SATZUNGSTEXT | ERLÄUTERUNGEN | VORGEHENSWEISEN GESTALTUNGSFIBEL FÜR BAULICHE MASSNAHMEN AN GEBÄUDEN IN CETATE UND GESCHÜTZTEN ZONEN IN TEMESWAR STADTVERWALTUNG TEMESWAR 1 2 INHALT EINLEITUNG ALLGEMEINES HINTERGRÜNDE UND HANDHABUNG GELTUNGSBEREICH S. 4 S. 6 S. 7 ELEMENTE BEGRIFFE S. 8 DACH UND DACHENTWÄSSERUNG S. 10 FASSADE S. 14 FENSTER S. 18 TÜREN UND TORE S. 22 SCHAUFENSTER UND VORDÄCHER S. 26 WERBEANLAGEN UND BELEUCHTUNG S. 30 INNENHÖFE S. 34 LEITUNGEN UND INSTALLATIONEN S. 38 ANHANG RECHTLICHE GRUNDLAGEN S. 40 PLAN "DENKMÄLER UND GESCHÜTZTE ZONEN" S. 44 IMPRESSUM S. 45 3 Gebäude am Piata Unirii in Cetate Obwohl die Stadt Timişoara eine viel ältere Geschichte hat, ist die heutige Bausubstanz und städtebauliche Struktur erst durch die ununterbrochene Bautätigkeit der letzten drei Jahrhunderte entstanden. Ungefähr zwischen den Jahren 1725 und 1765 wurde die Innenstadt, das heutige Viertel Cetate und die Festung auf der Grundlage von technischen Entwürfen, errichtet. Die Innenstadt bildete zu dieser Zeit das politische, administrative und kulturelle Herz der ganzen Stadt. Sie war von einer mächtigen Festungsanlage umgeben, die aus drei konzentrischen Wallanlagen bestand. Von den neun Bastionen des Hauptwalls besteht nur noch eine, die von den Temeswarern heute als „die Bastion“ bezeichnet wird. Vom äußeren Rand der Festungswerke, der Zirkumvallations-Line, erstreckte sich die Esplanade der Festung, eine 948 m breite Ebene, auf der Bauverbot herrschte. Deshalb wurden die anderen Stadtteile, die sogenannten Vorstädte, in einem Umkreis von zirka zwei Kilometern vom Mittelpunkt der Innenstadt gebaut. Schon damals bestand Timisoara aus mehreren „Städten“ (Stadtteilen) mit unterschiedlichen städtebaulichen Funktionen und unterschiedlichem 4 Charakter. Es handelt sich um die Vorstädte Fabric/ Fabrikstadt, anfangs mit gewerblichen Funktionen, die damals dörflich geprägten Iosefin/Josef- und Elisabetin/Elisabethstadt und das ebenfalls ländlich geprägte Stadtviertel Mehala. Durch eine planmäßige Entwicklung im 19. und im 20. Jahrhundert sind diese unterschiedlichen Stadtteile zu einer zusammenhängenden, gewissermaßen einheitlichen Stadtstruktur zusammengewachsen. In den letzten drei Jahrhunderten blieb die Stadt von verheerenden Katastrophen wie langen Kriegen oder schweren Erdbeben größtenteils verschont. Urbane „Plätze“, ein jeder mit seinem eigenen städtebaulichen Charakter, architektonisch dominante Einzelgebäude und historisch gewachsene Straßenzüge kennzeichnen die heutige Stadtstruktur. Noch immer prägen über 14.500 „historische“ Gebäude die wirtschaftlich und kulturell pulsierende Stadt. Die historischen Gebäude bilden Ensembles von unverwechselbarer Identität und erstaunlicher Vielfalt an architektonischen Stilrichtungen. An ihnen kann die komplette europäische Architekturgeschichte der Neuzeit vom Barock bis hin zur Moderne nachvollzogen werden. Stadtbildprägend wirken auch die Park- ALLGEMEINES ALLGEMEINE GRUNDSÄTZE Piata Traian in Fabric Sorgfältige Voruntersuchung der Bausubstanz Berücksichtigung der kunsthistorischen Besonderheiten Erhöhte Sorgfalt bei Einzeldenkmälern und Altstadtquartieren Berücksichtigung des ästhetischen Gesamteindrucks bei Ensembles und Sites Untersuchung der Bodenverhältnisse aus technischer und ggf. archäologischer Sicht Erfassung der Bauschäden in ihrer zeitlichen Entwicklung Erstellung einer sachgerechten und ausgewogenen Gesamtbeurteilung Vgl. PUG: ALLGEMEINER FLÄCHENNUTZUNGSPLAN – RLU: LOKALE STÄDTEBAULICHE SATZUNG 2001 besonders: 4.B.II. Denkmäler, 4.B.III. Geschützte Zonen RLU: LOKALE STÄDTEBAULICHE SATZUNG FÜR CETATE 1999 besonders: 3.Titel II. Schutzzonen um Cetate, 4.Titel III. Kapitel I. Allgemeine Vorschriften für Cetate, Kap. II und III Empfehlungen für die Straßen, Plätze und für sämtliche Gebäude von Cetate Historische Gebäude in Iosefin anlagen, welche die historischen Stadtteile entlang der Hauptverbindungsstraßen und dem Bega-Fluss miteinander verbinden. Sie umkreisen teilweise die Innenstadt, das Stadtviertel Cetate. In einer seit Jahrhunderten von unterschiedlichen Volksgruppen bewohnten Grenzregion, wo sich die diversen Kulturräume überlappten und ergänzten, entstand eine einzigartig vielfältige, multikulturelle Stadttradition - ein kulturelles Erbe, auf das die Temeswarer stolz Bezug nehmen, wenn sie von ihrer Stadt als „Klein-Wien“ sprechen. Die über 14.500 historischen Gebäude bilden heute den landesweit größten schützenswerten architektonischen Bereich, der sowohl für Rumänien als auch für den mitteleuropäischen Kulturraum von besonderer Bedeutung ist. Der Erhalt dieses Erbes für zukünftige Generationen ist eine besondere Verantwortung für die zuständigen Behörden und die Einwohner. Die historischen Stadtteile von Timisoara verfügen über viele Potentiale, die, behutsam und richtig entwickelt, sowohl für die Bürger von Timisoara als auch für Touristen eine besondere Attraktiviät darstellen können. Die Ereignisse der letzten sieben Jahrzehnte führten zu einer fast flächendeckenden Vernachlässigung der historischen Stadtteile, die heute dringend Maßnahmen zu ihrer Sanierung erfordern. Rechtliche, steuerliche und administrative Anreize für die Eigentümer können die Umsetzung von Strategien zum Schutz des kulturellen Erbes fördern. Die Maßnahmen für die Sanierung der Gebäude müssen allerdings wohl überlegt sein. In erster Linie muss man den statischen, bauphysikalischen und haustechnischen Anforderungen Rechnung tragen, doch spielen in den historischen Stadtteilen auch die ästhetischen Anforderungen eine wichtige Rolle. Es ist von großer Bedeutung alle Eingriffe, die an einem Altbau vorgenommen werden, seinen kunsthistorischen, konstruktiven und funktionalen Besonderheiten anzupassen. Es soll nicht vergessen werden, dass die historischen Viertel von Timisoara mit ihren Baudenkmälern über mehrere Jahrhunderte unter Beibehaltung älterer Teile gewachsen sind. Grundsätzlich gilt auch in der Denkmalpflege in vielen Fällen der Satz: „weniger ist mehr“, da bei massiven Eingriffen in die Originalsubstanz unwiederbringliche Verluste entstehen können. 5 HINTERGRÜNDE UND HANDHABUNG PROBLEME ZIELE In der sogenannten sozialistischen Zeit wurde die Instandhaltung der meisten historischen Gebäude vernachlässigt. Auch nach dem Jahre 1990 haben sich deutliche Fehlentwicklungen auf dem Gebiet der Altstadtsanierung eingestellt. Unsachgemäße Eingriffe besonders an den gestaltenden Elementen der Fassaden und an den Dächern führten zu erheblichen Schäden und unwiderruflichem Verlusten von historischer Bausubstanz. Die Verwendung von unpassenden Materialien und die schlechten Detaillösungen haben einzelne Gebäude verunstaltet und haben sich negativ auf das historische Stadtbild ausgewirkt. Neben den oben genannten Veränderungen gab es auch die folgenden, z.T. bis in die Zeit zwischen den zwei Weltkriegen zurückliegenden Entwicklungen, die dem Gebäudestand geschadet haben: • Umnutzung eines Gebäudes oder einer einzelnen Fläche mit z.T. gebäudeunverträglichen und substanzschädigenden Auswirkungen. Verdichtung der Bebauung durch • Errichten von Nebengebäuden auf den hinteren Grundstücksflächen oder sogar in den Eingangsdurchgängen (kleine Läden). • Aufteilung von Gebäudeeinheiten, teilweise sogar von einzelnen Räumen mit unglücklicher Teilung der Gewölbe- oder Stuckdecken. Eingriffe in die historische Bausubstanz • durch die Verlegung von neuen technischen Installationen. Diese Fibel richtet sich in erster Linie an die Einwohner, Eigentümer und Mieter, der historischen Gebäude, aber auch an Behörden, Institutionen, Bau- und Handwerksbetriebe. Dieser Zustand hat sich mit den Wohnungsverkäufen im Rahmen des Gesetzes 112/1994 verstärkt: Durch Wohnungsteilungen entstanden in vielen Häusern kleine Einheiten, was in Folge auch zu großen Eigentümergemeinschaften mit vielen Parteien geführt hat. 6 Sie soll als Information und Handlungsanleitung dienen, was bei einer behutsamen und denkmalgerechten Sanierung und Instandhaltung der einzelnen Gebäude und Bauteile zu beachten bzw. zu vermeiden ist. Neben einer Einführung in die rechtlichen Grundlagen sollen vor allem technische und gestalterische Hinweise für eine behutsame Stadterneuerung gegeben werden. ZUR FIBEL Die Fibel soll den an der Altstadtsanierung beteiligten Personenkreis für die Belange der behutsamen Stadterneuerung sensibilisieren und als Wegweiser dienen. Der Leser wird auf den folgenden Seiten anhand von kurzen Erläuterungen und Abbildungen über die denkmalpflegerischen Anforderungen in Timisoara informiert. Durch die Darstellung von positiven und negativen Ausführungsbeispielen sollen Tipps für geplante Maßnahmen gegeben und Fehler vermieden werden. Auf den folgenden Seiten werden die einzelnen Elemente der Gebäude behandelt und Empfehlungen für die Sanierung gegeben. Im Anhang werden die rechtlichen Grundlagen erläutert und ein Auszug der Satzungen für die historischen Stadtviertel abgedruckt. GELTUNGSBEREICH Stadt Timisoara, Regelwerk Historische Baudenkmäler und Geschützte Zonen (Diese Plan finden Sie auch vergrößert im Anhang auf Seite 44) Denkmäler... ... sind sowohl Gebäude mit allen Bauteilen, Fassadenornamenten und Dekorationen, Installationen, Innenund Außeneinrichtungen, als auch Kunst- und Grabdenkmäler und ihre Grundstücke, welche relevante kulturhistorische Zeugen aus den Bereichen der Architektur, der Archäologie, der Geschichte, Volkskunde, Religion, sowie der Wissenschaft und der Technik darstellen. Alle Denkmäler sind in der Denkmalliste (zuletzt aktulisiert im Jahre 2004) eingetragen. Ensemble ... ... ist eine zusammenhängende Gruppe von Gebäuden, welche räumlich abgegrenzt ist und aus kultureller, historischer, architektonischer, städtebaulicher, oder musealer Sicht zusammen mit ihrem Grundstück wichtige Zeugen aus den Bereichen der Architekrur, des Städtebaus, der Archäologie, der Geschichte, der Kunst, der Volkskunde, der Religion, der Wissenschaft oder der Technik darstellen. Alle Ensembles sind in der Denkmalliste (zuletzt aktulisiert im Jahre 2004) eingetragen. Geschützte Zone ... ... ist ein abgegrenztes Gebiet, mit wichtigen Zeugen aus architektonischer, städtebaulicher, archäologischer, geschichtlicher, kunstgeschichtlicher, religiöser, wissenschaftlicher oder technischer Sicht. Alle geschützten Zonen sind in der Denkmalliste (zuletzt aktulisiert im Jahre 2004) eingetragen. 7 BEGRIFFE | FASSADENELEMENTE DACHRINNE DACHTRAUFE KONSOLEN DREMPELSPIEGEL EINLAUF FALLROHR FENSTERVERDACHUNG FENSTERGEWÄNDE SOHLBANK BRÜSTUNGSSPIEGEL Ü GURTGESIMS FUGENSCHNITT IM PUTZ SOCKEL 8 BEGRIFFE | DACH | FENSTER TURMHAUBE BIBERSCHWANZ ZIEGEL DACHGAUBE DACHFLÄCHENFENSTER TASCHENZIEGEL GEWÄNDE RAHMEN FLÜGEL WETTERSCHENKEL KÄMPFER STULP SCHLAGLEISTE 9 DACH Ein typisches Beispiel für Dachlandschaften, die nach 1900 in den Altstadtquartieren von Timisoara errichtet wurden (hier: Cetate). 01 HISTORISCHE DACHLANDSCHAFT Die Dachlandschaft in den Altstadtquartieren von Timisoara ist vor allem durch große Dachflächen der Stadthäuser und -blöcke geprägt. Die Dachzonen benachbarter Gebäude stehen häufig in einem optischen Zusammenhang, in dem beispielsweise Trauf- und Firsthöhen einheitlich sind. Die Dächer, bestehend aus Dachstuhl und Dachdeckung, dienen nicht nur zum Schutz der Gebäude sondern bilden einen Bestandteil der z.T. sehr formenreichen Architektur der letzten drei Jahrhunderte und sind deshalb unbedingt zu schützen und zu erhalten. Bei den in der Denkmalliste eingetragenen Denkmälern darf man die Dachform keinesfalls ändern. Das ursprüngliche Dach ist als geschlossene Dachfläche mit seinen historischen Dachaufbauten zu erhalten. Bei Neubauten in den historischen Zonen muss man die Formensprache der benachbarten historischen Dächer übernehmen. Beschädigte Dachstühle und ungenügende bzw. nicht mehr funktionstüchtige Entwässerung der Dachflächen sind häufig auftretende Mängel im Altbaubestand von Timisoara. 10 DACH | DACHEINDECKUNG | GAUBEN RICHTIG! Bei der Sanierung des Daches wurde altstadttypische Dachziegel eingesetzt. FALSCH! Das historische Dach ist zerstört! Die Gaube entspricht in keiner Weise historischen Vorgaben und ist falsch ausgeführt. FALSCH! Für die teilweise Neueindeckung wurden Falzziegel anstatt historischer Biberschwanzziegel verwendet. FALSCH! Beim Ausbau des Daches sind Dachflächenfenster eingebaut worden. Diese zerstören die historische Ansicht des Hauses. DACHEINDECKUNG GAUBEN UND DACHFLÄCHENFENSTER Die Dächer in der Innenstadt waren im 18. und 19. Jh. mit Biberschwanz- und Taschenziegeln gedeckt. Einzelne Bauelemente (wie Turmhauben) waren mit Blecheindeckungen versehen. Um 1900 hat man auch andere Ziegelarten eingeführt. Bei Denkmälern, die keine Gauben hatten, ist der Bau von Gauben nicht erlaubt. Bei Dachsanierungen soll das historische Ziegelmaterial wieder verwendet werden. Die intakten alten Ziegel können nach sorgfältiger Prüfung noch mehrere Jahrzehnte ihren Zweck erfüllen. Ist eine Wiederverwendung nicht mehr möglich, müssen bei den Denkmälern originalgetreue (in Form, Farbe und Material) Ziegel verwendet werden. Dachdeckungsmaterialien wie Profilziegel, Asbest, Kunststoff und Bitumenpappe, die in der historischen Altstadt untypisch sind, dürfen nicht verwendet werden. Blecheindeckungen darf man nur bei Gebäuden und Baukörpern verwenden, die ursprünglich mit Blech eingedeckt waren. Wandanschlüsse und Verblechungen sind sorgfältig zu minimieren und nach Möglichkeit verdeckt auszuführen. Gauben in unterschiedlichen Formen dienen der Belichtung und Belüftung der großen Dachräume. Die historischen Gauben sind als Teil der typischen Dachlandschaft zu restaurieren und zu erhalten. Neue Gauben sollen entsprechend historischer Vorbilder und der Architektur des Gebäudes ausgeführt werden. Gauben innerhalb desselben Daches sollen einheitlich und regelmäßig angeordnet sein. Der Einbau von neuen Dachflächenfenstern ist bei Denkmälern verboten. Bei den übrigen Altbauten in den geschützten Zonen dürfen Dachflächenfenster eingebaut werden und zwar 2 m von der Traufe entfernt (horizontal gemessen) in Cetate und 0,5 m entfernt in den anderen schützenswerten Altstadtvierteln. Die für die Häuser in Timisoara typischen Blechdeckel, die zu Belüftung der großen Dachräume dienen, sind ebenso zu erhalten. 11 DACH | DACHAUSBAU | SCHORNSTEIN Richtig sanierter Schornstein FALSCH! Der Ausbau des Daches zerstört die historische Architektur des Hauses. Kaputte Schornsteine schränken die Funktion der Heizungen ein DACHAUSBAU UND DACHTERRASSEN Bei Denkmälern ist der Dachausbau nicht erlaubt. Die ursprüngliche Dachform darf man auf keinen Fall ändern. Bei anderen Altbauten in den geschützten Zonen ist der Dachausbau nach Abstimmung und Genehmigung durch das Amt für Denkmalpflege zulässig, wenn die Dachform, also die äußere Geometrie des Daches, bewahrt wird. Die Baumaßnahmen sind mit besonderer Sorgfalt und in hoher Qualität auszuführen. Eine Veränderung des ursprünglichen Daches in Maßstab, Höhe, Form oder Materialwahl ist nicht gestattet. Die geschlossene Dachfläche ist zu erhalten und darf nicht durch Dacheinschnitte unterbrochen werden. Dachdurchdringungen für Lüftungsrohre, Antennen etc. sind verantwortlich für viele Schadensbilder und stören die Dachlandschaft. Sie sollen deshalb möglichst vermieden werden. 12 Ein nachträglicher Einbau von Dachterrassen ist bei Denkmälern nicht gestattet. Bei Gebäuden, die nicht unter Denkmalschutz stehen, ist der nachträgliche Einbau von Dachterrassen im Einzelfall nach vorheriger Abstimmung und Genehmigung durch das Amt für Denkmalpflege möglich. Dabei ist zu beachten, dass die Dachterrasse von der öffentlichen Verkehrsfläche aus nicht sichtbar ist. SCHORNSTEINE Schornsteine sind ein prägendes Element innerhalb der historischen Dachlandschaft. Noch erhaltene Schornsteine sollen repariert werden. Die typischen Schornsteinköpfe sind wiederherzustellen. Wenn eine Instandsetzung alter Schornsteine nicht mehr möglich ist, so sind diese in traditioneller Weise nachzubauen. DACH | DACHENTWÄSSERUNG EMPFEHLUNGEN RICHTIG! Neue bzw. gepflegte Dachrinnen und Fallrohre verhindern, dass die Fassaden durch Regenwasser zerstört werden. Historische Dachformen bewahren Bei Dachausbauten darf das ursprüngliche Dach nicht sichtbar verändert werden Intakte historische Dachziegelverwenden Neue Dacheindeckungen nur mit adäquaten Ziegeln in gleicher Form, Farbe und Material wie der Bestand ausführen Gauben nach historischem Vorbild bauen Dachflächenfenster nur nach den Bestimmungen der Satzungen einbauen Historische Schornsteine erhalten Installationen auf dem Dach vermeiden Dachdurchdringungen vermeiden Fallrohre vertikal führen Vgl. PUG: ALLGEMEINER FLÄCHENNUTZUNGSPLAN – RLU: LOKALE STÄDTEBAULICHE SATZUNG 2001 besonders: 4.B.II. Denkmäler, Dächer: 24 - 26, 4.B.III.4. Geschützte Zonen, Dächer: 24 – 33 RLU: LOKALE STÄDTEBAULICHE SATZUNG FÜR CETATE 1999 besonders: 4.Titel III. Kapitel I. Allgemeine Vorschriften für Cetate, Dächer: 38, Kap. II. und III. Empfehlungen für die Straßen, Plätze und für sämtliche Gebäude von Cetate FALSCH! Kaputte Dachrinnen und Fallrohre zerstören die Fassaden! DACHENTWÄSSERUNG Dachrinnen und Fallrohre schützen das Dach und die Fassade vor Regenwasser. Zur Erhaltung von Dach und Fassade müssen die Dachentwässerungen deshalb regelmäßig überprüft und Schäden sofort repariert werden. Die Position von Dachrinnen und Fallrohren soll sich in das Fassadenbild einfügen, wobei lange Verziehungen zu vermeiden sind. Die Verlegung sollte vorzugsweise an Gebäudeecken und Rücksprüngen erfolgen. Auf Verzierungen an Rinnen und Einläufen sollte verzichtet werden, da diese historisch nicht begründet sind. SCHÖN! Ein historischer Rinneneinlauf und Dachrinnenhaken unbedingt zu erhalten! 13 FASSADE Beispielhaft sanierte Fassaden in den Altbauquartieren von Timisoara. 02 FASSADE Die Fassade ist die Visitenkarte eines Hauses. Eine historische und gut erhaltene Fassade gibt Zeugnis über den jeweiligen Baustil und das historische Straßenbild. Darüber hinaus bringt sie den Gestaltungswillen des damaligen Bauherren oder Architekten zum Ausdruck. Die historischen Fassaden in Timisoara werden von unterschiedlichen Zeitepochen, vom Barock bis zur Zwischenkriegszeit, geprägt. Die Vielfalt der in allen Altbauquartieren vorzufindenden Baustile ist ebenso reich wie die Vielfalt ihrer Fassadengliederungen und ihres Fassadenschmucks. Während die weitläufigen Verbindungsstraßen von der Innenstadt in die Vorstädte meist von Gründerzeit- und besonders Jugendstilbauten gesäumt sind, findet man in den Zentren der einzelnen Viertel die Baustile der verschiedenen Epochen oft nebeneinander und mit einer jeweils reichen Detaillierung. 14 GESTALTUNG UND KONSTRUKTION Auch hier gilt das Prinzip, dass bei Denkmälern keine Änderung der Fassade sondern nur Restaurierungen und Reparaturen zulässig sind und nur nach Abstimmung und Genehmigung durch das Amt für Denkmalpflege. Die Gestaltung einer Fassade wird durch das systematische Zusammenspiel von Fenstern, Türen, Balkonen, Loggien, Bossierungen, Pilastern, Gesimsen und vielfältigen Zierelementen bestimmt. In den Altstadtquartieren Timisoaras zeichnen sich die Fassaden durch einen besonderen Reichtum an Formen und Zierelementen aus, da insbesondere während des Barocks und der Zeit der Belle Epoque die Schauseiten der Gebäude mit viel Aufwand gestaltet wurden. Die Balkone an den Fassaden der Altstadtgebäude sind oft besonders kunstvoll geplant und handwerklich qualitätsvoll ausgeführt. Sie sind zu erhalten und ggf. zu sichern, jedoch keinesfalls zu verändern. Dies gilt auch für die Loggien, welche die Fassaden stark prägen. Sie dürfen nicht geschlossen werden, um die Ursprünglichkeit der Fassade zu erhalten. FASSADE | GESTALTUNG UND KONSTRUKTION SCHADE! Verfallene Fassaden und der Verlust wertvoller Fassadenornamente beschädigt nicht nur das Bild des Hauses sondern führt auch zu schweren konstruktiven Schäden, da z.B. das Mauerwerk nicht mehr ausreichend vor der Witterung geschützt wird. Das Bewahren der wertvollen historischen Fassaden mit all ihren typischen Merkmalen ist das oberste Erhaltungsziel. Deshalb sind alle prägenden Fassadenelemente unbedingt zu sichern und zu erhalten oder wiederherzustellen. Die ursprüngliche Gestaltung der Fassaden lässt sich oftmals anhand von alten Fotos oder Bauunterlagen feststellen. Störende Veränderungen und Umbauten an Fassaden sollten im Zuge der Sanierungsmaßnahmen (an Denkmälern nach Abstimmung und Genehmigung durch das Amt für Denkmalpflege) zurückgebaut werden. Fassadenöffnungen sollen in Form, Maßstab und Rhythmus dem ursprünglichen Zustand entsprechen. zurückzuführen. Für Schäden im Sockelbereich können schadhafte Entwässerungsleitungen oder mangelhaft abgeleitetes Oberflächenwasser verantwortlich sein. Des Weiteren führt der Einsatz von ungeeigneten dichten Baumaterialien (z.B. Zementputz, Fliesen) zu einer Verstärkung der Feuchteschäden. Die Restaurierung und Rekonstruktion von Fassadenelementen erfordert hohe handwerkliche Fähigkeiten und ist nur von erfahrenen Fachleuten auszuführen. Putzschäden gefährden das dahinter liegende Mauerwerk und verunstalten häufig das Fassadenbild. In vielen Fällen sind sie auf eine schadhafte Dachentwässerung oder auf Feuchtigkeit in der Sockelzone Sehr schöne Beispiele für die vielfältige Ausstattung der Fassaden in Timisoara mit Schmuckelementen 15 FASSADE | MATERIAL RICHTIG! Die gesamte Fassade wurde fachgerecht mit Kalkmörtel restauriert. Auch die farbliche Gestaltung ist richtig. RICHTIG! Vorhandene Verzierungen der Fassade wurden erhalten und restauriert. FALSCH! Ohne Rücksicht auf die historische Fassade wurde hier ein Zementputz im Spritzverfahren aufgebracht. FALSCH! Die Ornamente wurden nachträglich auf die Fassade „geklebt“. Die neue Fassadengestaltung ist historisch nicht begründet. MATERIAL Im Vorfeld einer Fassadensanierung sind durch einen Fachmann Fragen wie Art und Beschaffenheit des Untergrundes sowie vorhandene Feuchte und Salzbelastungen zu klären. Auf diesen Erkenntnissen aufbauend werden die weiteren Sanierungsschritte und insbesondere die Wahl der geeigneten Baumaterialien abgeleitet. Besondere Aufmerksamkeit sollte auf eine fachgerechte Ausführung der Arbeiten durch dafür spezialisierte Firmen gelegt werden. Bei der Erhaltung von historischen Fassaden ist die Verträglichkeit der Materialien besonders wichtig. So sollten orts- und gebäudetypische Materialien zum Einsatz kommen, wie z.B.: Kalkmörtel, Kalkfarben, Holz oder Schmiedeeisen. Materialien wie Beton, Asbest, Kunststoff sind nicht zur denkmalgerechten Sanierung geeignet und sollen nicht verwendet werden. Wegen der unterschiedlichen Entstehungszeit der Gebäude ist genau zu prüfen, welche Materialien und Techniken im Einzelfall geeignet sind. Intakte Putz- und Stuckflächen sowie Gesimse sind zu 16 sichern und zu erhalten, ggf. auszubessern oder in historischer Technik und Form zu erneuern. Zur Restaurierung von Putzflächen sollte, wenn dies die Eigenschaften des Untergrundes zulassen, jene Putze verwendet werden, die ursprünglich am Gebäude vorzufinden waren. Reine Zementputze und „Besenspritzputze“ sind verboten! Die Fassadenputze müssen wasserdurchlässig sein, um ein Verdunsten der Feuchte aus den Innenräumen zu ermöglichen. Die Behebung vorhandener Feuchteschäden stellt den ersten unverzichtbaren Schritt für eine erfolgreiche und damit dauerhafte Fassadensanierung dar. In diesem Zusammenhang kann der Einsatz von Sanierputzen im feuchte- und salzbelasteten Bereich notwendig werden. FASSADE | FARBIGKEIT EMPFEHLUNGEN RICHTIG! Auf einem dunklen Fassadengrund werden die Ornamente durch einen helleren Farbtons in ihrer Wirkung hervorgehoben Historische Fassadengestaltung wiederherstellen Schmuckelemente in geeigneter Technik reparieren Haustechnische Installationen auf den Fassaden vermeiden Verkleiden des Sockels nicht zulässig Fassadenputz und Anstriche nur mit geeigneten, untergrundverträglichen Materialien ausführen Farbe nach Farbuntersuchung wählen Farbkonzept in Anpassung auf die Nachbarschaft ausarbeiten Vgl. PUG: ALLGEMEINER FLÄCHENNUTZUNGSPLAN – RLU: LOKALE STÄDTEBAULICHE SATZUNG 2001 besonders: 4.B.II. Denkmäler, Fassaden: 28, 31 - 35, 4.B.III.4. Geschützte Zonen, Fassaden: 34, 35, 44 RLU: LOKALE STÄDTEBAULICHE SATZUNG FÜR CETATE 1999 besonders: 4.Titel III. Kap. II. und III. Empfehlungen für die Straßen, Plätze und für sämtliche Gebäude von Cetate FALSCH! Weder die Farbtöne, noch die Gestaltung entsprechen dem historischen Vorbild. FARBIGKEIT UND ANSTRICH Farbe ist ein wichtiges gestalterisches Element der Fassade. Deshalb ist die Farbwahl nicht nur mit dem Architekten, sondern auch mit dem zuständigen Denkmalpfleger abzustimmen. Die Bauwerke sollen nach Möglichkeit ihre originale Farbgebung zurück erhalten, wenn diese bereits durch vorhergehende Maßnahmen überstrichen wurde. Hierfür ist eine Untersuchung der alten Farbschichten notwendig. Die Farbgestaltung muss in Anlehnung an die Fassadengliederung erfolgen. Typische dekorative Elemente wie z.B. Fenstergewände, Gesimse, Pilaster, Bossierungen oder Kapitelle dürfen nicht verfremdet werden. Die Farbgestaltung ist auch auf die Nachbargebäude abzustimmen. Das Straßenbild darf nicht durch unpassende Farben gestört werden. Die neue Farbgestaltung muss durch einen gesamtheitlichen Farbentwurf vorbereitet werden. Durch kolorierte Zeichnungen und durch das Anlegen von Musterflächen lässt sich die Farbwirkung frühzeitig überprüfen und gemeinsam mit dem Amt für Denk- malschutz abstimmen. So können unpassende und ungewollte Farbwirkungen sowie unnötige Kosten vermieden werden. Farbliche Absetzungen von Fassadenteilen und Rücksprüngen sind dezent in den Tönungsstufen der Grundfarbe vorzunehmen. Ursprünglich waren die historischen Fassaden in Timisoara in Ocker-, Creme- Grün- oder Grautönen gehalten und dekorative Elemente wie z.B. Rahmungen oder Reliefs monochrom mit heller oder dunklerer Farbgebung hervorgehoben (hell-dunkel-Kontrast). Wie bei den Putzen ist es auch bei den Farben wichtig, die für die Entstehungszeit der Fassade typische Zusammensetzung zu wählen. Zum Beispiel wurden in früheren Epochen ausschließlich Kalkfarben verwendet, die mit Quark oder Leinöl ergänzt wurden. Heute können für die Sanierung historischer Fassaden mineralische Farben verwendet werden. Je nach Untergrund und Sanierungsziel kann der Einsatz von Silikatfarben oder Siliconharzfarben sinnvoll sein. 17 FENSTER Verschiedene historische Fenster aus Holz Einfache Kastenfenster aus Holz Handwerklich aufwendig gestaltete Fenstergitter sind in Timisoara sehr häufig zu finden und unbedingt zu erhalten! Aufwendig gestaltete historische Holzfenster, die in keinem Fall gegen billige PVC-Fenster ausgetauscht werden dürfen! 03 FENSTER Fenster gehören zu den wichtigsten Gestaltungselementen einer Fassade. Durch die Ausbildung von stimmigen Proportionen, von profilierten Rahmen und Kämpfern tragen historische Fenster zu einer schmuckvollen gebäudetypischen Fassadengliederung bei. In der Altstadt von Timisoara sind eine Vielzahl von historischen Fenstern der unterschiedlichsten Epochen und Bauarten noch erhalten und gehören daher zum schützenswerten Denkmalbestand. Besonders bei Gründerzeit- und Jugenstilbauten spielen die Fenster in ihrer Anordnung und handwerklichen Ausführung eine wichtige Rolle für das Erscheinungsbild des gesamten Gebäudes. 18 Leider hat in den letzten Jahren der Einbau von PVC-Fenstern stark zugenommen. Diese Fenster stören den optischen Eindruck der Gebäude und gehen leider häufig mit dem Verlust dekorativer Elemente rings um die Fensteröffnungen einher. Aber neben der optischen Wertminderung des Gebäudes, entstehen durch den Einbau von PVCFenstern auch bauphysikalische Schäden.Die PVC-Fenster verhindern aufgrund ihrer hohen Dichte den Feuchtigkeitsaustausch, sodass sich die Feuchte an den Wänden niederschlägt und es zu Schimmelbildung kommen kann. Ein fachmännisch ausgeführtes Holzfenster erfüllt die heutigen Anforderungen an Wärme- und Schallschutz ebenso gut wie ein modernes PVCFenster. FENSTER | GESTALTUNG UND KONSTRUKTION RICHTIG! Historische Fenster wurden aufgearbeitet. RICHTIG! Die historischen Fenster wurden aus Holz mit Termopanglas nachgebaut. FALSCH! Wertvolle Holzfenster werden durch einfache PVC-Fenster ausgetauscht, Fensterlaibungen und Ornamente werden dabei zerstört. FALSCH! Beim Einbau von PVC-Fenstern wurden ohne Rücksicht auf die historische Fassade die Fensteröffnungen vergrößert. GESTALTUNG UND KONSTRUKTION Historische Fenster wurden aus abgelagertem Holz gefertigt und weisen eine hohe handwerkliche Qualität auf. Rahmen und Flügel sind häufig kunstvoll verziert und besitzen neben ornamentalen oft auch figürliche Schnitzereien. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts öffneten die Fenster nach außen und nach innen und waren fassadenbündig eingebaut. Danach öffneten die Fenster nach innen, lagen aber in den meisten Fällen weiterhin in der äußeren Fassadenebene bzw. waren ca. 12cm nach innen versetzt. Charakteristische Fenster in den Altstadtquartieren von Timisoara sind stehende, rechtwinklige Einzelfenster. Das Verhältnis von Höhe zu Breite beträgt dabei mindestens 1:1,5 bis 1:2. Weder die Konstruktion noch die Proportionen historischer Fenster dürfen verändert werden. Sprossenteilungen gliedern das Fenster und gestalten somit auch das Fassadenbild maßgebend. In der Regel sind die Fenster stark vertikal gegliedert und haben einen Kämpfer. Das Verhältnis zwischen Oberlicht und unterem Fenster beträgt meistens 1:3 bzw. 1:2. Historische Fenster- und Sprossenteilungen sind zu erhalten oder wiederherzustellen. An vielen Fenstern sind heute noch Fensterläden mit beweglichen Klappen erhalten. Historische Fensterläden sind zu erhalten oder wiederherzustellen. Moderne außen angebrachte Kunststoffrollläden sind untersagt. Vielfach sind auch noch handwerklich wertvolle Fenstergitter vorhanden. Historische Fenstergitter sind ebenso zu erhalten. 19 FENSTER | REPARATUR UND INSTANDSETZUNG REPARATUR UND INSTANDSETZUNG Beschädigte Holzfenster und Fensterläden können meist mit einfachen handwerklichen Mitteln kostengünstig repariert werden. Stark geschädigte Elemente sind nach historischem Vorbild zu ersetzen. Die Reparatur von originalen Fenstern ist einem historischen Nachbau der Fenster nicht nur aus Denkmalschutzgründen vorzuziehen, sondern sie ist auch wesentlich preiswerter. 20 Auch die historischen Beschläge sind oft aufwändig gestaltet und manchmal Einzelanfertigungen für das entsprechende Gebäude. Sie funktionieren in vielen Fällen noch gut, sind aber oft durch viele Farbschichten beeinträchtigt. Die originalen Beschläge sind zu bergen, wieder gangbar zu machen und erneut zu verwenden. Historische Fenstergitter sind zu erhalten. FENSTER | NACHBAU | FARBIGKEIT EMPFEHLUNGEN Historische Fenster erhalten und reparieren Nur Holzfenster einbauen, keine PVC- oder Aluminiumfenster Konstruktion nach historischem Vorbild ausführen Proportionen und Gliederung erhalten Fensteröffnungen nicht vergrößern, verändern Historische Fensterläden und -gitter erhalten Außen keine Rollläden anbauen, wenn ursprünglich nicht vorhanden Historische Beschläge wieder verwenden Farbe nach historischem Vorbild und Farbuntersuchung wählen Vgl. PUG: ALLGEMEINER FLÄCHENNUTZUNGSPLAN – RLU: LOKALE STÄDTEBAULICHE SATZUNG 2001 bes.: 4.B.II. Denkmäler, Fassaden-Fenster: 29, 30, 4.B.III.4. Geschützte Zonen, Fassaden-Fenster und Türen: 36 RLU: LOKALE STÄDTEBAULICHE SATZUNG FÜR CETATE 1999 besonders: 4.Titel III. Kap. II. und III. Empfehlungen für die Straßen, Plätze und für sämtliche Gebäude von Cetate RICHTIG! Die historischen Fenster wurden aus Holz mit Termopanglas nachgebaut. NACHBAU FARBIGKEIT UND ANSTRICH Der Neubau von Fenstern ist nur zulässig, wenn die originalen Fenster nicht mehr reparaturfähig sind. Die Fenster wurden bis nach dem ersten Weltkrieg ausschließlich mit Ölfarben gestrichen. Die neuen Fenster müssen in der Proportion, Teilung und Profilstärken den originalen Fenstern entsprechen. Die farbliche Gestaltung der Fenster richtet sich nach dem historischen Befund und dem speziellen Farbkonzept der Fassade. Die Vergrößerung von Fensteröffnungen stört das Fassadenbild erheblich. Neue Fenster müssen in die ursprünglichen Öffnungen eingepasst werden. Zur Vorbereitung der Farbentscheidung ist die Befundlage durch restauratorische Untersuchungen festzustellen. Nachgebaute Fenster sind ausschließlich aus Holz herzustellen. Fenster aus PVC oder Aluminium sind in den Altstadtquartieren untersagt. ACHTUNG! Isolierglasscheiben (Thermopan) mit guten Wärmeund Schallschutzeigenschaften lassen sich auch problemlos in Holzfenster einbauen. Es ist sogar möglich, in bestehende Holzfenster Thermopanglasscheiben einzusetzen. Bei notwendigen Nachbauten von Fenstern sind vorzugsweise Kastenfenster herzustellen. Der äußere Fensterflügel muss dabei dem originalen Fenster entsprechen. Ein Thermopanfenster ist kein PVC-Fenster! Thermopan ist ein Isolierglas. Thermopangläser können auch in Holzfenster eingebaut werden. Somit kann ein hoher Wohnkomfort erzielt und die Belange des Denkmalschutzes erfüllt werden. 21 TORE UND TÜREN Ein historisches, kunstvoll gearbeitetes Tor ist oft ein Blickpfang in der Fassade Beispiele von historischen Toren mit wertvollen Holzschnitzereien Beispiele von historischen Türen mit prächtigen Verzierungen aus Holz und Schmiedeeisen An fast allen Eingängen von Häusern lassen sich reichhaltige Verzierungen finden. 04 TÜREN UND TORE Die Türen und Tore sind ein wichtiges Gestaltungselement der Fassaden und prägen das Erscheinungsbild eines Hauses. Über die Tordurchfahrt wurde bei den traditionellen Handwerker- und Händlerhäuser der hintere Hof mit Pferdewagen befahren und das Grundstück erschlossen. Außenseitig sind sie mit reich ornamentierten hölzernen Füllungen gestaltet. Die Türen der mehrstöckigen Wohn- und Geschäftshäuser, die seit Ende des 19. Jahrhunderts eingesetzt wurden, weisen eindrucksvolle Portale mit Schnitzereien oder mit Glasscheiben und dekorativen Eisengittern auf. Die originalen Türen und Tore müssen als wichtiges historisches Zeugnis unbedingt bewahrt und restauriert werden, denn viele sind bereits bei der Umnutzung der Gebäude im 20. Jahrhundert verloren gegangen. 22 FALSCH! Ungepflegtes und in Teilen zerstörtes historisches Tor. Die Ladeneingangstür passt sich nicht an den Bestand an und ist aus PVC, das in den Altstadtquartieren nicht zum Einsatz kommen darf. TORE UND TÜREN | GESTALTUNG UND KONSTRUKTION | BESCHLÄGE Häufig besitzen große Tore eine sogenannte Schlupftür, die leichter geöffnet bzw. geschlossen werden kann. SCHÖN! Man kann an den Häusern der Altstadtquartiere die unterschiedlichsten und wertvollen Türöffner finden. FALSCH! Historische Tore mit wertvollen Schnitzereien werden umgebaut. Der Eingang des Hauses wirkt ungepflegt. FALSCH! An der Eingangstür wurden leider die historischen Beschläge abgebaut und mit unpassenden Garnituren ersetzt. GESTALTUNG UND KONSTRUKTION SCHMIEDEEISERNE ELEMENTE (BESCHLÄGE) Bei den Gebäuden, bei denen sich die historische Fassadengliederung bewahrt hat, sind noch massive zweiflügelige Holztore mit gestaffelten geometrischen Ornamenten erhalten. Die Tragkonstruktion dieser alten Tore ist ein Balkengerüst, das in schmiedeeisernen Angeln hängt. Sie sind oft in portalartigen oder verzierten Gewänden aus Naturstein eingebaut. Die meisten älteren Tore haben einen Korb- oder einen Rundbogenabschluss. Prinzipiell dient der rechte Flügel als Durchgang für Personen, während der linke nur bei Bedarf geöffnet wird. Die historischen Beschläge bilden mit den Türen und Toren eine gestalterische Einheit und sind von hoher kunsthandwerklicher Qualität. Sie sind meinst Einzelstücke und aufwändig gestaltet. Die Hauseingangstüren der Gründerzeit und des Jugendstils weisen eine unglaubliche Varietät an dekorativen Holzreliefs und beeindruckende Eisengitter, die vor den Glasscheiben montiert sind, auf, so dass man kaum zwei ähnliche, geschweige denn gleiche Tore nebeneinander findet. Fehlende oder nicht mehr reparaturfähige Garnituren sollten durch die Wiederverwendung von geborgenen Beschlägen aus der gleichen Zeit ersetzt werden. Sie sind meist nach einer sorgfältigen Reinigung wieder zu gebrauchen. Sind aus funktionalen Gründen zusätzliche Garnituren wie z. B. Schlösser erforderlich, so sind diese aus gleichem Material zurückhaltend zu wählen. 23 TORE UND TÜREN | REPARATUR UND INSTANDSETZUNG REPARATUR UND INSTANDSETZUNG Der Zustand der historischen Türen und Tore wird oftmals schlechter eingeschätzt als er tatsächlich ist. Unter blätternden Farbschichten und korrodierten Beschlägen versteckt sich oft eine gute Substanz. Die Reparatur ist meist mit einfachen handwerklichen Mitteln und niedrigen Kosten möglich. Zur Vorbereitung der Instandsetzung muss der Fachmann die Schäden in einer Zeichnung kartieren und die originale Farbfolge feststellen. Die Farbschichten werden vorsichtig entfernt und die Beschläge abgebaut. Dann werden die beschädigten Holzteile durch den Tischler in traditioneller Handwerkstechnik ausgewechselt bzw. repariert. Um möglichst viel von dem originalen Tor zu erhalten und es kostengünstig zu reparieren, werden nur die zerstörten Holzteile ersetzt. Besonders bei filigranen Holzschnitzereien muss ein ausgebildter Fachhandwerker die unnötigen alten 24 Farbschichten vorsichtig entfernen. Ausnahmsweise darf er nach Abstimmung mit der Denkmalbehörde auch die fehlende Holzsubstanz ergänzen. In der Regel reicht die Behandlung mit einem mehrschichtigen Leinölanstrich zum Schutz gegen die Witterung. Auch hier gilt das Prinzip “weniger ist mehr”. Das Gleiche gilt für dekorative Eisengitter, bei welchen der Fachmann den geeigneten Korrosionsschutz vorsehen muss. Abnutzungsspuren verweisen auf das Alter der Tür und sind kein Grund zur Auswechselung des Werkstücks. TORE UND TÜREN | NACHBAU | FARBIGKEIT EMPFEHLUNGEN Historische Tore und Türen erhalten und reparieren Reparaturen in traditioneller Weise ausführen Historische Beschläge wieder verwenden Farbe nach historischem Vorbild und Farbuntersuchung wählen Anstrich auf Leinölbasis herstellen Vgl. PUG: ALLGEMEINER FLÄCHENNUTZUNGSPLAN – RLU: LOKALE STÄDTEBAULICHE SATZUNG 2001 besonders: 4.B.II. Denkmäler, Fassaden-Fenster und Schaufenster: 29, 30, 4.B.III.4. Geschützte Zonen, Fassaden-Tordurchgänge, Beschläge: 36, 41,42 RLU: LOKALE STÄDTEBAULICHE SATZUNG FÜR CETATE 1999 besonders: 4.Titel III. Kap. II. und III. Empfehlungen für die Straßen, Plätze und für sämtliche Gebäude von Cetate Typische Farbgebung von Toren in Timisoara: grüne, braune und rote Farbtöne fügen sich in das Farbkonzept der gesamten Fassade ein. NACHBAU FARBIGKEIT UND ANSTRICH Ist eine Restaurierung historischer Türen und Tore nicht möglich - oder sind diese bereits entfernt, so sollte anhand von alten Fotos die ursprüngliche Gestaltung herausgefunden werden. Der Anstrich soll das verarbeitete Holz vor der Witterung schützen und eine dekorative Wirkung haben. Falls Hinweise gefunden werden, kann das als Grundlage für den Nachbau benutzt werden. Ohne entsprechende Kenntnis ist darauf zu achten, dass sie die baustiltypische Gliederung und Proportion der ursprünglichen Gestaltung übernehmen. Die Neugestaltung von Türen und Toren ist im Einzelfall mit den Denkmalbehörden anhand eines Entwurfs abzustimmen. Ausführungen aus Kunststoff oder Aluminium sind untypisch und werden nicht gestattet. Die Farbe von Toren und Türen ist mit der Farbgebung der gesamten Fassade und insbesondere der Fenster abzustimmen und muss von der Denkmalbehörde genehmigt werden. Vorzugsweise sind traditionelle Farbsysteme, z.B. auf Leinölbasis, zu verwenden. Diese entsprechen in ihrer Farbwirkung weitgehend der Wirkung der originalen Farben. Bei modernen, industriell gefertigten Farben muss gewährleistet sein, dass sie diffusionsoffen und ausreichend elastisch sind. Falsche Anstrichstoffe führen schnell zu großen Schäden. 25 SCHAUFENSTER UND VORDÄCHER Verschiedene Beispiele für historische Schaufenster, die handwerklich sehr aufwendig gefertigt wurden. Die historischen Schaufenster fügen sich in der Regel in die Konstruktion und Gestaltung der Gesamtfassade ein. Auch dieses originale Schaufenster ist ein gestalterischer Bestandteil der Sockelzone des Hauses. 05 SCHAUFENSTER UND VORDÄCHER Die Hauptfunktion historischer Gebäude war das Wohnen. Während in Cetate und in den zentralen Zonen der anderen Stadtviertel Ladengeschäfte bereits schon im 18. Jh. exisitierten, kamen sie in der Regel in den anderen Stadtteilen erst zum Ende des 19. Jh. auf und bedingten den Umbau der historischen Häuser. Die ersten Schaufenster besaßen wie die Fenster der Obergeschosse vertikale Proportionen und waren axial an ihnen ausgerichtet. Bei der um 1900 gewählten Lösung waren oft die großflächigen Glasscheiben nicht in das Mauerwerk montiert, sondern von massiven Holzrahmen gefasst, die dem Haus vorgeblendet waren und so aus der Fassadenebene um einige Zentimeter herausstanden. Die zu Beginn des 20. Jahrhunderts errichteten Gebäude, bei denen auch eine Geschäftsnutzung vorgesehen war, verfügten über große Fenster- 26 Ein historisierendes und ein „modernes“ Vordach nebeneinander. Die Gestaltung des traditionellen Vordachs ist wesentlich aufwendiger. flächen, deren Gestaltung auf das Gesamterscheinungsbild der Gebäude abgestimmt war und besaßen eine ornamentale Gliederung aus mehreren einzeln gerahmten Scheiben. Seit den 60er und 70er Jahren des 20. Jh. werden großformatige Schaufenster in die historischen Fassaden gebaut. Dabei ist nicht selten die komplette Fassade im Erdgeschoss sowohl bezüglich der Gliederung als auch des Dekors verloren gegangen. Vielerorts ist sogar das gesamte Mauerwerk durch Stahlbetonkonstruktionen ersetzt worden. Diese mit den historischen Fassaden unverträglich großen Öffnungen veränderten das Stadtbild erheblich. SCHAUFENSTER | GESTALTUNG UND KONSTRUKTION RICHTIG! Die restaurierten Schaufenster integrieren sich durch ihre Anordnung und Farbigkeit in die historische Fassade. FALSCH! Eine historische Durchfahrt wurde rücksichtlos in einen Laden umgebaut, ohne Bezug zur restlichen Fassade. FALSCH! Verschiedene Beispiele für den rücksichtlosen Umgang mit dem bestehenden Gebäude. Läden und Schaufenster respektieren weder konstruktive noch gestalterische Grundlagen und verändern oftmals das Aussehen der Gebäude grundlegend. GESTALTUNG Bei der Neuanlage einer Ladeneinheit mit Schaufenstern muss darauf geachtet werden, dass der typische Charakter der historischen Fassade erhalten bleibt. Die Ladenfassade muss sich in das gesamtheitliche Fassadenbild einfügen und darf keine historisch wertvollen Elemente zerstören. Die originale Fassadengliederung muss erhalten bleiben. Schaufenster und Ladeneingangstüren sollen deshalb vorzugsweise die Fensterachsen der Obergeschossfenster aufnehmen. Die Schaufensterformate müssen mit den Proportionen der übrigen Öffnungen harmonieren. Schaufensterreihen ohne trennende Mauerwerkspfeiler, die in der Flucht der Fassade liegen, sind unzulässig (siehe Zeichnung). Die Rahmen sind aus Holz oder in besonderen Fällen aus Metall herzustellen. Ihre Ansichtsbreiten sind auf ein Minimum zu beschränken. Die Farbigkeit ist auf das Farbkonzept der Fassade abzustimmen. Alle Eingriffe und Veränderungen erfordern eine behördliche Genehmigung. Schaufenster sind nur im Erdgeschoss zulässig. Der Gebäudesockel darf nicht vollständig aufgelöst werden. Neu angelegte Eingänge dürfen Kellerlichtschächte oder Kellerzugänge nicht überbauen. Historische Schmuckelemente dürfen nicht zerstört werden. Bei Umwandlungen von Fenstern zu Türen oder Schaufenstern dürfen keine denkmalgeschützten Fenstergewände zerstört werden. 27 SCHAUFENSTER | INSTANDSETZUNG UND NACHBAU | FARBIGKEIT RICHTIG! Ein Schaufenster aus PVC wurde ausgebaut und durch ein zur Fassade passend gestaltetes Schaufenster ersetzt. RICHTIG! Die Schaufenster der Sockelzone sind farblich auf die Fabrigkeit der Gesamtfassade abgestimmt. RICHTIG! Die Schaufenster in diesem sanierten Haus wurden erhalten und aufgearbeitet. FALSCH! Weder die Farbigkeit der Schaufenster noch der Anstrich der Sockelzonen sind auf die Architektur der Häuser abgestimmt. INSTANDSETZUNG, REPARATUR UND NACHBAU VON SCHAUFENSTERN Im Zuge von Umbaumaßnahmen an vorhandenen Ladenfassaden sollten falsche Ausführungen aus dem 20.Jh. oder gestalterische Missstände korrigiert werden. Das Ziel ist eine Neugestaltung innerhalb der überlieferten Proportionen, Materialität und Farbigkeit. Dazu ist der ursprüngliche Zustand durch alte Fotos, Schriftstücke, Bauzeichnungen oder andere Untersuchungen zu ermitteln. Bei der Neugestaltung sind diese Befunde und die oben genannten Grundsätze zu berücksichtigen. Bei der Erneuerung von Schaufensterrahmen sind die nicht zugelassenen Materialien (Metall und Kunststoff) zu entfernen und gegen traditionelle (in der Regel Holz) zu ersetzen. Zu große Schaufensteröffnungen sind entweder neu zu unterteilen oder wie oben dargestellt, baulich anzupassen. 28 FARBIGKEIT UND ANSTRICH Hier gelten die gleichen Hinweise und Empfehlungen, wie sie unter dem Punkt 04 angegeben wurden. VORDÄCHER EMPFEHLUNGEN ERHALTENSWERT! Ein schön gestaltetes Vordach - allerdings ist eine Restaurierung dringend notwendig! Historische Schaufenster erhalten und reparieren Schaufenster an typischer Fassadengliederung orientieren Zu große Fensteröffnungen rückbauen und unterteilen Historische Schmuckelemente der Fassade bewahren Farbe in Anlehnung an die Gesamtfassade wählen Vordächer nur ausnahmsweise anbringen Vgl. PUG: ALLGEMEINER FLÄCHENNUTZUNGSPLAN – RLU: LOKALE STÄDTEBAULICHE SATZUNG 2001 besonders: 4.B.III. Geschützte Zonen, Fassaden-Tordurchgänge, Beschläge: 42 RLU: LOKALE STÄDTEBAULICHE SATZUNG FÜR CETATE 1999 besonders: 4.Titel III. Kap. II. und III. Empfehlungen für die Straßen, Plätze und für sämtliche Gebäude von Cetate FALSCH! Die Überdachung ist überdimensioniert, mit falschen Materialien ausgeführt, und farblich nicht zur Fassade passend. VORDÄCHER Historische Vordächer, Markisen und andere Überdachungen für Fenster und Türen waren in Timisoara nur in besonderen Fällen vorhanden und von hoher handwerklicher Qualität. Die frühesten Beispiele stammen aus dem 18.Jh. und waren als Eingangsportale aus Mauerwerk zur optischen Betonung von Tor- und Türöffnungen und zum Schutz gegen Niederschläge vorgesehen. Sie waren über schmalen Fassadenöffnungen angebracht und kragten in der Regel weiniger als 0,50 m aus. Einzelne historische Eingangsportale sind erhalten geblieben. Überdachungen dürfen nicht in den Straßenverkehrsraum hineinragen. Die Bürgersteige müssen eine ausreichende Breite aufweisen. Die Bespannungen müssen aus schlichten, der Farbgebung der gesamten Fassade entsprechenden, Stoffen bestehen. Bezüge aus Kunststoff oder mit grellen Farben sind nicht gestattet. Da Markisen und Vordächer keine typischen stadtbildprägenden Elemente in der historischen Altstadt sind und kunstvolle Fassadenelemente verdecken können, sollte ihre Anbringung nur ausnahmsweise vorgenommen werden. Die Anbringung von Vordächern im Straßenraum kann nur bei entsprechender historischen Einordnung und in begrenztem Umfang erfolgen. Bewegliche Stoffmarkisen auf Metallgerüsten kamen vermutlich erst Ende des 19.Jh. auf. Ihre Neuverwendung muss in Anlehnung an den historischen Originalzustand belegt werden und kommt nur an den Gebäuden aus neuerer Zeit in Frage. 29 WERBEANLAGEN UND BELEUCHTUNG GUT! Beispiele von Auslegern in Cetate, die richtig dimensioniert sind und sich durch ihre Gestaltung an historischen Vorbildern orientieren. FALSCH! Die Werbung ist überdimensioniert und tritt zu stark in den Vordergrund. 06 FALSCH! Die Werbung dieses Geschäfts verdeckt Elemente der Fassade. Sie ist zu bunt und mit ungeeigneten Materialien ausgeführt. WERBEANLAGEN UND BELEUCHTUNG Werbung spielt eine wichtige Rolle im Geschäftsleben und lässt sich im Stadtbild nicht mehr vermeiden. Dabei wird oft vergessen, dass eine gut gestaltete Fassade mit maßvoller, ansprechender Werbung eine größere Anziehungskraft besitzt und für qualitätvolle Ware spricht. Historische Werbeanlagen sind oftmals handwerklich gefertigt und schützenswerte Bestandteile der Fassade. Es wird zwischen Werbeanlagen, die parallel zur Fassade angebracht werden und auskragender Werbung (Ausleger) unterschieden. SCHÖN! Eine Straßenlampe für die historischen Altstadtquartiere 30 WERBEANLAGEN UND BELEUCHTUNG | GESTALTUNGSGRUNDLAGEN RICHTIG! Verschiedene Werbeträger sind aufeinander abgestimmt. RICHTIG! Bei dieser Werbung wird sofort sichtbar, was hier angeboten wird. FALSCH! Die Werbung und das Vordach kragen zu weit in den Straßenraum. Sie sind in ungeeigneten Materialien ausgeführt. FALSCH! Dieses Geschäft nutzt nicht nur die Schaufenster, sondern hat auch Werbeflächen direkt auf die Fassade aufgebracht. GESTALTUNGSGRUNDLAGEN Die Anbringung von Werbeanlagen an historischen Fassaden erfordert unbedingt eine Genehmigung, die vom Amt für Denkmalpflege eingeholt werden muss. Hierfür ist eine detaillierte Darstellung der geplanten Anlage mit Aussagen zu Material und Farbe erforderlich. Grundsätzlich gilt Folgendes: • Werbeanlagen dürfen das Erscheinungsbild der gestaltprägenden Bauteile nicht überdecken und müssen sich in die Fassadengestaltung harmonisch einfügen. Zurückhaltende Proportionen werden empfohlen. • In der Werbung sollten traditionelle Symbole des Gewerbes verwendet werden. • Schriftzüge von Werbeanlagen eines Gewerbes sollten miteinander harmonieren. • Mehrere Werbeanlagen an einem Gebäude müssen untereinander abgestimmt sein. • Werbeanlagen sollen nur im Erdgeschoss und in enger Verbindung zum Ladenraum angebracht werden. • Unzulässig sind Werbeanlagen mit grellen oder glänzenden Farben, Blink- oder Wechsellicht oder akustischen Signalen. Das Anbringen von Warenautomaten an und • vor den historischen Fassaden im öffentlichen Raum ist unzulässig. Spannbänder über die Straßenbreite und • Fahnen dürfen nur für die Dauer zeitlich befristeter (in der Regel 10 Tage) und genehmigter Sonderveranstaltungen angebracht werden. 31 WERBEANLAGEN UND BELEUCHTUNG | ANBRINGUNG RICHTIG! Beispiele für richtig gestaltete Ausleger RICHTIG! Beispiele für gut gestaltete Werbung parallel zur Fassade NICHT SCHÖN! Einfach gestaltete Ausleger, die billig wirken. FALSCH! Der gut gestaltete Schriftzug ist kaputt und wirkt ungepflegt. ANBRINGUNG VON AUSLEGERN ANBRINGUNG PARALLEL ZUR FASSADE Die Gestaltung darf die Straßen- und Fassadenfluchten nicht beeinträchtigen. Die Gestaltung der Werbeanlage muss sich der Fassade und ihrer Umgebung anpassen. Vorhandene Fassadengliederungen dürfen nicht gestört werden. Vorzugsweise sollen traditionelle Ausführungen aus Schmiedeeisen, die einen Bezug zur Art des Gewerbes darstellen, angebracht werden. Empfohlen werden transparente Schilder mit Umrahmungen aus Metall. Sie sollen höchstens 0,2 bis 0,5 m² groß sein und maximal 0,90 m von der Fassade abstehen. Die Mindesthöhe der Schildunterseite beträgt vom Gehwegniveau aus 2,5 m. Die Farben sollen auf die Fassadenfarben abgestimmt sein. Die Beleuchtung sollte in Schildnähe durch dezent an der Fassade angebrachte Leuchtkörper erfolgen. Die Schriftlänge muss sich auf die Schaufensterlänge beziehen und symmetrisch angeordnet sein. Die Farben der Schriften und die Beleuchtung müssen auf die Farbgebung der Fassade abgestimmt sein. Die Beschriftung wird ohne besonderen Unterbau direkt auf der Fassade angebracht. Schriftliche Werbung darf nur aus Einzelbuchstaben bestehen. Die maximale Schrifthöhe beträgt 35cm und die Gesamtlänge höchstens 2/3, in der Regel aber ½ der Fassadenbreite. Zu den Gesimsen oder Fensterlaibungen sollen Mindestabstände eingehalten werden. 32 WERBEANLAGEN UND BELEUCHTUNG | ANBRINGUNG EMPFEHLUNGEN Werbung der Fassadengliederung anpassen Traditionelle Symbole und Schriftzüge des Gewerbes verwenden Material, Farbe und Form müssen mit der Fassadengestaltung harmonieren Keine Fassadenelemente verdecken Beleuchtung und Farben dezent einsetzen Werbung nur im Erdgeschoss anbringen Straßen- und Fassadenfluchten nicht beeinträchtigen Vgl. PUG: ALLGEMEINER FLÄCHENNUTZUNGSPLAN – RLU: LOKALE STÄDTEBAULICHE SATZUNG 2001 besonders: 4.B.V. Werbeanlagen für Denkmäler und Gebäude in den schützenswerten Altstadtzonen: 18 - 27 RICHTIG! Beispiele für zurückhaltend gestaltete Werbetafeln, die gesammelt an der Fassade angebracht sind und nicht störend wirken. RLU: LOKALE STÄDTEBAULICHE SATZUNG FÜR CETATE 1999, besonders: 4.Titel III. 66. Werbeanlagen FALSCH! Ohne Rücksicht auf die Gestaltung der Fassade und benachbarte Geschäfte wurden Werbungen angebracht. Mehrere Tafeln oder Hinweisschilder sind als Sammelschildanlage in vertikaler oder horizontaler Reihung anzuordnen. Firmenschilder für Firmen und Freiberufler, die ihren Sitz in den oberen Geschossen historischer Gebäude haben, werden parallel zur Fassade als einheitliche Sammelschildanlage in der Nähe des Hauseingangs angebracht. Für die Beleuchtung sind diskret an der Fassade angebrachte Spots oder Leuchtkörper erlaubt. Bei Denkmälern muss der Gesamtentwurf für die Fassadenbeleuchtung von einem verantwortlichen Architekten koordiniert werden. RICHTIG! Neue und eine erhaltene Straßenlampe, die dem Charakter eines Altstadtviertels entsprechen. 33 INNENHÖFE RICHTIG! Ein schön gestalteter Innenhof in Cetate. Für den Bodenbelag wurden Tonziegel verwendet, die Baumscheibe ist aus Gusseisen sichert die ausreichende Bewässerung des Baumes. 07 INNENHÖFE Die Höfe in Timisoara sind das Ergebnis eines langen organischen Wachstumsprozesses innerhalb der Grundstücksparzellen. Die ältesten Innenhöfe gab es in der Innenstadt, wo man schon im 18.Jh. traufständige Stadthäuser als geschlossene Straßenfronten errichtet hat. In den Vorstädten, wo die Häuser anfangs giebelständig an einer länglichen Grundstücksgrenze in dörflich-offener Bauweise gebaut wurden, stammen die Innenhöfe in der Regel aus dem 19. und einige sogar Anfang des 20. Jh. Hier sind die Grundstücksparzellen in der Regel lang gestreckt. In beiden Fällen sind die Grundstücke rückwärtig mit Seitenflügeln und Nebengebäuden bebaut. Ein Ensemble von Vorderhaus, Seitenflügel, Nebengebäuden, Hofmauern und Pflasterungen bestimmt die typische Gestalt der Höfe. Die Innenhöfe der Altbauquartiere gehören zum organisch gewach- 34 senen historischen Stadtbild und sind als Ensemble zu bewahren. Der Zugang in die Innenhöfe erfolgt über die Durchfahrten bzw. Durchgänge an der Gebäudefront. Die Seitenflügel werden im Erdgeschoss vom Innenhof aus erreicht. Die Obergeschosse werden über ein Treppenhaus in der Eingangsdurchfahrt und meist über offene Laubengänge erschlossen. Sie sind oft kunstvoll gestaltet und prägen das Aussehen der Innenhöfe. INNENHÖFE | NUTZUNG RICHTIG! Die Bewohner nutzen die Höfe als Gärten, zur Erholung oder als Spielplatz für Kinder. Allerdings kann die Gestaltung der Freiflächen, z.B. durch schönes Pflaster noch wesentlich verbessert werden. FALSCH! Häufig sind die Innenhöfe in Timisoara trist und ungepflegt. Sie dienen als Parkfläche und die Böden sind versiegelt. NUTZUNG In der traditionellen Nutzung der Innenhöfe gab es eine ausgewogene Mischung aus Wohnen und Wirtschaften. BEISPIEL FÜR DIE GELUNGENE NEUGESTALTUNG EINES INNENHOFS Heute werden die Höfe vielfach von unerwünschten Nutzungen dominiert. Oft dienen sie als intensiv genutzte Gewerbefläche, als Parkplätze oder als Sammelstelle für Müll. Wohnen und hauswirtschaftliche Nutzungen (Wäsche trocknen etc.) werden dadurch oftmals beeinträchtigt. Zur Aufwertung des Hofes müssen die störenden Beeinträchtigungen entfernt und vielseitig nutzbare Flächen geschaffen werden. Durch das Anlegen von Grün- und evtl. Spielflächen für Kinder sowie Sitzplätzen können z. B. attraktive Aufenthaltszonen für die Bewohner geschaffen werden. 35 INNENHÖFE | NEBENGEBÄUDE | GESTALTUNG RICHTIG! Störende Nebengebäude wurden abgetragen, um den Hof freundlicher zu gestalten und mehr Platz zu haben. SCHÖN! Kunstvoll gestalteter Treppenaufgang und Laubengang im Innenhof FALSCH! Ein mit Nebengebäuden verbauter Innenhof FALSCH! Das schmiedeeiserne Geländer ist teilweise zerstört und es besteht Verletzungsgefahr. NEBENGEBÄUDE GESTALTUNG Die Nebengebäude dienten ursprünglich dem Handwerk und Gewerbe. Oft gab es im hinteren Bereich Schuppen für Brennholz und Gartengeräte oder Stallungen. Heute finden sich in den Nebengebäuden meistens Wohnnutzungen. Die Hoffassaden der Vorderhäuser und der Seitenflügel werden durch die vielfältige Gestaltung der Laubengänge bestimmt. Meistens sind die Laubengänge aus massiven Mauerwerkskonstruktionen, Holz oder Mischkonstruktionen aus Mauerwerk, Naturstein, Schmiedeeisen und Holz. Oftmals sind die Tragkonstruktionen und die Brüstungen kunstvoll gestaltet. Historische Höfe sollen die Gestalt eines harmonisch gewachsenen Ensembles bewahren, bzw. zurückerlangen. Störende neuzeitliche Nebengebäude sollten nach Möglichkeit entfernt werden. Da sie vielfach bewohnt sind, können sie jedoch oft nicht abgerissen werden. Die Grundstücksparzelle und das Verhältnis von bebauter zu unbebauter Fläche müssen in einem harmonischen Verhältnis stehen. Die Laubengänge der Innenhöfe sind baugeschichtlich und handwerklich wertvoll und müssen unbedingt erhalten werden. Durch die Montage von wild anmutenden Briefkastenanlagen, haustechnischen Installationen und der Einrichtung von Müll- und Lagerplätzen im Hof und in den Durchfahrten wurde die Ursprünglichkeit der historischen Innenhöfe stark beeinträchtigt. Unpassende Materialien sind zu vermeiden. Haustechnische Installationen und Versorgungsanlagen sind dezent in die bestehende Gestaltung zu integrieren. 36 INNENHÖFE | NEBENGEBÄUDE | GESTALTUNG EMPFEHLUNGEN RICHTIG! Die technischen Anlagen sind gruppiert in der Durchfahrt installiert und stören nicht. Historisches Ensemble bewahren Störende neuzeitliche Nebengebäude entfernen Durchfahrten freihalten Haustechnische Installationen verdeckt verlegen Geeignete Müllplätze einrichten Hof nicht als Parkfläche nutzen Historisches Pflaster erhalten Bodenflächen nicht versiegeln Hof begrünen Aufenthaltszonen schaffen Regenwasser sicher ableiten Vgl. PUG: ALLGEMEINER FLÄCHENNUTZUNGSPLAN – RLU: LOKALE STÄDTEBAULICHE SATZUNG 2001 besonders: 4.B.III. 4. Geschützte Zonen, Innenhöfe: 48 – 59 RLU: LOKALE STÄDTEBAULICHE SATZUNG FÜR CETATE 1999 besonders: 4.Titel III. Empfehlungen für Cetate, Art.40. Innenhöfe FALSCH! Die Installationsleitungen sind willkürlich angeordnet und beeinträchtigen das Bild des Hofes negativ. Die ursprünglich erhaltenen Innenhöfe sind gepflastert und haben eingefasste Beete für Blumen, Sträucher oder Rankgewächse. Oftmals sind mehrere Pflasterverlegearten nebeneinander erhalten. Es gab in Timisoara Ziegel- und Natursteinpflaster (flache Steinplatten, Kopfstein- und Katzenpflaster). Durch die Pflasterung und die Begrünung wird der Staub gebunden und die Versickerung von Regenwasser gefördert. Ziegel- und Natursteinpflasterung und Begrünung sind typisch für historische Höfe und verleihen ihnen eine angenehme Atmosphäre. Sie sind zu erhalten oder wiederherzustellen. RICHTIG! Ein schöner Bodenbelag, der gleichzeitig auch Wasser für die Hofbegrünung durchlässt. Wasserdicht versiegelte Flächen sind untypisch für die Innenhöfe und schränken die Möglichkeiten einer nachhaltigen Hofgestaltung stark ein. Sie sollten im Zuge der Hofsanierung entfernt und durch Pflaster oder Grünflächen ersetzt werden. Zur Ableitung von Feuchtigkeit ist auf das Anlegen eines leichten, von der Bebauung wegführenden Gefälles zu achten. FALSCH! Zerstörter Bodenbelag in einem Innenhof 37 LEITUNGEN UND INSTALLATIONEN | HAUSANSCHLUSSLEITUNGEN RICHTIG! Haustechnische Installationen, wie z.B. Gaszähler sollten an einer Stelle gruppiert werden. 08 LEITUNGEN UND INSTALLATIONEN Im Straßenraum geführte technische Leitungen und Installationen stören in starkem Maße das historische Stadtbild. In der letzten Zeit wird diese Beeinträchtigung noch zusätzlich durch Antennen und Satellitenschüsseln auf den Dächern sowie durch Lüftungsrohre von gastronomischen Einrichtungen verstärkt. 38 HAUSANSCHLUSSLEITUNGEN Da der Hausanschluss an das öffentliche Leitungsnetz in der Verantwortung der öffentlichen Versorgungsunternehmen steht, sind diese zur Zusammenarbeit und Unterstützung aufgerufen. Um die Beeinträchtigungen durch sichtbar verlegte Versorgungsleitungen im Stadtbild abzubauen, müssen die Betreiber der öffentlichen Leitungs- und Kabelnetze sich auf neue Trassenführungen verständigen. Es sollte erreicht werden, dass zukünftig alle Neuinstallationen unter Rücksichtnahme auf den historischen Bestand ausgeführt werden. Weitere Probleme stellen die im Boden verlegten Trink- und Abwasserleitungen dar. Undichtigkeiten in dem schadhaften Leitungsnetz führen häufig zu starken Feuchteschäden an der historischen Bausubstanz. Eine grundsätzliche Erneuerung ist zur Erhaltung der historischen Substanz in der Altstadt dringend erforderlich. Auch hier liegt die Verantwortung bei den öffentlichen Versorgungsunternehmen. LEITUNGEN UND INSTALLATIONEN | HAUSTECHNISCHE VERSORGUNG | ANTENNEN FALSCH! Versorgungsleitungen und Stromkabel sind oft ungeordnet auf der Fassade entlang angebracht. Sie wirken extrem störend! FALSCH! Antennenanlagen sollten so auf dem Dach montiert werden, dass sie von der Straßenseite nicht sichtbar sind. FALSCH! Klimaanlagen sollten nicht an der Schaufront der Gebäude angebracht werden. Sie stören das Gesamtbild. FALSCH! Die Anbringung von Antennen an den Fassaden ist verboten, weil es das Gesamtbild des Hauses negativ verändert. HAUSTECHNISCHE VERSORGUNG ANTENNENANLAGEN Strom-, Wasser- und Telefonanschlüsse sowie die gelb gestrichenen mehrzölligen Gasleitungen sind meist sichtbar an den Außenwänden und im Bereich des Haupteingangs verlegt. Sie verlaufen bunt durcheinander über die historischen Fassadenelemente oder unter den Gewölben und Decken der Hauszugänge. Zu den Kabeln und Leitungen gehören Schalter, Zählerschränke und Befestigungen. Sie verunstalten und beschädigen erheblich das historische Fassadenbild. Die Dachlandschaften werden zunehmend von montierten Antennenanlagen und Satellitenschüsseln gestört. Alle Kabel und Leitungen sollen in verdeckt liegenden Leerrohren oder unter Putz verlegt werden. Elektroverteiler und Anschlussleitungen sollten sich in abgeschlossenen Kästen installiert werden, die sich möglichst in separaten Räumen oder an ausgewiesenen, nicht störenden Stellen befinden. Sie dürfen nicht auf der straßenseitigen Fassade oder im Eingangsbereich montiert werden. Die Gasleitungen sollten grundsätzlich im Erdreich verlegt werden und direkt in die Wohnungen führen. Druckminderer, Zähler und Absperrhähne sollten in den Fluren oder in den Wohnungen untergebracht werden. Die Montage von technischen Dachaufbauten darf nicht vom öffentlichen Straßenraum einsehbar sein. Bei der Sanierung von Wohnhäusern für mehrere Parteien sollten auf der rückwärtigen Hausseite Gemeinschaftsantennenanlagen installiert werden. EMPFEHLUNGEN Kabel und Leitungen verdeckt verlegen Unterirdische Wasserleitungen instandsetzen Gasleitungen nur im Boden verlegen Keine technischen Geräte außen montieren Keine technischen Anlagen straßenseitig montieren Vgl. PUG: ALLGEMEINER FLÄCHENNUTZUNGSPLAN – RLU: LOKALE STÄDTEBAULICHE SATZUNG 2001 besonders: 4.B.II. 3 Fassaden 27, 4.B.III. 4. Fassaden 41 39 ANHANG RECHTLICHE GRUNDLAGE BERATUNG Vor allem in der Zeit zwischen 1977 und 1989 war in Rumänien die historische Bausubstanz politisch nicht gewollt und wurde deshalb gezielt vernachlässigt. In vielen Städten wurde sie sogar zerstört, wobei Timisoara hier eine glückliche Ausnahme bildete. Heute werden die internationalen Richtlinien wie z.B. die Charta von Venedig von 1964 u.a. anerkannt. Informationsmaterial und Beratung zur behutsamen Stadterneuerung erhalten alle Interessenten beim: Vor Beginn jeder Baumaßnahme in den historischen Stadtteilen muss eine von der Stadtverwaltung ausgestellte Baugenehmigung vorliegen. Dafür sind eine Genehmigung des Amtes für Denkmalpflege und unter Umständen ein statisches oder auch andere Gutachten erforderlich. Die Baugenehmigung kann nur von autorisierten Architekten, die bei der Architektenkammer Rumäniens eingetragen sind, beantragt werden. Bei Denkmälern müssen die Architekten zusätzlich vom Ministerium für Kultur anerkannt sein. Außerdem wird festgesetzt, dass Baumaßnahmen an historischen Gebäuden von erfahrenen Bauleitern ebenfalls mit entsprechender Zulassung durch das Ministerium für Kultur zu überwachen sind. Neben den allgemein gültigen gesetzlichen Grundlagen und dem Denkmalschutzgesetz (Gesetz Nr. 422/18.7.2001) ist die Lokale Satzung als Teil des genehmigten Flächennutzungsplanes (PUG) mit der Nr. 34.233/010/Kc 2001 die wichtigste Vorschrift zur Regelung von Baumaßnahmen in den Altstadtbereichen von Timisoara. Für das Viertel Cetate gilt die Lokale Satzung 52/1999. Im Rahmen von Sanierungsarbeiten an denkmalgeschützten Häusern sind die Vorgaben der Baunormen P 100/1992 und C 107 (betreffend Energieeffizienz) nicht zu berücksichtigen. Es werden reversible Baumaßnahmen empfohlen, welche die Tragfähigkeit der Bauteile verbessern sollen, und infolge einer technischen Begutachtung vorgeschlagen wurden. Das bautechnische Gutachten wird von einem Experten für Statik gemäß folgender Gesetze und deren nachträglichen Änderungen erstellt: 422/2001 - betreffend Denkmalschutz, 10/1995 - betreffend der Qualitätssicherung am Bau, als verpflichtende Vorschriften für alle Baukategorien, 50/1991 - betreffend Baurecht; Maßnahmen zur Steigerung der Energieefizienz können infolge einer gemäß folgender Gesetze, und deren nachtraeglichen Änderungen, genehmigten Planung durchgeführt werden: 422/2001 - betreffend Denkmalschutz, 50/1991 - betreffend Baurecht. Die Artikel der Satzungen, die die wesentlichen Grundlagen für die Fibel enthalten, sind im Anschluss veröffentlicht. 40 Rumänisch-Deutsches Kooperationsprojekt Behutsame Erneuerung und wirtschaftliche Belebung der Altbauquartiere in Temeswar KAST - Koordinierungsstelle Altstadtsanierung Temeswar Str. Stefan cel Mare 2 300116 Timisoara Tel Fax +40 -356 -459.350 +40 -256 -435.436 +40 -256 -435.436 Mail Internet [email protected] www.gtztm.ro Öffnungszeiten Montag-Freitag 9.00-17.00 Uhr ANHANG DÄCHER UND DACHAUSBAUTEN RLU: 2001 LOKALE STÄDTEBAULICHE SATZUNG 4.B.II. Denkmäler Dachausbau 24. Bei Denkmälern ist ein Ausbau des Daches (als Neubau) nicht erlaubt. Dächer 25. Sowohl die Architekturdetails als auch die Baumaterialien, aus denen das Dach besteht, müssen wiederverwendet werden. 26. Die historischen Blechdeckel der Dachflächenöffnungen, welche der Durchlüftung der Dächer dienten, dürfen nicht entfernt werden Blecheindeckungen sind nur bei Gebäuden, die ursprünglich mit Blech eingedeckt waren, zulässig. 33. Die ursprüngliche Dachform ist bei allen Eingriffen zu erhalten. Bei Neubauten muss man die Typologie der benachbarten Dächern übernehmen. RLU: LOKALE STÄDTEBAULICHE SATZUNG FÜR CETATE 1999 Dächer Art.38 (P) b. Dachflächenfenster dürfen nur in einem Mindestabstand von 2 m horizontal von der Traufe gemessen, eingebaut werden. FASSADEN, FENSTER UND TÜREN 4.B.III.4. Geschützte Zonen Dachausbau 24. Es wird empfohlen, das Dach auszubauen, wenn dieses möglich ist. 25. Die Dachform, also die äußere Geometrie des Daches, darf nicht geändert werden. Wenn es ausreichende Dokumente gibt, die beweisen, dass das Dach früher eine andere Form besaß, darf man diese ältere Form wieder herstellen nach Abstimmung und Genehmigung durch das Amt für Denkmalpflege. 26. Innentreppen zur Erschließung der neuen, ausgebauten Räume im Dachgeschoss dürfen nur nach Genehmigung durch das Amt für Denkmalpflege errichtet werden. 27. Alle Schornsteine müssen erhalten bleiben. Dächer 28. Die Architekturdetails und die ursprünglichen Baumaterialien der historischen Dächer müssen soweit wie möglich erhalten bleiben. 29. Neue oder zusätzliche Dachflächenfenster dürfen nur in einem Abstand von 0,5 m von der Traufe entfernt errichtet werden. 30. Es ist verboten, Klimaanlagen und andere technische Einrichtungen an den Straßenseiten der Fassaden und der Dächer zu montieren. Sie dürfen in anderen Bereichen des Gebäudes angebracht werden, aber nur wenn sie von der öffentlichen Straße unsichtbar sind und nachdem der entsprechende Entwurf vom Amt für Denkmalpflege genehmigt wurde. 31. Die bestehenden metallenen Dachluken, die der Durchlüftung der Dächer dienten, darf man nur entfernen, wenn sie durch gleichformatige Dachflächenfenster ersetzt werden. 32. Bei Dacheindeckungen aus Ziegeln sollte das historische Material wiederverwendet werden. Es dürfen nur rote Dachpfannen verwendet werden. Dacheindeckungen aus anderen Materialien, die echte Ziegel nur nachahmen, sind nicht erlaubt. RLU: 2001 LOKALE STÄDTEBAULICHE SATZUNG 4.B.II. Denkmäler Fassaden 28. Fassadenöffnungen (Tore, Türen und Fenster) darf man nicht ändern, sie dürfen nur saniert werden. 31. Historische Putze dürfen nur in begründeten Ausnahmefällen ersetzt werden. 32. Total wasserdichte Außenputze sind verboten. 33. Für die Restaurierung von Fassaden sind Voruntersuchungen anhand von alten Zeichnungen und Fotos zwingend notwendig. Alle Bauanträge müssen auch Buntfotos, die den Bestand ausreichend dokumentieren, enthalten. 34. Sockelbereiche sollen aus widerstandsfähigen aber dampfdurchlässigen Baustoffen ausgeführt werden. 4.B.III.4. Geschützte Zonen Fassaden 34. Die Fassadenarbeiten sollen einheitlich von Fachfirmen ausgeführt werden. Der kohärente Zusammenhang sowohl der Fassade des einzelnen Gebäudes, als auch des städtebaulichen Ensembles muss eingehalten werden. 35. Technische Anlagen dürfen nicht an der von der öffentlichen Straße sichtbaren Seite der Dächer angebracht werden. 44. Der Zementputz und der sogenannte “Besenspritzputz“ sind verboten. 41 ANHANG RLU: 2001 LOKALE STÄDTEBAULICHE SATZUNG 4.B.II. Denkmäler Fassaden – Fenster und Türen 29. Fenster und Türen dürfen nur repariert werden. Holzelemente dürfen auf keinen Fall durch Kunststoff- oder Metallelemente ersetzt werden. Nur in Ausnahmefällen dürfen alte Holzteile mit neuen Reparaturhölzern ersetzt werden und nur nach Abstimmung und Genehmigung durch das Amt für Denkmalpflege. 30. Wenn Fenster oder Türen ersetzt werden müssen, sollen die Glasteile genau wie die alten Glasteile aussehen. 4.B.III.4. Geschützte Zonen Fassaden – Fenster und Türen 36. Fenster und Türen dürfen nur repariert werden. Holzelemente dürfen auf keinen Fall durch Kunststoff- oder Metallelemente ersetzt werden. Nur in Ausnahmefällen dürfen alte Holzteile mit neuen Reparaturholzteilen ersetzt werden und nur nach Abstimmung und Genehmigung durch das Amt für Denkmalpflege. 42. Alle wertvollen Architekturdetails und Accessoires wie Türklinken, Beschläge, Schuhputzer, Klingeln, historische Eingangswaschbecken sollen repariert und instand gesetzt werden. WERBUNG & WERBEANLAGEN UND BELEUCHTUNG RLU: 2001 LOKALE STÄDTEBAULICHE RLU: LOKALE STÄDTEBAULICHE SATZUNG FÜR CETATE 1999 4. Titel III. Art 66 Werbe- und Signalanlagen Werbe- und Beleuchtungsanlagen dürfen nur von einem verantwortlichen Architekten geplant und von zugelassenen Fachfirmen ausgeführt werden. Die Genehmigung und Abnahme durch das Amt für Denkmalpflege ist unbedingt notwendig. SATZUNG 4.B.V. Werbeanlagen für Denkmäler und Gebäude in den schützenswerten Altstadtzonen 18. Werbeanlagen, Informationsschilder, Verkehrsschilder usw. müssen von Fachleuten entworfen werden. Die Projekte müssen genaue Angaben über die Platzierung, Maße, Form, Farbe, Material, Beleuchtung, Art der Schrift und Ausführungsdetails der Anlagen enthalten. 19. Alle Werbe- und Signalanlagen werden nicht höher als die Höhe des Erdgeschosses der Gebäude angebracht, es sei denn, das Gebäude hat ursprünglich Werbeflächen über die Höhe des Erdgeschosses gehabt. 20. Alle Werbe- und Signalanlagen werden nur an Fassadenflächen, die keine Ornamente aufweisen, angebracht. Sie dürfen nur Dimensionen haben, die zur entsprechenden Fassade passen. 21. Firmenschilder für Firmen und Freiberufler, die 42 ihren Sitz in den oberen Geschossen historischer Gebäude haben, werden parallel zur Fassade als einheitliche Sammelschildanlage in der Nähe des Hauseingangs angebracht. 22. Form und Material der Werbeanlagen müssen der Architektur der Fassade angepasst sein. Schilder auf Kunststoffflächen, die von der hinteren Seite beleuchtet werden, sind untersagt. 23. Werbeschilder und Ausleger dürfen die Grenze von 90 cm gemessen senkrecht von der Fassade nicht überschreiten. 24. Bei der Befestigung von Werbeanlagen soll die alte Bausubstanz möglichst geschont und nicht beeinträchtigt werden. 25. Wenn Anzeigeschilder für den öffentlichen Verkehr an Gebäude angebracht werden müssen, sollen sie der Architektur der Fassade entsprechend geplant werden. 26. An Schaufenstern angebrachte Werbung darf 1/3 der Glasfläche nicht überschreiten. 27. Die Werbung darf Denkmäler, Straßen- und Fassadenfluchten nicht verdecken oder optisch beeinflussen. INNENHÖFE RLU: 2001 LOKALE STÄDTEBAULICHE SATZUNG 4.B.II.3 Denkmäler 35. Durchgänge, Durchfahrten, Innenhöfe und Laubengänge gehören zur Identität der Denkmäler. Sie dürfen nur repariert, aber nicht geändert werden. 36. Die Innenhöfe sind wichtige geschichtliche Zeugen, die saniert werden müssen. 4.B.III.4. Geschützte Zonen 48. Zur Aufwertung der Innenhöfe können die störenden neuzeitlichen Nebengebäude entfernt werden. ANHANG 49. Änderungen in den Innenhöfen darf man nur anhand eines Gutachtens, eventuell eines PUD, unternehmen. 50. Ehemalige gemeinsame Wasserversorgungsanlagen müssen restauriert oder wiederhergestellt werden. 51. Historische Pflasterungen (Naturstein- und Holzpflaster) müssen erhalten und restauriert werden. Änderungen sind nur nach Genehmigung durch das Amt für Denkmalpflege erlaubt. 52. Alle Schmiedeeisenelemente müssen restauriert erhalten bleiben. 53. Bedeckte Innenhöfe sind als schützenswerte Architekturensembles zu bewahren. Änderungen dürfen nur anhand von Baugenehmigungen unternommen werden. 54. Innenhöfe darf man in Ausnahmefällen überdecken. 55. Das Eingangsportal und die Tordurchfahrt sind wichtige Bestandteile eines historischen Gebäudes. Die historische Dekoration steht unter Schutz und muss saniert werden. Die Leitungen für die technische Versorgung sind optisch ein Störfaktor und müssen in den meisten Fällen sinnvoll geplant, neu verlegt werden. 56. Nebenanlagen, wie Briefkästen, Besenkammern, Müllkammern, technische Leitungen müssen der Gesamtarchitektur der Durchfahrt entsprechen. 57. Bei Treppenhäusern sind die historischen Details zu erhalten, eventuell zu reparieren. Nur die zerstörten Bauteile dürfen ersetzt werden. 58. Accessoires wie Türklinken, Beschläge, Schuhputzer, Klingeln, historische Eingangswaschbecken dürfen nicht entfernt werden. 59. Ornamentale Eisenteile, Konsolen, Geländer usw. müssen erhalten, konserviert und saniert werden. LEITUNGEN UND INSTALLATIONEN RLU: 2001 LOKALE STÄDTEBAULICHE SATZUNG 4.B.II. Denkmäler 27. Die technischen Anlagen für Strom-, Gas-, Wasser-, Telefonanschlüsse dürfen nicht sichtbar an der Fassade angebracht werden. 4.B.III.4. Geschützte Zonen 41. Die technischen Anlagen für Strom-, Gas-, Wasser-, Telefonanschlüsse müssen aus den Portalen der Tordurchfahrten entfernt werden. 43 REGELWERK STADT TIMISOARA: HISTORISCHE DENKMÄLER UND GESCHÜTZTE ZONEN Lista monumentelor, ansamblurilor şi siturilor istorice din Timişoara actualizată prin Ordinul nr. 2314/2004 al Ministerului pentru Cultură, Culte şi Patrimoniu Cultural Naţional, publicată în Monitorul Oficial al României nr. 646 bis în 16 iulie 2004. 44 IMPRESSUM HERAUSGEBER Rumänisch-Deutsches Kooperationsprojekt “Behutsame Erneuerung und wirtschaftliche Belebung der Altbauquartiere von Temeswar” Ein Projekt der Stadtverwaltung Temeswar und der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) GmbH im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) Aprilie 2008 KOORDONIERUNG KAST - Koordinierungsstelle Altstadtsanierung Temeswar Koordinator: Jochen GAULY REDAKTION Aurelia JUNIE, Primăria Municipiului Timişoara Monica STAMPAR, Primăria Municipiului Timişoara Sorin CIURARIU, Primăria Municipiului Timişoara Doina ANTONIUC, Direcţia pentru Cultură, Culte şi Patrimoniul Cultural Naţional Timiş Vergina POPESCU, Inspectoratul de Stat în Construcţii Timiş Mihai OPRIȘ, KAST Michael ENGEL, KAST AUTOREN Mihai OPRIȘ, KAST Michael ENGEL, KAST Gabriele MERSCH, KAST GRAFIK Michael ENGEL, KAST BILDMATERIAL Archiv KAST Mihai Botescu Mihai Opriș Gabriel Székely Direcţia pentru Cultură, Culte şi Patrimoniul Cultural Naţional Timiş Diese Broschüre wurde in Anlehnung an die Gestaltungsfibel der Stadt Sibiu (2003) erstellt. 45 KONTAKT STADTVERWALTUNG TEMESWAR ABTEILUNG LOKALE ENTWICKLUNG UND EU-INTEGRATION Bd. C.D. Loga nr. 1, 300030 Timişoara Tel. +40 -256 -408.300 Fax. +40 -256 -490.635 Internet www.primariatm.ro 46