Gesundheitsgespräch - Bayerischer Rundfunk

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Gesundheitsgespräch
Diagnose Brustkrebs - Therapien und Lebenshilfe
Sendedatum: 19.11.2016
Expertin: Prof. Dr. Nadia Harbeck, Leiterin des Brustzentrums der Universität
München (LMU)
Autorin: Susanne Pfaller
Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung der Frau. Dabei wandeln sich
Brustdrüsenzellen in bösartige Zellen um. Diese Tumorzellen können auch in
den Körper streuen, wobei zum Beispiel Knochen-, Lungen- oder
Lebermetastasen entstehen: Das sind Krebs-Zellen aus der Brust, die sich
bösartig verändert und Absiedlungen gebildet haben.
Brustkrebs betrifft etwa jede achte bis zehnte Frau in Europa. In Deutschland
gibt es nach aktuellen Angaben des Robert-Koch-Institutes eine
Neuerkrankungsrate von etwa 75.000 Frauen pro Jahr. Jedes Jahr sterben
circa 15 bis 17.000 Frauen an Brustkrebs. Genaue Zahlen liegen nicht vor, ein
bundesweites Krebsregister wird gerade eingeführt. In der Region München
und Oberbayern gibt es das Tumorregister des Tumorzentrums München.
Fest steht jedoch, dass meist Frauen ab dem 50. Lebensjahr an Brustkrebs
leiden, aber auch junge Frauen können erkranken. Wegen der Häufigkeit und
der Gefährlichkeit, aber auch dem Bezug zur weiblichen Brust ist diese
Krebsart wie wenige andere mit Ängsten befrachtet. Doch die Heilungschancen
steigen.
Dem Text liegt ein Interview mit Prof. Dr. Nadia Harbeck, der Leiterin des
Brustzentrums der LMU München, zugrunde.
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Diagnose Brustkrebs - Vorsorge kann Leben retten
Nur jede zehnte Frau geht regelmäßig zur Brustkrebsfrüherkennung. Dabei
lautet die Devise: Je früher man die Erkrankung entdeckt, desto besser.
Selbst ertasten kann eine Frau einen Knoten in der Brust, wenn er etwa einen
Durchmesser von einem Zentimeter hat. Bei der Früherkennung, zum Beispiel
mithilfe der Mammographie, kann man sehr viel kleinere Tumoren sehen und
auch Vorstufen erkennen.
Tipp: Wie eine optimale Vorsorge aussieht
• Jede Frau, auch junge Frauen, sollte mindestens einmal im Jahr zum
Frauenarzt gehen, damit die Krebsvorsorge durchgeführt wird. Dazu
gehört sowohl der Unterleib, also die Krebsvorsorge bei der
Gebärmutter, als auch das Abtasten der Brust durch den Arzt.
• Außerdem wird empfohlen, die Brust selber abzutasten.
• "Daneben ist eine regelmäßige Mammographie sinnvoll. Eine
Basismammographie als Vergleichsbasis für spätere Untersuchungen
sollte ab dem 35. Lebensjahr erfolgen. Eine regelmäßige Mammographie
empfehlen wir dann spätestens ab dem 50. Lebensjahr", betont
Professor Dr. Nadia Harbeck.
• Wenn Frauen ein familiäres Risiko haben, sollte man die
Mammographie, aber auch die Tastuntersuchung und den Ultraschall
früher durchführen. Das kann man mit dem Frauenarzt besprechen.
Risiko Mammographie? Die Angst vor der Strahlenbelastung
Argumente für die Mammographie:
• Der eindeutige Nutzen einer Mammographie ab dem 50. Lebensjahr ist
klar bewiesen, vor allem weil das Risiko zu erkranken ab diesem Alter
deutlich erhöht ist.
• Auch das Risiko, durch die Bestrahlung an Krebs zu erkranken besteht
eher theoretisch.
"Meine Kollegin Professor Heywang-Köbrunner bringt den recht eindrucksvollen
Vergleich, dass das Risiko durch die Mammographie Krebs zu bekommen, dem
Risiko entspricht, von ein bis drei Zigaretten pro Jahr Lungenkrebs zu
bekommen." Prof. Harbeck
Mammographie-Screening
Im September 2002 beschloss der Bundestag die deutschlandweite Einführung
eines Mammographie-Screeningprogramms DMS (Röntgenreihenuntersuchung
der Brust) zur Brustkrebsfrüherkennung bei Frauen im Alter von 50 bis 69
Jahren. Dadurch sollen die Frauen für diese Krebsart sensibilisiert und die
Heilungschancen wesentlich verbessert werden. Seit dem 1.1.2004 hat jede
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Frau in dieser Altersgruppe in Deutschland alle zwei Jahre einen Anspruch auf
eine Mammographie.
Die Frauen brauchen selbst nicht aktiv zu werden, denn die Einladung zum
Screening kommt per Post ins Haus, aber die Frauen können auch eine
Mammographie einfordern.
Wie der Standard gewahrt wird
Um eine hohe Erkennungsrate gewährleisten zu können, gelten bundesweit
einheitliche Qualitätsanforderungen an die Ärzte. Die Mediziner wie auch das
Untersuchungspersonal müssen regelmäßig an Fortbildungskursen teilnehmen,
damit sie auch die schwierigsten Befunde erkennen. Als Screeningarzt kann
nur arbeiten, wer jährlich über 5.000 Mammographien durchführt.
Auch auf dem Land
Da die Anfahrtswege für die Frauen kurz sein sollen, wurde das Bundesgebiet
in Screeningregionen unterteilt, die alle über ein eigenes
Untersuchungszentrum verfügen. Um die Schwellenangst zu verringern,
werden die Zentren möglichst nicht in Kliniken integriert, sondern in neutralen
Räumen untergebracht. In ländlichen Gegenden sind "Mamma-Busse" im
Einsatz, die die einzelnen Städte und Dörfer einer Region zum Test vor Ort
anfahren. In Bayern gibt es seit 2004 ein bayernweites MammographieScreening Programm (BMS).
Mammographien bereits ab dem 40. Lebensjahr?
In den USA empfehlen Ärzte regelmäßige Mammographien bereits ab dem 40.
Lebensjahr. Prof. Harbeck hält dies nicht in jedem Fall für sinnvoll:
• Im Alter zwischen 40 und 50 Jahren ist die Mammographie nicht so
verlässlich, da das Drüsengewebe noch sehr dicht ist.
• Zudem ist das Gewebe aufgrund der Hormonaktivität strahlensensibler.
"Wir wissen jedoch, dass in Ländern, in denen gescreent wird, die Sterberate
der Brustkrebsfälle deutlich zurückgegangen ist. Experten sprechen davon,
dadurch die Sterblichkeit um ein Drittel bis zur Hälfte reduzieren zu können,
weil man die Tumoren früher erkennt und damit besser behandeln kann." Prof.
Harbeck
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Diagnose Brustkrebs - Selbstbeobachtung der Brust
Niemand kennt die Brust besser als die Frau selbst. Sie bemerkt häufig die
ersten Warnsignale. Mindestens einmal im Monat sollte sich deshalb jede Frau
eingehend mit ihrer Brust befassen, sie beobachten und abtasten. Die ständige
Kontrolle schärft die Sensibilität für kleinste Veränderungen.
Die wichtigsten Regeln für die Tastuntersuchung
• Der beste Zeitpunkt ist kurz nach der Periode.
• Abtasten am besten unter der Dusche, weil durch das Wasser der
Hautwiderstand verringert wird.
• Die gesamte Brust am besten kreis- oder meanderförmig abfahren und
oberflächlich und in der Tiefe abtasten, um etwaige knotige
Veränderungen festzustellen, die vorher noch nicht bemerkt wurden.
Beeinflusst die Lebensführung das Brustkrebsrisiko?
"Die eine Ursache für Brustkrebs gibt es nicht. Brustkrebs ist ein
multifaktorielles Geschehen. Das heißt: Brustkrebs hat viele Einflüsse. Und
insofern ist eine gesunde, ausgeglichene Lebensführung sicherlich hilfreich,
aber es gibt zu vielen Dingen keine konkreten Zusammenhänge. Regelmäßige
körperliche Aktivität und ein normaler Body Mass Index senken jedoch
nachgewiesenermaßen das Brustkrebsrisiko und erhöhen bei bereits
betroffenen Frauen die Heilungschancen nach Erstdiagnose." Prof. Harbeck
Erhöht die Einnahme von Hormonen das Brustkrebsrisiko?
In großen Studien hat man herausgefunden, dass Frauen, die Hormone in den
Wechseljahren über einen Zeitraum von mehr als fünf Jahren einnehmen, ein
etwas erhöhtes Risiko haben, an Brustkrebs zu erkranken als Frauen, die keine
Hormone nehmen.
Tipp:
"Deshalb ist es wichtig, dass man mit seinem Frauenarzt berät, was für und
was gegen die Hormongabe spricht, und für den Einzelfall eine fundierte
Entscheidung fällt." Prof. Harbeck
Diagnose Brustkrebs - Therapien
Diagnose Brustkrebs - das ist eine ungeheure psychische Belastung für jede
Frau. Ängste kommen auf: vor der Lebensbedrohung Krebs, dem Verlust der
Brust, aber auch vor den verschiedenen Therapien. Besonders die
Chemotherapie ist mit Ängsten überfrachtet. Deshalb ist die umfassende
Aufklärung der Patientin durch ihre Ärzte, aber auch mithilfe von anderen
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Betroffenen und Psychoonkologen von zentraler Bedeutung. Nur so kann sie
gemeinsam mit ihren Ärzten eine Therapieentscheidung treffen. Die Therapie
folgt dem Grundsatz: So aggressiv wie nötig, so schonend wie möglich.
Wie hoch sind die Chancen, geheilt zu werden?
"Wir gehen heute generell davon aus, dass wir etwa zwei Drittel aller
Patientinnen mit Diagnose Brustkrebs heilen können. Auch im fortgeschrittenen
Stadium ist Brustkrebs eine Krankheit, die man sehr gut und auch über längere
Zeit behandeln kann. Allerdings: Sobald einmal Absiedlungen, also Metastasen,
im Körper sind, ist die Erkrankung als solche nicht mehr heilbar, d.h. wir können
nicht mehr alle Krebszellen dauerhaft aus dem Körper entfernen." Prof.
Harbeck
Therapiemöglichkeiten
Brustkrebs ist eine Erkrankung des ganzen Körpers, auch wenn man "nur"
einen Knoten in der Brust tastet. Die Therapie besteht bei Ersterkrankungen
aus
• der Entfernung des Knotens und des Wächterlymphknotens bzw. aller
Lymphknoten in der Achselhöhle, also der Operation, eventuell mit einer
anschließenden Strahlentherapie.
Daneben gibt es die medikamentösen Therapien:
• 1. Die Chemotherapie hilft, vorhandene Tumorzellen, die schon in den
Körper gestreut sind, abzutöten. Sie kann vor (neoadjuvant) oder nach
(adjuvant) der Operation durchgeführt werden.
• 2. Die Anti-Hormontherapie wird nur bei einer hormon-empfindlichen
Brustkrebs-Erkrankung eingesetzt.
• 3. Die Antikörpertherapie wird nur bei Tumoren eingesetzt, die den
Wachstumsfaktor HER2 aufwiesen, also HER2-positiv sind.
"Die Anti-Hormontherapie reicht bei weniger aggressiven Tumoren aus." Prof.
Harbeck
Individuelles Vorgehen bei Brustkrebs
Um die Diagnose stellen zu können, benötigt man heute nur noch ein winzig
kleines Stück Gewebe aus der Brust. Die Entnahme des Gewebes kann man
ambulant durchführen, es wird eine Biopsie entnommen. Dann bespricht der
Arzt mit der Patientin die verschiedenen Therapiemöglichkeiten. Wenn es um
die Operation geht, ist auch Thema, ob man die Brust abnehmen muss oder ob
man sie erhalten kann. Die Entfernung der Brust ist der Entfernung des Tumors
(mit anschließender Nachbestrahlung) gleichwertig in Bezug auf die
Heilungschancen. Welche Operation empfohlen wird, hängt u.a. von
Brustgröße und Tumorgröße ab.
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Für die anschließende vorbeugende medikamentöse Therapie muss man
entscheiden, ob man eine Chemotherapie und eine Anti-Hormontherapie
machen muss oder ob eine Anti-Hormontherapie alleine ausreichend ist. Dieses
Vorgehen nennt man personalisierte Medizin.
„Bei der Ersterkrankung wird gemeinsam überlegt, was die beste Therapie ist,
mit den besten Heilungschancen und kosmetischen Faktoren.“ Prof. Harbeck
Genomanalyse nötig?
Im Bereich Brustkrebs ist es nicht notwendig, eine Vollgenomanalyse der
Patientin durchzuführen, da es noch keine darauf basierenden Therapien gibt.
„In dem Bereich gibt es Anbieter, die sich die Analyse von den Patientinnen
teuer bezahlen lassen. Davon rate ich ab. Etwas anderes und durchaus sinnvoll
ist es, wenn die Klinik im Rahmen einer Studie zu Forschungszwecken solche
Analysen vornimmt. Und es ist jedoch interessant, die Genstruktur des Tumors
selber zu bestimmen, da dies durchaus Hinweise auf die Therapie gibt.“ Prof.
Harbeck
Chemotherapie - Zu viele Chemotherapien?
Prof. Harbeck schätzt, dass ca. 10.000 Frauen pro Jahr in Deutschland eine
unnötige Chemotherapie erhalten. Denn es gibt noch keine sicheren
Diagnosefaktoren, um festzustellen, ob der Tumor auf die Chemotherapie
anspricht.
„Früher konnte man nur sehr grob das Risiko, wie sich der Krebs
weiterentwickelt und reagiert, beschreiben. Aus Angst, dass eine Frau zu wenig
Therapie bekommt, hat man bei zu vielen Frauen eine Chemotherapie
verschrieben, z.B. bei Frauen mit befallenden Lymphknoten. Das muss man
heute nicht mehr machen. Mit Hilfe eines Testes, der an der Frauenklinik der
Technischen Universität München entwickelt wurde, untersuchen wir
beispielsweise den Tumor und schauen, wie aggressiv die Tumorzellen sind.
Mit diesem Test (in der Fachsprache uPA/PAI-1 Test genannt), für den
Frischgewebe notwendig ist und dies bei der Operation bereits bedacht werden
muss, können Ärzte Frauen, die zur Ersttherapie kommen, dann raten, ob sie
eine Chemotherapie brauchen oder ob sie nicht erforderlich ist, weil der Tumor
wenig aggressiv ist." Prof. Harbeck
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Gentests können helfen
Heutzutage wird bei hormonempfindlichen HER-negativen Tumoren Gewebe
des Tumors mit Multigentests untersucht, um festzustellen, ob er auf eine
Chemotherapie anspricht, dazu gibt es vier verschiedene Testverfahren:
Onkotype DX, Endopredict, Prosigna und MammaPrint. Dabei wird in zentralen
Laboratorien (bei Onkotype z.B. eines in den USA) oder Pathologieinstituten
getestet, wie aggressiv und schnellwachsend der Tumor ist. Der Grund für die
Zentralisierung bei einigen dieser Tests ist, dass man bestimmte teure Geräte
und viel Fachexpertise dafür braucht. Aufgrund des Genmusters kann errechnet
werden, wie hoch das Risiko für einen Rückfall ist.
Chemotherapie: ja oder nein?
Eine Chemotherapie birgt immer ein Risiko: Bis zu zwei Prozent der
Patientinnen erleiden schwere Nebenwirkungen. Deswegen gilt die Regel: Eine
Chemotherapie wird nur eingeleitet, wenn die Patientin ein Rückfallrisiko von
über zehn Prozent über zehn Jahre.
„Ansonsten sind die Nebenwirkungen womöglich höher als die Wirkung der
Therapie.“ Prof. Harbeck
Tipp: Wie man sich vor einer unnötigen Chemo schützt
• In ein zertifiziertes Brustzentrum gehen, denn Brustkrebs ist kein Notfall,
bei dem man sofort handeln muss. Es ist immer genug Zeit, zusammen
mit den Frauenarzt zu besprechen, welches Brustzentrum geeignet ist.
• Im Brustzentrum nachfragen, welche Therapien oder Studien angeboten
werden. Durchaus auch direkt fragen, wie die Entscheidung für oder
gegen eine Chemotherapie getroffen wird, ob eben ein Gentest des
Tumorgewebes durchgeführt wird.
Triple-negativ
Tumore, die weder hormonempfindlich (also weder auf Östrogen noch auf
Progesteron reagieren) noch HER2-positiv sind, nennt man triple-negativ. Sie
werden immer mit einer Chemotherapie behandelt, da die anderen Therapien
keinen Erfolg versprechen.
Anti-Hormontherapie im Detail
Die vorbeugende (adjuvante) Anti-Hormontherapie bei hormonrezeptorpositiven Tumoren wird in der Regel über mindestens fünf Jahre durchgeführt.
Bei einem hohen Rückfallrisiko (Und guter Verträglichkeit) können auch 10-15
Jahre Einnahme sinnvoll sein.
• Patientinnen vor den Wechseljahren (prämenopausal) erhalten das
Antiöstrogen Tamoxifen.
Prof. Harbeck: "Vor allem bei jungen Frauen unter 40 Jahren mit einem
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hohen Rückfallrisiko wird Tamoxifen mit dem Ausschalten der Eierstöcke
kombiniert. Dies geschieht in der Regel medikamentös, das heißt
vorübergehend für zwei bis fünf Jahre, mittels einer monatlichen Spritze
unter die Bauchdecke (GnRH-Analogon)."
Bei Patientinnen nach den Wechseljahren (postmenopausal) sind heute
sogenannte Aromatasehemmstoffe fester Bestandteil der
antihormonellen Therapie.
"In der Regel wird der Aromatasehemmstoff für fünf Jahre (anstelle von
Tamoxifen) gegeben oder es wird nach zwei Jahren Tamoxifen auf einen
Aromatasehemmstoff gewechselt, der dann mindestens für weitere drei Jahre
gegeben wird. Postmenopausale Frauen, deren antihormonelle Therapie mit
fünf Jahren Tamoxifen bereits abgeschlossen ist, können sich noch weiter mit
einem Aromatasehemmstoff vor dem Wiederauftreten der Erkrankung
schützen." Prof. Harbeck
Ob dies im Einzelfall sinnvoll ist, entscheidet der betreuende Frauenarzt oder
Onkologe.
Stufenplan - je nach Fortschreiten des Tumors
Bei diesem Stufenplan werden die einzelnen Therapieschritte von einer Vielzahl
von Faktoren gesteuert. Deswegen ist es wichtig, alle Informationen auf einen
Tisch zu legen und auch mit verschiedenen Ärzten von verschiedenen
Fachrichtungen in den Tumorboards zu diskutieren - den Strahlentherapeuten,
den Frauenärzten, den Röntgenärzten oder Pathologen - um dann eben
gemeinsam mit der Patientin zu einer Entscheidung zu kommen. Und jeder
Therapieplan ist ganz individuell.
Antikörpertherapien
Die Antikörpertherapie wird speziell ausgerichtet auf die Eigenschaften der
Tumorzellen, die bei der einzelnen Patientin vorliegen. Zwei solche Therapien
sind in Deutschland zugelassen für Brustkrebs im frühen Stadium zur
Vorbeugung von Metastasen und im fortgeschrittenen Stadium zur Behandlung
von Metastasen.
"Diese biologischen Therapien sind ein großer Fortschritt, weil man damit die
Tumorerkrankung sehr gut kontrollieren kann und eventuell auch noch höhere
Heilungsraten erreichen kann." Prof. Harbeck
HER2-Positive Tumore
HER2 ist ein Wachstumsfaktorrezeptor, über den Signale von der
Zelloberfläche ins Zellinnere weitergegeben werden, sodass sich die Zelle öfter
teilt. HER2-positiv bedeutet, dass große Mengen dieses Rezeptors im Gewebe
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nachgewiesen wurden. Dies ist ein Zeichen für einen eher aggressiven Tumor,
an dem ca. 15-20 Prozent der Brustkrebspatientinnen erkranken. Aber
heutzutage gibt es zielgerichtete Therapien, die gegen spezielle Eigenschaften
des Tumors gerichtet sind, wie z. B. die Antikörpertherapie bei HER2-positiven
Tumoren. Eine solche Therapie wird bei einer Ersterkrankung vorbeugend für
ein Jahr gegeben.
Moderne Wirkstoffe
Heute weiß man aufgrund großer Studien mit über 13,000 Patientinnen, dass
eine einjährige Antikörpertherapie mit Trastuzumab (Herceptin®) bei HER2positivem Brustkrebs (das heißt: der Tumor hat viele Empfangsantennen für
diesen Antikörper auf der Zelloberfläche) eine deutliche Verbesserung der
Heilungschancen bewirkt. Die Zulassung für diesen Antikörper bei frühem
Brustkrebs gibt es seit Mai 2006 für Patientinnen mit HER2-positivem Tumor
und der Indikation für eine Chemotherapie, die vor der Operation (neoadjuvant)
oder nachher (adjuvant) gegeben werden kann. Prof. Nadia Harbeck: "Diese
Patientinnen behandeln wir bereits jetzt nach der Erstdiagnose vorbeugend für
ein Jahr mit diesem Antikörper. Seit 2015 gibt es auch die Möglichkeit, vor der
Operation zwei Antikörper (Trastuzumab und Pertuzumab) zu verabreichen, die
die Wirkung der Chemotherapie auf den Tumor noch einmal verstärken.
Zielgerichtete Medikamente
Der Fortschritt bei diesen zielgerichteten Medikamenten ist sehr rasch: Bei
Patientinnen mit fortgeschrittenem HER2-positivem Brustkrebs wird heute
Tarstuzumab mit Pertuzumab (und einer Chemotherapie) kombiniert.
Gleichzeitig gibt es nicht nur diese Antikörper, sondern zusätzlich einen
Antikörper der direkt an eine Chemotherapie gekoppelt ist (T-DM1,Kadcyla®)
sowie ein sogenanntes kleines Molekül (Lapatinib, Tyverb®), die beide heute
nach Versagen von Trastuzumab® zugelassen sind. Ein weiterer Antikörper
gegen Blutgefäßneubildung (Bevacizumab, Avastin®) ist bereits bei
fortgeschrittenem HER2-negativem Brustkrebs zugelassen.
Für die hormonempfindliche HER2-negative fortgeschrittene Erkrankung sind
bereits zwei Medikamente zugelassen, die die Wirkung der Antihormontherapie
noch deutlich verstärken können: Everolimus (Afinitor®) und seit dem 10.11.16
auch Palbociclib (Ibrance®).
Andere moderne zielgerichtete Medikamente, wie z.B. Immuntherapien, werden
derzeit auch in Deutschland in Studien erprobt. Es besteht begründete
Hoffnung, dass mit neuen zielgerichteten Therapien in Zukunft viele Tumoren
wirksamer und gleichzeitig nebenwirkungsärmer behandelt werden können.
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Psyche - Angst und Sorgen
Eine Krebsdiagnose stürzt viele Frauen in ein tiefes Loch. Denn natürlich
machen sie sich Sorgen, wie es gelingt, den Tumor zu bekämpfen. Und auch
die Angst vor Nebenwirkungen der Therapien und Schmerzen taucht auf.
Angst vor Schmerzen - zu Recht?
Krebsbedingte Schmerzen treten bei Brustkrebs vor allem in späteren Stadien
bei einer sehr fortgeschrittenen Erkrankung auf. Hier gibt es neue
Medikamente, die spezielle Schmerzformen wie zum Beispiel
Knochenschmerzen wirksam behandeln.
"Und natürlich hat man auch in der Schmerztherapie generell große Fortschritte
gemacht, zum Beispiel mit sogenannten Schmerzpumpen, die man unter die
Haut gepflanzt bekommt und die bei Bedarf Schmerzmittel abgeben. Wir
arbeiten bei der Kontrolle von Symptomen wie Schmerzen oder Atemnot auch
eng mit unseren Kollegen von der Palliativmedizin zusammen, so dass die
Patientinnen immer einen fachlich kompetenten Ansprechpartner für ihre
Probleme haben." Prof. Nadia Harbeck
Tipp: Gegen die Angst: Angebote bei psychischer Belastung
Prof. Harbeck hält es für zentral, dass im Brustzentrum Psychoonkologen
mitarbeiten, die für die Patientinnen als Ansprechpartner da sind.
"Zum Anderen haben wir an der Frauenklinik der LMU München 2002 das
Pilotprojekt "Betroffene beraten Betroffene" gestartet, in dem bereits bei der
Erstdiagnose eine Betroffene Auskunft gibt, wie Brustkrebs aus Sicht einer
Patientin ist. Damit hoffen wir, Ängste mindern zu können, so dass die
Patientinnen informierter und angstfreier ihre Therapie mitgestalten können. Wir
freuen uns, dass dieses Pilotprojekt, bei dem uns Renate Haidinger von
Brustkrebs Deutschland e.V. unterstützt, schon mehr als 10 Jahre erfolgreich
läuft." Prof. Nadia Harbeck
Gibt es einen Zeitpunkt der Entwarnung?
Generell sollte jede Patientin mit frühem Brustkrebs fest daran glauben, dass
sie von der Erkrankung geheilt werden kann. Es gibt keinen konkreten
Zeitpunkt der Entwarnung, aber je mehr Zeit man zwischen die Erstdiagnose
und den heutigen Tag legt, umso unwahrscheinlicher ist es, dass die
Erkrankung wieder kommt.
"Die Gefahr, dass der Krebs an anderen Stellen im Körper oder an Ort und
Stelle wieder ausbricht, hängt sehr stark vom Stadium der Ersterkrankung ab.
In unserem Nachsorgeprogramm kommen die Patientinnen zunächst alle drei
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Monate zum ihrem Frauenarzt und nach fünf Jahren jährlich. Danach sprechen
wir auch schon wieder von der Vorsorge." Prof. Nadia Harbeck
Diagnose Brustkrebs - Brustoperation
Bei jeder Brustkrebserkrankung ohne Fernmetastasen gehört eine Operation
zur Therapie dazu. Für viele Frauen eine Schreckensvision. Dabei kann die
moderne Medizin bei mehr als zwei Dritteln der Frauen die Brust erhalten. Das
heißt: Bei der Operationen wird nur der Tumor, nicht aber die Brust entfernt.
Selbst bei großen Tumoren kann dies versucht werden, unter Umständen erst
nach einer Vorbehandlung durch eine neoadjuvante Chemotherapie, die den
Tumor verkleinert.
Wie häufig ist eine Brustoperation?
Im Regelfall wird der Tumor immer aus der Brust entfernt sofern keine
Fernmetastasen vorliegen. Nur bei Patientinnen, bei denen aus anderen
Gründen, wie z.B. schweren Begleiterkrankungen, keine Operation
durchgeführt werden kann, würde man eine rein medikamentöse Therapie
einleiten. In mehr als 95 Prozent aller Fälle wird operiert.
Kein Aufwachen nach der OP ohne Brust!
Prof. Harbeck betont, dass es heute nicht mehr so ist, dass man aufwacht und
plötzlich ist die Brust entfernt worden, ohne dass dies vorher mit der Patientin
genau besprochen wird. "Diese Angstvision gehört der Vergangenheit an. Wir
sichern die Diagnose durch eine Stanze in den Tumor, die wir vorher ambulant
durchführen. Der Pathologe sagt uns dann genau, was für ein Tumor vorliegt.
Und durch die Bildgebung - Ultraschall und Mammographie (und ggf.
Kernspintomographie) - wissen wir um die Ausdehnung des Tumors. Sollte sich
dann doch eine Überraschung ergeben während der Operation, hört man lieber
auf und bespricht mit der Patientin noch einmal neu, wie operiert werden soll."
Was geschieht bei einem großen Tumor?
Selbst bei großen Tumoren wird versucht, die Brust zu erhalten. Hier gibt es
zum Beispiel die Möglichkeit, eine Chemotherapie zeitlich vorzuziehen und
dadurch den Tumor zu verkleinern. In den wenigen Fällen, in denen man
wirklich die Brust entfernen muss, weil der Tumor so ausgedehnt ist, kann man
heute mit einem Wiederaufbau gleich im Anschluss an die Operation oder zu
einem späteren Zeitpunkt sehr, sehr gute kosmetische Ergebnisse erzielen.
Entfernung der Achsellymphknoten
Die Entfernung der Achsellymphknoten ist nach wie vor der Standard. Wenn die
Lymphknoten klinisch nicht befallen scheinen, wird in Deutschland eine neue
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Operationsmethode angewendet: Bei der sogenannten Wächter-LymphknotenTechnik wird nur noch der Lymphknoten entfernt, der die Brust entsorgt. Wenn
dieser nicht von Tumorzellen befallen ist, verzichtet man heute auf die
Entfernung weiterer Lymphknoten. Auch bei einem befallenen
Wächterlymphknoten kann man heute in Einzelfällen auf eine weitere Operation
verzichten - vorausgesetzt ist jedoch, dass nach der brusterhaltenden
Operation eine Nachbestrahlung und eine vorbeugende medikamentöse
Therapie erfolgen.
Diagnose Brustkrebs - Brustaufbau
Die Brust als sichtbares Zeichen der Weiblichkeit zu verlieren, ist viel mehr als
nur ein körperlicher Akt. Jede Frau lernt auf ihre Weise, damit zu leben.
Weniger als 30 Prozent aller Brustkrebspatientinnen müssen sich heute mit
dieser neuen Lebenssituation vertraut machen.
Wie verläuft der Wiederaufbau einer Brust?
Es gibt mehrere Möglichkeiten. Man kann ein Kissen aus Fremdmaterial - etwa
aus Silikon - in die Brust einlegen, oder man macht einen Wiederaufbau aus
Eigengewebe, das man vom Rücken, vom Bauch oder vom Gesäß gewinnt.
Eine einmalige Operation oder Folgeoperationen?
Ob öfters operiert werden muss, hängt ganz von der Art des Wiederaufbaus ab.
Beispiel Silikonkissen: Vor dem Einsetzen der Kissen kann man z.B. die Haut
mit einem Kochsalzkissen dehnen und dann erst das endgültige Kissen
einsetzen. Aber auch bei den anderen Aufbaumöglichkeiten aus Eigengewebe
kann es sein, dass Korrekturoperationen notwendig sind. Darauf wird der Arzt
aber im Einzelfall hinweisen.
Für oder gegen einen Brustaufbau
Im Prinzip ist der Wiederaufbau jederzeit möglich - entweder gleich im
Anschluss an die Krebsoperation oder nach Abschluss der medikamentösen
Behandlung, aber auch zu einem späteren Zeitpunkt.
"Wichtig ist, dass die Frau von sich aus den Wunsch hat, ihren Körper zu
verändern, weil sie mit ihrem Körpergefühl nach Abnahme der Brust nicht mehr
zufrieden ist. Manche Patientinnen beginnen mit der entfernten Brust zu leben
und merken dann zu einem späteren Zeitpunkt, dass sie kein vollständiges
Körpergefühl haben. Andere Frauen sagen, sie brauchen das nicht und
kommen mit den Prothesen, die man in den BH einlegen kann, gut zurecht."
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