Umschlag Maag_ok.indd - MAAG

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Fortdruck
Hochparterre
Nr. 1-2 | 2005
Maag in Hochform
Leuchtturm in
Züri West
Text:
Rahel Marti
Die Maag Holding will in Zürich West das
höchste Haus der Schweiz bauen. Ein Turm,
der den Zürcher Massstab sprengt – architektonisch und wirtschaftlich. Wie vermarktet man bei flauem Markt 36 000 Quadrat
meter Bürofläche? Die Maag Holding kalkuliert mit drei Grössen: Standort, Zielpublikum, Architektur. Sieben Starbüros aus
Zürich und Basel, Europa und Südostasien
entwarfen unschweizerische Hochhäuser;
Gigon / Guyer setzten sich mit Intelligenz,
Akribie und Schöpfungskraft durch.
Gigon / Guyer und ZED, Zürich
---------------------------------------Über dem ausgeklügelten Grundriss
reckt der Turm in die Höhe. Seine Form
ist erfunden, es gibt kein vergleichbares Hochhaus. Wie ein Telegrafenmast
nimmt er in der Stadt wenig Raum
ein und greift erst darüber, in der freien
Luft, mit feinen Fassadenvorsprün-
Bisher war das Hochhaus ein Element von vielen auf den Plänen für das Maag-Areal Plus. Das städtebauliche Konzept der Architekten Diener & Diener und
Martin und Elisabeth Boesch, 2000 aus den Studienaufträgen für die Neunutzung des Industrieareals hervorgegangen, sah den 126 Meter hohen Turm zwar vor, liess
aber offen, ob und wann er realisiert werden sollte. Das hat
die Immobiliengesellschaft Maag Holding, die vor kurzem
von der Swiss Prime Site übernommen wurde, jetzt entschieden: Sie will zuerst den Büroturm bauen. Die Gründe
sind klar: Erstens soll der Turm am besten Standort des
Areals errichtet werden, an der südlichen Ecke, die der
stark frequentierte Bahnhof Hardbrücke geradezu ideal erschliesst. Zweitens ist der ‹Maag-Tower› mit 36 000 Quadratmetern Nutzfläche auf 34 Geschossen, mit Raum für
bis zu 2000 Arbeitsplätze, der Leuchtturm Zürich Wests:
Gelingt seine Vermarktung, kurbelt er den Aufschwung
des Maag-Areal Plus an; das bisher geschlossene Industrieareal würde mit ihm öffentlich zugänglich. Anders gesagt, ohne Turm mittelfristig keine Entwicklung auf dem
Maag-Areal, wie Heinrich Kunz, Leiter Development bei
der Maag Holding erklärt: «Ohne das Hochhaus würden
sich unsere Pläne verzögern, wir müssten einen Schritt
zurückmachen und wieder grundsätzlich über die Gestaltung des Gebiets am Bahnhof nachdenken.»
gen um sich. Sie sind den Stadtteilen zugewandt. Über alles spannt eine
Der perfekte Testturm
gläserne Haut, die dem Hochhaus das
Doch wie verkauft man ein Bürohochhaus in Zürich West,
wo die neuesten Gebäude leer stehen. Die Maag Holding
kalkuliert mit drei Grössen: «Standort, bestmögliche Eignung für das Zielpublikum und Architektur.» Der Standort des Turms fast über dem S-Bahnhof ist ausgezeichnet. «Stünde es nur 500 Meter weiter hinten, hätten wir
nicht in ein Hochhausprojekt investiert», sagt Heinrich
Kunz. Der zweite Faktor: «Ausrichtung auf Unternehmen
aus dem gehobenen Dienstleistungssektor.» Unter diesen spricht die Maag Holding Firmen an, die sich neu organisieren und die ihre Mitarbeiter an einen Ort zusammenziehen wollen. Grosskunden, die mehrere Stockwerke
mieten. Doch ein Hochhaus ist nicht a priori das bessere
Bürohaus. Deshalb konzipierte die Maag Holding mit dem
Münchner Immobilienberater Horst Hofbauer einen Testturm, ein Vorprojekt, das für alle Variablen des Bürobaus
optimale Werte einsetzte. Die wichtigste Voraussetzung
für die angesprochenen Mieter sind grosse, zusammenhängende Geschossflächen – im Maag-Tower sollte die
Mietfläche rund 1100 Quadratmeter pro Stockwerk betragen. Horizontal müssen die Flächen so erschlossen sein,
dass ein Mieter sein Geschoss in bis zu vier Untermietpartien teilen kann. Ebenso erfüllte der Testturm alle Ansprüche der Bauherrschaft an die Belichtung, die Raumhöhen,
die Haustechnik und die Wirtschaftlichkeit – «er konnte
alles; was noch fehlte, war einzig die Architektur», fasst
Heinrich Kunz zusammen.
Für die Architektur beauftragte die Maag Holding sieben
Starbüros. Aber klare Vorgaben und Erfahrung mit Grossprojekten machen noch kein gutes Hochhaus. Josep Lluís
Mateo entwarf einen fulminanten Turm, erkaufte dies aber
mit grossen Dunkelflächen. David Chipperfield scheiterte,
weil er – städtebaulich durchaus sinnvoll – das Programm
zwar auf drei Gebäude verteilte, die Grundrisse aber identisch plante, statt unterschiedliche Geschossflächen anzubieten. Die Malaysier Hamzah & Yeang lieferten, wie aus
Südostasien nicht anders zu erwarten, ein Hochhaus auf
Häusliche nimmt, seinen Massstab
verhüllt, es auf ein Zeichen reduziert. Wer
diese Abstraktion wünscht, muss sie
technisch exakt ausführen – sonst kippt
der Turm ins Banale.
Jury
--> Sachpreisrichter: Samuel Gartmann,
Heinrich Kunz, Peter Valär, Maag
Holding, Zürich
--> Fachpreisrichter: Thomas Sieverts,
Bonn; Dietmar Eberle, Peter Märkli,
Zürich; Volkwin Marg, Hamburg
1
Projekte
hohem technischen Stand. Sie konzipierten es als «vertikale Stadt» mit künstlicher Natur (wie in Europa etwa die
Foster-Wolkenkratzer in Frankfurt und London), doch zerschnitten sie mit dem Glaskern die für die Vermarktung so
wichtigen zusammenhängenden Geschossflächen.
In der engeren Wahl standen die Projekte von Herzog & de
Meuron und Gigon / Guyer. Die Zürcher tüftelten mit dem
Designer und Spezialisten für Büroeinrichtung Hannes
Wettstein ein Scheibenhochhaus mit geknicktem Grundriss aus – die Hochhausform mit der besten Belichtung.
Drei Kerne und der kluge Zuschnitt der Grundrisse gestatten unzählige Möglichkeiten, Büros einzurichten. «Das
Projekt überzeugt in allen Vorgaben», sagt Heinrich Kunz.
Die Grundrissknicke sind als feine Vorsprünge in der Fassade in die Dreidimensionalität fortgeführt. Es wirkt, als
spreche der Turm in alle Richtungen mit der Stadt; diese
«Konversation» dämpft indes die gläserne Fassadenhaut,
die dem Hochhaus das Häusliche nimmt, ihm eine abstrakte Aura gibt und seinen Massstab verhüllt.
Im Gegensatz dazu ist der Herzog-&-de-Meuron-Turm greifbar; seine Fenster verkünden: Er will ein Haus und nichts
anderes sein. Organisiert ist auch dieses Projekt sehr überzeugend, aber es scheitert am Standort. H & deM rücken
den Turm in die Nordecke des Perimeters. Räumlich leuchtet das zwar ein, doch wertet es die Jury als Nachteil, dass
der Turm an diesem Ort die Gewichte auf dem Maag-Areal
verschiebt, was dem Diener / Boesch-Konzept zuwider läuft.
Hinzu kommt, dass der Turm die Nachbarschaft zu lange
beschattet. Weil es in Zürich zur Beschattungsproblematik
noch kaum Referenzfälle gibt – das Stadionprojekt dürfte
einer der ersten sein –, hätte der Turm womöglich zu einer
über Jahre unsicheren Rechtssituation geführt. Das MaagAreal Plus aber braucht den Leuchtturm jetzt. •
hochparterre.wettbewerbe
> 1 2005
Maag Tower, Zürich; Neues Casino Basel; Learning Center EPFL,
Lausanne; Haus zum Rechberg, Zürich; Festhütte Amriswil; Migros
Zentrum Oberland, Thun; Kirchliches Zentrum, Uetikon am See
> erscheint 28.02.05
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Telefon 01 444 28 88, Fax 01 444 28 89, [email protected]
Fortdruck Maag, HP 1-2|05
Projekte
2
MAP Josep Lluís Mateo, Barcelona
Herzog & deMeuron, Basel
Der eingedellte Koloss. Mateo leitet die
Der Glasbaustein. Ein Hochhaus, aus
Form aus den Geometrien des Maag-
Fenstern zusammengesetzt und er-
Areals ab. Er überlagert das diagonale
fassbar in der Grösse. Die Gläser sind
Industriegleis mit der rechtwinkligen
unregelmässig gekippt; diese zu-
Bebauung und übersetzt die Linien in
gleich innen und aussen wirksame Ge-
einen dreibündigen Grundriss und
staltung wendeten H & deM bereits
mehrfach eingedellte Fassaden. Über
beim St. Galler Helvetia Patria Gebäude
diese ist, wiederum diagonal, ein
und beim Elsässertor in Basel an.
unregelmässiges Fensterraster gezo-
Entlang der Fassaden entstünden so
gen. Die Skulptur verlangt eine an-
immer wieder andere Zonen, schrei-
spruchsvolle Konstruktion, die Fassaden
ben die Architekten. Die Büroetagen mit
sind tragend geplant. Bei der Organi-
nur einem Kern sind effizient nutzbar,
sation des Innern bereitet die kraftvolle
aber auch tief. Aus der gezeigten Pers-
Plastik aber Mühe. Die wechselnden
pektive wirkt der Turm rechteckig:
Fensterformate laufen der Vermietungs-
Der fünfseitige Grundriss lässt ihn aus
strategie mit möglichst einheitlichen,
jeder Richtung anders erscheinen,
flexiblen Flächen zuwider. Die schräg
mal als Scheibe, mal als Keil. H & deM
verlaufenden Fassaden erzeugen
bilden als einzige mit einer sicht-
einen hohen Anteil an Dunkelflächen.
baren Attika einen oberen Abschluss.
David Chipperfield Architects, Berlin
Sauerbruch Hutton, Berlin
Die Dreieinigkeit. Statt einem Hochhaus
Marke ‹bunt›. Farbige Gläser und Son-
fügt Chipperfield drei Gebäude in den
nenstoren kennt man von Sauer-
Perimeter. Zwar verlassen auch sie den
bruch Hutton schon aus anderen Städ-
Massstab des Maag-Areals, sprengen
ten. Für Zürich schlagen sie Blau-
ihn aber dank den Grössenabstufungen
orange nach Westen und Weiss-rot nach
nicht. Die beiden niedrigeren Bauten
Osten vor. Die Farben und die Run-
vermitteln zwischen Turm und Umge-
dungen im Grundriss des Stelenhoch-
bung. Zwischen den Gebäuden webt
hauses mögen räumlich und plas-
der Architekt das Netz der Industriegas-
tisch reizvoll sein, doch der «bewusste
sen weiter. Doch die städtebaulich
Kontrast zur sachlich-kantigen In-
sinnvollen Gedanken sind architektonisch
dustriearchitektur», den die Architekten
schwerfällig umgesetzt. Das steinerne
wollen, ist auf dem Maag-Areal gera-
Fassadenraster wirkt zu klobig, die Grup-
de nicht gesucht. Das Hochhaus in einen
pe zu wuchtig. Zudem können keine
städtebaulich und formal gesonder-
verschiedenartigen Mietflächen angebo-
ten ‹Cluster› zu stellen, gebe die Charak-
ten werden. Hoher Fassadenanteil
teristik des ursprünglichen Industrie-
und geringe Geschossflächen machen
areals auf, urteilt die Jury. Zudem seien
das Gebäude zuwenig wirtschaftlich.
die Büros zu unkonventionell.
Burckhardt + Partner, Zürich
Hamzah & Yeang, Kuala Lumpur
Der Platz zum Turm. Die ersten drei Ge-
Das Implantat. Hochhäuser baut man
schosse des Turms bilden den gläser-
heute als ‹vertikale Städte›, wissen
nen Eingangsbereich und die Front zum
die Malaysier Tengku R. Hamzah and Ken
‹Bahnhofplatz›, den Burckhardt + Part-
Yeang. Also stapeln sie im ‹State of
ner vor dem Bahnhof Hardbrücke bauen
the Art›-Tower das urbane Leben über-
wollen. Dafür müssen Teile des Be-
einander und bereichern es mit
stands weichen und der Turm nach Nor-
‹künstlicher Natur› in Schächten und
den rücken. Die Idee des grossen
Geschossen. Das mache an unwirt-
Platzes besticht, ist aber zu unsensibel.
lichen Orten Sinn, doch hier sei das über-
Die beanspruchte Zentrumsfunktion
instrumentierte Innenleben eine
drückt das Quartier an den Rand, was
Konkurrenz für das zukünftige Stadtquar-
dem Diener / Boesch-Konzept wider-
tier, schreibt die Jury. Die technoide,
spricht. Bildlich steht das Projekt dem
unverständliche Form wirkt in Zürich
Testturm von allen am nächsten.
West wie ein Implantat aus Südost-
Über den Eingangsgeschossen verhüllt
asien. Auf die Bedürfnisse der Maag
eine zweite Fassadenhaut aus hellem,
Holding geht der Entwurf kaum ein.
perforiertem Blech das Gebäude. Die
Die unübersichtliche Struktur ohne Mit-
Gestaltung bleibt vage, dafür ist
te steht dem Wunsch, ganze Geschosse
der Turm gut gegliedert und funktional.
vermieten zu können, im Weg.
3
Projekte
Projekte
4
Der neue
Massstab
?
Das Offensichtliche zuerst: Geplant ist ein
Es geht nicht darum, höher zu bauen als der
Messeturm in Basel, sondern darum, wie sich der Turm in
die Gesamtstadt einordnet. Zürich West als Ganzes hat einen neuen Massstab und der Ort beim Bahnhof Hardbrücke ist für ein Hochhaus prädestiniert, es wird den neuen
Massstab sichtbar machen.
schossflächen sein, damit das Hochhaus wirtschaftlich
ist? Die gelösten Hausaufgaben erhöhen die Chance, dass
das Siegerprojekt auch gebaut werden kann.
Samuel Gartmann: Wir wollten lernen, was es braucht, um ein
Hochhaus zu bauen. Das war mit einem Testprojekt am
einfachsten. Wir haben uns in die Statik, Logistik, Grundrisse, aber auch die Wirtschaftlichkeit hineingekniet, um
ein Hochhaus zu modellieren. Doch das Testprojekt war
keine Einschränkung, sondern eine Datenbasis, welche die
Realisierung erst ermöglicht.
?
Ist es für Maag wichtig, das höchste Haus
?
der Schweiz zu haben?
Samuel Gartmann:
Turm mit 126 Metern Höhe. Warum gerade 126 Meter, und geht es darum, das
höchste Haus der Schweiz zu bauen?
Regula Lüscher:
Für uns ist es nicht wichtig, aber es ist auch
nicht schlecht. Das Hochhaus stammt aus dem städtebaulichen Konzept von Roger Diener und Elisabeth und Martin Boesch und hat uns bewogen, in die Höhe zu gehen, um
am Boden mehr Freiheit zu gewinnen. Wir glauben auch,
dass ein Hochhaus ein sehr differenziertes Raumangebot
ermöglicht, das wir im Markt platzieren werden.
Samuel Gartmann:
Benedikt Loderer
Pirmin Rösli
Interview:
Fotos:
Vom Industrieareal zum Hochsegment-Hochhaus. Über den Weg und die
Ziele geben Samuel Gartmann, Chairman and CEO der Maag Holding Ltd.,
und Regula Lüscher Gmür, die stellvertretende Direktorin des Amtes für
Städtebau der Stadt Zürich, Auskunft. Oder anders herum: Die Vertreter
der Landeigentümerin und der Behörden sprechen miteinander.
?
Steht das Hochhaus städtebaulich wirklich am richtigen Ort?
?
Stichwort Bahnhof Hardbrücke. Er soll
aufgewertet werden. Was wird besser?
Baut man das Hochhaus, so wird zum ersten
Mal das Maag-Areal zum Bahnhof hin geöffnet. Damit erreichen wir die Anbindung an den Bahnhof und den Durchgang Richtung Pfingstweidstrasse und Technopark. Diese
Öffnung schafft Platz für die Neugestaltung des Empfangsraums vor dem Bahnhof.
Samuel Gartmann:
?
Ist der Bau des Hochhauses von der Aufwertung des Bahnhofs abhängig?
Nein umgekehrt, der Bahnhof ist von der Öffnung des Maag-Areals abhängig. Erst damit können wir
den Bahnhof aufwerten.
Regula Lüscher: Was die Stadt im ersten Schritt als Aufwertung
plant, sind kurzfristige Massnahmen. Weitergehendes wird
erst im Zusammenhang mit den definitiven Entscheiden
zur übergeordneten Verkehrsführung und der Entwicklung
der Areale links und rechts vom Bahnhof erfolgen.
Samuel Gartmann:
?
Maag hat seine Hausaufgaben gelöst, das
ideale Hochhaus entwickelt. Wurden die Architekten nur als Dekorateure benötigt?
Das kann man überhaupt nicht sagen. Diese
Vorabklärungen waren nur eine seriöse Vorbereitung des
Wettbewerbs. Erst wenn man die Machbarkeit abgeklärt
hat, kann man es verantworten, einen solchen Wettbewerb
durchzuführen. Wie gross müssen zum Beispiel die GeRegula Lüscher:
Samuel Gartmann, Maag Holding und
Regula Lüscher Gmür, Amt für Städtebau.
1
Der Plan zu den Sonderbauvorschriften
(Seite 6) gemäss Gemeinderatsbeschluss vom
15. Dezember 2004.
2
Teilgebiete
Baubegrenzungslinien
Maag-Hof
Standort Hochhaus
?
vorschriften. Am 15. Dezember legte er
vermieten zu können?
sie mit diesen Kompromissen fest:
35 Prozent Wohnanteil (statt 27 Prozent),
unter anderem auch dank des hervorragenden Standorts, in
einer anderen Liga als der grosse Teil der heutigen Leerstände. Wir trauen uns zu, die richtigen Mieter zu finden,
denn das Hochhaus wird ein neues Merkzeichen in Zürich
mit Vorteilen, die andere Gebäude nicht haben.
maximal 280 öffentliche Parkplätze,
?
Gibt es eine Mindestvermietung, bevor
und es muss keine öffentliche Nutzung
Sie mit dem Bau beginnen?
enthalten. Zwei Ereignisse im
keine Einkaufszentren und Fachmärkte,
das ganze Gebiet wird zur Begegnungszone (früher Wohnzone genannt).
Das Hochhaus darf gebaut werden
Stadt vor dem Abschluss einer kooperati-
?
Maag ist verkauft worden, was heisst das
schnell wie möglich mit dem Bau von 550
fürs Projekt?
Wohnungen beginnen.
Parlament, das sich zuweilen umgangen
fühlt und Änderungen verlangt. Damit ist
in das Verfahren eine Unsicherheit eingebaut. Wie gross ist sie?
Wenn man in kooperative Verfahren einsteigt,
kann man in relativ vernünftigem Zeitrahmen relativ vernünftige Lösungen erreichen. Richtig, das Parlament ist
nicht dabei, doch meine persönliche Meinung ist, dass
die Integration von Parlamentariern in die kooperative Planung schwierig ist. Wenn die Damen und Herren verschiedener Parteien am gleichen Tisch sitzen, werden sie kaum
einen tragfähigen Konsens erzielen können. Doch es ist
richtig, die Ungewissheit, wie das Parlament entscheidet,
ist ein Verfahrensnachteil der kooperativen Planung.
Regula Lüscher: Man darf auch nicht vergessen, dass die kooperative Planung nicht nur ein Aushandeln ist, sondern ein
Findungsprozess. Dass man in Zürich West auch über Wohnanteile, Freiräume, Durchnetzung spricht, heisst über städtebauliche Qualität reden. Betrachtet man die Sonderbauvorschriften für das Maag-Areal mit etwas Abstand, so
sieht man, dass die generellen Ziele erreicht wurden.
Wie gross ist die Gefahr, dass die politische Mühle aus der kooperativen Planung Häcksel macht?
Sie ist nicht so gross. Die Leute aus der Verwaltung, die daran beteiligt sind, müssen neben den fachlichen Inputs auch die politische Wetterlage abschätzen
können. Manchmal scheinen in den Verhandlungen die
Standpunkte unvereinbar, doch am Schluss muss ein Konsens gefunden werden, und der ist dann nicht allzu weit
von den Inhalten der kooperativen Planung entfernt.
Samuel Gartmann: Es gibt aber Killerkriterien. Wenn ich den Dialog mit der Stadtentwicklungskommission anschaue, dann
konnten wir unsere Argumente einbringen und nachweisen, welche Einschränkungen das Vorhaben verhindern
würden. Wir haben auch klar gemacht, dass die Stadtentwicklung nur dann vorangeht, wenn realisiert wird.
Regula Lüscher:
Wie teuer wird das Hochhaus?
Teuer. Selbstverständlich haben wir Kostenschätzungen, sie bewegen sich ohne Landwert zwischen
Samuel Gartmann:
derat zur Behandlung der Sonderbau-
Samuel Gartmann: Die Qualität der Büroräume im Hochhaus spielt,
Samuel Gartmann:
ven Planung. Das letzte Wort hat nun das
?
Was macht Sie so sicher, 36 000 Quadratmeter Bürofläche im übersättigten Markt
Nach fast fünf Jahren stehen Maag und die
Warum sind die Verfasser des städtebau-
Wir haben Roger Diener als Teilnehmer angefragt, er lehnte ab. Auch als Juror musste er aus Gründen
von Interessenkonflikten ablehnen.
?
Dreizehn Monate brauchte der Gemein-
Dezember 2004 dürften das Projekt
Samuel Gartmann:
Samuel Gartmann:
Village-Idee, was heisst das?
Die Sonderbauvorschriften
Wir gehen von einer Vorvermietung von siebzig Prozent aus, bevor wir die Detailplanung starten. Ein
Hochhaus ist ein komplexes Gebilde, das einen enormen
Planungsaufwand verlangt. Wir rechnen mit sieben Millionen Franken Planungskosten vom Start bis zur Baueingabe, darum brauchen wir die Gewissheit, wichtige Schlüsselmieter zu haben. Haben wir die richtigen Grossmieter,
dann besteht die Chance, die übrigen zu finden.
lichen Konzepts nicht in der Jury ?
?
Es geht darum, um den Bahnhof Hardbrücke
einen urbanen Raum zu schaffen, der eine hohe Dichte hat,
eine gewisse Enge und Geborgenheit ausstrahlt und eine
hohe Erlebnisdichte aufweist.
Perimeter
?
?
Regula Lüscher:
1
Zuerst haben wir das Beurteilungsgremium
gesucht. Dann haben wir für die Architekten Kriterien aufgestellt. Können wir mit dem Gewinner gut zusammenarbeiten? Wer wird das städtebauliche Konzept für das
Maag-Areal beachten, statt einen Solitär hinzustellen?
Selbstverständlich, sonst wäre es nicht dort.
Es gab einen Wettbewerb, mit dem eine städtebauliche Lösung gefunden wurde, welche die Identität, die das Areal
bereits hatte, in eine neue Zeit fortsetzt. Das Hochhaus
bildet zusammen mit den bestehenden Bauten, dem Gleisbogen und der Hardbrücke die Village-Idee, den Kerngedanken des städtebaulichen Entwurfs.
Regula Lüscher:
Wie fanden Sie die sieben Architekten?
150 und 170 Millionen Franken. Doch hängt das noch sehr
von den potenziellen Grossmietern ab, deren Wünsche in
den Bau einfliessen werden.
beschleunigen: Die zweitgrösste
Schweizer Immobilienfirma Swiss Prime
Site stieg als Aktionärin bei Maag
Holding ein, die nun Geld im Rücken hat.
Und Coop hebt sein Verteilzentrum
und damit 1500 Lastwagenfahrten pro
Tag auf. Das Unternehmen will so
Genauer: Bisherige Aktionäre haben der Swiss
Prime Site ihre Aktien verkauft. Damit hat Maag einen finanzstarken Grossaktionär, der ein Interesse an solchen
Entwicklungsprojekten hat. Das Maag-Areal passt in seine Mittelfristplanung: Der Messeturm in Basel ist fertig,
Sihl City wird gebaut und Maag ist in der Pipeline, eine logische Fortsetzung dieser Developmentaktivitäten. Damit
sind wir besser positioniert, wir müssen nicht mehr erklären, ob wir das Projekt auch finanzieren können.
Samuel Gartmann:
?
Gut, das Hochhaus wird gebaut. Was
heisst das für die Stadtentwicklung?
Es ist ein Zeichen dafür, dass in Zürich West
die Entwicklungsplanung auch umgesetzt wird, dass dort
ein Quantensprung geschieht, der sich allerdings städtebaulich und architektonisch als spezifisch zürcherische
Identität behaupten kann und nicht in ein internationales
Allerweltsbild abdriftet.
Regula Lüscher:
?
Im Umkehrschluss heisst das doch, dass,
wenn das Hochhaus nicht gebaut wird,
Zürich West blockiert ist.
Nein, warum auch? Ich sehe das nicht so dramatisch. Wird das Hochhaus nicht gebaut, fehlt ein Landmark, doch in Zürich West wird weitergebaut. Schade wäre
allerdings, wenn an diesem Ort mit seiner ernormen Erschliessungsqualität sich die Hochsegment-Firmen, die
den Landmark suchen, nicht ansiedeln könnten.
Samuel Gartmann: Wenn das Hochhaus scheitert, heisst das für
Maag, dass das Areal für einige Jahre weiterhin geschlossen bleibt, dass die Zwischennutzungen weitergeführt
werden und man nochmals über die Bücher muss, um zu
anderen Konzeptionen zu kommen. Doch muss man den Zusammenhang mit Maag-Areal plus sehen. Das Coop-Projekt macht Fortschritte, ist hoch attraktiv, auch für Maag,
weil dort mehrere hundert Wohnungen entstehen sollen
und weil eine Verteilzentrale mit Verkehr von 1500 Lastwagen pro Tag verschwindet. Das Gesamtareal wird sich
weiterentwickeln, aber vorne zum Bahnhof hin gäbe es
eine Pause von einigen Jahren.
Regula Lüscher:
?
Samuel Gartmann:
Wann werden Sie den Turm einweihen?
Wenn alles gut geht 2009. •
2
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Interview
Interview
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