Faszination Erdgeschichte

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Faszination
Erdgeschichte
Liebe Gäste,
herzlich Willkommen im Geo-Naturpark
Bergstraße-Odenwald und seinem nördlichen
Eingangstor, dem UNESCO Welterbe Grube Messel!
In der heutigen Zeit, in der wir uns zunehmend mit den Herausforderungen des Klimawandels, mit Fragen immer knapper
werdender Ressourcen und dem Schutz unserer Umwelt
beschäftigen, interessieren sich die Menschen zunehmend für
die Entstehungsgeschichte unseres Planeten.
Im Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald können Sie eine
spannende Zeitreise durch Jahrmillionen Erdgeschichte antreten.
Das Besucher- und Informationszentrum des Welterbes Grube
Messel vermittelt die Themen Landschaftsentwicklung,
Vulkanismus, Regenwald und Evolution. So werden die Entwicklung der Landschaft rund um die Grube Messel, Vulkanismus,
Kontinentalverschiebung und Evolution anschaulich vorgestellt.
Lassen Sie sich inspirieren und unternehmen Sie spannende
Entdeckungsreisen in den Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald,
der als eines von über einhundert Mitgliedern im Globalen
Geopark-Netzwerk der UNESCO für Qualität und Erlebniswert
gleichermaßen bürgt.
Die mit 626 m höchste Erhebung des Odenwaldes, der Katzenbuckel, ist ein erloschener Vulkan. Seine Auswurfmassen haben
Fossilien aus der Jurazeit bedeckt, die dadurch für die Nachwelt
erhalten geblieben sind. Der in der Grube Messel anschaulich
vorgestellte Vulkanismus wird an den Basaltsäulen des Otzberges buchstäblich begreifbar. In den Sandsteinen des Neckartals
haben Dinosaurier-Vorfahren ihre 245 Millionen Jahre alten
Spuren hinterlassen. Bergleute haben sich über Jahrhunderte in
Gesteinsschichten vorgearbeitet, um wertvolle Bodenschätze
ans Tageslicht zu befördern. Die heute stillgelegten Stollen und
Gruben erzählen eindrucksvolle Geschichten.
Wir wünschen Ihnen unvergessliche Eindrücke in der Region
des Geo-Naturparks Bergstraße-Odenwald und dem Welterbe
Grube Messel mit ihren erdgeschichtlichen und landschaftlichen
Schätzen!
Odenwald Tourismus GmbH
Welterbe Grube Messel gGmbH
Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald e.V.
Faszination Erdgeschichte
Karte Odenwald . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6
Landschaft entdecken . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8
Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald
Geopark-Ranger . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11
UNESCO-Welterbe Grube Messel erleben . . . . . . . . . . . . . . . . . 12
Besucherzentrum Grube Messel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Auf den Spuren der Wissenschaftler . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Schnuppertour für Einsteiger . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Fossilien- und Heimatmuseum Messel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Wanderung auf dem Urpferdchen-Weg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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Felsenmeere durchstreifen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 24
Felsenmeer Reichenbach (Lautertal) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 26
Felsenmeer Königsstuhl (Heidelberg) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 28
Höhendorf-Wanderung zum Ebersberger Felsenmeer (Erbach) . . . 30
Höhlenwelten ergründen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32
Eberstadter Tropfsteinhöhle (Buchen) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34
Erdbachversickerung (Erbach) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 36
Bergbau erforschen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 38
Besucherbergwerk Grube Ludwig (Wald-Michelbach) . . . . . . . . . . .
Besucherbergwerk Grube Marie (Weinheim) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Besucherbergwerk Grube Anna-Elisabeth (Schriesheim) . . . . . . . . .
Regionalmuseum Reichelsheim . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Geopark-Pfade:
Baustein, Erz und Schwerer Spat (Reichelsheim) 1 + 2 . . . . . . . . . . . .
Bergbaulandschaft (Reichelsheim) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Kulturhistorischer Wanderweg (Michelstadt) . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Landschaft im Wandel (Michelstadt) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Steine, Schluchten, Sagen (Schriesheim/Weinheim) 1 + 2 . . . . . . . . .
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Steine begreifen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 58
Geopark-Infozentrum: Im Wiesental (Wald-Michelbach) . . . . . . . .
Geologischer Garten (Bürstadt) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Steinbruch Olfen (Beerfelden) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Heunesäulen (Miltenberg) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Geopark-Pfad: Geologischer Lehrpfad (Lindenfels) . . . . . . . . . . . . . .
Naturpark-Pfad: Margarethenschlucht (Neckargerach) . . . . . . . . .
Geopark-Pfad: Naturerlebnis Schreckberg (Mosbach) . . . . . . . . . . .
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Vulkanismus aufspüren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 70
Steinbruch Leferenz (Dossenheim) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Basaltsäulen (Otzberg) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Geopark-Pfad: Weg der Kristalle (Waldbrunn) . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Geopark-Pfad: Feuer und Wasser (Mömlingen) . . . . . . . . . . . . . . . . .
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Wasser begleiten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 78
Modautaler Uferwanderung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 80
Geopark-Pfad: Wasserarmut
im regenreichen Gebiet (Rothenberg) 1 + 2 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 82
Radroute Wassererlebnisband Gersprenz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 86
Thermalquelle Bad König . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 88
Informationen, Unterkünfte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 90
Impressum . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 91
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Odenwald
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Faszination Erdgeschichte
Faszination Erdgeschichte entdecken
1 UNESCO-Welterbe Grube Messel (Geotop 2010)
2 Fossilien- und Heimatmuseum Messel
Felsenmeere durchstreifen
3 Geotop 2002: Felsenmeer Reichenbach
4 Felsenmeer Königstuhl
5 Höhendorf-Wanderung zum Ebersberger
Felsenmeer
Höhlenwelten ergründen
6 Geotop 2006: Eberstadter Tropfsteinhöhle
7 Geotop 2014: Erdbachversickerung
Bergbau erforschen
8 Besucherbergwerk Grube Ludwig
9 Besucherbergwerk Grube Marie
10 Besucherbergwerk Grube Anna-Elisabeth
11 Regionalmuseum Reichelsheim
Geopark-Pfade:
12 Baustein, Erz und schwerer Spat 1
13 Baustein, Erz und schwerer Spat 2
14 Bergbaulandschaft
15 Kulturhistorischer Wanderweg
16 Landschaft im Wandel
17 Steine, Schluchten, Sagen 1
18 Steine, Schluchten, Sagen 2
Steine begreifen
19 Geopark-Infozentrum: Im Wiesental
20 Geologischer Garten
21 Geotop 2003: Steinbruch Olfen
22 Geotop 2008: Heunesäulen
23 Geopark-Pfad: Geologischer Rundgang
Lindenfels
24 Naturpark-Pfad: Margarethenschlucht
25 Geopark-Pfad: Naturerlebnis Schreckberg
Vulkanismus aufspüren
26 27 28 29 Geotop 2009: Steinbruch Leferenz
Geotop 2005: Basaltsäulen Otzberg
Geotop 2013: Katzenbuckel, Weg der Kristalle
Geopark-Pfad: Feuer und Wasser
Wasser begleiten
0
10 km
30 31 32 Modautaler Uferwanderung
Geopark-Pfad: Wasserarmut im
regenreichen Gebiet 1
Geopark-Pfad: Wasserarmut im
regenreichen Gebiet 2
33 Wassererlebnisband Gersprenz
34 Odenwald-Therme Bad König
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Landschaft entdecken
Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald
Zeitreise in die Erd- und Kulturgeschichte einer Region
Mit zunehmender Mobilität wird unsere Welt immer kleiner. Wir
erkunden ganz selbstverständlich andere Kontinente, bereisen
ferne Länder. Mit dem Fernweh wächst das Bedürfnis der Menschen,
unseren Planeten zu verstehen, die Geschichte der Erde zu begreifen.
Mit den Angeboten des Geo-Naturparks Bergstraße-Odenwald
liegen wir genau im Trend unserer Zeit. Der Naturpark selbst wurde
als einer der ersten in Deutschland im Jahr 1960 gegründet. 2002
wurde er als Europäischer Geopark ausgezeichnet und darüber hinaus seit mehr als 10 Jahren hoch angesehenes Mitglied im von der
UNESCO unterstützten Globalen Geopark-Netzwerk. Wer durch die
vorliegende Broschüre blättert und sich gemeinsam mit uns auf
Entdeckungstouren durch die Erd- und Kulturgeschichte begibt,
wird erfahren, wie sich die Landschaft über mehr als 500 Millionen
Jahre hinweg zwischen Gebirgen, Wüsten, Meeren und Vulkanen
entwickelt hat.
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Die Reise beginnt im Norden des Geo-Naturparks mit
dem UNESCO-Welterbe Grube Messel. Die Geschichte
begann vor etwa 48 Millionen Jahren mit einem lauten
Knall, ein Maarvulkan entstand und aus ihm entwickelte sich im Laufe der Jahrmillionen eine der bedeutendsten Fossilienfundstätten unserer Erde.
Vulkane im Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald? Ja, es
gab sie – immer wieder in verschiedenen erdgeschichtlichen Zeitaltern. Eine unserer Touren führt Sie auf die
höchste Erhebung des Odenwaldes, den Katzenbuckel,
Überbleibsel eines erloschenen Vulkans. Den Ausbruch
einer ehemals fast 1000 °C heißen Glutwolke können Sie
im Steinbruch Leferenz in Dossenheim nachvollziehen.
Unweit von Mömlingen befindet sich der Krater eines
weiteren Maarvulkans und typische Basaltsäulen zeugen von der vulkanischen Vergangenheit des Otzberges.
Vom UNESCO-Welterbe Grube Messel aus können Sie
weitere erdgeschichtliche Zeitzeugen im Geo-Naturpark
entdecken. Ein ehemaliger Kalksteinbruch in Michelstadt
lädt zu einer Reise ins Meer des Erdmittelalters ein. Das
Neckartal wartet mit Fußabdrücken von DinosaurierVorfahren auf. Am Weg der Kristalle auf dem Katzenbuckel, auf der höchsten Erhebung des Odenwaldes, erfahren Sie, wie Fossilien aus der Jurazeit in einen Vulkan
gelangten.
Faszination Erdgeschichte – Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald
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„Zwischen Zwischen Granit und Buntsandstein“, so lautet das Motto
des Geo-Naturparks Bergstraße-Odenwald. Im Westen finden Sie
den kristallinen Odenwald,während im Osten Buntsandstein dominiert. Doch damit nicht genug. Ergänzt wird die Vielfalt durch
Muschelkalk bei Erbach, Michelstadt und im Bauland, am Ostrand
des Odenwaldes. Wie das bei Kalksteinen zu erwarten ist, gibt es bei
Buchen eine der schönsten Tropfsteinhöhlen Deutschlands. Bei Erbach und Michelstadt verschwinden ganze Bäche im Nichts. Grund
hierfür sind unterirdische Höhlensysteme.
In dieser grandiosen Naturlandschaft hat der Mensch seine Spuren
hinterlassen. Es ist erstaunlich, welche Bodenschätze einst im Odenwald abgebaut wurden. Die Palette reicht von Eisen- über Manganerz bis hin zu weißem Buntsandstein, Schwerspat, Feldspat und
Glimmer. Bei Wanderungen auf Geopark-Pfaden erfahren Sie spannende Details zum Leben der Bergleute, zu Abbautechniken und
können einen Blick in ehemalige Bergbaustollen werfen.
Wie lebten die Menschen im Odenwald? Auch da lädt Sie der
Geo-Naturpark zu spannenden Zeitreisen zu fast 200 Burgen und
Schlössern ein, lässt Sagen wieder lebendig werden, berichtet von
heilkundigen Weibchen, die in Felsspalten gehaust haben sollen
und macht Spuren der einstigen Wald- und Landnutzung im Odenwald und an der Bergstraße wieder sichtbar.
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Unterwegs
mit den
GeoparkRangern
Die in der Broschüre beschriebenen Geopark-Pfade und Geopunkte können Sie selbst erkunden. Anschaulicher und spannender wird es jedoch in Begleitung eines Geopark-Rangers.
Dies sind Geo-, Forst- und Naturwissenschaftler, die vom
Geo-Naturpark eine umfangreiche, nach BANU zertifizierte Zusatzausbildung erhalten haben. Das Wichtigste ist jedoch: Sie
sind begeisterte Botschafter des Geo-Naturparks und gewähren
Ihnen einmalige Einblicke in Geologie, Landschaft, Fauna und
Flora sowie Brauchtum und Geschichte. Mit den Geopark-Rangern lernen Sie Spuren in der Landschaft lesen. Plötzlich werden
Bearbeitungsspuren aus der Römerzeit im Granitgestein sichtbar. Sie entdecken Käfer, die Sie vorher nie gesehen haben. Plötzlich spüren Sie, wie sich die Gesteinsschichten unter Ihren Füßen
heben und senken.
Probieren Sie es aus!
Geo-Naturpark
Bergstraße-Odenwald e.V.
Nibelungenstraße 41
64653 Lorsch
Tel. 06251 - 707 990
[email protected] www.geo-naturpark.net
Geopark-Ranger Buchung:
Tel. 06251 - 707 99 20
[email protected]
Faszination Erdgeschichte – Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald
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Faszination Erdgeschichte
entdecken
UNESCO-Welterbe Grube Messel
Schätze längst vergangener Zeiten
Aufgrund der Kontinentaldrift lag das heutige Messeler Hügelland in der
Eozänzeit etwa 1000 km südlicher. Artenreiche Regenwälder bedeckten
damals die Landschaft. Die Geschichte der Grube Messel beginnt hier vor
48 Millionen Jahren.
Sie liest sich wie ein Krimi: Durch Erdspalten steigt glutflüssige Magma
auf. In etwa 500 m Tiefe, so die Forscher, trifft es auf Grundwasser. Die
Folge: Ein gewaltiger Maarausbruch, der einen Krater von rund zweieinhalb km in die Landschaft reißt. Dieser tiefe Maarkrater füllt sich mit
Wasser, ein See entsteht. Für die kaum vorstellbare Zeit von über einer
Million Jahre wird er zur tödlichen Falle für unzählige Insekten, Vögel,
Reptilien und Säugetiere. Die toten Körper damals im Urwald und auch
im See lebender Tiere sowie Pflanzenteile sinken im trüben algenreichen
Wasser zum Grund. In der nahezu sauerstofffreien Umgebung können
sie nicht verwesen und werden von absinkenden Algenmatten bedeckt.
Nur so können wir uns heute die außergewöhnlich gute und vollständige Erhaltung kompletter Skelette, die uns als Fossilien vorliegen, erklären. Nach und nach verfüllte sich der See und die unzähligen Algenmatten sowie feinste Tonschichten verfestigten sich über die Jahrmillionen
zu Schwarzpelit. Dieses Gestein nennt man Ölschiefer.
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Faszination Erdgeschichte – UNESCO-Welterbe Grube Messel
Die Grube Messel schreibt Bergbaugeschichte
Dass dieser Ort einen weltweit einmaligen Schatz birgt,
ahnte bis zur zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts niemand. Seine Entdeckung beginnt mit der wechselvollen
Bergbaugeschichte, in deren Zuge die Grube Messel entstand, wie wir sie heute sehen: als Tagebaustätte. Zunächst wurde 1859 nach Eisenerz gesucht. Später, heißt
es, wurde Braunkohle abgebaut. Schließlich ist von
Ölschiefer die Rede. Bergleute haben den schwarzen
Tonstein so benannt, weil er aufblättert und damit einem Schiefergestein ähnlich zu sein scheint. Seine Entstehung ist aber eine ganz andere, er ist der verfestigte
Algenschlamm am Seeboden des Maarkraters. Ab den
1880er Jahren wird dann der Ölschiefer im großen Stil
abgebaut. Durch seine Verschwelung gewann man
Erdölprodukte wie Paraffine und Mineralöle.
1
Beim Abbau stieß man erstmals im Jahr 1871 auf Krokodilknochen und fünf Jahre später sogar auf ein
komplettes Aligatorenskelett. Weitere Funde folgten
und die erste umfassendere wissenschaftliche Abhandlung über die Grube Messel wurde 1898 veröffentlicht.
Nach Einstellung des Tagebaus im Jahr 1970 sollte die
Grube als Mülldeponie verfüllt werden. Nur durch
den Widerstand der engagierten Bürger von Messel,
aus anderen Orten und seitens der Gemeinde Messel
konnte dies im letzten Moment verhindert werden.
Das Engagement hat sich gelohnt: Die wissenschaftlichen Ausgrabungen bringen einen unermesslichen
Reichtum ans Licht. Mit bislang weit mehr als 40.000
Funden ist Messel weltweit einer der ergiebigsten
Fossilienlagerstätten! Sensationsfunde wie die Messeler Urpferdchen und das Ur-Primatenmädchen
"Ida" haben Berühmtheit erlangt. Nirgends sonst
dokumentiert eine derartige Menge, Vielfalt und
Qualität von Fossilien, insbesondere der Säugetiere,
die Entwicklung der Lebewelt in den Ökosystemen
der Kontinente im Eozän! Aufgrund dieser Einzigartigkeit wurde die Grube im Jahr 1995 als erste
Weltnaturerbestätte Deutschlands in die Liste des
UNESCO-Welterbes aufgenommen.
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Willkommen im Besucherzentrum
Zeit und Messel Welten
Grube Messel
(mit Besucherzentrum und Grubenführungen)
Roßdörferstr. 108 · 64409 Messel
Tel. 06159 -71 75 9-0
[email protected]
www.grube-messel.de
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Faszination Erdgeschichte – UNESCO-Welterbe Grube Messel
Im modernen Besucherzentrum,
zugleich nördliches Geopark-Eingangstor, erwartet Sie eine faszinierende und ungewöhnliche Ausstellung. Die Preisgekrönte Gebäudearchitektur spiegelt die aufgestellte Schichtstruktur des Ölschiefers wider. Betonscheiben gliedern
sowohl spannende Grube-MesselThemen als auch deren Handlungszeit. Wer eine Eintrittskarte löst,
durchschreitet somit gleichsam Zeiten und Themenwelten.
Frei zugänglich sind das Foyer mit
Shop und den Themenbereichen Welterbe und Industriegeschichte sowie
das Bistro mit einladender Sonnenterrasse und Seerosenteich.
G
J
E Bistro mit Terrasse
F Aussichtsfinger
D
B
Themenräume
C
H
A Eingang
B Foyer mit Shop
C Industriegeschichte
D Verwaltung
A
I
1
G Landschaftsentwicklung
E
H Kino/Vorträge
I Vulkanismus
J 2001: Expedition Bohrloch
K Bohrkern
N
L Regenwald mit Aquarium
M Evolution
K
M
N Schatzkammer
L
täglich
10 bis 17 Uhr
letzter Einlass 16 Uhr
F
24. – 26. und 31. Dezember
sowie 01. Januar geschlossen
7,- bis 10,- 3
15
Auf den Spuren der Wissenschaftler –
Begeisterung, die ansteckt!
Nahezu alles, was der Besucher in der außergewöhnlichen Ausstellung entdeckt, sieht und erfährt, ist das Ergebnis langjähriger akribischer wissenschaftlicher Arbeit. Die hier zusammengetragenen
Fragestellungen und Erkenntnisse sind kein althergebrachtes Wissen. Im Gegenteil: viele Antworten sind das Ergebnis der aktuellen
Messel-Forschung.
Die Grube Messel gleicht einem Riesenpuzzle, an dem viele Menschen aus den unterschiedlichsten Wissens- und Fachbereichen
arbeiten. Jede neue Erkenntnis ergänzt, vervollständigt oder verändert das Gesamtbild, dass wir von jener Zeit und Welt vor 48 Millionen Jahren erhalten. Das Puzzle ändert sich daher immer wieder
und ist noch lange nicht fertig.
Die Triebfeder aller Bemühungen ist die Neugier der Forscher. Wird
Neues entdeckt, entsteht Begeisterung. Diese nährt die Energie für
das Nachhaken, Vertiefen, Durchhalten. Die Ausstellung im Besucherzentrum folgt den Erkundungsschritten, zeigt die Methoden
und Arbeitsweisen der Wissenschaftler anhand der vielfältigen
und spannenden Themen rund um die Grube Messel. Auch Sie
haben dieses Gespür! Lassen Sie sich anstecken! Auch Sie werden
jene Begeisterung empfinden, die dieser faszinierende Ort auslöst.
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Faszination Erdgeschichte – UNESCO-Welterbe Grube Messel
Zeiten- und Weltengarten –
wo Verweilen Spaß macht.
1
Menschen aller Nationen, aus verschiedenen Kulturen mit ganz unterschiedlichen Erwartungen
kommen zur Grube Messel, um "ihr" Welterbe zu
besuchen und zu verstehen. Damit dies über alle
Sprachen, Altersgruppen und Kulturkreise hinweg
gelingt, wählen wir Kunst und Musik, um die Menschen zu berühren. Sie können der Erde Ihr Gehör
schenken! Gesteine klingen – sehen Sie selbst wie
die Klangskulpturen schwingen, die sich – direkt
und frei vom Parkplatz erreichbar – im Zeitengarten befinden. Sitzgruppen laden zum Picknicken und Verweilen ein, um vielleicht auf ganz
persönliche Weise diesen Ort zu genießen.
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Schnuppertour für Einsteiger –
in 60 Minuten durch die Zeit
Mit dem Ausstellungsbesuch lässt sich eine 60-minütige Grubenführung
kombinieren. Hierzu löst man ein Kombiticket und gelangt unter fachkundiger Führung in die Grube Messel, an dessen südlichen Rand das Besucherzentrum liegt.
Die Grube resultiert aus dem Tagebau, der hier bis 1970 stattfand. Sie ist
von ovaler Form, gut 800 x 600 m groß und ca. 60 m tief. Betreten darf
man sie nur im Rahmen einer Führung. Auch wenn diese Tour nicht bis zur
Grubensohle führt, sollte man gut zu Fuß sein. Die Kleidung sollte zur Witterung passen und festes Schuhwerk ist unbedingt erforderlich.
Die Tour führt Sie auf der ehemaligen Deponiestraße etwa 30 Höhenmeter in die Grube Messel hinab. Unterwegs erfahren Sie, wie die Grube
Messel entstanden ist und wie sich die Landschaft in den letzten 48 Millionen Jahren verändert hat. Das Highlight stellen Originalfossilien zum
Anschauen und Berühren dar.
Preise und Termine: Bitte siehe www.grube-messel.de
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Faszination Erdgeschichte – UNESCO-Welterbe Grube Messel
Grube Messel Wanderungen –
mit allen Sinnen erleben
1
Bei den mehrstündigen geführten Touren gehen Sie der
Grube Messel buchstäblich auf den Grund. Das Programmangebot ist vielfältig und umfasst geowissenschaftliche, paläontologische oder auch biologische
Themenschwerpunkte, wie etwa eine abendliche Fledermausführung.
Neben der Vermittlung von Wissenswertem geht es
auch um das gemeinschaftliche Naturerlebnis, denn
die Grube ist nicht nur im geowissenschaftlichen Sinne ein außergewöhnlicher Ort. Von Menschen nahezu
unberührt haben Pflanzen und Tiere diese ehemalige
Tagebaustätte zurückerobert und in ein kleines Naturparadies verwandelt. Jede Jahreszeit verzaubert
die Grube aufs Neue und macht sie zum lohnenden
Ziel auch für Naturfreunde.
Für einen schönen Tourenausklang empfiehlt sich
übrigens das Bistro im Besucherzentrum.
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20
Faszination Erdgeschichte – UNESCO-Welterbe Grube Messel
Fossilien- und Heimatmuseum Messel
1
Faszinierende Fossilien und mehr
Das ehemalige Fachwerk-Rathaus im Zentrum der Gemeinde Messel
beherbergt heute das Fossilien- und Heimatmuseum von Messel. Viele gut erhaltene Fossilien aus der Grube Messel sind hier zum Greifen
nahe. Bestaunen Sie die faszinierenden Fossilien eines schuppigen
Ur-Krokodils und bunt schillernder Käfer, zarter Pflanzenteile, von
Schlangen, Eidechsen und Vögeln. Auch die bekannten MesselUrpferdchen können Sie erleben. Sogar das Original eines Fohlens des
kleinen Messel-Urpferdchens ist dabei.
Ein weiterer Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf der interessanten Industriegeschichte des Mineralölwerkes Messel zur Verarbeitung des Ölschiefers. In einem gesonderten Raum können
Sie anhand von wertvollen Originalstücken eine Reise durch
die gesamte Erdgeschichte unternehmen.
Langgasse 2 · 64409 Messel
Tel. 0 61 59 / 51 19
[email protected] · www.messelmuseum.de
April bis Oktober: täglich 11 bis 17 Uhr
November bis März: Sa., So. 11 bis 17 Uhr
Eintritt frei, Führungen buchbar
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Urpferdchen-Weg – Rund um die
UNESCO-Welterbestätte Grube Messel
Der leichte Rundwanderweg lässt Geschichte und Gegenwart der heutigen UNESCO Welterbestätte und der Gemeinde Messel lebendig werden.
Sie können mit der Regionalbahn nach Messel anreisen. Der Wanderweg
führt Sie vom Bahnhof in die Gemeinde Messel zum Fossilien- und Heimatmuseum. Anschließend geht es durch den Zeilhardter Wald vorbei an
Schlackehalden des einstigen Ölschieferbergbaus zum Besucherzentrum
Grube Messel. Zum Schluss geht es durch den Darmstädter Forst wieder
zum Bahnhof Messel zurück.
Der Rundwanderweg führt zunächst nach Messel. Im ehemaligen Fachwerk-Rathaus zeigt das Fossilien- und Heimatmuseum charakteristische
Fossilien aus den Funden der UNESCO-Weltnaturerbestätte Grube Messel.
Pflanzen und Tiere wurden vor 47 Millionen Jahren in einem Urwaldsee
im Seeschlamm eingebettet und sind bis heute buchstäblich mit Haut
und Haaren erhalten geblieben.
Kurz hinter Messel finden Sie unter alten Eichen einen Rast- und Spielplatz. Hier wurden einst die Schweine gehütet. Weiter geht es über Feldwege, am Waldrand entlang und wieder durch offenes Gelände, bis der
Zeilharder Wald erreicht ist. Der Name „Stücksbühl“ weist auf einen
keltischen Platz hin. Reste von Vulkanismus aus dem Tertiär sind hier
sichtbar. In der schattigen Kühle des dichten Waldes wandern Sie zum
Besucherzentrum und zum Weltnaturerbe Grube Messel.
Hier gehen Sie auf eine Zeitreise in die Erdgeschichte: Die UNESCO-Weltnaturerbestätte Grube Messel birgt eine schier
unglaubliche Vielzahl und Vielfalt
an besonders gut erhaltenen Fossilien aus einer Zeit vor 47 Millionen
Jahren. Sensationsfunde wie die
Messeler Urpferdchen oder das Äffchen „Ida“ sind weltweit berühmt.
Geowissenschaftler bergen seit Mitte
der 60er Jahre versteinerte Skelette in
einzigartiger Erhaltung: Feine Haare,
fragile Fischschuppen und die bunten
Farben von Käfern sind immer noch
erkennbar. Nach Besichtigung des Besucherzentrums wandern Sie ein Stück
durch den Kranichsteiner Forst zurück
zum Ausgangspunkt am Bahnhof.
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Faszination Erdgeschichte – UNESCO-Welterbe Grube Messel
N e
Urpferdchenweg
u r o t t
Markierung:
Rund um die
UNESCO-Welterbestätte Grube Messel
Länge: 11 km
Dauer: ca. 2 3/4 Std.
Höhenmeter: 74
Kondition: einfach
Sehenswert:
Landschaft,
UNESCO Welterbe
Grube Messel,
Fossilien- und
Heimatmuseum
Messel
N e u r o t t
1
Zeilharder
Wal d
Start:
Bahnhof Messel,
Am Bahnhof,
64409 Messel
Zeilharder
Wal d
ÖPNV:
Bahnhof Messel
2
Einkehr: 11
(1) Gasthaus Laumann, Bahnhofstr. 2, 64409 Messel. Tel. 06159 260. www.gasthaus-laumann.de
(2) Restaurant-Cafe „Schneckenschröder“, Dieburger Str. 278 / Außerhalb 30, 64409 Grube Messel,
Tel. 06159 70905, www.schnecken-schroeder.de
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Felsenmeere
durchstreifen
Als Felsenmeere werden Landschaftsformen bezeichnet, die hauptsächlich aus Steinen oder Felsen bestehen. Diese oftmals urtümlich
und sonderbar anmutenden Erscheinungen haben die Menschen
seit jeher fasziniert. Zu früherer Zeit konnte man sich Ihre Entstehung nicht recht erklären und so wurden die Felsenmeere zum
Schauplatz von phantasievollen Sagen. Heute wissen wir zwar wie
sie entstanden sind, ihren Zauber haben sie jedoch behalten. Zu gut
können wir uns vorstellen, dass hinter den bemoosten Felsgestalten
verwunschene Wesen oder wilde Räuber ihre Zuflucht finden.
Das berühmteste der steinernen Meere ist sicher das große Felsenmeer in Lautertal-Reichenbach im Vorderen Odenwald. Am Wochenende und in den Ferien ist es ein gigantischer Abenteuerspielplatz, zu den übrigen Zeiten kehrt Ruhe ein und Wanderer haben
Zeit für stillen Naturgenuss. Das Felsenmeer-Informationszentrum erklärt seine Entstehung, seine ehemalige Funktion als römischer Steinbruch und bietet eine breite Palette von thematischen
Führungen an.
Weitaus ruhiger geht es im Ebersberger Felsenmeer zu: Bei Erbach im Odenwald liegen kantige Blöcke aus verwitterndem
Buntsandstein im Wald verstreut und laden zur Entdeckung ein.
Zur Erkundung des Felsenmeeres in Ebersberg empfehlen wir die
qualitätsgeprüfte Rundwanderung „Höhendorf-Weg“. Sie führt
rund um den Erbacher Ortsteil Bullau zu vielen weiteren interessanten Punkten.
Nicht weniger interessant ist das Felsenmeer auf dem Königsstuhl bei Heidelberg. Die dortigen Blockschutthalden bieten seltenen Pflanzen und Tieren eine Heimat.
24
Auf den nächsten Seiten stellen wir Ihnen diese drei
steinernen Landschaften näher vor.
Auch der übrige Odenwald ist reich an größeren und
kleineren Felsenmeeren. Bei Wanderungen trifft man
an den bewaldeten Berghängen oftmals ganz unvermittelt auf die Zeitzeugen der Erdgeschichte
– gehen Sie auf Entdeckungsreise!
Faszination Erdgeschichte – Felsenmeere
25
Felsenmeer
in Lautertal-Reichenbach
Spielplatz für Riesen
Das größte Felsenmeer im Odenwald ist eine gigantische Landschaft aus rundlichen Felsblöcken und zieht
sich über einen Kilometer lang den Felsberg hinab.
Steht man an seinem Fuß, glaubt man, die gewaltigen
Brocken könnten jeden Moment mit donnerndem
Getöse zu Tal rollen. Aber keine Angst, die imposanten Steingestalten ruhen seit Menschengedenken.
Entstehung
Im Erdaltertum, vor etwa 340 Mio. Jahren, stießen
im Bereich des Vorderen Odenwaldes zwei Kontinente zusammen, wobei sich Gesteinsschmelzen
im Untergrund bildeten. In der Kollisionszone, in
der sich auch der Felsberg befindet, stiegen diese
Gesteinsschmelzen auf und kamen tief unter der Erdoberfläche zum
Stillstand. Die Schmelze erkaltete dort langsam und bildete das kristalline Gestein Quarzdiorit. Bei der Erkaltung entstanden erste Schrumpfungsrisse und Klüfte.
Vor etwa 50 Millionen Jahren waren die überdeckenden Schichten abgetragen, sodass sich das Gestein an der Erdoberfläche befand. Das
damalige Klima war feuchtwarm und sorgte für eine intensive Verwitterung, die viele Meter in die Tiefe reichte. Die Ecken und Kanten
der Gesteinsblöcke wurden dabei zersetzt, so dass sie eine rundliche,
wollsackähnliche Gestalt annahmen.
Sein heutiges Aussehen erlangte das Felsenmeer erst während der
Eiszeiten: Damals gab es im Odenwald zwar keine Gletscher, dafür aber eine Tundra-ähnliche Landschaft mit Permafrost und nur
spärlichem Pflanzenwuchs. Wenn der Boden auftaute, wurde die
Erde an den Hängen abgespült und die rundlich verwitterten Gesteinsblöcke dadurch freigelegt. Sie rollten hinab und sammelten
sich im Taleinschnitt.
Oder war es ganz anders?
Der Sage nach bekamen zwei Riesen auf dem Felsberg und dem
gegenüberliegenden Hohenstein Streit und bewarfen sich mit
Felsbrocken. Der Hohensteiner hatte mehr Wurfmaterial, so
dass der Felsberger Riese bald unter den Blöcken begraben wurde. Mit Glück kann man ihn heute noch murmeln hören.
26
Faszination Erdgeschichte – Felsenmeere
3
Schon die Römer nutzten das Gestein im 3. und 4. Jahrhundert
und hinterließen fast 300 unfertige Werkstücke, darunter die gigantische Riesensäule. Noch heute sind ihre Bearbeitungsspuren
erkennbar. Werkstücke aus dem Reichenbacher Felsenmeer
wurden damals bis nach Trier transportiert und dort verbaut.
Felsenmeer Informationszentrum und Veranstaltungen
Im Felsenmeer-Informationszentrum der Gemeinde Lautertal und des Geo-Naturparks erhalten Sie spannende Einblicke in
Entstehungsgeschichte und Nutzung der uralten Gesteine. Die
Koboldklause hält Speisen und Getränke bereit. Für Kinder und
Erwachsene sind Führungen, Schatzsuchen und Kindergeburtstage buchbar. Ende September steht das „Felsenmeer in Flammen“: Die große Veranstaltung mit Lasershow und Musik zieht
die Besucher jedes Jahr in ihren Bann.
2
20 0
Seifenwiesenweg 59
64686 Lautertal-Reichenbach
Tel. 06254 / 940 160
[email protected]
www.felsenmeerinformationszentrum.de
täglich 10 bis 16 Uhr
Eintritt frei
27
Felsenmeer am Königstuhl
Hoch über Heidelberg
An der Südseite des Neckars überragt der 567 Meter hohe Berg
Königsstuhl die Universitätsstadt Heidelberg. Er besteht aus massiven Buntsandstein-Schichten und ist der höchste Berg des „Kleinen Odenwaldes“, südlich des Neckars. An seinem Hang liegen
die Ausläufer der Altstadt, das berühmte Heidelberger Schloss
und die Bergbahn, die Besuchern den Aufstieg erleichtert. Weniger bekannt dagegen ist das Felsenmeer im Stadtwald.
28
Entstehung
Die zum Teil mehrere Meter hohen Sandstein-Blöcke entstanden 4
wie auch beim großen Lautertaler Felsenmeer durch Verwitterung während der Tertiärzeit. Die eher blockartige Form
geht auf die Gesteinsart zurück: während kristallines Gestein allseitig verwittert und damit letztlich rundliche Formen annimmt, verwittert der Buntsandstein, der als Ablagerungsgestein schichtig aufgebaut ist, eher in Blockform.
Frost- und Auftauvorgänge während der Eiszeiten vollendeten das Werk und sprengten die Blöcke vollends ab.
Diese glitten hangabwärts, sammelten sich an den Nordhängen oberhalb von Heidelberg-Schlierbach und bildeten zwei größere Blockhalden aus. Der Ostteil befindet
sich in etwa 270 bis 410 m Höhe; der Westteil in etwa 340
bis 480 Metern Höhe. Diese, auch Felsenmeer genannte
Ansammlung von Steinen, steht heute unter Naturschutz
und kann bei Wanderungen besucht werden.
Heimat seltener Pflanzen
Das Felsenmeer am Königsstuhl ist die Heimat der seltenen Pflanzengemeinschaft des Karpatenbirken-Ebereschen-Blockwaldes. Die Karpatenbirke ist bereits in der
letzten Eiszeit eingewandert und konnte unter den extremen Lebensbedingungen der Steinlandschaft Jahrtausende überdauern. Auch eine Vielzahl bedrohter Moose,
Flechten und Insekten siedelten sich zwischen den kargen
Felsen an. Die Waldflächen zwischen den Blockhalden
bestehen vor allem aus Berg-Ahorn, Edelkastanie, Trauben-Eiche und Wald-Kiefer. Sie entwickeln sich nahezu
urwaldartig, da eine forstwirtschaftliche Nutzung zu
beschwerlich ist. Die spezialisierten Tier- und Pflanzenarten haben sich den schwierigen Lebensbedingungen
angepasst und müssen heute vor Verdrängung durch
andere Arten geschützt werden.
Erreichbarkeit:
Heidelberg: Von der Bergbahnstation Molkenkur oberhalb
von Heidelberg führt ein ebener Wanderweg zum Felsenmeer.
Heidelberg-Schlierbach: Von der historischen Brunnenanlage
Wolfsbrunnen führt die Straße Wolfsbrunnensteige bergan
zum Felsenmeer.
Faszination Erdgeschichte – Felsenmeere
29
Höhendorf-Wanderung
Zwischen Ebersberger Felsenmeer und Bullauer Eutergrund
5
Der schöne Wanderweg führt durch Wälder und Felder rund um das Höhendorf Bullau. Das verwunschene Ebersberger Felsenmeer, das Bullauer
Bild und die sanften Wiesentäler Diebsgrund und Eutergrund erwarten die
Wanderer.
Vom Parkplatz am Sportplatz geht es Richtung Bullau und nach links
in die Fortunastraße. Zwischen Streuobstwiesen und Feldern führt der
Weg leicht bergab bis zum Waldrand. Hier biegen Sie rechts ein und
wandern in sanften Kurven durch die Nadelbäume. Vor einer Linksbiegung taucht am Wegesrand der Rutschstein auf. Wind und Regen
haben diesem sagenumwobenen Buntsandsteinblock im Laufe der
Jahrtausende weiche, bemooste Konturen gegeben.
Weiter geht die Wanderung über den Rösbuckel zur Gebhardshütte.
Der Weg macht eine scharfe Rechtskurve und führt zum Ebersberger
Felsenmeer hinab. Verstreute und verkeilte Steinquader wirken wie
aus dem Boden gewachsene Wesen, die auf Rotkäppchen und den
Wolf warten. Die Grundmauern vieler alter Bullauer Häuser und
Ställe wurden mit diesen durch Kieselsäure verfestigten Sandsteinen gebaut. Etwa 700 Meter nach Verlassen des Felsenmeeres biegt
der Weg rechts ab.
Knapp drei Kilometer später erreichen Sie das Bullauer Bild. Der
ehemals in einen Baum eingewachsene Bildstock wurde nach seinem Zusammenbruch restauriert. Von hier verläuft der Weg relativ gerade, bis es nach einer Linksschlaufe noch einmal geheimnisvoll wird: Dunkler Wald begleitet Sie bis zum Naturschutzgebiet
Eutergrund. Wie ein Dorf aus längst vergangener Zeit breitet sich
der Weiler aus. Genießen Sie noch einmal die Idylle der romantischen Täler Diebsgrund und Eutergrund, bevor Sie wieder nach
Bullau hinauf wandern.
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Faszination Erdgeschichte – Felsenmeere
Höhendorf-Wanderung
Zwischen Ebersberger Felsenmeer
und Bullauer Eutergrund
Markierung:
äm
Hellberg
418
400
Re
0
50
Baurück
Bauwald
nn
Bullauer
Bild
g
ru
nd
Naturschutzgebiet
Eutergrund
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500
It
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Kohlwald
500
500
400
Bullau
P f a f f e n f e l d
S c h a n z e n f e l d
Rutschstein
400
Ebersberger
Felsenmeer
0
1 km
516
m
Länge: 14 km
Dauer: ca. 4 Std.
Höhenmeter: 376 hm
Kondition: mittel
Rutschstein
750
Ebersberger Felsenmeer Naturschutzgebiet
Eutergrund
Bullauer Bild
600
450
300
14 km Länge
150
km
2
4
6
8
10
12
Sehenswert: Landschaft, Wehrkirche, Ebersberger Felsenmeer,
Bullauer Bild, NSG Eutergrund
Start: Parkplatz am Sportplatz, Abzweig Fortunastraße,
64711 Erbach im Odenwald-Bullau
ÖPNV: Bushaltestelle Bullau Ort
Tipp: Der Weg kann auf dem markierten Verbindungsweg
(Bu 1 V) auch in zwei Hälften begangen werden.
14
Höhlen
welten
ergründen
32
Höhlen sind natürlich entstandene, unterirdische Hohlräume. Sie
sind per Definition „groß genug,
um von Menschen erkundet zu
werden und länger als fünf Meter“. Ihr Vorkommen hängt vor
allem von der Gesteinsart ab: So
bilden sich Höhlen häufig in erstarrender Lava und in löslichen
Gesteinen wie Kalkstein.
Im Erdmittelalter war der gesamte Odenwald von Meeresablagerungen aus Muschelkalk bedeckt – ideale Bedingungen für
die spätere Bildung von Höhlen.
Mit der Hebung des Mittelgebirges wurden die Muschelkalkschichten jedoch weitgehend
wieder abgetragen. Heute besteht der Vordere Odenwald vor
allem aus kristallinen Gesteinen
und der Hintere Odenwald vorwiegend aus Buntsandstein-Ablagerungen.
Diese Gesteine bilden im Normalfall keine nennenswerten
Höhlen aus, so dass im weitaus
größten Teil des Odenwaldes
keine Höhlen zu finden sind. Reste von Muschelkalk haben sich
nur in zwei Bereichen erhalten:
im Erbach-Michelstädter Graben und ganz im Osten, wo der
Odenwald in das Bauland übergeht. Das ist eine Landschaft
mit weitgespannten Schichtstufen im Nordosten Baden-Württembergs. Hier konnten sich
weitläufige Höhlensysteme mit
verzweigten Gangsystemen ausbilden.
Entstehung der Höhlen
Die Höhlen im Muschelkalk sind durch chemische
Verwitterung entstanden. Wird im Regenwasser das
in Luft und Boden enthaltene Kohlendioxid gelöst, bildet sich
Kohlensäure. Diese ist in der Lage, Kalkstein zu lösen. Das Wasser versickert in den Spalten des Muschelkalks und löst zunächst kleinere Hohlräume aus, die sich im Laufe der Zeit zu
ausgedehnten Höhlensystemen entwickeln können.
Tropfsteinhöhle und Bachschwinden
Die berühmteste und einzige Besucher-Höhle im Odenwald
ist die Eberstadter Tropfsteinhöhle bei Buchen. Die große
Höhle mit ihren beeindruckenden, schneeweißen Tropfsteinen ist Teil eines ausgedehnten Höhlensystems. Regelmäßige
Führungen und ein interessantes Informationszentrum bringen Ihnen dieses faszinierende Naturgebilde näher.
Ein im Kalkstein ebenfalls auftretendes Phänomen sind
Bachschwinden: Bei Erbach verschwindet der Erdbach an
mehreren Höhlenlöchern und Versickerungsstellen im Boden, fließt durch ein weit verzweigtes Höhlensystem und
tritt an anderer Stelle wieder aus. Bei Michelstadt verschwindet das Kiliansfloß im Erdreich und kommt erst in
der Altstadt wieder zum Vorschein (siehe Geopark-Pfad
„Landschaft im Wandel“, S. 44). Diese geologischen Besonderheiten sind nur von außen zu besichtigen.
Faszination Erdgeschichte – Höhlenwelten
33
Eberstadter Tropfsteinhöhle
Ganz in weiß
Die beeindruckende Tropfsteinhöhle befindet sich im südöstlichen
Odenwald, am Übergang zum Bauland. Bei Sprengarbeiten in einem
Kalk-Steinbruch wurde sie 1971 zufällig freigelegt. Ihr Entstehungsalter wird auf ein bis zwei Millionen Jahre geschätzt.
Der begehbare Teil schlängelt sich etwa 600 Meter lang durch den
Muschelkalk. Reicher Tropfsteinschmuck, schlanke und kegelige Bodentropfsteine, Sinterfahnen, Sinterterrassen und Kristalle zieren
die Höhlenwände. Viele Tropfsteingebilde haben einen eigenen
Namen. Da geht die „Weiße Frau von Eberstadt“ um, der „Elefantenrüssel“ sucht nach Wasser und der „Vesuv“ steht kurz vor dem
Ausbruch. Die „Hochzeitstorte“ ist eines der schönsten Tropfsteingebilde Europas.
Da die Führungen von Beginn an bei elektrischem Licht stattfanden, sind die Tropfsteine kalkweiß erhalten. Die älteren deutschen
Schauhöhlen wurden hingegen durch den Gebrauch von Kerzen
und Fackeln geschwärzt. Die Eberstadter Tropfsteinhöhle gilt daher als eine der schönsten Schauhöhlen in ganz Deutschland.
Die Temperatur liegt das ganze Jahr hindurch konstant bei 11 °C,
die Luftfeuchtigkeit bei etwa 95 %.
34
Höhlensystem
6
Die Eberstadter Tropfsteinhöhle ist Teil eines größeren
Höhlensystems und hat zwei Nachbarhöhlen: Der „Hohle Stein“
wurde bislang auf einer Länge von über 3.000 Metern erkundet.
Bei stärkeren Niederschlägen füllt er sich regelmäßig mit Wasser
und Lehm und kann deshalb für Besucher nicht geöffnet werden.
Die 220 Meter lange Kornäckerhöhle wurde erst 2006 entdeckt.
Sie ist besonders schwer zugänglich und darf nur von erfahrenen
Höhlenforscher betreten werden. Die drei Höhlen sind vermutlich
durch gemeinsame Klüfte miteinander vernetzt und bilden zusammen die "Eberstadter Höhlenwelten".
Besucherzentrum und
Lehrpfad
Das moderne Besucherzentrum, gleichzeitig auch
östliches
Geopark-Eingangstor, präsentiert die
faszinierende Zeit des
Muschelkalkmeeres multimedial aufbereitet und leicht verständlich. Kinder erleben
die Erdgeschichte mit Hilfe der Höhlenrutsche quasi „auf einen Rutsch“. Die Architektur des Gebäudes symbolisiert die
Klüfte und Verwerfungen im Muschelkalk.
Am Besucherzentrum beginnt der etwa einen Kilometer
lange Geologische Lehrpfad. Er zeigt die Entstehung der
Tropfsteinhöhle und die wichtigsten geologischen Formationen in Baden-Württemberg anhand von Gesteinsbrocken. Vom Aussichtspunkt erhält man Einblicke in den
aktiven Steinbruch.
Besucher-Informationszentrum
Höhlenweg 6 · 74722 Buchen-Eberstadt
Tel. 06281 - 2780
[email protected]
www.tropfsteinhoehle.eu
20 0
6
Mai bis August: tägl. 10 - 16 Uhr
März, April, Sept., Okt.: Di. bis So. 10 - 16 Uhr
November bis Februar: Sa., So., Feiertage 13 - 16 Uhr.
Führungen zur vollen Stunde
3,- bis 4,- 3
Faszination Erdgeschichte – Höhlenwelten
35
Erdbachversickerung bei Erbach
2014
Und weg isser!
In der Nähe von Erbach befindet sich ein geologisches
Phänomen: die Erdbach-Schwinde, Erdbachversickerung oder
auch Erdbach-Einschlupf genannt. Ihr Vorkommen ist für den Odenwald
untypisch, denn eigentlich wurden die Muschelkalk-Gesteine in diesem
Bereich des Odenwaldes bereits vor langer Zeit abgetragen. Der Untergrund besteht vor allem aus Sandstein. Mit dem Einbruch des großen
Oberrheingrabens vor etwa 50 Millionen Jahren entstanden jedoch auch
kleinere Grabenbrüche, wie der Erbach-Michelstädter-Graben. Durch
seine Absenkung geriet ein kleiner Teil des Muschelkalks in eine tiefere
Lage und wurde so vor Verwitterung und Abtragung geschützt.
Heute bildet der erhaltene Muschelkalk einen kleinen Bergrücken, der
sich zwischen den Erbacher Stadteilen Dorf-Erbach und Stockheim einem Bachlauf entgegen stellt. Der Erdbach verschwindet am Fuße einer
kleinen Felswand vollständig in fünf Höhlenlöchern. Er durchfließt eine
unterirdische Karsthöhle und taucht etwa 250 Meter weiter nahe der
Stockheimer Mühle wieder auf. Das Wasser quillt aus tümpelartigen
Verbreiterungen am Fuße des Hangs hervor. Um zu untersuchen wie
lange das Wasser braucht, bis es wieder an die Oberfläche gelangt,
haben es Wissenschaftler eingefärbt. Dabei wurde herausgefunden,
dass es eine dreiviertel Stunde dauert, bis sich das Wasser seinen Weg
durch das Höhlensystem gebahnt hat.
Frühere Energiegewinnung
Ein zweiter Arm des Erdbachs versickert etwa einen Kilometer vor
der Felswand auf einer Wiese. Früher wurde das Wasser hier in einen
10 Meter tiefen Schacht geleitet. Durch die Fallhöhe konnte man
Wasserkraft gewinnen und die Maschinen einer Elfenbeinschnitzerei betreiben. Nach Stilllegung der Maschinen wird das Wasser
des Seitenarms heute in zwei Kanaleinläufen abgefangen und unterirdisch zur unteren Versickerungsstelle geleitet. Das Wasser der
oberen Versickerungsstelle ist bis zum Austritt an der Stockheimer
Mühle ganze 23 Stunden unterirdisch unterwegs. Man vermutet,
dass sich im Untergrund ein verzweigtes Gangsystem und möglicherweise sogar ein See befindet. Höhlenforscher haben dieses
bereits auf einer Länge von etwa 400 Metern erkundet. Heute ist
der Bereich jedoch mit den Ablagerungen des Erdbaches verfüllt
und nicht mehr zugänglich.
36
7
Das Erdbach-Höhlensystem ist eine der größten Karsterscheinungen im südhessischen Raum und damit ein eindrucksvolles und
seltenes geologisches Naturdenkmal. Im Höhlenklima fühlen sich
Fledermäuse und Höhlenspinnen besonders wohl. Heute steht es
unter Naturschutz und ist nur von außen zu besichtigen. Auszeichnung Geotop 2014 im Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald
49° 39‘ 52.84“ N 9° 0‘ 15.03“ E
Sportgelände zwischen Obere Marktstraße und Eulbacher Straße
64711 Erbach im Odenwald
Tel.06062-6480
[email protected]
www.erbach.de
Faszination Erdgeschichte – Höhlenwelten
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Bergbau
erforschen
Der Bergbau im Odenwald blickt auf eine 1.200-jährige Geschichte
zurück. Bereits die Römer nutzten Buntsandstein und Granit aus dem
Odenwald als Baumaterial. Sie hinterließen Steine mit Inschriften und
Reliefs, aber auch die Riesensäule im Lautertaler Felsenmeer. Archäologen erforschen noch heute, wie die Römer die tonnenschweren Werkstücke aus dem Odenwald über weite Entfernungen befördern konnten.
Abbau von Erzen und Industriemineralen
In den folgenden Jahrhunderten wurden im kristallinen Odenwald Silber, Blei und Kupfer abgebaut. Im Buntsandstein-Odenwald gruben
Bergleute erfolgreich nach Eisenerz, Mangan und Schwerspat. Vorkommen von Feldspat wurden für die Porzellanherstellung genutzt.
Glimmer fand unter anderem bei Isolatoren in der Elektrotechnik
Verwendung. Im Gersprenztal grub man nach schuppigem Hämatit,
einem Rohstoff für die Herstellung von Rostschutzfarbe. Die Bergwerke hatten oft mit Wassereinbrüchen zu kämpfen oder waren irgendwann nicht mehr rentabel zu betreiben.
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In den Eisenhütten fehlte es
langfristig an Steinkohle.
Ab 1900 ging der Bergbau im Odenwald stark zurück. Der
Abbau von Erzen und Industriemineralen wurde schließlich eingestellt.
Abbau von Steinen
und Erden
Heute sind nur noch einige Steinbrüche in Betrieb: Die gewonnenen
Steine werden beispielsweise als
Bausteine, Grabsteine, Ziersteine
oder Schotter verkauft. Entsprechend hoch ist die Zahl der Steinmetzbetriebe in der Region. In der
Nähe von Obrigheim befindet sich
die größte und älteste Untertage-Gipsgrube Deutschlands. Einige Tongruben bauen noch immer
hochwertigen Ton ab.
Bergbau erleben
Bei genauerem Hinsehen werden Sie auf Ihren Wanderungen im
Odenwald oftmals Spuren des Bergbaus entdecken. Einige Bergbaustollen können besichtigt werden. Andernorts künden Stollenmundlöcher, Pingen, Schürfgräben und Abraumhalden von einstiger Betriebsamkeit der Bergleute. Stücke von Erzen und Schwerspat
sind im Umfeld der Gruben mühelos zu finden.
Durch die Einrichtung von Geopark-Pfaden hat der Geo-Naturpark
Bergstraße-Odenwald die Spuren des Bergbaus in der Landschaft
sichtbar und erlebbar gemacht. Die Pfade entführen Sie in über
1.200 Jahre Odenwälder Bergbaugeschichte. Noch spannender
wird Ihre Entdeckungstour, wenn Sie diese gemeinsam mit einem
Geopark-Ranger unternehmen. Die AG Altbergbau Odenwald
setzt sich darüber hinaus seit vielen Jahren aktiv für den Erhalt
der Bergbaurelikte als Zeugen der Kultur- und Wirtschaftsgeschichte im Odenwald ein.
Faszination Erdgeschichte – Bergbau
39
Besucherbergwerk
Grube Ludwig in Wald-Michelbach
8
Schon seit dem frühen Mittelalter wurde in der Region Überwald Erz
abgebaut. Die Lagerstätten entstanden an der Grenze vom Kristallinen
zum Sandstein-Odenwald: Auf den älteren Granitgesteinen lagerten
sich Schichten eines urzeitlichen Meeres (Zechstein-Meer) ab, die wiederum später von mächtigen Sandstein-Schichten überdeckt wurden.
In den Stollen bei UnterWald-Michelbach wurde
während der Bergbaublütezeit von 1870 bis zur
Jahrhundertwende Manganerz abgebaut. Etwa
300 Bergleute förderten
innerhalb von 25 Jahren
rund 300.000 Tonnen
Erz. Mittels Schwerkraft
holte ein Wasserlastenaufzug (als Modell im
Überwälder Heimatmuseum ausgestellt) das
gebrochene Erz aus dem
Stollen. Eine mit Dampfkraft angetriebene Drahtseilbahn beförderte die Bodenschätze zum Bahnhof. Warum die Gruben nach ca.
25-30 Jahren wieder geschlossen wurden ist nicht bekannt.
Ende der 1990er Jahre wurde der alte Stollen der „Grube Ludwig"
für Besucher zugänglich gemacht: Verbauungen wurden erneuert,
Schlamm und Schutt entfernt, Entwässerungsrinnen angelegt und
ein Weg befestigt. So konnte ein bedeutendes Industriedenkmal für
die Nachwelt erhalten werden. Heute dürfen Besucher den etwa 85
Meter langen Stollen und das liebevoll angelegte Außengelände
besichtigen. Alte Gerätschaften am Wegesrand lassen den harten
Arbeitsalltag der Bergleute von damals erahnen.
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Am Wetzel · 69483 Wald-Michelbach
Tel. 06207/947111
[email protected] · www.wald-michelbach.de
April bis Oktober, Führung nach Voranmeldung
Teilnahme frei, Spenden willkommen
Besucherbergwerk
Grube Marie in der Kohlbach
in Weinheim
9
In diesem ehemaligen Blei- und Silberbergwerk erleben Sie viele Jahrhunderte Bergbaugeschichte. Der Bergbau bei Großsachsen und Hohensachsen reicht mindestens bis in das 13. Jahrhundert zurück, als die Herren von
Strahlenberg die Rechte zum Blei- und Silberbergbau erhielten. Die Grube
Marie selbst stand Ende des 15. Jahrhunderts sowie zwischen 1740 und
1783 in Betrieb. Verschüttete Schachtöffnungen, Halden und Schürfgruben entlang des Kohlbachs und am Nordhang des Kohlbachtals zeugen
von einstigen Bergbauaktivitäten.
Nach der Förderung der erzhaltigen Gesteine erfolgte deren Aufbereitung im Poch- und Waschwerk, die anschließende Verhüttung im
Schmelzwerk. Aus dem gewonnenen Werkblei konnte schließlich Rohsilber produziert werden. Im Durchschnitt waren etwa 30 Personen in der
Förderung und Verarbeitung beschäftigt (Grubensteiger, Hauer, Karrenläufer, Pochknechte, Schmelzer und 10 Waschkinder des Pochwerks),
die unter härtesten Bedingungen bei der Erzaufbereitung arbeiteten.
Von wissenschaftlichem Interesse und Entdeckergeist getrieben, beförderte die AG Altbergbau Odenwald manch historisches Gerät zu Tage.
Seit Mai 2010 ist das ehemalige Silber-Bergwerk für Besucher geöffnet,
ausgeschildert ab Wanderparkplatz Kohlbach (ca. 300 m).
Wanderparkplatz Kohlbach
Kolbach
69469 Weinheim-Hohensachsen
Mai - Sept., letzter od. vorletzten
Samstag im Monat, jeweils 14 Uhr;
Gruppen auch zu individuellen
Terminen
Anmeldung:
Verwaltungsstelle
Weinheim-Hohensachsen,
Tel. 06201- 592823
[email protected]
Teilnahme frei,
Spenden willkommen
Faszination Erdgeschichte – Bergbau
41
Besucherbergwerk
10
Grube Anna-Elisabeth in Schriesheim
Im Besucherbergwerk der Grube
Anna-Elisabeth bekommen Sie
einen Einblick in 500 Jahre Bergbaugeschichte. Die Arbeitsweise
der Bergleute, der Grubenbau
und die Außenanlagen werden
erläutert.
Die Entstehung des Bergwerks
hängt wahrscheinlich eng mit
dem Bau der Strahlenburg zusammen, dem Wahrzeichen
von Schriesheim. Die Ritter von
Strahlenberg finanzierten mit
den Erlösen aus der Silbermine
die Errichtung der Burg und den
Ankauf der umliegenden Ortschaften. 1473 wurde das Bergwerk erstmals urkundlich erwähnt und war
mit einigen Unterbrechungen bis 1817 in Betrieb. Zwei Jahrhunderte lang
wurden hier Silbererze gewonnen. Ab 1701 begann man mit dem Abbau
von Vitriol-Erzen und errichtete Ende des 18. Jahrhunderts ein Sudhaus
für die Aufbereitung der Erze. Während des 2. Weltkriegs nutzten die
Bürger Teile der Grube als Luftschutzbunker. Nach Kriegsende wurden
alle Zugänge zu den Stollen und Schächten der Grube verfüllt.
Seit 1985 sorgt der Bergwerksverein Schriesheim e.V. für den Erhalt, die
Sicherung und den Besucherbetrieb der ehemaligen Grube. Lernen Sie
ein wenig Bergmanns-Latein und lassen Sie sich von erfahrenen Bergwerksführern in die Tiefe lotsen. Mit Helm und orangefarbenem Umhang geht es in den Berg. Die Führung ist anschaulich und auch für Kinder geeignet. Untertage herrscht eine Temperatur von konstant 11°C.
Talstraße 157 · 69198 Schriesheim
Tel. 06203-68167
[email protected]
www.bergwerk-schriesheim.de
April bis Oktober: Sonn- u. Feiertage (außer Karfreitag, Allerheiligen)
11 bis 16:30 Uhr (letzter Einlass)
Individuelle Gruppenführungen werktags auf Anfrage
2,50 3 bis 4,- 3
42
Regionalmuseum Reichelsheim
Bergbau und Geologie zum Anfassen
11
Im historischen Rathaus von Reichelsheim
wird neben über 100
Jahren Schulgeschichte, der historischen
Eisenbahn und regionalem
Handwerk
auch „Geologie zum
Anfassen“ gezeigt. Ein
Schwerpunkt liegt auf
dem Bergbau, der hier
eine lange Tradition hatte. Fühlkästen laden dazu ein, Gesteine in die
Hand zu nehmen. Die unterschiedlichen Verwendungsmöglichkeiten
sind anschaulich erklärt. Die Ausstellung nimmt dabei immer wieder
Bezug auf die interessanten Geopark-Pfade um Reichelsheim.
Besucher betreten die Bergbau-Abteilung durch die Nachbildung des
historischen Stollenausbaus der Grube Georg. Alte Fotos vermitteln
einen Eindruck von den Arbeitsbedingungen der Bergleute. Die Entwicklung vom mittelalterlichen Eisenerzabbau zur industriezeitlichen
Manganerzgewinnung für die Stahlveredelung ist anschaulich dargestellt. Auch der hochwertige Ton wird vorgestellt, der an den „VierStöck“ bis ins 16. Jahrhundert abgebaut wurde.
Besondere Faszination übt die Mineraliensammlung aus: Eine Vielfalt
von Kristallen kann mit Binokular oder Stereomikroskop bewundert
werden. Im Dachgiebel stellt ein Stollen-Diorama den Tagstollen
einer Eisenerzgrube aus dem 16. Jahrhundert dar. Hier werden die
montanarchäologischen Forschungen im Reichelsheimer Umland
sichtbar.
Rathausplatz 7 · 64385 Reichelsheim
Tel. 06164 50826 oder 2369
[email protected]
www.museum-reichelsheim.eu
Februar bis Dezember: So. 15 bis 17 Uhr, letzter Einlass 16:45 Uhr,
Individuelle Führungen nach Vereinbarung.
Geschlossen: vierter August-Sonntag, Volkstrauertag, Totensonntag,
2. Advent bis 31. Dezember
0,50 3 bis 2,- 3
Faszination Erdgeschichte – Bergbau
43
Geopark-Pfad
12
„Baustein, Erz und Schwerer Spat“
bei Reichelsheim – Runde 1 Süd
Dieser Geopark-Pfad führt rund um das landschaftlich einzigartige
Kainsbachtal. Hier trifft kristallines Grundgebirge auf Buntsandstein.
Auf vielfältigste Art nutzte der Mensch in den vergangenen Jahrhunderten die unter der Erdoberfläche entstandenen Schätze. Begeben Sie sich
auf eine spannende Spurensuche und erfahren Sie Interessantes über
Rohstoffgewinnung und Baumaterial.
Vom Naturpark-Parkplatz „Totenkirche“ führt diese Teilstrecke des Geopark-Pfades nach
Südosten. An der Steinkopfhütte
biegen Sie links ab und wandern
zunächst über offene Landschaft nach Ober-Kainsbach
hinab. Auf der anderen Talseite,
am Wald angekommen, erfahren Sie Näheres über den Glimmerbergbau am Hohen Stein.
Sie können Spuren des ehemaligen Sprengstofflagers der Grube entdecken.
Im weiteren Verlauf am Waldrand entlang treffen Sie auf
„Plutos Resteküche“, bevor Sie
hinter der alten Gesteinswaage rechts herum das gemeinsame Teilstück der nördlichen Route verlassen. Über offenes Grün geht es zum Waldrand hinauf. Oben führt
Sie der Weg zur Haingrube. Sie lernen, wie die Odenwälder früher aus
magnesiumhaltigem Dolomit Kalk für den Mörtel gewannen.
Hinter der Haingrube macht die Route eine scharfe Rechtsbiegung
nach Süden. Sie wandern am Waldrand des Heidelbergs entlang und
genießen die herrliche Aussicht. Die Tafel über das geologische Panorama Morsberg erzählt, wie die Landschaftsform bei der Suche
nach Erzen half. An der Spreng lohnt sich ein kleiner Abstecher, um
das Geheimnis der weißen Sandsteine zu lüften. Über den Michelsberg wandern Sie ein Stück durch den Wald, den Sie am Vierstöck
in nördlicher Richtung verlassen. Von der Steinkopf-Hütte sind es
dann nur noch wenige Schritte zu Ihrem Ausgangspunkt zurück.
44
Faszination Erdgeschichte – Bergbau
Geopark-Pfad
Baustein, Erz und Schwerer Spat
bei Reichelsheim – Runde 1
Markierung:
Wü
nsc
ch
Wünschbach K211
L a t t e r s b e r g
L3260
Hoher Stein
Kirchberg
K211
Gesteinsstrukturen
Michelsberg
443
Geologisches
Panorama
B47
Burgberg Vierstöck
St e in br ü cke n b er g
0
40
1 km
Spreng
Steinbruch
Weißer
Sandstein
L3414

•%

500
H o l le rw al d
m
Länge: 12,2 km
Dauer: ca. 4 Std.
Höhenmeter: 290 hm
Kondition: mittel
ö
e
ll
Heidelberg
L3260
•

3
0
H
Knösberg
S t e i n k o p f
404
Hembach
416
Ober-Kainsbach
Wolfsberg
342
B47
300
Haingrube
300
300
•
Hutzwiese
400
389
Totenkirche
K88
400
E ic h be rg
W a l l b r u n n
hba
Geologisches Panorama
Steinbruch Weißer Sandstein
Gesteinsstrukturen
Totenkirche
600
450
300
150
10,9 km Länge
0
km
2
4
6
8
10
Sehenswert: Landschaft, Bergbauspuren, Totenkirche
Start: Naturpark-Parkplatz „Totenkirche“ (ausgeschildert ab B47
bei Hutzwiese), 64385 Reichelsheim/Ober-Kainsbach
ÖPNV: Bushaltestelle Gersprenz Hutzwiese, Reichelsheim
Infopunkte: (1) Starttafel (2) Glimmerbergbau (3) Pegmatite
(4) Gesteinswaage (5) Gesteinsfaltung (6) Kalkbrennerei
(7) „Landgewinnung“ (8) Geolog. Panorama Morsberg
(9) Weißer Sandstein (10) Trinkwasser (11) Rohstoffe
(12) Gesteinsgefüge (13) Geologische Strukturen
Geopark-Pfad
Baustein, Erz und Schwerer Spat
bei Reichelsheim – Runde 2
Markierung:
Wa n s t h ö h e
Haardt
nz
Zehntviertel
ier
St
Gersp
re
L3260
Schnellerts
Schmalmühle
ba
356
Burgruine
Schnellerts
Steinberg
ch
Unter-Gersprenz
200
Wü
n sc
hb
a
ch
L a t t e r s b e r g
L3260
B38
E ic h be rg
Gersprenz
Hoher Stein
H ei d e lb e rg
Ober-Gersprenz
389
GlimmerGrube
Kitzestein
366
SchwerspatGrube
Totenkirche
To t e n p l a t z
R u h s t e i n
B47
Ober-Kainsbach
L3260
Hutzwiese
1 km
0
Knösberg
S t e i n k o p f
m Totenkirche
Länge: 12 km
Dauer: ca. 4 Std.
Höhenmeter: 436 hm
Kondition: mittel
Burgruine Schnellerts
Schwerspat-Grube
Glimmer-Grube
600
450
300
150
12 km Länge
0
km
2
4
6
8
10
12
Sehenswert: Landschaft, Bergbauspuren, Totenkirche,
Burgruine Schnellerts
Start: Naturpark-Parkplatz „Totenkirche“ (ausgeschildert ab B47
bei Hutzwiese), 64385 Reichelsheim/Ober-Kainsbach
ÖPNV: Bushaltestelle Gersprenz Hutzwiese, Reichelsheim
Infopunkte: (1) Starttafel (2) Geolog. Panorama Oberes Gersprenztal
(3) Feldspat und Porzellan (4) Hämatit und Rostschutz
(5) Gesteinsverformung (6) Forsthaus (7) Alte Gesteine
(8) Schiefer (9) Baustein (10) Gneise (11) Gesteinswaage
46 (12) Glimmerbergbau (13) Pegmatite (14) Schwerspat
Geopark-Pfad
„Baustein, Erz und Schwerer Spat“
bei Reichelsheim – Runde 2 Nord
13
Auf dem Geopark-Pfad „Baustein, Erz und schwerer Spat“ kommen
Sie dem einstigen Bergbauzentrums des Odenwaldes näher. Auf dieser Wanderung durch abwechslungsreiche Landschaft erschließen sich
Abbau-Spuren von Bodenschätzen und Baumaterialien. Infotafeln berichten über die Entstehung und Nutzung der Gesteine.
Vom Naturpark-Parkplatz „Totenkirche“ wandern Sie in nordwestliche
Richtung. Genießen Sie das Panorama des oberen Gersprenztals und
lassen Sie sich die dazu gehörenden geologischen Gegebenheiten auf
Tafeln erklären. Diese Teilstrecke führt zunächst über die offene Landschaft des „Totenplatzes“. Sie lernen den Weg „Vom Feldspat zum Porzellan“ kennen und wandern dann scharf rechts durch Wald über den
Kitzestein. Mehrere Tafeln weisen auf ehemalige Bergbaugruben hin.
Auf dem Kreuzweg geht es weiter nach Norden. Sie erfahren, was
dieser Untergrund mit Rostschutzfarbe zu tun hat und wie durch
Temperaturen und Bewegungen Verwerfungen in der Erdkruste entstehen. Beim Verlassen des Waldes am Steinberg überrascht Sie ein
schöner Ausblick. Sie wandern rechts herum und lernen beim Blick
auf Fränkisch-Crumbach die ältesten Gesteine des Odenwaldes kennen. Im weiteren Verlauf überqueren Sie die Landstraße und den
Kainsbach. Im Süden von Stierbach biegt der Weg erneut rechts ab
und Sie durchstreifen den Wald hinauf zur sagenumwobenen Burgruine Schnellerts. Falls Sie das Säbelrasseln des wilden Heeres nicht
hören, so sehen Sie hier aber die exotischsten Steine des Odenwaldes. Von der Hütte an der Gesteinswaage genießen Sie erneut einen
herrlichen Panoramablick und wandern dann am Waldrand des
Hohen Steins Ober-Kainsbach entgegen. Am Steinkopf vorbei geht
es rechts herum Ihrem Ausgangspunkt entgegen.
Faszination Erdgeschichte – Bergbau
47
Geopark-Pfad
14
„Bergbaulandschaft“
Erzabbau rund um Reichelsheim
Abwechslungsreiche Wanderung durch das geologische Panorama zwischen Vierstöck und Rohrbach. Sie entdecken Spuren des Bergbaus und
Relikte aus dem Bergbauzeitalter. Führt der Weg anfangs durch den
Wald, so überrascht er später mit herrlichen Aussichten in die liebliche
Landschaft.
Vom Parkplatz aus führt die Tour
unmittelbar in den Wald hinein,
an der Tongrube vorbei. Nach
400 Metern teilt sich der Weg.
Sie halten sich rechts und folgen
der L-Markierung etwa anderthalb Kilometer bergab und bergauf, an sechs Infotafeln vorbei
durch den Nadelwald. Lassen
Sie sich den Wandel der Bergbautechnik vor Augen führen
und entdecken Sie Halden und
Spuren der älteren Gruben. Eingestürzte Schürfschächte hinterließen unzählige Mulden in
der Landschaft.
An der Infotafel zur Grube Georg geht es rechts ab. Nach
knapp 200 Metern macht der
Pfad eine Linksbiegung zur „Handhaspel“. Der Wald wird lichter. Nun
führt der Weg am Waldrand entlang und dann etwa 200 Meter durch
ein Feuchtgebiet. Ein kleiner Abstecher nach rechts auf der Weide gewährt Ihnen den Einblick in den Alten Stollen der Grube Georg. Über
Wiesen und Täler wandern Sie zum Wanderparkplatz südlich von
Rohrbach. Nach Bestaunen der „Wollsackverwitterung“ an den abgerundeten Kristallingesteinsblöcken folgen Sie der Landstraße am
Friedhof vorbei zum Landgasthof Lärmfeuer. Beim Betrachten des
Panoramas unterwegs erahnen Sie den in Talsenken zwischen Sandstein und Granit abgelagerten erzhaltigen Zechstein. Sie verlassen
den asphaltierten Weg und biegen rechts ab. Hinter einer scharfen
Linkskehre werden Sie wieder zum Wald geleitet. Einen knappen Kilometer später treffen Sie auf das Wegstück vom Anfang. In nördlicher Richtung erreichen Sie dann Ihren Ausgangspunkt.
48
Faszination Erdgeschichte – Bergbau
Geopark-Pfad
Bergbaulandschaft
Erzabbau rund um Reichelsheim
Markierung:
M
Infopunkte:
Burgberg
ar
gr
B47
404
un
1. Starttafel
d
2. Lagerstättengeologie
Morsberg
3. Tongrube
Heidenroth
Reichenberger
Hang
500
6. Grubenhunt
Leonhardsberg
7. Stollensysteme
B r a u e n
l r r
8. Zwerge und Bergbau
10. Grube Georg
Fo rmbach
Ro
c
hr ba
Holzverbau
Stutz unter Tage
h
465
13. Grube Georg
(2. Weltkrieg)
14. Alter Stollen
15. Bergmannsleben
16. Wollsackverwitterung
17. Geolog. Panorama
18. Geleucht
Länge: 12,2 km
Dauer: ca. 31/2 Std.
Höhenmeter: 349 hm
Kondition: mittel
Grubenhunt und
Gleistrasse
300
9. Holzverbau
12. Grube Juno
0
50
5. Gruben Gleiswiese
11. Haspel
517
Steinbach
300
4. Bergbauspuren und
-folgen
Hoschbachshöhe
Bergwerksstollen
474
Rohrbach
Reichenberg
Alter
Steinbruch
1 km
0
m Grubenhunt und
Gleistrasse
600
Holzverbau
unter Tage
Bergwerksstollen
Alter Steinbruch
450
300
150
12,2 km Länge
0
km
2
4
6
8
10
Sehenswert: Landschaft, Bergbauspuren (Grubenhunt, Stollen u.a.)
Start: Naturpark-Parkplatz Vierstöck, Am Morsberg 20,
64385 Reichelsheim/Ober-Kainsbach
ÖPNV: Bushaltestelle Ober-Kainsbach Vierstöck,
Reichelsheim/Ober-Kainsbach
12
Geopark-Pfad
Kulturhistorischer Wanderweg Michelstadt
Schloss, Basilika und Rohstoffe
Markierung:
Steinich
Großer
See
300
B45
Einhardquelle
ng
mli
Mü
Tannenacker
282
h
ac
hb
Re
Einhardsbasilika
Steinbach
Schloss
Fürstenau
300
B47
Steinbach
Steinbach
B45
Michelstadt
300
Rossert
0
Michelstadt
Mümling
Eichels
1 km
m
Länge: 7,9 km
Dauer: ca. 21/2 Std.
Höhenmeter: 217 hm
Kondition: leicht
600
Großer See
Einhardsbasilika Steinbach
Einhardquelle
450
300
150
7,9 km Länge
0
km
2
4
6
8
Sehenswert: Landschaft, Einhardsbasilika, Schloss Fürstenau,
Seen, Einhardsquelle
Start: Bahnhof Michelstadt, Hulster Straße, 64720 Michelstadt
ÖPNV: Bahnhof Michelstadt
Infopunkte: (1) Starttafel (2) Hilderhof (3) Firma Mühlhäuser
(4) Sandgrube (5) Adalbertshöhe (6) Wasserversorgung
(7) Streuobstwiesen (8) Seckel Löbs Birne (9) Steinbacher
Tongrube (10) Forsthaus Acht Buchen (11) Eisenver hüttung (12) Einhardsquelle (13) Bergbau Steinbach
(14) Kalksteingrube
Geopark-Pfad
15
„Kulturhistorischer Wanderweg
Michelstadt“ Schloss, Basilika und Rohstoffe
Abwechslungsreiche Rundwanderung auf Wald- und Wiesenstrecken,
über Berg und Tal. Neben der berühmten Einhardsbasilika und dem
prächtigen Schloss Fürstenau erzählen kleine Sehenswürdigkeiten am
Wegesrand Geschichte.
Gegenüber der Firma Mühlhäuser gehen Sie ein kleines Stück am Bach
entlang, erfahren etwas über ein traditionelles Michelstädter Unternehmen und ein Kunstwerk und überqueren an der Ampel die B47. Der Weg
führt am Friedhof vorbei zur Sandgrube hinauf. Hier wird die Veränderung der Landschaft durch den Menschen sichtbar. Auf der Adalbertshöhe erfreuen Sie sich am weiten Ausblick und erfahren, wie der rote
Buntsandstein entstanden ist.
Über Wiesen und Weiden folgen einige Infotafeln zur Wasserversorgung und zu den Streuobstwiesen. Sie erfahren, was es mit Seckel Löbs
Birne auf sich hat. Kurz vor Steinbuch passieren Sie die Landstraße und
wandern durch eine offene Wiesenlandschaft weiter bergauf. Werfen
Sie einen Blick in die Tongrube und genießen Sie die schöne Aussicht,
bevor Sie am Forsthaus Achtbuchen in den Wald eintauchen. Das alte
Forsthaus war einst im Besitz der Erbacher Grafen. Schon die Römer
wussten den Wildreichtum zu schätzen: In der Nähe wurde ein DianaOpferstein gefunden.
Am Ufer des Rehbacher Sees finden sich drei große Schlackebrocken.
Sie entstammen einer am Rehbach liegenden Eisenverhüttung aus
dem 16. Jh. Nach Überqueren der B47 erwartet Sie im Wald die Einhardsquelle mit einem schönen Rastplatz. Über den Kiesberg geht es
zum Ausgangspunkt zurück. Die Besichtigung der Einhardsbasilika
und ein Abstecher zum Schloss Fürstenau lohnen sich.
Faszination Erdgeschichte – Bergbau
51
Geopark-Pfad
16
„Landschaft im Wandel“
bei Michelstadt
Am östlichen Stadtrand von Michelstadt liegen Ihnen Zeugen der
Vergangenheit zu Füßen. Schöne Aussichten lassen die Entwicklung
der Stadt vor Ihren Augen lebendig werden. Fossilien aus der Triaszeit,
Spuren des Eisenerzbergbaus oder oder die Schwinde, ab der das
Kiliansfloß unterirdisch entschwindet, befinden sich am Weg.
Vom Parkplatz gehen Sie längs der Friedhofsmauer und weiter am
Stadtrand entlang. Den ehemaligen Kalksteinbruch erreichen Sie
durch einen kurzen Abstecher nach links. In den Meeresablagerungen
wurden viele Fossilien gefunden. Infotafeln erläutern die Funde und
zeigen die heutigen Pflanzenarten. Alsbald verlassen Sie Michelstadt
und wandern über freies Feld zum Wald hinauf.
Dort angekommen geht es links am Waldrand weiter. Alte Eichen säumen den Weg und geben immer wieder schöne Blicke auf Michelstadt
frei. Sie erfahren, wie das Wachstum einer Stadt die Landschaft verändert und kommen mit dem Eisenerz-Bergbau in Berührung. Nach
einer Rechtsbiegung und scharfen Linkskehre können Sie eine am
Wegrand liegende Mooreiche bewundern: 1.200 Jahre lang lag sie in
der Mümlingaue versteckt.
Über schmale Pfade geht es zur Heiligkreuzeiche und der Kiliansquelle hinab. 1502 wurde hier einst die zum Friedhof versetzte Heiligkreuzkapelle für die Bergleute errichtet. Im weiteren Verlauf führt
der schmale Pfad zwischen den Abraumhalden der alten Eisenerzgruben hindurch. Von einer der größten Halden genießen Sie einen
schönen Panoramablick auf die Stadt und das Mümlingtal. Kurz vor
Erreichen der Häuser lohnt ein Abstecher nach links auf die Weide:
Beobachten Sie, wie das Kiliansfloß in einem unterirdischen Höhlensystem verschwindet. Anschließend bringt Sie der Wingertsweg
zum Stadtring, der Sie links zum Parkplatz am Friedhof zurückführt.
52
Faszination Erdgeschichte – Bergbau
Geopark-Pfad
Landschaft im Wandel
bei Michelstadt
Markierung:
Hermannstempel
Michelstadt
H er m an n b er g
Kiliansquelle
- Kapellwiese
Bachschwinde
Kiliansfloß
Kalksteinbruch
300
Kirchberg
Gräsich
m
Kalksteinbruch
Kiliansquelle - Kapellwiese
Hermannstempel
Bachschwinde
Kiliansfloß
600
40
0
Länge: 5,2 km
Dauer: 11/2 Std.
0
Höhenmeter: 175 hm
Kondition: leicht
450
300
1 km
150
5,2 km Länge
0
km
1
2
3
4
5
Sehenswert: Landschaft, Hermannstempel, Kiliansfloß
Start: Parkplatz Friedhof, Friedhofstraße, 64720 Michelstadt
ÖPNV: Bushaltestelle Michelstadt Friedhof
Infopunkte: (1) Starttafel (2) Ehemaliger Kalksteinbruch (3) Kulturlandschaft im Umbruch (4) Entwicklung Michelstadt (5) Eisenerzbergbau
(6) Kiliansquelle (7) Bergbauspuren verschwinden (8) Geologisches Panorama (9) Ackerbau vergangener Zeiten (10) Bachschwinde Kiliansfloß
Geopark-Pfad
17
„Steine, Schluchten, Sagen“
bei Schriesheim/Weinheim – Runde 1 Süd
Die anspruchsvolle Rundtour ist eine Zeitreise in das vergangene Jahrhundert: Schwerspat und Feldspat wurden hier für die Porzellan- und
Farbenindustrie abgebaut. Die Bergbauspuren sind in Form von Stollenmundlöchern, Schürfrinnen, Pingen und Schluchten erhalten. Höhepunkt
der Tour ist die beindruckende Schwerspatschlucht. Infotafeln berichten
über die enormen Fördermengen, Abbautechniken und das Leben der
Bergleute.
Vom Naturpark-Parkplatz Ursenbacher Höhe geht es zunächst auf einem
steil ansteigenden Feldweg über die
Ursenbacher Höhe in Richtung Südwesten. An der Weggabelung geht es
geradeaus, zwei bewaldete Bergkuppen werden überquert. Nach etwa
drei Kilometern wendet sich der Weg
nach Süden und führt steil hinab ins
Tal. Ein schmaler Pfad führt als kurzer
Abstecher nach links zum Hermannsgrund, einem einstigen Abbauort von
Feldspat.
Zurück auf dem Weg geht es in mehreren Kehren weiter ins Tal. Kurz nach
Überquerung des Weitetalbachs gelangen Sie an die beeindruckende
Schwerspatschlucht: Der oberirdische Abbau einer Ader des begehrten
Minerals hinterließ einen breiten Einschnitt im Granitgestein.
Nach Überqueren des Martinsbaches erreichen Sie den Lange-Schaar-Stollen, wo der Schwerspat damals auch unterirdisch abgebaut wurde. Mühselig wurde das schwere Gestein zuerst in einer
Grubenbahn und dann weiter mit einer Hanomag-Zugmaschine
nach Ladenburg an den Neckar transportiert. Nun geht es bergauf zur
nächsten Station: Hier sind die Überreste von Schürfgräben, Pingen
und Stolleneingänge beschrieben. Im Umfeld der Stollen sind Bruchstücke von Schwerspat zu finden. Ein etwa zwei Kilometer langes
Wegstück bringt sie zunächst mäßig, später steiler ansteigend wieder zurück zum Ausgangspunkt.
54
Faszination Erdgeschichte – Bergbau
Geopark-Pfad
Steine, Schluchten, Sagen
bei Schriesheim/Weinheim – Runde 1
Wo
R ö c k e l s b e r g
Moltersberg
0
30
lfe
n
Markierung:
J u d e n b e r g Hohert
419
322
S t e i n b e r g
383
347
Hohe Wald
L596
Wanderheim
Schriesheimer Hütte
414
352
Ursenbach
Bluthecke
455
W e i t t a l
426
0
40
gr u n d
e n
r
B ä
ach
ch
e lb
ba
293
Pap
p
M
Schwerspatschlucht
ns
arti
377
300
Feldspatabbau
Herrmannsgrund
Wolfshecke
M o o l
G r. H
ac
h
Obere Griet
b
eddes
381
Schächte, Schürfgräben
und Pingen
227 Stollen
Lange Schaar
Millnersbach
S c h a f p f e r c h
0
30
1 km
0
G r i e t
283
m
Länge: 8,6 km
Dauer: 31/2 Std.
Höhenmeter: 502 hm
Kondition: mittel
600
450
Schwerspatschlucht
Feldspatabbau Herrmannsgrund
L596a
Stollen Lange Schaar
Schächte, Schürfgräben
und Pingen
300
150
8,6 km Länge
0
km
1
2
3
4
5
6
7
8
Achtung: z.T. schmale, steile Pfade; Trittsicherheit und Schwindel freiheit erforderlich
Sehenswert: Landschaft, Spatschlucht
Start: Parkplatz L 596 zw. Weinheim-Rippenweier und Schries heim-Ursenbach, 69198 Schriesheim-Ursenbach
ÖPNV: Bushaltestelle Ursenbach Ort
Infopunkte: (1) Starttafel (2) Feldspatabbau (3) Spatschlucht
(4) Feldbahntrasse (5) Schacht Obere Griet
Geopark-Pfad
Steine, Schluchten, Sagen
bei Schriesheim/Weinheim – Runde 2
400
428
Steckenheller
Steinberg
Almosenhag
Eichelberg
Ursenbach
L596
461
479
1 km
m
Länge: 8,7 km
Dauer: ca. 3 Std.
Höhenmeter: 357 hm
Kondition: mittel
Aussichtsturm
Eichelberg 522
400
enbach
352
Wildleutestein
525
H a
n s
e n
b ü
h l
Urs
400
419
0
che
h
ac
B r ü h l
Mi
e lb
ng
Gä
lb a ch
Markierung:
Rohrwiese
Drei
Buchen
Steinberg
Übelwasser
Aussichtsturm Eichelberg
Wildleutestein
750
600
450
300
8,7 km Länge
150
km
1
2
3
4
5
6
7
8
Sehenswert: Landschaft, Aussichtsturm Eichelberg, Wildleutestein
Start: Parkplatz L 596 zw. Weinheim-Rippenweier und Schries heim-Ursenbach, 69198 Schriesheim-Ursenbach
ÖPNV: Bushaltestelle Ursenbach Ort
Infopunkte: (1) Starttafel (2) Steinberg (3) Gletscher?
(4) Steinreich (5) Wildeleutstein
Geopark-Pfad „Steine, Schluchten, Sagen“
bei Schriesheim/Weinheim – Runde 2 Nord
Der landschaftlich interessante und abwechslungsreiche Weg führt
gleich einer Acht über den Steinberg und den Eichelberg. Große runde
Felsbrocken, Felsenmeere und Höhlen regten seit jeher die Phantasie
der Menschen an. Immer wieder bieten sich schöne Ausblicke auf den
Odenwald und in die Rheinebene. Wissenswertes über Geologie, Sagen und Mythen wird erklärt.
56
Vom Naturpark-Parkplatz „Ursenbacher Höhe“ geht es zunächst am nahegelegenen Bauernhof vorbei bergauf zum
Steinberg mit seinen romantischen Felsblöcken. Befand sich
18
hier einst eine keltische Kultstätte? Danach geht es in Wegkehren hinab zu den Ausläufern von Oberflockenbach. Sie wandern weiter
über einen Feldweg durch Wiesen bis an den Waldrand, wo sich der Weg
gabelt. Nach links tauchen Sie in den Wald ein und gelangen auf zunächst ebenem, später steilen Weg auf den 524 Meter hohen Eichelberg.
Unterwegs werden zwei interessante Informationstafeln zu den Themen
Felsenmeer und Granit passiert. Um den ehemaligen Arbeitsplatz der
Steinhauer zu besichtigen, ist kurz vor dem Gipfel ein kleiner Abstecher
notwendig. An den großen Blöcken lassen sich noch Bearbeitungsspuren
erkennen. Auf dem Eichelberg steht ein Aussichtsturm des Odenwaldklubs, der an den meisten Sonn- und Feiertagen geöffnet hat.
Nun geht es bergab auf schmalen Pfaden zum Wildleutestein: Um
die in der Felsformation befindliche Höhle ranken sich zahlreiche
Sagen und Legenden. So sollen am Wildleutestein wilde Menschen
gehaust haben, die von den Dorfbewohnern regelmäßig mit Nahrungsmitteln versorgt wurden und dafür allerlei Heilmittel zur Verfügung stellten. Von dort schlängelt sich der Weg weiter bergab,
macht einen großen Bogen und erreicht den Waldrand. Durch Wiesen geht es zum Ausgangspunkt zurück.
Faszination Erdgeschichte – Bergbau
57
Steine
begreifen
Im Gegensatz zu anderen Mittelgebirgen weist der Odenwald eine interessante Vielfalt an Gesteinen auf. Ihr Alter und ihre Entstehung unterscheiden sich stark. Einen schönen Überblick gibt der Geologische
Garten in Bürstadt.
Vorderer oder Kristalliner Odenwald
Vor etwa 380 bis 320 Millionen Jahren schoben sich mehrere Kontinente zusammen und bildeten den damaligen Großkontinent Pangaea
mit dem Variszischen Gebirge. Im Untergrund stiegen dabei Gesteinsschmelzen auf, die langsam abkühlten und dabei auskristallisierten.
So entstanden kristalline Tiefengesteine, wie etwa Granite, Granodiorite, Diorite, Gabbros und Peridotite. In Teilbereichen des Kristallinen
Odenwaldes finden sich zudem Gesteine, die zusätzlich unter Druck
und Hitze gesetzt wurden, so dass sie ihre Struktur veränderten und
zu Umwandlungsgesteinen wurden. Hier sind vor allem Schiefer und
Gneise zu nennen. Der Wechsel der verschiedenen Gesteine auf kleinem Raum sorgt für eine abwechslungsreiche Landschaft aus vielen
Tälern und Bergkuppen.
Der Kristalline Odenwald nimmt etwa ein Drittel des Mittelgebirges ein und beginnt im Westen mit der ersten Bergkette, die aus
der Oberrheinebene heraus tritt. Im Osten reicht er etwa bis Brombachtal, Reichelsheim und Wald-Michelbach. Der Geopark-Pfad
„Geologischer Rundgang Lindenfels“ gibt anschauliche Einblicke.
Das interessante Geopark-Infozentrum „Im Wiesental“ liegt an der
Grenze vom Kristallinen zum Buntsandstein-Odenwald.
58
Hinterer oder Buntsandstein-Odenwald
Im Laufe der Jahrmillionen wurde das Variszische Gebirge zu einer
flachwelligen Landschaft abgetragen, die sich vor etwa 250 Millionen
Jahren in einem großen Inlandbecken befand. Damals herrschte ein
halbwüstenartiges Klima. Flüsse transportierten Gesteinsschutt der
umliegenden Hochgebiete hinab und bildeten mächtige Kies-, Sandund Tonablagerungen, die den gesamten Odenwald bedeckten. Später überflutete ein Meer dieses Becken und hinterließ fossilienreiche
Ablagerungen aus Muschelkalk.
Mit dem Einbruch des Oberrheingrabens vor etwa 50 Millionen Jahren wurden die umliegenden Gebiete gehoben und der Abtragung
ausgesetzt. Der kristalline Gebirgsrumpf aus dem Erdaltertum wurde im Westen wieder freigelegt. Im Osten hingegen konnten sich
die Flussablagerungen des Erdmittelalters erhalten und bilden den
leuchtend roten Buntsandstein, der heute den größten Teil des Odenwaldes prägt. Viele Bauwerke sind daraus entstanden. Hier herrschen langgestreckte Höhenrücken vor, die durch tief eingeschnittene, schmale Täler geteilt werden. Die Margaretenschlucht ist ein
eindrucksvolles Beispiel für die Bildung einer „Klinge“ im Buntsandstein, der Steinbruch Olfen zeigt seinen Abbau.
Muschelkalk konnte sich nur an den östlichen Rändern des Odenwaldes erhalten und bildet hier in einer Schichtstufe den Übergang
zum Bauland. Der Geopark-Pfad „Naturerlebnis Schreckberg“ gibt
interessante Einblicke. Siehe auch "Höhlenwelten ergründen" (S. 24).
Faszination Erdgeschichte – Steine
59
Geopark-Infozentrum
19
„Im Wiesental“
im Wald-Michelbacher Ortsteil Aschbach
„Zwischen Granit und Buntsandstein“ lautet das Motto des Geo-Naturparks Bergstraße-Odenwald. In der Gemeinde Wald-Michelbach treffen
der Kristalline und der Buntsandstein-Odenwald aufeinander. In den Ortsteilen gab es in den vergangenen Jahrhunderten eine rege Steinindustrie. Das Besondere daran ist, dass sowohl Buntsandstein als auch Granit
auf engem Raum abgebaut wurden. Seit 1660 wird darüber hinaus der
„Aschbacher Hammer“ zur Verarbeitung von Eisenerz unter Nutzung der
Wasserkraft erwähnt.
Im Ortsteil Aschbach wurde ein Geopark-Infozentrum eingerichtet, das
den Besuchern dieses einmalige Stück
Industriegeschichte
anschaulich
nahe bringt. Auf Informationstafeln
werden die Arbeiten sowohl im Granit-Steinbruch, als auch im Buntsandstein-Steinbruch dargestellt. Die einstigen Werkzeuge der Steinhauer und die
authentischen Filmbeiträge machen die
Ausstellung lebendig. Wer noch mehr
über Geschichte, Landschaft und Kultur
des Ortes erfahren möchte, begibt sich
auf eine Entdeckungsreise ins Wiesental. Der dem Infozentrum angeschlossene Rundweg ist etwa 1,2 Kilometer lang.
Für Informationszentrum und Rundweg steht ein Audioführer zur
Verfügung. Mittels Smartphone können an den einzelnen Stationen authentische Beiträge zu Steinbrüchen, zum berühmten
Aschbacher Hammer, zu den Mühlen und einem Kleinkraftwerk
aufgerufen werden. Dabei kommen Zeitzeugen zu Wort. Sie lassen die Vergangenheit in ihren sehr persönlichen Schilderungen
wieder lebendig werden. Andere Stationen zeigen die Fauna und
Flora des Wiesentals. Begeben Sie sich mit ihrer Familie auf einen
interessanten Spaziergang in die Zeitgeschichte. Es lohnt sich!
Im Wiesental 10 · 69483 Wald-Michelbach/Aschbach
Tel. 0 6207- 9424 0 (Zukunftsoffensive Überwald)
www.geo-naturpark.net
sonntags 12 bis 16 Uhr
60
Geologischer Garten Bürstadt
Erdzeitalter und Gesteine
entdecken
20
Wer sich für die Erdgeschichte und die Gesteine im Odenwald interessiert, sollte einen Abstecher nach Bürstadt machen. In einem Teil des
Bürgerhausparks hat der Geo-Naturpark einen Geologischer Garten
angelegt. Der hübsch bepflanzte Rundweg ist etwa 250 Meter lang und
erklärt auf zahlreichen Infotafeln Wissenswertes über die Erdgeschichte. Typische Gesteinsarten aus der Region werden vorgestellt.
Ein Zeitstrahl weckt das Gefühl für die enorme Dimension der vergangenen 500 Millionen Jahren Erdgeschichte und erklärt zehn Erdzeitalter. Passend zu den Erdzeitaltern kann man Gesteine aus dem
Odenwald bestaunen und anfassen. So lassen sich bei den magmatischen Gesteinen wie Granit, Diorit und Gabbro die einzelnen Kristalle
erkennen. Sandstein, der das Gesicht der Berge und vieler historischer
Bauten im Hinteren Odenwald prägt, wird ebenso gezeigt, wie Muschelkalk. Dieser stammt aus dem südöstlichsten Winkel des Odenwaldes und bildet dort die berühmte Eberstadter Tropfsteinhöhle.
Sechseckig
geformte
Säulen aus dunklem Basalt, der die markanten
ehemaligen
Vulkanschlote Rossberg und
Otzberg bildet, wurden
ebenfalls aufgestellt.
Ein weiteres vulkanisches Gestein ist der
rötliche Rhyolith, der
bei Weinheim in großen Steinbrüchen gewonnen wird.
Zu guter Letzt wird auf dem interessanten Rundgang die Wollsackverwitterung erklärt, die dem berühmten Reichenbacher
Felsenmeer zu seinem Aussehen verholfen hat. Im gesamten
Bürgerpark sind zudem viele Jahrhunderte alte Grenzsteine
aufgestellt, auf denen teilweise noch Wappen und Landnamen erkennbar sind.
Bürgerhauspark
Rathausstr. 2 · 68642 Bürstadt
www.buerstadt.de
Faszination Erdgeschichte – Steine
61
Steinbruch Olfen
21
Versteinerter Fluss bei Beerfelden
Vor etwa 245 Millionen Jahren, im Erdzeitalter des Buntsandsteins, hingen alle Kontinente noch zusammen. Der Odenwald befand sich im
Randbereich einer großen Ebene mit halbwüstenartigem Klima. Nur
Pflanzen, Reptilien und Urechsen, die an das trocken-warme Klima angepasst waren, konnten dort überleben. Große Flüsse transportieren
Schutt, Sand und Ton von den umgebenden Hochgebieten und lagerten
diese im Flachland ab. Sande setzten sich vor allem in den Flussrinnen
und auf Sandbänken ab, feine Tone in den Überflutungsbereichen. Im
Laufe der Zeit verfestigten sich diese Fluss-Ablagerungen und bildeten
mächtige Sandstein-Schichten aus.
Der Hintere Odenwald,
Main- und Neckartal bestehen zu einem
Großteil aus den rötlichen Sandsteinen dieses
Erdzeitalters. Seit langer
Zeit wurden und werden diese in einer Vielzahl von Steinbrüchen
abgebaut. Der Olfener
Steinbruch ist ein gutes
Beispiel dafür: Gewonnen wurde der Sandstein dort schon seit Jahrhunderten durch Spaltung direkt in der
Wand. An Stahlseilen, die zwischen Bäumen und dem Kran im Tal
gespannt wurden, glitten die rohen Gesteinsblöcke zu Boden. Die
Weiterverarbeitung erfolgte auf einem Schwinggatter: Der Sandstein wurde mit horizontal schwingenden Eisenbändern, Wasser
und Stahlschrot durchgeschmirgelt und in die passende Größe und
Form gebracht.
Der Sandstein fand in zahlreichen historischen
Bauwerken im Odenwald und weit darüber hinaus als Naturwerkstein Verwendung. 20 0
3
Wanderparkplatz „Olfener Steinbruch“
L 3120 (zw. Wald-Michelbach/Affolterbach u. Beerfelden-Olfen)
64743 Beerfelden-Olfen
www.geo-naturpark.net
62
Heunesäulen
Geheimnis im Miltenberger Wald
22
Tief im Wald verborgen und
von grünen Moospolstern
umhüllt, liegen bei Miltenberg fünf geheimnisvolle
Säulen im DornröschenSchlaf. Hier ist ein besonders
widerstandsfähiges Gestein
aus der Buntsandstein-Zeit,
der so genannte Kristallsandstein, zu finden. Die
Säulen wurden an Ort und
Stelle herausgebrochen und
behauen. Sie sind sieben Meter lang, haben einen Durchmesser von
1,30 Meter und wurden im Laufe der Jahrhunderte mit vielerlei Zeichen versehen.
Monolithische Säulen kannte man in römischer, karolingischer und
frühromanischer Zeit. Ihre Entstehungszeit lässt sich vermutlich auf
das erste Jahrtausend n. Chr. eingrenzen. Zunächst vermutete man,
dass sie, wie die Riesensäule im Reichenbacher Felsenmeer, von den
Römern geschaffen wurden. Heute geht man jedoch davon aus,
dass die Säulen für den Neubau des Mainzer Doms bestimmt waren, der um 1081 bei einem Feuer zerstört wurde. Bei den vorherigen Baumaßnahmen wurde ähnlicher Sandstein verwendet.
Warum die Säulen jedoch nicht abtransportiert wurden, ist unklar. Eine Theorie besagt, dass es an der Kreuzschichtung des Sandsteins gelegen hat: Diese entstand häufig bei versteinerten Sandbänken, die von Flüssen abgelagert wurden und die Belastbarkeit
als Baumaterial einschränken. Wer die Heunesäulen wann und
zu welchem Zweck bearbeitet hat – dazu gibt es verschiedenen Deutungen. Eine endgültige Antwort wird sich
vermutlich aber nicht finden lassen; die Heunesäulen
geben ihr Geheimnis bis heute nicht preis.
20 0 8
Wanderparkplatz „Heunesäulen“
MIL 5 Richtung Mainbullau, 63897 Miltenberg
Vom Parkplatz erreicht man das beeindruckende Geotop nach
einem etwa 3-minütigen Spaziergang.
www.geo-naturpark.net
Faszination Erdgeschichte – Steine
63
23
„Geologischer Rundgang Lindenfels“
Felsburgen und Panoramablicke
Der Geologische Rundweg Lindenfels mit insgesamt 8 GeopunktInformationstafeln verbindet Bismarckwarte und Burg Lindenfels.
Unterwegs erfahren Sie Wissenswertes zur Landschaft, zur Geologie,
zum Steinabbau, Felsburgen und vielem mehr. Dazwischen bieten
sich immer wieder die schönsten Ausblicke.
Der Geologische Rundgang stellt die abwechslungsreiche Geologie
des Odenwaldes und deren Ursprung vor. Sie erfahren, wie die umliegenden Berge und eindrucksvollen Felsburgen entstanden sind. Start
der Wanderung ist der Naturpark-Parkplatz Sauwaad, der einen
herrlichen Weitblick bietet.
Bergan führt Sie der Weg zur Granit-Steinschleiferei und dem Steinbruch „Im Buch“. Große Gesteinsbrocken mit Bearbeitungsspuren
liegen am Wegesrand. Nach einer Rechts-Schleife im Wald geht es
wieder auf Lindenfels zu. Mit etwas Glück können Sie bald einem
Gleitschirmflieger beim Abflug zuschauen. Lassen Sie sich den großartigen Ausblick über Lindenfels und das Weschnitztal nicht entgehen. Auf dem trutzigen Bismarckturm erwartet Sie der nächste
wunderschöne Rundblick, diesmal auch in Richtung Gersprenztal.
Nach Verlassen des kleinen Lindenfelser Stadtteils Litzelröder passieren Sie an den Hängen des Schenkenberges natürliche Felsburgen mit weiteren Infopunkten.
In Lindenfels angekommen, geht es zunächst durch die Fußgängerzone in Richtung Burg. Das Lindenfelser Museum und das
Drachenmuseum laden zum Besuch ein. Gönnen Sie sich zum
Abschluss herrliche Ausblicke über Lindenfels und Umgebung von
den Mauern der Burgruine. Hier endet der Lehrpfad. Für den Rückweg passieren Sie wieder die Fußgängerzone und wenden sich an
der Nibelungenstraße (B47) nach links. Nach etwa 10 Minuten
wird der Ausgangspunkt erreicht.
64
Faszination Erdgeschichte – Steine
Geopark-Pfad
Geologischer Rundgang Lindenfels
Felsenburgen und Panoramablicke
Markierung:
Das Buch
B47
585
Steinbruch
Im Buch
500
0
40
Granit Steinschleiferei
Bismarck-Warte
L3399
Litzelröder
K206
Schenkenberg
30
0
480
300
B47
Burg Lindenfels
Lindenfels
Schlierbach
1 km
0
m
Länge: 5,3 km
Dauer: 21/2 Std.
Höhenmeter: 265 hm
Kondition: mittel
Steinbruch Im Buch
Bismarck-Warte
Burg Lindenfels
750
600
450
300
5,2 km Länge
150
km
1
2
3
4
5
Sehenswert: Landschaft, Burg Lindenfels, Bismarckturm, Felsen
Start: Parkplatz Sauwaad, Nibelungenstraße (B 47) Abzweig
Kirschenweg, 64678 Lindenfels
ÖPNV: Bushaltestelle Lindenfels Kirschenweg
Infopunkte: (1) Starttafel (2) Steinbruch „Im Buch“ (3) Bismarckturm
(Geol. Panoramen) (4) Glimmerschiefer (5) Granit-Grus
(6) Burgen und Meere aus Fels (7) Erdgeschichte des Oden waldes (8) Burg Lindenfels (Geol. Panoramen)
65
Naturpark-Pfad
Margarethenschlucht
Durch die wilde Schlucht
bei Neckargerach
Markierung:
Neckargerach
245
Gertberg
L527
Schnekenbühl
L633
294
200
300
133
Aussichtspunkt
Neckargerach
Ne
cka
r
G
Lazarettfeld
a ch
r sb
Flu
k
Versteinerte
Strömung
Guttenbach
292
ic
e
lb
e
rg
B37
Margarethenschlucht
0
Eisenbusch
500 m
m
Länge: 7,9 km
Dauer: ca. 21/2 Std.
Höhenmeter: 217 hm
Kondition: leicht
Versteinerte Strömung
Margarethenschlucht
600
Aussichtspunkt
Neckargerach
400
200
0
km
2,9 km Länge
0.5
1
1.5
2
2.5
Sehenswert: Landschaft, Margaretenschlucht, Neckartal, Ausblicke
Start: Bahnhof Neckargerach, Bahnhofstr. 69437 Neckargerach
ÖPNV: Bahnhof Neckargerach
Infopunkte:(1) Zeitreise
(2) Pangäa
(3) Versteinerte Strömung
(4) Neckartal
(5) Erosion
(6) Reich der Farne
(7) Tal der Feuersalamander
(8) Schichtstufen
(9) Flussgeschichte
(10) Zeitstation Gegenwart
Naturpark-Pfad
Margarethenschlucht
Durch die wilde Schlucht bei Neckargerach
24
Auf dieser spannenden Tour durch eine wildromantische Schlucht folgen Sie dem Flursbach, der sich eng in den Buntsandstein eingeschnitten hat. Über acht Wasserfallstufen strömt das Wasser dem Neckar zu.
Herrliche Ausblicke über das Neckartal säumen den Weg.
Vom Bahnhof in Neckargerach wandern Sie zunächst am Ortsrand
zum Wald hinauf. Parallel zur Bahnlinie geht es nun durch den Wald.
Ab und zu wird Ihnen ein Blick auf den Neckar gewährt. Einen knappen Kilometer mit leichten An- und Abstiegen nähern Sie sich dem
Abenteuer. Das Plätschern des herabfallenden Flursbach kündigt das
Erreichen der Schlucht an. Sie tauchen links tiefer in den Wald hinein
und beginnen den Aufstieg.
Serpentinenartig überqueren Sie
immer wieder den Bach. An den
jeweiligen Wasserfällen schauen
rund 245 Millionen Jahre auf Sie
herab. Entdecken Sie in den Felswänden alte Flussablagerungen
aus der Buntsandsteinzeit und
lassen Sie die mystische Atmosphäre auf sich wirken. Infotafeln
vertiefen Ihr hautnahes Erleben
der Natur- und Erdgeschichte.
Hier wird Ihnen die Entstehung
des Neckartals vor Augen geführt.
Oben angekommen verlassen Sie
den Wald und biegen links auf einen asphaltierten Weg ein. Durch
offene Landschaft geht es weiter
über das Hochplateau. Herrliche Ausblicke würzen diesen Weg.
Am Wanderparkplatz laden überdachte Picknicktische zur Rast
ein und Sie genießen einen grandiosen Blick auf die Neckarschlaufe um den Mittelberg. Nach Verlassen der Straße steigen
Sie durch den Wald hinab, wieder den ersten Häusern von Neckargerach entgegen, den Bahnhof in Sichtweite.
Faszination Erdgeschichte – Steine
67
Geopark-Pfad
25
„Naturerlebnis Schreckberg“
Die Saurier lebten in Mosbach
Abwechslungsreiche Rundwanderung am sonnigen Hang über dem
Neckar. In Form einer Acht schlängelt sich der Weg durch die seltene
Pflanzen- und Insektenwelt. Muschelkalksteine am Wegesrand laden
zum Entdecken ein.
Vom Parkplatz Schifferdecker geht es hinter einer Rechtskehre steil
bergauf durch den Wald. Schon bald biegt die erste Schleife der Wege-Acht rechts ab und gibt den Blick ins Tal frei. Trockenmauern aus
Kalk- und Sandsteinen säumen den Weg durch die Weinberge. Erfahren
Sie, wie im Laufe von Jahrmillionen der Untergrund entstanden ist und
was die heutigen Pflanzen und Vögel damit zu tun haben. Nehmen Sie
das Landschaftsbild als Spiegel sich wandelnder Wirtschaftsgeschichte wahr.
Nach einer scharfen Linkskurve führt der Pfad wieder steil bergan.
Knorrige, bemooste Eichen wachsen am Wegesrand. Sie gelangen auf
dem Lehrpfad nach links auf ein Teilstück des Neckarsteigs und erfahren mehr über seltene Heuschrecken. Von der Aussichtsterrasse einer
Hotelruine genießen Sie die herrliche Aussicht über den Neckar, bevor Wellen im Kalkstein Ihre Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen.
An der Weggabelung halten Sie sich rechts und wandern nach dem
„Ende des Meeres“ auf das Höhendorf Schreckhof zu. Das offene Infozentrum Milchhäuschen lohnt einen Besuch.
Im weiteren Wegverlauf über
das Hochplateau gibt es noch
mehr über Heuschrecken zu
erfahren. Am „Lebensraum
Acker“ verlassen Sie die asphaltierte Straße und biegen
rechts auf den Wiesenpfad
ein. Lassen Sie sich einen
Aussichtspunkt nicht entgehen, bevor weitere Infotafeln
über Klimawandel, Schaumkalkbänke und Trockenrasen
aufklären. Nun laufen Sie über das bekannte Teilstück der ersten
Schlaufe und gehen dann am Ende wieder links hinab, Ihrem
Ausgangspunkt entgegen.
68
Faszination Erdgeschichte – Steine
Geopark-Pfad
„Naturerlebnis Schreckberg“
Die Saurier lebten in Mosbach
Markierung:
k
n
g
e
n
Winterhälde
li
d
Lu
o
s
lf
k
293
161
Gesteinsfaltung
Schreckhof
20
0
Infozentrum Schreckberg
im Milchhäusel
Hotelruine
Ne
276
ck
a
r
Weinbau
Kieseläcker
Untere
Allmend
B37
136
Diedesheim
500 m
0
m
Länge: 5,3 km
Dauer: 2 Std.
Höhenmeter: 256 hm
Kondition: mittel
Weinbau
Gesteinsfaltung
Hotelruine
450
Infozentrum Schreckberg im Milchhäusel
300
150
0
5,2 km Länge
km
1
2
3
4
5
Sehenswert: Neckartal, Gesteinsaufschlüsse, Ausblicke, Insekten
Start: Naturpark-Parkplatz Schifferdecker
ÖPNV: Bushaltestelle Diedesheim-Schifferdecker,
74821 Mosbach-Schreckhof
Infopunkte: (1) Alte und neue Gesteine (2) Starttafel (3) Saurier am Schreckberg
(4) Früher Salzsümpfe, heute Hügel (5) Muscheln, Kopffüßer und
Fischsaurier (6) Weinberg und Weinbergmauern (7) Leben im oberen
Stockwerk (8) Erdbeben und die Entstehung der Alpen, Hotelruine
(9) Falten im Kalkstein (10) Ende des Meeres (11) Allerweltsbürger
Grashüpfer (12) Infozentrum Milchhäusel (13) Heuschrecken
(14) Kinder des Sommers (15) Lebensraum Acker (16) Klimawandel
(17) Schaumkalk (18) Trockenrasen (19) Heuschrecken auf Trockenrasen
Vulkanismus
aufspüren
Auch der heute so friedlich erscheinende Odenwald wurde vor langer Zeit
von gewaltigen Vulkanausbrüchen erschüttert. Sie fanden in unterschiedlichen Erdzeitaltern statt. Noch heute sind die Überreste dieser Vulkane in
der Landschaft sichtbar.
Im späten Erdaltertum vor etwa 290 Millionen Jahren wurden Vulkane
vor allem im Bereich der südlichen Bergstraße aktiv. An alten, durch die
frühere Gebirgsbildung entstandenen Störungszonen, fanden teils explosive Vulkanausbrüche statt. Im Gebiet um Weinheim, Schriesheim
und Dossenheim schleuderten die Vulkane Tuffe aus ihren Kratern und
gossen Lava auf die Erdoberfläche. In den Vulkanschloten erstarrten die
Schmelzen zu widerstandsfähigen Gesteinen, die teilweise noch heute in
großen Steinbrüchen abgebaut werden. Ein beeindruckendes Beispiel ist
der Steinbruch Leferenz bei Dossenheim.
Vor etwa 70 bis 20 Millionen Jahren kam erneut Bewegung in die Erdkruste: Mit der Gebirgsbildung der Alpen kam es zu Dehnungen im Bereich Odenwald-Bergstraße. Der beeindruckende Oberrheingraben und
zahlreiche Verwerfungen entstanden. Diese dienten teilweise auch als
Aufstiegsbahnen für Magma und führten zur Entstehung von zahlreichen Vulkanen. So ist auch der Katzenbuckel, der höchste Berg des
Odenwaldes, ein Vulkan. Er liegt im südlichen Odenwald bei Waldbrunn und ist 626 Meter hoch. Seine Phonolith- und Nephelinsyenitlava durchdrang die überlagernden Sedimente vor etwa 65 Millionen
Jahren. Auf dem interessanten „Weg der Kristalle“ erfährt man mehr
über seine Entstehung und besucht den Aussichtsturm, der einen schönen Rundblick bietet.
Im nördlichen Odenwald bilden die erstarrten Schlotfüllungen ehemaliger Vulkane heutzutage noch immer markante Erhebungen in
der Landschaft: So thront die Veste Otzberg auf vulkanischem Gestein, welches beeindruckende sechseckige Basaltsäulen gebildet hat.
An den Hängen des Roßberg-Vulkans wird heute Wein angebaut.
Das Mühlhansenloch, ein ehemaliger Maarvulkan ist bei Mömlingen
im bayerischen Odenwald ausgebrochen. Der Geopark-Pfad „Feuer
und Wasser“ führt direkt an ihm vorbei. Und natürlich ist auch die
berühmte UNESCO-Welterbestätte Grube Messel (siehe S. 12) vulkanischen Ursprungs: Das ehemalige Seebecken war ein Maarkratersee, der ebenfalls durch einen explosiven Vulkanausbruch entstanden ist.
70
Katzenbuckel
Otzberg
Mühlhansenloch
UNESCO-Welterbe Grube Messsel
Faszination Erdgeschichte – Vulkanismus
71
26
Steinbruch
Leferenz in
Dossenheim
Zeuge einer
Vulkankatastrophe
Schaut man von der Rheinebene auf die Kuppen der Bergstraße, leuchten
rund um Dossenheim zahlreiche Steinbrüche aus dem Grün der Wälder.
Sie haben das Landschaftsbild geprägt und sind eng mit der Geschichte
der Gemeinde verwoben.
Auf Schautafeln werden die Geschichte der Dossenheimer Steinbrüche
und das entbehrungsreiche Leben der Arbeiter anschaulich dargestellt.
Eindrucksvolle Schaustücke wie die Brecheranlage, die Feldbahn oder der
Schutzraum des Sprengmeisters lassen den Rundgang im Steinbruch zum
Erlebnis werden. An bestimmten Wochenenden werden die Feldbahnen
in Betrieb genommen. Besucher sind dann zum Mitfahren eingeladen.
Bitte informieren Sie sich vorab. Der Künstler Knut Hüneke nutzt den
Steinbruch als Atelier. Seine Figuren fügen sich in die Landschaft ein, als
gehörten sie schon immer hier her.
Der Steinbruch Leferenz ist ein wichtiges Denkmal der Industriegeschichte, aber auch ein Schaufenster in die Erdgeschichte. Vor 290 Millionen
Jahren gab es an dieser Stelle einen gewaltigen Vulkanausbruch. Zeuge
dieser Katastrophe ist das rötlich-gelbe Rhyolithgestein (Quarzporphyr),
das in den Steinbrüchen um Dossenheim abgebaut wurde. Infotafeln
des Geo-Naturparks machen die geologischen Vorgänge sichtbar. Im Steinbruch kann man den Magmafluss nachvollziehen
und Schichten mit Gasblasen entdecken. Am Ende des Weges
20 0 9
bietet sich ein imposanter Ausblick in die Rheinebene, zu dem
ein geologisches Panoramabild Erläuterungen gibt.
Steinbruch Leferenz in Dossenheim – Zeuge einer Vulkankatastrophe
Länge: 2 km
Dauer: 1 Std.
Höhenmeter: 105 hm
Kondition: einfach
Dossenheim
200
Brecheranlage
300
Sehenswert: Landschaft, Steinbruch,
Industriedenkmal
Start: Parkplatz Steinbruch
Leferenz, FriedrichEbert-Straße,
69221 Dossenheim
72
ÖPNV: Bf Dossenheim Süd
230
Infopunkt
Vulkankatastrophe
Haspel
Wolfsgrund
L531
0
500 m
Sarg
280
Basaltsäulen Otzberg
27
Symmetrie von Zauberhand?
Der Otzberg ist ein 367 Meter hoher erloschener Vulkan, der die sanfte
Hügellandschaft des nördlichen Odenwaldes überragt. Bekannt ist er
vor allem durch die Veste Otzberg: Die Burg aus dem 13. Jahrhundert
thront weithin sichtbar auf dem Berggipfel.
Während sich die Erdkruste vor etwa 50 Millionen Jahren bei
der Gebirgsbildung im Bereich der Alpen zusammenschob,
20 0
5
wurde sie im Bereich des heutigen Odenwaldes und der
Bergstraße gedehnt. Dabei entstanden zahlreiche Verwerfungen, die als Aufstiegsbahnen für das Magma dienten. Dies führte zur Entstehung von Vulkanen wie etwa bei Roßdorf und Messel.
Nach einer langen Ruhephase wurden die Verwerfungen vor etwa 22
Millionen Jahren erneut aktiviert: Eine über 1.100 °C heiße Gesteinsschmelze bahnte sich ihren Weg nach oben und der Otzberg-Vulkan
brach aus. Mittlerweile sind der Vulkankrater und die ausgeflossenen Lavaströme längst abgetragen. Der Otzberg wie wir ihn heute
kennen, besteht nur noch aus dem Basalt, der damals im Schlot des
Vulkanes erkaltet ist. Dieser ist besonders widerstandsfähig und hat
die nachfolgenden Jahrmillionen als „Härtling“ überdauert.
Am Südost-Hang des Otzbergs ist ein
interessantes Phänomen zu sehen:
Nahezu symmetrische, fünf- bis siebeneckige Basaltsäulen scheinen dort
aus der Erde zu wachsen. Wenn das
Volumen der heißen Basaltschmelze
bei der Abkühlung abnimmt, bilden
sich Schrumpfrisse, ähnlich wie beim
Ton in einer austrocknenden Pfütze.
Wenn die Abkühlung in die Tiefe wandert, setzen sich die Risse weiter fort
und erweitern sich zu Klüften. So entsteht die Struktur der Basaltsäulen,
deren Bruchflächen rechtwinklig zur
Abkühlungsfläche stehen.
Parkplatz Veste Otzberg
Im Finkenhäuschen
64853 Otzberg-Hering
Vom Parkplatz den Weg Richtung Veste nehmen.
Faszination Erdgeschichte – Vulkanismus
73
28
Naturpark-Pfad
„Weg der Kristalle“
Rund um den Katzenbuckel
Der leichte „Weg der Kristalle“ führt auf den Katzenbuckel, der mit 626
Metern der höchste Berg des Odenwaldes ist. Er eignet sich auch für Familien mit Kindern. Der ehemalige Vulkan weist viele interessante geologische Punkte auf. Vom Aussichtsturm bietet sich ein beeindruckender Ausblick auf die Höhenzüge des Odenwaldes.
Der Weg startet am Naturpark-Parkplatz in der Nähe des Gasthauses
„Turmschenke“. Vom Parkplatz aus lohnt sich ein Abstecher an den
Steinbruch-See. Große Felsblöcke liegen im kristallklaren Wasser. Hier
wurde das vulkanische Gestein als Schotter abgebaut. Nach einer
Sprengung im Jahr 1970 trat Grundwasser zu Tage, füllte den Grund
des Steinbruchs und bildete den Katzenbuckelsee.
Der Weg der Kristalle führt rechts am See vorbei. Die folgenden
Infotafeln behandeln die Besonderheiten der Katzenbuckel-Mineralien, vulkanische Bomben, Fossilienfunde und weitere interessante Themen. Es lohnt sich also, die markierten Abstecher zu
erkunden.
3
1
Beeindruckend ist auch die Sprungschanze mit dem heu0
2
te verschwundenen „Gaffstein“. Bald geht es bergauf an
moosbewachsenen Gesteinsblöcken vorbei zum 18 Meter hohen Katzenbuckelturm aus dem Jahre 1821. Unterwegs erläutert
eine Infotafel die botanischen Besonderheiten der Vulkankuppe.
Eine Turmbesteigung sollte man nicht verpassen: Bei klarer Sicht
reicht der Blick vom Odenwald bis in den Taunus, den Spessart
und die Pfalz.
Nach dem Besteigen des Aussichtsturmes und dem Genießen der
einmaligen Aussicht nimmt man für den Rückweg am besten den
mit gelbem Kreuz markierten Weg, der direkt zur Turmschenke
zurück führt. Unterwegs gibt es weitere schöne Ausblicke.
74
Faszination Erdgeschichte – Vulkanismus
Naturpark-Pfad
„Weg der Kristalle“
Rund um den Katzenbuckel
Markierung:
487
431
500
Krappenäcker
E b n e t
516
K3925
520
600
Skisprungschanze
Katzenbuckel
626 m
Katzenbuckel-Turm
469
SteinbruchSee
Frondberg
552
Me
e
Winterfeld
Waldkatzenbach
G r a m f e l d
515
500
i se n k li n g e
531
1 km
0
m
Länge: 2 km
Dauer: 1 Std.
Höhenmeter: 126 hm
Kondition: einfach
510
Hoffeld
469
Steinbruch-See
Skisprungschanze
Katzenbuckel-Turm
900
750
600
450
2 km Länge
300
km
0.2
0.4
0.6
0.8
1
1.2
1.4
1.6
1.8
Sehenswert: Landschaft, Steinbruchsee, Skisprungschanze,
Katzenbuckel-Turm
Start: Parkplatz Katzenbuckel, Katzenbuckelstraße 28,
69429 Waldbrunn-Waldkatzenbach
ÖPNV: Bushaltestelle Waldkatzenbach Ort
Infopunkte: (1) Starttafel (2) Katzenbuckel-Vulkan (3) Steinbruch-See
(4) Mineralien, Kristalle, Gesteine (5) Mineralien Katzen buckel (6) Vulkanbomben (7) Fossilien (8) Sprungschanze
(9) Gaffstein (10) Gipfel Katzenbuckel
Geopark-Pfad
„Feuer und Wasser“
Vulkanismus und Bergbau bei Mömlingen
Markierung:
MIL33
200
0
20
225
Eisenerzgrube Berta
E i c h e l s b e r g
253
Grundwasser-Messstelle
Eichenwäldchen
Schwedenschanze
Mömlingen
260
Maarvulkan
Mühlhansenloch
200
Grenzberg
B426
G r o ß e r Wa l d
ing
250
l
öm
B426
M
1 km
0
m
Eisenerzgrube Berta
Grundwasser-Messstelle
Maarvulkan Mühlhansenloch
Schwedenschanze
600
400
200
4,7 km Länge
0
km
0.5
1
1.5
2
Länge: 4,7 km
Dauer: ca. 11/2 Std.
2.5
3
3.5
4
4.5
Höhenmeter: 86 hm
Kondition: einfach
Sehenswert: Landschaft, Infopunkte
Start: Parkplatz Wanderheim, Am Ziegelrain, 63853 Mömlingen
ÖPNV: Bushaltestelle Schöne Aussicht, Mömlingen
Infopunkte: (1) Starttafel (2) Landwehr (3) Eisenerzgrube Berta
(4) Mühlhansen-Maar (5) Erdfälle (6) Schwedenschanze
(7) Grundwasser-Messstelle
Geopark-Pfad
29
„Feuer und Wasser“
Vulkanismus und Bergbau bei Mömlingen
Die Themen dieses Geopark-Pfades sind Vulkanismus, Bergbau und
Trinkwassergewinnung. Der Weg verläuft teils durch Wald und teils
übers Feld auf dem ebenen Bergrücken zwischen Holzberg und Eichelberg oberhalb von Mömlingen.
Sie starten Ihren Spaziergang am Wanderheim auf dem Holzberg.
Schon nach wenigen Schritten durchs „Eichenwäldchen“ werden Sie
auf die Mainzer Landwehr aufmerksam gemacht. Dieser um 1490 angelegte Grabenwall zur Sicherung des Herrschaftsgebiets ist nur noch
schwach erkennbar. Einige Meter weiter treffen Sie auf die ehemalige
Eisenerzlagerstätte. Die 1826 erschlossene Grube Berta wurde nach einem Wassereinbruch schon 12 Jahre später wieder still gelegt.
In einem kleinen Waldstück neben offenem Feld erinnert das Mühlhansenloch an einen explosiven Vulkanausbruch vor vielen Millionen Jahren. Der ehemalige Krater füllte sich nach und nach mit Wasser und verlandete schließlich.
Bald erreichen Sie im
Wald den nächsten Infopunkt. An dieser Mulde wären Sie vielleicht
achtlos vorbei gegangen.
Dabei handelt es sich um
einen seltenen Erdfall im
Buntsandstein, der durch
das Zusammenbrechen
von Hohlräumen im Untergrund entstanden ist.
Hinter einer Rechtskurve
halten Sie Ausschau nach
einer 300 Meter langen natürlichen Grabenstruktur. Diese galt
lange Zeit als Verteidigungsgraben aus dem 30-jährigen Krieg
und wurde daher Schwedenschanze genannt. Der Weg wendet
sich nach rechts und führt wieder auf den bekannten Feldweg.
Der letzte Infopunkt wird durch einen kurzen Abstecher nach
links in die Felder erreicht: An dieser Messstelle wird die Höhe
des Grundwasserspiegels gemessen, auch Wasserproben werden entnommen. Wieder zurück auf dem Feldweg geht es geradeaus und bald durch den Wald wieder zum Ausgangspunkt.
Faszination Erdgeschichte – Vulkanismus
77
Wasser
begleiten
Wasser hat viel dazu beigetragen, unsere Landschaft zu gestalten. Seine Kraft hat in Jahrmillionen Fluss- und Bachtäler gebildet, Gesteinsschichten abgetragen und Schluchten eingeschnitten. Gerne folgen
wir heute kleinen Bächen durch idyllische Wiesentäler und rasten an
erfrischenden Quellplätzen.
Im Odenwald entspringen zahlreiche Quellen, deren Flüsse und Bäche
die Täler des Mittelgebirges durchfließen. Sie münden in Rhein, Main
und Neckar, die den Odenwald von drei Seiten umgeben. Während
der Rhein sein Bett im ebenen Boden des Oberrheingrabens hat, fließen Main und Neckar durch romantische Flusstäler im Sandstein.
Viele der Odenwälder Flüsse und Bäche sind naturnah erhalten und
schlängeln sich durch Wiesentäler mit ökologisch wertvollen Feuchtgebieten. Alte Mühlen zeugen von der einstigen Bedeutung als Energiequelle. Zudem ist das weiche Odenwälder Quellwasser auch als
Trinkwasser begehrt. Größere Seen konnten sich im Odenwald hingegen nicht bilden: Die beiden größten Badeseen Marbach-Stausee
und Eutersee wurden von Menschenhand geschaffen.
78
Die beiden Naturräume des Odenwaldes sorgen auch dafür, dass
das Gewässernetz unterschiedlich ausgeprägt ist: Der Vordere
oder Kristalline Odenwald ist durch vielfältige kleine Täler und
Bergkuppen geprägt und von zahlreichen Quellbächen und Fließgewässern durchzogen. Auf Grund der wasserundurchlässigen,
kristallinen Gesteine ist das Gewässernetz engmaschiger und feiner verzweigt als im Sandstein-Odenwald. Die Täler sind oft breit
und haben fruchtbare, geräumige Talauen.
Im Hinteren oder Buntsandstein-Odenwald herrschen langgestreckte Höhenrücken vor. Sie werden durch tief eingeschnittene,
schmale Täler geteilt. Das Täler- und Gewässernetz ist weitmaschiger als im Vorderen Odenwald. Durch den spaltenreichen
Sandstein kann Regenwasser schnell versickern und sammelt
sich weniger in Bachläufen. Der Bundsandstein-Odenwald weist
auch weniger Quellen auf. Ausnahmen bilden wasserstauende
Ton-Schichten: Hier sammelt sich das versickerte Wasser und
tritt als Schichtquelle wieder aus.
Unternehmen Sie schöne Wanderungen auf den Spuren des
Wassers: Auf dem Qualitätswanderweg „Modautaler Uferwanderung“ folgen Sie ein Stück dem idyllischen Bachlauf der Modau. Sie ist mit 42 Kilometern der fünftlängste Fluss des Odenwaldes und mündet in den Rhein. Wenn Sie dem zweigeteilten
Geopark-Pfad „Wasserarmut in einem wasserreichen Gebiet“
rund um Rothenberg folgen, erfahren Sie Interessantes zur
Wasserversorgung im Buntsandstein-Odenwald und passieren
alte Brunnen und viele Naturphänomene.
Faszination Erdgeschichte – Wasser
79
30
Modautaler Uferwanderung
Unterwegs am idyllischen Bachlauf
Abwechslungsreiche Streckenwanderung durch schöne Wälder und idyllische Bachauen
entlang des Flüsschens Modau
im nördlichen Odenwald. Der
Weg weist kaum Steigungen
auf.
Der Weg beginnt am großen
Parkplatz vor dem Hotel-Restaurant „Höhenhaus“ in Modautal-Neunkirchen. Von hier
ist bei klarer Sicht sogar die
Frankfurter Skyline zu sehen.
An der Kreuzung Ortsstraße/
Neunkirchen befindet sich
die ehemalige Wallfahrtskirche, die 1347 zum ersten Mal
erwähnt wurde. Heilwirkendes Wasser führte ehemals zum Bau dieser Kapelle, die einst Ziel
zahlreicher Wallfahrten war. Schutzpatrone der heutigen Barockkirche von 1742 sind die legendären arabischen Ärzte Cosmas und
Damian.
Nach der Überquerung der L 3099 biegen Sie am Waldrand rechts
ab zur Modauquelle. Die Modau, die dem Tal ihren Namen gab, ist
43 Kilometer lang und mündet bei Stockstadt in den Altrhein. Von
der Quelle führt der Wanderweg durch den Wald abwärts nach
Brandau. Eine alte Mühle mit Mühlrad, ein Museum und das alte
Rathaus mit seiner Turmuhr mit nur einem Zeiger schmücken das
idyllische Dörfchen.
Von Brandau laufen Sie über den Mühlberg – mit herrlichen Ausblicken – bis zum Waldrand des Mandelberges. Dort biegen Sie
links ab, überqueren die L 3099 und folgen einem Waldpfad nach
Hoxhohl. Am Ortsende verläuft der Wanderweg teilweise als
schmaler Pfad durch ein idyllisches Bachtal dicht an der Modau
entlang. Nach Überquerung der K 136 folgen Sie einem Feldweg
bis nach Ernsthofen. Die alte Wasserburg, deren Anfänge bis ins
frühe Mittelalter zurückreichen, kann von außen besichtigt werden.
80
Faszination Erdgeschichte – Wasser
Modautaler Uferwanderung
Unterwegs am
idyllischen Bachlauf
Markierung:
Asbach
Schloßkirche
Ernsthofen
Rämsterberg
Ernsthofen
Mühlberg
Steinernfirst
295
328
Herchenrode
Kirchberg
Modautal
383
Mandelberg
da
Ro
Hasenberg
372
ach
zelb
Lüt
L3101
Webern
Johannesberg
Hoxhohl
h
ac
rB
ue
425
400
M oda
u
Altes
L3102
Rathaus
Brandau Neumühle
Brandau
h
ac
nb
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Streiterberg
Lohberg
L3099
h
Klein-Bieberau
u
Fisc
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Mod
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Junkernkopf
Lohberg
Ro
da
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ac
L3099
Ho
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Buchteich
Meisenberg
Asbach
300
356
h
bac
Lützelbach
E n w a l d
L3399
Neunkirchen
400
L3099
Oberwald
Modauquelle
Hühnerwald
Heidenberg
Hinkelstein
Lautern
0
387
1 km
Kirche
Neunkirchen
ach H ü t t e n w a l d
kelb
Wi n
B47
Neunkircher Höhe
605
Länge: 12 km
Dauer: 31/2 Std.
Höhenmeter: 176 hm
Kondition: einfach
Sehenswert: Landschaft, Kirche Neunkirchen, Modauquelle,
Schlosskirche Ernsthofen
Start: Parkplatz Neunkirchen, Ortsstraße,
64397 Modautal-Neunkirchen
ÖPNV: Bushaltestelle Modautal-Neunkirchen Heilquelle
Geopark-Pfad
31
„Wasserarmut im regenreichen Gebiet“
Rothenberg-Runde 1 Süd
Auf dem Wasserweg rund um Rothenberg ist das Plätschern des Wassers Ihr ständiger Begleiter. Ob im tiefen Nadelwald oder in der offenen
Landschaft – immer wieder sprudelt auf dieser abwechslungsreichen
Tour eine Quelle am Wegesrand.
Sie starten am Naturparkplatz
Hömrichsbrunnen. Der Lehrpfad
folgt zunächst ein Stück der Landstraße nach Rothenberg, bevor er
auf der anderen Seite durch den
Nadelwald hinabführt. Am ersten
Infopunkt sehen Sie eine Schichtquelle im Buntsandstein. Weiter
leicht bergab wird der Wald lichter und bald blicken Sie auf den
Talort Hainbrunn. Dieser Ausblick
bleibt Ihnen noch eine Weile erhalten, bis Sie rechts ein kleines
Stück in den Wald eintauchen.
Nach einer scharfen Linksbiegung geht es weiter durch den Wald hinab. Hier erfahren Sie, wie Baumarten die Wasserqualität prägen. Am
tiefsten Punkt der Tour erreichen Sie die bemooste Sandsteinanlage
Matzenbrunnen. Diese Quelle sicherte im 19. Jahrhundert das Überleben der Rothenberger während der großen Dürre, als viele andere
Quellen ausgetrocknet waren. Sie wandern zügig bergan durch den
Heiligenwald auf die ersten Weiden von Rothenberg zu.
Im Ort angekommen, passieren Sie den Krämersbrunnen und das
St-Martins-Kirchlein und laufen in den Ort. Nicht weit hinter dem
Kindergarten befindet sich der Eckbüschelbrunnen. Um seine Geschichte zu erfahren, lohnt der kurze Abstecher rechts hinab. Am
Ortsende geht es weiter am Steinkreuz vorbei über die offene Höhe
der Heumatte. Links scheint der Katzenbuckel zum Greifen nah. Bei
schönem Wetter dürfen Sie sich auf die „Himmelsaugen“ freuen.
An der Hütte biegen Sie rechts ab und gehen geradewegs durch
den Wald und dann auf schmalen Treppengassen durch Kortelshütte hinunter. Genießen Sie die wunderbare Aussicht, bevor Sie
dann wieder rechts durch den Wald Ihrem Ausgangspunkt entgegen wandern.
82
Faszination Erdgeschichte – Wasser
Geopark-Pfad
„Wasserarmut im regenreichen Gebiet“
Rothenberg-Runde 1
Markierung:
300
Sägewerk
L3410
Z wi ckl i ch
Matzenbrunnen
L3119
200
Fi nken b
a ch
H ei l ig e n wa ld
400
Ebene
B u ch w al d
Krämersbrunnen
Mühlberg
Rothenberg
494
330
L3119
300
200
400
B an n h o l z
Ober-Hainbrunn
H o m e r i c h
L3410
Schichtquellen im
Buntsandstein
173
Zweigrund
486
Himmelsaugen
Rott
L3119
1 km
m
Länge: 10,8 km
Dauer: 4 Std.
Höhenmeter: 425 hm
Kondition: schwer
Kortelshütte
600
479
Himmelsaugen
Wassermotor
750
477
Z w e i g r u n d
Unter-Hainbrunn
0
Wassermotor
Schichtquellen im Buntsandstein
Krämersbrunnen
Matzenbrunnen
450
300
150
km
10,8 km Länge
2
4
6
8
10
Sehenswert: Landschaft, Quellen, Wassermotor, Brunnen
Start: Naturpark-Parkplatz Oberer Hömrichsbrunnen,
L 3410 zwischen Rothenberg und Kortelshütte,
64757 Rothenberg
ÖPNV: Bushaltestelle Rothenberg Sparkasse
Infopunkte: (1) Wassermotor (2) Schichtquellen (3) Hainbrunn
(4) Waldquellen (5) Matzenbrunnen (6) Krämersbrunnen
(7) Eckbüschelbrunnen (8) Berndsbrunnen
(9) Himmelsaugen
83
Geopark-Pfad
„Wasserarmut im regenreichen Gebiet“
Finkenbach-Runde 2
Markierung:
K37
Kneipp-Becken
mit Barfußpfad
40
0
Wetterberg
386
Finkenbach
L3119
Unter-Finkenbach
Gotischer
Bildstock
400
0
30
B ee rw al d
G ro ß e r
B au w al d
30
0
F in
ke
nb
a
H ö r l e n b a c h
Waldnutzung
Infopunkte:
(2) Blockgletscher
G u
t e
l
L3119
360
Al t e
Sch läg e L e i sb e rg
(3) Wiesenwässerung
St
(4) Waldnutzung
S c h ö n t a l
(6) Matzenbrunnen
e in
Matzenbrunnen
L3119
m
nd
Steinberg
312
Sägewerk
0
Länge: 10,1 km
Dauer: c a. 3 Std.
Höhenmeter: 347 hm
Kondition: mittel
L3410
L ei s be rg
gr u
200
(5) Bach in Bewegung
K o be l s t rei ch
0
40
(1) Perlen
B ö s eb er g
ch
Neuberg
369
1 km
Waldnutzung
H ei l ig e n wa ld
L3410
Kneipp-Becken mit Barfußpfad
Gotischer Bildstock
600
Matzenbrunnen
450
300
150
10,1 km Länge
0
km
2
4
6
8
10
Sehenswert: Landschaft, Brunnen, Bildstöcke
Start: Parkplatz gegenüber Sägewerk Ihrig,
Talstraße 24, 64757 Rothenberg/Ober-Hainbrunn
ÖPNV: Bushaltestelle Ober-Hainbrunn Sägewerk Ihrig
Geopark-Pfad
„Wasserarmut im regenreichen Gebiet“
Finkenbach-Runde 2 Nord
32
Entlang des Finkenbachtals bieten sich schöne Ausblicke auf den Bachlauf und den Rothenberger Ortsteil Hainbrunn. Infopunkte öffnen Ihre
Augen für den Wasser-Reichtum und die historischen Bewässerungssysteme in diesem Tal. Erfahren Sie, wie intensiv das Land in den vergangenen Jahrhunderten genutzt wurde.
Vom Parkplatz des Sägewerkes Ihrig überqueren Sie die Straße und
folgen dem markierten Weg, der das Werksgelände durchquert und
den Finkenbach überschreitet. Parallel zum Waldrand wandern Sie
talaufwärts.
Eine weitere Geopark-Infotafel informiert unterwegs über die Bewässerung der Wiesen. Während auf der Hochfläche von Rothenberg
oftmals akuter Wassermangel herrschte, konnten die Bauern im
Finkenbachtal aus dem Vollen schöpfen. Achten Sie auf die Bewässerungssysteme, die teilweise heute noch Anwendung finden. Knorrig-wulstige Wurzelstöcke und merkwürdige Baumgestalten säumen den Weg: Zur Gewinnung der Eichenrinde für die Lohgerberei
war in dieser Gegend die Niederwaldwirtschaft üblich.
An einem weiteren, tief
eingeschnittenen Seitental treffen Sie auf
den Kapellenbildstock
am Pilgerweg nach
Walldürn. Am Ortsrand
von Unterfinkenbach
wird eine Infotafel zur
Landschaftsveränderung durch den Finkenbach passiert. Weiter
geht der Weg in die
Ortsmitte: Hier dürfen
Sie Ihre Füße in der Kneippanlage erfrischen. Sie überqueren den
Bach und folgen ein Stück der Landstraße, um dann auf der anderen Talseite in den Wald hinauf zu gehen. Ein gotischer Bildstock lässt sich bestaunen. Parallel zum Finkenbach wandern
Sie wieder in südliche Richtung. Breite Waldwege führen Sie
schließlich zum Matzenbrunnen. Von dort geht es in Schleifen
ins Tal hinab zum Ausgangpunkt.
Faszination Erdgeschichte – Wasser
85
30
Wassererlebnisband Gersprenz
Radtour am Fluss von Stockstadt nach
Reichelsheim
Der Themenradweg „Wassererlebnisband Gersprenz" begleitet das Flüsschen Gersprenz von Reichelsheim bis zu seiner Mündung in den Main.
An über 80 Erlebnispunkten vermitteln Schautafeln und Audioguides interessante Informationen über Natur und Geschichte entlang des Flusses. Eine Besonderheit sind die zahlreichen Mühlen an der Gersprenz.
Der Themenradweg beginnt im bayerischen Städtchen Stockstadt an
der Eisenbahnbrücke über den Main. Gleich in Stockstadt führt der
Weg an der Dölzer-Mühle und der Ruine der ehemaligen Papiermühle
vorbei. Über Harreshausen geht es weiter nach Babenhausen mit der
sehenswerten historischen Altstadt. Über Münster führt die Radroute
nach Dieburg. Entlang der Route folgen zahlreiche Mühlen. Die Langsmühle in Münster am Bahnhof wurde als Museum eingerichtet und ist
einen Aufenthalt wert. Die Strecke zwischen Babenhausen und Münster ist auch Heimat des Weißstorches. Aufmerksame Radler können
die Storchenfamilie beobachten. Die Stadt Dieburg lohnt für einen
längeren Aufenthalt. Sehenswert ist neben dem Stadtpark vor allem
das Museum im Schloss Fechenach.
Die Orte Klein-Zimmern und Groß-Zimmern warten mit Mühlen auf.
Bekannt ist das Naturschutzgebiet Reinheimer Teich. An der
Naturschutzscheune lohnt es sich, vom Rad abzusteigen und eine der
Ausstellungen oder das Natur-Erlebnis-Gelände rund um die Scheune zu besuchen. Ab Groß-Bieberau wird es zunehmend hügeliger.
Der Odenwald ist erreicht. Durch das malerische Gersprenztal führt
die Route über Brensbach, Fränkisch-Crumbach schließlich nach
Reichelsheim. Zahlreiche Mühlen säumen den Weg.
Zur Tour kann man über www.geo-naturpark.net im Menü „Wege
in die Landschaft“ einen Audioführer herunterladen und anhören.
86
Faszination Erdgeschichte – Wasser
Wassererlebnisband
Gersprenz
Radtour am Fluss von Stockstadt
nach Reichelsheim
B45
B486
Babenhausen
B45
Eppertshausen
Mainaschaff B8
3
au
Ro d
Rödermark
Lache
Main
Stockstadt
a. Main
Hist.
Altstadt
Babenhausen
B26
B469
B26
Schaafheim
Großostheim
Münster
Dieburg
B26
Museum
Schloss
Fechenbach
GroßZimmern
Groß-Umstadt
Naturschutzgebiet
Reinheimer Teich
B38
Alte Höhe
Mömlingen
358
M öm l
B45
Reinheim
ing
B426
Otzberg
B426
Breuberg
B426
Klingelskopf
Höchst
i. Odw.
Groß-Bieberau
361
Brensbach
Lützelbach
eu
Fischbachtal
FränkischCrumbach
Reichelsheim
(Odenwald)
Bad
König
Brombachtal
Morsberg
Vielbrunn
Regionalmuseum 517
Reichelsheim
Länge: 54 km
Dauer: 4 Std.
Höhenmeter: 300 hm
Kondition: mittel
m
B45
B47
5 km
0
Museum Schloss Fechenbach
Hist. Altstadt Babenhausen
Naturschutzgebiet Reinheimer Teich
450
Regionalmuseum Reichelsheim
300
150
0
54,1 km Länge
km
10
20
30
40
50
Sehenswert: Historische Altstadt Babenhausen, Langsmühle in
Münster, Schloss Fechenbach in Dieburg, Naturschutz scheune Reinheimer Teich, Sarolta-Kapelle Fränkisch Crumbach, Heimatmuseum Fränkisch-Crumbach,
Regionalmuseum Reichelsheim, Schloss Reichenberg in
Reichelsheim
Start: Stockstadt, Brücke Mainbrücke
ÖPNV: Buslinie 693 von Reichelsheim nach Reinheim,
Regionalbahn von Reinheim nach Stockstadt
Faszination Erdgeschichte – Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald
87
Odenwald Therme, Elisabethenstr. 13
64732 Bad König, Tel. 06063/57850
[email protected]
w ww.odenwaldtherme.dde
88
Sonntag bis Donnerstag
09 bis 22 Uhr
Freitag und Samstag
09 bis 23 Uhr
Bad König
Heilkräfte aus der Tiefe der Erde
32
Die Entdeckung seiner Heilquellen verdankt das einzige Heilbad im
Odenwald, die Stadt Bad König, eher einem Zufall. Ein Gastwirt lies in
seinem 1892 gebauten Haus einen eigenen Brunnen bohren. Nachdem
er feststellte, dass seine Gläser stets von einer hässlichen bräunlichen
Schicht überzogen waren, lies er das Wasser auf Anraten eines Arztes
1896 vom Chemischen Untersuchungsamt in Darmstadt untersuchen.
Diese bescheinigte, dass es sich um ein eisen- und manganhaltiges
Heilwasser handelt.
Damit begann die Kurgeschichte von Bad König. Infolge des entstehenden Kurbetriebes, des Aufbaus von Kurkliniken und eines Krankenhauses erhielt König im Januar 1948 das Prädikat „Bad“. Seit 1980 ist
Bad König auch Stadt, obwohl die notwendige Einwohnerzahl von
10.000 nicht ganz erreicht wurde. Aufgrund der zahlreichen Betten
in den Kurkliniken und Hotels sowie anderer Faktoren wurde diese
Entscheidung möglich. Heute können Kurgäste in der Wandelhalle
das Heilwasser des Gustavbrunnens für Trinkkuren nutzen.
Ein Meilenstein in der Stadtgeschichte war die im Jahr
1972 durchgeführte Bohrung. Sie förderte aus einer
Tiefe von 370 m Thermalwasser mit einer Temperatur von 21 Grad Celsius
zutage. Die Thermalquelle schüttet pro Minute 85
Liter Thermalwasser aus.
Aufgrund der geologischen
Lage zirkuliert das Wasser
bei Bad König besonders tief im Gestein und wird dadurch aufgeheizt. Je weiter man in die Tiefe vordringt, umso größer ist die
Erdwärme. Das Thermalwasser in Bad König ist reich an Natrium, Calcium und Magnesium. Es enthält einen hohen Anteil an
Hydrogencarbonaten, Sulfat und Chlorid.
Mit dem Thermalwasser werden heute die Innen- und Außenbecken der Odenwald Therme in Bad König gespeist. Die Odenwald Therme ist mit ihrer großzügigen Bade- und Saunalandschaft heute eine Oase der Ruhe und Entspannung.
Faszination Erdgeschichte – Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald
89
Liebe Gäste!
Schön, dass Sie sich für die Region des Geo-Naturparks BergstraßeOdenwald als Ausflugs- und Urlaubsziel interessieren.
Gerne unterstützen wir Sie bei Ihrer Planung:
• Informationen über das Reiseziel Odenwald
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Marktplatz 1
64720 Michelstadt
Tel. 06061-965970
Fax 06061-9659720
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Weitergehende Informationen zum
Geo-Naturpark, zur Erd- landschaftsund Kulturgeschichte sowie zu den
Geopark-Informationseinrichtungen,
Geopark-Pfaden, Geopunkten und
Geotopen erhalten Sie in der Geschäftsstelle des Geo-Naturparks BergstraßeOdenwald in Lorsch (Tel.: 06251-70799-0,
[email protected],
www.geo-naturpark.net)
Interaktive Karte Odenwald
Die interaktiven Karte (www.odenwald.de -> Menüpunkt: Karte |
Tourenportal) bietet Ihnen viele interessante Informationen:
Wander-, Radtouren, Themenwege: Wegbeschreibungen,
Karten und Fotos
Ausflugsziele: Informationen und Fotos
Tracks für GPS-Geräte
Buchung von Unterkünften
Individuelle Anfahrtsbeschreibungen (PKW | Nahverkehr)
Persönlicher Merkzettel
Community
90
Nahverkehr
Odenwald mobil - RMV-Mobilitätszentrale Michelstadt
Tel. 06061 / 97 99 88
www.odenwaldmobil.de
Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV)
Tel. 01801 / 76 84 636
(Festnetz 3,9 ct/Min., Mobilfunk max. 42 ct/Min.)
www.rmv.de
Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN)
Tel. 01805 / 87 64 636
(Festnetz 14 ct/Min., Mobilfunk max. 42 ct/Min.)
www.vrn.de
Deutsche Bahn
Tel. 0180 / 6 99 66 33
(Festnetz 20 ct/Anruf, Mobilfunk max. 60 ct/Anruf)
[email protected]
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Impressum
Herausgeber:
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Marktplatz 1, 64720 Michelstadt
Tel. 06061-965 97 0
[email protected]
www.odenwald.de
Kartengrundlagen: ALPSTEIN Tourismus GmbH & Co.KG
Geoinformationen der © Vermessungsverwaltungen der Bundesländer und
BKG (www.bkg.bund.de)
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Fotos:
Odenwald Tourismus GmbH,
Welterbe Grube Messel gGmbH,
Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald e.V.,
lebensform GmbH, Lothar Weinrauch,
Stadtmarketing Erbach,
AG Altbergbau Odenwald,
Bergwerksverein Schriesheim e.V.
Diese Broschüre entstand in enger Zusammenarbeit der OdenwaldTourismus GmbH, des Geo-Naturparks Bergstraße-Odenwald e.V.
und der Welterbe Grube Messel gGmbH.
91
ErdgeFsasczination
hichte
im Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald
und dem Welterbe
Grube Messel
Projektpartner:
Welterbe Grube Messel gGmbH
Roßdörferstr. 108 · 65509 Messel
Tel. 06159 -717590
[email protected]
www.grube-messel.de
Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald
Nibelungenstraße 41 · 64653 Lorsch
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[email protected]
www.geo-naturpark.net
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Marktplatz 1 · 64720 Michelstadt
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