Nutzung der Erdwärme mittels Erdwärmesonden

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Nutzung von Erdwärme mittels
Erdwärmesonden
Anforderungen an das Speichergestein
Alexander Proske1
1
TU Bergakademie Freiberg
Abstract. Seit dem 18. Jahrhundert wird der Wärmestrom im Erdinneren erforscht. Die geothermische Energie ist eine der regenerativen Energien und für uns
zu jedem Zeitpunkt nutzbar. Dies geschieht beispielsweise durch Erdwärmesonden. Im Folgenden sollen die Anforderungen an das Speichergestein vorgestellt
und diskutiert werden, sowie ein Speichergestein definiert werden. Der Prozess
des Wärmestroms als natürlicher Motor der Geothermie, die Wärmeübertragung
mittels Konduktion und Konvektion, die Veränderung des Temperaturfeldes im
Erdinneren sowie weitere damit verbundene Prozesse werden erläutert. Für die effiziente Auslastung der Erdwärmesonden ist es notwendig alle damit in Verbindung stehenden Attribute und Vorgänge zu betrachten.
Einleitung
Unsere Erde bietet alle Arten von Bodenschätzen. Unter anderem auch Erdwärme.
Geowissenschaftler schätzen die Temperatur im Erdkern auf bis zu 5000°C. Durch
radioaktive Zerfallsprozesse im Erdmantel wird die aus der Erdentstehung resultierte Wärmemenge nachgeheizt. Somit steigt ein permanenter Wärmestrom aus
der Tiefe zur Erdoberfläche. Teilweise wird dieser an der Erdoberfläche, durch
Magmenbewegungen, sogar deutlich spür- und sichtbar.
Bereits vor 200 Jahren erkannte Alexander von Humboldt, dass die Temperatur
mit zunehmender Tiefe ansteigt. Durch genaue Messungen stellte er einen Temperaturgradienten von etwa 3,1 Kelvin je 100 Metern Tiefe fest. Genau hier setzt die
Wissenschaft der geothermischen Energienutzung an.
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Alexander Proske
Als ganzjährig nutzbare Energieressource und in Tiefen von über 20 Metern
unabhängig von der Witterung verfügbar, ist Erdwärme außerdem auch umweltfreundlich und schont die fossilen Energiequellen. Die Nutzung der Erdwärme,
auch geothermische Energie genannt, erfolgt vorrangig auf 3 verschiedenen Wegen. Unter der oberflächennahen Geothermie im Temperaturbereich zwischen 8
und 25°C ist neben Kollektoren und Grundwasserbrunnen mit Wiedereinspeisung
die Gewinnung durch Erdwärmesonden am weitesten verbreitet. Durch Erdwärmesonden ist die Erdwärme bis in Tiefen von 400 Metern nutzbar, wobei es auch
großwirtschaftliche Anlagen bis in Tiefen von über 1000 Metern gibt.
Abbildung 1. Aufbau einer herkömmlichen Erdwärmesonde
Quelle: Leitfaden zur Nutzung von Erdwärme mit
Erdwärmesonden; Landesamt für Umwelt und Geologie
Zu der Nutzung durch besagte Sonden gehört eine Wärmequellenanlage um die
Energie aus dem Speichermedium zu fördern, sowie eine Wärmepumpe mit Wärmenutzungsanlage. Für diese Abhandlung spielt nur die Wärmequellenanlage eine
Rolle. Die Kunst der Wärmesonden besteht darin, sich die spezifischen Eigenschaften der Speichergesteine zu Nutzen zu machen und eine maximale Ausnutzung zu ermöglichen. Eine Erdwärmesonde besteht meist aus einem U-Rohr (oder
Kunststoff-Koaxialrohr), welches in ein vertikales, selten schräges, Bohrloch, versenkt wird. Über eine Wärmeträgerflüssigkeit, auch Sole genannt, wird dem um-
Nutzung von Erdwärme mittels Erdwärmesonden
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gebenden Gestein Wärme entzogen. Da das Rohr nicht passgenau der Bohrung ist,
wird ein höchst wärmeleitfähiges Material verpresst, welches die Verbindung zum
Speichergestein herstellt. Durch die verlegten Rohre strömt die Trägerflüssigkeit
und erwärmt sich mit zunehmender Tiefe. Aufgeheizt wird sie wieder Zutage gefördert und in der Wärmepumpe für den Verbraucher nutzbar gemacht. Da dem
Gestein Wärme entzogen wird, muss ihm auch wieder Energie zugeführt werden.
Die entnommene Energie strömt aus dem umgebenden Gestein nach. Hier werden
die wichtigen Parameter bereits deutlich. Im Mittelpunkt stehen die spezifische
Wärmeleitfähigkeit sowie die spezifische Heizkapazität der Gesteine. Auf die spezifischen Eigenschaften der Speichergesteine sowie des Überträgermaterials soll
nun im Folgenden näher eingegangen werden.
Speichergesteine
Alle nutzbaren Fluide brauchen für ihre Ansammlung Speichergesteine. Augenmerk liegt vor allem auf 2 Typen. Auf der einen Seite die porösen und auf der anderen die geklüfteten Speichergesteine. Zu den porösen Gesteinen zählen die Sedimentgesteine. Sie besitzen die Fähigkeit Fluide aufzunehmen und wenn die
Poren weit genug sind, ist sogar die Bewegung der Fluide möglich. Grund hierfür
sind die einzelnen Sedimentpartikel oder –körner welche Zwischenräume (Poren)
offenlassen die miteinander in Verbindung stehen. Man spricht in diesem Fall von
Permeabilität. Die Strömungsmöglichkeit hört auf wenn die Poren sehr klein sind.
Bei diesem Fall spricht man von Impermeabilität. Im Zusammenhang mit der
Konduktion sind dies entscheidende Faktoren bei der Suche nach geeigneten Speichergesteinen. Speicher der porösen Art bezeichnen wir als Porenspeicher oder
Aquifere und sind besonders in Regionen mit warmen Tiefenwässern bedeutsam.
Aufgrund der stark erhitzten Wässer in vulkanischen Regionen sind hier die Speicher mit starker Klüftung wichtig. Man spricht dabei von Kluftspeichern. Es handelt sich hier um kristalline Gesteine, wie Quarzite, Glimmerschiefer, Marmore
usw. welche über ein ausgeprägtes System von Rissen und Klüften verfügen. Die
Klüfte dienen hier als ideale Leitungskanäle für Fluide aller Art.
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Alexander Proske
Ein Zusammenhang beider Speichergesteine entsteht, wenn sich die in zerklüfteten Gesteinen aufsteigenden Wässer an Verwerfungszonen in intergranular-poröse
Speicher ausbreiten und hier die Lagerstätten heißer Fluide ausbilden.
Die Bedingungen für eine wirtschaftliche Wärmenutzung
Das Grundprinzip der geothermischen Energienutzung mittels Erdwärmesonden
beruht auf dem Wärmestrom im Erdinneren, speziell dem konduktiven Wärmetransport. Als Randbedingungen gelten der regionale Wärmefluss, sowie der konvektive Wärmetransport. Neben diesen Anforderungen die in den Speichergesteinen gegeben sein müssen spielt auch die Neuproduktion von Wärme eine
wesentliche Rolle. Dies geschieht durch radioaktive Zerfallsprozesse. Die Elemente Uran, Thorium und Kalium sind an dieser Stelle ausschlaggebend. Sie sind die
wichtigsten wärmeproduzierenden Elemente denn ihr Zerfall führt zur Abgabe
von Energie in Form von Wärme.
Zunächst etwas zum konduktiven Wärmetransport. Unter Konduktion, oder Wärmeleitfähigkeit, versteht man in der Regel den Wärmetransport vom Medium höherer Energie (Temperatur) zum Medium niederer Energie. Konduktion findet in
Festkörpern statt, so auch in unserem Fall der Erdwärmesonde. Diese entzieht dem
umgebenden Gestein Wärme welche aus den wiederum angrenzenden Gesteinen
nachgeliefert wird. Um einen wirtschaftlichen Wärmetransport zu gewährleisten
setzen wir bestimmte Anforderungen an das Speichergestein. Die Hauptrolle spielt
die Wärmeleitfähigkeit sowie die Wärmeabgabe des Gesteins. Die Wärmeleitung
erfolgt über die Atome der Feststoffe und ist daher sehr langsam.
Ein schnellerer Transport lässt sich über die Konvektion erzielen. Konvektion findet durch großräumigen Transport heißen Materials in Flüssigkeiten statt. Diese
ist im Fall der Erdwärmesonden aber nur eine Randbedingung, da wasserführende
Schichten nicht Ziel dieser Wärmenutzung sind.
Die zweite Randbedingung, der Wärmefluss, ergibt sich aus der geothermischen
Tiefenstufe sowie der Leitfähigkeit (Formel 1).
Nutzung von Erdwärme mittels Erdwärmesonden
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ä ä
(Formel 1)
Wobei gilt:
Tabelle 1. Wichtige wärmeproduzierende Elemente
Quelle: Homepage Uni-Karlsruhe
Element [ppm]
Granit
Basalt
Peridotit
Uran
4
0,5
0,02
Thorium
13
2
0,06
Kalium
4
1,5
0,02
7,3
1,2
0,25
Als letztes noch kurz etwas zu den radioaktiven Zerfallsprozessen in den oberflächennahen Gesteinen (Tab.1).
Die wichtigsten sind Uran, Thorium und Kalium. Aus Tabelle 1 wird deutlich,
dass Granit das Gestein ist welches die höchste Neuproduktionsrate von Wärme
besitzt. Mit 7,3 µcal/g*a ist diese etwa sechsmal so hoch wie die im Basalt. Ausschlaggebend ist der, im Verhältnis zu den anderen Gesteinen, hohe Anteil an
Uran und Thorium im Granit.
Ein ebenfalls wichtiger Faktor ist der geothermische Gradient für die spätere Planung und Leistungsberechnung der Erdwärmesonde. Er ist das Ergebnis der P-Tz-Funktion, d.h. die Temperatur nimmt mit der Tiefe (z) zu. Allerdings ist der
Gradient nicht in allen Bereichen konstant. Während er in stabilen kontinentalen
Krustenbereichen bei circa 30°C/km liegt, liegt der niedrige geothermische Gradient, zum Beispiel an Subduktionszonen oder Versenkungen und Überlagerung
von Sedimenten in Sedimentbecken, bei 10°C/km sowie der höhere thermische
Gradient, zum Beispiel infolge von Intrusion heißen Magmas in kühleres Umgebungsgestein, bis circa 100°C/km.
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Alexander Proske
All diese Faktoren sind ausschlaggebend für eine funktionstüchtige Anlage zur
Nutzung der Erdwärme. Beschäftigen wir uns nun weiter mit den relevanten Festgesteinseigenschaften und geben einen Überblick (Tabelle 2).
Signifikante Zusammenhänge zwischen Dichte, Thermischer Konduktivität sowie
volumenabhängiger spezifischer Heizkapazität können in der Tabelle 2 nicht ausgemacht werden. Die Dichte hat höchstens einen Einfluss auf die volumenabhängige spezifische Heizkapazität, da hier bei geringeren Dichten auch kleinere cpWerte angegeben werden. Lediglich in den Lockergesteinen wird der Einfluss der
Fluide deutlich sichtbar. Die wassergesättigten Lockergesteine zeichnen sich
durch den erheblich höheren thermischen Konduktivitätswert aus. Allein im Sand
steigt der Wert von 0,8 W/(m*K) im trockenen auf 5,0 W/(m*K) im wassergesättigten Zustand. Die thermische Konduktivität hingegen steht in engem Zusammenhang mit der mineralischen Zusammensetzung des jeweiligen Gesteins (Tabelle 3).
Tabelle 2. Verhältnis zwischen höchster und niedrigster
Konduktivität ausgewählter Minerale
Quelle: Buntebarth G., Geothermics, S.13
Mineral
Quarz
2,1
Feldspat
1,1
Olivin
2,0
Orthopyroxen
1,9
Max
Min
Anhand Tabelle 3 wird deutlich dass Gesteine mit hohem Quarz- oder Olivingehalt wesentlich größere Unterschiede in ihren Konduktivitäten erreichen als feldspathaltige Gesteine. Das Verhältnis KMax zu KMin liegt dort bei 1,1, was wiederum
bedeutet dass die Spanne zwischen beiden Werten sehr gering ausfällt. Im Falle
Nutzung von Erdwärme mittels Erdwärmesonden
Tabelle 3. Spezifische Eigenschaften von Speichergesteinen
Prof. Dr. rer. nat. habil. Steffen Wagner
Dichte ρ
in 10³
kg/m³
Thermische
Konduktivität λ
in W/(m K)
Volumenabhängige spezifische
Heizkapazität ρ cp
in MJ/(m³ K)
2,6-3,2
2,9-3,0
2,8-3,1
2,4-3,0
3.0
~2,6
1,3-2,3(1,7)
2,0-2,9(2,6)
1,7-2,5(1,9)
2,4-4,1(3,4)
3,8-5,3(4,0)
3,1-3,4(3,3)
2,3-2,6
2,9
2,6
2,1-3,0
2,7
2,1
Gneis
Marmor
Metaquarzit
Glimmerschiefer
Tonschiefer
Sedimente
2,4-2,7
2,5-2,8
~2,7
~2,6
2,7
1,9-4,0(2,9)
1,3-3,1(2,1)
~5,8
1,5-3,1(2,0)
1,5-2,6(2,1)
1,8-2,4
2,0
2,1
2,2
2,2-2,5
Kalkstein
Mergel
Quarzit
Salz
Sandstein
Steinkohle
Tonstein/Siltstein
Lockergestein
2,6-2,7
2,5-2,6
~2,7
2,1-2,2
2,2-2,7
1,7-2,2
2,5-2,6
2,5-4,0(2,8)
1,5-3,5(2,1)
3,6-6,6(6,0)
5,3-6,4(5,4)
1,3-5,1(2,3)
0,3-0,6(0,3)
1,1-3,5(2,2)
2,1-2,4
2,2-2,3
2,1-2,2
1,2
1,6-2,8
1,3-1,8
2,1-2,4
Kies, trocken
Kies, wassergesättigt
Moräne
Sand, trocken
Sand, wassergesättigt
Ton/Silt, trocken
Ton/Silt, wassergesättigt
Torf
Andere
2,7-2,8
~2,7
2,0-2,2
2,6-2,7
2,6-2,7
~2,3
~2,4
~0,9
0,4-0,5(0,4)
~1,8
1,0-2,5(2,0)
0,3-0,8(0,4)
1,7-5,0(2,4)
0,4-1,0(0,5)
0,9-2,3(1,7)
0,2-0,7(0,4)
1,4-1,6
~2,4
1,5-2,5
1,3-1,6
2,2-2,9
1,5-1,6
1,6-3,4
0,5-3,8
Bentonit
Beton
Eis
Kunststoff
Luft
Stahl
Wasser
1,8-2,3
~2,0
0,92
0,9-1,2
0,0012
7,8
0,999
0,5-0,8(0,6)
0,9-2,0(1,6)
2,32
0,39
0,02
30-60
0,59
~3,9
~1,8
1,87
2,0
0,0012
3,12
4,15
Gestein
Magmatite
Basalt
Diorit
Gabbro
Granit
Peridotit
Rhyolith
Metamorphe
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Alexander Proske
von Quarz, Olivin und Orthopyroxen ist dies anders. Diesen Unterschied beschreibt man als thermische Anisotropie der Minerale. Die Unterschiede entstehen
durch die unterschiedliche Beschaffenheit. Minerale können längliche Ausdehnungen und Laminierungen aufweisen wodurch sich eine richtungsabhängige
Konduktivität ergibt. Auch durch metamorphe Beanspruchung kann diese beeinflusst werden. Dies spiegelt sich auch in Tabelle 2 wieder. Die Konduktivität wird
dort mit einer Spanne angegeben. Es fällt auf, dass die Sedimente, speziell Quarzit
und Salz die höchste Konduktivität besitzen, gefolgt von den Magmatiten (Peridotit, Granit, Rhyolith) und Metamorphiten (Gneis). Der Metaquarzit als metamorph
überprägter Quarzit fällt unter den Metamorphiten besonders auf. Die Wärmeleitfähigkeit erhöht sich wenn die Atompackung dichter wird und verringert sich
durch Fehler in der Gitterstruktur, Einschlüsse von Fremdionen oder -stoffen sowie durch Ausbildung von Poren.
Jedoch ist unter den anderen Stoffen besonders der Bentonit hervorzuheben, der
als Füllmittel für die Bohrlochwandungen verwendet wird. Bentonit ist ein keramischer Werkstoff, der sich durch seine geringe Dichte und die guten thermischen
Eigenschaften auszeichnet. Er gehört zu der Gruppe der Smektite. Die volumenabhängige spezifische Heizkapazität von circa 3,9 MJ/(m³K) wird von keinem anderen Stoff außer Wasser erreicht. Wieso ist dies so bedeutsam? Bentonit dient für
die bereits oben erwähnte Wärmeübertragung zwischen Sonde und Bohrlochwandung. Wasser kann in diesem Zusammenhang aufgrund seiner viskosen Eigenschaften nicht verwendet werden.
Da eine Erdwärmesonde von einem Fluid durchspült wird, welche als Trägermaterial dient um die Wärme aus der Tiefe zu fördern, muss auch ein Blick auf dessen
Eigenschaften geworfen werden. Das Fluid muss vor allem eine hohe Heizkapazität aufweisen bei gleichzeitig geringer thermischer Wärmeleitfähigkeit. Sie soll
die Wärme aufnehmen aber beim Aufsteigen möglichst wenig wieder an die kühler werdende Bohrlochwandung abgeben.
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Die Parameter in der Theorie
Alle genannten Parameter sind bereits in verschiedensten Formeln verwendet. Im
Folgenden 2 der Formeln mit ihrer Anwendung.
Formel von Ingersoll (1948)
∆ 0,1833 )
1
2
+log/0 2 3 0,106 3 0,3516
*
1
∆T
Q
λ
r
t
α
ρ
cp
…Temperaturänderung
…Wärmefluss je Meter
…Thermische Konduktivität
…Abstand vom Bohrmittelpunkt
…Zeit
…Thermische Diffusität =λ/ρcp
…Dichte des Gesteins
…Spezifische Heizkapazität bei
ρ = konst.
Formel von Cekaljuk (1965)
)
28*
9
+surf 3
: borehole6
+6
2
mit
+6 ln +1 3 ;
81
b2
Q
λ
L
Tsurf
Tborehole
ω
α
ρ
c
t
rb
…Heizkapazität
…Thermische Konduktivität
…Länge der Bohrung
…Oberflächentemperatur
…Bohrlochtemperatur
…geothermischer Gradient
…Thermische Diffusität =λ/ρc
…Dichte des Gesteins
…Spezifische Heizkapazität
…Zeit
…Bohrlochradius
Die Formel von Ingersoll beschreibt die Temperatur in Abhängigkeit von der Entfernung zur Sonde, während Cekaljuk speziell die Heizkapazität für die Bohrung
berechnet. Für die effektive Nutzung und Planung sind beide Formeln unabdingbar.
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Alexander Proske
Wärmeleitung mittels Fluiden in Speichergesteinen
Bereits im oberen Teil wurde die Konvektion angesprochen. Sie ist die schnellste
Möglichkeit Wärme durch Gesteinsschichten zu transportieren und daher auch für
die Nutzung durch Erdwärmesonden relevant. Konvektion bedeutet die Mitführung von Wärme mittels größerer beweglicher Flüssigkeitsteilchen. Jedoch unterscheidet man hier nach freier Konvektion sowie erzwungener Konvektion. Der
Bewegungsantrieb bei freier Konvektion sind die durch Temperaturunterschiede
hervorgerufenen Dichteunterschiede. Durch ein von außen erzeugtes Druckgefälle
ergibt sich dann die erzwungene Konvektion. Die Flüssigkeit dringen in Poren
oder Klüfte ein und sorgen dort für eine wesentlich bessere Wärmeleitung als in
trockenen Speichergesteinen. Eine Steigerung kann erreicht werden, wenn die
Fluide zusätzlich noch zirkulieren. Dies kann durch Druckunterschiede erfolgen,
wodurch die Flüssigkeiten in die Klüfte gepresst oder gesogen werden.
Hot-Dry-Rock
Neben der Wärmeleitung mittels Fluiden wurde bereits die Wärmeübertragung
über Konduktion angesprochen. Im Falle des Hot-Dry-Rock ist sie der verantwortliche Prozess für das Nachheizen bei Energieentnahme. Das wirtschaftliche
Problem bei der Nutzung trockener Wärmespeicher liegt in der Tiefe der Bohrung.
Sie muss über 3000m tief sein um effizient zu arbeiten. Erst in dieser Tiefe erreicht man günstige Temperaturen um den künstlichen Wärmetauscher im Erdinneren einzurichten. Die Hot-Dry-Rock –Methode ist der Erdwärmesonde sehr ähnlich. Jedoch werden hier im trockenen Gestein Kanäle aufgebrochen und mit
Trägerflüssigkeit durchspült. Diese wird dann über eine Sonde wieder nach oben
transportiert.
Nutzung von Erdwärme mittels Erdwärmesonden
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Veränderungen des Temperaturfeldes
In der Erdkruste kann es zu Veränderungen des Temperaturfeldes kommen, wenn
folgende Szenarien eintreten:
-
Veränderung infolge variabler Oberflächentemperatur und Veränderung
des Reliefs
-
Veränderung durch Einlagerung unterschiedlicher Wärmeleitfähigkeit
-
Veränderung infolge geologischer Prozesse
-
Veränderung infolge technischer Prozesse
Veränderungen infolge variabler Oberflächentemperaturen und Veränderungen
des Reliefs entstehen durch horizontale Gradienten an der Erdoberfläche. Diese
bewirken Temperaturstörungen bzw. Gradientänderungen, welche sich in große
Tiefen fortpflanzen. Die Oberflächentemperaturschwankungen werden in zwei
Kategorien eingeteilt. Einerseits die die sich periodisch ändernden (Tages- und
Jahresperiode) und andererseits die aperiodischen Schwankungen (modelliert
durch Temperatursprung an der Oberfläche). Sie wirken sich auf die Temperatur
in Abhängigkeit von der Tiefe aus. Als zweiter Punkt wurde das Relief genannt.
Die Isothermen der Wärmestromwerte verlaufen parallel zur Erdoberfläche.
Kommt es nun zu Veränderungen im Relief verändern sich auch die horizontalen
Temperaturgradienten und somit entsteht ein Einfluss auf das Temperaturfeld.
Unterschiedliche Einlagerungen unterschiedlicher Wärmeleitfähigkeiten können
durch geologische Strukturen oder Störkörper entstehen, die sich in ihren spezifischen Eigenschaften vom eigentlichen Speichergestein unterscheiden. Ihre Leistung muss durch numerische Verfahren berechnet werden. Analytische Verfahren
können angewendet werden wenn es sich um einfache Probleme, wie horizontale
Schichtung, vertikale Grenzflächen oder Einlagerungen von Kugeln, Zylindern
und Ellipsoiden handelt. Generell lässt sich sagen, dass Einlagerungen höherer
Wärmeleitfähigkeiten eine größere Gradientenstörung bewirken als Einlagerungen niedriger Wärmeleitfähigkeiten (CARSLAW u. JÄGER, 1959).
Zu den geologischen Prozessen, die relevant auf die Veränderungen der Temperaturfelder einwirken zählen die Abkühlung von Intrusivkörpern, die Wärme an das
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Alexander Proske
Umgebungsgestein abgeben, die Oxidation der Sulfide, bei deren Reaktionen
Wärme freigesetzt wird sowie Temperatur und Inkohlung, deren Inkohlungsgrad
als Maß für die Temperatur verwendet werden kann.
Als letztes noch die technischen Prozesse deren Einfluss auf die Temperaturänderungen signifikant sind. Hier stellen sich besonders 2 Probleme. Zunächst der
anthropogene Einfluss auf die Gebirgstemperaturen durch bergmännische Arbeiten. Die Bewetterung von Bergwerken hat eine Auskühlung des Umgebungsgesteins zur Folge und damit Einfluss auf die geothermische Nutzung. Der zweite
Einfluss ist die Endlagerung von radioaktiven Abfällen. Wie bereits oben erläutert
entsteht infolge radioaktiver Zerfallsprozesse Wärme. Da mit der Endlagerung
nicht gleichzeitig die Zerfallsprozesse gestoppt werden, kommt es hier zum weiteren Nachheizen unter der Erdoberfläche.
Probleme der Erdwärmesonden
Das Fehlen einer statistisch fundierten Datenbank, in der sich die Variabilität innerhalb jeder Gesteinsart ausdrückt erschwert die kosten- und nutzenoptimierte
Auslegung von Erdwärmesonden. Eine entsprechende Standardabweichung um
den Mittelwert der Gesteinsarten wäre ein gelungener Ansatz. Während eine solche Datenbank in anderen Ingenieurswissenschaften längst Standard ist, stellt sich
dies hier als Hindernis für Investition und Planung von Erdwärmesonden dar.
Quellenverzeichnis
Sächsisches Landesamt für Geologie und Umwelt (2009) Leitfaden zur Nutzung von Erdwärme mit Erdwärmesonden, Referat 104 – Rohstoffgeologie
OELSNER, C. (1982): Grundlagen der Geothermik, Sektion Geowissenschaften der Bergakademie Freiberg, pp. 1-144. 244pp.
MEINHOLD, R. (1981): Energie aus der Tiefe, Kleine Naturwissenschaftliche Bibliothek,
Band 50, BSB B. G. Teubner Verlagsgesellschaft Leipzig, pp. 14-61. 115pp.
BUNTEBARTH, G. (1984): Geothermics - An Introduction, Springer-Verlag Berlin Heidelberg, pp. 9-93. 144pp.
BEARDSMORE, G. R., CULL J. P. (2001): Crustal Heat Flow – A Guide to Measurment and
Modelling, Cambridge University Press, pp. 23-235. 324pp.
Nutzung von Erdwärme mittels Erdwärmesonden
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SCHULZ, WERNER, RUHLAND, BUßMANN (1992): Geothermische Energie – Forschung und
Anwendung in Deutschland, Verlag C.F. Müller Karlsruhe, pp. 7-189. 216pp.
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