IG S Abschlußbericht zum Projekt 12716/01/02 : SAN IGS Komfort- und energiegerechte Sanierung eines Verwaltungsgebäudes Prof. Dr.-Ing. M. N. Fisch Dipl. - Ing. Matthias Rozynski cand. arch. Jörg Ellermann Technische Universität Braunschweig Institut für Gebäude- und Solartechnik (IGS) Mühlenpfordtstr. 23, 38106 Braunschweig Tel.: 0531/391 - 3555, Fax.: 0531/391 – 8125 August 2000 Projekt 01: Komfort- und Energiegerechte Sanierung Abschlußbericht August 2000 Seite i Inhalt 1 2 Zusammenfassung ............................................................................................... 1 Einleitung .............................................................................................................. 4 2.1 2.2 3 4 5 Problembeschreibung........................................................................................... 5 Ziele ...................................................................................................................... 5 Bestandsaufnahme............................................................................................... 6 5.1 5.2 5.3 5.4 5.5 5.6 5.7 5.8 5.9 6 Sanierungskonzept 1 .............................................................................................. 12 Sanierungskonzept 2 .............................................................................................. 13 Maßnahmen........................................................................................................ 14 7.1 7.2 7.3 7.4 7.5 7.6 7.7 8 Gebäudebeschreibung.............................................................................................. 6 Baubeschreibung...................................................................................................... 6 Nutzerbefragung ....................................................................................................... 6 Heizungs- und Lüftungstechnik................................................................................. 7 Fassadenuntersuchung ............................................................................................ 8 Thermischer Komfort .............................................................................................. 10 Tages- und Kunstlicht ............................................................................................. 11 Stromverbrauch ...................................................................................................... 12 Anforderungsprofil .................................................................................................. 12 Lösungskonzept.................................................................................................. 12 6.1 6.2 7 Vorhabensbeschreibung ........................................................................................... 4 Gebäudedaten .......................................................................................................... 4 Fassadensanierung ................................................................................................ 14 Doppelfassade........................................................................................................ 17 Grundrißorganisation .............................................................................................. 21 Kunstlicht ................................................................................................................ 22 Tageslicht ............................................................................................................... 26 Überhitzung ............................................................................................................ 33 Gebäudeautomation ............................................................................................... 34 Ergebnisse.......................................................................................................... 37 8.1 8.2 8.3 8.4 8.5 8.6 8.7 8.8 8.9 Wärmeverbrauch .................................................................................................... 37 Thermischer Komfort im Sommer ........................................................................... 38 Thermischer Komfort im Winter .............................................................................. 43 Stromverbrauch ...................................................................................................... 44 Primärenergiebedarf und CO2-Ausstoß .................................................................. 46 Fassadensystemvergleich ...................................................................................... 46 Realisierung der Gebäudeautomation..................................................................... 46 Ökobilanz................................................................................................................ 49 Wirtschaftlichkeit..................................................................................................... 50 9 Fazit .................................................................................................................... 51 10 Quellen- und Literaturverzeichnis .................................................................... 52 11 Abbildungsverzeichnis ..................................................................................... 53 12 Veröffentlichungen........................................................................................... 55 13 Anhänge................................................................................... ...............I – XVII TU Braunschweig – Institut für Gebäude- und Solartechnik Prof. Dr.-Ing. M. N. Fisch Tel. 0531 / 391–3555; Fax 391-8125 Projekt 01: Komfort- und Energiegerechte Sanierung Abschlußbericht August 2000 Seite 1 Kooperationspartner: Planung : • A3M, Braunschweig • Staatshochbauamt I, Braunschweig Ausführung : • AEG Lichttechnik, Springe • Ergo concept, Berlin • Fabromont AG, Schmitten / FR ( Schweiz ) • Forbo Werke GmbH, Paderborn • hüppe form, Oldenburg • Interpane, Lauenförde / Hildesheim • Odenwald Faserplatten, Amorbach • REKO electronic, Marktheidenfeld • Rigips GmbH Vertrieb Nord, Bodenwerder • Tridonic Lichtkomponenten, Weißenhorn • Waldmann Lichttechnik, Villingen-Schwenningen • Warema Renkhoff, Marktheidenfeld • Weidmüller GmbH&Co, Paderborn • Window Master, Hamburg 1 Zusammenfassung Ziel des Vorhabens war die hinsichtlich energetischer sowie wirtschaftlicher Kriterien optimierte modellhafte Sanierung der 10. Etage eines Verwaltungsbaus aus den 70er Jahren. Die Halbierung der Energiekennwerte unter Durchsetzung eines Konzeptes zur freien Lüftung und Nachtkühlung bei gleichzeitig deutlich verbessertem thermischem sowie visuellem Komfort und einer höheren Ausnutzung der zur Verfügung stehenden Grundfläche waren prioritäre Ziele. Im Rahmen der anstehenden Sanierung des gesamten Gebäudes sollen die Erfahrungen aus diesem Projekt einfließen und als Basis zu einem ganzheitlichen Sanierungskonzept genutzt werden. Die Finanzierbarkeit dieses Vorhabens wird zur Zeit in Gesprächen mit Vertretern des Landes Niedersachsen und der Universität überprüft. Auf der Grundlage der Erfassung des Ist-Zustands wurde ein integrales Sanierungskonzept erstellt, im Sommer 1998 realisiert und bis Ende 1999 meßtechnisch begleitet und hinsichtlich der geforderten Kriterien optimiert. Das Sanierungskonzept: • das Gebäude im Bestand : Das Verwaltungsgebäude ist 1976 als dreizehngeschossiges Punkthochhaus in Stahlbetonskelettbauweise und Flachdecken in einer Gebäudetiefe von 25 m an der vierspurigen Mühlenpfordtstraße als Institutsgebäude der TU- Braunschweig errichtet worden. Es wurde nur einer der drei ursprünglich geplanten Türme realisiert, so daß Teile der Erschließungsflächen nicht mehr benötigt werden (s. Abb. 51). Die Fassade ist als vorgehängte Aluminium-Pfosten-Riegel-Konstruktion mit Paneelelementen im Brüstungsbereich mit thermisch getrennten Profilen ausgeführt. Die wesentlichen Mängel sind hohe Transmissions- und Lüftungswärmeverluste, hohe Strahlungsasymmetrien mit Behaglichkeitseinschränkungen im Winter, Überhitzungen im Sommer, fehlender Schlagregenschutz, hohe Geräuschentwicklung unter Winddruck sowie eine RLT-Anlage, welche die Mängel der Primärfassade durch Überdruck und überhöhte Zulufttemperaturen ausgleicht. TU Braunschweig – Institut für Gebäude- und Solartechnik Prof. Dr.-Ing. M. N. Fisch Tel. 0531 / 391–3555; Fax 391-8125 Projekt 01: Komfort- und Energiegerechte Sanierung Abschlußbericht August 2000 Seite 2 • die neue Nutzung : Die Leichtbauweise des Ausbaus ermöglicht eine einfache Reorganisation des Grundrisses, so daß die zur Verfügung stehende Fläche in der Gesamttiefe von 25m als Kombibüro neu genutzt werden kann. Die Anforderungen hinsichtlich Brandschutz, Tageslichtnutzung sowie freier Lüftung decken sich; Sichtverbindungen in die Kernzone sowie Möglichkeit der Querlüftung sind das Ergebnis der konsequenten Umsetzung eines multifunktionalen Konzeptes. So entstehen auf um 50 m² erweiterter Nutzfläche pro Geschoß acht zusätzlich Arbeitsplätze. Die Flächennutzung kann somit von 20 auf 14m² NF/AP erhöht werden. Die Gebäudedaten nach der Sanierung : Gesamtgebäude Bruttogeschoßfläche (BGF) 8455 m² Nettogrundfläche (NGF) 7595 m² NGF mit Energiedienstleistungen versorgt (NGFEB) 5610 m² Nutzfläche (NF) 5196 m² Bruttorauminhalt (BRI) 33500 m³ Tab. 1-1 : Gebäudedaten nach Sanierung 10. OG 465m² 435 m² 435 m² 400,5 m² 1790 m³ Abb. 1-1 : Grundrisse 10.OG vor und nach der Sanierung • die Fassade: Im Rahmen einer einfachen Fassadensanierung wurden folgende Maßnahmen durchgeführt und auf ihre Eignung hin überprüft : Verbesserung der bauphysikalischen Werte durch Umglasen, Reduzieren der Transmissionswärmeverluste, Erhöhen der Tageslichttransmission und Verringern des Gesamtenergiedurchlaßgrades, zusätzliche Abdichtungen der Bauteilanschlußfugen und der Glasfälze sowie das Anbringen einer Innendämmung der im Bestand ungedämmten Stahlbetonstützen. Diese Maßnahmen haben sich als einfache, effektive und kostengünstige Teilmaßnahmen bewährt. Ungelöst blieb das Problem der undichten Flügelelemente als Hauptursache des eindringenden Wassers und der Geräuschentwicklung. Diese müssen auf der Nord- und Ostseite gegen neue Flügel ausgetauscht werden. Im Süden, Südwesten und Westen hingegen kann auch diese Maßnahme den Schlagregenschutz voraussichtlich nicht garantieren, da das über die Fassade ablaufende Wasser auch im Bereich der Festverglasung, der Paneele und der außenliegenden Aluminiumpfosten in das Profilsystem eindringen kann. TU Braunschweig – Institut für Gebäude- und Solartechnik Prof. Dr.-Ing. M. N. Fisch Tel. 0531 / 391–3555; Fax 391-8125 Projekt 01: Komfort- und Energiegerechte Sanierung Abschlußbericht August 2000 Seite 3 Der vollständige Ersatz der Primärfassade scheidet als Sanierungsmöglichkeit aus, da die Sanierung im laufenden Betrieb erfolgen soll. Allein eine Doppelfassade kann die Sicherstellung des Schlagregenschutzes auf der Luvseite gewährleisten und ermöglicht zudem eine weitere Reduzierung des Wärmeverbrauchs sowie zusätzliche Komfortsteigerungen und eine städtebauliche Aufwertung. Die Maßnahmenkombination mit allseitigem Austausch der Flügel, Sanierung der bestehenden RLTAnlage (1-facher LW mit WRG im Sanierungskonzept 1) wird als einfaches und mit den genannten Einschränkungen sinnvolles Konzept bezüglich der energetischen und ökologischen Kennwerte sowie der Wirtschaftlichkeit mit einem Doppelfassadenkonzept unter Verzicht auf die RLT-Anlage (Sanierungskonzept 2) verglichen. • der Energieverbrauch Die Verringerung der Transmissions- und Lüftungswärmeverluste führen im Sanierungskonzept 1 zu 2 2 einer Reduzierung des Wärmebedarfs von 184 kWh/(m a) auf Werte von 74 kWh/(m a). Dies entspricht einer Reduzierung um ca. 60%. Damit erreicht das Gebäude den Sollstandard für Büroneu2 bauten nach SIA 380/1 [1]. Eine weitergehende Reduzierung um ca. 20 % auf 60 kWh/(m a) kann mit Konzept 2 realisiert werden. Der Gesamtstromverbrauch des BS4 betrug im Fünfjahresmittel 175 MWh/a entsprechend 31 2 kWh/(m a). Im Vergleich mit den in der Literatur genannten Kennwerten (siehe [1,2,18]) ist dieser Verbrauch auffallend gering : die Personenbelegungsdichte war wie beschrieben niedrig, die technische Ausstattung in weiten Teilen nicht existent und die Nutzung des Gebäudes unterliegt weiterhin dem Semesterbetrieb. Die Hochrechnung der Meßergebnisse nach Sanierung auf das Gesamtgebäude ergab einen Gesamtverbrauch von 235 MWh/a, was einer Steigerung gegenüber dem Ausgangszustand 2 um etwa 35% entspricht, den in der SIA genannten Zielwert von 70 kWh/(m a) jedoch um 40% unterschreitet. Die realisierten Einsparpotentiale bei der Lüftung entsprechen einer Reduktion von 7,0 auf 2,9 2 2 kWh/(m a) und bei der Beleuchtung einer Reduktion von 10,7 auf 3,0 kWh/(m a). Die Erhöhung der Anzahl der Arbeitsplätze führte jedoch zu einem 10-fachen Anstieg des Verbrauchs für Arbeitsmittel 2 und zentrale Dienste von 2,4 auf 24,4 kWh/(m a) bei weiterhin konstantem Verbrauch des Aufzugs von 2 11,2 kWh/(m a). Ein weiteres Einsparpotential verbirgt sich in den sehr hohen „stand-by“ Verbräuchen in Höhe von 14,9 2 kWh/(m a). • die sommerliche Überhitzung: Ein Vergleich der Überhitzungsmessungen aus jeweils zwei Sommermonaten 1998 (Bestand) und 1999 (Sanierung) ergab eine Reduktion des Anteils der Überhitzungsstunden an der Nutzungsdauer in diesem Zeitraum von 45% auf 12%. Die Jahresüberhitzung der Südwest-Büroräume lag nach der Sa2 nierung bei nur 5,8% der Nutzungsdauer, obwohl sich die internen Lasten von 6,8 auf 36,4 kWh/(m a) verfünffacht haben. In der Kernzone treten keine Überhitzungen mehr auf. Als effektiver Überhitzungsschutz hat sich die Kombination aus Nachtkühlung infolge Querlüftung und innenliegendem Sonnenschutz damit bewährt. • die Wirtschaftlichkeit: Mit Bruttobaukosten in Höhe von 900 bzw. 1000 DM/m²NGF, die der tatsächlich sanierten Fläche entspricht, weist das Vorhaben auch ohne Ansatz aus Energieeinsparungen und Flächengewinn nach, daß eine komfort- und energiegerechte Sanierung mit geringem Investitionskosteneinsatz realisiert werden kann. Sie ist in dieser Form übertragbar auf vergleichbare Bauten. (siehe 8.9) und stellt damit die Grundlage für vergleichbare Projekte dar. Bruttobaukosten KG 3/4 Bruttobaukosten KG 3/4 Konzept 1 Konzept 2 BGF [m²] 8455 603 DM 698 DM NGFeb [m²] 5610 909 DM 1.052 DM Tab. 1-2 : Bruttobaukosten der Sanierung TU Braunschweig – Institut für Gebäude- und Solartechnik Prof. Dr.-Ing. M. N. Fisch Tel. 0531 / 391–3555; Fax 391-8125 NF [m²] 5196 982 DM 1.135 DM Projekt 01: Komfort- und Energiegerechte Sanierung Abschlußbericht August 2000 Seite 4 2 Einleitung 2.1 Vorhabensbeschreibung Allein bis 1980 sind in der Bundesrepublik ca. 30 Mio. m² an klimatisierter Bürofläche entstanden [3]. Betrachtet man den großen Bestand, so werden zukünftig insbesondere für diese Gebäude Sanierungskonzepte zu erarbeiten sein, welche den Energiebedarf des Gebäudes senken und dabei gleichzeitig sowohl den Nutzungskomfort, also die thermische Behaglichkeit und die möglichst natürliche Arbeitsplatzbeleuchtung mit Tageslicht (visueller Komfort), als auch die Funktionalität des Gebäudes optimieren. Das Projekt „SAN-IGS“ hat zum Ziel, eine energie- und komfortgerechte sowie ökologische und kostengünstige Lösung für die Sanierung eines Bürohochhauses umzusetzen. Es handelt sich dabei (siehe Abb. 2-1) um das Institutsgebäude „BS4“ der Technischen Universität Braunschweig. Das Modellvorhaben "Energie- und komfortgerechte Sanierung" umfaßt lediglich die Sanierung des 10. Obergeschosses (Räume des Instituts für Gebäude- und Solartechnik). Das Vorhaben wird gefördert von der “Deutschen Bundesstiftung Umwelt” (DBU) in Osnabrück. Im Anschluß an den von Mai bis September 1998 durchgeführten Umbau erfolgte von Oktober 1998 bis 1999 eine einjährige Monitoring-Phase, in der Meßdaten zur Beurteilung der Energieverbräuche und des thermischen und visuellen Komforts ermittelt wurden. Dieses Sanierungskonzept soll unter Berücksichtigung der Erfahrungen aus dem Umbau des 10. OG auf das gesamte 13-geschossige Gebäude übertragen werden. Abb. 2-1: Institutsgebäude BS 4 der TU-Braunschweig 2.2 Gebäudedaten Bruttogeschoßfläche (BGF) Konstruktionsfläche (KF) Nettogrundfläche (NGF) NGF mit Energiedienstleistungen versorgt (NGFEB) Nutzfläche (NF) Verkehrsfläche (VF) Funktionsfläche (FF) Hüllfläche Bruttorauminhalt (BRI) Nettorauminhalt (NRI) A/V Verhältnis Baujahr 1975, Architekten PSP, Braunschweig Gesamtgebäude 8455 m² 860 m² 7595 m² 5610 m² 5196 m² 1402 m² 864 m² 11477 m² 33500 m³ 27000 m³ -1 0,34 m Tab. 2-2 : Gebäudekenndaten TU Braunschweig – Institut für Gebäude- und Solartechnik Prof. Dr.-Ing. M. N. Fisch Tel. 0531 / 391–3555; Fax 391-8125 10.OG 465m² 30m² 435 m² 435 m² 400,5 m² 31 m² 3,5 m² 302 m² 1790 m³ 1522 m³ - Projekt 01: Komfort- und Energiegerechte Sanierung Abschlußbericht August 2000 Seite 5 3 Problembeschreibung Bei den in den 60er und 70er Jahren geplanten und erstellten Büro- und Verwaltungsgebäuden handelt sich in vielen Fällen um ähnliche Regeltypologien : es sind zumeist Scheiben- oder Punkthäuser in Stahlbetonskelettbauweise entstanden. Aussteifende Betonkerne (Treppenhäuser und Aufzugtürme) und auf ein Stützenraster aufgelegte Flachdecken mit Randunterzügen bilden die konstruktive Grundlage für einen variablen Innenausbau als Zellen- oder Großraumbüro. Das Ausbauraster als Teilung des Hauptrasters bestimmt die Fassaden-, Wand- und Deckengestaltung. Im Innenausbau finden sich vorwiegend Leichtwände, abgehängte Decken und ein Bodenbelag auf Verbundestrich. Die Fassaden wurden häufig als vorgehängte Pfosten-Riegel-Konstruktionen oder als horizontale Fensterbänder mit hinterlüfteten Brüstungsverkleidungen ausgeführt. Die Medienversorgung erfolgt meist über Brüstungskanäle. Ebenfalls fast all diesen Gebäuden gemein ist ihr hoher Energieverbrauch, mangelnder Komfort am Arbeitsplatz und eine nicht ausreichend wind- und regendichte Fassade. Die Aufrechterhaltung behaglicher Raumbedingungen ist insbesondere in Bürogebäuden von entscheidender Bedeutung, da sie einen wesentlichen Einfluß auf die Leistungsfähigkeit der Beschäftigten hat. Zur Erreichung dieses Zieles war vor 20 bis 30 Jahren noch ein sehr hoher Energieeinsatz zur Klimatisierung der Büros notwendig. Endenergie-Kennzahlen deutlich über 300 kWh/m²a für Wärme und elektrische Energie sind bei Verwaltungsbauten aus den sechziger und siebziger Jahren noch heute anzutreffen. Verschiedene Maßnahmen wie Wärmerückgewinnung, verbesserter baulicher Wärmeschutz, Sonnenschutz, Luftdichtigkeit, Quellüftung, bedarfsgerechte Regelung, Steigerung der Jahresnutzungsgrade, effiziente Beleuchtung usw. führten zu einer drastischen Reduzierung der Endenergieverbräuche. Neue Konzepte ermöglichen die Einhaltung behaglicher Raumbedingungen auch im Sommer unter Verzicht auf ein konventionelles Kühlsystem. 4 Ziele Heute erstellte Bürobauten, die zu großen Teilen mechanisch belüftet sind (ohne Kühlung), sollten nach der SIA Empfehlung 380/1 Zielwerte von 78 kWh/m²a bzw. 55 kWh/m²a (Heizenergie / Elektrische Energie) nicht überschreiten [1]. Für Sanierungen werden Werte von 115 kWh/m²a bzw. 70 kWh/m²a empfohlen. Energiekennzahl [kWh/m2a] 200 178 181 150 115 90 100 79 70 78 55 50 50 30 0 Bestand BS 4 Typ. Bestand [3] Heizenergie Ziel BS 4 Soll Sanierung [1] Soll Neubau [1] Elektrische Energie Abb. 4-1 : Energiekennzahlen im Vergleich Im Projekt wird der synergetische Effekt von Energieeinsparstrategien mit den genannten EndenergieKennwerten angestrebt unter • sinnvollem Ausschöpfen konventioneller Energiesparmaßnahmen • rationeller Energieverwendung durch fortschrittliche, angepaßte Anlagen der technischen Gebäudeausrüstung • passiver Solarenergienutzung, Nachtkühlung, Tageslichtnutzung TU Braunschweig – Institut für Gebäude- und Solartechnik Prof. Dr.-Ing. M. N. Fisch Tel. 0531 / 391–3555; Fax 391-8125 Projekt 01: Komfort- und Energiegerechte Sanierung Abschlußbericht August 2000 Seite 6 Der Kostenrahmen des Projekts beträgt ca. 900,-- DM / m² (Bruttobaukosten), so daß diese Sanierungsmaßnahme unter Beweis stellen muß, inwieweit eine energetische Sanierung auch mit relativ geringem wirtschaftlichen Aufwand bestmögliche Ergebnisse erzielt. Diese wirtschaftlichen Gesichtspunkte gewährleisten auch die Anwendbarkeit des Konzeptes auf vergleichbare Bauvorhaben. 5 Bestandsaufnahme 5.1 Gebäudebeschreibung Der Entwurf des Gebäudes vom Büro Jessen & Stahrenberg - als Wettbewerbsbeitrag mit dem ersten Preis für das Göttinger Rathaus ausgezeichnet - sah ursprünglich drei Türme in unterschiedlichen Höhen vor (s. Abb. 5-1). Realisiert wurde schließlich nur ein Teil des Entwurfs, das Bauteil A als Mehrzweckgebäude für die Universität Braunschweig mit dem pragmatischen Namenskürzel „BS4“, dem 4. Gebäude der neuen Heimat in Braunschweig. Konstruktiv und funktional handelt es sich um einen typischen Vertreter seiner Zeit. 5.2 Baubeschreibung Das dreizehngeschossige Punkthochhaus, Baujahr 1975/76, beherbergt Institute der Universität mit Büros und Seminarräumen, jedoch keine Labors oder Werkstätten, welche den Energieverbrauch untypisch beeinflussen könnten. Das Hochhaus, in Stahlbetonskelettbauweise errichtet, bestehend aus außenliegenden, die Fassade Turm B nicht realisiert Verkehrsflächen Turm A Turm C nicht realisiert Abb. 5-1 : Schema des Gesamtentwurfs durchstoßenden, ungedämmten Beton-Stützenpaaren und Massivdecken mit Randunterzügen. Die Fassade besteht aus einer Aluminium-Pfosten-Riegelkonstruktion mit außenliegenden Tragprofilen der Firma Junior aus Goslar. Es handelt sich um thermisch getrennte Profile, die Flügel sind mit einer einfachen Falzmitteldichtung ausgestattet. Die Verglasung besteht aus Sonnenschutz-Isolierglas Schott Calorex (UF-Wert ca. 3,0 W/(m²K)), die Fensterbrüstungen aus wärmegedämmten GlaspaneelElementen. 5.3 Nutzerbefragung Eine im Winter 1998 durchgeführte Nutzerbefragung zum thermischen Komfort führte zu folgenden Ergebnissen: TU Braunschweig – Institut für Gebäude- und Solartechnik Prof. Dr.-Ing. M. N. Fisch Tel. 0531 / 391–3555; Fax 391-8125 Projekt 01: Komfort- und Energiegerechte Sanierung Abschlußbericht August 2000 Seite 7 • Sommerliche Überhitzung : aufgrund des fehlenden Sonnenschutzes Überhitzungen auf der Süd-, Südwest- und Westseite, die nur in der Übergangszeit abgelüftet werden können. Keine Überhitzung auf der Nord- und Ostseite, die durch die Aufzugtürme früh verschattet sind. • winterlicher Wärmeschutz Kältestrahlung im Winter an den Außenfassaden; es werden mehrfach elektrische Heizlüfter eingesetzt, vereinzelt werden zur Abschirmung Spanplatten gegen Kältestrahlung und Undichtigkeiten aufgestellt. • Luftdichtigkeit Starke Luftzugserscheinungen an der Außenfassade der West- und Südwestseite; vereinzelt fliegt Papier vom Schreibtisch; außerdem starke Geräuschbelästigung durch Pfeifgeräusche. • Schlagregendichtigkeit Regenwasser dringt durch die undichte Fassade ein. Gefäße und Tücher werden zum Auffangen des eindringenden Wassers eingesetzt. Die beschichteten Fensterbänke sind aufgequollen, die abgehängte Decke zeigt Wasserflecken im Sturzbereich. Das Flachdach über dem 12. OG ist stellenweise schadhaft. • Sonstiges Die Lüftungsanlage wird in der Regel nicht wahrgenommen; die Lüftung über die Kippflügel wird als unzureichend empfunden. 5.4 Heizungs- und Lüftungstechnik Die Wärmeversorgung des Gebäudes erfolgt über Fernwärme aus dem Steinkohle-Heizkraftwerk der Stadt Braunschweig, Wasser wird dezentral elektrisch erwärmt. Das Gebäude wird mit statischen Heizflächen (im Fassadenbereich angeordnet, getrennte Heizkreise für Nord- und Südseite, Nachtabsenkung) und durch Vorwärmung der Zuluft über zwei Heizregister in einer zentralen Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung über einen Rotationswärmetauscher beheizt. Diese einfache Lüftungsanlage mit Zulufttemperaturregelung ist in zwei Lüftungskreise für die Innenund Außenzonen der Geschosse unterteilt. (siehe Abb. 5-2). Im Auslegungszustand erwärmt der Vorerhitzer die Zuluft auf konstant 22°C, was gleichzeitig die Zulufttemperatur der Innenzone darstellt. Die Zulufttemperatur der Außenzone wird über einen Nacherhitzer unmittelbar vor dem Zuluftschacht manuell eingestellt. Vor dem Zuluftschacht der Innenzone ist ein Reserveplatz für ein mögliches Kühlregister vorgesehen, das nicht installiert, jedoch in der Auslegung der Anlage vorausgesetzt wurde. Die Anlage wurde ausgelegt auf 90.000 m³ Zuluft und 75.000 m³ Abluftvolumenstrom, entsprechend einem Luftwechsel von ca. 4,7 [1/h] für die Zuluft und ca. 4.0 [1/h] für die Abluft. Durch eine Umluftklappe können außentemperaturabhängig bis zu 54.000 m³ Abluft beigemischt werden; die verbleibenden 36.000 m³ Frischluft werden im Bereich des optimalen Wirkungsgrades des Regenerativwärmetauschers vorgewärmt. Der Überdruck wirkt dem Kaltlufteinfall aus Fassadenundichtigkeiten entgegen. Die Betriebszeit ist wochentags von 7.00 – 18.00 Uhr, der Abluftventilator bleibt ganzjährig in Betrieb, die Zuluftventilatoren werden im Sommer (ca. 4 Monate/a) manuell abgeschaltet. Die Gebläsestufe 2 (der Auslegungszustand) wird jedoch nicht benutzt, da sie zur Aufrechterhaltung des notwendigen hygienischen Luftwechsels nicht erforderlich ist, Zugerscheinungen hervorruft und die entstehenden Geräusche inakzeptabel hoch sind (Zuluft- und Abluftgeschwindigkeiten von bis zu 4,5 m/s). Messungen für den Betrieb in der Gebläsestufe 1 ergaben einem Luftwechsel von 2,0 [1/h] für die Zuluft und 1,7 [1/h] für die Abluft bei Geschwindigkeiten in den Kanälen von 1–2 m/s. Die Bestandsaufnahme ergab weiterhin eine Zulufttemperatur nach dem Vorerhitzer von 32°. Die Zulufttemperaturen der Außenzone von 27°C werden über maximal 85% rezirkulierte Umluft auf 26°C rückgekühlt, der Nacherhitzer ist außer Betrieb. Diese Einstellungen entsprechen weder den energetischen noch den komfortbezogenen Anforderungen. Die nutzungssneutrale Installation der Lüftungsanlage hat zudem zur Folge, daß in Abhängigkeit der Grundrißaufteilung Bereiche über- oder unterversorgt werden (mit Luftwechselraten < 0,5[1/h]). Der Jahresstromverbrauch der 3 Ventilatoren hat mit mehr als 40 MWh/a einen Anteil von 25 % am Gesamtstromverbrauch des BS4. Bei der Neugestaltung der Etage ist die Sanierung der Lüftungsanlage, deren aktuelle Einstellungen weder sinnvoll noch wirtschaftlich sind, ein wesentlicher und integraler Bestandteil des Gesamtkonzepts. TU Braunschweig – Institut für Gebäude- und Solartechnik Prof. Dr.-Ing. M. N. Fisch Tel. 0531 / 391–3555; Fax 391-8125 Projekt 01: Komfort- und Energiegerechte Sanierung Abschlußbericht A u ß e n lu ft August 2000 Seite 8 F o rtlu ft Z u lu ft In n e n zon e W RG U m lu ft F e rn w ä rm e Z u lu ft A u ß e n zo n e A b lu ft 1 0. O G B S 4 -G eb äu d e zu d en L u fte rh itz ern F e rn w ärm e Abb. 5-2 : Anlagenschema RLT-Anlage 5.5 Fassadenuntersuchung Die Kartierung von Wasserschäden ergab am 28.10.98 bei einer Windstärke von 5-7 folgendes Bild : Abbildung 5-3 : Fassadenundichtigkeiten am BS 4 (Westwind, vW = 8,5 - 13 m/s ≅ Windstärke 5-7) TU Braunschweig – Institut für Gebäude- und Solartechnik Prof. Dr.-Ing. M. N. Fisch Tel. 0531 / 391–3555; Fax 391-8125 Projekt 01: Komfort- und Energiegerechte Sanierung Abschlußbericht August 2000 Seite 9 Signifikant ist eine Zunahme der Schäden in den unteren Geschossen, was auf das an der Fassade ablaufende Wasser zurückzuführen ist. Auf der Westseite, der Hauptwindrichtung, bestimmt bei einer Schadensquote von 70% ein gleichmäßiges Schadensbild den Eindruck. Auf der Südwestfassade hingegen sind bei einer Schadensquote von 50% in den Geschossen 6-12 deutlich die Flügelelemente ursächlich für den Wassereintritt verantwortlich. Wenig betroffen sind die Nord- und Südfassade, die Schäden im Osten sind wahrscheinlich auf nicht geschlossene Kippflügel zurückzuführen. Das um 2 m hinter die Fassadenvorderkante zurücktretende Sockelgeschoß ist nicht betroffen. Bei Versuchen, den Weg des eingedrungenen Wassers nachzuvollziehen, wurde Wasser in den Glasfalz der Flügelelemente eingefüllt. Es ergaben sich nicht nachvollziehbare Wasseraustritte über zwei Geschosse nach innen und nach außen an den Profilstößen. Der Zustand der Dichtungen der Trockenverglasungen und der Flügel ist allgemein sehr gut, die Entwässerungsöffnungen im Flügelrahmen intakt. Diese Schadensaufnahme unterstreicht eindringlich die Ergebnisse der Nutzerbefragung und die Notwendigkeit einer Fassadensanierung. Weitere Untersuchungen zur Fassadendichtigkeit wurden mittels Blower-Door-Tests an repräsentativen Fassadenelementen durchgeführt (siehe Abb. 5-4, 7-1 und Anhang Fugendurchlaß). Messungen einzelner Räume schlugen fehl, da zu viele Nebenwege in andere Geschosse und die RLT-Anlage bestehen. Die Kippflügel mit einem Fugendurchlaßkoeffizienten von 0,53, die Festverglasung mit 0,36 und die Bauteilanschlußfugen mit ca. 2,0 liegen im Rahmen typischer Undichtigkeiten. Aus diesen Fugendurchlässen resultieren ein Luftwechsel n50 von 3,4 [1/h] und ein Luftwechsel aus Infiltration von 1,25 [1/h] Die Fassade setzt sich aus folgenden Bauteilen zusammen: Die Fensterelemente mit einem Hüllflächenanteil von 53% und einem Uw von 3,1 W/m²/K, die Paneelelemente mit einem Hüllflächenanteil von 36% und einem U von 0,8 W/m²K in den Brüstungs- und Sturzbereichen, sowie den Fertigteilbetonpfeilern mit einem Hüllflächenanteil von 10% und einem U von 2,6 W/m²K. Der damals verwendete „Leichtbeton“ der Stützen verfügt nur über eine Wärmeleitfähigkeit von 0,92 W/mK. Zu den Wärmeverlusten des Gebäudes im Bestand und nach der Sanierung siehe Kap. 8.1. Abb. 5-4 : Blower-Door – Messung TU Braunschweig – Institut für Gebäude- und Solartechnik Prof. Dr.-Ing. M. N. Fisch Tel. 0531 / 391–3555; Fax 391-8125 Projekt 01: Komfort- und Energiegerechte Sanierung Abschlußbericht August 2000 Seite 10 5.6 Thermischer Komfort Im April 1997 durchgeführte Messungen [4] ergaben für die Außenzone Rauminnentemperaturen während der Betriebszeit von 19-27°C bei Außentemperaturen von 0-10°C in einer sonnigen Woche. Die Zone wird werktags von 7.00-18.00 Uhr mit einem 1,8-fachen Luftwechsel bei einer mittleren Zulufttemperatur von 27,5°C versorgt. Die internen Lasten aus Arbeitsmitteln und Beleuchtung betrugen während dieser Betriebszeit i. M. nur ca. 3,5 W/m²NF, im Tagesmittel 2,1 W/m²NF mit einer stand-by Leistung von 0,25 W/m²; interne Lastspitzen im Bestand aus Licht, Arbeitsmitteln und Personen ca. 15 W/m²NF. Signifikant ist aufgrund des fehlenden Sonnenschutzes die Abhängigkeit der Rauminnentemperatur von der solaren Einstrahlung. Die Einstrahlung ist mit Spitzen von 167 W/m²NF der Grund für die ganzjährig auftretenden Überhitzungen. Deutlich geringeren Temperaturschwankungen ist der Seminarraum unterworfen : die Innenzone wird während der Betriebszeit mit einem 0,8-fachen Luftwechsel bei einer mittleren Zulufttemperatur von 32°C versorgt. Die internen Lasten sind gleichermaßen gering, wenngleich aufgrund des Seminarbetriebs unregelmäßig. Wie erwartet zeigt die Innenzone einen zeitversetzten, trägeren Verlauf aufgrund des interzonalen Luftwechsels. Überhitzungen treten nur im Sommer oder bei sehr dichter Personenbelegung auf. Die hohen Innentemperaturen im Winter führen jedoch nicht zu Klagen der Nutzer, da sie niedrige Oberflächentemperaturen und die Infiltration aus Undichtigkeiten ausgleichen müssen, was an festernahen Arbeitsplätzen dennoch nicht gelingt. Die Darstellung des Stützenanschlusses für eine Außentemperatur von ϑa = –10°C und eine Innentemperatur von ϑi = 20°C zeigt Oberflächentemperaturen in Scheibenmitte von 4°C, auf den fassadennahen Betonoberflächen von 4-7°C und im Glasfalz von –3°C( s. Abb 5-5). Dies bedeutet eine auf die Glasflächen bezogene Strahlungsasymetrie von mehr als 16K (∆τzul = 10 K) und bestätigt das Ergebnis der Nutzerbefragung. Der vertikale Temperaturgradient liegt mit max. 1,5K um 50% unter dem Grenzwert von 3K. + 4 °C + 6 °C - 3 °C - 5 °C + 4 °C - 7 °C - 5 °C Abb. 5-5 : Oberflächentemperaturen am Anschluß Stütze/Fassadenprofil im Winter (vgl. Abb. 7-2) Im Sommer steigen die Rauminnentemperaturen aufgrund der solaren Einstrahlung auf bis zu 34°C. Die Messung zur Ermittlung des prozentualen Anteils der Überhitzungsstunden an der Betriebszeit ergab 45 % Überhitzungsstunden im Bestand (Zeitraum Juli/August '98). Zur Vorauswahl angebrachter innenliegender Sonnenschutz ergab bereits eine deutliche Verbesserung um 3-4K, was neben der wichtigen Blendschutzfunktion über weite Teile der Betriebszeit ein akzeptables Raumklima sicherstellen kann. TU Braunschweig – Institut für Gebäude- und Solartechnik Prof. Dr.-Ing. M. N. Fisch Tel. 0531 / 391–3555; Fax 391-8125 Projekt 01: Komfort- und Energiegerechte Sanierung Abschlußbericht August 2000 Seite 11 5.7 Tages- und Kunstlicht Die Beleuchtungsanlage im BS4 wurde 1976 installiert und ist seitdem im wesentlichen unverändert in Betrieb. Das dem Gebäude zugrundeliegende Ausbauraster von 0,80 m bestimmt auch die Anordnung der Leuchten. Die Leuchte eines jeden Rasterfeldes (1,60 x 1,60) ist zu der ihr benachbarten um 90° gedreht (s. Anhang Kunstlicht). Installiert wurden zweiflammige Lichtleisten mit weißen Stahlblechreflektoren als Aufbauleuchten, bestückt mit je zwei Leuchtstofflampen L36 mit konventionellen Vorschaltgeräten. Die Lichtfarbe ist neutralweiß und die Farbwiedergabe entspricht den Anforderungen der Stufe 1B. Der Lichtstrom ist mit 3350 lm angegeben, die Lichtausbeute beträgt 73 lm/W. Der Blendschutz wird gewährleistet durch eine OWA-coustik Wabendecke im 3-Eck System, bestehend aus weißen, 150mm hohen Holzwolle-Leichtbauplatten, die im Raster unter den Leuchten abgehängt wurden. Dieses heute immer noch vertriebene System findet sich in vielen Großraumbüros der 70er Jahre. Die lichte Raumhöhe verringert sich dadurch um 40 cm von 2,95m auf 2,55m. Das Blendschutzraster, vor der lichten Fensteröffnung abgehängt, schränkt, einem Sturz vergleichbar, die Tageslichtnutzung ein. 100 89 90 80 80 73 70 60 50 46 42 36 40 30 20 10 0 KVG VVG Leistung Pges [W] EVG Lichtausbeute [lm/W] Abb. 5-6 : Leistung und Lichtausbeute einer Leuchtstofflampe (∅ 36 mm, 36W) bei verschiedenen Vorschaltgeräten Auch die Oberflächengestaltung blieb 25 Jahre lang unverändert: Braun-, Grün und Beige-Töne bestimmen Erscheinungsbild und Reflexionsgrade (siehe Anhang Kunstlicht). Eine Besonderheit sind die Fensterbänke aus rot beschichteter Spanplatte, die ebenso wie das Blendschutzraster die Tageslichtnutzung deutlich reduzieren. Die Beleuchtungsanlage, entstanden in dem mulitfunktionalen Großraumgedanken, läßt sich nur grob bedarfsgerecht steuern. In den meisten Räumen sind nur zwei Schaltkreise für den fensternahen oder halben Raum vorgesehen. Im Regelfall stellt die Beleuchtungsanlage die geforderten Beleuchtungsstärken und Gleichmäßigkeiten nach DIN [5] zur Verfügung (300-500 lx in den natürlich belichteten Büroräumen und 750 lx im Seminarraum ohne Tageslichtanteil). Sie kann jedoch systembedingt nicht auf die Teilung des Hauptrasters von 1,60 m reagieren, so daß insbesondere kleine Räume sehr ungleichmäßig belichtet werden. Das Multifunktionsraster stößt ausgerechnet im mulitfuktionalen Seminarraum auf seine Grenzen: Veranstaltungen und Seminare bedingen differenzierte Nutzungsanforderungen, auf die nicht in geeigneter Weise reagiert werden kann. Auch den Anforderungen an Bildschirmarbeitsplätze kann diese Anlage nicht mehr gerecht werden. Die Ideen des Großraums und der Variabilität im Verwaltungsbau, Entwurfsgrundlage der frühen 70er Jahre, und mit Ihnen auch die entsprechende gebäudetechnische Ausrüstung haben sich aus unterschiedlichen Gründen nicht bewährt. Das Blendschutzraster verdreifacht die für einen Lampenaustausch notwendige Zeit. Die installierte Leistung liegt mit im Durchschnitt 28 W/m² um mindestens 50% über heute erreichbaren Werten, ist jedoch ein für die Zeit typischer Wert. Der Verbrauch ist mit ca. 60.000 kWh/a (entsprechend 9,1 kWh/m²a) jedoch relativ gering (Grenz- und Zielwert 20 bzw. 10kWh/m²a), was wie TU Braunschweig – Institut für Gebäude- und Solartechnik Prof. Dr.-Ing. M. N. Fisch Tel. 0531 / 391–3555; Fax 391-8125 Projekt 01: Komfort- und Energiegerechte Sanierung Abschlußbericht August 2000 Seite 12 schon an anderer Stelle beschrieben, auf die geringe Personenbelegungsdichte und die dem Semesterbetrieb unterliegende Nutzung zurückzuführen ist. Die Versorgung der fensternahen Arbeitsplätze mit Tageslicht ist aufgrund des Fensterflächenanteils in Höhe von 35% trotz eines τvis von nur 0,45 gut, für die Gebäudetiefe jedoch nicht vorgesehen. Als Blendschutz wurden weiße Stoffvorhänge eingesetzt. 5.8 Stromverbrauch Der Stromverbrauch des BS4 betrug im 5-Jahresmittel 175 MWh/a. Daraus errechnet sich ein Jahresverbrauch in Höhe von 31 kWh/m²a. Ein Einsparpotential ergibt sich wie beschrieben für die künstliche Beleuchtung (aktive und passive Maßnahmen) : Tageslichtausnutzung, Oberflächen, Kunstlicht - (ges. 60 MWh/a) und die Lüfter der RLT-Anlage (ges. 39 MWh/a). 5.9 Anforderungsprofil Auf der Grundlage der Nutzerbefragung zur thermischen Behaglichkeit, der Verbrauchsdatenerfassung und -auswertung, der Bestandsanalyse der Heizungs- und RLT-Anlage sowie der Tages- und Kunstlichtsituation wurde ein Anforderungsprofil für die Sanierung erstellt. § Erhöhung der Anzahl der Arbeitsplätze durch Grundriß-Neuorganisation unter besonderer Berücksichtigung der Wechselwirkungen aus funktionaler Grundrißgestaltung und technischen Anforderungen, § Möglichkeiten der Fassadensanierung zur Herstellung von Wind- und Schlagregendichtigkeit (wodurch auch die Geräuschentwicklung abgestellt wird), Verringerung des Wärmebedarfs auf 50% des Bestandsverbrauchs, § Heizenergieeinsparung durch Sanierung der RLT-Anlage in Abhängigkeit vom Gesamtkonzept, § Reduktion der sommerlichen Kühllasten; Einhaltung behaglicher raumklimatischer Bedingungen ohne mechanische Kühlung durch freie Fensterlüftung und Aktivierung der thermischen Speichermassen, § Sonnen- und Blendschutz im Zusammenhang mit Tageslichtlenksystemen zur weitgehenden natürlichen Belichtung der gesamten Gebäudetiefe von 25 m, § Reduktion des elektrischen Energieverbrauchs, insbesondere bezüglich der Beleuchtung und der Ventilatoren, § Regelungstechnik und Gebäudemanagementsysteme zur Gewährleistung des behaglichen Raumklimas, Optimierung und Kontrolle der Funktionsweisen und des Energieverbrauchs, § Ökologische Beurteilung: Primärenergieeinsatz und Bauteilbewertung, § Wirtschaftlichkeit: Berücksichtigung der Betriebskosten als Planungsinstrument und Entscheidungskriterium, § Bauablauf: die Sanierung soll auch im laufenden Betrieb möglich sein, damit die Ergebnisse auf die Sanierung des gesamten Gebäudes übertragbar sind, § Einhalten des festen Kostenbudgets von 900,-- DM Bruttobaukosten; (800,--DM unter Berücksichtigung der im Rahmen des Vorhabens erfolgten Unterstützung durch die vorgenannten Firmen). 6 Lösungskonzept 6.1 Sanierungskonzept 1 Zur Erreichung der Zielvorgaben von 90 bzw. 50 kWh/m²a für Heiz- bzw. elektrische Energie wird in einem einfachen Konzept auf der Basis des Kombibürokonzepts vorgeschlagen, die Bestandsfassade zu sanieren und die RLT-Anlage auf das neue Gesamtkonzept abzustimmen, die Tageslichtausnutzung zu verbessern und die Kunstlichtanlage zu erneuern sowie eine Nachtlüftung in Kombination mit der Aktivierung von Speichermassen zu realisieren. TU Braunschweig – Institut für Gebäude- und Solartechnik Prof. Dr.-Ing. M. N. Fisch Tel. 0531 / 391–3555; Fax 391-8125 Projekt 01: Komfort- und Energiegerechte Sanierung Abschlußbericht August 2000 Seite 13 A: Fassadensanierung 6 -550 m³/h 5 -1570 m³/h Zone 2 2120 m³/h LW 2,8 1/h 4 Zone 1 3 Verschiedene Blend- und Sonnenschutzsysteme 420 m³/h LW 2,0 1/h 2 g-Wert Verglasung 0,41Þ 0,34 g-Wert Verglasung 0,41Þ 0,57 1 1700 m³/h Westwind 3 m/s Abb. 6-1 : Konzept 1 - Nachtlüftung mittels Querlüftung über Wind 6.2 Sanierungskonzept 2 Ein alternatives Konzept sieht bei gleicher Grundrißorganisation auf der Süd-, Südwest- und Westfassade eine Doppelfassade vor, die in Verbindung mit einem natürlichen Lüftungskonzept eine Reduzierung der RLT- Anlage auf eine Bedarfslüftung während Seminarveranstaltungen ermöglicht. Neben der Reduzierung winterlicher Transmissionswärmeverluste lassen sich weitere Energieeinträge über PVElemente in den Brüstungsbereichen erzielen. Weitere Vorteile dieser Maßnahme sind die Möglichkeit der Sanierung während des laufenden Betriebs, Sicherstellung des Schlagregenschutzes und eine städtebaulich sowie gestalterische Aufwertung des Gebäudes. B: Doppelfassade ϑa= 17,0 C° ϑa= 17,0 C° Zone 2 ϑi= 19,5 C° 392 m³/h LW 0,5 1/h Zone 1 ϑi= 20,6 C° 552 m³/h LW 2,7 1/h Zone 3 ϑi= 17,6 C° 3018 m³/h LW 62 1/h ϑa= 17,0 C° Blend- und Sonnenschutz im Fassadenzwischenraum Doppelfassade g-Wert Verglasung 0,41Þ 0,34 g-Wert Verglasung 0,41Þ 0,57 Schlagregenschutz Abb. 6-2 : Konzept 2 - Nachtlüftung mittels thermischer Querlüftung über die Doppelfassade TU Braunschweig – Institut für Gebäude- und Solartechnik Prof. Dr.-Ing. M. N. Fisch Tel. 0531 / 391–3555; Fax 391-8125 Projekt 01: Komfort- und Energiegerechte Sanierung Abschlußbericht August 2000 Seite 14 7 Maßnahmen 7.1 Fassadensanierung Die Verbesserung der Dichtigkeit der Fassade ist aus vier Gründen die wichtigste Einzelmaßnahme des Sanierungspakets: Reduzierung der Lüftungswärmeverluste im Winter, Sicherstellung des Schlagregenschutzes, Herstellung behaglicher Arbeitsverhältnisse und schließlich Reduzierung des Einsatzes der RLT-Anlage. Die Ergebnisse der Blower-Door Messungen zeigen für den Bestand typische Undichtigkeiten. Die Anschlüsse mancher Bauteile entsprachen dagegen wohl auch nicht dem damaligen Stand der Technik (siehe Abb. 7-1). n Fugendurchlaßkoeffizient in [m³/(hmPa )] 0,7 0,6 0,5 0,44 - 0,22 0,4 0,3 0,60 0,53 0,2 0,36 0,1 0,20 0,19 Fenster mit Metall-, Kunststoff oder Holzrahmen mit besonderer Dichtung (SIA 331, 1988) Festverglasung BS 4, abgedichtet (Messung) 0 älteres Fenster mit Holzrahmen ohne Dichtung Kippflügelfenster BS 4, Bestand (Messung) Fenster mit Holz oder kombiniertem Metall/Holz-Rahmen, mit Dichtung (SIA 180/1, 1980) Festverglasung BS 4, Bestand (Messung) Fenstertyp Abb. 7-1 : Fugendurchlaßkoeffizienten Regelwerte nach DIN 4701 T2 : Fenster = 0,3 m³/(hmPa2/3), Festverglasungen = 0,1 m³/(hmPa2/3) Vergleichsdaten nach [6] Untersuchte Verbesserungsmaßnahmen für die Festverglasung waren Abdichtungsmaßnahmen zwischen Glasfalz und Rahmen mit Silikon, Dichtband oder Textilband. Die beiden erstgenannten Maßn nahmen verringerten den Fugendurchlaß von 0,36 auf 0,2 [m³/hmPa ]. Die Sanierung der Flügel erweist sich als schwierig, da der Andruck nicht einstellbar ist und die zweite Dichtungsebene fehlt. Es wird daher vorgeschlagen, neue Flügel-Rahmenelemente einzusetzen, die n den Fugendurchlaß von 0,53 auf unter 0,2 [m³/hmPa ] verringern können und für die Beanspruchungsgruppe C zugelassen sind (siehe Anhang Fugendurchlaß). Werden dann noch die Bauteilanschlußfugen dauerhaft abgedichtet, kann der Luftwechsel n50 von 3,4 auf 1,3 reduziert werden, beim Einsatz einer Doppelfassade auf den Wetterseiten auf 1,1 [1/h] (siehe Anhang Fugendurchlaß). Damit liegt der Bestand bei einem Differenzdruck von 50 Pa um mehr als das 3-fache über dem Grenzwert von 1,0 [1/h] für Gebäude mit RLT-Anlagen. Schon bei mittleren Windgeschwindigkeiten werden so bis 4-fache Luftwechsel erreicht, was einer Dauerlüftung in Kippstellung entspricht und schon bei Außentemperaturen unter 10°C zu Unbehaglichkeit führen kann, da mit Luftgeschwindigkeiten über 0,15 m/s und hohen Turbulenzgraden im Aufenthaltsbereich gerechnet werden muß. Dies erklärt hinreichend die Unzufriedenheit der Nutzer und die Einstellung der RLT-Anlage : um diesem unkontrollierten Luftwechsel entgegenzuwirken, ist der Zuluftvolumenstrom um ½ LW größer als der Abluftvolumenstrom. Selbst der hygienisch notwendige Luftwechsel, der gem. DIN 1946/2 bei maximaler Belegung 1,2 [1/h], im Durchschnitt jedoch weniger als 1,0 [1/h] beträgt, wird von der Infiltration über die Bestandsfassade bei einem Differenzdruck von 10 Pa übertroffen, was der durchschnittlichen jährlichen Windgeschwindigkeit von 4 m/s entspricht. Dieser Luftwechsel nL sinkt von TU Braunschweig – Institut für Gebäude- und Solartechnik Prof. Dr.-Ing. M. N. Fisch Tel. 0531 / 391–3555; Fax 391-8125 Projekt 01: Komfort- und Energiegerechte Sanierung Abschlußbericht August 2000 Seite 15 1,25 auf 0,44 in der Sanierung, bzw. unter 0,40 [1/h] beim Einsatz einer Doppelfassade und liegt damit im Bereich neuer Primärfassaden (ca. 0,30 [1/h]). Das Gebäude kann nach einfacher Fassadensanierung somit nun mittels Fensterlüftung kontrolliert und natürlich belüftet werden. Auch hier sind jedoch Komforteinschränkungen bei Außentemperaturen unterhalb von 5°C durch die oben beschriebenen Zugerscheinungen, diesmal hervorgerufen durch die Fensterlüftung, zu erwarten. Da es sich jedoch um einen kontrollierte „Störung“ handelt ist die Nutzerakzeptanz weitaus höher. Weitere Komforteinschränkungen können sich aus hohen Windgeschwindigkeiten und / oder Regen ergeben. Die Auswertung des Wetterdatensatzes Hannover ergab für Windgeschwindigkeiten <12 m/s und für Regenereignisse < 2h den folgenden Anteil der Arbeitszeit (7.00-19.00 Uhr) in den Monaten Oktober bis April : April März Februar Regen>2h Januar Dezember v(wind)>12m/s Oktober November 35% 30% 25% 20% 15% 10% 5% 0% Beeinträchtigung gesamt (Wind und/oder Regen) Abb. 7-2 : Beeinträchtigung der Komfortfunktionen durch Wetterereignisse Eine Beeinträchtigung der natürlichen Lüftung durch Wind ist im statistischen Mittel nur im Januar von geringer Bedeutung. Weitaus häufiger, bis zu 30% der Arbeitszeit im Januar, treten länger dauernde Regenereignisse (> 2 Stunden) auf, was auf den bewitterten Fassadenflächen zu Einschränkungen der natürlichen Lüftung führen kann. Wertet man den Wetterdatensatz für vWind > 2m/s nach Windrichtungen in den Monaten November bis Januar für Braunschweig aus, so ergibt sich eine Häufigkeitsverteilung von 20% Ost und 75% Südwestwinden (s. Abb. 7-20). Die vorgesehene Doppelfassade auf eben diesen Süd- Westseiten kann also eine freie Lüftung auch im Winter im wesentlichen sicherstellen. Soll der thermischen Komfort am Arbeitsplatz bei äquivalenten Anforderungen weitestgehend eingehalten werden, so ergeben sich zwei Sanierungsvorschläge: einfache Fassadensanierung und Sanierung der RLT- Anlage. Ein 1-facher Luftwechsel wird über eine einfache Lüftungsanlage mit Zulufttemperaturregelung und WRG sichergestellt. Die Raumheizung erfolgt über die vorhandenen Radiatoren. Die Vorwärmung der Luft kann auch über eine Doppelfassade erfolgen, so daß Unbehaglichkeit aus Witterungseinflüssen (auch Wind und Regen) auch bei einem Verzicht auf die RLT-Anlage ausgeschlossen werden kann. Wärmebrücken, Innendämmung der Stahlbetonpfeiler: In Abschnitt 4.3.2.2 der E DIN 4108-3 [7] ist bei nicht saugfähigen Baustoffen und einer Innendämmung mit R ≤ 1,0 m²K/W ein rechnerischer Tauwassernachweis nicht erforderlich wenn der innere sdWert ≥ 1,0 m beträgt. Beide Voraussetzungen erfüllt eine Gipsverbundplatte mit einer 50mm starken PS 15-Dämmung WLG 040 (R = 1,25 m²K/W, sd = 1,0 m). Damit handelt es sich um eine grundsätzlich normgerechte Konstruktion auch ohne Dampfbremse. Die anrechenbare Bauteilstärke beträgt an der schwächsten Stelle jedoch nur ca. 10 cm, so daß durch Schlagregenbeanspruchung schnell erhebliche lokale Feuchtebelastungen im Bauteil auftreten könnten. Dies verhindert die wasserabweisende Oberfläche des unbehandelten Leichtbeton-Fertigteilstützenpaares mit einer Rohdichte von ca. 0,5 1800 kg/m³. Messungen ergaben einen Wasseraufnahmekoeffizienten von 0,3 kg/m²h . Es handelt sich also um gefügedichten Leichtbeton nach DIN 4219-1/2 [8], einen Baustoff, der der Schlagregenbeanspruchungsgruppe III entspricht. TU Braunschweig – Institut für Gebäude- und Solartechnik Prof. Dr.-Ing. M. N. Fisch Tel. 0531 / 391–3555; Fax 391-8125 Projekt 01: Komfort- und Energiegerechte Sanierung Abschlußbericht August 2000 Seite 16 Abbildung 7-3 zeigt im Anschluß der neuen Wärmedämmung an das Fassadenprofil eine Temperatur von ϑOi,Pfosten/WD = +3°C, die um 1K unter der vergleichbaren Temperatur des Bestandes liegt. Bei einer relativen Luftfeuchte in der Heizperiode von 30% liegt die Taupunkttemperatur bei 2°C. An Tagen mit extremen Witterungsverhälnissen kann es daher zu Tauwasserausfall kommen. Wichtiger jedoch: Zur Verhinderung von Dampfkonvektion muß eine sorgfältig dicht ausgeführte Anschlußfuge ausgebildet werden. Ein Verfugen mit Silikon ist nicht ausreichend. Hier zeigte sich schon im Verlauf der ersten Heizperiode ein Abriß an der Gipskartonkante. Zuverlässig kann dieser Anschluß durch das Einlegen eines Kompribands oder mit einem Kunststoff-Fugenprofil gelöst werden. Die neu eingesetzten Glasscheiben bringen eine deutliche Verbesserung der Oberflächentemperatur auf den Scheiben von ϑOi,Scheibe,alt = -3 bis +6°C zu ϑOi,Scheibe,neu = -3 bis +16°C. Lediglich in dem Bereich der Glashalteleisten bleibt die Temperatur konstant niedrig, da die alte Pfosten-Riegel–Konstruktion die Wärme weiterhin unvermindert nach außen abgibt. Hier war und ist den Berechnungen zufolge mit häufigerem Tauwasseranfall zu rechnen. Da jedoch im Bestand kein Tauwasseranfall auftrat, wurde die Umglasung durchgeführt und meßtechnisch begleitet. (s. Anhang Fassadensanierung) + 3°C - 3°C - 5°C + 16°C - 9°C Abb. 7-3 : Oberflächentemperaturen Stütze/Fassadenprofil (vgl. Abb. 5-5) Bei einem Hüllflächenanteil von 10% kann der Transmissionswärmeverlust der Stahlbetonpfeiler durch die Innendämmung um 80% bezogen auf das Bauteil bzw. 8% in Bezug auf die Hüllfläche verringert werden. Bezogen auf das lokale thermische Unbehagen (bei leichter, vorwiegend sitzender Tätigkeit im Winter [9]) ergibt sich für die Stützenoberfäche im Bestand eine gleichmäßig über die Stütze verteilte Temperaturspreizung von 4 bis 18°C. Die Spreizung der sanierten Stütze erhöht sich zwar auf 3 bis 20°C, die raumseitige Oberflächentemperatur liegt jedoch – vom linienförmigen Bauteilanschluß abgesehen – gleichmäßig zwischen 18 und 20°C. Ähnliches trifft auf den Vergleich der Verglasungen zu: Spreizung im Bestand –3 bis 4°C, im sanierten Zustand bei verbesserter Gleichmäßigkeit –3 bis 16°C. Die Behaglichkeit bezüglich der horizontalen Strahlungstemperaturasymetrie kann mit der Sanierung überhaupt erst hergestellt werden. Durch die Sanierungsmaßnahmen verändern sich die Oberflächentemperaturen der Aluminiumprofile: sie verringern sich im Anschlußbereich an die Innendämmung um 3K, erhöhen sich durch das Umglasen im allgemeinen jedoch um 1K. Im Anhang finden sich die Temperaturverteilungen in den Profilschnitten für den Bestand, die sanierte (umgeglaste) Fassade und zum Vergleich einer neuen Aluminiumfassade. TU Braunschweig – Institut für Gebäude- und Solartechnik Prof. Dr.-Ing. M. N. Fisch Tel. 0531 / 391–3555; Fax 391-8125 Projekt 01: Komfort- und Energiegerechte Sanierung Abschlußbericht August 2000 Seite 17 Untersuchung einer wärmedämmenden Flüssigkeitskeramik-Beschichtung An einem Stützenpaar kam eine diffusionsoffene Flüssigkeitskeramik-Beschichtung zum Einsatz. Basis bildet eine Dispersion spezieller Acrylharze, in denen vakuumisierte Keramikmikrokörper eine hohe Wärmedämmung bewirken, da durch Vakuum kein Wärmeleitung stattfindet und Keramik ein schlechter Wärmeleiter ist. Laut Hersteller ist die dämmende Wirkung des Anstrichs mit einer 6 cm starken Hartschaumbeschichtung zu vergleichen. Um die Auswirkung des Anstrichs auf den Wärmedurchgang in den Stützen zu bestimmen, wurden die Temperaturverläufe durch die beiden Stützen rechnerisch sowie auf der Basis von Meßwerten miteinander verglichen. Die Wärmedämmung der Außenwand wurde durch den Schutzanstrich jedoch nicht erheblich verbessert. Der Wärmestrom durch die behandelte Stütze ist dem der unbehandelten vergleichbar und erreicht nicht annähernd die Herstellerangaben. Die geringfügige Verbesserung der Wärmedämmung ist vergleichbar mit der eines gewöhnlichen Farbanstrichs. 7.2 Doppelfassade Aufgrund der in der Bestandsaufnahme beschriebenen Mängel stellt sich die Sanierung des Gebäudes mittels einer Doppelfassade auf den Süd-, Südwest- und Westseiten als eine sinnvolle Alternative dar : Verringerung der Transmissionswärmeverluste im Winter : Auch die durch Umglasen sanierte Primärfassade kann ein Ufassade von 1,6 W/m²K nicht unterschreiten. Überschlägige Berechnungen in Anlehnung an [10] ergeben in der Sanierung ein Optimierungspotential von mehr als 20% bezüglich der Transmissionswärmeverluste durch eine Doppelfassade. Da der Flächenanteil der Doppelfassade im Projekt 52% der Gesamtfassade beträgt, kann der mittlere UWert der Fassade (Fenster/Paneel/Stützen) Ufassade auf 1,4 W/m²K reduziert werden. Dies entspricht einem Einsparpotential von 11% gegenüber der einfachen Sanierung. Natürliche Belüftung durch Zuluftvorwärmung im Winter : Wie unter 7.1 beschrieben, können die außenliegenden Büros über weite Teile der Betriebszeit ohne Komforteinschränkungen natürlich belüftet werden. Die sich einstellende Übertemperatur im Fassadenzwischenraum ist wesentlich abhängig von Lage und Größe der Öffnungen, ihrer Orientierung und der Gesamtwetterlage, insbesondere der solaren Einstrahlung und Wind. Unter der Annahme einer Öffnungsgröße von ca. 3% der Ansichtsfläche handelt es sich um einen weitgehend geschlossenen Fassadenzwischenraum. An bedeckten und windigen Tagen beträgt die Übertemperatur 1K, an sonnigen Wintertagen 5-10K. Wird die Zulufttemperatur nur um durchschnittlich 1,5K angehoben, bedeutet dies eine Reduzierung der Lüftungswärmeverluste bei natürlicher Lüftung um mindestens 10% (nach [11] ϑa = 3,3°C in der Heizperiode Oktober-März). Die Beeinträchtigung der Komfortfunktionen duch Wetterereignisse wie in 7.1 beschrieben kommt bei einer Doppelfassade nicht zum Tragen. Erhöhung des Schallschutzes entlang der vierspurigen Mühlenpfordtstraße : Die Einordnung der bestehenden Fassade bezüglich des Schallschutzes ergibt bei einer Gesamtglasdicke und einem Scheibenzwischenraum von je 12mm, 2 wirksamen Anschlägen und einer Falzdichtung ein bewertetes Schalldämmaß Rw von 32dB [12]. Aufgrund des ungleichmäßigen Schließdrucks im Falzbereich (Undichtigkeiten), und den nicht ausreichend abgedichteten Bauteilanschlußfugen ist das bewertete Schalldämmaß jedoch auf ca. 28dB abzumindern. 35% der Fassade bestehen im Brüstungs- und Sturzbereich aus <12cm Stahlbeton entsprechend R’w,r=50dB. Das resultierende Schalldämmaß der Fassade beträgt somit R’w, res 30dB und erfüllt die Anforderungen bis zu einem maßgeblichen Außenlärmpegel von 65dB(A). Da das Gebäude an seinen Südwest- und Westseiten an einer 4spurigen Hauptverkehrsstraße mit Straßenbahnverkehr liegt, ist der maßgeblichen Außenlärmpegel in dem Lärmpegelbereich IV (66-70dB) anzunehmen. Hier beginnt der bevorzugte Einsatzbereich doppelschaliger Fassaden bezüglich des Schallschutzes. Dieser angenommene Außenlärmpegel erfordert eine Verbesserung des Schalldämmmaßes R’w, res auf 35dB, bezogen auf die Verglasung um 5dB von 28 auf 33dB. Die Verbesserung des Schallschutzes gegen Außenlärm ist wesentlich abhängig von der Größe und Anordnung der Öffnungen, sowie dem Abstand der Doppelfassade von der Primärfassade (diffuses Schallfeld). Unter Berücksichtigung der auch in diesem Bereich nur mäßigen Primärfassade sind Verbesserungen von 5-8dB (Annahme 10% Öffnungsfläche) erreichbar, die Anforderungen nach DIN 4109 somit erfüllbar. Darüberhinaus erlaubt die Doppelfassade in dem vorgenannten Außenlärmpegelbereich eine Fensterlüftung, die bei diesen Pegel gem. Arbeitstättenrichtlinie sonst nicht möglich wäre. Die Schallübertragung von Raum zu Raum über einen offenen Fassadenkorridor oder eine Mehrge- TU Braunschweig – Institut für Gebäude- und Solartechnik Prof. Dr.-Ing. M. N. Fisch Tel. 0531 / 391–3555; Fax 391-8125 Projekt 01: Komfort- und Energiegerechte Sanierung Abschlußbericht August 2000 Seite 18 schoßfassade wird in der Regel nur dann zum Problem, wenn zu wenig Außenlärm (60-65dB(A)) einwirkt oder die Abschirmwirkung der äußeren Hülle überdimensioniert ist, da der aus anderen Räumen übertragene Schall zu wesentlichen Teilen überdeckt wird. Die vorgesehene Doppelfassade kann den erforderlichen Schallschutz sicherstellen und eine natürliche Fensterlüftung ermöglichen; weitere Untersuchen z.B. anhand einer Musterfassade sind empfehlenswert. Sicherstellung des Schlagregenschutzes, Verringerung der Geräuschentwicklung : Wie schon beschrieben, ist eine Sicherstellung des Schlagregenschutzes im Rahmen der Sanierung der Primärfassade nur mit konstruktiven Ersatzmaßnahmen möglich : die Kippflügel müssen gegen neue Fensterflügelelemente ausgetauscht werden, die Fugen der Aluminium-Tragprofile gegen die Leichtbetonstützen nachträglich äußere Deckleisten erhalten. Kritisch bleiben die stumpfen Stöße der horizontalen Riegel an die außenliegenden tragenden Pfosten. Diese Anschlüsse wurden dauerelastisch versiegelt und müßten erneuert werden. Die Ableitung eingedrungenen Regenwassers in den Riegeln ist nicht vorgesehen. Eine solche Maßnahmenkombination stellt einen wesentlich verbesserten Schlagregenschutz dar. Die weiterhin notwendigen äußeren Versiegelungen bestimmen dabei das Sanierungsintervall. Da die Doppelfassade in Zusammenhang mit einem Querlüftungskonzept realisiert werden soll, d. h. zum Ausgleich der Druckdifferenzen genutzt wird, werden die luvseitigen Öffnungen nach innen durchströmt und an der Fassade ablaufendes Wasser kann mitgerissen werden. Eine Optimierung der Öffnungsgeometrie ist auch für diesen Fall erforderlich, um das Eindringen größerer Wassermengen mit der Folge starker Verschmutzungen wirksam zu verhindern. Da das Wasser jedoch im wesentlichen an der Außenfassade abläuft, kann der Schlagregenschutz sichergestellt werden. Ein weiteres Bestandsproblem ist die hohe Geräuschentwicklung bei Wind. Da Doppelfassaden den dynamische Druck durch Böigkeit abbauen und auf den statischen Druckanteil durch großräumige Windströmung reduzieren, ist mit einer deutlichen Reduzierung des Geräuschpegels zu rechnen. Einen detaillierte Bestandsaufnahme, die Staudruck und Geräuschentwicklung an den betroffenen Fassadenelementen dokumentiert, wäre die Voraussetzung für einen Sanierungsvorschlag. Öffnungsgrößen und Verglasung: Erste Simulationen auf der Grundlage des thermischen Auftriebs – Kastenfassade mit 60 cm Tiefe und 3,85m Geschoßhöhe – ergaben geometrische Öffnungsflächen von 10 – 20% der Fassadenfläche zur Optimierung der sommerlichen Überhitzung. Größere Öffnungsanteile tragen nicht nennenswert zur weiteren Reduzierung der Überhitzung in den angrenzenden Büroräumen bei. 120 Stunden vom 15. Juni bis 10. September 109 100 94 Temperatur in den SWBüros >28°C 85 79 80 76 73 70 69 69 67 67 65 Temperatur in den SWBüros >26°C 60 40 19 20 17 15 15 14 14 14 13 12 12 12 12 0 0 5 10 15 20 25 30 35 Prozentualer Anteil der Öffnungsfläche in der Vorhangfassade Abb. 7-4 : Überhitzungsdauer in Abhängigkeit vom Anteil der Öffnungsfläche in der Vorhangfassade Zur Minimierung der Kühllasten mit dem Ziel des Verzichts auf eine mechanische Kühlung wurden drei unterschiedliche Fassadenaufbauten in ihrer Wirkung auf die Überhitzungsstunden in einem Südwestbüro miteinander verglichen. Alle Varianten verfügen über einen seilgeführten Lamellenraffstore aus Aluminium im äußeren Drittel des Fassadenzwischenraums, die Gläser sind in die bestehende Aluminium-Konstruktion eingesetzt, die geometrische Öffnungsfläche beträgt 15% der Fas- TU Braunschweig – Institut für Gebäude- und Solartechnik Prof. Dr.-Ing. M. N. Fisch Tel. 0531 / 391–3555; Fax 391-8125 Projekt 01: Komfort- und Energiegerechte Sanierung Abschlußbericht August 2000 Seite 19 sadenfläche, die Belüftung des Büroraums erfolgt über einen Kippflügel mit 0,6m² lichtem Öffnungsquerschnitt. • Kombination 1: 10 mm ESG - 8/12/4 mm WSV, • Kombination 2: 10 mm ESG - 8/12/4 mm SSV, • Kombination 3: 10 mm ESG hardcoating-beschichtet - 8/12/4 mm WSV. g [-] Uv [W/m²k] ESG 10mm 5,7 0,79 ESG 10mm beschichtet 5,7 0,57 VSG 12mm 5,6 0,70 WSV 1,4 0,62 1 SSV 1,4 0,34 Tabelle 7-1 : Energetische Kennwerte der Verglasungen τ[-] 0,88 0,53 0,86 0,75 0,66 31 Glaskombination 1 29 Luftemperatur in den SW-Büros Glaskombination 2 27 Glaskombination 3 25 23 21 19 17 0 500 1000 1500 2000 2500 3000 gesamte Stunden (1 Jahr = 8736 h) Abb. 7-5 : Überhitzung bei nächtlicher Querlüftung [13] Die Glaskombination 1 weist für das Südwestbüro 9,6% Überhitzung > 26°C, entsprechend 839 Jahresüberhitzungsstunden aus. Die Überhitzung kann mit Glaskombination 2 mehr als halbiert werden – 4,0% bzw. 363 Jahresüberhitzungsstunden – mit Höchsttemperaturen um 2K unter den vergleichbaren Rauminnenteperaturen der Kombination 1. Eine weitere Reduzierung auf 2,8% (entsprechend 247 Jahresüberhitzungsstunden) erreicht Kombination 3, die jedoch mit 0,4 eine schlechte Tageslichttransmission aufweist. Unter Einbeziehung der nächtlichen Querlüftung – aus thermischem Auftrieb - erreicht die Kombination 1 2,2%, d.h. 220 Überhitzungsstunden über 26°C und damit ein besseres Ergebnis als selbst Kombination 3. Eine weitere Verbesserung bei nur sehr geringfügiger Verringerung der guten Tageslichttransmission ist duch den Einsatz von VSG möglich. Als Ergebis dieser Voruntersuchungen kann ein Doppelfassadensystem aus ESG bzw. VSG und einer einfachen Wärmeschutzverglasung in Kombination mit einer Nachtlüftung sommerliche Überhitzungen auf unter 3% reduzieren. Überhitzung : Die Jahresüberhitzung (Glaskombination 2, 15% geometrische Öffnungsfläche, Luftströmung aus Thermik ohne Windeinflüsse) der Südwest-Büroräume beträgt in Abhängigkeit der Größe der Überströmöffnungen zwischen der Innenzone und den Büros 1,5-3,0%, entsprechend 0-15% Öffnungsgröße im Verhältnis zur Innenwandfläche (0-2m²). 1 Entspricht dem bei der Sanierung verwendeten Glas TU Braunschweig – Institut für Gebäude- und Solartechnik Prof. Dr.-Ing. M. N. Fisch Tel. 0531 / 391–3555; Fax 391-8125 Projekt 01: Komfort- und Energiegerechte Sanierung Abschlußbericht August 2000 Seite 20 Die nächtliche Querlüftung kann bei einer Doppelfassade ohne die Sicherheitsfunktionen bei Wind und Regen aktiv bleiben. Die Auswertung des TRY (Test Reference Year - Klimadatensatz) ergab für Hannover 20 Stunden mit Regenereignissen zwischen 20.00 und 6.00 Uhr an Tagen mit einer maximalen Außentemperatur > 26°. Dies bedeutet eine Einschränkung der Nachtlüftung von maximal 1,5%, unter der Annahme, daß an diesen Tagen tatsächlich Überhitzungen auftreten. Noch geringer sind Einschränkungen durch Windereignisse. Auch an stärker überhitzungsrelevanten Tagen ( max. Außentemp. > 28°C) bleiben diese Klimaeinflüsse ohne nennenswerte Bedeutung. Max. Außentemp > 26°C Max. Außentemp > 28°C Regenereignis > 0,1 mm/h 20 h (1,5 %) 11 h (0,75 %) Windereignis > 12 m/s (Mittel) 1 h (< 0,1 %) 1 h (< 0,1 %) Tab. 7-2 : Einschränkung der Nachtlüftung durch Sicherheitsfunktionen Anteile bezogen auf 1470 Gesamtstunden (Zeitraum Mai-September, 20.00 – 6.00 Uhr) Gestalterische Aufwertung im städtebaulichen Kontext: eine Sanierung des bestehenden Gebäudes ist auch unter dem Gesichtspunkt der städtebaulichen Aufwertung, gerade in Zusammenhang mit dem entstehenden Anbau des Informatikzentrums an das BS4 wünschenswert. Integration von PV-Elementen im Brüstungsbereich : mit einem solaren Ertrag von 75 bzw. 55 kWh/m² auf der Südwest- bzw. Westseite ist auch die Integration von PV-Elementen in Größe der Paneelelemente ein integraler Bestandteil der Fassade und vor dem Hintergrund des “Erneuerbare-Energien-Gesetzes”, eine sinnvolle wirtschaftliche Ergänzung. Sanierung im laufenden Betrieb : Eine Alternative zur Doppelfassade gibt es vor allem deshalb nicht, weil der Ersatz der Primärfassade den vollständigen Ausbau und damit die nicht zur Disposition stehende Räumung des Gebäudes bedeuten würde. Ökobilanz : Einen Vergleich zwischen Sanierung (Variante 1), teilweiser Sanierung und neuer Primärfassade (Variante A), sowie teilweiser Sanierung und Doppelfassade (Variante 2) stellt die folgende Ökobilanzierung her. Grundlage der Bilanzierung ist der Forschungsbericht “Ganzheitliche Bilanzierung von Fenstern und Fassade" [14]. Als Bestand unberücksichtigt blieb die vorhandene Aluminium-Pfosten-Riegel Konstruktion. Es handelt sich um die ganzheitliche Bilanzierung des gesamten Produktlebenszykluses –cradle to grave – von der Rohstoffgewinnung und -aufbereitung, der Herstellung und Nutzung bis hin zum Recycling und zur Entsorgung inclusive aller Transporte. Die Nutzungsdauer der Fenster und Fassaden wurde mit 40 Jahren angesetzt. Im Ergebnis zeigt sich, daß eine neue Primärfassade Emissionen in ähnlicher Größenordnung wie die Doppelfassade aufweist. Aufgrund des höheren Sanierungaufwands (die bestehende Fassade muß auch im Bereich der Doppelfassade umgeglast werden) ergeben sich in der Summe jedoch um ca. 25% höhere Emissionen für die Sanierung mit einer Doppelfassade. 180 [kWh/m² Nutzfläche] 160 140 63 120 36 100 80 60 40 98 101 A) neue Fassade 2) Doppelfassade 78 20 0 1) saniert Anteil Sanierung Anteil neue Fassade Abb. 7-6 : Primärenergie Fassade TU Braunschweig – Institut für Gebäude- und Solartechnik Prof. Dr.-Ing. M. N. Fisch Tel. 0531 / 391–3555; Fax 391-8125 Projekt 01: Komfort- und Energiegerechte Sanierung Abschlußbericht August 2000 Seite 21 Die primärenergetische Bewertung der möglichen Heizenergieeinsparung von 15 kWh/m²a und der Reduzierung des Betriebs der Lüftungsanlage auf eine Bedarfslüftung während Seminarveranstaltungen ergibt als Differenz der Doppelfassade zur konventionellen Sanierung einen um 23 kWh/m²a höheren Primärenergiebedarf und eine um 6,1 kgCO2eq/a höhere äquivalente CO2-Emission. Die bedeutet für den Mehraufwand der Doppelfassade im gesamten Lebenszyklus eine primärenergetisch einfache Amortisation von 3,5 Jahren. 40 kg/m² Nutzfläche 35 15 30 8 25 20 15 10 18 23 23 A) neue Fassade 2) Doppelfassade 5 0 1) saniert Anteil Sanierung Anteil neue Fassade Abb. 7-7 : CO²-eq. Fassade Investitionskosten Die Investitionskosten (Bruttobaukosten KG 3+4) der beschriebenen Fassadensanierung mit einer Doppelfassade liegen mit ca. 430 DM/m² NGFEB um 150 DM über den Kosten der vergleichbaren einfachen Sanierung. In absoluten Zahlen (Bruttobaukosten): ca. 1,6 Mio DM gegenüber 2,4 Mio DM. Diese Kosten enthalten die allen Varianten gemeine einfache Sanierung der Nord- und Ostfassade in Höhe von 105 DM/m² NGFEB . Zum Vergleich: Wird die Doppelfassade in der Maßnahme durch eine neue Primärfassade ersetzt, erhöhen sich die Investitionskosten auf ca. 540 DM/m² NGFEB. In den Kosten anthalten sind alle Maßnahmen zu Erstellung der Fassade, Sonnen- und Blendschutzmaßnahmen, sowie die für die Nachtlüftung erforderliche Ausstattung (Automation). Werden jährliche Kosten für Wartung, Inspektion und Bauunterhaltung mit 1% der Investitionskosten angenommen (wenige manuell oder motorisch betriebene bewegliche Konstruktionen), entstehen für die Doppelfassade jährlich 1,40 DM/m² NGFEB Mehrkosten, für die Fassadenreinigung weitere ca. 0,30 DM/m² NGFEB.und die Mehraufwendungen der Beleuchtungsanlage durch höhere Einschaltzeiten (Annahme 200 h) von ca. 0,20 DM/m² NGFEB. Ausgeglichen werden können diese Mehrkosten durch die geringeren Energiekosten in Höhe von ca. 1,50 DM/m² NGFEB und die geringere jährliche Betriebszeit der RLT-Anlage (Annahme 1400h, 200.000,--DM Investitionskosten) und der damit einhergehenden geringeren Kosten für Wartung, Inspektion und Bauunterhaltung in Höhe von ca. 0,50 DM/m² NGFEB. In der Summe sind die Betriebs- und Bauunterhaltungskosten voraussichtlich kostenneutral und können keinen Beitrag zu den Investitionsmehrkosten leisten. Musterfassade Diese Voruntersuchen legen den Schluß nahe, daß in weiteren Optimierungsschritten die Doppelfassade im Sommer sowohl als auch im Winter ein behagliches Raumklima sicherstellen kann. Weitere Planungen, Simulationen und die Errichtung einer Musterfassade sollen Gegenstand eines Anschlußprojekts sein. 7.3 Grundrißorganisation Die funktionale und gestalterische Sanierung gewinnt durch die Umnutzung von Verkehrsflächen 50 m² Hauptnutzfläche, so daß nun 28 statt bisher 20 Arbeitsplätze zur Verfügung stehen. Dadurch ver2 2 ringert sich die Nutzfläche/Person von 22 m /Person auf 14 m /Person. Die Neugestaltung gewährleistet darüberhinaus durch verglaste Trennwände und Trennwandelemente neue, zusammenhängende Arbeitsbereiche und eine deutlich verbesserte Belichtung der Innenzone; gleichzeitig erfüllen diese Elemente die Brandschutzanforderungen nach direkten Sichtbeziehungen in alle Räume. TU Braunschweig – Institut für Gebäude- und Solartechnik Prof. Dr.-Ing. M. N. Fisch Tel. 0531 / 391–3555; Fax 391-8125 Projekt 01: Komfort- und Energiegerechte Sanierung Abschlußbericht August 2000 Seite 22 In der Innenzone werden mobile Computerarbeitsplätze mit geringerem Tageslichtbedarf angeordnet. Die offene Grundrißgestaltung (vgl. Abb. 7-8), einem Kombibüro ähnlich, ermöglicht neben der natürlichen Belichtung großer Raumtiefen auch ein einfaches Querlüftungskonzept : über die zentrale Zone stehen Öffnungsflügel auf der West-, Süd- und Nordseite in einem Raum zur Verfügung. Über Überströmöffnungen in Türen sind die thermisch hoch belasteten Büroräume auf der Südwestseite angebunden. In Verbindung mit einem Nachtlüftungskonzept über automatische Fensteröffner können so die freigelegten Speichermassen aktiviert werden; Zielsetzung war, die sommerliche Überhitzung ohne den Einsatz einer mechanischen Kühlung auf unter 5% der jährlichen Überhitzungsstunden über 26°C einzuschränken (Grenzwert nach [11] : 10%, siehe Kap. 7.6) Vorher Nachher Abb. 7-8 : Grundrißorganisation vor und nach der Sanierung 7.4 Kunstlicht Künstliche Beleuchtung Die DIN 5035 in der Fassung (11/35) [15] forderte: „Die künstliche Beleuchtung von Innenräumen muß den Forderungen der Gesundheit und Schönheit entsprechen, dabei zweckmäßig und wirtschaftlich sein“. Ein wesentliches Ziel der Sanierung, die Ausnützung der Etage in ihrer gesamten Tiefe von 25 m, läßt sich nur über die Bereitstellung von Tageslicht in der Innenzone realisieren. Diesem Zweck dienen die folgenden Einzelmaßnahmen: Erhöhung des Tageslicht-Transmissionsgrades der Verglasung von 45% auf 66 bzw. 75%, Verglasung der Bürotrennwände in Teilbereichen – auch eine Forderung des Brandschutzes – und Erhöhung der Reflexionsgrade der Oberflächen. Darüberhinaus kamen unterschiedliche Tageslichtlenksysteme zum Einsatz. Die Beleuchtungsanlage wurde vollständig erneuert und auf die neuen Nutzungen abgestimmt. Eingang und Verkehrsflächen, mobile und feste Arbeitsplätze, Vortrags- und Seminarsituationen erhielten eine auf den jeweiligen Raum und Arbeitsplatz abgestimmte Beleuchtung, die mit „Dialux“ berechnet wurde. Die Beleuchtungsanlage wurde in die LONbasierende Gebäudeautomation eingebunden, die es ermöglicht, jederzeit neue Leuchtengruppen zu definieren und zu Szenarien zusammenzufassen. So wird gewährleistet, daß auf mögliche Nutzungsänderungen in der zentralen Innenzone einfach und schnell reagiert werden kann. Dimmbare Leuchtengruppen und tageslichtabhängige Bürobeleuchtung ergänzen die nutzerspezifische Steuerbarkeit und tragen zur Verringerung der Vollaststunden bei. TU Braunschweig – Institut für Gebäude- und Solartechnik Prof. Dr.-Ing. M. N. Fisch Tel. 0531 / 391–3555; Fax 391-8125 Projekt 01: Komfort- und Energiegerechte Sanierung Abschlußbericht August 2000 Seite 23 18 15,5 16 15 15 14 12 11 11 [W/m²] 10 10 8 8,3 10 7,5 7,5 7,9 7,4 6,1 6 6 4,5 4 2 0 Büro 300 lx Innenzone 500 lx Besprechung 300 lx installierte Leistung Zielwert LEE Bibliothek 500 lx Verkehr intern 150 lx Grenzwert LEE Abb. 7-9 : Installierte Leistung nach Betriebseinheiten Die installierte Leistung konnte mit im Mittel 9,6 W/m² auf 1/3 des ursprünglichen Werts reduziert werden. Für die Betriebseinheiten bedeutet dies im Einzelnen : In der Innenzone und den internen Verkehrsbereichen werden die Grenzwerte knapp verfehlt, da zum einen teilweise auf Deckeneinbauleuchten zurückgegriffen wurde, die über einen Leuchtenwirkungsgrad von nur 55 % verfügen, zum anderen die Beleuchtung der Verkehrsflächen als indirekte Beleuchtung Wand- und Deckenflächen ausleuchtet, um die Innenzone räumlich zu definieren. Der Gesamtverbrauch (neu) beträgt ca. 17.000 kWh/a, entsprechend 2,6 kWh/m²a, was trotz deutlich erhöhter Personenbelegungsdichte nur 30% des Ausgangswerts sind und unter dem Zielwert von 3,5 kWh/m²a für Büronutzung mit überwiegender Tageslichtnutzung liegt. Die in Teilbereichen hohe installierte Leistung wirkt sich auf den Verbrauch kaum aus, da die Beleuchtung der Innenzone und der Verkehrsflächen mehrstufig schaltbar dem tatsächlichen Bedarf anzupassen sind. Ein weiterer Schwerpunkt der Untersuchungen lag im Vergleich der mit unterschiedlichen Beleuchtungsanlagen ausgestatteten Versuchsräume. A Einkomponenten indirekt / direkt Deckenbeleuchtung B Zweikomponenten indirekt / direkt Deckenbeleuchtung zusätzlich Arbeitsplatzleuchten C1 Zweikomponenten indirekt Stehleuchte zusätzlich Arbeitsplatzleuchten C2 C3 Beleuchtungssysteme alle Anlagen werden mit EVGs betrieben Büro 12 Trilux 5232 RPH 36 indirekt / direkt bestehend aus zwei Pendelleuchten je 2x36W indirektanteil ca. 65% Büro 11 Trilux 5231 RPH 36 indirekt / direkt bestehend aus zwei Pendelleuchten je 1x36W indirektanteil ca. 65% + 2 Ikea Arbeitsplatzleuchten je 1x11W Büro 10 Waldmann Chorus LCT 455 2-stufige indirekt Tischleuchte 2x 55W TC-L bei halber Leistung Indirektanteil 90% Waldmann Chorus LCT 455 2-stufige indirekt Tischleuchte 4x 55W TC-L bei voller Leistung Waldmann Legato LLS 455 P tageslicht abhängig geregelt + 2 Waldmann Cirrus OTE 118 Arbeitsplatzleuchten je 2x18W Tab. 7-3 : Kunstlichtsysteme Anlage A wurde installiert, da es sich um ein sehr einfaches und zugleich kostengünstiges System handelt, welches zudem tageslichtabhängig geregelt und über einen Präsenzmelder ausgeschaltet wird; System B ist eine einfache Version einer 2K-Beleuchtung, mit geringstmöglicher installierter Leistung; Sytem C eine optimierte 2K- Beleuchtung, die aufgrund der freistehenden Leuchte unterschiedlichen Nutzungsanforderungen gerecht werden kann (wie A tageslichtabhängig geregelt). TU Braunschweig – Institut für Gebäude- und Solartechnik Prof. Dr.-Ing. M. N. Fisch Tel. 0531 / 391–3555; Fax 391-8125 Projekt 01: Komfort- und Energiegerechte Sanierung Abschlußbericht August 2000 Seite 24 Die Auswertung erfolge gem. der im folgenden beschriebenen Nutzwertanalyse, die sich orientiert an der von Dieter Lorenz 1993 an der FH Gießen aufgestellten Analyse [16]. Das Zielkriterium der Flexibilität wurde nicht in die Gesamtbeurteilung aufgenommen, da es für die untersuchten Räume unbedeutend und schwierig zu bewerten ist. Jedoch ist darauf hinzuweisen, daß sich die Beleuchtungsanlage C unter diesem Aspekt als wirklich flexibel erweisen würde. Die Messungen wurden 6 Monate nach Inbetriebnahme der Etage durchgeführt und mit einem Verschmuzungsfaktor von 0,85 beaufschlagt. Die Kriterien der Nutzwertanalyse sind ausfühlich im Anhang Kunstlicht aufgeführt. Die wesentlichen Kriterien: Funktionserfüllung 35%, subjektive Kriterien 40%, wirtschaftliche Kriterien 25%, Flexibilität 0%. Vergleichend bewertet werden nur die Systeme A,B, und C1, da es sich um vergleichbare Auslegungen handelt. 10,0 10,0 8,0 6 6,0 4,0 2,0 4,2 3,3 1,1 3,0 1,5 1,1 1,7 2,1 2,5 3,0 2,8 1,5 1,5 0,0 Beleuchtung A Beleuchtung B Beleuchtung C1 Grenzwerte allg. Beleuchtung Gleichmäßigkeit im Arbeitsbereich Emin/Emittel <1:1.5 allg. Beleuchtung Leuchtdichte Arbeitsbereich/nahes Umfeld Lmin/Lmax <1:3 allg. Beleuchtung Leuchtdichte Arbeitsbersich /fernes Umfeld Lmin/Lmax <1:10 Einzelplatzbeleuchtung Gleichmäßigkeit im Arbeitsbereich Emin/Emittel <1:6 Abb. 7-10: Gleichmäßigkeit / Leuchtdichteverteilung 1000 812 676 [lux] 750 500 556 485 501 291 500 750 500 250 750 1000 229 250 0 Beleuchtung A Beleuchtung B Emittel Allgemein Beleuchtung C1 Emittel Einzelplatz Abb. 7-11 : Beleuchtungsstärke TU Braunschweig – Institut für Gebäude- und Solartechnik Prof. Dr.-Ing. M. N. Fisch Tel. 0531 / 391–3555; Fax 391-8125 Grenzwerte Emittel Gesamt Projekt 01: Komfort- und Energiegerechte Sanierung Abschlußbericht August 2000 Seite 25 Funktionserfüllung: Fast alle Kriterien der Funktionserfüllung werden von den untersuchten Systemen eingehalten, wobei als Untergrenze der mittleren Beleuchtungsstärke nur für das System A die 300 lx der DIN 5035 für tageslichtorientierte Arbeitsplätze angesetzt werden, für die 2-Komponenten-Systeme werden die Empfehlungen nach Gall [17] herangezogen. Die Anlage C1 verfehlt den unteren Grenzwert von 250 lx mit 229 lx nur knapp. Ebenso werden die Anforderungen an die Gleichmäßigkeiten, Leuchtdichteverteilungen und der Blendung von beinahe allen Systemen erreicht. Die Deckenleuchtdichten der Anlage C sind mit 400 cd/m² erwartungsgemäß hoch und an der Grenze des Richtwerts. Auffällig sind auch die besonders geringen Gleichmäßigkeits- und Leuchtdichteunterschiede der Anlage B. Ob diese Werte auch zu einen höheren Akzeptanz führen, wird die Auswertung der subjektiven Kriterien ergeben. Die Auswertung für die Einzelplatzbeleuchtung ergibt sowohl für die Beleuchtungsstärke als auch für die Gleichmäßigkeit zufriedenstellende Ergebnisse. Bei der Beurteilung der Gesamtbeleuchtung fällt auf, daß das System C1 trotz hoher installierter Leistung den Richtwert der Gesamtbeleuchtungsstärke (676 / 750 lx) verfehlt. Wirtschaftliche Kriterien: Die Zielwerte der installierten Leistung werden von den Systemen A und B noch unterschritten, Anlage C dagegen liegt nur kanpp unter dem Grenzwert. Diese deutlichen Unterschiede spiegeln sich im Verbrauch, der für alle Anlagen unterhalb des Grenzwerts liegt, jedoch nur bedingt wieder. Der Grund für den geringen Verbrauch liegt zum einen in dem sehr hohen Tageslichtanteil der Büros (Fensterflächenanteil = 50% der Grundfläche), zum anderen an dem hohen Tageslichttransmisssionsgrad der Verglasung von 66 %, sowie im Fall A der tageslichtabhängigen Regelung. Die Investitionskosten der Anlagen A und B liegen mit 42-45 DM/m² an der unteren Grenze einer Austattung mit BAP-Leuchten. Die Anlage C kann nicht über ein Investitionskostenargument begründet werden. Subjektive Kriterien: Insgesamt fallen die Ergebnisse der Mitarbeiterbefragung für die drei Beleuchtungsanlagen günstig aus. Vor allem die gute Lesbarkeit der Bildschirm und Papierinformationen aller Anlagen spiegelt die in der meßtechnischen Untersuchung ermittelten Ergebnisse wieder. Auffällig ist, daß die beiden Zweikomponentenbeleuchtungen B und C eine bessere Position in der Gesamtbewertung einnehmen als das Einkomponentensystem A. Dies wird vor allem deutlich im Diagramm über Annehmlichkeit und Störempfinden (s. Anhang Kunstlicht), das die Gesamtwirkung der Beleuchtung auf die Benutzer wiederspiegelt. Das Indirekt/Direkt-System C liegt in der Bewertung aller Kriterien an der ersten Stelle. Auch die zu befürchtende Blendung, die aus der hohen Deckenleuchtdichte resultieren könnte, tritt in der Beurteilung über „Störung durch angestrahlte helle Flächen im Blickfeld“ kaum auf. Keine Auswirkungen hat dagegen die sehr hohe Gleichmäßigkeit der Anlage B, die im Resultat ähnlich gut bewertet wird wie Anlage C. Sind also bei den Fragen zur Wirkung der künstlichen Beleuchtung signifikante Unterschiede zu verzeichnen, so liegen die Systeme bei den lichttechnischen Eigenschaften und der Bewertung von Form und Funktion gleichauf. Das System C2 – zweistufige Tischleuchte bei voller Leistung - wird nur bei besonderen Anforderungen an die Sehaufgabe zugeschaltet, so daß die Kriterien der Funktionserfüllung, die sich auf eine Allgemeinbeleuchtung beziehen, auf diesen Fall nicht anwendbar sind. Das System C3 schließlich bindet zusätzlich eine tageslichtabhängige Regelung und einen Präsenzmelder ein. Mit diesem System ist ein höchstmaß an Flexibiltät, individueller Regelbarkeit und Energieeinsparung bei einfachster Bedienung realisiert. Beurteilung : Auffällig ist, daß die meßbaren technische Werte der Funktionserfüllung keinerlei Hinweis auf die Akzeptanz durch den Nutzer erlauben. Vielmehr ist es so, daß die technischen Kriterien – um einen Zielwert herum - viel weiter gefaßt sein sollten (s. auch Empfehlungen in [18]), da die Nutzerakzeptanz weit höhere Grenzwerte zuläßt. Vom Nutzer bevorzugt werden Systeme, die eine individuelle Eingriffsmöglichkeit zulassen. Bei der Planung einer Beleuchtung ist die Entscheidung über das Beleuchtungssystem - in Verbindung mit wirtschaftlichen und funktionalen Kriterien (z.B. Flexibilität) – die Grundlage für die Akzeptanz des installierten Systems. Die Untersuchung hat gezeigt, daß alle Anlagen die Kriterien der Funktionserfüllung sicherstellen können. 2-K Systeme sollten bevorzugt zum Einsatz kommen, wobei die Anlage C (90% Indirektanteil) am besten bewertet wurde. Die Anlage B weist nach, daß auch mit einfachen Mitteln sehr gute Beleuchtungen herstellbar sind, jedoch aufgrund der knappen Auslegung empfindlich auf räumliche Veränderungen reagiert. TU Braunschweig – Institut für Gebäude- und Solartechnik Prof. Dr.-Ing. M. N. Fisch Tel. 0531 / 391–3555; Fax 391-8125 Projekt 01: Komfort- und Energiegerechte Sanierung Abschlußbericht August 2000 Seite 26 7.5 Tageslicht Tageslichtnutzung Ein wesentliches Ziel der Sanierung bestand in einer verbesserten Tageslichtnutzung sowohl für die Büroräume als auch die Innenzone und der damit verbundenen Energieeinsparung und Komfortsteigerung. Abb. 7-12 : Blendschutz am Bildschirmarbeitsplatz (vgl. Abb 7-18) Die Hauptmaßnahmen bestanden dabei wie beschrieben aus dem Austausch der Verglasung, dem Einsatz verschiedener Blend- und Sonnenschutzbehänge, dem Einbau von gläsernen Trennwänden zwischen Südwest-Büros und Innenzone sowie einem Farb- und Oberflächenkonzept zur Verbesserung der Tageslichtsituation. Im Verlauf des Monitorings wurden diese Maßnahmen und ihr Zusammenwirken untersucht und anhand von energetischen bzw. komfortbezogenen Kriterien beurteilt. Austausch der Verglasung Die bestehende Verglasung, ein 1975 marktübliches und noch heute erhältliches Sonnenschutzglas (Schott Calorex IR 0), erfüllte nicht mehr die hohen Anforderungen, die in heutigen Verwaltungsbauten zum Standard geworden sind. Hinzu kam eine deutliche, bei den einzelnen Scheiben unterschiedlich stark ausgeprägte altersbedingte Verringerung der Lichttransmission bis hin zur Erblindung der Scheibe. Das neue Glas sollte eine möglichst hohe Lichttransmission im sichtbaren Bereich (τvis ) bei gleichzeitig geringem Gesamtenergiedurchlaßgrad (g) besitzen. Dabei war ein verspiegeltes Glas aus gestalterischen Gründen nicht erwünscht. Das gewählte Glas (Ipasol natura 66/34) ist farbneutral, besitzt einen Reflektionsgrad von 11% nach außen (im Vergleich zu > 30% bei silbernen Beschichtungen) und sehr gute energetische Kennwerte. Produktname Scheibenaufbau 8/12/4 8/12/4 8/12/4 uv-Wert (DIN 52619) 2,8 1,3 1,3 gv-Wert τ vis Schott Calorex IR 0 0,41 Ipasol natura 66/34 0,34 Übliches 0,58 Wärmeschutzglas Tab. 7-4 : Maßgebliche Eigenschaften der Verglasungen 0,45 0,66 0,75 Reflektion nach außen > 30% 11% Lebenserwartung 15 Jahre 30 Jahre 30 Jahre 2 Vergleich innenliegender Sonnen- und Blendschutzsysteme Im Rahmen der Sanierung wurden in drei Südwest-Büros (Referenzräume) verschiedene Blend- und Sonnenschutzbehänge installiert, die hohe Komfortbedingungen an Bildschirmarbeitsplätzen ermöglichen. Installiert und verglichen wurden : 2 Mit Randverbund-Aluwinkel TU Braunschweig – Institut für Gebäude- und Solartechnik Prof. Dr.-Ing. M. N. Fisch Tel. 0531 / 391–3555; Fax 391-8125 Projekt 01: Komfort- und Energiegerechte Sanierung Abschlußbericht • System A (Raum 10): ein Tageslichtsystem der Firma Hüppe Form, bestehend aus Sonnenschutzprismen sowie einseitig verspiegelten, teilperforierten Lichtlenk- und Blendschutzlamellen; Breite 80 mm, Abstand 35 mm. Die Bedienung erfolgt manuell über Taster an jedem Arbeitsplatz. Behangstellung und Lamellenwinkel sind individuell steuerbar; der minimale Winkel (d.h. max. geöffnete Stellung) beträgt 20°. Die Neigung des außenliegenden Prismenbehanges wird automatisch rechtwinklig zum einfallenden Sonnenlicht gestellt. Voraussetzung dafür ist die werksseitige Programmierung der Automatik in Abhängigkeit von der Fassadenausrichtung. Abb. 7-13 • System B (Raum 12): Raffstoren der Firma Warema Renkhoff, deren Lamellen (Oberseite verspiegelt/ Unterseite steingrau, Breite 80 mm, Abstand 45 mm) in zwei getrennte Bereiche unterteilt sind : der Neigungswinkel des oberen Drittels ist für Tageslichtlenkung optimiert, der des unteren Teils hingegen für Blendschutz. Diese Behänge sind mit einer automatischen, einstrahlungsabhängigen Steuerung versehen (siehe Kapitel 8.6), welche manuell übersteuert werden kann; der Schwellwert der Regelung liegt bei einer Einstrahlung von 20.000 lx auf der Südwestfassade. Die Bedienmöglichkeiten umfassen Taster an jedem Arbeitsplatz sowie die zentrale Steuerung der Behänge über das Bedienpanel der Einzelraumregelung. Abb. 7-14 TU Braunschweig – Institut für Gebäude- und Solartechnik Prof. Dr.-Ing. M. N. Fisch Tel. 0531 / 391–3555; Fax 391-8125 August 2000 Seite 27 Projekt 01: Komfort- und Energiegerechte Sanierung Abschlußbericht August 2000 Seite 28 • System C (Raum 11): Sonnenschutzrollos der Firma Ergo Concept. Diese mit einer Rasterprägung versehenen Kunststoffolien werden manuell betrieben und in seitlichen Schienen auf dem Rahmen geführt. Sie sind von außen silbern reflektierend, auf der Innenseite hingegen anthrazitfarben. Um den Blendschutz an fensternahen Arbeitsplätzen zu ermöglichen ohne den ge- Abb. 7-15 samten Raum zu verdunkeln, werden die Rollos dabei von unten nach oben geführt. Messungen und Simulationen Die Referenzräume 10 und 12 sind nahezu identisch hinsichtlich ihrer Ausrichtung, Größe, Fensterflächen, wärmeübertragenden Innen- und Außenflächen sowie der Einrichtung. Raum 11 wurde als Pufferraum ausschließlich zur Tages- und Kunstlichtauswertung benützt. Für den Vergleichszeitraum können identische Belegung und interne Wärmelasten (jeweils zwei Personen und PCs) angenommen werden. In den Räumen war die automatische Nachtlüftung aktiv. Um die Qualität der Arbeitsplätze in Bezug auf natürliche Beleuchtung beurteilen und darüberhinaus auch die eingesetzten Sonnen- und Blendschutzsysteme vergleichen zu können, wurden Messungen der Beleuchtungsstärke und der Leuchtdichten in den Südwestbüros durchgeführt. Diese Messungen fanden statt am 05.04.00 um 15.00 bei klarem, sonnigen Himmel. Der Einfallswinkel der Sonne zur Fassade betrug dabei 10° (Azimuthwinkel) bzw. 37° (Höhenwinkel); somit lag eine der typische Lichtsituationen vor, bei der Sonnen- und Blendschutzqualitäten der Behänge bedeutend für den Komfort am Arbeitsplatz sind. Die Tageslichtquotienten und die Tageslichtautonomie wurden bestimmt mit Hilfe von SIVIEW, eines Programmes zur Tages- und Kunstlichtsimulation. Das Programm ermöglicht die Berechnung und Darstellung aller wesentlichen Kenngrößen wie Beleuchtungsstärke und Leuchtdichte auf der Basis eines detaillierten CAD-Modelles. Die Bewertung der Ergebnisse erfolgt analog zu den Kriterien zur Beurteilung von Tageslichtqualität am Arbeitsplatz von F.Sick [19], welche in Anlehnung an die Kriterien des DIANE Projektes [20] und der DIN 5034 [21] entstanden. TU Braunschweig – Institut für Gebäude- und Solartechnik Prof. Dr.-Ing. M. N. Fisch Tel. 0531 / 391–3555; Fax 391-8125 Projekt 01: Komfort- und Energiegerechte Sanierung Abschlußbericht August 2000 Seite 29 10 9,00 9 8,00 8 7,00 7 6,00 6 5,00 5 4,00 4 3,00 3 Büro 2 Innenzone 2,00 Meßpunkt-Linie 1 0 -1,00 0,00 1,00 2,00 Raumhöhe [m] Tageslichtquotient Dp [%] Tageslichtquotient und Gleichmäßigkeit der Beleuchtung Die Berechnung des Tageslichtquotienten (bedeckter Himmel, bezogen auf horizontale Nutzebene in 0,85 m Höhe) zeigt eine sehr gute Tageslichtausbeute im Arbeitsplatzbereich (bei ca. 1,50 m Raumtiefe). Die geringen Anforderungen der DIN 5034 (0,9 % in halber Raumtiefe) werden dabei mehr als erfüllt, die Anforderungen nach Sick und DIANE fordern jedoch einen Tageslichtquotienten von min. 3% in 4 m Raumtiefe, um eine sehr gute Tageslichtqualität für den Raum zu erreichen. Ohne die transparente Trennwand zur Innenzone, welche das einfallende Licht nicht reflektiert (der leichte Anstieg der Kurve im Bereich der Innenzone resultiert aus dem Licht, welches durch andere transparenten Trennwände einfällt), besäße das Büro somit ein nahezu optimales Tageslichtprofil für seitlich belichtete Räume. 1,00 3,00 4,00 5,00 6,00 7,00 8,00 9,00 10,00 0,00 11,00 Raumtiefe [m] Abb. 7-16 : Verlauf des Tageslichtquotienten in einem SW-Büro (Simulation) 3 Ähnliches gilt für die Gleichmäßigkeit (G) der Beleuchtung in den untersuchten Räumen . G beträgt im Falle der Simulation (bedeckter Himmel) 4,1. Die DIANE – Kriterien von G < 1,5 bzw. G < 2,5 (für „sehr gut“ bzw. „gut“) sind in einseitig fensterbelichteten Räumen nicht erreichbar. Typische Werte (nach Sick) liegen hier zwischen 4<G<6. Die Tageslichtsituation ist hauptsächlich bedingt durch die große Sturzhöhe von 3,10 m und einen Fensterflächenanteil von 50% in allen SW-Büros. Tageslichtautonomie Die Tageslichtautonomie (Tageslichtsignatur) beschreibt den Anteil der Nutzungszeit, an dem in einem Raum kein Kunstllicht zugeschaltet werden muß. Durch die neue Verglasung und die resultierende Verbesserung des τ-Wertes von 0,45 auf 0,66 konnte eine deutliche Verbesserung der Tageslichtautonomie des untersuchten Raumes (SW-Büro) erzielt werden : die rechnerisch notwendigen Vollaststunden der Beleuchtung am Arbeitsplatz wurden 4 dadurch reduziert von 993 h/a (entsprechend einer Tageslichtautonomie von 64%) auf 654 h/a (76%) . Nach den DIANE-Kriterien gelten dabei Werte von 75% und mehr als sehr gut. Die Zielvorgaben nach LEE [18] empfehlen nicht mehr als 1000 (maximal) bzw. 500 (anzustrebend) Vollaststunden/Jahr (bei einer Mindestbeleuchtungsstärke von 300 lx und überwiegender Tageslichtnutzung). 3 Diese ergibt sich nach Sick aus dem durchschnittlichen Tageslichtquotienten Dav im Raum im Verhältnis zum minimalen Tageslichtquotienten Dmin im Raum Dabei trifft dieser Wert, der die Reflektionsgrade der Oberflächen nicht berücksichtigt, noch nicht unbedingt eine Aussage über die tatsächliche Helligkeitsverteilung im Raum. 4 jeweils bezogen auf eine Sollbeleuchtungsstärke von 300 lux und eine Jahresnutzungsdauer von 2750 h. TU Braunschweig – Institut für Gebäude- und Solartechnik Prof. Dr.-Ing. M. N. Fisch Tel. 0531 / 391–3555; Fax 391-8125 Projekt 01: Komfort- und Energiegerechte Sanierung Abschlußbericht August 2000 Seite 30 Ausgangssituation vor Sanierung • Verglasung Bestand (τ = 0,45) • Raumoberflächen Bestand Die geringen Reflektionsgrade der wesentlichen Raumoberflächen (Boden, Decke, Wände, aber auch der Fensterbank) sowie die mangelhafte Lichttransmission der Verglasung bewirken einen relativ dunklen Raumeindruck mit ausgeprägten Schattenzonen. Variante Sanierung ohne Umglasung • Verglasung Bestand (τ = 0,45) • Neue Raumoberflächen Die hellen Oberflächen der Sanierungsvarianten bewirken bereits eine gute Ausleuchtung des Raumes und gleichzeitig eine hohe Gleichmäßigkeit der Beleuchtung auch bei bedecktem Himmel. Variante Sanierung mit Umglasung • Verglasung Ipasol 66/34 (τ = 0,66) • Neue Raumoberflächen Aus den verbesserten Transmissionseigenschaften der neuen Verglasung (in Kombination mit einem beschriebenen Blend- und Sonnenschutzsystem) resultieren eine entsprechend verbesserte Raum- und Arbeitsplatzausleuchtung und ein deutliches Einsparpotential bei der künstlichen Beleuchtung. Abb. 7-16: Simulation der Tageslichtsituation am 21.09 (Himmelsmodell : CIE Overcast Sky) (In der Simulation wurden die verglasten Seitenwände der Büroräume als geschlossene Wände dargestellt, um eine optimale Vergleichbarkeit zu gewährleisten.) Zusätzlich kann durch die tageslichtabhängige Regelung eine Reduzierung um weitere 30% angenommen werden. Insgesamt ist durch diese „passiven“ Maßnahmen eine Verbrauchsreduzierung um etwa 50% zu erwarten. Weiterhin trägt die zur Innenzone hin transparente Raumhülle durch seitlich einfallendes Licht zur blendfreien und gleichmäßigen Ausleuchtung des Raumes bei. Aktivierter Blendschutz Meßwerte Am Bezugspunkt bei 1,50 m Raumtiefe (Arbeitplatz) wird auch bei voll geschlossenem Blendschutz ein Mindestwert von 300 lx von allen Systemen deutlich übertroffen, so daß kein Kunstlicht zugeschaltet werden muß. System B hebt sich durch die Lichtlenkungsfunktion von den anderen Systemen ab; Abb. 7-19 zeigt, daß sich dadurch die Helligkeit im Raum verdoppeln läßt, ohne die Blendschutzfunktion zu beeinträchtigen. TU Braunschweig – Institut für Gebäude- und Solartechnik Prof. Dr.-Ing. M. N. Fisch Tel. 0531 / 391–3555; Fax 391-8125 Projekt 01: Komfort- und Energiegerechte Sanierung Abschlußbericht August 2000 Seite 31 Zur Bewertung der lichtlenkenden Eigenschaften dient im Vergleich das Verhältnis zwischen der Beleuchtungsstärke ERef im Referenzfall (gewählt : komplett geschlossene Jalousien ohne lichtlenkende Maßnahmen) und der Beleuchtungsstärke E (ohne Sonnenschutz). Hier ergeben sich bei System B (unterer Behangteil geschlossen, oberes Drittel geöffnet) über den gesamten Meßbereich sehr gute Werte von E/ERef ≥ 2, während System A (geschlossen, mit Prismen) maximal die 1,3-fache Beleuchtungsstärke erbringt. System C (Ergo) als von unten nach oben bedienbare Folie ist nur mit einem Lichtschwert tageslichtlenkend einzusetzen. Beleuchtungsstärke [klux] 6 5 4 3 2 1 0 50 100 150 200 250 Raumtiefe Lamellenwinkel 20° Geschlossen (0°) Geschlossen mit Prismen Beleuchtungsstärke [klux] Abb. 7-18 : System A (Raum 10) : Stellungen im Vergleich 6 5 4 3 2 1 0 50 100 150 200 250 Raumtiefe Max. geöffnet (0°) Max. geschlossen (90°) Lamellenwinkel 20° Geschlossen & Lichtlenkung Abb. 7-19 : Raum 12; Stellungen im Vergleich Blendschutz Eignung der verschiedenen Blend- und Sonnenschutzsysteme für Bildschirmarbeitsplätze : Äußere Lichtquellen erzeugen häufig störende Reflexe auf der Bildschirmoberfläche. Je geringer die Entspiegelung des Bildschirms und je größer der Kontrast zwischen Spiegelung und Bildschirmoberfläche (z.B. helle Reflexion – dunkles Bild), desto größer der Reiz für das Auge, sich auf die Reflexion zu akkomodieren. Oberflächen, die sich im Bildschirm spiegeln, sollten lt. DIN 5035 mittlere Leuchtdichten von weniger 2 2 als 200 cd/m und maximal 400 cd/m aufweisen. Alle Produkte sind insgesamt hinsichtlich ihrer Blendschutzeigenschaften für Bildschirmarbeitsplätze zu empfehlen. Bei System A (Hüppe) traten allerdings auch im vollständig geschlossenem Zustand noch deutliche Lichtreflexe mit Leuchtdichten TU Braunschweig – Institut für Gebäude- und Solartechnik Prof. Dr.-Ing. M. N. Fisch Tel. 0531 / 391–3555; Fax 391-8125 Projekt 01: Komfort- und Energiegerechte Sanierung Abschlußbericht August 2000 Seite 32 2 Leuchtdichte [cd/m2] von bis zu 700 cd/m auf, welche durch die Perforation der Lamellen verursacht werden. Ob diese als störend empfunden werden, ist jedoch stark benutzerabhängig. 400 350 300 250 200 150 100 50 0 A B1 B2 C System (B1 : vollständig geschlossen, B2 : oberes Drittel geöffnet = Lichtlenkung) Abb. 7-20 : Mittlere Leuchtdichten bei voll aktivem Blendschutz Außenbezug Ebenfalls bedeutend für das Wohlbefinden am Arbeitsplatz ist die Herstellung eines visuellen Außenbezugs bei aktivem Sonnenschutz. Nach DIN 5034 T1 sollte der Verglasungsanteil mindestens 30% der Raumaußenfläche betragen um diesen Außenbezug zu gewährleisten. Weitere Kriterien (nach DIANE) sind die Ermöglichung der Sicht nach außen ohne bzw. ohne wahrnehmbare Farbverschiebung und die horizontale Sichtverbindung nach außen bei sichtbarem Himmel (nach Sick). Eine Farbverschiebung ist bei System C (Raum 11) deutlich zu erkennen. Dabei sehen die Nutzer die Farbverschiebung als nicht störend an, bewerten hingegen die vollflächige Transparenz der Folien (im Gegensatz zur Teildurchsichtigkeit von Lamellensystemen) als sehr positiv. Die Teilperforation und der große Lamellenabstand der System A-Lamellen ermöglichen ebenfalls einen guten Außenbezug bei aktiviertem Sonnenschutz, trotz der relativ großen Lamellenbreite. Ein Außenbezug bei System B ist bei völlig geschlossenen Lamellen nicht mehr gegeben; das System wird allerdings auch mit perforierten Lamellen angeboten. Regelbarkeit Ein Blendschutzsystem für PC-Arbeitsplätze sollte in jedem Fall lokal und individuell bedienbar sein. Daher empfiehlt sich die Anordnung von getrennten Behängen für jeden Arbeitsplatz mit Bedienelementen, die möglichst nahe bei diesem angeordnet sind. Dies ist bei allen verwendeten Systemen gegeben. Passend zum System B bietet Fa. Warema Hard- und Software zur Einbindung in ein LONbasierendes Automationssystem. Diese Applikation unterstützt eine Steuerung der Behänge u.a. in Abhängigkeit von Zeit und Wochentag, Raumtemperatur, Einstrahlung oder manueller Betätigung. Kosten der Sonnenschutzsysteme Mit ca. 230 DM/m² Behangfläche (Brutto-Materialkosten) stellt das System C (Ergo-Konzept) als manuell bedienbarer Blend- und Sonnenschutz das preiswerteste System dar. Die Bedienung der “downtop” Behänge war jedoch im betrachteten Zeitraum nicht immer gewährleistet. Deutlich teurer die motorisch betriebenen Behänge (jeweils incl. der Motoren und Steuerungen): das System B (Warema) mit ca. 750 DM/m² Behangfläche; das System A (Hüppe) mit ca. 500 DM/m² Behangfläche Lamelle und ca. 900 DM/m² Behangfläche Prismen. Die genannten Kosten sind nicht übertragbar auf andere Bauvorhaben, da sie für kleinste Flächen zum Zeitpunkt der Montage galten. Zusammenfassung: Mit der fortschreitenden Verbreitung von Bildschirmarbeitsplätzen nimmt die Bedeutung von ergonomisch optimierten Arbeitsplätzen im Verwaltungsbau zu. Alle untersuchten Systeme erfüllen die Anforderungen an die Tageslichtautonomie und den Blendschutz. Die Teilung der Behänge in Blendschutz- und Lichtlenkungsteil bei System B hat sich ebenfalls bewährt. Ein Problem stellt der geforderte Außenbezug dar: gelochte Systeme können Blendung verursachenn, Folie führen zu Farbverschiebungen. Der Nutzer akteptiert jedoch in der Regel beide Systeme. Zu den Sonnenschutzeigenschaften der Systeme siehe Kap. 8.2. TU Braunschweig – Institut für Gebäude- und Solartechnik Prof. Dr.-Ing. M. N. Fisch Tel. 0531 / 391–3555; Fax 391-8125 Projekt 01: Komfort- und Energiegerechte Sanierung Abschlußbericht August 2000 Seite 33 7.6 Überhitzung Zur Reduzierung der Überhitzung im Bestand unter Verzicht auf eine mechanische Kühlung wurden die folgenden Maßnahmen ergriffen: • Installation des innenliegenden Sonnenschutzes und Reduzierung des Gesamtenergiedurchlaßgrades der Verglasung von 41% auf 34%; • Ermöglichung einer Querlüftung durch : Umgestaltung des Grundrisses, Installation automatischer Fensterstellantriebe in Kombination mit Überströmöffnungen und automatische Nachtlüftung mit 3bis 4-fachem Luftwechsel/h (bei mittleren Windgeschwindigkeiten). • Freilegung der thermischen Speichermasse: Ersatz der doppelt abgehängten Decke durch Dekkensegel soweit für die künstliche Beleuchtung und den Schallschutz erforderlich; Lüftungsanlage und Kabeltrassen bleiben sichtbar. Als Anforderung gilt die Beschränkung der sommerlichen Überhitzung nach E DIN 4108-6. Diese sieht für Gebäude in Sommer-Klimaregion B (gemäßigte Gebiete in der BRD mit höchsten Monatsmiteltemperaturen > 16,5°C und <18°C) eine Grenz-Raumtemperatur von 26°C vor, die an nicht mehr als 10% der Aufenthaltszeit überschritten werden darf. Ziel der Sanierung war es, diesen Grenzwert mit 5% noch deutlich zu unterschreiten. Quer- und Nachtlüftung Während der Erstellung des Sanierungskonzeptes wurde mit Hilfe einer Stömungssimulation untersucht, welche Einflüsse verschiedene Varianten der Grundrißumgestaltung auf den Luftwechsel der Etage haben. Als Grundlage diente die statistische Auswertung von Windrichtung und –geschwindigkeit. Häufigkeitsverteilung der Windrichtungen [h/a] 0 300 250 315 45 200 150 100 50 270 90 0 225 135 180 jede Geschwindigkeit Geschwindigkeit 0 bis 2 m/s Abb. 7-21 : Häufigkeitsverteilung der Windrichtungen für Braunschweig Hier zeigte sich, daß das BS4-Gebäude ganzjährig und für alle Windgeschwindigkeiten überwiegend durch West- und Südwestwinde angeströmt wird. Die Simulation untersucht daher drei verschiedene Windgeschwindigkeiten (1/3/10 m/s) bei westlicher Windrichtung. Dabei ergibt sich eine vorherrschende Über-/Unterdrucksituation zwischen West- und Ostseite mit typischen Abrißkanten und Wirbelzonen im Bereich des nördlichen Treppenhauses sowie des süd-/südwestlichen Stützenpaares. Auf der Leeseite (Nordost/Ost/Südost) des Gebäudes entsteht ein Unterdruck-‚Luftsee‘, der auch im Gegensatz zur Wetterseite keine nennenswerten Feuchtigkeitsschäden aufgrund von Fassadenundichtigkeiten aufweist. TU Braunschweig – Institut für Gebäude- und Solartechnik Prof. Dr.-Ing. M. N. Fisch Tel. 0531 / 391–3555; Fax 391-8125 Projekt 01: Komfort- und Energiegerechte Sanierung Abschlußbericht August 2000 Seite 34 Winddruck [pa] 9 8 Büro 12 7 Büro 11 5 Überdruck Büro 10 4 0 4 5 Windstärke [Beaufort] Unterdruck 6 7 Luftwechselrate : vwind 1 m/s 3 m/s 10 m/s Büro 10 Büro 11 Büro 12 Innenzone 0,7 0,5 0,5 0,4 2,3 1,6 1,8 2,4 8,6 6,4 7,0 18,7 Überströmöffnungen Bürofenster : 0,15 m2 Überströmöffnungen der anderen Fenster : 0,105 m2 Überströmöffnungen der Türschwellen : 205 cm2 Abb. 7-22 : Ergebnisse der Strömungssimulation zur Gebäudequerlüftung Vorgesehen wurde also eine Querlüftung bei welcher die Zuluft über vier Fenster mit 2,0 bis 2,5fachem Luftwechsel bei einer Windgeschwindigkeit von 3m/s auf der Luv-Seite einströmt und auf den Lee-Seiten über zwei Fenster abgeführt wird. Als Überströmöffnungen dienen gekürzte Türblätter. Zusätzlich zu den automatisierten Fenstern steht den Benutzern pro Büro ein rein manuell bedienbarer Kippflügel zur Verfügung. Einschränkungen der nutzbaren Nachtlüftungszeit aufgrund von Wind- oder Regenereignissen im Sommer zwischen 20.00 und 6.00 Uhr (Auswertung Wetterdatensatz des TRY von Hannover, siehe Tab. 7-3) sind ohne Bedeutung. 7.7 Gebäudeautomation Einsatzgebiete im Projekt Um die Regelungs- und Steuerungsfunktionen von Blend- und Sonnenschutz, Tageslichtlenkung, Nachtlüftung, Heizung sowie der tageslicht- und präsenzabhängigen Kunstlichtregelung nicht in mehreren Insellösungen realisieren zu müssen, kam im Projekt ein Gebäudeautomationsnetzwerk zum Einsatz. Gefordert war ein Bussystem, das bei möglichst geringen Kosten leistungsfähig, flexibel und herstellerunabhängig ist. Ein solches System sollte auch ein weite Verbreitung aufweisen; möglichst auch zu den zukünftigen Industriestandards zählen, um langfristige Unterstützung und Erweiterbarkeit zu garantieren. Ein wichtiges Argument für die Anwendung von Systemtechnik besteht in der Energieeinsparung für Heizung und Beleuchtung und der Möglichkeit, den Verbrauch von Wärme- und elektrischer Energie nach Verbrauchern getrennt aufzuzeichnen und nach einer angemessenen Monitoringphase im Vorfeld einer Sanierung gezielt Maßnahmen zur Verbrauchsreduktion zu untersuchen. TU Braunschweig – Institut für Gebäude- und Solartechnik Prof. Dr.-Ing. M. N. Fisch Tel. 0531 / 391–3555; Fax 391-8125 Projekt 01: Komfort- und Energiegerechte Sanierung Abschlußbericht August 2000 Seite 35 Weitere Anwendungen, wie z.B. • Lastmanagement • Zugangskontrolle und Sicherheitstechnik, • Brandschutz (Rauchmelder, Sprinkler, Verbindung zu Leitrechnern der Feuerwehr) , 5 • Steuerung von Lüftungs- bzw. Klimaanlagen, • Steuerung von Aufzugsanlagen, • Störungsmeldung (z.B. Aufzugsnotruf), wurden nicht untersucht, können aber nachträglich integriert werden. Zentrale / Dezentrale Automation Die Vorteile der dezentralen Automation (Sensoren und Aktoren sind selbstständige, programmierbare Busteilnehmer) im Vergleich zur herkömmlichen zentralen Leittechnik (Leitrechner, analoge Verbindungen mit Sensoren und Aktoren) sind hauptsächlich : § Wesentlich geringerer Verkabelungsaufwand durch 'geteilte'-Verdrahtung (Geräte teilen sich eine Busleitung) statt 'point-to-point'-Verdrahtung (jedes Element ist einzeln mit der zentralen Steuerung verbunden); • höhere Betriebssicherheit durch Unabhängigkeit von zentraler Steuerung; • unterschiedlichste Anwendungsbereiche (HKL, Beleuchtung, Sonnenschutz, Sicherheitstechnik, Meßtechnik u.a.) können über ein einziges Netz verbunden werden, wodurch zusätzliche Funktionalitäten möglich werden; • die einfache Erweiterbarkeit des Systems; • aufgrund der steigenden Produktionsziffern von Standardmodulen und daraus resultierenden sinkenden Preisen werden dezentrale Automationsnetzwerke auch für kleinere Projekte interessant. Im Gegensatz zu den vernetzten Automationslösungen stehen die sogenannten 'stand-alone'Applikationen, also 'Insellösungen', die Meß- und Steuerfunktionen in einem einzigen, herstellerspezifischen Gerät beinhalten, welches dadurch in seiner Funktion unabhängig von anderen Systemen ist. Der Vorteil dieser Geräte liegt in der einfachen Integration in das Gebäude, so daß z.B. bei Sanierungsmaßnahmen der Aufwand für die Installation der Netzwerkverkabelung entfällt. Nachteilig wirkt sich hingegen aus, daß die Gesamtkosten des Systems ab einer gewissen Zahl von Applikationen größer sind als bei einer Netzwerklösung, unter anderem da die notwendige Meßtechnik (Temperatur, Einstrahlung, Präsenz etc.) redundant vorhanden ist, statt allen Geräten den Wert eines einzigen, zentralen Sensors zur Verfügung zu stellen. Dazu kommt, daß sich die Erfassung der Betriebsparameter, welche zur Ermittlung von Energieverbräuchen und zur Optimierung der Steuerung dienen kann, nicht oder nur mit hohem Aufwand realisieren läßt. Der Referenzraum 12 wurde zu Test- und Vergleichszwecken mit 'stand-alone' Lösungen ausgestattet: einem automatisierten Lamellenbehang, der Lichtlenkungs- und Sonnenschutzfunktionen vereint (siehe Kap. 8.2) sowie einer Büroleuchte (Fa. Waldmann), die sich selbsttätig in Abhängigkeit der Beleuchtungsstärke im Raum ein- bzw. abschaltet und dimmt. Systemauswahl Auf dem europäischen Markt sind z.Zt. etliche Feldbussysteme gebräuchlich, von denen aber 1998 nur die Systeme EIB (European Installation Bus, Hersteller u.a. Siemens, ABB, Busch-Jaeger, [www.eiba.com]) und LON (Local Operating Network, [www.lno.de]) eine genügend starke Herstellerunterstützung und Verbreitung aufwiesen. Daher wurden nur diese Systeme auf ihre Eignung hin geprüft. Eine aktuelle Übersicht über Bussysteme für Gebäudeautomation findet sich bei [23]. Bei der Entscheidungsfindung wurden abgesehen von Verbreitung und Preisgestaltung folgende Kriterien betrachtet und auf ihre Bedeutung hin untersucht: Mögliche Netzwerk-Topologien : Ein Vorteil des LON-Systems liegt in der freien Topologie, bei der Knoten praktisch beliebig verbunden werden können, auch im laufenden Betrieb. Der EIB ist hier an eine Linienstruktur gebunden, die bei Erweiterung und Änderung des Systems weniger Flexibilität bietet. 5 In der BRD können Brandmeldeanlagen aufgrund der Anforderungen der Sachversicherungsunternehmen i.d.R. noch nicht in die Gebäudesystemtechnik integriert werden, müssen also als eigenständige Systeme ausgeführt werden. TU Braunschweig – Institut für Gebäude- und Solartechnik Prof. Dr.-Ing. M. N. Fisch Tel. 0531 / 391–3555; Fax 391-8125 Projekt 01: Komfort- und Energiegerechte Sanierung Abschlußbericht August 2000 Seite 36 Abb. 7-23 : Netzwerktopologien (nach [24]) Maximale/tatsächliche Übertragungsgeschwindigkeit : Abhängig von System und Topologie liegt die tatsächlich nutzbare Übertragungsgeschwindigkeit (Bandbreite) immer unter der maximal möglichen. Diese ist zwar beim LON deutlich höher, spielt allerdings bei der 'klassischen' Gebäudeautomation keine nennenswerte Rolle, da nur relativ geringe Datenmengen befördert werden. Ebenso sind (anders als in der Prozeßautomation oder der Fahrzeugsteuerung) weder Reaktionszeiten im Millisekundenbereich noch garantierte Antwortzeiten von diesen Anwendungen gefordert. Im Hinblick auf die mögliche Integration von Kommunikationsanwendungen in Feldbusnetze wird die Bandbreite zukünftig aber eine höhere Bedeutung erhalten. LON ermöglicht hier bereits bei der einfachen Verbindung über Zweidraht-Leiter eine Bandbreite von 78 Kb/s, EIB ist hier auf 9,6 Kb/s beschränkt. Ausfallsicherheit : Während bei der Prozeß-/Produktionsautomation der Ausfall eines einzelnen Knotens bzw. einer Funktion den Prozeß zum Stillstand bringen kann, ist bei der Gebäudeautomation hohe Autarkie der Knoten, d.h. Unabhängigkeit von anderen Teilnehmern gefordert. Dies hängt größtenteils von den verwendeten Applikationen ab, so daß hier keines der Systeme einen besonderen Vorteil erkennen läßt. Interoperabilität : In aller Regel wird man ein Gebäude mit nur einem System automatisieren. Wo allerdings der Anschluß an ein bestehendes System gefordert ist oder Teile der technischen Gebäudeausrüstung mit herstellerspezifischen Systemen ausgestattet sind, stellt sich die Frage nach dem Datenaustausch zwischen den Netzen. Hier kommen sog. Gateways zum Einsatz. Sie stellen die Verbindung zwischen verschiedenen Domains her, falls unterschiedliche Kommunikationsprotokolle zum Einsatz kommen (z.B. LonTalk und TCP/IP oder EIB). Falls ein solches Gateway nicht bereits verfügbar ist, entstehen u.U. erhebliche Kosten für 'maßgeschneiderte' Lösungen. Beim Projekt SAN-IGS war Interoperabilität nicht erforderlich. Energiebedarf :Bezüglich des Energiebedarfs sind Automationsnetze unkritisch. Die Leistungsaufnahme eines LON-Knotens liegt typischerweise im Bereich von 0,5 – 2 W, das gesamte Automationsnetz im IGS mit 25 Knoten hat eine konstante Leistungsaufnahme von ca. 80 W (nicht inbegriffen die Stellmotoren und Heiztransformatoren für die Klima-Meßstation). Die Entscheidung fiel zugunsten von LON : • trotz der geringfügig höheren Kosten für den einzelnen Knoten (~10% gem. Kostenschätzung Mitte 1998, seitdem z.T. starke Änderungen im Preisniveau). Dabei muß berücksichtigt werden, daß aufgrund unterschiedlicher Funktionalitäten Knoten verschiedener Systeme nicht immer direkt vergleichbar sind; • aufgrund der beschriebenen höheren Flexibilität und Funktionalität des Systems. LON eignet sich aufgrund der freien Programmierung uneingeschränkt auch für Automationsanwendungen in größeren Projekten; alle Knoten können in beliebiger Anordnung verbunden werden (freie Netztopologie); die Installation von zusätzlichen Knoten ist ohne großen Aufwand möglich. Der EIB bietet zwar weit entwickelte Standardapplikationen für die Gebäudeautomation , die Einbindung weiterer, nicht zum Standard gehörender Funktionen ist hingegen aufwendig. Im Anhang Gebäudeautomation findet sich eine ausführliche Beschreibung der Merkmale von LONW ORKS. TU Braunschweig – Institut für Gebäude- und Solartechnik Prof. Dr.-Ing. M. N. Fisch Tel. 0531 / 391–3555; Fax 391-8125 Projekt 01: Komfort- und Energiegerechte Sanierung Abschlußbericht August 2000 Seite 37 8 Ergebnisse 8.1 Wärmeverbrauch Berechnung des Heizenergiebedarfs nach DIN EN 832 [26] Wesentliches energetisches Ziel der Sanierung war es, den Wärmebedarf des Gebäudes von durch2 schnittlich 184 kWh/m a (Verbrauchsmittelwert der letzten fünf Jahre) um etwa die Hälfte zu reduzieren.Die Wärmeverluste verteilen sich im Bestand und nach der Sanierung folgendermaßen: sonstiges 18,0 kWh/m²a 6% Luftwechsel 89,9 kWh/m²a 14% 32% Brüstung / Sturz 39,8 kWh/m²a 7% Pfeiler 21,2 kWh/m²a Fenster 114,6 kWh/m²a 41% Abb. 8-1 : Wärmeverbrauch im Bestand 2 Sonstiges 9,6 kWh/m a Brüstung / Sturz 34,8 kWh/m²a 7% 24% 16% Pfeiler 4,3 kWh/m²a Luftwechsel 23,4 kwh/m²a 3% Fenster 70,2 kWh/m²a 50% Abb. 8-2 : Wärmebedarf nach Sanierung 2 Dieser Zielwert von 90 kWh/m a kann durch die Anwendung aller Maßnahmen der exemplarischen Sanierung im 10. OG sogar unterschritten werden; der Wärmebedarf nach DIN EN 832 beträgt für das 2 Gesamtgebäude lediglich 74 kWh/m a. Damit erreicht das Gebäude den Sollstandard für Büroneubauten nach SIA 380/1 (siehe Kap. 4, Ziele). Die Reduzierung der Transmissions- und Lüftungswärmeverluste sowie die aufgrund der besseren technischen Ausrüstung gestiegenen internen Wärme2 gewinne tragen maßgeblich dazu bei. Eine weitere Verbesserung (auf 59 kWh/m a) kann durch Einsatz einer Doppelfassade erreicht werden (siehe 7.2). TU Braunschweig – Institut für Gebäude- und Solartechnik Prof. Dr.-Ing. M. N. Fisch Tel. 0531 / 391–3555; Fax 391-8125 Projekt 01: Komfort- und Energiegerechte Sanierung Abschlußbericht August 2000 Seite 38 2 Die Differenz zwischen rechnerischem Wärmebedarf nach DIN EN 832 (215 kWh/m a) und den tat2 sächlich gemessenen Verbräuchen im Bestand (184 kWh/m a) erklärt sich durch die gegenüber den Berechnungsgrundlagen durchschnittlich etwa 2K höhere gemessene Monatsmitteltemperatur in 6 Braunschweig . Dabei bewirkt eine Erhöhung der Jahresmitteltemperatur um 1K bereits eine Verringe2 7 rung des Wärmebedarfs um ca. 20 kWh/m a . kWh/m²a Gesamtbilanz pro Fläche 100,00 80 56 53 38 50,00 0,00 -23 -50,00 -74 -90 -128 -100,00 -150,00 alt neu -200,00 -194 -250,00 Gesamt* Luftwechsel Transmission Interne Wärmequellen Strahlungsgewinne -215 Abb. 8-3 : Wärmegewinne und –verluste in Bestand und Sanierung (nach DIN EN 832) *Die Gesamtsumme entspricht nicht der Summe der Einzellasten, da nicht alle thermischen Gewinne genutzt werden können 8.2 Thermischer Komfort im Sommer Bestimmung von Komfortkennwerten Um einen Vergleich zwischen einem typischen Büroraum in einem der nichtsanierten Geschosse und einem Büro im sanierten 10. OG anzustellen, wurden im Juli '99 parallel im 9. und 10. OG Messungen 8 mit einem Komfortometer durchgeführt. Dabei wurden aus der operative Raumlufttemperatur, der absoluten Luftfeuchte und der Luftgeschwindigkeit automatisch PPD (Predicted Percentage of Dissatisfied nach ISO 7730 [9]) und PMV (Predicted Mean Vote nach ISO 7730) ermittelt und aufgezeichnet. Die untersuchten Räume sind etwa gleichgroß, liegen direkt übereinander (Südwest-Ausrichtung) und waren während der unten dargestellten Meßperiode (Wochenende mit hohen Außentemperaturen) nicht belegt. Das Büro im 9.OG unterscheidet sich vom Referenzbüro im 10.OG im wesentlichen durch die im Bestand übliche abgehängte Decke und die Calorex-Verglasung. Die Fensterflügel waren in beiden Büros dauerhaft gekippt, die Türen geschlossen, ein Sonnenschutz war nicht aktiv um die Vergleichbarkeit der Messungen zu gewährleisten. Die Messungen bestätigen die Ergebnisse der Bestandsumfrage (siehe Kap. 5.3). An einem Tag mit Außentemperaturen von max. 30°C bzw. 35°C und entsprechend hoher Einstrahlung steigt der vorhergesagte Anteil der mit dem thermischen Komfort Unzufriedenen (PPD) im 9.OG gegen Mittag auf 90% bzw. 97% an, da die SW-Fassade erst dann direkte Einstrahlung erhält. Während der Nachmittags- und Abendstunden bleiben die Komfortbedingungen in diesem Büro inakzeptabel.Im Vergleich dazu beträgt der PPD im Referenzbüro im 10. OG nachnittags 38% bzw. 64% (ohne Sonnenschutz!). 6 Quelle : Deutscher Wetterdienst, Frankfurt Werte für BS4, ermittelt nach VDI 2067, Bl. 2 [27] 8 INNOVA 1221 7 TU Braunschweig – Institut für Gebäude- und Solartechnik Prof. Dr.-Ing. M. N. Fisch Tel. 0531 / 391–3555; Fax 391-8125 Projekt 01: Komfort- und Energiegerechte Sanierung Abschlußbericht August 2000 Seite 39 Der PMV mit der Bewertungsskala +3 (zu warm) bis –3 (zu kalt) läßt erkennen, daß der Referenzraum im 10.OG nachts wie beabsichtigt deutlich auskühlt (-3), während die Temperaturen im 9. OG nur nachts im Behaglichkeitsbereich bleiben. (s. Abb. Meßwerte thermischer Behaglichkeit im Anhang Thermischer Komfort). Sonnenschutzeigenschaften der Behänge (siehe 7.4) Aus der Meßperiode wurde eine Woche im Juli (Mo- Sa) mit hohen Außentemperaturen und hoher Einstrahlung gewählt. Die Messung erfolgte an identischen, strahlungsgeschützten Stellen auf der fassadenabgewandten Raumseite in 1,80 m Höhe. Die Meßgenauigkeit, bedingt durch die Meßaufnehmer, lag bei ± 0,3 °C. Während der Meßperiode wurde die annähernd gleichzeitige Betätigung der Behänge beachtet, um vergleichbare Ergebnisse zu gewährleisten Die Warema-Raffstoren (System B) wurden 1998 vom Institut für Fenstertechnik (ift), Rosenheim, untersucht [28]. Der ermittelte Abminderungsfaktor z ergibt im Zusammenhang mit der im IGS verwen2 deten Verglasung (ipasol natura, Uv=1,3 W/m K; g = 0,34) einen Faktor z = 0,64. Im Vergleich dazu liegt das Tageslichtsystem von Hüppe (System A, Abminderungsfaktor z ermittelt 1994 in einem Gutachten von Fa. Siemens) im Einsatz mit dem o.g. Glas näherungsweise bei einem Faktor z = 0,5. 30 Lufttemperatur [°C] 28 100000 26 80000 24 60000 22 40000 20 20000 18 16 Einstrahlung auf der SW-Fassade [Lux] 120000 Büro 12 (1,80 m Höhe) Außentemperatur 31.07 08:00 30.07 08:00 29.07 08:00 28.07 08:00 27.07 08:00 26.07 08:00 0 Büro 10 (1,80 m Höhe) Lux SW-Fassade Abb. 8-4 : Temperaturdifferenzen : Büro 10 und Büro 12 Die Auswertung der Ergebisse der betrachteten Juliwoche : Raum Büro 10 (A/Hüppe) Büro 12 (B/Warema) durchschnittliche Temperatur 23,30 23,86 Durchschnittliche Temperatur > 26°C 26,77 27,67 Amplituden (Differenz der Maximaltemperaturen in Raum 10 / 12) Max. Temp. 0,42 0,92 0,62 0,72 maximale Temperatur 28,2 29,1 0,72 0,92 Tab. 8-1 : Durchschnittstemperaturen und Temperaturamplituden Die Ergebnisse der Messung zeigen, daß beide Lösungen in Kombination mit den sonstigen Maßnahmen (Umglasung, Nachtlüftung) hinsichtlich des Überhitzungsschutzes sehr gute Beiträge zum sommerlichen Überhitzungsschutz liefern. Der kombinierte Prismen/Lamellen Behang des Systems A (Hüppe) weist eine um im Durchschnitt fast 1K geringere Überhitzung auf als das System B (Warema). Mit zunehmender Außentemperatur und solarer Einstrahlung steigt auch die Temperaturdifferenz TU Braunschweig – Institut für Gebäude- und Solartechnik Prof. Dr.-Ing. M. N. Fisch Tel. 0531 / 391–3555; Fax 391-8125 Projekt 01: Komfort- und Energiegerechte Sanierung Abschlußbericht August 2000 Seite 40 in den betrachteten Räumen. Die Meßergebnisse bestätigen damit qualitativ die Herstellerangaben für die z-Faktoren und Ergebnisse der ift-Studie bezüglich der Wirksamkeit innenliegender Sonnschutzsysteme. Überhitzung Bestandsmessung / thermische Simulation / Monitoring nach der Sanierung Da die Temperaturmessung im Bestand (keine Querlüftung, helle Vorhänge) während der Umbauarbeiten unterbrochen werden mußte, liegen keine durchgehenden Temperaturdaten für den Bestand vor. Der folgende Vergleich beschränkt sich daher auf die Darstellung der Monate Juli/August. Meßdaten / TRNSYS-Simulation / Grenzwerte (Mo-Fr, 8.00 - 18.00), Nutzungsdauer : insgesamt 433 h 193 200 180 Bestand Sanierung A Sanierung B Sanierung C 160 Gesamtstunden 140 129 120 104 100 99 89 77 75 80 69 54 60 54 40 22 15 20 0 Meßwerte Bestand 1998 g=0,34 Nachtlüftung 3-facher LW Wind 26°-28°C g=0,17 Nachtlüftung 3-facher g=0,17 Nachtlüftung 1,8-facher LW Wind LW Wind >28°C Gesamt Abb. 8-5 : Überhitzungsstunden Juli/August in den SW-Büros Die Auswertung der Bestandsmessung ergab eine Gesamtüberhitzung von 45% der Nutzungsdauer in den wärmsten Sommermonaten. Die Untersuchung verschiedener Sanierungsvarianten in einer dynamischen thermischen Gebäudesimulation (TRNSYS) erlaubte es, diese Varianten u.a. bezüglich der 9 Komfortsteigerung zu beurteilen . Variante A stellt die Basisvariante der Sanierung dar, in der • die Umglasung (auf ipasol natura, g=0,34), • die Grundrißumgestaltung und Entfernung der abgehängten Decke, • eine automatische Quer- und Nachtlüftung in 40m Höhe bei einem durchschnittlichen Luftwechsel von 3/h, • jedoch noch kein interner Sonnenschutz berücksichtigt wurden. Die Varianten B und C basieren auf der Variante A unter zusätzlicher Annahme • eines z-Wertes von 0,5 für den Sonnenschutz (resultierender Gesamtenergiedurchlaßgrad von 2 0,17), welcher bei solarer Einstrahlung von mehr als 200 W/m automatisch aktiviert wird. Variante C stellt das 2. OG des Gebäudes dar mit • einer Höhenlage von nur 10 m und dem dadurch verringerten durchschnittlichen Luftwechsel von 1,8/h. Die Variante B weist eine sehr gute Verbesserung gegenüber dem Bestand auf und wurde ausgeführt, wobei in den SW-Büros allerdings verschiedene Sonnenschutzsysteme mit unterschiedlichen zWerten installiert wurden. 9 Die Bestandsmessung ist nicht direkt mit den Ergebnissen der Simulationen zu vergleichen, da nicht beide auf den gleichen Klimadaten beruhen. TU Braunschweig – Institut für Gebäude- und Solartechnik Prof. Dr.-Ing. M. N. Fisch Tel. 0531 / 391–3555; Fax 391-8125 Projekt 01: Komfort- und Energiegerechte Sanierung Abschlußbericht August 2000 Seite 41 Durch Verzögerungen bei der Inbetriebnahme der Gebäudeautomation liegt keine ganzjährige Messung der Raumtemperaturen nach der Sanierung vor. Die Auswertung des Zeitraums August/September 1999 ergibt eine Überhitzung von 12,1% im Vergleich zu den vorhergesagten 16% Überhitzung des Simulationsergebnisses für die Monate Juli und August (jeweils für die Betriebszeit Mo-Fr, 8.00-18.00). Die prozentuale Auswertung der Messungen und Simulationen ergibt folgende Anteile: Bestand Monitoring Sanierung A Sanierung B (07/08/98) (08/09/99) (TRY 07/08) (TRY 07/08) Anteil Stunden 26-28°C 24% 10% 13% 13% Anteil > 28°C 21% 2% 17% 3% Stunden gesamt 45% 12 30% 16% Maximaltemperatur 33°C 29,7 36,9°C 30,5°C Tab. 8-2 : Überhitzung in Bestand, Monitoring und Simulation Sanierung C (TRY 07/08) 18% 5% 23% 30,8°C Zum Vergleich und zur Bewertung der Ergebnisse des Monitorings und der ausgeführten Sanierung B sind nachfolgend die zugrundeliegenden Klimabedingungen einander gegenübergestellt : Braunschweig 08/09/1999 TRY-Datensatz 07/08 Tab. 8-3 : Klimabedingungen Monatsmitteltemperatur[°C] 18,9 19,8 17,1 17,0 mittlere Einstrahlung [W/m2] 185 209 Mittlere Windgeschw. [m/s] 154 160 3,0 3,5 2,8 3,3 Die Monatsmitteltemperatur lag also im Meßzeitraum um ca. 2K über derjenigen des Wetterdatensatzes, die mittlere Einstrahlung war geringfügig niedriger. Die Simulationsergebnisse waren somit eine gute Annäherung an des realisierten Zustand. Prognose der Jahresüberhitzung Voraussetzung für diese Prognose ist die Annahme, daß die Rauminnentemperaturen proportional zu den Außentemperaturen sind. Die Temperaturverhältnisse aus den Meßwerten der Monate August und September zu den jeweiligen Außentemperaturen übertragen auf die Jahresbetriebszeit führen zu einer Jahresüberhitzung von 5,8%. Damit ist das Ziel, den Grenzwert nach DIN 4108 in Höhe von 10 % für ein Südwestbüro allein durch freie Nachtkühlung und innenliegenden Sonnenschutz bei einem Fensterflächenanteil von 50% zu halbieren erreicht. Behagliches Raumklima kann ohne mechanische Kühlung gewähleistet werden. Der Anteil an Temperaturen über 28 °C liegt unter 2%. Diese deutliche Verbesserung des thermischen Komforts konnte trotz der Erhöhung der internen Wärmelasten aus Personen und Arbeitsmitteln erzielt werden (durchschnittliches Tagesmittel ohne 2 Beleuchtung während der Betriebszeit vor der Sanierung ca. 3 W/m NF, nach der Sanierung ca. 15 2 W/m NF). Freie Kühlung Die Effizienz der Nachtlüftung wird deutlich anhand der folgenden Wochenauswertung. Während dieser Meßwoche (26.07.-02.08.99) stieg die maximale Außenlufttemperatur kontinuierlich von ca. 25°C auf über 33°C an. Die Regelstrategie der Fensteröffner sorgte in dieser Zeit für dauerhaft geöffnete Fenster. In den SW-Büroräumen konnte die Raumtemperatur auch während dieser Tage um ca. 5 K unter Außentemperatur gehalten werden. Die 24-Stunden-Innenraumtemperatur-Amplitude betrug 6-7 K, die 24-Stunden-Deckentemperatur-Amplitude betrug ansteigend bis 2 K. Deutlich wird der Einfluß der Lüftung durch die Aufzeichnung der Fensterpositionen (in Abb. 8-6, 8-7) in der ersten Nacht der Meßperiode. Bei fehlender Querlüftung verringert sich hier der nächtliche Temperaturabfall in den Büros auf weniger als 2 K. TU Braunschweig – Institut für Gebäude- und Solartechnik Prof. Dr.-Ing. M. N. Fisch Tel. 0531 / 391–3555; Fax 391-8125 15 60000 10 40000 5 20000 0 0 Sonnenschutz Lufttem p. Außentem p. Fenster Deckentem p. 02.08 00:00 80000 01.08 00:00 20 31.07 00:00 100000 30.07 00:00 25 29.07 00:00 120000 28.07 00:00 30 27.07 00:00 140000 Lux SW -Fassade Abb. 8-6 : Einfluß der Nachtlüftung in einer Juliwoche (Südwestbüro, 1,10m Höhe) (Obergrenze für Luxmessung liegt hardwarebedingt bei 65.000) 35 30 Temperatur [°C] 25 20 15 10 5 F Nord F West Innenzone 1,10 m F Süd Decke Innenzone 02.08 00:00 01.08 00:00 31.07 00:00 30.07 00:00 29.07 00:00 28.07 00:00 27.07 00:00 26.07 00:00 0 Außenluft Abb. 8-7 : Einfluß der Nachtlüftung in einer Juliwoche (Innenzone) Es zeigte sich, daß die Innenzone (aufgrund der großen, thermisch ausgleichenden Speichermasse der Decke und dem geringen Verhältnis Fensterfläche/Grundfläche) kaum auf die hohen Außentemperaturen reagierte. Eine Innenraumtemperaturamplitude von 1-2 K und eine DeckentemperaturAmplitude von weniger als 0,5 K über 24 Stunden ist kennzeichnend für die hohe Trägheit dieses Raumes. Die Differenz zur Außentemperatur betrug während der Hitzeperiode maximal ca. 7-8 K; somit traten zu keiner Zeit Raumtemperaturen > 25°C auf (Bezugshöhe 1,10m). TU Braunschweig – Institut für Gebäude- und Solartechnik Prof. Dr.-Ing. M. N. Fisch Tel. 0531 / 391–3555; Fax 391-8125 Einstrahlung Südwest [lux] August 2000 Seite 42 35 26.07 00:00 Temperatur [°C] Projekt 01: Komfort- und Energiegerechte Sanierung Abschlußbericht Projekt 01: Komfort- und Energiegerechte Sanierung Abschlußbericht August 2000 Seite 43 Luftfeuchte : Im Sommer betrug die rel. Luftfeuchte im Mittel etwa 55% mit Minimal- bzw. Maximalwerten von 40% bzw. 65%. Auswirkung des städtischen Mikroklimas Das auf das Gebäude wirkende Außenklima hängt in signifikanter Weise vom lokalen Standort ab. Das Beispiel unten zeigt den Vergleich zwischen Wind- und Lufttemperaturwerten, die auf dem Dach des BS4 bzw. bei der Braunschweiger Meßstation des Deutschen Wetterdienstes (DWD) ermittelt wurden. 12 30 10 Temperatur [°C] 25 8 20 6 15 4 10 Wind DWD 13.09.99 00:00 Wind BS4 12.09.99 00:00 11.09.99 00:00 Außentemp. DWD 10.09.99 00:00 Außentemp. BS4 09.09.99 00:00 0 08.09.99 00:00 0 07.09.99 00:00 2 06.09.99 00:00 5 Windgeschwindigkeit [m/s] & Strahlung [100 W/m2] 35 DWD Strahlung Abb. 8-8 : Mikroklima BS4 / DWD-Meßwarte Die BS4-Daten wurden auf dem Gebäudedach (Innenstadtlage, Höhenlage ca. 55 m über Boden) gemessen, während die Meßwarte des DWD sich am westlichen Stadtrand befindet, in ländlich offener Umgebung, Höhenlage ca. 10 m über Boden. Deutlich ist der Einfluß des 'Stadtklimas' auf die Lufttemperatur zu erkennen. Während die Temperaturentwicklung am Vormittag identisch verläuft, wird die stärkere Aufheizung des Stadtraumes ab Mittag spürbar. An strahlungsreichen Tagen während des Vergleichszeitraumes betrug sie bis zu 5 K; diese Differenz blieb auch in die Abendstunden bestehen. Die Betrachtung einer zweiten Vergleichswoche, während der vorwiegend bedeckter Himmel herrschte, zeigte, daß diese Temperaturdifferenzen im wesentlichen einstrahlungsabhängig sind. Hingegen stellte sich am BS4-Gebäude nicht, wie vorher erwartet, eine im Vergleich höhere Windgeschwindigkeit ein. Trotz der größeren Höhe und der freien Lage des Gebäudes war die durchschnittliche Geschwindigkeit während des Vergleichszeitraumes (6.9.-13.9.99) am BS4 sogar geringer (1,7 m/s zu 2,3 m/s) als an der DWD-Meßwarte. Statistisch signifikante Unterschiede und Abhängigkeiten sind nicht zu erkennen. Darüberhinaus ist keine Abhängigkeit zwischen Windgeschwindigkeit und Tageszeit erkennbar, d.h. in der vorliegenden Situation kann auch nachts mit ausreichenden Luftwechselzahlen bei freier Lüftung gerechnet werden. 8.3 Thermischer Komfort im Winter Nach [9] sollte die vertikale Temperaturasymmetrie (Raumlufttemperatur) im Winter maximal 3 K betragen, gemessen zwischen 0,1 m und 1,10 m Höhe (Fuß-/Kopfhöhe). Die Messung in einem SW-Büro ergab für sonnige Wintertage eine Differenz von 1,6 K, nachts und an bewölkten Tagen eine Differenz von 0,3 K (s. Abb. vertikale Temperaturasymmetrie im Anhang Thermischer Komfort). TU Braunschweig – Institut für Gebäude- und Solartechnik Prof. Dr.-Ing. M. N. Fisch Tel. 0531 / 391–3555; Fax 391-8125 Projekt 01: Komfort- und Energiegerechte Sanierung Abschlußbericht August 2000 Seite 44 Die horizontale Strahlungstemperaturasymmetrie zu den Fassadeninnenoberflächen kann wie in Kapitel 7.1 beschrieben weitestgehend hergestellt werden. Es verbleibt jedoch bei einer einfachen Sanierung zu den Aluminiumprofilen ein Temperaturdiffernz von maximal 15 K (∆τzul = 10 K). An Tagen mit geringen Außentemperaturen kann bei einem Rahmenanteil 15% lokales thermisches Unbehagen auftreten. Die gemessene rel. Luftfeuchtigkeit (Komfort-Grenzwerte nach [9] : 30-70%, Sommer und Winter) betrug im Winter im Mittel etwa 30% und lag damit noch innerhalb der Behaglichkeitskritertien; in einigen Fällen sank dieser Wert jedoch für mehrere aufeinanderfolgende Tage auf ca. 20% ab. 8.4 Stromverbrauch Der Gesamtstromverbrauch des BS4 betrug im Fünfjahresmittel 175 MWh/a. Der Bewertung dieser Endenergiekennzahl dient der folgende Vergleich: 120 100 KWh/m²[NGF EB]a 100 80 79 70 60 60 42 40 31 20 0 SIA 380 / 1 AGES Studie Mittelwerte Bestand (BS4 : Meßwerte Bestand) BS4 Zielwerte Sanierung (BS4 : Ergebnis Sanierung) SIA 380/1: Verwaltungsbauten große Teile mechanisch belüftet AGES Studie: Verwaltungsbauten mit normaler technischer Ausstattung Abb. 8-9 : Endenergiekennzahlen Stromverbrauch Die diesem Vergleich zugrunde liegende Flächenermittlung umfaßt als mit Energiedienstleistung versorgten Flächen die Nettogrundflächen der 12 Obergeschosse (NGFeb). Nicht berücksichtigt wurden die Flächen des Erdgeschosses, da es sich um ein Foyer für temporäre Nutzungen handelt, sowie die des Kellergeschosses. Alle Angaben können zu Vergleichszwecken mit ausreichender Genauigkeit mit NGFeb x 0,9 = NF (gem. DIN 276) umgerechnet werden. Im Vergleich mit den Kennwerten der Literatur ist dieser Verbrauch auffallend gering. Die Auswertung der Meßergebnisse ergab die folgende Verteilung der Verbraucher und mithin die Erklärung für den geringen Verbrauch: die Flächennutzung ist im Durchschnitt mit ca. 20 m² NGFeb /Person gering, die technische Ausstattung in weiten Teilen nicht existent und die Ausnutzung des Gebäudes unterliegt dem Semesterbetrieb. Der geringe Verbrauch elektrischer Energie für Arbeitsmittel und zentrale Dienste ist die Hauptursache für die untypische Energiekennzahl. Der Aufzug wurde 1991 generalüberholt, so daß Antrieb und Steuerung dem Stand der Technik entsprechen. Einsparpotentiale bieten somit die Beleuchtungs- und Lüftungsanlage, die seit der Inbetriebnahme unverändert genutzt werden. Sie waren daher Gegenstand weitergehender Untersuchen im Demonstrationsvorhaben und werden später beschrieben. Erst nach der Erstellung eines neuen Nutzerprofils konnte der angegebene Zielwert für den zukünftigen Endernergieverbrauch bestimmt werden. In der Demonstrationsetage hat sich durch die Sanierung die Personenbelegungsdichte auf 14 m² NGFeb /Person verringert, ist die Wärmelast im Durchschnitt auf 20 W/m² gestiegen, so daß das untersuchte Gebäude einem Verwaltungsbau mit normaler technischer Ausstattung entspricht. Ziel war daher eine deutliche Unterschreitung des SIA Zielwerts von 70 kWh/m²a. Die Auswertungen der Meßergebnisse auf das Gesamtgebäude hochgerechnet ergaben einen Gesamtverbrauch von 235 MWh/a, was einer Steigerung gegenüber dem Ausgangszustand um 35% entspricht, den SIA Zielwert mit 42 kWh/m²a jedoch um 40% unterschreitet. TU Braunschweig – Institut für Gebäude- und Solartechnik Prof. Dr.-Ing. M. N. Fisch Tel. 0531 / 391–3555; Fax 391-8125 Projekt 01: Komfort- und Energiegerechte Sanierung Abschlußbericht August 2000 Seite 45 8% 2,4 kWh/m²a 22% 7,0 kWh/m²a 34% 10,7 kWh/m²a 36% 11,1 kWh/m²a Lüftungsanlage Aufzug Beleuchtung Arbeitsmittel / zentrale Dienste Flächenangaben bezogen auf m²[NGFEB] Abb. 8-10 : Anteile am Stromverbrauch im Bestand 7% 2,8 KWh/m²a 28% 11,6 KWh/m²a 58% 24,4 KWh/m²a Lüftungsanlage 7% 3,0 KWh/m²a Aufzug Beleuchtung Arbeitsmittel / zentrale Dienste Flächenangaben bezogen auf m²[NGFEB] Abb. 8-11 : Anteile am Stromverbrauch nach Sanierung Die Veränderung in absoluten Werten zeigt die realisierten Einsparpotentiale in den Bereichen Lüftung und Beleuchtung auf, jedoch auch den zehnfach erhöhten Verbrauch für Arbeitsmittel und zentrale Dienste. Diese sind in den entsprechenden Kapiteln ausführlich erläutert. Ein Tagesverlauf der Etage am 21. Oktober 1999 mit hoher Leistungsaufnahme während der Betriebszeit zeigt die standby-Lasten, die an diesem Tag mit durchschnittlich 800 W ca. 40% der mittleren Tagesleistung betrugen. Im Jahresdurchschnitt erhöhte sich der Anteil des Standby-Verbrauchs sogar auf ca. 50% des Gesamtverbrauchs der Etage. Bezogen auf die Energiebezugsfläche, d.h. die Nutzfläche des Geschosses, die mit einer Energiedienstleistung versorgt werden kann (s. LEE [18] : NGFeb), sind dies 14,9 kWh/m²a standby-Verbrauch. Insgesamt (Beleuchtung, Arbeitsmittel, Lüftung, ohne Aufzug) ergibt sich mit 30 kWh/m²a ein für den Standard-Verwaltungsbau mit normaler technischer Ausstattung gerade noch akzeptabler Verbrauchswert. Ein Zielwert von 25 bzw. 20 kWh/m²a ließe sich durch Reduzierung des standby-Verbrauchs realisieren, indem z. B. Drucker und Kopierer nachts ausgeschaltet werden. Im Anhang Stromverbrauch befinden sich die Abbildungen “Verbräuche in absoluten Werten”, “Leistungsaufnahme am 12.10.1999”, und “ Monatsverbräuche 1999”. TU Braunschweig – Institut für Gebäude- und Solartechnik Prof. Dr.-Ing. M. N. Fisch Tel. 0531 / 391–3555; Fax 391-8125 Projekt 01: Komfort- und Energiegerechte Sanierung Abschlußbericht August 2000 Seite 46 8.5 Primärenergiebedarf und CO2-Ausstoß 350 77 300 [kWh/m2a] 250 292 212 52 207 200 150 117 100 50 0 Bestand Gesamtenergie 90 80 70 60 50 40 30 20 10 0 [kg/m2a] Aus den veränderten Bedarfswerten für Strom bzw- Heizenergie ergeben sich auch verbesserte Werte 10 für CO2-äquivalente Emissionen bzw. Primärenergieverbräuche für das Gebäude. Der CO2-Wert 2 2 sank von 431 t/a auf 294 t/a, dies entspricht 77 kg/m a bzw. 52 kg/m a bezogen auf NGFEB. Gleichzeitig wurde der Primärenergiebedarf von 1,64 MWh/a auf 1,16 MWh/a reduziert; entsprechend 292 2 2 kWh/m a bzw. 207 kWh/m a. Sanierung Primärenergie CO2 Abb. 8-12 : Verringerung von Energiebedarf und CO2-Emissionen. Bilanziert wurde die vorgelagerte Kette für die Endenergie bis zur Übergabe im Gebäude. Allerdings wirken sich die Energieeinsparungen hier stark unterschiedlich aus : die erzielte Reduktion des Gesamtenergiebedarfs (Strom und Wärme) um 45% schlägt sich aufgrund der tatsächlichen Erhöhung des Strombedarfs nur in einer um 33% niedrigeren CO2-Bilanz und einem 29% geringeren Primärenergiebedarf nieder. 8.6 Fassadensystemvergleich Fassade: Eine einfache Sanierung der Fassade ist nur mit Einschränkungen empfehlenswert, da sie die Fassadendichtigkeit nicht sicherstellen kann. Dennoch handelt es sich um eine wesentliche Verbesserung des Bestands und ist bei einem vergleichbaren Projekt in Abhägigkeit vom Standort, der geplanten Nutzung und der erzielbaren Mieteinnahmen eine gleichwohl erwägenswerte Alternative. Eine weitere Reduzierung des Wärmeverbrauchs, die Sicherstellung des Schlagregenschutzes, eine städtebauliche Aufwertung und zusätzliche Komfortsteigerungen sind mit einer Doppelfassade möglich. Stützen: Eine Innendämmung der Stützen hat sich rechnerisch wie meßtechisch als unproblematisch erwiesen unter Voraussetzung, daß die Anschlußfuge mit einem entsprechenden Abschlußprofil angedichtet wird. Unbedingt erforderlich ist die Stützendämmung auch zur Verringerung der Transmissionswärmeverluste und zur Einhaltung eines behaglichen Raumklimas im Winter. 8.7 Realisierung der Gebäudeautomation Das während der Sanierung installierte Netz verbindet die Funktionen verschiedener Meßwertgeber, (Außenklima-, Temperatur-, Licht- und Präsenzsensoren), mit denen der vorhandenen Steuereinrichtungen (Stellmotoren für Fensteröffner, Jalousien, Heizventile, Relais und Dimmer für Lichtschaltkreise u.a.).Alle Netzwerkvariablen werden im IGS laufend an einen PC übermittelt, dort graphisch dargestellt und aufgezeichnet. Die Auswertungen zur Raumüberhitzung, zum Mikroklima (Kap. 8.2) und zum Stromverbrauch beruhen größtenteils auf Analysen dieser Aufzeichnungen. 10 Klimawirksame Emissionen (CO2, CH4, CO, NMVOC, NOx, N2O) TU Braunschweig – Institut für Gebäude- und Solartechnik Prof. Dr.-Ing. M. N. Fisch Tel. 0531 / 391–3555; Fax 391-8125 Projekt 01: Komfort- und Energiegerechte Sanierung Abschlußbericht August 2000 Seite 47 Komfortfunktionen Zusätzlich zur automatisierten Nachtlüftung der Etage und einer flexiblen Steuerung der wesentlichen Lichtschaltkreise wurde ein Büro auf der Südwestseite exemplarisch mit einer umfassenden Ausstattung versehen. Diese besteht aus folgenden Komponenten : • Temperaturabhängige Steuerung von Fensteröffnern zur Vermeidung von sommerlicher Überhitzung durch Nachtlüftung. • Temperaturabhängige Steuerung der Heizventile; die Solltemperatur kann von den Benutzern individuell angepaßt werden. Diese Funktion gewährleistet eine deutlich genauere Temperaturregelung als herkömmliche Thermostatventile; außerdem werden bei geöffnetem Fenster die Ventile automatisch geschlossen. • Einstrahlungsabhängige Steuerung der Blendschutzlamellen (automatisches Schließen bei Ein2 strahlung > 200 W/m auf der SW-Fassade). • Anzeige der Betriebsparameter und Steuerung aller Funktionen über ein zentrales Bedienpanel im Büro • Präsenz- und tageslichtabhängige Steuerung der Leuchten Einige der dazugehörigen Regelstrategien finden sich in Anhang Gebäudeautomation. Physikalische Zuordnung der Funktionselemente Meß- und Steuereinrichtungren im Gebäude Innentemperatursensoren LON-Knoten mit Analogeingang Digitale Heizungsventile LON-Knoten mit Digitalausgang Präsenzmelder LON-Knoten mit Digitaleingang Bedientableau zur Einzelraumregelung Konfigurations- und Auswertungssoftware (PC) Typ der LON-Knoten (Unterverteilung) Einzelraumregler Graphische Entwicklungsoberfläche zur Programmierung eigener Applikationen Windsensor Sensorkoppler Beleuchtungsstärkesensor LON-Datenbus Regensensor Konfigurationssoftware LON <-> PC-Schnittstelle Außentemperatursensor Stromzähler (Integrierter Knoten) Blendschutzvorrichtungen Motorsteuereinheit Lichtlenkungselemente Motorsteuereinheit Fensteröffner (Stellmotoren) Motorsteuereinheit Dimmer Lichtstromkreise Relais Visualisierungsund Steuersoftware Meßwerterfassung, Archivierung und Analyse LON-Knoten mit A/D-Ausgang Abb. 8-13 : Funktionselemente des Automationsnetzes TU Braunschweig – Institut für Gebäude- und Solartechnik Prof. Dr.-Ing. M. N. Fisch Tel. 0531 / 391–3555; Fax 391-8125 Projekt 01: Komfort- und Energiegerechte Sanierung Abschlußbericht August 2000 Seite 48 Bedienung Die Entwicklung eigener Anwendungssoftware für die frei programmierbaren Knoten muß bis auf weiteres durch den Hersteller bzw. geschulte Fachleute geschehen, da dies umfangreiche Systemkenntnisse erfordert, die zu erlernen für den typischen Anwender zu aufwendig ist. Allerdings stehen für die meisten Knoten bereits entsprechend flexible Programme zur Verfügung, die ein breites Spektrum an Einsatzmöglichkeiten abdecken, sodaß die Anpassung an den Einsatzzweck über die Einstellung der Knotenparameter erfolgen kann. Die Bedienung und Parametrierung des Systems ist mit entsprechender Einarbeitung durch eigene Mitarbeiter möglich, erfordert allerdings Support durch die Hersteller der einzelnen Komponenten bzw. die ausführende Firma (Integrator). Inbetriebnahme Der Zeitaufwand für die Inbetriebnahme eines Automatisationsnetzwerkes sollte nicht unterschätzt werden. Ist das System einmal eingerichtet, so ist der Aufwand für Wartung, Meßwertanalyse usw. vergleichsweise gering anzusetzen. Erfahrungsgemäß treten jedoch bei der Einrichtung häufig Fehler auf, die das Projekt verzögern und zu beträchtlichen Mehrkosten führen können. Diese Fehler sind vielfach vermeidbar. Die Installation der Hardware wurde von einer Elektroinstallationsfirma vorgenommen, die Projektierung und Inbetriebnahme erfolgte durch Mitarbeiter der Herstellerfirmen Weidmüller und Reko.Die dabei auftretenden bzw. erst später erkannten Probleme umfaßten folgende Punkte : • • • • Ungenügende Spezifikation der Hardware. Mängel in der Projektierung machten den nachträglichen Austausch mehrerer Komponenten erforderlich. Fehlerhafte Installation. Stromzähler, Sonnenschutz- und Fensteröffnermotoren waren falsch an die Spannungsversorgung angeschlossen worden. Unausgereifte Produkte. Bei etlichen Komponenten war die Entwicklungsphase für Hard- und Software offenbar noch nicht abgeschlossen, einige Mängel wurden später durch ProgrammUpdates oder Austausch der Komponenten behoben. Mängel der Knoten-Applikation. Das LONMARK-Zertifikat bedeutet nicht, daß der Hersteller auf die Verwendung propietärer oder unzureichend dokumentierter Datenformate verzichtet. In diesem Fall sind der Interoperabilität Grenzen gesetzt, die für den Anwender entweder zusätzliches Engineering oder Verzicht auf Funktionalität bedeuten. Beim Projekt SAN-IGS war für die Stromverbrauchszählung und die Temperaturmessung eine Neuprogrammierung erforderlich, die Applikation der Fensteröffner mußte für den Sommer- oder Winterfall neu parametriert werden, um die gewünschte Nachtlüftungsfunktion zu erfüllen. Eine ausführliche Dokumentation der Komponenten (Hard- und Software) ist für solche Änderungen unerläßlich, allerdings keineswegs selbstverständlich. Diese Fehler sind zwar meist banal und einfach zu beheben; sie können allerdings zu größeren Verzögerungen im Projekt führen, wenn beim Suchen, Eingrenzen und Identifizieren einer Fehlerquelle die Bereiche • Sensor/Aktorhardware, • Knotenhardware, • Verdrahtung, • Knotensoftware (Fehler der Applikation oder fehlende Interoperabilität), • Knotenparametrierung, • Netzwerkparameter (Adressierung, Nachrichtenweiterleitung) • und mögliche Fehler der Inbetriebnahmesoftware berücksichtigt werden müssen. Bis zur endgültigen Betriebsbereitschaft aller Komponenten vergingen etwa 6 Monate. Allerdings wird die Einrichtung von Automationsnetzen durch die Entwicklung leistungsfähiger Softwaretools in Zukunft weiter vereinfacht werden. Auch die Möglichkeit, Automations-Netzwerke über Internet-Anbindung fernzuwarten, also Parameter zu ändern, Applikations-Updates zu installieren etc., wird sich auf die Kostenentwicklung positiv auswirken. Eine möglichst genaue Ermittlung der technischen Anforderungen und detaillierte Beschreibung der Betriebsparameter durch den Planer/Auftraggeber bleibt dennoch wichtigste Voraussetzung. Dabei sollten alle Beteiligten, also Planer/Auftraggeber, Hersteller und ausführende Firmen bereits frühzeitig gemeinsam klären, welche Funktionen von welchen Knoten übernommen werden sollen, um sicher- TU Braunschweig – Institut für Gebäude- und Solartechnik Prof. Dr.-Ing. M. N. Fisch Tel. 0531 / 391–3555; Fax 391-8125 Projekt 01: Komfort- und Energiegerechte Sanierung Abschlußbericht August 2000 Seite 49 zustellen, daß die Funktionalität der Hardware und besonders der dazugehörigen Software die Anforderungen erfüllt und der Datenaustausch aller beteiligten Knoten gesichert ist. Auf Auftragnehmerseite gehört in jedem Fall eine vollständige und genaue Dokumentation von Installation und Konfiguration der Knoten zum Auftragsumfang, damit Fehlersuche und Veränderungen am System bei Bedarf schnell und notfalls auch ohne Inanspruchnahme der jeweiligen Herstellerfirma vorgenommen werden können. Kosten der Anlage Die Kosten der Gebäudeautomation sind aufgrund des Forschungscharakters und der Größe des Vorhabens nicht repräsentativ. Die Kosten für die Vollausstattung im Referenzraum (Büro 12, nur Hardware, brutto), betrugen davon 4.300,- DM entsprechend ca. 225 DM/m². 8.8 Ökobilanz Der Versuch einer ganzheitlichen Bilanzierung aller bei der Sanierung eingesetzten Baustoffe scheiterte an der teils sehr schlechten und nicht vergleichbaren Datengrundlage und an Verbundwerkstoffen, deren Zusammensetzung nicht in Erfahrung zu bringen war. Ziel war die Beurteilung aller Sanierungsmaßnahmen bezogen auf den m² sanierter Nutzfläche bei vergleichbaren Leistungen bezüglich Wärme- und Schallschutz, eine ganzheitliche Bilanzierung des gesamten Produktlebenszykluses – cradle to grave – von der Rohstoffgewinnung und -aufbereitung, der Herstellung und Nutzung bis hin zum Recycling und zur Entsorgung inclusive aller Transporte. Die Nutzungsdauer eines Sanierungsintervalls wurde mit 30 Jahren angesetzt. Nicht Gegenstand der Untersuchung sind daher die Rohbaukonstruktion, und Teile des unverändert erhaltenen Ausbaus: der Verbundestrich und die teilweise erhaltene Aluminium Pfosten-Riegel Konstruktion. Die Lebensdauer ist für Linoleum mit 15 Jahren, für Teppichbodenbeläge mit 8 Jahren angenommen. Bilanziert werden der am Baustoff aufgewendete Primärenergieaufwand (PE) und die enstehenden treibhauswirksamen CO2-Emissionen. Aufgrund unvollständiger Datengrundlage kann die die Versäuerung betreibende Menge an SO2 nicht bilanziert werden. Das im Folgenden darstellte Ergebnis berücksichtigt nurmehr die Bauteile Fassade, Innendämmung, Innenwände, abgehängte Decken und Fußböden, die im wesentlichen aus im Bauwesen üblichen Grundbaustoffen bestehen, auf der Grundlage von 4 unterschiedlichen Datenquellen[30-33]. Alle Oberflächenbehandlungen der Malerund Lackierarbeiten sind darin nicht enthalten (da keine vergleichbare Datengrundlage ‘cradle to grave’ verfügbar ist). Die Auswertung für die durchgeführtem Maßnahmen ergab: 48kg/m² CO2-eq und 245 kWh/m² PE. In den Abbildungen 8-14/15 sind die Ergebnisse nach Bauteilen getrennt aufgeführt. Ein Optimierungspotential ist für die betrachteten Bauteile nur in Höhe von ca. 12% vorhanden : durch durchgehende Verwendung von Linoleum als Bodenbelag, Ausführung der abgehängten Decken als einfache GK-Deckensegel mit Vliesauflage. - In dieser Ausführung ergeben sich: 42kg/m² CO2-eq und 214 kWh/m² PE. Im Anhang Ökobilanz finden sich die Tabellen für die Bauteile im Vergleich. CO²-eq. [kg/m²] 15,04 18,07 Innenwände abgehängte Decken Innendämmung Stützen 3,41 10,35 1,05 Fußboden Fassadensanierung Abb. 8-15 : CO2-eq. Emissionen TU Braunschweig – Institut für Gebäude- und Solartechnik Prof. Dr.-Ing. M. N. Fisch Tel. 0531 / 391–3555; Fax 391-8125 Projekt 01: Komfort- und Energiegerechte Sanierung Abschlußbericht August 2000 Seite 50 Primärenergie [kWh/m²a] 78,21 92,54 Innenwände abgehängte Decken Innendämmung Stützen Fußboden Fassadensanierung 44,67 9,20 20,20 Abb. 8-14: Primärenergiebedarf der Sanierung Zur Einordnung der Größen: der bei der Sanierung entstehende Primärenergieaufwand (PE) und die enstehenden treibhauswirksamen CO2-Emissionen liegen in ähnlicher Größenordnung wie der bewertete jährliche Gesamtengiebedarf des Gebäudes nach der Sanierung, bzw. dem äquivalenten CO2Ausstoß in Höhe von 52 kgCO2/m²a bzw. 207 kWh/m²a. Nimmt man den Sanierungszyklus mit 30 Jahren an, so betragen der benötigte Primärenergieaufwand und die CO2-Emissionen entsprechend 1/30 für den betrachteten Zeitraum. 8.9 Wirtschaftlichkeit Bruttobaukosten Die Bruttobaukosten würden im Falle der einfachen Sanierung des kompletten Hochhauses ca. 5,1 Millionen DM betragen; käme ein Doppelfassade zum Einsatz, so beliefen sich die Kosten auf etwa 5,9 Millionen DM. Es ergeben sich somit Gesamtkosten in Höhe von ca. 900 bzw 1050 DM/m² NGFeb. Davon sind ca. 80 bzw. 94 DM/m² über die Energieeinsparung direkt zu finanzieren (Annuität 7,8% d.h. 6% Zins, Laufzeit 25 Jahre). Ein relativ geringer Wert, da die Universität als Großverbraucher beson11 ders günstige Tarife für Wärme und Strom zahlt . Setzt man weiterhin den Flächengewinn in Höhe von 50m² NF je Etage mit 3000 DM/m² Bruttobaukosten an, so reduzieren sich die Baukosten um je 1,8 Millionen DM, so daß für die Variante 1 ca. 500 DM/m² NGFeb verbleiben und für Variante 2 ca. 630 DM/m² NGFeb verbleiben. Energiekosten Das Ziel der Halbierung des Wärmebedarfs wird in jedem Fall erreicht. Der Strombedarf kann trotz deutlicher Einsparungen in Teilbereichen aufgrund der verbesserten Ausstattung nicht verringert werden (siehe Kap. 8.4). Wärme Energieverbrauch Alt / Neu / Neu DoFa [MWh/a] 1016 415 332 Kosten Alt / Neu / Neu DoFa [DM/m² NGFeb a] 14,50 5,92 4,74 Energiekennwert Alt / Neu / Neu DoFa [kWh/m² NGFeb a] 181 74 59 Strom 175 235 235 4,59 7,04 7,04 31 Gesamt 1191 650 567 19,08 12,96 11,76 42 Tab. 8-4 : Energieverbrauch und -kosten vor (alt) und nach (neu) der Sanierung des kompletten Hochhauses Flächenbezogene Kosten Die folgende Tabelle zeigt die Kosten in Bezug auf unterschiedliche Flächenkennwerte: BGF [m²] NGFeb [m²] 8455 5610 Bruttobaukosten KG 3/4 Variante 1 603 DM 909 DM Bruttobaukosten KG 3/4 Variante 2 698 DM 1.052 DM Tab. 8-5 : Bruttobaukosten für die verschiedenen Varianten 11 Derzeitiger Tarif für die TU : Strom 16 Pf/kWh, Wärme 8,0 Pf/kWh TU Braunschweig – Institut für Gebäude- und Solartechnik Prof. Dr.-Ing. M. N. Fisch Tel. 0531 / 391–3555; Fax 391-8125 NF [m²] 5196 982 DM 1.135 DM 42 Projekt 01: Komfort- und Energiegerechte Sanierung Abschlußbericht August 2000 Seite 51 9 Fazit Büro- und Verwaltungsgebäude der 70er Jahre müssen sich heute veränderten Nutzungs- und Gebäudebetriebsbedingungen stellen. • Es haben sich die ökonomischen und ökologischen Rahmenbedingungen verändert: Eine Sanierungsmaßnahme sollte Energieverbrauchskennwerte und CO2-Emissionen dem Stand der Technik entsprechend aufweisen, d.h. sich an vergleichbaren Neubauten messen lassen können. • Es haben sich die sozialen und technischen Arbeitsbedingungen verändert: Abkehr von den Bürolandschaften des Großraumbüros und der Idee der Variabilität - funktionsneutraler Rasterung in Grundriß und Technik – zugunsten neuer Bürotypologien, wie z. B. dem Kombibüro. Bildschirmarbeitsplätze und mobile Arbeitsplätze erfordern eine gebäudetechnische Ausstattung, die zum Zeitpunkt der Errichtung des Gebäudes noch gar nicht vorhersehbar war. • Schließlich haben sich auch die Behaglichkeitsanforderungen an den thermischen und visuellen Komfort verändert: natürliche Belichtung und Belüftung, vom Nutzer zu steuern, sind an die Stelle der Vollklimatisierung getreten. Die Sanierung hat also die nachhaltige Erhöhung des Gebrauchswertes des Gebäudes zum Ziel. Das Modellvorhaben "Energie- und komfortgerechte Sanierung" weist nach, daß eine energetisch optimale und kostengünstige Lösung zur Schaffung komfortgerechter Arbeitsplätze möglich ist. TU Braunschweig – Institut für Gebäude- und Solartechnik Prof. Dr.-Ing. M. N. Fisch Tel. 0531 / 391–3555; Fax 391-8125 Projekt 01: Komfort- und Energiegerechte Sanierung Abschlußbericht August 2000 Seite 52 10 Quellen- und Literaturverzeichnis Quellen : [1] SIA 380/1, Energie im Hochbau. Schweizerischer Ingenieurs- und Architekten-Verein, Zürich 1991 [2] Energie- und Wasserverbrauchskennwerte von Gebäuden in der Bundesrepublik Deutschland. Forschungsbericht der ages GmbH, Münster 1996 [3] Sanierung von RLT-Anlagen. BINE Informationsdienst, II/97 [4] Baukmann, Volker : Energetische Sanierung der Lüftungsanlage eines Institutsgebäudes der TU Braunschweig. IGS, Juni 1997 [5] DIN 5035 : Beleuchtung mit künstlichem Licht [6] Zürcher, Frank : Bauphysik - Bau und Energie, VDF Verlag, 1997 [7] E DIN 4108-3 : Wärmeschutz und Energieeinsparung in Gebäuden, 07/99 [8] DIN 4219 : Leichtbeton und Stahlleichtbeton mit geschlossenem Gefüge, 1979-12 [9] EN ISO 7730 : Moderate Thermal Environments - Determination of the PMV and PPD indices and specifications of the conditions for thermal comfort. [10] Oesterle, Lieb, Lutz, Heusler : Doppelschalige Fassaden. 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Dokumentationsreihe für die Praxis Bd. 3, Zürich 1994 [30] „Life-cycle assessment of four types of floor covering“, José Potting & Kornelis Blok, Department of Science, Technology and Society, Universität Utrecht 1994 [31] Eco-Profiles of Plastics, PWMI Brüssel TU Braunschweig – Institut für Gebäude- und Solartechnik Prof. Dr.-Ing. M. N. Fisch Tel. 0531 / 391–3555; Fax 391-8125 Projekt 01: Komfort- und Energiegerechte Sanierung Abschlußbericht [32] [33] August 2000 Seite 53 VDI Berichte 1328: Ganzheitliche Bilanzierung, Düsseldorf 1997 Ganzheitliche Bilanzierung von Fenstern und Fassaden, IKP Stuttgart/Verband der Fenster- und Fassadenhersteller e.V., Frankfurt 1998 Literatur : DIN 4701 : Regeln für die Berechnung des Wärmebedarfs von Gebäuden, 1983-3 DIN 1946-2 : Raumlufttechnik; 1994-2 DIN 18055 : Fenster,1981-10 DIN 19222 : Messen, Steuern, Regeln, Leittechnik : Begriffe VDI 3814 : Gebäudeautomation Borsch-Laaks, R.: Praktische Bauphysik der wärmetechnischen Gebäudesanierung, Energieagentur NRW REN Impulsprogramm,1998 Cakir, A. E., Cakir G.: Licht und Gesundheit, Ergonomic Institut, 3. Auflage 1998 Eyerer, Peter : Ganzheitliche Bilanzierung. Werkzeug zum Planen und Wirtschaften in Kreisläufen. Berlin 1996 Filleux, C.: Zeitgemäße Lüftungssysteme, Band 7 aus dem Forschungsprogramm ERL, Bundesamt für Energiewirtschaft (BEW) und Verband Schweizerischer Heizungs- und Lüftungsfirmen (VSHL), 1. Auflage 1994 Lange : Handbuch für Beleuchtung, Ecomed Verlagsgesellschaft, 06/1999 Person, Ralf-Dieter : Gebäudeautomation in Hochschulen. Hannover, 1998 Jürgen Simon : WertR’91 Wertermittlungsrichtlinien, Verlagsgruppe Rehm, 2. Auflage 1997 Diplom- und Belegarbeiten: [4],[13], Fox, C.: Tageslichtsimulation am „BS4“, IGS, 5/1998 Rohr, D: Bestandsanalyse der Beleuchtungsanlage im „BS4“, IGS, 4/1998 Borsutzky, A.: Natürliche Belüftung eines Bürogebäudes, IGS, 09/1998 Aslan, A.: Untersuchung der sanierten Beleuchtungsanlage im Rahmen des F+E Vorhabens "SANIGS", IGS, 12/1999 Ehlvers, F: Optimierung von Fassadensystemen durch ganzheitliche Bilanzierung, IGS, 12/1999 Prignitz, R. und Vormbaum, M.: Energie- und komfortgerechte Sanierung des Bürogebäudes „BS4“ unter besonderer Berücksichtigung der Wärmebrücken, IGS, 08/1999 11 Abbildungsverzeichnis Titel Abb. 1-1 Tab. 1-1 Tab. 2-1 Abb. 2-1 Tab. 2-2 Abb. 4-1 Abb. 5-1 Abb. 5-2 Abb. 5-3 Vorhabensbeschreibung Grundrisse 10.OG vor und nach der Sanierung Gebäudedaten nach der Sanierung Bruttobaukosten der Sanierung Institutsgebäude der TU Braunschweig (Foto) Gebäudekenndaten Ziele Energiekennzahlen im Vergleich Bestandsaufnahme Schema des Gesamtentwurfs (Bestand) Anlagenschema RLT-Anlage Fassadenundichtigkeiten am BS 4 TU Braunschweig – Institut für Gebäude- und Solartechnik Prof. Dr.-Ing. M. N. Fisch Tel. 0531 / 391–3555; Fax 391-8125 Quelle IGS IGS IGS IGS IGS IGS IGS [4] IGS Projekt 01: Komfort- und Energiegerechte Sanierung Abschlußbericht Abb. 5-4 Abb. 5-5 Abb. 5-6 Abb. 6-1 Abb. 6-2 Abb. 7-1 Abb. 7-2 Abb. 7-3 Abb. 7-4 Tab. 7-1 Abb. 7-5 Tab. 7-2 Abb. 7-6 Abb. 7-7 Abb. 7-8 Abb. 7-9 Tab. 7-3 Abb. 7-10 Abb. 7-11 Abb. 7-12 Tab. 7-4 Abb. 7-13 Abb. 7-14 Abb. 7-15 Abb. 7-16 Abb. 7-17 Abb. 7-18 Abb. 7-19 Abb. 7-20 Abb. 7-21 Abb. 7-22 Abb. 7-23 Abb. 8-1 Abb. 8-2 Abb. 8-3 Abb. 8-4 Tab. 8-1 Abb. 8-5 Tab. 8-2 Tab. 8-3 Abb. 8-6 Abb. 8-7 Abb. 8-8 Abb. 8-9 Abb. 8-10 Abb. 8-11 Abb. 8-12 Abb. 8-13 Abb. 8-14 Abb. 8-15 Tab. 8-4 Tab. 8-5 Blower-Door-Messung Oberflächentemperaturen im Winter Leistung und Lichtausbeute bei versch. Vorschaltgeräten Lösungskonzept Konzept 1 : Nachtlüftung über Querlüftung Wind Konzept 2 : Nachtlüftung über Querlüftung thermisch Maßnahmen Fugendurchlaßkoeffizienten versch. Fenstertypen Beeinträchtigung der Komfortfunktionen durch Wetterereignisse Oberflächentemperaturen am Anschluß Stütze/Fassadenprofil Anteil der Öffnungsfläche in der Vorhangfassade Energetische Kennwerte der Verglasungen Überhitzung bei nächtlicher Querlüftung Einschränkung der Nachtlüftung durch Sicherheitsfunktionen Primärenergie Fassade CO²-eq. Fassade Grundrißorganisation vor und nach der Sanierung Installierte Leistung nach Betriebseinheiten Kunstlichtsysteme Gleichmäßigkeit / Leuchtdichteverteilung Beleuchtungsstärke Blendschutz am Arbeitsplatz Eigenschaften der Verglasungen Sonnenschutz (Hüppe) Sonnenschutz (Warema) Sonnenschutz (Ergo) Verlauf des Tageslichtquotienten in einem SW-Büro (Simulation) Simulation der Tageslichtsituation System A (Raum 10) : Stellungen im Vergleich Raum 12; Stellungen im Vergleich Leuchtdichten am Arbeitsplatz Häufigkeitsverteilung der Windrichtungen für Braunschweig Ergebnisse der Strömungssimulation zur Gebäudequerlüftung Netzwerktopologien Ergebnisse Wärmebedarf im Bestand Wärmebedarf nach Sanierung Wärmegewinne und –verluste in Bestand und Sanierung Temperaturdifferenzen : Büro 10 und Büro 12 Durchschnittstemperaturen und Tempraturamplituden Überhitzungsstunden Juli/August in den SW-Büros Überhitzung in Bestand, Monitoring und Simulation Klimabedingungen Einfluß der Nachtlüftung in einer Juliwoche (Südwestbüro)) Einfluß der Nachtlüftung in einer Juliwoche (Innenzone Mikroklima BS4 / DWD-Meßwarte Endenergiekennzahlen Stromverbrauch Anteile am Stromverbrauch im Bestand Anteile am Stromverbrauch nach Sanierung Verringerung von Energiebedarf und CO2-Emissionen. Funktionselemente des Automationsnetzes Primärenergiebedarf der Sanierung CO2-eq. Emissionen Energieverbrauch und -kosten vor und nach der Sanierung des kompletten Hochhauses Bruttobaukosten für die verschiedenen Varianten TU Braunschweig – Institut für Gebäude- und Solartechnik Prof. Dr.-Ing. M. N. Fisch Tel. 0531 / 391–3555; Fax 391-8125 August 2000 Seite 54 IGS IGS IGS IGS IGS IGS IGS IGS IGS IGS [13] IGS IGS IGS IGS IGS IGS IGS IGS IGS IGS IGS IGS IGS IGS IGS IGS IGS IGS IGS IGS [24] IGS IGS IGS IGS IGS IGS IGS IGS IGS IGS IGS IGS IGS IGS IGS IGS IGS IGS IGS IGS Projekt 01: Komfort- und Energiegerechte Sanierung Abschlußbericht August 2000 Seite 55 12 Veröffentlichungen Zeitschriften Name DBZ Sonderheft Büro`99 Datum 1999 Titel Energie- und komfortgerechte Sanierung eines Bürohochhauses Verfasser Prof. Dr.-Ing. M. N. Fisch, Dipl.-Ing. M. Rozynski PR Nord 15.08.99 GFF Glas Fenster Fassade Optimierte Modellsanierung eines Geschosses Dipl.-Bauing. H. G. Heye TAB Technik am Bau Okt. 99 Prof. Dr.-Ing. M. N. Fisch, Dipl.-Ing. M. Rozynski PR Nord Metall PR Nord Österreichische Glaserzeitung 15.10.99 Energie- und komfortgerechte Sanierung eines Bürohochhauses Modellsanierung eines Geschosses Optimierte Modellsanierung PR Nord Submissionsanzeiger Hamburg 08.10.99 Optimierte Modellsanierung eines Geschosses PR Nord Glaswelt 15.11.99 Jahresenergiebedarf halbiert Dipl.-Bauing. H. G. Heye 15.10.99 Dipl.-Bauing. H. G. Heye Dipl.-Bauing. H. G. Heye Dipl.-Bauing. H. G. Heye Tagungsbeiträge 2. Wissenschaftliches Sep. 98 Symposium "Solarenergieforschung in Niedersachsen", Hameln Komfort- und energiegerechte Sanierung eines Verwaltungsbaus Prof. Dr.-Ing. M. N. Fisch, Dipl.-Ing. M. Rozynski Hochschule Bremen "Ener- Nov. 98 giesparendes Bauen" Energie- und komfortgerechte Sanierung eines Bürohochhauses Prof. Dr.-Ing. M. N. Fisch, Dipl.-Ing. M. Rozynski EPIC, Lyon Energy- and Comfortorientated Retrofitting of an Office Building Prof. Dr.-Ing. M. N. Fisch, Dipl.-Ing. M. Rozynski, Dipl.-Ing. W. Müsch 9. Symposium Thermische Mai 99 Solarenergie (OTTI), Staffelstein Energie- und komfortgerechte Sanierung eines Bürohochhauses Prof. Dr.-Ing. M. N. Fisch, Dipl.-Ing. M. Rozynski Solares Bauen (OTTI), Re- Jun. 99 gensburg Energetische Sanierung von Prof. Dr.-Ing. M. N. Fisch, Altbauten unter besonderer Dipl.-Ing. M. Rozynski Berücksichtigung der Solarenergienutzung Sustainable University, Lü- Jan 00 neburg Umgesetzte Niedrigenergiekonzepte an der TU Braunschweig Prof. Dr.-Ing. M. N. Fisch, Dipl.-Ing. M. Rozynski Power to the Tower Vom Energiefresser zum Sparwunder Knut Simon Harald Duin Nov. 98 Zeitungen Brunsweek Braunschweiger Zeitung Sep. 98 03.12.99 TU Braunschweig – Institut für Gebäude- und Solartechnik Prof. Dr.-Ing. M. N. Fisch Tel. 0531 / 391–3555; Fax 391-8125