BERATENDE - Verband Beratender Ingenieure

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BERATENDE
1/2 2016
INGENIEURE
FACHMAGAZIN FÜR PLANEN UND BAUEN
DEUTSCHLANDS NACHHALTIGSTES GEBÄUDE
GEBÄUDE-ENERGIEEFFIZIENZ
GEWINNREALISIERUNG – AKTUELLE RECHTSLAGE
BERATENDE
INGENIEURE 1/2 2007
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KV-Anz_E-buch_Muster_SHT_Hauptbeitrag 05.09.13 17:00 Seite 1
Basiswissen
Elektrotechnik
für den SanitärHeizungs-Klima – Praktiker
Grundlagen für die Elektrofachkraft für
festgelegte Tätigkeiten im SHK-Handwerk
Es gibt heute wohl keinen Beruf mehr, der ohne ein Grundwissen der
Elektrotechnik und Elektronik auskommt. Das Buch spricht den Nichtelektriker an, richtet sich aber in erster Linie an den SHK- Praktiker, um
diesen u.a. bei der Erlangung der Qualifikation einer „Elektrofachkraft
festgelegte Tätigkeiten“ zu unterstützen.
Vermittelt wird ein Einblick in die Grundlagen der Elektrotechnik und
Elektronik in einer für den Nichtelektriker verständlichen Sprache.
Zudem kommt auch die Praxis nicht zu kurz. Das Buch kann und soll
eine berufsorientierte Fachausbildung nicht ersetzen, kann aber einen
Fortbildungslehrgang unterstützen und vielleicht das Interesse wecken,
sich ausführlicher mit der Elektrotechnik zu befassen.
Günter E. Wegner, Seevetal 2013
Basiswissen Elektrotechnik,
1. Auflage 8/2013, 148 Seiten,
Format 20,7 cm x 29,7 cm
ISBN 978-3-88382-095-8
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EDITORIAL
Ausblick
Der Wohnungsbau ….
… dürfte in den kommenden Monaten ein zentra-
Wohnraum für alle entsteht, auch für die Menschen,
les Thema der Baubranche sein – und zwar der
die schon lange hier leben.
vor allem in städtischen Ballungsräumen dringend
Und außerdem ist da ja noch die 2010 verabschie-
notwendige Bau bezahlbarer Quartiere. Dieses in
dete EU-Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz
den vergangenen Jahren nach dem Abschied vom
von Gebäuden (EPBD). Diese angesichts der seit
sozialen Wohnungsbau sträflich vernachlässigte
Monaten die Tagespolitik dominierenden Flücht-
Marktsegment ist seit vergangenem Jahr und den
lingsdebatte anscheinend in Vergessenheit gera-
bis dato unbekannt hohen Flüchtlingszahlen zu-
tene und auch zuvor schon kaum öffentlich the-
sätzlich unter Druck geraten. Bundesbauministe-
matisierte Richtlinie schreibt allen EU-Mitglied-
rin Hendricks bezifferte Mitte Januar den Neubau-
staaten vor, spätestens ab 2019 alle neu errichte-
bedarf mit jährlich 350.000 Wohnungen, andere
ten öffentlichen Gebäude und ab 2021 alle sons-
Fachleute sprechen sogar von mittelfristig jährlich
tigen Neubauten als sogenannte Nearly Zero Ener-
400.000 neuen Wohnungen.
gy Buildings oder zu Deutsch Niedrigstenergiege-
Die Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfra-
bäude zu planen und zu bauen.
ge an Wohnungen für Otto Normalverdiener in
Davon sind wir derzeit noch weit entfernt. Deutsch-
Städten wie München, Berlin und Hamburg ist da-
land gehört zu den Ländern, die noch nicht einmal
bei schon älter als die seit Mitte 2015 sprunghaft
definiert haben, wo genau der Niedrigstenergie-
gewachsenen Zuwandererzahlen. Spätestens seit
standard künftig beginnen soll. Welche Überlegun-
2014 ist das Thema auch in der Bundespolitik an-
gen es aktuell dazu gibt und wie der Stand der Din-
gekommen. Das Bundesbauministerium rief da-
ge bei Umsetzung der EU-Energieeffizienzrichtli-
mals im Juli gemeinsam mit Ländern, Kommunen
nie hierzulande ist, lesen Sie ab S. 17 in dieser Aus-
und Verbänden das „Bündnis für bezahlbares Woh-
gabe. Und die daran anschließend vorgestellten
nen und Bauen“ ins Leben, dessen Abschlussbe-
bereits realisierten Bauprojekte, darunter auch be-
richt mit Handlungsempfehlungen und zehn-Punk-
merkenswert energieeffiziente Wohnhäuser, zei-
te-Programm für eine Wohnungsbauoffensive seit
gen, dass und wie es geht.
Ende 2015 vorliegen. Demnächst am 3./4. März
Doch bevor Sie jetzt umblättern, noch ein Hinweis
sollen im Rahmen eines nationalen Wohnungs-
auf die VBI-Website vbi.de. Dort finden VBI-Mit-
baukongresses konkrete Umsetzungsmaßnahmen
glieder in der Rubrik Aktuelles den Link zur Kon-
beschlossen werden. Übrigens auch unter Berück-
junkturumfrage 2016. Allerdings läuft hier bereits
sichtigung der Empfehlungen der Baukostensen-
der Endspurt, denn am 5. Februar endet die dies-
kungskommission, wie Bundesbauministerin Bar-
jährige Mitgliederbefragung, deren Ergebnisse um
bara Hendricks in ihrem Kabinettsbericht vom
so aussagefähiger sein werden, je mehr Mitglie-
20. Januar angekündigt hat.
der sich beteiligen!!
Ob vor allem die erleichterte steuerliche Abschrei-
Und in der Rubrik VBI-Magazin haben wir im Ar-
bung privater Wohnungsbauinvestitionen oder die
chiv den kompletten Jahrgang 2015 zum Downloa-
direkte finanzielle Förderung von Wohnungsbau-
den bereitgestellt. Sie finden dort außerdem das
gesellschaften bevorzugtes Mittel zum Zweck sein
Jahresinhaltsverzeichnis und in den Mediadaten
werden, bleibt abzuwarten. Angebliche Baukos-
den Themenplan für den hiermit eröffneten BI-Jahr-
tensenkungspotenziale durch Abstriche von den
gang 2016.
energetischen Standards der gültigen EnEV lehnt
die Ministerin jedoch ab. Im Interview mit der Berliner Zeitung nannte sie solche Forderungen
„höchst unklug“. Anders sei die Sachlage bei der
temporären Erstunterbringung von Flüchtlingen,
für die gebe es ja bereits einfachere Standards.
Ines Bronowski,
Chefredakteurin
Sie wolle nicht nur Häuser für Flüchtlinge bauen,
sondern dafür sorgen, dass mehr bezahlbarer
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AnzWB_1.15_20,7 und 210 breit_Layout 2 19.10.15 10:43 Seite 1
Foto: studio CASA
BEI ALLEN FRAGEN RUND UM DAS BADEZIMMER
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INHALT
3 EDITORIAL
…der Wohnungsbau
Ines Bronowski
6 VBI IM DIALOG
10 NAMEN UND NACHRICHTEN
14 WORAN ARBEITEN SIE GERADE ?
GEBÄUDE-ENERGIEEFFIZIENZ
Beilagenhinweis:
Dieser Ausgabe liegen die Einladungen zur Verleihung des Deutschen Brückenbaupreises und zu
den FIDIC-Seminaren 2016 bei sowie der aktuelle Unita-Brief.
Foto: Constantin Meyer
17 EU-Richtlinie zur Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden - Die Null als Ziel
Christian Noll
20 Aktiv-Stadthaus, Frankfurt – Flatrate Energy Building
Klaus Siegele
26 Sanierung Hochhaus, Pforzheim – Deutschlands nachhaltigstes Gebäude
Eva Mittner
32 Mehrfamilienhaus Innsbruck – Passivhaus-Plus-Premiere im Wohnungsbau
Laszlo Lepp
BERATENDE
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INGENIEURE
36 Technologiezentrum Handwerkskammer Köln – energieeffizient und barrierefrei
Thomas Schmidt
FACHMAGAZIN FÜR PLANEN UND BAUEN
ENERGIECONSULTING
40 Energienutzungsplan für Regensburg – Leitfaden für die Energiewende
Jürgen Seifert, Christian Eberl, Alexander Buschmann, Armin Mayr
KLIMASCHUTZ
44 Von Bochum bis Berlin – Geothermie auf dem Vormarsch
Bärbel Rechenbach
BERUF UND RECHT
50 Steuerrecht – Gewinnrealisierung bei Ingenieuren
Michael Marx, Thomas Juds
DEUTSCHLANDS NACHHALTIGSTES GEBÄUDE
GEBÄUDE-ENERGIEEFFIZIENZ
GEWINNREALISIERUNG – AKTUELLE RECHTSLAGE
BERATENDE
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Zum Titelbild:
Dieses Pforzheimer Wohnhochhaus,
Baujahr 1970, erhielt im Zuge einer
umfassenden Sanierung nicht nur ein
neues Erscheinungsbild, sondern wurde
zu Deutschlands nachhaltigstem Gebäude
Foto: Freivogel Architekten,
Ludwigsburg/Pforzheim
52 Urteile in Leitsätzen – Entscheidungen der Oberlandesgerichte und des BGH
Sabine von Berchem
53 ABC des Baurechts – Bei Beauftragung LP 9: Teilabnahme vereinbaren!
Janis Heiliger
PRODUKTE UND PROJEKTE
54 Luft-Erdwärmetauscher – kostensparend und klimafreundlich
Marco Fischer
65 TIPPS UND TERMINE
70 IMPRESSUM
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IM DIALOG
Parlamentarisches Frühstück
VBI-Verkehrsausschuss trifft Abgeordnete
„Wir sind an vernünftigen Lösungen interessiert, egal von wem sie kommen“ – dieses Fazit zog Dr. Valerie Wilms, Bündnis90/Die Grünen. Sie war als Obfrau im
Bundestagsverkehrsausschuss gemeinsam mit Oliver Krischer und Stephan
Kühn, alle Mitglieder desselben Gremiums und derselben Partei, der VBI-Einladung zum Parlamentarischen Frühstück
am 14. Januar gefolgt. Die Parlamentarier lobten die an den Empfehlungen der
Reformkommission „Großbauprojekte“
orientierte Themenauswahl – Partizipation und Bürgerbeteiligung, Öffentlich-private Partnerschaften (ÖPP) sowie Überlegungen eine Infrastrukturfinanzierungsgesellschaft zu schaffen – und freuten sich
über die Gelegenheit zum Gespräch mit
dem Vorstand des VBI-Verkehrsausschusses.
Hermann Hasselmann plädierte in seinem
Eingangsstatement für die stärkere und
deutlich frühzeitigere Einbindung der Bevölkerung bei der Planung von Infrastrukturprojekten. Wilms ging mit dieser Position vollkommen d’accord: Wenn die Auftragsverwaltung nicht in einer Hand liege, gebe es Probleme. Sie hoffe auf Umstrukturierungen bis 2020. Einziger Dissens: Hasselmann wollte die Bürger nicht
nur beim „Wie, sondern auch beim „Ob“
mitreden lassen. Wilms hingegen schloss
die Frage nach dem „Ob“ aus, da sich aus
den europaweiten Planungen des Verkehrsnetzes gewisse Verpflichtungen ergäben. Diese Haltung stützte auch Stephan Kühn, der zudem anmerkte, dass
Projekte der großen Verkehrskorridore dadurch noch problematischer werden
könnten, da die „Leute nicht direkt etwas
davon haben, denn der Verkehr rauscht
nur durch“. Kühn fehlt es derzeit in Sachen Partizipation noch an Kommunikationskompetenz in den Planungsbüros:
„Ingenieure sagen LSA statt Ampel“. Zudem sei die Partizipationskultur noch nicht
in den Amtsstuben angekommen, was
von den VBI-Vertretern unisono bestätigt
wurde. Erforderlich seien andere Darstellungsformen in Form von Visualisierun-
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BERATENDE INGENIEURE 1/2  2016
gen, um den Bürgern die Planung darzulegen.
Die Fehler, die bei der Bahnreform gemacht worden seien, dürften sich bei Umstrukturierungen im Bereich Infrastrukturplanung nicht wiederholen, sagte Wilms,
denn „der Wurm steckt im System“,
sprich in den unzähligen Zuständigkeiten. Den Ball nahm Jochen Ludewig, Vorsitzender des VBI-Verkehrsausschusses,
hinsichtlich einer zu gründenden Infrastrukturfinanzierungsgesellschaft gerne
auf: Der große Bedarf bei der Erneuerung
der Infrastruktur müsse unabhängig von
Legislaturperioden Planungen ermöglichen. „Eine Finanzierungsgesellschaft
muss deshalb aus unserer Sicht über von
Jahresbudgets losgelöste Gelder verfügen“. Dem stimmten die Politiker zu: Die
Steuerung der Infrastrukturprojekte solle
über Projektziele, nicht über verfügbares
Geld erfolgen. Die Sorge der Abgeordneten, dass die Landesstraßenbauverwaltungen zu viel Personal entlassen könnten, teilten die VBI-Vertreter nicht: Das
Fachwissen der Verwaltungen dürfe nicht
wegfallen und das Personal müsse deshalb in eine Infrastrukturgesellschaft überführt werden. Einig waren sich wiederum
▲ Der Vorstand des VBI-Verkehrsausschusses
v. l. Hermann Hasselmann, Jochen Ludewig
und Hans-Jörg Niemeck
alle, dass die Bundesverkehrswegeplanung nicht weiter von Wahlkreiszugehörigkeiten bestimmt werden dürfe.
Abschließend wies Dr. Eckart Lindner
noch auf den Widerspruch bei den von
der Reformkommission empfohlenen Geschäftsmodellen hin, die die Realisierung
von Infrastrukturprojekten erleichtern sollen. Die Kommission bevorzuge die frühe Beteiligung der Bauindustrie bzw. ÖPP,
gleichzeitig fordere sie eine tiefgreifende
Planung eines Projekts, bevor Kosten genannt werden könnten. Das wiederum
stehe klar den präferierten Beschaffungsmodellen entgegen. Der Mittelstand werde zu selten und unangemessen an großen ÖPP-Projekten beteiligt, schon die
Finanzierung sei zumeist nicht zu stemmen. Die Bundestagsabgeordneten lobten die in erster Linie von Konsens und
Offenheit geprägte Diskussion und signaliiserten den VBI-Vertretren großes Interesse an regelmäßigen Fortsetzungen
dieses Dialogs.
Martina Gabriel
IM DIALOG
Deutscher Brückenbaupreis 2016
Einladung nach Dresden
▲ Nominiert für den Brückenbaupreis 2016 sind die (v. l.) Ertüchtigung der Eisenbahnhochbrücke
Rendsburg, die Donaubrücke Deggendorf, die Campusbrücke Würzburg, die Grubentalbrücke im
Thüringer Wald, die modernisierte Kochertalbrücke sowie die Leibnizbrücke in Eberswalde.
Am 14. März ist es soweit: Die Sieger im
Wettbewerb um den Deutschen Brückenbaupreis 2016 werden ausgezeichnet. Zur feierlichen Preisverleihung laden VBI und Bundesingenieurkammer
als Veranstalter des Wettbewerbs die
Fachwelt erneut in das Audimax der TU
Dresden ein (siehe Einladungskarte in
dieser Ausgabe).
Bis zur Festveranstaltung steht fest, welche beiden Brücken bei der nunmehr
sechsten Auflage des Wettbewerbs zur
Würdigung herausragender Ingenieurleistungen die Gewinner sind. Nominiert sind
in den beiden Wettbewerbskategorien
Straßen- und Eisenbahnbrücken bzw.
Fuß- und Radwegbrücken jeweils drei
Bauwerke (siehe BI 11-12/2015,
S. 47). Die Jury unter Vorsitz von Prof. Dr.
Manfred Curbach tagt demnächst zum
zweiten Mal, um aus den drei nominierten Brücken jeder Kategorie jeweils die
eine auszuwählen, die den Deutschen
Brückenbaupreis 2016 erhält.
Die Preisverleihung am 14. März findet
wiederum am Vorabend des Dresdner
Brückenbausymposiums statt, zu dessen
26. Auflage in diesem Jahr wieder weit
über 1.000 Teilnehmer erwartet werden.
Das Programm bietet die bewährte, erfolgreiche Mixtur aus grundlegenden Vorträgen und Berichten aus der Praxis. So
Vergaberecht
Für Planer erfolgreiche Einigung bei
Auftragswertermittlung
„Unser Hauptkritikpunkt, nämlich die Auftragswertberechnung bei der Novellierung des Vergaberechts, ist vom Tisch:
Es bleibt bei der bisherigen Regelung“,
sagte Sabine von Berchem, VBI-Justiziarin und Autorin der Verbandsstellungnahme, nach der Anhörung der Planerverbände zur Vergaberechtsmodernisierung
im Bundeswirtschaftsministerium am
5. Januar. „Wir sind sehr erleichtert, dass
wir in diesem zentralen Punkt das Ministerium überzeugen konnten.“
Von Berchem hatte den VBI gemeinsam
mit Bundesvorstand Stephan Weber bei
dieser Verbändeanhörung vertreten.
Im Referentenentwurf war die bisherige
Praxis der getrennten Vergabe von Architekturleistungen, Tragwerksplanungsleistungen oder die der technischen Ausrüstung etc. aufgehoben worden. Das hatte nicht nur bei den Planern für heftige Kritik gesorgt. Nach massiven Einwänden
von mehreren Seiten soll sich an der bisherigen Situation nichts ändern. Auch der
VBI hatte zuvor seine vom BMWi abweichende Position zur Auftragswertermittlung in einer Stellungnahme sehr deutlich
zum Ausdruck gebracht. Es bleibt abzuwarten, wie sich Bundestag und Bundesrat zur Vergabeverordnung positionieren.
eröffnet diesmal TRDir Dr.-Ing. Gero
Marzahn, Leiter des Referates „Brücken,
Tunnel und sonstige Ingenieurbauwerke“
im BMVI das Symposium mit einem Vortrag „Zur Gestaltung von Brücken der
Bundesfernstraßen – Die Suche nach der
besten Lösung“. Manfred Grassl, Leiter
des VBI-Ausschusses Konstruktiver Ingenieurbau, stellt die „Reparatur der Autobahnbrücke über die Süderelbe nach
schwerem Schiffsanprall – Nachrechnung,
Planung, Ausführung, Analyse“ zur Diskussion. Auch Vorträge namhafter Ingenieure aus Tschechien und den Niederlanden stehen im Programm.
Anmeldung bis 12. Februar mit dem Anmeldeformular des 26. Dresdner Brückbausymposiums oder direkt per E-Mail:
[email protected].
KURZ GESAGT
Die Reality Consult GmbH gehört seit
1. Januar zur Drees & Sommer AG, alle Mitarbeiter des Real-Estate- und ITUnternehmens wurden in die DresoNiederlassungen in Wien, München,
Frankfurt und Düsseldorf integriert. Vor
allem in Wien baut Drees & Sommer
mit den dort ansässigen zusätzlichen
Experten die Consultingleistungen im
Immobilien-, IT- und Facility Management-Bereich aus.
Thomas Häusser, Partner und Geschäftsführer der Drees & Sommer AG,
Stuttgart, wurde im Dezember 2015
zum neuen Vorsitzenden der VBI-Fachgruppe Facility Management gewählt.
Häusser löst den Vorstandsvorsitzenden der Drees & Sommer AG Peter
Tzeschlock ab, der die Fachgruppe seit
ihrer Gründung 1997 geleitet hat. Mathias Krause, SurCon GmbH, Hamburg,
bleibt weiterhin stellvertretender Vorsitzender der Fachgruppe Facility Management.
Eric Knies, 46 Jahre, ist seit dem
1. Januar neuer kaufmännischer Geschäftsführer der Pöyry Deutschland
GmbH. Der Jurist führt das Unternehmen gemeinsam mit dem technischen
Geschäftsführer Ralf Reifferscheidt.
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IM DIALOG
Stufenplan
BIM wird bis 2020 eingeführt
Bundesminister Alexander Dobrindt hat
am 15. Dezember auf dem Zukunftsforum digitales Planen und Bauen in Berlin den Stufenplan zur Einführung von
Building Information Modeling (BIM) bei
der Planung und Realisierung großer Infrastrukturprojekte vorgestellt.
Der Stufenplan ist ein wichtiger Schritt
zur Umsetzung des Aktionsplans Großprojekte, der am 9. Dezember vom Kabinett beschlossen wurde. Er sieht die
Einführung von BIM in drei Schritten vor:
In der jetzt gestarteten Vorbereitungsphase sollen Leitfäden, Checklisten und
Standards erarbeitet werden. 2017 beginnt die Pilotphase, in der aufbauend
auf den Erfahrungen der bereits laufenden vier Pilotprojekte und der neu erarbeiteten Standards weitere Schienen-,
Straßen- und erstmals auch ein Wasserstraßenprojekt folgen sollen, bevor ab
2020 in der dritten Phase BIM bei allen
neu zu planenden Projekten des BMVI
eingesetzt wird. Bis dahin sollen alle erforderlichen rechtlichen und technischen
Rahmenbedingungen geschaffen und
Standards definiert werden. „Dafür nehmen wir 25 Millionen Euro in die Hand“,
so Dobrindt vor der Presse. Ziel sei es,
eine neue Planungs- und Baukultur in
Deutschland zu etablieren.
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Die vom VBI maßgeblich mitgegründete Gesellschaft zur Digitalisierung des
Planens, Bauens und Betreibens „planen bauen 4.0“ werde die Umsetzung
des Stufenplans begleiten, erläuterte
Dobrindt. Sie werde auch für offene Standards sorgen und allen Marktteilnehmern, auch den kleinen und mittleren
Planerbüros, die Beteiligung am digitalen Planen und Bauen ermöglichen.
VBI-Präsident Dr.-Ing. Volker Cornelius
nannte den Stufenplan ein gutes Konzept zur koordinierten Einführung von
BIM. „Wichtig für viele unserer Mitglieder ist die schrittweise Vorgehensweise.
Die meisten Büros können ihre vorhandene Software weiter nutzen, eigene
BIM-Erfahrungen bei Projekten unterschiedlicher Größe und Bearbeitungstiefe sammeln.“ Allein die Möglichkeiten
bei BIM-Projekten Fehler auf der Baustelle durch Kollisionskontrollen am Modell bereits in der Planungsphase zu vermeiden, spreche für die neue Arbeitsmethodik, so der VBI-Präsident. Deshalb
werde sich der VBI auch weiter in der
„pb 4.0“ engagieren, deren Gründung
ein richtiger und wichtiger Schritt gewesen sei, wie Cornelius am Rande des Zukunftsforums betonte: „Wir unterstützen
unsere Mitglieder natürlich auch von Ver-
▲ Bundesminister Dobrindt bei Vorstellung des
Stufenplans
bandsseite her weiterhin durch regelmäßige Informationen zum Thema BIM und
durch aktive Mitarbeit an der Normungsarbeit für das digitale Planen und Bauen.“
Neben dem VBI-Präsident gehörten auch
Vizepräsident Jörg Thiele, Hauptgeschäftsführer Arno Metzler und eine ganze Reihe VBI-Mitglieder zu den mehr als
400 Teilnehmern des Zukunftsforums Digitales Planen und Bauen in Berlin. IBO
▼ In der ersten Reihe 3. v. l. VBI-Präsident
Cornelius, daneben Vizepräsident Thiele und
BIngK-Präsident Kammeyer
Fotos: BMVI
IM DIALOG
Vortragsveranstaltung
VBI-Seminarreihe
Wertermittlung, aber richtig
FIDIC-Verträge
richtig anwenden
Die Fragen betreffen den Nachwuchs genauso wie den Inhaber eines Planungsbüros: Welches Verfahren ist das richtige, um den Wert meines Büros zu ermitteln? Wie konzeptioniere ich einen Verkauf oder Kauf? Und wie finanziert man
die Nachfolge? Die komplett ausgebuchte VBI-Vortragsveranstaltung am 13. Januar in Berlin, die im Verbund mit den
Young Professionals im VBI gestaltet
wurde, wollte genau darauf Antworten
geben. Grund genug für Sascha Ratayski, selbst („noch“, wie er betonte) Young
Professional und Mitglied des VBI-Bundesvorstands, aus eigener Erfahrung zu
schildern, wie schwierig sich der Aufbau
einer eigenen Unternehmung für junge
Ingenieure und Architekten gestaltet und
wie wichtig umfassende Information ist.
Danach betrachteten die Referenten das
Thema aus verschiedenen Perspektiven:
Die Informationspflichten des Verkäufers
– sowohl Mitarbeiter als auch den Käufer betreffend – sowie Haftungsfragen
wurden von Alf Baumhöfer von der
gleichnamigen Unternehmensberatung
in Oldenburg vorgetragen und diskutiert.
Es folgten dezidierte Erläuterungen von
Andreas Langner, Partner bei Eckhold
Consultants in Tönisvorst, wie der Wert
von Planungsbüros ermittelt werden sollte, damit er auch bei Auseinandersetzungen und bei einer Finanzierung Be-
stand hat. Weiter ging es mit zahlreichen
Gestaltungsmöglichkeiten gesellschaftsrechtlicher Art und betriebswirtschaftlichen Haftungsaspekten, die Jörg Eckhold, ebenfalls Eckhold Consultants, vorstellte, bevor die Teilnehmer erfuhren,
welche Fördermöglichkeiten es für die
Finanzierung des Kaufs bzw. der Beratung gibt.
Die Sicht der Hausbank und deren Anforderungen an die Käufer schilderte
ganz pragmatisch Dr. Christian Segal,
Leiter Firmencenter Gründung und Nachfolge der Berliner Sparkasse zum
Schluss der Veranstaltung. Segals Resümee, das den Kreis zu Ratayskis Eingangsstatement schloss, war: Nachfolgen scheitern seltener als Gründungen.
GAB
Fachmediation
Ausbildung startet dritten Durchgang
Ende April 2016 beginnt der Zertifikationslehrgang zum Fachmediator Großgruppen und Planungsprozesse im öffentlichen Raum: Baumediation und Bürgerbeteiligung. Die Ausbildung ist vor zwei Jahren von VBI und Steinbeis entwickelt worden, um Konflikten in Bauprojekten vorzubeugen und entstehende Konflikte durch
Mediation zu befrieden. Dabei spielt die Bürgerbeteiligung in Bauprojekten eine zentrale Rolle. Die Absolventen des ersten Ausbildungsganges haben ihre Erkenntnisse in einem Buch zusammengefasst, das unter dem Titel „Einvernehmlich planen
und bauen“ in der Steinbeis-Schriftenreihe Wirtschaftsmediation erschienen und
auch über den VBI zu beziehen ist.
Am 22. April wird zudem ein praxisorientierter VBI-Workshop zum Thema in Berlin
stattfinden. Der neue Lehrgang, zu dem noch Anmeldungen möglich sind, beginnt
mit Modul 1 vom 28.–30. April in Leipzig. Information und Anmeldungen:
www.ausbildung-mediator-planen-und-bauen.de
Programm und Termine der VBI-Seminarreihe zur Anwendung der Fidic-Vertragsbedingungen für 2016 liegen vor.
Fidic ist der internationale Dachverband
der beratenden Ingenieure. Die Reihe
bietet wertvolle Einstiegshilfen wie auch
vertiefende Einsichten für alle Ingenieure, Architekten und Berater, die ihre
Leistungen auch in internationalen Projekten anbieten. Die Fidic-Vertragsbedingungen sind eine vertragliche
Grundlage für internationale Projekte,
die zunehmend Anwendung finden.
Die VBI-Seminarreihe setzt sich aus
einzeln buchbaren Modulen zusammen. Sie startet am 1. April mit einem
einführenden Basis-Kurs. Am 22./23.
April folgt der zweitägige Hauptkurs,
der in die Grundlagen der Arbeit mit
dem „FIDIC Red Book“ und „Yellow
Book“ einführt. Die vertiefenden Kurse
finden ab September statt. Die Seminarreihe bietet auch die Möglichkeit einer zertifizierten Ausbildung zum Dispute Adjudicator nach Fidic. Bei Vorliegen weiterer Voraussetzungen berechtigt diese zur Aufnahme in die VBIgeführte Liste der deutschsprachigen
„FIDIC Dispute Adjudicators“.
In den Seminaren erhalten die Teilnehmer Informationen aus erster Hand:
Dipl.-Ing. Wirt. Ing. Axel-Volkmar Jaeger war als Vorsitzender des FIDIC
Contracts Committee unmittelbar an
der Erstellung der aktuellen Vertragswerke beteiligt.
Ihm zur Seite steht Rechtsanwalt
Dr. Sebastian Hök, der die zentralen
Fidic-Bücher übersetzt und erläutert.
Die beiden Experten stellen kompetent
Systematik, Zusammenhänge und Anwendung der Bücher vor.
Der Flyer mit den Seminarterminen liegt
dieser Ausgabe.
Mehr Informationen, das gesamte Programm der FIDIC-Seminarreihe und die
Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie
auch auf der Webseite: www.germanfidicseminare.de
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NAMEN UND NACHRICHTEN
So sei die Gruppe in den vergangenen
Jahren sowohl organisch als auch durch
Unternehmenszukäufe im Schnitt über
10 % gewachsen bei einer gleichmäßigen Umsatzprofitabilität von rund 5 %.
Dritter wesentlicher Erfolgsbaustein sei
die Unternehmenskultur. Auf dieser Basis werde die Gopa-Gruppe mit Stammsitz in Bad Homburg weiter wachsen,
so Güldners Maxime für die nächsten
50 Jahre.
▲ Dr. Güldner mit VBI-Präsident Volker Cornelius (r.) und EFCA-Präsident Flemming Pedersen (l.)
anlässlich des Festakts 50 Jahre Gopa Group.
Unternehmensjubiläum
50 Jahre GOPA Consulting Gruppe
“50 Jahre Erfahrung in der Planung und
Durchführung von Projekten in nahezu allen Sektoren und in fast allen Ländern der
Welt sind unser Know-how. Unser Erfolg
basiert auf der Vision unserer Firmengründer, dass privatwirtschaftliche Akteure in
der Entwicklungszusammenarbeit effizienter und flexibler agieren können als
staatliche Organisationen“, betonte Dr.
Martin Güldner, Geschäftsführer der Gopa Consultants und neben der Commerzbank auch Hauptgesellschafter der Gopa Consulting Gruppe, beim Festakt zum
Bürojubiläum Ende 2015.
Gemäß dieser Maxime hat sich das Unternehmen national als auch international einen exzellenten Ruf erworben und
zählt mit rund 800 Mitarbeitern und einem
Jahresumsatz von 170 Mio. Euro zu den
führenden Unternehmen der Entwicklungszusammenarbeit in Europa. Gopa
berät mit den Kernkompetenzen Gesundheit, Ausbildung, Infrastruktur, Energie
und Wasser, Landwirtschaft und dem
Schutz natürlicher Ressourcen und führt
in vielen Kernländern der Welt großvolumige Beratungsprojekte im Bereich Good
Governance und Wirtschaftswachstum
durch.
Wie Güldner vor den rund 100 Jubiläumsgästen aus Politik und Wirtschaft im
Schlosshotel Kronberg betonte, werde
heute mehr denn je das Know-how von
Beratungsunternehmen gebraucht, um
die aktuellen Krisen der Welt zu bewälti-
10
BERATENDE INGENIEURE 1/2  2016
gen. Der Wohlstand der westlichen Welt,
aber auch unser Frieden, hingen maßgeblich von der Lösung dieser Probleme ab.
Wenn Gopa auf 50 Jahre erfolgreiche Unternehmensgeschichte zurückblicken
kann, sei das angesichts deutlicher Marktveränderungen und mehrerer Eigentümerwechsel mehr als beachtlich. Internationale Branchenstudien zeigen, dass von
den größten Ingenieur- und Consultingfirmen der vergangenen 15 Jahre nur noch
37 % in ihrer alten Gesellschafterstruktur
existieren. Im Umkehrschluss heiße das,
63 % aller Unternehmen wurden aufgekauft, geschlossen oder gingen in die Insolvenz. Allerdings sei der massive internationale Konzentrations- und Konsolidierungsprozess in dieser Form in
Deutschland noch nicht angekommen.
Für den kontinuierlichen Erfolg seiner Unternehmensgruppe sieht Güldner drei wesentliche Erfolgsprinzipien. Das seien erstens Fokussierung und Spezialisierung
auf das Kerngeschäft der Gruppe bei
gleichzeitig ausreichender Diversifizierung
über die verschiedenen Sektoren, die geographische Verteilung und das Kundenportfolio der internationalen Zusammenarbeit. Die richtige Balance zu finden war
und bleibt ein wichtiger Pfeiler für das robuste und nachhaltige Unternehmenskonzept der Gruppe.
Zweites Kernprinzip ist die Kombination
von Wachstum und Profitabilität, die sich
nicht ausschließen, sondern bedingen.
Partnerschaft
ZWP und BPR
beschließen Allianz
Die beiden Ingenieurbüros BPR Dr.
Schäpertöns Consult GmbH & Co. KG
und die ZWP Ingenieur-AG, beide Mitglied im VBI, wollen nach einigen gemeinsamen erfolgreichen Projekten noch
enger zusammenarbeiten. Per Überkreuzbeteiligung werden die Unternehmen in Zukunft als ganzheitlich orientierter Planungspartner auftreten und Synergie-Potenziale in allen Ingenieur-Disziplinen nutzen.
Zur BPR Dr. Schäpertöns Consult gehört
zudem die Dünser . Aigner . Kollegen Ingenieur-Planungsgruppe GmbH und eine Beteiligung an der SRP Schneider &
Partner Ingenieur-Consult GmbH. Für die
Unternehmensgruppe ZWP Ingenieur-AG
/ BPR Dr. Schäpertöns Consult sind damit künftig insgesamt 500 Mitarbeiter an
22 Standorten deutschlandweit tätig.
Gemeinsam können nun alle IngenieurLeistungen für Gebäude aus einer Hand
erbracht werden, zum Beispiel Tragwerksplanung, Technische Ausrüstung, Thermische Bauphysik oder auch Schallschutz und Raumakustik. Im Bereich Verkehr werden Planungsleistungen für Straßen und Brücken sowie Bahn- und Straßenbahnanlagen erbracht. Des Weiteren
bietet die Unternehmensgruppe ZWP Ingenieur-AG / BPR Dr. Schäpertöns Consult im Bereich Energie und Umwelt Ingenieur-Leistungen für Kläranlagen, Abfallvergärungsanlagen, Wasserversorgungsnetze, Abwassernetze sowie Gewässer- und Hochwasserschutz an.
13. – 18. 3. 2016
Verordnung
Frankfurt am Main
Einheitliche europäische
Eigenerklärung
Am 6. Januar 2016 ist die Durchführungsverordnung der
Europäischen Kommission zur Einführung des Standardformulars für die „Einheitliche europäische Eigenerklärung“
(EEE) im Amtsblatt der Europäischen Union veröffentlicht
worden.
Die EEE ist ein wichtiger Bestandteil der laufenden grundlegenden Neufassung der vergaberechtlichen Regelungen. Sie soll eine Maßnahme sein, um den Verwaltungsaufwand bei Auftraggebern und Auftragnehmern zu senken. Durch die EEE soll es zukünftig nicht mehr notwendig sein, eine Vielzahl von Bescheinigungen vorzulegen.
Darüber hinaus soll sie die grenzüberschreitende Leistungserbringung beleben, da sie die unterschiedlichen,
voneinander abweichenden nationalen Formulare ablöst.
Die Verordnung muss nicht in nationales Recht umgesetzt
werden, sondern gilt spätestens ab 18. April 2016 für die
Vergabe öffentlicher Aufträge. Bis zu diesem Datum wird
es auch einen elektronischen EEE-Dienst geben.
Tiefe Geothermie
Beherrschbare Umweltrisiken
Die tiefe Geothermie birgt in Deutschland keine unbeherrschbaren Risiken für die Umwelt. Das ist das Ergebnis einer Studie der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Zusammenarbeit mit dem Umweltbundesamt (UBA).
Die tiefe Geothermie setzt meist erst unterhalb von
2.000 m an. Dort herrschen Temperaturen von mehr als
6 °C. Um diese Erdwärme zu nutzen, kann es manchmal
nötig sein, Wasser mit hohem Druck in die dortigen Gesteinsschichten zu pressen. Damit werden Fließwege für
die spätere Wasserzirkulation des Geothermie-Kraftwerks
geschaffen. Bei dieser Methode kämen keine wassergefährdenden Zusätze zum Einsatz, so das UBA. Lediglich
in Kalkstein würden „gegebenenfalls verdünnte Säuren
umweltverträglich“ eingesetzt. Schäden durch seismische
Ereignisse seien bei kontrolliertem Vorgehen nicht zu befürchten.
Der induzierten Seismizität lasse sich durch die Regulierung des Wasserdrucks entgegenwirken. Unter Einhaltung
der Vorgaben seien auch keine Gefahren für die Trinkwassergewinnung zu erwarten, „allenfalls die natürlichen Tiefengrundwässer in dem geothermischen Reservoir bergen ein gewisses Risikopotenzial“, so das UBA in seiner
Pressemitteilung.
Für das Fracking empfiehlt die Studie spezielle Voruntersuchungen, begleitende Monitoringmaßnahmen und die
Auswertung sämtlicher Daten.
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NAMEN UND NACHRICHTEN
Umfirmierung
Zerna Baumanagement heißt nun Zetcon
Ingenieure
Seit 1. Januar 2016 firmiert die Zerna Baumanagement GmbH unter neuem Namen.
Mit der Namensänderung in Zetcon Ingenieure baut das Unternehmen seine 360Grad-Betreuung bei der Beratung, Planung und dem Management von Projekten
weiter aus. Dabei greift das neu ausgerichtete Unternehmen auf die bewährte Zerna-Kompetenz und das Know-how aus über 40 Jahren Projekterfahrungen zurück.
Aktiv ist Zetcon in den Geschäftssegmenten Verkehr, Energie, Raum und Umwelt, in
denen die Spezialisten bereits zahlreiche Projekte betreuen und betreuten. Zeitgleich
zur Namensänderung erweitert das Unternehmen auch die Spitze: Dipl.-Ing. Christian Kotz-Pollkläsener wird neben Dipl.-Ing. Ulrich Pöggeler zum Geschäftsführer ernannt. Mit rund 300 Mitarbeitern an bundesweit elf Standorten gehört Zetcon Ingenieure gemeinsam mit der Zerna Planen und Prüfen sowie der Zerna Projektmanagement GmbH zur renommierten Zerna Unternehmensgruppe.
▲ Baukostenspitzenreiter in Europa ist London
Foto: Archiv
Arcadis-Studie
Teures Pflaster
am Main
▲ Die Zetcon-Geschäftsführung (v. l.): Michael Kock, Christian Kotz-Pollkläsener, Ulrich Pöggeler,
Ralf Paßlick, Claudia Radeck und Jörg Hitschfeld.
Neubaustrecke Wendlingen–Ulm
Tunneldurchschlag nach zwei Jahren
Vergangenen November wurde nach nur zwei Jahren Bauzeit mit dem Steinbühltunnel der erste von insgesamt fünf Tunneln der Neubaustrecke Wendlingen–Ulm
durchschlagen. Die Neubaustrecke gehört zum Bedarfsplanvorhaben Aus- und Neubaustrecke Stuttgart – Ulm – Augsburg. Der Steinbühltunnel hat eine Länge von
4.847 m und zwei eingleisige Tunnelröhren.
Der Bund investiert in die Neubaustrecke insgesamt rund 2 Mrd. Euro. Das Land
Baden-Württemberg beteiligt sich mit 950 Mio. Euro. Neben erwarteten regionalen
wirtschaftlichen Impulsen soll die Maßnahme bundesweit zu einer besseren Fernverkehrsanbindung der Zentren in West- und Süddeutschland beitragen: Reisende
von Köln nach München brauchen auf dieser Destination zukünftig nur noch gut
viereinhalb Stunden Fahrzeit. Auf europäischer Ebene ist die Strecke Stuttgart–
Augsburg–München ein wichtiges Verbindungsstück der transeuropäischen Schienenverbindung von Paris über Stuttgart, München und Wien nach Bratislava, der
sogenannten Magistrale für Europa.
Die Deutsche Bahn AG will die Neubaustrecke gemeinsam mit dem Bahnprojekt
Stuttgart 21 im Dezember 2021 in Betrieb nehmen.
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BERATENDE INGENIEURE 1/2  2016
Frankfurt am Main rangiert in globalem
Baukostenranking auf Rang 8 und ist damit teurer als Paris und Singapur. Das geht
aus dem Ende 2015 vom VBI-Mitgliedsunternehmen Arcadis veröffentlichten Internationalen Baukostenindex hervor. Danach gehören die europäischen Städte in
puncto Baukosten zu den teuersten der
Welt. Trotzdem gewinne die Eurozone zunehmend an Attraktivität für Bauprojekte
und Investitionen – eine Folge des insgesamt stabilen Preisniveaus und des wettbewerbsfähigen Euros, lautet eine der
Kernaussagen des Reports aus dem internationalen Planungs- und Beratungsunternehmen Arcadis.
Der Index, der die relativen Baukosten
in 44 Großstädten weltweit analysiert,
stellt fest, dass Europa die Top 10 des
Baukostenrankings dominiert. Sechs der
zehn teuersten Städte sind europäische
Metropolen. So folgen auf die Nr. 1 des
Baukostenrankings NewYork London
und Hongkong an zweiter bzw. dritter
Stelle, gefolgt von Genf, Macau, Kopenhagen, Stockholm, Frankfurt, Paris und
Singapur.
NAMEN UND NACHRICHTEN
3D-Modellierung
Geotherm
Digitale Städte
Fachmesse und
Kongress
▲ Die digitale Beispielstadt
Umwelteinflüsse, Kriege, aber auch Terrorangriffe zerstören weltweit wertvolle
Kulturgüter. Als originalgetreu rekonstruierte 3D-Modelle könnten sie der Nachwelt erhalten bleiben. Die Professur für Visual Computing an der Universität der
Bundeswehr München schafft mit der Entwicklung von Algorithmen die Grundlage
für eine Abbildung ganzer Städte, die Wissenschaftler nutzen dafür mehrere Tausend Fotoaufnahmen.
3D-Modelle manuell zu erstellen ist zeitintensiv, die Daten über Lasersensoren zu
erfassen teuer. Ganze Städte werden daher nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft noch in 2 1/2 D angezeigt. Prof.
Helmut Mayer und sein Team des Instituts
für Angewandte Informatik an der Universität der Bundeswehr München wollen
dies ändern: Sie gehen den nächsten
Schritt und rekonstruieren aus Bilddaten
automatisch 3D-Städte. Aufgrund der Vielzahl an hoch aufgelösten Fotografien und
der gewünschten Detailgenauigkeit lassen die Forscher ihre selbst entwickelten
Algorithmen in einem Netzwerk aus Hochleistungsrechnern ihres Projektpartners
am Deutschen Zentrum für Luft- und
Raumfahrttechnik (DLR) laufen, das eine
3D-Stadt innerhalb eines Tages berechnen kann.
Gemeinsam mit dem Institut für Robotik
und Mechatronik des Deutschen Zentrums
für Luft- und Raumfahrttechnik (DLR) feilen die Forscher der Bundeswehr-Universität an den Algorithmen und versuchen,
Bilder verschiedener Größe und Qualität
miteinander zu kombinieren. Interessant
ist ein Einsatz der Software für Anwendungsfelder wie Online-Kartendienste, virtuellen Tourismus, Digitalisierung von Kulturgütern oder Computerspiele.
Die Geotherm findet am 25. und 26. Februar 2016 zum 10. Mal in Offenburg statt.
„Europas größte Fachmesse“, so die Messe Offenburg, bildet einmal im Jahr das
gesamte Spektrum der oberflächennahen und tiefen Geothermie ab. Insbesondere die Kombination aus Fachmesse und
Kongress bildet den Kern der Geotherm.
Jeder Besucher hat automatisch Zutritt
zum Vortragsprogramm sowie der Fachausstellung.
Die beiden Kongresse der Geotherm werden sowohl von nationalen als auch internationalen Besuchern zum Erfahrungstausch sowie Innovationstransfer genutzt.
Um neben dem nationalen Geothermiemarkt auch die Internationalisierung der
Messe zu stärken, wurde neben Partnerschaften mit internationalen Geothermieverbänden auch eine neue Partnerschaft
mit der Internationalen Energieagentur
vereinbart.
Das vielseitige Programm der Geotherm
wird ergänzt durch Side Events. So wird
am Vortag der Messe wieder in Zusammenarbeit mit dem Bundesverband Wärmepumpe (BWP) das Praxisforum Erdwärme bei der Messe Offenburg stattfinden. Teilnehmer des Praxisforums erhalten Teilnahmezertifikate als Fortbildungsnachweise gemäß W120-2 ausgestellt.
Anreizprogramm Energieeffizienz
Mehr Förderung für Geothermie
Nutzer von Geothermieanlagen können
sich über höhere Förderbeiträge freuen.
Beim Austausch einer ineffizienten fossilen Heizung gegen eine moderne oberflächennahe Geothermieanlage mit Wärmepumpe erhalten sie einen 20-prozentigen Aufschlag auf den Förderbetrag
des Marktanreizprogramms (MAP). Zudem sieht das neue Anreizprogramm
Energieeffizienz einen Pauschalbetrag
von 600 Euro für die Optimierung der
Heizungsanlage vor. Das Anreizprogramm ist bis Ende 2018 befristet.
Gewährt wird der sogenannte „Zusatzbonus“ sowohl auf den Investitionszuschuss für Erdwärmeheizungen mit Wärmepumpe bis 100 kW als auch auf den
Tilgungszuschuss im KfW-Programm Erneuerbare Energien (Premium) für Anlagen mit mehr als 100 kW und den Anschluss an ein MAP-gefördertes Wärmenetz. Voraussetzungen sind die Bewilligung eines zugrunde liegenden Fördermittelantrags, die Außerbetriebnahme
einer ineffizienten Öl- und Gasheizung
und die Optimierung der gesamten Hei-
zungsanlage. Als ineffizient gelten Heizungen, die weder die Brennwert- noch
die Brennstoffzellentechnik nutzen.
Im Förderfall erhalten Bauherren von
Geothermieanlagen bis 100 kW einen
Zuschuss von mindestens 5.400 Euro,
bei Geothermieanlagen mit Erdsonden
mindestens 6.000 Euro. Der Antrag ist
bei der für den MAP-Antrag zuständigen
Behörde zu stellen. Für Anlagen bis
100 kW ist das Bundesamt für Wirtschaft
und Ausfuhrkontrolle (BAFA) zuständig,
für Anlagen mit höherer Leistung die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW).
BERATENDE INGENIEURE 1/2  2016
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WORAN ARBEITEN SIE GERADE ?
Aktuelle Projekte von VBI-Mitgliedern sind …
GKW CONSULT, MANNHEIM, WWW.GKW-CONSULT.COM
…DER BAU VON MEGA-RESERVOIRS ZUR SICHERUNG DER WASSERVERSORGUNG IN KATAR
Neben dem höchsten Pro-Kopf-Einkommen weltweit verzeichnet das am unteren Golf gelegene Emirat Katar mit seinen großen Erdgasvorkommen zweistellige Wirtschaftswachstumsraten. Im Gegensatz zur komfortablen Energiesituation verfügt das von natürlicher Wasserknappheit geprägte Land jedoch nur
über äußerst geringe Wasserreserven.
Die Gewährleistung von sauberem Trinkwasser ist daher eine enorme Herausforderung für das Land. Die Qatar General Water & Electricity Corporation
(KAHRAMAA) hat daher ein 4,5 Mrd.USD-Projekt beschlossen, um die Notfallwasserreserven des Landes von 2 auf
7 Tage zu erhöhen. Dieses „Water Security Mega Reservoirs“-Projekt ist das
weltweit größte Wasserversorgungsprojekt seiner Art und wird die landesweite
Kapazität zur Wasserspeicherung um
das 10-fache erhöhen. Das Großprojekt
umfasst die Planung und den Bau
von Mega-Reservoirs mit integrierten
Pumpstationen (siehe Foto) und von
650 km verbundenen Druckleitungen
1600–900 mm). Das Wasser wird aus
zwei Entsalzungsanlagen im Norden und
Süden des Landes gewonnen, über die
neu entstehende Ringleitung im Großeinzugsgebiet von Doha in die Mega-Reservoirs geleitet und von dort über die neuen Pumpstationen und den Verbund bestehender Wasserreservoirs an die Verbraucher weitergeleitet. Auf einer Fläche
von jeweils ca. 1 km² werden bis zu 10
modular angeordnete Stahlbetonbehälter entstehen, die eine Speicherkapazi-
DORSCH INTERNATIONAL, MÜNCHEN, WWW.DORSCH.DE
… DIE „GRÜNE“ SCHULE RAMMSTEIN
Das Planungs- und Ingenieurbüro
Dorsch International (DI) verantwortet im
Auftrag des rheinland-pfälzischen Landesbetriebs Liegenschafts- und Baubetreuung (LBB) Kaiserslautern die Planung
des dreigeschossigen Gebäudekomplexes der Ramstein High School. Die offizielle Inbetriebnahme ist für 2020 vorge-
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BERATENDE INGENIEURE 1/2  2016
sehen. Der Neubau für über 1.100 Schüler der 9. bis 12. Klasse entsteht im östlichen Bereich der Ramstein Air Base und
wird von der Abteilung für Bildungswesen des US-Verteidigungsministeriums
verwaltet. Das Gebäude entspricht den
Richtlinien für amerikanische Bildungseinrichtungen des 21. Jahrhunderts. Da-
tät von insgesamt 17 Mio m³ aufweisen.
In Partnerschaft mit Energoprojekt-Entel übernahm GKW Consult 2013 die
Projektsteuerung für dieses LeuchtturmProjekt, das sich aus 16 verschiedenen
Bauverträgen zusammensetzt. GKW verantwortet die Überprüfung und Verifizierung der gesamten Ausführungsplanung,
die Ausschreibung und Bewertung der
Angebote sowie die Bauoberleitung für
die Implementierung der Wasser-Infrastruktur für dieses herausragende, technisch anspruchsvolle Projekt.
bei werden die Klassenzimmer zur Gruppierung verschieden großer Bereiche flexibel gestaltet, um „offenes Lernen“ zu
ermöglichen und die Trennung zwischen
Lehr- und Gemeinschaftsräumen aufzuheben. Im Außenbereich entstehen
Sportanlagen sowie Parkplätze. Geplant
wird gemäß dem amerikanischen Klassifizierungssystem für energie- und umweltfreundliche Planung LEED. „Nach
preisgekrönten Planungsleistungen für
die Kaiserlautern-Vogelweh High School
freuen wir uns auch an diesem Schulbauprojekt mitwirken zu können“, so
Reinhold Weis, Fachgebietsleiter Architektur D-A-CH bei DI . „Dieses Millionenprojekt wird höchsten Nachhaltigkeitskriterien entsprechend geplant“, ergänzt
Helene Protzel, Fachgebietsleiterin Technische Gebäudeausrüstung.
WORAN ARBEITEN SIE GERADE ?
SCHÜSSLER-PLAN, DÜSSELDORF, WWW.SCHUESSLER-PLAN.DE
… DIE WEHRHAHN-LINIE IN DÜSSELDORF
Bis zur offiziellen Eröffnung am 20. Februar laufen derzeit die letzten Arbeiten
an den sechs unterirdischen Bahnhöfen
und zwei oberirdischen Haltestellen der
3,4 km langen U-Bahn-Neubaustrecke
„Wehrhahn-Linie“ in Düsseldorf. Verantwortlich für Planung, Bauoberleitung und
-überwachung des sowohl fristgerecht
als auch im geplanten Kostenrahmen
realisierten City-Unterfahrungsprojekts
war eine Ingenieurgemeinschaft unter
Federführung von Schüßler-Plan. Nachdem die erste Testphase seit Mai 2015
erfolgreich abgeschlossen wurde, hatte
die Landeshauptstadt Düsseldorf als
Bauherr ihre Bürger im Dezember zu sogenannten Pre-Openings der unterirdischen Haltestellen eingeladen. Und auch
die Fachwelt lobt das Großprojekt. So
kürte der Architekten- und Ingenieurverein Düsseldorf (AIV) die Wehrhahn-Linie
im vergangenen Mai zum Bauwerk des
Jahres 2014. In der Begründung dazu
hieß es, „dass vor allem die Unterque-
rung des Kaufhofs an der Kö eine der
höchsten Herausforderungen an die Ingenieure darstellte“. Die Studiengesellschaft für unterirdische Verkehrsanlagen
STUVA zeichnete die Wehrhahn-Linie im
Dezember 2915 mit dem STUVA-Preis
ARUP, BERLIN, WWW.ARUP.COM
… DAS BIM-PILOTPROJEKT RASTATTER BAHNTUNNEL
Das weltweit tätige Planungs- und Beratungsunternehmen Arup hat die Bahn
AG bei der Anwendung von BIM (Building Information Modeling) bei der Planung des Rastatter Tunnels unterstützt.
Das Infrastrukturprojekt ist eines von vier
Pilotprojekten des Bundesverkehrsministeriums im Zuge der schrittweisen Einführung digitaler Planungsmethoden in
Deutschland. Die DB Netz AG will durch
die Nutzung von BIM die Transparenz
und Effizienz der Abläufe bei der Abwicklung ihrer Großprojekte steigern. Die
langjährige Erfahrung von Arup in diesem Bereich war dabei sehr hilfreich: „Da
Arup schon viele internationale Infrastrukturprojekte mit Hilfe von BIM begleitet und betreut hat, konnten wir von
dieser Erfahrung maßgeblich profitieren.
Das hat sehr zum Erfolg beigetragen“,
sagt Dipl.-Ing. Sascha Björn Klar, Pro-
jektmanager für Großprojekte bei der DB
Netz AG. Jörg Obergfell, verantwortlicher Projektleiter bei Arup Deutschland
ergänzt: „BIM bietet die Möglichkeit, Projekte transparenter zu planen. Die Koordination, insbesondere bei komplexen
Großprojekten, wird so deutlich optimiert.
Zeit- und Budgetrahmen lassen sich viel
besser im Blick behalten, als bei herkömmlichen Planungs- und Steuerungsmethoden. Das bietet den Bauherren
mehr Sicherheit.“ Der Tunnel Rastatt ist
mit 4.270 m Länge das zweitgrößte Einzelbauwerk im Großprojekt „Ausbau- und
Neubaustrecke Karlsruhe-Basel“. Diese
gehört zur Güterverkehrsstecke Rotterdam-Genua, einer der europäischen
Hauptverkehrsachsen mit täglich rund
250 Zügen. Der Tunnel unterquert das
gesamte Stadtgebiet von Rastatt. Künftig wird die Eisenbahn bis zu 20 m tief
2015 aus und würdigte die hochkomplexe innerstädtische Baumaßnahme für
„zahlreiche technische Neuerungen, die
zukunftsweisende Nutzung von unterirdischem Raum und das Zusammenwirken aller Projektbeteiligten".
unter der Oberfläche verkehren, was für
die Einwohner eine deutlich geringere
Lärmbelastung bedeutet. Um so wenig
wie möglich in die Umwelt einzugreifen,
werden die durch Rastatt verlaufenden
Gewässer Murg und Federbach ohne
dauerhafte Beeinträchtigung durch den
Tunnel unterquert. Jetzt im Frühjahr 2016
beginnt der Tunnelvortrieb. Die Bauzeit
ist auf fünf Jahre angesetzt, 2019 soll die
technische Tunnelausrüstung beginnen.
Bereits im Vorfeld des Pilotprojekts hatte Arup eine Strategie zur Implementierung von BIM-Methoden für Großprojekte der DB Netz AG erarbeitet. Beim konkreten Projekt dann wurde auf Basis der
traditionell erstellten Planung eine 3DPlanung erstellt und um Termin- und
Kostenplanung als vierte bzw. fünfte Dimension erweitert. Auf diese nun deutlich größere Datenbasis können alle Projektbeteiligten zugreifen, was die Transparenz im Hinblick auf Termin- und Kostenpläne deutlich steigert.
BERATENDE INGENIEURE 1/2  2016
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WORAN ARBEITEN SIE GERADE ?
DREES & SOMMER AG, STUTTGART, WWW.DRESO.COM
… DIE ENTWICKLUNG DER MAIDAR ECO CITY IN DER MONGOLEI
30 km südlich der mongolischen Hauptstadt Ulaanbaatar entsteht eine neue
Stadt: die Maidar Eco City. In zehn Jahren soll sie nicht nur die bisherige Hauptstadt entlasten und 300.000 Menschen
ein neues Zuhause bieten, sondern weltweites Vorbild einer nachhaltigen Stadtentwicklung sein. Mit dem Vorzertifikat
in Platin hat die DGNB die zukünftige
Öko-Stadt bereits geadelt. Drees & Som-
mer berät gemeinsam mit einem internationalen Planungsteam den Bauherrn,
die Maidar City LLC, bei der Stadtentwicklung und unterstützte den Zertifizierungsprozess.
Der Entwurf für die 114 km² große Metropole stammt aus der Feder des Kölner Architekten Stefan Schmitz. Eine zurzeit im
Bau befindliche Buddha Statue – mit
54 m höher als die New Yorker Freiheits-
statue – markiert bereits heute den Mittelpunkt der neuen mongolischen Metropole (siehe Abb.). Wichtigster Entwurfsgedanke ist die „Stadt der kurzen Wege“,
d. h. in jedem der neuen Stadtteile finden
sich im Umkreis von 600 m alle wichtigen
Versorgungseinrichtungen. Autos sind für
die künftigen Einwohner der Öko-Stadt
weder erforderlich noch gewollt: Die Maidar-City-Hauptstraßen, die „urban arteries“, werden ausschließlich für Fußgänger, Radfahrer und öffentliche, elektrisch
betriebene Verkehrsmittel ausgelegt. Die
Stadtteile sind durch landschaftlich gestaltete Grünbereiche getrennt, die für
Freizeit, Sport und Erholung genutzt werden. Mit eigenständiger Trinkwasserversorgung und landwirtschaftlichen Flächen
südlich der Stadt versorgt sich die Stadt
selbst. Das Trinkwasser wird aus Bergflüssen in Pflanzbeeten gefiltert und in einem See gespeichert. Rund 50 % der
Energie wird die neue Metropole aus erneuerbaren Quellen beziehen.
INGENIEURGESELLSCHAFT WIA, HANNOVER, WWW.WIA-INGENIEURE. DE
… KANALSANIERUNGSBERATUNG IN DER TÜRKEI
Salah Özkaynak, Geschäftsführer der Ingenieurgesellschaft WIA mbH (Foto: 1.
v.r.), nahm auf Einladung des niedersächsischen Ministers für Wirtschaft, Arbeit
und Verkehr Olaf Lies (Foto: erste Reihe,
3. v.l.) Anfang November 2015 an einer
Delegationsreise in die Türkei teil, die in
die Städte Mersin, Izmir und Bursa führte. Als Geschäftsführer eines in der Siedlungswasserwirtschaft tätigen Ingenieurbüros war für Özkaynak ein Treffen mit
Vertretern des städtischen Betriebes für
Wasser und Abwasser von Izmir, IZSU,
besonders aufschlussreich und konstruktiv. Izmir hat ca. 5 Mio. Einwohner und
bislang eine zentrale, für ca. 3,5 Mio. Einwohner ausgelegte Kläranlage, die EUStandard entspricht. In den Randgebieten der Stadt erfolgt die Abwasserreinigung über dezentrale Anlagen. Das vorhandene, ca. 4.000 km lange Kanalnetz
ist ein Mischsystem. Die Behörde hat bereits einen Masterplan zur Erweiterung
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BERATENDE INGENIEURE 1/2  2016
und Sanierung des vorhandenen Entwässerungsnetzes in der Schublade, der
bis 2050 realisiert werden soll. Aufgrund
der erheblichen Korrosionsschäden betonten die IZSU-Vertreter gegenüber den
niedersächsischen Gästen die Dringlich-
keit der bautechnische Sanierung des
Kanalnetzes. Özkaynak wurde gebeten,
insbesondere im Bereich Sanierungsverfahren in geschlossener Bauweise die
städtische IZSU beraten. Ein Planungsauftrag soll folgen.
GEBÄUDE-ENERGIEEFFIZIENZ
EU-Richtlinie zur Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden
Die Null als Ziel
VON CHRISTIAN NOLL
Deutschland tut sich schwer damit, seine Vorbildrolle in Sachen Gebäudeenergieeffizienz in
Europa zu verteidigen. Statt Niedrigstenergiegebäude endlich zum Mainstream zu machen,
hat man sich tief im Jammertal eingerichtet. Der Weg hinaus wird kein leichter sein: Nur
wenn Qualifizierung und Qualitätssicherung mit der Fortschreibung von Effizienzstandards
einhergehen, kann der Aufbrauch zurück an die Spitze gelingen.
Seit 2010 stellt die EU-Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden (EPBD) allen Mitgliedstaaten die Aufgabe, spätestens ab 2019 alle neu errichteten öffentlichen Gebäude und ab 2021 alle sonstigen neuen Gebäude als „nearly
zero energy buildings“ (nZEB) oder zu Deutsch Niedrigstenergiegebäude zu planen und zu bauen. Deutschland müsste dazu eine weitere Fortschreibung der Energieeinsparverordnung
(EnEV) anpacken. Entsprechend der EU-Richtlinie müsste dabei als Mindestanforderung definiert werden, wie „der fast bei
null liegende oder sehr geringe Energiebedarf (…) zu einem
ganz wesentlichen Teil durch Energie aus erneuerbaren Quellen“ zu decken ist. Wie nahe bei fast Null oder wie gering sehr
gering genau bedeutet, lässt die Richtlinie selbst offen.
Europa auf dem Weg nach unten?
2015 hatten insgesamt 15 Mitgliedstaaten eine Definition für
„nearly zero“ vorliegen, weitere drei standen kurz davor. Die
restlichen EU-Staaten, darunter auch Deutschland, hatten sich
bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht festgelegt. Während Energiewende-Vorreiterland Dänemark vorprescht und etwa für ein
Einfamilienhaus einen maximalen Jahresprimärenergiebedarf
von 20 kWh/m2a vorgibt, hat die Slowakei immerhin
54 kWh/m2a als nZEB-Anforderung festgelegt.
In den meisten anderen EU-Mitgliedstaaten, die sich bereits
festgelegt haben, liegen diese Anforderungen in der Regel
nicht darüber, so eine Analyse des Building Performance Institute Europe (BPIE) – von Ausnahmen für höherliegende Regionen in Frankreich oder Rumänien abgesehen. Insgesamt
werden jedoch sehr unterschiedliche Berechnungsmethoden,
Klimabedingungen und Gebäudetypologien angewandt, insbesondere für Nichtwohngebäude. Daher bewegt sich der Primärenergie-Höchstwert in den EU-Staaten laut BPIE zwischen
0 und 270 kWh/m2a.
Grundsätzlich ist der EU-Richtlinie zu Gute zu halten, dass sie
die Entwicklung ambitionierter Standards in den Mitgliedstaaten vorangetrieben hat, im Sinne von Klimaschutz, einer geringeren Energieimportabhängigkeit und der Entlastung von
Verbrauchern und Unternehmen von Verbrauchskosten. Das
daraus erwachsene Tohuwabohu höchst unterschiedlicher Anforderungen in den einzelnen Mitgliedstaaten stellt jedoch Hersteller und Dienstleistungsunternehmen inklusive planender
und beratender Ingenieure, die für den gesamteuropäischen
Markt anbieten, vor eine Herausforderung. Dementsprechend
forderte der europäische Gebäudeeffizienzverband EuroACE
für die in diesem Jahr anstehende Novelle der Richtlinie eine
Konsoldierung der Anforderungen und einen effektiveren Vollzug.
Deutschland tritt auf der Stelle
Während Brüssel also schon die Revision der Richtlinie im
Blick hat, stehen die vollständige Umsetzung der EPBD und
ein wirkungsvoller Vollzug hierzulande immer noch auf der ToDo-Liste. Immer wieder wurde von verschiedenen Seiten eine frühzeitige Bekanntgabe des Niedrigstenergiestandards
angemahnt, damit sich die Marktakteure darauf einstellen und
Preissprünge durch Knappheitseffekte vermieden werden können. Mit der Energieeinsparverordnung (EnEV) 2014 wollte die
Politik zumindest Zwischenstufen für das noch zu definierende Nahe-Null-Ziel festlegen. Mit der Planungssicherheit war
es aber spätestens vorbei, als zuletzt im vergangenen Jahr die
gleichen Kräfte ein Aussetzen der EnEV-Anforderungen für
2016 forderten, die sich zuvor erfolgreich dafür stark gemacht
hatten, die ursprünglich geplanten zwei Anforderungsstufen
an den Primärenergiebedarf für 2014 und 2016 in einer Stufe
zusammenzufassen.
Mit einem Moratorium sollte gebeutelten Eigentümern eine
„Atempause“ gegönnt werden, nicht zuletzt auch angesichts
der Auswirkungen der Flüchtlingssituation auf den Wohnungsmarkt. Dass unbillige Härten und Unwirtschaftlichkeit in begründeten Fällen ohnehin Umgehungen erlauben, blieb geflissentlich unerwähnt. Ob der durch Angebot und Nachfrage
geprägte Wohnungsmarkt auf geringere Baustandards mit sinkenden Kaltmieten reagiert hätte, ist mehr als fraglich. Am Ende wären Mieter und Kommunen die Angeschmierten gewesen, die bei gleichen Mieten die höheren Heizkosten hätten
tragen müssen.
BERATENDE INGENIEURE 1/2  2016
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GEBÄUDE-ENERGIEEFFIZIENZ
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▲ Stand der Definition des Nearly-Zero-Energiestandards für Neubauten in Europa:
Ein Beschluss der Bauministerkonferenz für ein entsprechendes EnEV-Moratorium konnte gerade noch abgewendet werden. Die Verwirrung bei Planern, die nicht wussten, was dann
ab Jahreswechsel gelten wird, war aber bereits perfekt.
Statt EnEV-Moratorium haben sich die Bauminister auf eine
Neukonzeption von EnEV und EEWärmeG geeinigt. Auch das
ist keine neue Idee. Bereits 2010 forderte der Bundesrat die
Bundesregierung auf, eine „Konsolidierung und Zusammenführung der mittlerweile nicht mehr überschaubaren Fülle an
technischen und fachlichen energetischen Anforderungen an
Gebäude herbeizuführen“. Dies soll nun ebenso wie die Festschreibung des Niedrigstenergiestandards bis Ende 2016 geschehen. Spätestens dann wird die Diskussion, wie viel Anspruch sich Deutschland leisten kann, wieder aufflammen.
Energieeffizienz – Feind des kostengünstigen Bauens?
Die EU-Richtlinie fordert nicht nur möglichst nahe bei Null zu
landen, sondern entsprechende Anforderungen möglichst kostenoptimal festzulegen. Das ist sehr sinnvoll und entspricht im
weitesten Sinne dem Wirtschaftlichkeitsgebot des Energiespargesetzes, bezieht sich jedoch nicht auf das einzelne Gebäude, sondern die Angemessenheit für die Mehrheit der Gebäude in den wesentlichen Gruppen. Die EU gibt hierfür einen
18
BERATENDE INGENIEURE 1/2  2016
Quelle: Buildings Performance Institute Europe (BPIE)
Länder mit offizieller
Definition
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Official
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Definition
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offiziell
Definition
tonicht
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Definition
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approved
Definition
nochunder
in der
Diskussion
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efinition
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elopment
Definition
development
Rahmen vor, der nationalstaatlich adaptiert werden kann. Doch
grau ist alle Theorie, wenn sich ein „zu teuer“ erfolgreich in
Medien und Köpfen verfestigt hat. Regelmäßig erklangen und
-klingen noch die Kassandrarufe der Immobilienwirtschaft, die
EnEV-Anforderungen würden die Kosten für Wohnhäuser so
hoch treiben, dass der Traum vom Eigenheim unerschwinglich werde und kaum noch Mietwohnungen für Normalverdiener errichtet werden könnten.
Ähnlich plakativ klang denn auch der Titel einer Auftragsstudie
der Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen (ARGE) „Kostentreiber für den Wohnungsbau“: Die Kosten für den Bau eines durchschnittlichen Einfamilienhauses seien seit 2000 um
über ein Drittel gestiegen. Schuld daran seien vor allem gestiegene politische Auflagen, auch an Barrierefreiheit, Standsicherheit, Brand- und Schallschutz. Größter Preistreiber seien jedoch Baukosten rund um die Energie. Würde die EnEV 2016
mitberücksichtigt, stiegen die Kosten sogar um über 45 %.
Auch die Deutsche Unternehmensinitiative Energieeffizienz
(DENEFF) hat sich Ende 2014 mit der Frage auseinandergesetzt, ob Energieeffizienz und bezahlbares Bauen tatsächlich
zu einem unversöhnlichen Gegensatz avanciert sind. Dazu
wurden das Beratungsunternehmen Ecofys und das Architekturbüro Schulze Darup & Partner beauftragt, sich in einer Ini-
GEBÄUDE-ENERGIEEFFIZIENZ
tialstudie wissenschaftlich mit der energetisch
bedingten Kostenentwicklung zu befassen. Anhand wesentlicher Bauteile wie Außenwände,
Satteldächer, Fenster und Heizungspumpe sowie am Beispiel des Neubaus einer Doppelhaushälfte wurde analysiert, wie sich die Kosten zwischen 1990 und 2014 bei gestiegenen
Effizienzanforderungen tatsächlich entwickelt
haben. Das Ergebnis dieser Untersuchung fällt
etwas differenzierter aus: Die Investitionskosten für Neubauten sind seit 1990 preisbereinigt
nahezu konstant geblieben, die monatlichen
Kosten inklusive Abzahlung des Baukredits und
Nebenkosten gegenwärtiger und zukünftig geplanter Neubaustandards seien sogar gesunken, so die Studie. Der mittlere Anstieg der Baukosten seit 1990 entspricht der allgemeinen
Preissteigerung am Bau. Inflationsbereinigt sind die Kosten
für hocheffiziente Bauteile und Materialien sogar gesunken.
Besonders gut zeige sich dies am Beispiel von Fenstern mit
Dreischeiben-Verglasung. Sie kosten inzwischen kaum noch
mehr als Standardfenster. Erhöhte Effizienzanforderungen ließen diese einst teuren Nischenprodukte zum günstigen Marktstandard werden. Auch für die kommenden Energiespar-Anforderungen sei daher nicht mit einer energieeffizienzbedingten
Preisexplosion für das Bauen zu rechnen.
Im November vergangenen Jahres verabschiedete das Bundeskabinett eine Energieeffizienzstrategie Gebäude. Tatsächlich ist diese mehr eine Bestandsaufnahme, denn eine Strategie und enthält nur wenige konkrete, weiter führende
Instrumente, darunter das oben erwähnte Bekenntnis, 2016
den Niedrigstenergiestandard festschreiben zu wollen. Berichtet wird hier jedoch auch das Ergebnis einer vom Bundesministerium für Umwelt und Bauen ins Leben gerufenen Baukostensenkungskommission, „dass ansteigende Wohnflächen,
Ausstattungsmerkmale und technische Ausrüstungen die eigentlichen Kostentreiber beim Wohnungsbau sind (…) Die
EnEV ist nicht der eigentliche Kostentreiber.“
Die feinen Unterschiede: Qualität bei Planung und Bauen
Wie kommt es aber dazu, dass die Betrachtungen scheinbar
so weit auseinanderliegen? DENEFF-Gutachter Dr. Burkhard
Schulze Darup hob hervor, dass für eine kostenoptimale Ausführung die Qualifizierung der Planer und der Ausführenden
entscheidend ist, damit niedrige Baukosten einerseits und errechnete Energiekosteneinsparungen andererseits tatsächlich
erreicht werden können. Doch leider findet sich zu diesem Thema am Ende der Energieeffizienzstrategie ein einziger, nicht
weiter ausgeführter Spiegelstrich: „Qualitäts-, Effizienz-und
Bildungsoffensive.“ Punkt.
Genau hier müsste deutlich mehr stehen, denn hier liegt nicht
nur die Grundlage für eine nachhaltige Bauzukunft. Hier finden sich echte Chancen für den Energiewendestandort
▲ Baukosten
Quelle: Ecofys/Schulze Darup
Deutschland. Dazu wird es nicht ausreichen, Normwerte
schlicht Richtung Null oder Plus fortzuschreiben. Dazu muss
am Ende auch geliefert werden, was die Verpackung verspricht.
Nach Flughafen- und PKW-Schadstoffdebakeln wäre der Aufbruch aus dem deutschen Jammertal in Sachen Gebäudeeffizienz auch ein wohltuender Befreiungsschlag für „made in
Germany“.
Autor:
Christian Noll,
Deutsche Unternehmensinitiative
Energieeffizienz e.V. (DENEFF), Berlin
Literatur:
Europäische Union (2010): Richtlinie 2010/31/EU des Europäischen
Parlaments und des Rates vom 19. Mai 2010 über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden
http://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri= OJ:L:2010:
153: TOC
BPIE (2015): nZEB Definitions across Europe
http://bpie.eu/publication/nzeb-definitions-across-europe-2015/
EuroACE (2015): Response to the EPBD Consultation
http://www.euroace.org/LinkClick.aspx?fileticket=Q3HsowfEnUk%3d&
tabid=155
ARGE e.V. (2015): Kostentreiber für den Wohnungsbau
http://www.impulse-fuer-den-wohnungsbau.de/w/files/meldungen/kostentreiber-fuer-den-wohnungsbau_studie.pdf
Ecofys/ Schulze Darup (2014): Preisentwicklung Gebäudeenergieeffizienz
http://www.deneff.org/fileadmin/downloads/Preisentwicklung_Initialstudie_20141203.pdf
BMWi 2015: Energieeffizienzstrategie Gebäude
http://www.bmwi.de/DE/Themen/Energie/Energiewende-im-Gebaeudebereich/energieeffizienz-strategie-gebaeude.html
BERATENDE INGENIEURE 1/2  2016
19
GEBÄUDE-ENERGIEEFFIZIENZ
▲ Nur 9 m breit, aber 150 m lang – das Aktiv-Stadthaus in Frankfurt
Aktiv-Stadthaus in Franfurt, Main
Flatrate Energy Building
VON KLAUS SIEGELE
Mitten in Deutschlands Bankenmetropole wurde im Gutleutviertel unweit des Frankfurter
Hauptbahnhofs im Juli 2015 ein achtgeschossiges Wohnhaus offiziell eingeweiht, dessen
Gebäudekonzept zeigt, dass die Nullenergiebauweise auch unter schwierigen
Randbedingungen funktioniert. Zwar verfehlt das vom Bund geförderte Pilotprojekt
bezüglich des Heizwärmebedarfs knapp den Passivhausstandard, trotzdem erzeugt der
Mietwohnungsbau der AGB Frankfurt Holding in der Jahresbilanz mehr regenerative
Energie, als es selbst verbraucht.
20
BERATENDE INGENIEURE 1/2  2016
GEBÄUDE-ENERGIEEFFIZIENZ
▲ Luftbild des Aktivhauses
Der Vergleich mit dem 1902 gebauten Flatiron Building in New
York mag optisch etwas weit hergeholt sein, erinnert die akkurat gefaltete Fassade des Aktiv-Stadthauses in Frankfurt
doch wohl eher an eine sauber gebügelte Bluse, als dass man
in die Kubatur ein Bügeleisen hinein interpretieren mag. Und
dennoch ist das Gebäudekonzept ähnlich spektakulär wie die
frühe Stahlskelettkonstruktion des keilförmigen Hochhauses
in dem nach ihm benannten Flatiron District von Manhattan:
Die achtgeschossige, 150 m lange und nur 9 m breite Wohnscheibe erzeugt inmitten anderer Stadthäuser in der Jahresbilanz mehr Energie als sie verbraucht. Die regenerativ erzeugte und in Akkus gespeicherte Energie ist in der Kaltmiete
als Flatrate enthalten.
Ein Konzept für die Zukunft
Lange Zeit kam dem 160 m langen Grundstück an der Speicherstraße nicht mehr als die Funktion eines Parkplatzes zu
– es galt mit seinen 9 m Breite als unbebaubar, bis die Wohnungsbaugesellschaft der Stadt Frankfurt (ABG Frankfurt Holding) gemeinsam mit dem Kasseler Büro HHS Planer + Architekten AG und der Stuttgarter Ingenieurgesellschaft
Fotos: Constantin Meyer
EGS-plan aus dem schmalen Handtuch ein zukunftsweisendes Pilotprojekt mit der Forschungsinitiative ZukunftBAU entwickelte: Den Bau des ersten Plus-Energie-Mehrfamilienhauses in zentraler Innenstadtlage, das belegen soll, dass die
Forderungen der europäischen Gebäuderichtlinie für die Zeit
nach 2020 in der Praxis tatsächlich umsetzbar sind.
Kaltmiete enthält Heizkostenbudget
Die Miete für die insgesamt 74 Mietwohnungen – jeweils zwischen 60 und 120 m2 groß – enthält bereits ein auskömmliches Budget für Heizung, Warmwasser und Elektrizität, weil
das Aktiv-Stadthaus seinen minimierten Energiebedarf als
„Nur-Strom“-Gebäude auf regenerative Weise selbst erzeugt
und in der Jahresbilanz komplett abdeckt. Die kritische Größe bei dieser Kalkulation ist der Haushaltsstrom, weshalb jede Mietpartei beim Einzug einen Tablet-PC mit vorinstallierter App überreicht bekam, die den Bewohnern jederzeit einen
Überblick über ihren Energieverbrauch im Verhältnis zum Budget gibt. Die Mieter erhalten auf diesem Weg auch viele weitere Informationen über das Haus, wie zum Beispiel die Verfügbarkeit der Car-Sharing-Autos, die in der Garage im
BERATENDE INGENIEURE 1/2  2016
21
▼ Lageplan
Erdgeschoss geparkt sind. So wird über den spielerischen
Zugang die Identifikation mit dem Haus und nebenbei das
Bewusstsein für das Thema Energie und Wohnen gestärkt.
Abbildung: HHS
Energie aus PV-Modulen und Abwasserkanal
0
25
50
PROJEKTBETEILIGTE
Bauherr
ABG Frankfurt Holding
Architekt
HHS Planer + Architekten AG, Kassel
TGA
EGS-plan Ingenieurgesellschaft für Energie-, Gebäude- und
Solartechnik mbH, Stuttgart
Tragwerk
B+G Ingenieure Bollinger und Grohmann,
Frankfurt am Main (VBI)
Forschung
Technische Universität Darmstadt, FB Architektur,
Fachgebiet Entwerfen und Energieeffizientes Bauen,
Prof. Manfred Hegger, und
Steinbeis Transferzentrum Energie-, Gebäude- und
Solartechnik, Stuttgart
ENERGIEKENNWERTE NACH DIN 18599
Primärenergiebedarf Qp
Endenergiebedarf
Primärenergie-Überschuss
Endenergie-Überschuss
22
BERATENDE INGENIEURE 1/2  2016
9,3 kWh/(m2a)
3,9 kWh/(m2a)
+ 23 kWh/(m2a)
+ 7,0 kWh/(m2a)
Technisch basiert das Gebäudekonzept daher auf einer wirtschaftlichen Reduzierung des Energiebedarfs und der Bereitstellung von regenerativer
Energie aus lokal verfügbaren Quellen. Die
Voraussetzung hierfür sind eine sehr gut gedämmte und luftdicht ausgeführte Gebäudehülle sowie dezentrale mechanische
Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung in den einzelnen Wohnungen. Die
Heizwärme wird mittels einer elektrischen
Wärmepumpe mit 120 kW thermischer Leistung erzeugt. Als Wärmequelle dafür wird der
nahe gelegene Abwasserkanal genutzt. Die beiden darin abgelegten Module von jeweils 22 m Länge ermöglichen bei einer Abwassertemperatur von
12 °C immerhin rund 95 kW Leistung.
Den elektrischen Strom hingegen liefern PV-Module auf dem
Dach und an der Südfassade: Wegen der jahreszeitlich unvermeidbaren Verschattung durch die Nachbargebäude erbringen die 769 hocheffizienten Module mit einer nominalen
Leistung von rund 250 kWp auf dem 1.500 m2 großen, auskragenden Pultdach den Großteil des Solarertrags. Die 348
an der Südfassade installierten PV-Module decken mit ihren
120 kWp Leistung zwar nur etwa ein Fünftel des gesamten
Ertrags ab, das aber entscheidend ist, um das Plus in der Bilanz zu wahren.
Insgesamt liegt der jährliche Stromertrag aus den PV-Anlagen bei etwa 300.000 kW.
Anstatt die sommerlichen Überschüsse ins Netz einzuspeisen, wird der Strom aus eigener Produktion in einer Li-Fe-PoBatterie im Untergeschoss des Hauses gespeichert. Dieser
Puffer mit rund 250 kWh Kapazität reicht aus, um die Unterschiede von Angebot und Nachfrage an Elektrizität im Gebäude auszugleichen. Damit die Lastspitzen keine schwer zu
bezwingenden Gebirge werden, hat die AGB die Zwei- bis
Vier-Zimmer-Wohnungen mit besonders sparsamen Haushaltsgeräten ausgestattet. Zusätzliche Speicher finden sich
in der Garage in Form von E-Bikes und Elektroautos – zumindest sind die Stecker dafür vorhanden.
Sanft gefaltet und beidseitig belichtet
Zurück zur Gebäudeform: Diese reagiert durch ihre leichte
Faltung in den etwas über das Erdgeschoss kragenden sieben Wohngeschossen auf den schmalen Grundstückszuschnitt. Einerseits gliedern die sanften Schrägen die lange
Straßenfront, andererseits profitieren davon natürlich die
Grundrisse in der dreispännig angelegten Erschließung, die
durch die überwiegend beidseitige Belichtung nebst inklu-
Abbildung: HHS
GEBÄUDE-ENERGIEEFFIZIENZ
Grundriss Regelgeschoss, M 1:500
diertem Balkon sehr hell und komfortabel geschnitten sind.
Das Gebäude öffnet sich mit dem größeren Fensterflächenanteil von 62 % zur süd-südöstlich gelegenen Straßenseite, bei der gegenüber liegenden Nord-Nord-West-Fassade liegt dieser bei lediglich 38 %.
Massiv- und Leichtbauweise ergänzen sich
Massive Schotten aus Stahlbeton und Mauerwerk bilden in
Einklang mit den Stahlbetondecken das tragende Gerüst –
zwischen den massiven Gebäudetrennwänden bilden vorgefertigte Holztafelelemente die Fassade. Auch die Dachkonstruktion ist in Holzbauweise ausgeführt. Das erlaubte einen
äußerst gut gedämmten Wandaufbau im KfW-40 Standard
mit nur 47 cm schlanken Außenwänden an der mit Faserze-
mentplatten bekleideten Nordfassade und 55 cm Aufbau bei
der mit hinterlüfteten PV-Modulen versehenen Südfassade.
Aktiv statt Passiv
In ihrem Abschlussbericht zum Pilotprojekt Aktiv-Stadthaus
kommen die Verfasser zu dem Schluss, dass der Passivhausstandard für ein Plus-Energie-Haus nicht zwingend ist. Mit
18 kWh/(m2a) liegt der Energiekennwert für Heizwärme des
Frankfurter Projektes um 3 kWh/(m2a) knapp über den Anforderungen an den Passivhausstandard. Es liegt bilanziell betrachtet übers Jahr dennoch im Plus. Die Batteriespeicher erhöhen den Eigenverbrauch der selbst erzeugten elektrischen
Energie und reduzieren die Primärenergieverluste, die durch
das komplette Einspeisen ins Netz entstünden, deutlich.
▶ Gebäudeschnitt
Abbildung: Steinbeis
Transferzentrum
PV 250 kWp
Dach
PV 80 kWp
Fassade
Außenluft
Fortluft
Abluft
Dezentrale Lüftung
mit WRG
Zuluft
E-Mobil-Car Sharing
DC
EnergieManagement
Batterie 250 kWh Wärmepumpe 120 kWth
AC
Netz
AC
BERATENDE INGENIEURE 1/2  2016
23
GEBÄUDE-ENERGIEEFFIZIENZ
GESAMT-ENDENERGIEBILANZ (MIT NUTZERSTROM)
STANDORT FRANKFURT AM MAIN
35
6,1
0,9
28,0
20
14,7
15
1,5
10
3,2
5,4
5
3,8
0
Bedarf
PV-Ertrag
Q Heizung
Q Hilfsgeräte
Q PV-Dach
Q Warmwasser
Q Allgemeinstrom
Q PV-Fassade
Q Nutzerstrom
Q Mobilität
Abbildung: Steinbeis Transferzentrum
25
Endenergiebilanz
Flächenbezogene Endenergie [kWh/(m 2 *a)]
30
▲ Südfassade
Zwar unterscheiden sich die gut gedämmte Bauweise und
die TGA kaum von anderen Konzepten, jedoch mitten in der
Stadt für 6.644 m2 Wohnfläche eine regenerative energetische
Selbstversorgung umzusetzen, ist bemerkenswert. Zu diesem Schluss kam auch der Eurosolar e. V., der das AktivStadthaus Ende November 2015 neben weiteren elf Preisträgern aus sieben Ländern mit dem Europäischen Solarpreis
2015 auszeichnete.
Autor:
Klaus Siegele,
Dipl.-Ing. (FH) Architekt,
Fachjournalist, Karlsruhe
24
BERATENDE INGENIEURE 1/2  2016
Abbildung: HHS
Dieser Beitrag über das Aktiv-Stadthaus in Frankfurt basiert auf
einem Artikel in Ausgabe der 7-8/2015 der Fachzeitschrift Gebäude-Energieberater (GEB). Der thematische Schwerpunkt dieses Heftes beschäftigte sich mit verschiedenen Gebäudekonzepten, darunter auch der Aktivplus-Standard. Interessierte können
zwei Ausgaben der Fachzeitschrift kostenlos testen und erhalten
dabei vollen Zugriff auf das Online-Archiv mit allen erschienen
Ausgaben. Mehr dazu unter www.geb-info.de/abo.
▼ Wohnungsgrundrisse
Abbildung: HHS
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GEBÄUDE-ENERGIEEFFIZIENZ
Generalsanierung Wohnhochhaus in Pforzheim
Deutschlands nachhaltigstes Gebäude
VON EVA MITTNER
In Pforzheim bekam ein achtstöckiges Wohnhochhaus aus dem Baujahr 1970 im Zuge einer
umfassenden Sanierung nicht nur ein neues Erscheinungsbild, sondern wurde zu einem
hochgradig energieeffizienten Gebäude. Nach mehreren Architekturpreisen wurde das
Projekt Ende November von der DGNB zum nachhaltigsten Gebäude Deutschlands gekürt.
▶ Nullenergiehaus in Pforzheim
Altes Gebäude mit ortshistorischer Bedeutung
Das Wohnhochhaus befand sich zum Projektstart 2011 noch
im baulichen Urzustand von 1970 und hatte eine Runderneuerung dringend nötig. Das Mauerwerk zu dünn und durchlässig, die Fenster nicht mehr dicht, die Räume sanierungsbedürftig und die Bäder mehr als in die Jahre gekommen. So
vergeudeten die Bewohner eine Menge Energie. Hohe Betriebskosten standen zu Buche. Im April 2010 beschlossen
die Verantwortlichen den Ausstieg aus der Energiepreisspirale und entschieden sich für die ambitionierte Generalsanierung.
Die Sanierungsmaßnahmen verwandelten das Wohngebäude mit heute 18 Wohneinheiten in ein Effizienzhaus Plus nach
neusten Standards und verschafften der Pforzheimer Innenstadt ein nunmehr modernes Wohnhaus an markanter Stelle. Geplant wurde die innovative Sanierung vom Büro Freivogel-Architekten aus Ludwigsburg, die zusammen mit einem
engagierten Team von Fachplanern die anvisierten Ziele vorbildlich umsetzten.
Die Bausubstanz selbst erwies sich als solide und erhaltenswert und punktete vor allem mit der zentralen Lage in einer
wichtigen städtebaulichen Position des Pforzheimer Stadtgefüges. Mit einer spannungsarmen Lochfassade und kleinen vorgelagerten Balkonen entsprach die Architektur dem
Zeitgeist der 1970er Jahre als die Deutsche Bahn das Wohnhaus an der Güterstraße bauen ließ. 2009 erwarb die Wohnungsbaugesellschaft Pforzheimer Bau & Grund GmbH das
Gebäude und plante dessen Sanierung.
Die beauftragten Planer befassten sich zunächst mit einer detaillierten Bestandsaufnahme. Die umfassende Analyse ergab, dass die bestehenden Grundrisse der Wohnungen mit
rund 90 m2 durchaus zu den heute gängigen Anforderungen
passten. „Insgesamt machte das Gebäude aber keinen guten Eindruck“, berichtet Jochen Freivogel, der das Projekt leitete. „Die Fassaden waren schlecht gedämmt und ver-
26
BERATENDE INGENIEURE 1/2  2016
mit Dach-Windkraftanlage
Foto: Dietmar Strauss
schmutzt, die Fenster undicht und die Jalousien größtenteils
defekt.“ Die Wohnungen wurden zudem über elektrische
Nachtspeicheröfen beheizt und die Warmwasserversorgung
erfolgte dezentral über Boiler in den Wohnungen. Das sorgte für überaus hohe Betriebskosten. Die Balkone erwiesen
sich wie bei vielen älteren Gebäuden als zu klein und wenig
zeitgemäß.
Die Pforzheimer Bau und Grund GmbH wünschte sich im Zuge der Umbauten eine wesentliche Verbesserung dieser Situation und auch zusätzlichen neuen Wohnraum im Bestandsgebäude. Die Generalsanierung umfasste im Wesentlichen
folgende Aufgaben:
- Aufstockung mit einem Penthouse-Loft-Geschoss in Stahlbeton-Ortbeton-Bauweise
- Modernisierung der gesamten Außenfassaden mit einer gestapelten BFT-Fassade
- Dämmung und Isolierung von Dach und Wänden
- Komplette Erneuerung der Haustechnik
- Einbau eines neuen Lifts bis in die aufgestockte Etage
- Anpassungen an aktuelle Brandschutz-Anforderungen Einhaltung der MHHR
- Energetische Optimierung mit dem Ziel „Passivhausstandard“
BERATENDE INGENIEURE 1/2  2016
27
GEBÄUDE-ENERGIEEFFIZIENZ
▲ Blick vom neuen Penthouse aus über Pforzheim
Foto: Dietmar Strauss
Zusätzliche Wohnfläche eingeplant
Eine erste Sanierungskonzeption mit bis zu drei neuen Geschossen bekamen die Planer nicht genehmigt. Das Gebäude
wäre der Verwaltung insgesamt zu hoch geworden. Nun setzten die Architekten alles daran, eine Alternative zu dieser ersten Planung zu präsentieren. „Wir hatten schließlich die Idee,
das Hochhaus um ein einziges überhöhtes Penthouse-Geschoss aufzustocken und somit um zwei große Wohneinheiten zu erweitern.“, sagt Freivogel. Diese Planung wurde schließlich genehmigt und ab November 2013 umgesetzt.
Den oberen Gebäudeabschluss bilden jetzt zwei neue Dachgeschoss-Wohnungen mit faszinierender Aussicht über die Stadt.
Durch diese baukörperliche Erweiterung wurde das Gebäude
in seinen Proportionen optisch positiv korrigiert. Helle Zimmer
mit raumhohen Fenstern und großen Dachterrassen bilden nun
die zwei Lofts der obersten Etage. Dieses neue Geschoss ist
deutlich höher als die bestehenden Etagen gebaut, das Gebäude wirkt jetzt in neuen Proportionen nach oben eher verjüngt.
▼ Energieschema: Abbildung: Transsolar
Photovoltaik-Module
Stromerzeugung
Lokale regenerative
Energiesysteme
zur Eigenstromnutzung
Vertikale
Kleinwindkraftanlagen
Schallentkoppelt
Solar-Luftwasserkollektor
integriert in Südfassade
Lüftung
Dezentrale Lüftungsanlage
mit WRG in Abstellraum
Kanalführung unter
abgehängter Decke
Heizung
Deckenstrahlheizung
mit komfortabler
Strahlungswärme
Warmwasser
Frischwasserstation
mit zusätzlichem elektr.
Durchlauferhitzer
Warmwasser
Frischwasser
Gebäudehülle
Hochwärmegedämmte
Fassade im
Passivhausstandard
Luftdicht mit 3-fach
verglasten Fenstern
Wärmepumpe
~ 24 kW Wärme
Niedertemperaturspeicher „Heizung“
direkte Abwärmeeinkopplung
T
T
T
T
Solareisspeicher
als Langzeit Puffer
ca. 58 m³
Wärme VL
Wärme RL
Elektrizität
GEBÄUDE-ENERGIEEFFIZIENZ
Die bestehenden Balkone wurden abgebrochen und durch
vorgestellte, große Loggien vor der Südfassade ersetzt. Die
Gewerbeeinheit im Erdgeschoss erhielt eine neue Aufteilung
und dient heute als Geschäftsstelle der Kfz-Zulassungsstelle des Landratsamts Enzkreis.
Bauaufgabe mit Herausforderungen
Das Herzstück des Konzeptes ist die neue hochwärmegedämmte, hinterlüftete Gebäudehülle.
Die neuen, großzügig überdachten Loggias wurden als Betonfertigteilkonstruktion ausgeführt und bieten jetzt mehr
Wohn- und Freiraum für die Bewohner. Bis das möglich war,
mussten einige Rückbauten vorgenommen werden: Rückbau
der Asbestzementtafeln der Fassade und der alten Wärmedämmung sowie Rückbau des alten Flachdachaufbaus mit
Aufzug und Dachausgang für die Aufstockung. Bei den Rückbauarbeiten traten weder feuchte Mauerwerksstellen noch
Schimmel zutage, die Bausubstanz erwies sich wie in der Be-
standsaufnahme ermittelt als solide und erhaltenswert.
Hinsichtlich der Statik waren zwar während des Bauvorhabens keine stützenden Maßnahmen nötig, für das sanierte
Gebäude wurden jedoch neue tragende Elemente eingefügt:
die stützenden Konsolen im ersten Untergeschoss zur Aufnahme der neuen BFT-Fassade und der Einsatz von MicroBohrpfählen zur Aufnahme der neuen Loggiazone.
Komplette Vorfertigung Fassade und Loggiazone
Zur Bauzeit- und Kostenreduzierung sowie zur Qualitätssicherung wurden die neuen Fassaden und Loggien aus vorgefertigten Betonwerksteinelementen gebaut. Dafür wurden
möglichst große, jedoch ohne Sondergenehmigung transportierbare Elemente projektiert, die eine kurze Montagedauer
und möglichst wenige Gewerke-Schnittstellen vor Ort erzeugen. Durch den hohen Grad der Vorfertigung kann man Bauvorhaben dieser Größenordnung sehr effektiv und mit einem
raschen und präzisen Baufortschritt realisieren.
(Stand Fertigstellung)
Zuluft Verteilung über
abgehängte Decke
in Flurzone
Deckenstrahlheizung
miminiert Eingriff in Bausubstanz
Aussenliegender
Sonnenschutz
horizontale Lamellen
O/S/W-Fassade
Zuluft Weitwurfdüse
Überströmöffnungen
in Türe
Flur als Überströmzone
Passivhaus
Fassade
U = 0,099 W/m²K
3-Fach
Verglasung
Ug = 0,6 W/m²K
Eingriff in bestehende
Wohnräume minimiert
Rahmen
Uf = 1,1 W/m²K
Rückbau
Nachtspeicherheizung
▲ Raumkonditionierung
Abbildung: Transsolar
BERATENDE INGENIEURE 1/2  2016
29
GEBÄUDE-ENERGIEEFFIZIENZ
Umsetzung im bewohnten Zustand
Den neuen Eigentümern war es wichtig, dass die zum Teil bereits über 40 Jahre im Bestandsgebäude wohnenden und sozial entsprechend verankerten Mieter in ihren Wohnungen
bleiben konnten. Daher fanden die gesamten Baumaßnahme
im bewohnten Zustand statt. Dazu waren besondere Schutzund Sicherungsmaßnahmen erforderlich: Zum einen wurden
die Eingriffe in den Wohnungen wohnungsweise von oben
nach unten ausgeführt. In den Wohnungen selbst planten Architekten und Ingenieure die Arbeiten zimmerweise durch.
Insgesamt dauerte die Installation der neuen Haustechnik mit
neu eingebauten Heizdecken und der modernen Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung inklusive der abschließenden Malerarbeiten rund vier Wochen.
▲Eisspeicher unter den angrenzenden Parkflächen
Abbildung: Viessmann
DATEN ZUM PROJEKT
Bauherr:
Pforzheimer Bau & Grund GmbH
Architekt/Planung
Freivogel-Architekten, Ludwigsburg/Pforzheim
Tragwerksplanung
Joachim Sommer Ingenieurbüro für Tragwerksplanung
Gebäudetechnik
IGP Ingenieurgesellschaft für technische Ausrüstung mbH,
Pforzheim
Energietechnik
Transsolar Energietechnik GmbH Stuttgart/München/New
York/ Paris
Baujahr
1970– 1972
Sanierung
2013–2014
Bestand vor der Sanierung
BGF:
BRI:
Nutzfläche:
Geschosse:
Wohneinheiten:
Gewerbe:
Jahresheizwärmebedarf:
2.669 m2
7.236 m3
1.626 m2
9
16
1
195,7 kWh/m2a
Nach der Sanierung
BGF:
BRI:
Nutzfläche:
Geschosse:
Wohneinheiten:
Gewerbe:
Jahresheizwärmebedarf:
3.432 m2
9.616 m3
1.908 m2
10
18
1
12 kWh/m2a
Energiestandard
Investitionsvolumen
30
Nullenergiehaus
2,4 Mio. Euro
BERATENDE INGENIEURE 1/2  2016
Erfolgreich im Team
Die Architekten und Ingenieure erreichten gemeinsam diesen
Erfolg in einer Bauzeit von 15 Monaten. Die Aufgaben der Tragwerksplanung übernahmen die Ingenieure des Ingenieurbüros Joachim Sommer, die alle erforderlichen statischen Berechnungen und Nachweise für das Bauvorhaben erbrachten.
Die technische Lösungen für die Gebäudetechnik kamen von
der IGP Ingenieurgesellschaft für technische Gebäudeausrüstung aus Pforzheim.
Das Energiekonzept hat Lothar Hein von der Pforzheim Bau
und Grund GmbH entwickelt und gemeinsam mit Christian
Matt und Matthias Ramming von Transsolar sowie Ingenieuren von IGP und Viessmann ausgearbeitet und optimiert.
„In den letzten Jahren wurden die Planungswerkzeuge nahezu komplett digitalisiert“, berichtet Michael Storz von der IGP.
„Dies hat Auswirkungen auf den Planungsprozess und die Planungsschritte. Mit den CAD-Programmen können wir intelligente 3D-Berechnungen und Zeichnungen erarbeiten – das
war bei diesem Bauvorhaben gerade bei der Planung der Lüftungsanlage für die Zulassungsstelle ein großer Vorteil und
bietet generell größere Planungssicherheit.“
Eisspeicher für Wärme und Kälte
Die alten Elektronachtspeicherheizungen und Warmwasserboiler in den Wohnungen wurden durch komplett neue haustechnische Anlagen ersetzt. Inzwischen erfolgt die Erzeugung
der Heizwärme und der Brauchwassererwärmung über einen
nicht sichtbaren, in die Betonfertigteilfassade integrierten Fassaden-Absorber. Dieser entzieht der Umwelt durch seine große Fläche Wärmeenergie, auch wenn keine solare Einstrahlung vorliegt. Der Kollektor versorgt die Wärmepumpe direkt
mit Umweltenergie, der Strom für den Betrieb der Wärmepumpe wird auf dem Dach selbst erzeugt. Die hauseigene
Windkraftanlage und die Photovoltaikanlage machen das
Wohnhochhaus jetzt nahezu energieautark.
Ein weiterer wichtiger Baustein des Energiekonzeptes ist ein
Eisspeicher-System von Viessmann, das über den mit Flüssigkeit durchströmten Kapillarrohr-Absorber mit Wärmeener-
GEBÄUDE-ENERGIEEFFIZIENZ
TECHNISCHE AUSSTATTUNG
Heizung: Wohnräume mit Deckenheiz-/kühlplatten, Penthäuser mit Fußbodenheizung
Passive Kühlung: Deckenheiz-/kühlplatten und Fußbodenheizung über Eisspeicher
Warmwasserbereitung: Hybridwohnungskombistationen mit
nachgeschaltetem Elektrodurchlauferhitzer
2 Wärmepumpen mit je 12,6 kW
4 Heizwasser-Pufferspeicher mit je 1.000 l
1 Kühlwasser-Pufferspeicher mit 1.000 l
Eisspeicher: 81 m3
Wohnraumlüftungsgeräte mit WRG (maximal 170 m3/h)
Erdgeschoss (Zulassungsstelle) mit Zentrallüftungsgerät 2.400 m3/h mit adiabater Kühlung
Photovoltaikanlage und Windradanlage auf dem Dach
gie gespeist wird. Wenn das Gebäude keine Wärme benötigt,
regeneriert der Fassadenkollektor den Eisspeicher – das Eis
wird geschmolzen. Erst wenn die Außenbedingungen nicht
genügend Wärme über den Fassadenkollektor zur Verfügung
stellen, wird die benötigte Wärme aus dem Eisspeicher bezogen, erklären die Fachplaner von Transsolar das Zusammenspiel Absorber/Kollektor und Eisspeicher.
▼ Heiz- und Brauchwassererwärmung
Abbildung: Transsolar
Ausgezeichnetes Ergebnis
Der Komfort für die Bewohner ist erheblich gestiegen, sie freuen sich über großzügige überdachte Loggien und können
durch den verbesserten Schall-, Sonnen- und Wärmeschutz
auch langfristig mit mehr Wohnwert rechnen. Ein weiterer Vorteil für die Mieter: Die niedrigen Mieten wurden nur moderat
angepasst. Dem gegenüber stehen nun nur noch etwa 10 %
der ursprünglichen Energiekosten – ein Plus für alle Beteiligten.
Die Generalsanierung und das neue Energiekonzept wurden
als Leuchtturmprojekt für das Förderprogramm „zukunft haus“
von der Deutschen Energie-Agentur GmbH (dena) ausgewählt.
Dieses Modellvorhaben fördert unter dem Motto „Auf dem
Weg zum EffizienzhausPlus – klimaneutrales Bauen und Sanieren“ innovative Bauprojekte, die zukunftsorientiert die üblichen Standards übertreffen.
Die innovativen Konzepte der beteiligten Experten haben den
Altbestand energetisch und ästhetisch sehr aufgewertet.
Deutschlands nachhaltigstes Gebäude in der Pforzheimer
Güterstraße 30 dient nun als Modellprojekt und Beispiel für
die zahlreichen nötigen Sanierungen von Nachkriegsbauten
in Deutschland.
Autorin:
Eva Mittner,
Freie Journalistin,
Isen im Landkreis Erding
(Solar-Luftwasserkollektor
in der Südfassade)
34 m²
Heizung
Brauchwasser
T
Brauchwasser
55°C
Durchlauferhitzer
T
T
T
(direkte Abwärmeeinkopplung)
T
Wärmepumpe
24[kW]
Wärme
Elektrischer Strom
Wärme VL
Wärme RL
Elektrizität
(Niedertemperaturspeicher „Heizung“)
~1 m³
Elektrischer
Strom
Heizung
45°C
Frischwasser
TRANSSOLAR
Energietechnik GmbH
C
BERATENDE INGENIEURE 1/2  2016
31
GEBÄUDE-ENERGIEEFFIZIENZ
Mehrfamilienhaus Vögelebichl, Innsbruck
Passivhaus-Plus-Premiere im
Geschosswohnungsbau
VON LASZLO LEPP
Das weltweit erste Passivhaus Plus im Geschosswohnungsbau steht in Innsbruck und verbindet die Vorteile von Effizienz und Erneuerbaren. Die Energieversorgung erfolgt ausschließlich aus erneuerbaren Quellen. Durch die hohe Effizienz erfüllt das Gebäude jetzt
schon die Anforderungen an ein „Nearly Zero-Energy Building“.
Wir befinden uns mitten in der Energiewende. Seit erneuerbare Energiequellen wie Photovoltaik-Anlagen sowie Wind- und
Wasserkraftwerke vermehrt zur Stromproduktion beitragen
und immer mehr Gebäude ohne fossilen Brennstoff beheizt
werden, stellt sich die berechtigte Frage, wo die Grenzen des
bisherigen Bewertungssystems der Nachhaltigkeit mittels klassischem Primärenergiebedarf sind. Sinkende Primärenergiefaktoren, die mittlerweile gegen Null tendieren, entsprechen
in keinster Weise der Realität. Auch die Anreize für eine erhöhte Gebäudeeffizienz bleiben dabei auf der Strecke.
Das Passivhaus Institut hat daher ein neues Bewertungssystem erarbeitet, um die energetische Nachhaltigkeit eines Gebäudes mittels erneuerbarem Energiebedarf verlässlich bewerten zu können. Auf der Internationalen Passivhaustagung
2014 wurden die sogenannten PER-Faktoren [1] vorgestellt
(Primärenergie Erneuerbar/Primary Energy Renewable) [2] und
mit der Version 9 des Planungstools PHPP weltweit als Zertifizierungsgrundlage für Passivhäuser eingeführt.
Für den PER-Faktor ist die Gleichzeitigkeit der verfügbaren
Energieressourcen und des Energieverbrauchs ausschlaggebend, denn daraus bestimmt sich, wie viel Energie (kurzzeitig oder langfristig) zwischengespeichert werden muss. Kurzzeitige Speicherung ist mit relativ geringen Verlusten
verbunden, während die saisonale Speicherung mit höheren
Verlusten einhergeht. Je nach Verbrauchsprofil ergibt sich eine spezifische Mischung aus Direktverbrauch, Verbrauch aus
dem Kurzzeitspeicher und Verbrauch aus dem saisonalen
Speicher.
Die neuen Passivhaus-Klassen
Basierend auf der oben beschriebenen neuen Nachhaltigkeitsbewertung wurden 2014 auch die neuen PassivhausKlassen [3] eingeführt. Diese berücksichtigen nicht nur den
Energiebedarf des Gebäudes, sie bewerten auch die individuelle Erzeugung erneuerbarer Energie aus der Region, bezogen auf die überbaute Fläche des jeweiligen Gebäudes.
Das ist die Fläche einer orthogonalen Projektion der klimatisierten Gebäudehülle auf eine horizontale Ebene [4].
Flussschema der
Energieströme von der
Erzeugung erneuerbarer
Energie bis zur Versorgung
am Gebäude, inklusive
Verlusten für Kurzzeit- und
Saisonal-Speicherung
Abbildung: Passivhaus
Institut
32
BERATENDE INGENIEURE 1/2  2016
◀ Die neuen Passivhaus-Klassen
Abbildung: Passivhaus Institut
Passivhaus Classic: entspricht in etwa dem früheren Passivhaus. Das Erreichen dieser Kategorie ist ohne Erzeugung
erneuerbarer Energie möglich.
Passivhaus Plus: erzeugt zusätzlich Energie (z. B. Photovoltaikstrom), hat bezogen auf ein Einfamilienhaus eine (freilich
irreführende) „ausgeglichene“ Jahresenergiebilanz.
Passivhaus Premium: darin wird deutlich mehr Energie erzeugt als benötigt wird – für Bauherren und Planer, die mehr
tun möchten, als das, was ökonomische und ökologische Erwägungen ohnehin nahelegen.
Das Passivhaus-Institut setzt darauf, die Attraktivität des Passivhaus-Standards für diese Avantgarde weiter zu steigern.
wohnungen – beide Gebäude sind durch eine unterirdische
Tiefgarage verbunden. Im Untergeschoss befinden sich außerdem noch die Kellerabteile aller Wohnungen, aber auch
der gemeinsame Technikraum für Heizung und Warmwasser.
Aufgrund der Nähe zum Stadtflughafen (knapp 200 m Entfernung zur Landebahn) gab es am Grundstück Beschränkungen hinsichtlich der Bauhöhe. So konnte der südlich gelegene, kleinere Baukörper nur abgetreppt ausgeführt werden.
Die dadurch entstandene geringere Kompaktheit verschlechtert die Energiebilanz etwas. Zudem erschwerten die erhöhten Anforderungen an den Fenster-Schallschutz den wärmebrückenfreien Einbau und auch die notwendige Fläche für die
Projekt Vögelebichl in Innsbruck
Die Neue Heimat Tirol (NHT), eine gemeinnützige Bauträgergesellschaft, hat auf dem Baurechtsgelände der Innsbrucker
Kommunalbetriebe (IKB) ein zukunftsweisendes Pilotprojekt
mit zwei Gebäuden errichtet. Im nördlichen Baukörper befinden sich 16 Mietwohnungen, im südlichen Baukörper 10 Miet-
Die beiden Baukörper des Projekts
▲ Innenansicht
Fotos: Neue Heimat Tirol
BERATENDE INGENIEURE 1/2  2016
33
GEBÄUDE-ENERGIEEFFIZIENZ
Die Lüftungsgeräte wurden
direkt über dem
Versorgungsschacht auf den
gedämmten Sockel montiert.
Foto: Pavel Sevela, Universität
Innsbruck
DATEN ZUM PROJEKT
Bruttogeschossfläche, inkl. Tiefgarage
4.463 m2
Umbautes Bruttovolumen, inkl. Tiefgarage
14.340 m3
Gesamtbaukosten (ohne USt.)
€ 4.700.000
(inkl. Tiefgarage, Außenanlagen, Honorare,
Erschließungskosten und Finanzierungskosten)
BK Nord:
16 Wohnungen
Kennwerte nach PHPP:
Energiebezugsfläche
1.296 m2
Überbaute Fläche
449 m2
Heizwärmebedarf
11 kWh/(m2 EBF a)
Luftdichtheit n50
0,26 h-1
PER-Bedarf
48 kWh/(m2 EBF a)
Erzeugung erneuerbarer Energie
69 kWh/
(m2überbaute Fläche a)
BK Süd:
10 Wohnungen
Kennwerte nach PHPP:
Energiebezugsfläche (EBF)
853 m2
Überbaute Fläche
449 m2
Heizwärmebedarf
14 kWh/(m2 EBF a)
Luftdichtheit n50
0,28 h-1
PER-Bedarf
52 kWh/(m2 EBF a)
Erzeugung erneuerbarer Energie
26 kWh/
(m2 überbaute Fläche a)
34
BERATENDE INGENIEURE 1/2  2016
Erzeugung erneuerbarer Energien steht zugunsten von Dachterrassen nur eingeschränkt zur Verfügung.
Trotz dieser Erschwernisse konnte beim Südbaukörper mit
zweieinhalb Geschossen ein Passivhaus-Classic erreicht werden. Der etwas größere Baukörper auf dem nördlichen Teil
des Bauplatzes war von den Höhenbeschränkungen nicht
betroffen, hier wurden vier Vollgeschosse errichtet.
Beide Neubauten sind betreffend der Bauteilqualitäten
gleich ausgeführt. Die tragende Konstruktion entstand in Massivbauweise, die Außenwände mit einem U-Wert von
0,11 W/(m2K) bestehen aus 18 cm Stahlbeton und einem Wärmedämmverbundsystem aus 28 cm EPS Plus (WLG 031,
1-lagig). Die Kunststofffenster mit 3-fach Wärme- und Schallschutzverglasung mussten aufgrund der erhöhten Schallschutzanforderungen in der Wandebene (mit 2 cm Überstand)
befestigt werden. Die Flachdachkonstruktion mit einem UWert von 0,09 W/(m2K) wurde als Duo-Dach ausgeführt, die
wasserabführende Abdichtung ist zwischen der unteren EPSPlus-Gefälledämmung und der oberen XPS-Dämmschicht
angebracht. Die Decke über dem kalten Untergeschoss wurde mit 28 cm Mineralwolle-Lamellenplatten gedämmt und hat
einen U-Wert von 0,11 W/(m2K).
Bei der Komfortlüftungsanlage wurde speziell für dieses Projekt von der Firma Pichler aus Klagenfurt/Österreich ein neues Lüftungsgerät entwickelt. Die auf dem Flachdach frei aufgestellten wetterfesten Geräte wurden exakt über dem
vertikalen Versorgungsschacht angeordnet und auf einem
vorgefertigten gedämmten Sockel montiert – die Geräte sind
sozusagen dachintegriert. Dazu mussten Zu- und Abluftanschlüsse auf der Unterseite des Gerätes angeordnet werden.
Dadurch verkürzt sich nicht nur die Montagezeit (das Gerät
wird mit einem Kran auf den Sockel gehoben und ist ange-
GEBÄUDE-ENERGIEEFFIZIENZ
▲Dachlandschaft mit Solarthermie, Photovoltaik und dachintegrierten
Lüftungsgeräten.
Foto: Pavel Sevela, Universität Innsbruck
schlossen), sondern es werden vor allem die Verteilverluste
zwischen Gerät und Gebäudehülle verhindert. Der Wärmebereitstellungsgrad wird somit nicht durch Kanalverluste vermindert. Das Gerät ist bereits vom Passivhaus-Institut zertifiziert und alle anderen wetterfesten Lüftungsgeräte der Fa.
Pichler sind inzwischen auch als dachintegrierte Ausführung
erhältlich.
Der Energiebedarf für Heizung und Warmwasser wird von einer Grundwasser-Wärmepumpe gedeckt, unterstützt von einer thermischen Solaranlage. Den Strom für den Wärmepumpenbetrieb und alle anderen Hilfsströme liefert eine
Photovoltaik-Anlage am Dach. Die Wärme wird über ein sogenanntes 4-Leiter-System verteilt. Das Warmwasser wird
ganzjährig über ein Hochtemperaturnetz (55 °C) eingespeist
und gelangt über Frischwassermodule in den Wohnungsstationen legionellenfrei in die Wohnungen. Die Raumwärme im
Winter wird über ein Niedertemperaturnetz verteilt und über
Fußbodenheizung an die Räume abgegeben; unterstützt wird
die Heizung von der Lüftungsanlage durch Konditionierung
der Zuluft. Im Sommer kann dieses System im umgekehrten
Betrieb auch zur Kühlung dienen.
Fazit und Ausblick
Das Passivhaus erfüllt bereits seit 25 Jahren die ab 2020 gültigen Anforderungen der EU an ein „Nearly Zero-Energy Building“ (NZEB). Die bewährten Grundprinzipien des Passivhaus-Standards (sehr gute Wärmedämmung, PassivhausFenster, luftdichte Gebäudehülle, wärmebrückenfreie Konstruktion und Komfortlüftung mit Wärmerückgewinnung) bilden die Basis für die Effizienz (Passivhaus Classic). Kombiniert mit der Erzeugung erneuerbarer Energien sind solche
Gebäude (Passivhaus Plus/Premium) bereits heute fit für die
Zukunft nach der Energiewende und nachhaltig nutzbar von
kommenden Generationen. Gerade im Geschosswohnungsbau ist dieses Baukonzept konkurrenzlos hinsichtlich Effizienz, Komfort, Nachhaltigkeit und vor allem auch Wirtschaftlichkeit.
autor:
Dipl.-Ing. Laszlo Lepp,
wissenschaftlicher Mitarbeiter
Passivhaus Institut, Standort Innsbruck
Literatur/Quellen
▲ Technikraum mit Wärmepumpe während des Baus – Rohrleitungen sind
noch nicht gedämmt.
Foto: Neue Heimat Tirol
[1] www.passipedia.de/zertifizierung/passivhaus-klassen/per,
Stand 11/2015.
[2] Feist, W.: Passivhaus – das nächste Jahrzehnt. In: Tagungsband zur 18. Internationalen Passivhaustagung, Aachen,
April 2014.
[3] www.passipedia.de/zertifizierung/passivhaus-klassen/classic-plus-premium, Stand 11/2015.
[4] Feist, W. et al: Passivhaus-Projektierungspaket (PHPP)
Version 9, Darmstadt, April 2015.
BERATENDE INGENIEURE 1/2  2016
35
Neubau für die Handwerkskammer Köln
Technologiezentrum für Energieeffizienz
und Barrierefreiheit
VON THOMAS SCHMIDT
TBZ-Neubau in Köln
Foto: Jörg Hempel
Das Handwerk steht in der deutschen Gesellschaft für höchste Präzision und Qualität.
Damit dafür auch in Zukunft genügend Nachwuchs gewonnen werden kann, das Handwerk
weiterhin Wirtschaftsmacht bleibt, hat die Handwerkskammer zu Köln kräftig in ihr neues
Technologie- und Bildungszentrum für Energieeffizienz und Barrierefreiheit (TBZ) investiert.
Städtebau
Der hoch technisierte Neubau bildet einen neuen, selbstbewussten städtebaulichen Auftakt für das Bildungszentrum der
Handwerkskammer zu Köln. Durch die Position des Neubaus
wird die Haupterschließung des Geländes aufgewertet und
vor der Mensa ein schallgeschützter Außenbereich als introvertierter Übungsplatz neu geschaffen. Leitgedanke des Gebäudeentwurfs war es, die Kommunikation innerhalb des Gebäudes und auch zwischen Gebäude und Außenraum zu
fördern. Dies gelingt zum einen durch die Anordnung eines
kommunikativen Forums, als räumlich verbindendes Element
zwischen Erdgeschoss und Obergeschoss, und zum anderen
durch die hoch transparente Fassade.
Architektur
Die Fassade des TBZ verbindet den Anspruch des kommunikativen Forums mit dem hohen technischen Standard des
Neubaus auf innovative Art und Weise. Raumhohe Glasflä-
36
BERATENDE INGENIEURE 1/2  2016
chen im Überformat schaffen eine maximale Transparenz und
fördern so die visuelle Kommunikation zwischen innen und
außen, den interdisziplinären Wissensaustausch. Lichtlenkende Köster Retrolux-Lamellen im Scheibenzwischenraum
(3-Fach Verglasung) stellen gleichzeitig den sommerlichen
Sonnen- und Blendschutz sicher, ohne dabei die Durchsicht
(innen/außen) zu beeinträchtigen. Den geforderten Wärmedämmstandard der EnEV 2009 unterbietet das Gebäude dank
Vakuumdämmung (u. a.) mühelos um bis zu 55 %. Ein intelligenter horizontaler Dachausstieg, ähnlich einem PanoramaDach im PKW, ermöglicht einen ungewohnt qualitätsvollen Zutritt auf das Gebäudedach. Hier werden in Zukunft die Schüler
der Handwerkskammer den Umgang mit innovativen solartechnischen Anlagen am gebauten Beispiel erlernen.
Energiekonzept
Das innovative Energiekonzept für das TBZ wurde durch das
integrale Planungsteam von VBI-Mitglied SSP entwickelt. Es
GEBÄUDE-ENERGIEEFFIZIENZ
kombiniert den Einsatz regenerativer und innovativer Energiesysteme. Kernbestandteil ist die Lüftungsanlage mit Erdkanal
und Verdunstungskühlung, dazu kommen die Nutzung konstruktiv bedingter Speichermasse sowie die PV-Module und
die solarthermische Anlage.
ln einem hoch wärmegedämmten und luftdichten Gebäude
liegt der Wärmeverlust durch Lüften bei ca. 50 bis 55 %, daher ist für die gesamte Nutzfläche eine kontrollierte Be- und
Entlüftung mit Wärmerückgewinnung vorgesehen. Die Lüftungsanlage unterstützt die Beheizung und die Kühlung des
Gebäudes. Um Investitions- und Energiekosten zu sparen,
PROJEKTBETEILIGTE
Bauherr/Nutzer
Handwerkskammer zu Köln
Architektur, Gebäudetechnik, Brand- und Schallschutz
SSP SchürmannSpannel AG
Tragwerksplanung
Werner Sobek GmbH
◀ Lageplan
◀ Gebäudekonzept
Funktionsräume
+
=
Regenerative Energien
Ty
Typ
T
yp
p1
Ty
Typ
T
yp 2
Ty
Typ
T
yp
p3
Typ
Ty
T
yp
p4
=
Offenheit
Die Klammer als verbindendes Element.
Forum
Die modulare Gebäudehülle als Versuchsobjekt.
DGNB
Das Schulungsgebäude
u
als Kommunikationsplattform.
BERATENDE INGENIEURE 1/2  2016
37
GEBÄUDE-ENERGIEEFFIZIENZ
W
N
Nachverdichtung
Nach
verdichtung
Optim.
Optim. A/V
A/V-Verhältnis
-Verhältnis
Flächenoptimierung/
Flächenoptimierung/
W
Wandelbarkeit
andelbarkeit
Positive
Ökobilanz/
P
ositiv
iti e Ök
obil
billanz/
l
/
Zertifizierte
Baustoffe
Z
ertifizierte B
austoffe
Wärmerückgewinnung
W
ärmerrück
w
g
Wgewinnung
Wirkungsg
Wirkungsgrad >85 %
Wirkungsgrad
Photovoltaik
Photovoltaik
wurde die Anlage auf die personenbezogene Mindestaußenluftrate nach Norm ausgelegt. Dadurch ist die Kühlleistung geringer als die Gebäudekühllast. Die Seminar- und Besprechungsräume sowie die Multifunktionsfläche können zusätzlich
über Kühlsegel gekühlt werden. Die Kühlung des Atriums erfolgt über natürliche Belüftung: Dazu strömt kühle Luft im Erdgeschoss über Lüftungslamellen ein, die sich erwärmt, über
den Kamineffekt aufsteigt und über Lüftungsklappen im Dach
wieder abzieht.
Die Beleuchtung der Innenräume wird fast vollständig durch
eine natürliche Belichtung abgedeckt. Um das Tageslicht maximal zu nutzen, erhalten alle Räume eine tageslichtabhängige Lichtsteuerung mit Präsenzkontrolle. Der erforderliche Sonnen-/Blendschutz wurde außerdem, wie beschrieben, als
Lichtlenksystem vorgesehen.
Die Beheizung des gesamten HWK-Schulungsgebäudes erfolgt über einen Hackschnitzelkessel. Die so gewonnene Energie wird über einen Wärmeaustausch mit der Bestandsanlage abgeführt und dort genutzt.
Die Hackschnitzel als Energieträger werden ebenfalls am Standort produziert. ln den Holzwerkstätten anfallende Holzreste
werden in einer eigens dafür hergestellten Hackschnitzelaufbereitungsanlage vollautomatisch zerkleinert, gepresst und in
den Ofen befördert. Teure Entsorgungskosten entfallen damit
vollständig. Der Betrieb der Hackschnitzelheizung spart nicht
nur Kosten, sondern ermöglicht auch Schulungen am Objekt
für die Handwerksfachbereiche direkt an einer Groß-Industrieanlage.
Barrierefreiheit
Neben den hohen Energieeffizienz-Standards erfüllt das gesamte Gebäude die Anforderungen der aktuellen DIN-Norm
18040 für Barrierefreiheit. Die Schulungsräume sind zusätzlich mit Hilfsmitteln für Personen mit Schwerhörigkeit (Smart
Table mit Sprachunterstützung, Mikrofonanlagen am Lehrerpult und Sitzplätzen), eingeschränkter Sehfähigkeit (Pe-Arbeitsplätze mit Kopfhöreranschluss und Tastaturen mit Taktilbeschriftung, Mikrofonanlagen für Lehrer und Schüler), mit
Gehbehinderung (optimierte Sitzreihenaufteilung) ausgestattet. Außerdem verfügt das TBZ über eine Schulungswohnung,
deren Einrichtungsgegenstände speziell auf den Bedarf von
Personen mit Einschränkungen angepasst wurden.
38
BERATENDE INGENIEURE 1/2  2016
▲ Seminarraum
▼ Innenansicht
Fotos: Jörg Hempel
GEBÄUDE-ENERGIEEFFIZIENZ
Modernste Ausstattung für Schulungszwecke
Die Gebäudetechnik des TBZ dient nicht nur zur Gebäudeversorgung, sondern ist zugleich auch Schulungsobjekt und wird
in das Weiterbildungsprogramm einbezogen. Darüber hinaus
sind die Seminarräume mit modernsten Exponaten ausgestattet; unter anderem verfügt das TBZ über eine Brennstoffzelle,
einen Technikraum mit Wärmepumpen sowie über eine barrierefrei zugängliche Solarloggia, in der Schulungen zu den
Themen Photovoltaik und Solarthermie direkt an den Kollektoren durchgeführt werden können. Die Versorgungstechnik
des Hauses wurde so geplant, dass die Schulungsobjekte laufend ersetzt werden können, um auf dem neuesten Stand der
Technik unterrichten zu können.
Kurz nach der Eröffnung im Sommer 2015 hat die Energieagentur.NRW das Gebäude als Projekt des Monats ausgezeichnet.
Autor:
Dipl.-Ing. Architekt Thomas Schmidt,
Vorstand SSP SchürmannSpannel AG, Bochum
▲▼ TBZ-Längsschintt und Grundriss EG
BERATENDE INGENIEURE 1/2  2016
39
ENERGIECONSULTING
Energienutzungsplan für die Stadt Regensburg
Ein Leitfaden für die Energiewende
VON JÜRGEN SEIFERT, CHRISTIAN EBERL, ALEXANDER BUSCHMANN UND ARMIN MAYR
„Die Energiewende soll den Menschen Spaß machen“, sagt der Regensburger
Bürgermeister Jürgen Huber. Grundlage dafür ist ein innovativer Energienutzungsplan (ENP)
als Planungsgrundlage für die künftige Energieversorgung der Stadt. Erarbeitet von der
Ingenieurgesellschaft Team für Technik, VBI, wird dieser nun in Regie der Energieagentur
Regensburg nach und nach umgesetzt.
Klimaschutz in Regensburg
Die Energiewende nimmt in Regensburg mit dem Energienutzungsplan weiter Gestalt an. Seit über 20 Jahren arbeitet die
138.000-Einwohner-Stadt schon am kommunalen Klimaschutz. Der Beitritt zum Klimabündnis Europäischer Städte
und der Beschluss des Umweltausschusses zur energieoptimierten Bauleitplanung waren wichtige erste Schritte. Aufklärungsaktionen, Förderprogramme, Modellprojekte und
Konzepte für Neubaugebiete folgten. Strategische Maßnahmen wie die Gründung der Energieagentur – gemeinsam mit
dem Landkreis – haben den Klimaschutz systematisiert und
verstetigt.
Aufbauend auf diesen Aktivitäten beschloss die Stadt Regensburg die Erstellung eines Energienutzungsplans. Von April
2013 bis April 2014 erarbeitete das Ingenieurbüro Team für
Technik (Ingenieure für Energie- und Versorgungstechnik) unter Beteiligung städtischer und externer Fachstellen diesen
Plan.
Mit dem Energienutzungsplan steht der Stadt nun ein informelles Planungsinstrument zur Analyse der Energieversorgung und der Klimaschutzpotenziale, zur Maßnahmenkoordination und zur Entwicklung von Umsetzungskonzepten im
Sinne einer Gesamtstrategie zur Verfügung.
Grundlagen des ENP
Eine zentrale Grundlage des Energienutzungsplans sind kommunale Strukturdaten, denn Stadtbezirke können sehr unterschiedlich sein: Zum Beispiel die Innenstadt – dicht bebaut,
Wohn- und Mischnutzung und viele öffentliche Einrichtungen.
Ein Gegenbeispiel dazu ist der Bezirk Galgenberg: Als Universitäts- und Hochschulstandort ist er stark geprägt durch
Bildung, Forschung und Kultur. Wieder andere Bezirke haben
dagegen eine höhere Gewerbe- und Industrienutzung. Diese
unterschiedlichen Strukturen haben Auswirkungen auf die
Energieversorgung.Der Energienutzungsplan unterscheidet
die Verbrauchergruppen Haushalte, Unternehmen und öffentliche Einrichtungen. In Regensburg prägen Unternehmen den
Energieverbrauch stärker als in den meisten Städten. Hier gibt
es das höchste Verhältnis von Erwerbstätigen zu Einwohnern
40
BERATENDE INGENIEURE 1/2  2016
unter allen Großstädten in Bayern. Entsprechend wichtig ist
diese Verbrauchergruppe für den Energienutzungsplan.
Regensburg ist die am besten erhaltene mittelalterliche Großstadt Deutschlands, die Altstadt sogar UNESCO-Welterbe.
Der Denkmalschutz ist daher ein allgegenwärtiges Thema und
begrenzt im Altstadtbereich zum Beispiel das Solarenergiepotenzial und die Möglichkeiten der energetischen Gebäudesanierung.
Analyse des Energieverbrauchs
Zur Analyse des Wärmeverbrauchs im Stadtgebiet wurde für
den Energienutzungsplan ein Wärmekataster erstellt. Es erfasst einen Jahreswärmebedarf von 1.605 GWh. Davon entfallen 11 % auf denkmalgeschützte Gebäude. Erste Schätzungen ergeben, dass der maßgebliche Beitrag zur
Energieeinsparung im nicht denkmalgeschützten Bestand erbracht werden muss.
2012 lag der Stromverbrauch in Regensburg bei 1.236 GWh.
Davon entfielen 9 % auf selbst erzeugten Strom aus dezentralen Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen und 91 % auf Stromlieferungen aus dem Netz.
Die in Regensburg zugelassenen KFZ erreichten 2012 eine
Fahrleistung von ca. 1,8 Mrd. Kilometern. Insgesamt wurden
etwa 1.239 GWh Energie im Verkehr verbraucht.
Die Analyse der Verbrauchergruppen zeigt, dass die Regensburger Unternehmen mit 55 % deutlich über die Hälfte der
Energie verbrauchen. Auf die privaten Haushalte entfallen
37 %, öffentliche Einrichtungen (einschließlich sozialer und
konfessioneller) verbrauchen 7 % der Energie.
Analyse der Strom- und Wärmeerzeugung
Nach dem Verbrauch analysiert der Energienutzungsplan die
Strom- und Wärmeerzeugung – unter den Blickwinkeln „Erneuerbare Wärme“, „Erneuerbarer Strom“ und „fossil befeuerte Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen“.
Danach wurden 2012 in Regensburg 80,7 GWh Wärme und
113 GWh Strom erneuerbar erzeugt. Über die Hälfte der erneuerbaren Stromerzeugung kam aus den Wasserkraftwerken am Oberen Wöhrd. Etwa 20 % des erneuerbaren Stroms
ENERGIECONSULTING
▲ Gebäudebestand und Nutzung beeinflussen Energiebedarf und
Versorgungskonzepte
▲ Wärmedichtekarte: je dunkler, desto höher der Wärmebedarf
pro Flächeneinheit
◀ Potenzialflächen
wärmenetzgebundener KWK.
lieferten vier größere Biomethan-Blockheizkraftwerke des lokalen Versorgers REWAG. Photovoltaik steuert 16 % bei, Klärgas- und Deponiegas-Blockheizkraftwerke zusammen 7 %.
Das Windrad am Mühlberg erzeugt 0,5 % des erneuerbaren
Stroms.
CO2-Minderungspotenziale
CO2-Emissionen können durch Einsparmaßnahmen, effizientere Bereitstellung oder den Einsatz erneuerbarer Energien gesenkt werden.
Das Potenzial zur Kohlendioxid-Minderungen durch Energieeinsparung in Regensburg liegt bei den Nichtwohngebäuden
und Prozessenergie bei etwas mehr als einem Drittel des heutigen Verbrauchs und für die Wohngebäude etwas darunter.
Im Abschnitt zur Effizienzsteigerung bei der Energiebereitstellung identifiziert der Energienutzungsplan vier größere gewerb-
lich-industrielle Abwärmepotenziale, die genauer untersucht
werden sollen. Diese vier Anwendungsfälle sind eine AbwärmeEinspeisung in ein Nahwärmenetz, die Versorgung einer Schule aus einem Nachbarbetrieb, ein Wärmeverbund im Gewerbegebiet und die Versorgung einer dörflich geprägten Siedlung
aus einem nahe gelegenen Betrieb.
Kraft-Wärme-Kopplung (KWK)
Kraft-Wärme-Kopplung ist eine Effizienztechnologie, die den
Energieinhalt von Brennstoffen besser ausnutzt als getrennte
Strom- und Wärmeerzeugung. Größere Einzelverbraucher und
Wärmenetze können KWK-Anlagen oft sinnvoll einsetzen. Für
einen wirtschaftlichen Betrieb von Wärmenetzen ist ein Mindest-Wärmebedarf pro versorgter Flächeneinheit erforderlich,
ab dem die Prüfung einer Wärmenetz-gebundenen KWK-Versorgung in Frage kommt.
BERATENDE INGENIEURE 1/2  2016
41
ENERGIECONSULTING
Solarenergie
Unter den erneuerbaren Energien hat die Solarenergie in Regensburg das größte ungenutzte Potenzial – trotz Solaranlagenverbot in der Altstadt.
Das Potenzial wurde in mehreren Szenarien untersucht: In einem Szenario wird etwa zunächst
das Potenzial zur solarthermischen Warmwasserbereitung und Heizungsunterstützung ermittelt und anschließend das Fotovoltaikpotenzial
der verbleibenden geeigneten Dachflächen. Daraus ergibt sich ein Solarthermiepotenzial von 136
und ein Fotovoltaikpotenzial von 375 Gigawattstunden pro Jahr.
Bioenergie
Das lokale Bioenergiepotenzial ist in Regensburg
durch die städtische Situation eher gering – geringer als die derzeitige Bioenergieerzeugung. Es
wird also schon heute Biomasse zur energetischen Verwertung von außerhalb eingeführt. Deshalb gibt es auf diesem Weg kein zusätzliches
CO2-Minderungspotenzial.
Allerdings könnten interkommunale Brennstoffkonzepte die Rolle der regionalen Bioenergie
weiter ausbauen, indem Umlandregionen mit „übrigem“ Bioenergiepotenzial zur Versorgung städtischer Energieverbraucher beitragen.
Oberflächennahe Geothermie
Oberflächennahe Geothermie und Umweltwärme sind vor allem im Neubau und in sanierten Ge▲ Umsetzungsprogramm
bäuden eine gute Wärmequelle. Ein Sonderfall ist
hier Wärme aus Abwasser in der Kanalisation. Es
Team für Technik geleiteten Fachworkshop-Reihe entwickelt.
erreicht üblicherweise ganzjährig zuverlässig Temperaturen über
Die Ergebnisse verteilen sich auf fünf Handlungsfelder:
10 °C und eignet sich bei ausreichendem Durchfluss deshalb
- Strategie und Koordination,
gut als Wärmequelle für Wärmepumpen. Grundlage der Poten- ENP Wärme und Kraft-Wärme-Kopplung,
zialermittlung im Energienutzungsplan sind alle Kanäle mit Tro- ENP Strom,
ckenwetterdurchfluss über 15 l/s. Das Potenzial ist bezogen auf
- Vernetzung und Beteiligung
den Gesamtbedarf klein, allerdings durchaus im Gigawattstun- Detailstudien.
den-Bereich und unter geeigneten Bedingungen eine vielverDas Handlungsfeld „Strategie und Koordination“ greift Ideen
sprechende, lokal bereits erprobte Nischen-Technologie.
aus den Fachworkshops und dem Entwicklungsprozess des
Energienutzungsplans auf. Diese verbessern die Abstimmung
Wasserkraft
und Steuerung von Projekten und helfen, frühzeitig Aspekte der
Das Wasserkraftpotenzial in Regensburg ist weitgehend ausEnergieplanung in übergeordnete Vorhaben einzubeziehen. Maßgeschöpft. Einzig ein neues Schleusenkraftwerk könnte möglinahmen sind zum Beispiel die Einrichtung eines Energieforums
cherweise zusätzliches Potenzial erschließen. Das ist aber für
als Steuerungsgremium, die Formulierung eines Leitbildes, quaneine abschließende Beurteilung noch nicht hinreichend untertitative Klimaschutzziele und Meilensteine sowie eine frühzeitisucht.
ge systematische Verzahnung von Bauleit- und Energieplanung.
Konzept- und Maßnahmenentwicklung
Der Energienutzungsplan im engeren Sinn umfasst die HandZentrale Ergebnisse des Energienutzungsplans sind Konzepte
lungsfelder zwei und drei. Das Handlungsfeld „ENP Wärme
und Maßnahmen. Diese wurden im Dezember 2013 aus den
einschließlich ENP KWK“ identifiziert für Wärmenetze grundvorbereitenden Analysen und aus den Ergebnissen einer von
42
BERATENDE INGENIEURE 1/2  2016
ENERGIECONSULTING
◀ Erneuerbare Stromerzeugung 2012
(Kreisflächen proportional zur Leistung
der Anlagen)
Alle Abbildungen: Team für Technik
sätzlich geeignete Gebiete. Es zeigt auch Gebiete mit hohem
theoretischen Wärme-Einsparpotenzial auf und gibt Handlungsempfehlungen für konkrete Energieträger. Das Handlungsfeld „ENP Strom“ untersucht Standorte für die Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen.
„Vernetzung und Beteiligung“ ist ein flankierendes Handlungsfeld. Es bündelt vorhandene Ansätze mit Initiativen aus den
Fachworkshops – etwa die Initial-Energieberatung für Wohngebäude oder den Aufbau einer Bioenergiebörse, von Energieeffizienznetzwerken und eines Energiebildungszentrums.
Das abschließende Handlungsfeld schlägt vertiefende „Detailstudien“ vor. Zum Beispiel Quartierskonzepte für ausgewählte Standorte, ein Teilklimaschutzkonzept für ein konkretes Industriegebiet und Liegenschaftsenergiekonzepte.
Umsetzung
Auch das beste Konzept muss erst umgesetzt werden, bevor es den Klimaschutz und die Energiewende voranbringt.
Aus Kapazitätsgründen ist es auch in Regensburg nicht möglich, alles gleichzeitig zu erledigen. Deshalb hat die Stadt
Schwerpunktthemen benannt und entsprechende Arbeitsgruppen gebildet:
- Energiebildungszentrum
- Börse für regionale Brennstoffe
- Gebäudesanierungskampagne
- Wärmenetze
- Erneuerbare Energieerzeugung durch Energieversorgungsunternehmen
- Erneuerbare Energieerzeugung durch Unternehmen und
Wohnungswirtschaft
- Energie-Effizienz-Netzwerke
- Mobilität der Zukunft (E-Mobilität, Car-Sharing etc.)
Die verschiedenen Arbeitsgruppen sind mit Sachverständigen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung besetzt. Ihnen übergeordnet ist ein „Lenkungs- und Beratungsgremi-
um“, in dem wichtige Akteure und Entscheidungsträger der
„Energiewende“ aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen vertreten sind. Ziele dieses Gremiums sind insbesondere die Bündelung von Kompetenzen, die Beseitigung von
Umsetzungshemmnissen sowie die Vorbereitung der und die
Entscheidungsfindung.
Der gesamte Prozess der Umsetzung des Energienutzungsplans ist zunächst bis zum Jahr 2018 angelegt und wird von
der Energieagentur Regensburg gesteuert. Die Energieagentur qualifiziert für diese Aufgabe ihre hohe fachliche Kompetenz und das breit gefächerte Mitgliedernetzwerk aus Unternehmen, Institutionen und Persönlichkeiten, das in den
vergangenen Jahren von der Agentur aufgebaut wurde. Viele Akteure, die bei der Umsetzung des Energienutzungsplans
mitwirken müssen, sind bereits in der Energieagentur Regensburg organisiert. Die Verantwortlichen sind sich darüber im
Klaren, dass die Umsetzung des Energienutzungsplans, wie
die gesamte Energiewende, eine Daueraufgabe sein wird.
Der Energienutzungsplan Regensburg liefert die notwendigen Grundlagen für zukünftige Enscheidungen, insbesondere mit seinem praxisbezogenen Maßnahmenkatalog, seinem
belastbaren, quartiersbezogen aufgeschlüsselten Zahlen- und
Kartenwerk und den in Workshops erarbeiteten lokalen und
fachlichen Verankerungen.
Autoren:
Jürgen Seifert,
Geschäftsführer
Christian Eberl,
Geschäftsführer
Alexander Buschmann,
Projektleiter
Team für Technik GmbH, München
Armin Mayr,
Amt für Stadtentwicklung Regensburg
BERATENDE INGENIEURE 1/2  2016
43
KLIMASCHUTZ
Von Bochum bis Berlin
Geothermie auf dem Vormarsch
Von BäRBEl REchEnBach
Sonne, Wind, Wasser und Biomasse gelten als Schlüssel zum Unterschreiten der 1,5-GradGrenze, wie im Pariser Klimaschutzabkommen beschlossen. Und auch die Ressource
Erdwärme soll mehr und mehr zum Einsatz kommen, um bei der Dekarbonisierung der
Energieversorgung im Dienste des Klimaschutzes schneller voranzukommen.
Seit Jahren engagieren sich Ingenieure, um vernünftige geothermische lösungen für die Gebäudeoptimierung zu entwickeln. Was bislang meist nur in kleineren Projekten gelang,
setzt sich zunehmend auch bei größeren Projekten durch. Gebäude wie das „Exzenterhaus“ in Bochum, das künftige Berliner „humboldtforum“ im Schlossneubau oder das Mehrfamilienhaus „Katharinenpalais“ in Berlin-charlottenburg werden
geothermisch beheizt und gekühlt.
laut aktueller Studien der Energieagentur nRW können allein
rund 50 % des anfallenden Wärmebedarfs über oberflächennahe Geothermie gedeckt werden. Das land nRW geht dabei selbst mit gutem Beispiel voran. Rund 125.000 Wärmepumpen, das sind immerhin 20 % des gesamten Bestandes
in Deutschland, bezeugen das.
▲ Energiekonzept Exzenterhaus
◀ Exzenterhaus Bochum
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Grafik: GZB
Foto: GZB
KLIMASCHUTZ
obwohl seit Menschengedenken genutzt, ist die Geothermie
als Energiequelle für die Gebäudetemperierung eine vergleichsweise junge Technik. Ihr wichtigster Vorteil besteht darin, unabhängig von Tageszeiten und Witterungsbedingungen verfügbar zu sein.
Im Gegensatz zur Stromerzeugung aus Erdwärme, bei der
Deutschland mit etwa 31,3 MW im weltweiten Vergleich hintere Plätze belegt, sieht das bei der Wärmeerzeugung deutlich
positiver aus. hier belegt Deutschland Rang 5 nach den USa
und china sowie den deutlich bevölkerungsärmeren ländern
Schweden und norwegen. Waren es im Jahr 2000 deutschlandweit 1.808 GWh geothermisch erzeugte Wärme, die hierzulande genutzt wurden, waren dies 2014 bereits 10.560 GWh.
Erfolgreiche Projekte sprechen dabei für sich und motivieren
zu weiteren Forschungs- und Bauvorhaben.
1. Beispiel: Das Exzenterhaus in Bochum
Der umgebaute einstige hochbunker aus dem 2. Weltkrieg gilt
aufgrund seiner Fassadenkurven und auskragungen als architektonisch und tragwerksplanerisch interessantes Bauwerk.
Doch vor allem sein Klimatisierungskonzept ist innovativ. Denn
seit zwei Jahren wird der heizungs- und Kühlbedarf des 89 m
hohen Büroturms mit 5.250 m2 Fläche mitten in der Bochumer
Innenstadt über Geothermie und Fernwärme abgesichert. holger Born vom Internationalen Geothermiezentrum (GZB) der
hochschule Bochum begleitete das Projekt in der Planungsund Bauphase: „33 Erdwärmesonden in 130 m Tiefe entziehen dem Erdreich jährlich 343 MWh Wärme und führen im
Kühlfall 237 MWh Wärme zurück in den Untergrund.“
Eine geothermische Wärmepumpenanlage mit einer Gesamtheizleistung von 258 kW übernimmt dabei die Grundlast der
Wärmeversorgung. Drei Pumpen versorgen jetzt jeweils fünf
Etagen des 23-stöckigen Bürogebäudes. Ein Fernwärmeanschluss garantiert den Rest der nötigen Wärmenergie.
Die Kühlung des hauses geschieht direkt über Erdwärme-Sondenfelder. holger Born: „Die im Gebäude anfallenden Wärmelasten werden über die Sonden direkt in das Erdreich abgeleitet und wenn nötig zusätzlich über ein Rückkühlwerk abgeführt.
Die Wärmepumpen besitzen eine Kühlleistung von 240 kW.
Über die vorhandenen Verteilungssysteme wie lüftungsanlage (RlT), Betonkernaktivierung (BTa) und statische heizung
ist die Temperatur des Gebäudes optimal geregelt.“
Damit beweist das Projekt auch, dass sich geothermische anlagen in zentraler urbaner lage mit vielen räumlichen Restriktionen wider aller Skepsis realisieren lassen. an beiden Seiten
der Erdwärmesonden führt u.a. eine mehrspurige haupteinfallstraße vom Bochumer Süden in die Innenstadt. Unterhalb
der Straße, streckenweise auch auf dem Grundstück, liegen
Ver- und Entsorgungsleitungen sowie der Tunnel der Bochumer Stadtbahn. Die Erdwärmesonden mussten daher sowohl
in der Planungsphase, bei der anordnung des Sondenfeldes
als auch in der Bauphase sorgfältig abgestimmt werden. Deshalb fanden Thermal-Response-Tests statt.
PROJEKTBETEILIGTE
1. Exzenterhaus
Architekten
Gerhard Spangenberg, Berlin
Tragwerksplanung
schlaich bergermann und partner sbp, Stuttgart, Berlin
Geothermie
Internationales Geothermiezentrum (GZB) der hochschule
Bochum
Geotechnik / Grundplanung
GuD Geotechnik und Dynamik consult Berlin,
Schalungs- und Bewehrungsplanung
KlW Ingenieure Gmbh, Berlin
Gebäudetechnik
albrecht Jung Gmbh & co. KG, Schalksmühle
2. Humboldtforum
Architekten
Franco Stella, hilmer & Sattler und albrecht, gmp, GP, Berlin
Projektcontrolling
conVIS Bau & Umwelt Ingenieurdienstleistungen Gmbh
Tragwerksplanung
aRGE Tragwerksplanung humboldt-Forum Berlin mit
Wetzel & von Seht, Krone Ingenieure und Pichler Ingenieure
Gmbh
Planung Schwachstromtechnik
obermeyer Planen + Beraten Gmbh
Prüfsachverständige energetische Gebäudeplanung
Dr. Zauft Ingenieurgesellschaft für Bauwesen mbh
Baugrundgutachten / Beratung
IGB, hamburg
Brandschutz
BPK Berlin, Frankfurt;
hhpberlin Ingenieure für Brandschutz Gmbh, Berlin
Planung Geothermie
Geothermie neubrandenburg Gmbh
mit Zulieferung der Genehmigungs- und ausführungsplanung
durch die h.S.W. Ingenieurbüro Gesellschaft für Energie und
Umwelt mbh Rostock, die leistungsphasen 1 und 2 (Grundlagenermittlung und Vorplanung) realisierte h.S.W. im auftrag
von Inroslackner
TGA-Fachplaner
Inroslackner aG und Winter Ingenieure Berlin Gmbh
3. Katharinenpalais
Planer Geothermie
GEo-En Energy Technologies Gmbh Berlin mit
Dr. Riedel automatisierungstechnik Gmbh, Berlin
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KLIMASCHUTZ
▲ Das künftige Humboldt-Forum in Berlin, Ansicht von der Nord-West-Seite
Abb.: Stiftung Berliner Schloss – Humboldtforum
▲ Ergebnis der 3-D-Simulation der thermischen
Auswirkungen des Betriebes der Erdwärmeanlage auf
den Untergrund
Abbildung: H.S.W.
▲ Geothermische Feldversuche/Messungen
Im Ergebnis dessen entstand ein zweiteiliges Sondenfeld, das
sowohl den energetischen anforderungen des heiz- und Kühlbetriebes entsprach als auch der räumlichen Dichte des Gebietes. Wie holger Born weiter ausführt, zeigte die Simulation
auch, dass sich innerhalb von 30 Jahren ein ausgeglichenes
Temperaturniveau verwirklichen lässt. „Die mittlere Soletemperatur sinkt in der heizperiode nicht unter 1 °c ab und steigt
in der Kühlperiode auf maximal 19 °c an.“
Das soll so trotz 350.000 Euro höherer Erstellungskosten über
den Zeitraum von 30 Jahren Kostenvorteile von 6,5-10 % gegenüber Standardanlagen bringen.
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Abbildung: H.S.W.
2. Beispiel: Das Berliner Humboldtforum
Seit Juni 2012 läuft der Bau des humboldtforums am Standort des einstigen Berliner Schlosses. Ziel ist es zum Einen, mit
hilfe erneuerbarer Energien das energieeffizienteste Schloss,
das jemals in der Welt realisiert wurde, in historischer Kubatur wieder aufzubauen. Zum anderen brauchen die hochempfindlichen Exponate der beiden hauptnutzer des humboldtforums, das Ethnologische Museum und das Museum für
asiatische Kunst, ein exakt temperiertes Raumklima (nicht
mehr als 25 °c). Der Jahres-Primärenergiebedarf sowie der
mittlere Wärmedurchgangskoeffizient des gesamten Gebäu-
KLIMASCHUTZ
▲ Mehrfamilienhaus Katharinenpalais
des soll die zuletzt im Planungsprozess geltende Energieeinsparverordnung (EnEV 2009) um mehr als 30 % unterschreiten.
laut Planung soll die heizenergie zu 85 % aus dem örtlichen
Fernwärmenetz (Wärmeerzeugung mittels Kraft-Wärme-Kopplung) bezogen werden. Die fehlenden 15 % stellen Wärmepumpen aus Erdwärme bereit. Der im Winter anfallende Kühlbedarf (u.a. IT-Technik) wird zu 100 % über Geothermie und
außenluft abgedeckt. Der Kühlbedarf im Sommer erfolgt zu
15 % über Geothermie und zu 50 % durch elektrisch betriebene Kältemaschinen. Bei Spitzenlasten kommen 35 % aus
einem Eisspeicher.
als geothermische Quellenanlage dient eine Kombination aus
thermisch aktivierten Gründungspfählen (sogenannte Energiepfähle) und Erdwärmesonden. Der Untergrund wird über
diese Systeme als saisonaler Energiespeicher mit winterlichem
Wärmeentzug und sommerlicher Wärmeinjektion genutzt. JensUwe Kühl, Geschäftsführer der h.S.W. Ingenieurbüro Gesellschaft für Energie und Umwelt mbh Rostock erklärt: „Das Projekt ‚Geothermie’ ist an den Bauzeitenplan des Gesamtprojektes angepasst. So sind aktuell bereits 91 Energiepfähle mit 18,5 m Tiefe hergestellt. Erschwert wurden diese arbeiten durch zahlreiche archäologische Funde, die immer erst sichergestellt werden mussten. Die außerdem vorgesehenen
115 Erdwärmesonden mit einer Einheitstiefe von 100 m sind
derzeit noch in Planung.“
Das Rostocker Ingenieurbüro erstellte bereits 2009 eine Machbarkeitsstudie. Ein Jahr darauf wurden drei Erkundungsbohrungen und geothermische Messungen mit hilfe eines Ge-
Abbildung: GEO-EN
othermal-Response-Test durchgeführt. Die folgende Vor-, Entwurfs- und Genehmigungsplanung beinhaltete analytische,
seminumerische und numerische Simulationen. Eine 3-dimensionale, thermohydrodynamische Untergrundsimulation während des Genehmigungsverfahrens zeigte, dass thermische
auswirkungen des geplanten Betriebes der Geothermieanlage auf Untergrund bzw. Grundwassertemperatur im langzeitbetrieb als gering einzuschätzen sind (nachhaltiger und umweltfreundlicher Betrieb). Eine Beeinträchtigung der
physikalischen, chemischen oder biologischen Beschaffenheit des Grundwassers sei nicht zu erwarten. Das Genehmigungsverfahren läuft derzeit noch.
Das Konzept für das humboldtforum sieht schließlich eine
Grundlastdeckung beim heizen mit 450 kW (1.900 MWh/a)
und beim Kühlen mit 400 kW (1.300 MWh/a) vor.
3. Beispiel „Katharinenpalais“ in Berlin
Das Berliner Unternehmen Geo-En Energy Technologies
kombiniert beim neuentstandenen Mehrfamilienhaus auf
4.600 m² Wohnfläche in der Berliner Katharinenstraße in
charlottenburg einen geothermischen Wärmespeicher und
eine Wärmepumpe mit einem Blockheizkraftwerk zu einer
hybridanlage.
Die 80 cm dicke Fundamentplatte puffert Wärme- und insbesondere Kältespitzenlasten je nach Bedarf. Das darunterliegende Sondenfeld dient als geothermischer langzeitspeicher.
Über ein zusätzliches Rohrsystem in den Wohnungsdecken
zirkuliert im Sommer Wasser und gibt dabei gleichmäßige
Strahlungskälte an den umliegenden Beton ab.
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KLIMASCHUTZ
▲ Anlagen und
Geothermiesimulation
Abbildung: GEO-EN
Michael Viernickel, leiter anlagendesign der GEo-En Energie Technologies Gmbh Berlin dazu: „Um hier Umweltwärme
nutzen zu können, setzen wir einen Erdwärmesondenspeicher
(16 Erdwärmesonden je 100 m) ein, der überschüssige Wärme aus dem Sommer aufnimmt und im Winter zum heizen
wieder zur Verfügung stellt. Diese Technologie hilft, mit Wärmepumpen zu heizen und über die Zimmerdecken direkt geothermisch zu kühlen.“
Diese „stille Kühlung“, so Viernickel weiter, wirke ohne luftzugserscheinungen oder Trocknung der luft wie bei herkömmlichen Klimaanlagen und brauche nur 10 % von deren antriebsenergie. Ist eine hohe heiz- oder Kühlleistung nötig, kommt
die 80 cm starke Stahlbetonplatte des Fundaments als leistungsstarker Kurzzeitspeicher zur Wirkung.
Die Wärmepumpen beziehen ihre elektrische antriebsenergie
vom BhKW. Viernickel: „Die Wärmepumpe erzeugt mit dem
BhKW-Strom Temperaturen bis 50 °c für die Gebäudeheizung
und zum Vorwärmen des Trinkwassers, während die abwärme des BhKW Temperaturen bis 70 °c für legionellenfreies
Trinkwarmwasser bereit stellt.
Grundlage für dieses Konzept waren Simulationen sowohl des
heiz- und Kühlbedarfs des Gebäudes im Jahresverlauf als
auch der Temperaturveränderungen in Erdreich und Fundamentspeicher sowie des Zusammenspiels der Gesamtanlage. Bedarfsanalyse und Simulation ergaben demnach einen
Wärmebedarf von 22 W/m².
Jede Wohnung verfügt über einen „Wohnungsmanager“ – eine selbstlernende Regelung. Sie passt Temperaturen optimal
dem nutzerbedarf an und minimiert den Energieeinsatz. Zu◀ Teil der Geothermieanlage
Foto: Bärbel Rechenbach
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KLIMASCHUTZ
▲ Energiekonzept
Abbildung: GEO-EN
Geothermie
Die Geothermie (Erdwärme) ist eine nach menschlichen Maßstäben unerschöpfliche Energiequelle. Über
eine Tiefe von 100 m existiert eine nahezu konstante
Temperatur von etwa 10 °c vor. Danach steigt die Temperatur je weitere 100 m Tiefe im Mittel um 3 °c an.
Die technischen Verfahren zur Energiegewinnung sind
die oberflächennahe Geothermie (bis 400 m Tiefe) sowie geothermische Systeme, die warmes, im Untergrund vorhandenes Wasser nutzen (bis ca. 4.500 m
Tiefe) und Systeme, die Wärme aus dem tiefen Gestein für die Stromerzeugung nutzen (petrothermale
Geothermie ), die gegenwärtig bis 5.000 m Tiefe vordringen.
Pro liter Erdinnenraum sind im Mittel 2,6 kWh Energie gespeichert. 99 % der Planetenmasse sind also
wärmer als 1.000 °c. Der Wärmeinhalt der Erde würde den heutigen Weltenergiebedarf für 30 Millionen
Jahre decken. Während die oberflächennahe Geothermie ausgereift und in vielen anwendungen erprobt ist,
braucht die Tiefenerdwärme dagegen noch wichtige
Entwicklungsschritte.
gleich zeigt sie dem nutzer „seine“ Verbräuche an. Das übergeordnete Energiemanagement regelt die hybridanlage so,
dass Wärme über ein Maximum an erneuerbaren Energien erzeugt wird und das BhKW bedarfsgerecht arbeiten kann. Die
gewonnenen Daten gewährleisten so eine vorausschauende
Bewirtschaftung der geothermischen Wärme-/Kältespeicher.
Sie helfen, Wärme und Kälte bedarfsgerecht zu verteilen und
dienen zugleich der nebenkostenabrechnung, da Wasser-,
Wärme- und Kälteverbrauch ohnehin erfasst werden.
auf diese Weise unterschreitet das Gebäude ohne äußerlich
sichtbare Installationen die anforderungen der EnEV 2009 um
mindestens 30 %. Es senkt letztlich zur Freude der Bewohner
die Betriebskosten gegenüber herkömmlichen Brennwertkesseln und konventioneller Kühlung um bis zu 70 %. Damit wird
das künftige „Katharinenpalais“ den ansprüchen eines KfWEffizienzhauses 70 gerecht.
Fazit
In Zukunft wird die Geothermie neben Sonne, Wind, Wasser
und Biomasse als erneuerbare Energiequelle und als Wärmespeicher mehr und mehr an Bedeutung gewinnen. Bei der Wärmeerzeugung hat sich die Bundesregierung 14.400 GWh zum
Ziel gesetzt, wobei sie insbesondere auf ein schnelles Wachstum der Tiefen Geothermie setzt. Was die Stromerzeugung
aus Erdwärme angeht, strebt die Bundesregierung 1.654 GWh
im Jahr 2020 an. Dafür allerdings muss sie umfassende Rahmenbedingungen schaffen, um die Geothermie schneller zu
forcieren.
Autorin:
Bärbel Rechenbach
Freie Journalistin, Berlin
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BERUF UND RECHT
Steuerrecht
Gewinnrealisierung bei Ingenieuren
VON MIcHAEL MARx UND THOMAS JUDS
Ein Urteil des obersten deutschen Steuergerichts (Bundesfinanzhof – kurz BFH) aus dem Jahr 2014 und ein dieses Urteil
auslegendes Schreiben der Finanzverwaltung (Bundesministerium der Finanzen – BMF) sorgen seit Anfang 2015 für Aufruhr in der (Bilanzierungs-)Fachwelt und Verunsicherung bei
den betroffenen Unternehmen. Viel Lärm um Nichts? Wir meinen nein! Worum geht es?
Das BFH-Urteil
Ingenieure erbringen ihre Leistungen in der Regel im Rahmen
längerfristiger Werkverträge. Werkverträge sind dadurch gekennzeichnet, dass die Vergütung erst mit der Abnahme des
Werkes durch den Auftraggeber fällig wird. Während der Leistungserstellung werden Abschlagsrechnungen gestellt, nach
Ablieferung des Werkes und der Abnahme erfolgt die Schlussrechnung des Projektes. In der Bilanz führt nach jahrzehntelanger gefestigter Rechtsprechung erst die Schlussrechnung
zu einer Gewinnerfassung – die Abschlagsrechnungen waren
bis dahin erfolgsneutral zu verbuchen. Erfolgswirksam wirkten
sich lediglich die unfertigen Leistungen aus, d. h. bis zur Abnahme des Werkes waren die erbrachten Leistungen mit den
durch das Werk verursachen Kosten (also ohne Gewinnanteil)
zu bewerten und kostenneutralisierend als Ertrag zu verbuchen.
Hier setzt das BFH-Urteil an, nach dem – entgegen den dargestellten Grundsätzen – Abschlagsrechnungen gewinnerhöhend zu erfassen seien. Allerdings betraf das Urteil ausschließlich Architekten und Ingenieure, zudem nur Abschlagsrechnungen nach der HOAI 1996, und einen speziell gelagerten Sachverhalt (die Leistung war zu über 98 % erbracht worden und
das Gebäude seit 10 Jahren bezogen, ohne dass eine Schlussrechnung gestellt wurde).
Obwohl das Urteil in Fachkreisen und Verbänden nahezu einhellig auf Ablehnung stieß, legte das BMF dieses auf seine eigene Art profiskalisch aus, indem es die Urteilsgrundsätze nicht
nur auf ähnlich gelagerte Sachverhalte bei verzögerten Schlussrechnungen ausdehnte, sondern auf Abschlagsrechnungen aller Werkunternehmer, sofern diese auf Grundlage des § 632a
BGB (reguläre Werkverträge) oder der HOAI gestellt wurden.
Nach der Auffassung des BMF erfolgt nun eine vorgezogene
Versteuerung von Abschlagsrechnungen, wenn die zugrunde
liegende Leistung erbracht und mit einer Abschlagsrechnung
darüber abgerechnet wurde. Der Zahlungseingang ist unerheblich.
Ein Beispiel
Eine Ingenieurbüro GmbH hat für Planungsleistungen Abschlagsrechnungen in Höhe von 11,5 Mio.€ gestellt, von denen bislang 10,5 Mio.€ bezahlt wurden. Die unfertigen Leistun-
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BERATENDE INGENIEURE 1/2  2016
gen werden mit 10 Mio.€ bewertet.
Nach bisheriger Rechtslage wären in der Bilanz zum 31.12.2015
unfertige Leistungen in Höhe 10 Mio. € zu aktivieren und erhaltene Anzahlungen in Höhe von 10,5 Mio. € zu passivieren. Die
gestellten, aber noch offenen Abschlagsrechnungen in Höhe
von 1 Mio. € wirken sich bilanziell nicht aus. Gewinnerhöhend
(bzw. -mindernd) wirkt sich lediglich die bilanzielle Veränderung
der unfertigen Leistungen im Vergleich zum Vorjahr aus.
Nach neuer Auffassung der Finanzverwaltung wären nunmehr
zum 31.12.2015 sämtliche Abschlagsrechnungen gewinnerhöhend als Forderungen zu erfassen, gleich ob diese offen oder
bezahlt sind. Im Gegenzug wären die entsprechenden unfertigen Leistungen gewinnmindernd aufzulösen. Insgesamt ergäbe sich ein Übergangsgewinn in Höhe von (+ 11,5 Mio. € – 10
Mio. €) = 1,5 Mio. €. Auf diesen wären Körperschaft- und Gewerbesteuer in Höhe von rund 450.000 € zu zahlen.
Wen betrifft die neue Rechtslage?
Sie sind von den Änderungen im Grundsatz betroffen, wenn
Sie
- Ihren Gewinn durch Bilanzierung ermitteln – beispielsweise
sind Architekten oder Ingenieure, die ihren Gewinn durch Einnahmen-Überschuss-Rechnung ermitteln, nicht betroffen,
- Werkleistungen erbringen – bei reinen Dienstleistungen wie
der Honorarberatung stellt sich die Problematik nicht,
- gegenüber Ihren Kunden echte Abschlagsrechnungen stellen.
Welche Abschlagsrechnungen sind betroffen?
Umgangssprachlich werden häufig die Begriffe Anzahlung, Vorauszahlung, Abschlag und Abschlagszahlung mehr oder weniger synonym verwendet. Von der Rechtsprechungsänderung
betroffen sind allerdings nur Abschlagsrechnungen im Sinne
von § 632a BGB, § 8 Abs. 2 HOAI 1996 und § 15 Abs. 2 HOAI,
das heißt also Abschlagsrechnungen, mit denen für bereits erbrachte Leistungen Abschlagszahlungen gefordert werden.
Nicht betroffen ist die bloße Anforderung von Vorauszahlungen, denen keine Leistung gegenübersteht.
Ab wann wären die Neuregelungen zu beachten?
Die Neuregelungen sind erstmals für alle nach dem 23.12.2014
beginnenden Wirtschaftsjahre anzuwenden. Stellen Sie Ihre Bilanz wie viele Unternehmen jeweils zum 31. Dezember eines
Jahres auf, müssten Sie die Neuregelungen also erstmals zum
31.12.2015 beachten.
Gibt es Übergangsregelungen?
Ja. Ein aus der Umstellung resultierender Gewinn kann nach
den Vorstellungen der Finanzverwaltung
- entweder im Jahr der Umstellung, oder
- zu gleichen Teilen im Jahr der Umstellung und im folgenden Jahr, oder
- zu gleichen Teilen im Jahr der Umstellung und den folgenden zwei Jahren versteuert werden.
Nach Ermittlung des Übergangsgewinns muss also je nach Situation im Unternehmen entschieden werden, wie der Übergangsgewinn optimal zu verteilen ist. In der
Regel dürfte das die Verteilung auf drei Jahre sein, allerdings sind auch andere Situationen denkbar, z.B. wenn der anzuwendende Steuersatz in den einzelnen Jahren variiert. Nach unserem Beispiel könnte demnach der Übergangsgewinn von 1,5 Mio. €
auf jeweils 500.000 € in drei Jahren verteilt werden.
Wir wollen
Ihren Erfolg.
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Müssen die neuen Grundsätze angewendet werden?
Nein. Weder das BFH-Urteil noch das BMF-Schreiben entfaltet Bindungswirkung für
Sie als Steuerpflichtigen. Wenden Sie die Grundsätze nicht an, müssen Sie allerdings
damit rechnen, dass das Finanzamt Ihrem Ansatz nicht folgt und demzufolge eine Korrektur der eingereichten Steuererklärung vornehmen wird. In diesem Fall bliebe Ihnen
nur der Klageweg. Ob und in welchen Fällen diese Klage Aussicht auf Erfolg hat, ist
derzeit ungewiss, obwohl es sehr viele sachliche Argumente gegen die Auffassung
der Finanzverwaltung gibt.
Gibt es vertragliche Gegenmaßnahmen?
Die Rechtslage ist zur Zeit derart ungewiss, dass sämtliche Vertragsgestaltungen mit
einem Risiko behaftet sind. Vereinzelt wird z. B. die Ansicht vertreten, dass Abschlagszahlungen, die nicht unter § 632a BGB oder § 15 Abs. 2 HOAI fallen, nicht von der
Neuregelung betroffen sind. Das mag vor dem Wortlaut des BMF-Schreibens vertretbar erscheinen, nicht allerdings vor dem (neuen) prinzipiellen Ansatz der Finanzverwaltung, dass Abschlagszahlungen für bereits erbrachte Teile einer Werkleistung schon
vor deren Abnahme zu einer Gewinnrealisation führen. Oder anders ausgedrückt:
wenn das Finanzamt nicht vor einer generalisierenden Ausdehnung des doch recht
speziellen Urteils auf alle Werkverträge zurückscheut, wieso sollte dann keine Übertragung auf vertragliche Vereinbarungen erfolgen?
Welche Vorgehensweise ist zu empfehlen?
Zunächst sollten Sie prüfen, ob Sie von der Neuregelung grundsätzlich betroffen sind
(Bilanzierung, erbrachte Werkleistungen, gestellte Abschlagsrechnungen). Dann sollten die möglichen Auswirkungen berechnet werden, also der aus der Umstellung resultierende Übergangsgewinn. Haben Sie zum Bilanzstichtag nur in geringem Umfang Abschlagsrechnungen gestellt, sind auch die konkreten Auswirkungen zum Umstellungszeitpunkt nur gering. Beispielsweise ist ein Ingenieur, der grundsätzlich seine Werke zum 31. Dezember schlussrechnet, nicht betroffen.
Steht der Übergangsgewinn fest, müssen die steuerlichen Auswirkungen der drei möglichen Verteilungen berechnet werden. Auf dieser Grundlage muss dann abgewogen
werden, ob der Auffassung der Finanzverwaltung gefolgt wird oder nicht. In diese Abwägung sollten zudem noch weitere Gesichtspunkte einfließen, wie z. B. Kosten und
chancen eines sich anschließenden Finanzgerichtsprozesses, aber auch grundsätzliche Erwägungen wie die Vorfinanzierung künftiger Steuerzahlungen auf gestellte,
aber noch nicht vereinnahmte Abschlagsrechnungen, Auswirkungen auf das Projektcontrolling sowie erhöhte administrative Kosten durch die unterschiedliche Bewertung in Handels- und Steuerbilanz.
Autoren:
StB Dipl.-Kfm. Michael Marx,
StB Dipl.-Kfm. Thomas Juds
Juds, Marx und Partner,
Unternehmensberatungs-/Steuerungsberatungsgesellschaft, Düsseldorf
www.vbi.de
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BERUF UND RECHT
Rechtsprechung in Leitsätzen
Entscheidungen der Oberlandesgerichte und des BGH
ZUSAMMENGESTELLT VON VBI-JUSTIZIARIN SABINE VON BERcHEM
Wann ist der Architekt an seine Schlussrechnung gebunden?
1. An eine Schlussrechnung ist der Architekt gebunden, wenn der
Auftraggeber auf eine abschließende Berechnung des Honorars
vertrauen durfte und er sich im berechtigten Vertrauen auf die
Endgültigkeit der Schlussrechnung in schutzwürdiger Weise so
eingerichtet hat, dass ihm eine Nachforderung nicht mehr zugemutet werden kann.
2. Allein die Bezahlung der Schlussrechnung ist keine Maßnahme, mit der sich der Auftraggeber in schutzwürdiger Weise auf
die Endgültigkeit der Schlussrechnung einrichtet.
3. Allein der Zeitraum zwischen der Erteilung und dem Ausgleich
der Honorarrechnung des Architekten und der erstmaligen Geltendmachung eines weitergehenden Honorars auf der Grundlage der Mindestsätze der Honorarordnung für Architekten und
Ingenieure macht die Zahlung eines Differenzbetrags zwischen
einem abgerechneten Pauschalhonorar und den Mindestsätzen der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure nicht
unzumutbar (Bestätigung von BGH, IBR 2009, 35).
BGH, Urteil vom 19.11.2015 – VII ZR 151/13
„Legen Sie los, fangen Sie an!“: Auftrag erteilt!
1. Diskutieren Bauherr und Architekt über die Möglichkeiten der
Nutzungsänderung eines Gebäudes und weist der Architekt darauf hin, dass er hierfür keinen Auftrag hat, ist die Äußerung des
Bauherrn „Legen Sie los, fangen Sie an!“ als entsprechende Beauftragung zu werten.
2. Erbringt der Architekt bereits vor der Auftragserteilung einzelne
Leistungen, kann er hierfür nach der Auftragserteilung das entsprechende Honorar verlangen.
OLG München, Urteil vom 18.11.2013 – 27 U 743/13; BGH, Beschluss vom 10.09.2015 – VII ZR 338/13 (Nichtzulassungsbeschwerde zurückgewiesen)
Regelung zum Honorar fehlt: Projektsteuerer kann
110 Euro/Stunde abrechnen!
1. Auf die Tätigkeiten eines Projektsteuerers ist das (zwingende)
Preisrecht der HOAI nicht anzuwenden.
2. Für Projektsteuerungsleistungen ist ein Stundensatz von 110
Euro üblich und angemessen.
OLG Oldenburg, Beschluss vom 11.12.2014 – 8 U 93/14; BGH,
Beschluss vom 21.05.2015 – VII ZR 13/15 (Nichtzulassungsbe
schwerde zurückgenommen)
Architekt führt kein Bautagebuch: Kann das Honorar gemindert werden?
1. Führt der Architekt kein Bautagebuch, stellt dies nur dann einen zur Minderung berechtigenden Mangel dar, wenn das Führen eines Bautagebuchs vertraglich vereinbart war.
2. Rechnet der Auftraggeber gegenüber dem Honoraranspruch
des Architekten mit Schadensersatzforderungen wegen Bauaufsichtsfehlern auf, muss er zu den von ihm behaupteten Schä-
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BERATENDE INGENIEURE 1/2  2016
den hinreichend konkret vortragen (hier verneint).
OLG Hamm, Urteil vom 20.09.2013 – 12 U 103/12; BGH, Beschluss
vom 13.08.2015 – VII ZR 290/13 (Nichtzulassungsbeschwerde zurückgewiesen
Kontrolle der Ausführungsplanung erstreckt sich auch auf
fremde Pläne!
1. Ein vertraglich zur Kontrolle der Ausführungsplanung verpflichteter Architekt muss sich auch mit etwaigen eigenmächtigen Anordnungen/Planungsänderungen seitens eines weiteren, von seinem Auftraggeber eingeschalteten Architekten inhaltlich auseinandersetzen und kann sich nicht darauf berufen, dass er mit
dessen Plänen nichts zu tun habe.
2. Die Abdichtung einer Tiefgarage ist keine Routinearbeit und erfordert daher Detailplanung und Bauüberwachung. Dies gilt insbesondere dann, wenn der Werkunternehmer Bedenken angemeldet hat und eine Änderung der Ausführungsweise erfolgt ist.
OLG Düsseldorf, Urteil vom 01.10.2015 – 22 U 48/15
Tragwerksplaner muss Bauherrn auf untaugliches Abdichtungskonzept hinweisen!
1. Bereits 1993 entsprach ein Oberflächenschutz durch Einbau von
„Asphaltmastix als Trennlage“ nicht mehr den anerkannten Regeln der Technik. Dies war zur damaligen Zeit auch den einschlägigen Fachkreisen bekannt.
2. Die Tausalzbeständigkeit von befahrbaren Tiefgaragendecken
stellt eine Schnittstelle der Planungsaufgaben des Architekten
und des Tragwerksplaners dar.
3. Erkennt der Tragwerksplaner oder muss er erkennen, dass der
Architekt ein insgesamt untaugliches Abdichtungskonzept plant,
ist er dazu verpflichtet, den Bauherrn darauf hinzuweisen. Er darf
den Bauherrn bei einer derart klaren Sachlage nicht „in ein offenes Messer laufen lassen“.
OLG München, Urteil vom 14.05.2013 – 9 U 338/12; BGH, Beschluss vom 08.10.2015 – VII ZR 157/13 (Nichtzulassungsbeschwerde zurückgewiesen)
Architekt muss Einhaltung der Soll-Beschaffenheit sicherstellen!
1. Der Architekt, der mit der Objektüberwachung beauftragt ist, hat
dafür zu sorgen, dass das Bauvorhaben mangelfrei errichtet wird.
Hierzu gehört, dass die Ausführung plangemäß und nach dem
Inhalt der Leistungsbeschreibung erfolgt.
2. Hat der Architekt das Leistungsverzeichnis erstellt, schließt dies
nicht die Befugnis ein, den Inhalt während der Ausführung zu ändern.
OLG Köln, Urteil vom 05.02.2013 – 24 U 44/12; BGH, Beschluss
vom 09.07.2015 – VII ZR 62/13 (Nichtzulassungsbeschwerde zurückgewiesen)
Quelle aller Entscheidungen: www.ibr-online.de
BERUF UND RECHT
ABc des Baurechts
Bei Beauftragung der LP 9: Teilabnahme vereinbaren!
VON JANIS HEILIGER
Das Problem
Die Beauftragung der LP 9 (Objektbetreuung) ist unwirtschaftlich und haftungsträchtig. Nach § 55 Abs. 1 Satz 2 Nr. 9 HOAI
wird die Objektbetreuung seit der Novellierung der HOAI 2013
nur noch mit 1 % honoriert (früher: 3 %). Aus diesem Grund sind
Ingenieure bestrebt, die Objektbetreuung nicht zu übernehmen.
Gleichwohl bestehen Auftraggeber darauf, dass auch die Objektbetreuung zum beauftragten Leistungsumfang gehört. Da
die Abnahme grundsätzlich erst nach vollständiger Leistungserbringung verlangt werden kann, bereitet die Beauftragung der
LP 9 besondere Probleme. Findet die Abnahme der gesamten
Ingenieurleistungen erst am Ende der LP 9 statt, beginnt die 5jährige Gewährleistungsfrist für sämtliche Leistungsphasen erst
ab diesem Zeitpunkt. Da die Parteien des Ingenieurvertrages
bei Beauftragung der LP 9 vielfach keine Teilabnahme nach Abschluss der LP 8 vereinbaren, verlängert sich die Gewährleistungsfrist des Ingenieurs für Mängel in den LP 1–8 faktisch von
5 auf 10 Jahre.
Ohne Vereinbarung: keine Pflicht des Auftraggebers zur
Teilabnahme
Die Abnahme des Ingenieurwerks ist Dreh- und Angelpunkt für
die Gewährleistungsfrist und (neuerdings) für die Fälligkeit des
Honorars. Mit der Abnahme beginnt die Verjährung der Mängelansprüche. Ohne Abnahme verjähren Mängelansprüche des
Auftraggebers grundsätzlich nicht. Bei Beauftragung auch der
LP 9 wird der Ingenieur die abschließende Objektbegehung
(letzte Grundleistung der Phase 9) erst 5 Jahre nach Beendigung der Leistungsphase 8 vornehmen können. Somit sind die
Ingenieurleistungen erst 5 Jahre nach der LP 8 beendet; erst
dann ist das Werk abnahmefähig.
Deshalb ist es empfehlenswert, eine Teilabnahme nach LP 8 zu
vereinbaren. Erforderlich dafür ist eine entsprechende vertragliche Vereinbarung der Parteien in Planerverträgen. Grundsätzlich besteht keine Pflicht des Auftraggebers zur Teilabnahme
nach der LP 8. Deshalb muss die vertragliche Vereinbarung einer solchen Pflicht im Vertragstext deutlich niedergelegt werden. Dies hatte zuletzt das OLG München (Urteil vom 10.02.2015,
Az.: 9 U 2225/14) entschieden. Selbst wenn der Auftraggeber
das Honorar für sämtliche Leistungen bis einschließlich Phase
8 bezahlt, kann darin keine konkludente Teilabnahme der bislang erbrachten Leistungen gesehen werden. Eine (Teil-)Schlussrechnung nach Erbringung der LP 8 und deren Bezahlung setzt
lediglich die Verjährung für den Honoraranspruch des Planers
bis zur LP 8 in Gang. Die Parteien müssen bei der Vereinbarung
über eine Teilabrechnung auch den Mängelanspruch ausdrücklich in diese Vereinbarung einbeziehen.
Selbst die folgende, in Planerverträgen häufig anzutreffende
Klausel enthält nach der Rechtsprechung des BGH (Urteil vom
11.05.2006, Az.: VII ZR 300/04) keine Vereinbarung über eine
Teilabnahme: „Die Verjährung beginnt mit der Abnahme der letzten, nach diesem Vertrag zu erbringenden Leistung, spätestens
mit Abnahme der in Leistungsphase 8 (Objektüberwachung) zu
erbringenden Leistung (Teilabnahme). Für Leistungen, die danach noch zu erbringen sind, beginnt die Verjährung mit Abnahme der letzten Leistung.“
Zwar legt diese Regelung den Beginn der Verjährung für den
Fall einer Abnahme der bis zur LP 8 zu erbringenden Leistungen fest und regelt des Weiteren den Beginn der Verjährung für
die danach noch zu erbringenden Leistungen. Eine Verpflichtung zur Teilabnahme wird jedoch dadurch nicht begründet,
sondern legt lediglich den Beginn der Verjährung fest, sofern eine Teilabnahme stattgefunden hat.
Praxistipp
Für Ingenieure ist es im Rahmen der Vertragsgestaltung erstrebenswert, möglichst nach der LP 8 für die bis dahin erbrachten
Leistungen eine Teilabnahme herbeizuführen, um den Beginn
der Verjährungsfrist für die bis dahin erbrachten Leistungen an
diesen Zeitpunkt knüpfen zu können. Es ist somit zu empfehlen, vertraglich einen Anspruch auf Teilabnahme nach Abschluss
der Leistungsphase 8 zu vereinbaren. Die Vereinbarung einer
Teilabnahme muss nach der Rechtsprechung des BGH „klar
zum Ausdruck kommen“. Seit der Novellierung der HOAI 2013
ist die Abnahme bekanntlich Fälligkeitsvoraussetzung für den
Honoraranspruch des Planers (§ 15 Abs. 1 HOAI). Da bei Vertragsverhandlungen nunmehr die Abnahme eine bedeutendere Rolle einnehmen wird, sollte auch intensiv mit dem Auftraggeber die Vereinbarung einer Teilabnahme nach der LP 8 diskutiert werden. Formulierungsvorschlag: „Die Leistungen der
Leistungsphasen 1–8 sind gesondert abzunehmen (Teilabnahme). Mit der Teilabnahme beginnt die Frist für die Mängelhaftung der erbrachten und abgenommenen Leistungen.“
Eine weitere Möglichkeit ist, getrennte Verträge über die
LP 1–8 und über die LP 9 abzuschließen. Wird weder eine Teilabnahme vereinbart noch ein separater Vertrag über die LP 9
geschlossen, sollte der Ingenieur genau abwägen, ob die Vereinbarung der LP 9 wirtschaftlich sinnvoll ist.
Autor:
Rechtsanwalt Dr. Janis Heiliger,
Orth Kluth Rechtsanwälte,
Partnerschaftsgesellschaft mbH, Düsseldorf
BERATENDE INGENIEURE 1/2  2016
53
PRODUKTE UND PROJEKTE
Luft-Erdwärmetauscher
Kostensparend und klimafreundlich
voN MArco FISchEr
rekordsommer sorgen für steigenden Klimatisierungs- und Kühlungsbedarf in verwaltungsgebäuden. Bei wachsenden Energiekosten nimmt die Nachfrage nach energieeffizienten
Technologien zu. Doch wie sehen nachhaltige Lösungen aus? Welchen Beitrag innovative
Luft-Erdwärmetauscher leisten, erläutert der folgende Beitrag.
Jahrestemperaturverlauf im Erdreich
Sand feucht n. Dibowski
25,00
20,00
Temperatur [°C]
Etwa die hälfte der in Deutschland genutzten Büro- und verwaltungsgebäude
ist klima-, kühl- oder lüftungstechnisch
ausgestattet. Der Trend zum höheren
Technisierungsgrad hält an. Die Gründe
dafür sind vielfältig.
Sowohl im sanierten Bestand als auch
im Neubau werden Gebäudehüllen –
nach den vorgaben der Energieeinsparverordnung – immer dichter. Dadurch
bleibt Wärme nicht nur im Winter sondern auch im Sommer im Gebäude. Darüber hinaus neigen die oftmals komplett verglasten, aber gering verschatteten Immobilien bei hohen Außentemperaturen und Sonneneinstrahlung zu
Wärmeentwicklung im Gebäudeinneren. Interne Wärmequellen, beispielsweise computer oder Drucker, verstärken den Wärmeeffekt.
In der Folge steigt der Energiebedarf für
die Gebäudekühlung kontinuierlich an.
Prognosen gehen derzeit von einer verdopplung des Energiebedarfs bis 2020
15,00
10,00
5,00
0,00
−5,00
0
50
100
150
200
250
300
350
Tage
Taußen [°C]
1m
2m
3m
4m
5m
▲ Temperaturverteilung im Erdreich. Quelle: Luft-Erdwärmetauscher Planungsleitfaden,
Teil 2; AG-Solar NRW, 2005
und daraus entstehender co2-Emissionen bis 2030 aus. Das schadet der Umwelt und treibt die Betriebskosten in die
höhe.
Abhilfe schaffen vorgeschaltete LuftErdwärmetauscher (L-EWT). In Gewerbeimmobilien mit üblicherweise luftgeführten Anlagen reduzieren sie den Bedarf an konventionellen Kühlaggregaten oder machen diese im besten Fall
überflüssig. Wie bauliche und gebäudetechnische Maßnahmen den Energiebedarf vermindern bzw. kompensieren, veranschaulicht die Sanierung eines in den 1970er Jahren erbauten Bürogebäudes.
Neben dem Ziel, Energiebedarfe zu verringern und die Energieeffizienz mit erneuerbaren Energieträgern zu verbes-
◀ Speziell für Luft-ErdwärmeübertragerAnlagen entwickelte Rohre mit antimikrobieller Innenschicht. Foto: Rehau
PRODUKTE UND PROJEKTE
▲ Bürogebäude Wien: Anlagenschema
sern, galt es, Design und Funktionalität
des Gebäudes zu erhalten und die Anforderungen arbeitswissenschaftlicher
Erkenntnisse zum raumklima zu erfüllen.
Auf Basis baulicher und gebäudetechnischer voraussetzungen wurde der
Bau unter anderem mit Wärmeschutzverglasungen sowie einer Fassadenund Dachdämmung versehen. Das
neue Energiekonzept umfasst Wärmepumpen, Flächenheizung, Akustikkühldecken sowie eine Lüftungsanlage mit
L-EWT.
Im Betrieb saugt die Klimaanlage die
Außenluft temperaturabhängig direkt
oder anteilig über den L-EWT an. Folgt
üblicherweise auf eine erste Filterstufe
das Wärmerückgewinnungsgerät (WrG)
sowie die Wärmeübertrager zur Erhitzung oder Kühlung, wurde im Bürogebäude eine ungewöhnliche Lösung mit
Kühlung vor dem WrG installiert. Das
System erzielt deutliche Einsparungen
bei der sommerlichen Kühlleistung und
reduziert gleichzeitig die Nacherhitzung. Im Winter erreicht die vorgewärmte Luft Temperaturen, mit der die erforderliche Erwärmung der Zuluft für das
Gebäude in Kombination mit dem Wär-
merückgewinnungsgerät größtenteils
gedeckt ist. Frostschutzregelungen entfallen, da durch den L-EWT die vortemperierung auf ein frostfreies Niveau
ganzjährig gesichert ist.
Das L-EWT-Prinzip selbst beruht auf der
energetischen Speicherfähigkeit des
Erdreichs und ist relativ simpel. Genutzt
wird die Temperaturdifferenz zwischen
Erdreich und Außentemperatur, indem
beim Durchströmen eines rohrsystems
die Luft abhängig von der Jahreszeit gekühlt oder erwärmt wird. Die Temperatur der Gebäudezuluft kann so um bis
zu 20 K vorkonditioniert werden.
Entscheidende Komponenten einer
L-EWT-Anlage sind die rohre. Als Wärmetauscher zwischen der zugeführten
Luft und dem Erdreich, müssen sie die
Anforderungen der vDI-richtlinien (vDI
4640, vDI 6022) erfüllen. Das Material
muss witterungs- und korrosionsbeständig sein und sicherstellen, dass keine gesundheitsschädlichen Stoffe austreten. In der Praxis haben sich aus teilkristallinem Thermoplast-Polypropylen
(PP) gefertigte, steife rohre mit glatter
Innenwand bestens bewährt.
Die von rehau entwickelten rohre sind
außerdem gemäß vDI-richtlinien, nach
Quelle: Rehau
denen transportierte Luft „als Lebensmittel betrachtet und mit entsprechender Sorgfalt behandelt werden“ muss,
mit einer speziellen, antimikrobiell wirkenden Innenschicht versehen, die das
Wachstum von Keimen nachhaltig verhindert. Die patentierten rohre zeichnen sich zudem durch hohe Wärmeleitfähigkeit, Abriebfestigkeit, hohe chemische Beständigkeit und ein spezielles
Safety Lock Dichtsystem aus.
Im Beispiel des Bürogebäudes wurden
für die L-EWT-Anlage insgesamt 18 parallel angeordnete, 30 m lange rohre in
einer Tiefe von 2 m installiert.
Die Berechnung für den sanierten Bau
ergab einen Mischpreis von 0,12 €/kWh
für die Wärme aus der L-EWT-Anlage.
Neben der Senkung der Betriebskosten, trägt die Anlage zu einem gesunden
raumklima bei und dezimiert co2Emissionen. Sämtliche durchgeführten
Maßnahmen erzielten eine verringerung
des Energieverbrauchs um insgesamt
80 %.
Autor:
Marco Fischer, M. Eng.,
rEhAU AG + co, Erlangen
BERATENDE INGENIEURE 1/2  2016
55
PRODUKTE UND PROJEKTE
tecalor
Wärmepumpen effizienter als gefordert
Modelle wie die Luftwasser-WärmePumpe TTL 10 Ac sind als Systemlösung besonders effizient, denn das Gerät ist mit dem Speicher hTSB sowie einer zentralen Lüftung mit Wärmerückgewinnung und einer Fußbodenheizung
kombiniert. Dadurch ergibt sich ein Primärenergiebedarf von 50,86 kWh/m²∙a.
Der daraus resultierende Endenergiebedarf von 28,26 kWh/m²∙a steht für die
Grafik: Tecalor
Die EnEv 2014 sieht vor, dass bei Neubauten der zulässige Jahresprimärenergiebedarf zum 1. Januar 2016 um 25 %
gegenüber der EnEv 2009 sinkt. Die
neue Stufe der EnEv ist eine Zäsur für
die Energieeffizienz von Gebäuden,
denn nun reicht Dämmung allein nicht
mehr aus. Wer die gesetzlichen Forderungen erfüllen will, muss auch in effiziente heiztechnik investieren. Nahezu
alle Wärmepumpensysteme des Tecalor-Sortiments können es mit dem neuen Grenzwert aufnehmen, der auch die
reduzierung des zulässigen Primärenergiefaktors für Strom von 2,4 auf 1,8
vorsieht. Grund hierfür ist der höhere
Anteil regenerativer Quellen im Strommix. Mit Wärmepumpen wie dem Lüftungsintegralgerät ThZ 304 SoL lässt
sich selbst dieser niedrigere Wert deutlich unterbieten. Die Luft-Wasser-Wärmepumpe erreicht einen Primärenergieverbrauch, der bis zu 29 % unter der
vorgabe der EnEv liegt. Das EnEv-referenzgebäude erlaubteinen Primärenergiebedarf von 85,30 kWh/m²∙a.
Effizienzklasse A+, die im neuen Energieausweis angegeben wird.
Der Einbau im Neubau oder die Nachrüstung einer Wärmepumpe im Bestand
wird staatlich gefördert über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA: Marktanreizprogramm
MAP zur Förderung regenerativer heiztechniken) oder die KfW. Beim Einbau
einer elektrisch betriebenen Luft-Wasser-Wärmepumpe in ein bestehendes
Gebäude liegt die Mindestförderung bei
1.500 €.
www.tecalor.de
Getzner
Neues Treppenlager erreicht 31 dB Schalldämmung
Treppen übertragen in Gebäuden oft
Trittschall, der sich über Wände und Decken in angrenzende räume ausbreitet. Das neue Treppenlager SB10 von
Getzner mit einem Trittschallverbesserungsmaß von 31 dB nach ISo 717-2
schafft hier Abhilfe. Das Sylomer®-Lager trennt die Treppenläufe elastisch
vom restlichen Gebäude. Damit reduziert sich die Übertragung von Schwingungen, die für die Entstehung des
Schalls verantwortlich sind. Der Schallschutz eignet sich für alle gängigen
Massivtreppen im Wohn-, Gewerbeund Industriebau, sowohl für ortbetonals auch Fertigteiltreppen. Das neue
Treppenlager kann Lasten üblicher
Treppenläufe mit 6 m Spannweite ohne
Weiteres standhalten. Die maximal zulässige Bemessungslast vd liegt bei
diesem Lager bei 75 kN/m. Der Schall◀ Das neue Treppenlager SB10 aus
Sylomer® mindert Geräusche und
Lärm hörbar.
Foto: Getzner Werkstoffe
56
BERATENDE INGENIEURE 1/2  2016
schutz ist dabei über den gesamten
Lastbereich gegeben.
Das hohe Trittschallverbesserungsmaß
erreicht das Treppenlager bereits mit
12 mm Dicke. Die schnelle, einfache Installation und die Möglichkeit, geringe
Bautoleranzen mithilfe des Treppenlagers auszugleichen, beschleunigen die
Bauarbeiten. Das Lager aus Sylomer®
ermöglicht eine definierte Lasteinleitung
in die Tragstruktur, wodurch sich Betonabplatzungen vermeiden lassen. Die
Wirksamkeit der elastischen Lager ist
auch nach Jahrzehnten nachweislich
noch voll gegeben.
Das Treppenlager SB10 ist in den vier
Ausführungsformen SB10 S, SB10 I,
SB10 L und SB10 Z erhältlich.
www.getzner.com
PRODUKTE UND PROJEKTE
CitrinSolar
RIB
Maßgefertigte Speicher
regenerative heizsysteme sind oft
auch für häuser im Bestand eine günstige Art zu heizen. Dafür ist i. d. r. ein
großzügig ausgelegtes Speichersystem
unabdingbar. Das Problem: Der Einsatz
größerer Speichersysteme scheitert
häufig an den räumlichen Gegebenheiten – entweder steht zu wenig Fläche
zur verfügung oder die Decke für den
geplanten Speicher ist zu niedrig.
Dieses Problems hat sich citrinSolar
angenommen. Ab sofort liefert der
Moosburger Solarthermie- und Speicherspezialist maßgefertigte Speicher
für Kälte- oder Wärmeanwendungen
auf jede Baustelle in Deutschland oder
Österreich. Der Kunde kann bei flexibler höhe Durchmesser zwischen 650
und 2.000 mm frei wählen. Die Speicher
können für die Innen- oder die Außenaufstellung optimiert werden. Dank der
Maßanfertigungen lassen sich z. B.
Speicher mit über 4.600 l Fassungsvermögen bei einer Deckenhöhe von 2,89
m schnell und problemlos realisieren.
Bei Bedarf können die Komponenten
der Sonderspeicher individuell zusammengestellt werden. Auf speichertechDer Solarthermie- und
Speicherspezialist
CitrinSolar bietet maßgefertigte Speicher von
200 bis 40.000 l an.
Foto: CitrinSolar
[email protected] lassen sich in einem
Formular die Anforderungen an den
Speicher detailliert definieren: Neben
Durchmesser, höhe, Inhalt, raumhöhe,
Kippmaß und maximaler Betriebstemperatur kann die Länge der Muffen und
Stutzen sowie deren Anordnung vorgegeben werden. Auf Wunsch lassen sich
die Speicher mit rücklaufschichtrohren, Schichttrennplatten, Einströmbögen, Prallblechen und Düsenrohren optimal an den späteren Einsatzbereich
anpassen. Auch die Ausstattung der
Behälter mit Glattrohrwärmetauscher,
Wellrohrkorb oder mit externen Komponenten, wie dem cS-Frischwassermodul oder dem cS Solartrennsystem, ist
möglich. Um den optimalen Speicheraufbau zu ermitteln, unterstützt der hersteller Interessenten mit einem erfahrenen Planungsteam.
Maßgefertigte Speicher bietet citrinSolar ab 200 l volumen an, das Maximum
beträgt bis zu 40.000 l; auf Wunsch mit
der passenden Isolierung für alle Bauteile und garantiert in gleicher Qualität
wie die Serienprodukte.
www.citrinsolar.de
Entwässerungselemente jetzt als
BIM-Modelle
Die Stuttgarter rIB Software AG ermöglicht künftig mit iTWo civil und
iTWo 5D modellorientiertes Arbeiten bei Maßnahmen im Kanal- und
rohrleitungsbau. Die bereits produktiv im modellbasierten Straßenbau eingesetzten Softwareprogramme hat der hersteller konsequent um diese Funktionalitäten ergänzt und weiterentwickelt. Unternehmen arbeiten mit ein- und demselben System und können Straßenbaumaßnahmen inkl. Aufgaben
im Kanalbau innerhalb eines Projektes koordinieren.
Sämtliche Entwässerungselemente
inkl. der Abrechnungsmengen nach
EN 1610 und DIN 4124 sowie nach
der voB können mit der 3D-cADSoftware iTWo civil unter Berücksichtigung von Tiefenstufen als 5DBIM-Modelle generiert werden. Der
vorteil: Die Informationen entstammen demselben System wie die
Modelldetails zum Straßenkörper
mit den einzelnen Aufbauschichten.
Diese können gemeinsam mit den
volumendaten zum Kanal über
Querprofile in einem Gesamtprojekt
berechnet werden.
Mit iTWo civil und iTWo 5D können
so beispielsweise auf einfache Weise Stücklisten für die Anzahl an
Schachtringen bei einem Kanalprojekt definiert und dynamisch errechnet werden. Analog zum Straßenbau lassen sich Entwässerungselemente um zusätzliche Attribute ergänzen. Diese werden anschließend vollautomatisiert in den
5D-BIM-Prozess übertragen. Genauso können Baufortschritte definiert und sämtliche Prozesse
durchgängig modellbasiert mit den
Programmen gesteuert werden.
www.rib-software.com
BERATENDE INGENIEURE 1/2  2016
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PRODUKTE UND PROJEKTE
Buderus
Heizen und kühlen in acht Leistungsgrößen
Mit der neuen reversiblen Luft/WasserWärmepumpe Logatherm WPL Ar hT
bietet Buderus eine flexible und umweltschonende heiztechniklösung zur
Außenaufstellung für mittlere und größere Anlagen an. Die Logatherm WPL
Ar hT erreicht die Energieeffizienzklasse A (analog Eurovent). Sie liefert mit ihren acht Leistungsgrößen 30 bis 162 kW
heizleistung (nach EN14511, A2/W35)
und 34 bis 177 kW Kälteleistung (nach
EN14511, W7/A35). Als mono- oder bivalentes System und aufgrund des
niedrigen Schalldruckpegels zwischen
48 und 55 db (in 10 m) eignet sie sich
u. a. für Mehrfamilienhäuser, öffentliche
Gebäude sowie gewerbliche und industrielle Anwendungen.
Aus der Leistungszahl (coP-Wert) zwischen 3,3 und 3,5 resultieren hohe Jahresarbeitszahlen und niedrige Betriebskosten. Die Wärmepumpe erreicht
maximal 65 °c vorlauftemperatur und
arbeitet bei Außentemperaturen bis
-20 °c. Zwei unabhängige Kältemittelkreisläufe, in die jeweils bis zu zwei verdichter integriert sind, tragen zu einer
hohen Betriebszuverlässigkeit und einer hohen Teillast-Effizienz bei.
Die hochtemperatur-Wärmepumpe eignet sich sowohl für den Neubau als
auch für die Modernisierung in Bestandsgebäuden, in denen Gas- oder
Öl-heizkessel zu ersetzen sind und das
bestehende heizkörper-verteilsystem
beibehalten werden soll. Für einen höheren Leistungsbedarf lassen sich bis
zu fünf Logatherm WPL Ar hT in Kaskade schalten – damit sind heizleistungen bis zu 810 kW und Kälteleistungen
bis zu 885 kW möglich.
Für eine zeit- und platzsparende Installation kann die Logatherm WPL Ar hT
optional mit einem hydronikmodul ausgestattet werden. Das Modul umfasst
die wichtigsten hydraulischen
Komponenten, so dass
lediglich grundlegende
Installationen wie vorund rücklaufleitungen
sowie der elektrische
Anschluss anfallen.
www.buderus.de
◀ Mit der Logatherm WPL AR HT
erweitert Buderus sein
Produktangebot im mittleren
Leistungsbereich.
Foto: Buderus
Johnson Controls
Heißes Wasser aus Abwärme
Die neue Sabroe heatPAc™ hPX-Wärmepumpen-Baureihe von Johnson
controls eröffnet neue Möglichkeiten
zur Erzeugung von heißwasser bis
90 °c und nutzt dazu alle geeigneten
Niedrigtemperaturquellen bei minimaler
Energiezufuhr. Die innovativen Modelle
bieten eine einstufige Konfiguration bei
weniger als der hälfte an Platz- und Gewichtsbedarf im vergleich zu konventionellen Wärmepumpen, mit denen sich
90 °c heißes Wasser erzeugen lässt. Sie
sind daher nahezu überall einfach zu installieren. Die kostengünstigen, einstufigen Modelle sind für großen thermischen hub und kombinierte heiz-/
Kühlfunktion ausgelegt. Der hPX-hybridverdichter ermöglicht Differenzdrücke bis zu 40 bar und Enddrücke bis 60
bar.
58
BERATENDE INGENIEURE 1/2  2016
Die Baureihe vereint platzsparende verdampfertechnologie und bewährtes
chillPAc™-Design mit stufenlosem Betrieb über den gesamten Leistungsbereich. Standardmäßig sind alle heatPAc
hPX-Wärmepumpen mit einer Drehzahlregelung (vSD) ausgestattet, die
außergewöhnliche Leistung bei maximaler Energieeffizienz realisiert – auch
▶ HeatPAC HPXWärmepumpen: neue
Möglichkeiten
zur Erzeugung von
Heißwasser bis
90 °C.
Foto: Johnson Controls
unter Teillast, wechselnden Bedingungen und unterschiedlichen betrieblichen Erfordernissen. Dadurch sind die
kompakten heatPAc hPX-Wärmepumpen eine optimale Lösung im hinblick
auf Flexibilität, Leistung, Kosten-Nutzen-verhältnis und Betriebskosten.
www.johnsoncontrols.de
PRODUKTE UND PROJEKTE
PERI
Gerüst am höchsten Kirchturm
der Welt
Der 161,53 m hohe hauptturm des Ulmer Münsters wurde 1890 vollendet –
vor 125 Jahren und 513 Jahre nach
Baubeginn. Bei umfassenden Sanierungsarbeiten an der mittelalterlichen
Substanz müssen in den nächsten 10
Jahren 2.500 Steine ersetzt und 1.800
Steine konserviert werden. Aus diesem
Anlass wurde die Südwestseite mit dem
PErI-UP-Gerüst des Weißenhorner
Schalungs- und Gerüstherstellers eingerüstet. Entscheidend bei der Auswahl
des Arbeits- und Schutzgerüsts war für
Münsterbaumeister Michael hilbert und
hüttenmeister Andreas Böhm neben
der Flexibilität des Modulgerüstsystems
insbesondere die regionalität. Die
PErI Zentrale in Weißenhorn mit dem
angeschlossenen Systemgeräte-Mietpark bietet kurze Wege, termingerechte
Materialbereitstellung und eine gute Zusammenarbeit ohne Stillstandzeiten.
Die Unterstützung der Peri-Ingenieure
ist dabei weitreichend: Gemeinsam mit
den Ulmer Münsterbauleuten und den
Gerüstbauern werden vor ort alle
Arbeitsschritte abgestimmt. 3D-Planungen bis hin zum Nachweis der Standsicherheit erfolgen bei PErI in Weißenhorn. Das reibungslose Engineering wird
ergänzt durch die Möglichkeit, auf ein
breites Peri-Produktsortiment auch
durch Zumietung zurückgreifen zu können, denn Peri-Systeme lassen sich nahezu beliebig kombinieren.
An der Basis des 71 m hohen Arbeitsund Schutzgerüstes dient zum Münsterplatz hin eine Schwerlastplattform in
7 m höhe als Zwischenlager der bis zu
1,5 t schweren Steine. Das PErI-UPGerüst ist daher auf die enorm hohe
verkehrslast von 15 kN/m² ausgelegt.
Zusätzlich musste bei Planung und Berechnung berücksichtigt werden, dass
unter der Plattform ein Baucontainer
steht sowie der südliche Münstereingang freizuhalten und zu überbrücken
war.
▶ Sanierungsarbeiten am Ulmer
Münster bis auf
71 m Höhe
▼ Eine PERI-UPPlattform in 7 m
Höhe dient als
Zwischenlager
für die
Ersatzsteine.
Fotos: PERI
GmbH
PErI UP passt sich flexibel an Last und
Geometrie im 25-cm-raster an – sowohl bei der Plattform als auch bei
Überbrückungen in 30 m höhe. Der
handliche, modulare Gitterträger ULS
Flex ist für solche Anwendungen gedacht, bei denen die sperrigen Abmessungen einteiliger Gitterträger den Einbau erschweren oder gar verhindern.
Mit wenigen, leichten Bauteilen lassen
sich damit ohne aufwändige rohrkupplungsverbindungen Überbrückungen
von 3 m bis zu 9 m herstellen. Aufgrund
der kompakten Abmessungen und geringen Einzelgewichte lassen sich die
Systemteile auch durch enge Mannlöcher und mit kleinen Lastenaufzügen
transportieren – ein wichtiger Aspekt
bei Sanierungsarbeiten im Altbau.
www.peri.com
BERATENDE INGENIEURE 1/2  2016
59
PRODUKTE UND PROJEKTE
Jakob
Seilsysteme für
vertikale Gärten
„one central Park“ nennen sich die beiden zukunftsweisenden Wohntürme in
Sidney – ein grünes Wunder aus ranken und Blattwerk, aufgezogen an
15.000 m Stahlseilen und Stäben. Für
dieses Bau-Ensemble der Superlative
haben sich zusammengetan: der französische Stararchitekt Jean Nouvel, der
französische Botaniker Patrick Blanc
und – für die Ausführung – die australische Firma Tensile Design & construct,
die zunächst untersuchen musste, wie
sich Kletter- und rankgewächse bei hohen Windgeschwindigkeiten verhalten.
Studien im Windkanal waren erforderlich, denn Erkenntnisse darüber, welche
Kräfte in 120 m höhe auf begrünte Fassaden einwirken und wie sich die Pflanzen stabilisieren lassen, gab es nicht. Im
Ergebnis dieser weltweit einzigartigen
Forschungsleistung stieß schließlich die
Firma Jakob aus dem schweizerischen
Trubschachen zur Firmengruppe. Ihre
Architekturseile waren sowohl von der
haltbarkeit als auch von der Ästhetik
her am besten geeignet, das kühne Projekt in der australischen Metropole
Wirklichkeit werden zu lassen.
Nun steht der Bau, dessen Blühen und
▲ Das vielbestaunte
grüne Wunder in
Sydney: Ein freitragender Heliostat leitet
natürliches Licht zwischen die beiden
Baukörper.
◀ Bis zum Dachgarten
mit Aussicht über die
australische
Hauptstadt ranken
sich Pflanzen an
Architekturseilen.
Fotos: Jakob GmbH
60
BERATENDE INGENIEURE 1/2  2016
Grünen entlang steinerner Fassaden an
den Zauber „hängender Gärten“ erinnert. Bis in Schwindel erregende höhen
und vorbei an 34 Wohn-Etagen türmt
sich Grün nach oben. Die Seilsysteme
aus der Produktreihe „Jakob Green Solutions“ durchziehen in der vertikalen
1.120 m² und tragen 35.200 Pflanzen,
die im heißen australischen Sommer für
verschattung und Kühlung im Gebäudeinneren sorgen. Bei intensiver Sonneneinstrahlung bescheren sie den 623
Wohnungen einen sparsamen Energieverbrauch, 30 % niedriger als normal.
Damit das Grün trotz der fehlenden Erde
an den Wänden wachsen kann, wurde
eigens ein ferngesteuertes Tropfbewässerungssystem entwickelt. Die Wurzeln
der Pflanzen sind auf der Drahtverkleidung an einem Filz befestigt. Den Spezialseilen von Jakob macht das nichts
aus: Sie sind sogar gegen Salzwasser
haltige Witterungseinflüsse und das Pazifikklima in der hafenstadt Sidney dauerhaft gefeit.
Tina Keller-Stadelmann/KS: PR
www.jakob.com
PRODUKTE UND PROJEKTE
InnovationCity Ruhr
Zukunftshaus in Bottrop eröffnet
Bundesbauministerin Dr. Barbara hendricks hat Mitte oktober 2015 in Bottrop das covestro Zukunftshaus eingeweiht. Das Geschäftsgebäude in der Innenstadt erzeugt nach umfassender
Sanierung mehr Energie als es verbraucht und ist damit ein vorzeigeobjekt der Innovationcity ruhr. Zugleich
kann es als bundesweites Modell für
die ökologische Modernisierung vieler
anderer Gewerbeimmobilien dienen.
Das haus wurde von der KlimaExpo.
NrW offiziell in die riege der vorreiter
für den Klimaschutz in Nordrhein-Westfalen aufgenommen.
Die umfangreiche Sanierung des Gebäudes aus den 1960er Jahren geht auf
einen 2012 ausgelobten Wettbewerb
der Innovationcity ruhr | Modellstadt
Bottrop zurück. Als führender Partner
des Projekts leistete covestro, die vormalige Bayer MaterialScience, einen
▲ Vorher: Das Geschäftshaus aus den 1960er
Jahren in der Bottroper Innenstadt
maßgeblichen Beitrag bei der realisierung des Projektes. Darüber hinaus
steuerten weitere Unternehmen Produkte und Lösungen für das vorhaben
bei.
Bauherr und Projektentwickler oliver
helmke unterstrich die Bedeutung des
Projekts: „Da es das einzige uns bekannte Geschäftshaus weltweit ist, das
sich durch eine Komplettsanierung
zum Energie-Plus-haus gewandelt hat,
messen wir dem Gebäude eine globale
vorbildfunktion in Sachen Nachhaltigkeit bei.“
Bei der Sanierung kam eine Mischung
aus innovativen und erprobten Komponenten zum Einsatz, die einen co2neutralen Betrieb einschließlich aller
Geräte im haus ermöglichen. So wurden neben einer optimierten PU-Gebäudedämmung dreifach verglaste
Fenster mit Lamellen im Scheibenzwi-
schenraum eingebaut, die eine maximale Außenlichtnutzung ermöglichen.
Über Glasfasertechnik wird zudem
Sonnenlicht direkt in fensterlose räume geleitet. Diese Beleuchtung wird
durch LED-Lichttechnik mit Präsenzmeldern ergänzt. Eine Pv-Anlage mit
einem prognostizierten Jahresertrag
von 26.000 kWh und angeschlossenem
Stromspeicher sichert die Stromerzeugung, weitere 300 kWh steuert eine
vertikale Windkraftanlage bei. Zur Wärmeversorgung werden eine Geothermie-Wärmepumpe sowie Fernwärme
zur Abdeckung von Spitzenlasten genutzt. Auch die Mieter profitieren von
den Technologien: Eine dezentrale Lüftungsanlage mit über 90-prozentiger
Energierückgewinnung und eingebundene co2-Fühler sorgen für optimales
Arbeitsklima.
www.icruhr.de
▲ Nachher: Der Energieverbrauch des Gebäudes konnte um fast 75 % gesenkt
werden.
Fotos: InnovationCity Ruhr
BERATENDE INGENIEURE 1/2  2016
61
PRODUKTE UND PROJEKTE
REHAU
Erdkabel gut gesichert
◀ Erdkabeltrasse
Raesfeld:
Der Bauherr entschied
sich für
die Verlegung der Kabel
in Rauguard-HVSchutzrohren.
▼ Temporäre
Betonfertigteile
verhindern den
Auftrieb.
Fotos: REHAU
Zur Beschleunigung der Energiewende
wird beim Ausbau von Stromtrassen
verstärkt auf unterirdisch verlegte Erdkabel gesetzt. Zum Sammeln von Erfahrungen mit dem Bau und Betrieb von
Erdverkabelung auf höchstspannungsebene hat die Bundesnetzagentur ausgewählte Trassen für Pilotprojekte freigegeben. In diesem rahmen hat der
Übertragungsnetzbetreiber Amprion
mit dem Erdkabelabschnitt bei raesfeld im Zuge des Projektes Nummer 5
nach Energie-Leitungs-Ausbau-Gesetz
(EnLAG) die deutschlandweit erste Erdkabeltrasse auf 380 Kv höchstspannungsebene umgesetzt. Im Frühjahr
2016 soll sie ans Netz gehen.
Insgesamt wurde auf 3,4 km die 380 Kv
Neubautrasse als vierer-System in
Form von 12 Drehstromkabeln unter die
Erde gelegt. Am Anfang und Ende des
Erdkabelabschnittes wurde jeweils eine
Kabelübergabestation gebaut, um die
Kabel der anschließenden Freileitung
unter die Erde zu führen. Aufgrund der
erhöhten Anforderungen für erdverlegte
höchstspannungskabel entschied sich
der Bauherr Amprion für die verlegung
der Kabel in rAUGUArD hv Schutz-
62
BERATENDE INGENIEURE 1/2  2016
rohren. Damit konnten sowohl vorteile
bei der verlegung sowie beim Kabeleinzug erzielt werden. Durch die gewählte
rezeptur und das Design des rauguard-hv-rohrsystems kann eine langfristige Betriebssicherheit und Werterhaltung der Erdkabeltrasse gesichert
werden.
Für die Kabelverlegung sowie die spätere Wärmeableitung wurden die rauguard-hv-Schutzrohre in Flüssigboden-Bauweise eingebaut. Die dabei
auftretenden Auftriebskräfte konnten
über temporäre Betonfertigteile bzw.
Stahlkonstruktionen
aufgenommen
werden. Zur wirtschaftlichen Ausführung der Kabeltrasse konnten durch
verwendung der rauguard-Schutzrohre die Befestigungsabstände optimiert
und die temporären Konstruktionen je
Bauabschnitt wiederverwendet werden. Insgesamt wurden über 40 km
rauguard-hv-Schutzrohre verbaut.
www.rehau.de/telekommunikation
PRODUKTE UND PROJEKTE
KLB-Klimaleichtblock
Planstein-Sortiment erweitert
Wandbaustoffe müssen viele bauphysikalische Anforderungen erfüllen und zugleich wirtschaftlich bleiben. Der
Leichtbeton-hersteller
KLB-Klimaleichtblock (Andernach) bietet dafür
jetzt eine neue Lösung: Ab sofort sind
die Planblöcke „SK08“ und „SK09“
auch in 42,5 und 49,0 cm Breite erhältlich. Damit lassen sich beispielsweise
Einfamilien-, Doppel- und reihenhäuser in allen KfW-Effizienzhaus-Standards, nach Passivhaus-vorgaben und
auch als Plusenergiehaus ausführen.
Bauherren kommen so in den Genuss
einer finanziellen Förderung und erhalten zugleich eine Gebäudehülle nach
aktuellen energetischen Maßstäben.
Die Mauersteine des KLB-Baukastens
folgen dem Prinzip der „inneren Funktionstrennung“: Sie vereinen Tragfähigkeit und Wärmedämmung in ein und
derselben Mauerschale. Massive Innen- und Außenstege bis zu 36 mm gewährleisten gute statische Eigenschaf-
ten der neuen Steinvarianten. Diese
bleiben gleichzeitig dank der vollen
Auslastung der Druckfestigkeitsklasse
2 und des damit relativ geringen Gewichtes leicht zu verarbeiten. Die Wärmedämmung wird durch die mineralischen Steinwoll-Stecklinge gesichert.
Sie werden über die gesamte höhe in
die Kammern des Mauersteins eingebracht und bieten Wärmeleitwerte
(λ-Werte) von 0,08 und 0,09 W/(m K).
Mauerwerk aus 49 cm dicken SK08Plansteinen erreicht in Kombination mit
1,5 cm dickem Innenputz und 2 cm dickem Außen-Wärmedämmputz einen
U-Wert von 0,15 W/(m2K). So lassen
sich Niedrigenergiehäuser bis hin zum
Passivhaus-Standard errichten – ohne
Zusatzdämmung der Außenwände
(WDvS). Mit dem „SK08“ und „SK09“
lassen sich die aktuellen Energiestandards der EnEv 2014/16 erfüllen.
Die Leichtbeton-Plansteine begünstigen außerdem einen „natürlichen Ener-
giegewinn“, denn das Mauerwerk verhält sich gegenüber Temperaturschwankungen ausgesprochen träge.
Neben einer konstanten „WohlfühlTemperatur“ wirkt sich dies vor allem
positiv auf die Energiebilanz des Gebäudes aus. Dank des unkomplizierten
rohstoffabbaus und des umweltfreundlichen herstellungsverfahrens sind
Leichtbetonsteine auch ökologisch
hochwertig.
www.klb-klimaleichtblock.de
▲ KLB-Plansteine „SK08“ und „SK09“ sind jetzt
auch in den Wanddicken 42,5 und 49,0 cm
erhältlich.
Foto: KLB-Klimaleichtblock
BINE
Bohren wie der Blitz
Etwa 95 % der geothermischen Wärmeressourcen in Deutschland stecken
im kristallinen Gestein. Die bisherigen
Bohrverfahren kommen in diesem harten Gestein aber nur langsam voran und
verschleißen schnell. Die BINE-Projektinfo „Elektroimpulse zerkleinern hartes
Gestein“ (13/2015) stellt ein alternatives
Bohrverfahren vor. Bei diesem zerkleinert ein hochspannungsimpuls das Gestein. Das verfahren weist nur eine geringe Abnutzung des Bohrkopfs auf und
ermöglicht bis zu 30 % niedrigere Bohrkosten.
Beim Bohren mit dem Elektro-Impulsverfahren (EIv) liegen zwei Elektroden in
der Tiefe auf der Gesteinsschicht auf.
Über sie werden Impulse von 400 kv ins
Gestein eingeleitet. Im Durchschlagskanal des Impulses steigen innerhalb
▲ Das Verfahrensprinzip des EIV-Verfahrens
Grafik: TU Dresden
des Gesteins Druck und Temperatur
und es bricht auf. Das dadurch entstehende Bohrklein wird von einer nichtleitenden Bohrspülung abtransportiert.
Die Erprobung des EIv-Bohrkopfs auf
einem Teststand unter bohrlochähnlichen Bedingungen verlief erfolgreich.
Ziel des derzeit laufenden Folgeprojektes ist, ein komplettes Bohrsystem zu
entwickeln und in einer realen Bohrung
zu testen.
Wissenschaftler der TU Dresden entwickeln das EIv-Bohrsystem gemeinsam
mit industriellen Partnern. Bohrarbeiten
können innerhalb geothermischer Projekte bis zu 90 % der Investitionen ausmachen. Jede technische verbesserung und Kostensenkung bei den Bohrverfahren bringt damit neue geologische Wärmereservoire in wirtschaftliche
reichweite.
Die Projektinfo ist kostenfrei beim BINE
Informationsdienst von FIZ Karlsruhe
erhältlich.
www.bine.info
BERATENDE INGENIEURE 1/2  2016
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PRODUKTE UND PROJEKTE
Industrieverband Feuerverzinken
„Wolke“ auf feuerverzinkter Stahlkonstruktion
Luftig und leicht schwebt das weltgrößte Ein-Kammer-Luftkissen über dem
neuen Busbahnhof der Schweizer Stadt
Aarau und wird von der Bevölkerung liebevoll „Wolke“ genannt. Getragen wird
es von einer minimalistischen Stahlkonstruktion, die je nach Perspektive und
Lichtverhältnissen unterschiedlich stark
zu sehen ist. Entworfen wurde der
Bahnhof von den Schweizer Architekten vehovar Jauslin in Zusammenarbeit
mit dem deutschen Ingenieurbüro
formTL, das weltweit bereits zahlreiche
innovative Leichtbauten realisiert hat.
Die Stahlkonstruktion besteht aus
einem frei geformten, ebenen Stahlrost,
der in 7 m höhe auf 11 filigranen Stahlstützen steht. Er überdeckt rund
1.000 m² und hat eine mittige Aussparung. Die aus optischen Gründen bis zu
8 Grad geneigten Stützen sind in den
Stahltisch eingespannt und an ihren
Fußpunkten gelenkig auf der Tiefgaragendecke gelagert. In den ebenen rost
aus rechteckrohren sind die sternförmigen Stützenköpfe über biegesteife
hv-Schraubstöße höhengleich eingebunden. An jedem Stützenkopf schließen 4 bis 8 rechteckrohre an. Der frei
geformte äußere und innere Dachrand
◀ Luftig und leicht: Das
weltgrößte EinKammer-Luftkissen
des Busbahnhofs in
Aarau
◀ Vielschichtig: Seilnetz,
bedruckte ETFE-Folie
und die innen-liegende
Stahlkonstruktion
◀ Dauerhaft und wartungsfrei: Die feuerverzinkte und anschließend beschichtete
Stahlkonstruktion
Fotos: Niklaus Spoerri
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BERATENDE INGENIEURE 1/2  2016
(rohre 355,6 x 10) ist über kurze Kragarme biege- und torsionssteif mit dem
Stahlrost verschraubt.
Bis zu 41 m lange Edelstahlseile spannen von rand zu rand und bilden zusammen mit den 2-teiligen Knoten an
den Seilkreuzungen ein räumliches Seilnetz mit einer freien Maschengeometrie. Die projektbezogen entwickelten
Seilnetzknoten sichern die Lage der
Seile während der Montage sowie bei
einem längeren Ausfall der Stützluftversorgung, was aber eher unwahrscheinlich ist.
Die technische Ausstattung der „Wolke“
wurde unsichtbar in das Tragwerk integriert. Bis auf die umlaufende v-förmige
Blende sind alle Bauteile tragend, formgebend oder medienabdichtend. Alle
verbindungen und verstärkungen wurden „auf Sicht“ konstruiert.
Die gesamte Stahltischkonstruktion,
bestehend aus Stützen und biegesteife
Tischprofilen, wurde als Duplex-System
ausgeführt, d. h., feuerverzinkt und anschließend mit einem Nasslack farbbeschichtet. hierdurch können aufwendige Wartungsarbeiten am Korrosionsschutz der im Kissen liegenden Stahlkonstruktion während der geplanten
50-jährigen Nutzungszeit ausgeschlossen werden.
Die obere blaue und die untere klare Folie des ETFE-Kissens sind mit Luftblasen bedruckt. Durch die ablesbare vielschichtigkeit des Daches aus Seilnetzen, bedruckter blauer und klarer ETFEFolie und innenliegender Stahlkonstruktion entsteht sowohl bei Tag als auch
bei Nacht ein wechselndes Spiel von
Licht und Schatten, Sichtbarem und
verborgenem. Das Kissen setzt
Maßstäbe hinsichtlich der Dichtigkeit,
es bleibt selbst bei einem 24-Stundenausfall noch aufgeblasen. Das Gebläse
hat die Aufgabe, den Kissendruck zu
halten und anzupassen und die Luft
umzuwälzen, damit eindiffundierte
Feuchte absorbiert werden kann. Die
nachweislichen Betriebskosten für die
Stützluftversorgung betragen weniger
als 1 €/m² a.
www.feuerverzinken.com
TIPPS UND TERMINE
BÜCHER
AHO-HEFT 23 ZUM
WÄRMESCHUTZ
Das heft Nr. 23 „Wärmeschutz und
Energiebilanzierung“ der Aho-Schriftenreihe wurde im hinblick auf die aktuelle Fassung der Energieeinsparverordnung (EnEv) aber auch infolge der Novellierung der hoAI 2013 vollständig
überarbeitet. Damit entsprechen die beschriebenen Leistungen den Planungsanforderungen, die in der täglichen Arbeit der Planer neben den bauaufsichtlich und gesetzlich geforderten Nachweisen heute erforderlich sind. Die Autoren haben ferner die hinweise und
Anregungen aus der Praxis, die aus der
vorauflage resultierten, eingearbeitet.
Dem heft liegt eine honorartafel zu-
grunde, in der abweichend von der honorartafel in der Anlage 1 hoAI 2013
gebührend Berücksichtigung findet,
dass bereits 1996 für die Leistungen
zum Begrenzen der Wärmeverluste und
Kühllasten, zur Ermittlung der wirtschaftlichen optimalen Wärmedämmmaßnahmen durch Minimierung der
DER WASSERMANN
ralf Steeg ist eine Persönlichkeit, unprätentiös, extrem höflich, ein freundlicher Mensch. Er macht den Eindruck,
agil und umtriebig im besten Sinne zu
sein. Sandra Prechtel stellt in ihrer Biografie einen unbeugsamen und willensstarken Menschen vor, der durch das
was ihm widerfahren ist, genug Zähigkeit besitzt seinen Kampf (kein Begriff
träfe es besser) zu führen. Steeg ist der
Wassermann, und es geht um seinen
Kampf für eine saubere Spree, einen
Fluss zum Leben und Baden mitten in
Berlin.
Die Mischwasserkanalisation macht
es schwer, diesen Plan in die realität
umzusetzen. Bei jedem Starkregen
läuft sie über und ergießt sich in die
Spree mit allem Schmutz von Straßen
und Wegen und den entsprechenden
Folgen. Sicher, man kann mit einem
Schiff den Fluss rauf und runter fahren und Sauerstoff ins Wasser pumpen oder man beseitigt das Problem
denkbar einfach an der Wurzel: Mit
einer Auffanganlage am Ende der
überlaufenden rohre. So wie man einen Eimer unter ein leckendes rohr
stellt, wie Steeg selbst einmal sagte.
Bevor dieser Teil von Steegs Geschichte beginnt, erfährt der Leser auf den hundert Seiten davor von einem Leben, das
Spuren und verletzungen in einem jungen Menschen hinterlassen hat, der immer unbeugsam und willensstark bleibt,
der Akademiker, Ingenieur sein will, „diese rüstung tragen, die mich schützt, mit
der ich durch mein weiteres Leben gehe“. Wie er sich wünscht, seine Erfahrungen vom Flussbaden in der Schweiz
auf die Spree übertragen zu können und
Baunutzungskosten sowie zur Planung
von Maßnahmen zum sommerlichen
Wärmeschutz ein honorar frei zu vereinbaren war. Die honorartafel des heftes
23 orientiert sich demgemäß an dem
zwischen Auftraggeber- und Auftragnehmerseite abgestimmten Abschlussbericht zur Evaluierung der hoAI-Leistungsbilder.
Das vollständig überarbeitete heft Nr.
23 macht für alle an der Planung Beteiligten den Planungsprozess transparent
und hilft damit, die Planungsqualität
auch zukünftig nachhaltig zu sichern.
Es hilft dabei, ein für die erforderlichen
Planungsleistungen auskömmliches
honorar zu kalkulieren.
Aho-Schriftenreihe, heft 23: Wärmeschutz und
Energiebilanzierung.2., vollständig überarbeitete
Auflage, September 2015.
Bestellung: www.aho.de
seine Idee als Erstes einem Astronauten der Europäischen raumfahrtagentur, bei der er spontan anruft, am Telefon kundtut. Der Astronaut findet die
Idee „großartig“.
Wir haben in BI häufiger über dieses
Projekt „Spree 2011“ berichtet, über
die Technologie, über den Fortgang,
die Partner, die Forschungsgelder und
glücklicherweise dann auch über die
Eröffnung der Pilotanlage im Treptower hafen. In der Biografie wird geschildert, welche wahnwitzigen Erfahrungen ralf Steeg mit Behörden und
Ämtern macht, insbesondere mit der
Behala, der Berliner hafen- und Lagerhaus-Gesellschaft, die sich große
Mühe gibt, ein öffentlich gefördertes
Forschungsprojekt zu verhindern.
Das Buch ist eine Biografie wie ein Krimi, über einen Mann, der nach wie vor
im Auftrag des Wassers unterwegs ist
und seine modular gebauten Auffanganlagen nunmehr im Ausland verkauft.
Martina Gabriel
Sandra Prechtel: Der Wassermann – ralf Steeg
und sein Kampf für den sauberen Fluss. herbig
verlagsbuchhandlung Gmbh, München 2015,
20 Euro, ISBN978-3-7766-2766-4.
BERATENDE INGENIEURE 1/2  2016
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TIPPS UND TERMINE
VERGABEHANDBUCH HVA F-STB
Das „handbuch für die vergabe und
Ausführung von freiberuflichen Leistungen im Straßen- und Brückenbau (hvA
F-StB)“ ist das vom Bundesministerium
für verkehr und digitale Infrastruktur
(BMvI), Abteilung Straßenbau (StB), herausgegebene regelwerk für die Durchführung der vergabeverfahren sowie
das Abwickeln der verträge für freiberufliche Leistungen im Straßen- und
Brückenbau. Das hvA F-StB wurde in
der Bund-/Länder-Dienstbesprechung
„Auftragswesen im Straßen- und Brückenbau (BLD-A)“ erarbeitet. Jetzt hat
das BMvI mit dem Allgemeinem rundschreiben Straßenbau (ArS) Nr. 3/2015
die neu gefasste hvA F-StB, Ausgabe
Dezember 2014, den Ländern bekannt
gemacht. Es ersetzt die Ausgabe September 2006, Fassung Mai 2010, Änderung Juli 2013.
Das hvA F-StB gliedert sich in
hinweise: richtlinien für das Anwenden
des handbuches
Teil 1: richtlinien für das Aufstellen der
vergabeunterlagen
Teil 2: richtlinien für das Durchführen
der vergabeverfahren
Teil 3: richtlinien für das Abwickeln der
verträge
Teil vordrucke: vordrucke für die Teile 1
bis 3
Teil vertragsbedingungen: mit den Allgemeinen und Technischen vertragsbedingungen
Anhang: Beispiel für den Entwurf eines
Ingenieurvertrags „Ersatzbauwerk“,
Gesetze, verordnun gen, richtlinien
(GWB, vgv, voF, rvP, hoAI); Schlussbericht Gutachten „Leistungsbeschreibungen für faunistische Untersuchungen (FE 02.332/2011/LrB)“.
Die derzeit 84 vordrucke sind zusätzlich
als rechenfähige und ausfüllbare Formulare exklusiv programmiert und im
original-handbuch des FGSv verlages
auf cD enthalten.
FGSv 941: hvA F-StB – handbuch für die vergabe
und Ausführung von freiberuflichen Leistungen im
Straßen- und Brückenbau, Ausgabe Dezember
2014, 98 EUr, FGSv verlag, Köln, Bestellung:
www.fgsv-verlag.de
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BERATENDE INGENIEURE 1/2  2016
ABWASSERWÄRMENUTZUNG
Der ressourcen- und Energieverbrauch
von Gebäuden ist einer der wichtigsten
Aspekte der Energieeffizienz von Gebäudeplanung und -betrieb, weshalb
bei nachhaltigen Bau- und Betriebskonzepten jede Energieressource genutzt
wird. Die Abwasserwärmenutzung als
großes, nicht ausgeschöpftes Potenzial stellt eine wichtige Komponente für
den energieeffizienten Betrieb von Gebäuden dar.
Der Autor zeigt, dass Abwasserwärmenutzung in vielen Fällen wirtschaft-
lich ist. Das Buch soll helfen, die voraussetzungen für den Einsatz der Abwasserwärmenutzung bei Neubauten
oder Bestandssanierungen zu prüfen.
Deshalb werden die Grundlagen erläutert, die für die Abwasserwärmenutzung
von Belang sind und durch die Darstellung von beispielhaften Anwendungen
ergänzt. Nacheinander wird auf rechtliche und physikalische Grundlagen sowie wirtschaftliche Zusammenhänge
eingegangen, darauf aufbauend werden Wärmetauschersysteme dargestellt.
Auf dieser Grundlage wird ein Leitfaden
zur Projektbearbeitung erstellt und ein
Beispiel vorgestellt. Der Autor versteht
das Buch als Leitfaden für die interdisziplinäre Zusammenarbeit der beteiligten Architekten, Ingenieure und Stadtplaner, aber auch für Facilitymanager,
Investoren, Projektentwickler, Banken,
Kommunalpolitiker und Abwasseranlagenbetreiber.
Achim hamann: Grundlagen der Abwasserwärmenutzung. Leitfaden für Architekten, Ingenieure
und Stadtplaner. Fraunhofer IrB verlag, Stuttgart
2015, 39 Euro, ISBN 978-3-8167-9467-7,
E-Book ISBN 978-3-8167-9468-4.
ENERGIEEEFIZIENTE WOHNUNGEN
Der Leser erhält einen kompakten Überblick über praktikable Energieeffizienzlösungen im Wohnungsneubau und bei
der Sanierung. Zunächst erfolgen die
Analyse der Ausgangssituation und die
Betrachtung der rechtlichen rahmenbedingungen und vorgaben, bevor die
eigentliche Durchführung der Baumaßnahme – unter Beachtung wirtschaftlicher, rechtlicher und sicherheitstechnischer Anforderungen – erläutert wird.
Auch der aktuelle Stand des Intelligenten Wohnens ist Thema des nunmehr in
2., völlig neu bearbeiteter Auflage vorliegenden handbuchs.
Autor Dipl.-Ing. Konrad Micksch war bis
zu seinem ruhestand Inhaber des Ingenieurbüros bebecon in Berlin, hielt vorträge zu erneuerbaren Energien in Industrie und Landwirtschaft und führte
Schulungen durch.
Micksch, Konrad: Energieeffiziente Lösungen im
Wohnungsbau – handbuch für Analyse, Planung
und Projektentwicklung. vDE verlag, Berlin 2015,
36 Euro, ISBN 978-3-8007-3932-5, auch als EBook erhaltlich.
TIPPS UND TERMINE
WÄRMEPUMPEN
Dieser Praxis-Band bietet fachkundige Unterstützung bei der Planung, Installation und Ausführung von Wärmepumpenanlagen. Aufgrund seiner langjährigen Erfahrungen aus Entwicklung, Projektierung und Begutachtung von Wärmepumpenanlagen weiß Autor Jürgen
Bonin, welche Fehler im Alltag speziell unter Zeitdruck häufig gemacht werden. Deshalb
konzentriert er sich in seinem Buch besonders auf die Analyse dieser Planungs- und Ausführungsfehler sowie auf das Erkennen häufiger Ursachen und Fehlerquellen. Anhand von
Praxisbeispielen werden vermeidungsstrategien aufgezeigt und handlungsempfehlungen
für Planer und Installateure ausgegeben.
E-Mail: [email protected], Inte
Jürgen Bonin: Wärmepumpen. Fraunhofer IrB verlag, Stuttgart 2015, 48 Euro, ISBN 978-3-8167-9454-7, E-Book
ISBN 978-3-8167-9455-4.
WÄRMERÜCKGEWINNUNG IN
RLT-ANLAGEN
SCHNEIDER – BAUTABELLEN
Im März 2016 erscheint die Neuauflage
der Bautabellen, die seit über 40 Jahren
das Standardwerk für jeden Bauingenieur sind.
Neu oder wesentlich überarbeitet in der
22. Auflage:
- Stahl- und verbundbrücken
- Baubetrieb, Bauprozessmanagement
- Sicherheits- und Gesundheitsschutz
auf Baustellen
- Befestigungstechnik, im hinblick auf
die zukünftig geltende Norm DIN EN
1992-4
- Mauerwerksbau
- Siedlungswasserwirtschaft
Albert (hrsg.): Schneider – Bautabellen für Ingenieure, 22., überarbeitete Auflage 2016, Bundesanzeiger verlag, Köln, 49,90 Euro, ISBN: 978-3-84620660-7.
Ausführlich und kompetent werden die
verschiedenen Techniken der Wärmerückgewinnung bei rLT-Anlagen aufgezeigt, ihre vor- und Nachteile, ihre Einsatzmöglichkeiten sowie ihre Wirtschaftlichkeit erläutert. Aktuelle verordnungen (EnEv), Gesetze (EEWärme),
Normen und richtlinien sowie die ab
2016 wirksame europäische Ökodesign-richtlinie für zentrale rLT- und Klimageräte werden vorgestellt. Fazit: Die
Wärmerückgewinnung kann einen bedeutenden Beitrag zur Energiewende
leisten. Der Autor Dr.-Ing. Manfred Stahl
hat an der Universität Essen studiert
und dort im Bereich Lüftungs- und Klimatechnik promoviert. Er ist herausgeber von cci Zeitung, Fachjournalist für
Lüftungs-, Klima-, Kälte- und Gebäudeenergietechnik sowie Unternehmensberater und Autor zahlreicher veröffentlichungen.
Manfred Stahl: Wärmerückgewinnung in rLT-Anlagen. cci-Buch im vDE verlag, Berlin 2015, 34 Euro,
ISBN 978-3-8007-3947-9, auch als E-Book erhältlich.
GEBÄUDE-LUFTDICHTHEIT
Der Fachverband Luftdichtheit im Bauwesen (FLiB e. v.), Berlin, hat den lange
erwarteten zweiten Band seiner reihe
„Gebäude-Luftdichtheit“ vorgelegt. Das
Buch vereint eine vielzahl von Fachbeiträgen rund um die luftdichte Gebäudehülle. Dazu zählen Ausführungen zur
rolle konzeptioneller Leistungen für das
Entstehen von Gebäude-Luftdichtheit
einschließlich praktischer Umsetzungsbeispiele ebenso wie Berechnungen
zum Abschätzen des Luftwechsels bei
freier Lüftung oder ein Beitrag über den
werkvertragsrechtlichen Streit um Luftdichtheit. Besonderen Wert legen die
Autoren auf die Praxisrelevanz ihrer Beiträge.
Fachverband Luftdichtheit im Bauwesen e. v.
(hrsg.): Gebäude-Luftdichtheit, Band 2, Berlin
2015, 24,90 Euro, ISBN 978-3-00-049313-3 oder
onlinebestellung unter: www.flib.de.
BERATENDE INGENIEURE 1/2  2016
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TIPPS UND TERMINE
VBI-Intensiv-Seminare
1. März, Berlin
Moderations- und Kommunikationstechniken für die Leitung von Besprechungen und Projektteams
Inhalt: Sie lernen und üben worauf es bei der Leitung von Projektteams ankommt, wie Sie Besprechungen moderieren, festgefahrene Situationen konstruktiv auflösen, mit Störern und Störungen umgehen. Erfahren Sie mehr über
Typen und rollen im Team, Phasen der Teamentwicklung und wie Sie ein gutes Klima im Team erzeugen.
Referent: rainer Baber, M. A., Baber consulting
8. März, Mülheim
Was tun, wenn der Auftraggeber nicht zahlt?
Inhalt: Welche Anforderungen stellt die aktuelle rechtsprechung an die Durchsetzungen offener honorarforderungen? Wie kann ich das richtig abgerechnete honorar im Notfall schnell und effizient bekommen? Auf was muss ich hierbei bei der vertragsgestaltung, speziell im hinblick auf ein etwaiges Gerichtsverfahren beachten? Dies und weitere Themen zum Umgang mit alltäglichen
Abrechnungs-Situationen werden anhand aktueller rechtsprechung, Praxisfällen und Formulierungsbeispielen im Dialog mit den Teilnehmern entwickelt.
Referent: rechtsanwalt & Mediator Dr. hendrik hunold, Leinemann Partner
rechtsanwälte, Fachanwalt & Lehrbeauftragter für Bau- und Architektenrecht
an der Fh München
10. März, Frankfurt/M.
Rhetorisch kluges Verhalten in Verhandlungssituationen
Inhalt: Tipps und Strategien zur effektiven verhandlungsvorbereitung, Strategien und Techniken zur erfolgreichen verhandlungsführung. Lernen Sie, wie
man die eigenen Argumente vorteilhaft und überzeugend darstellt, sich auf
„schwierige“ verhandlungspartner (hyperkritisch, arrogant, rechthaberisch,
cholerisch usw.) vorbereitet, unfaire verhandlungstaktiken und rhetorische Fallen rechtzeitig erkennt, persönliche Angriffe souverän abwehrt und rhetorisch
klug auflöst.
Referent: Dipl.-Ing. (Fh) holger Sucker, Dr. Gaik Seminare & coachings, Lehrbeauftragter für Kommunikation und Präsentation Bergische Universität Wuppertal, Lehrstuhl für Bauingenieurwesen
Informationen und Anmeldung zu allen VBI-Intensivseminaren:
www.unita.de
TERMINE
22.–23. Februar, Regensburg
ENERGIESPEICHER
In dem otti-Seminar „Stationäre Energiespeicher in regionalen Netzen – Technischer Aufbau, wirtschaftlicher Betrieb
und die Zukunft von ortsnetzspeichern
in Deutschland“ vermitteln erfahrene
referenten verständnis für die Komplexität stationärer Energiespeicher und
zeigen den Aufbau eines solchen Systems. Außerdem wird anhand existierender Projekte und Systeme die aktuelle Situation aus rechtlicher und wirtschaftlicher Sicht aufgezeigt. Der
Schwerpunkt liegt auf dem tatsächlichen Betrieb eines Batteriespeichers in
regionalen Netzen. hierbei werden
heimspeicher, ortsnetzspeicher und
regelleistungsspeicher erklärt, die
exakte Betriebsführung und das Management der aufgeführten Speicher
dargestellt und erläutert. www.otti.de
23.–24. Februar
GÖTTINGER ABWASSERTAGE
„Aus Fehlern lernen“ könnte das Motto
der Göttinger Abwassertage 2016 lauten, denn zunächst stellen Kommunen
aus dem In- und Ausland und Ingenieurbüros ihre langjährigen Erfahrungen bei
der Sanierung von Abwasserkanälen,
der Qualitätssicherung, im Umgang mit
Sturzfluten und dem hochwasserschutz
vor. Ein spezieller Workshop zur „Entwicklung – Umsetzung – Fortschreibung
von Sanierungsstrategien“ steht außerdem im Programm. Angekündigt sind
zudem Live-Außenvorführungen zum
rohrvortrieb und Langrohrrelining.
Netzbetreiber, Ingenieurbüros und ausführende Firmen treffen sich zum intensiven Dialog über praktische Erfahrungen für öffentliche und private Kanalnetze.
www.abwassertage.de
25.–26. Februar, Leipzig
HOLZ[BAU]PHYSIK-KONGRESS
Als in der Branche fest etablierte Fachveranstaltung gilt der 7. Internationale
holzbau-Physik-Kongress dem Schwerpunktthema „Energieeffiziente Gebäu-
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BERATENDE INGENIEURE 1/2  2016
TIPPS UND TERMINE
de“. Dazu werden auch der Feuchteund Brandschutz unter die Lupe genommen und aus der baupraktischen
Schadensanalyse abgeleitete Konstruktionslösungen präsentiert. Aus aktuellem Anlass widmet sich der Kongress
auch dem Thema „Schneller Wohnraum
in holzbauweise“.
www.holzbauphysik.kongress.eu
Beschlüsse der 21. UN-Klimakonferenz,
die Erderwärmung zu begrenzen, unter
die Lupe nehmen; Sobek, vBI-Mitglied,
fordert für eine nachhaltige Stadtentwicklung, die ausreichend zur verfügung
stehenden Erneuerbaren Energien zukünftig intelligent zu gewinnen, zu speichern und zu verbrauchen.
www.frankfurt-university.de/kongressumweltschutz
25.–26. Februar, Offenburg
GEOTHERM
11. März, Augsburg
Europas größte Fachmesse präsentiert
einmal im Jahr das gesamte Spektrum
der oberflächennahen und Tiefen Geothermie. Außerdem betrachten an beiden Tagen rund 40 Experten-vorträge
aktuelle Technologien sowie die Marktentwicklung sowohl in der oberflächennahen als auch Tiefen Geothermie. So
wird beispielsweise die Tiefenbegrenzung eines klassischen Thermal response Tests diskutiert oder die verwendung von Wasser als Wärmeträgermedium im geschlossenen Erdwärmesystem
erörtert. Erkundungsbohrungen im
quellfähigen Gebirge sowie die verfüllqualität von Erdwärmesonden stehen
ebenfalls im Fokus. Bei den Best-Practice-vorträgen werden u. a. die Nutzung
der Tiefen Geothermie für die Fernwärmeversorgung Münchens sowie Ergebnisse der voruntersuchungen der petrothermalen Energiesysteme im GongheBecken von china vorgestellt.
www.messe-offenburg.de
BAU + IMMOBILIE 16
29. Februar, Frankfurt/Main
KLIMASCHUTZ IM
BALLUNGSRAUM
Das Frankfurter Forschungsinstitut für
Architektur, Bauingenieurwesen, Geomatik (FFin) lädt zum Kongress „Klimaschutz im Ballungsraum“ an die Frankfurt University of Applied Sciences
(Frankfurt UAS) ein. Unter den KeynoteSpeakern sind der Klimaforscher und
Preisträger des Deutschen Umweltpreises 2015, Prof. Dr. Mojib Latif, und der
durch innovative Bau-und Stadtentwicklung bekannte Planer und Preisträger des Fritz-Leonhardt-Preises 2015,
Prof. Dr. Werner Sobek. Latif wird die
„Kommunikation, Öffentlichkeitsbeteiligung und Baurecht – Wie klappt das?“
lautet das Thema der nächsten veranstaltung im rahmen der Tagungsreihe
Bau und Immobilie der hochschule
Augsburg. Die referenten schildern aus
Sicht von Bauherren, Planern, Projektmanagern, Juristen sowie Kommunikationsprofis Strategien und vorgehensweisen bei der Integration von Partizipationsprozessen. Sie zeigen Beispiele
und geben handlungsempfehlungen für
Projekte des hochbaus und der Infrastruktur. So werden Erik Bangert und
Prof. Dr. Thomas höcker vom vBI-Mitgliedsunternehmen ZErNA Projektmanagement über die Öffentlichkeitsarbeit
als Teilaufgabe des Projektmanagements bei Infrastrukturvorhaben sprechen.
www.hs-augsburg.de/ibi
8. März, Essen
BAU-MEDIATIONSTAG
Der 2. Internationale Bau-Mediationstag
findet in Kooperation mit dem Essener
haus der Technik unter dem Motto
„Baumediation – Baukultur gestalten!“
statt. Zentrale Fragestellungen sind:
Was ist neu in der Baumediation? Welche Entwicklungen zeichnen sich ab?
Wie können Bauunternehmer, handwerksbetriebe, Bauherren und Mediatoren noch erfolgreicher Bauzeiten, Baukosten und Bauzusammenarbeiten gestalten und vom Wandel profitieren?
Dazu gibt es Praxistipps, Praxisbeispiele und Informationen zu Praxiswerkzeugen: vom Wissensbaum für hochkomplexe Baustreitigkeiten mit der Möglichkeit, auch Tausende von Details abzubil-
den – bis zu den kleinen pragmatischen
Tipps für den Konfliktalltag in der Baubranche.
www.mediation-dach.com
10.–11. März, Bonn
YOUNG PROFESSIONALS
Das Treffen der Young Professionals im
vBI beginnt mit einem öffentlichen Teil,
zu dem der Führungsnachwuchs (unter
45 Jahren) der vBI-Mitgliedsunternehmen eingeladen ist. Den Auftakt bildet
eine Führung durch das haus der Geschichte in Bonn und ein gemeinsames
Abendessen. Die eigentliche Tagung am
11. März beginnt mit einem interaktiven
vortrag zum Thema „Mentale Stärke –
Erfolg beginnt im Kopf“, am Nachmittag
folgt ein Speed-Dating, um neue und
bekannte Teilnehmer besser kennzulernen. Ab 15 Uhr folgt der interne Teil der
veranstaltung.
Für Informationen zum Treffen der
Young Professionals im vBI wenden Sie
sich bitte an Sabine von Berchem,
[email protected].
17.–18. März, Dresden
GLASBAU 2016
Die „Glasbau 2016“ präsentiert wiederum vorträge namhafter referenten aus
Forschung und Wirtschaft, darunter
diesmal Festvorträge von Dipl.-Ing. Architekt hans-Joachim Frey, WaagnerBiro Stahlbau AG, und den vBI-Mitgliedern Prof. Manfred Grohmann, Bollinger
+ Grohmann, Dipl.-Ing. Wolfgang Priedemann, priedemann fassadenberatung
Gmbh, und Dr.-Ing. hans Schober,
schlaich bergermann und partner
Gmbh. Tagungsbegleitend erscheint
das neue Jahrbuch „Glasbau 2016“ bei
Ernst & Sohn.
www.glasbau-dresden.de.
1. April, Hamburg
KOLLOQUIUM FÜR JUNGE
INGENIEURE
Die deutsche Gruppe der Internationalen vereinigung für hoch- und Brückenbau (IABSE) veranstaltet nun bereits
zum dritten Mal ein Kolloquium für Jungingenieurinnen und Jungingenieure –
tatkräftig unterstützt von zahlreichen
BERATENDE INGENIEURE 1/2  2016
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TIPPS UND TERMINE
vBI-Büros. Die veranstaltung findet am
1. April an der hafencity Universität in
hamburg statt. Das englischsprachige
Kolloquium, das gemeinsam mit der dänischen Gruppe der IABSE veranstaltet
wird, dient dem Erfahrungsaustausch
zwischen jungen Ingenieuren.
www.iabse.de/YEc2016
7.–18. April , Berlin
URBANER HOLZBAU
Nach erfolgreicher Premiere 2015 richten der Bruderverlag und der Beuth verlag zum zweiten Mal gemeinsam das
DIN-holzbauforum aus. Die 15. Auflage
der Fachveranstaltung widmet sich dem
Themenschwerpunkt „Urbaner holzbau“ und betrachtet wichtige Bauteile
wie Wand und Decke, marktrelevante
Einblicke in Marktforschung und Immobilienwirtschaft.
www.holzbauforum-online.de.
8.–9. April, Magdeburg
SACHVERSTÄNDIGENTREFF
Die vBI-Fachgruppe ö.b.u.v. Sachverständigen tagt am 8. und 9. April in Magedeburg. Themen sind u.a. das JvEG,
die Nachbereitung des Deutschen
Sachverständigentags sowie vorträge
zur Sachverständigentätigkeit. Den Abschluss bildet eine Exkursion zum Wasserstraßenkreuz Magdeburg.
Programm und Anmeldung:
www.vbi.de/Aktuelles/Termine
14.–15. April, Berlin
TGA-KONGRESS
Mit dem TGA-Kongress wird erstmals
wieder ein rein technisch-wissenschaftlicher Kongress für die Technische Gebäudeausrüstung (TGA) mit dem
Schwerpunkt Lüftungs- und Klimatechnik etabliert. Im Mittelpunkt soll der
fachliche Austausch zwischen Wissenschaft, Industrie, Planung und Anlagenbau stehen, um wissenschaftliche Erkenntnisse schneller in die Praxis zu
IMPRESSUM
transferieren. Der TGA-Kongress 2016
wird vom Bundesindustrieverband
Technische Gebäudeausrüstung e. v.
(BTGA), dem Fachverband GebäudeKlima e. v. (FGK) und dem herstellerverband raumlufttechnische Geräte e. v.
(rLT-herstellerverband) getragen, er
wird von einem wissenschaftlichen Beirat unterstützt und findet unter Schirmherrschaft des Bundesministeriums für
Wirtschaft und Energie (BMWi) statt.
www.fgk.de
14.–15. April, Hamburg
LÄRMSCHUTZ
Das 25-jährige Jubiläum des Lärmkontors nehmen die vortragenden der Tagung „Gutes macht keinen Lärm“ zum
Anlass, die vergangenen zweieinhalb
Dekaden aus Lärmbekämpfungssicht
zu bilanzieren und einen Ausblick zu wagen. Wir haben Politiker eingeladen, die
das Thema „Lärmminderung“ zu ihrem
gemacht haben. Sie skizzieren „ihr“ Projekt in einem kurzen Statement und finden sich dann in einer Podiumsrunde
zusammen, um mit den Tagungsteilnehmenden zu diskutieren. Der zweite
Tag hat den verkehrslärm auf Straße und
Schiene sowie in der Luft im Fokus.
www.laermkontor.de
22.–23. April, Darmstadt
PASSIVHAUSTAGUNG
Das Passivhaus wird 25! Um dies zu feiern, kehrt die Internationale Passivhaustagung mit Fachausstellung zurück
nach Darmstadt – in die Stadt, in der die
Erfolgsgeschichte ihren Ursprung hat.
Mehr als hundert referenten aus aller
Welt berichten über aktuelle Projekte im
Bereich des hoch energieeffizienten
Bauens und Sanierens. Das Jubiläum ist
auch Anlass für einen rückblick: Am
Beispiel des ersten Passivhauses werden Ergebnisse zur Langlebigkeit der
einzelnen Bau-Komponenten präsentiert.
www.passivhaustagung.de
Weitere Veranstaltungshinweise, insbesondere die Termine der
VBI-Landesverbände und Fachgremien, finden Sie auf der VBI-Website.
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BERATENDE INGENIEURE 1/2  2016
BERATENDE
INGENIEURE
FAchMAGAZIN FÜr PLANEN UND BAUEN
ISSN 0005-8866 46. Jahrgang www.vbi.de
HERAUSGEBER:
verband Beratender Ingenieure vBI
Budapester Straße 31
10787 Berlin
Tel.: 030/26062-0
Fax: 030/26062-100
www.vbi.de
REDAKTION:
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Tel.: 030/260 62-230, Fax: -100
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Martina Gabriel
Tel.: 030/26062-231, Fax: -100
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Krammer verlag Düsseldorf AG
Goethestrasse 75
40237 Düsseldorf
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