Städtebauliche Planungen

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Städtebauliche Planung
1
Städtebauliche Planung:
Dipl.- Ing. Friedrich W. Figge
Architekten und Ingenieure
Hauptstraße 74
42349 Wuppertal
Fon: 0202-24743-0
Fax: 0202-24743-30
[email protected]
www.figge-architekten.de
Abb. Titelseite
Dipl.- Ing. Friedrich W. Figge
IG Kruppwald & Knippenburg, Bottrop
Dipl.- Ing. Kai Figge
Aufwertung der Kreuzung
Dipl.- Ing. Katherina Schmidt
An der Knippenburg/ Brakerstraße
Dipl.- Ing. Simone Piller
Quelle: Figge Architekten
Cand. Arch. Jessica Scholtyssek
Im Auftrag der Technischen Universität Kaiserslautern, Volkswirtschaftslehre,
insbesondere Wirtschaftspolitik und internationale Wirtschaftsbeziehungen, Prof. Dr. M.
von Hauff, Kaiserlautern
Abschlussbericht „Stadtplanung“ im Rahmen des Projekts:
"Zero Emission Park - länderübergreifendes Modellprojekt zur Entwicklung von
nachhaltigen Gewerbegebieten in Deutschland"
März, 2010
2
Forschungsprogramm
Nationale Stadtentwicklungspolitik
„Klimaschutz – die Stadt von morgen bauen“
Im Auftrag des Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)
Im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR)
Deichmanns Aue 31-37, 53179 Bonn
Projektlaufzeit
01.01.2008 bis 31.10.2010
Aktenzeichen
Z 6 – 10.04.05.510933
Zuwendungsempfänger
Technische Universität Kaiserslautern
Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Wirtschaftspolitik
und internationale Wirtschaftsbeziehungen, Professor Dr. Michael von Hauff
Gottlieb-Daimler-Straße, Geb. 42/Raum 406, 67663 Kaiserslautern
Fon: +49 (0)631/205-3763, Fax: ++49 (0)631/205-3767
E-Mail: [email protected], URL: http://www-vwl2.wiwi.uni-kl.de
Projektmanagement (Konzeption, Projektleitung, Koordination)
Veronika Wolf, Wissenschaftliche Mitarbeiterin
15.02.2008-30.09.2008 Technische Universität Kaiserslautern, VWL
01.10.2008-30.11.2009 Universität Oldenburg, Wirtschaftsinformatik
Projektbüro Remscheid Telefon +49.2191.61664
E-Mail:[email protected]
URL:http://www.zeroemissionpark.de
3
Seite
1.0
Einleitung
2.0
Systemische Betrachtung der Gewerbegebiete
11
2.1
Visualisierung Gewerbegebiet als geschlossenes System
11
2.2
Einzelunternehmen im Gewerbegebiet
12
3.0
Energetische Untersuchung und Darstellung der Gewerbegebiete
13
3.1
Einzelbetrachtung
13
3.2
Gesamtbetrachtung
14
4.0
Städtebauliche Planung
15
4.1
Bebauungspläne oder Lagepläne
17
4.1.1
Bebauungsplan Bottrop
17
4.1.2
Lageplan Innovations- und Technologiepark Bremen
18
4.1.3
Masterplan Innovations- und Technologiepark Bremen
19
4.1.4
Lageplan Industriegebiet „IG Nord“ Kaiserslautern
20
4.2
Beziehung Wohnen / Arbeit / Erholung
21
4.2.1
Beziehung Wohnen/ Arbeit / Erholung Am Kruppwald / An der Knippenburg
21
4.2.2
Beziehung Wohnen/ Arbeit / Erholung Innovations- und Technologiepark Bremen
22
4.2.3
Beziehung Wohnen/ Arbeit / Erholung Industriegebiet „IG Nord“ Kaiserslautern
23
4.3
Aufenthaltsqualität/ Freiraum- und Grünplanung
24
4.3.1
Grünordnung Am Kruppwald / An der Knippenburg
25
4.3.2
Grünordnung Innovations- und Technologiepark Bremen
26
4.3.3
Grünordnung Industriegebiet „IG Nord“ Kaiserslautern
27
4.4
Erscheinungsbild / Identität / ortsprägende Potentiale
28
4.4.1
Erscheinungsbild / Identität / ortsprägende Potentiale Am Kruppwald/An der Knippenburg
29
4.4.2
Erscheinungsbild / Identität / ortsprägende Potentiale
Innovations- und Technologiepark Bremen
4
6
30
Seite
4.5
Flächenmanagement
31
4.5.1
Versiegelung der Grundflächen
31
4.5.2
Versiegelung am Kruppwald / Knippenburg
33
4.5.3
Auswertung der Versiegelung
34
4.5.4
Versiegelung Innovations- und Technologiepark Bremen
35
4.5.5
Auswertung der Versiegelung
36
4.5.6
Versiegelung Industriegebiet „IG Nord“ Kaiserslautern
37
4.5.7
Auswertung der Versiegelung
37
5.0
Energetische Bauteilbetrachtung der Gebäude
38
5.1
Energetische Betrachtung der Gebäudehülle
38
5.2
Begrünung von Dach und Fassade
40
6.0
Solarenergiegewinnung über Dach und Fassade
41
7.0
Exemplarische energetische Industriegebäudesanierung
43
7.1
Erfassung aller Gebäudetypen, Bedarfsanalyse
43
7.2
Zusammenstellung der Energieverbrauchswerte
47
7.3
Bilanzierung des IST- Zustandes bzgl. CO2- Emissionen
47
7.4
Ausarbeitung von Sanierungszielen und Umsetzungsvorschlägen
49
7.5
Darstellung der Einsparpotentiale mit verschiedenen Varianten
51
7.6
Überprüfung der Wirtschaftlichkeit und Fazit
53
8.0
Übersicht und städtebauliche Betrachtung
54
8.1
Exemplarische Analyse von Straßenquerschnitten An der Knippenburg
55
8.2
Straßenaufwertung An der Knippenburg / Brakerstraße – Isometrie
56
8.3
Straßenaufwertung An der Knippenburg / Brakerstraße – Perspektive
57
Literaturverzeichnis
58
Abbildungen
60
Tabellen
61
5
1.0
Einleitung
Auf die Fragestellung wie bestehende Gewerbe – und Industriegebiete ressourcenschonend und
klimaneutral zeitgemäß zu verändern und zu entwickeln sind, werden im Projektbaustein
„Städtebauliche Planung“ folgende stadt- und objektbildenden Aufgaben untersucht:
-
städtebaulicher Entwurf zur Aufenthaltsqualität und zum Erscheinungsbild
-
Untersuchung der Gebäudestrukturen und Flächenoptimierungspotentiale
-
exemplarische, energetische Industriegebäude- Sanierung
-
exemplarische Untersuchung zur Nutzung von Dächern für Solarenergie (Materialien usw.)
Zur Annäherung an die Aufgabe wird zurückgegriffen auf die vorliegenden Bestandsaufnahmen in
Bottrop (Abb.1), Bremen (Eberswalde) und Kaiserlautern des Instituts für Stadtplanung und
Städtebau
Universität
Duisburg
-
Essen.
Es
liegen
dort
raumordnerische,
verkehrliche,
stadtgestalterische Analysen und deren vergleichende Bewertung vor.
Abb.1: Industriegebiet Am Kruppwald & An der Knippenburg, Bottrop
Quelle: www.google.de/maps
Zur Stadtplanung
Stadt- und Regionalplanung, also die Region, die Stadt, die Stadtteile, die Industrie- und
Gewerbegebiete, die Gebäudeanlagen sind systemisch, d.h. auf die wechselseitigen Beziehungen
der Teile mit dem Ganzen hin, zu betrachten.
Sie repräsentieren in ihrem jeweiligen Zustand den gesellschaftlichen Zeitgeist und sind mit den
Mitteln der Ingenieur- und Geisteswissenschaften und mit den Mitteln der städtebaulichen Planung
beeinflussbar und vor allem im nachhaltigen Sinne wandlungsfähig und veränderbar. Dies denn auch
zu tun ist eine große methodische Herausforderung. Sie erfordert Mut zur Vision und zum
Experiment.
Die systemische Betrachtung heißt aber auch, dass heute „städtebauliche Qualität“ in all ihren
Erscheinungsformen wesentlich nur mit einer funktionalen Durchmischung erreicht werden kann. Das
heißt weiter für diese Arbeit, dass die Ideale der Charta von Athen 1933, die Entflechtung städtischer
Funktionsbereiche mit der Zielsetzung Trennung von Wohnen, Arbeiten und Erholung, hinsichtlich der
Einbindung oder Ausgliederung von Gewerbegebieten in der Stadt und auf dem Land in ihrer Wirkung
und damit insbesondere hinsichtlich der verkehrlichen Konsequenzen zu hinterfragen sind.
6
Die aus der Funktionstrennung resultierenden verkehrsbedingten CO 2- Emissionen sind progressiv
nur mit radikalen stadtplanerischen Ansätzen zu verbessern. Diese lassen sich allerdings nur im
Arbeitsdialog mit der Politik, der Planung, der Wirtschaft, den Bewohnern und der Gesellschaft
erarbeiten. Stadtplanung muss in diesem Sinne neu gedacht und justiert werden und kann vor allem
über Raum- und Flächenpolitik, über öffentliche Kommunikation und Beteiligung der Betroffenen
sowie über beispielhafte, innovative Projekte steuernd wirksam werden.
Das Instrumentarium zur veränderten Zielbetrachtung in Politik und Planung ist vorhanden und
anwendbar. Für neu zu planende Industrieanlagen oder auch Industriegebiete müssen diese
Instrumente selbstverständlich vorgedacht und genutzt werden. Für bestehende, insbesondere
monofunktionale Gewerbegebiete ist vielfach die verträgliche Durchmischung oder Verflechtung von
Wohnen, Arbeiten und Erholen, die Anbindung an städtische Strukturen schwieriger. Hier gilt es die
damit verbundenen Möglichkeiten zur Veränderung und die zusätzlichen Gewinne aus „gemeinsamen
Handeln“ zu finden.
Der Grundsatz „Gemeinnutz geht vor Eigennutz“ kann mit dieser Zielsetzung im Sinne einer
Prävention von klimarelevanten Emissionen durch Planung neu formuliert und sozusagen mit einer
nachhaltigen These im Sinne von „sowohl – als auch“, also die Gleichzeitigkeit betonend, verstanden
werden: „Gemeinnutz ist Eigennutz“.
Abb.2: Bachlauf im Industriegebiet Bottrop mit Tetraeder
Abb.3: Gewerbenahes Wohngebiet in Bottrop mit Malakoffturm
Quelle: Figge Architekten
Aufenthaltsqualität und Erscheinungsbild
von städtischen Quartieren werden über räumliche erfassbare Strukturen mit jeweils ortsspezifischen
natürlichen (Abb.2) und baulichen (Abb.3) Elementen bestimmt. Zur erwünschten Identitätsbildung
gehören qualifizierte formgebende Besonderheiten im Gebiet, die mit weiteren gestalterischen
Maßnahmen ergänzt oder aufgeladen werden können.
Die Überprüfung und Verbesserung der Aufenthaltsqualität und des Erscheinungsbildes bestehender
Gewerbegebiete ergibt in der Regel geringe quantifizierbare Einsparungen. Dennoch ergeben sich
qualitativ beschreibbare positive Wirkungen, die indirekt zu Reduktionen von CO 2-Emissionen
beitragen
und
als
Minderungspotential
errechnet
werden
können.
Das
tatsächliche
Minderungspotential ist höher anzusetzen als das rein rechnerische Potential, da mit diesen
Maßnahmen zusätzliche positive Effekte wie Akzeptanz in der nachbarschaftlichen Umgebung,
7
Öffentlichkeitswirkung
auf
Kunden
und
Besucher
und
verändertes
Nutzerverhalten
von
Unternehmern, Mitarbeitern und Bewohnern ausgelöst werden.
Die systematische Erfassung und Bearbeitung bestehender Gewerbegebiete in diesem Sinne wird
entscheidend für eine CO2- Reduzierung in Richtung „emission-o-meter“ sein.
Gebäudestrukturen und Flächenoptimierungspotentiale
Bestehende
Gewerbe-
und
Industriegebiete
weisen
in
der
Regel
an
den
einzelnen
Unternehmensstandorten kontinuierlich gewachsene Gebäudeanordnungen und Flächenbelegungen
aus. Diese entstanden häufig aus dem jeweils „aktualisierten“ Bedarf der wirtschaftlichen Entwicklung
des Unternehmens und stellen rückblickend funktionale Kompromisse in der Gebäudezuordnung, nutzung,
-ausnutzung und / oder in der Flächenbelegung des Grundstückes dar. So stellen immer wieder auch
„Restgrundstücke“
gebietsspezifische
Fehlentwicklungen
dar.
Abgeschriebene
oder
durch
Outsourcing freigewordene Gebäude oder Flächen verbleiben ungenutzt im Bestand oder werden
fremd vermietet. Hier kann zusätzlich zu den internen Aktionen der Unternehmen ein
gemeinschaftlicher Blick auf die Nachbarn und auf das Gesamtgebiet Synergien aufzeigen.
Mit gemeinsamen Maßnahmen lassen sich zusätzliche Effekte erzielen, z.B.:
-
Quartiersbezogene und verbrauchernahe Energieversorgung und – gewinnung
-
Sicherung und Entwicklung von öffentlichen und privaten Grünbeständen und klimatisch
bedeutsamen Flächen (Abb. 4 und 5 Chance zur Grünaufwertung kombiniert mit
Gewerbegebietsnutzung)
-
Sicherung und nachhaltige Nutzung lokaler Grundwasservorräte einschließlich speichern oder
rückführen von Niederschlagswasser
-
Verwertungspool von freigezogenen Gebäudeteilen oder Grundstücksflächen
Abb.4: Bottrop, Chance für gewerbenahe LKW Nacht- Warteplätze
Abb. 5: Bottrop, Emscher zur Renaturierung vorgesehen
Quelle: Figge Architekten
Eine sinnvolle Ausnutzung von Industrie und Gewerbestandorten, aber auch die notwendige
Revitalisierung von innerstädtischen Brachflächen erfordert die Prüfung inwieweit im Einzelfall
„Produzieren im Gewerbegebiet“ wirtschaftliche Vorteile bringen kann.
„Mehrgeschossiger Industrie- und Gewerbebau kann eine zeitgemäße Antwort zur Problematik
begrenzter Flächenressourcen sein. Er ist immer dann sinnvoll, wenn für geeignete Betriebe die
8
Produktion auf
mehreren Geschossebenen organisierbar und funktionalen Vorgaben des
Materialflusses erfüllbar sind.“1
Energetische Industriegebäude - Sanierung
Fertig geplante und gebaute oder nahezu fertig belegte Gewerbegebiete haben mit ihren baulichen
Gegebenheiten den Vorteil, dass für die Erstellung der existierenden Gebäude und den bearbeiteten
Außenflächen keine Emissionen anfallen. Die Gewinnung und der Transport der Baumaterialien, die
Bereitstellung der Infrastruktur, das eigentliche Baugeschehen sind abgerechnet. Wiederum erbringt
in der Regel die energetische Gebäudesanierung von bestehenden Gebäudeanlagen auf Grund des
erheblichen
Verbesserungspotentials
deutliche
CO 2-Einsparungen
für
die
Gewerbegebiete.
Industrieanlagen zählen, wie auch die sonstigen Gebäude, zu langlebigen Gütern. Mit ihrer
Herstellung, Errichtung, Nutzung und Bewirtschaftung verursachen sie ca. 30 % der Energie- und
Stoffströme. Berücksichtigt man insofern nicht nur den Energiebedarf der Gebäudenutzung, sondern
die Gesamtbilanz eines Bauwerks und damit die auch bereits verbaute Primärenergie, hat der
Bestand gegenüber Neubauten einen wesentlichen Startvorteil. Der Lebenszyklus von bestehenden
Gebäuden wird damit zu einer wesentlichen Chance und Aufgabe zur nachhaltigen Gestaltung in
bestehenden Gewerbegebieten.
Mit
der
exemplarisch
vorgestellten
energetischen
Gebäudesanierung
werden
beispielhaft
Entwicklungsschritte zur CO2-Einsparung aufgeführt. Nach der Erfassung der Kenndaten eines
Referenzgebäudes und der Festlegung der
Abb.6: Unfallkreuzung An der Knippenburg/
Brakerstraße
Nutzungszonen wird der Ist- Zustand
bilanziert und mit kWh/m²a auf der EnEVSkala in Bezug zum EnEV Anforderungswert
dargestellt. In drei Varianten verdeutlichen die
zunehmende Ertüchtigung der Hüllflächen
und die Veränderung der Energienutzung von
Brennwerttechnologie über Kraft-WärmeKopplung mit fossilem Energieträger und KW-K mit erneuerbarem Energieträger die
möglichen CO2-Einsparungen.
Quelle: Figge Architekten
Solarenergie
Die solarthermische Nutzung von Dach- und Wandflächen ggf. gepaart mit der Nutzung von
Geothermie und/oder Windkraft zeigen weitere Potentiale zur CO2-Einsparung auf.
Die Aufgabe „exemplarische Untersuchung zur Nutzung von Dächern für Solarenergie“ wird im
Wesentlichen im Aufgabenfeld „Stoffstrommanagement“ abgehandelt. In dieser Bearbeitung gibt es
lediglich pauschale Hinweise auf Materialen, Einsatzorte und mögliche Konstruktionen.
1
Figge, F.W., Windgassen, H.E., Dipl.-Ing Architekten: Geschoßbau für Industrie und Gewerbe im Raum
Wuppertal - Solingen- Remscheid
9
Zum Abschluss folgen städtebauliche Hinweise zur Aufwertung des Bottroper Gewerbegebietes mit
einem
spezifischen
Vorschlag
zur
Straßenkreuzungen (Abb.6) (s.S.10).
10
Gestaltung
von
Straßen
und
z.B.
unfallträchtigen
Die Gegenüberstellung der drei zu untersuchenden Gewerbegebiete in der Land- / Stadtbeziehung
zeigt bildhaft das Spannungsfeld „Entwicklung von Siedlungsräumen“, aber auch die unmittelbare
verkehrliche Auswirkung der Standorte. Dies betrifft sowohl die Erreichbarkeit durch Kunden und
Mitarbeiter, als auch die erforderliche Auslegung oder Möglichkeit für den ÖPNV, als auch den
Anschluss an Fernverkehre, wie Autobahn, Bahn oder Wasserstraßen.
Stadt – Land Bezug der Gewerbegebiete
Abb. 7: Gegenüberstellung der drei Gewerbegebiete im
städtischen Bezug
In Bottrop, Bremen und Kaiserslautern
Gewerbegebiet Am Kruppwald und An der
Knippenburg:
Ein über Jahrzehnte gewachsenes Gewerbegebiet
als charakteristische „Gemengelage“ im
Stadtgebiet eingebunden
Innovationsund Technologiepark Bremen:
Ein Dienstleistungsgewerbegebiet am Stadtrand
IG Nord, Kaiserslautern:
Ein Gewerbegebiet weit draußen vor der Stadt von
Dörfern umgeben
Quelle: www.google.de/maps
Bearbeitung: Figge Architekten
11
2.0
Systemische Betrachtung der Gewerbegebiete
Mit Bezug auf die städtebaulichen Bestandsaufnahmen und Analysen der drei Gewerbegebiete sind
sowohl die Möglichkeiten und Wege zur Verbesserung des Erscheinungsbildes und der
Aufenthaltsqualitäten
aufzuzeigen,
als
auch
die
Gebäudestrukturen
und
Flächenpotentiale
darzustellen. Weiter ist das Gestaltungspotential für Gebäudeanlagen unter Berücksichtigung einer
energetischen Hüllflächenbetrachtung zu untersuchen.
Abb. 8: Gewerbegebiet als geschlossenes System
Quelle: Figge Architekten
2.1
Visualisierung Gewerbegebiet als geschlossenes System
Zur Verdeutlichung dieser Aufgabe werden die Industrie- und Gewerbegebiete zunächst als
abstrahiertes geschlossenes System dargestellt. Diverse Stoffströme versorgen das Gebiet und
verlassen
diese
nach
Umwandlung
mittels
verschiedener
Transformationsprozesse
in
unterschiedlichen Aggregatzuständen. Emissionen und Abfälle sind Ergebnis technisch- industrieller
Umwandlungsprozesse und müssen mit städtebaulichen und gebäudetechnischen Möglichkeiten und
Maßnahmen abgeglichen werden. Weiter soll mit städtebaulichen Mitteln die Wirkung der Gebiete
nach außen und nach innen gesteigert werden. Die Begutachtung der Gebiete folgt nicht einem
feststehenden Konzept, vielmehr erfordert jedes Gebiet eine eigenständige Betrachtungsweise. Dazu
ist die ganzheitliche Betrachtung sowohl des Gebietes in seiner Umgebung erforderlich, als auch die
fokussierte Betrachtung der einzelnen Unternehmen auf ihren Grundstücken.
12
2.2
Einzelunternehmen im Gewerbegebiet
Abb. 9: Schaubild Synergien im Gewerbegebiet
Quelle: Figge Architekten
In den Gewerbegebieten sind zunächst jeweils die einzelnen Unternehmensstandorte mit
Grundstücken und Gebäuden entsprechend den Kriterien für nachhaltiges Bauen zu betrachten. Im
zweiten Schritt ist aufzuzeigen, mit welchen gemeinsamen Maßnahmen, mit welchen Interaktionen
und mit welchen technischen, prozessualen und infrastrukturellen Innovationen, sowohl die einzelnen
Unternehmen, als auch die Gemeinschaft einen resultierenden gemeinsamen Nutzen zieht, der in
CO2- Reduzierung messbar wird. So wie jedes Unternehmen innovativ Produkte entwickelt, können
die Unternehmen gemeinsam im Gebiet grundstücksübergreifend innovativ Maßnahmen bearbeiten:
- Nutzung von Möglichkeiten zu Flächen sparendem und kompaktemBauen
- sparsamer und schonender Umgang mit Bauland
- Minimierung des Flächenaufwandes für private und öffentliche Erschließung
- Überprüfung des bauplanungsrechtlich zulässigen Rahmens (GFZ/GRZ im Sinne
der Ressourcenschonung)
- Überprüfung zur Entsiegelung von privaten und öffentlichen Flächen
- Freiflächengestaltung mit einheimischen und standortgerechten Vegetationen
- Dach- und Fassadenbegrünung
- solare Nutzung der Dächer und Fassaden
- energetische Überprüfung und Ertüchtigung der Gebäude
- naturnahe Bewirtschaftung des Oberflächenwassers
- Zisternen zur Brauch-, Grau- und Betriebswassernutzung
13
3.0
Energetische Untersuchung und Darstellung der Gewerbegebiete
Im Rahmen der systemischen Betrachtung wird als wichtiger Teilbereich der Ist- und Sollwert zur
Energiebilanz der Gebäudeanlagen dargestellt.
3.1
Einzelbetrachtung
Die energetische Betrachtung der Gebäudeanlagen erfolgt mit der flächenhaften Zustandserfassung
der Gebäudehülle in Bezug auf die funktionalen Zwecke der Gebäudeteile oder –zonen. Zusätzlich
müssen die technischen Anlagen zur Konditionierung der Zonen und im Verbund damit die zur
Produktion notwendigen betriebstechnischen Anlagen erfasst werden. Die Analyse der Gebäudehülle
und der technischen Anlagen zeigen Energieeinsparungspotentiale auf. Die Umsetzung dieser
Potentiale ergeben nachhaltig errechnete Co2-Reduktionen, die in der Zielsetzung Richtung
Passivhausstandard zu entwickeln sind. Die darüber hinaus gehende Zielsetzung ist, dass eine
Grundstücks- und Gebäudeanlage mittels Einsatz nachhaltiger Energiesysteme mehr Energie erzeugt
als verbraucht (Energieüberschuss!).
Abb.10: Energetische Einzelbetrachtung der Gebäudeanlagen
Quelle: Figge Architekten
Abb.11: Energetische Gesamtbetrachtung des Gewerbegebiets
Quelle: Figge Architekten
14
3.2
Gesamtbetrachtung
Weiterführendes Ziel dieser Einzelbetrachtung der Gebäudeanlagen ist, in Kooperation mehrerer
Unternehmen oder besser mit allen Teilnehmern im Gewerbegebiet, miteinander Synergien in der
Organisation
von
Flächen
und Gebäuden
auszumachen
und
z.B.
mit
einer vernetzten
Energiebeschaffung oder für Energieüberschüsse aus Produktionen oder Rückstände aus
Filteranlagen oder Abfällen die Energiebilanzen alleine und gemeinsam Richtung CO2-Reduzierung
zu verbessern.
Wirksame Einsparkonzepte lassen sich allerdings nur im „good will“ Dialog der Unternehmen mit der
Politik, der Fachplanung, den Bewohnern, also „gesellschaftlich“ erarbeiten.
Als
visuelles
Ergebnis
kann
mit
den
Farben
des
emission-o-meter
eine
energetische
Qualitätsaussage für Gebäude und in Addition für das Gebiet, auch fortschreibend für die Zukunft,
dargestellt werden.
Diese, aus den Gebäuden und dem komplexen Gewerbegebiet entwickelte, 3D- Darstellung sollte
möglicherweise in wenigen Jahren als vereinfachte Bestandsaufnahme aus Satellitenbildern zu
erstellen sein.
Mit dieser Zielsetzung unterstützt das Wirtschaftsministerium NRW aktuell die Umsetzung des
Projektes „GeoMonitoring für Energieeffizienz NRW“.
Ziel des Projekts ist es, mit thermalen Infrarot-Bildern der Erdbeobachtungssatelliten und mit den
vorliegenden Katasterinformationen eine flächenhafte Erfassung des energetischen Zustandes des
Gebäudebestandes in NRW zu ermöglichen.2
Die Wärmeabstrahlung der Dächer und Informationen über die Wärmeabstrahlung der Wände
ergeben Aussagen über den hüllflächigen Dämmstandard der Gebäudeanlagen. So kann in Zukunft
z. B. eine differenzierte energetische Farbkarte im Sinne eines „ emission-o-meter“ für
Gewerbegebiete erstellt werden.
Weiter ist davon auszugehen, dass als zukünftige Maßnahme alle Bauanträge für neu zu errichtende
Gebäude, also auch für Industrie- und Gewerbeanlagen digital erstellt werden und mit dem
energetischen „Fußabdruck“ zu versehen sind. Dies gilt gleichermaßen für eine „vereinfachte“ 3DDarstellung der Anlagen, so dass die hier dargestellte Farbdarstellung zum Standard werden wird und
in einem 3D – Kataster übernommen wird.
Aussagekräftige Kennzahlen der summierten Einzelberechnungen können werden:
- Summe Gebietsfläche
GF= 100 %
- Anteil öffentliche oder private Flächen zur Gebietsfläche
% öF oder % pF
- Anteil versiegelte oder nicht versiegelte Flächen zur Gebietsfläche
% vF oder % nvF
- Bebaute Flächen = absolut und
GRZ
- Baumassenzahl = absolut und
GFZ
2
Beteiligte:AG Geomatik der Ruhr-Universität Bochum
Dortmunder Center for Geoinformation (CFGI GmbH)
Bochumer ESN realis GmbH
15
16
4.0
Städtebauliche Planung
Zu den städtebaulichen Vorschlägen zum Erscheinungsbild und zur Aufenthaltsqualität, zum
Gebäude- und Flächenmanagement werden zunächst die drei Standorte aufgerufen und hinsichtlich
ihrer
Entwicklungspotentiale
ausgewertet.
Ihre
Schwächen
und
Stärken
wurden
in
der
Bestandsaufnahme des Instituts für Stadtplanung und Städtebau Universität Duisburg - Essen
vergleichend beschrieben und in der Bestandsbewertung wurden die deutlichen Unterschiede der
Gebiete aufgezeigt.
Im Einzelnen werden untersucht:
- 4.1
Bebauungspläne oder Lagepläne
- 4.2
Beziehung Wohnen / Arbeit / Erholung
- 4.3
Aufenthaltsqualität / Freiraum- und Grünplanung
- 4.4
Erscheinungsbild / Identität / Ortsprägende Potentiale
- 4.5
Flächenmanagement
Darüber hinaus sind weitere Punkte zu berücksichtigen die hier kurz angesprochen werden:
Umweltverträglichkeitsprüfung
In
der
Bauleitplanung
ist
die
Umweltverträglichkeitsprüfung
ein
gesetzlich
vorgesehenes
Prüfverfahren mit dem die mittelbaren und unmittelbaren Auswirkungen von Vorhaben auf die Umwelt
festgestellt und bewertet werden. Dies ist in der Regel eine auf lokale Ereignisse einer Nutzung auf
einem
Grundstück
reagierende,
emittentenfixierte
Sichtweise.
Es
geht
dabei
um
die
Schutzgüterbetrachtung und deren Umsetzung in der Planung.
Zukünftig aber geht es um die Stadt als Ganzes oder auch seine Teile, z.B. Industrie- und
Gewerbegebiete als Gesamtemittenten mit einem überregionalen Blickwinkel zu betrachten und zu
bewerten. Es geht weniger um reagierendes Planen, sondern um langfristig angelegte Prävention.
Kurzfristige Stadtpolitik, Ressortgrenzen, zu enge Förderpraktiken und weitere Abhängigkeiten
müssen überwunden werden. Das heißt als Maßnahme, dass geltendes Planrecht, Verfahren und
Verfahrensschritte und die städtebaulichen Leitbilder überarbeitet werden müssen.
Gestaltungshandbuch
Bestehende Gewerbegebiete sind mit Bezug auf die Umgebung, hinsichtlich der gestalterischen,
verkehrstechnischen oder auch störenden Wirkung, aber auch in Bezug auf die inneren Qualitäten
des Gebietes, also Aufenthaltsqualität, Auffindbarkeit, Repräsentation, Orientierung, Dach- und
Fassadenbegrünung, Eingrenzungen, Farb- und Materialgestaltung usw. zu entwickeln.
Um die Gebiete in diesem Sinne einer Veränderung oder Verbesserung zuzuführen, bedarf es einer
präzisen Bearbeitung entlang des öffentlichen und privaten Bestandes, z. B. mit Unterstützung eines
Gestaltungshandbuches.
Dies
nimmt
erstmalig
die
CO2-Reduzierung
über
Material- oder
Baustoffwechsel oder Bauteilergänzung in den Fokus. Das heißt, dass Ersatzmaßnahmen, z.B. der
17
Austausch vorhandener Materialien (Asphaltbelag durch versickerungsfähiges Pflaster) oder
Ergänzung vorhandener Wandaufbauten (Ziegel – Putzmauerwerk + Wärmedämmverbundsystem)
oder Hinzufügen einer Fassadenbegrünung oder Solaranlage auf einfache Weise und wirksam einer
überschläglichen Prüfung der Maßnahmen und damit der Entscheidungsfindung zugeführt werden
können.
Gestaltungshandbücher
und
damit
einhergehend
Informationsveranstaltungen
und
Beratungsgespräche werden notwendige begleitende Instrumente zur Qualifizierung eines Gebietes,
sowohl nach innen, als auch nach außen. Sie bieten planungsrechtlich abgesicherte Möglichkeiten
unter Berücksichtigung der individuellen Gestaltungsfreiheit. Sie dienen der Verwaltung, den
Bewohnern, den Mitarbeitern und den Unternehmen als Leitfaden zur Erzielung einer stadträumlichen
Qualifikation und zu einer Abstimmung der bestehenden oder zu ergänzenden Gebäudeanlage
untereinander, so dass in einem Gebiet eine eigene Identität (Corporate Identity) entsteht. Dies ist
die Voraussetzung für die Identifikation aller Beteiligten mit den Gebäuden, dem Gebiet und der
Umgebung.
Merke: Ordnungsprinzipien zur Gestaltung ermöglichen Vielfalt und verhindern Beliebigkeit.
Kurz vor der Weltklimakonferenz in Kopenhagen einigten sich die weltweit führenden Organisationen
zum nachhaltigen Bauen zu einer gemeinsamen Methodik zur Erfassung der Klimagase (Common
Carbon Metric). Der Gebäude- Kohlenstoffdioxidausstoß wird nun weltweit einheitlich gemessen.
Die Berechnungsmethode soll künftig in den etablierten Bewertungssystemen wie z.B. DGNB3,
BREEAM4, LEED5 und anderen angewandt werden.
Die CO2 – Kennzahlen des angedachten Gestaltungshandbuches für Industrie- und Gewerbegebiete
greifen auf diese Berechnungsmethode zurück.
Maßnahmen:
In einem weiterführenden Projekt erscheint es notwendig, spezifisch ein solches CO2-orientiertes
Handbuch zu erstellen. Ein Kriterienkatalog legt die Grundlagen zur Materialwahl mit CO2Kennzahlen, z.B. für m² entsiegelte Asphaltfläche durch Rasengittersteine, m² Dachbegrünung oder
m² Fensterersatz mit Dreifachverglasung usw., und wird so zur Basis für ein Handbuch, das jedes
Industrie- und Gewerbegebiet individuell einem spezifischen Erscheinungsbild mit einfach zu
ermittelnden Leistungsdaten zuführt.
3
Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen
Building Research Establishment Environmental Assessment Method
5
Linking Education and Economic Development
4
18
4.1
Bebauungspläne oder Lagepläne
Die Auswertung der Bebauungspläne zeigt die ursprüngliche Zielsetzung und die aktuelle Wirkung
der realisierten Erschließung und Bebauung im Gebiet und in der Umgebung. Die Anbindung oder
auch Distanz der Gebiete zur städtischen oder ländlichen Umgebung bez. Wohnen, Arbeiten und
Erholung geben erste wichtige Hinweise auf Potentiale zur CO2- Reduzierung.
4.1.1
Bebauungsplan Industriegebiet Am Kruppwald & An der Knippenburg, Bottrop
Abb. 12: Bebauungsplan IG Kruppwald & Knippenburg
Quelle: Stadtplanungsamt Bottrop
Bebauungsplanung aus den 60ern
Verfahrensvermerke 2004
Plankonzepte 2008
Die baurechtliche Festlegung als Industriegebiet (GI nach § 9 BauNVO) in Bottrop entspricht nicht der
tatsächlichen am Ort vorhandenen Nutzungsstruktur, die stärker gewerblich (GE nach § 8 BauNVO)
orientiert ist. Die Zielsetzung „GI“ bleibt allerdings im Sinne der Unternehmen bestehen.
Dies bedeutet einerseits bessere Entwicklungschancen für die Unternehmen, andererseits aber ein
gesteigertes Störpotential für die „Mischnutzung“ der eingestreuten Wohnorte (s.a. Abb. 16).
19
4.1.2
Lageplan Innovations- und Technologiepark Bremen
Abb. 13: Lageplan ITP Bremen
Quelle: Figge Architekten
Das Gewerbegebiet hat einen hohen Anteil an Betrieben aus freiberuflichen Dienstleistungsbereichen
(vergleiche § 13 BauNVO). Der Technologiepark mit dem Campus der Universität Bremen erzeugt
wenig Güterverkehr. Im Personenverkehr wird überdurchschnittlich auf öffentliche Verkehrsmittel Straßenbahnabschluss- oder nichtmotorisierte individuelle Verkehrsmittel – Fahrräder und auch
Fußgänger - zurückgegriffen.
20
4.1.3 Masterplan / städtebauliche Konzeption der Freien Hansestadt Bremen 2006
Abb. 14: Masterplan ITP Bremen
Quelle: städtebauliches Konzept, Freie Hansestadt Bremen, Sept. 2006
Für Bremen ist 2006 ein „Masterplan Technologiepark“ aufgestellt worden, der bauliche
Nachverdichtungspotentiale aufzeigt. Das Gebiet soll nun nachträglich durchmischt und verdichtet
werden. Ziel des Plans ist es, die bisher offene (lückenhafte) Baustruktur in eine kompakte, städtische
Baustruktur zu überführen. Um das zu erreichen, widmet der Masterplan auch viele derzeit als
Parkplätze genutzte Flächen als potentielle Bauflächen um.
21
4.1.3
Lageplan Industriegebiet „IG Nord“, Kaiserslautern
Abb. 15: Lageplan IG Nord/ Kaiserlautern
Quelle: Katasterplan
Die Stadtrandlage des Industriegebietes ist kritisch zu bewerten. Die Lage in der landwirtschaftlich
geprägten Peripherie führt zu hohem Verkehrsaufkommen durch Pendler und Güter. Eine Anbindung
an den Personen- und Güterschienenverkehr fehlt. 18 Betriebe mit unterschiedlichen Betriebsgrößen.
Die Zuordnung als reines Industriegebiet (GI) entspricht nicht den Nachfragen der Unternehmen, die
eher dem Typus des Gewerbegebietes entsprechen.
22
4.2
Beziehung Wohnen / Arbeit / Erholung
Historisch gab es vielfach eine anspruchsvolle Gewerbe- und Industriearchitektur, da die
Gebäudeanlagen im städtischen Zusammenhang von Wohnen, Arbeiten und Erholen angesiedelt und
dargestellt wurden. Mit der Entwicklung und der Zunahme des motorisierten Individualverkehrs
wurden diese Verflechtungen aufgegeben.
Heute sind nach der Baunutzungsverordnung in Gewerbe- und Industriegebieten rechtlich
vorwiegend Gewerbebetriebe zulässig, ausnahmsweise auch Wohnungen, sowie kulturelle, soziale,
sportliche u.a. Anlagen. Ziel war Schutz vor Lärm, Geruch, Gefahren. Mit dem Ergebnis der
Zersiedelung, der Verkehrszunahme und der entmischten Nutzungen bis hin zur „PendlerPauschale“. Unter Berücksichtigung von Emissions- und Lärmschutz wird die Zusammenführung von
Wohnen, Arbeiten und Erholen, wenn möglich, angestrebt. Kurze Wege = weniger Verkehr ergeben
das größte Potential für CO2- Reduzierung. Der Wandel ist im Gang und wartet nicht auf Beschlüsse.
4.2.1
Industriegebiet Am Kruppwald und An der Knippenburg, Bottrop
Abb. 16: IG Kruppwald & Knippenburg – Wohnen und Arbeiten
- Gewerbeverträgliche Durchmischung
Quelle: Figge Architekten
- Beziehung von Wohnen und Arbeit in der Umgebung
- Ausweisung von Wohnnutzung mit Störpotential
Das Gewerbegebiet liegt gut positioniert in der Region und in der Stadt mit dem Vorteil der relativen
Verkehrsvermeidung aufgrund der Nachbarschaft zu Wohn- und Kerngebieten. Eine über Jahrzehnte
23
gewachsene Mischung aus produzierendem Gewerbe, Logistikunternehmen, Kleinunternehmen und
Wohnrudimenten ergibt eine Gemengelage mit Störpotentialen. Günstige ÖPNV-Anbindung, aber
Lieferverkehr durch Wohngebiete. Günstig gelegene Wohnsiedlungen, aber einzelne Wohngebäude
mit erforderlichem Lärmschutz neben Gewerbebetrieben.
4.2.2 Beziehung Wohnen / Arbeit / Erholung
Innovations- und Technologiepark Bremen
Abb. 17: ITP Bremen - Wohnen und Arbeiten
Quelle: Figge Architekten
- Gewerbeverträgliche Durchmischung
- Beziehung von Wohnen und Arbeit in der Umgebung
Verkehrstechnisch ungünstige Stadtrandlage für überwiegend universitäre Einrichtungen und
freiberufliche Dienstleistungen. Dadurch allerdings hohe Bereitschaft zur Annahme des ÖPNV und
des nichtmotorisierten Individualverkehrs.
Mit der möglichen Nachverdichtung ist eine höhere Durchmischung des Gebietes mit Wohnen, Büros
und Gastronomie erwünscht, also mehr Leben nach Dienstschluss durch Folgenutzungen.
24
4.2.3 Beziehung Wohnen / Arbeit / Erholung
Industriegebiet „IG Nord“, Kaiserslautern
Abb. 18: IG Nord/ Kaiserlautern – Wohnen und Arbeiten
Quelle: Figge Architekten
- Gewerbeverträgliche Durchmischung
- Beziehung von Wohnen und Arbeit in der Umgebung
Angelegt als Industriegebiet mit angedachten hohen Güterverkehrsaufkommen. Heute eine isolierte
verkehrsträchtige Lage umgeben von Landwirtschaft, draußen vor der Stadt. Flächenintensiv geplant,
inzwischen kleinteilig parzelliert. Kaum Folgenutzungen. Keine Anbindung an Wohngebiete. Eine
Standortwahl und –entwicklung, die unter nachhaltigen Gesichtspunkten kaum aufzuwerten ist.
25
4.3
Aufenthaltsqualität / Freiraum- und Grünplanung
Öffentliche und private Flächen in Gewerbegebieten werden in der Regel mit dem gerade
notwendigen Grün ausgestattet. Dies unterschätzt die gestalterische und die psychische Wirkung von
Grünanlagen und Wasserflächen und darüber hinaus den Beitrag zur Klimaverbesserung und zur
CO2-Reduzierung. Maßnahmen in diesem Bereich erfordern, wenn sie mit der Entstehung der
Gebiete und den Unternehmensstandorten entwickelt werden geringe Kosten bei hohem Nutzen.
Vielfach geht es darum, bestehende Vorhaben ein wenig anders umzusetzen, ohne dabei mit
betrieblichen Interessen in Konflikt zu geraten.
Der Pflegeaufwand der Grünanlagen lässt sich mit durchdachten Bewässerungssystemen aus den
anfallenden Oberflächenwassern gering halten. Dazu gehört eine vorausschauende richtige
Pflanzenwahl, die standörtliche Besonderheiten berücksichtigt.
Jedes Unternehmen hat so die Möglichkeit für sich und seine Umgebung das Lokalklima zu
beeinflussen. Heiße Sommertage und staubige Luft im Betriebsgelände können durch Minimierung
versiegelter Flächen, Fassaden, Dächer, Verwendung von Wasser gemildert werden.
Bei entsprechender Außenraumgestaltung können manche Tätigkeiten auch ins Freie verlagert
werden, wie Besprechung, Pause usw.
Über die Erfüllung rechtlicher Rahmenbedingungen zum Schutz der Ressourcen Luft, Wasser und
Boden hinaus, wird vielfach ein umweltfreundliches Image für das Unternehmen erzielt.
Veränderungen im Bereich der sportlichen Aktivitäten wie joggen, Nordic Walking, Inlineskaten und
Radfahren bekommen zunehmend Raum im täglichen oder wöchentlichen Bewegungsdrang aller und
ziehen entsprechende Angebote zunehmend auch in Gewerbegebieten nach sich.
Den eigentlichen Wert dieser Frei- und Grünflächen machen die sogenannten weichen Faktoren, wie
Verbesserung
des Stadtklimas,
Aufwertung
des
menschlichen
Lebensraums,
Beitrag
zur
Orientierbarkeit im Stadtgefüge sowie Sicherung der Standortqualität als Wettbewerbsvorteil
gegenüber anderen Gewerbegebieten aus. Verbesserungen in diesem Bereich steigern somit das
Image und damit den Gesamtwert dieser Gebiete (Stadtteilentwicklung Wien 2005).
26
4.3.1 Aufenthaltsqualität / Grünordnung
Industriegebiet Am Kruppwald & An der Knippenburg, Bottrop
Abb. 19: IG Kruppwald & Knippenburg – Grünflächen/ Aufwertungspotentiale
Quelle: Figge Architekten
Das nahezu komplett belegte Gewerbegebiet weist geringe
raumbildende oder –gestaltende Qualitäten auf. Eher ungeplant gibt
es allerdings eine Anzahl kleinerer und größerer
zusammenhängender Grünflächen, sowohl innerhalb als auch
außerhalb des Gebietes. Die Zielsetzung ist, diese Kleinbiotope so
weit möglich miteinander zu vernetzen, um Korridore für Flora und
Fauna entstehen zu lassen. Dazu ist es notwendig, eine gezielte
ergänzende Begrünung öffentlicher und privater
Grundstücksflächen im übergeordneten Verbund herzustellen. Dies
ist mit einer abgestimmten Bepflanzung und Gestaltung durch
Bäume, Büsche, Hecken, Wasser- oder Sickerflächen sinnvoll.
Diese Grünzonen verbessern das Microklima, sorgen für bessere
Durchlüftung und bieten darüber hinaus die Möglichkeit der
stärkeren Einbindung und Vernetzung des Gebietes mit der
Umgebung.
27
4.3.2 Aufenthaltsqualität / Grünordnung
Innovations- und Technologiepark Bremen
Abb. 20: ITP Bremen – Grünflächen/ Aufwertungspotentiale
Quelle: Figge Architekten
In diesem „vorgeplanten“ Gewerbegebiet sind die Straßenräume anspruchsvoll mit Bäumen und
teilweise mit Bodendeckerflächen gestaltet. Vielfach tragen auch die gestalteten Vorgärten und
Parkplätze mit ihren Einfassungen der privaten Grundstücke zum positiven Gesamteindruck bei.
Dieser Eindruck wird zusätzlich unterstützt von den charakteristischen Bewässerungsgräben, die
gliedernd in Erscheinung treten. Mittelfristig ist beabsichtigt, die zentrale grüne Mitte zu einem
großzügigen Campus – Park mit Aufenthaltscharakter zu entwickeln.
28
4.3.3 Aufenthaltsqualität / Grünordnung
Industriegebiet „IG Nord“, Kaiserslautern
Abb. 21: IG Nord/ Kaiserslautern – Grünflächen/ Aufwertungspotentiale
Quelle: Figge Architekten
Die geringe bauliche Belegung des kaum 10 Jahre alten Gebietes drückt sich auch in dem
Gesamteindruck und damit in der Grüngestaltung in der ländlichen Umgebung aus. Landwirtschaftlich
genutzte Flächen und sparsame eingegrünte Baulandflächen gehen wenig unterscheidbar ineinander
über. So wie die parzellierten Grundstücke auf Bebauung, wartet das gesamte überschaubare
Gewerbegebiet auf gestalterische Aktionen.
Mit der Komplettierung / Belegung der parzellierten Grundstücke erscheint perspektivisch eine
Grünqualifizierung der beiden dominierenden Straßen wichtig. Als gestalterischer Ankerpunkt ist
neben möglichen qualifizierten Architekturen eine deutlich hervorgehobene Gestaltung der
Straßenkreuzung Otto-Hahn Straße / Hans-Geiger Straße / Werner-Heisenberg Straße sinnvoll.
29
4.4
Jedes
Erscheinungsbild / Identität / Ortsprägende Potentiale
Gewerbe-
Besonderheiten,
und
die
Industriebgebiet
herausgearbeitet
hat
seine
werden
individuellen
müssen.
Je
Standortbedingungen
nach
dem
ergeben
und
sich
Entwicklungsmöglichkeiten aus den umgebenden Eigenheiten oder Landmarken oder gewachsenen
Siedlungsstrukturen oder natürlichen kulturellen Merkmalen. Unternehmens- und Gebietskultur muss
nach außen, wie nach innen wirken. Qualifizierte Gebiete haben ein einprägsames Erscheinungsbild
über Merkmale, Außenraum, gestaltete Gebäude, Orientierung, Beleuchtung, u.s.w.
Wirtschaftlichkeit und Gestaltung und Nachhaltigkeit widersprechen sich nicht, sondern sind
Geschwister, die sich gegenseitig stärken.
30
4.4.1 Erscheinungsbild / Identität / Ortsprägende Potentiale
Industriegebiet Am Kruppwald & An der Knippenburg, Bottrop
Abb. 22: IG Kruppwald & Knippenburg – Besonderheiten des Gebietes
Quelle: Figge Architekten
Kruppwald / Knippenburg liegt im
Siedlungszusammenhang mit
einer ganzen Reihe von auffälligen
und auch überörtlich wirksamen
Merkmalen und weit sichtbaren
„Landmarken“. Sie lassen sich zu
einer spezifischen „Gebietsmarke“
entwickeln. Aufgrund der dichten
räumlichen Vernetzung mit den
angrenzenden städtischen
Siedlungen können sich in diesem
Gebiet Innen- und außen
Außenentwicklungen sehr gut
ergänzen. Prägende Gestaltungsaufgaben werden die Kreuzung an der Knippenburg / Brakerstraße
und die Renaturierung der Emscher.
31
4.4.2 Erscheinungsbild / Identität / Ortsprägende Potentiale
Innovations- und Technologiepark Bremen
Abb. 23: ITP Bremen – Besonderheiten des Gebietes
Quelle: Figge Architekten
Vorherrschend im Gebiet ist eine schlichte funktionale und rationale Architektur aus der um so
deutlicher einige bewusst gestaltete Gebäude hervortreten. Einen besonderen Erinnerungswert stellt
das eiförmige Universum dar. Zusätzlich prägen der Fallturm und die Glashalle der Universität optisch
diesen Standort. Der Masterplan „Technologiestandort“ gibt zur Nachverdichtung eine
„Blockrandbebauung“ vor. Mit dieser Vorgabe sind spezifisch architektonische Qualitäten entlang des
Hochschulrings und der Universitätsallee zu entwickeln. Darüber hinaus wirkt dieses Gebiet mit der
Einbindung der Kanäle in die Gestaltung des Stadt- und Straßenraumes und der hohen Qualität der
Radwege.
32
4.5
Flächenmanagement
4.5.1 Versiegelung der Grundflächen
Gewerbegebiete weisen erheblich höhere Versiegelungsanteile als Wohngebiete auf. Umso wichtiger
ist es, sowohl die Grundflächen, aber auch die Gebäudeflächen zu nutzen, um die Versickerung oder
Begrünung - in welcher Form auch immer - zu ermöglichen.
Das Erscheinungsbild und damit auch die CO2- Bilanz bestehender Gewerbegebiete hängt von einer
sinnvollen und wirksamen Entsiegelung und Begrünung ab. Mit grünordnerischen Empfehlungen und/
oder Festsetzungen, sowohl für den öffentlichen wie auch privaten Bereich, sind diese Maßnahmen
nachhaltig zu sichern.
Abb. 24: Behandlung Flächenversiegelung
Quelle: Figge Architekten
Die ungebremste Versiegelung von Bodenflächen stellt ein Problem für den natürlichen
Wasserhaushalt dar, da Regenwasser durch eine Sperrschicht nicht ins Erdreich eindringen und die
Grundwassermenge regulieren kann. Auch Flora und Fauna werden durch Flächenversiegelung
gestört. Hauptversiegelungsflächen sind Wege und Straßen, Gebäude, Asphalt- und Pflasterflächen
für Parkplätze, etc.
33
Regenwasser, das nicht natürlich versickern kann wird in Misch- oder Trennsysteme aufgenommen
und zusammen mit dem Abwasser Kläranlagen zugeführt.
Zur ökologischen Regeneration des Wasserhaushalts sollten Maßnahmen getroffen werden, die der
Steigerung der Versickerungsmenge von Niederschlagswasser dienen. Größtes Potential bietet die
Versickerung des Dachflächenwassers (A), da dieses mittels Mulden, Rigolen und anderen Systemen
theoretisch bis zu 100% dem natürlichen Kreislauf zurückgeführt werden kann. Die extensive
Begrünung von Dachflächen kann diesen Effekt aufgrund verzögerter Wasserabgabe und
Teilverdunstung unterstützen. Ebenfalls großes Potential bietet die Entsiegelung von nichtöffentlichen
Flächen (B). Parkplatzflächen, sowie Wege und Zufahrten können durch offenporige oder teiloffene
Oberflächen das Eindringen von Regenwasser ermöglichen. Außerdem besteht die Möglichkeit der
Ableitung des anfallenden Niederschlags über Mulden oder Rigolen.
Die Entsiegelung öffentlicher Verkehrsflächen (C) kann z.B. durch Straßen begleitende Mulden erhöht
werden.
34
4.5.2
Versiegelung Industriegebiet Am Kruppwald & An der Knippenburg, Bottrop
Abb. 25: IG Kruppwald & Knippenburg - Flächenversieglung
Quelle: Stadt Bottrop, Versiegelte Flächen (FT324), 2007
Die Versiegelung der Gesamtfläche des Gewerbegebietes liegt bei
ca.67%.
Den größten Anteil machen die nichtöffentlichen
versiegelten
Bodenflächen aus. Ihr Anteil liegt bei ca. 31%. Hauptsächlich zählen
dazu Parkplatzflächen, Zufahrten, Wege, etc. auf den jeweiligen
Grundstücken. Synergieeffekte können erzielt werden, indem zum
Beispiel Parkplatzflächen von mehreren Grundstückseignern gemeinsam genutzt werden. Eine
höhere Auslastung geringerer Flächen kann zur Entsiegelung beitragen.
Nicht den größten Anteil, aber das größte Potential bieten die Dachflächen. Ihr Anteil beträgt 27% der
gesamten Gebietsfläche.
Theoretisch ist bei den Dachflächen durch 100% Versickerung eine Kanalisationsentlastung der
Niederschlagswassermenge von ca. 200’000m³/a möglich. Bezüglich der Kosten ist eine
durchschnittliche Einsparung für das gesamte Gebiet von ca. 230’000€/a möglich.
Durch Entsiegelung der sonstigen versiegelten Bodenflächen bietet sich weiteres Einsparpotential.
35
4.5.3
Auswertung der Versiegelung Kruppwald / Knippenburg, Bottrop
Grundlage: Stadtplanungsamt Bottrop, Versiegelte Flächen 2007, M= 1:5000, daraus digitale
Mengenermittlung
Abb. 26: IG Kruppwald & Knippenburg – Verteilung der Versiegelungsflächen
Quelle: Figge Architekten
Durchschnittliche Niederschlagsmenge Bottrop 829mm/m²/a
(Quelle: www.lexolino.de/c,geographie_kontinente_europa_staaten_deutschland_st%E4dte,bottrop)
Niederschlagswassergebühren Bottrop: 0,98€/m2/a
(Quelle: Emscher Genossenschaft – http://www.emscher-regen.de/meineStadt/meineStadt)
Niederschlagswassermenge
Öffentliche Verkehrsflächen
78’563m² x 829mm/m²/a =
65’106m³/a
Versiegelte Bodenflächen auf den Grundstücken
274‘276m² x 829mm/m²/a
=
227‘374m³/a
Dachflächen (Gebäudegrundflächen):
236‘958m² x 829mm/m²/a
=
196‘438m³/a
versickerungsfähige Flächen:
296‘870m² x 829mm/m²/a
=
246‘105m³/a
Gesamtmenge Regenwasser:
735‘023m³/a
36
4.5.4
Versiegelung Innovations- und Technologiepark Bremen
Masterplan Bremen
Abb. 27: ITP Bremen- Flächenversiegelung
Quelle versiegelte Flächen: www.bing.com/maps
37
4.5.5 Auswertung der Versiegelung Innovations- und Technologiepark Bremen
digitale Mengenermittlung aus Masterplan Bremen
Abb. 28: ITP Bremen – Verteilung der Versiegelungsfläche
Stand 2009 - Quelle: Figge Architekten
Die Auswertung der Versiegelung des Gebietes stellt einen Zwischenstand im Jahr 2009 dar. Da die
weitere Bebauung des Gebietes geplant ist, lässt die Auswertung keine konkreten Rückschlüsse zu.
Hier kann nur allgemein auf die zukünftige Verwendung versickerungsfähiger Beläge und anderer
Maßnahmen verwiesen werden, die einer positiven Ökobilanz zuträglich sind.
38
4.5.6 Versiegelung Industriegebiet „IG Nord“, Kaiserslautern
Grundlage: Katasterplan, daraus digitale Mengenermittlung
Abb. 29: IG Nord/ Kaiserslautern - Flächenversiegelung
Quelle versiegelte Flächen:
4.5.7
diverse Luftbilder Stand 2008 www.zeroemissionpark.de
Auswertung der Versiegelung
Abb. 30: IG Nord/ Kaiserslautern – Verteilung der Versiegelungsfläche
Quelle: Figge Architekten
Die Auswertung der Versiegelung des Gebietes stellt einen Zwischenstand im Jahr 2009 dar. Da die
weitere Bebauung des Gebietes geplant ist, lässt die Auswertung keine konkreten Rückschlüsse zu.
Hier kann nur allgemein auf die zukünftige Verwendung versickerungsfähiger Beläge und anderer
Maßnahmen verwiesen werden, die einer positiven Ökobilanz zuträglich sind.
39
5.0
Energetische Bauteilbetrachtung der Gebäude
Industrieanlagen zählen, wie auch die sonstigen Gebäude, zu langlebigen Gütern. Mit ihrer
Herstellung, Errichtung, Nutzung und Bewirtschaftung verursachen sie ca. 30 % der Energie- und
Stoffströme.
Zur nachhaltigen Erstellung von Neubauten wurden große Fortschritte erzielt.
Allerdings liegt ein großes Potential in der Weiternutzung oder Umnutzung von Bestandsgebäuden,
soweit sie mit zeitgemäßen Ertüchtigungen der Hüllflächen und der technischen Anlagen überarbeitet
werden können.
Der Lebenszyklus von Gebäuden wird damit zu einer wesentlichen Möglichkeit und Aufgabe zur
nachhaltigen Gestaltung in bestehenden Gewerbegebieten.
Betriebsnutzungs- und Instandhaltungskosten werden zu wirtschaftlichen Kriterien des Unterhaltes
und des Erhaltes von Gebäuden
5.1
Energetische Betrachtung der Gebäudehülle s.a. 7.1.3
Abb. 31 a: Dach, Fassade, Zonen- Innenwände
Quelle: Figge Architekten
Die energetische Betrachtung der Gebäudehülle ist für Gewerbeanlagen grundsätzlich differenzierter
als für Wohngebäude. Während bei Wohngebäuden in der Regel die Zielsetzung eine konstant
behagliche Temperatur für alle Wohnräume ist, so können im Industrie- und Gewerbebau die
Anforderungen an Räume von Zone zu Zone extrem unterschiedlich sein.
Abb. 31 b: Dach, Fassade, Zonen- Innenwände
Quelle: Figge Architekten
40
Die Spannweite reicht von der reinen Hülle als Wetterschutz für eine Lagerhalle über die Produktion
von z.B. Kunststoffspritzteilen mit hohem Anteil an Prozesswärme bis zum Tiefkühllager. Des
Weiteren sind die Verwaltungs- und Sozialbereiche mit Kantinen und Technikbereichen und ihren
unterschiedlichen Raumkonditionen zu berücksichtigen.
Abb. 31 c: Dach, Fassade, Zonen- Innenwände
Quelle: Figge Architekten
Diese unterschiedlichen Zonen können auch innerhalb eines Gebäudes direkt aneinander grenzen.
Das heißt, die eine Zone gibt Wärme ab, die angrenzende Zone nimmt Wärme auf. Somit müssen
alle Gebäudeteile zunächst zoniert und dann sowohl separat, als auch gemeinsam betrachtet werden.
Energieverluste können hier stärker als bei Wohngebäuden auch innerhalb des Gebäudes auftreten.
Grundsätzlich sollten hier Fassadenflächen, Dachflächen und Zonen- Innenwände überprüft werden,
um Energiesparpotentiale zu ermitteln.
41
5.2
Begrünung von Dach und Fassade
Abb. 32: Begrünungsmöglichkeiten von Gebäuden
Quelle: Figge Architekten
Die oftmals großen Dach- und Fassadenflächen mit einem großen Anteil an zusammenhängend
geschlossenen Flächen bieten gute Vorraussetzungen zur Begrünung. Zur Begrünung von
bestehenden Industriedächern bietet sich die „extensive“ Dachbegrünung an, da ein geringeres
Gewicht als bei der „intensiven Dachbegrünung“ der bestehenden Gebäude entgegen kommt.
Die Machbarkeit bezüglich der ausreichenden Tragfähigkeit der Konstruktionen ist im Einzelfall zu
prüfen.
Fassadenflächen können unterschiedlich begrünt werden. In Abhängigkeit von der Bestandsfassade,
zu treffender Ertüchtigungsmaßnahmen, Pflanzenart, Unterkonstruktion und Gebäudeausrichtung
(Besonnung) sowie einer Bewässerungslösung mittels Regenwassers muss jeweils eine individuelle
Lösung erarbeitet werden.
42
6.0
Solarenergiegewinnung über Dach und Fassade
Abb. 33: Nutzung von Solarenergie an Gebäuden
Quelle: Figge Architekten
Statik und Baukonstruktion
Bei der Planung von solarthermischen Anlagen (ST) und Photovoltaikanlagen (PV) sind die
Konstruktionsweise und die Statik des Daches von entscheidender Bedeutung.
Da in der Regel bei Gewerbebauten unabhängig von Stahl- oder Stahlbetonbauten äußerst
wirtschaftlich geplant, gerechnet und ausgeführt wird, muss präzise überprüft werden, welches solare
System mit welcher Last und mit welchen Befestigungstechnologien verwendet werden kann.
Weiter sind die unterschiedlichen Dachformen bezüglich ihrer Nutzbarkeit der Dachfläche zu
unterscheiden. Entsprechende Korrekturfaktoren sind zu berücksichtigen.
Jede Dachkonstruktion muss bezüglich des zusätzlichen Eigengewichtes, des entstehenden
Windsoges und Staudruckes berechnet werden. Daher sind Dächer grundsätzlich einer statischen
Eignungsprüfung zu unterziehen.
43
Da wirtschaftliche Gesichtspunkte bei der Planung der Anlage immer eine Rolle spielen, ist es
wichtig, die Kosten für die Projektierung, statische Berechnung und die notwendige Unterkonstruktion
möglichst gering zu halten. Effiziente Lösungen können die Wirtschaftlichkeit der Anlage erhöhen.
Folgende Planungsschritte sind kurzgefasst zur Umsetzung einer Solaranlage für ein Bestandsdach
notwendig:
1. Auslegung der Solaranlage (Kollektorfläche, Kollektortyp, Kollektorverschaltung, Anordnung
auf der Dachfläche)
2. Statische und baukonstruktive Analyse des Gebäudes bzw. Daches (Einordnung nach
Dachtypen)
3. Ableitung der statischen Ausgangsgrößen (Ermittlung des Lastbildes des Solarkollektors)
4. Aufbau eines Tragsystems (Unterkonstruktion) zur Ableitung der anfallenden Lasten in die
Konstruktion des Gebäudes. (Überprüfung einer flächigen oder einer punktuellen
Lastabtragung)
5. Statische und baukonstruktive Durchbildung der Unterkonstruktion und fachgerechte
Anbindung an die Dachebene (Festigkeit und Tragfähigkeit der Wärmedämmschicht müssen
ebenfalls überprüft werden, um Verformungen und Unebenheiten zu vermeiden)6
Wichtig zu erwähnen ist, dass die Planung und Ausführung einer Solaranlage immer einer
individuellen Lösung bedarf, da jedes Gebäude eine eigenständige Konstruktion aufweist.
Bauordnungsrechtliche Genehmigung
Es gibt keine Genehmigungspflicht für die Errichtung von solarthermischen Anlagen oder
Photovoltaikanlagen auf Gebäuden. Dennoch macht es in der Regel Sinn, dies örtlich nachzufragen.
Dachtypen
Die Nutzbarkeit von Flachdächern ist unter Berücksichtigung von Dachöffnungen die Ergiebigste.
Oberlichtkonstruktionen zur Tageslichtgewinnung oder Rauchwärmeabzugsanlagen müssen hier
berücksichtigt werden. Schräg- und Tonnendächer schränken die Ausnutzung erheblich ein, sollten
sie nicht der der optimalen Ausrichtung (Süden, 30° - 45°) entsprechen.
Sheddachkonstruktionen sind in der Regel wegen des Nordtageslichtgewinns nach Süden
ausgerichtet und bieten wiederum aufgrund Verschattung lediglich im oberen Bereich des Sheds
Ausnutzungsflächen. Grundsätzlich ist die Integration bei allen Flachdachtypen (Warmdächern,
Kaltdächern, Umkehrdächern sowie zusätzlich begrünten Dachflächen) möglich.
Die oft großen zusammenhängenden Flächen ermöglichen sowohl eine einfache und damit
preisgünstige Montage, als auch eine problemlose Splitterwartung. Die Module müssen so
aufgeständert sein, dass sie sich nicht gegenseitig verschatten, d.h. ausreichender Abstand zwischen
den Modulen.
6
44
(Planungsschritte nach: „Tragkonstruktionen für Solaranlagen“, 2001 ISBN: 3-934595-11-1)
Bei Installation auf Gründächern muss gewährleistet sein, dass die Begrünung die Module nicht
verschattet.
45
7.0
Exemplarische energetische Industriegebäudesanierung
CO2-Reduzierung durch Sanierung der Einzelgebäude
Die bestehenden, teilweise vollständig bebauten Gewerbegebiete sollen unter dem Gesichtspunkt der
CO2-Einsparung nachträglich qualifiziert werden. Die Ertüchtigung bestehender Gebäudeanlagen
bez. Ihrer Gebäudehüllflächen und der technischen Anlagen ergibt in aller Regel ein hohes
Reduktionspotential. Zu berücksichtigen ist die Altersstruktur der Gebäudeanlagen und damit auch
das Entwicklungs- oder Entstehungsalter der Industrie- und Gewerbegebiete, d. h. pauschal
vereinfacht: Je älter die Gebäudeanlage und in der Regel auch das Gewerbegebiet, umso geringer
die wärmedämmtechnische Ausstattung der Hüllflächen und die Energieeffizienz der technischen
Anlagen. Insofern ist zu erwarten, dass in dem Gewerbegebiet Kruppwald / Knippenburg in Bottrop
aus den 60er-Jahren deutlich mehr Reduktionen zu erzielen sind, als in den Gewerbegebieten
Bremen und Kaiserslautern. Weiter sind in der Regel Produktionsgebäude effizienter zu ertüchtigen
als Dienstleistungsgebäude, da die Zonierung und die Konditionierung der häufig extrem
unterschiedlich genutzten Gebäudeteile deutlicher einer Optimierung zugeführt werden können.
Ziel war ursprünglich eine konkrete Gebäudeanlage aus einem der untersuchten Gebiete dieser
exemplarischen Betrachtung und Berechnung zuzuführen. Dies erwies sich als nicht möglich, sodass
hier
eine
Gebäudeanlage
außerhalb
dieser
Gewerbegebiete
sozusagen
als
durchaus
charakteristisches Referenzgebäude beispielhaft erarbeitet wurde.
Eine Betrachtung der Einsparmöglichkeiten des einzelnen Gebäudes erfolgt in einer Reihe von
Schritten, die in enger Zusammenarbeit mit der Unternehmensführung erarbeitet werden müssen:
1. Schritt: Erfassung aller Gebäudedaten bzgl. Nutzungszonen, Hüllfläche und Anlagentechnik,
Bedarfsanalyse
2. Schritt: Zusammenstellung der Energieverbrauchswerte
3. Schritt: Bilanzierung des IST- Zustandes bzgl. CO2- Emission
4. Schritt: Ausarbeitung von Sanierungszielen und Umsetzungsvorschlägen
5. Schritt: Darstellung der Einsparpotenziale mit verschiedenen Szenarien
6. Schritt: Überprüfung der Wirtschaftlichkeit und Fazit
Zur Erläuterung des Verfahrens wurde ein repräsentatives Produktionsgebäude gewählt ohne
Auswertung der Kenndaten eines spezifischen Unternehmens.
7.1
Erfassung aller Gebäudetypen bzgl. Nutzzonen, Hüllfläche und Anlagentechnik,
Bedarfsanalyse
7.1.1 Kenndaten für ein typisches Industriegebäude aus dem Jahr 1970:
Ausgangszenarium ist ein metallverarbeitender Betrieb mit ca. 90 Beschäftigten.
Energieverbrauchszahlen stehen nicht zur Verfügung, daher wird der Energiebedarf unter
Normbedingungen (DIN V18599) zu Grunde gelegt.
46
-
Angenommenes Baujahr: 1972
-
Bauweise: Stahlskelettbau mit Porenbetonfassadenelementen, Hallendach aus Trapezblech,
Verwaltung Ortbetondach. Lichtkuppeln teilweise als RWA- Anlagen
-
Nutzungen: Produktion, Werkstatt/Montage, Verwaltung, Kantine, Personal/Sanitärräume
-
Hauptenergieträger : Erdgas
-
Wärmeerzeugertyp: Niedertemperatur Gas-Spezial-Kessel von 1990
-
Verteilung: Luftheizung, Zweirohrnetz
-
Kombination mit Warmwassererzeugung
-
Lüftung: teilweise Abluftanlage ohne Wärmerückgewinnung
-
Druckluftanlage
-
Transformatorstation
Abb. 34: Ist- Zustand Beispielgebäude
Nettogrundfläche:
10.937 m²
Bruttovolumen:
72.882 m²
Wärmeübertragende Umfassungsfläche:
25.296 m²
Süd-West Seite
Süd-Ost Seite
Quelle: Figge Architekten
7.1.2 Festlegung Nutzungszonen
Die Unterscheidung in verschiedene Nutzungszonen mit spezifischer Konditionierung für Beheizung,
Belüftung, Beleuchtung etc. ist eine Normvorgabe für Energiebedarfsausweise und lässt auch für die
Erfassung von Einsparpotentialen eine komplexe Betrachtungsweise zu.
Im Praxisfall sind die Zonen so zu wählen, dass auch eine langfristige Nutzungsvarianz berücksichtigt
werden kann.
Für
jede
Nutzungszone
werden
dabei
die
Grundfläche
wärmeübertragende Umfassungsfläche einzeln ermittelt.
47
und
das
Volumen,
sowie
die
Abb. 35: 3-D Modell Zonierung
1.Produktion
OG
2.Werkstatt, Montage
EG
3.Verwaltung
4.Kantine
5.Sanitär
6.Technik
7.Verkehrsflächen
8.Lager- unbeheizt
Quelle: Figge Architekten
7.1.3 Für
die
Berechnung
der
Wärmeverluste
sind
die
Flächen
und
die
Wärmedurchgangskoeffizienten (U-Wert) der umfassenden Bauteile der jeweiligen Zone zu ermitteln.
Tab.1: Beispiel Hüllflächen der Zone Produktion
Bauteilübersicht
Produktion
Name
Fläche
m²
Uwert
W/m²K
Orientierung
FX
Wärmebrückenzuschlag W/m²K
Wärmetransferkoeffizient
W/K
AW_S
421,77
0,82
Süd
1,00
0,10
388,02
80,00
3,00
Süd
1,00
0,10
248,00
576,92
0,82
Ost
1,00
0,10
533,45
13,00
3,00
Ost
1,00
0,10
40,30
FE01_S
AW_O
FE01_O
48,00
3,00
Ost
1,00
0,10
148,80
BO_ERD
FE02_O
8.056,15
3,48
Horizontal
0,45
0,10
13.421,54
DA
7.718,65
1,13
Süd
1,00
0,10
9.493,94
337,50
5,40
Süd
1,00
0,10
1.856,25
501,77
1,39
Süd
0,50
0,10
Lichtkuppel 1
IW_N
747,63
Quelle: Figge Architekten
48
Tab. 2: Übersicht der Kenndaten der einzelnen Zonen mit Festlegung der Standardprofile
nach DIN V 18599 Teil 10
Zonenübersicht
Zone Produktion
Nettogrundfläche
7.331,10 m²
Wärmeübertragende Umfassungsfläche
Bruttovolumen
58.004,3 m³
Nettovolumen
Konditionierung
Profil
Richtwert Warmwasser
17.753,76 m²
49.118,3 m³
nur Beheizung, Lüftungsanlage mit Heizfunktion
22.2 Gewerbliche und industrielle Hallen – feine Arbeit (Standardprofil)
0,00 Wh/d
Zone Montage, Werkstatt
Nettogrundfläche
Bruttovolumen
781,94 m²
3.140,8 m³
Wärmeübertragende Umfassungsfläche
Nettovolumen
Konditionierung
2.512,6 m³
nur Beheizung, Einfaches Lüftungssystem
Profil
Richtwert Warmwasser
1.317,79 m²
22 Werkstatt, Montage, Fertigung (Standardprofil)
579,00 Wh/d
Zone Verwaltung
Nettogrundfläche
Bruttovolumen
703,93 m²
2.417,7 m³
Wärmeübertragende Umfassungsfläche
Nettovolumen
Konditionierung
2.534,1 m³
nur Beheizung, Keine Luftaufbereitung
Profil
Richtwert Warmwasser
2.184,97 m²
2 Gruppenbüro (zwei bis sechs Arbeitsplätze) (Standardprofil)
14,00 Wh/d
Zone Kantine
Nettogrundfläche
Bruttovolumen
402,53 m²
1.990,5 m³
Wärmeübertragende Umfassungsfläche
Nettovolumen
Konditionierung
nur Beheizung, Einfaches Lüftungssystem
Profil
Richtwert Warmwasser
953,35 m²
1.449,1 m³
12 Kantine (Standardprofil)
300,00 Wh/d
Zone Sanitärräume
Nettogrundfläche
Bruttovolumen
422,97 m²
1.859,9 m³
Wärmeübertragende Umfassungsfläche
Nettovolumen
Konditionierung
nur Beheizung, Lüftungsanlage mit Heizfunktion
Profil
Richtwert Warmwasser
848,65 m²
1.370,8 m³
16 WC und Sanitärräume in Nichtwohngebäuden (Standardprofil)
120,00 Wh/d
Zone Verkehrsflächen
Nettogrundfläche
Bruttovolumen
1.098,62 m²
4.697,7 m³
Wärmeübertragende Umfassungsfläche
Nettovolumen
Konditionierung
3.758,1 m³
nur Beheizung, Keine Luftaufbereitung
Profil
Richtwert Warmwasser
1.581,47 m²
19 Verkehrsflächen (Standardprofil)
0,00 Wh/d
Zone Technik
Nettogrundfläche
Bruttovolumen
Konditionierung
Profil
196,30 m²
772,0 m³
Wärmeübertragende Umfassungsfläche
Nettovolumen
656,77 m²
588,9 m³
nur Beheizung, Keine Luftaufbereitung
20 Lager, Technik, Archiv (Standardprofil)
Richtwert Warmwasser
0,00 Wh/d
Quelle: Figge Architekten
In der konkreten Bearbeitung werden die Standardprofile mit den tatsächlichen Gegebenheiten
abgeglichen. Wie z.B. Nutzungszeiten, Beleuchtungsqualität, Luftqualität usw.
49
7.2
Zusammenstellung der Energieverbrauchswerte
Eine möglichst differenzierte Aufstellung der tatsächlichen Energieverbräuche je Erzeugereinheit und
Energieträger der letzten drei Jahre sind für eine Ist-Analyse auf jeden Fall erforderlich und sollten bei
konkreten Untersuchungen zur Verfügung stehen.
In diesem Bespielgebäude sind hierzu keine Angaben möglich.
7.3
Bilanzierung IST- Zustand bzgl. CO2- Emission
Für jede Zone wird der Wärmeverlust über die Hüllfläche und die Anlagenverluste mit den
Wärmegewinnen bilanziert.
Beispiel Zone 1 Produktion:
Jährlicher Primärenergiebedarf: ca. 4.842.900,0 KWh/a absolut, ermittelt aus der Addition der
Monatswerte
Tab. 3: Primärenergiebedarf Produktion
kWh/m
²a
[kWh/m²mnth]
Janu
ar
Febr
uar
März
April
Mai
Juni
Juli
Augu
st
Sept.
Okto
ber
Nov.
Dez.
gesa
mt
71,7
57,5
49,1
24,0
12,2
4,3
0,8
0,8
8,9
30,6
46,9
62,1
368,8
Trinkwarmwasser
0,0
0,0
0,0
0,0
0,0
0,0
0,0
0,0
0,0
0,0
0,0
0,0
0,0
Beleuchtung
2,5
1,9
1,8
1,5
1,4
1,3
1,4
1,5
1,7
2,1
2,4
3,0
22,6
Belüftung
4,4
3,9
4,4
4,2
4,4
4,2
4,4
4,4
4,2
4,4
4,2
4,4
51,5
Kühlung
0,0
0,0
0,0
0,0
0,0
0,0
0,0
0,0
0,0
0,0
0,0
0,0
0,0
Bonus z.B. durch
KWK
0,0
0,0
0,0
0,0
0,0
0,0
0,0
0,0
0,0
0,0
0,0
0,0
0,0
78,6
63,3
55,3
29,7
18,0
9,8
6,5
6,7
14,8
37,0
53,6
69,5
442,8
Heizung
Primärenergie
Quelle: Figge Architekten
Der Primärenergiebedarf beträgt für die Produktion 442,8 kWh/m²a
Abb. 36: Balkendiagramm des monatlichen Primärenergiebedarfs
Quelle: Figge Architekten
50
Aus diesen Einzelwerten der unterschiedlichen Zonen ergibt sich die Gesamtbilanz für das Gebäude:
Abb. 37: Gesamtenergiebilanz des Gebäudes
Quelle: Figge Architekten
Der Vergleich mit dem Anforderungswert der EnEV zeigt das Sanierungspotential.
Tab.4: Vergleich mit Anforderungswert der EnEV
Gebäude
482,0 kWh/m²a
EnEV 2009 Anforderungswert
228,0 kWh/m²a
Der Nachweis ist nicht erfüllt!
Differenz zu EnEV Vergleichswert
196,0 %
Quelle: Figge Architekten
CO2 Emission: ca. 1.350,0 to/a
Weitere Grenzwerte sind die berechneten Mittelwerte des Wärmedurchgangs der einzelnen
Bauteilgruppen, als da sind: Opake Bauteile, transparente Bauteile und Lichtkuppeln.
Hieran kann man den Sanierungsbedarf der Außenhülle abschätzen.
Tab.5: Vergleich der errechneten Werte mit den Sollwerten
Nachweis der Einhaltung der Höchstwerte der Wärmedurchgangstransferkoeffizienten
Raumsolltemperatur der Zonen
19,0 °C
Bereich
Opake Außenbauteile (Tabelle 2 Zeile 1)
Mittelwert
1,16 W/(m²K)
Hüllfläche
9.623,5 m²
Bereich
3,00 W/(m²K)
Hüllfläche
141,0 m²
5,40 W/(m²K)
Hüllfläche
337,5 m²
230,3 %
Höchstwert
Differenz zu EnEV Neubau
2,66 W/(m²K)
57,9 %
Höchstwert
Differenz zu EnEV Neubau
4,34 W/(m²K)
74,2 %
21,0 °C
Bereich
Opake Außenbauteile (Tabelle 2 Zeile 1)
Mittelwert
0,74 W/(m²K)
Hüllfläche
5.741,9 m²
Bereich
Höchstwert
Differenz zu EnEV Neubau
0,49 W/(m²K)
112,4 %
Transparente Außenbauteile (Tabelle 2 Zeile 2)
Mittelwert
3,00 W/(m²K)
Hüllfläche
555,8 m²
Bereich
0,49 W/(m²K)
Glasdächer, Lichtbänder, Lichtkuppeln (Tabelle 2 Zeile 4)
Mittelwert
Raumsolltemperatur der Zonen
Differenz zu EnEV Neubau
Transparente Außenbauteile (Tabelle 2 Zeile 2)
Mittelwert
Bereich
Höchstwert
Höchstwert
Differenz zu EnEV Neubau
2,66 W/(m²K)
57,9 %
Glasdächer, Lichtbänder, Lichtkuppeln (Tabelle 2 Zeile 4)
Mittelwert
5,40 W/(m²K)
Hüllfläche
7,5 m²
Errechneter
Mittelwert
Höchstwert
Differenz zu EnEV Neubau
4,34 W/(m²K)
74,2 %
Sollwert
Quelle: Figge Architekten
51
7.4
Ausarbeitung von Sanierungszielen und Umsetzungsvorschlägen
7.4.1 Sanierungsziele Beispielgebäude
Vor dem Hintergrund der ermittelten Verbräuche und Kosten für die Energiebereitstellung können in
Zusammenarbeit mit dem Unternehmen ein oder mehrere Sanierungsziele erarbeitet werden.
Sanierungsmaßnahmen an der Gebäudehülle sind wirtschaftlich zu überprüfen und an das
langfristige Nutzungskonzept des Betriebes anzupassen. Dabei kann es sinnvoll sein, durch
Überbauung unbeheizte Pufferzonen zu integrieren oder Zonen neu zu organisieren. Für das
Bespielgebäude wurde untersucht, welchen Effekt die Anpassung der Dämmqualität an den heutigen
technischen Standard hat. Darüber hinaus wird versucht, den Anforderungswert der EnEV 2009
durch Modernisierung der Wärmeerzeugung zu erreichen. Einen deutlichen Schritt in Richtung „Zero
Emission“ lässt sich erst mit dem konsequenten Einsatz von erneuerbaren Energien und der Nutzung
aller betrieblichen Abwärmeprozesse erreichen.
Ein weiteres Sanierungsziel im Gewerbegebiet ist die Überprüfung nach Energie- Synergien. Das
heißt z.B. Abgabe oder Annahme von Energieüberschüssen aus Prozesswärmerückgewinnung.
Gemeinsame Energieerzeugung, gemeinsamer Energieeinkauf usw.
7.4.2 Sanierungsvorschläge Gebäudehülle
siehe auch Kap. 5.1
Für die Bauteildämmung in diesem Beispielgebäude werden folgende Maßnahmen vorgeschlagen
und einer Prognose zu Grunde gelegt:
Außenwände: Verringerung des U-Wertes von 0,8 auf 0,22 W/m²K durch eine zusätzliche
Dämmschicht (15 cm) aus Schaumglasplatten aus recyceltem Altglas auf den vorhandenen
Porenbetonelementen. Diese Dämmschicht benötigt nur noch einen Sichtschutz z.B. durch eine
Begrünung auf einem Rankgerüst oder eine textile Membran.
Innenwände gegen unbeheizte Räume: Verringerung des U-Wertes von 1,4 auf 0,21 W/m²K durch
eine beschichtete Dämmschicht ca. 15 cm.
Fensterflächen: Erneuerung der Fenster mit neuem U-Wert von mind.1,3 W/m²K.
Sonnenschutzmaßnahmen überprüfen.
Dachflächen: Verringerung des U-Wertes von 1,1 auf 0,28 W/m²K durch zusätzliche Dämmschichten
mit Schaumglasplatten bzw. Glasschaumschotter aus Altglas als Umkehrdach. Zusätzliche
Lichtbänder über den Verkehrszonen für bessere Tageslichtnutzung mit Multifunktionsgläsern
(Sonnenschutz, integrierte Solarzellen, Wärmeschutzgläser). Konstruktive Dachlastreserven sind zu
berücksichtigen.
Lichtkuppeln: für eine ausreichende Tageslichtversorgung in der Produktionshalle werden statt der
einzelnen Lichtkuppeln Sheds in Nordsüdrichtung vorgeschlagen. Ein zusätzlicher Effekt ist die
optimale Voraussetzung für die Montage von Photovoltaikelementen.
Durch entsprechende Simulationsprogramme kann der erforderliche Lichteintrag mit dem
notwendigen Sonnenschutz zur Vermeidung von Überhitzung abgeglichen werden.
52
Überbauung Gebäudefugen:
Eine Überbauung der Gebäudefugen im Bereich Kantine/ Verwaltung mit einer Überdachverglasung
wirkt, ohne beheizt zu werden, als Klimapuffer und verringert so die Wärmeverluste durch die
Außenwände. Zusätzlich entstehen gut nutzbare Aufenthaltsbereiche, z. B. als Erweiterung der
Kantinenplätze oder Besprechungszonen. Der zusätzliche Wärmeeintrag durch die verglasten
Dachflächen kann zur Vorwärmung der Lüftungsanlagen genutzt werden.
Weitere Verbesserungen beziehen sich auf das Mikroklima der direkten Umgebung. Dazu zählen
Maßnahmen zum Windschutz und zur sommerlichen Kühlung durch Verdunstungskälte z.B. mit
entsprechender Bepflanzung durch Baumreihen oder Fassadenbegrünung.
Regenwasserrückhaltung kann mit offenen Wasserflächen kombiniert werden und so zu einem
besseren Umgebungsklima beitragen.
Weitestgehende Entsiegelung der Außenflächen- s. Kapitel 4.5.1.
Abb. 38: Bauliche Maßnahmen zur Verbesserung des Beispielgebäudes
Quelle: Figge Architekten
Dämmung der Außenwände, Pufferzonen
7.4.3
Quelle: Figge Architekten
Umbauten Dach- Lichtbänder, Sheds
Sanierungsvorschläge technische Gebäudeausrüstung
Für die technische Gebäudeausrüstung ist ein Konzept zu erstellen, das alle örtlichen Ressourcen zur
Wärmegewinnung und Abwärmenutzung einbezieht.
-
Verwaltung und Kantine mit mechanischer Be- und Entlüftung mit Wärmerückgewinnung
-
Wärmerückgewinnung der Abluft aus Produktion und Werkstätten.
-
Kombination mit Wärmeversorgung aus zentralem Blockheizkraftwerk (Zusammenschluss
mehrerer Unternehmen)
-
Kombination mit Solarthermischen Anlagen für Warmwasserbedarf
-
Optimierung des Verteilernetztes
-
Vorwärmung der Zuluft aus unbeheizten Zonen
Für dieses Konzept ist eine integrale Planung in Zusammenarbeit mit dem Unternehmen und einem
TGA- Ingenieurbüro erforderlich.
53
Für das Beispielgebäude wurde vereinfachend von drei Varianten ausgegangen:
Variante 1: Sanierung der Hüllfläche und Austausch der Kesselanlage (Brennwerttechnologie)
Variante 2: Sanierung der Hüllfläche und Anschluss an ein Nahwärmenetz mit Kraft-Wärme-Kopplung
und fossilem Energieträger
Variante 3: Sanierung der Hüllfläche und Anschluss an ein Nahwärmenetz mit Kraft-Wärme-Kopplung
und erneuerbarem Energieträger
Weitere Einsparmaßnahmen:
Beleuchtung: tageslicht abhängig gedimmte Systeme
Präsenzmelder in Sanitär- und Verkehrszonen
Elektronische Vorschaltgeräte bei Leuchtstoffröhren
Photovoltaikanlage: auf den Sheddächern können in optimaler Lage ca. 1000m² Solarmodule
montiert werden
7.5 Darstellung der Einsparpotenziale der verschieden Varianten
Ist- Zustand „482,0 kWh/m²a“ siehe Kap. 7.3, Abb. 37
Variante 1: Sanierung der Hüllfläche und Austausch der Kesselanlage (Brennwerttechnologie):
Abb. 39: Gesamtenergiebilanz der Variante 1
Quelle: Figge Architekten
Tab.6: Vergleich der Variante 1 mit Anforderungswert der EnEV
Gebäude
328,0 kWh/m²a
EnEV 2009 Anforderungswert
236,1kWh/m²a
Der Nachweis ist nicht erfüllt!
Differenz zu EnEV Vergleichswert
94,4 %
Quelle: Figge Architekten
Variante 2: Sanierung der Hüllfläche und Anschluss an ein Nahwärmenetz mit Kraft-Wärme-Kopplung
und fossilen Energieträger:
Abb. 40: Gesamtenergiebilanz der Variante 2
Quelle: Figge Architekten
Tab.7: Vergleich der Variante 2 mit Anforderungswert der EnEV
Gebäude
224,3 kWh/m²a
EnEV 2009 Anforderungswert
231,1kWh/m²a
Der Nachweis ist erfüllt!
Differenz zu EnEV Vergleichswert
35,9 %
Quelle: Figge Architekten
54
Variante 3: Sanierung der Hüllfläche und Anschluss an ein Nahwärmenetz mit Kraft-Wärme-Kopplung
und erneuerbaren Energieträger
Abb. 41: Gesamtenergiebilanz der Variante 3
Quelle: Figge Architekten
Tab. 8: Vergleich der Variante 3 mit Anforderungswert der EnEV
Gebäude
77,5 kWh/m²a
EnEV 2009 Anforderungswert
236,3 kWh/m²a
Der Nachweis ist erfüllt!
Differenz zu EnEV Vergleichswert
-54,1 %
Quelle: Figge Architekten
Tab.9: Variantenvergleich Primärenergie / Visualisierung zur Verdeutlichung der Effekte
Quelle: Figge Architekten
Mit dieser Grafik wird der Einsatz „erneuerbarer Energieträger“ wirkungsvoll verdeutlicht.
55
Tab. 10: Verringerung der CO2 Emission bezogen auf die Endenergie des Beispielgebäudes
Bezeichnung;
IST-Zustand
Bedarf
Bezugsfläche
kWh/(m²a)
m² kWh/a
Erdgas H;Q_h_f;;
406,10
10.937,00
4.441.515,70
Strom-Mix;Q_h_f;
31,00
10.937,00
339.047,00
Variante 1
kWh/(m²a)
m² kWh/a
CO2 Faktor CO2
CO2
CO2
Summe
kg/kWh
to
to
kg
0,254 1.128.144,99 1.128,14
0,683
kg/kWh
231.569,10
kg
231,57
to
253,27
10.937,00
2.770.013,99
0,254
703.583,55
703,58
Strom-Mix;Q_h_f;
29,65
10.937,00
324.282,05
0,683
221.484,64
221,48
KWK fossil H;Q_h_f;;
Strom-Mix;Q_h_f;
Variante 3
KWK ern. H;Q_h_f;;
Strom-Mix;Q_h_f;
kWh/(m²a)
m² kWh/a
kg/kWh
kg
to
10.937,00
2.342.596,03
0
0,00
0,00
28,62
10.937,00
313.016,94
0,683
213.790,57
213,79
220,00
29,00
m² kWh/a
10.937,00
10.937,00
kg/kWh
2.406.140,00
317.173,00
kg
0
0,683
to
0,00
216.629,16
434,65
925,07
31,97%
to
214,19
kWh/(m²a)
1.359,71
to
Erdgas H;Q_h_f;;
Variante 2
Einsparung zu IST
1.145,92
213,79
84,28%
216,63
1.143,08
84,07%
to
0,00
216,63
Quelle: Figge Architekten
Die CO2 Emission der Variante 2 ist nur beim Variantenvergleich „Primärenergie“ darstellbar, da die
Wärme der angenommenen Kraft- Wärme Kopplung außerhalb des Gebäudes erzeugt wird.
Die Variante 3 geht davon aus, dass CO2- Emissionen für die Beheizung der Gebäudeanlage
vollständig vermieden wird.
CO2 Einsparung aus Wärmeerzeugung, wenn diese klimaneutral hergestellt wird:
Bezug Nettogrundfläche Beispielgebäude siehe Kap. 7.1.1
1.128 t CO2/a: 10.937 m²
= 0,103 t CO2/ a *m²
Umgerechnet auf Dachfläche Gesamtgebiet (siehe Kap. 8.3)
0,093 t CO2/a*m² * 237.000 m²
7.6
= 24.411 t CO2/a
Überprüfung der Wirtschaftlichkeit und Fazit:
Mit diesen beispielhaften 3 Varianten zur Sanierung eines Industriegebäudes wird deutlich, welche
CO2-Einsparungen möglich sind. Sicher bedarf es zusätzlich einer Nutzen-Kostenrechnung über
Laufzeiten und Lebenszyklusdaten für Bauteile, Anlagen und Gebäudeteile.
Die Analyse zeigt weiter, dass die Betrachtung aller Gebäude in einem Gewerbegebiet Sinn macht.
Diese Daten können dann auch auf die Grundfläche des Gebietes bezogen werden.
Diese Kenndaten müssen allerdings spezifisch nach Branchen und dem Branchenspektrum eines
Gebietes gegliedert und erfasst werden und dienen der Grobanalyse eines Gebietes zur Feststellung
der CO2-Emmissionen durch Beheizung, Belüftung, Beleuchtung aller Gebäude.
56
8.0
Übersicht und städtebauliche Betrachtung Kruppwald / Knippenburg
Am Kruppwald & An der Knippenburg, Bottrop
Diese isometrische Darstellung des gesamten Industriegebietes zeigt zu den sonstigen
Analyseplänen deutlich die räumlichen Strukturen und die verkehrstechnischen Straßenführungen,
die kleinteiligen Gebäudebereiche und die Präsenz der volumigen Gebäudeanlagen, die lokalen
Grünbereiche und deren Verknüpfungsmöglichkeiten, die Anbindungschancen an die Umgebung,
aber auch Eigenarten und Besonderheiten im und ggf. auch außerhalb des Gebietes. Diese
Darstellungsart eröffnet den Blick auf das Ganze und unterstützt so die städtebaulich erforderliche
Arbeit im Detail.
Abb. 42: Isometrie Am Kruppwald & An der Knippenburg, Bottrop
Quelle: Figge Architekten
Im Kapitel 3.2 wird verwiesen auf das projektierte „GeoMonitoring für Energieeffizienz NRW“ und eine
darauf bezogene beispielhafte farbige Darstellung in Abbildung 11. In dieser Weise wird auch eine
energetische Ist- Aufnahme, als visuelle Umsetzung der industriellen Energieausweise, farbig zu
lesen sein. Die Soll- Aufnahme als Ergebnis der durchgeführten Maßnahmen zeigt mit der
Veränderung des dargestellten Farbspektrums den Erfolg.
57
8.1
Exemplarische Analyse von Straßenquerschnitten An der Knippenburg
Anhand der Analyse der bestehenden Straßenquerschnitte des Gewerbegebietes (Abb.43) lassen
sich verschiedene Maßnahmen zur Aufwertung des öffentlichen Straßenraumes formulieren. Hauptund Nebenstraßen können z.B. durch Straßen begleitendes Grün/ Bäume aufgewertet werden.
An vielen Straßenabschnitten bestehen beidseitige Parkmöglichkeiten durch Parkbuchten. Durch
Prüfung und Reduzierung von überflüssigen Stellflächen und einer einseitigen Gehwegführung
können Straßen begleitende Versickerungsmulden z.B. die Entsiegelung des öffentlichen Raums
unterstützen (s.a. Abb.: 45).
Des Weiteren sind fußgänger- und radfahrerfreundliche Profile zu entwickeln und möglicherweise
Parkbuchten und Haltestellen für den ÖPNV einzurichten.
Abb. 43: Exemplarische Analyse von Straßenquerschnitten An der Knippenburg
Quelle: Figge Architekten
Alle Erschließungsstraßen des Gebietes sind Abschnitt für Abschnitt nach den oben aufgezählten
Kriterien aufzunehmen und zu analysieren und zusätzlich zu den Profilanforderungen aus dem
Verkehrskonzept mit gestalterisch prägenden und energietechnisch wirksamen Maßnahmen zu
ergänzen oder zu entwickeln.
58
8.2
Straßenaufwertung An der Knippenburg / Brakerstraße - Isometrie
Als Rückgrat des Gebietes ist die Straße An der Knippenburg und die Brakerstraße gestalterisch
dominierend auszubauen. Ein Leitsystem für das Gebiet und den Zulieferverkehr wird das
Verkehrsaufkommen (Irrfahrten) verringern. (siehe Abschnitt „Verkehrsplanung“). Durch vertikale
Windräder kann der öffentliche Straßenraum im Wechselspiel mit der Baumpflanzung aktiv die
regenerative Energiegewinnung unterstützen und markiert gleichzeitig die Erschließungsfunktion der
beiden Straßen.
Diese deutlich ausgearbeiteten und gestalteten Straßen „Brakerstraße und An der Knippenburg“
können mit der zusätzlich aufgeladenen gemeinsamen Straßenkreuzung dieses Gewerbegebietes
nach innen und nach außen repräsentieren.
Abb.44: Straßenaufwertung An der Knippenburg / Brakerstraße – Isometrie
Quelle: Figge Architekten
Für den Bereich Am Kruppwald (hier nicht dargestellt) ist angedacht, entlang des Grünbereiches der
Bruktererstraße und der in der Zukunft renaturierten Emscher, einen LKW – Stand - und Warteplatz
mit Rastplätzen und WC Anlage auszubauen. Dies ist ein Service, den überregional agierende
Gebiete „gemeinsam“ mit der Stadt den Lieferverkehren für Gewerbe Warte- und Nachtzeiten bieten
müssen.
59
60
8.3
Straßenaufwertung An der Knippenburg / Brakerstraße - Perspektive
Der zentrale Ort und Treffpunkt im Gebiet ist der bestehende Imbiss an der Kreuzung, der
insbesondere
durch
das
Engagement
der Betreiberin
funktioniert.
Eine
Aufwertung
des
Imbissstandortes mit Innen- und Außensitzplätzen und Gymnastikplatz belebt die Identifikation mit
diesem Gebiet und unterstützt die Standortbindung. Der Alleencharakter mit der Beifügung der
vertikalen Windräder, den seitlichen Parkbuchten für LKW und PKW, den straßenbegleitenden
Versickerungsmulden und den mit „Grün“ bekleideten Fassaden stärkt die gestalterische Qualität und
dadurch das „Besondere“ des Gebietes. Ein projektierter Kreisverkehr an der Kreuzung „An der
Knippenburg/ Brakerstraße“ wird den Verkehrsfluss an diesem Unfallschwerpunkt unterstützen. Der
mittig positionierte „Emission-O-Meter“ macht als Messpunkt die Nachhaltigkeit des Gebietes täglich –
spielerisch - ablesbar und wirkt als erinnerbares Denk-Mal zur CO2 Reduktion dieses
Gewerbegebietes.
Abb. 45: Straßenaufwertung An der Knippenburg / Brakerstraße – Perspektive
Quelle: Figge Architekten
Die präzise planerische Gestaltung der beschriebenen Maßnahmen muss in einem nächsten
Entwicklungsschritt nach genauer Ortsanalyse erfolgen.
61
Anhang- Literaturliste
http://www.bmu.de/energieeffizienz/doc/43105.php [05.08.2010]
Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit BMU: BMU neues Denken – neue
Energie, Roadmap Energiepolitik 2020, 10 Leitsätze für eine nachhaltige Energieversorgung.
Berlin: 2009
http://www.baufachinformation.de/literatur.jsp?bu=2007109009874 [05.08.2010]
BMVBS/DBR: Grundlagen für die Entwicklung von Klimaschutzmaßnahmen im Gebäudebestand,
Untersuchung über die bautechnische Struktur und dem Ist-Zustand des Gebäudebestandes in
Deutschland. BBR-Online-Publikation, Nr. 22/2007
http://www.nachhaltigesbauen.de/fileadmin/pdf/PDF_Leitfaden_Nachhaltiges_Bauen/Anlage_2.pdf
[05.08.2010]
Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen: Leitfaden nachhaltiges Bauen. Januar
2001
Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen: Nutzung städtischer Freiflächen für
erneuerbare Energien. Bonn: 2009
Bunzel, Arno; Sander, Robert: Nutzungswandel und städtebauliche Steuerung. Ludwigsburg:
Wüstenroth-Stiftung 2003
Dengler, Kerstin: Realisierung von Industrie- und Gewerbegebieten nach Gestaltungsparametern für
eine humane Umwelt. Städtebau-Institut der Universität Stuttgart, Fraunhofer IRB-Verlag: 2005
Diefenbach, Nikolaus; Henseling, Andreas; Werner, Peter: 0-Emissions-Stadt, Sondierungsstudie im
Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, IBU-Institut Wohnen und Umwelt GmbH.
Darmstadt 2002
Figge Friedrich W.; Windgaßen, H. Edelmann: Geschossbau für Industrie und Gewerbe im Raum
Wuppertal- Solingen- Remscheid. Projektstudie zum Problem gewerblichen Bauens auf mehreren
Geschoßebenen in Gebieten mit geringen Gewerbeflächenreserven. Wuppertal: 1991
Heinz, Harald: Hinweise zur Straßenraumgestaltung in Gewerbegebieten. Forschungsgesellschaft für
Straßen- und Verkehrswesen (FGSV), 2007
Klos, Gregor; Kretschmer, Holger; Roth, Ralf; Türk, Stefan: Siedlungsnahe Flächen für Erholung,
Natursport und Naturerlebnis. Bonn/ Bad Godesberg: Bundesamt für Naturschutz, 2008
62
Kommunalverband Ruhrgebiet, Abteilung Öffentlichkeitsarbeit: Umfeldverbesserung Gewerbegebiet
Bornstraße Dortmund. Essen
Krimmling, Jörn: Erneuerbare Energien, Einsatzmöglichkeiten-Technologien-Wirtschaftlichkeit. Köln:
Verlagsgesellschaft Rudolf Müller GmbH & Co. KG, 2009
Von Gleich, Armin; Gößling–Reisemann, Stefan: Industrial Ecology, Erfolgreiche Wege zu
nachhaltigen industriellen Systemen. Wiesbaden: Vieweg + Teubner Verlag GWV Fachverlage
GmbH, 2008
http://www.kalksandstein.de/ks_ost/infomaterial/images/path522/Energieeinsparverordnung-2009.pdf
[05.08.2010]
Maas, Anton; Hauser, Gerd: Kalksandstein Energieeinsparverordnung 2009. Hannover:
Bundesverband Kalk-Sandstein Industrie e. V., 2009
Pommerenke, Bettina: Standortgerechte Gestaltung von Gewerbegebieten an den Beispielen
Brunn/Wild und Schwarzenau. Horn: Wallenberger und Linhard Regionalberatung GmbH, 2006
http://www.umweltbundesamt.de/ubainfomedien/mysql_medien.php?anfrage=Kennummer&Suchwort
=3763 [05.08.2010]
Schade, Wolfgang; Lüllmann, Arne; Wegmann, Ruth; Köhler, Jonathan: Gesamtwirtschaftliche
Wirkungen von Energieeffizienzmaßnahmen in den Bereichen Gebäude, Unternehmen und Verkehr,
Fraunhofer-Institut System und Innovationsforschung (ISI). Karlsruhe : Umweltbundesamt, 2009
http://www.bbr.bund.de/DE/Veroeffentlichungen/Forschungen/2007/Heft130.html [05.08.2010]
Schlag, Christian: Nachhaltigkeitsbarometer Fläche, regionale Schlüsselindikatoren nachhaltiger
Flächennutzung für die Forschungsberichte der Bundesregierung, Forschungen. Bonn: BMVBS/WBR,
2007 (Heft 130)
Schoch, Torsten: EnEV 2009 und DIN V 18599, Nichtwohnbau. Berlin: Bauwerk, 2009 (2. Auflage)
63
Anhang Abbildungsverzeichnis
Abb.1: Industriegebiet Am Kruppwald & An der Knippenburg. Bottrop. Quelle: www.google.de/maps
[05.08.2010]
Abb.2: Bachlauf im Industriegebiet Bottrop mit Tetraeder. Quelle: Figge Architekten
Abb.3: Gewerbenahes Wohngebiet in Bottrop mit Malakoffturm. Quelle: Figge Architekten
Abb.4: Bottrop, Chance für gewerbenahe LKW Nacht- Warteplätze. Quelle: Figge Architekten
Abb.5: Bottrop, Emscher zur Renaturierung vorgesehen. Quelle: Figge Architekten
Abb.6: Unfallkreuzung An der Knippenburg/ Brakerstraße. Quelle: Figge Architekten
Abb.7: Gegenüberstellung der drei Stadtgebiete im städtischen Bezug. Bottrop. Quelle:
www.google.de/maps [05.08.2010], Bearbeitung Figge Architekten
Abb.8: Gewerbegebiet als geschlossenes System. Quelle: Figge Architekten
Abb.9: Schaubild Synergien. Quelle: Figge Architekten
Abb.10: Energetische Einzelbetrachtung der Gebäudeanlagen. Quelle: Figge Architekten
Abb.11: Energetische Gesamtbetrachtung des Gewerbegebietes. Quelle: Figge Architekten
Abb.12: Bebauungsplan IG Kruppwald & Knippenburg. Quelle: Stadtplanungsamt Bottrop,
Bebauungsplanung aus den 1960ern, Verfahrensvermerke 2004, Plankonzepte 2008
Abb.13: Lageplan ITP Bremen. Quelle: Figge Architekten
Abb.14: Masterplan ITP Bremen. Quelle: städtebauliches Konzept, Freie Hansestadt Bremen, Sept.
2006
Abb.15: Lageplan IG Nord/ Kaiserlautern. Quelle: Katasterplan
Abb.16: IG Kruppwald & An der Knippenburg – Wohnen und Arbeiten. Quelle: Figge Architekten
Abb.17: ITP Bremen – Wohnen und Arbeiten. Quelle: Figge Architekten
Abb.18: IG Nord/ Kaiserslautern – Wohnen und Arbeiten. Quelle: Figge Architekten
Abb.19: IG Kruppwald & Knippenburg – Grünflächen/ Aufwertungspotentiale. Quelle: Figge
Architekten
Abb.20: ITP Bremen – Grünflächen/ Aufwertungspotentiale. Quelle: Figge Architekten
Abb.21: IG Nord/ Kaiserslautern – Grünflächen/ Aufwertungspotentiale. Quelle: Figge Architekten
Abb.22: IG Kruppwald & Knippenburg – Besonderheiten des Gebietes. Quelle: Figge Architekten
Abb.23: ITP Bremen – Besonderheiten des Gebietes. Quelle: Figge Architekten
Abb.24: Behandlung Flächenversiegelung. Quelle: Figge Architekten
Abb.25: IG Kruppwald & Knippenburg - Flächenversiegelung. Quelle: Stadt Bottrop, Versiegelte
Flächen (FT324), 2007
Abb.26: IG Kruppwald & Knippenburg – Verteilung der Versiegelungsflächen. Quelle: Figge
Architekten
Abb.27: ITP Bremen - Flächenversiegelung. Quelle: www.bing.com/maps [05.08.2010]
Abb.28: ITP Bremen – Verteilung der Versiegelungsfläche. Quelle: Figge Architekten
64
Abb.29: IG Nord/ Kaiserslautern - Flächenversiegelung. Quelle: diverse Luftbilder Stand 2008,
www.zeroemissionpark.de
Abb.30: IG Nord / Kaiserslautern– Verteilung der Versiegelungsfläche. Quelle: Figge Architekten
Abb.31: Dach, Fassade, Zonen- Innenwände. Quelle: Figge Architekten
Abb.32: Begrünungsmöglichkeiten von Gebäuden. Quelle: Figge Architekten
Abb.33: Nutzung von Solarenergie an Gebäuden. Quelle: Figge Architekten
Abb.34: Ist- Zustand Beispielgebäude. Quelle: Figge Architekten
Abb.35: 3-D Modell Zonierung. Quelle: Figge Architekten
Abb.36: Balkendiagramm des monatlichen Primärenergiebedarfs. Quelle: Figge Architekten
Abb.37: Gesamtenergiebilanz des Gebäudes. Quelle: Figge Architekten
Abb.38: Bauliche Maßnahmen zur Verbesserung des Beispielgebäudes. Quelle: Figge Architekten
Abb.39: Gesamtenergiebilanz der Variante 1. Quelle: Figge Architekten
Abb.40: Gesamtenergiebilanz der Variante 2. Quelle: Figge Architekten
Abb.41: Gesamtenergiebilanz der Variante 3. Quelle: Figge Architekten
Abb.42: Isometrie Am Kruppwald & An der Knippenburg, Bottrop. Quelle: Figge Architekten
Abb.43: Exemplarische Analyse von Straßenquerschnitten An der Knippenburg. Quelle: Figge
Architekten
Abb.44: Straßenaufwertung An der Knippenburg / Brakerstraße. Quelle: Figge Architekten
Abb.45: Straßenaufwertung An der Knippenburg / Brakerstraße- Perspektive. Quelle: Figge
Architekten
Anhang Tabellenverzeichnis
Tab.1: Beispiel Hüllflächen der Zone Produktion. Quelle: Figge Architekten
Tab.2: Übersicht der Kenndaten der einzelnen Zonen mit Festlegung der Standardprofile nach DIN V
18599 Teil 10. Quelle: Figge Architekten
Tab.3: Primärenergiebedarf Produktion. Quelle: Figge Architekten
Tab.4: Vergleich mit Anforderungswert der EnEV. Quelle: Figge Architekten
Tab.5: Vergleich der errechneten Werte mit den Sollwerten. Quelle: Figge Architekten
Tab.6: Vergleich der Variante 1 mit Anforderungswert der EnEV. Quelle: Figge Architekten
Tab.7: Vergleich der Variante 2 mit Anforderungswert der ENEV. Quelle: Figge Architekten
Tab.8: Vergleich der Variante 3 mit Anforderungswert der ENEV. Quelle: Figge Architekten
Tab.9: Variantenvergleich Primärenergie/ Visualisierung zur Verdeutlichung der Effekte. Quelle: Figge
Architekten
Tab.10: Verringerung der CO2 Emission bezogen auf die Endenergie des Beispielgebäudes. Quelle:
Figge Architekten
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