Teil 3 - bauliche Prinzipien

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Bauliche Prinzipien
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Informationen zum Planen, Bauen und Gestalten - Baukultur in der nordrhein-westfälischen Eifel
3. Bauliche Prinzipien
Gute Architektur ist in der Region
ein maßgeschneidertes Werk von
Funktion, Kontext und Auseinandersetzung mit der Tradition.
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Bauliche Prinzipien
Abb. 170: Modellfoto Winkelhöfe in Dahlem, Gemeinde Dahlem
Darstellung und Modell im Rahmen der Testentwürfe: Annette Uhl, 2010
Die Notwendigkeit der Wirtschaftlichkeit eines Hofes und des Schutzes vor Wind und Wetter schufen
optimal angepasste Haustypen.
Abb. 171: Bauernhof in Eicherscheid, Gemeinde Simmerath
Darstellung und Foto: ISL
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3. HAuSTypEN
In diesem Thementeil werden die historischen
für die Stadtbevölkerung attraktiv. Nach dem 2.
Haustypen aufgezeigt, die in Funktion, Bauweise
Weltkrieg nahm die Anzahl von Wohnhäusern
und Gestaltung für die Region typisch sind.
ohne regionalen Bezug stetig zu. Heute ist eine
Vielzahl von verschiedenen Haustypen in den
Trotz der Unterschiede in der regionalen Ausprä-
Dörfern der Region zu sehen. Die traditionellen
gung weisen die Gebäude in der Region doch alle
Haustypen zeichnen sich durch eine hohe lokale
einen langstreckten Baukörper mit Satteldach
Angepasstheit an Topographie und Klima sowie
ohne große Dachaufbauten und meist nach Süd-
Bezug zum Wirtschafts- und Landschaftsraum
west ausgerichtete Giebel, in einfacher Bauform
aus. (vgl. Prokop; Rothfuß; Curdes, 1989,S.58)
ohne Vor- und Rücksprünge in der Fassade, auf.
Die verwendeten Baumaterialien waren eng mit
Zweifelsohne sind auch Bauformen nach dem
der lokalen Verfügbarkeit der Baustoffe wie Na-
19. Jhd. ein Bestandteil der Baukultur der Re-
tursteinvorkommen und Bauholz verbunden und
gion, sind sie aber doch durch gesellschaftliche
die Haustypen zeichnen sich durch eine beson-
Veränderungen und Baustile der angrenzenden
dere Klimaangepasstheit an das Wetter der Eifel
Städte in die Dörfer „importiert“ worden und spie-
aus. Neben der landwirtschaftlichen Existenzsi-
geln geringfügiger die Angepasstheit und Be-
cherung waren die Dorfbewohner hauptsächlich
sonderheit der über Jahrhunderte gewachsenen
Landwirte, Handwerker, Bergarbeiter und Fabrik-
Haustypen der Region wider.
arbeiter. Dies bildete sich in Form und Grundriss
der Haustypen und auch in der Siedlungsstruktur
der Dörfer ab. Größere Hofanlagen waren meist
landwirtschaftlich betrieben, in kleineren Häusern wohnten zumeist Handwerkerfamilien mit
landwirtschaftlichem Nebenerwerb. Das Wohnhaus im Grünen wurde erst ab Ende des 19. Jhd.
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Bauliche Prinzipien
Abb. 172: Winkelhof Eifeltyp in Eicherscheid, Gemeinde Simmerath
Foto: ISL
Bauen Sie ein bestehendes
Gebäude um, so kann der
regionalspezifische Charakter des
Ortes gut erhalten werden!
Abb. 173: Winkelhof in Eicherscheid, Gemeinde Simmerath
Foto: ISL
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Abb. 174: Winkelhöfe angebaut in Nettersheim, Gemeinde Nettersheim
Foto: ISL
Abb. 175: Straßenraum in Scheven, Gemeinde Kall
Foto: ISL
Der Begriff „Bauweise“ im bauordnungsrechtli-
Vermischung der Baustile, in Abhängigkeit von
chen Sinn hat nur folgende drei Bestimmungen:
Siedlungsgeschichte, Klimaangepasstheit und
offene, geschlossene und sonstige Bauweise.Im
der lokalen Verfügbarkeit von Baumaterialien.
Rahmen dieser Untersuchung soll als Bauweise eines Gebäudes ausschließlich die Bauaus-
Betrachtet man nun die unterschiedlichen Bau-
führung in Fachwerk-, Massiv- oder Stein und
stile und Haustypen in der Region, können sechs
kombinierter
(Fachwerk-/Massiv-)Bautechnik
historische Haustypen identifiziert werden, die
verstanden werden. In der hauskundlichen und
in Kombinationen oder veränderter Form die
bauhistorischen Literatur (vgl. Wildemann, 1935,
charakteristischen Bauformen der Region dar-
S. 219; Klemm, 1935, S. 234; Bendermacher,
stellen.
1971, S. 17f) wird die Eifel in zwei Gebiete gegliedert, die erheblich voneinander abweichende
- Einraumtiefes Haus (Langhaus)
Bauweisen erkennen lassen. Der südliche, öst-
- Winkelhof
liche und nördliche Bereich der nordrhein-west-
- Eifeltyp
fälischen Eifel zeigt überwiegend Massivbauwei-
- Venntyp
sen, im westlich und mittig liegenden Bereich ist
- Vierkanthof
in den Ortschaften verstärkt eine Fachwerkbau-
- Zweiraumtiefes Haus
weise abzulesen.
In den folgenden Kapiteln werden die Haustypen
Diese Zonierung ist jedoch nicht scharf gegen-
und ihre baulichen Prinzipien genauer erläutert.
einander abzugrenzen, denn jede Ortschaft ist
(vgl. Prokop; Rothfuß; Curdes, 1989,S.59f.)
durch die individuelle Entstehungsgeschichte
und die topographischen Bedingungen unterschiedlich gewachsen. So zeigt sich in der Region der nordrhein-westfälischen Eifel eine starke
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Bauliche Prinzipien
Abb. 176: Einraumtiefes Bauenhaus in der Eifel
Foto: ISL
Bauen Sie klare, längliche
Baukörper, ohne Vor- und Rücksprünge in der Fassade.
Abb. 177: Schrägluftbild einraumtiefes giebelständiges Haus
Darstellung und Foto: ISL
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3.1. HiSTORiSCHE HAuSTypEN
3.2. Einraumtiefes Haus (Langhaus)
Abb. 178: Schema Langhaus
Darstellung: ISL
,,Dieser Haustyp ist die historisch älteste uns
Die Gebäudestellung dieser Hausform war
überlieferte Hausform in der Region.“ (Prokop;
entweder traufständig oder giebelständig
Rothfuß; Curdes, 1989, S.59)
Straße. Die Belichtung der Innenräume erfolgte
zur
zwei- oder dreiseitig. Der Haupteingang zu den
Der Grundriss stellt vielfach die Grundlage an-
ursprünglich drei nebeneinander angeordne-
derer Haustypen dar. Der schmale, lange Bau-
ten Räumen - der Stube, Küche und Stall - war
körper, auch einraumtiefes Langhaus genannt,
quer zur Straße über eine seitliche Hoffläche
wurde durch ein steiles Satteldach mit 45-55°
angelegt. Durch den Haupteingang betrat man
Dachneigung abgeschlossen. Der relativ klei-
zunächst die Küche, das Zentrum des Hauses.
ne Baukörper mit einer Grundfläche von 130
In der Wand zwischen Küche und Stube war der
bis160 qm war von allen Seiten anbaubar. Die-
Kamin quer zum First angelegt. Von der Küche
ser Haustyp wurde bis etwa zum 30-jährigen
aus erreichte man über die Treppenanlage auch
Krieg als eingeschossiges Gebäude gebaut, als
die Stube, die zumeist unterkellert und zwei bis
zweigeschossiger Baukörper bis in das 18. Jhd.
drei Stufen höher lag als der Stall und die Tenne.
Die Konstruktion war einfach, die Baumaterialien
In Abb. 161 sieht man anschaulich, wie die ur-
wurden aus den lokalen Steinbrüchen bezogen
sprüngliche Dreiräumigkeit des Grundrisses zu
oder das Holz für die Fachwerkbauweise in den
verstehen ist. Die Tenne wurde später angebaut.
angrenzenden Wäldern geschlagen. Ab dem 17.
Weitere Nutzungen wurden durch Anbauten an
Jhd. wurden die Erdgeschossmauern, später
den Giebelseiten untergebracht. So entstand der
auch die Giebel- und Wetterseite, häufig auch
Haustyp des einraumtiefen Langhauses. (vgl.
in Bruchsteinmauerwerk ausgeführt, das Ober-
Prokop; Rothfuß; Curdes, 1989, S.59)
geschoss wurde in Fachwerk beibehalten. (vgl.
Prokop; Rothfuß; Curdes, 1989, S.59)
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Bauliche Prinzipien
Abb. 179: Einraumtiefes traufständiges Haus in Mulartshütte,
Gemeinde Roetgen
Foto: ISL
Abb. 180: Grundriss, Schnitt, Ansicht eines einraumtiefen Gebäudes in
Venwegen, Stadt Stolberg Darstellung: siehe Abbildungsverzeichnis
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Abb. 181: Grundriss, Schnitt, Ansicht eines einraumtiefen Gebäudes in
Mulartshütte, Gemeinde Roetgen Darstellung: siehe Abbildungsverzeichnis
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Abb. 182: Straßenraum von Breinig mit markiertem Langhaus
Darstellung und Foto: ISL
Abb. 183: Langhaus in Venwegen mit Treppengiebel, giebelständige
Gebäude zum Straßenraum, Stadt Stolberg
Foto: ISL
Abb. 185: Schnitt, Ansicht eines einraumtiefen Gebäudes in Venwegen,
Stadt Stolberg Darstellung: siehe Abbildungsverzeichnis
Abb. 184: Grundriss, Ansicht eines einraumtiefen Gebäudes in Venwegen,
Darstellung: siehe Abbildungsverzeichnis
Stadt Stolberg
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Bauliche Prinzipien
Abb. 186: Winkelhof in Eicherscheid, Gemeinde Simmerath
Foto: ISL
Winkelhöfe ermöglichen auch heute eine gute Aufteilung zwischen
Wohnhaus und Nebennutzungen
wie z.B. Garage oder Werkraum.
Abb. 187: Schrägluftbild eines Winkelhofes
Darstellung und Foto: ISL
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3.3. Winkelhof
Abb. 188: Schema Winkelhof
Darstellung: ISL
Der Winkelhof entstand durch eine Verlängerung
In den Höhenlagen waren die Gebäude jedoch
des einraumtiefen Hauses an den Giebelseiten
starken Wind- und Schneestürmen ausgesetzt,
und einen Anbau im rechten Winkel dazu. Die
wodurch die wind- und wetterexponierten Fas-
Dächer weisen meist eine gleiche First- und
saden stärker geschützt werden mussten. Durch
Traufhöhe auf und laufen ineinander. Wohn- und
ein tiefgezogenes, geschlepptes Dach an der
Wirtschaftsteil sind baulich miteinander verbun-
„Wetterseite“ (West) und der Anpflanzung von
den und umschließen dabei die Innenhoffläche,
Haushecken entwickelte man Gebäude mit un-
die so durch die Baukörper wind- und wetterge-
gleichschenkligem Satteldach, den “Eifeltyp“.
schützt wird. Von der Küche gelangt man in die
(vgl. Prokop; Rothfuß; Curdes, 1989, S.62)
angrenzende Wohnstube und in den Stall, von
dort zur Scheune und Tenne. Alle Eingänge er-
Winkelhöfe sind typisch in der Region und so-
folgen quer zum First.
wohl in Fachwerk- als auch in Massivbauweise
mit Naturstein- oder Ziegelmauerwerk zu sehen.
Häufig wurde auch ein zweiter Anbau hinzugefügt, so entstanden doppelwinklige Höfe, welche
sich mit der Schließung der vierten Seite zu dem
Haustyp des Vierseithofes entwickelten.
In den windgeschützten Tallagen der Region haben die Winkelhöfe meist ein gleichschenkliges
Satteldach. Die Innenräume werden zwei- und
dreiseitig belichtet.
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Bauliche Prinzipien
Abb. 189: Winkelhof in Engelgau, Gemeinde Nettersheim
Foto: ISL
Abb. 190: Langhäuser mit quergestelltem Anbau in Breinig, Stadt Stolberg
Foto: ISL
Abb. 191: Winkelhöfe, eng aneinander gebaut, schaffen Taschenplätze,
Nettersheim, Gemeinde Nettersheim
Foto: ISL
Abb. 192: Winkelhof in gekältem Mauerwerk in Dahlem, Gemeinde Dahlem
Foto: ISL
Abb. 193: Winkelhof in gekältem Mauerwerk in Mahlberg, Stadt Bad Münstereifel
Foto: ISL
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Abb. 194: Winkelhof in Konzen, Stadt Monschau
Foto: Guido Braun, 2011
Abb. 196: Winkelhof mit Wohnteil und moderner Garage
Foto: ISL
Abb. 195: Grundriss, Ansicht eines einraumtiefen Winkelhofs in Venwegen,
Stadt Stolberg
Darstellung: siehe Abbildungsverzeichnis
Abb. 197: Gereihte Winkelhöfe in Lückerath, Stadt Mechernich
Darstellung und Foto: ISL
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Bauliche Prinzipien
Abb. 198: Gebäude mit einseitig tiefergezogenem Dach
und Windschutzhecke zum Straßenraum in Dedenborn,
Gemeinde Simmerath
Darstellung und Foto: ISL
Abb. 199: Gebäude mit einseitig tiefergezogenem Dach in Roetgen,
Gemeinde Roetgen
Foto: ISL
Abb. 201: Strohgedecktes, einseitig tiefergezogenes Dach „Eifeltyp“
in Höfen, Stadt Monschau
Darstellung und Foto: ISL
Abb. 200: Grundriss, Ansicht eines 1 1/2 tiefen Gebäudes in Roetgen,
Gemeinde Roetgen Darstellung: siehe Abbildungsverzeichnis
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Abb. 202: Schematische Darstellung Eifeltyp
Darstellung: siehe Abbildungsverzeichnis
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3.4. Eifeltyp
Abb. 203: Schema Langhaus Eifeltyp
Darstellung: ISL
,,Der Begriff “Eifeltyp“ wurde durch Otto Klemm
im Jahre 1932 in seiner Dissertation erstmalig
eingeführt.“ (Prokop; Rothfuß; Curdes, 1989,
S.64) Dieser Haustyp ist im Landschaftsraum
des Monschauer Heckenlandes und des Hohen Venns besonders prägend und zeichnet
sich durch einen quererschlossen, länglichen
Baukörper mit ungleichschenkligem Dach aus.
Die Wetterseite des Gebäudes wird dabei durch
eine abgeschleppte Dachfläche gegen Windund Schneestürme geschützt.
Abb. 204: Modernes Haus mit tiefgezogenem Dach auf der Wetterseite in
Eicherscheid, Gemeinde Simmerath Darstellung und Foto: ISL
Der Haupteingang und der Wirtschaftshof befinden sich auf der wettergeschützten Fassade an
der Traufseite des Gebäudes. Der Grundriss ist
im Gegensatz zum einraumtiefen Langhaus jedoch breiter. Durch die tiefgezogene Dachfläche
entstehen weitere kleine Räume für Lager- und
Nebennutzungen. Der Grundriss zeigt daher
eine 1 1/2 tiefe Raumbreite. So ist an die Küche
Neubau
die „Huskammer“ und an der Stube die „Stuwkammer“ angelegt, die jeweils nur über eine geringe Raumhöhe verfügten. Als Stau- und Lagerraum sowie als zusätzlicher Wohnraum konnte
so ein weiterer Kälteschutz an der „Wetterseite“
Abb. 205: Eifeltyp durch Anbau an Giebelseite und Winkelbau neu ergänzt in
Roetgen, Gemeinde Roetgen
Darstellung und Foto: ISL
117
Bauliche Prinzipien
Abb. 206: Winkelhof in Eicherscheid, Gemeinde Simmerath
Darstellung: ISL
Die tiefgezogene Dachfläche
schützt die Fassade vor starken
Wind- und Schneestürmen!
Abb. 207: Schrägluftbild eines Winkelhofes Eifeltyp
Darstellung und Foto: ISL
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Informationen zum Planen, Bauen und Gestalten - Baukultur in der nordrhein-westfälischen Eifel
Abb. 208: Schema Winkelhof Eifeltyp
Darstellung: ISL
geschaffen werden. Über den Haupteingang betritt man zunächst die Küche, vor dort aus die
Stube und über die Treppenanlage das Obergeschoss und den Keller. Der Stall ist ebenfalls von
der Küche aus zugänglich. (vgl. Prokop; Rothfuß; Curdes, 1989,S.64)
Die Belichtung wird jedoch durch die tiefe Abschleppung des Daches an der Wetterseite verhindert, wodurch die Belichtung der Innenräume
nur dreiseitig möglich ist. Die Außenwände sind
überwiegend in Fachwerkbauweise gebaut,
Abb. 209: Winkelhof Eifeltyp in Dreiborn, Stadt Schleiden
Foto: ISL
wobei die stark wind- und wetterexponierten
Fassaden zusätzlich durch Holzverschalung
oder Schieferdeckung verkleidet oder in Massivbauweise mit Natursteinen ausgebildet wurden.
Dieser Haustyp wurde in der Region häufig sowohl als Langhaus, als auch als Winkelhof ausgebildet.
Abb. 210: Winkelhof Eifeltyp in Eicherscheid, Gemeinde Simmerath
Foto: ISL
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Bauliche Prinzipien
Abb. 211: Ansicht eines einraumtiefen Gebäudes in Venwegen, Stadt
Stolberg
Darstellung: siehe Abbildungsverzeichnis
Abb. 212: Schrägluftbild eines Winkelhofes Eifeltyp
Darstellung und Foto: ISL
Abb. 214: Grundriss, Schnitt eines einraumtiefen Gebäudes in Venwegen,
Stadt Stolberg
Darstellung: siehe Abbildungsverzeichnis
Abb. 213: Winkelhof mit tiefergezogenem Dach in Eicherscheid,
Foto: ISL
Gemeinde Simmerath
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Informationen zum Planen, Bauen und Gestalten - Baukultur in der nordrhein-westfälischen Eifel
Abb. 215: Winkelhof mit einseitig tiefergezogenem Dach in Roetgen,
Gemeinde Roetgen
Foto: ISL
Abb. 217: Gebäude mit tiefergezogenem Dach und Windschutzhecken zum
Straßenraum in Eicherscheid, Gemeinde Simmerath
Foto: ISL
Abb. 216: Grundriss, Schnitt, Ansicht eines eineinhalbraumtiefen Gebäudes
in Venwegen, Stadt Stolberg Darstellung: siehe Abbildungsverzeichnis
Abb. 218: Neubau Winkelhof mit Hoffläche in Konzen, Stadt Monschau
Foto: ISL
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Bauliche Prinzipien
Abb. 219: Grundriss, Schnitt, Ansicht eines „Vennhauses“ in Kalterherberg,
Stadt Monschau
Darstellung: siehe Abbildungsverzeichnis
Abb. 220: Grundriss, Schnitt, Ansicht eines „Vennhauses“ in Höfen,
Stadt Monschau Darstellung: siehe Abbildungsverzeichnis
Abb. 221: Schrägluftbild eines Hofes Venntyp in Höfen, Stadt Monschau
Darstellung: ISL in Anlehnung an Karte Tim-Online, siehe Abbildungsverzeichnis
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Abb. 222: Venntyp in Höfen, Stadt Monschau
Quelle: siehe Abbildungsverzeichnis
Abb. 223: Schema Venntyp
Darstellung: ISL
,,Die Bezeichnung „Venntyp“ wurde ebenfalls
mauerte Kamin als Bauteil in der Fassade ables-
durch Otto Klemm eingeführt.“ (Prokop; Roth-
bar ist. Die traufseitigen Fassaden wurden häufig
fuß; Curdes, 1989,S.66) Die Gebäude liegen
in Mauerwerk ausgeführt. Das Dach wurde als
zumeist weit voneinander entfernt in den Hö-
Satteldach oder auch als Walm- oder Krüppel-
henlagen des Monschauer Heckenlandes sowie
walmdach ausgebildet. Die Dachdeckung war
des Hohen Venns und werden durch haushohe
zunächst Stroh, später wurden die Dächer auch
dichte Buchenhecken umgeben. Das kompakte
mit Dachziegeln gedeckt. Dieser Haustyp, man
Breitgiebelhaus zeichnet sich besonders durch
nennt die Gebäude auch „Vennhäuser“, ist ver-
das fast bodentiefe Dach aus, welches das Ge-
einzelt noch in Kalterherberg und Höfen anzu-
bäude besonders gut gegen das raue Klima der
treffen. (vgl. Prokop; Rothfuß; Curdes, 1989,
Hochebenen der Eifel schützt. Der großvolumige
S.66)
3.5. Venntyp
und fast hallenartige Innenraum des Venntyps
ist ebenfalls durch eine Zwei- bis Dreiräumigkeit
des Grundrisses gekennzeichnet, jedoch - im
Unterschied zu den einraumtiefen Langhäusern
und Winkelhöfen - erfolgt der Haupteingang über
die Giebelseite des Gebäudes. Der Wohnbereich liegt somit quer zum First, der Stall und die
Scheune werden aber traufseitig über die Hoffläche erschlossen. Auch bei diesem Haustyp
betritt man zunächst die Küche über den Haupteingang und von dort aus die „Stuw“ (Stube) und
„Stüwche“. Der gemauerte Kamin liegt in der
Giebelwand der Küche. Die Giebelwand ist meist
in Fachwerkbauweise errichtet, wobei der ge-
Abb. 224: Venntyp nach Sanierung und Innenumbau in Kalterherberg,
Foto: ISL
Stadt Monschau
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Bauliche Prinzipien
Abb. 225: Grundrissvorschlag für einen Vierkanthof mit unterschiedlichen
Wohneinheiten und einem gemeinsamen Hof
Darstellung: Stefanie Hermanns, 2011
Abb. 226: Schrägluftbild eines Vierkanthofes
Darstellung und Foto: ISL
Unterschiedliche Nutzungen oder
verschiedene Wohneinheiten
können auch heute im Neubau um
einen gemeinsamen Hof gruppiert
werden.
Abb. 227: Vierkanthöfe in Muldenau, Stadt Nideggen
Darstellung und Foto: ISL
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Informationen zum Planen, Bauen und Gestalten - Baukultur in der nordrhein-westfälischen Eifel
3.6. Vierkanthof
Abb. 228: Schema Vierkanthof
Darstellung: ISL
Der Vierkanthof entwickelte sich aus dem Haustyp des Winkelhofes durch bauliche Ergänzungen von Nebengebäuden um die allseitig
umbaute Hoffläche. Die Erschließung vom Straßenraum erfolgte über ein Hof- und Garagentor. Der sogenannte Vierkanthof, auch („Fränkisches Gehöft“ genannt) ist durch den Anbau
von Stallmauer und Nachbargebäude direkt mit
den Nachbarhöfen verbunden, sie bilden eine
„Kommunmauer“. So erzeugen die Vierkanthöfe
eine geschlossene Straßenansicht und schaffen
einen sehr kompakten Dorfgrundriss.
Abb. 229: Schrägluftbild eines Vierkanthofes
Darstellung und Foto: ISL
Der Vierkanthof besteht aus einem Wohngebäude, Ställen und einer Scheune, die alle
von der Hoffläche erschlossen werden. Über den
Haupteingang erschließt man die Küche, an der
Giebelfassade liegt die Stube. In der sogenannten „Feuerwand“
zwischen Küche und Stube
befindet sich der Kamin. Von der Stube aus führt
eine kleine Treppe in den darunterliegenden Keller.
Abb. 230: Vierkanthof in Vlatten, Stadt Heimbach
Foto: ISL
125
Bauliche Prinzipien
Abb. 231: Zweiraumtiefes Haus in Ziegelmauerwerk und Fachwerk in der
Giebelwand in Vlatten, Stadt Heimbach
Foto: ISL
Abb. 232: Zweiraumtiefes Haus mit Eingang zur Straße in Wollersheim,
Stadt Nideggen
Foto: ISL
Abb. 233: Grundriss, Schnitt eines zweiraumtiefen Gebäudes in Venwegen,
Stadt Stolberg
Darstellung: siehe Abbildungsverzeichnis
Abb. 234: Schrägluftbild eines zweiraumtiefen Hauses in Vlatten, Stadt Heimbach
Darstellung und Foto: ISL
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Informationen zum Planen, Bauen und Gestalten - Baukultur in der nordrhein-westfälischen Eifel
Abb. 235: Schema zweiraumtiefes Haus
Darstellung: ISL
3.7. Zweiraumtiefes Haus
Dieser Haustyp wurde im 18. Jahrhundert zu-
durch eine zweite Reihe von Räumen erweitert,
nächst in den umliegenden größeren Städten
daher die Bezeichnung zweiraumtiefes Haus.
der Region entwickelt und zeigt deutlich den
Durch die Erweiterung an den Giebelseiten ent-
zunehmenden Einfluss der städtischen Bau-
stand so auch das zweiraumtiefe Langhaus, wo-
kultur im ländlichen Raum auf. Für gehobenere
bei mehrere Wohneinheiten und Wirtschaftsteile
Ansprüche und zunächst nicht aus der reinen
aneinandergefügt wurden und so eine geschlos-
Funktionalität eines Wirtschaftshofes geplant,
sene Straßenfront bildeten. Es wurde eine klare
wurde dieser Haustyp auf dem Land zunächst
Abgrenzung zwischen öffentlichen Bereichen vor
zögerlich angenommen. Heute sieht man diesen
dem Haus und privaten Bereichen hinter dem
Haustyp häufig in Fachwerk- oder Massivbau-
Haus geschaffen.
weise in den Dörfern der Region. (vgl. Prokop;
Rothfuß; Curdes, 1989, S.68)
Das Dach wurde flacher ausgeführt, meist als
Satteldach oder Krüppelwalm-, Walm- oder
Das Hauptgebäude wurde meist traufständig di-
Mansarddach mit häufig ausgebildetem Kasten-
rekt an die Straße angebaut, die Haupterschlie-
gesims mit aufgelegter Rinne und geschnitzten
ßung erfolgte ebenfalls vom Straßenraum aus.
Pfettenköpfen. Die Nebengebäude zeigen häu-
Bauliche Erweiterungen für Nebennutzungen
fig ein Pultdach. (vgl. Prokop; Rothfuß; Curdes,
wurden an den Giebelseiten des Haupthauses
1989, S.68)
oder durch einen parallel oder im Winkel stehenden Baukörper vorgenommen. (vgl. Prokop;
Rothfuß; Curdes, 1989, S.68)
Der längliche Baukörper zeigt im Grundriss eine
gereihte Raumabfolge wie bei dem Haustyp des
Langhauses, jedoch wurde diese Raumabfolge
127
Bauliche Prinzipien
Abb. 236: Schrägluftbild eines Neubaugebietes in der Region
Foto: ISL
Abb. 237: Eingeschossiger Pavillon stört den Gesamteindruck des Straßenraumes empfindlich durch eine
andere Geschossigkeit, Form- und Farbwahl
Foto: ISL
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Informationen zum Planen, Bauen und Gestalten - Baukultur in der nordrhein-westfälischen Eifel
3.8. HAuSTypEN NACH DEm 19. JAHRHuNDERT BiS HEuTE
Bei der Betrachtung der historischen Entwick-
Diesem, noch von der Lebens- und Arbeitswelt
lung der Siedlungs- und Bautypen in der nord-
der Landwirtschaft geprägten Bautypen, wurde
rhein-westfälischen Eifel kann man den Wan-
durch die Veränderung der Lebensbedingungen
del von Lebens- und Arbeitsgewohnheiten an
und dem Rückgang der Erwerbstätigkeit in der
den Haustypen ablesen. In der Region treffen
Landwirtschaft der Sinn entzogen. (vgl. Prokop;
wir in den kleinen Ortschaften außerhalb der
Rothfuß; Curdes, 1989, S. 75)
Städte überwiegend auf historische Haustypen
von Großfamilien mit bäuerlichen Erwerbs- und
Nebenerwerbsbetrieben als Wohn- und Arbeitsstätte unter einem Dach. Baulich zeigte sich dies
in einraumtiefen Langhäusern und Winkelhöfen.
Über die gepflasterte Hoffläche, die auch als Arbeits- und Stellfläche diente, waren der Wohnteil,
Ställe und Speicherräume direkt zugänglich.
Selbstverständlich gab es neben den immer wieder ähnlich weiter entwickelten dörflichen Hofanlagen andere spezialisierte Bautypen, die sich je
nach Nutzungsart unterschiedlich ausgeprägten:
das Haus des Pfarrers, das Rathaus mit dem
angegliederten Gebäude für den Bürgermeister, sofern keine Einliegerwohnung im Rathaus
vorhanden war, die Gebäude mit Wohnungen für
Handwerker und sonstigen Dienstleistern, die
zumeist der landwirtschaftlichen Hauptnutzung
im Dorf dienten. Mit dem Einsetzen der Industrialisierung differenzierten sich allmählich Gebäudetypen unterschiedlich aus. Es entstanden den
Industrie- und Gewerbearbeitern zugeordnete
einfache Wohnhäuser, als Reihenhäuser oder in
additiven Wohngruppen. Das Dorf wurde bis zum
Einsetzen massiver agrarwirtschaftlicher Ver-
Abb. 238: Schema der Erschließung eines regionaltypischen Winkelhofes
Darstellung: ISL
änderungen in den 70er Jahren durch eine alle
Raum- und Nutzungsmuster bestimmende fein-
129
bAuLichE PrinziPiEn
Abb. 239: Regionaluntypische Bauformen und Baudetails
Foto: ISL
Abb. 240: Neubautätigkeit in einem Neubaugebiet in der Region
Foto: ISL
körnige Mischnutzung charakterisiert. Der Typus
des Einfamilienhauses, der ausschließlich dem
Wohnen diente - durch vorstädtische Siedlungserweiterungen hervorgebracht - stellte ein Novum dar und prägt seitdem das Randwachstum
nahezu jedes Dorfes. Mittlerweile stellt er auch
den klassischen Prototyp innerdörflicher Einfügung dar. Neue Wohn- und Hausformen zeigen
heutige Wohn- und Komfortansprüche mit der
Tendenz zu kleineren Familienverbünden, ohne
Abb. 241: Das freistehende Haus mutet an in der italienischen Toskana zu
stehen
Foto: ISL
Bindung zum landwirtschaftlichen Erwerb.
Der Einfluss der städtischen Bauformen im
ländlichen Raum begann mit dem Ausbau von
Eisenbahn- und Straßenbahnverbindungen und
die dadurch bedingte Mobilität der Bevölkerung.
Durch den Fremdenverkehr entstanden Bahnhöfe, neue Siedlungen und Dienstleistungsangebote nach städtischem Vorbild im ländlichen
Raum. Vorgefertigte Bauelemente und städtische Haustypen veränderten den Straßenraum
der Dörfer in der Region seitdem.
Seit den 50er Jahren beeinflusste der steigen-
Abb. 242: Siedlungstätigkeit der letzten Jahre in der Region
Foto: ISL
130
de Komfortwunsch und Wunsch nach zeitgemä-
Informationen zum Planen, Bauen und Gestalten - Baukultur in der nordrhein-westfälischen Eifel
Abb. 243: „Baukulturimport“ aus anderen Ländern
Foto: ISL
Abb. 244: Regionaluntypische Ortsrandbebauung
Foto: ISL
ßen Sanitär- und Haustechnikstandards auch
Nachfrage nach einem zeitgemäßen Neubau so-
die Grundrissorganisation der Gebäude. Die
wie die Verfügbarkeit und preisgünstige Verwen-
Entwicklung der Heiz-, Kühl- und Waschtechnik
dung von Baumaterialien aus den Baumärkten
ging einher mit einer Veränderung der Nutzung
die regionale Baukultur. (vgl. Prokop; Rothfuß;
von Lager- und Vorratsräumen und Einbau von
Curdes, 1989, S. 75)
Installationstechnik in Bädern und Küchen. In
den 50er Jahren wurden teilweise stark zerstör-
Betrachtet man die derzeitige Siedlungsdyna-
te Häuser regional angepasst und sparsam mit
mik, zeigt sich eine anhaltende Baurealisierung
vorhandenen lokalen Materialien wieder aufge-
von freistehenden Einfamilienhäusern im ländli-
baut. In den 60er Jahren änderte sich dies hin zu
chen Raum als überwiegender Bauwunsch so-
einer Vielzahl von Neubauten mit neuen Bauwei-
wohl der jungen Generationen aus der Region
sen in Beton, Glas und Klinker, die sich zumeist
selbst, als auch von Bewohnern der angrenzen-
nur noch über die Gestaltung eines schlichten
den Ballungsräume Köln, Bonn und Aachen. Da-
Baukörpers und Proportionen an den regional-
bei wird nur selten darauf geachtet, dass der ge-
typischen Gebäuden orientierten. In den 70er
wählte Haustyp dem Charakter des historischen
Jahren führte die erste Energiekrise zu verstärk-
Ortes entspricht. So fügen sich die Haustypen
ten Maßnahmen der Fassadenverkleidung der
aus anderen Regionen und Ländern nur selten
historischen Haustypen. Zeitgleich zeigte sich
an den Standort ein, sondern schaffen einen re-
eine Veränderung des Grundrisses durch einen
gionaluntypischen Mix aus verschiedenen Haus-
größeren Wohn- und Freizeitbereich und die Ver-
typen und eine sehr heterogene Straßenraum-
bindung von Wohn- und Essbereich. In den 80er
gestaltung. Die großflächigen Neubaugebiete
Jahren traten erste Anbieter für Fertighäuser mit
der letzten Jahre wurden an den Ortsrändern der
für die Region untypischen Haustypen und Ma-
Ortschaften ausgewiesen und zogen mit güns-
terialien auf den Markt, die bis heute die Region
tigen Grundstückspreisen und ländlicher Idylle
stark prägen. Seit den 90er Jahren zeichnet die
vor allem Bauwillige aus den angrenzenden Bal-
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Bauliche Prinzipien
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Abb. 245: 50er Jahre Gebäude nimmt im Baukörper einfach die Proportionen
und Dachform der historischen Gebäude auf
Foto: ISL
Abb. 246: Regionaltypischer Winkelhof ansprechend mit typischer Farb- und
Materialverwendung modernisiert
Foto: ISL
Abb. 247: Unterschiedliche Dachformen, Baukörperproportionen, Farb- und
Materialwahl erzeugen ein unruhiges städtebauliches Ensemble Foto: ISL
Abb. 248: Vielfältige Bauweisen ohne einheitliche Sprache
Foto: ISL
Abb. 249: Freistehendes Gebäude mit ortsuntypischem Baukörper, Dachform,
Farb- und Materialwahl ohne Einbindung in einen städtebaulichen Kontext
Foto: ISL
Abb. 250: Regionaluntypische Dachform mit Türmchen, Balkon und
außenliegender Treppe
Foto: ISL
Informationen zum Planen, Bauen und Gestalten - Baukultur in der nordrhein-westfälischen Eifel
Abb. 251: Regionaluntypischer Baukörper, Dachform, Dachgaube, Farbwahl,
Fenster- und Türelemente
Foto: ISL
Abb. 252: Wohnhaus in der Region, jedoch nicht regional angepasst
in Baukörper, Dachform, Materialwahl und Vorgartengestaltung
Foto: ISL
lungsräumen und die jungen Generationen aus
Einfamilienhäusern, Doppelhäusern und vor-
der Region an. In den Ortskernen wohnt hinge-
städtischen Häuserreihen nicht dazu bei, die
gen überwiegend die ältere Generation, die häu-
jahrhundertealte Nutzungs- und Raumprägung
fig alleinstehend und ohne direkten Nachnutzer
weiterzuentwickeln. Es fehlen nahezu in der gan-
die Gebäude bewohnt.
zen Region städtebauliche und architektonische
Denkmalbehörden und Geschichtsvereinen sind
in den letzten Jahren eine Großzahl von Renovierungen und Sanierungen zur Wiederherstellung ganzer Ortsbilder in Ortskernen und Einzeldenkmälern zuzusprechen. Es sind aber auch
Einzelpersonen, die durch Um- und Anbauten
von alten Haustypen zum Erhalt der regionalen Baukultur beigetragen haben. Um heutige
Wohnbedürfnisse in einem bestehenden dörflichen Siedlungsgefüge einzubinden und dieses
lebendig weiterzuentwickeln, bedarf es eines
Verständnisses eines jeden Bürgers für die regionale Baukultur und eine zukunftsgerichtete
Auseinandersetzung mit baukulturellem Erbe.
Gestaltungsleitbilder, mit denen man das heutige
Bedürfnis nach modernen Wohn- und Lebensansprüchen im Sinne einer Fortentwicklung der
traditionellen Bauweisen befriedigen könnte. Um
eine soziale, bauliche und funktionale Zukunft in
den Dörfern zu sichern, erscheint es uns dringend erforderlich, die Potentiale einer dorfangemessenen Nutzungsmischung neu zu definieren
und mit diesen in einen breitangelegten bürgerschaftlichen Beteiligungsprozess zu gehen. Die
von der Landes- und Bundespolitik geforderte
notwendige „Innenentwicklung der Dörfer“ kann
nur gelingen, wenn es möglich wird, wieder wirtschaftliches Leben und Wohnen mit tragfähiger
Infrastruktur in einem neuen sozialen Umfeld zu
Wie an anderer Stelle schon mehrfach ausge-
definieren und aufzubauen. Das vor Ort aufge-
führt, tragen die beliebige Aneinanderreihung
fächerte baukulturelle Angebot sollte hierbei als
und Ergänzung von nicht aus dem Dorfgrund-
Fundament dienen, neue Gestaltungsleitbilder
riss und der lokalen und regionalen Situation
und soziale Lebensentwürfe mit den Dorfbewoh-
entwickelten
nern aufzubauen.
Haustypen
von
freistehenden
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bAuLichE PrinziPiEn
134
Informationen zum Planen, Bauen und Gestalten - Baukultur in der nordrhein-westfälischen Eifel
3.9. pLANERiSCHE EmpFEHLuNgEN
Die hier aufgeführten planerischen Empfehlun-
Wirtschafts-, Nebengebäude und Gewerbe-
gen sollen als Anregungen und Hilfestellung
bauten sind als Bestandteil der Dorfsilhou-
verstanden werden, um sich bei Um- und Anbau,
ette und des Dorfgrundrisses zu begreifen.
Neubau, Restauration und Ergänzungen bei
Garagen, Schuppen, Scheunen, Lagerhallen
hochbaulichen Aufgaben im ländlichen Raum
und gewerbliche Hallen erfordern daher eine
leiten zu lassen. Im vorherigen Abschnitt wurden
gestalterische Einfügung in den Gesamtzu-
bauliche Prinzipien der Region thematisiert, die
sammenhang.
zusammengefasst folgende Empfehlungen bieten:
Planen Sie vielfältig nutzbare Hofflächen seitlich oder vor Ihrem Haus und Hausgruppen
mit Gemeinschaftsplatz.
Bedenken Sie bei der Planung die Erweiterbarkeit Ihres Gebäudes. Auch früher wurden Gebäude um- und angebaut und durch
Planen Sie Ihr Gebäude direkt zusammen
mit den Nebengebäuden z.B. Garagen,
Schuppen, etc. Typisch wäre eine bauliche
Ergänzung im Winkel an das Haupthaus.
Auch freistehende Gebäude sollten durch
ihre Stellung zueinander sowie Farbgebung,
Baukörperproportionen und Dachform Ähnlichkeiten aufweisen.
Hofanlagen ergänzt. Im Idealfall wächst ein
Gestalterische oder materialgerechte Bezie-
Gebäude mit den Veränderungen des Le-
hungen in Kubatur, Proportion und Maßstäb-
benszyklus einer Familie mit und ermöglicht
lichkeit aufzubauen ist wesentlicher als ab-
Mehrgenerationenwohnen.
grenzender Kontrast zum baulichen Umfeld.
Planen Sie einfache Baukörper ohne Vor-
Wählen Sie die tiefgezogene Dachfläche an
und Rücksprünge in der Fassade mit längli-
der windexponierten Seite Ihres Gebäudes
chem Grundriss im Verhältnis 1: 2 und 1:3.
als Alternative zu großflächiger Wärmedämmung der Fassade.
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