Erfahrungsbericht

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Erfahrungsbericht
Wer sich nach erfolgreicher Bewerbung zum ersten Mal ernsthaft an die Vorbereitung seines
ERASMUS-Aufenthalts in Bologna setzt, denkt wahrscheinlich wie ich erstmal: Das wird eine Menge
Arbeit! Wohnung suchen, Learning Agreement zusammenstellen und so weiter und so fort! Im
Nachhinein stellt sich schnell heraus: ist alles ganz einfach! Ich kann und will in diesem kurzen
Erfahrungsbericht natürlich nicht auf jede Einzelheit eingehen, sondern möchte einige der
wesentlichen Punkte nur kurz ansprechen und dies mit einer Bitte verbinden: habt den Mut und das
Interesse, euren Studienaufenthalt in Bologna selber zu gestalten und zur besten Zeit eures Lebens zu
machen!
I.
Anreise
Bologna ist als Großstadt mit mehr als 350.000 Einwohnern über seinen internationalen Flughafen
Gugliemo Marconi außerhalb der Stadt und den Hauptbahnhof im Stadtzentrum sehr gut ans
Verkehrsnetz angebunden. Für Ankömmlinge aus Süddeutschland empfehle ich die Anfahrt mit dem
Zug: Von München pendelt ein Zug direkt bis nach Bologna, von Stuttgart geht es – mit Umsteigen –
über Zürich und Mailand. Schon allein das Panorama in der Schweiz bzw. Österreich lohnt sich. Wer
weiter nördlich wohnt, wird wohl auf den Flieger nicht verzichten können. Von Deutschland aus ist
Bologna unter anderem von Köln und Düsseldorf aus erreichbar. Innerhalb von Bologna operiert ein
funktionierendes Bussystem zu sehr vernünftigen Preisen. Monatstickets sind in jeder Tabaccheria
erhältlich (Preis: ca. 27 Euro).
II.
Wohnen
Bologna ist für Studenten keine billige Stadt. Das Wohnangebot ist äußerst breit gefächert was
Qualität und Preis angeht. Meiner Meinung nach ist eine Wohnung im Zentrum sehr wichtig, da die
Busse nachts (etwa ab Mitternacht) nicht mehr fahren. Natürlich finden sich auch Wohnheime und
Wohnmöglichkeiten außerhalb des Stadtkerns, aber die Möglichkeiten sind hier wie gesagt
eingeschränkt.
In Italien üblich ist die sogenannte „Doppia“, ein Doppelzimmer in Studenten-WGs. Die Preise
können hier zwischen 200 und 300 Euro variieren. Teurer ist ein Einzelzimmer, „Singola“ genannt.
Hier können insbesondere im Zentrum auch mehr als 450 Euro pro Monat fällig werden.
Am
häufigsten landet man in einer ERASMUS-WG mit anderen Kommilitonen aus dem Ausland.
Die Universität selber verweist auf ihrer Homepage auf mehrere Angebote (z.B. „HousingAnywhere“
oder „Postoletto“), die von der Universität, der Kommune Bologna oder privaten Anbietern betrieben
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werden. Hilfreich ist die Gruppe um Bussola (www.bussola.ceur.it) mit ihrem Büro in der Via
Zamboni. Am wichtigsten ist letztendlich: selber aktiv werden!
Da es auch in Bologna viele Angebote gibt, die im wahrsten Sinne des Wortes „Müll“ sind, ist es
wichtig, vor Ort zu suchen. Allerdings sind im August noch viele Einrichtungen geschlossen. Am
besten ist es daher, erst im September nach Bologna zu reisen und dann in aller Ruhe mit der Suche zu
starten. Eine Möglichkeit ist, in einer Jugendherberge für ein paar Nächte zu übernachten. Noch besser
ist die Organisation ER.GO: Im Internet (www.er-go.it) kann man sich für ca. zwei bis vier Wochen in
einem ihrer Wohnheime in Bologna einquartieren und von dort aus eine endgültige Bleibe suchen. Ich
habe es so gemacht und kann es nur weiterempfehlen!
III.
Universität
Bolognas Universität ist die älteste Universität Europas und genießt einen international
ausgezeichneten Ruf. Die meisten Universitätsgebäudebefinden sich im Stadtzentrum, das Herzstück
des pulsierenden Studentenlebens bildet die Via Zamboni mit der Piazza Verdi. In unmittelbarer Nähe
befinden sich auch die zentrale Univerwaltung (Via Zamboni 33) und – ganz wichtig für ERASMUSStudenten – das International Office (Via Filippo Re 4).
Mit über 80.000 Studenten, von denen sehr viele aus dem Ausland kommen, ist die Stimmung sehr
international. ERASMUS-Studenten sind untereinander gut vernetzt (es dürfte u.a. ein Dutzend
Facebook-Gruppen zu ERASMUS Bologna geben), die Organisationen ESN (www.esnbologna.org)
und ESEG (www.eseg.unibo.it) bieten tolle und abwechslungsreiche Programme für ERASMUSStudenten an, von Tanzkursen über Fahrten und natürlich jede Menge Partys. Über CUSB
(www.cusb.unibo.it) bietet die Universität zahlreiche Sportkurse an. Ich finde es auch sehr lohnend,
darüber hinaus mit den italienischen Studenten in Kontakt zu kommen. Wie heißt es so schön: Wer
Freunde sucht, wird Freunde finden. Bleibende Freunde!
Beim Vorlesungsprogramm kann ich nur für das Fach Rechtswissenschaft sprechen. Das angebotene
Programm ist äußerst vielfältig, mit Vorlesungen in italienischer und englischer Sprache. Die eine
„ERASMUS-Vorlesung“ gibt es nicht! Entscheidend ist eher, dass sich jeder selbst ein bisschen Zeit
und Interesse nimmt, um auf der Website das Unterrichtsangebot nach interessanten Veranstaltungen
zu durchkämmen. Prüfungen sind in der Regel mündlich. Vereinzelt werden aber auch schriftliche
Prüfungen angeboten, meist jedoch in Form eines Papers oder einer Art Multiple-Choice-Test.
Überhaupt sind die meisten Aufgaben online zu erledigen: Onlinekonto einrichten, Stundenplan
zusammenstellen, E-Mail-Konto der Universität verwalten sind nur die wichtigsten Aufgaben, die auf
diesem Wege auf einen zukommen. Auch für Prüfungen trägt man sich online ein. Da die Website
teilweise etwas unübersichtlich ist, braucht man ein bisschen Zeit, um sich einzuarbeiten, es lohnt sich
aber.
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Das Programm bietet alles in allem jedem eine unglaubliche Flexibilität. Wer das Gefühl hat, mit
seinen Kursen nicht zufrieden zu sein, kann grundsätzlich jederzeit wechseln, seinen Stundenplan neu
zusammenstellen und was vollkommen Neues ausprobieren. Vieles muss man – im positiven Sinne –
selber machen, wobei das International Office und die einzelnen Dozenten an den Fakultäten aber auf
Anfrage sehr hilfsbereit sind. Im Umkehrschluss hat jeder daher eine unglaubliche Freiheit, sein
Programm selber zu gestalten. Es ist mehr eine Chance als ein Hindernis!
IV.
Stadt
Bologna ist eine großartige Stadt, die mit vielen Kirchen, Museen und Einkaufspassagen bei Touristen
und ausländischen Studenten gleichermaßen beliebt ist. Insbesondere die Innenstadt ist natürlich sehr
einladend. Ein Spaziergang im Grünen, mit Gelegenheit zum Sporttreiben? Dann ab die in die
Parkanlagen des Giardino Margherita im Süden der Altstadt. Ein Einkaufsbummel (mit der
Möglichkeit zum Schröpfen der Kreditkarte)? Am Wochenende den Bereich um die Piazza Nettuno
aufsuchen, dann ist hier nämlich eine großräumige autofreie Zone eingerichtet. Eis- und Pizzabuden
gibt es wie Sand am Meer, und in einer der zahllosen Bars kann man sich verabreden und bei einer
Tasse Kaffee entspannen. Am gleichen Ort sind auch nachts dann die Partys der Stadt zu finden, an
der Piazza Verdi beispielsweise ist (fast) jede Nacht Party! Für viele Nachtklubs der Stadt bietet sich
neben den Ermäßigungen für ERASMUS-Studenten auf ERASMUS-Veranstaltungen auch das ARCITicket an.
V.
Reisen
Bologna liegt als Hauptstadt inmitten der malerischen Region Emilia-Romagna, in der unter anderem
die wunderschönen Städte Parma, Ferrara, Reggio Emilia, Modena, Ravenna und Rimini liegen. Wer
auf eigene Faust die Region bereisen möchte, kann dies günstig per Zug unternehmen. Diese fahren
regelmäßig, die Fahrzeit beträgt maximal eine Stunde. Zeit hat man als ERASMUS-Student sowieso
mehr als genug!
ESN und ESEG bieten darüber hinaus zahlreiche Reisen in ganz Italien an. Egal ob es nach Rom,
Mailand oder Neapel geht, das Programm ist erschwinglich und vielfältig, mit tollen Gelegenheiten für
einmalige Erfahrungen. Wer Mitglied wird, wird regelmäßig über die anstehenden Reisen informiert.
Urlaubsparadiese bietet Italien mehr als genug, und von Bologna aus sind sie alle erreichbar. Warum
nicht an das Studium noch eine Woche Urlaub in Sardinien oder der Toskana anhängen?
VI.
Fazit
Für mich persönlich kann ich sagen, dass das Jahr mit ERASMUS in Bologna ein absoluter
Höhepunkt war. Auch innerhalb von zwei Semestern konnte ich gar nicht alles machen, was ich
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machen wollte! Umso wichtiger ist, sich zu entscheiden, die Sachen anzuschauen, die Erfahrungen zu
machen und die Erinnerungen mitzunehmen. Was immer sich jeder selbst von seinem Aufenthalt an
der Universität Bologna verspricht oder erträumt und an Zielen setzt: hier hat er auf jeden Fall die
Möglichkeit, sie sich zu erfüllen!
A. Rickelt
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