8.3 Plastisch-chirurgische Techniken

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B
⊙ B-8.2
1055
8.3 Plastisch-chirurgische Techniken
Schmutztätowierung
a Schmutztätowierung vor Behandlung.
b Entfernung des Materials mit einer starren
Bürste.
c Befund nach der Behandlung.
b
c
8.3
Plastisch-chirurgische Techniken
8.3
Plastisch-chirurgische Techniken
8.3.1 Exzisionen und Plastiken
8.3.1
Exzisionen und Plastiken
Narben können unabhängig von ihrer Entstehung (Trauma, Infektion, inkorrekte
Wundversorgung) zu ästhetisch störenden Strängen mit entsprechenden Beeinträchtigungen (Gesichtsmimik) oder anderen funktionellen Problemen (Gelenkbeweglichkeit) führen.
Damit besteht die Indikation zur Beseitigung derartiger dermatogener Kontrakturen. Hierfür stehen unterschiedliche plastisch-chirurgische Techniken zur Verfügung:
■ Spindelförmige Exzision: Gerade verlaufende, lineare Narben werden spindelförmig exzidiert, meist unter Einschluss subkutaner Narbenbestandteile.
■ Keilförmige Exzision: Diese Technik wird insbesondere bei Defekten und Narbenbildung im Randbereich der Lippen (bes. Mundwinkel), Ohren, Augenlider und
Nasenlöcher angewendet. Der Defekt oder die Narbe wird entweder dreiecksförmig oder pentagonal (meist kosmetisch bessere Narbenbildung) exzidiert.
■ Z-Plastik: Zur Auflösung von Narben dienen Z-, W- oder stufenförmige Inzisionen.
Nach Austausch derart geschnittener Hautzipfel resultiert eine axiale Verlängerung der Narbe durch einen Ziehharmonikaeffekt, der die Dehnung der gesunden,
Narben können unabhängig von ihrer Entstehung zu ästhetisch störenden Strängen (Mimik) oder funktionellen Problemen (Gelenkbeweglichkeit) führen.
⊙ B-8.3
⊙ B-8.3
Z-Plastik
Querdiagonale
Damit besteht die Indikation zur Entfernung
der dermatogenen Kontrakturen – Techniken:
■ Spindelförmige Exzision: Gerade verlaufende Narben werden spindelförmig exzidiert.
■ Keilförmige Exzision: Dreiecksförmige Exzision von Defekten der Mundwinkel, Randbereich der Ohren, Augenlider und Nasenlöcher.
■ Z-Plastik: Verlängerung der Narbe durch
Ziehharmonikaeffekt mit Dehnung in
Längsrichtung (Abb. B-8.3).
Kontrakturdiagonale
DieTransposition des Dreieckslappens führt zur Verlängerung
der Kontrakturdiagonalen und zu einer entsprechenden
Verkürzung der Querdiagonale.
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a
■
W-Plastik oder Stufenplastik: Sägezahnartiger Narbenverlauf, bei dem ein Teil der
Narbe in den Spannungslinien zu liegen
kommt.
8.3.2
Freies Hauttransplantat
B
■
8 Plastische Chirurgie
verlagerten Haut in Längsrichtung erlaubt. Der Verlauf der Narbe wird dabei so
geplant, dass ein Teil der Inzision nach Fertigstellung der Plastik in den natürlichen Hautspannungslinien zu liegen kommt. Entstehende kleinere Unregelmäßigkeiten in den Hautzipfeln können durch hochtouriges Abschleifen anschließend
beseitigt werden (Abb. B-8.3).
Bei W-Plastiken oder Stufenplastiken werden kleine Hautzipfel gegeneinander
verschwenkt, also der gerade Narbenverlauf in einen sägezahnartigen Verlauf umgewandelt. Wobei auch hier wiederum ein Teil der Inzisionen in den Hautspannungslinien zu liegen kommt.
8.3.2 Freies Hauttransplantat
Frühzeitige Hauttransplantation kann die
Wundheilung flächenhafter Substanzdefekte
der Haut deutlich verkürzen. Wichtigste Voraussetzung ist ein gut vaskularisierter und
weitestgehend infektfreier Wundgrund. Dies
wird durch chirurgisches Wunddébridement
in Kombination mit einer enzymatischen
Wundreinigung sowie einer Vakuumtherapie
erreicht.
Durch frühzeitige Hauttransplantation kann die Wundheilung von flächenhaften
Substanzdefekten der Haut – ohne freiliegende Knochen, Sehnen und Nerven –
deutlich verkürzt werden. Als wichtigste Voraussetzung gelten ein gut vaskularisierter Transplantatgrund, vorherige Verringerung der Keimzahl durch meist mehrschrittige chirurgische Wundausschneidungen (Débridement) in Kombination mit
einer enzymatischen Wundreinigung und Vakuumtherapie (engl. Vacuum-assistedclosure, VAC) zur Wundtherapie: Schwammeinlage mit okklusivem Wundverband
mit kontinuierlichem oder intermittierendem Sog (Unterdruck) zur Förderung der
Wundheilung, Verhinderung von übermäßiger Ödembildung und zum erleichterten
Sekretabtransport (geschlossenes System).
Technik: Sichere Fixation an den Rändern,
Vermeidung von Seromen und Hämatomen
durch Druckverband mittels steriler Wundgaze oder Schaumstoff (Abb. B-8.4). Eine weitere Methode der Transplantatfixierung ist die
Hautklebung.
Technik: Nach Aufbringen werden die Transplantate an den Rändern fixiert (Hautnähte, Klammernähte) und entweder offen unter visueller Kontrolle zur Vermeidung von Seromen und Hämatomen behandelt oder durch einen Druckverband mittels Überknüpfung steriler Wundgaze auf den Wundgrund gepresst (Abb. B-8.4). Um
eine homogene Anhaftung des Transplantates auf dem Wundgrund und eine optimale Einheilung zu ermöglichen, kann auch steriler Schaumstoff über dem Transplantat mittels Hautklammern angebracht werden. Eine neue Methode der Transplantatfixierung ist die Hautklebung mit Cyanoacrylaten („Superkleber“, Dermabond®), die gute Resultate sowohl bei der Transplantatfixierung als auch der Narbenbildung am Transplantatrand zeigt.
⊙ B-8.4
⊙ B-8.4
Technik der freien Hauttransplantation
Das Transplantat wird dem Defekt angepasst und auf Stoß
mit den Defekträndern vernäht. Das liegende Nahtmaterial
wird gleichzeitig zum Einknüpfen eines Druckverbandes
verwandt. Die Entfernung des Druckverbandes erfolgt nach
7, die des Nahtmaterials nach 14 Tagen.
Spalthauttransplantate können mit Silikonnetzen fixiert
werden.
▶ Merke.
Spalthauttransplantate
▶ Definition.
▶ Merke. Der Hebedefekt, insbesondere von Spalthauttransplantaten, darf in den
ersten Monaten keiner starken Sonneneinstrahlung ausgesetzt werden, da bei regenerierender Epidermis Sonnenbrände mit dauerhafter Pigmentstörung einhergehen können.
Spalthauttransplantate
▶ Definition. Hierbei handelt es sich um dünne tangentiale Transplantate von
200 – 500 μm Dicke, die Epidermis und Teile der Dermis enthalten (Abb. B-8.5).
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1056
B
⊙ B-8.5
1057
8.3 Plastisch-chirurgische Techniken
Komponentendarstellung der freien Hauttransplantate
⊙ B-8.5
Spalthautlappen
dünn (0,2 – 0,3 mm)
Epidermis
Spalthautlappen
dick (0,4 – 0,5 mm)
Dermis
Vollhautlappen
Subkutis
⊙ B-8.6
Favorisierte Entnahmebezirke für Spalthaut und Vollhaut
Vollhauttransplantate
⊙ B-8.6
Spalthauttransplantate
Die Gewinnung einer homogenen Schichtdicke erfolgt mit Spezialmessern (Dermatome) mit Rasierklingeneinsatz oder mit druckluftbetriebenen Elektrodermatomen,
können aber grundsätzlich auch mit anderen Spezialmessern (Weckmesser, Humbey-Messer) abgenommen werden. Dabei ist die Gewinnung eines homogenen
schichtdicken Transplantates allerdings stark von der Technik und Erfahrung des
Operateurs abhängig.
Grundsätzlich können von allen Körperregionen Spalthauttransplantate entnommen werden, wobei besonders bei Kindern wegen der Gefahr der hypertrophen
Narbenbildung, Keloiden und Pigmentstörungen die Auswahl des Entnahmeortes
sorgfältig bedacht werden muss. Als ästhetisch unauffällig gelten die rasierte Kopfhaut und der Mons pubis (Abb. B-8.6).
Die Reepithelialisierung dieser Areale erfolgt über die Epidermisauskleidungen der
Hautanhangsgebilde, insbesondere der Haarbälge.
Bei der Bedeckung von kontaminierten Wunden oder großflächigen Arealen, wie
z. B. bei Verbrennungen, empfiehlt sich die Aufarbeitung der Haut in Netztechnik
(engl. „Meshgraft“). Dazu werden in das Transplantat beim Durchziehen durch Messerwalzen multiple kurze Inzisionen gelegt. Durch die Maschen ist es möglich, die
Haut auseinanderzuziehen, um größere Areale zu bedecken. Die rautenförmigen
Zwischenräume epithelialisieren innerhalb weniger Tage (Abb. B-8.7).
Als Vorteil dieser Methode gilt die relativ sichere Einheilung, Gewährleistung des
Sekretabflusses durch die Zwischenräume und die Möglichkeit der Expansion der
entnommenen Haut (klinisch gebräuchlich 1 : 1,5 bis 1 : 3).
Nachteil ist die resultierende felderförmige Hauttextur, weshalb diese Technik im
Gesicht, Halsausschnitt und in der Regel an der Hand nicht angewandt wird. Darüber hinaus besteht die Neigung zur Ausbildung dermatogener Kontrakturen.
Die Gewinnung einer homogenen Schichtdicke lässt sich mit Spezialmessern erreichen.
Entsprechende Transplantate können an allen
Körperregionen entnommen werden.
Als ästhetisch unauffällig gelten die rasierte
Kopfhaut und der Mons pubis (Abb. B-8.6).
Die Reepithelialisierung erfolgt über die Epidermisauskleidung der Hautanhangsgebilde,
v. a. der Haarbälge.
Bei der Deckung von kontaminierten Wunden
oder großflächigen Arealen wie z. B. bei Verbrennungen empfiehlt sich die Aufarbeitung
der Haut in Netztechnik (Meshgraft)
(Abb. B-8.7).
Vorteil: Vergrößerung der Oberfläche und
Gewährleistung der Sekretdrainage, relativ sichere Einheilung.
Nachteile: Felderförmige Textur vom
Meshgraft, Schrumpfungstendenz, Kontrakturen.
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Muskel
1058
⊙ B-8.7
B
8 Plastische Chirurgie
Spalthauttransplantat
a
b
Vollhauttransplantate
▶ Definition.
Vollhauttransplantate
▶ Definition. Vollhauttransplantate setzen sich aus Epidermis und dem gesamten
Corium zusammen (Abb. B-8.5). Sie werden bevorzugt an mechanisch und motorisch belasteten Arealen eingesetzt (z. B. Ersatz der Lidhaut, flächige Defekte der Gesichts- und Halsregion, über Defekten an Hand und Fuß).
Zur Prophylaxe dermatogener Kontrakturen
kann die Anlage einer Kompressionsbandage
über Monate erforderlich sein.
Vollhauttransplantate werden Arealen mit Hautüberschuss mit einem Skalpell nach
Schablonenmaß entnommen (Gesäßfalte, Leisten, Oberarminnenseite, retroaurikulär), sodass in der Regel ein direkter Verschluss der Entnahmestelle nach Unterminierung der Hautränder möglich ist (Abb. B-8.6). Bei der Auswahl der Spenderregion
muss die Übereinstimmung der Pigmentierung und der Hauttextur, die dem zu deckenden Hautdefekt entsprechen soll, beachtet werden (z. B. im Gesicht möglichst
retroaurikulär entnommene Transplantate). Vollhauttransplantate ergeben akzeptable kosmetische Ergebnisse und unterliegen einer geringen Kontraktionstendenz.
Als Nachteil ist der verbleibende Hebedefekt zu betrachten, der entweder durch primären Wundverschluss, eine Verschiebeplastik oder ein Spalthauttransplantat gedeckt werden muss.
Wenn große Hauttransplantate benötigt werden, ist die Vordehnung der Haut durch
subkutan implantierte Hautexpander, die schrittweise mit steriler Kochsalzlösung
zur schonenden Dehnung perkutan über einen Port aufgefüllt werden, möglich
(Abb. B-8.12 S. 1063).
Zur Prophylaxe dermatogener Kontrakturen nach Hauttransplantationen in mechanisch beanspruchten Zonen (z. B. Axilla, Halsregion, Ellenbeuge) kann die Anlage
einer Kompressionsbandage über Wochen bis Monate erforderlich sein.
8.3.3
8.3.3 Hautlappen
Vollhauttransplantate werden Arealen mit
Hautüberschuss entnommen (Gesäßfalte,
Leisten, Oberarminnenseite, retroaurikulär)
(Abb. B-8.6).
Für große Hauttransplantate kann die Haut
durch subkutan implantierte Hautexpander
vorgedehnt werden (Abb. B-8.12 S. 1063).
Hautlappen
▶ Definition.
▶ Definition. Unter dem Begriff eines Lappens wird im Allgemeinen ein Gewebe-
block verstanden, der aus Haut, dem darunterliegenden Subkutangewebe und erforderlichenfalls weiteren Geweben (z. B. Muskel, Knochen) besteht und im Gegensatz
zum freien Hauttransplantat über eine eigenständige Blutversorgung verfügt.
Neben der Gewebezusammensetzung können die Lappen nach ihrer Verlagerungsform
in lokale, Nah- und Fernlappen unterteilt werden. Entsprechend ihrer Gefäßversorgung
werden Random-pattern-Flaps von Axial-pattern-Flaps unterschieden.
Die Klassifikation der Lappen ist uneinheitlich. Neben der Gewebezusammensetzung können die Lappen nach dem Ort der Lokalisation des Spenderorgans in lokale
Lappenplastiken, Nahlappen und Fernlappen unterteilt werden. Entsprechend ihrer
Gefäßversorgung werden weiterhin Random-pattern-Flaps (zufälliges Gefäßmuster) von Axial-pattern-Flaps (Lappen mit zentraler Gefäßversorgung) unterschieden.
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Spalthauttransplantat nach ausgedehnter Weichteilverletzung am
Unterschenkel 1 Woche (a) und 6 Wochen (b) nach Transplantation.
1059
8.3 Plastisch-chirurgische Techniken
Lappen können entweder lokal transponiert oder frei mit mikrochirurgischem Gefäßanschluss auf einen entfernten Defekt verpflanzt werden. Durch die freie Verpflanzung sind die früheren langwierigen Verfahren in multiplen Schritten wie die
„Wanderlappen“ oder gestielte Fernlappen weitgehend ersetzt worden. Dieses Vorgehen weist zahlreiche Vorteile auf:
■ Einzeitiges Vorgehen.
■ Verkürzter Klinikaufenthalt.
■ Fehlende Gelenkfixierung.
■ Verbesserte Durchblutung in Infekt-/Defektgebieten.
■ Keine Notwendigkeit der lokalen Gefäßeinsprossung.
■ Möglichkeit einer sensiblen Rekonstruktion.
■ Kombinierte Transplantate, dem Defekt entsprechend.
Lappen können lokal transponiert oder frei
mit mikrochirurgischem Gefäßanschluss verpflanzt werden. Letzteres Vorgehen hat folgende Vorteile:
■ Einzeitiges Vorgehen.
■ Verkürzter Klinikaufenthalt.
■ Fehlende Gelenkfixierung.
■ Verbesserte Durchblutung in Infektgebieten.
■ Keine Notwendigkeit der lokalen Gefäßeinsprossung.
■ Möglichkeit einer sensiblen Rekonstruktion.
■ Kombinierte Transplantate, dem Defekt
entsprechend.
Weichteillappen
Weichteillappen
Haut-Fett-Lappen (Random-pattern-Flaps) sind Lappen, die über keine eigene axiale
Gefäßversorgung verfügen und nur durch die intradermalen sowie subkutanen Gefäßplexus ernährt werden. Bei der Präparation ist diesem Faktor Rechnung zu tragen. Ein Längen-Breiten-Verhältnis von 2 : 1 darf nicht überschritten werden, um
durchblutungsbedingte Nekrosen zu vermeiden. Solche Lappen verfügen über einen
limitierten Schwenkradius. Typische Beispiele sind Bauchhaut- oder Mufflappen, lokale Fahnenlappen an der Hand und gestielte Hautlappen der Lider.
Zu den Haut-Fett-Lappen gehört auch das in der vormikrochirurgischen Ära populäre Verfahren der Rundstiellappen oder Rolllappen. Er wurde am Rumpf gebildet und
dient zur Gewebeverlagerung an Kopf, Hals oder Gliedmaßen. Unter Verwendung
mehrerer Zwischenstationen kann er als sog. Wanderlappen für entfernte Defektdeckungen benutzt werden.
Technisch wird ein Hautlappen an den offenen Rändern zu einer Rolle miteinander
vernäht und bei gesicherter Durchblutung (ca. 2 – 3 Wochen) an einem Schenkel
durchtrennt und an anderer Stelle neu implantiert. Bei guter Vaskularisation kann
auch der verbliebene Schenkel durchtrennt werden. Dieses Verfahren wurde weitestgehend durch gestielte axiale oder mikrovaskuläre Lappen ersetzt.
Anders verhält es sich bei Lappen mit axialer Gefäßversorgung (Axial-pattern-Flaps).
Sie sind durch ein oder mehrere isolierte Gefäße durchblutet. Der Rotationsbogen
ist daher größer und kann bei entsprechender Präparation 360 ° betragen. Die Lappengröße hängt von der anatomischen Gefäßversorgung ab.
Hierzu gehören:
■ Leistenlappen (Gefäßversorgung: A. circumflexa ilium superficialis oder profunda)
– Hauptanwendung: Defektdeckung im Bereich der Hand. Für die mikrochirurgische Transplantation wird er wegen des inkonstanten Gefäßstiels kaum noch verwendet.
■ Dorsalis-pedis-Lappen (Gefäßversorgung: A. dorsalis pedis, Metatarsalarterien;
Abb. B-8.8) – Hauptanwendung: Als rein mikrochirurgisch angeschlossener Lappen insbesondere bei Defekten an der Hand und im Kopf-Hals-Bereich.
■ Skapulalappen (Gefäßversorgung: Hautast der A. circumflexa scapulae) – Hauptanwendung: Lokale Defekte oder Defekte im Kopf-Hals-Bereich.
■ DIEP-Lappen („deep inferior epigastric perforator“) (Gefäßversorgung: Inferiore
epigastrische Perforatorgefäße) – Hauptanwendung: Defekte der oberen Thoraxwand, insbesondere Rekonstruktion der (weiblichen) Brust, mehr und mehr auch
Verwendung in der ästhetischen Brustchirurgie (Augmentation).
■ S-GAP-Lappen (superior gluteal artery perforator flap) (Gefäßversorgung: A. glutealis superior) – Hauptanwendung: Brustrekonstruktion, Brustaufbau nach Ablatio.
■ DMCA-Lappen (dorsal metacarpal artery flap) (Gefäßversorgung: A. metacarpalis
dorsalis II–IV) – Hauptanwendung: Defektdeckung an Fingergrund-, -mittel- und
-endgliedern (gesamte Fingerlänge).
Darüber hinaus existiert noch eine Vielzahl von Lappenpräparationen an Lokalisationen, in denen ein dominanter Gefäßbaum einen Weichteilbezirk versorgt und
ein gestieltes Transplantat gehoben werden kann (z. B. der an der A. temporalis superficialis gestielte Temporalis-Hautlappen mit Haaren zur Rekonstruktion der Augenbraue).
Haut-Fett-Lappen (Random-pattern-Flaps)
sind Lappen, die über keine eigene axiale Gefäßversorgung verfügen und nur durch die intradermalen sowie subkutanen Gefäßplexus
ernährt werden. Diese Lappen sind im
Schwenkradius limitiert (z. B. Bauchhautlappen oder gestielte Hautlappen der Lider).
Zu den Haut-Fett-Lappen gehört auch der
Rundstiel- oder Rolllappen. Er wird am
Rumpf gebildet und dient zur Verlagerung an
Kopf, Hals oder Gliedmaße. Als Wanderlappen
kann er für entfernte Defektdeckungen verwendet werden.
Lappen mit axialer Gefäßversorgung (Axialpattern-Flaps) sind durch ein oder mehrere
isolierte Gefäße durchblutet. Der Rotationsbogen ist daher größer und kann bei entsprechender Präparation 360 ° betragen.
Die wichtigsten sind:
■ Leistenlappen für Defektdeckungen im Bereich der Hand.
■ Dorsalis-pedis-Lappen (Abb. B-8.8) bei
Defekten an der Hand und im Kopf-Hals-Bereich.
■ Skapulalappen bei lokalen Defekten und
im Kopf-Hals-Bereich.
■ DIEP-Lappen (deep inferior epigastric perforator) bei Brustwanddefekten, Brustaufbau nach Ablatio, zunehmend ästhetische
Chirurgie (Augmentation).
■ S-GAP-Lappen (superior gluteal artery perforator flap) zur Brustrekonstruktion bzw.
Brustaufbau nach Ablatio.
■ DMCA-Lappen (dorsal metacarpal artery
flap) zur Deckung von Defekten an den Fingern.
Darüber hinaus existiert noch eine Vielzahl
von Lappenpräparationen an Lokalisationen,
in denen ein dominanter Gefäßbaum einen
Weichteilbezirk versorgt und ein gestieltes
Transplantat gehoben werden kann.
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B
⊙ B-8.8
B
8 Plastische Chirurgie
⊙ B-8.8
Dorsalis-pedis-Lappen
Fasziokutanlappen
Fasziokutanlappen
Durch axiale Gefäßversorgung eines Gewebeblocks aus Faszie mit darüberliegender Subkutis und Haut besteht die Möglichkeit der
Präparation besonders sicherer Hautlappen.
Hierzu gehört der Unterarmlappen, der zur
Defektdeckung bei Handdefekten mit freiliegenden Sehnen verwendet wird.
Durch axiale Gefäßversorgung eines Gewebeblocks aus Faszie mit darüberliegender
Subkutis und Haut besteht die Möglichkeit der Präparation besonders gesicherter
Hautlappen.
Hierzu gehört der Unterarmlappen (Gefäßversorgung: A. radialis), der zur Defektdeckung, distal gestielt an der A. radialis und Subkutanvenen, bei Handdefekten mit
freiliegenden Sehnen verwendet wird. Als mikrochirurgisches Transplantat wird er
vorwiegend bei Defekten im Kopf-Hals-Bereich eingesetzt.
Darüber hinaus werden verschiedene fasziokutane Lappen der Unterschenkelregion
zur Defektdeckung in unmittelbarer Nachbarschaft (z. B. prätibial) angewandt.
Muskellappen und myokutane Lappen
Muskellappen und myokutane Lappen
Muskellappen mit axialer Gefäßversorgung
dienen zur Defektdeckung in Gebieten, bei
denen eine primäre Hauttransplantation ungeeignet ist. Auf diese Weise wird eine transplantationsfähige Unterlage geschaffen. Die
Deckung kann mit Spalthaut erfolgen. Myokutane Lappen sind die Kombination eines
Muskels mit der darüberliegenden Haut in
gleicher metrischer Ausdehnung.
Beide Verfahren dienen besonders zur Deckung von freiliegenden Knochen und Gelenkanteilen oder als Muskelplombe bei der
ausgeräumten Osteomyelitis.
In zahlreichen Kombinationen werden sie zur Defektdeckung an der Körperoberfläche verwendet. Entweder kommen alleinige Muskellappen, die durch ein axiales
Gefäß versorgt werden, zur Anwendung (Muskellappen), oder es wird eine darüberliegende Hautinsel, die durch Perforansgefäße versorgt wird, mit eingeschlossen
(Myokutanlappen). Der sehr gut durchblutete Muskelanteil dient bei vielen Defekten
zur Auffüllung oder als Ersatz verloren gegangener Muskelfunktionen. Eine besondere Bedeutung findet das Verfahren der Muskelplombe bei Knochendefekten und
bei der Behandlung der Osteomyelitis (s. a. Kap. 27.1.4). Hier kann nach radikaler
Ausräumung osteomyelitischer Knochenherde durch Auffüllen des verbleibenden
Defektes mit dem gut vaskularisierten Muskel die Infektion beeinflusst werden. Die
darüberliegende Haut wird nach Bedarf positioniert und entsprechend der Defektgröße ausgewählt. Bei Anwendung eines reinen Muskellappens erfolgt eine Deckung mit Spalthaut.
Kombinierte Lappenplastiken
Kombinierte Lappenplastiken
Durch den Einschluss entsprechender knöcherner Anteile in Muskellappen oder Hauttransplantate ergeben sich weitere Kombinationsmöglichkeiten. Osteokutane oder osteomyokutane Transplantate ermöglichen
komplexe Rekonstruktionen im Kopf-Hals-Bereich (Unterkiefer, Mundhöhlenersatz). Hierzu
gehören:
Durch den Einschluss entsprechender knöcherner Anteile in Muskellappen oder
Hauttransplantate ergeben sich weitere Kombinationsmöglichkeiten. Osteokutane
oder osteomyokutane Transplantate ermöglichen komplexe Rekonstruktionen im
Kopf-Hals-Bereich (Unterkiefer, Mundhöhlenersatz). Hierzu gehören:
■ Unterarmlappen (Gefäßversorgung: A. u. V. radialis, mit Einschluss eines Teils des
Radius) – Anwendung: Unterkieferbereich, Handrekonstruktion.
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8.3 Plastisch-chirurgische Techniken
Fibulalappen (Entnahme mit lateralem Anteil des M. soleus als kombinierter Lappen; Gefäßversorgung: A. u. V. peronea) – Anwendung: Unterkieferbereich, Handrekonstruktion, Unterarmdefekte.
Leistenlappen (Gefäßversorgung: A. u. V. cicumflexa ilium profunda, Einschluss
eines Beckenkammsegments) – Anwendung: Deckung von Handdefekten als Nahoder Rundstiellappen.
Fußrückenlappen (Gefäßversorgung: A. u. V. dorsalis pedis, Einschluss Os metatarsale II) – Anwendung: Der Metatarsaleknochen kann zur besseren Konturierung,
z. B. als Unterkieferersatz, innerhalb des erhaltenen Periostschlauchs osteotomiert
werden.
„4-in-1“-Lappen („chimäre“ Lappenplastik, Kombination M. latissimus dorsi, Skapulalappen, Serratuslappen [M. serratus] und knöcherner Skapularand; Gefäßversorgung: A. thoracodorsalis) – Anwendung: Defektdeckung und Rekonstruktion
im Bereich des Unterkiefers.
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Unterarmlappen.
Fibulalappen.
Leistenlappen.
Fußrückenlappen.
„4-in-1“-Lappen (Kombination M. latissimus, Skapulalappen, Serratuslappen und
knöcherner Skapularand).
Insellappen
Insellappen
Als Insellappen werden Lappenplastiken bezeichnet, bei denen das gestielte Transplantat mit seiner Hautinsel am Defektort ausgeleitet wird. Typische Anwendungsgebiete stellen die Rekonstruktion der weiblichen Brust durch M. latissimus-dorsiLappen (Abb. B-8.9) oder der TRAM-Lappen dar. TRAM steht hierbei für transverse
rectus abdominis myocutaneous und heißt, dass es sich um einen horizontal geschnittenen und über die Gefäße des M. rectus abdominis ernährten Muskel-Fettgewebe-Hautlappen handelt (Abb. B-8.10). Wird dieser Lappen vertikal geschnitten
(vertikal orientierte Hautinsel), so wird er als VRAM-Lappen (vertically oriented
rectus abdominis myocutaneous) bezeichnet.
Beide Lappen eignen sich zur Rekonstruktion der weiblichen Brust. Diese Lappenplastiken können zum Brustaufbau noch durch zusätzliche Implantation eines
Brustimplantates bei Notwendigkeit ergänzt werden. Hierbei wird das Implantat
submuskulär positioniert.
Der Hebedefekt der transponierten Hautinsel wird in der Regel primär verschlossen,
sodass relativ begrenzte Narben entstehen.
Wird ein solches Hautareal isoliert sensibel versorgt, so kann damit auch am Defektort eine sofortige Wiederherstellung der Sensibilität erreicht werden. Dieses Verfahren wird bevorzugt an der Hand verwendet.
Als Insellappen werden Lappenplastiken bezeichnet, bei denen das gestielte Transplantat
mit seiner Hautinsel am Defektort ausgeleitet
wird. Typische Anwendungsgebiete stellen
die Rekonstruktion der weiblichen Brust
durch Latissimus-dorsi-Lappen (Abb. B-8.9)
oder der TRAM-Lappen dar (Abb. B-8.10).
Vertikal geschnittene Variante: VRAM-Lappen.
Der Hebedefekt der transponierten Hautinsel
wird in der Regel primär verschlossen. Wird
ein solches Hautareal isoliert sensibel versorgt, so kann damit auch am Defektort eine
sofortige Wiederherstellung der Sensibilität
erreicht werden. Dieses Verfahren wird bevorzugt an der Hand verwendet.
⊙ B-8.9
Latissimus-dorsi-Lappen
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B
B
⊙ B-8.10
8 Plastische Chirurgie
⊙ B-8.10
Rectus-abdominis-Lappen, TRAM-Lappen
Rotationslappen
Rotationslappen
Der Rotationslappen dient zur Deckung eines
Primärdefektes, vornehmlich im Gesicht oder
Sakralbereich. Hierbei wird angrenzendes Gewebe in den Defekt gedreht. Wird der Lappen
lateral verschoben, heißt er Schwenklappen
(Abb. B-8.11).
Der Rotationslappen dient zur Deckung eines Primärdefektes, vornehmlich im Gesicht oder Sakralbereich (z. B. Dekubitalulzera).
Hierbei wird angrenzendes Gewebe in den Defekt gedreht. Wird der Lappen lateral
verschoben, heißt er Schwenklappen. Oft liegen Kombinationen beider Prinzipien
vor (Abb. B-8.11).
Grundsätzlich handelt es sich um individuelle Lösungen, deren Handhabungen nicht
standardisiert werden können. Ihre Anwendung setzt eine große Erfahrung voraus,
da größere Durchblutungsstörungen zu schweren Entstellungen führen können.
⊙ B-8.11
Rotationslappen
D
D
C
E
C
D
C
E
B
F
B
F
B
E
A
A
a
b
A
c
d
Verschluss eines dreieckigen Defektes mit dem weit mobilisierten, in den Defekt gedrehten Lappen.
aus: Schumpelick V., Bleese N., Mommsen U.: Kurzlehrbuch Chirurgie. Thieme; 2010
Gewebeexpander
Gewebeexpander
Durch subkutan implantierte Kunststoffreservoirs kann durch langsame Füllung mit NaClLösung über 8 – 12 Wochen eine Vordehnung
der Haut um das 2–3-Fache erreicht werden.
Hauptanwendungsgebiet: Korrektur von Narbenfeldern an Rumpf und Extremitäten, Alopeziearealen des Schädels und der Aufbau der
weiblichen Brust (Abb. B-8.12).
Mit der Expandertechnik steht ein Verfahren zur Verfügung, das die Züchtung von
fasziokutanen Lappen, Haut-Fettlappen oder Vollhaut durch Vordehnung ermöglicht. Dazu wird subkutan ein Gewebeexpander implantiert, der über ein ebenfalls
subkutan gelegenes Ventil mit Kochsalzlösung aufgefüllt wird. Damit sind innerhalb
von 8 – 12 Wochen Dehnungen auf das 2–3-Fache möglich. Voraussetzungen zur
Durchführung des Verfahrens sind ein infektfreies Operationsgebiet und vollwertige
Haut. Hauptanwendungsgebiete sind die Korrektur von Narbenfeldern an Rumpf
und Extremitäten, Alopezieareale des Schädels und der Aufbau der weiblichen Brust
(Abb. B-8.12).
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B
⊙ B-8.12
1063
8.3 Plastisch-chirurgische Techniken
Subkutane Implantation eines Gewebeexpanders bei einem posttraumatischen Defekt der Kopfhaut
NaCl-Lösung
Defekt
a
c
d
Nach schrittweiser Auffüllung des Expanders mit NaCl-Lösung und der damit verbundenen
Überdehnung der Kopfhaut (a, b) kann der überschüssige Weichteilmantel in den Defekt eingenäht
werden (c, d).
Lokale Lappenplastiken
Lokale Lappenplastiken
Zur Deckung begrenzter Hautdefekte lassen sich lokale Lappen, die Haut, Subkutis
und ggf. Faszie beinhalten, bilden. Das zu verschiebende Gewebe bleibt teilweise mit
der ursprünglichen Haut in Verbindung und erhält hierdurch seine Gefäßversorgung. Vorteile sind das identische Hautkolorit, die gleichartige Textur und die erhaltene Sensibilität. Das Ausmaß der Defektdeckung ist allerdings durch das zur Verfügung stehende Gewebe limitiert.
In Abhängigkeit von ihrer Gefäßversorgung lassen sich auch hier Random-patternFlaps von Axial-pattern-Flaps unterscheiden.
Sie dienen der Deckung begrenzter Hautdefekte. Der Lappen bleibt teilweise mit der ursprünglichen Haut in Verbindung und erhält
hierdurch seine Gefäßversorgung. Das Ausmaß der Deckung ist jedoch limitiert.
Random-pattern-Flaps (Abb. B-8.13):
■ Verschiebeschwenklappen: Die Lappen werden so angelegt, dass sowohl der Defekt als auch das zu verschiebende Gewebe in einem Halbkreis liegen. Die Rotation
hängt von der Elastizität des umliegenden Gewebes ab.
■ Rhombuslappen: Er dient ebenfalls zur Deckung nach Exzision kleiner Tumoren.
Random-pattern-Flaps:
■ Verschiebeschwenklappen: Sowohl der
Defekt als auch der zu verschiebende Anteil
liegen in einem Halbkreis.
■ Rhombuslappen: Er dient zur Deckung
kleiner Hautdefekte.
⊙ B-8.13
Schematische Darstellung lokaler Lappenplastiken (Random-patternFlaps) im dorsalen Rumpfbereich
2
2
4
1
3
a Schnittführung
1
2
3
4
1
4
3
b Zustand nach Hautnaht
Verschiebeschwenklappen
Rhombuslappen
Bilobed Flap
Extensions- oder Vorschiebelappen
Man unterscheidet Random-pattern-Flaps
(Abb. B-8.13) und Axial-pattern-Flaps.
⊙ B-8.13
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b
B
■
Extensions- oder Vorschiebelappen: Sie
dienen ebenfalls zur Deckung kleiner Hautdefekte.
■
■
Bilobed Flap: Der 2-blättrige Lappen wird
dann angewendet, wenn in der Umgebung
der Defekte ein Gewebeüberschuss vorhanden ist. Das 1. Blatt verschließt den Primärdefekt, das 2. Blatt deckt den Hebedefekt.
■
Axial-pattern-Flaps:
■ Glabellalappen (Abb. B-8.14): Er findet seine Anwendung zur Defektdeckung im Bereich der Nase.
■ Axialer Stirnlappen (Abb. B-8.15): Sein Ziel
ist die Deckung von Defekten des Nasenrückens und – ggf. mit zusätzlicher Knorpeltransplantation (z. B. Rippenknorpel) – die
Nasenrekonstruktion.
⊙ B-8.14
8 Plastische Chirurgie
Extensions- oder Vorschiebelappen: Er dient zur Deckung kleiner Hautdefekte.
Nach paralleler Inzision in Defektbreite wird der mobilisierte Lappen gegen den
Defekt vorgeschoben und mit Nähten fixiert. Die am Lappenende entstehenden
Dreiecke können nach Exzision ebenfalls primär verschlossen werden.
Bilobed Flap: Es handelt sich um einen 2-blättrigen Lappen, der von einem Gewebestiel aus versorgt wird. Er wird dann angewendet, wenn in der Umgebung des
Defektes ein Gewebeüberschuss vorhanden ist. Mit dem 1. Blatt wird der Primärdefekt verschlossen. Das 2. Blatt dient zur spannungsfreien Deckung des Hebedefektes.
Axial-pattern-Flaps:
Glabellalappen (medianer Stirnlappen): Die Versorgung wird durch die supraorbital-supratrochlearen Gefäße gewährleistet. Er dient zur Defektdeckung im Bereich
der Nase, hat jedoch nur eine eingeschränkte Reichweite (Abb. B-8.14).
■ Axialer Stirnlappen: Hierbei handelt es sich um einen an der A. supratrochlearis
gestielten Axial-pattern-Hautlappen, der – mittels Schablone ausgemessen – zur
Rekonstruktion von Defekten des Nasenrückens verwendet werden kann (sog. „Indische Methode“). Vorteil: Konstante Gefäßversorgung, meist unauffälliger Hebedefekt, der primär verschlossen werden kann. Diese Lappenplastik wird mit zusätzlicher Knorpeltransplantation z. B. von Rippenknorpel, auch zur Nasenrekonstruktion verwendet. Wichtig: Versorgendes Gefäß präoperativ mittels Doppler
lokalisieren. (Abb. B-8.15a und Abb. B-8.15b).
■
⊙ B-8.14
Glabellalappen
a
b
Der Glabellalappen oder mediane Stirnlappen eignet sich
zur Deckung von Defekten im Nasenrückenbereich (z.B. Traumafolge oder Tumorexzision) (a). Die Reichweite des Lappens
ist jedoch limitiert (b).
⊙ B-8.15
Axialer Stirnlappen
a Technik
b Patientin nach tiefer Verbrennungsverletzung
der Nase
c dieselbe Patientin 6 Wochen nach der Operation
A
S
c
A. supratrochlearis
a
8.4
b
Bauchwandrekonstruktion
Große Bauchwanddefekte durch Trauma, Infektion, Tumorchirurgie oder aktinische Schäden sind in der Regel einem primären Verschluss nicht zugänglich. Das lokale Gewebe
ist oft infiziert und narbig verändert. Die fehlende Fasziendeckung resultiert schließlich in
Hernien.
8.4
Bauchwandrekonstruktion
Große Bauchwanddefekte durch Trauma, Infektion, Tumorchirurgie oder aktinische
Schäden sind in der Regel einem primären Verschluss nicht zugänglich. Das lokale
Gewebe ist oft infiziert und narbig verändert. Die fehlende Fasziendeckung resultiert schließlich in Hernien. Die ideale Wiederherstellung beinhaltet die normalen
Wandschichten mit durchbluteter Faszie, Subkutangewebe und Haut. Das tech-
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