit der Bauteile und auf eine Recyclebarkeit der
Materialien. Ansonsten dominierte
hier aber ein eher eindimensionales,
ganz auf technischen Fortschritt setzendes Denken. Und weil die Technikgläubigkeit auch noch nach einer
symbolträchtigen Form suchte, kann
die Technik selbst ihre Potenziale gar
nicht voll entfalten.
19
Thema des Monats Wohnungsbau
P 2
20
mikado 3.2013
Projekt 2
Geschosswohnungsbau in Berlin
Kreative Architekten hatten ein Holzbausystem entwickelt und
stießen damit bei einer Baugruppe auf positive Resonanz.
22
Interview mit einer Bauherrin
24
Steckbrief
25
Interview mit einem der Architekten
26
Fazit: Gut geht günstig
27
Stefan Müller
Konzept und Konstruktion
www.mikado-online.de
21
Thema des Monats Wohnungsbau
Stefan Müller
P 2
Konzept und Konstruktion
Drei Holzbauweisen & drei Grüns
In Berlin entstand ein fünfgeschossiges Wohngebäude, das in vielfacher
Hinsicht innovativ ist: Ein durchdachtes Holzbaumischsystem hielt die Baukosten
niedrig und ermöglichte gleichzeitig sehr individuelle Grundrisslösungen.
22
mikado 3.2013
▴▴Auf der
Gebäuderückseite,
zum gemeinsamen Garten,
kragen große
Balkone weit aus
Thema des Monats Wohnungsbau
D
ie Architekten des „Instituts für
urbanen Holzbau“ (IfuH) beschäftigten sich schon lange mit für
den mehrgeschossigen Wohnungsbau geeigneten Holzbausystemen
und wollten endlich einen Prototyp
verwirklichen. Und viele potenzielle Bauherren wollen zwar ähnlich
individuell bauen, wie das bei Einfamilienhäusern der Fall ist, aber in
der Stadt, zusammen mit Gleichgesinnten, nachhaltig und komfortabel. 13 von ihnen schlossen sich zur
Baugruppe „3×Grün“ zusammen und
so entstand in Pankow in einer typischen Berliner Baulücke ein richtungsweisender Fünfgeschosser.
Die 13 zwischen 98 und 190 m2
großen Wohnungen bieten Platz für
rund 50 Personen, darunter viele Kinder. Sechs Wohnungen sind Maisonetten, fünf davon beginnen im Erdgeschoss und werden direkt von der
Straße erschlossen. Ein großzügiges
Foyer und zwei getrennte Treppenhäuser erschließen die oberen Geschosswohnungen.
Wie das bei Baugruppen so üblich
ist, erhielten die Wohnungen recht
individuelle Grundrisse. Das führt zu
nicht genau übereinanderliegenden
und unterschiedlich breiten Fenstern
in der Fassade. Diese gestalterische
Herausforderung lösten die Architekten elegant, indem sie bei der Straßenfassade in den oberen Geschossen die Deckenplatten durchlaufen
und leicht auskragen ließen, sodass
sog. „französische Balkone“ entstehen: Die durchlaufenden horizontalen Bänder fassen die unregelmäßige Fassade optisch zusammen und
sorgen für ausreichend Ordnung. Die
Gartenfassade musste nicht so streng
sein: Hier kragen einzelne Balkone
mehr als 2 m aus.
Dass die Decken einfach durchlaufen und auskragen können, liegt daran, dass sie aus 18 cm dicken Brettsperrholzplatten bestehen, die eine
enorme Tragfähigkeit, gleichzeitig
aber eine geringe Wärmeleitfähigkeit
aufweisen. Zeitaufwendiges Verhindern von Wärmebrücken ist bei diesem Material nicht notwendig – ein
großer Vorteil gegenüber den sonst
üblichen Stahlbetondecken. Ein weiterer Vorteil: Da die Holzoberflächen
der Decken sichtbar blieben, ließ sich
beim Innenausbau Zeit und Geld sparen – und gleichzeitig entstand hoher
Wohnkomfort.
Die fast wandhohen Öffnungen
lassen viel Licht ins Innere. Die restliche Außenwand besteht in den
vier Obergeschossen aus 36 cm dicken, hochwärmegedämmten Holz-
Gebäudeschnitt
Detailschnitt
Individuelle Grundrisslösungen
[ DÄMMSTÄRKE ]
ISOCELL Zellulosedämmung, der
verschnitt- und setzungsfreie Einblasdämmstoff für Neu-, Ausund Umbau zeigt die volle Stärke.
Unschlagbar in Verarbeitung
und Qualität!
Außenwandaufbau
(von außen nach innen):
Faserzementfassadentafeln „Eternit
Equitone Tectiva“, 8 mm, grau
Holzlattung
Holzzementplatten „Eternit
Duripanel A2“, nichtbrennbar, 19 mm
Wandstiele/Wärmedämmung, 120 mm
Wandstiele/Wärmedämmung, 200 mm
OSB-Platten, 12 mm
Gipskarton-Feuerschutzplatten, 18 mm
Institut für urbanen Holzbau
Fußbodenaufbau
(von oben nach unten):
Linoleum/Fliesen/Parkett
Zementestrich
Fußbodenheizung
Noppenfoliensystem
Trittschalldämmung
Sandschüttung im Wabenkern
Brettsperrholz-Deckenplatte, 180 mm
www.mikado-online.de
W W W. I S O C E L L . A T
23
Thema des Monats Wohnungsbau
rahmenbauelementen, bekleidet mit
grauen Faserzementtafeln: mit im
Licht leicht changierenden Fassadentafeln „Equitone Tectiva“ von Eternit.
Die sind nicht nur ästhetisch ansprechend, sondern auch nichtbrennbar
und langlebig – wichtige Aspekte
bei Lebenszyklus- und Ökobilanzbetrachtungen. Das Erdgeschoss ist
aus Stahlbeton gefertigt und mit Lärchenholz bekleidet.
Interview
„Ein wohliges Gefühl“
Die Bauherrengemeinschaft des Pankower Fünfgeschossers
nennt sich „3×Grün“ und besteht aus 13 Parteien. Eine davon
ist Stefanie Sembill mit ihrem Ehemann und zwei Töchtern.
Würden Sie es wieder tun?
Ja, auf jeden Fall. Wir hatten uns
von Anfang an klare Leitlinien gegeben, die alle einhielten. Wir suchten
aber auch immer nach Kompromissen, mit denen alle gut leben konnten. Es kam nie vor, dass eine Partei einfach überstimmt wurde. Auch
wurden die Baukosten fast auf den
Cent genau eingehalten. Eine planerische und kalkulatorische „Punktlandung“, für die wir unseren Architekten und unserem Projektsteuerer
sehr dankbar sind.
Wie fand sich die Baugruppe?
Als wir dazustießen, gab es bereits
einen Kern. Dazu gehörten die Architekten, die auf das Grundstück
eine Option hatten. Sie hatten zunächst im eigenen Umfeld und über
eine Internetplattform gesucht, dann
auch mit simplen Aushängen. Und
wir sind tatsächlich über einen Zettel an einer Ampel darauf aufmerksam geworden.
24
Zwei Wochen Bauzeit für
jedes Geschoss
Privat
mikado: Frau Sembill, warum bauten Sie
mit einer Baugruppe?
Stefanie Sembill: Wir wollten Leute finden, die ähnliche Vorstellungen
vom gemeinsamen Wohnen haben.
Zudem wollten wir mehr Gestaltungsspielraum, als das beim Wohnungskauf von einem Bauträger möglich
ist. Und es ging auch um Kostenersparnis, denn ein Bauträger schlägt
in der Regel hohe Margen oben drauf,
um Risiken abzudecken, Werbung zu
machen und Gewinn zu erwirtschaften. Als Baugruppe spart man diese Margen. Das gemeinsame Bauen
führt auch dazu, dass man alle Hausbewohner gut kennt und schätzt. Dadadurch herrscht im Haus gleich eine
ganz andere Atmosphäre.
Warum wollten Sie einen Holzbau?
Es ging uns um Nachhaltigkeit und
ums Wohlfühlen. Es war ein erhebendes Gefühl, als wir gemeinsam
im Rohbau standen und es nach frischem Holz roch – nicht nach kaltfeuchtem Beton. Beim Richtfest hatten wir trotz der kalten Jahreszeit
bereits ein wohliges Gefühl, das sich
später nach dem Einzug noch verstärkte.
▾▾Fünf der
13 Wohnungen
sind Maisonetten mit
102 bis 134 m²
Wohnfläche
Durch den hohen Vorfertigungsgrad
ließ sich alle zwei Wochen ein Geschoss mit 450 m2 Fläche errichten. Sämtliche tragenden, bis zu
3,5 × 5,0 m großen Wand- und Deckenelemente aus Brettsperrholz lieferte der Produkthersteller millimetergenau vorgefertigt direkt auf die
Baustelle, wo sie die Berliner Zimmerer von „A-Z Holzbau“ übernahmen und montierten. Die sichtbaren
Brettsperrholz-Deckenelemente verbanden sie mit schräg eingebrachten
Vollgewindeschrauben mit den Unterzügen aus Furnierschichtholz.
Den Architekten war wichtig, dass
die Unterzüge an der Unterseite bündig mit der Deckenfläche abschließen, damit die deutlich über dem
Üblichen liegenden Raumhöhen von
Was war Ihnen sonst noch wichtig?
Das, was sich die Baugruppe als Maxime gegeben hatte: Familienfreundlichkeit und grüne Freiräume. Unser
Name „3×Grün“ war Programm: ein
Garten im hinteren Bereich, einen
vorne und einen auf der Dachterrasse. Die ist für alle zugänglich. Man
blickt von dort über Berlin bis zum
Fernsehturm am Alex und weiter.
Was meinen Sie mit „Garten vorne“?
Den Vorgarten – naja, das „Abstandsgrün“. Und die französischen Balkone. Das gibts in anderen Stadtteilen
wie z. B. dem Prenzlauer Berg nicht.
Frau Sembill, herzlichen Dank!
mikado 3.2013
Stefan Müller
P 2
Steckbrief
Thema des Monats Wohnungsbau
Bauprojekt:
2,85 m nicht reduziert werden, sondern voll wirken können. Der Brandschutz ist hier – abweichend von der
Musterholzbaurichtlinie – durch eine
transparente B1-Holzschutzlasur gegeben.
Hinterlüftetes, nichtbrennbares
Fassadensystem
Parallel zur Montage der Brettsperrholzelemente fertigte „A-Z Holzbau“
in seiner Werkhalle die nichttragenden Holzrahmenbauelemente für die
Gebäudehülle. So kamen die Vorteile
des vergleichsweise leichten Holzbaus
voll zum Tragen. Das Brandschutzkonzept sah eine schwerentflammbare, in Teilbereichen nichtbrennbare
äußere Beplankung für die insgesamt 36 cm dicken Außenwände vor.
Zum Einsatz kamen feuchteresistente
Holzzementplatten: die „Duripanel“
von Eternit. Sie sorgten auch für den
temporären Witterungsschutz während der etwa achtwöchigen Bauzeit.
Das Beplankungssystem aus Klammern und Holzzementplatten liefert
zudem widerstandsfähige Oberflächen, die sich vom Zimmerer einfach
und standardisiert ausführen lassen
und eine bis zu 20 Prozent höhere
Wandscheibentragfähigkeit im Vergleich zu OSB/3-Platten aufweisen.
Fünfgeschossiges
Mehrfamilienhaus
D-13187 Berlin
Zudem sind die Holzzementplatten diffusionsoffen und aufgrund
des hohen Zementanteils feuchteund schimmelresistent. Auf die mit
Holzzementplatten beplankten Außenseiten wurde eine Holz-Unterkonstruktion aufgebracht und darauf die eigentlichen Fassadentafeln
mit farblich passenden Schrauben
montiert. Die konstruktive Trennung
von Wärme- und Witterungsschutz
macht die hinterlüftete Fassade deutlich langlebiger als Wärmedämmverbundsysteme.
Bauweise:
Holzskelettbau, Holzrahmenbau,
Brettsperrholz und Stahlbeton
Planungs- und Bauzeit:
Juni 2008 bis November 2011
Bruttogeschossfläche: 2877 m²
Wohnfläche: 1300 m²
Baukosten: 3,96 Mio. Euro
Wärmeenergiebedarf:
43 kWh/(m²a)
Bauherr:
3×Grün GbR
Bauherrengemeinschaft
Architektur:
Große Anerkennung auch
in der Fachwelt
Institut für urbanen
Holzbau (IfuH)
D-10119 Berlin ı www.ifuh.org
Nicht nur die Baugruppe „3×Grün“
ist von ihrem Bauprojekt begeistert,
sondern auch die Fachwelt. Beim
BDA-Preis Berlin 2012 erhielt es eine
lobende Erwähnung. Und beim vom
Bundesbauministerium ausgelobten und Januar 2013 entschiedenen
Wettbewerb „HolzbauPlus“ gewann
es in der Kategorie „Wohnungsbau
Neubau“. Die Jury lobte die hohe
Lebensqualität und die intelligente Mischkonstruktion: „Das Projekt
weist einen Weg, nachhaltige Baustoffe und attraktives, urbanes Wohnen miteinander zu verbinden.“
Tragwerksplanung:
ifb frohloff staffa kühl ecker
D-12161 Berlin
www.ifb-berlin.de
Brandschutzplanung:
Dehne Kruse Brandschutzingenieure GmbH & Co. KG
D-38518 Gifhorn
www.kd-brandschutz.de
Ausführung:
A-Z Holzbau Zimmerei GmbH
D-13591 Berlin
www.az-holzbau.de
Hersteller Fassadentafeln und
Holzzementplatten:
Eternit AG ı D-69126 Heidelberg
www.eternit.de
Dipl.-Ing. Gerald Muntendorf,
Heidelberg / gh ▪
www.mikado-online.de
▸▸Die Erdgeschosswohnungen sind
aus Stahlbeton
und besitzen
raumhohe
Verglasungen
Stefan Müller
Stefan Müller
◂◂Die Unterseiten der
Decken sind
nicht gekapselt und
zeigen
das Holz
25
Thema des Monats Wohnungsbau
P 2
Interview mit einem der Architekten
„Den Holzbau konkurrenzfähig machen“
Das Projekt „3xGrün“ besaß für die Architekten zwei große planerische
Herausforderungen: Die individuellen Wohnwünsche von 13 verschiedenen
Bauherren unter einen Hut zu bringen. Und die Kosten der Holzbauweise zu senken.
D
aniel Rozynski, Dipl.-Ing. Architekt, war von 2002 bis 2008
wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Baukonstruktion und Industriebau der TU Braunschweig. Parallel
dazu gründete er 2003 mit Susanne
Sturm in Berlin das Büro „Rozynski Sturm Architekten“. Aus der Forschungstätigkeit über mehrgeschossige Holzbauten entstand 2008 das
„Institut für urbanen Holzbau“ (IfuH),
eine Arbeitsgemeinschaft mit den Architekten Philipp Koch, Christoph
Roedig und Matthias Schrimpf.
IfuH
mikado: Herr Rozynski, wie kam es zum
Projekt „3×Grün“?
Daniel Rozynski: Es ist das Resultat
eines Forschungsprojekts an der TU
Braunschweig über mehrgeschossige
Holzbauten für innerstädtische Lagen. Nach Abschluss der Forschungsarbeit hatten wir alle große Lust, die
gewonnenen Erkenntnisse in der Praxis umzusetzen. Deshalb gingen wir
vier Architekten eine Arbeitsgemeinschaft ein und gründeten das „Institut
für urbanen Holzbau“. Uns beschäftigte die Frage, wie man kundenin-
◂◂Architekt Daniel
Rozynski
wollte mit dem
Bauprojekt
zeigen, dass ein
Mehrgeschosser
in Holzbauweise
nicht teurer sein
muss als in
Massivbauweise
Sie haben Ihre Baugruppe selbst
gegründet?
Ja, wir mussten selbst aktiv werden.
Zuerst versuchten wir, einen Industriepartner zu finden, der das koordinierend in die Hand nimmt, aber
allen war das suspekt. So begannen
wir selbst, Bauwillige zu suchen. Und
dabei hatten wir Glück und fanden
ein geeignetes Grundstück. Mit dem
„Wir wollten das Holz zeigen.“
dividuell und ökologisch baut – mit
Holz. Auf dem Land ist das üblich und
wir wollten das auf die Stadt übertragen. Und da gibt es eine Zielgruppe,
die sich in Berlin und anderen Städten etabliert hat: sog. „Bauherrengemeinschaften“, auch „Baugruppen“
genannt. Für die Realisierung unseres Projektwunsches haben wir uns
eine solche gesucht.
26
konnten wir dann innerhalb eines
Jahres genügend Bauherren finden:
13 Parteien, meistens Paare mit ein
bis zwei Kindern.
Wie ist es, mit einer Baugruppe zu
arbeiten?
Die Bauherren sind Individuen mit
recht unterschiedlichen Vorstellungen – und die müssen alle irgendwie
mikado 3.2013
koordiniert werden. Der Wunsch zur
Mitgestaltung ist dabei verschieden
stark ausgeprägt. Es gilt, die einzelnen Wünsche so zu filtern, dass am
Ende für alle eine zufriedenstellende
Lösung mit einem gut funktionierenden Haus herauskommt. Das ist ein
langer Prozess und macht die Planung wesentlich aufwendiger.
Sie mischten bei dem Projekt verschiedene Bau­weisen. Warum?
Wir versuchten, die verschiedenen
Konstruktionsmethoden immer dort
einzusetzen, wo sie am meisten Sinn
machen. Der Keller, das Erdgeschoss
und die zwei aussteifenden Treppenhauskerne sind aus Stahlbeton, die
vier Obergeschosse aus Holz. Dabei
mischten wir Holzskelettbau, Holzrahmenbau und Holzmassivbau. Für
die Decken brauchten wir aufgrund
des Schallschutzes viel Masse, deshalb Holzmassivbauweise. Für die
tragende Außenwand und die Innenstützen haben wir eine Konstruktion
aus Brettsperrholz genommen, gemischt mit Kertoträgern in den hochbelasteten Bereichen. Für die Ausfachungen des Skeletts wählten wir
hochwärmegedämmte Holzrahmenbauelemente.
Warum ist die Außenwand mit Fas­sa­
denplatten bekleidet?
Wir wollten kein Wärmedämmverbundsystem, sondern eine hinterlüftete Fassade, weil die unserer Auffassung nach einfach besser zur Logik
des Holzbaus passt. Eternit hat uns
dabei unterstützt. Wir durften einen
neuartigen Plattenwerkstoff verwenden, der zu diesem Zeitpunkt nur auf
dem belgischen, aber noch nicht auf
dem deutschen Markt eingeführt war.
Unser Gebäude wurde das erste Referenzprojekt. Mit entsprechenden Gutachten und Abbrandversuchen durften wir sie erstmals in Deutschland
einsetzen.
Wie lösten Sie den Brandschutz?
Das war die größte Herausforderung.
Wir bauten nicht nach Musterbauordnung und auch nicht nach Musterholzrichtlinien. Wir lehnten uns
natürlich daran an, doch wenn man
alles genau befolgt, erhält man eine
unwirtschaftliche Konstruktion, da
die Kapselung material- und vor allem zeitaufwendig ist. Zudem wird
das Holz verdeckt, und das wollten
wir aus ästhetischen Gründen nicht.
Wir wollten das Holz zeigen. Mithilfe
eines objektbezogenen Brandschutzgutachtens konnten wir die Konstruktion stark vereinfachen. Sie sollte ja richtungsweisend sein, um die
Holzbauweise konkurrenzfähig zur
konventionellen Massivbauweise zu
machen. Bei den Decken verzichteten wir komplett auf die Kapselung
und ließen die Holzoberflächen sichtbar. Die Außenwände kapselten wir
statt K-60 nur K-30. Dafür brauchten wir als anlagentechnische Kompensation eine Brandmeldeanlage. So
landeten wir bei einem Endbrutto­
preis von 2230 Euro/m2 Wohnfläche
für die Kostengruppen 100 bis 700,
was für ein Objekt in innerstädtischer
Lage sehr gut.
limitierte Spannweiten – und schufen
einen nahezu stützenfreien Raum,
damit sich die Wohnungsgrundrisse nach den recht unterschiedlichen
Vorstellungen der Bauherren gestalten ließen. Deshalb haben wir auch
unterzugfreie Decken konzipiert.
Worauf sind Sie am meisten stolz?
Dass wir es schafften, bei den tragenden Bauteilen die Kapselung um die
Hälfte zu reduzieren: von K-60 auf
K-30. Das ging, weil das Sicherheitsniveau in den derzeit existierenden
Richtlinien sehr hoch angesetzt ist.
Man kann die Konstruktion mit einem vernünftig hohen Sicherheitsrisiko deutlich vereinfachen. Wir wollten mit dem Haus aufzeigen, dass das
möglich ist. Die allgemeinen Anforderungen, die derzeit in Deutschland
bestehen, können und sollten deutlich vereinfacht oder angepasst werden. Dann kommt der mehrgeschossige Holzbau aus seiner Nische und
wird wirtschaftlich interessant.
Wo sehen Sie die entscheidenden
Vorteile der Holz­bau­weise?
Die Bauteile lassen sich vorfertigen, was den Bauprozess extrem beschleunigt. Aufgrund der Fertigung
in der Werkhalle ist die Ausführungsqualität sehr hoch und die Qualitätskontrolle sehr gut. Rechnet man die
Vorfertigung ein, ist die Gesamtbauzeit gegenüber dem konventionellen
Bauen ungefähr gleich, doch die Belastung der Nachbarschaft ist natürlich deutlich geringer.
Welchen Einfluss hatten Holzbau­weise
und Baugruppe auf den Entwurf?
Der Holzbau hat konstruktive Regeln,
aus denen man nicht so leicht ausbrechen kann wie z. B. bei Stahlbeton. Wir haben ein Stützenraster und
Herr Rozynski, herzlichen Dank für das
interessante Gespräch.
Projekt 2
Fazit
Stefan Müller
Der mehrgeschossige Holzbau
könnte viel preisgünstiger sein.
www.mikado-online.de
Wenn das weit überzogene Sicherheitsniveau, das momentan im deutschen Baurecht für den Brandschutz
bei mehrgeschossigen Holzbauten
definiert ist, mit Augenmaß auf ein
vernünftiges Niveau gesenkt wird,
dann ist die Holzbauweise plötzlich
auch in wirtschaftlicher Hinsicht
gegenüber anderen Bauweisen voll
wettbewerbsfähig. Dann gibt es für
Bauherren keinen finanziellen Grund
mehr, nicht in Holz zu bauen. Holzliebhaber gibt es viele und es werden
immer mehr. Und trotz der konstruktiven Regeln der Holzbauweise bietet
sie Architekten und Bauherren doch
ein hohes Maß an Freiheit für individuelle Grundrisslösungen.
27
Ingenieurholzbau Kompetenzzentrum
Kompetenzzentrum
Holz entsorgt mit Stil
Mit dem Holzbau einen Müllberg kultivieren: das war für den Bauherren bei
der Realisierung des Projektes „:metabolon“ das Ziel. Teil des Projektes ist
ein Kompetenzzentrum, das mit großen Spannweiten auf sich aufmerksam macht.
28
mikado 3.2013
Michael Reisch, Düsseldorf
Ingenieurholzbau Kompetenzzentrum
D
as Entsorgungszentrum Leppe
im Bergischen Land ist weitaus mehr als nur ein Müllberg. Das
Projekt „:metabolon“ steht für eine
Neuausrichtung: Das bisherige Entsorgungszentrum wurde zu einem
Kompetenz-, Lern- und Innovationsort für Stoffumwandlung und standortbezogene Umwelttechnologie und
-techniken.
Das Planerteam FSWLA Landschaftsarchitektur und pier7 architekten aus Düsseldorf entwickelten das
Projektkonzept zur Kultivierung des
Entsorgungszentrums als Gemeinschaftsentwurf. Die Merkle Holzbau
GmbH aus Bissingen an der Teck lieferte die vorgefertigten Holzbauteile.
www.mikado-online.de
▴▴Der Blick entlang des
Multifunktionsgebäudes führt
auf die Spitze des
Müllbergs
Am, um und auf dem Müllkegel sind
nach der Neuausrichtung verschiedene temporäre Stationen entstanden:
Lernorte, ein Café, Bürogebäude und
Ausstellungsräume.
regionalen Strukturfördermaßnahme
Regionale 2010 unter dem Oberbegriff „Gärten der Technik“ die Neuausrichtung der Zentraldeponie: Ein
Lernort für Metabolismus entstand.
Holz sorgt für Verwandlung
Holz ermöglicht Nutzungsvielfalt
Das Ende der Ablagerungsphase in
weiten Teilen der Zentraldeponie
Leppe veranlasste den Bergischen
Abfallwirtschaftsverband (BAV), den
Standort nicht zu schließen. Stattdessen sollte ein leistungs- und zukunftsfähiges Kompetenzzentrum für
Stoffumwandlung – Metabolismus
genannt – entstehen. Hierzu plante der
BAV in Zusammenarbeit mit der
Entsprechend der inhaltlichen Ausrichtung des Standortes, in den ein
„Holzcluster“ integriert ist, und der
Auseinandersetzung mit nachwachsenden Rohstoffen sollte das Kompetenzzentrum als Holzbau errichtet
werden. Im Vordergrund stand dabei,
dass das Gebäude sichtbar energetisch innovativ sowie nachhaltig
sein soll. Gleichzeitig wird mit der
29
pier7 architekten BDA
Ingenieurholzbau Kompetenzzentrum
Außenwandaufbau Längsfassade Seminarbereich
546
83
157
15
22
125
4
18
Regenfallrohr
306
F30-B
innen
8QWHUNRQVWUXNWLRQ ,QVWDOODWLRQVHEHQH
außen
Unterkonstruktion = Installationsebene
Außenwand Längsfassade Seminarbereich (von außen nach innen):
Industrieverglasung: Pilkington Profilit K25/60/7,
einschalig
83 mm
Luftschicht belüftet/Holzunterkonstruktion
157 mm
OSB/3 Platte
15 mm
Konstruktionsholz
220 mm
Mineralwolle MW 035, II
–
Dampfsperre, sd-Wert = 30 m
Gipskartonplatten
12,5 mm
Metallunterkonstruktion
40 mm
OSB/3-Platte, geschliffen (Sichtqualität)
18 mm
30
mikado 3.2013
Verwendung von Holz der Passivhausstandard erfüllt. Der Neubau
steht am zentralen Eingangsbereich
der Entsorgungsdeponie und bildet
mit seinem weit auskragenden Vordach eine einladende Geste für den
nunmehr öffentlichen Standort. Folgen Besucher der Gebäudeflucht weiter über die „Recyclingachse“ hinauf zum Kegel, wird die Bedeutung
des Projektes klar: vorn das energieoptimierte Gebäude und weiter hinten und 160 m erhöht die Spitze des
Müllbergs. Betreten Besucher das
Kompetenzzentrum, so gelangen sie
direkt in den Ausstellungsbereich mit
Anlagentechnik aus dem Bereich der
erneuerbaren Energien und der Energieeffizienz. Weiter führt der Weg
dann in den Seminar- und Bürobereich.
Schlanke Linie mit enormer Kraft
Das etwa 74 m lange Kompetenzzentrum ist in zwei Bereiche gegliedert: in den eingeschossigen Ausstellungsbereich, der möglichst weiträumig und flexibel nutzbar sein soll,
und in den ein- bis zweigeschossigen Seminar-, Cafeteria- und Bürobereich. Die Architekten planten
deshalb die Konstruktion so, dass sie
entsprechend auf die beiden Anforderungen reagieren konnte. In der Ausstellungshalle überspannen Stützen
und Träger aus Brettschichtholz auf
einem Raster von 3,125 m × 17,50 m
frei die große zusammenhängende
Fläche. Die Stützen wirken durch
ihre Zweiteilung schlank und sollen einfache und kostengünstige
Detailausbildungen im Fußpunkt und
im Trägerbereich ermöglichen. Die
Aussteifung übernehmen Stahlauskreuzungen und die steife Deckenscheibe. In den Seminar- und Büroräumen ist die Spannweite halbiert.
Hier stellen vorgefertigte Wand- und
Deckenscheiben in Holzrahmenbauweise das Tragwerk dar. Auf die
Holzdecken trugen die Verarbeiter
einen Zementestrich auf. Darauf verlegten sie eine Fußbodenheizung/kühlung. Der hohe Grad an Vorfertigung der Holzbauteile ermöglichte
eine stark verkürzte Bauzeit von nur
einem Jahr.
Eine Hülle mit viel Inhalt
Der Ausstellungsbereich wird nur
temporär genutzt und ist als gering
temperierter Bereich angelegt. Genau wegen dieser Nutzungstrennung
erfolgte eine konstruktive Zäsur im
Gebäude: nämlich in der Konstruktion der Gebäudehülle, als Ausbildung des Brandabschnitts (Gebäudetrennwand F90-B). In die vorhandene
Hülle der Industrieverglasung wurde
eine Holzintarsie eingeschoben, die
für die Büro-, Seminar- und Cafeteriabereiche die gewünschte Klimafunktion mit der erforderlichen Wärmedämmung bieten soll. Die beiden
Holz- und Glasflächen sollen zusammen den Passivhausstandard ermöglichen. Die Gebäudehülle wurde in
folgenden Schritten aufgebaut: Den
Wandaufbau, der einen Feuerwiderstand F30-B aufweist, statteten die
Holzbauer mit einer 16 – 22 cm Wärmedämmung aus Mineralwolle aus.
Ingenieurholzbau Kompetenzzentrum
◂◂ Anlieferung
und Montage der
bis zu 18 m
langen Elemente
OSB-Platten schließen nach außen
sichtbar den Wandaufbau ab. Auf die
OSB-Platten folgte dann eine Luftschicht mit ca. 16 – 18 cm. Eine Profilitverglasung (Industrieverglasung)
diente abschließend als Wetterhaut.
Innenseitig fertigten Monteure die
Elemente mit einer Gipskartonplatte
vor, anschließend erzeugten sie die
Installationsebene mit einer vorgelagerten OSB-Platte. Die Holzwerkstoffe verarbeiteten sie innen und
außen sichtbar. Innenseitig versahen die Holzbauer die OSB-Platten
mit einer weiß pigmentierten Lasur.
Da die Holzkonstruktionen F30-Bbzw. F90-B-Qualitäten erfüllen, ist
das Gebäude infolge seiner Nutzung
als Versammlungsstätte genehmigt
worden.
Holz erfüllt Passivhausstandard
Der hohe Dämmstandard der Gebäudehülle ließ sich mit geringen Wandund Deckenquerschnitten dank der
Holzbaukonstruktion erreichen. Verschiedene Maßnahmen trugen zudem
dazu bei, ein ressourcenschonendes
Gebäude mit geringen Lebenszykluskosten entstehen zu lassen:
▸▸ der außen liegende Sonnenschutz mit Lichtlenkungs­
funktion
▸▸ die Kombination aus mechanischer Lüftung mit Wärme­
rückgewinnung und natürlicher
Lüftung, u. a. abhängig vom
Außenklima
▸▸ die Nutzung der Erdwärme über
einen Erdabsorber zur Kühlung
und Heizung ja nach Witterung
www.mikado-online.de
Michael Reisch, Düsseldorf
pier7 architekten BDA
◂ Die OSB-Platten
sind nach
außen sichtbar
und innen
weiß lasiert
▸▸Stützen aus
Brettschichtholz
überspannen
die große Fläche
▸▸ der möglichst geringe Primärenergiebedarf des Gebäudes
durch Auswahl energiesparender
Leuchtmittel, EDV-Anlagen
und sonstiger Elektrogeräte
sowie einer nach Tageslichteinfall bzw. Anwesenheit geführten
Beleuchtung
▸▸ die Integration von Photovol­
taikmodulen, die in Teilen
sichtbar in die Vordachkonstruktionen integriert sind
Holz bis ins letzte Detail
Auf angenehme Art und Weise und
prägend für die Gestalt des Gebäudes
sollen nahezu alle Oberflächen als
Holzwerkstoff auftreten. Vorgefertigte OSB-Ausstellungsmöbel vereinheitlichen und ordnen das Erscheinungsbild der Räume.
Holzbau macht’s möglich
Das Projekt „:metabolon“ zeigt, dass
der Holzbau auch nicht vor großen Dimensionen Halt macht. Ausgedehnte Spannweiten konnte der
Holzbau überbrücken. Der hohe Vorfertigungsgrad ermöglichte zudem
kurze Bauzeiten. Die Gebäudehülle,
die aus Holzkonstruktionen mit F30B- bzw. F90-B-Qualitäten besteht,
erreichte die Passivhaustauglichkeit.
Durch Bauteilaktivierung, d. h. Kühlung im Sommer, durch das integrierte Lüftungskonzept und die großen
Gebäudehöhen ist zudem die Behaglichkeit im Sommer auch bei hohen
Temperaturen gewährleistet.
Steckbrief
Bauvorhaben:
:metabolon: Neubau eines
Kompetenzzentrums für
erneuerbare Energien
D-51789 Lindlar
www.metabolon.de
Nutzfläche:
1200 m²
Heizenergie:
Standortgebundenes Wärmenetz
Primärenergiebedarf: 50 kWh/(m²a)
Bauherr:
BAV Bergischer Abfallwirtschaftsverband
D-51766 Engelskirchen
www.bavweb.de
Bauzeit:
Wettbewerb 2007 – 1. Preis,
Bauzeit April 2010 bis April 2011,
Eröffnung September 2011
Baukosten:
metabolon-Multifunktions­
gebäude: 2,8 Mio. Euro
Architekten:
pier7 architekten BDA
D-40239 Düsseldorf
www.pier7-architekten.de
Landschaftsarchitekten:
FSWLA Landschaftsarchitektur
D-40629 Düsseldorf
www.fswla.de
Tragwerksplanung:
Kunkel + Partner
GmbH & Co. KG
D-40477 Düsseldorf
www.kunkel-partner.de
Holzbauarbeiten:
MERKLE Holzbau GmbH
D-73266 Bissingen u. Teck
www.merkle-holzbau.de
Dipl.-Ing. Alexander Pier, Düsseldorf ▪
31
Sanierung und Ausbau
▴▴Akute Einsturzgefahr:
Das alte Bogenfachwerk der
Industriehalle hatte eine
Sanierung
dringend nötig
Ofenhalle
70 Grad und heiße Öfen
Risse im Holz, geknickte Streben und gebrochene Kreuzstreben: 2009 bescheinigte
ein Gutachten der historischen Ofenhalle Lamberts in Waldsassen Einsturzgefährdung.
Nach der Sanierung ist aus der Ofenhalle ein Schmuckstück geworden.
D
Schmelzöfen. In ihnen erhitzen die
hier beschäftigten Handwerker das
Glas, aus dem sie später mundgeblasene Kunstwerke kreieren. „Als
kleiner Schuljunge war ich vor bald
60 Jahren einmal auf einem Ausflug
hier und habe damals die Industriehalle bewundert“, erinnert sich Architekt Wolf Hartenstein von der Planungsgruppe Nordbayern.
ie Industrieausstellung in Nürnberg 1896 bestach zum einen
durch Zweiräder, Spielzeug und die
erste öffentliche Kunsteisbahn, zum
anderen gab es auch ein architektonisches Highlight zu bestaunen:
eine gigantische Ausstellungshalle
mit Bogenfachwerkbindern aus Holz.
Fünf Jahre nach der Messe begann
für das Bauwerk eine neue Karriere.
Nachdem Lastwägen die Konstruktion Binder für Binder nach Waldsassen transportiert hatten, diente sie
dort seither als Ofenhalle.
Unter dem überdimensionalen
Bogenfachwerk brennen noch heute Tag und Nacht 1500 Grad heiße
32
Akute Einsturzgefahr
Viele Jahre später kam Hartenstein
wieder und ist seither regelmäßiger
Gast in den Räumlichkeiten, weil er
hier die Gläser findet, die er für seine
mikado 3.2013
Bauwerke verwendet. Vor der Sanierung konnte er die Holzbinder unter einer 1,5 cm dicken Staubschicht
nur erahnen. Auch die Verformungen
waren vom Fußboden aus nicht zu
erkennen, schließlich ist das Gebäude
17,40 m hoch. Nach und nach allerdings fiel den Arbeitern im Raum auf,
dass Holzsplitter und ganze Holzteile
von der Decke herunterzufallen begannen. Um den Zustand der Halle zu
begutachten, ließ Hartenstein in der
Folgezeit im Auftrag der Glashütte
Lamberts Waldsassen GmbH die Bogenbinderkonstruktion jedes zweite Jahr vermessen. Anfänglich ohne
großen Befund, doch irgendwann
Sanierung und Ausbau
Bei der Sanierung kamen verleimte Furnierwerkstoffplatten zum Einsatz
stellten die Experten bis zu 3 cm
große Verformungen je Jahr fest.
Durch undichte Sturmhauben war
im Laufe der Zeit zudem Regenwasser eingedrungen. So hatten Feuchte- und Fäulniseinwirkungen an der
Dach- und Binderkonstruktion Schäden an den Hölzern bewirkt, die zu
erheblichen Verformungen und letztlich zum Bruch wesentlicher tragender Teile geführt hatten.
Durch das hohe Alter und die extremen Temperaturen, die in der
Ofenhalle vorherrschen, waren Hölzer spröde geworden und zum Teil
gerissen. Einzelne Streben waren geknickt, Kreuzstreben gebrochen. Bei
einer Überprüfung der Standsicherheit im Jahr 2009 stellten die Gutachter akute Einsturzgefahr fest. So
blieben den Bauherren nur noch zwei
Möglichkeiten: der Abriss oder die
Sanierung.
Furnierschichthölzer statt
gebogener Bretter
Eine besondere Herausforderung
für diese Arbeiten bestand darin, dass
die Halle bei laufendem Betrieb instand gesetzt werden musste. Denn
wenn Schmelzöfen einmal abkühlen,
sind sie nicht mehr funktionsfähig
und müssen neu aufgebaut werden.
Das ist mit enormen Kosten verbunden. Während der Brennvorgänge
entstehen unter dem Dach Temperaturen von 60 bis 70 Grad Celsius.
Das Dach musste teilweise geöffnet werden und wurde nach der Arbeit nur mit Planen geschützt, damit
sich die Handwerker dort überhaupt
aufhalten konnten.
Anderthalb Jahre dauerten die
Arbeiten an der Ofenhalle, weil die
meisten Tätigkeiten per Hand ausgeführt werden mussten. Ein halbes
Dutzend Zimmerleute war in dieser
Zeit ständig auf der Baustelle.
Die hauptsächlichen Sanierungsmaßnahmen bestanden darin, die
schadhaften Konstruktionsteile auszutauschen und zu schwach ausgebildete Teile zu verstärken. Nachdem
die Binder ursprünglich aus gebogenen Brettern bestanden hatten, „haben wir zunächst versucht, auf Basis
des damaligen Standes der Technik
ähnliche Bretter zu erstellen“, erklärt Hartenstein. „Doch nach einigen Fehlversuchen haben wir aufgegeben und in Abstimmung mit
der Denkmalpflege verleimte Furnierholzwerkstoffplatten verwendet, aus denen die Zimmerer die erforderlichen Bretter in Handarbeit
herausgesägt haben.“ Zudem halten
Plan der Industriehalle, Baujahr 1896
In Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege respektive
dem Gebietsreferenten für Wunsiedel, Raimund Karl, und dem Statikbüro ALS Ingenieure GmbH & Co.
KG aus Amberg, erarbeitete Hartenstein ein Sanierungskonzept. Zentrales Ziel war es, den Gesamtcharakter der Ofenhalle zu bewahren und
die Wirkungsweise der Konstruktion
in Reminiszenz an die damals herausragende Ingenieursleistung wiederherzustellen.
www.mikado-online.de
33
Sanierung und Ausbau
Wolf Hartenstein
Die Sanierung bei laufendem Betrieb war eine besondere Herausforderung
die Holzwerkstoffplatten auch hoher Temperaturbeanspruchung stand.
Die Oberflächen ließen sich dem Bestand leicht angleichen. Aufgrund
des mehrschichtigen Aufbaus konnten die Holzbauer die Furnierholzwerkstoffplatten zudem problemlos
an die erforderlichen Stärken anpassen und damit die notwendigen statischen Festigkeiten einhalten.
Bis zu 15 cm Unterschied
in Höhe und Rundung
Für die Baumaßnahmen errichteten
die Monteure zunächst mit Rücksicht
auf die technischen Einrichtungen
in der Halle ein Gerüst, das bis zum
First emporragte. Im Anschluss montierten sie Stützen und lagerten das
Dach auf dem Gerüst ab. „Auf dieser Basis konnten die Binder ausgelöst und zerlegt werden. Schadhafte
Stellen haben die mit diesen Aufgaben betrauten Zimmerer der Karl
Roth Baumeister GmbH & Co. KG aus
Wunsiedel ergänzt“, erinnert sich der
Architekt, „komplett zerstörte Binder
haben sie erneuert und die so rekonstruierten Bauteile wieder ergänzt.“
Zur Sanierung der Fachwerkbinder bauten die Zimmerer den jeweiligen Ober- und Untergurt auseinander. Die ursprüngliche Vernagelung
ließ einen zerstörungsfreien Rückbau
allerdings kaum zu, „auch wenn wir
die Nägel so vorsichtig wie möglich
herausgezogen haben“, informiert
der Architekt. Trotzdem war es erforderlich, bei der erneuten Montage
34
auf die statisch einfachere Methode
der Verschraubung zurückzugreifen.
„Nägel müssen aufgrund statischer
Anforderungen festgelegte Abstände haben. Das war natürlich bei der
erneuten Montage nicht mehr möglich“, erläutert Hartenstein. Sollten in
einigen Jahrzehnten Reparaturen erforderlich werden, dann können die
neuen Schrauben ohne größere Probleme entfernt werden.
Da sich die historischen Binder
im Laufe der Zeit verformt hatten,
mussten sich die Nachbauten an diesen Formen orientieren, „sodass die
einzelnen Hölzer bis zu 15 cm Unterschied in Rundung und Höhe aufweisen“, erzählt der Architekt. Nach
der Montage der Binder haben die
Zimmerer die die Sparren erneuert
und im Anschluss eine 30 mm starke Schalung aufgebracht. Auf dieser Basis verlegten Handwerker eine
zweilagige Bitumendeckung.
Knoten für Knoten kontrolliert
Vor dem Rückbau des Gerüsts entfernten die Handwerker zunächst
die Unterstützungen und überprüften mit Probebelastungen, ob sich
bei der neuen Konstruktion Verformungen zeigen. „Knoten für Knoten haben wir so kontrolliert“, erläuterte Hartenstein. Dann erst durfte
die Halle wieder freigegeben werden. Seither darf das architektonische
Highlight wieder bewundert werden,
von Laien ebenso wie von Experten.
Und alle zollen dem Projekt Respekt:
mikado 3.2013
In vergangenen Jahr erhielt es gleich
zwei Architekturpreise, den Hypokulturpreis und den Bayerischen DenkChristine Ryll, München ▪
malpreis.
Steckbrief
Bauvorhaben:
Sanierung einer Ofenhalle
in D-95652 Waldsassen
Bauweise:
Bogenfachwerkbinder
Baujahr: 2009/2011
Bauzeit:
18 Monate
Baukosten:
1 Mio. Euro
Nutzfläche:
ca. 700 m² Hallenfläche
Kubatur:
ca. 4200 m³
Bauherr:
Glashütte Lamberts
Waldsassen GmbH
Architekt:
Planungsgruppe Nordbayern
D-95632 Wunsiedel
www.hartenstein-wolf.de
Holzbau:
Karl Roth
Baumeister GmbH & Co. KG
D-95632 Wunsiedel
www.roth-baumeister.de
Statik:
Statikbüro ALS Ingenieure
GmbH & Co. KG
D-92224 Amberg
www.ib-als.de
Details im Griff März 2013
Dachkonstruktion
„Untermieter“ hinterlassen Lücke
Als in einer Dachgeschosswohnung an der Decke ein feuchter
Fleck austrat, kam gleich eine Serie handwerklicher Fehler zum
Vorschein. Die eigentliche Ursache war dann jedoch sehr überraschend.
◂◂Das Mehrfamilienhaus besitzt
eine komplizierte
Dachform und
einen ausgebauten Dachraum
sammenhang zu Regenzeiten, nicht
aber zu Kälteperioden auf. Die Fleckform auf dem tapezierten Brett sah
ebenfalls nicht typisch für eine betaute Kaltstelle aus. Braunfärbung
und ausgeprägter Rand ließen eher
auf reichlichen Flüssigwasserkontakt
schließen. So suchte der Sachverständige natürlich erst einmal vorrangig
nach undichten Stellen an der Dacheindeckung und der Attika.
Schadensursachen
Objekt
Schadensbild
Das Mehrfamilienhaus wurde von einem Bauträger in den 1990er-Jahren
errichtet. Es besitzt eine unkonventionelle Gestaltung mit abgesetzten
Pultdächern, die von Attiken optisch
zu Teiltonnendächern aufgewertet
werden. Das Dachgeschoss war von
Anfang als Wohnung ausgebaut.
Die Bewohner stellten fest, dass sich
in unregelmäßigen Abständen das
giebelseitige Randbrett der Innenverkleidung dunkel färbte. Diese Dunkelfärbung wurde laienhaft – aber
ganz richtig – als Benässung interpretiert. Die Bewohner schilderten,
die Benässung trete in zeitlichem Zu-
Auf einen Blick
Objekt
Mehrfamilienhaus mit ausgebautem Teiltonnendach
Schadensbild
Temporäre Durchnässung eines Randbretts in der
Dachwohnung
Schadensursache
Fehlende Wärmedämmung, vermutlich von Wespen
weggefressen
Schadensbehebung
Wärmedämmung vervollständigen und fachgerecht
abdichten
Fazit
Komplizierte Dachformen müssen an allen Stellen
dicht und insektensicher ausgeführt sein
www.mikado-online.de
Es stellte sich heraus, dass der gesamte konstruktive Aufbau wie auch die
Details zu wünschen übrig ließen:
▸▸ Lötnähte in der Zinkblechabdeckung waren gerissen.
▸▸ Schrauben hatten sich gelöst,
Schraubköpfe standen heraus
und waren nicht abgedeckt.
▸▸ Die Kaminabdeckplatte des Abgasrohrs war zum Kaminkopf
nicht gedichtet; Kontergefälle
des Kaminkopfes und Eindellung
der Platte ermöglichten Wassereintritt.
▸▸ Anschlüsse (z. B. von der Verschindelung zur Wand) waren
mit Silikon gegen Schlagregen
ausgerüstet; viele Silikonwülste
waren gerissen.
▸▸ Putz war gerissen und abgeplatzt, teils wegen zu starrer
Verbindung (z. B. zu einer Abschlussschiene).
▸▸ Die Unterspannbahn war geschrumpft, an einigen Stellen
auch zersetzt.
▸▸ Die Unterspannbahn war firstund ortgangseitig nicht angeschlossen, wies sogar offene
Spalten von 5 bis 10 cm auf.
35
Details im Griff März 2013
◂◂Die Untersicht
der Dachfläche ist mit einer
Holzschalung
verkleidet
▸▸Ein Randbrett
der Verkleidung war nass
▸▸ Eine dampf- und luftdichtende
Schicht unterseitig der Dämmung war nirgendwo ertastbar,
fehlt vermutlich ganz – sowohl
an der aufgehenden Wand zwischen den Pultflächen wie auch
in der gesamten Dachfläche.
▸▸ Das aufgehende Mauerwerk aus
Hochlochziegeln war unverputzt
und damit luftführend.
Die Mangel- und Schadstellen waren über einen größeren Bereich verteilt. Unmittelbar über der Stelle, die
sich innen als durchnässt gezeigt hatte, fehlte aber etwas Entscheidendes: die Wärmedämmung. Die EPSDämmplatte fehlte hier, dafür fanden
sich Reste einer Wespenbesiedelung,
deren Bewohner zum Glück schon
ausgezogen waren. Wahrscheinlich
befand sich hier vorher eine Wärmedämmung, die von ihnen einfach
weggefressen worden war.
samt in einen zeitgemäßen Zustand
versetzen oder nur punktuell reparieren. Für einen fachgerechten Aufbau
hätte man Luftdichtungsbahn innen
und Unterdeckbahn außen nachrüsten müssen. Das geht nicht ohne
Rückbau. Damit wären zwar „Heizen fürs Weltklima“ und Zugluft erledigt gewesen; faktisch war die Familie aber zunächst finanziell und
auch mental überfordert.
Die jetzige Unterspannbahn seitlich und am First anzuschließen verbietet sich, da die fehlende Luftdichtungsbahn Wohnungsluft dann direkt
bis zur Unterspannbahn strömen ließe; Tauwasserausfall an den unterkühlten Anschlüssen wäre die Folge. Bleibt also nur, das Wespennest
auszuräumen, Dämmstoff wieder zu
ergänzen, Löcher und Spalte wiederum mit Silikon notdürftig zu dichten,
die Familie auf die Wartungsbedürftigkeit aufmerksam zu machen und
dann langsam an den Gedanken einer
Dachsanierung heranzuführen.
Schadensbehebung
Die Wespenbesiedelung war durch
die lückenhafte Unterspannbahn begünstigt worden. Der ursprünglich
angenommene Schadensmechanismus musste korrigiert werden: Obwohl Flüssigwassereintritt angesichts
der Vielzahl kleiner Lecks nicht auszuschließen ist, war doch der Zusammenhang der Befeuchtung mit dem
fehlenden Dämmstoff an eben dieser
Stelle nicht mehr zu leugnen.
Bei der Behebung musste man sich
entscheiden: den Dachaufbau insge-
36
martin giebeler
▸▸ Beim Öffnen
des Dachs zeigte
sich: Wespen
hatten hier ein
Nest gebaut
und dabei die
Dämmung
aufgefressen
Fazit
Aus dem Vorhaben lassen sich mehrere Schlüsse ziehen:
▸▸ Komplizierte Dachformen bergen
Risiken und verlangen detaillierte Planung und Überwachung.
▸▸ Sachen gibt’s, die gibt’s gar
nicht: Immer wieder mal findet
man Bauten, bei denen elementarste Dinge, z. B. eine Dampfsperre, fehlen.
▸▸ Einen Steildachaufbau sollte
man außenseitig mit einer Unterdeckbahn oder gar Plattenlage
abschließen – nicht nur wegen
der Winddichtheit, sondern auch
wegen des höheren Schutzes gegen Insekten.
▸▸ Starke Flecken können durchaus
(im Ausnahmefall) auch von Betauung herrühren, nämlich dann,
wenn Dämmstoff ganz und gar
fehlt.
▸▸ Schilderungen der Bewohner
sind wichtig, können im Einzel▪
fall aber in die Irre führen.
Der Autor
Martin Giebeler ist Bausachverständiger mit eigenem
Ingenieurbüro. Schwerpunkte seiner Tätigkeit sind
die Schadensbeurteilung und die Sanierungsplanung
an Dach, Wand und Abdichtung.
www.giebeler.org ı www.blowerdoor-expert.org
mikado 3.2013
Management
▴▴Petra und Volker
Spenninger
sind Inhaber einer
Zimmerei in
Monheim und
freuen sich über
ihre vielen
positiven Beurteilungen unter
kennstdueinen.de
Marketing
Raus aus dem Preiskampf
Wer sich im Ausschreibungsgeschäft über die schlechten Preise wundert,
muss langfristig seine Strategie ändern und sich lukrativeren Kundengruppen zuwenden.
Wenn Qualität und Service stimmen, schaut der Kunde nicht mehr nur auf den Preis.
F
ür die Kunden zählt nur der Preis.
Sie treffen ihre Entscheidungen
rational und entscheiden sich für
das günstigste Angebot. Nach diesem Strickmuster argumentieren viele Unternehmer. Die Folge: Fast jedes
Gespräch mit dem Kunden mündet
in eine Preisverhandlung, an deren
Ende eine Menge Rabatte und Zugeständnisse stehen.
Lukrative Kundengruppen finden
Da nahezu jeder so agiert, tobt im
Handwerk trotz guter Auftragslage
ein Preiskampf, der den beteiligten
Betrieben kaum Spielraum für ein ordentliches Auskommen lässt.
www.mikado-online.de
Ein Schicksal, über das die Unternehmer zwar gerne und heftig am
Stammtisch klagen, das sie jedoch in
den meisten Fällen als gegeben hinnehmen. Gibt es im Handwerk wirklich kein anderes Entscheidungskriterium für den Kunden als den Preis?
Josef Berchtold, Geschäftsführer der
Leistungsgemeinschaft „Einer.Alles.
Sauber.“ hat darauf eine klare Antwort: „Wer sich im Ausschreibungsgeschäft immer wieder neu über die
schlechten Preise wundert, muss
langfristig seine Strategie ändern
und sich lukrativeren Kundengruppen zuwenden.“ Bei der Leistungsgemeinschaft für Eigenheimmodernisierung sind das Ehepaare nach
der Silberhochzeit, die ihre vier Wände vor der Rente noch einmal richtig
schön renovieren wollen.
Emotionalen Mehrwert nutzen
Wie kann ein Unternehmer bei diesen sehr anspruchsvollen Privatkunden gute Preise erzielen? „Der Nutzen einer Leistung lässt sich nicht in
Euro und Cent festmachen“, erklärt
Hans-Georg Häusel, „sondern er ist
eine höchst emotionale Angelegenheit.“ Der Leiter der Beratungsgruppe
Nymphenburg in München erforscht
seit mehr als 30 Jahren mit seinem
Team die Kaufmotive der Kunden
und berät Firmen beim Entwickeln
37
Management
mikado-Interview
„Lukrative Aufträge gewinnen“
Paul Meyer (links) und Josef Berchtold (rechts) sind Geschäftsführer
der Leistungsgemeinschaft zur Eigenheimmodernisierung Einer.Alles.
Sauber. Im Interview erklären die beiden, wie ihre Partnerbetriebe
zu lukrativen Aufträgen „zu Wunschpreisen“ kommen.
mikado: Herr Meyer, welche Kunden
möchte die Werbung von Einer.Alles.
Sauber. in erster Linie ansprechen?
Paul Meyer: In Deutschland gibt es
15 Mio. Eigenheimbesitzer. Die Hälfte
davon ist zwischen 50 und 60 Jahre
alt – und genau die sprechen wir an.
Wir zielen auf die anspruchsvollen,
zahlungskräftigen Kunden. Ganz besonders sprechen wir die Frauen an,
denn die treiben in großem Maße die
Modernisierung des Hauses voran.
Herr Berchtold, was unterscheidet
Wunschkunden von anderen Kunden?
Josef Berchtold: Unsere Wunschkunden wünschen sich eine EigenheimModernisierung aus einer Hand. Sie
schauen nicht auf den billigen Preis.
Sie wünschen sich neben einer hohen Qualität bei der handwerklichen
Leistung eine perfekte und zuverlässige Rundum-Betreuung.
Herr Meyer, warum ist es so wichtig,
die Marketingmaßnahmen exakt auf
die Bedürfnisse der Wunschkunden
abzustimmen?
Meyer: Je genauer ich mit der Werbung auf die Wünsche, Bedürfnisse, Sorgen und Nöte der ausgewählten Kundengruppe ziele, desto besser
sind die Rückläufe. Das setzt voraus, dass ich die Bedürfnisse meiner
Wunschkunden genau kenne und sie
werblich richtig anspreche.
geeigneter Marketingstrategien. Mit
dem Vorurteil des rational handelnden Kunden haben die Neuromarketing-Experten dabei genauso aufgeräumt wie mit der Mär, dass für den
Kunden nur der vermeintlich rationale Preis zählt: „Geld ist konzentrierte
Lust in der Hosentasche und deshalb
äußerst emotional“, sagt Häusel.
Um dem Kunden seinen Schatz zu
entlocken, müssen nicht nur Qualität
und Leistung stimmen. Die Unternehmen sollten ihr Angebot mit einem
emotionalen Mehrwert aufpeppen.
„Bei einem Maler wäre es etwa optimal, wenn er so arbeitet, dass der
Kunde letztendlich sagt: Eigentlich
war er gar nicht da – aber die Wand
ist trotzdem weiß.“
Kaufmotive erkennen
Partnerbetriebe investieren jährlich
etwa 10 000 Euro in ihre Werbung,
das ist deutlich mehr, als im Handwerk üblich ist.
Herr Berchtold, Sie setzen stark auf
Empfehlungen von Kunden. Warum?
Berchtold: Empfehlungen erleichtern
das Verkaufen und den Abschluss. In
den vergangenen zweieinhalb Jahren
bekamen unsere Partnerbetriebe über
1700 schriftliche Referenzen von begeisterten Kunden. Alle Referenzen
sind im Internet nachzulesen. Das
bringt jede Menge Mundpropaganda und Empfehlungen.
Woher wissen Sie, welches
Werbebudget die Partnerbetriebe
investieren müssen, um genügend
lukrative Kunden zu finden?
Meyer: Ich mache seit 22 Jahren die
Werbeplanung für kleinere Handwerksbetriebe. Aktuell betreue ich
90 Werbeetats, da kommt eine Menge Erfahrung zusammen. Unsere
Wie lange brauchen neue Partner,
um die ersten lukrativen Aufträge zu
gewinnen?
Berchtold: In den meisten Fällen geht
das sehr schnell. Wir haben allerdings auch schon mehr als ein Jahr
gebraucht, bis es lief. Erfolgreiche
Partnerbetriebe erzielen Preise, die
20 bis 30 Prozent über den üblichen
Marktpreisen liegen. Dafür ist vor allem im Verkauf einiges an Schulung
erforderlich. Hier benötigen manche
Unternehmer einfach mehr Zeit.
38
mikado 3.2013
Doch was treibt den Kunden letztendlich zu seiner Entscheidung, wenn
es nicht der Preis ist? Nach den Erkenntnissen des Hirnforschers gibt
es drei Motiv- und Emotionssysteme, die unser gesamtes Leben bestimmen: Balance, Dominanz und
Stimulanz.
Balance-motivierte Käufer streben
nach Sicherheit und Ruhe und sind
glücklich, wenn alles seine Ordnung
hat. Das Dominanz-System spiegelt
den Wunsch des Kunden nach Macht,
Status und Autonomie wider, das Stimulanz-System steht für Individualität und die Suche nach Neuem. Für
den Unternehmer geht es darum zu
überlegen, wie er diese Systeme in
seinem Serviceprozess bewusst ansprechen kann.
Dabei hilft zum einen natürlich
eine Befragung der Kunden nach ihren Bedürfnissen, zum anderen geben Ergebnisse der Marktforschung
wichtige Aufschlüsse darüber, welche
Kaufmotive momentan in der Gesellschaft dominieren.
Vertrauen gewinnen
So hat die Finanzkrise nach den Erkenntnissen der Nürnberger „Gesellschaft für Konsumforschung“ (GfK)
die Prioritäten der Verbraucher maßgeblich verändert. Denn die Rezession 2008 wurde im Unterschied zu
früheren Krisen durch Macht und
Gier ausgelöst. Das führte zu einem
massiven Vertrauensverlust in der
Bevölkerung. Die damit verbundene
Umorientierung der Verbraucher zu
Anbietern, die Orientierung und Sicherheit bieten, ist nach Einschätzung
der Marktforscher deshalb leicht zu
erklären: „Vertrauen ist nun einmal
die härteste Währung der Welt.“
Um das Vertrauen zu gewinnen und
das Risiko aus Sicht des Kunden zu
reduzieren, ist Empfehlungsmarketing heute wichtiger denn je. Denn
je mehr Kunden sich positiv über einen Auftraggeber äußern, desto intensiver wird das momentan bei den
meisten Menschen vorherrschende
Balance-System bedient – der Kunde gewinnt die für eine Kaufentscheidung notwendige Sicherheit.
Ist dieser Kaufknopf einmal aktiviert und werden die im Verkaufsgespräch gegebenen Versprechungen
(Beispiel: Abgabe des Angebots zum
vereinbarten Termin) eingehalten, ist
der Auftrag so gut wie sicher – und
der Preis wird plötzlich zur wichtigsten Nebensache der Welt!
Den Modernisierungsmarkt für
sich entdecken
Verändern oder Zusperren – die Perspektiven für den Familienbetrieb
Spenninger in Monheim waren 2004
alles andere als rosig: „Die Auftragslage war schlecht, es gab kein systematisches Marketing und für mich
somit auch keine vernünftige Zukunftsperspektive“, erinnert sich Volker Spenninger an seinen Einstieg in
den Betrieb.
So konnte es nicht weitergehen,
das war ihm und seinem Vater spätestens nach der Entlassung zweier
Mitarbeiter klar. Gemeinsam besuchten die beiden Zimmerer einen Infotag der Leistungsgemeinschaft zur
Eigenheimmodernisierung Einer.Alles.Sauber. in Dachau.
Schon auf der Rückfahrt war die
Mitgliedschaft beschlossene Sache:
„Der Einstieg in den Modernisierungsmarkt und das professionelle
www.mikado-online.de
Andreas Bröckel
Empfehlungsmarketing forcieren
▴▴Die Handzettel
kommen
bei potenziellen
Kunden
gut an. OnlineMarketing
ergänzt dabei die
klassische
Werbung
Marketing boten genau die Perspektive, nach der ich händeringend gesucht hatte“, erklärt der 36-Jährige den schnellen Entschluss für eine
Partnerschaft. Denn bislang fehlte es
dem Betrieb vor allem am systematischen Marketing.
Systematisch und professionell
Marketing betreiben
Beide Zimmerer hatten zwar erfolgreich die Meisterprüfung absolviert,
doch das dabei erworbene Marketingwissen reichte bei Weitem nicht
aus, genügend lukrative Aufträge zu
bekommen.
Das klappte zwar auch durch die
Mitgliedschaft bei Einer.Alles.Sauber. nicht sofort, doch nach und nach
zeitigte die kontinuierliche Werbung
mit professionell gemachten Handzetteln und Kleinanzeigen die ersten Erfolge.
Petra Spenninger, die sich heute zusammen mit ihrer Schwiegermutter um das Marketing kümmert,
schätzt vor allem die zur Verfügung
gestellten Werbemittel: „Das macht
es einem wirklich leicht, sich ohne
vorheriges Marketingwissen in das
Thema einzuarbeiten.“
Entsprechend dem mit der Geschäftsführung der Leistungsgemeinschaft abgestimmten Werbeplan kann sie sich über das Intranet
die notwendigen Vorlagen für Handzettel und Anzeigentexte besorgen
und einsetzen, das passiert in etwa
im Zwei-Wochen-Rhythmus.
Ergänzt wird die regelmäßige
Vor-Ort-Präsenz durch die Mitgliedschaft bei www.KennstDuEinen.de,
einer Bewertungsplattform für Unternehmen im Internet. „Da waren
wir gleich von Anfang an mit dabei.
Inzwischen kommen bereits 60 Prozent unserer Aufträge über Empfehlungen“, freut sich Volker Spenninger, der den Betrieb 2009 vollends
vom Vater übernommen hat.
Inzwischen, so der Juniorchef, ergänzen sich klassische Werbung und
das Online-Marketing perfekt: „Wer
durch die Handzettel oder Anzeigen
auf uns aufmerksam geworden ist,
nutzt das Netz zur weiteren Information über den Betrieb. Wir werden immer häufiger ausgegoogelt.“
Ein Kunde aus Nordrhein-Westfalen,
der in Bayern ein Haus gekauft hat,
ist per Suchmaschinenanfrage sogar
direkt bei der Zimmerei in Monheim
gelandet.
Sich immer wieder den Kunden
ins Gedächtnis rufen
War Volker Spenninger früher durchaus skeptisch, ob das Geld für die regelmäßige Werbung wirklich richtig investiert ist, weiß er heute, dass
man sich immer wieder aufs Neue bei
potenziellen Kunden in Erinnerung
bringen muss. Ein Aufwand, der sich
langfristig auch im Familienbetrieb
prächtig auszahlt: „Unsere Auftragslage ist gut, die Preise sind es endlich
auch“, erzählt Spenniger.
Matthias Mester, Senden ▪
39
Management
Nutzfahrzeuge
Sanfter Sprinter
Mit frischem Facelift, Topmotorisierung und Automatik rückt der Citroën Jumpy
jetzt den elitären Expresstransportern von Mercedes und VW auf die Pelle. Sein Rezept:
viel Leistung zu erschwinglichen Preisen, kombiniert mit einer hohen Nutzlast.
40
mikado 3.2013
▴▴Der lange
Citroen Jumpy ist
mit seinem
starken Dieselmotor in
Kombination mit
der Automatik
eine gute Wahl für
Handwerker
Management
◂◂Egal ob auf
Sand,
Schnee oder bei
schlammigtiefem Untergrund
gilt: …
▸▸… ESPSicherheit für alle
Fälle per
Drehschalter.
Leider nur
bei der stärksten
Motorisierung
serienmäßig
S
chon immer hatten die Franzosen den VW-Transporter im Visier. Die Dreitonner-Jumper von Citroen (weitgehend baugleich mit Fiat
Ducato und Peugeot Boxer) sind von
den Norddeutschen mit den Grundtugenden des Transports (Volumen,
Nutzlast, Leistung) ohnehin nicht
zu schlagen. Aber für so manchen
Handwerker ist er einfach zu groß
und passt mit seinen Höhen- und
Breitenmaßen in keine Garage. Ganz
anders der Jumpy und seine Kollegen
Scudo (Fiat) und Expert (Peugeot):
Mit 4,80 bis 5,10 m Länge und 1,90 m
Höhe ist er handlicher und hat zudem nicht nur optisch mit den Großraumlimousinen von Citroen vieles
gemeinsam. Nach fünf Jahren Bauzeit hat man ihm nun ein kleines
Facelift gegönnt, wobei sich unter
dem Blech allerdings nur wenig geändert hat.
Robuster Transporter
Nach wie vor versprechen hoch gesetzte Scheinwerfer, kräftige Stoßfänger vorn und massive Anfahrecken hinten auch für die Baustelle
eine hohe Alltagstauglichkeit. Die
Fahrzeugbreite von 1,90 m beschert
neben ordentlichen Lademaßen auch
genug Platz in der Fahrerkabine. Hinter dem Lenkrad findet der Fahrer
schnell die passende Sitzposition, nur
die Pedale stehen für große Mitteleuropäer etwas zu eng beieinander.
Serienmäßig ist ein Doppelsitz auf
www.mikado-online.de
der Beifahrerseite, der Einzelsitz bietet Mitfahrern den besseren Komfort.
Das Ambiente wirkt gepflegt und
doch pflegeleicht – das zweifarbige
Armaturenbrett weist robuste kratzfeste Oberflächen auf. Praktische
Dachablagen dienen als Stauraum
für Unterlagen, die selbst bei heftigen Fahrmanövern nicht durchs Fahrerhaus fliegen. Die Kollegen werden
den niedrigen und daher sehr bequemen Einstieg schätzen – sowie auch
den guten Sitzkomfort und den kultivierten Motor. Knapp kalkuliert präsentiert sich die Bremsanlage: Während die stärkeren Jumpy-Typen auf
großer 16-Zoll-Bereifung rollen und
rundum mit Scheibenbremsen verzögern, muss sich der 2,7-Tonner samt
kleinem 1,6-Liter-Diesel mit 15-Zöllern und Trommelbremsen hinten begnügen. Der stärkste Jumpy rollt serienmäßig mit ESP-Sicherheit zum
Kunden, wer weniger Motorleistung
wählt, zahlt immer noch 440 Euro
drauf.
Sparsame Motoren
Alle Dieselmotoren des Citroen Jumpy
erfüllen die Abgasnorm Euro 5 – der
einzige Benziner mit zwei Liter Hubraum wurde im Rahmen des Facelifts
ersatzlos gestrichen. Zwei Turbodiesel mit 1,6 und 2,0 l Hubraum decken
in den drei Leistungsstufen 90, 128
und 163 PS alle fahrdynamischen
Ansprüche ab. Zumal sich die beiden stärkeren HDI-Vierzylinder mit
jetzt 320 und 340 Nm Drehmoment
zu ansehnlichen Fahrleistungen aufschwingen. Schon mit 128 PS bringt
es der lange Jumpy auf eine Spitze von 170 km/h – in Sachen Autobahntempo kann der stärkste Diesel
den Kollegen übrigens nicht toppen,
da er elektronisch eingebremst wird.
Seine Beschleunigung ist jedoch beachtlich: mit 12,1 Sekunden für den
Der neue Toyota ProAce
Auf den HiAce folgt der ProAce: So heißt der neue
Toyota-Transporter, der den mittlerweile eingestellten Evergreen aus Japan zum 2. Quartal
2013 ablösen soll. Toyota Motor Europe schließt
die entstandene Lücke mit einem auf dem Jumpy/
Expert/Scudo basierenden Transporter, den der
französische Fahrzeugkonzern PSA (Peugeot/Citroen)
beisteuert. Die Japaner werden sich nach eigenen
Angaben auch an der Entwicklung des Nachfolgemodells beteiligen. Die enge japanisch-französische
Zusammenarbeit hatte sich bereits bei einem Kleinwagenprojekt bewährt.
41
Management
Standardsprint auf Tempo 100 zählt
der Jumpy HDI 165 zu den besonders
dynamischen Dreitonnern. Dennoch
kommt bei allem Tun keine Hektik
auf. Eine Sechsstufen-Wandlerautomatik, für 1250 Euro Aufpreis erhältlich, sortiert die Gänge. Sie ersetzt
ein Sechsgang-Handschaltgetriebe,
das dem Fahrer ohnehin wenig Freude bereitete: zu hakelig und teigig
wird der Joystick durch die Gassen
geführt.
Der Getriebeautomat mag beileibe
kein Hightech-Getriebe mit verschiedenen Schaltprogrammen und Gimmicks sein, überzeugt aber als solide
Lösung, die sich eher dem Komfort
als der Dynamik verpflichtet sieht.
Und es erzieht seinen Fahrer ganz
nebenbei zu ruhiger, flüssiger und
souveräner Fahrweise, die den Verschleiß minimiert und den Kraftstoffverbrauch reduziert.
Der kräftige Motor, der auch zahlreiche Pkw-Modelle befeuert, geht
selbst bei schnellen Etappen sparsam
und laufruhig zu Werke – wer moderate Tempi bevorzugt, wird selten die
Achtliter-Marke überschreiten.
Die Erbanlagen der Vans blitzen
auch beim Fahrwerk durch. McPherson-Federbeinachse vorn und
42
▴▴Unpraktisch:
Durch die
mit 90 cm recht
schmale
Schiebetür passt
keine Palette
Verbundlenkerachse hinten – der
Hersteller spricht von einer Pseudo-Einzelradführung – gelten in der
Branche als Garant für ausgewogene Fahreigenschaften.
Lediglich 900 Euro Aufpreis kostet
eine Luftfederung für die Hinterachse, die viele Wettbewerber nicht einmal anbieten. Auf Knopfdruck senkt
sich hier die Ladekante auf ein Niveau von 50 cm und auf der Straße federt der leere oder teilbeladene
Jumpy, wie man es von einem Franzosen erwartet. Aber nur in der leichteren Variante (2,7 t zGG), der nutzlaststärkere Dreitonner hoppelt leer
über jedes Steinchen.
Der Lenkung folgt der kurvenwillige Jumpy mit hoher Präzision,
hier gibt sich der Citroen keine Blöße. Und die etwas zu bissige Bremsanlage wird den Fahrleistungen der
schnellen Jumpy-Modelle jederzeit
gerecht.
Nur mit Trennwand
Wer Ladelänge und Nutzlast sucht,
landet automatisch bei der längsten
Jumpy-Variante. Die legt beim Radstand (plus 12 cm) und beim Überhang hinten (plus 21 cm) kräftig zu
mikado 3.2013
und kann nach dem Facelift bis zu
2,50 m lange Balken, Rohre oder
Leisten verstauen. Mit 6 m³ bei der
langen Variante und 7 m³ beim langen und hohen Kastenwagen wächst
der Jumpy ins nächste Segment und
bleibt doch unter dem Niveau des
VW-Transporters. Darauf weist auch
die Qualität der Ausführung hin: ein
bisschen Klappern an Schiebe- und
Hecktüren gehört beim Citroen zum
Handwerk.
Knapp 1100 kg Nutzlast haben
aber professionelle Qualität, ebenso
die zulässige Anhängelast von 2 t.
Die gesteht der Hersteller allerdings
nur handgeschalteten Jumpies zu,
während unser Automatik-Citroen
1,8 t ziehen darf.
Mit Serviceintervallen von
30 000 km werden selbst Vielfahrer unter den Handwerksbetrieben
zurechtkommen. Im Alltag stört die
knapp bemessene seitliche Schiebetür, sie reicht mit 90 cm Breite nur
für schmales Ladegut. Und nicht vergessen: Die geschlossene Trennwand
(261 Euro Aufpreis) ist unentbehrlich,
besonders in Hinblick auf die eher
zierlichen Zurrösen sollte sie unbedingt geordert werden.
Wolfgang Tschakert, Planegg ▪
Management
Fotos: Wolfgang Tschakert
Ein Möchtegern für den Bau
▴▴Sonderausstattung: Die Rollplane fürs
Frachtabteil kostet 210 Euro Aufpreis
◂◂Pickup mit Frontantrieb und
Offroad-Look:
Die professionellen Qualitäten des
Strada kommen trotzdem nicht zu kurz
Für wenig Geld gibt es bei Fiat einen schlanken Kompakt-Pickup,
der mehr als eine halbe Tonne stemmen kann. In Europa kennt ihn
kaum jemand, in Brasilien wird er jedoch 100 000-fach verkauft.
Fiat hat den kompakten Strada-Pickup jetzt neu aufgelegt und
bringt ihn auch nach Europa. Auch wenn so mancher abfällig
lächelt: Auf 4,5 m Länge bringt der Doppelkabiner vier Personen
unter und hält im Heck 2,5 m² Ladefläche bereit. Wenngleich die
Sitzbank im Fond nur als Notbehelf dienen kann – Gepäck oder
teures Werkzeug ist hinter den Vordersitzen allemal diebstahlsicher unterzubringen. Wer mehr Ladefläche bevorzugt, greift zur
kurzen Single-Kabine oder zur verlängerten „Lang“-Variante.
Als Basisplattform des in Brasilien gefertigten Fahrzeugs dient der
Kleinwagen Punto aus vergangenen Tagen. An der angetriebenen
Vorderachse wird mit McPherson-Federbeinen gefedert, die antriebslose Starrachse wird an Blattfedern geführt. Bei Leerfahrten
führt sie ihr Eigenleben und fordert Nehmerqualitäten, aber mit
einer halben Tonne im Kreuz zeigt sie gute Manieren. Optisch gibt
der Strada den hochbeinigen Offroader, maskulin mit kunststoffbewehrten Radhäusern, Kühler- und Flankenschutz. Und doch muss
er mit Vorderradantrieb und elektronischem Sperrdifferenzial
auskommen, seine groben 15-Zöller mit Traktionsprofil wühlen
sich kräftig durch tiefes Geläuf, wenn nicht allzu schwere Fracht
die Vorderachse entlastet.
Unter der Haube arbeitet ein 1,3-Liter-Diesel, der mit 95 PS und
bis zu 200 Nm Drehmoment kräftig anpackt. Die Fahrleistungen
können sich sehen lassen: auf der Autobahn reiht sich der Pickup
mit 160 km/h Spitze auf der Überholspur ein. Wenngleich die Lenkung nicht allzu zielsicher führt und die Fünfgang-Schaltung sich
gegen forcierte Arbeit sperrt – ESP ist auch gegen Aufpreis nicht
zu haben. Aber der Kraftstoffverbrauch von 5 l Diesel auf 100 km
lässt aufhorchen, erzielt bei Regen und mit grober Bereifung.
Für gut 14 000 Euro ist der Strada zu haben, wenn es nur auf die
Grundbedürfnisse ankommt – die Doppelkabine kostet 650 Euro
extra. 3000 Euro mehr veranschlagt Fiat für die Adventure-Ausstattung, die Klimaanlage, Leichtmetallräder und schickes Interieur
beinhaltet. Wer mehr Nutzlast oder Ladefläche braucht, greift zum
größeren Doblo Workup – bei Fiat stehen Handwerker-Pickups
hoch im Kurs.
BAUARTIKEL . FEUERVERZINKUNG
6[[V3LOTHUU.TI/
)LYSPULY:[Y· + 5L\[YH\ISPUN
;LS! · -H_! ^^^V[[VSLOTHUUNTIOKL
www.mikado-online.de
43
Architektur
Werkstatt
mit Wohnung
44
mikado 3.2013
Architektur
Oben die
Wohnung und
unten die
Werkstatt — so
war das
Gebäude im
Gewerbegebiet
genehmigungsfähig
www.mikado-online.de
as Bauherren-Ehepaar
übt gemeinsam ein seltenes Handwerk aus: Klavierbau. Als
seine Heimatgemeinde Öhningen auf
der Bodenseehalbinsel Höri ein
neues Gewerbegebiet erschloss, ergriff es die Chance auf ein neues
Zuhause. Eigentlich sind Wohnbauten in einem Gewerbegebiet gar
nicht erlaubt, doch da sich im Erdgeschoss die Klavierwerkstatt befindet, kam die Wohnung „nur dazu“.
Sie liegt im Obergeschoss, was angesichts der schönen Aussicht sowieso naheliegend ist, und kragt an
beiden Seiten aus, was unten überdachten Platz für Fahrzeuge bietet.
Allerdings handelt es sich um keine „richtigen“ Auskragungen, denn
das Gewicht wird von 68 mm dicken
Stahl-Rundstützen abgetragen, um
Material und Kosten zu sparen.
Da Holz der Werkstoff für Klaviere
ist, stand das Baumaterial von Anfang an fest. Green-X, ein Zusammenschluss von Architekten zur
Vermarktung der Passivhaus-Bauweise, führte die Bauherren zum
Architekturbüro „schaller + sternagel“. Auf das knapp bemessene
Grundstück reagierten sie mit einer
schmalen Gebäudeform. Der Wunsch
nach geringen Baukosten und baldigem Einzug führte zum Verzicht auf
einen Keller und zu einem hohen
Vorfertigungsgrad. Der Holzrohbau
stand innerhalb von nur zwei Arbeitstagen.
Eine raumhohe Verglasung sorgt
für Tageslicht im Innern, ein großer
Flachkollektor an der Südfassade
und eine Wärmepumpe für Warmwasser. Die Erwärmung der Räume
übernimmt ein Lüftungskompaktgerät. Auf dem Flachdach mit 2 %
Gefälle, verborgen hinter einer Attika, erbringt eine 6-kWp-Photovoltaikanlage zusätzliche solare Gewinne.
Die Holz-Aluminium-Fenster mit
Dreifachverglasung sind durch eine
mit dem Rahmen verklebte äußere
Scheibe noch wartungsfreier als
konventionelle Konstruktionen. ▪
45
Architektur
Auch der Blick
nach Norden
ist reizvoll: Hier
liegt die
beschauliche
Hügellandschaft
der Bodenseehalbinsel Höri
46
mikado 3.2013
„Nutz- und
Wohnwert gehen
hier eine
appetitmachende
Symbiose ein.“
Architektur
Architektur
Schnitt
Wohnen
Terrasse
Kind
Werkstatt
Obergeschoss
Essen
Kochen
Bad
Eltern
Terrasse
Wohnen
Kind
Erdgeschoss
Auf der Westseite
befindet sich
eine 40 m² große
Terrasse.
Beim Blick nach
Süden ist
das schweizerische Ufer
des Bodensees
zu sehen
Gästezimmer
Werkstatt
Garderobe
Eingang
Schlanke Stahlrundstützen fangen
das Gewicht
der Auskragung ab
www.mikado-online.de
47
Architektur
Nach Süden öffnet
sich ein rechteckiges Fenster mit
Festverglasung
„Das Obergeschoss
ankert wie ein Schiff
auf dem deutlich
kleineren Erdgeschoss.“
Eine große
Glasfront trennt
den Wohnbereich vom
großen Balkon
48
mikado 3.2013
Die weiten
Auskragungen
bilden
einen Carport
Architektur
Steckbrief
Bauprojekt:
Werkstatt „Klavier Matz“
mit Wohnung
D-78337 Öhningen/Höri
Bauherren:
Kristin und Rainer Matz
Bauweise:
Holzrahmenbau
Heizwärmebedarf:
15 kWh/(m²a)
Primärenergiebedarf:
34 kWh/(m²a)
Wohnfläche:
140 m²
Baukosten:
270 000 Euro
Bauzeit:
Juli bis Dezember 2010
Architektur:
schaller + sternagel
architekten
D-78476 Allensbach
www.schaller-sternagel.de
Schaller + Sternagel Architekten
Tragwerksplanung:
Ingenieurbüro Kunzelmann
D-78661 Dietlingen
www.ib-kunzelmann.de
Ausführung:
Holzbau Seeburger
D-78661 Irslingen
www.holzbau-seeburger.de
Detail
Lattung, 30/50 mm, als Hinterlüftung
Estrich, 45 mm
DWD-Holzfaserplatte, 15 mm,
als winddichte Schicht
Trittschalldämmung, 70 mm
OSB-Platte, 25 mm,
von unten sichtbar
Balkenlage, sichtbar,
100/200 mm, e < 650 mm
Rhombusschalung, Lärche,
vorvergraut lasiert
Gipskarton-Platte, 12 mm
OSB-Platte, 15 mm
HolzrahmenbauDämmständer, 300 mm,
dazwischen
Zellulosedämmung
www.mikado-online.de
49
Fortbildung
Tipps und Termine
Hannover
Schulung „Schnittstelle Baustelle“
Vier Firmen, ein Ziel: Expertenwissen
für besseres Arbeiten an Dach, Fassade und Fenster vermittelt die Fachschulung „Schnittstelle Baustelle“.
Die Veranstaltung will vermitteln, wie
die geschuldete Qualität sichergestellt
und ein einwandfreies Arbeitsergebnis
nachgewiesen wird.
Veranstaltungsort: Hannover
Termin: 21. März 2013
Teilnahmegebühr: 69 Euro
Infos: www.schnittstelle-baustelle.de
Biberach
Biberacher Holzbau Praxis 2013
Holzbauphysik Forum 2013
Wärme- und Feuchteschutz und
der Schallschutz sind die Schwerpunkte des Forums, das erstmals
in Kooperation mit dem internationalen Holzbauphysik-Kongress
veranstaltet wird. Die zweitägige Veranstaltung informiert die
Teilnehmer über bauphysikalisch abgesicherte und praxistaugliche Lösungen. Ein Schwerpunkt wird das Thema „Schimmel im
Holzbauteil“ sein – beleuchtet aus der Sicht des Hygienikers und
des Bausachverständigen hinsichtlich Risikobewertung und Sanierungsmöglichkeiten.
Veranstaltungsort: Mondsee/Salzkammergut
Termin: 18. bis 19. April 2013
Teilnahmegebühr: 399 Euro
Infos: www.holzbauphysik-kongress.eu
www.pavatex.com
„Akustik und Brandschutz“
Die Fachveranstaltung behandelt die Rahmenbedingungen von
Schallschutz und Akustik, wie Anforderungen aus dem Brandschutz, der Raumakustik oder denkmalpflegerische Anforderungen, und zeigt Lösungsansätze.
Veranstaltungsort: Bad Wörishofen ı Termin: 13. – 14. März 2013
Teilnahmegebühr: 480 Euro ı Infos: www.forum-holzbau.com
Mondsee
50
Bad Wörishofen
Die Veranstaltung bietet Fachvorträge zu den Themen rund um
den urbanen Holzbau. Der erste Tag dreht sich u.a. um passivhaustaugliche Bürofassaden und Schimmel im Wohnbereich sowie Innenwandsysteme.
Veranstaltungsort: Biberach
Termin: 15. bis 16. März 2013 ı Teilnahmegebühr: 185 Euro
Infos: www.kompetenzzentrum-bc.de → Seminare
München
Fachmesse Bauma 2013
Über 3300 Aussteller bieten Besuchern auf der internationalen
Weltleitmesse auf einer Ausstellungsfläche von 570 000 m2
alles rund um die Themen Baumaschinen, Baustoffmaschinen,
Baufahrzeuge und Baugeräte.
Veranstaltungsort: München ı Termin: 15. bis 21. April 2013
Teilnahmegebühr: 26 Euro 1 Tag ı 52 Euro 3 Tage ı 65 Euro 7 Tage
Infos: www.bauma.de
PAVATEX
zeigt Profil
PAVATHERM-PLUS und ISOLAIR
Dämmplatten mit neuer Profilgeometrie –
für stabilere Kanten, höhere Plattenfestigkeit
und optimierte Dichtigkeit.
mikado 3.2013
Produkte Spezial Software
Sema
Alles unter Kontrolle
Das „Kontroll-Center“ von Sema zeigt Kollisionen von einzelnen Bauteilen an. Die Software prüft alle am Bauvorhaben beteiligten Hölzer. Ein gelbes Warndreieck markiert die Kollisionen und Konflikte. Sie
können dann einzeln
individuell korrigiert
werden. Die Kollisionen
werden getrennt nach
Bauteilebenen übersichtlich aufgelistet.
Im Detailtext erscheinen der Konflikt und
die betroffenen Bauteile. Über einen Doppelklick auf die Kollision gelangt der Benutzer zur entsprechenden Bauteilebene.
Über die Sichtbarkeitsschaltung können nur von Kollisionen
betroffene Bauteile angezeigt werden. Die Funktion als Film:
www.sema-soft.de/kontrollcenter-v121
SEMA Holzbausoftware GmbH ı D-87499 Wildpoldsried
Telefon 0 83 04/93 90 ı www.sema-soft.de
www.mikado-online.de
Rückblick BAU 2013
Über 235 000 Fachbesucher fanden vom
14. bis zum 19. Januar 2013 ihren Weg
zur Leitmesse BAU nach München. Auf
180 000 m² Hallenfläche präsentierten
sich 2060 Aussteller aus 41 Ländern.
Als absolute Publikumsrenner erwiesen sich wieder die drei
Foren der BAU. Fachleute aus der Welt des Planens und
Bauens schilderten dort ihre Sicht der Dinge zu Themen wie
Energy 2.0, Engineered Materials oder Urban Mining.
Der Ruf der BAU als Weltleitmesse der Branche gründet
nicht zuletzt auf den architektonisch hochwertigen Standbauten vieler Aussteller, das zeigte sich noch nie so deutlich
wie dieses Jahr. Die Unternehmen scheuten zum Teil keinen
Aufwand, um sich an den sechs Messetagen nachdrücklich in
Szene zu setzen. Spektakuläre Stände, randvolle Messehallen
und nonstop intensive Fachgespräche an den Messeständen
erklären den nachhaltigen Erfolg der BAU. Einen großen
Besuchererfolg verzeichneten auch die Aussteller in Halle C3.
Vorgestellt wurde hier u.a. „Legep“ – eine Praxis-Software für
Lebenszyklusplanung (www.legep-software.de).
Ausführliche Informationen zu diesem und zu weiteren Messeprodukten erhalten sie in der nächsten mikado-Ausgabe.
51
Produkte Spezial Software
»Profilholz direkt
vom Hersteller.«
Ingenieurbüro Holzbau
Säge- und Hobelwerk Josef Falter & Sohn Frathau 3
94256 Drachselsried Telefon (09945)1007 Fax (09945) 2290
[email protected] www.laerchenholz-falter.de
Norm integriert sich
Das Programm „HoB.Ex“ der Ingenieurbüro Holzbau GmbH
gibt es jetzt für die Berechnung nach DIN EN 1995-1-1 (Eurocode 5). Neben den klassischen Träger- und Bauteilbemessungen bzw. den Bemessungen von Verbindungen wie
Fachwerkknoten, Versätzen, Stößen, Queranschlüssen oder
Ausklinkungen ermöglicht das Programm auch, die Aussteifungen eines Gebäudes nachzuweisen. Zudem ist das „Aussteifungs-Modul“ bei „Hob.Ex für Eurocode 5“ nun fester Programmbestandteil und nicht mehr Wahl-Modul. Alle gängigen
Holzbau-Verbindungsmittel lassen sich mit dem Programm bemessen. Eine entsprechende Grafik liefert außerdem alle Angaben zu den jeweiligen Verbindungsmittelabständen.
Ingenieurbüro Holzbau GmbH & Co. & KG
D-76133 Karlsruhe
Telefon 07 21/20 18 02 30 ı www.ib-holzbau.de
52
mikado 3.2013
Produkte Spezial Software
Dietrich’s
Unterstützung mal drei
Die „Version 12“ der Dietrichs Software umfasst einen Gebäudeassistenten, der Benutzern helfen soll, schneller vom Profil zur
Werkplanung zu gelangen. Der Assistent übernimmt das Dachprofil, Geschosshöhen, Wände und Decken und erzeugt daraus
ein Gebäudemodell auf einem beliebigen Grundriss. Zudem enthält die Software für alle Werte, die fix bleiben und an vielen
Stellen im Programm verwendet werden, eine zentrale Verwaltung, an der sie festgelegt und verändert werden können. Dynamische Pläne sollen dabei helfen, Änderungen am Gebäude in Grundrissplänen, aber auch in Ansichten und Schnitten
schnell auf den neuesten Stand zu bringen.
Dietrich’s AG ı D-85579 Neubiberg/München
Telefon 0 89/61 44 21 20 ı www.dietrichs.com
Natürlich
MIT SYSTEM
Ihre Kunden suchen Wohngesundheit und Behaglichkeit? Wollen weniger CO2-Ausstoß und sicheren Schutz
vor Wind und Wetter? INTHERMO Wärmedämmverbundsysteme auf Holzfaserbasis sorgen für bestes Klima. In der
Atmosphäre. In der Umwelt. Im Haus. Und bei Ihren Kunden.
Natürlich INTHERMO WDVS:
• Maximaler Schutz vor Kälte, sommerlicher Hitze,
Brandgefahren und Schall.
• Dämmsysteme für jeden Bedarf:
INTHERMO ist Vollsortimenter für Profis.
• Wärmedämmung mit System: alle Einzelkomponenten, d.h. Dämmplatten, Putze, Farben und
Zubehör, ergeben ein modulares Komplettsystem.
• Beratung und Service von A bis Z aus einer Hand.
Informationen zu unseren Systemprodukten finden Sie
auf unserer Website. Oder Sie rufen uns an:
www.inthermo.de | +49 (0) 61 54/71-16 69
Alpha-Software
Es geht auch einfach
Mit der „Version 7.0“ von Alpha Schift Holzbauprogramme
können Anwender im gerenderten 3D-Modus Hölzer verlängern oder verkürzen und Abschnitte wie etwa Klauen oder
Schifterschnitte per Mausklick eingeben. Zudem bietet die
Version die Möglichkeit, Platten in jeder Form und Lage einzugeben. Das Konstruieren eines „Stuhls“ soll genauso einfach
wie das Zeichnen eines „Dachstuhls“ funktionieren.
Alpha-Software ı D-88339 Bad Waldsee
Telefon 0 75 24/70 13 42 0 ı www.alpha-software.eu
www.mikado-online.de
53
Produkte Spezial Software
(UJHEQLVVHVLQGGLHEHVWHQ$UJXPHQWH
-DKUH(UIDKUXQJLQ'&$'&$0
S&S
Nächste Version in der Pipeline
+DQQRYHU
Weitgehend abgeschlossen ist die Programmierung der
„Version 27“ von S&S Datentechnik. Nun hat die Qualitätssicherung das Wort. Das Konzept der dynamischem Layersteuerung und -verwaltung ermöglicht es, den Arbeitsbereich nach persönlichen Präferenzen projektbezogen einzustellen. Vorteil ist: Jeder Anwender kann die Oberfläche
nach seinen Bedürfnissen und Vorstellungen gestalten.
+DOOH6WDQG(
$9(9$6RIWZDUH*PE+
$P8PZHOWSDUN
%RFKXP*HUPDQ\
)RQ
ZZZERFDGFRP
Wissen: vom Fach.
Ist die Grundlage eines
kompetenten Angebots
mikado 3.2013
Dlubal
Navigator zeigt den Weg
Auf der Bau 2013 in München stellte Dlubal erstmals
„RFEM 5“ und „RSTAB 8“ vor. Beide Programme sind
64-Bit-fähig, kompatibel zu Windows 8 und beinhalten
viele weitere Features wie die automatische Lastkombinatorik. Dlubal bietet auf seiner Homepage Testversionen an,
welche 30 Tage lang mit allen Zusatzmodulen und nahezu
allen Programmfunktionen zur Verfügung stehen.
holzvomfach.de
54
S&S Datentechnik für den Holzbau GmbH
D-51469 Bergisch Gladbach
Telefon 0 22 02/96 95 50 ı www.abbund.com
Ingenieur-Software Dlubal GmbH ı D-93464 Tiefenbach
Telefon 0 96 73/92 03 0 ı www.dlubal.de
ORIGINAL
EICHEN-HOLZNÄGEL
EICHEN-RUNDSTÄBE
Auf den Nagel kommt es
an, wenn es die optimale
Verbindung sein soll!
Keine mühsame Einzelanfertigung.
Wir fertigen in Serie in verschiedenen
Größen und Formen aus massivem
Eichenholz.
Holznagelproduktion
Osterfeldstr. 1 · 49326 Melle
Tel.: 0 54 29/92 90-0
Fax: 0 54 29/92 90-50
E-Mail: [email protected]
Internet: www.holznaegel.de
Vorgefertigte Wand-, Dach-, Decken- und
Gaubenelemente
in allen Varianten mit U-Zeichen inklusiv Arbeitsvorbereitung
liefert – schnell - preiswert
73084 Salach – Tel. 07162/
[email protected]
09634 Hirschfeld – Tel. 035242/62349
[email protected]
Unternehmermagazin
Hier könnte
Ihre Anzeige
stehen!
Tel.: +49 82 33.23-71 35
Fax: +49 82 33.23-71 11
Hier könnte
Ihre Werbung stehen!
Tel.: +49 82 33.23-71 35
Fax: +49 82 33.23-71 11
E-Mail: [email protected]
Produkt & Praxis
Feuchtigkeitssperre
Wanne für trockene Dämmung
▴▴Nach ihrem
Ausrollen wird die
Feuchtigkeitssperre mit dem
Selbstklebestreifen befestigt
Damit eine Wärmedämmung ihre Eigenschaft behält, muss sie trocken bleiben.
Bei der Sanierung eines über 400 Jahre alten Schwarzwaldhauses erhielt deshalb dessen
Bodenplatte die Feuchtigkeitssperre „Gefitas AL 3/300“.
D
as Schwarzwaldhaus in Simonswald wurde um das Jahr 1600
erbaut. Nach der Sanierung erreicht
es heute beinahe Passivhausstandard.
Sobald es mit einer Photovoltaikanlage ausgerüstet ist, wird es sogar ein
Plusenergiehaus sein. Das Ingenieurbüro Zero-Therm, spezialisiert auf die
energetische Sanierung alter Gebäude, eröffnet hier sein zweites Büro.
Eine große Herausforderung war
die Bodenplatte. Im ersten Schritt
wurde der alte Holzboden entfernt,
das Erdreich einen halben Meter tief
ausgegraben und eine 18 cm dicke
Betonplatte gegossen. Die Absenkung des Bodens ermöglichte den
56
Einbau einer guten Wärmedämmung.
Zum Einsatz kam Zellulose zwischen
25 cm hohen Doppel-T-Trägern, darüber 22 mm OSB-Platten und 35 mm
Holzfaserplatten für eine Fußbodenheizung. Der Aufbau erreicht einen
U-Wert von 0,14 W/(m²K).
Robuste Bahn für rauen Grund
Das komplexe Boden-Dämmpaket,
in dem auch Leitungen und Rohre
verbaut sind, galt es vor etwaiger
aufsteigender Bodenfeuchtigkeit zu
schützen. Dafür wurde die Feuchtigkeitssperre „Gefitas AL 3/300“ aus extrudiertem Polyethylen (XPE) verlegt.
mikado 3.2013
Sie zählt zu den meistgenutzten ihrer Art. Durch ihren 3 mm dicken
Schaumrücken ist sie widerstandsfähig gegen mechanische Verletzungen und eignet sich deshalb auch für
die Verlegung auf rauem Grund.
Zunächst fegten die Handwerker
die Betonplatte ab und entfernten
spitz herausragende Steine. Dann
rollten sie die Bahnen aus. Die sind
1,25 m breit und 40 m lang, was eine
Nettofläche von 48 m² ergibt – bei
einem Gewicht von nur 17 kg. Die
Butyl-Selbstklebestreifen sind integriert. Sehr effizient ist die Verklebung
mit einer Andruckrolle. Ansonsten
reicht auch eine „Begehung“.
Produkt & Praxis
Produkt in Kürze
Produktname:
Feuchtigkeitssperre
Gefitas AL 3/300
Bestandteile:
▸▸ Dichtband
▸▸ Fixierband
▸▸ Dicht- und Klebstoff
▸▸ Anschlussstreifen
Einsatzbereich:
Sperre gegen Bodenfeuchtigkeit
gemäß DIN 18195-4
Vorteile:
▸▸ Produkt­system
▸▸ geringes Gewicht
▸▸ keine Flamme erforderlich
▸▸ für Innenräume geeignet
◂◂Das 400 Jahre
alte Schwarzwaldhaus erwacht
durch die
Sanierung zu
neuem Leben
Zwei Rollen in zwei Stunden
Beim Verlegen der Bahnen mussten
sie die Handwerker unter bereits vorhandenen Bauteilen durchziehen. Mit
den durch den Schaumrücken leichten und formstabilen Bahnen gelang
das schnell und unkompliziert. Anschließend führten sie die Feuchtigkeitssperre an den Wänden hoch.
▴▴1,25 m breit und 40 m lang
sind die Folien. Das reicht für 48 m²
Normalerweise hätten sie dafür die
200 mm breiten Anschlussstreifen
„R 300“ verwendet, doch das ging
hier nicht, weil der Bodenaufbau zu
hoch ist. Deshalb teilten sie eine Bahn
in der Mitte und verwendeten diese.
Durchbrüche von Rohren und Kabeln
dichteten sie mit einem systemeigenen Fixierband, bei Bedarf ergänzt
durch Dichtstoff aus der Kartusche.
▴▴Eine Andruckrolle sorgt
für eine gleichmäßige Verklebung
www.mikado-online.de
▴▴Für den Maueranschluss
teilten die Handwerker eine Bahn
Hersteller:
Kingspan Unidek GmbH
D-16928 Steffenshagen
Telefon 0 33 95/7 52-100
www.gefinex.de
Die an den Wänden 40 cm hochgeführte Bahn konnten die Handwerker
mit geringem Aufwand an die Oberflächen des alten Hauses anpassen
und fachlich korrekt im System verbinden, auch bei kleinteiligen Fummelarbeiten. Mit sechs Bahnen war
der größte Raum im Haus ausgelegt –
mit zwei Rollen „Gefitas AL 3/300“
▪
und zwei Stunden Arbeitszeit.
▴▴Die Verlegung unter Haustechnikrohren war kein Problem
57
mikado Holzbau-Branchenführer
Baustoffe
Dämmstoffe
Montage-/Transporthilfen
Werkzeuge
Abdichtungen
(3'03ODQHQ
IU%DONRQHEHJUQWH'lFKHUXVZ
%DXGLFKWXQJHQ
IU+RO]KlXVHU
Plattenträger, Türheber,
Kantenzwingen, Uni-Zwingen,
Korpuszwingen, Gehrungszwingen
Balkenzüge, Pressenputzer,
Montagestützen
PAVATEX Deutschland
Hotline Technik + Verkauf
Telefon +49 (0)7561 9855-0
Telefax +49 (0)7561 9855-30
mmstoffe
Holzfaserdä
rt
zukunftsorientie
ökologisch &
Tel. +43(0)5242-71235, Fax-DW 5
www.1atools-shop.at / www.schwaigertools.at
Nagelplattenbinder
www.pavatex.de
vattex de
1LOVVRQ([SRUW,PSRUW*PE+
7HO)D[
ZZZQLOVVRQJPEKGH
Bauteile
Absturzsicherung
Massivholz
Decken- und Wandsysteme
Dübelholz
Brettstapel
• kein Verschnitt durch Giebel und Türöffnungen
• volle Querschnittstragfähigkeit/ Ausnutzung (Iy)
• ohne Leim und Nägel • Holz-Beton-Verbund
• individuelle sichtbare Deckenstrukturen/Kombin.
KMH bausysteme
Max-Eyth-Str. 25-27
89613 Oberstadion
Tel. +49 7357/ 92 19 99-0
Fax +49 7357/ 92 19 99-9
[email protected]
www.kmh-bausysteme.de
Die Vielfalt des Anspruchs realisiert mit NP-Bindern
Dreieckbinder
Pultdachbinder
Studiobinder
Scherenbinder
Rahmenbinder
Parallelbinder
Zeltdachkonstruktion
Walmdachkonstruktion
Lohnabbund
Massivholzplatten
Decke, Dach, Wand
Z-9.1-82
Tel. (0 82 94) 80 24 07 • Fax. (0 82 94) 80 24 08
www.aba-holz.de
Janssen Holzbau GmbH
Fuhrpark
Nahezu jede
architektonische
Form realisierbar!
KERSCHBAUM
HAUS
Triebweg 3, Buchheim
91593 Burgbernheim
www.kerschbaum-haus.de
*h7(h%(5:$&+7(
-85$1$*(/3/$77(1%,1'(5Š
/HLWHQVWUD‰H
5LHGHQEXUJ
7
)
ZZZMXUDKRO]EDXGH
LQIR#MXUDKRO]EDXGH
-85$+2/=%$8*PE+
5LHGHQEXUJ
',1
!"
,$'
-#
./
00001&
58
mikado 3.2013
TrimFox
bachinger software
3D-Abbundsoftware
- schnell lernen
- einfach konstruieren
- günstig mieten
Langmaterial Anhänger
Anhänger GmbH
Tel. 07844 9187-0
www.ruku-rheinau.de
Dienstleistung
EDV
Tel.: (09847) 97 97-0
Betriebsmittel
Treppen
Bahnhofstraße 93 ∙ 49757 Werlte
Tel. (05951) 95 66 0 Fax 95 66 66
Nagelplattenkonstruktionen
Brettschichtholz
##$%&$'
()''#*+
Trockenbau
www.holzbau-janssen.de
[email protected]
,KUHUIDKUHQHUXQGVROLGHU3DUWQHU
Am Wimhof 20 D-94034 Passau Telefon: 0851/73337 Fax: 73388
Email: [email protected] Internet: www.trimfox.com
mikado Holzbau-Branchenführer
'LH5HIHUHQ]LP+RO]EDX
HPL Echtholzfassade
FRP
,KU'&$'&$03ODQXQJVZHUN]HXJ
GXUFKJlQJLJXQGEHU]HXJHQG
Ihr Spezialist für
Echtholzfassadenplatten
Buche Thermoformholzfassade
(Sperrholz)
Web: www.howebo.de | E-mail: [email protected]
FDGZRUNLQIRUPDWLN6RIWZDUH*PE+
/DYHVVWUD‰H+LOGHVKHLP
WHO LQIR#FDGZRUNGH
Holzbau
ww w.alp h a- s oftwar e .eu
Alpha-Software
Döchtbühlweg 10
88339 Bad Waldsee
Fon: +49-7524-7013420
Fax: +49-7524-7013421
[email protected]
Ingenieurholzbau
Ihr Partner in Sachen
HOLZLEIMBAU
Beratung – Planung – Konstruktion – Statik
Lieferung BS-Holz, konstruktiv und gerade
Wählen Sie aus den
Rubriken
Baustoffe
(z. B. Abdichtung, Absturzsicherung, Anstrichstoffe/Holzschutz,
Bauholz, Bauplatten, BSH,
Dämmstoffe, Holzwerkstoffe, Klebstofftechnik, Nagelplattenbinder,
Verbindungsmittel, Vollholz)
Bauteile/-systeme
(z. B. Fenster, Türen/Tore, Wandtafeln)
Betriebsmittel
(z. B. Fuhrpark/Kräne, Gerüste/
Arbeitsschutz, Handmaschinen,
Messtechnik, Montage-/Transporthilfen, Werkzeuge)
Dach + Fassade
Dienstleistungen
Tel 0 21 63/89 88 -0
www.derix.de
Tel 0 54 56/93 03 -0
www.poppensieker-derix.de
(z. B. Abbund, Arbeitsvorbereitung, EDV, Unternehmensberater,
Literatur, Sägen/Fräsen)
Haustechnik
6 6
Holzbau
Unternehmermagazin
Fordern Sie unsere
Mediadaten an:
Tel.: +49 82 33.23-71 35
[email protected]
$EEXQG'DFK:DQG$QJHERW$EUHFKQXQJ
'LSO3K\VLNHU0LFKDHO=,33(/
5RKUEDFKHUVWU+HLGHOEHUJ
7HO
ZZZ]LPPHUHUGH,QIR#]LPPHUHUGH
DOV:HE6HUYLFHZZZDEEXQGOLYHGH
Die optimale
Softwarelösung
im Holz- und
Treppenbau!
www.sema-soft.de
Tel. +49 8304-939-0
Fassade
$ASEINZIGARTIGE!UFTRAGS
ABWICKLUNGSSYSTEMF~R
Trockenbau
(z. B. Gewerbehallen, Holz-/GlasFassaden, Nagelplattenbauweise,
Schalungsbau, Treppen)
Ich möchte bei meinen Kunden immer präsent sein
und nutze die Möglichkeit des Eintrages.
Bestellung unter 0 82 33.23-71 35 oder per Fax -71 11
oder per E-Mail: [email protected]
❑
❑
❑
❑
Eintrag 45 × 30 mm
60,– €
pro Ausgabe
Eintrag 45 × 40 mm
80,– €
pro Ausgabe
Eintrag 45 × 50 mm
100,– €
pro Ausgabe
Weitere Formate und Rubriken auf Anfrage
Bezugszeitraum mindestens 11 aufeinander­folgende Ausgaben
Firma:
Name:
Straße:
DEN(OLZBAU
PLZ/Ort:
.iCHSTER-ESSEAUFTRITT
Â"73±3ALZBURG
Profilholz direkt vom Hersteller.
Lärche » Douglasie » Tanne » Fichte
WWWWGSYSTEMDE
Säge- und Hobelwerk Josef Falter&Sohn
www.laerchenholz-falter.de
www.mikado-online.de
(z. B. Dachstühle, Holzhäuser,
Ingenieurholzbau, Klassische
Zimmereiarbeiten)
Tel./Fax:
E-Mail:
59
Holzhäuser
Fünfgeschosser
Die hohe Kunst des Mehrgeschossers
Mehrgeschosser mit vier, fünf und mehr Stockwerken aus Holz sind in
Deutschland noch keine Selbstverständlichkeit. Die Herausforderung gemeistert hat
Gapp Holzbau mit einem Fünfgeschosser in Ehingen/Donau.
D
ass und wie ein energetisch modernes Mehrgeschossgebäude
vorwiegend aus Holz errichtet werden kann, zeigt das Holzbauunternehmen Gapp aus Öpfingen: Im Neubaugebiet von Ehingen, der mit rund
25 000 Einwohnern größten Stadt des
Alb-Donau-Kreises, konnte das Unternehmen Ende 2012 ein Großobjekt
mit 15 Wohneinheiten fertigstellen.
Auf dem Nachbargrundstück
nimmt bereits das Fundament eines ähnlich dimensionierten Mehrgeschossers Gestalt an. Darauf will
Holzbau Gapp ein zweites Mehrfamilien-Wohngebäude errichten –
wiederum ein Holzrahmenbau mit
60
einem Wärmedämmverbundsystem
(WDVS) aus Holzfasern zur Fassadendämmung. Darin sollen dann elf
weitere Familien ein neues Zuhause finden.
Feuer und Flamme für Holz
2013, im Jahr des 100-jährigen Bestehens des Holzbaubetriebs, will
Geschäftsführer Walter Maier noch
einen Schritt weiter gehen: In der
Nähe von Ulm plant er die Errichtung zweier Mehrfamilien-Wohngebäude in ökologischer Holzrahmenbauart mit jeweils fünf Geschossen.
Unabhängig von der Anzahl der
mikado 3.2013
▴▴15 Wohneinheiten auf fünf
Geschossen:
Holzbau Gapp
realisierte in
Ehingen seinen
ersten
Mehrgeschosser
aus Holz
Stockwerke und Wohneinheiten ist
bei Mehrfamilienhäusern aus Holz
und anderen natürlichen Materialien ein ausgefeiltes Brandschutzkonzept unerlässlich. Schon wegen der
Musterbauordnung (MBO), die über
die Einzelbestimmungen der Landesbauordnungen hinaus zwingend vorschreibt, dass Gebäude so zu konstruieren sind, dass ihre Bauweise
einer Ausbreitung des Feuers entgegenwirkt und die Rettung von Personen im Brandfall ermöglicht wird.
Das hat Konsequenzen für die Auswahl der Produkte, die beim Bau
Verwendung finden sollen. Für die
Dämmung der Fassade kommen für
Holzhäuser
www.mikado-online.de
▴▴Das gehört zum
Konzept:
Wohnraum mit
hohen
Qualitätsstandards,
der trotzdem
erschwinglich ist
Ehingen ist es uns auf diesem Wege
gelungen, den Rohbau trotz widriger Witterungsverhältnisse innerhalb
von nur drei Wochen fertigzustellen.
Das schlechte Wetter konnte der Fassadendämmung nichts anhaben.“
der raumhohen Panorama-Schiebetüren ist alles so, wie man sich das als
anspruchsvoller Erwerber von einer
perfekten Neubauwohnung wünscht.
„Ein Plus an Wohlgefühl und Wohngesundheit durch kontrollierte, besonders schadstoffarme Bauprodukte ist hier immer inklusive“, betont
Zimmermeister Walter Maier. „Bei
mir muss alles absolut präzise passen und mit natürlichen Materialien
nach allen Regeln der Handwerkskunst ausgeführt sein“, sagt er. „Materialmix kommt mir nicht ans Haus.
An Regeln und Gesetze hat sich jedermann zu halten. Das gilt auch
und insbesondere am Bau“, betont
der Zimmermeister resolut.
Erstklassige Ausstattung
▾▾Aufbau des
verbauten
Wärmedämmverbundsystems (WDVS)
von Inthermo
Die Ausstattung aller Eigentumswohnungen lässt keine Wünsche offen: Von einer feinfühlig geregelten
Fußbodenheizung unter Echtholzparkett über deckenhoch geflieste Bäder bis hin zur großzügigen DreiScheiben-Energiespar-Verglasung
Familienfreundliche
Quadratmeterpreise
INTHERMO GmbH, Ober-Ramstadt; www.inthermo.de
Mehrgeschossgebäude wie das von
Holzbau Gapp nur Wärmedämmverbundsysteme in Betracht, die gute
bauphysikalische Eigenschaften aufzuweisen haben und den Bewohnern
ein hohes Maß an passiver Sicherheit
bieten. F90 ist angesagt: „Versuche
unabhängiger Materialprüfanstalten haben gezeigt, dass das verbaute WDVS von Inthermo seine statischen Eigenschaften im Brandfall
mindestens 1 ½ Stunden behält. Eine
Rettung von Personen ist für die Feuerwehr in dieser Zeit möglich“, erläutert Stefan Berbner, Vertriebsleiter des WDVS-Anbieters.
An den Außenwänden des gerade fertiggestellten Gapp-Objekts in
Ehingen wurde auf 700 m² Fassadenfläche ein WDVS für Holzrahmenbauten und Holzfertighäuser mit einer klassischen Holzfaserdämmplatte
(WLG 045) in 120 mm Dicke montiert. Dazu gehört vom Erd- bis einschließlich zweiten Obergeschoss ein
1 cm dicker mineralischer Systemputz mit 3 mm Körnung und weißer
Farbgebung.
„Wir haben uns auch deshalb für
ein WDVS mit Holzfasern entschieden, weil wir den ökologischen Gesichtspunkt bei unserem Hausbau
besonders hervorheben wollten. Im
Gegensatz zu vielen herkömmlichen
Systemen ist eine Holzfaserdämmung
diffusionsoffen und schafft rundum
ein gesundes Raumklima. Die geforderten Schall- und Brandschutzanforderungen konnten damit mühelos
erfüllt werden“, begründet Architektin Martina Böck-Guntau aus Öllingen die Systemwahl. Im Erdgeschoss
kamen an den Außenwänden aufgrund brandschutztechnischer Vorgaben mineralische Dämmplatten
(WLG 035) in 120 mm Dicke zum
Einsatz, die außenseitig ebenso wie
die Holzfaserdämmplatten brandhemmend verputzt wurden.
Zur Verarbeitung führt Zimmermeister Walter Maier aus: „Holzbau
Gapp fertigt in geschlossenen Hallen unter Ausschluss von Wind und
Wetter bis 13 m lange Wandmodule, die verputzfertig gedämmt und
montagegerecht vorbereitet auf die
Baustelle geliefert werden. Bei unserem ersten Mehrschossgebäude in
Umso bewundernswerter ist die moderate Preisgestaltung: Für die ersten 15 Eigentumswohnungen lässt
sich Bauherr und Generalunternehmer Walter Maier lediglich 2300 bis
2500 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche bezahlen. Kein Wunder, dass
14 Eigentumswohnungen, die mit
Wohnflächen von 69 bis 110 m² jeweils über zwei bis fünf Zimmer verfügen, schon zu Baubeginn verkauft
waren. „Bei der Grundrissgestaltung
habe ich besonderen Wert auf helle
und großzügige Wohnungen gelegt.
61
Jürgen Emmenlauer, öpfingen
Holzhäuser
Jede Einheit verfügt über eine große
Loggia und einen darauf liegenden
Abstellraum für Gartenmöbel. Zum
Standard gehört ebenfalls ein Aufzug von der Tiefgarage bis ins Dachgeschoss“, erwähnt Architektin Martina Böck-Guntau.
Selbst das Penthouse im obersten Geschoss, das großzügige 135 m²
Wohnfläche und eine großartige
Fernsicht über die Dächer von Ehingen auf das Umland bietet, darf als
preiswert gelten. „Wir wollen ein
Zeichen setzen, dass Wohnraum für
Familien im stadtnahen ländlichen
Raum einen hohen Qualitätsstandard
aufweisen und trotzdem erschwinglich sein kann“, erläutert Walter Maier seine Motivation.
Schön warm zum Nulltarif
Photovoltaikmodule (50 kWp) auf
dem Pultdach dienen zur unabhängigen Stromgewinnung aus Sonnenenergie. Die PV-Gewinne werden ins
öffentliche Netz gespeist; aus der
Rückvergütung lässt sich der Strombedarf der Verdichter aller sechs Erdwärmepumpen decken, die mit einer Arbeitszahl von 1:4 die wärmere
Temperatur des Erdreichs aus rund
99 m Tiefe emporholen und zum Vorwärmen des Heiz- und Brauchwassers nutzen. Übrigens: Tiefenbohrungen im Erdreich sind zur Platzierung
62
von Erdwärmesonden bis maximal
100 m zulässig. Ab 100 m Tiefe gilt
dann das restriktive Bergbaurecht.
Da sich die Erdwärmefördertechnik durch einen besonders hohen
Wirkungsgrad auszeichnet und die
Holzfaserdämmung der Außenwände mit dem WDVS die Transmissionswärmeverluste praktisch gegen null
gehen lässt, bleibt am Ende sogar ein
Energiegewinn für die Bewohner übrig. Das Thema Nebenkosten können
sie jedenfalls getrost vergessen. Noch
schöner: Da die energetische Qualität des Gebäudes den Kriterien der
KfW-Bank für das Energie-Plus-Effizienzhaus 40 entspricht, darf sich jeder Wohnungserwerber über ein zinsgünstiges Darlehen und obendrein
über einen Tilgungszuschuss in Höhe
von 5000 Euro freuen. Wenn das kein
Anreiz ist, mit Holz zu bauen …
Eigene Wege mutig gehen
Wenn in Deutschland mehr und mehr
Mehrgeschossgebäude aus Holz errichtet werden sollen, sind folgende Voraussetzungen erfolgsentscheidend: 1.) der Mut qualifizierter
Unternehmer, sich für nachhaltiges
Bauen in neuen Dimensionen zu engagieren; 2.) die Verwendung von
Qualitätsprodukten, um besonderen
bauphysikalischen Anforderungen zu
genügen; 3.) eine Architektur, die
mikado 3.2013
▴▴Photovoltaik
zum Betrieb
der Erdwärmepumpen
ergänzt die
hochwärmegedämmte
Gebäudehülle
besonders energieeffiziente Gebäude zum integralen Bestandteil lebenswerter Wohnquartiere macht, die sich
zur Ansiedlung von Neubürgern und
insbesondere Familien mit Kindern
als Dauerwohnsitz eignen.
Achim Zielke M.A., Bad Honnef ▪
Steckbrief
Objekt:
Viergeschossiges Wohngebäude
in Holzbauweise
D-89584 Ehingen/Donau
Bauträger und Hausbauunternehmen:
Gapp Holzbau GmbH
ZimmerMeisterHaus-Manufaktur
D-89614 Öpfingen
www.gappholzbau.de
Qualitätsverbund:
Vereinigung
ZimmerMeisterHaus e.V.
D-74523 Schwäbisch Hall
www.zmh.com
Architektur:
Dipl.-Ing. (FH)
Martina Böck-Guntau
connect-projekt-management
D-89129 Öllingen
www.c-p-management.de
WDVS-Zulieferer:
Inthermo GmbH
D-64372 Ober-Ramstadt
www.inthermo.de
Unternehmen
Wienerberger
Alles aus einer Hand
▴▴Das Unternehmen lieferte vor der Produktion die Konstruktionsberatung, architektonische Problemlösung,
die Ausarbeitung von Details und die statische Berechnung
Opitz
Mit Vorfertigung schnell zum Ziel
Die Bestandsoptimierung einer Wohnsiedlung aus den fünfziger Jahren in Berlin-Tegel bestand darin, 17 Gebäude mit einer durchschnittlichen Größe von 25 × 12 m und 50 × 12 m
um eine zusätzliche Etage aufzustocken. Die benötigten Holztafelbauelemente für die Aufstockung des Gebäudes lieferte
das Holzbauunternehmen Opitz Holzbau aus Neuruppin. Die
vorgefertigten Bauelemente machten es möglich, einen Großteil des Bauprozesses in eine industrielle Vorfertigung auszulagern und die Fertigstellungszeit auf jeweils drei Monate zu
begrenzen. Gerade bei der Aufstockung in Berlin-Tegel spielten kurze Montagezeiten eine große Rolle. Denn der Bestand
sollte schnell in einen sicheren und trockenen Zustand versetzt
werden, da die Handwerker die schützenden Teile der Dachhaut
vor der Montage entfernt hatten. Das Brandenburger Unternehmen hat die industriell gefertigten Holztafelbau-Elemente für das Sanierungsprojekt im Vorfeld mit dem Bauherrn
und dem Architekten des Architekturwerks – Gesellschaft von
Architekten mbH – aus Berlin besprochen. Das Holzbauunternehmen lieferte die Elemente mit bereits im Werk eingesetzten Fenstern. Die Holztafelbauelemente stellten ein frei zu
variierendes Baukastensystem für das Gebäude dar. Mit dem
Einsatz der Elemente konnte der Bauherr einen Niedrigenergiestandard ermöglichen.
Wienerberger präsentiert sich
mit einem veränderten Marketingkonzept. Ziele und Aufgaben davon sind laut Dominic Späth, Geschäftsführer der
Wienerberger GmbH: „Von den
Kernkompetenzen in den einzelnen Geschäftsbereichen ausgehend, setzen wir zukünftig auf
ganzheitliche keramische Systemangebote. Wir fassen das in
dem Begriff ,Zukunftsweisende
Baustofflösungen mit überzeugender Wirkung‘ zusammen.“
Wienerberger GmbH
D-30659 Hannover
www.wienerberger.de
▴▴Alles aus einer Hand:
Damit will Dominic Späth seinen
Marktpartnern die Vorteile
einer Systemlösung erschließen
Hundegger
Produkte hautnah erleben
Mehr als 1000 Besucher zählte die Hundegger Maschinenbau GmbH bei ihren Innovationstagen, die zwischen
dem 17. und 23. Januar 2013 in Havangen stattfanden.
Das Unternehmen präsentierte ein Programm mit Fachvorträgen, Vorführungen und Fachgesprächen.
Hans Hundegger Maschinenbau GmbH
D-87749 Hawangen ı www.hundegger.de
OPITZ HOLZBAU GmbH & Co. KG
D-16816 Neuruppin ı www.opitz-holzbau.de
www.mikado-online.de
63
Unternehmen
Hagebau
◂◂Zimmerer können
in Produktschulungen und
Anwendungstrainings im Werklabor die
Einsatzmöglichkeiten
der HecoProdukte kennen
lernen
Hier geht’s bergauf
Hagebau steigerte 2012 seinen Umsatz um13 Prozent. Die Baustoffhandelskooperation in Deutschland, Österreich, Luxemburg
und der Schweiz verzeichnete nach vorläufigen Berechnungen
einen Umsatz von 5,59 Mrd. Euro. Der Einkaufsumsatz im Baustoff-, Holz- und Fliesenfachhandel stieg insgesamt um 19,1 Prozent auf 3,79 Mrd. Euro. Der Holzhandel trug dazu mit einem
Umsatz von 686 Mio. Euro – ein Plus von 9,6 Prozent – bei.
Heco
hagebau ı Handelsgesellschaft für Baustoffe mbH & Co. KG
D-29614 Soltau ı www.hagebau.com
Man lernt nie aus
Die Heco-Akademie bietet für das Jahr 2013 ein
Schulungsangebot rund um seine Schraubenanwendungen an. Um den wachsenden Anforderungen an
Schraubenverbindungen im Holzbau gerecht werden
zu können, ist die laufende Weiterbildung der Fachkräfte eine wichtige Voraussetzung. Mit dem Seminarprogramm seiner Akademie will der Schraubenhersteller deshalb unterstützende Maßnahmen zur Fortbildung bieten.
▴▴Der Einkaufsumsatz im Baustoff-, Holz- und Fliesenfachhandel stieg
insgesamt im Vergleich zum Vorjahr um 19,1 Prozent auf 3,79 Mrd. Euro
HECO-Schrauben GmbH & Co. KG
D-78713 Schramberg ı www.heco-schrauben.de
primolam
®
Massivholz-Wandsystem von Weinberger
¦ neu entwickeltes Brettsperrholz-Wandsystem
¦ massiver Wandkern mit hoher Statik bereits bei
dünnen Wandstärken
¦ bis zu 10 % weniger Verschnitt
¦ bei Sichtqualität Blockhausoptik möglich
Garantiert
formaldehydfreie
Verarbeitung!
¦ kurze Lieferzeiten und günstige Transportkosten
3()&
NErtimUent
im So
*****
.
ERTL WERBEGMBH
Abbund – Elementbau – Wintergärten
Weitere Infos unter
www.abbund.de
64
mikado 3.2013
74427 Fichtenberg · Stöckenhofer Sägemühle
07613 Heideland · Schortentalstraße 22a
Tel. 07971/95 05-0 · Fax 07971/95 05-20
[email protected] · www.abbund.de
Vielfalt erleben !
Rockwool
Wer sich bindet, der prüfe
- Ideen leben
- Chancen nutzen
- Erfolgreich sein
▴▴V.l.n.r.: Peter Bachmann, Geschäftsführer Sentinel Haus
Institut, Volker Christmann, Vorsitzender der Geschäftsführung
der deutschen Rockwool, Stefan Endlweber, Direktor
Vertrieb/Handel von Rockwool, Jürgen Rösch, Leiter Produktpartnerbetreuung Sentinel Haus Institut
Alpha-Software
Volker Christmann, Vorsitzender der Geschäftsführung
der Deutschen Rockwool, und Peter Bachmann, Gründer
und Geschäftsführer des Sentinel Haus Instituts, besiegelten auf der BAU 2013 ihre Produktpartnerschaft. Mit den
emissionsgeprüften Dämmstoffen von Rockwool wollen
beide Unternehmen ein Angebot für private, aber vor allem für öffentliche und institutionelle Bauherren machen.
Geplant sind 2013 neben gemeinsamen Schulungs- und
Marketingaktivitäten auch die Entwicklung und Prüfung
kompletter emissionsgeprüfter Bauteilsysteme.
DEUTSCHE ROCKWOOL Mineralwoll GmbH & Co. OHG
D-45966 Gladbeck ı www.rockwool.de
Metsä Wood Merk
Finnen tauschen Chef aus
▴▴Seit dem 8. Januar 2013 ist
Lothar Loddoch der neue
Geschäftsführer der Metsä Wood
Merk GmbH in Aichach
Lothar Loddoch ist seit Anfang
Januar 2013 neuer Geschäftsführer der Metsä Wood Merk
GmbH in Aichach. Er tritt damit
an die Stelle des bisherigen Geschäftsführers Christoph Zimmermann, der seit 2008 die Positionen des Geschäftsführers
der Metsä Wood Merk GmbH
begleitete. Loddoch ist seit 30
Jahren in leitenden Funktionen
tätig und war zuletzt verantwortlicher Vice President für
die Logistik in Zentraleuropa.
Metsä Wood Merk GmbH
D-86551 Aichach
www.metsawood.de
www.mikado-online.de
Am Grabenweg 2
72516 Scheer
Fon: +49-1721301707
Mail: [email protected]
www.alpha-software.eu
Unternehmen
HolzbauSoftware
Wir geben Holz eine neue Dimension
BS-Holzbauteile für den Ingenieurholzbau
Gerade und gekrümmte Träger bis 60 m Länge
Bögen, keilgezinkte Rahmen und Sonderformen, CNC-Abbund
Gerades Brettschichtholz aus dem Expressprogramm
Alle Querschnitte bis 1 m Höhe und 18 m Länge
Just-in-time-Lieferung frei Haus
Auf Wunsch abgebunden als montagefertiger Bausatz
Brettsperrholz (X-LAM)
Großformatige, tragende Wand-, Decken- und Dachelemente
für den Wohnungs- und Kommunalbau sowie für den Industrieund Gewerbebau in Größen bis zu 3,50 m x 18,00 m
D a m 6 3 · 41372 Niederkrüchten
Tel +49/2163/89 88 0 · Fax +49/2163/89 88 87
www.derix.de · [email protected]
Industriestr. 24 · 49492 Westerkappeln
Tel +49/5456/93 03 0 · Fax +49/5456/93 03 30
[email protected]
65
Holzwelten Alt-Katholisches Gemeindezentrum
Der Neubau der Alt-Katholischen Kirche in Augsburg verbindet eine klare
Architektursprache mit der Wärme des Holzes. Für die kleine
Kirchengemeinde stand dabei das gemeinschaftliche Bauen im Vordergrund.
66
mikado 3.2013
Holzwelten Alt-Katholisches Gemeindezentrum
D
er Neubau der Alt-Katholischen Kirche „Apostelin Junia“ stellte einen wichtigen
gesellschaftlichen Baustein im Herzen des neuen Stadtteils SheridanPark im Westen von Augsburg dar.
Der Grundgedanke der Bauherrin war
es, eine kompakte und ökologische
Kirche zu bauen, trotz geringen Budgets. Im Vordergrund stand dabei,
dass die Architektur zeigt, wie die altkatholische Gemeinde ihren Glauben versteht: ein offenes Klima des
Miteinander und der freien Gestaltung. Genau diese Vorstellung sollte der Neubau widerspiegeln. „Ein
Kirchengebäude sollte ein Erfahrungsraum sein, in dem Menschen
sich zu Hause fühlen können“, erklärte Alexandra Caspari, Pfarrerin
der Kirche „Apostelin Junia“. „Die
Hülle für einen solchen Erfahrungsraum zu bauen ist eine große Aufgabe, und einen solchen Ort in die
Welt zu bringen, verlangt viel Mut.
Ganz bewusst geht die Architektur
der Kirche sehr dezent und zurückhaltend mit Symbolen um. In erster
Linie lebt sie aus ihrer Schlichtheit
und ihrer Ausrichtung nach innen
und oben.“ Die Kirche soll einen angemessenen Raum für die wachsende Gemeinde bieten.
Nach allen Seiten verbunden
Das Gebiet mit dem Namen SheridanPark ist ein neuer, 70 ha großer Stadtteil, der auf dem Areal einer ehemaligen Kaserne entstand. In einer neuen
städtebaulichen Ordnung befinden
sich Wohnungen, Gewerbe und Freibereiche. Der alte Baumbestand, weite grüne Parkflächen, wenige Gebäude wie das ehemalige Offizierskasino
und der Grasiger Weg – eine OstWest-Verbindung – sind Bausteine
einer früheren Zeit. Der Bau mit Sakralraum, Gemeindesaal, Pfarrbüro
und drei Wohneinheiten ist bewusst
auf ein Grundstück in die Mitte des
Sheridan-Parks gesetzt, im Schnittpunkt von Park und Wohngebiet. Die
Mauer am Grasiger Weg bildet den
räumlichen Halt des Kirchplatzes, der
sich zum weiten Park nach Süden hin
öffnet. In zwei kompakten Holzbaukörpern befinden sich Kirche, Gemeindesaal und Wohnungen.
www.mikado-online.de
67
Holzwelten Alt-Katholisches Gemeindezentrum
Holz betritt höhere Ebenen
Der Hauptbau der Kirche bildet den
Raum für den Gemeindesaal im Erdgeschoss und den Sakralraum im
Obergeschoss. Der Kirchenraum ist
ein heller, beinahe quadratischer
Holzraum mit einer Grundfläche von
13 × 16 m. Vier Wände spannen den
schlichten, neun Meter hohen Kirchenraum auf, der schwarze, polierte
Estrich und die horizontale Kiefernleistenschalung der Wände schaffen
eine ruhige Atmosphäre. Die einem
Sheddach ähnliche Dachkonstruktion mit vier verglasten Fachwerkträgern und nach außen gewölbten,
weiß lasierten Dachflächen lenkt das
Tageslicht von oben in den Kirchenraum, der Platz für bis zu 80 Personen bietet. Die innere Bekleidung
der Rippenkonstruktion des Sheddachs ist eine weiß lasierte Fichte
3-Schichtplatte. Der Hauptraum bildet als Versammlungsraum eine Mitte ohne überhöhte Hierarchien. Alle
liturgischen Orte stehen in einer Verbindung zueinander. Das macht zum
einen das durchgehend verwendete Material Holz deutlich und zum
68
▴▴Der mit Lärche
verkleidete
Kirchenbau strahlt
zusammen
mit roten Farbflächen
eine einladende
Wärme aus
anderen der Ausführungsstil: Altar,
Ambo, Buchtisch und Taufbecken
sind in einer schlichten Tischform
gehalten. Verbindungen schaffen außerdem zwei Fugen, die in den geschliffenen Estrich eingelassen sind
und sich genau unter dem Altar kreuzen. Weder Fenster noch Wanddekoration stören die Konzentration.
Recyclingprodukt schluckt Schall
Die innere Wandbekleidung erfüllt
neben den gestalterischen Absichten,
dem Raum eine optische Ruhe zu geben, vor allem auch Anforderungen
an die Raumakustik. Die profilierten
Leisten reflektieren die Schallwellen
nicht in eine gleiche Richtung und
die Fugen zwischen ihnen „schlucken“ die Schallwellen. Damit wird
eine Nachhallzeit zwischen 1,4 und
2,2 Sekunden erreicht. Auch wenn
die Lamellenleisten schalltechnische
Vorteile bieten, war das nicht der
Grund, warum sich die Bauherrin und
der Architekt für die Leisten entschieden hatten: Das Besondere an ihnen
ist, dass sie ursprünglich als Rollladenführungsschienen hergestellt
mikado 3.2013
wurden und als Überblendung der
äußeren Aluschiene auf den Blendrahmen von Holzfenstern dienten.
Die Leisten waren also Recyclingmaterial und günstig in der Anschaffung. Einheitliche Abstände zwischen
den einzelnen waagerechten Leisten
gibt es nicht. Die innere Wandbekleidung brachten die Holzbauer nicht
mit genauem Zuschnitt, sondern mit
der vorhandenen Länge an.
Idee der Leichtigkeit
Eine Lichtwolke aus 160 Lichtpunkten greift im Hauptraum den Gedanken der Leichtigkeit auf. Denn
Leichtigkeit soll laut der Bauherrin
zu Stimmigkeit führen. Die unterschiedlichen Längen der filigranen
Lichtelemente und das offene Konzept mit viel Tageslicht von oben sollen gemeinsam für Ruhe sorgen. Jeder Lichtpunkt bekam eine definierte
Höhe, alle Lichtpunkte zusammen
bilden die Leichtigkeit einer Wolke.
Der Lichtpunkt selber ist die Reduktion auf ein Minimum: ein freistrahlender 35 W Halogen-Punkt, gefasst
von einem 20 mm dickem Alu-Rohr
Holzwelten Alt-Katholisches Gemeindezentrum
(Länge 20 cm). Die Leuchten sind an
nur 2,5 mm starken Kabeln aufgehängt. Die komplette Verkabelung
wurde in den Holzbau schon im Holzwerk integriert. Die gesamte Lichtwolke ist in sechs Gruppen dimmbar,
um je nach Art der liturgischen Veranstaltung eine differenzierte Lichtstimmung zu ermöglichen.
Holztreppe bildet Übergang
Steckbrief
Bauprojekt:
Neubau Apostelin-Junia-Kirche
D-86157 Augsburg
Holz bekennt sein Alter
Gebäudehülle und Dach sind hoch
wärmegedämmt. Sichtbare Brettstapeldecken im Wohngebäude und eine
Betondecke zwischen Gemeindesaal
und Kirchenraum erhöhen die Speichermasse des Gebäudes. Die Bauweise vereint Wertbeständigkeit, Ökologie und Materialität. Die Bekleidung
aus senkrechter gehobelter Brettschalung in Lärche wird bald eine feine,
silbergraue, natürliche Patina ansetzen. Von dem Hauptbaustoff Holz
sind über 260 m3 verbaut worden.
Damit leistet die Alt-Katholische Kirche Augsburg einen aktiven Beitrag
zum Klimaschutz, da in diesem Bauwerk eine CO2­-Menge von ca. 260 t
für lange Zeit gespeichert ist.
Dipl.-Ing. Architekt
Frank Lattke, Augsburg / jj ▪
Bauherr:
Alt-Katholische Kirche, Augsburg
www.augsburg.alt-katholisch.de
Bauweise:
Stahlbeton und Holzrahmenbau
Architektur:
lattkearchitekten
D-86150 Augsburg
www.lattkearchitekten.de
Lichtplanung:
Korona Leuchten GmbH
D-86199 Augsburg
www.korona-licht.de
Tragwerksplanung:
▾▾Der Altarraum
verzichtet
auf klassische
Fenster,
erhält aber von
oben viel
Tageslicht und
besitzt zudem eine „Lichtwolke“ aus
160 abgehängten
Leuchten
bauart Konstruktions GmbH
& Co. KG ı D-80796 München
www.bauart-konstruktion.de
Holzbau:
Gumpp + Maier GmbH
D-86637 Binswangen
www.gumpp-maier.de
Eckhart Matthäus
Eine kleine Kapelle als Rückzugsraum und die Tabernakelnische sind
angrenzend unter der Empore angeordnet. Die Tabernakelnische liegt
auf einer Linie mit dem Buchtisch
und dem Altar und bildet eine unaufdringliche Verbindung der wesentlichen liturgischen Orte. Der Ambo
links vom Altar schließt, leicht gedreht, den Bogen zur Bestuhlung.
Das Taufbecken im Eingangsbereich
kann bei Bedarf in die Raummitte
gerückt werden. Ein offenes Treppenhaus bildet die räumliche Verbindung des Kirchenbaus mit dem
privaten Wohnhaus. Pfarrbüro und
Sakristei liegen im ersten Geschoss
und sind über die Treppe oder den
Aufzug erreichbar.
www.mikado-online.de
69
Vorschau mikado 4.2013 erscheint am 2. April 2013
Lignotrend
Architektur
Skulpturaler Eingang
Der neue Eingangsbereich eines
Bürokomplexes für innovative
Start-up-Unternehmen im
norwegischen Stavanger sollte
zwei Gebäude miteinander
verbinden. Die Architekten lösten
die Aufgabe ungewöhnlich:
24 Lagen 20 cm hoher und 50 cm
breiter Kastenelemente aus
Brettsperrholz wurden versetzt
und verdreht so übereinander
gestapelt, dass ein höhlenartiger
Raum entstand.
Susanne jacob-freitag
Brigida Gonzales
Thema des Monats
Hallen- und Gewerbebau
Das eigene Firmengebäude ist für das Image von zentraler
Bedeutung: Signalisiert es durch seine Gestaltung, Konstruktion und Ausführung Kompetenz und Gewissenhaftigkeit,
dann gehen die potenziellen Kunden davon aus, dass die
Firma selbst ebenfalls diese Eigenschaften aufweist. Holz
strahlt zudem auch noch Wärme und Umweltbewusstsein
aus. Deshalb lassen immer mehr Firmen ihre Gebäude damit
errichten.
Außerdem
mikadoplus – Richtige Anschlüsse
Holzwelten
Kompetenzzentrum mit Chic
In dem dreigeschossigen Holzskelettbau von Rubner
in Kiens/Südtirol finden einerseits Forschung, Entwicklung und Planung statt, andererseits ist es ein
Bemusterungshaus für Bauherren und Architekten.
Das Innere weist einen schlichten Werkstattcharakter
auf. Außen dominiert ein vorgehängtes Flechtwerk
aus Holzlamellen als Sonnen- und Sichtschutz.
Impressum
Offizielles Organ von Holzbau Deutschland
Bund Deutscher Zimmermeister im Zentralverband des Deutschen
Baugewerbes e.V. (ZDB), Berlin, Offizielles Organ der
Europäischen Vereinigung des Holzbaus (EVH), Luxemburg
Verlag:
WEKA MEDIA GmbH & Co. KG
Römerstraße 4
86438 Kissing
Telefon +49 82 33.23-0
www.weka.de ı www.mikado-online.de
Herausgeber:
WEKA MEDIA GmbH & Co. KG
Geschäftsführer:
Stephan Behrens ı Michael Bruns ı Werner Pehland
Verlagsleiter Zeitschriften Bauhandwerk:
Christoph Maria Dauner
Chefredakteur:
Dipl.-Betriebsw. (FH) Christoph M. Dauner (cm) (verantw.)
[email protected]
Redaktion:
Dipl.-Ing. (FH) Claudia Jamnitzky (cj) (CvD)
[email protected]
Jessica Jahn M.A. (jj)
[email protected]
Dipl.-Ing. Günther Hartmann (gh)
[email protected]
70
Redaktionsbeirat:
Bernard Gualdi ı Dipl.-Ing. Ekkehard Fritz ı
RA Michael Hafner ı Dipl.-Betriebsw. Joachim Hörrmann ı
RA Alexander Habla ı Dipl.-Ing. Rainer Kabelitz-Ciré ı
Dipl.-Ing. Matthias Krauss ı Matthias Link ı
Dipl.-Designer Jochen Wenzel
Anzeigen:
WEKA MEDIA GmbH & Co. KG
Römerstraße 4 ı 86438 Kissing
Fax +49 82 33.23 71 11 ı [email protected]
Anzeigendisposition:
Daniela Bolleininger
Telefon +49 82 33.23 71 35
[email protected]
Anzeigenverkauf:
Henriette Stoll-Loof ı Telefon +49 81 43.93 15 10
Es gilt die Anzeigenpreisliste Nr. 21/2013
Aboverwaltung:
Telefon +49 82 33.23 40 40 ı Fax +49 82 33.23 72 30
[email protected]
Abonnementpreis:
11 Ausgaben (Inland):
11 Ausgaben Studenten/
Meisterschüler:
Einzelheft:
98,00 €
75,00 €
12,80 €
Produktion:
Helmut Göhl (verantw.) ı Silke Schwer
mikado 3.2013
Konzeptionslayout, Grafik und Satz:
Popp Media Service ı Herrenbachstraße 17 ı 86161 Augsburg
Lithografie:
high end dtp-service ı Lothar Hellmuth
Druck:
Firmengruppe APPL ı sellier druck GmbH
Angerstraße 54 ı 85354 Freising
ISSN
0944-5749
Erscheinungsweise:
11 Ausgaben jährlich
WEKA ist bemüht, ihre Produkte jeweils nach neuesten
Erkenntnissen zu erstellen. Die inhaltliche Richtigkeit und
Fehlerfreiheit wird ausdrücklich nicht zugesichert. Bei
Nichtlieferung durch höhere Gewalt, Streik oder Aussperrung
besteht kein Anspruch auf Ersatz. Zum Abdruck angenommene
Beiträge und Abbildungen gehen im Rahmen der gesetzlichen
Bestimmungen in das Veröffentlichungs- und Verbreitungsrecht
des Verlags über. Für unaufgefordert eingesandte Beiträge
übernehmen Verlag und Redaktion keine Gewähr. Namentlich
ausgewiesene Beiträge liegen in der Verantwortlichkeit des
Autors. Die Zeitschrift und alle in ihr enthaltenen Beiträge
und Abbildungen sind urheberrechtlich geschützt. Jeglicher
Nachdruck, auch auszugsweise, ist nur mit ausdrücklicher
schriftlicher Genehmigung des Verlags und mit Quellenangabe
gestattet. Mit Ausnahme der gesetzlich zugelassenen Fälle ist eine
Verwertung ohne Einwilligung des Verlags strafbar.
Redaktionelle Änderungen vorbehalten.
Entdecken Sie mikado-online.de
▸ mikado als E-Paper � : � im Internet
▸ Zusätzliche Infos für Abonnenten
▸ Jobbörse für Holzbauer
▸ Tagesaktuelle Branchenmeldungen
▸ mikado vor Ort: Bildergalerie
▸ Frage des Monats
▸ Gewinnspiel
▸ Baustellenwetter
www.mikado-online.de
'LHVH6WDGWWLFNWLUJHHQGZL
'LHV
ZLHDQ
DQGH
GHUV
UV PR
PRGH
GHUQ
GH
UQHU
UQ
HU XQG
G LQG
GLYLG
LGXH
XHOOOOOOHU
XH
HU
HU
DEHU
DE
HU PDQ
DQFK
F PD
P ODXFKWUDGLWLRQVEHZXVVW8QGWURW]GHP
HP
P SDV
DVVW
VW
VW
D OHHV
DO
V ]X
]XVD
VDPP
VD
PPHQ
PP
HQ *H
HQ
*HQD
QDX
XZL
ZLH
H PHHLQH'lFKHUPDONODVVLVFKK XQQG
PDO GHHVL
PD
VLJQ
JQRU
RUU LHQW
LHH QW
QWLH
LHUW
LH
UWW LQ XQ
XQJH
JHZ|
JH
Z|KQ
Z|
KQOLOLLFK
KQ
FKHQ
HQ )DUU EHQ
Q 0DQFK
F HPLW
7KKH UPR
7
7KHU
P NR
PR
NROOOOHN
HNWR
WRUH
RUH
UHQQ XQ
XQG
G PD
PDQF
QFFKHH PLW 3 KR
KRWR
WRYR
WR
YROW
YR
OWDL
OW
DLND
DL
NDQO
ND
QODJ
QO
DJHQ
DJ
H $EHU
$E
H U LPP
HU
P HUU LQW
QWHO
HOOLOLJH
JHQW
QW X QG PLW 6\V
\VWH
WHP
P
> 5D
>>
5DLQH
LQHU%
LQH
U %UHW
U%
UHW
H VFK
VFK
F JHVFKlIWV
FK
IWVIKK UHQ
HQGHU
HU *H
*HVHO
VHOOVF
OVFKDI
DIWHU
WHU
XQG'
XQ
G ' DFK
G'DFK
DFKGHF
GHH NHU
GHF
N PHL
PH VWHULQ%
% HUO
HUOLQ
LQ
'DFKKDQGZHUNHUOHLVWHQHLQHQHQWVFKHLGHQGHQ%HLWUDJ]XP
(UVFKHLQXQJVELOGXQVHUHU6WlGWHXQG'|UIHU%UDDVXQWHU
VWW]W6LHGDEHLPLWLQWHOOLJHQWHQ'DFK6\VWHPHQIUMHGH
$QIRUGHUXQJXQGMHGHQ*HVFKPDFN
ZZZIDFHERRNFRP%UDDV'HXWVFKODQG
3DUWRIWKH021,(5*5283
Verband aktuell
Berufsweltmeisterschaft „WorldSkills 2013“ in Leipzig
1000 Teilnehmer aus 50 Nationen
Sie wird die bisher größte Veranstaltung ihrer Art sein: die Berufsweltmeisterschaft „WorldSkills 2013“, die im Juli in Leipzig stattfindet. Jede Nation darf in jedem
Berufswettbewerb nur einen Teilnehmer ins Rennen um die Medaillen schicken.
mikado-Interview
▴▴Staatssekretär Ernst Burgbacher vom Bundeswirtschaftsministerium (3.v.l.)
besuchte auf der BAU 2013 die deutsche Zimmerer-Nationalmannschaft
J
apan, Kanada, Großbritannien – und nun Deutschland:
Leipzig ist der Gastgeber für die
nächste Berufsweltmeisterschaft
„WorldSkills 2013“, den größten
Berufswettbewerb aller Zeiten.
Über 1000 Teilnehmer im Alter
von unter 23 Jahren aus über
50 Nationen werden vom 2. bis
7. Juli 2013 ihr fachliches Können in 45 Berufen zeigen – darunter auch ein deutscher Zimmerer. Wer, steht noch nicht fest,
aber er wird aus dem Kreis der
Nationalmannschaft stammen.
In 22 Arbeitsstunden an vier
Wettbewerbstagen müssen die
Zimmerer eine anspruchsvolle
Holzbaukonstruktion erstellen –
in traditioneller Schifttechnik.
Sie müssen die Geometrie der
Konstruktion verstehen, einen
Plan aufreißen, die Informationen auf Hölzer übertragen und
die dann mit Hand- und Maschinensägen zuschneiden. Bei
allen Arbeitsschritten geht es
um Präzision und Genauigkeit.
Es zählt jeder Millimeter und
jede Minute. Ein Fertigwerden
vor dem Abpfiff bringt keine
zusätzlichen Punkte, aber ein
Nichtfertigwerden erheblichen
Punktabzug.
Die Nationalmannschaft, die
von Holzbau Deutschland getragen und von dessen Leistungspartnern unterstützt wird,
hat mit Beginn des Jahres 2013
ihre WM-Vorbereitungen vertieft. Neben den Trainings in
den Ausbildungszentren in Biberach und Kassel wird das
Team öffentlich bei zwei Leistungspartnern trainieren: vom
26. bis 27. April 2013 bei Metabo in Nürtingen und vom 21.
bis 22. Juni 2013 bei Isover in
Mannheim.
Mehr Informationen zu den
„WorldSkills 2013“ unter: www.
worldskillsleipzig2013.com ▪
Holzbauunternehmer und Zimmermeister Albert Baumann
(64) aus Flein bei Heilbronn holte vor über 45 Jahren bei den
WorldSkills 1967 in Spanien eine Goldmedaille.
mikado: Können Sie sich noch an
Ihren Sieg erinnern?
Albert Baumann: Es ist zwar
lange her, aber ich erinnere
mich noch gut. Es war sehr erlebnisreich! 1967 war schon
die Reise ein richtiges Abenteuer. Zwei Tage fuhren wir von
Duisburg mit dem Bus nach
Madrid. Begegnungen mit anderen Nationen waren die Ausnahme, aber ich hatte danach
noch lange Kontakt mit dem
Japaner und dem Koreaner.
Was haben Ihnen die WorldSkills
gebracht?
Es war einfach eine tolle Erfahrung. Sie hat mich so kurz
nach meiner Ausbildung als
Zimmerer bestätigt und gab
mir den Mut, den Betrieb meines Vaters zu übernehmen. Sie
war wohl auch der Grund, dass
ich mich bis heute ehrenamtlich für unseren Beruf engagiert habe. Ausbildung und
Nachwuchsförderung liegen
mir am Herzen. In unserem Betrieb bilden wir immer aus.
Organ von Holzbau Deutschland – Bund Deutscher Zimmermeister
holzbau deutschland
holzbau deutschland
„Die WorldSkills lassen
einen nicht mehr los!“
▴▴Zimmermeister Albert Baumann
gewann bei der Berufsweltmeisterschaft 1967 in Madrid Gold
Sind Sie in Leipzig dabei?
Selbstverständlich bin ich dabei. WorldSkills lassen einen
einfach nicht mehr los! Ich freue
mich auch darüber, wie sich die
Berufs-WM entwickelt hat und
dass inzwischen so viel über
unseren talentierten Nachwuchs
berichtet wird. Das ist beste
Werbung für den Holzbau.
Herr Baumann, herzlichen Dank!
I
FWTM
Verband aktuell
▴▴Das Konzerthaus in der Freiburger Innenstadt dient dem Bundeskongress als Veranstaltungsort
Bundeskongress 2013
Auf nach Freiburg!
Der Bundeskongress des Zimmerer- und Dachdeckerhandwerks findet
vom 2. bis 4. Mai 2013 in Freiburg statt. Die Veranstaltung bietet ein umfassendes
Informationsangebot und viel Gelegenheit zum gegenseitigen Austausch.
E
in vielfältiges Weiterbildungs- und Rahmenprogramm erwartet die Teilnehmer des Bundeskongresses, den
„Holzbau Deutschland – Bund
Deutscher Zimmermeister“ und
der „Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks“
(ZVDH) vom 2. bis 4. Mai 2013
gemeinsam ausrichten. Tagungsort ist das Konzerthaus in
der Freiburger Innenstadt.
Zum Auftakt: Kundgebung
und Walking Dinner
Zum Kongressauftakt präsentieren sich das Zimmererund Dachdeckerhandwerk am
II
Nachmittag des 2. Mai mit einer öffentlichen Kundgebung
auf dem Freiburger Rathausplatz. Dabei übergeben Ullrich
Huth, Vorsitzender von Holzbau Deutschland, und KarlHeinz Schneider, Präsident des
ZVDH, einem regionalen Kindergarten ein von Auszubildenden gefertigtes Holz-Spielhaus.
Zimmerer- und Dachdeckerlehrlinge stellen vor Ort das Dach
des Häuschens fertig und zeigen
dabei ihr fachliches Können.
Im Anschluss erwartet die
Kongressteilnehmer um 19 Uhr
ein – im wahrsten Sinne des Wortes – ganz besonderer „Lecker-
mikado 3.2013
bissen“: Die Verbände heißen
herzlich willkommen zu einer Abendveranstaltung in der
Mensa der Freiburger Universität. Hier gibt es in lockerer
Atmosphäre ein „Walking Dinner“, bei dem badische Spezialitäten an „Markständen“ gereicht
werden, dazu gute Unterhaltung
mit Musik. Die Teilnahme ist ergänzend zum eigentlichen Kongressprogramm buchbar.
Fachvorträge mit breitem
Themenspektrum
Die beiden folgenden Kongresstage bieten den Besuchern
ein anspruchsvolles Weiterbil-
dungsprogramm. Ein erstes
Highlight bildet am 3. Mai im
Anschluss an die Eröffnungsveranstaltung der Vortrag des
international renommierten Dirigenten Christian Gansch zum
Thema „Was Unternehmen von
Orchestern lernen können“. Er
zeigt zahlreiche Parallelen zwischen einem Orchester und einem baugewerblichen Unternehmen auf. Im Vordergrund
steht dabei auch die Frage, wie
sich aus individueller Kompetenz und Vielfalt unternehmerische Einheit und Identität entwickeln lassen. Unabdingbar für
den betrieblichen Erfolg sind für
▴▴Auf dem Freiburger Rathausplatz findet die öffentliche Kundgebung der
Holzbauer und Dachdecker statt
ihre Kommunikation optimieren
und Führungssicherheit erlangen können. „Die 4 Schlüsselfaktoren für Erfolg und Motivation mit FISH“ werden von José
Flume vorgestellt.
Für Unternehmerfrauen
konzipierte Seminare
Den Einstieg in die speziell für
Unternehmerfrauen konzipierte
Seminarreihe übernimmt Karl
Erdle, Dozent für Marketing,
Vertrieb und Personalführung,
mit Ausführungen über „Emotionales Verkaufen“. In einem weiteren Vortrag gibt Erdle wertvolle Tipps zum persönlichen
und telefonischen Beschwerdemanagement und macht auf
die Chancen aufmerksam, die
sich aus Reklamationen ergeben
können. José Flume verrät unter
der Überschrift „Die Macht der
Sprache – ein Seminar für Menschenbeweger“, wie die richtigen Kommunikationsstrategien dazu verhelfen können, den
Verstand und das Herz der Kunden zu erreichen und damit bessere Verkaufserfolge zu erzielen. Abschließend referiert am
zweiten Veranstaltungstag Andrea Eigel über „Frauenpower
– das Geheimnis guter Beziehungen“.
Exkursion zu innovativem
Holzbauprojekt
In Ergänzung zu den Vortragsreihen steht am 3. Mai um 13:30
Uhr eine Exkursion zum zukünftigen „Haus der Bauern“ in Freiburg auf dem Programm. Das
vierstöckige Verwaltungs- und
Bürogebäude wird überwiegend
aus Holz errichtet, mit einem
Kalzip-Dachsystem ausgestattet, CO2-neutral sein und beim
Wärmeenergiebedarf die Qualität eines Passivhauses erreichen. Bauherr ist der Badische
Landwirtschaftliche Hauptverband e.V., der das Gebäude voraussichtlich ab Herbst 2013
zusammen mit weiteren branchennahen Institutionen als
Standort für die land- und forstwirtschaftliche Interessenvertretung in Baden nutzt. Bei der
fachkundigen Führung durch
das derzeit noch im Bau befindliche „Haus der Bauern“ haben
die Besucher Gelegenheit, sich
detailliert über die Konzeption
sowie die bauliche Umsetzung
zu informieren.
Partnerfirmen zeigen
Produkt-Innovationen
Wichtiger Bestandteil des Kongresses ist die Ausstellung der
Partnerfirmen, welche an Informationsständen ihre Produktneuheiten präsentieren und für
Fragen der Teilnehmer zur Verfügung stehen. Folgende Unternehmen werden vertreten
sein: Böcker, Haubold, Paslode,
Heco Schrauben, Isofloc, Klöber, Knauf Insulation, Metabo,
Rheinzink, Saint Gobain, SIG
Germany, Velux Deutschland
und Zedach.
Gregor Gierden, Freiburg ▪
Ausführliche Informationen
und Anmeldung:
www.bundes-kongress.de
ThKatz – Fotolia.com
den Dirigenten Handwerk, Technik und Disziplin, genauso aber
Engagement und das Zusammenspiel der Mitarbeiter.
Das Kongressprogramm wird
fortgesetzt mit zahlreichen
spannenden Vorträgen aus den
Themengebieten „Technik“ und
„Unternehmensführung“. Erstmals gibt es auch eine Seminarreihe, die sich speziell an Unternehmerfrauen richtet.
Im Bereich „Technik“ behandeln zunächst die Referenten Norbert Kuri und Stephan
Hielscher vom „Komzet Bau
Bühl“ das Thema „Elementiertes Bauen“. Die beiden Spezialisten gehen ausführlich auf den
praktischen Umgang mit vorgefertigten Bauteilen ein und
präsentieren die Arbeitsergebnisse des Kompetenzzentrums.
Unter dem Titel „Energetische
Maßnahmen der Gebäudehülle“ beschäftigt sich anschließend der Architekt, Sachverständige und Lehrbeauftragte
Matthias Zöller mit der Nachhaltigkeit energetischer Maßnahmen, den Grenzen des Wärmeschutzes und der Auswahl
zuverlässiger und dauerhafter
Konstruktionen. In einem dritten technischen Vortrag geht es
um die Überarbeitung der DIN
4108-3:2001-07 „Wärmeschutz
und Energieeinsparung in Gebäuden – Teil 3: Klimabedingter Feuchteschutz, Anforderungen, Berechnungsverfahren und
Hinweise für die Planung und
Ausführung“. Dr. Thomas Ackermann von der FH Biberach zeigt
die sich in der Norm ergebenden Änderungen sowie mögliche Konsequenzen auf.
Im Bereich „Unternehmensführung“ demonstriert der Referent Martin Bliesner Möglichkeiten zur Gewinnsteigerung durch
Steuerung von Liquidität, Kostenentwicklung und Produktivität, des Weiteren wie sich Betriebe trotz Preisdruck erfolgreich
am Markt behaupten können.
Michael Bümmerstede gibt Führungskräften Hinweise, wie sie
Holzbau Baden
Verband aktuell
▴▴Die Freiburger Altstadt mit ihrem mediterranen Flair gibt dem Bundeskongress 2013 eine spezielle Note
Organ von Holzbau Deutschland – Bund Deutscher Zimmermeister
III
Verband aktuell
Landesinnungsverband des Bayerischen Zimmererhandwerks
Positionierung als Klimaschützer
Nachdem die bayerischen Zimmerer bereits im Oktober 2012 der
„Bayerischen Klima-Allianz“ beigetreten waren, folgte nun im Februar 2013
der Beitritt zum Netzwerk für nachwachsende Rohstoffe „C.A.R.M.E.N.“.
B
„Klima-Holzwürfel“ an Helmut Brunner, den Bayerischen
Staatsminister für Ernährung,
Landwirtschaft und Forsten.
Der Würfel hat eine Kantenlänge von 1 m, steht damit für 1 m3
Holz und 1 t CO2 – und ist somit
ein markantes Symbol für den
Klimaschutz.
„Ein einziger Kubikmeter
Holz setzt 300 Kubikmeter
Sauerstoff frei und liefert so die
Grundlage für das Leben auf der
Welt“, erklärte Aicher in seiner
Rede. „Er symbolisiert die Menge Holz, die in jeder Sekunde
in Bayerns Wäldern nachwächst
und eine Tonne Kohlendioxid
bindet.“
Präsenz auf der
„Bayerischen Klimawoche“
▴▴Mit diesem Plakat bewirbt die Bayerischen Staatsregierung die 2013 zum
sechsten Mal veranstaltete „Bayerische Klimawoche“
Landesinnungsverband des Bayerischen Zimmererhandwerks
ayerns Zimmerer starten
das neue Jahr 2013 mit einer weiteren Initiative für die
Umwelt: Am 4. Februar trat der
Landesinnungsverband dem im
niederbayerischen Straubing ansässigen Verein „C.A.R.M.E.N.“
bei. Der Name ist die Abkürzung
für „Centrales Agrar-RohstoffMarketing-Energie-Netzwerk“.
Es wurde 1992 als Koordinierungsstelle für nachwachsende
Rohstoffe gegründet.
„Der perfekte Partner für uns“,
meint Bayerns Zimmerer-Präsident Peter Aicher und betont,
dass vom Beitritt des Landesinnungsverbandes beide Seiten
profitieren: „C.A.R.M.E.N. erweitert sein Netzwerk um über
1400 Zimmerei- und Holzbaubetriebe und wir bekommen eine
Plattform für den Holzbau.“
Der gemeinnützige Verein
„C.A.R.M.E.N.“ ist mit seinen
70 Mitgliedern aus allen Teilen
der Wertschöpfungskette nachwachsender Rohstoffe deutschlandweit eine gefragte Anlaufstelle für Informationen zur
industriellen und energetischen
Nutzung von Biomasse und zu
den Themenfeldern Windenergie, Solarenergie, Geothermie,
Wasserkraft sowie Energie- und
Ressourceneinsparung. Beraten
werden Behörden, Wissenschaft,
Wirtschaft, Landwirtschaft und
Verbraucher gleichermaßen.
Peter Aicher übergibt den
„Klima-Holzwürfel“
Bei der feierlichen Beitrittsunterzeichnung übergab Zimmerer-Präsident Peter Aicher den
IV
▴▴Zimmerer-Präsident Peter Aicher (rechts) übergibt symbolisch den
„Klima-Holzwürfel“ an Helmut Brunner, den Bayerischen Staatsminister für
Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (links)
mikado 3.2013
Mit dem Beitritt zur „Bayerischen Klima-Allianz“ im Oktober 2012 hatte der Landesinnungsverband des Bayerischen
Zimmererhandwerks bereits im
vergangenen Jahr ein deutliches Zeichen in Sachen Umweltschutz gesetzt.
Rund um das Thema „Klimaschutz und Energieeffizienz“
dreht sich auch alles auf der
„Bayerischen Klimawoche“, die
in diesem Jahr vom 21. bis zum
28. April 2013 stattfindet – zum
sechsten Mal an zahlreichen Orten Bayerns. Bayerns Umweltminister Marcel Huber eröffnet
sie im oberbayerischen Pfaffenhofen an der Ilm als krönenden
Abschluss der dort bereits am
17. April gestarteten „Energiefür-Alle-Woche“.
Alexander Kirst, München ▪
Verband aktuell Aus den Landesverbänden
Landesinnungsverband des Bayerischen Zimmererhandwerks
Gut gelaunte Bezirksversammlungen
Der Klimaschutz und schwindendes Vertrauen in die Finanzbranche führen
zu einer neuen Lust am Bauen. Bayerns Zimmerer blickten deshalb bei
ihren Bezirksversammlungen optimistisch auf ein vielversprechendes Jahr 2013.
Landesinnungsverband des Bayerischen Zimmererhandwerks
im neuen Jahr mit positiven Effekten: „Die neue Lust am Bauen
sorgt bei unseren Mitgliedsbetrieben für volle Auftragsbücher
und eine hohe Auslastung der
Kapazitäten.“
▴▴Wie alle Bezirksversammlungen war auch die in der Oberpfalz gut besucht: Rund 90 Teilnehmer
folgten der Einladung und füllten den Veranstaltungssaal in der Gemeinde Berg bei Neumarkt in der Oberpfalz
Z
u Beginn eines jeden Jahres erfüllt der Präsident
der bayerischen Zimmerer zusammen mit der Münchner
Geschäftsstelle die satzungsgemäße Aufgabe der sog. „Bezirksversammlungen“. Sieben
Regierungsbezirke, sieben Veranstaltungen in vier Wochen,
650 Teilnehmer. Ziel dabei ist
es, die Innungsbetriebe vor Ort
direkt anzusprechen und Belange des Bezirkes hautnah zu diskutieren. Nicht zu kurz kommt
dabei auch die Information über
die aktuelle Verbandsarbeit.
Neben den „Klassikern“ wie
der Tarifpolitik wird das Jahr
2013 inhaltlich stark geprägt
sein von Aktivitäten im Rahmen
der Bayerischen Klimawoche.
Diese dienen dazu, in den Kommunen Werbung für die Verwendung von mehr Holz zu machen. Gefordert sind dabei auch
die Innungen, die mit Unterstützung des Verbandes Einzelaktionen mit ausgewählten Partnern
regional veranstalten werden.
Verbraucher suchen
vermehrt bleibende Werte
Der Inhalt der Bezirksversammlungen orientiert sich
in 2013 konkret an den Wünschen der Mitgliedsbetriebe.
Eine Mischung aus Vorträgen
der Verbandsspezialisten und
Informationen von Kooperationspartnern gibt den Betrieben
für die tägliche Praxis Hilfe bei
der Bewältigung von Problemen
aus den Bereichen Recht, Kalkulation, Prävention, Technik und
Versicherungsfragen.
Die Versammlungen bieten
zudem eine gute Gelegenheit für
einen Rück- sowie Ausblick des
Präsidenten auf die Entwicklung
des Zimmerer- und Holzbaugewerbes in Bayern. In seiner aktuellen Ansprache führte Präsident Aicher dann auch aus, dass
der Trend zur energetischen Gebäudesanierung und die Unsicherheit auf den Finanzmärkten
sich positiv auf Bayerns Zimmererhandwerk auswirken: Verbraucher neigen dazu, in diesen
Zeiten auf bleibende Werte zu
setzen und mehr Geld in die eigenen vier Wände zu investieren. Aicher rechnet daher auch
Organ von Holzbau Deutschland – Bund Deutscher Zimmermeister
Marketingaktivitäten zu
„300 Jahre Nachhaltigkeit“
Die Zeichen stehen auf Wachstum. Schon das vergangene Jahr
bescherte dem bayerischen Zimmererhandwerk eine positive
Jahresbilanz. Für das laufende
Jahr rechnet Aicher mit einem
neuerlichen Umsatzzuwachs.
Dieses verteilt sich in Bayern
etwa gleichermaßen auf den
Wohnungsbau und den Nichtwohnungsbau. Von der Politik
wünscht sich Aicher nach wie
vor einen besseren Anreiz zur
energetischen Sanierung und
zum Holzbau.
Mit dem Beitritt zur Bayerischen Klima-Allianz im vergangenen Jahr haben die Zimmerer im Freistaat ein Zeichen in
Sachen Umweltschutz gesetzt.
Als positiven Effekt erhofft sich
die Branche einen intensiveren
Kontakt zu Architekten und
Kommunen, um weitere Multiplikatoren für den Baustoff Holz
zu gewinnen.
Schon im Vorfeld der Bezirksversammlungen hatte Aicher das
neue Motto des Verbandes für
dieses Jahr vorgestellt: „Bauen
mit Holz = gelebte Nachhaltigkeit“. Das lag nahe, denn die
deutsche Forstwirtschaft feiert im Jahr 2013 das Jubiläum
„300 Jahre Nachhaltigkeit“.
Alexander Habla, München ▪
V
Verband aktuell Aus den Landesverbänden
▴▴Das „Holzbauzentrum Schleswig-Holstein“ war im September 2012 mit einem eigenen Messestand auf der Nordbau in Neumünster vertreten.
HBZ*SH-Leiter Erik Preuß (rechts) erläutert einem interessierten Messebesucher das Leistungsspektrum seiner Institution
Baugewerbeverband Schleswig-Holstein
Holzbauzentrum als Schlüssel zum Erfolg
Seit es das „Holzbauzentrum Schleswig-Holstein“ gibt, ist die dortige Holzbaubranche spürbar wettbewerbsfähiger geworden, denn Holzbauunternehmen,
Architekten und Fachplaner nutzen die Möglichkeit, sich umfassend zu informieren.
VI
mikado 3.2013
Verband aktuell Aus den Landesverbänden
in bundesweit einmaliges
Projekt ist das „Holzbauzentrum Schleswig-Holstein“
(HBZ*SH) in Kiel. Es entstand
im Jahr 2009 auf Initiative des
schleswig-holsteinischen Baugewerbeverbands (BGV) mit
seiner „Landesfachgruppe Zimmerer und Holzbau“, finanziert
über den „Europäischen Fonds
für Regionale Entwicklung“
(EFRE) sowie aus Bundes- und
Landesmitteln. Schnell entwickelte es sich zu einem Kompetenzzentrum für alle Fragen
rund um den Baustoff Holz.
„Der Baugewerbeverband und
das Wirtschaftsministerium des
Landes sind in den damaligen
Krisenzeiten neue gemeinsame
Wege gegangen. Das Holzbauzentrum sollte dazu führen, dass
Holzbaubetriebe und Architekten in Schleswig-Holstein durch
exzellente Kompetenz fachtechnische Beratungsleistungen erfahren“, erläuterte der BGVVorstandsvorsitzende Thorsten
Freiberg die Zielsetzung. Inzwischen ist es über die Landesgrenzen hinaus bekannt und erhält bundesweite Anfragen.
Know-how für innovativen
Holzbau
Durch projektbezogene Fortbildung und konkrete Unterstützungsleistungen des HBZ*SH
waren nun auch kleinere und
mittlere Holzbauunternehmen
in der Lage, an Ausschreibungen teilzunehmen. So wurden
seit 2009 vier größere Bauprojekte im Bereich der energetischen Sanierung realisiert. Im
Vordergrund stand dabei die
Fassadenmodernisierung mit
vorgefertigten Holzrahmenbauelementen. Die daraus gewonnenen Erfahrungen flossen auch
in das Forschungsprojekt „TES
EnergyFacade“ der Technischen
Universität München ein.
„Es ist uns gelungen, die
Holzbauweise und das vermehrte Bauen mit und in Holz
auch für private und öffentliche
Auftraggeber zu fördern. Und
gleichzeitig ein Netzwerk aus
Forschung, öffentlicher Hand,
Verbänden und Organisationen sowie Politik und anderen
Kreisen zu erschließen“, sagte
HBZ*SH-Leiter Erik Preuß, der
mit Beginn der zweiten Förderperiode die Führung des Holzbauzentrums übernahm.
Das HBZ*SH deckt das komplette Spektrum von Baustoffkunde über Holzbautechnik
und Bauphysik bis hin zu Normen und deren Anwendung in
der Praxis ab. Über den Baugewerbeverband als Projektträger kann das HBZ*SH außerdem
auf einen gut organisierten Bestand heimischer meisterhafter
Innungsbetriebe zugreifen.
Leistungsfähiger Branchenverbund
„Hier bei uns im Norden werden
mit großem Erfolg Zimmererund Holzbaubetriebe sowie im
Holzbau tätige Architekten und
Ingenieure zu einem leistungsfähigen Branchenverbund verknüpft“, berichtete BGV-Hauptgeschäftsführer Georg Schareck.
Es ist im vergangenen Jahr gelungen, trotz knapper Haushaltsmittel und restriktiver Projektvergaben das Vorzeigeobjekt
weiterzuführen, um eine Verstetigung des hohen Leistungsniveaus sicherzustellen.
„Bei dem sich immer schneller drehenden Normen- und
Vorschriftenkarussell hat sich
das HBZ*SH als ruhender Pol
etabliert“, erklärt Preuß und verweist auf das umfangreiche Seminarprogramm, das mit namhaften Holzbau-Experten und
teilweise in Kooperation mit
der Architekten- und Ingenieurkammer Schleswig-Holstein
entwickelt und angeboten wird.
Architekten und Fachplaner erhalten Argumente für Bauherren an die Hand, um sie von
den Möglichkeiten und Vorteilen des modernen Holzbaus zu
überzeugen.
Ein Zentrum dieses Formats
ist natürlich auf ein fachlich
versiertes Team und auf konsequente Unterstützung durch den
Baugewerbeverband als Projektträger angewiesen. Nur so ließ
sich ein Netzwerk mit einem so
umfangreichen Angebot an den
Markt bringen. Dazu zählt auch
der Spezialbauversicherer VHV,
der eine Gewährleistungsversicherung anbietet und mit dem
ein Sachverständigen-Pool aufgebaut wird.
Wettbewerbsfähigkeit nützt
der Region
Die Wettbewerbsfähigkeit der
Region wurde durch das Holzbauzentrum gestärkt. „Das führt
zu Wachstum und sichert die
Beschäftigung gerade in einem
Flächenland wie Schleswig-Holstein mit seinen durchaus vorhandenen strukturellen Problemen“, erläutert Freiberg. Zur
Belebung der Konjunktur war
und sei es noch immer wichtig,
die Aktivitäten zu bündeln und
Impulse zu geben.
„Die Fördergelder der Europäischen Union sind im Sinne der Gemeinschaftspolitik in
den vergangenen vier Jahren
wahrlich gut angelegt“, betont
Preuß und verweist auf mehr als
300 Fachberatungen und acht
Fortbildungsveranstaltungen
mit rund 400 Teilnehmern allein im Jahr 2012.
Das Highlight war zweifelsohne die Organisation und
Durchführung des „SchleswigHolsteinischen Holzbautages“
in enger Zusammenarbeit mit
der „Landesfachgruppe Zimmerer und Holzbau“. Mehr als
450 Holzbau-Interessierte erhalten regelmäßig den Newsletter
des HBZ*SH. Ausführliche Infos sind auf der Website www.
hbz-sh.de zu finden.
„Mit diesem Naturprodukt
würde heute schon jeder vierte Auftraggeber gerne bauen“,
berichtet Schareck vom neuen Trend zum Holzbau. Und
Freiberg ergänzt: „Daher ist
der bisher schon erzielte Erfolg
des HBZ*SH für uns eine logische Folge der Umsetzung unserer konzeptionellen Ideen.“
Das Kompetenzzentrum ist auf
einem guten Weg, sich weiter
unentbehrlich zu machen rund
um den Holzbau im Norden
und bundesweit.
Rainer Thumann, Kiel ▪
Belau, BGV
E
▴▴Staatssekretärin Tamara Zieschang (Mitte) vom schleswig-holsteinischen
Wirtschaftsministerium übergibt im Mai 2012 den Förderbescheid an
BGV-Hauptgeschäftsführer Georg Schareck (l.) und HBZ*SH-Leiter Erik Preuß
Organ von Holzbau Deutschland – Bund Deutscher Zimmermeister
VII
Verband aktuell Aus den Landesverbänden
Deutscher Holzfertigbau-Verband (DHV)
„Allen 170 Mitgliedsbetrieben nutzen“
Der Deutsche Holzfertigbau-Verband (DHV) hat seit Oktober 2012 einen neuen
Präsidenten: Erwin Taglieber, Inhaber der Taglieber Holzbau GmbH mit
105 Mitarbeitern im bayerischen Oettingen. mikado unterhielt sich mit ihm.
„Dem Holzbau fehlt bisher eine gemeinsame Stimme, um
seine Meinung in der Öffentlichkeit zu vertreten.“
bau mit vorgefertigten Teilen
entscheidend voranzubringen.
Durch mein politisches Engagement erkannte ich, dass man
mehr erreichen kann, wenn man
selber aktiv wird. Deshalb habe
ich mich im vergangenen Oktober zur Wahl gestellt. Ich möchte dem DHV zu einer einheitlichen Linie verhelfen, hinter der
alle Mitgliedsbetriebe – ob groß
oder klein – stehen können.
mikado: Seit wann sind Sie Mitglied im DHV?
Erwin Taglieber: Seit seiner
Gründung 2010. Vorher waren
wir bereits Mitglied bei der Qualitätsgemeinschaft Holzbau und
Ausbau (QHA) – ebenfalls seit
ihrer Gründung in den 1960erJahren. Als vor ein paar Jahren die Diskussion aufkam, den
Deutschen Fertigbau Verband
(DFV), den Arbeitskreis Ökologischer Holzbau (AKÖH) und die
QHA zu fusionieren, war ich der
erste Fürsprecher, denn die Zersplitterung der Holzbaubranche
in viele kleine Verbände und Organisationen sah ich immer kritisch. Mir ist seit jeher an einer
einheitlichen Stimme der Branche gelegen.
Was sind Ihre Ziele?
Für Zielformulierungen müssen wir die Mitgliederstruktur
berücksichtigen. Die hat sich
durch die Fusion stark geändert und reicht nun von Zimmerer-Kleinstbetrieben über
holzbauaffine Architekten und
Ingenieure bis hin zu Holzfertighaus-Herstellern und großen Ingenieurholzbau-Betrieben. Wir
wollen gemeinsam daran arbeiten, für alle das Bestmögliche zu
erreichen, damit sich die Mitglieder beim DHV gut aufgehoben fühlen. Dabei ist es mir
wichtig, die Verbandsaktivitäten
so auszurichten, dass wirklich
alle 170 Mitgliedsbetriebe einen
Nutzen davon haben.
Holzbau über die Politik zu verbessern. Hier sind wir bereits
im Gespräch mit den Landesregierungen. Stichwort: Brandschutz bei Mehrgeschossern der
Gebäudeklassen 4 und 5. Hier
muss sich dringend etwas ändern. Die Anforderungen sind
derart überzogen, dass der Holzbau wirtschaftlich kaum konkurrenzfähig ist. Ziel muss sein,
der Musterbauordnung in den
einzelnen Ländern mehr Bedeutung zu verschaffen und die Abweichungen zu den Landesbauordnungen zu verringern. Über
unser Engagement auf Landesebene wollen wir den Fuß in die
Bundespolitik bekommen. Außerdem: Dem Holzbau fehlt bisher eine gemeinsame Stimme,
um seine Meinung in der Öffentlichkeit geschlossen zu vertreten. Das langfristig zu ändern,
sehen wir als eine der wichtigsten Aufgaben. Wir wollen den
DHV als größtem Verband für
den handwerklichen Holzfertigbau zu einem Branchenführer
machen, der in der Politik anerkannt ist und ein solches Gewicht hat, dass die Politik auf
Forderungen auch reagiert.
Was hat Sie motiviert, als Präsident zu kandidieren?
In der Fusion der vorher eigenständigen Organisationen sehe
ich eine große Chance, den Holz-
Was planen Sie konkret?
Vor allem wollen wir die Lobbyarbeit gegenüber der Politik
ausbauen und versuchen, die
Rahmenbedingungen für den
Welche Ziele haben Sie noch?
Wir wollen die Öffentlichkeitsarbeit optimieren. Außerdem sollen die Mitglieder verstärkt Unterstützung in ihren
VIII
mikado 3.2013
Verkaufsaktivitäten und beim
Ausbau der technischen Kompetenz erhalten. Hierfür wollen
wir z. B. qualitätsgeprüfte Regeldetails und Musterpläne für Prozessabläufe für alle Betriebsgrößen erarbeiten, die dann einen
direkten Nutzen für die tägliche
Arbeit liefern.
Wie soll die Öffentlichkeit den
DHV wahrnehmen?
Ziel muss sein, das DHV-Zeichen für den Endverbraucher
als Markenzeichen zu etablieren. Mit ihm soll er solide Arbeit assoziieren und wissen, dass
die Mitgliedschaft im DHV dafür steht, dass ein Betrieb sein
Handwerk versteht und ein Bauherr sich ihm bedenkenlos anvertrauen kann.
Sind Sie auch ein Ansprechpartner für die Mitglieder?
Auf jeden Fall. Nicht nur ich als
Präsident, sondern der gesamte
Vorstand steht den Mitgliedern
bei Bedarf beratend zur Seite.
Es gibt außerdem bundesweit
regionale Anlaufstellen, an die
sie sich vor Ort wenden können.
Dieses Netz wollen wir erweitern. Umgekehrt sind aber auch
Vorschläge und Ideen der Mitglieder immer willkommen.
Herr Taglieber, herzlichen Dank
für das Gespräch.
Herunterladen