FÜR KINDER SCHILFRÖHRICHT, KINDERSTUBE DER RIEDVÖGEL Schlangenbrot Rezept Vom Technikum bis zum Kloster Wurmsbach und darüber hinaus dehnen sich am Seeufer weite Schilffelder aus. Sie sind Brutgebiet zahlreicher Vogelarten. Am Obersee gibt es bei der Mündung des Linthkanals und im Nuoler Riet weitere grössere Uferröhrichte. Das längste zusammenhängende Schilfufer am ganzen Zürichsee finden wir im Frauenwinkel bei Pfäffikon. Zutaten für 6 Personen: Am äusseren Rand des Röhrichts baut der Haubentaucher auf dichter Unterwasservegetation sein schwimmendes Nest. Es hebt und senkt sich mit den Frühsommerhochwassern während der Schneeschmelze in den Bergen. Ganz traumhaft anzusehen ist das Paarungsritual der Haubentaucher Abb. 6 . Auch der Höckerschwan und das Blässhuhn legen im Schilfsaum ihre Nester an. Sie scheuen die Nähe zu den Menschen weniger und brüten auch mal direkt neben einem viel begangenen Schiffsteg. 8 WASSERFLEDERMÄUSE IM LIDO Wasserfledermäuse Abb. 8 bewohnen im Sommerhalbjahr meist Baumhöhlen. Doch die Bootshalle im Lido bietet mit ihrem speziellen Mikroklima und der unmittelbaren Nähe zum Wasser ideale Bedingungen für eine sogenannte Wochenstube. Die Wasserfledermäuse wohnen hier also nicht nur, sondern ziehen auch ihre Jungen auf. Am Zürichsee sind nur gerade eine Handvoll solcher Kolonien bekannt. Jene im Lido umfasst rund 200 Tiere. Neben ihnen hegt eine weitere Tierart in der Halle ihren Nachwuchs: Rauchschwalben, die sonst in unseren Breiten fast nur in Kuhställen brüten. Doch hier schätzen sie, genau wie die Fledermäuse, den reich gedeckten Insektentisch. Die Spannweite der Wasserfledermaus liegt mit rund 27 Zentimeter nur wenig unter jener der Rauchschwalbe, aber mit zehn Gramm ist sie lediglich halb so schwer. Die alten Schilfhalme, die über Jahre stehen bleiben, bilden ein dichtes Gerüst, in das Teich- Abb. 7 und Drosselrohrsänger ihr Wiegennest flechten. Im Juni singen die Männchen fast pausenlos unsichtbar aus dem Röhricht heraus, um ihr Revier zu markieren. Der Sumpfrohrsänger wählt als Brutplatz eher Brennnesselfluren oder Himbeergestrüpp, die landseitig an das Schilfröhricht anschliessen. Auch die Rohrammer nistet hier in krautiger Vegetation, nahe beim Boden und durch überhängende Blätter vor Greifvögeln geschützt. Zwergdommel, Wasserralle und Rohrschwirl sind weitere Vogelarten, die das Schilfröhricht als Brutlebensraum nutzen. Im Spätsommer und Herbst versammeln sich bei der Abenddämmerung jeweils hunderte von Rauchschwalben und Staren in den Schilffeldern, um in deren Schutz die Nacht zu verbringen. Auch die Baumfalken haben dieses Nachtlager entdeckt und versuchen, in akrobatischen Jagdflügen einen der unzähligen Vögel zu erbeuten. Es ist ein optisches und akustisches Spektakel! Unser Bild von Fledermäusen ist geprägt von Vorurteilen, von Blut saugenden Vampiren und Fledertieren, die sich im langen Haar der Frauen verfangen und ihnen den Kopf verwirren. Solche Geschichten gehören natürlich ins Reich der Märchen. Wahr ist hingegen, dass Fledermäuse sehr effektive Insektenjäger sind: Beobachtungen zufolge erbeutet eine einzelne Wasserfledermaus in einer Nacht rund 2000 Insekten. Eine Kolonie mit 50 Tieren bringt es in einem Monat auf 3 Millionen Fliegen, Mücken und Schnaken! Die Tiere der Lido-Kolonie fressen übrigens jeden Abend zuerst die Wasseroberflächen in der Bootshalle leer, bevor sie ihre Jagd auf dem See draussen fortsetzen. 400 g Mehl ½ Würfel Frischhefe (ca. 20 g) 2 dl Wasser 1 TL Salz 3 EL Olivenöl Supplement: Frische Kräuter, Reibkäse, Speckwürfeli, Trockenfrüchte oder Schokoladenstreusel in den fertigen Teig kneten. Mehl und Salz in eine Schüssel geben und in der Mitte eine Vertiefung anbringen. Die Hefe mit 0.5 dl Wasser anrühren und in die Mulde giessen. Restliches Wasser und Öl beifügen und alles zu einem glatten Teig kneten. Die Schüssel mit einem Tuch bedecken und den Teig an einem warmen Ort um das Doppelte gehen lassen. Pius Rickenmann (1895–1987) IM STAMPF BEI JONA Hier jubelt sommerliches Badetreiben Im Schattenschlag der Bäume und im See; Das Leben pulst durch urgesunde Leiber, Braun von der Nasenspitze bis zur Zeh’. Seitan, im hohen Doppeldamm verborgen, Geht dünn und träg des Flusses letzter Lauf; Sein Wandern durch die Heimat ist am Ende, Der weite Wasserspiegel nimmt ihn auf. Und keiner, der in Flut und Glast sich tummelt, Und mag er schweigend auf der Böschung stehen, Gewahrt, das Aug’ geblendet von der Freude, Wie nah auch hier sich Sein sind und Vergehn. Den Teig nochmals gut durchkneten, in 6 gleichmässige Stücke schneiden, diese zu 20 cm langen daumendicken Rollen formen und um noch grüne Haselstecken wickeln. Über dem Feuer während ca. 20 Minuten schön braun backen. Bon Appetit! Als Alternative: Fertig-Pizzateig (als Klumpen, nicht ausgewallt) verwenden Impressum Projektleitung, Inhalt und Texte: Verein Natur Rapperswil-Jona, [email protected], www.natur-rj.ch Fotos: Jean-Marc Obrecht (Abb. Editorial, 1–4), Stefan Ineichen (Abb. 5), Andi Hofstetter (Abb. 6, 7), René Güttinger (Abb. 8) Karte: Reproduziert mit Bewilligung von swisstopo (BA160248) Layout und Illustrationen: Nadine Colin, illustrat.ch © 2016 Verein Natur Rapperswil-Jona, www.natur-rj.ch 6 7 Wanderung im Juni SPYREN, SCHILFSAUM, SOMMERSEE ren, wie sie hier heissen, durch eine grosse Lücke am Zeltrand ein und drehen zwei Runden im überdachten Hof, bevor sie ihren Nistplatz ansteuern. 1 2 8 3 4 5 7 Sitzbank Rastplatz 6 Einkehrmöglichkeit ÖV-Anschluss Die Altstadt ist ein einziges Blühen und Schwärmen. Im Schilfröhricht am Seeufer ziehen unzählige Vögel ihre Jungen auf. Ihr vielstimmiges Konzert ist im Morgengrauen am eindrücklichsten. An allen Orten gibt es überquellendes Leben. In der heissen Mittagssonne kehrt Ruhe ein, und wir finden lauschige Plätzchen am See. Gegen Abend setzt das Vogelgezwitscher wieder ein, und auch nach dem späten Eindunkeln sind gewisse Tiere noch auf Partnersuche unterwegs – und machen dabei mit faszinierenden Hilfsmitteln auf sich aufmerksam. IM JUNI DEM SEEUFER ENTLANG Bedingungen aus, darunter das Blaugrüne Sternlebermoos, das seinen eigentlichen Lebensraum in den Äckern hat. Strecke: 5.8 km Dauer des Spaziergangs: ca. 1½ Std. Wir starten unseren Spaziergang beim Bahnhof Rapperswil in Richtung Hauptplatz und Schloss. Gassen und Plätze sind mit Kopfsteinpflaster befestigt, und in ihren sandigen Fugen spriessen allerlei Pflanzen Abb. 1 . Diese Überlebenskünstler sind dauerndem Tritt ausgesetzt. Neben Miniaturformen häufiger Arten, wie Löwenzahn und Breitwegerich, finden wir hier auch das Niederliegende Mastkraut, einen eigentlichen Pflasterstein-Spezialisten. Auch viele Moosarten halten die extremen Auch in den Ritzen der alten, unverfugten Mauern keimt Leben. Wir finden hier wieder verschiedene Moose und Farne, aber auch echte Mauerblümchen wie das Zimbelkraut Abb. 2, den Gelben Lerchensporn oder die Rote Spornblume. In den Schlosstürmen nisten Turmdohlen. Diese kleinen Rabenvögel brüten gern in Kolonien und suchen ihre Nahrung als Allesfresser oft weit ab vom Nistplatz. Ihre Anwesenheit verraten sie durch ein lautes «kja!». 3 ersetzen teils Wildblumenwiesen die monotonen Rasen. Schmetterlinge und Bienen schätzen dies offensichtlich. Die beiden Cafeterias der Hochschule mit Terrasse sind öffentlich. Ein überaus lauschiges Plätzchen ist aber auch die kleine Insel beim alten Bootshafen gleich nach der Hochschule 3 . In den Steinblöcken am Ufer zwischen Kapuzinerspitz 2 und Boothafen entdecken wir vielleicht eine Würfelnatter Abb. 3 , die sich hier aufwärmt, bevor sie auf Fischjagd geht. Wir umrunden das Hafenbecken und unterqueren den Seedamm. Unmittelbar nach dem Seedamm, auf der Mauerkrone gegen das Bahnareal hin, ist der beste Platz, um Ruineneidechsen zu beobachten. Sie sind aus Italien eingeschleppt worden und halten sich hier seit Jahrzehnten. Nach wenigen Schritten zweigt ein Stichweg gegen das Ufer hin ab. Der kleine Wall an seinem Ende war einst der Kugelfang des Schiessstands. Heute bietet er einen schönen Überblick über den Schilfgürtel 4 . Hier erschallt schon vor Tagesanbruch ein vielstimmiges Morgenkonzert. Meisen und Grasmücken singen in den Weidenbüschen, aus dem Schilfröhricht die verschiedenen Rohrsänger Text Rückseite . Im Röhricht beim Heilighüsli brüten oft Höckerschwäne, Blässhühner oder Haubentaucher. Vom Pilgersteg aus lassen sie sich hervorragend beobachten. Um die Hochschule herum Über die Altstadtdächer und um das Schloss 1 kreisen in pfeilschnellem Flug Mauersegler auf der Jagd nach Insekten. Einige von ihnen brüten im Schlosshof im Boden des hölzernen Wehrgangs. Seit der Innenhof mit einem transparenten Zelt überspannt ist, fliegen die Spy1 In der Bootshalle im Lido 5 leben – von den menschlichen Nutzern kaum wahrgenommen – ganz besondere Untermieter: Wasserfledermäuse Text Rückseite . Wenn es dunkel wird, fliegen sie 2 zur Jagd aus, stets dicht über der Wasseroberfläche und daher vom Ufer aus kaum zu sehen. Zwischen Lido und Busskirch erstreckt sich ein schönes Seeried. In den Pfeifengraswiesen blüht da und dort eine Gelbe Schwertlilie. Im Spätsommer werden Lungenenzian und Teufelsabbiss dazu kommen. Die prächtige Sibirische Schwertlilie Abb. Titelseite , die jetzt im Juni tiefblaue Farbtupfer ins Ried malt, kommt hier leider nicht vor. Wir können sie in der Joner Allmeind bestaunen. 4 gebastelt. Das zeigt wohl, dass damals, Mitte des 19. Jahrhunderts, die Teichbinsen noch viel reichlicher am Seeufer wuchsen. Im Wassergraben beim Strandbad Stampf 7 blühen Gelbe Schwertlilien, und der Rohrkolben wächst üppig. Bei Sonnenschein schwirren Libellen über dem seichten Wasser. Beim Einnachten hört man im Graben die Gelbbauchunken leise rufen – und irgendwo draussen auf den Inseln in der Stampfbucht jubeln die Brachvögel, bevor sie sich für die Nacht zur Ruhe begeben. Nach einem Abstecher an die Mündung der Jona folgen wir dem Fluss hinauf bis zur Station Blumenau, wo wir den Zug nach Rapperswil nehmen können. Ab Mitte Juni spielt sich hier an den Gleisen 8 nachts ein zauberhaftes Sommerlichtspiel ab: Zwischen der dichten Vegetation in der Bahnböschung leuchten die Glühwürmchen Abb. 5! Die flugunfähigen Weibchen des Grossen Leuchtkäfers locken mit ihrem grün glimmenden Hinterleib die Männchen an. Beim kleinen Hafen in Busskirch 6 lohnt sich ein Abstecher: Blickt man vom Steg zum Ufer, schiebt sich eine malerische Bootshausreihe vor die Kirche. Rechts schliesst ein schönes Uferröhricht an, in dem jetzt Wasservögel brüten. Gleich neben dem Steg wächst ein kleiner Teichbinsenbestand Abb. 4 . Aus solchen Binsen hat in Ida Bindschedlers «Die Turnachkinder» die Mutter ihren Kindern natürliche Schwimmhilfen 5