06 Regierung Bern, Bundesplatz 3 Umbau und Sanierung Parlamentsgebäude Bauherrschaft Bundesamt für Bauten und Logistik, Bern Nutzer Parlament der Schweizerischen Eidgenossenschaft Generalplaner Architektur Aebi & Vincent Architekten SIA AG, Bern Fachplaner WAM Partner, Planer & Ingenieure, Bern CSP Meier AG, Bern PGMM Schweiz AG, Gümligen Gartenmann Engineering AG, Bern Amstein & Walthert AG, Zürich Feroplan Engineering AG, Chur Martin Volkart, Solothurn H plus S Gastronomiefachplanung GmbH, Bern Adrian Scheidegger, Bern Vogt & Partner, Winterthur/Spektralux, Meilen WSDG-E GmbH, Basel Tom Eichenberger, Urs Ricklin, Bern Peter Lüthi, Ueberstorf Sofie's Kommunikationsdesign AG, Zürich SMT AG Ingenieure & Planer Bauingenieur Elektroingenieur HLKKS-Ingenieur Bauphysik /Akustik Brandschutz /Sicherheit Fassadenplanung Gastrokonzept Küchenplanung Künstlerische Beratung Lichtplanung Mediatechnik Modellbau Planung Sandsteinarbeiten Signaletik Verkehrsplanung Text Werner Huber, Hochparterre, Zürich Fotografie Alexander Gempeler, Bern Thomas Telley, Fribourg Geschichte und Ausgangslage Mit dem 1902 eröffneten Parlamentsgebäude setzte Architekt Hans Wilhelm Auer den Schlussstein in die Abfolge von Bundesbauten am Rand der Berner Altstadt und schuf damit ein architektonisches Symbol des ein halbes Jahrhundert zuvor gegründeten Bundesstaates. Unternehmer und Künstler aus der ganzen Schweiz vereinten darin Materialien aus allen Landesteilen. Im Lauf der Jahrzehnte beeinträchtigten jedoch zunehmend unzählige Ein- und Umbauten die Homogenität dieser - lange Zeit gering geschätzten Architektur. Der wegen höherer Sicherheitsanfor- derungen nötige Bau eines Besuchereingangs und die dank dem Neubau des Bundesmedienhauses frei gewordenen Flächen im Dachgeschoss boten den Anlass, das ganze Haus gründlich zu überholen. den neuen Besuchereingang. Erschlossen von der Bundesterrasse empfängt er die Besucherinnen und Besucher des Parlamentsgebäudes und bietet den nötigen Platz für die Sicherheitskontrolle, Garderoben und einen kleinen Shop. Von hier aus gelangen die Gäste des Hauses über wenige Treppen direkt in die Kuppelhalle. Unter dem Dach des Gebäudes, unter teilweise bestehenden, teilweise neuen Oberlichtern, entstanden Sitzungszimmer und Arbeitsplätze für die Parlamentarierinnen und Parlamentarier und - hinter dem Giebeldreieck am Bundesplatz ein grosser Konferenzsaal. Bei ihren neuen Zutaten haben die Architekten die Materialien ihres Vorgängers Auer wieder aufgenommen, doch in einer zeitgemässen Weise angewandt. Das Neue unterscheidet sich zwar vom Alten, aber es setzt sich nicht demonstrativ von ihm ab. Geschossfläche total 19 500 m2 Geschosse 8 21 22 23 24 25 26 27 28 29 Kennwerte Gebäudekosten SIA 416 BKP 2/m3 GV 725 BKP 2/m2 GF 4 460 Sanierung und neue Einbauten Hinter abgehängten Decken kamen alte Gewölbe zum Vorschein, Restauratoren legten die ursprünglichen Farben frei, frischten Einbauten und Mobiliar auf. Die repräsentativen Räume des Hauses, allen voran die Kuppelhalle, die Säle von National- und Ständerat, die Wandelhalle und die Galerie des Alpes erstrahlen nun wieder in ihrem ursprünglichen Glanz. Die Verlegung der Haustechnikzentrale in den Boden schuf unter dem Nationalratssaal Platz für Grundmengen nach SIA 416 Gebäudevol. 120 000 m3 Kosten CHF 1 2 3 5 9 Vorbereitung Gebäude Betriebseinrichtungen Baunebenkosten Ausstattung Anlagekosten 6 114 000 86 968 000 4 175 000 2 346 000 3 597 000 103 200 000 Rohbau 1 Rohbau 2 Elektroanlagen HLKK Sanitäranlagen Transportanlagen Ausbau 1 Ausbau 2 Honorare 18 154 000 5 648 000 17 114 000 7 105 000 1 990 000 2 747 000 18 396 000 6 710 000 9 104 000 Baukostenindex espace Mittelland, Hochbau Oktober 2009 122.0 Basis Oktober 1998 100.0 Termine Planungsbeginn März 2004 Baubeginn Juni 2006 Bauende November 2008 Kuppelhalle im alten Glanz Die Kuppelhalle ist das Herz des Parlamentsgebäudes, konzipiert gleichsam als Ruhmeshalle der Eidgenossenschaft, symbolisiert etwa durch die Rütlischwur-Gruppe und die Kantonswappen in der Glasdecke. Auf den ersten Blick hat sich hier nur wenig verändert. Die ganze Halle wurde jedoch eingerüstet, und erstmals seit dem Bau vor über hundert Jahren wurde der Sandstein gereinigt, die Ablagerungen von Schmutz und Nikotin sorgfältig entfernt. Dank dem Abbruch der später eingebauten Wände hinter den Glasfenstern fällt nun wieder mehr Tageslicht in den heller gewordenen Raum, und die Lünettenfenster kommen wieder in ihrer ganzen Pracht zur Geltung. Drei neue, von den ursprünglichen Bogenlampen inspirierte Leuchten in der Halle und eine neue Beleuchtung in den Seitenhallen sorgen für eine lichte Atmosphäre. Die farbliche Gestaltung entspricht nun wieder weitgehend dem ursprünglichen Zustand. Nationalratssaal mit guter Akustik Auch dem Nationalratssaal hat die Sanierung weitgehend sein ursprüngliches Antlitz zurückgegeben. Das Holzwerk hat man restauriert, die Wände in den originalen Farben gestrichen, die Oberflächen der Möbel erneuert. Die immer noch ursprünglichen Parlamentspulte wurden den heutigen Körpergrössen angepasst; man hat sie um vier Zentimeter erhöht und mit technischen Einrichtungen aufgerüstet. Die alten Stühle erhielten ein neues Sitzkissen, die Rückenlehne aus Jonc-Geflecht wurde rekonstruiert. Aus akustischen Gründen verzichtete man auf die Wiederherstellung des ursprünglichen, schon längst von einem Teppich belegten Linoleumbodens, sondern ersetzte den Teppich. Unsichtbar angebrachte Dämmstoffe und weitere Massnahmen verbessern die Akustik im Raum, der durch eine neue, präzis steuerbare Lautsprecheranlage beschallt wird. Arbeitsplätze für die Parlamentarier Vor hundert Jahren waren im 3. Obergeschoss lediglich Nebenräume - die Bibliothek des Statistischen Büros, Archive und ein Saal für die Volkszählungen - untergebracht. Später entstanden hier Arbeitsplätze für die Medien und Fraktionsbüros. Nun wurden in diesem Geschoss Büroräume für die Parlamentarier eingerichtet. Neue Oberlichter bringen viel Licht in die ansonsten fensterlosen Räume und öffnen den Blick auf die Bundeshauskuppel und die Figuren der Balustrade. So ist das alte Haus auch in den ansonsten zeitgemäss gestalteten Räumen präsent. Umgekehrt ist in den historischen Sitzungs- und Fraktionszimmern in den unteren Geschossen die neue Zeit mit Leuchten und Mobiliar präsent. 1 1 11 1 1 1 1 1 11 1 1 1 1 1 5 4 8 7 1 6 13 9 13 10 11 12 14 15 16 Kuppelhalle 3. Obergeschoss Nationalratssaal Besuchereingang Gebäudehülle 13 4 1 11 3 1 2 17 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 2 3 4 5 6 7 8 9 Vorhalle Eingang Ständeratssaal Arbeitsplätze Parlamentarier Lampenhimmel Konferenzraum Umgang Tribüne Tribüne Wandelhalle 1 1 1 1 1 1 1 1 10 11 12 13 14 15 16 17 Galerie des Alpes Buffet Küche Seitenhalle Arkaden Halle Besuchereingang Foyer Besucher Garderobe Galerie des Alpes Die Galerie des Alpes war ursprünglich der Arbeitsraum und die Bibliothek der Parlamentarier. Mit den Jahren wurde aus dem holzverkleideten Raum mit dem prächtigen Blick in die Alpen ein Mehrzweckraum. Die neue Nutzung als Restaurant gibt ihm eine Funktion, die dem repräsentativen Charakter entspricht. Vier neue Öffnungen erschliessen den Cafeteria- und Buffetbereich hinter der konvex gebogenen Rückwand. 3.OG Korridore im 3. Obergeschoss Tageslicht war das Thema beim Umbau des 3. Obergeschosses. Die Oberlichter, die beim ursprünglichen Gebäude die farbigen Glasfenster erhellten und so in der Kuppelhalle für ein buntes Lichtspiel sorgten, wurden später zu grossen Teilen verdeckt, das nördliche Lünettenfenster gar hintermauert. Die Tragstruktur der Oberlichter war teilweise noch vorhanden und konnte nun für den Einbau neuer Gläser genutzt werden. Die Buntglasfenster wurden ebenfalls freigelegt und erhielten eine zweite, brandschutztechnisch notwendige Verglasung. Boden und Wände spinnen in Material und Farbe den Charakter des Altbaus in einer zeitgenössischen Sprache weiter. Glaslifte in der Wendeltreppe Ursprünglich verbanden die Wendeltreppen in zwei Eckpfeilern der Kuppelhalle nur die damals wichtigen Geschosse des Hauses miteinander: Erdgeschoss, 1. und 2. Obergeschoss. Mit dem Neuausbau des 3. Obergeschosses hat man die Treppen bis nach oben verlängert. Der Einbau der Glaslifte anstelle der bereits früher erstellten, jedoch kaum transparenten Liftschächte war ein statischer Balanceakt: Als neues inneres «Auflager» der Treppenstufen wurde ein sich nach oben windendes Stahlband eingebracht. 2.OG 1.OG Konferenzsaal 301 Anstelle des Fernsehstudios, das als Betonkonstruktion im 3. Obergeschoss hinter dem Giebelfeld zum Bundesplatz thronte, entstand - nach umfangreichen Abbrucharbeiten der neue Konferenzsaal 301, neben dem Nationalrats- und dem Ständeratssaal der grösste Raum im Haus. Auch hier gestalteten die Architekten mit der gleichen Sorgfalt wie einst Auer einen zeitgenössischen Raum. Dunkles Holz an den Wänden sorgt für gediegene Eleganz, Kronleuchter mit modernster LED-Technik nehmen Motive des Altbaus auf. Die vollständig verglaste Decke erhellt den Raum und eines der Buntglasfenster der Kuppelhalle, und sie öffnet den Blick von unten auf die frisch vergoldete Kuppel. Besuchereingang an der Bundesterrasse Über den Laubengang an der Bundesterrasse, wo hinter grossen Türen einst die Kübelpflanzen überwinterten und die Lüftungszentrale lag, gelangt man nun in den neu geschaffenen Eingangsbereich für die Besucher. Mit einem «Befreiungsschlag» wurde die Technikzentrale um ein Geschoss nach unten verlegt, sodass hier ein grosszügiger, lichter Raum entstand. Die Gestaltung spricht eine zeitgemässe Sprache, nimmt aber in Material und Umsetzung Elemente des historischen Gebäudes auf, etwa mit dem Steinplattenbelag des Bodens. Eine mit den originalen Kupferplatten gedruckte Dufourkarte steht für die Inkraftsetzung der Bundesverfassung 1848 und nimmt so Bezug auf die RütlischwurGruppe in der Kuppelhalle, die für den Bund von 1291 steht. Quelle u.a: Denkmalpflege in der Stadt Bern, Vierjahresbericht 2005-2008 HP TP