Antisemitismus in den Kirchen

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„Man hat sich hierzulande daran gewöhnt…“- Antisemitismus in Deutschland heute (Prof. Dr. Ursula Rudnick)
Der Titel der Ausstellung „Man hat sich hierzulande dran gewöhnt“ – Antisemitismus in Deutschland heute enthält zugleich eine These: „Man hat sich hierzulande daran gewöhnt….“ An Antisemitismus in Deutschland. Die
These ist als ein Zitat formuliert. Dieses Zitat regt zum Nachdenken an und wirft die Frage auf: Habe ich, haben
wir uns an Antisemitismus in Deutschland gewöhnt?
Im vorletzten Jahr wurde Rabbiner Daniel Alter in Schöneberg vor den Augen seiner kleinen Tochter brutal zusammengeschlagen. Sein Jochbein war gebrochen, er musste operiert werden. In den letzten 10 Jahren fanden pro
Jahr zwischen 1200 und mehr als 1700 polizeilich erfasste antisemitische Straftaten statt. Die Dunkelziffer dürfte
weitaus höher sein. Und: Antisemitismus zeigt sich im Alltag auf vielfältige, meist nicht justiziable Weise.
Eine Chronik antisemitischer Vorfälle finden Sie auf der Internet-Seite der Amadeu Antonio Stiftung, die auch
diese Ausstellung erarbeitet hat. Die Amadeu Antonio Stiftung wurde 1998 gegründet. Ihr Ziel ist es, die demokratische Zivilgesellschaft zu stärken, die sich konsequent gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus wendet. Hierfür unterstützt die Stiftung lokale Initiativen und Projekte. Der Name der Stiftung erinnert an
den aus Angola stammenden Amadeu Antonio Kiowa, der am 6. Dezember 1990 in Eberswalde erschlagen
wurde.
Was ist Antisemitismus?
Der Begriff Antisemitismus hat sich als Oberbegriff für Judenfeindschaft nicht nur in der deutschen Sprache
durchgesetzt.
Der Begriff selbst entstand im 19. Jahrhundert. Es gilt der Journalist Wilhelm Marr gilt als Erfinder des Begriffs
„Antisemitismus“. In seiner Schrift Der Sieg des Judenthums über das Germanenthum von 1879 benutzte er diesen Begriff, um seine Judenfeindschaft pseudowissenschaftlich zu begründen und sie von religiös motivierter
Judenfeindschaft zu unterscheiden.
Charakteristisch für Antisemitismus ist eine negative, stereotypisierende Wahrnehmung. "Der einzelne Jude wird
nicht als Individuum, sondern als Angehöriger eines Kollektivs ... wahrgenommen." Der entscheidende Grund für
die Ablehnung hängt mit der angeblichen oder tatsächlichen jüdischen Herkunft eines Individuums oder einer
Gruppe zusammen. Dies tritt deutlich in der Sprechweise "Die Juden sind ... oder die Juden tun..." hervor.
Die EU- Arbeitsstelle zur Bekämpfung von Antisemitismus definiert Antisemitismus folgendermaßen: "Der
Antisemitismus ist eine bestimmte Wahrnehmung von Juden, die sich als Hass gegenüber Juden ausdrücken
kann. Der Antisemitismus richtet sich in Wort und Tat gegen jüdische und nicht-jüdische Einzelpersonen und /
oder deren Eigentum, sowie gegen jüdische Gemeindeinstitutionen oder religiöse Einrichtungen."
Wichtig ist mir hervorzuheben, dass es kein antisemitisches Weltbild braucht, um antisemitische Stereotype zu
produzieren. Ein Beispiel hierfür ist die Beschimpfung: "Du Jude" - unter Jugendlichen. Meist ist die so angesprochene Person nicht jüdisch und die wenigsten Jugendlichen haben eine antisemitische Motivation oder ein
antisemitisch geprägtes Weltbild. Dennoch (re)produzieren sie - unbewusst oder bewusst -Antisemitismus.
Es ist hilfreich, die unterschiedlichen Ausdrucksformen von Antisemitismus zu unterscheiden. So gibt es - auf die
Gegenwart - bezogen:
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latente Einstellungen, die als nicht öffentlich geäußerte diffuse Mentalitäten bestehen (zum Beispiel Aussagen am Stammtisch),
verbalisierte Diffamierungen, also offen und öffentlich bekundete Abneigungen gegen alle Juden (wie sie
sich z.B. auf Deutschland Altermediainfo.de finden)
politische Forderungen, die auf Benachteiligung von Juden als Juden hinzielen, wie z.B. dass Juden nicht
dieselben Rechte wie alle Staatsbürger erhalten sollen
diskriminierende Praktiken, z.B. bei der Vergabe von Mietwohnungen
Übergriffe auf Personen oder Einrichtungen, z.B. die Attacke auf Rabbiner Alter im vergangenen Sommer oder auf Rabbiner Gurevich im Jahr 2007 in Frankfurt. Rabbiner Gurevich wurde von einem Passanten mit einem Messer angegriffen. Der Täter wurde gefasst und zu 3,5 Jahren Gefängnis verurteilt.
Antisemitismus kann in verschiedenen Begründungsformen auftreten:
religiös in Form von Antijudaismus. Hierzu gleich mehr.
1
Antisemitismus kann als eine Form von politisch-nationalistischer Weltanschauung daher kommen. So zeigt er
sich in rechtspopulistischen oder rechtsextremen Milieus.
Er kann in Form von Antizionismus auftreten bzw. antisemitisch gefärbter Kritik an der Politik des Staates Israel.
Auch auf diesen Punkt werde ich gleich noch einmal eingehen.
Und Antisemitismus kann als sogenannter "sekundärer" Antisemitismus erscheinen. Damit sind jene Vorstellung
gemeint, die aus einer Scham oder Schuldabwehr heraus, Juden bzw. Judentum pauschal negativ betrachten. Charakteristische hier ist z.B. die Aussage: "Viele Juden ziehen Vorteile aus dem Holocaust."
Antisemitismus findet sich auch in muslimischen Milieus. Arye Sharuz-Shalicar beschreibt in seinem Buch "Ein
nasser Hund ist besser als ein trockener Jude"- Die Geschichte eines Deutsch-Iraners, seine Erfahrungen mit Antisemitismus in Berlin-Neukölln. Es wäre falsch, Antisemitismus vor allem als ein Problem der muslimischen
Community in Deutschland wahrzunehmen. Annetta Kahane von der Amedeo Antonio Stiftung beobachtet: „Es
gibt einen aggressiven Mainstream-Antisemitismus, wie man auch bei der Beschneidungsdebatte gesehen hat.
Deshalb ist dieser jüngste Überfall nicht dazu geeignet, eine Debatte zu führen, in der es ausschließlich um Antisemitismus bei Muslimen geht.“ (FR vom 31. August 2012)
Die im Auftrag der Bundesregierung Studie Antisemitismus in Deutschland - Erscheinungsformen, Bedingungen,
Präventionsansätze geht aufgrund empirischer Untersuchungen von latentem Antisemitismus bei ca. 20 % der
Bevölkerung aus. Die Studie nimmt keinen eine Ab- und Zunahme von Antisemitismus wahr. Zwar lässt sich seit
Ende 1950er-Jahren bis in die 1980er Jahre ein kontinuierliches Abnehmen des Antisemitismus beobachten. Von
der Mitte der 80er Jahre bis zu Mitte der 1990er-Jahre ist ein Wiederanstieg wahrzunehmen, der einem Erstarken
des Rechtsextremismus einherging. Seit dem Jahr 2000, dem Beginn der zweiten Intifada, lässt sich eine erhebliche Zunahme beobachten. In den Jahren 2004-2006 kam es zu einer Abschwächung und seit 2007 erneut zu einer
Zunahme. “Dies deutet daraufhin, dass der von der Forschung für die ersten Nachkriegsjahre und die frühe Bundesrepublik festgestellte Trend, nämlich eine stete Abnahme infolge des Generationenwechsels, einer Auf- und
Abbewegung Platz macht.“ (S.58)
Hinzu kommt, dass sich die je konkrete Ausformung des Antisemitismus ändert. Sie zeigt sich z.B. in Israelbezogener Judenfeindschaft. Die Studie kommt zu dem Schluss: „Es spricht einiges dafür, dass die für die deutsche
Situation seit Kriegsende kennzeichnende weitgehende Tabuisierung antisemitischer Äußerungen in der Öffentlichkeit durch eine mittlerweile bis weit in die Mitte der Gesellschaft verbreitete Gewöhnung an alltägliche judenfeindliche Tiraden und Praktiken unterlaufen wird oder bereits unterlaufen ist. [Dabei spielen vor allem eine
mit Antisemitismus unterfütterte Israelkritik und die Abwehr von (behaupteten) Schuldvorwürfen wegen der
nationalsozialistischen Judenverfolgung eine wesentliche Rolle].“ (S.178)
Antisemitismus und Israelkritik
Kritik an der Regierung Israels ist zu prüfen, ob sie „ohne jeglichen antisemitischen Hintergrund auskommt oder
ob sie nur als Plattform für im Kern doch antisemitische Vorurteile dient.“ (S.8) Das Fazit lautet: „dass Israelkritik ohne Antisemitismus zwar durchaus nachweisbar ist, jedoch wesentlich häufiger Kritik an Israel mit antisemitischen Untertönen unterfüttert wird“
Manche von Ihnen mögen fragen, ist es nicht erlaubt, die Politik des Staates Israel zu kritisieren. Selbstverständlich. Die Frage ist jedoch, auf welche Weise dies geschieht. Ich greife die oben zitierten Fragen aus der
Antisemitismusuntersuchung auf, und benenne, das judenfeindliche Element darin.
"Bei der Politik, die Israel macht, kann ich gut verstehen, dass man etwas gegen Juden hat."
Juden - und zwar nicht die Regierung oder die Bürger des Staates - weltweit werden für die Politik des Staates
Israel haftbar bemacht. Zudem ist zu fragen, inwiefern Ressentiments gegen ein Volk aufgrund der Regierungspolitik angemessen sind. Der Satz: Bei der Politik, die Putin macht, kann ich verstehen, dass man etwas gegen
Russen hat, würde Befremden und Ablehnung auslösen.
"Was der Staat Israel heute mit den Palästinensern macht, ist im Prinzip nichts anderes als das, was die Nazis im
Dritten Reich mit den Juden gemacht haben."
Die nationalsozialsozialistische Politik zielte auf die Ermordung aller Juden Europas. Juden in Deutschland wurden systematisch aus dem öffentlichen Leben verdrängt. Ihnen wurden Berufsverbote erteilt, Synagogen wurden
angezündet, Menschen wurden mit dem gelben Stern gekennzeichnet, sie durften keine Haustiere halten. Und
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dann wurden sie deportiert und ermordet. Keine dieser Maßnahmen haben wir im Staat Israel, der einen Bevölkerungsanteil von 20% von Palästinensern hat. Eine Gleichsetzung mit dem NS-Regime dämonisiert den Staat und
seine Politik.
Die christlich geprägte Form des Antisemitismus: der Antijudaismus
Antijudaismus, die christlich geprägte Feindschaft gegenüber Juden und Judentum, existiert seit Beginn des Christentums. Aus dem biblischen Judentum gingen rabbinisches Judentum und Christentum hervor.
Die Auseinandersetzung um das Messias-Sein Jesu und die Frage nach der bleibenden Gültigkeit der Tora, die
anfänglich eine innerjüdische Diskussion war, wurde zu einem Streit um die Wahrheit – und auch die Herrschaft
- zwischen zwei Religionen. Im Zentrum der Auseinandersetzung standen die Fragen: Wer ist Israel? Wem gehört das Heil? Wer ist geliebte Kind Gottes? Das Christentum meinte, das wahre Israel zu sein und die Verheißungen Gottes geerbt zu haben. Dem jüdischen Volk und der jüdischen Religion wurde ihr Anspruch auf die
Wahrheit abgesprochen. Was zunächst eine innerjüdische Diskussion war, wurde zu einem Streit zwischen zwei
Religionen. Der Streit wurde polemisch geführt. Das Judentum diffamiert und herabgesetzt, in dem Juden z.B.
der Vorwurf gemacht wurde Gottesmörder zu sein. Der französische Historiker gab diesem Konglomerat von
Vorstellungen den Ausdruck "Lehre der Verachtung". In den evangelischen und katholischen Kirchen entstand
erst in der 2. Hälfte des 20. Jahrhundert das Bewusstsein, dass die Lehre der Verachtung theologisch falsch und
moralisch verwerflich sei. Antijudaismus als christlich geprägte Form der Judenfeindschaft zieht sich wie ein
roter Faden durch die Geschichte der Kirchen hindurch.
Ein aktueller Bezugspunkt sind die Lutherdekade und das Reformationsjubiläum 2017. In seinen Spätschriften
dämonisierte Martin Luther Juden und Judentum zur Stärkung und Verteidigung der eigenen Position. Luther
dämonisierte nicht allein im übertragenen Sinn, sondern auch im wörtlichen Sinn: Juden und ihre Lehre setzt er
mit dem Teufel gleich. Nicht nur einmal, sondern wieder und wieder. Die Beschimpfungen, Verunglimpfungen
und Dämonisierung ziehen sich wie ein roter Faden durch diese - und andere seine Schriften - hindurch.
Die Auseinandersetzung mit Antisemitismus in den evangelischen Kirchen nach 1945
Eine Verurteilung des Antisemitismus findet sich erstmals 1947 und wird zum festen Bestandteil des Erklärungskanons „Kirche und Judentum“. In der Erklärung der christlichen Mitglieder der neu gegründeten AG Juden und Christen beim Evangelischen Kirchentag heißt es: "Jesus von Nazareth wird verraten, wenn Glieder des
jüdischen Volkes, in dem er zur Welt kam, als Juden missachtet werden. Jede Form von Judenfeindschaft ist
Gottlosigkeit und führt zur Selbstvernichtung."i
Bis in die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts Antisemitismus wird ausschließlich als ein politisches Problem erachtet. Die Einsicht, dass die „Lehre der Verachtung“, wie Jules Isaac treffend den Antijudaismus bezeichnete, revidiert werden müsse, fand erst in den 80er Jahren Eingang in die kirchlichen Erklärungen. Die Erklärung der rheinischen Synode im Jahr 1980 ist die erste, die dies ausspricht.ii „Diese Nichtachtung der bleibenden Erwählung
Israels und seine Verurteilung zur Nichtexistenz haben immer wieder christliche Theologie, kirchliche Predigt
und kirchliches Handeln bis heute gekennzeichnet. Dadurch haben wir uns auch an der physischen Auslöschung
des jüdischen Volkes schuldig gemacht.“1
Synoden und Kirchenleitungen der evangelischen Kirchen in Deutschland haben sich in den vergangenen 60 Jahren
eindeutig positioniert. Der Soziologe Albert Scherr konstatiert: "Für das offizielle Selbstverständnis der in der EKD
zusammengeschlossenen Kirchen ist also ein programmatischer Anti-Antisemitismus kennzeichnend, der eine
Selbstverpflichtung zur Auseinandersetzung mit den Traditionen des christlichen Antisemitismus, die Distanzierung
vom Ziel der Bekehrung der Juden zum christlichen Glauben und die Forderung nach einem interreligiösen Dialog
umfasst."iii
Auch von katholischer Seite gibt es eindeutige Stellungnahmen. Die Erklärung Juden und Christen in Deutschland - Verantwortete Zeitgenossenschaft in einer pluralen Gesellschaft die vom Gesprächskreis Juden und Christen beim ZK der deutschen Katholiken verfasst wurde, heißt es unter der Überschrift Judenfeindschaft - ein alter
Skandal in einem neuen Gewand : "Im Blick auf die Judenfeindschaft, die in jüngster Zeit in vielen Ländern erneut aggressiv auftritt, sind die Christen in die Pflicht genommen. Die selbstverständliche Solidarität mit Juden
erfordert es, dass die Verteidigung gegen judenfeindliche Übergriffe und Äußerungen in der Öffentlichkeit nicht
Sache von Juden allein sein darf. Christen müssen allen Formen der Judenfeindschaft, seien sie alt oder neu, auch
öffentlich entgegentreten."iv
Wie stark sind antisemitische Einstellungen und Vorurteile bei Mitgliedern der Kirche verbreitet?
1
Rendtorff, Dokumente. 595.
3
Bei Christinnen und Christen finden sich gleichermaßen antisemitische Vorstellungen, wie in anderen Teilen der
Gesellschaft. Mitglieder der Kirchen sind keineswegs immun gegenüber judenfeindlichen Vorstellungen, sondern
nach der Erhebung von Andreas Zick und Beate Küppers der Universität Bielefeld sind bei ihnen antisemitische
Vorstellungen sogar etwas stärker ausgeprägt als bei Menschen, die keiner Religionsgemeinschaft angehören. Einige
Religiöse Judenfeindschaft wurde in dieser Erhebung nicht untersucht. Von der Anti-Defamation League aus dem
Jahr 2012 gibt es eine Umfrage. Dort stimmten 14% der Aussage zu "Juden sind für den Tod von Christus" verantwortlich. (Die Werte in den europäischen Ländern rangieren zwischen 14% und 38% in Polen und 46% in
Ungarn.)
In seiner Expertise kommt Scherr zu der Einsicht, "dass die christlichen Kirchen in Westdeutschland keinen
nachweisbaren Einfluss auf ihre Mitglieder haben, der dazu führen würde, dass diese weniger antisemitisch sind
als der Bevölkerungsdurchschnitt bzw. Nicht-Religiöse. ... der programmatische Anspruch der evangelischen
Kirchen, die eigene antisemitische Tradition in einem Prozess der selbstkritischen Auseinandersetzung überwunden zu haben," wurde bisher nicht eingelöst."v
Zwischen dem kirchlichen Leitbild, wie es in Erklärungen und Mission-statements seinen Ausdruck findet und den
Haltungen der Kirchenmitglieder besteht eine erhebliche Differenz. Diese Differenz zwischen Leitbild und de facto
Einstellungen von Kirchenmitgliedern sollte aufrütteln.
Zum Umgang mit dem Erbe mit der Judenfeindschaft
Die Lutherische Europäische Kommission Kirche und Judentum (LEKKJ) verabschiedete 2011 die Erklärung
Martin Luther und das Judentum - Herausforderungen für die Lutherischen Kirchen heute. Im Hinblick auf die
Reformationsdekade erinnert die Kommission an die Erklärung des Lutherischen Weltbundes 1984 in Budapest:
„Die wüsten antijüdischen Schriften des Reformators können wir … weder billigen noch entschuldigen … Die
Sünden von Luthers antijüdischen Äußerungen und die Heftigkeit seiner Angriffe müssen mit großem Bedauern
zugegeben werden. Wir müssen dafür sorgen, dass eine solche Sünde heute und in Zukunft in unseren Kirchen
nicht mehr begangen werden kann.“
Die lutherische Tradition spricht vom status confessionis, wenn es darum geht, zum Kern der Glaubensüberzeugung in der Praxis zu stehen. Die Herausforderung der christlichen Kirchen besteht darin, nicht allein mit Worten Antisemitismus, sondern mit Taten Antisemitismus entgegenzutreten.
Was tut Not?
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Antisemitismus erkennen lernen: über klare Kriterien verfügen und vorbreitet sein
Antisemitismus auf vielfältige Weise thematisieren: politisch (im Gespräch mit den Parteien), in Bezug
auf Bildung (KU, Jugendarbeit, Erwachsenenbildung)
Einen aktiven Konsens in der Kirche und im Kirchenvorstand herstellen, der Antisemitismus verurteilt
Religiösen Antisemitismus aufarbeiten – Reformationsjubiläum; als Kirche (dies bezieht sich auf die einzelne Gemeinde, wie auch die Kirche insgesamt) eindeutig Stellung beziehen
Antisemitismus im Gewand von Israelkritik erkennen und bekämpfen
„Man hat sich hierzulande daran gewöhnt….“ Betrachten wir diesen Satz als eine Herausforderung, antisemitischen Aussagen widersprechen.
Prof. Ursula Rudnick, Arbeitsstelle Kirche und Judentum im HkD, Archivstr. 3, 30169 Hannover
[email protected]
i
Rendtorff, 553.
ii
„Der neue Bund wurde als Gegensatz zum alten Bund, das neue Gottesvolk als Ersetzung des alten Gottesvolkes verstanden. Diese Nichtachtung der bleibenden Erwählung Israels und seine Verurteilung zur Nichtexistenz haben immer wieder
christliche Theologie, kirchliche Predigt und kirchliches Handeln bis heute gekennzeichnet. Dadurch haben wir uns auch der
physischen Auslöschung des jüdischen Volkes schuldig gemacht.“ Rendtorff, Dokumente. 595.
iii
Scherr, 4
iv
Erklärung, 23.
v
Scherr, 13.
4
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